Kohlekraftwerke bei Obiliq/Obilić © L. Ahles (mit freundlicher Genehmigung)
Geschätztes BIP
current US-$ 7.13 Milliarden (2017)
Pro Kopf Einkommen
current US-$ 3'890 (2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
86 (inoffiziell, 2016)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
17.6% (2015)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
23.2 (2015)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
49 von 129 (2018)

Wirtschaft allgemein

Das Wachstum des BIPs betrug im Kosovo zwischen 2005 und 2015 im Schnitt 4.0%; zuletzt gemäß Daten der Weltbank (2017) 6.2%. Das ökonomische Wachstum nach 1999 ist hauptsächlich auf die internationalen Hilfeleistungen, die Entwicklung des öffentlichen Sektors sowie auf Geldzahlungen von den im Ausland lebenden Kosovaren zurückzuführen. Die Integration der kosovarischen Wirtschaft in die globale Ökonomie ist gering, was dazu führte, dass das Land von Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise relativ gering getroffen wurde. Ein Problem für die Entwicklung der kosovarischen Wirtschaft ist das krasse Missverhältnis von Importen und Exporten. 2015 importierte Kosovo Güter im Wert von € 2.63 Milliarden und exportierte Güter im Wert von € 325 Millionen, was zu einem enormen Außenhandelsdefizit führt. Indien, Albanien und Mazedonien waren 2015 die drei wichtigsten Handelspartner bezogen auf den Export, Serbien, Deutschland  und die Türkei bezogen auf den Import. Die Preisentwicklung ist im Kosovo sehr moderat. 2008 erreichte die Inflationsrate mit 9.4% ihre Höchstwert nach dem Kosovo-Konflikt. 2009 wurde eine kurze deflationäre Phase mit einer Inflationsrate von -2.4% beobachtet. 2015 stand die Inflationsrate bei -0.5 %. Die Staatsverschuldung ist mit ca. 16.0% des BIPs (2017) sehr gering. 2017 erreichten ausländische Direktinvestitionen ein Niveau von € 450 Mio. In dem von der Weltbank für 185 Länder erhobenen Doing Business Index 2018 liegt Kosovo auf Rang 40. Kosovo wird gemäß diesem Index (welcher durchaus zu hinterfragen ist, was hier allerdings unterbleiben soll) eine positive Dynamik für die Entwicklung von Unternehmen bescheinigt. 

Die kosovarische Wirtschaft leidet unter abgebrochenen Handelsbeziehungen in Folge des Kosovo-Konflikts, genauso wie unter unzureichenden Infrastrukturinvestitionen. Der ökonomische Entwicklungsrückstand ist allerdings nicht alleine auf die Konflikte um die Jahrtausendwende zurückzuführen. Kosovo war/ist eine/s der ärmsten Regionen/Länder in Europa. Die soziale und wirtschaftliche Rückständigkeit hat sich im Laufe der Zeit verfestigt. 1947 lag Kosovos Pro-Kopf BIP, gemessen als Anteil des BIPs der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawiens (SFRJ), bei 49.2%, 1984 bei 26.3% und 1989 bei 26%. 2011 lag dieser Wert, gemessen als Anteil eines hypothetischen BIPs der SFRJ, bei 39.7%. Trotz des substantiellen jährlichen BIP-Wachstums und der Euroisierung der Wirtschaft bleibt die kosovarische Ökonomie massiven Herausforderungen ausgesetzt. Das extreme Handelsbilanzdefizit macht Kosovo in hohem Maße von ausländischer Hilfe und Überweisungen abhängig. Der Anteil der informellen Wirtschaftsleistung ist immens – schätzungsweise zwischen 27% und 45%. Weitere Probleme sind die unzureichende Infrastruktur (Energie, Wasser und Verkehr), ungelöste rechtliche Verhältnisse, mangelnde Transparenz, Korruption, Kriminalität, etc. In einer Selbstbeschreibung über den Wirtschaftsstandort Kosovo führt das Handels- und Industrieministerium folgende Stärken der kosovarischen Wirtschaft auf:

  • Kosovo verfügt über ein junges, dynamisches und polyglottes Arbeitskräftepotential.

  • Lohnkosten (Durchschnittsmonatslohn laut Wiener Institut für Wirtschaftsvergleiche: € 453, Stand 2016) und Lohnnebenkosten sind auch gerade im regionalen Vergleich sehr gering.

