Denkmal für die "Helden der Revolution". © Anke Timmann
Tag der Unabhängigkeit
19. Juli 1949
Staatsoberhaupt
Bounnhang Vorachit (seit 20.4.2016)
Regierungschef
Thongloun Sisoulith (seit 20.4.2016)
Politisches System
Sozialistisches Einparteiensystem
Demokratie Status-Index (BTI)
Rang 122 (von 137) (2020)
Korruptionsindex (CPI)
Rang 130 (von 180) (2019)

Geschichte

Der Reichsgründer Fa Ngum © Anke Timmann
Der Reichsgründer Fa Ngum © Anke Timmann

Das Land der Lao (Pathet Lao) fand erstmalig im Jahre 1353 Erwähnung als nationalstaatliches Gebilde unter dem Prinzen Fa Ngum mit der Proklamation des Königreiches der Millionen Elefanten unter dem weißen Schirm  (Lan Xang Hom Khao).

1641 erkundete der Niederländer Gerrit van Wuysthoff das Land. Seine Reiseeindrücke sind auf Niederländisch und Französisch erschienen und gelten als erste europäische Beschreibungen über das Land.

Im 17. Jahrhundert zerfiel das Königreich Lan Xang aufgrund von Streitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie in drei Einzelreiche: Luang Prabang in Nordlaos, Vientiane in Zentrallaos und Champassak in Südlaos. Im 18. Jahrhundert kamen diese Einzelreiche teilweise unter siamesische teilweise unter burmesische Herrschaft.

1867 begann mit der Einsetzung August Pavies als Vizekonsul die französische Besetzung. Auf der Genfer Indochinakonferenz 1954 wurde Laos unabhängig, alle fremden Truppen mussten das Land verlassen.

In den 1940er Jahren entstand unter Führung von Kaysone Phomvihane die laotische Befreiungsbewegung Pathet Lao, ein Vorläufer der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP).

Am 2. Dezember 1975 übernahm die Pathet Lao die Macht, die "Demokratische Volksrepublik Laos" entstand.  Vorangegangen war eine Zeit  französischer Kolonisierung, einem Bürgerkrieg mit drei Fraktionen in den 1960er und 1970er Jahren und dem anschließenden "Secret War".

Die formale sozialistische Orientierung des Landes, gemischt mit der starken Jahrhunderte alten buddhistischen Prägung und teilweise animistischen Ritualen, stellt einen nicht einfach zu fassenden ideologischen Hintergrund dar. Laos befindet sich zwischen Marx und Money im Prozess der Nationenbildung.

Durch den Bruch von knapp sechs Jahrhunderten Königreich zum sozialistischen Staat gestaltet sich die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte in Laos wohl auch in Zukunft spannend, wechselhaft und ambivalent.

Staat und Staatsaufbau

Die Nationalversammlung in Vientiane © Anke Timmann
Die Nationalversammlung in Vientiane © Anke Timmann

Sathalanalat Paxathipatai Paxaxon Lao (Demokratische Volksrepublik Laos) - so der offizielle Name des Landes. Laos ist eine Volksdemokratie mit sozialistischer Orientierung. Die Volksrepublik wurde am 2. Dezember 1975 vom ehemaligen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei und ersten Premierminister Kaysone Phomvihane mit der Abschaffung der Monarchie und dem absoluten Führungsanspruch der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) proklamiert.

Das Staatsmotto ist "Frieden, Unabhängigkeit, Demokratie, Einheit und Wohlstand".  

Der Premierminister (Thongloun Sisoulith) als Oberhaupt der Regierung, seine aktuell drei Stellvertreter, (Dr. Bounthong Chitmany, Dr. Sonexay Siphandone und Somdy Duangdy), der Präsident des Staatlichen Planungskomitees, der Außenminister, der stellvertretende Präsident (Phankham Viphavanh) sowie der Ministerrat werden vom Staatspräsidenten für einen Zeitraum von 5 Jahren berufen. Die Nationalversammlung muss der Berufung zustimmen. Die Ministerien unterstehen dem Premierminister.

Die Verfassung wurde 1991 verabschiedet und im Jahr 2003 ergänzt. Oppositionelle Parteien und Bewegungen sind verboten. Die Bevölkerung steht unter strikter Kontrolle der LRVP und ist von sozialistischen Strukturen geprägt, d.h. Gewerkschaften, Jugendorganisationen und Verbänden existieren als Alternative zu den offiziell verbotenen Parteien. Die Parteiführung behält jedoch die Kontrolle über diese Organisationen. Legal sind nur die offiziellen Massenorganisationen  wie Gewerkschaften, Frauenverbände, Jugendverbände und offizielle Bauernverbände.

