Kohlekraftwerke bei Obiliq/Obilić © L. Ahles (mit freundlicher Genehmigung)
Geschätztes BIP
current US-$ 7.94 Milliarden (2018)
Pro Kopf Einkommen
current US-$ 4.220 (2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
86 (inoffiziell, 2016)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
17.6% (2015)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
29.0 (2017)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
59 von 137 (2020)

Wirtschaft allgemein

Kosovo gehört noch immer zu den sozio-ökonomisch rückständigsten Ländern Europas mit zugleich aber nicht unerheblichem Entwicklungspotential. So lag das pro-Kopf Sozialprodukt 2017 bei nur 26,3% des Durchschnitts in der EU. Die Gründe für die Rückständigkeit liegen erstens in historischer Unterentwicklung, zweitens in den Folgen des serbischen Apartheitsregimes und anschließenden Kosovokriegs in den 1990er Jahren, drittens in den anhaltenden Auswirkungen der international noch immer nur teils anerkannten Unabhängigkeit sowie viertens in nationalen Strukturproblemen. Das Kosovo entwickelte sich erst spät und auch dass nur schleppend zu einer modernen Industriegesellschaft. Nach dem zweiten Weltkrieg waren noch immer 80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, der Großteil in reiner Subsistenzwirtschaft. Die wirtschaftliche Modernisierung im sozialistischen Jugoslawien  konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Schwerindustrie und den Bergbau, d.i. Kosovos enorme Bodenschätze, konzentriert in wenigen Unternehmen, allen voran dem Metallurgiekomplex Trepça/Trepča mit seinen Bergwerken und Schmelzereien. Dieser sozialistische Fokus auf der Schwerindustrie verhinderte ein sozioökonomisches Aufschließen zu den anderen föderalen Einheiten Jugoslawiens, insbesondere den traditionell höher entwickelten nördlichen Republiken. Trotz erheblicher Fördermittel aus einem Bundesfonds für unterentwickelte Gebiete fiel das Kosovo relativ sogar zurück in der wirtschaftlichen Entwicklung Jugoslawiens. 1947 lag Kosovos Pro-Kopf BIP, gemessen als Anteil des BIPs der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawiens (SFRJ), bei 49.2%, 1984 bei 26.3% und 1989 bei 26%. Das serbische Apartheitsregime der 1990er Jahre, das die die kosovoalbanische Bevölkerung aus der offiziellen Wirtschaft und in eine Art Untergrundökonomie drängte, die Unterbrechung der wirtschaftlichen Beziehungen zum ehemaligen gemeinsamen jugoslawischen Markt infolge der Balkankriege sowie die wirtschaftlichen Schäden des Kosovokriegs (Kriegszerstörung und Plünderung) 1999 richteten massiven ökonomischen Schaden an, der durch die anschließende internationalen Hilfsleistungen nur partiell ausgeglichen werden konnte. Schließlich führte die staatliche Loslösung des Kosovo von Serbien, die 2008 mit der Unabhängigkeitserklärung formalisiert wurde, zum Einbruch der externen Handelsbeziehungen, und erst einer allmählichen (Wieder)Integration in die globale Wirtschaft, welche bis heute nicht abgeschlossen ist.

Die Wirtschaft Kosovos weißt seit Kriegsende ein bedeutendes Wachstum und stabile Rahmendaten auf, die aber immer gemessen werden müssen im Verhältnis zum sehr niedrigen Ausgangsstand. So lag etwa das Bruttoinlandsprodukt im Verhältnis zu den übrigen Staaten des ehemaligen Jugoslawien immer noch nur bei 39.7%. Das Wachstum des BIPs betrug im Kosovo zwischen 2005 und 2015 im Schnitt 4.0%; zuletzt gemäß Daten der Weltbank 2017 und 2018 bei 4,2 bzw. 3,8%, 2019 4,0%. Das ökonomische Wachstum nach 1999 ist hauptsächlich auf die internationalen Hilfeleistungen, die Entwicklung des öffentlichen Sektors sowie auf Geldzahlungen von den im Ausland lebenden Kosovaren zurückzuführen, die 2018 auf 800 Mio. Euro geschätzt wurden. Weil die Integration der kosovarischen Wirtschaft in die globale Ökonomie gering ist, war das Land von Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise relativ gering betroffen. Die Preisentwicklung ist im Kosovo sehr moderat. 2008 erreichte die Inflationsrate mit 9.4% ihren Höchstwert nach dem Kosovo-Konflikt. 2009 wurde eine kurze deflationäre Phase mit einer Inflationsrate von -2.4% beobachtet. 2015 stand die Inflationsrate bei -0.5 %, 2017 bei 1,1% und 2018 bei 2,7%. Die Staatsverschuldung ist mit ca. 17.0% des BIPs (2018) sehr gering. 2018 erreichten ausländische Direktinvestitionen ein Niveau von € 567 Mio. In dem von der Weltbank für 185 Länder erhobenen Doing Business Index 2020 liegt Kosovo auf Rang 57, 2019 hatte es noch auf Rang 44, und 2018 auf Rang 40 gelegen. Kosovo wird gemäß diesem Index  eine positive Dynamik für die Entwicklung von Unternehmen bescheinigt.