  • Der Euro verleiht dem Land finanzielle und makroökonomische Stabilität.

  • Kosovo ist Unterzeichner des Central European Free Trade Agreements (CEFTA) und besitzt einen privilegierten Zugang zu den Märkten der EU und der USA.

  • Die Steuerlast ist sehr gering. Die Körperschaftssteuer wird über eine Flatrate von 10% erhoben. Der Mehrwertsteuersatz beträgt 16%.

  • Kosovo besitzt ein sich stabilisierendes politisches Umfeld.

  • Kosovo besitzt einen transparenten, mit EU-Recht kompatiblen Rechtsbestand.

  • Kosovo verfügt über eine strategisch günstige Lage im Herzen Südosteuropas sowie über eine sich rasch entwickelnde Verkehrsinfrastruktur.

  • Der Bankensektor im Kosovo ist gesund und stabil und wurde nicht von den Verwerfungen jüngerer Wirtschaftskrisen getroffen.

  • Kosovo bietet viele Möglichkeiten für Investitionen, z.B. beim Abbau und der Verarbeitung von Bodenschätzen oder aber auch bei der Entwicklung eines dynamischen IT-Sektors.

Diese Aufzählung stellt naturgemäß eine recht einseitige Sicht der ökonomischen Situation im Kosovo dar und darf sicherlich nicht ohne Diskussion als Grundlage einer Argumentation dienen. Ob nicht gerade die unsichere politische Situation – man denke hier an den Aspekt der Korruption – oder aber offene Fragen in Hinblick auf Rechtsstaatlichkeit ausländische Investoren daran hindern, Investitionen im Kosovo zu tätigen, wäre nur eine der Fragen, die aufzuwerfen sind. Eine andere Frage ist, ob die niedrige Steuer- und Abgabenlast nicht teils dazu führt, dass staatliche Investitionen zum Ausbau eines Bildungs- und Gesundheitssystems, die im regionalen und internationalen Vergleich eher schwach ausgebildet sind, unterbleiben. Die Frage nach dem Arbeitskräftepotential führt geradewegs zu einem der größten (sozialen und wirtschaftlichen) Probleme Kosovos, nämlich dem der Arbeitslosigkeit.

Die Zahl der Arbeitslosen lag Ende im Herbst 2016 bei ca. 132.000 Personen. Die Arbeitslosenquote lag dem Labour Force Survey 2016 zu Folge im dritten Quartal 2016  bei 27.5% und damit deutlich unter dem Jahresduchschnitt 2015. Der Arbeitsmarkt im Kosovo ist geprägt durch eine niedrige Erwerbsbeteiligung, ein hohes Maß an langfristiger Arbeitslosigkeit (über 70% aller Arbeitslosen) und Jugendarbeitslosigkeit (Jugendarbeitslosigkeitsquote 2016, Q3: 52.7%) sowie durch erhebliche Genderdisparitäten (Frauenbeschäftigungsquote 2016, Q3: 13.1%, gegenüber einer Männerbeschäftigungsquote 2016, Q3 von 44.9%). Im Kosovo existiert allerdings ein sehr ausgedehnter informeller, nicht von der Statistik erfasster Sektor, welcher z. B. ein Großteil der Frauen umfasst, die in Subsistenzwirtschaften Leistungen im Agrarsektor erbringen. Folgen der Informalität sind Einnahmeeinbußen bei den Sozialabgaben sowie ein Mangel an sozialer und arbeitsrechtlicher Absicherung der Arbeitnehmer. 2014 konnten durch die öffentlichen Arbeitsagenturen 3% der registrierten Arbeitssuchende in Beschäftigung und 2,5% in Weiterbildungsmaßnahmen vermittelt werden. Eine staatliche Arbeitslosenversicherung existiert im Kosovo nicht. Jährlich drängen ungefähr 36.000 junge Arbeitssuchende neu auf den Arbeitsmarkt, von denen nur ein geringer Teil absorbiert werden kann. Für die überwiegende Mehrheit bleibt daher eine der folgenden Optionen: (weiterführende) Aus- und Weiterbildung, Studium, Arbeitslosigkeit, informellen Beschäftigung oder Migration. Schätzungen gehen davon aus, dass ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 4,7% nötig wären um die Arbeitslosenquote, welche aktuell bei ca. 35% liegt, konstant zu halten. Ca. ein Drittel aller junge Kosovaren geht weder einer Schulbildung, Ausbildung oder Beschäftigung (NEET: not in education, eployment and training) nach. Die Arbeitgeber bemängeln, dass der Ausbildungsstand der jungen Kosovaren nicht den Bedürfnissen der Unternehmen nach qualifizierten Arbeitskräfte entspricht. Hieraus resultiert das Paradoxon der Gleichzeitigkeit von hoher Arbeitslosigkeit und unbesetzter Arbeitsstellen. Obwohl keine aktuellen Daten verfügbar sind, kann aus älteren Studien geschlossen werden, dass im Kosovo eine Tradition der Kinderarbeit existiert. Kinder sind demnach insbesondere als Straßenhändler (Verkauf von Zigaretten), in der Hausarbeit und in der landwirtschaftlichen Produktion tätig. Das Durchschnittsalter der arbeitenden Kinder beträgt 12.5 Jahre, die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit liegt bei 6.5 Stunden in den Sommerferien und 4 Stunden während des Schuljahres. Der durchschnittliche Tageslohn wird auf € 7 geschätzt.

