Marktfrauen bieten Kräuter an. © Anke Timmann
Offizieller Name
Demokratische Volksrepublik Laos
Fläche
236.800 km²
Einwohner
7,2 Mio. (geschätzt 2020)
Bevölkerungswachstum
ca. 1,45 % / Jahr (Zensus 2015)
Regierungssitz
Vientiane
Amtssprache
Laotisch
Regionalsprachen
Vietnamesisch, Chinesisch, ca. 80 weitere Sprachen

Lage und Größe des Landes und Kartenmaterial

Das Binnenland Laos (Quelle: www.lib.utexas.edu)
Das Binnenland Laos (Quelle: www.lib.utexas.edu)

Das sternschnuppenförmige Laos erstreckt sich größtenteils zwischen dem Mittellauf des Mekong und den Annamitischen Kordilleren. Laos ist das einzige Binnenland in Südostasien. Der schmale langgestreckte südliche Teil des Landes liegt auf der indochinesischen Halbinsel und grenzt im Osten an Vietnam (2.130 km), im Süden an Kambodscha (541 km) und im Westen an Thailand (1.754 km). Der nördliche Teil des Landes liegt auf dem eigentlichen südostasiatischen Festland und grenzt im Norden an die südchinesische Provinz Yunnan (423 km) und im Nordwesten an Myanmar (235 km).

Von Nord nach Süd erstreckt sich Laos über eine Länge von etwa 1200 Kilometern, von Ost nach West über eine Breite von etwa 140 (Zentrallaos) bis 400 Kilometern (Nordlaos). Mit 236.800 Quadratkilometern Fläche entspricht Laos ungefähr der Größe der alten Bundesländer.

Kartenmaterial - Übersichtskarten

Kartenmaterial - Detailkarten

Eine gute Kartensammlung zu Laos bietet die Bibliothek der University of Texas an. Darunter Eine Auswahl topographischer Detailkarten im Maßstab 1:50.000 und Laos komplett in 5 Karten im Maßstab 1:1.000.00:

  1. NE 47
  2. NF 47
  3. ND 48-49
  4. NE 48
  5. NF 48

Grunddaten und weitere Informationen zum Land

Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt, © Anke Timmann
Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt, © Anke Timmann

Die Bevölkerung von inzwischen knapp 6,8 Millionen teilt sich etwa gleich auf Männer und Frauen auf.  Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, ungefähr die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt. Nur knapp vier Prozent sind älter als 65 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt ca. 65 Jahre, Frauen werden mit 67 Jahren im Schnitt vier Jahre älter als Männer (63 Jahre). Frauen bekommen durchschnittlich 2,7 Kinder. Die Kindersterblichkeit ist mit 50 auf 1000 Geburten immer noch eine der höchsten in Südostasien.

Laos ist das am dünnsten besiedelte Land in Südostasien, die Bevölkerungsdichte beträgt im Durchschnitt ungefähr 29 Einwohner je Quadratkilometer. Die Städte am Mekong sind überdurchschnittlich dicht besiedelt, in Vientiane leben ca. 200 Einwohnerinnen und Einwohner auf einem Quadratkilometer.

In der Region hat Laos mit 0,3 Prozent die niedrigste AIDS-Rate.

Allgemeine Informationen zum Land

Der überarbeitete socio-economic atlas (2018) bietet hervorragend visuell aufbereitete Übersichtskarten mit deskriptiven Texten zu Demographie, Migration, Bildung, Gesundheit, ethnischer Zugehörigkeit und Religion, Wirtschaft, Lebensumständen sowie zu Armut und Ungleichheit. 

Daten & Fakten rund um Laos, u.a. zu demographischen Daten, Bodenschätzen, Anbauprodukten, Deviseneinnahmequellen und Infrastruktur bieten das CIA Factbook, die Webseiten des United Nations Development Programme (UNDP), das Länderprofil des Statistischen Bundesamtes zu Laos und die Weltbank.