Neben dem obersten Gerichtshof existieren auf Provinz- und Distriktebene Militärgerichte. Die Umsetzung bestehender Gesetze erfolgt nur inkonsequent, die Rechtssicherheit ist gering ausgeprägt. Programme der Internationalen Zusammenarbeit unterstützen u.a. die Stärkung der Rechtssicherheit. Dabei wird versucht, auch das bestehende "Customary Law" (Gewohnheitsrecht) mit einzubeziehen, das in vielen Teilen des Landes das soziale Handeln prägt. Schlichtung nimmt bei Konflikten einen großen Stellenwert ein.

Die vom Volk gewählte 149-köpfige Nationalversammlung stellt die Legislative dar. Die meisten Abgeordneten der Nationalversammlung sind entweder Mitglieder der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) oder von dieser vorgeschlagen. Sie werden in geheimen und direkten Wahlen vom Volk für einen Zeitraum von 5 Jahren gewählt.

Wahlen 2016

Die Wahl zur jetzigen Nationalversammlung der 8. Legislaturperiode fand im März 2016 statt. Die Wahlbeteiligung lag offiziell bei 97,9 Prozent - ungefähr 3,73 Millionen Menschen gingen wählen. Die Mitglieder der neuen Nationalversammlung wurden aus 211 Kandidatinnen und Kandidaten gewählt. Die Anzahl der Sitze wurde von 132 auf 149 erhöht, um dem Bevölkerungswachstum Rechnung zu tragen. Ungefähr ein Viertel der neuen Mitglieder sind Frauen. 

Der vorherige Vizepräsident Bounnhang Vorachit wurde am 20. April 2016 von der Nationalversammlung zum neuen Präsidenten des Landes gewählt. Auf dem Parteitag im Januar 2016 hatte er bereits das Amt des Parteivorsitzenden übernommen. In Laos fallen diese beiden Ämter traditionell zusammen. 

Administrative Einteilung

Das Land lässt sich in drei Regionen unterteilen: Nord-, Zentral,- und Südlaos. Administrativ ist Laos in 17 Provinzen (Khoueng) und eine Regierungsprovinz (Khampeng Nakhon) eingeteilt. Die ehemalige militärische Sonderverwaltungszone Xaisomboun (Khet Piset), wurde 2006 den Provinzen Vientiane und Xiang Khouang zugeordnet und ist seit Ende 2013 eine eigene Provinz. Die Provinzen sind jeweils in Distrikte unterteilt.

Laotische Revolutionäre Volkspartei

Die einzige Partei des Landes, die Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP) hat ihre Ursprünge in der Kommunistischen Partei (KP) Indochinas. Als ihr Gründungsvater gilt Kaysone Phomvihane, der die Partei im Jahr 1955 gründete und ihr bis zu seinem Tod im Jahr 1992 vorstand.

Seit dem Sieg der revolutionären Kräfte am 2. Dezember 1975 erhebt die Partei den alleinigen Führungsanspruch. Dieser ist per Verfassung gesichert, die mit Unterstützung der ehemaligen DDR ausgearbeitet wurde.

Die Partei setzt ihre Entscheidungen mittels eines 11-köpfigen Politbüros durch. Mit Pany Yathotou gehört seit dem Parteitag im Jahr 2006 erstmals auch eine Frau dem Politbüro an.

Ausführendes Organ des Politbüros ist das 69-köpfige Zentralkomitee.

10. Parteitag - Januar/März 2016

Auf dem 10. Parteitag im Januar 2016 stellten sich der damalige Parteivorsitzende Choummaly Sayasone und die damaligen Politbüromitglieder Thongsing Thammavong (Premierminister) Asang Laoly and Somsavat Lengsavad (beide Vize-Premierminister) für eine Wiederwahl ins Politbüro und das Zentralkomitee nicht zur Verfügung.

Choummaly Sayasone übergab den Parteivorsitz an den neu gewählten Parteivorsitzenden Bounnhang Vorachit.

Als neue Politbüromitglieder wurden gewählt:

1. Bounnhang Vorachit
2. Thongloun Sisoulith
3. Pany Yathotou
4. Dr. Bounthong Chitmany
5. Dr. Phankham Viphavanh
6. Mr Chansy Phosikham
7. Dr. Xaysomphone Phomvihane
8. Lt. Gen. Chansamone Chanyalath
9. Dr. Khamphanh Phommathat
10. Dr. Sinlavong Khoutphaythoune
11. Dr. Sonexay Siphandone

Welchen Kurs wählt Laos' neuer Premierminister?

