Traditionelle Behausung (Bild:Böxkes)
Anteil alphabetisierte Erwachsene (w/m)
85 / 68 (Weltbank 2014)
Bedeutendste Religion
90 % Christentum, weitverbreiteter Ahnenglaube
Städtische Bevölkerung
27,6 % (Weltbank 2011)
Lebenserwartung (w/m)
56 / 51 Jahre (Weltbank, 2015)
Gender Inequality Index
Rang 135 von 160 (2017, UNDP)
Anzahl der Geburten
3,14 / Frau (Weltbank 2015)
Kindersterblichkeit
90 / 1000 Lebendgeburten (Weltbank 2015)

Ethnische Homogenität und Basotho-Klans

Es gibt nur wenige afrikanische Nationalstaaten, die ein so homogenes Staatsvolk haben wie Lesotho. 99 % der Einwohner sind Basotho, die den Bantuvölkern zuzurechnen sind. Doch obwohl es sich um eine ethnische Gruppe handelt, zerfällt sie in verschiedene Klans, die sich durch ihr Tier-Totem unterscheiden. Die kulturelle und nationale Geschlossenheit haben die Basotho ihrem König Moshoeshoe I. zu verdanken, der in den Kämpfen um die Unabhängigkeit die verschiedenen Stämme vereinte.

In Lesotho wird Sesotho gesprochen. Diese Sprache gehört ebenfalls zu den elf amtlichen Landessprachen in der Südafrikanischen Republik und wird dort in der Landesprovinz Freistaat sowie Gauteng gesprochen. Die Sprache ist nahezu identisch mit dem North-Sotho (Sepedi) und gehört zusammen mit Setswana (hauptsächlich gesprochen in Botswana und ebenfalls einer der amtlichen Landessprachen in Südafrika) zu der Untergruppe der Sotho-Sprachen. Die Verschriftlichung der Sprache erfolgte durch französische Missionare im 19. Jahrhundert. Von Bedeutung ist hier beispielsweise die Arbeit von Eugène Casalis. Er schrieb 1841 das erste Grammatikbuch (Etudes sur la Langue Sechuana).

Soziale Lage und soziale Milieus

Trennlinien entlang Ethnien, Sprache, Religion und Probleme mit Minderheiten gibt es in Lesotho nicht. Kämpfe, zum Teil auch sehr blutige, fanden zwischen den Klans statt. Die innenpolitischen Auseinandersetzungen, im Zusammenhang mit Revolten und Staatsstreichen im vergangenen Jahrhundert, bedrohen allerdings den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft, weil politische Auseinandersetzungen immer noch in persönliche Drohungen und Angriffe ausarten (siehe unter 'Konflikte und Konfliktbewältigung').

Die Wahlen 2012, die ersten, die einen demokratischen Wechsel zur Folge hatten und im Ergebnis von allen Akteuren akzeptiert wurden, waren ein ermutigendes Zeichen für eine positive Entwicklung der Gesellschaft. Jedoch folgten erneut Auseinandersetzungen zwischen den politischen Eliten und auch die vorgezogenen Wahlen 2015 führten nicht zu ihrer Beilegung. Die andauernden politischen Machtkonflikte wirken sich auch auf die soziale Lage aus. Denn für eine nachhaltige Reduktion der Armut und einer Eindämmung der HIV-Ausbreitung bedarf es auch einer stabilen Regierung. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt noch immer in extremer Armut (weniger als 1 Dollar täglich) und nach Schätzungen ist jeder vierte Erwachsene mit dem HI-Virus infiziert. Die hohe HIV-Infektionsrate ist in erster Linie für die niedrige Lebenserwartung verantwortlich. Ebenfalls liegt mit 51 je 1000 Geburten die Säuglingssterblichkeitsrate hoch. (Quelle: CIA World Factbook & UNDP)

Soziale Trennlinien verlaufen heute eher entlang von reich und arm, denn die ökonomische Benachteiligung der Landbevölkerung gegenüber der Stadtbevölkerung ist groß. Entsprechend hoch ist die ungleiche Einkommensverteilung. Diese soziale Ungleichheit ist auch für die hohen Kriminalitätsraten mitverantwortlich. 
Die traditionelle Basis der Basotho war das Klanwesen mit ihren Chiefs an der Spitze. Auch heute noch üben sie einen großen Einfluss auf die Gesellschaft aus, doch mit dem Aufbau lokaler staatlicher Strukturen wird ihre Bedeutung reduziert. Deshalb versucht das Land, die Rolle der Klans neu zu definieren.