Das Southeast Asia Department der Library of Berkeley bietet weitere interessante Links & Informationen zu Laos.

Weitere aktuelle Informationen bieten das Auswärtige Amt, das U.S. Department of State und die United Nations (UN).

Sehr ausführliche Informationen zur Entwicklung des Landes bietet die Webseite des United Nations Development Programme (UNDP).

Seit 1985 wird alle zehn Jahre ein Zensus durchgeführt. Die Ergebnisse aus 2015 sind in diesem Bericht zusammengefasst. 

Einen guten touristischen Landesüberblick mit vielen Informationen zu allen Landesteilen bietet die laotische Tourismusbehörde.  

Naturraum

Der Mekong

Laos ist geprägt vom Wechsel zwischen steilen Bergketten und engen, tief eingekerbten Flusstälern sowie Plateaus und Tiefebenen. Ungefähr 50 Prozent des Landes sind dicht mit Regen- und Monsunwald bewachsen. Die Annamitischen Kordilleren ziehen sich in Nord-Süd-Richtung entlang der Grenze zu Vietnam durchs Land. Der höchste Berg ist der Phu Bia mit 2.819 m. Die Hauptstadt Vientiane liegt in Tiefebene am Mekong, auch weitere größere Städte liegen am Mekong: Luang Prabang im Norden sowie Savannakhet und Pakse im Süden.

Der Mekong mit seinen vielen Nebenflüssen gilt als Lebensader des Landes und fließt 1.898 km von der nordwestlichen Provinz Luang Namtha, wo er gleichzeitig Grenzfluss zu Myanmar ist, bis zur südlichen Provinz Champasak. Kurz vor der kambodschanischen Grenze verzweigt er sich auf einer Breite von ca. 14 Kilometern in ein System aus kleineren Kanälen mit Stromschnellen und Wasserfällen. Dieser einzigartige Mikrokosmos mit vielen kleinen Inseln und Felsformationen gibt dem Gebiet den Namen "viertausend Inseln" (auf laotisch Siphandone). Aufgrund einer Vielzahl von Stromschnellen und geringen Wasserständen während der Trockenzeit ist der Mekong nicht ganzjährig und nur in Teilen schiffbar.  

Klima

Der Sommer- oder Südwestmonsun von Mai bis Oktober ist mit starken Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit verbunden. Die Niederschlagsmenge kann von Jahr zu Jahr und auch regional sehr stark differieren. So fallen auf dem Bolaven Plateau in der südlichen Provinz Champassak jährlich bis zu 3.700 Millimeter Niederschläge, in Vientiane bis zu 1.800 Millimeter.

Zwischen November und Februar ist durch den Nordostmonsun ein trockenes und kühleres Klima anzutreffen. Das ist der sehr angenehme „Laotische Winter". In den Monaten März und April herrscht ein feucht-heißes Klima.

Verschiedene Landesimpressionen

Wasserfall bei Luang Prabang. © Anke Timmann
Stelzenhaus in der Nähe von Luang Prabang. © Anke Timmann
Berge auf dem Weg nach Luang Prabang. © Anke Timmann
Wegstrecke nach Luang Prabang. © Anke Timmann
Wasserbassin bei Vang Vieng. © Anke Timmann
Bergimpression. © Anke Timmann

Sozialraum und Infrastruktur

Beim vierten Zensus 2015 ergab sich eine Gesamtbevölkerung von knapp 6,5 Millionen, inzwischen bei einem Wachstum von ca. 1,4 % ungefähr 7,15 Millionen. Davon leben ungefähr ein Drittel in Städten entlang des Mekong. Die fruchtbaren Ebenen entlang der Flüsse sind am dichtesten bevölkert, die Bergregionen sind nur spärlich besiedelt.

Die Provinz Savannakhet ist mit ungefähr 969.700 Einwohnern die bevölkerungsreichste und gleichzeitig flächenmäßig größte (21.774 qkm) Provinz.