Der seit 2016 amtierende Premierminister Thongloun Sisoulith macht von sich reden. Er geht strikt gegen Korruption vor, nimmt das enorme Drogenproblem in Laos in Angriff, das Verbot Nutzholz aus Laos zu exportieren (Mai 2016) scheint Erfolg zu haben. Thongloun pflegt internationale Beziehungen, repräsentierte als langjähriger Außenminister (2001-2016) Laos kompetent bei der UN-Vollversammlung, benennt die aktuellen Probleme offen und kann eingestehen, dass einige davon nur mit internationaler Unterstützung zu lösen sind.

"Undoubtedly more outward-looking than his predecessors, this places Thongloun as an essential figure at a time when Laos can no longer turn away from globalization", so David Hutt in seinem Artikel "Is Laos' New Leader Really a Reformer?" (The Diplomat, 26. April 2017)

Und dennoch fehlt in Laos jegliches politische Engagement, die Menschenrechtslage zu verbessern. Sombaths Verschwinden ist nach über sechs Jahren noch immer nicht aufgeklärt, freie Meinungsäußerung wird nach wie vor unterdrückt und hart bestraft, auch online.

"His goal, in essence, is to save the Communist Party from itself. Only through purging the Party of its excesses can it avoid a confrontation with the people [...]. He understands that the political status quo can only be maintained through change", schließt Hutt seinen Artikel.

Suthichai Yoon, ehemaliger Mitherausgeber der thailändischen Zeitung The Nation, führte 2017 ein Interview mit dem laotischen Premierminister, in dem beide recht offen über aktuelle politische Entscheidungen plaudern.   

Innenpolitik

In Laos bestimmen personelle und traditionelle Verflechtungen seit Jahrhunderten das politische Geschehen. Diese entstehen aus Familienbindungen und Hochschulcliquen. Parteipolitik und Regierungshandeln sind nicht voneinander zu trennen.

Der alleinige Führungsanspruch der LRVP und die wachsende Diskrepanz zwischen dem politischen Überbau und der neu entstehenden finanzkräftigen Mittelschicht ist ein weiteres Konfliktfeld.

Das Nebeneinander zahlreicher Ethnien ist zwar einerseits Quelle kulturellen Reichtums des Landes, stellt aber im Hinblick auf seine weitere Entwicklung zugleich eine große politische Herausforderung dar und bildet den Nährboden für weitreichendes Konfliktpotential.

Die Hmong, die größte Gruppe der Lao Sung (auch "Meo" genannt), die während des II. Indochinakrieges unter ihrem Führer General Vang Pao auf der Seite der USA gekämpft haben, verfolgen teilweise nach wie vor Unabhängigkeitsbestrebungen. Vang Pao war eine der zentralen Figuren des geheimen Krieges, den die USA in den 1960er und 1970ern in Laos führten. Von der CIA war der charismatische Kämpfer jahrelang dafür bezahlt worden, die Angehörigen der ethnischen Hmong in Laos gegen die kommunistische Pathet Lao anzuführen. Als die USA schließlich 1975 den Krieg verloren und sich aus Südostasien zurückzogen, emigrierten mit Vang Pao Tausende von Hmong in die USA. Vang Pao war eine umstrittene Figur. Hmong-Angehörige in den USA verehrten ihn als Befreier und Kämpfer gegen ausländische Invasoren. 2007 wurde er in den USA des Umsturzversuches in Laos angeklagt. Er hatte Waffen, Geld und Munition gesammelt, um die kommunistische Regierung in Laos umzustürzen. Der 80-Jährige musste danach vorerst seine Pläne aufgeben, nach Laos zu reisen, da dort immer noch ein Todesurteil auf ihn wartete, das die kommunistischen Regierung 1975 nach der Machtergreifung in seiner Abwesenheit verhängt hatte. Die Anklage wurde jedoch 2009 fallengelassen.

Am 6. Januar 2011 starb Vang Pao im Alter von 81 Jahren im kalifornischen Exil.

Innerhalb von Laos kommt es in den Siedlungsgebieten der Hmong immer wieder zu Zwischenfällen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und die Gesellschaft für bedrohte Völker berichten über die Ereignisse in Laos und auch über die Zwangsrepatriierung der Hmong aus thailändischen Flüchtlingslagern nach Laos. 