Umfassende statistische Angaben über die ökonomische Entwicklung des Kosovos liefern u. a. das kosovarische Statistikamt, das Statistikamt der Europäischen Union sowie die Weltbank.

Im Juni 2013 hat die kosovarische Regierung ein Rahmenabkommen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) unterzeichnet. Die EIB besitzt somit ein Mandat Projekte im Kosovo zu finanzieren, die die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft des Landes stärken sollen. Finanziert werden insbesondere Projekte aus den Bereichen Energie, Telekommunikation, Verkehr und Umwelt.

Wirtschaftssektoren

Industrielle Stätten im Kosovo © Ph. Rekacewicz, St. Kluser, M. Beilstein, I. Rucevska, C. Marin, O. Simonett (CC-BY-SA-3.0)
Industrielle Stätten im Kosovo © Ph. Rekacewicz, St. Kluser, M. Beilstein, I. Rucevska, C. Marin, O. Simonett (CC-BY-SA-3.0)
Industrieruine © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)
Industrieruine © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)
Weinkeller in Rahovec/Orahovac © M. Sauer)
Weinkeller in Rahovec/Orahovac © M. Sauer)
Subsistenzwirtschaft © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)
Subsistenzwirtschaft © H. Scheffler (mit freundlicher Genehmigung)

Betrachtet man die sektorale Gliederung der Wirtschaft erkannt man den sehr großen Dienstleistungssektor (ca. 66%) im Vergleich zu den beiden anderen Bereichen Industrie (ca. 22%) und Landwirtschaft (ca. 12%). Trotz des geringen Anteils besitzt die Landwirtschaft eine große Bedeutung, einerseits als Einkommensquelle, aber auch als Entwicklungspotential für das Land, da die Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion eigentlich sehr zuträglich sind. Die Bevölkerungsstruktur ist ländlich geprägt, mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten. Allerdings ist die landwirtschaftliche Produktion sehr subsistenzorientiert. Das bedeutet eine ineffiziente Produktion auf kleinen Flächen, mit der nicht viel mehr als der Eigenbedarf gedeckt werden kann. Hauptanbauprodukte sind Weizen, Mais, Raps und Trauben. Die bedeutendsten industriellen Sektoren sind Metal, Bergbau, Baustoffe, Nahrungsmittel, Textilien und Holz. Im Dienstleistungssektor sind die Bereiche  Informations- undKommunikationstechnologie und Tourismus von Relevanz. Insbesondere dem Bergbau wird dank dem Ressourcenreichtum ein enormes Entwicklungspotential zugeschrieben. Einer Fachanalyse zu Folge werden die Braunkohlevorkommen im Kosovo auf ca. 14.7 Milliarden Tonnen geschätzt, was die fünftgrößten Reserven weltweit wären. Neben Braunkohle verfügt das Kosovo über umfangreiche Blei-, Nickel-, Chrom-, Bauxit-, Silber-, Magnesit- und Zinkvorkommen. Eine zentrale Stellung beim Abbau und der Weiterverarbeitung von Bodenschätzen nimmt der Trepça Komplex  ein. Weiterführende Informationen zu der Bedeutung des Unternehmens finden sich bei der Universistät von Duke, der European Stability Initiative oder der International Crisis Group. Problematisch für den Abbau der Vorkommen und die Entwicklung einer entsprechenden Industrie ist der Zustand der selbigen, die von jahrelangem Missmanagement, fehlenden Investitionen und Zerstörungen im Krieg gekennzeichnet ist. Bei der angestrebten Privatisierung ist die unsichere Rechtslage hinderlich.