Stadt-Land-Verhältnis

27 % der Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten. Das jährliche Wachstum dort beträgt 3,7 %. Entsprechend groß ist der Anteil der Landbevölkerung.

Konflikte und Konfliktbewältigung

Einige wichtige Faktoren, die die gegenwärtige sozialökonomische und sozialpolitische Lage in Lesotho geprägt haben, sind sicher: 

  • die wechselvolle Geschichte von der Wanderung der Bantu-Stämme nach Süden vor 2000 Jahren, die zu kriegerischen Auseinandersetzungen der Stämme untereinander und mit den Zulus führte und verheerende Hungersnöte zur Folge hatte, aber auch die nationale Einheit förderte,
  • das Vordringen der europäischen Siedler im 19. Jahrhundert mit der Folge kolonialer Fremdbestimmung bis zu Erlangung der nationalen Unabhängigkeit im 20. Jahrhundert,
  • die geographische Lage innerhalb des südafrikanischen Staatsgebietes und die Auswirkungen der Apartheid-Politik und nicht zuletzt
  • die weit verbreitete Armut, deren Bekämpfung auch auf Grund innerpolitischer Konflikte und des Mangels an verantwortungsbewusster Regierungsführung (Good Governance) schwacher Regierungen erschwert wurde.

Wenn auch die Geschichte von Lesotho den Menschen gelehrt hat, wie wichtig Einheit und ethnische Identität für Freiheit und nationale Unabhängigkeit sind, so sehr ist heute der innere Frieden durch fehlenden inneren Zusammenhalt der Gesellschaft gefährdet. Dazu trägt nicht nur die Armut bei, sondern auch das Misstrauen gegenüber politischen Kräften. Die Erinnerungen an den ersten Staatsstreich 1971 und die blutigen politischen Auseinandersetzungen 1998 schafften Misstrauen, und "bittere politische Erinnerungen an die Vergangenheit werden in persönlichen Rachegelüsten…. umgesetzt" (Quelle: Odendaal 2000).

Andries Odendaal geht in seiner lesenswerten Analyse der politischen und sozialen Konflikte auch auf die Rolle der Kirchen in Lesotho ein, die teils versucht haben, die traditionellen Systeme in ihre Liturgie und Kirchenpraxis zu integrieren, ohne sie zu verteufeln, teils aber auch durch politische Einflussnahme Konfliktstoff in die Gesellschaft hinein trugen. Dies wird an der unterschiedlichen politischen Favorisierung der politischen Parteien durch die christlichen Kirchen in der Vergangenheit deutlich, mit Folgen u.a. für das Bildungssystem und soziale Hierarchien. Doch bereits im Jahr 2000 bot die katholische Kirche auch Vermittlungsgespräche der Kirchen (Mediatoren) im internen Streit zwischen den Parteien an. Sie lassen hoffen, dass das Vertrauen auf eine konstruktive Rolle der Zivilgesellschaft gestärkt und so mehr Stabilität in Lesotho geschaffen wird.

Geschlechterverhältnis

Für Geschlechterfragen ist das ‘Department of Gender’ im ‘Ministry of Gender & Youth, Sports & Recreation’ zuständig.  

Lesotho hat das Protokoll zur Gleichstellung der Geschlechter der SADC (Southern African Development Community) unterschrieben (2008) und ratifiziert (2010). Regelmäßige Berichte der SADC dienen der Fortschrittskontrolle. Der Bericht des Jahres 2013 ist fokussiert auf die Regierungsführung (Artikel 12 & 13 des Protokolls). Der Fortschrittsbericht von 2016 geht u.a. auf die Agenda 2030 ein.