In der Vergangenheit war in offiziellen Stellungnahmen der Regierung von bewaffneten Aufständen gegen die Regierung die Rede, inzwischen gibt es nach offiziellen Angaben keine Hmong-Splittergruppen mehr in den Wäldern von Laos. Laut unbestätigten Gerüchten jedoch geht das Militär in der Region Xaysomboun sehr gewalttätig gegen Angehörige der noch dort lebenden Hmong vor.

Die Brüsseler Nichtregierungsorganisation UNPO (Unrepresented Nations & Peoples Organization) dokumentiert in einer Zeitleiste die jüngsten Zwischenfälle in Laos.

Erinnerungskultur

Ende 2015 feierte die Partei ihre 40-jährige Herrschaft. Um ihren Führungsanspruch zu festigen, nutzt die Parteiführung jede sich bietende Möglichkeit, die Geschichte des Landes in ihrem Sinne zu interpretieren. Dabei bedient sich die Parteiführung auch buddhistisch-monarchischer Symbole: Statuen früherer Könige werden an prominenten Stellen aufgestellt und offiziell mit Heldengeschichten verknüpft. 

Das 450-jährige Jubiläum von Vientiane als Hauptstadt wurde im November 2010 mit Paraden, Feuerwerk und kulturellen Aufführungen gefeiert. Im Jahr 1560 verlegte König Sethathirat die Hauptstadt von Xiang Thong (jetzt Luang Prabang) nach Vientiane. Die live im Fernsehen übertragene Feier präsentierte das heutige Vientiane als moderne Hauptstadt, friedlich, sicher und politisch stabil. Laos wurde als ein unabhängiges Land mit einer traditionsreichen Vergangenheit und einer eigenen Kultur präsentiert.

Ziel dieser Marketingkampagne waren auch die Auslandslaoten, von denen viele extra zu diesem Anlass nach Laos gekommen waren und die in vielen Ansprachen der Führungskader explizit adressiert wurden.

Die laotische Regierung nutzt die laotische Kultur - vor allem buddhistische Rituale - als sozial integrierendes und Nationalidentität stiftendes Element. Im Bewusstsein, dass Kultur eine große Chance ist, das bildungspolitische, soziale und ökonomische Leben zu gestalten, versucht die Regierung verschiedene regionale kulturelle Traditionen zu pflegen und darüber hinaus gleichzeitig eine gemeinsame laotische Nationalkultur zu prägen.

Korruption

"Korruption ist allgegenwärtig, sie ist Tradition geworden", werden Einwohner Vientianes zitiert. Die Verluste durch Korruption haben sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. In Laos "kämpft man gegen die Korruption, aber nicht gegen die Korrupten". Verhaftet und zur Rechenschaft gezogen werden meist nur die "kleinen Fische".

2019 kritisierten Mitglieder der Nationalversammlung die allgegenwärtige Korruption. Trotz des Versprechens und engagierten Einsatzes gegen Korruption zu Beginn seiner Amtszeit ist es Premier Thongloun Sisoulith bisher nicht gelungen, Korruption erfolgreich einzudämmen. Ohne einen politischen Wechsel scheint auch weiterhin kein Ende der Korruption in Sicht.

Zu den gängigen korrupten Praktiken gehören die Verschleppung von Amtsvorgängen, Bestechung, Urkundenfälschung, Änderung technischer Standards und Projektierungsunterlagen sowie die Minderbewertung beim Verkauf staatlichen Eigentums und die falsche Berechnung erbrachter Leistungen. Im Straßenbau beispielsweise bezahlt die Regierung für einen Kilometer 1,7 Mio. US$ während die realen Baukosten gerade einmal 400.000 US $ ausmachen. 

Im jährlich von Transparency International erstellten Corruption Perception Index (CPI) liegt Laos im Jahr 2019 auf Platz 130 von 180 mit einer Punktzahl von 29 im unteren Viertel auf einer Skala von hoch korrupt (0) bis sehr sauber (100).

Menschenrechte

Das Strafgesetzbuch verbietet nach wie vor Handlungen, die aus Regierungssicht den Staat verleumden oder ihn schwächen. Alle Medien werden strikt kontrolliert, Arbeitern werden ihre Rechte verweigert. Die existierenden Gewerkschaften sind nicht unabhängig, sondern Teil der von der Partei errichteten zentralen Lao Federation of Trade Unions (LFTU).