Die vier größten Städte in Laos sind (Zensus 2015):

  • die Hauptstadt Vientiane mit ungefähr 620.157 Einwohnern, die Provinz Vientiane hat ca. 820.940 Einwohner
  • Savannakhet im Süden mit ca. 120.000 Einwohnern 
  • Pakse im Süden des Landes mit 68.093 Einwohnern in der südwestlichsten Provinz Champasack
  • Luang Prabang im Norden mit ca. 66.781 Einwohnern

Das Straßennetz in Laos ist im Ausbau, von über 40.000 Kilometern Straße sind nur knapp ein Fünftel Prozent asphaltiert. Während der Regenzeit werden Straßen weggewaschen und verschlammen. Fahrzeuge bleiben stecken und blockieren Straßen. Seit über 20 Jahren fokussieren Straßenbauprojekte, u.a. mit Allwetterstraßen den nachhaltigen Ausbau des Straßennetzes.

Vor allem im Norden sind die Flüsse wichtige Alternativen zu den schlecht ausgebauten Verkehrsverbindungen. Sie stellen wichtige alternative Transportmöglichkeiten für Waren und Menschen dar, indem sie Dörfer und Städte verbinden, die noch nicht ans Straßennetz angebunden sind.  Der 448 Kilometer lange Nam Ou nördlich von Luang Prabang stellt eine solche wichtige Verkehrsader für den Nordteil von Laos dar. Er entspringt in der Provinz Phongsaly und fließt an der Flussmündung Pak Ou in den Mekong. Dort befinden sich die beiden bekannten Höhlen Tam Thing und Tam Phum.

Höhle Tam Thing an der Mündung des Nam Ou. © Anke Timmann
Höhle Tam Thing an der Mündung des Nam Ou. © Anke Timmann
Boote im Nam Khan. © Anke Timmann
Boote im Nam Khan. © Anke Timmann

Wasserkraft - Dammprojekte

Laos will zur Batterie Südostasiens werden. Die laotische Regierung verfolgt eine Reihe von Wasserkraftprojekten, mit denen das südostasiatische Land seinen Energiesektor stärken, mehr Strom erzeugen und in die Nachbarländer exportieren will. Wasserkraft ist neben Bergbau einer der ertragreichsten Sektoren. Die Kapazitäten zur Stromerzeugung sollen bis 2020 vervierfacht werden. Trotz negativer Auswirkungen - auch in den Nachbarländern, z.B. für Fischfang und Reisanbau in Kambodscha- sind zusätzlich zu den bereits existierenden knapp 50 Dämmen ungefähr 50 neue Dämme geplant.

Nicht nur negative ökologische und soziale Folgen - Dammbruch im Juli 2018 zeigt Sicherheitslücken und macht Tausende obdachlos

Im Juli 2018 brach eine Hilfsmauer des Staudamms Xe-Pian Xe-Namnoy im Süden des Landes, in der Provinz Attapeu. 30 Menschen starben, die inoffiziellen Zahlen sind höher, hunderte sind vermisst und tausende Menschen wurden obdachlos.

Die Regierung versprach, neue Dammprojekte vorläufig auszusetzen und bestehende Dämme zu inspizieren. Um aufzuklären, wie es zur Katastrophe kommen konnte, wurde eine Sondereinheit eingerichtet.

Kritiker sprechen von einer lange vorhersehbaren und vermeidbaren, von Menschen gemachten Katastrophe, ausgelöst durch schlechte Planung, Konstruktion und Umsetzung.

Die laotische Regierung muss sich jetzt der Kritik stellen, dass die Konstruktion der Dämme nicht für extreme Wetterverhältnisse ausgelegt ist, es kein Warnsystem für Anwohner gibt und die Kommunikation nach dem Dammbruch unzureichend war. Auch die Bauunternehmen sind in der Kritik. 