Das zivilgesellschaftliche Netzwerk ‘Southern Africa Gender Protocol Alliance’ überwacht ebenfalls die Implementierung des Protokolls. In einem jährlichen Bericht werden die Länder miteinander verglichen. Hierzu werden Daten zu den 28 Zielen des Protokolls erhoben. Ebenfalls erscheinen Länderberichte. Der Bericht des Jahres 2015 weist zwar auf bedeutende Erfolge in Lesotho hin, betont jedoch zugleich, dass noch viel getan werden muss.
Das Netzwerk hat zwei Messinstrumente entwickelt, mit denen der Fortschritt der Implementierung gemessen wird:
(1) der SADC Geschlechter- und Entwicklungsindex (Gender and Development Index, SGDI), eingeführt im Jahr 2011 als ein regionales Messinstrument (Barometer) von 23 Indikatoren in 6 Sektoren und in Ergänzung dazu
(2) die Ergebnisse von jährlichen Bevölkerungsbefragungen seit 2010 (Citizen Score Card, CSC).

Die Nichtregierungsorganisation ‘Gender Links’ (GL) wurde 2001 mit dem Hauptsitz in Johannesburg (SA) gegründet mit dem Ziel, die Gleichberechtigung von Frauen im Südlichen Afrika zu fördern. Sie verfügt über mehrere Länderbüros, darunter seit 2011 auch über eins in Lesotho. In enger Kooperation mit der Regierung unterstützt GL die Zielerreichung des SADC-Protokolls zur Gleichstellung der Geschlechter. Basierend auf einem Strategiepapier legen sie ihren Fokus auf den Bereich 'Gender Mainstreaming' in den Gemeinden. In Kooperation mit der ‘Southern Africa Gender Protocol Alliance’ und weiteren Organisationen fand im Mai 2014 ein Gipfeltreffen (Southern Africa Gender Protocol Summit) unter dem Motto ‘50/50 by 2015: Demanding a strong post 2015 agenda’ in Südafrika statt. Ein Monat zuvor tagte ein nationaler Gipfel in Lesotho sowie zwei auf der Distriktebene.

Nach den Wahlen von 2012 und 2015 wurden weitaus weniger Ministerinnen ernannt als noch 2012 im Amt waren. Derzeit werden von den 25 Ministerien fünf von Frauen geführt. Demnach liegt ein deutliches Verfehlen der angestrebten Parität ab 2015 vor. Im Mai 2015 saßen im Abgeordnetenhaus (National Assembly) und im Senat jeweils ca. 25 % Frauen. Dieser Prozentsatz sank leicht nach den Wahlen 2017.

Dagegen wurde im Rechtswesen die angestrebte Stärkung der Frauen erfolgreich umgesetzt. So gibt es insgesamt mehr Richterinnen als Richter und eine Präsidentin (Nthomeng Majara) des Obersten Gerichtshofes.

Positiv ist ebenfalls die Situation in den Gemeinderäten. Seit 2011 werden 49 % der Mitglieder von Frauen gestellt. Damit wurde die Zielgröße von 30 %, vorgegeben im ‘Local Government Election Act (Amendment)’ von 2004, sogar überschritten. Höhere Positionen werden jedoch mehrheitlich von Männern bekleidet.

Im ‘National Assembly Electoral Act’ (2011) sind Verfahren festgelegt, die sicherstellen sollen, dass Frauen auf den Wahllisten der Parteien gleichberechtigt vertreten werden.
Die Regierung hat inzwischen ein Programm gestartet, um mittels Erziehung, Information und Ausbildung einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, vor allem bei Frauen in den ländlichen Regionen, zu schaffen.

Auffallend in Lesotho ist der Bildungsbereich. Hier sind Frauen präsenter als Männer. Bereits seit mehreren Dekaden besuchen beispielsweise weitaus mehr Mädchen als Jungen die Sekundarschule (siehe auch Grafik unten). So betrug z.B. im Jahr 2011 ihr Anteil laut der Weltbank 56,7 %. Insgesamt ist hier ein positiver Trend Richtung Gleichheit zu verzeichnen. Betrug beispielsweise das Geschlechterverhältnis (Mädchen:Jungen) im Jahr 1978 noch 145:100, lag es im Jahr 2011 bei 106:100 (Quelle: Weltbank). Die geringere Präsenz der Jungen im Bildungssystem schlägt sich auch auf die geringere Alphabetisierungsrate unter den Männern wieder (siehe Grafik unten). Die Gründe sind in der landwirtschaftlichen Arbeitsteilung zu suchen. Die Jungen müssen häufig die Rinder hüten und bleiben somit dem Schulbesuch fern. Die jungen Hirten bleiben nicht selten für mehrere Wochen in den Bergen bei den Rindern. Die Kultur der Hirtenjungen ist detailliert in der Doktorarbeit von Petikoe untersucht worden.