Im Jahresbericht 2017 kritisiert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) noch immer die Einschränkung der Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit und die verschärfte Kontrolle zivilgesellschaftlicher Organisationen.  

Zur Sitzung des UN-Menschenrechtsrats im Januar 2015 musste Laos einen zweiten Universal Periodic Review (UPR) vorlegen, im Juli 2015 akzeptierte Laos 116 der 196 Empfehlungen und wies darauf hin, dass es in den restlichen Empfehlungen eine andere Auffassung vertrat. Die Themen Recht auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit bedürfen laut des Berichtes verstärkter internationaler Aufmerksamkeit.

Human Rights Watch (HRW) kritisiert die gängige Praxis des Einsperrens von Drogenabhängigen in Entzugseinrichtungen. 2011 veröffentlichte HRW einen detaillierten Bericht über Somsanga, eine Drogenentzugseinrichtung in Vientiane, mit der Empfehlung, Somsanga zu schließen. Die Abhängigen werden oft monate- oder sogar jahrelang ohne Verhandlung und gegen ihren Willen eingesperrt, misshandelt und geschlagen und erhalten keine angemessene medizinische Behandlung.

Besondere Erwähnung fanden die Fälle von Sombath Somphone und Sompawn Khantisouk. Beide waren in zivilgesellschaftlichen Organisationen aktiv, Sombath verschwand 2012 in Vientiane, Sompawn 2007 in Luang Namtha.

Bisher sind wenige Bemühungen sichtbar, die systematischen Menschenrechtsverletzungen anzugehen. Dies wird auch in einer Übersicht des United Nations Human Rights Office of the High Commissioner (OHCHR) zur aktuellen Menschenrechtssituation im Land deutlich.

Zivilgesellschaft und internationale NGOs

Eine Zivilgesellschaft ist in Laos kaum ausgeprägt. Die meisten Organisationen, die die Bildung einer Zivilgesellschaft unterstützen, sind mit internationaler Hilfe gegründet. Das iNGO-Netzwerk (Netzwerk internationaler Nichtregierungsorganisationen) mit zurzeit knapp 80 Mitgliedsorganisationen hat sich zum Ziel gesetzt, Informationen innerhalb der Mitgliedsorganisationen zu bündeln und zu verbreiten. Zusätzlich sucht das Netzwerk den Dialog mit der Regierung und unterstützt die Bildung einer Zivilgesellschaft.

Das 9. Asia-Europe People's Forum im Oktober 2012 in Vientiane

Eine große Chance für die laotische Zivilgesellschaft sich international auszutauschen und zu vernetzen bot das 9. zivilgesellschaftliche Forum (Asia-Europe People's Forum, AEPF9). Es fand im Oktober 2012 im Vorfeld des Asia-Europe Meeting (ASEM9) in Vientiane statt und wurde von vielen als positiver Impuls zur Entwicklung der Zivilgesellschaft wahrgenommen. 

Wichtige und aktuelle Themen wie der Bau des Xayaburi-Staudamms und Landraub wurden zum Teil unerwartet offen diskutiert und machten Hoffnung auf eine politische Öffnung des Landes.

Doch im Nachhinein erwiesen sich die Hoffnungen als verfrüht. Zivilgesellschaftliche Organisationen kamen unter Druck und Sombath Somphone, einer der Organisatoren verschwand spurlos. Der Gründer und ehemalige Direktor der laotischen Organisation PADETC (Participatory Development Training Center) hatte als Mitglied des Nationalen Organisationskomitees eine prominente Rolle beim AEPF9 und hielt sowohl bei der Eröffnung als auch beim Abschlusstreffen eine Rede.    

Mit PADETC baute Sombath ein umfangreiches Trainingsinstitut auf, mit dem Ziel, neben der Wissensvermittlung Kopf und Herz gleichermaßen in die Freiwilligenarbeit zu integrieren. 2005 erhielt er für sein soziales Engagement im Bereich "Community Leadership" den Magsaysay-Preis.  Das "spiritual well-being" ist für seine Arbeit ein zentraler Aspekt. "What makes you happy?" fragt er sich und andere immer wieder. Mit dieser Frage beschäftigt sich auch der Film "Happy Laos", der im Rahmen der Freiwilligenarbeit bei PADETC entstand und Abschluss des AEPF9 gezeigt wurde.   

Sombath Somphone

Seine Frau Ng Shui Meng sah ihn zuletzt am 15. Dezember 2012. Sie waren mit zwei Autos auf dem Heimweg. Dort kam Sombath jedoch nie an. Bilder einer Überwachungskamera zeigen, wie Sombath in eine Polizeikontrolle kommt und später weggebracht wird.