Die Wirtschaftsstruktur Kosovos ist durch die Existenz von Kleinstunternehmen, welche ca. 98% aller Unternehmen im Kosovo ausmachen, geprägt. 2017 waren 78,8% aller Beschäftigten in KMUs (klein- und mittelständische Unternehmen) tätig. 2018 gab es im Kosovo ca. 10.000 Kleinstunternehmen, die weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigten, 112 kleine Unternehmen (10-49 Beschäftigte), 10 mittelgroße Unternehmen (50-249 Beschäftigte) und lediglich 58 Großunternehmen (> 250 Beschäftigte) zu identifizieren. Die Sektoren in denen KMUs tätig sind: Handel (50%), Transport (14%), Ernährung und Genußmittel (9%), Hotels und Restaurants (9%). Allgemein gilt, dass kosovarische KMUs international kaum wettbewerbsfähig sind. Haupthemmnisse für die Entwicklung von KMUs sind mangelnde Innovationstätigkeit, Diskriminierung von Kleinunternehmen bei Ausschreibungen, begrenzter Zugang zu Finanzmitteln sowie die allgemeinen wirtschaftlichen Probleme. Der SME (engl. für KMU) Policy Index sieht die Entwicklung hinsichtlich der Förderung von KMUs im Kosovo – trotz deutlicher Fortschritte – als unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Staaten der Region.

Wichtige große Unternehmen im Kosovo sind u. a.:

Die Webseite EMIS (Euromony Institutional Investor Company) bietet vielfältige Informationen zu kosovarischen Unternehmen.

Statistische Angaben über die ökonomische Entwicklung des Kosovos liefern u. a. das kosovarische Statistikamt, das Statistikamt der Europäischen Union sowie die Weltbank.

In einer Selbstbeschreibung über den Wirtschaftsstandort Kosovo führt das Handels- und Industrieministerium – bei aller Subjektivität der Darstellung – zentrale Stärken und Entwicklungspotentiale der kosovarischen Wirtschaft auf, welche auf strukturellen Standortvorteilen Kosovos sowie seit Kriegsende durchgeführten Reformen beruhen:

  • Kosovo verfügt über ein junges, dynamisches und polyglottes Arbeitskräftepotential.
  • Lohnkosten (Durchschnittsmonatslohn laut Wiener Institut für Wirtschaftsvergleiche: € 453, Stand 2016) und Lohnnebenkosten sind auch gerade im regionalen Vergleich sehr gering
  • Der Euro verleiht dem Land finanzielle und makroökonomische Stabilität.
  • Kosovo ist Unterzeichner des Central European Free Trade Agreements (CEFTA) und besitzt einen privilegierten Zugang zu den Märkten der EU und der USA.
  • Die Steuerlast ist sehr gering. Die Körperschaftssteuer wird über eine Flatrate von 10% erhoben. Der Mehrwertsteuersatz beträgt 16%.
  • Kosovo verfügt über eine strategisch günstige Lage im Herzen Südosteuropas sowie über eine sich rasch entwickelnde Verkehrsinfrastruktur.
  • Der Bankensektor im Kosovo ist gesund und stabil und wurde nicht von den Verwerfungen jüngerer Wirtschaftskrisen getroffen.
  • Kosovo bietet viele Möglichkeiten für Investitionen, z.B. beim Abbau und der Verarbeitung von Bodenschätzen oder aber auch bei der Entwicklung eines dynamischen IT-Sektors.
  • Kosovo besitzt einen transparenten, mit EU-Recht kompatiblen Rechtsbestand

Das aktuelle kosovarische Wirtschaftsmodell, das auf dem zu einem bedeutenden Anteil durch die Transferzahlungen der Auslandskosovaren aus der großen Diaspora finanzierten privaten Konsum, auf öffentlich finanzierten Infrastrukturprojekten, auf einem auf niedriger Produktivität und begrenztem Außenhandel basierendem Privatsektor und internationaler Unterstützung beruht, ist sehr begrenzt wachstumsorientiert und auf lange Sicht nicht nachhaltig.

Wirtschaftssektoren

Industrielle Stätten im Kosovo © Ph. Rekacewicz, St. Kluser, M. Beilstein, I. Rucevska, C. Marin, O. Simonett (CC-BY-SA-3.0)
Industrielle Stätten im Kosovo © Ph. Rekacewicz, St. Kluser, M. Beilstein, I. Rucevska, C. Marin, O. Simonett (CC-BY-SA-3.0)
Industrieruine © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)
Industrieruine © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)
Weinkeller in Rahovec/Orahovac © M. Sauer)
Weinkeller in Rahovec/Orahovac © M. Sauer)
Subsistenzwirtschaft © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)
Subsistenzwirtschaft © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)

Betrachtet man die sektorale Gliederung der Wirtschaft erkannt man den sehr großen Dienstleistungssektor (ca. 56,9% des Bruttosozialprodukts in 2017) im Vergleich zu den beiden anderen Bereichen Industrie (ca. 31,7%) und Landwirtschaft (ca. 11,4%).