Indikatoren

Der Gender Inequality Index (GII) des UNDP ist 0,549, damit liegt Lesotho auf Rang 132 von 157 untersuchten Ländern (2015). Der GII ist ein mehrdimensionaler Indikator und umfasst mit fünf eindimensionalen Indikatoren die Bereiche Reproduktive Gesundheit, Stärkung der Frau bzw. ‘Empowerment’ (Politik und Bildung) und Wirtschaft. Der Wert reicht von 0 bis 1, wobei der Wert 0 absolute Gleichberechtigung bedeutet.

Vom UNDP stammt auch der Gender Development Index (Index der geschlechtsspezifischen Entwicklung). Der GDI wird ermittelt als Quotient des für Frauen wie für Männer getrennt ermittelten HDI-Wertes. Je kleiner dieser Wert ist, desto stärker sind bezüglich der hiermit erfassten Lebensqualität Frauen gegenüber Männern benachteiligt. Der Wert reicht von 0 bis 1. Seit 2000 liegt der Wert in Lesotho weit über 0,9.

Der ‘Gender Equity Index’ (GEI) der Nichtregierungsorganisation ‘Social Watch’ misst den Abstand zwischen Bildung, Wirtschaft und politischer Stärkung (Political Empowerment). Der Wert reicht von 0 bis 1, hier bedeutet der Wert 1 absolute Gleichberechtigung. Lesotho erzielte hier für das Jahr 2012 einen relativen guten Wert von 0,72 (Bildung:1; Wirtschaft: 0,83; Politik: 0,34) und liegt auf Rang 48. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

Der Global Gender Gap vom World Economic Forum umschließt die Bereiche Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Politik. Der Wert reicht von 0 bis 1, der Wert 1 bedeutet absolute Gleichberechtigung. Im Jahr 2015 und 2016 erreichte Lesotho einen Wert von 0,706 und befand sich damit von 144 untersuchten Ländern auf Rang 57. 2011 schaffte es Lesotho auf den Rang 8.

Das Development Centre der OECD bietet weitere Daten und qualitative sowie quantitative Untersuchungen zum Themenkomplex Gender an. Das Zentrum bietet eine Datenbank (Gender, Institutions and Development Database) an und entwickelte den ‘Social Institutions & Gender Index’ (SIGI). Auf der Plattform Wikigender werden die Informationen zusammengetragen. Der SIGI ist derzeit der komplexeste Gender-Index. Die Diskriminierung in sozialen Institutionen wird in fünf Ländergruppen bewertet bzw. kategorisiert: very low, low, medium, high and very high. Mit einem Index von 0.0876  (2014) wird die Diskriminierung in Lesotho als niedrig (low) eingestuft. Jedoch sind die großen Unterschiede zwischen den Sub-Indexe zu beachten. Im Bereich Familie und Haushalt wird die Diskriminierung als hoch eingestuft. 