Seither gibt es kein Lebenszeichen mehr von Sombath. 

Auch sechs Jahre später, 2018 gibt es trotz zahlreicher  - auch internationaler Nachforschungen - noch keine Hinweise auf Sombaths Verschwinden. Im Gegenteil, die Furcht vor Repressalien ist gewachsen, die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen ist erschwert und es gibt keine Kooperation der laotischen Behörden mit internationalen Organisationen zur Aufklärung von Sombaths Verschwinden. Regelmäßig erinnert seine Frau Ng Shui Meng an Sombath. 

Mehr zu den Hintergründen:

In einem Interview 2012 mit ABC (Australian Broadcasting Association) spricht Sombaths Frau Ng Shui Meng über die Ereignisse und bittet die laotische Regierung um Aufklärung. Auch die EU äußert in einer Erklärung ihre Besorgnis und appelliert an die laotische Regierung, den Fall so schnell wie möglich aufzuklären. Thailändische NGOs unterstützen ebenfalls den Aufruf zur Aufklärung. Human Rights Watch (HRW) befürchtet, dass Sombath in der Gewalt laotischer Behörden ist und fordert die laotische Regierung zu zügigen und objektiven Ermittlungen auf.

In einer Regierungserklärung vom 19.12.2012 weist der Sprecher des laotischen Außenministeriums jede Verantwortung an dem Fall zurück: "Die Männer im Video sind nicht zu identifizieren. Ursache für Sombaths Entführung könnten auch private Streitigkeiten oder ein Geschäftskonflikt sein."

Eine Woche vorher, am ersten Dezemberwochenende 2012, war Ann-Sophie Gindroz, die Geschäftsführerin der Schweizer NGO Helvetas aus Laos ausgewiesen worden. Ein Zusammenhang zwischen Sombaths Verschwinden, seiner Arbeit, seiner Mitwirkung beim AEPF9 und der Ausweisung von Gindroz lässt sich kaum leugnen.

Medien

Medien sollen regionale Integration unterstützen. © Anke Timmann
Medien sollen regionale Integration unterstützen. © Anke Timmann
Der Zeitschriftenmarkt wächst. © Anke Timmann
Der Zeitschriftenmarkt wächst. © Anke Timmann

Die laotische Medienlandschaft ist staatlich kontrolliert. Die gesamte Presse sowie das laotische Fernsehen und Radio unterstehen dem Ministerium für Information, Kultur und Tourismus. Pressefreiheit existiert nur auf dem Papier. Die Journalistinnen und Journalisten sind in ihrer Arbeit immer noch stark eingeschränkt und haben teilweise große Schwierigkeiten Informationen von offiziellen Stellen zu bekommen. Eine offene Berichterstattung über aktuelle Probleme in sensiblen Bereichen wie Landnutzungsrechte, illegale Abholzung und umstrittene Megaprojekte ist weitgehend unmöglich. Ein im Jahr 2008 verabschiedetes Mediengesetz bot Journalistinnen und Journalisten bisher nicht den erhofften Schutz und die notwendige Unterstützung für ihre Arbeit. 2016 wurde das Gesetz sogar um noch restriktivere Vorgaben ergänzt, erlaubt sind nur noch Inhalte, die die Regierungspolitik kritiklos darstellen.

In der Rangliste für Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen nimmt Laos im Jahr 2020 Platz 172 von 180 ein. Auch die internationale Organisation Freedom House, die u.a. Pressefreiheit weltweit beobachtet, stuft Laos im Jahresbericht 2019 als "nicht frei" in Bezug auf die Pressefreiheit ein.

Die eingeschränkte und wenig pluralistische Berichterstattung steht in krassem Gegensatz zur erlebten Alltagsrealität der Menschen in Laos, so dass Mediennutzer thailändische Medien vorziehen, die bis zu einem gewissen Grad offener und kritischer berichten. 

Tages- und Wochenzeitungen

Der Vertrieb von Printmedien beschränkt sich auf die größeren Städte und ist überschaubar. Zielgruppe ist überwiegend die in den Städten lebende Bevölkerung.