Trotz des geringen Anteils am Sozialprodukt und eines noch geringeren an der Gesamtbeschäftigung (4,4% in 2017) besitzt die Landwirtschaft eine große Bedeutung, einerseits als Einkommensquelle, aber auch als Entwicklungspotential für das Land, da die Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion eigentlich sehr zuträglich sind. 53% der Fläche Kosovos sind agrarwirtschaftlich nutzbar, 2017 wurden 38% der Gesamtfläche bewirtschaftet, davon 45% als Ackerland und 52,1% als Wiesen und Weiden. Die Bevölkerungsstruktur ist ländlich geprägt, mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten. Allerdings ist die landwirtschaftliche Produktion sehr subsistenzorientiert. Daher muss Kosovo den größten Teil seines Bedarfs an landwirtschaftlichen Produkten durch Importe decken. Es gehören ca. 90% des Ackerlands Privatpersonen, aber ebenfalls ca. 90% davon wird in Betrieben von zwischen 0,5 und 5 Hektar bewirtschaftet. Das bedeutet eine ineffiziente Produktion auf kleinen Flächen, mit der nicht viel mehr als der Eigenbedarf gedeckt werden kann. Daher zählen die Einkommen in der Landwirtschaft zu den niedrigsten im Kosovo, während die große Mehrheit der Landbevölkerung arm oder sehr arm ist. Hauptanbauprodukte sind Weizen, Mais, Raps, Kartoffeln und Paprika, sowie Obst. Eine wachsende Rolle spielt der Weinbau.

Die Industrie im Kosovo, in der 2017 30,3% der Beschäftigten tätig waren, bleibt noch immer stark konzentriert auf Bergbau, während das verarbeitende Gewerbe unterentwickelt und die Anlagen größtenteils veraltet sind. Die bedeutendsten industriellen Sektoren sind Metall, Bergbau, Baustoffe, Nahrungsmittel, Textilien und Holz. Im Dienstleistungssektor sind die Bereiche  Informations- undKommunikationstechnologie und Tourismus von Relevanz. Insbesondere dem Bergbau wird dank dem Ressourcenreichtum ein enormes Entwicklungspotential zugeschrieben. Einer Fachanalyse zu Folge werden die Braunkohlevorkommen im Kosovo auf ca. 14.7 Milliarden Tonnen geschätzt, was die fünftgrößten Reserven weltweit wären. Allerdings ist die wirtschaftliche Nutzung infolge von Klimawandel und globaler Umstellung der Energieindustrie auf nicht-fossile Brennstoffe zusehends mit einem Fragezeichen versehen. Neben Braunkohle verfügt das Kosovo über umfangreiche Blei-, Nickel-, Chrom-, Nickel-, Bauxit-, Silber-, Magnesit- und Zinkvorkommen. Eine zentrale Stellung beim Abbau und der Weiterverarbeitung von Bodenschätzen nimmt der Trepça Komplex ein. Das Unternehmen produziert und beschäftigt seit dem Kosovokrieg und der ethno-territorialen Teilung des Konzerns seit Jahren allerdings nur noch einen Bruchteil gegenüber jugoslawischen Zeiten.  Problematisch für den Abbau der Vorkommen und die Entwicklung der entsprechenden Industrie ist der Zustand der selbigen, die von jahrelangem Missmanagement, fehlenden Investitionen und Zerstöungen im Krieg gekennzeichnet ist. Bei der angestrebten Privatisierung ist die unsichere Rechtslage hinderlich.

Weiterführende Informationen zu der Bedeutung des Unternehmens finden sich bei der Universistät von Duke, der European Stability Initiative sowie der International Crisis Group.

Ein wachsender Zweig ist die Bauwirtschaft, die 2017 einen Anteil von 9,9% am Bruttosozialprodukt erwirtschaftete und in der 12,9% der Beschäftigten arbeiteten.

Im Dienstleistungssektor arbeiteten 2017 65,3% der Erwerbstätigen.  Zentrale Branchen sind mit Abstand der Immobiliensektor sowie der Finanzdienstleistungssektor, dann das Transport-und Verkehrswesen als auch der Handel sowie die  Informations- und Kommunikationstechnologie. Eine wachsende Rolle spielt der früher unbedeutende Tourismus, einerseits durch einheimischen Tourismus,  auch Wintersporttourismus (im Wintersportgebiet Brezovicë/Brezovica), andererseits durch die steigende Zahl an Gästen aus der kosovarischen Diaspora.