Gewalt gegen Frauen, Mädchen und Kinder

Angestoßen durch das ‘SADC Gender Protocol’, das darauf abzielte, bis 2015 die Gewalttaten gegen Frauen um 50 % zu reduzieren, haben das Ministerium ‘Gender, Youth Sports and Recreation’, ‘Lesotho Bureau of Statistics’ und ‘Gender Links’ (GL) in 2013 eine quantitative und qualitative Studie zur Gewalt gegen Frauen durchgeführt. Nach dieser Studie haben in Lesotho 86 % der Frauen von Männern Gewalt erfahren, während 41 % der Männer dies zugeben. Im Hinblick auf die sozialen und kulturellen Faktoren, die eine Rolle bei der Gewalt gegen Frauen spielen, wurden Erkenntnisse früherer Studien weitgehend bestätigt. Sie sind allerdings nur zum Teil vergleichbar, weil sie auf unterschiedlich breiten Datensätzen beruhen. So sind in der Studie aus 2004 die ländlichen Gebiete weniger berücksichtigt als die dicht besiedelten Gebiete oder die Städte. Dabei können kulturelle und soziale Faktoren gerade auf dem Land eine größere Rolle spielen. Auch in der Gewichtung der Gewaltformen – sexuelle, körperliche, seelische oder ökonomische Gewalt – gibt es Unterschiede. Doch lassen die Studien eine Reihe von übereinstimmenden Erkenntnissen zu: 

  • Die meisten Fälle von Gewalt werden nicht gemeldet, weil die Polizei die Frauen oftmals erniedrigenden Verhören unterzieht, schlecht behandelt und nur zu einem geringen Prozentsatz den Frauen rät, die Tat nicht auf sich beruhen zu lassen und Strafantrag zu stellen.
  • Die Frauen fühlen sich vom Gesetz deshalb nicht ausreichend geschützt.
  • Eine eventuell erforderliche medizinische Untersuchung muss meist von den Frauen bezahlt werden.
  • Die ‘konservative Haltung’ der Dorfgemeinschaft macht die Frauen zum Gespött (gossip).
  • Vergewaltigte Frauen sind  in ihrer sozialen Umgebung stigmatisiert.
  • Die Politik reagiert nur auf Gewalt gegen Frauen, statt die Prävention zu stärken, indem mehr und besser ausgebildete Polizisten und Polizistinnen für mehr Sicherheit sorgen.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend, andere Faktoren kommen hinzu, z. B. die Wertvorstellung der männlichen Bevölkerung und traditionelles Verhalten in der sozialen Gemeinschaft. 

Die Folgen der Gewalt gegen Frauen erhöhen auch das Ansteckungsrisiko mit HIV/AIDS und sind für den Familienzusammenhalt und ihre ökonomische Grundlage eine ernste Gefahr. Darauf hat die Ministerin des Inneren 2013 in einem Statement auf der 57. Sitzung der ‘Commission of the Status of Women’ in New York hingewiesen. 

“Turning to the impact of HIV/AIDS, in particular on women and girls, we wish to underscore that, the pandemic remains a daunting challenge Lesotho is seized with. Its impact is being felt across sectors. The consequences of sexually transmitted diseases, HIV/A1DS, compounded by sexual violence are far reaching.”
(Übersetzung: Ich spreche nun die Auswirkungen von HIV/AIDS an, insbesondere im Hinblick auf Frauen und Mädchen. Wir möchten unterstreichen, dass die Pandemie eine drohende Herausforderung für Lesotho darstellt. Alle Sektoren sind davon betroffen. Die Konsequenzen der sexuell übertragbaren Krankheiten, die durch sexuelle Gewalt noch verstärkt werden, sind unübersehbar.)

Sie unterstreicht, dass noch viel getan werden muss, um Gewalt gegen Frauen einzudämmen:
“It is however a sad reality that despite the efforts made to implement ‘Beijing Platform for Action’, violence against women and girls remain one of the most pervasive human rights violations.”
(Übersetzung: Es ist jedoch eine traurige Tatsache, dass trotz aller Anstrengungen der ‘Beijing Platform for Action’ die Gewalt gegen Frauen und Mädchen weiterhin eine allgegenwärtige Verletzung der Menschenrechte bleibt.)

Über sexuelle Gewalt gegen Kinder gibt es nur wenige Daten. Einen Eindruck vermittelt aber eine Studie von USAID aus 2013 mit dem Titel: ‘National Response Efforts to Address Sexual Violence and Exploitation against Children in Lesotho’. Danach waren 2011 in Lesotho in 5.8 % aller Haushalte mit Kindern mindestens ein Kind körperlicher Gewalt, davon 1,1 % sexueller Gewalt, ausgesetzt. Es wird vermutet, dass es nahezu 10.000 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder gibt. Allerdings wird auf die schmale Datenbasis hingewiesen.