  • Die Tageszeitungen Paxason, Vientiane Mai und Pathet Lao erscheinen auf Laotisch.
  • Die englischsprachige Tageszeitung Vientiane Times richtet sich überwiegend an die in Laos lebenden Expats.
  • Das französischsprachige Wochenmagazin Le Renovateur bietet regelmäßig nationale und internationale Nachrichten.
  • Daneben gibt es weitere Presseerzeugnisse der Massenorganisation wie der Lao Women's Union, der Lao Youth Union, diversen Ministerien und Verbänden.

Zeitschriften

Seit einiger Zeit ist eine beginnende Vielfalt an Zeitschriften in Privat- oder Unternehmensbesitz in der Hauptstadt zu beobachten, die jedoch noch keine Lockerung der staatlichen Medienüberwachung bedeutet. Die Herausgeber sind in den meisten Fällen linientreue Parteimitglieder oder mit der Politik verflochtene Unternehmer.

Auswahl an Zeitschriften:

Fernsehen

Das staatliche Fernsehen Lao National Television strahlt sein Programm, u.a. auch Nachrichten auf Englisch auf zwei Sendern aus: Lao National Television, LNTV1 und Lao National Television, LNTV3; Lao Star ist ein privater Kanal.

Technisch und inhaltlich von höherer Qualität stellt das thailändische Fernsehen eine große Konkurrenz dar. Aufgrund der sprachlichen Verwandtschaft zum Thailändischen nutzen viele Laoten daher regelmäßig thailändische Medien, vor allem das Fernsehen und ziehen thailändische Programme den laotischen vor. Ausnahme sind nationale Großereignisse in Laos, die im Fernsehen übertragen werden wie die Southeast Asian Games 2009, die 450-Jahr-Feier von Vientiane 2010 und ähnliche Events.

Über das Internet ist eine Vielzahl weiterer Programme zu empfangen, die teilweise aus dem Ausland kommen.

Radio

1975 begann Lao National Radio (LNR) mit sechs Stationen zu senden, inzwischen gibt es 43 Stationen landesweit, die Programme in AM und FM über Satellit ausstrahlen. Einige Provinzen produzieren eigene Programme, während die restlichen Provinzen überwiegend Material senden, das in Vientiane produziert wird. Das LNR erreicht etwa 80% der Einwohner von Laos und hat es geschafft, sich durch einen höheren Anteil an Unterhaltungssendungen, auch außerhalb von Laos eine Hörerschaft im nordöstlichen Teil Thailands – dem Isaan – zu sichern.

Aktuelle Nachrichten werden auch auf Englisch ausgestrahlt.

Das LNR strahlt im Norden zusätzlich zu laotischen Programmen auch Programme in den Minderheitensprachen Khamu und Hmong aus. Im Rahmen eines UNDP-Projektes wurde im Norden des Landes eine Radiostation errichtet. Die Radioprogramme werden gut angenommen. Ziel ist es, den Informationsbedarf der dortigen Bevölkerung – vor allem Angehörige ethnischer Minderheiten – zu erkunden und dieser die Möglichkeit aktiver Partizipation an Informationsvermittlung zu eröffnen.

Internet

Als eines der letzten Länder in Südostasien führte Laos 1997 Internet ein. Die Zahl der Internetnutzer stieg seitdem zwar rasant von 6000 im Jahr 2000 auf knapp über 3 Mio. Internetnutzerinnen und -nutzer im Januar 2020. Etwa ein Drittel der Bevölkerung nutzt das Internet. Im Vergleich zu anderen Ländern Südostasiens ist das jedoch immer noch wenig. Beliebt sind bei der überwiegend jungen Bevölkerung vor allem die sozialen Netzwerke: Im Jahr 2013 stieg die Anzahl der Facebooknutzerinnen - und nutzern auf 400.000; inzwischen liegt sie bei 3 Mio. Usern.

Im Oktober 2014 verabschiedete der Premierminister einen Erlass (Decree 327), der Kontrollmaßnahmen nach dem Vorbild Chinas und Vietnams für "unangemessene Informationen" in sozialen Medien unterstützt. Ziel sei es nicht, den Zugang zu sozialen Netzwerken zu blocken. Die Ankündigung stand in Zusammenhang mit einem Flugzeugabsturz im Süden des Landes, über den laut Ministeriumsangaben "nicht korrekt" berichtet wurde.

Nachrichtenagenturen

Die einzige laotische Nachrichtenagentur Khaosan Pathet Lao (KPL) veröffentlicht ein tägliches Newsbulletin auf Laotisch, Englisch und Französisch.

Nur zwei internationale Medienorganisationen haben ein Büro in Laos: die vietnamesische Zeitung Nhân Dân und die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua News Agency.