Dokumentation "The Trepca Story" der European Stability Initiative (ESI) via Youtube

Außenhandel und Integration in den Weltmarkt

Kosovos historisch bedingte, noch immer geringe Integration in die Weltwirtschaft, kombiniert mit den Strukturschwächen seiner Wirtschaft lasten schwer auf seinem Außenhandel, der ein extremes Handelsdefizit aufweist.  So standen 2018 Exporte von 368 Mio. EUR Importen in der Höhe von 3,347 Mrd. EUR gegenüber – einem Defizit von 2,98 Mrd. EUR. Kosovo ist zwar seit 2007 Mitglied des Central Europe Free Trade Agreement (CEFTA) und seit 2009 des Internationalen Währungsfond (IWF) sowie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), aber erst seit 2012 Mitglied der Weltbank und seit 2013 der Europäischen Entwicklungsbank (EIB). Außerdem ist Kosovo Mitglied in folgenden regionalen und europäischen Initiativen: Broadband Southeast Europe Initiative, , Electronic Southeast Europe Initiative, Energy Community Treaty, European Charter for Small Enterprises, European Common Aviation Area Agreement, Non-Tariff Barriers Removal Initiative, Regional Cooperation Council, South East Europe Transport Observatory, South-East European Cooperation Process.

Kosovos wichtigste Ausführgüter waren 2018: bearbeitete Waren (29,1%), Rohstoffe (23%), Fertigwaren (13,7%), Nahrungsmittel und lebende Tiere (9,1%), Getränke und Tabak (7,5%), mineralische Brenn- und Schmierstoffe (6,8%), chemische Erzeugnisse (6,2%), Maschinen und Fahrzeuge (3,7%). Die wichtigsten Abnehmerländer waren dabei Albanien (18,6% aller Exporte), Nordmazedonien (11,9%), Indien (9,9%), Serbien (9,1%), die Schweiz (7,8%), Deutschland (6,8%) und Montenegro (5,3%). Die wichtigsten Einfuhrgüter waren im selben Jahr: bearbeitete Waren (21,6%), Maschinen und Fahrzeuge (20,3%), Nahrungsmittel und lebende Tiere (15,9%), mineralische Brenn- und Schmierstoffe (13,5%), chemische Erzeugnisse (11,1%), Fertigwaren (10,6% aller Importe), Getränke und Tabak (4,2%) sowie Rohstoffe (1,6%). Hauptlieferländer waren dabei Deutschland (11,8%), Serbien (11,6%), Türkei (10,1%), China (9,3%), Albanien (6,2%) und Nordmazedonien (5,1%). Die 28 EU-Mitgliedsstaaten machten 30,2% aller Exporte aus Kosovo aus und 43,5% aller Importe in das Kosovo; die CEFTA-Mitglieder, d.i. vor allem die Nachbarstaaten des ehemaligen Jugoslawiens machten 47,2% aller Exporte aus Kosovo aus und 25,5% aller Importe in das Kosovo; die EFTA-Staaten zeichneten verantwortlich für 8,0% aller Exporte aus Kosovo aus und lediglich 1,1% aller Importe in das Kosovo.

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner Kosovos. Deutschland führte 2018 Waren im Wert von 235 Mio. EUR nach Kosovo aus, v.a. Autos und Autoteile, Maschinen, chemische Erzeugnisse und Nahrungsmittel, und führte kosovarische Waren im Wert von 26 Mio. EUR ein, v.a. Nahrungsmittel, Rohstoffe,  Metallwaren, Möbel und Textilien. Deutsche Direktinvestitionen hatten 2017 einen Gesamtwert von 136 Mio. EUR.

Strukturprobleme

Trotz des substantiellen jährlichen BIP-Wachstums und der Euroisierung der Wirtschaft leidet die kosovarische Wirtschaft an einer Vielzahl an ernsthaften Strukturproblemen. Insgesamt bescheinigte die EU-Kommission Kosovo in ihrem Fortschrittsbericht von 2019, sich „in einer frühen Phase der Entwicklung hin zu einer funktionierenden Markwirtschaft“ zu befinden. Das extreme Handelsbilanzdefizit macht Kosovos Wirtschaft in hohem Maße abhängig von auf zu hohen Gehältern im öffentlichen Sektor und Auslandsüberweisungen der Diaspora basierender einheimischer Konsumption.

Die kosovarische Wirtschaft leider an einer unzureichenden Infrastruktur. Während es in den letzten Jahren deutliche Verbesserungen hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur, v.a. beim Ausbau des Autobahnnetzes gegeben, hat, stellt die instabile Energieversorgung weiterhin ein schwerwiegendes Entwicklungsproblem dar.

Ein zentrales Problem stellt die politische Instabilität mit häufigen Regierungswechseln und fehlender entwicklungsorientierter Wirtschaftspolitik – ein Strukturproblem im gesamten Westbalkan – dar. Das Wirtschaftssystem weißt klare Charakteristika politischer Patronage auf, mit der Dominanz des öffentlichen Sektors. Dazu gehören einerseits die öffentliche Verwaltung, in der extrem hohe Gehälter bezahlt werden basierend auf einer parteipolitisch motivierten Personalpolitik, und andererseits ineffiziente, politisch kontrollierte öffentliche Unternehmen bei gleichzeitig schleppend voranschreitender Privatisierung.