Die Wirtschaftsstruktur Kosovos ist durch die Existenz von Kleinstunternehmen, welche ca. 98% aller Unternehmen im Kosovo ausmachen, geprägt. Ca. 100'000 Unternehmen beschäftigen als Kleinstunternehmen weniger als neun Mitarbeiter. Ca. 1'400 Unternehmen sind als klein (10-49 Beschäftigte), 220 Unternehmen als mittelgroß (50-249 Beschäftigte) und lediglich 58 Unternehmen als groß (> 250 Beschäftigte) zu identifizieren. Die Sektoren in denen KMUs (klein- und mittelständische Unternehmen) tätig sind: Handel (50%), Transport (14%), Ernährung und Genußmittel (9%), Hotels und Restaurants (9%). Allgemein gilt, dass kosovarische KMUs international kaum wettbewerbsfähig sind. Haupthemmnisse für die Entwicklung von KMUs sind mangelnde Innovationstätigkeit, Diskriminierung von Kleinunternehmen bei Ausschreibungen, begrenzter Zugang zu Finanzmitteln sowie die allgemeinen wirtschaftlichen Probleme wie politische Instabilität, Mängel in der Rechtsstaatlichkeit, insbesondere der große Überhang an juristischen Altlasten, Korruption, Fachkräftemangel, mangelnde Infrastruktur etc. Der SME (engl. für KMU) Policy Index sieht die Entwicklung hinsichtlich der Förderung von KMUs im Kosovo – trotz deutlicher Fortschritte – als unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Staaten der Region.

Große Unternehmen sind z. B.:

Die Webseite EMIS (Euromony Institutional Investor Company) bietet vielfältige Informationen zu kosovarischen Unternehmen.

Wirtschaftspolitik

Neben einer Reihe sektorspezifischer Entwicklungsstrategien und -programme (z. B. die Energiestrategie , die Strategie zur Entwicklung der tertiären Bildung, die Strategie zur Unterstützung KMUs, der Strategie zur Modernisierung der Verwaltung, und der Anti-Korruptionsplan), hat die Regierung 2015 eine für die Wirtschaftspolitik übergeordnete Strategie für die wirtschaftliche Entwicklung im Kosovo vorgestellt. Ziel ist die Koordinierung von Entwicklungsprogrammen und institutionellen Prozessen unterschiedlicher nationaler und internationale Institutionen zur Maximierung der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung . Ein Ansatz in diese Richtung ist das wirtschaftliche Reformprogramm Kosovos 2017. Kernziele des Reformprogramms sind ein stabiles makroökonomisches Umfeld aufrechtzuerhalten, das potenzielle Wachstum des Kosovo und die langfristigen Beschäftigungsaussichten zu erhöhen. Im Detail sieht der Plan vor Infrastrukturprojekte zu realisieren, den regulatorischen Rahmen für den Bankensektor zu optimieren und so die Kreditvergabe an den produktiven Sektor zu erleichtern und das öffentlichen Beschaffungssystems zu verbessern.

Eine Übersicht zu den Strategien und strategischen Dokumenten der kosovarischen Regierung, gestaffelt nach Institutionen, findet sich auf der Webseite des Premierministers