Ehe, Familie und Verwandtschaft

Traditionelle Brautwerbung und Hochzeit

Die Phase der Werbung begann in der Regel mit dem Vorschlag des Vaters des Jungen an die Eltern des Mädchens. Waren die Eltern des Mädchens einverstanden, erhielt der Vater eine Kalebasse mit Wasser. In Begleitung einiger Freunde besuchte der Junge dann das Mädchen. Sollte sie den zukünftigen Ehemann akzeptieren, schenkte sie ihm einen Schal. Es war auch Sitte, ihm Essen anzubieten, das er aber zurückweisen sollte, um zu unterstreichen, dass der aus Liebe und nicht aus Hunger gekommen war.
Mit der Übergabe des Brautpreises (bohali) an die Familie der Frau wurde die Heirat bestätigt. Von nun an war sie Mitglied der Familie des Mannes und ihre Kinder würden auch seinen Namen tragen. Der Brautpreis betrug in der Regel 20 Rinder, 1 Pferd und 10 Schafe oder Ziegen. Nur selten wurde die Bezahlung auch sofort in voller Höhe geleistet. Spätere Zahlungen sollten die Bande zwischen den Familien stärken. Nach diesem Arrangement wurde die Hochzeit gefeiert.

Heute ist es üblich, dass die Hochzeit erst stattfindet, wenn das Brautpaar weggelaufen ist, oder der Bräutigam mit seinen Freunden das Mädchen seiner Wahl entführt hat. Das Mädchen wird dann von der Familie des Jungen willkommen geheißen und die Hochzeit kann stattfinden. Die Familie des Mädchens schickt dann die Aussteuer (trousseau) hinterher. Indem der Bräutigam die erste Rate von 6 Rindern oder die entsprechende Geldsumme übergibt, bezeugt er die vollzogene sexuelle Verbindung. Allerdings können die Kinder erst die Namen des Klans annehmen, wenn er den Rest des 'bohali' bezahlt hat. 

Die Familien-Klans tragen oft den Namen eines Tieres wie zum Beispiel Krokodil oder Bär. Nur über die männliche Linie wird der Name weitergegeben.

Ein noch bestehender Brauch ist die Witwenvererbung (widow inheritance): Wenn ein verheirateter Mann stirbt, ehelicht einer seiner Brüder oder Vettern die Witwe. Dieser Brauch garantierte, dass die Kinder weiter dem Klan des verstorbenen Ehemannes angehören und außerdem sind die Witwe und ihre Kinder auf diese Weise versorgt. Jedoch ist diese Praxis immer weniger verbreitet. Sie geriet unter anderem im Kontext der HIV/AIDS-Problematik unter starke Kritik. (Quelle)

Kindererziehung

In den ersten zwei Jahren bleibt das Kind sehr an die Mutter gebunden. Während sie arbeitet, das Feld bearbeitet, wäscht, den Haushalt besorgt oder über weite Strecken Wasser und Brennholz holt, trägt sie das Kind auf ihrem Rücken. Ältere Geschwister werden stark in die Erziehung der jüngeren mit eingebunden und übernehmen viele Aufgaben im Haushalt.
Nach einem Spruch in Lesotho heißt es: "Man braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen". In diesem Sinn ist es Aufgabe jeder Frau im Dorf, bei schlechtem Benehmen des Kindes einzuschreiten oder, wenn die Situation es erfordert, entsprechende Hilfe zu leisten (Quelle siehe oben).

Traditionelle Dorfstruktur

Typische ländliche Behausung einer Familie. Photo: Böxkes

Auch heute noch bestimmen patriarchalische Verhältnisse das Leben in den ländlichen Gebieten. Vor allem hier werden die alten Sitten und Gebräuche der Basotho gepflegt. Dabei ist das Dorf der kulturelle Mittelpunkt. Es hat eine fest gefügte Ordnung, an deren Spitze der Dorfvorsteher/Chief (morena) steht. Der Begriff des Chiefs variiert stark: einmal ist er der Dorfvorsteher, ein andermal der regionale Führer, der dem Dorfvorsteher übergeordnet ist oder er ist Führer eines Klans.