Hinzu kommt ein schwacher Rechtsstaat mit einer schwachen und politisierten Justiz und Polizei, teils kriegsbedingt noch immer unklaren Eigentumsverhältnissen, der mangelnden auch wirtschaftlichen Kontrolle über Teile des kosovarischen Territoriums, in erster Linie der vier mehrheitlich serbisch bewohnten Gemeinden im Norden, sowie das Problem grassierender, systematische Korruption.

Auf diesem Hintergrund blüht weiterhin ein substantieller informeller Wirtschaftssektor, welcher marktwirtschaftliche Regeln unterläuft, Arbeiterrechte und den Sozialstaat aushöhlen. Die EU-Kommission schätzte 2019 den Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttosozialprodukt auf 30%.

Ein weiteres Strukturproblem stellen die unterentwickelten Sozialsysteme dar. Soziale, politisch motivierte Transferzahlungen an privilegierte Gruppen wie Kriegsveteranen anstatt an bedürftige soziale Gruppen, etwa Arme, gehen am Ziel von Sozialhilfe vorbei, fördern wirtschaftliche Inaktivität und stellen eine erhebliche Gefahr für die fiskale Stabilität dar. Unterentwickelt ist auch das Gesundheitswesen; so gibt es bis heute weiterhin keine öffentliche Krankenversicherung im Kosovo.

Das öffentliche Bildungssystem bleibt reformbedürftig, nicht zuletzt weil es, wie im  Großteil des ehemaligen Jugoslawien nicht an die Bedürfnisse des Marktes angepasst ist.Eines der zentralen, traditionellen sozioökonomischen Strukturprobleme im Kosovo bleibt die extrem hohe Arbeitslosigkeit wie ihre Verteilung. Die Zahl der Arbeitslosen lag Ende im Ende 2019 bei ca. 130.300 Personen. Die Arbeitslosenquote lag dem Labour Force Survey 2019 zu Folge im vierten Quartal 2019  bei 25.9%. Der Arbeitsmarkt im Kosovo ist geprägt durch eine niedrige Erwerbsbeteiligung (Beschäftigungsqoute Ende 2019: 30,7%), ein hohes Maß an langfristiger Arbeitslosigkeit (über 70% aller Arbeitslosen) und Jugendarbeitslosigkeit (Jugendarbeitslosigkeitsquote 2019, Q4: 49,1%) sowie durch erhebliche Genderdisparitäten (Frauenbeschäftigungsquote 2016, Q4: 22,4%, gegenüber einer Männerbeschäftigungsquote von 60,2%). Im Kosovo existiert allerdings ein sehr ausgedehnter informeller, nicht von der Statistik erfasster Sektor, welcher z. B. ein Großteil der Frauen umfasst, die in Subsistenzwirtschaften Leistungen im Agrarsektor erbringen. Folgen der Informalität sind Einnahmeeinbußen bei den Sozialabgaben sowie ein Mangel an sozialer und arbeitsrechtlicher Absicherung der Arbeitnehmer. Eine staatliche Arbeitslosenversicherung existiert im Kosovo nicht. Jährlich drängen ungefähr 36.000 junge Arbeitssuchende neu auf den Arbeitsmarkt, von denen nur ein geringer Teil absorbiert werden kann. Für die überwiegende Mehrheit bleibt daher eine der folgenden Optionen: (weiterführende) Aus- und Weiterbildung, Studium, Arbeitslosigkeit, informellen Beschäftigung oder Migration. Schätzungen gehen davon aus, dass ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 4,7% nötig wär, um die Arbeitslosenquote konstant zu halten. Ca. ein Drittel aller junge Kosovaren geht weder einer Schulbildung, Ausbildung oder Beschäftigung nach. Die Arbeitgeber bemängeln, dass der Ausbildungsstand der jungen Kosovaren nicht den Bedürfnissen der Unternehmen nach qualifizierten Arbeitskräfte entspricht. Hieraus resultiert das Paradoxon der Gleichzeitigkeit von hoher Arbeitslosigkeit und unbesetzter Arbeitsstellen.

Ein weiteres Problem ist, dass die ökonomischen und sozialen Statistikdaten immer noch unvollständig und Teils von mangelnder Qualität sind, was sowohl die Bewertung der effektiven Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigt als auch die wirtschafts- und sozialpolitische Planung.

Wirtschaftspolitik

Neben einer Reihe sektorspezifischer Entwicklungsstrategien und -programme (z. B. die Energiestrategie , die Strategie zur Entwicklung der tertiären Bildung, die Strategie zur Unterstützung KMUs, der Strategie zur Modernisierung der Verwaltung, und der Anti-Korruptionsplan), hat die Regierung 2015 eine für die Wirtschaftspolitik übergeordnete Strategie für die wirtschaftliche Entwicklung im Kosovo vorgestellt. Ziel ist die Koordinierung von Entwicklungsprogrammen und institutionellen Prozessen unterschiedlicher nationaler und internationale Institutionen zur Maximierung der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung. Ein Ansatz in diese Richtung war das wirtschaftliche Reformprogramm Kosovos 2017. Kernziele des Reformprogramms war, ein stabiles makroökonomisches Umfeld aufrechtzuerhalten, das potenzielle Wachstum des Kosovo und die langfristigen Beschäftigungsaussichten zu erhöhen. Im Detail sah der Plan vor Infrastrukturprojekte zu realisieren, den regulatorischen Rahmen für den Bankensektor zu optimieren und so die Kreditvergabe an den produktiven Sektor zu erleichtern und das öffentlichen Beschaffungssystems zu verbessern.