Der nach dem Konflikt unter internationaler Überwachung gestartete Privatisierungsprozess ist vor allem vor dem Hintergrund des nicht ausgeschöpften ökonomischen Potentials und der Absicherung arbeitslos gewordener Arbeitnehmer*innen – Schätzungen gehen von 75'000 Beschäftigten aus, die ihre Arbeit im Zuge der Privatisierung verloren – eher kritisch zu sehen. Vorwürfe der mangelnden Kompetenz, Missmanagement und Bestechung im Zusammenhang mit den Prozessen der Privatisierung sind keine Einzelfälle. Bis 2016 wurden von der Privatisierungsagentur Kosovos in fast 1300 Privatisierungs- oder Liquiditierungsverfahren ca. € 660 Millionen Privatisierungserlöse erzielt. Bei der Bekämpfung von Korruption und informeller Ökonomie sind keine nachhaltigen Erfolge ersichtlich. Im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen werden wiederholt Korruptionsvorwürfe aufgeworfen. Steuerhinterziehung erreicht im regionalen Vergleich ein Höchstmaß. Diese Ursachen führen zu ineffizienter Marktallokation und Vertrauensverlust in die Funktionsfähigkeit ökonomischer Märkte. Die Erfolge wirtschaftspolitischer Maßnahmen, die diese Probleme bekämpfen sind bisher eher begrenzt. So existiert keine gesetzliche Arbeitslosenversicherung als wesentliches Element einer Arbeitsmarktpolitik bzw. Beschäftigungspolitik. Hier fungiert die Sozialhilfe als residuales öffentliches Sicherungsnetz. Auch der Umfang einer aktiven Arbeitsmarktpolitik ist begrenzt. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2014 ca. 10% aller registrierten Arbeitslosen an entsprechenden Maßnahmen teilnahmen (gegenüber 4% in 2008).

Eines der wirtschaftspolitischen Ziele ist, Kosovo weiter in die internationalen und regionalen Wirtschaftsbeziehungen zu integrieren. Hilfreich hierfür ist die Teilnahme an (regionalen) transnationalen Initiativen. Neben der Mitgliedschaft bei der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond ist Kosovo bislang Mitglied in folgenden Initiativen: Broadband Southeast Europe Initiative, Central Europe Free Trade Agreement, Electronic Southeast Europe Initiative, Energy Community Treaty, European Charter for Small Enterprises, European Common Aviation Area Agreement, Non-Tariff Barriers Removal Initiative, Regional Cooperation Council, South East Europe Transport Observatory, South-East European Cooperation Process. Eine weiterreichende regionale Integration könnte die Mitgliedschaft in folgenden Initiativen bewirken: South East Europe Cooperative Initiative (Royaumont process), South East Europe Cooperation Process (Balkan Cooperation), Central European Initiative, Organization of Black Sea Economic Cooperation.

Entwicklung allgemein

Entwiklungspotentiale des Kosovo sind, wie beschrieben, durchaus vorhanden. Allerdings ist die aktuelle Situation in Hinblick auf politische, ökonomische, soziale und ökologische Aspekte unabhängig von teils substantiellen Verbesserungen in vielen Bereichen eher negativ zu bewerten. Kosovo gehört trotz – vielleicht zu einem Teil auch gerade wegen – jahrelanger internationaler Verwaltung und Überwachung und immenser finanzieller Unterstützungen zu den ärmsten Ländern Europas. Die Lebensbedingungen breiter Bevölkerungsschichten sind teilweise frappierend schlecht. In vereinzelten gesellschaftspolitischen Bereichen (z. B. bezogen auf den Arbeitsmarkt) besitzt Kosovo den Entwicklungsstand eines Entwicklungslandes. Die Entwicklungsziele nationaler und internationaler Akteure richten sich besonders an der Integration Kosovos in die euro-atlantischen Strukturen aus und stehen im Einklang mit den Entwicklungszielen 2030 der UN. Ein nationaler Entwicklungsplan (kurz PLAN), der vier verschiedene gesellschaftliche Handlungsfelder (Humankapital, Rechtsstaatlichkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Infrastruktur) in ihrer komplexen Verschachtelung erfasst, wurde im Januar 2016 von der kosovarischen Regierung veröffentlicht. Die Umsetzung dieses Programs sowie des ökonomischen Reformprograms 2017 steht in Einklang mit den Entwicklungsprogrammen der Vereinten Nationen, dem Aktionsplan 2011-2015 des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), dem gemeinsamen Entwicklungsplan 2011-2015, den Aktionsplänen für Partnerschaft der EU sowie dem Nationalen Programm zur Implementierung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union. Die angestrebten Entwicklungslinien in den einzelnen Plänen sind weitestgehend kongruent. Die Breite der beschriebenen Bereiche verdeutlicht die immensen Entwicklungsaufgaben, die in den nächsten Jahren im Kosovo zu bewältigen sind. Thematisiert werden Aufgaben bezüglich Demokratisierung, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Minderheitenschutz, regionale und transnationale Integration, ökonomische Entwicklung, Ökologie, Bildung, Sozialpolitik sowie Sicherheit. In einer Resolution des kosovarischen Parlamentes aus dem Jahr 2008 hat sich das Land verpflichtet, die Milleniumsziele der Vereinten Nationen bis 2015 zu erfüllen und gleichzeitig die wesentlichen Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dazu aufgerufen, die Ziele bei der Umsetzung ihrer Politik zu berücksichtigen. Auch in dem Post 2015 Prozess, welcher unter dem Titel Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung geführt wird ist Kosovo beteiligt. Bisweilen ist von den acht Zielen allerdings nur das einer universellen Grundschulbildung erreicht. In allen anderen Bereichen existieren teils erhebliche Defizite.