Dämme & Dammpläne für Laos

Nam-Theun-II-Damm

2005 sagte die Weltbank nach zehnjährigen Verhandlungen mit der laotischen Regierung einen Kredit über 1,3 Mrd. US-$ für den Bau eines Staudamms am Fluss Nam Theun im Süden des Landes zu, woraufhin internationale Banken weitere 1,6 Mrd. US-$ zusicherten.

Ende 2010 fand die offizielle Eröffnung des Nam Theun 2 statt. Kritiker warnten, dass der 450 Quadratkilometer große Stausee das Ökosystem und die Lebensgrundlage der Menschen in der Region zerstört. Inzwischen hat sich gezeigt, dass einige der Befürchtungen eingetroffen sind und das Dammprojekt nicht den erhofften Erfolg gebracht hat. Selbst einer der beratenden Experten, Thayer Scudder, äußert Zweifel an den Erwartungen die mit dem Staudammbau gerade für ärmere Länder einhergehen: "Nam Theun 2 confirmed my longstanding suspicion that the task of building a large dam is just too complex and too damaging to priceless natural resources". Seine Zweifel begründet er u.a. mit den Ergebnissen einer Studie "Should We Build More Large Dams? The Actual Costs of Hydropower Megaproject Development" (2014), die die Kosten von 245 großen Dammprojekten zwischen 1934 und 2007 untersucht hat und zu dem Fazit kommt, dass die Konstruktionskosten den erwarteten Gewinn übersteigen.

Erster Damm im Mekong in Betrieb seit Oktober 2019: Xayaburi-Damm (Nordlaos) 

Ende Oktober 2019 wurde der erste Mekong-Damm in Laos in Betrieb genommen. Schon Monate vorher - während der Testphase der Turbinen - berichteten Anwohner stromabwärts von zu niedrigen Wasserständen, die die Lebensgrundlage der am Mekong lebenden Menschen gefährdet. vor allem die Fischer leiden unter niedrigen Wasserständen und dem damit verbundenen Rückgang der Fischpopulation. 

Das Projekt in der nordwestlichen Provinz Xayaburi, etwa 150 Kilometer südlich von Luang Prabang ruft seit Baubeginn heftige Kontroversen hervor.  Der Damm ist mit 3,8 Milliarden US-Dollar veranschlagt und soll jährlich 1.206 MW Strom produzieren, 95 Prozent davon sollen nach Thailand verkauft werden. Der Xayaburidamm ist der erste am unteren Mekong, er gilt als "größter Test" für die regierungsübergreifende Mekong River Commission (MRC) seit ihrer Gründung 1995. Damit ein Dammprojekt umgesetzt werden kann, sieht der Entscheidungsprozess der MRC einen Konsens aller beteiligten Länder vor.