Eine Übersicht zu den Strategien und strategischen Dokumenten der kosovarischen Regierung, gestaffelt nach Institutionen, findet sich auf der Webseite des Premierministers

Der nach dem Konflikt unter internationaler Überwachung gestartete Privatisierungsprozess ist vor allem vor dem Hintergrund des nicht ausgeschöpften ökonomischen Potentials und der Absicherung arbeitslos gewordener Arbeitnehmer*innen – Schätzungen gehen von 75'000 Beschäftigten aus, die ihre Arbeit im Zuge der Privatisierung verloren – eher kritisch zu sehen. Vorwürfe der mangelnden Kompetenz, Missmanagement und Bestechung im Zusammenhang mit den Prozessen der Privatisierung sind keine Einzelfälle. Bis 2016 wurden von der Privatisierungsagentur Kosovos in fast 1300 Privatisierungs- oder Liquiditierungsverfahren ca. € 660 Millionen Privatisierungserlöse erzielt. Bei der Bekämpfung von Korruption und informeller Ökonomie sind keine nachhaltigen Erfolge ersichtlich. Im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen werden wiederholt Korruptionsvorwürfe aufgeworfen. Steuerhinterziehung erreicht im regionalen Vergleich ein Höchstmaß. Diese Ursachen führen zu ineffizienter Marktallokation und Vertrauensverlust in die Funktionsfähigkeit ökonomischer Märkte. Die Erfolge wirtschaftspolitischer Maßnahmen, die diese Probleme bekämpfen, sind bisher eher begrenzt. So existiert keine gesetzliche Arbeitslosenversicherung als wesentliches Element einer Arbeitsmarktpolitik bzw. Beschäftigungspolitik. Während keine Arbeitslosenversicherung existiert, bleibt zugleich der Umfang aktiver Arbeitsmarktpolitik ist begrenzt. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2014 ca. 10% aller registrierten Arbeitslosen an entsprechenden Maßnahmen teilnahmen. Die Sozialhilfe fungiert daher als residuales öffentliches Sicherungsnetz.

Die Ende Februar 2020 ins Amt gekommene Regierung hat sich, angeführt von der linksdogmatisch-sozialdemokratischen VV, ein ambitioniertes sozio-ökonomisches Reformprogramm auf die Fahnen geschrieben, das neben der grundlegenden Reform der Sozialsysteme inklusive Einführung einer gesetzliche Krankenversicherung entwicklungsorientierte wirtschaftspolitische Strukturreformen vorsieht darunter die Reform zentraler öffentlicher Unternehmen. 

Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie

Das Ausgreifen der Pandemie auf Kosovo im 2. Quartal 2020 hat massive Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes in 2020. Die national und international getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Krise wirken sich v.a. negativ auf Tourismus, den Expert, Transferleistungen aus der Diaspora und auf ausländische Direktinvestitionen aus. Extern sind es die Reisebeschränkungen und Grenzschließungen sowie die globale Rezession, intern die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und Schließung eines Großteils der Wirtschaft, die sich negativ ökonomisch auswirken. Damit sind v.a. die dynamischsten Sektoren betroffen, Handel. Gastgewerbe, Industrie, Baugewerbe und Landwirtschaft. Lagen die Prognosen für das Wirtschaftswachstum Anfang 2020 noch bei 3,5% BIP, s erwartet der IWF nun eine Rezession von 5,0%. Im Tourismus, dem Export oder der Gehältern von kosovarischen Saisonarbeitern im Ausland berechnet der Fond einen Rückgang zwischen 17 und 20%, bei den so wichtigen Transferzahlungen der Diaspora um 10%. Ein Rückgang der Steuereinnahmen von 12% wird erwartet. 56% der Geschäfte mussten vorübergehend schließen und die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg zwischen Januar und April um das Fünffache gegenüber dem Vorjahr.

Die kosovarische Regierung hat beginnend im März ein umfassendes Bündel an Hilfsmaßnahmen zur Abfederung der sozio-ökonomischen Folgen der Pandemie verabschiedet im Gesamtumfang von 2,5 % des BIP: Transferzahlungen an Unternehmen, die Zahlung von Sozialabgaben für Arbeitnehmer bestimmter Betriebe, die Zahlung von Arbeitslosenhilfe und erhöhten Sozialhilfebeträgen für Sozialschwache sowie Gehaltszuschläge für Polizisten und Beschäftigte im Gesundheitssektor. Internationale Geldgeber haben Kosovo umfangreiche Finanzhilfen zugesagt: 100 Mio. EUR von der EU sowie 50 Mio. EUR vom IWF an günstigen Soforthilfekrediten zur Finanzierung der gestiegenen Gesundheitskosten und zum Schließen der Haushaltlücken.