Jedes Dorf (motse) bildet die Basis der administrativen Kontrolle. Die Anzahl der Bewohner variiert stark. Seine Struktur folgte einigen Grundprinzipien: das Haus des Dorfvorstehers stand im Zentrum, daneben das Haus seiner Hauptfrau. Die Häuser der anderen Frauen gruppierten sich darum herum, je nach Seniorität. Vor dem Haus des Dorfvorstehers lag der Dorfplatz, daneben der Kraal für das Vieh und die Ställe. An dieser Grundstruktur des Dorfes hat sich bis heute wenig verändert. Auch heute noch besteht ein Dorf zumeist noch aus strohgedeckten Rundhütten, den 'rondavels'. Bei Familien mit etwas Kapital (z.B. bei Lehrern) sind kleine gemauerte Häuser mit einem Wellblechdach üblich.
Das Leben folgte einer gewissen Routine, wobei die Aufgaben der Männer und Frauen streng getrennt waren. Gewöhnlich aß die Familie gemeinsam, es sei denn Besucher kamen. Dann aßen die Männer zuerst und dann die Frauen und Kinder.

Die Männer versammelten sich in einer 'pitso' (Versammlung) an besonderen Plätzen (lekhotla), um wichtige Themen zu besprechen, an einer Gerichtsverhandlung teilzunehmen oder ihre Stimme einzubringen bei Fragen, die dem Dorfvorsteher zur Entscheidung vorgelegt wurden. Diesem oblag auch das Recht, das Ackerland zuzuteilen. Der 'pitso' ist noch heute weit verbreitet.

Nach der Einführung des Pfluges übernahmen die Männer von den Frauen die Feldarbeit und kümmerten sich um das Vieh, während die Frauen den Haushalt besorgten und für die Ernte verantwortlich waren. Dabei ist es bis heute weitgehend geblieben.

Bildung

Struktur des Bildungssystems. Quelle: IBA/Lesotho 2010

Bildungssystem  

Für die formale und nonformale Bildung ist das ‘Ministry of Education and Training’ zuständig.

Die Informations- und Datenlage über das Bildungssystem ist eher spärlich. Eine Zusammenfassung des Bildungssystems bietet beispielsweise ein UNESCO-Bericht aus dem Jahre 2010, die internationale Datenbank ‘Classbase’ des Unternehmens Foreign Credits oder das Bildungskapitel aus dem Lesotho Review.

Ein Kurzbericht aus dem Jahre 2006 gibt eine Übersicht der staatlichen Bildungseinrichtungen (2006) in Lesotho. Die Angaben der tertiären Einrichtungen haben sich bis heute nicht geändert und bei den andere Einrichtungen unwesentlich:
1 Universität (National University of Lesotho)
1 College für Lehrerausbildung (Lesotho College of Education)
1 Polytechnikum (Lerotholi Polytechnic)
7 technische Institute
21 Ausbildungszentren
256 weiterführende Schulen (Secondary School)
1477 Grundschulen (Primary School) (1495 nach einem anderen Bericht für das Jahr 2008)
622 Einrichtungen der Früherziehung (the Integrated Early Childhood Care and Development (IECCD).

Die nonformale Bildung, also die außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung, ist in Lesotho sehr rudimentär.

Im Jahr 2008 gab Lesotho 20 % der Staatsausgaben für die Bildung aus (13 % des BNP). 

Schule

Vorschule (Alter 2-6)

Die Regierung beabsichtigt, die Zahl der Einrichtungen für Vorschulkinder zu erhöhen. Der Schwerpunkt liegt dabei in den ländlichen Regionen. Das Ziel für 2007 von 40 % der 2-6 Jährigen wurde verfehlt (35 %). Um die Zahl zu steigern, sollen an den Grundschulen oder in den Dörfern entsprechende Räume (reception classes) geschaffen werden. Bis 2010 sollten es mehr als 100 werden (neuere Daten liegen nicht vor). Damit haben die Kinder, die auf ihre kleinen Geschwister aufpassen müssen, die Chance, sie dort während ihrer Schulstunden abgeben zu können.