Chronologie der Ereignisse

  • April 2011: Thailand, Vietnam und Kambodscha stimmen für einen Aufschub und eine genauere Untersuchung der Auswirkungen des Damms. Die Entscheidung wird vertagt.
  • Dezember 2011: Beim jährlichen MRC-Ministertreffen beschließen die Minister der vier Länder, das Projekt nochmals zu verschieben. In dieser gegenseitigen Abstimmungsphase bitten sie Japan und weitere internationale Geberländer um finanzielle Unterstützung, um weitere Studien durchzuführen und ziehen nationale Experten und Interessensgruppen hinzu.
  • Auch während der Abstimmungsphase werden die Bauarbeiten fortgeführt. Zusätzliche Arbeiter werden unter Vertrag genommen, um Straßen und andere Anlagen für das Projekt zu bauen. Gegner des Projektes sprechen von einem reinen Lippenbekenntnis der laotischen Regierung.
  • Mitte April 2012: Das thailändische Unternehmen Ch. Karnchang, das zweitgrößte Bauunternehmen in Thailand und eines der beteiligten Unternehmen, informiert die thailändische Börse über den Abschluss eines 52 Milliarden Baht (1,7 Milliarden US-Dollar) Vertrages mit Xayaburi Power Co. Ltd, einem laotisch-thailändischen Joint Venture. Laut Vertrag ist der offiziell festgelegte Baubeginn Mitte März 2013. Ch Karnchang treibt trotz möglicher negativer ökologischer, sozialer und ökonomischer Folgen die Vertragsunterzeichnung an und vertritt ungeachtet der Proteste von Umweltschützern und Politikern die Meinung, die laotische Regierung habe den Dammbau bereits genehmigt.
  • August 2012: Thailändische Dorfbewohner reichen Klage gegen den Damm ein.
  • Mitte September 2012: Schon vor der endgültigen Entscheidung von Seiten der MRC sagt der laotische Energieminister auf einer Energiekonferenz in Pnom Penh Kambodscha Stromlieferungen zu. Er spricht davon, dass der Bau Ende 2012 beginnen soll.
  • November 2012: Trotz vieler Proteste beschließt die laotische Regierung den Baubeginn.
  • Umweltaktivisten und Politiker der drei unteren Mekong-Anrainerstaaten Thailand, Kambodscha und Vietnam verlangten, dass die Dammbaupläne eine Zeit lang verschoben bzw. ganz aufgegeben werden. Bisherige Studien sind weder mit internationalen Richtlinien vereinbar, noch beantworten sie die aufgeworfenen Fragen zufriedenstellend.
  • Die Auswirkungen auf das Ökosystem sind nach dem Stand der jetzigen Planung nicht tragbar. Der geplante Damm könnte zu einem Minus von sechs Prozent des Fischfangs führen. Jährlich werden 2,5 Tonnen Fisch aus dem Mekong gefischt. Wird der Damm gebaut, werden über 200.000 Menschen die Auswirkungen zu spüren bekommen.
  • Januar 2013: Auf einem Treffen der MRC finden die Vertreter der Nachbarländer Kambodscha und Vietnam "ihre Stimme wieder" und fordern einen einstweiligen Baustopp. In ihrem Joint Development Partner Statement bekräftigen die Geber (darunter Deutschland, die EU, ADB, WB) das Wasserkraftpotential in Laos, fordern aber gleichzeitig auch transparente Entscheidungsprozesse, die Offenlegung des neuen Dammdesigns sowie eine stärkere Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Organisationen.

Zweiter Mekong-Damm: Don-Sahong-Damm (Südlaos) in Betrieb seit Oktober 2020

Seit Oktober 2020 ist auch der zweite Mekongdamm Don Sahong mit 260 MW in Betrieb. Die Konzessionsperiode der malaysischen Mega First Corp Bhd endet in 25 Jahren.

Vorangegangen waren auch bei diesem Dammbau einige Unstimmigkeiten. Trotz der Kontroversen beim Bau des Xayaburi-Damms wurde im November 2013 mit dem Bau eines zweiten Damms begonnen, dem Don-Sahong-Damm im Süden des Landes.

Die Fischer durften seit Baubeginn ihre traditionellen Fischfangfallen nicht mehr aufstellen und die umgesiedelten Dorfbewohnerinnnen und -bewohner haben Jahre später noch keine Kompensationszahlungen erhalten. Aktivisten und Naturschützer waren der Meinung, Laos verletze das 1995 geschlossene Abkommen zum Schutz des Mekong, weil es die Antwort der MRC nicht abgewartet hatte. Ist ein Dammprojekt am Hauptstrom des Mekong geplant, erfordert das Vorhaben einen geregelten Abstimmungsprozess aller unteren Mekong-Anrainer-Staaten vor Baubeginn.

Die vier Mitgliedsstaaten der Mekong River Commission (MRC) Laos, Vietnam, Kambodscha und Thailand hatten im Juni 2015 den Entschluss wie weiter im Konsultationsprozess über den Don Sahong Staudamm im Süden von Laos zu verfahren ist auf die Regierungsebenen der einzelnen Länder verschoben. Dort sollte auf diplomatischem Weg entschieden werden. Unklar blieb damals, welche Folgen sich daraus ergeben und wie der zeitliche Horizont gestaltet wird. Lange Zeit wurde weder innerhalb des Joint Committee noch im Mekong River Council, dem höchsten Gremium innerhalb der MRC, eine Einigung über den Fortgang des Prozesses erzielt, es gab unterschiedliche Sichtweisen, ob der Konsultationsprozess abgeschlossen werden kann oder noch weitere Studien erforderlich sind.