Anfang Juli sahen die Prognosen für die Wirtschaftsentwicklung gemischt aus: Erwartet wurde eine Rezession von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2020, für 2012 aber wieder ein Anstieg um 4,0 Prozent. Beim Import, privaten Konsum und Investitionen wurde insgesamt ein leicht über dem Einbruch von 2020 liegender Wert für 2021 prognostiziert. Verkompliziert wurde die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch den tumultartigen Regierungswechsel Anfang Juni 2020 wie der dramatische Wiederanstieg der Infektionszahlen seither wie den anschließenden erneuten Restriktionen im öffentlichen und Wirtschaftsleben.

Im Herbst 2020 gingen die meisten Institute von einem Rückgang des BIP um 5% aus, sowie von einem starken Wachstum in 2021 um 7,5%. Die Hoti-Regierung verabschiedete im Juni 2020 ein wirtschaftliches Erholungsprogramm für 2020-21 im Umfang von 365 Millionen Euro. Die Schwerpunkte des Programms bilden: die Bürger können für 4 Monate 10% der von Ihnen in den Rentenfonds eingezahlten Beiträge abheben; Arbeitsfördermaßnahmen; finanzielle Unterstützung für Unternehmen sowie Steuererleichterungen. Die Maßnahme zum vorübergehenden Zugriff auf den Rentenfonds ist auf ein gemischtes Echo getroffen. Einerseits wurde begrüßt, dass die Maßnahme das Wirtschaftswachstum fördern könne, andererseits wurde eingewandt, dass die am meisten an den Folgen der Pandemie leidenden Teile der Bevölkerung keinen Nutzen haben werden, da sie bisher wenig in den Fonds einzahlen konnten.

 

Entwicklung allgemein

Entwicklungspotentiale des Kosovo sind, wie beschrieben, durchaus vorhanden. Allerdings ist die aktuelle Situation in Hinblick auf politische, ökonomische, soziale und ökologische Aspekte unabhängig von teils substantiellen Verbesserungen in vielen Bereichen eher negativ zu bewerten. Kosovo gehört trotz – vielleicht zu einem Teil auch gerade wegen – jahrelanger internationaler Verwaltung und Überwachung und immenser finanzieller Unterstützungen zu den ärmsten Ländern Europas. Die Lebensbedingungen breiter Bevölkerungsschichten sind teilweise frappierend schlecht. In vereinzelten gesellschaftspolitischen Bereichen (z. B. bezogen auf den Arbeitsmarkt) besitzt Kosovo den Entwicklungsstand eines Entwicklungslandes. Die Entwicklungsziele nationaler und internationaler Akteure richten sich besonders an der Integration Kosovos in die euro-atlantischen Strukturen aus und stehen im Einklang mit den Entwicklungszielen 2030 der UN. Ein nationaler Entwicklungsplan (kurz PLAN), der vier verschiedene gesellschaftliche Handlungsfelder (Humankapital, Rechtsstaatlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Infrastruktur) in ihrer komplexen Verschachtelung erfasst, wurde im Januar 2016 von der kosovarischen Regierung veröffentlicht. Die Umsetzung dieses Programs sowie des ökonomischen Reformprograms 2017 steht in Einklang mit den Entwicklungsprogrammen der Vereinten Nationen, dem Aktionsplan 2011-2015 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), dem gemeinsamen Entwicklungsplan 2011-2015, den Aktionsplänen für Partnerschaft der EU sowie dem Nationalen Programm zur Implementierung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union. Die angestrebten Entwicklungslinien in den einzelnen Plänen sind weitestgehend kongruent. Die Breite der beschriebenen Bereiche verdeutlicht die immensen Entwicklungsaufgaben, die in den nächsten Jahren im Kosovo zu bewältigen sind. Thematisiert werden Aufgaben bezüglich Demokratisierung, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Minderheitenschutz, regionale und transnationale Integration, ökonomische Entwicklung, Ökologie, Bildung, Sozialpolitik sowie Sicherheit. In einer Resolution des kosovarischen Parlamentes aus dem Jahr 2008 hat sich das Land verpflichtet, die Milleniumsziele der Vereinten Nationen bis 2015 zu erfüllen und gleichzeitig die wesentlichen Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dazu aufgerufen, die Ziele bei der Umsetzung ihrer Politik zu berücksichtigen. Auch in dem Post 2015 Prozess, welcher unter dem Titel Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung geführt wird ist Kosovo beteiligt, tatkräftig unterstützt durch die UNDP im Kosovo, auch wenn das Land bisher kein UN-Mitglied ist. Bisweilen ist von den acht Zielen allerdings nur das einer universellen Grundschulbildung erreicht. In allen anderen Bereichen existieren teils erhebliche Defizite.