Außenpolitik

Die Regierung versucht verstärkt, die Kräfte der Globalisierung und der Regionalisierung in Bündnissen wie ASEAN, AFTA und seit Februar 2013 WTO zu nutzen. Von der Mitgliedschaft in der ASEAN seit Juli 1997 erhofft sich Laos, neben wachsender Akzeptanz innerhalb der Region, auch eine verstärkte ökonomische und finanzielle Entwicklung und starke asiatische Bündnispartner.

Gleichzeitig versucht Laos durch die Einbindung in die südostasiatische Staatengemeinschaft dem starken einseitigen thailändischen Einfluss zu begegnen. 1997 wurde Laos durch die Abhängigkeit von Thailand in die Wirtschaftskrise hineingezogen. Das Verhältnis zu Thailand bleibt aufgrund wiederkehrender Zwischenfälle wie der Hmong-Problematik teilweise zwiespältig.

Zwischen Laos und Vietnam bestehen durch den jahrzehntelangen gemeinsamen "Befreiungskampf" enge Bande. Der 25-jährige Freundschaftsvertrag mit Vietnam wurde 2002 um weitere 25 Jahre verlängert. Der wachsende chinesische Einfluss zeigt sich deutlich an der Finanzierung großer Projekte und der steigenden Präsenz von Chinesen in Laos. Die Bevölkerung steht der wachsenden Anzahl von Chinesen im Land zwiespältig gegenüber. 

Beide "Brüderländer" China und Vietnam tragen ihre Machtkämpfe über den Versuch der Einflussnahme auch in Laos aus und versuchen, sich ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen in Laos zu sichern. Sowohl Vietnam als auch China haben jeweils ihre Unterstützer innerhalb der laotischen Parteiführung, die wiederum versucht, die beiden Nachbarn strategisch gegeneinander auszuspielen bzw. über Großprojekte zu integrieren.

Zu den USA unterhält Laos seit 2004 wieder so genannte Normal Trade Relations. 2010 besuchte Vize-Premierministers Thongloun Sisoulith die USA. Beim historischen, da ersten Besuch seit 1975, kritisierten Menschenrechtsorganisationen, dass die Themen Zivilgesellschaft und Menschenrechte sowie das aktuelle Problem mit Angehörigen der Hmong nicht zur Sprache kam. Es folgten regelmäßige gegenseitige Besuche, 2016 besuchte Barack Obama Laos.

Inzwischen scheint die laotische Regierung Gefallen an Großevents gefunden zu haben. Im Oktober 2012 fand das 9. Asia-Europe People's Forum (AEPF) im Vientiane statt, kurz danach das Asiatisch-Europäische Ministertreffen (ASEM-Gipfel). Im Jahr 2016 hatte Laos den Vorsitz der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN und war damit verantwortlich für an die 800 Treffen im Land.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2020 aktualisiert.

Die Autorin

Anke Timmann. Studium der Sprachen und Kulturen des südostasiatischen Festlandes in Kombination mit Kommunikationswissenschaft. Seit über 20 Jahren regelmäßige Arbeits-, Studien- und Rechercheaufenthalte in Laos und weiteren Ländern der Region Südostasien. Darunter die Mitarbeit bei der Vientiane Times und Deutschunterricht an der National University of Laos (NUOL) in Vientiane. Regelmäßige Veröffentlichungen, u.a. zum laotischen Mediensystem. Seit mehreren Jahren bereitet sie Ausreisende auf das Arbeiten, Wohnen & Leben in Laos vor. Die Herzlichkeit der Menschen in Laos sowie die unglaubliche Kreativität bei der Ermöglichung von Unmöglichem faszinieren sie nach wie vor noch immer.

Sombath Somphone

Sombath Somphone verschwand im Dezember 2012 spurlos. Auf sombath.org erinnern Freunde, ehemalige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter an ihn und fordern die Aufklärung seines Verschwindens.

Dokumentation: The enforced Disappearance of Sombath Somphone (2018, ca. 50 min)

Zum sechsten Jahrestag seines Verschwindens erinnern seine Frau und Freunde mit einer Dokumenation an Sombath.

Filmtipp

Amerikas geheimer Krieg in Laos. Die größte Militäroperation der CIA (2008):

Der höchst sehenswerte Film von Marc Eberle zeigt sehr gut recherchiert die Hintergründe der amerikanischen Verstrickungen in den so genannten "Secret War".

Linktipp

  • Umfangreiche Linksammlung zum Thema Hmong

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Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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