International Rivers sprach von einem Trick der laotischen Regierung und forderte, dass alle Entscheidungen, auch Vorbereitungen eines Dammbaus in der MRC, abgestimmt werden müssen. Thailand sah seine Befürchtungen bestätigt, dass Laos mit der Durchsetzung des Baus des Xayaburi-Damms einen Präzedenzfall schaffen wird. Alle drei Nachbarländer, Thailand, Kambodscha und Vietnam, kritisierten das intransparente Verhalten der laotischen Regierung während des Dammbaus.

International Rivers warnte vor den negativen Auswirkungen auf die letzten Flussdelfine in Laos und die Bestände des großen Mekong-Wels. Sie prognostizierten, dass die benachbarten Khonpaphaen-Wasserfälle, eine Touristenattraktion, nach Inbetriebnahme des Damms deutlich weniger Wasser führen werden.

Der Mekong an der laotisch-kambodschanischen Grenze ist ein besonders schützenswerter Teil des Ökosystems, weil hier Fischbestände hin- und her migrieren und laichen. Der Arm, an dem der Damm gebaut wurde, ist der einzige, durch den ganzjährig Wasser fließt, er verbindet den oberen und unteren Teil des Mekongs miteinander. Von laotischer Seite wurde daran gearbeitet, zwei weitere Nebenflüsse des Mekongs ganzjährig mit Wasser zu versorgen und der Fischpopulation so weiterhin ein Durchkommen zu ermöglichen.  

Fotostrecke zur Gegend um den Sahong Damm.

Dritter Damm im Bau: Pak-Beng-Damm (Nordlaos)

Obwohl es noch keine Einigung gibt, wie mit der verfahrenen Situation der beiden Staudämme umgegangen werden soll, beginnen bereits die Bauarbeiten am dritten Staudamm im Mekong in Pak Beng, einem Dorf im Norden des Landes, unweit der Grenze zu Thailand. 

Im Dezember 2016 wurde der prior-consultation Prozess eröffnet, im Januar 2017 fand bereits das erste Treffen des Joint Committee Working Group (JCWG) der MRC statt. International Rivers warnt auch bei diesem Projekt vor den negativen Auswirkungen, kritisiert den noch nicht zufriedenstellenden Prozessablauf und weist auf fehlende Beteiligungsmöglichkeiten der Betroffenen hin.

Vierter Damm geplant: Pak Lay (Nordlaos)

2018 reichte Laos Unterlagen für einen weiteren Damm bei der Mekong River Commission ein. Der Dammbau soll 2022 starten und 2029 abgeschlossen sein und nach Fertigstellung 770 MW liefern. Auch dieser Damm wird negative soziale und ökologische Folgen haben, es gibt Proteste aus den Nachbarländern, darunter Thailand.

Fünfter Damm zum Prior Consultation Process bei der MRC eingereicht: Luang Prabang (Nordlaos)

Ein weiterer Damm im Norden von Laos mit ähnlich negativen Auswirkungen wie bei den anderen Dämmen ist in Planung und bei der MRC eingereicht. Seine Fertigstellung ist für 2027 angedacht. Auch hier gibt es Bedenken der Nachbarländer und Widerspruch von thailändischen NGOs, wobei Vietnam in diesem Fall dem Vorhaben eher positiv begegnet.

Sechster Damm zum Prior Consultation Process bei der MRC eingereicht: Sanakham (Zentrallaos)  

Im Mai 2020 wurde der sechste Damm Sanakham zum Konsultationsprozess eingereicht. Wie die anderen Dämme auch, sorgen auch diese Pläne für Proteste in den Nachbarländern und von Umweltschutzorganisationen. 