Entwicklungszusammenarbeit

Übersicht zu den staatlichen Leistungen der wichtigsten bilateralen Partner © OECD at Glance 2017-18
Übersicht zu den staatlichen Leistungen der wichtigsten bilateralen Partner © OECD at Glance 2017-18

Auf einer von der EU-Kommission organisierten Geberkonferenz 2008 in Brüssel  sagte die internationale Gemeinschaft Kosovo Aufbauhilfen in Höhe von 1,2 Milliarden für die kommenden drei Jahre zu.

Laut OECD erhielt Kosovo 2016 bilaterale und multilaterale Netto-Entwicklungshilfe (ODA) in Höhe von US$ 370,0 Millionen, 2017 392,4 Millionen, 2018 344,8 Millionen. Der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttoninlandsprodukt sank von 14.1% in 2009 auf 2.7% in 2017.

Die zehn größten Geberländer bzw. -institutionen waren 2017-8 die Europäische Union (US$ 160,2 Mio.), die Vereinigten Staaten von Amerika (49,4), Deutschland (43,655), die Schweiz (21,0), die OSZE (18,3), Schweden (15,9), Türkei (11,2), Österreich (8,4), und Luxemburg (7,8). Das Britische Department for International Development (DFID) beendete seine Mission im Kosovo Ende 2012. Weitere bedeutende vor Ort operierende Institutionen sind UNDP, UNICEF, WHO, Weltbank, IWF, EIB, EBRD.

Wichtigster Geldgeber ist, wie angeführt, die Europäische Union. Seit 2007 erhält Kosovo Mittel aus dem EU-Finanzierungsinstrument für Heranführungshilfen (IPA), das Reformen (potentieller) EU-Beitrittskandidaten finanziell unterstützt. Die Mittel für den Zeitraum 2014-2020 umfassen Ausgaben in Höhe € 645.5 Millionen.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit führte im Kosovo zwischen 2000 und 2011 288 Projekte durch und hat in diesem Zeitraum ODA-Mittel in Höhe US$ 139 Millionen zugesagt. Auf der internationalen Geberkonferenz in 2008 machte die deutsche Bundesregierung nach den USA die zweitgrößte bilaterale Zusage. Der finanzielle Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit 2012 umfasste € 28.3 Mio. Im Jahr 2017 wurden nach Regierungsverhandlungen Mittel in Höhe von € 45,2 Mio. zugesagt, darunter € 22,6 Mio. für finanzielle und € 17,1 Mio. für technische Zusammenarbeit. Für die Jahre 2018 und 2019 beliefen sich die Zusagen für die finanzielle Zusammenarbeit auf zusammen genommen € 36,35 Mio. und die technischen Zusammenarbeit auf € 23,7 Mio. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nennt als Schwerpunkte der deutsch-kosovarischen Zusammenarbeit folgende Bereiche: Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung, Energie und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Übergeordnetes Ziel ist es, Kosovo bei der Integration in die EU zu unterstützen. Infolge der europäischen Flüchtlingskrise 2015-16 und dem starken Migration aus dem Kosovo ohne Perspektive auf Asyl wurde 2017 außerdem das Rückkehrer- und Reintegrationsprogramms "Perspektive Heimat" eingerichtet, das darauf abzielt, abgelehnten Asylbewerbern eine berufliche Perspektive in Kosovo durch Aus- und Weiterbildung, Beschäftigungsförderung und Existenzgründung zu bieten.

Durchführungsorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort sind die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fokus auf der technischen, sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit Fokus auf der finanziellen Zusammenarbeit. Die Anzahl der im Kosovo vertretenen deutschen NGOs war nach dem Konflikt sehr hoch, hat sich allerdings seither stark reduziert. Politische Stiftungen, welche mit einem Büro vor Ort vertreten sind, sind die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist mit einem Lektor in Prishtina präsent.

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde im Dezember 2020 zum letzten Mal aktualisiert.  

Über die Autoren

Bodo Weber ist Politologe und Osteuropahistoriker (M.A.). Er arbeitet seit über 25 Jahren zur Region Westbalkan in unterschiedlichen Funktionen, u.a. für deutsche politische Stiftungen und div. internationale Organisationen und gilt als einer der führenden westlichen Balkanexperten. Als Senior Associate des Democratization Policy Council (DPC), einer transatlantischen Denkfabrik, lebt und arbeitet er in Berlin. Er spricht fließend Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Zu seinen Kernkompetenzen gehören neben Demokratie- und Rechtsstaatsförderung, EU Asyl- und Migrationspolitik sowie deutsche und europäische Außen- und Sicherheitspolitik.

Michael Sauer

Zwischen 2015 und 2018 beriet Prof. Dr. Michael Sauer das kosovarische Ministerium für Arbeit und Soziales zu dem Themenschwerpunkt Migration. Seit Oktober 2018 arbeitet er als Professor für nachhaltige Sozialpolitik an der FH Bonn-Rhein-Sieg. 

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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Kontakt

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Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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