Entwicklungszusammenarbeit

Auf einer von der EU-Kommission organisierten Geberkonferenz 2008 in Brüssel  sagte die internationale Gemeinschaft Kosovo Aufbauhilfen in Höhe von 1,2 Milliarden für die kommenden drei Jahre zu. Laut CRS Datenbank der OECD erhielt Kosovo 2014 bilaterale und multilaterale Entwicklungshilfe (ODA) in Höhe von US$ 241,5 Millionen, 2015 185,7 Millionen und 2016 177,3 Millionen. Der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttoninlandsprodukt sank von 14.1% in 2009 auf 2.7% in 2017. Die zehn größten Geberländer bzw. -institutionen waren 2015 die Europäische Union (jährliche Hilfe von US$ 204 Mio.), Deutschland (55), die Vereinigten Staaten von Amerika (47), die Schweiz (27), die OSZE (19), Schweden (14), Norwegen (12), Österreich (7), das Vereinigte Königreich (6) und Luxemburg (4). Das Britische Department for International Development (DFID) beendete seine Mission im Kosovo Ende 2012. Weitere bedeutende vor Ort operierende Institutionen sind UNDP, UNICEF, WHO, Weltbank, IWF, EIB, EBRD.

Wichtigster Geldgeber ist, wie angeführt, die Europäische Union. Seit 2007 erhält Kosovo Mittel aus dem EU-Finanzierungsinstrument für Heranführungshilfen, das Reformen (potentieller) EU-Beitrittskandidaten finanziell unterstützt. Die Mittel für den Zeitraum 2014-2020 umfassen Ausgaben in Höhe € 645.5 Millionen.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit führte im Kosovo zwischen 2000 und 2011 288 Projekte durch und hat in diesem Zeitraum ODA-Mittel in Höhe US$ 139 Millionen zugesagt. Auf der internationalen Geberkonferenz in 2008 machte die deutsche Bundesregierung nach den USA die zweitgrößte bilaterale Zusage. Der finanzielle Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit 2012 umfasste € 28.3 Mio. Im Jahr 2016 wurden nach Regierungsverhandlungen Mittel in Höhe von € 47 Mio. zugesagt: € 31 Mio. für finanzielle und € 16 Mio. für technische Zusammenarbeit. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nennt als Schwerpunkte der deutsch-kosovarischen Zusammenarbeit folgende Bereiche: Auf- und Ausbau der öffentlichen Versorgungsinfrastruktur (Energie und Wasser), Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, Verwaltungsreform und Dezentralisierung sowie Grundbildung und außerschulische Bildung. Übergeordnetes Ziel ist es, Kosovo bei der Integration in die EU zu unterstützen. Durchführungsorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort sind die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fokus auf der technischen, sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit Fokus auf der finanziellen Zusammenarbeit. Die Anzahl der im Kosovo vertretenen deutschen NGOs war nach dem Konflikt sehr hoch, hat sich allerdings seither stark reduziert. Politische Stiftungen, welche mit einem Büro vor Ort vertreten sind, sind die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist mit einem Lektor in Prishtina präsent.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde im September 2018 zum letzten Mal aktualisiert.  

Der Autor

Zwischen 2015 und 2018 beriet Prof. Dr. Michael Sauer  das kosovarische Ministerium für Arbeit und Soziales zu dem Themenschwerpunkt Migration. Seit Oktober 2018 arbeitet er als Professor für nachhaltige Sozialpolitik an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)228 4460 2036

Zum Kontaktformular

Download