Stromschnellen des Nam Leuk, © Anke Timmann
Nam Leuk, © Anke Timmann
Das Ökosystem Mekong, © Anke Timmann

Abholzung

Die Biodiversität in Laos bringt eine große Anzahl an einzigartigen Tier- und Pflanzenarten hervor, die durch die Erschließung des Landes vom Aussterben bedroht sind.

Die Abholzung der Wälder bedroht den Lebensraum der artenreichen Flora und Fauna und begünstigt Naturkatastrophen. In den 1960er Jahren waren noch knapp zwei Drittel des Landes von Wald bedeckt, diese Fläche ging kontinuierlich auf 47% im Jahr 2015 zurück.

Illegaler Holzeinschlag wird im 21. Jahrhundert immer offener zu einem Problem.

Die in London ansässige NGO Environmental Investigation Agency (EIA) veröffentlichte 2011 einen umfangreichen Undercoverreport "Crossroads - The Illicit Timber Trade between Laos and Vietnam" über den illegalen Holzeinschlag und die Weiterverarbeitung. Im Bericht wird auch die Beteiligung des vietnamesischen Militärs deutlich. Fehlende Gesetze sind nicht der Grund für diese Machenschaften. Vielmehr begünstigen die Nichteinhaltung bis hin zur totalen Ignoranz der Gesetze sowie die hohe Korruption im Land den Holzhandel.

Als weitere treibende Faktoren der Abholzung nennt der Bericht die Erschließung von Land im Zusammenhang mit Wasserkraftprojekten, Industrieanlagen und der Vergabe von Landkonzessionen.

Massive soziale Probleme entstehen, wenn Angehörige ethnischer Gruppen im Zuge der Entwaldung von ihrem Land vertrieben werden. Gesetze zum Schutz der Menschenrechte und der Umwelt werden dabei weitestgehend ignoriert. Es fehlen internationale Rahmenstrukturen auf allen Ebenen, um mit den Herausforderungen des Landraubes im Zuge der Abholzung umzugehen.

Abholzung im Norden des Landes. © Anke Timmann

Bergbau

Die laotische Regierung setzt neben den Einnahmen aus Wasserkraftprojekten verstärkt auf Einnahmen aus dem Bergbausektor. 

Unterhalb von Vientiane lagern große Mengen von Kalisalzen.

Im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit (TZ) soll der Bergbausektor in Laos entwickelt werden. Übergeordnetes Ziel ist es, durch die Unterstützung der staatlichen Institutionen, der vom Bergbau betroffenen Bevölkerung, der Bergbauunternehmen und der Gewerkschaften die Steuerung und Aufsicht des Bergbausektors, insbesondere über den Aufbau eines Inspektionswesens, zu verbessern und damit langfristig zu einem ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Bergbau beizutragen.

Nicht nur Umweltschützer warnen vor Umweltverschmutzungen und negativen sozialen Konsequenzen, die sich durch den Bergbau ergeben. Die laotische Regierung verhängte zwischen 2012 und 2016 ein Moratorium für die Vergabe neuer Lizenzen und zur Prüfung von Landnutzungsrechten, auch im Bereich von Bergbauprojekten.

UXO - Blindgänger

Zwischen 1965 und 1973 wurden mehr als 2 Millionen Tonnen Bomben über Laos abgeworfen. Damit ist Laos das am heftigsten bombardierte Land (Munition pro Einwohner) der Geschichte.

Nationale Symbole

Laotisches Staatswappen. Quelle: wikipedia.org
Laotisches Staatswappen. Quelle: Wikipedia.org

Das Staatswappen zeigt unter anderem das That Luang, das nationale buddhistische Heiligtum des Landes, das seit 1991 Hammer & Sichel ersetzt, umgeben von zentralen Symbolen. Symbolisch für die Entwicklung des Landes sind die mittig verlaufende Straße und das Wasser: Straßenbau und die Nutzung natürlicher Ressourcen wie Wasserkraft in Zusammenhang mit den vielen Dammprojekten des Landes sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Landes. Im rechten Teil des Bildes sind Wald und Reisfelder abgebildet - Reis ist immer noch das Hauptnahrungsmittel in Laos. Die beiden Reisähren rechts und links im Wappen stehen für die zentrale Bedeutung des Reisanbaus in Laos. Auf dem roten Band, das beide Reisähren verbindet, ist der offizielle Staatsname Sathalanalat Paxathipatai Paxaxon Lao (Demokratische Volksrepublik Laos) zu lesen sowie das Staatsmotto: "Frieden, Einheit, Demokratie, Unabhängigkeit und Wohlstand".

Laotische Flagge. © Magnus Manske (CC-BY-2.0)
Laotische Flagge. © Magnus Manske (CC-BY-2.0)

Die Landesflagge besteht aus rot-blau-roten Balken. Innerhalb des blauen Balkens befindet sich ein weißer Kreis. Rot steht für das im Unabhängigkeitskampf vergossene Blut, Blau symbolisiert wahlweise die "blühenden Landschaften" und den Wohlstand oder den Mekong. Der weiße Kreis im Zentrum der Flagge symbolisiert sowohl die einheitliche sozialistische Orientierung des Einparteienstaates als auch den Mond, der für die exakte Festlegung vieler religiöser Feierlichkeiten eine große Rolle spielt. 

Bis ins Jahr 1975 zierten drei weiße Elefanten die laotische Flagge.

Die Nationalhymne wurde bereits 1947 komponiert, ihr Text wurde 1975 bei der Gründung der laotischen Volksrepublik geändert.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2020 aktualisiert.

Hörtipp

Der Mekong – Südostasiens Lebensader versiegt

[ca. 29 min I 2020 I Quelle: SRF]  

Vom tibetischen Hochplateau bis nach Vietnam fließt der gewaltige Mekong. Er ist ein einzigartiges Ökosystem und die Lebensader von 60 Millionen Menschen. Doch Staudämme und der Klimawandel haben den Flusslauf und das Leben an und im Mekong verändert. Die Lebensader ist bedroht. 

Filmtipps

UXO

Laos: Explosives Erbe - wie mutige Frauen nach Blindgängern buddeln (2013)
Der Weltspiegel-Bericht portraitiert die Arbeit eines weiblilchen Bombenräumteams in Nordlaos. Das Making-of des Berichts zeigt die Dreharbeiten hinter den Kulissen.

Bomb Harvest (2007)
Der Film von Kim Mordaunt zeigt die Ausbildung & Arbeit eines Bombenräumteams nachdem hinter einer Schule ein Blindgänger gefunden wird. Der australische Ausbilder der Bombenräumteams geht das Thema Bombenräumung mit einer guten Portion australischen Humors an.

Bombies (2002)
Der Film von Jack Silbermann zeigt vor allem die historischen Hintergründe der UXO-Problematik in Laos ausführlich auf.

Daten und Fakten zum Land kindgerecht erklärt

Mit welcher Währung bezahlt man in Laos und wieviele Menschen leben dort? Welche Sprache wird gesprochen und was beschäftigt die Menschen im Alltag?

Antwort auf diese und weitere Fragen bietet die Webseite Kinderweltreise

Weitere Tipps

Zum Thema UXO lohnt sich unbedingt ein Besuch des sehr informativ gestalteten COPE Visitor Centre in Vientiane. Das Zentrum der internationalen NGO COPE gibt mit seiner gut gemachten Ausstellung und sehenswerten Exponaten einen guten Einblick in die aktuelle UXO-Situation in Laos. Im Zentrum sind viele Informationsmaterialien (DVDs, Broschüren etc.) erhältlich. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen u.a. Training und Unterstützung von Unfall- und Minenopfern und deren Familien. COPE gibt Minenopfern eine Stimme.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

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Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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