Grundschule (primary school) und weiterführende Schulen (secondary school)

Seit 2000 besteht Schulpflicht in Lesotho. Im Bereich der formalen Bildung basierte das Schulsystem auf dem britischen System mit primären, sekundären und tertiären Bildungsstufen. In Lesotho ist die Schulausbildung in der Grundschule bis Ende der 7. Klasse kostenlos. Die Schüler sind in der Regel 6-13 Jahre alt. Der Besuch einer weiterführenden Schule bis zum Alter von 18 Jahren muss bezahlt werden. Die Klassen 8-12 werden nach dem britischen Schulsystem als A, B, C, D und E-Klasse bezeichnet. Am Ende der 12. Klasse wird eine Abschlussprüfung durchgeführt, die jedoch nur von wenigen bestanden oder erreicht wird. Das Tragen einer Schuluniform ist vorgeschrieben und die Schulbücher werden normalerweise gemietet, bis auf die Bücher in den Klassen D und E, die gekauft werden müssen. Zum Abschluss der Klassen C und E müssen Examen, die gesondert bezahlt werden müssen, bestanden werden. Die Ergebnisse aller Kinder an allen Schulen werden veröffentlicht. Kinder, die die Klasse C nicht bestehen, werden in die Klasse B zurückgestuft. Kinder, die das Examen in der Klasse E nicht bestehen, schreiben zusätzliche Examen, abhängig von der Anzahl und den Ergebnissen. Aber sie müssen dafür extra Kurse, die nur in bestimmten Regionen angeboten werden, belegen und die Kosten für Kurse und Examen entstehen erneut. Dieses Bildungssystem wurde 1971 eingeführt.

Die Einschulungsquote in den Grundschulen beträgt um die 80%. Demgegenüber liegt die Quote in der Sekundarschule unter 40%. Ein positiver Trend ist aber klar erkennbar.

Die überwiegende Anzahl der Schulen ist defizitär ausgestattet. Die Klassenräume, Toiletten und Trinkwasserqualität sind unter Standard. Die Schulmöbel fehlen oder sind nicht mehr zu reparieren. Die meisten dieser Schulen liegen in den weit entfernten Regionen des Landes. Sie gehören zumeist den Kirchen.
Alle Schüler der Grundschulen erhalten Schulspeisen. Dieser Posten ist nach den Lehrergehältern der zweitgrößte im Haushalt für Erziehung. Deshalb belasten Preiserhöhungen von Lebensmitteln den nationalen Haushalt erheblich.
Im Bereich der weiterführenden Schulen (secondary school), deren Schülerzahlen voraussichtlich jedes Jahr um 8000 Schüler wachsen wird, sind die finanziellen Probleme ebenfalls gravierend.

Im Juni 2008 veröffentlichte das Ministerium für Erziehung und Ausbildung Grundsätze für die Lehrpläne und Bewertungsrichtlinien (Curriculum and Assessment Policy) für die Grundschulen und die weiterführenden Schulen (primary and secondary education).
In abgelegenen Regionen sind 'half way homes' geplant. Sie dienen dazu, die Entfernung zur Schule zu verringern und den Waisenkindern eine Heimstätte zu bieten, wenn sie in ihrem Dorf nicht aufgenommen werden. Die Häuser werden von Frauen geleitet und von Wachpersonal gesichert. Dort erhalten die Kinder auch Essen.
Ein Fernstudium bietet zwei Programme an. Eines richtet sich an Analphabeten und ein zweites als Fortbildung für die, die keine Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen oder als Ältere bisher nicht zur Schule gegangen sind.

Grundschule in der ländlichen Umgebung von Leribe. Das Bild zeigt Schüler in Schuluniform vor der Schule.
Grundschule in der ländlichen Umgebung von Leribe. Im Hintergrund befindet sich das Lehrerzimmer (Photo Böxkes)
Grundschule in der ländlichen Umgebung von Leribe. Das Bild zeigt Schüler in Schuluniform vor der Schule.
Grundschule in der ländlichen Umgebung von Leribe. In dem Gebäude befinden sich die beiden Klassenzimmer. (Photo Böxkes)
Grundschule in der ländlichen Umgebung von Semonkong. Abgebildetet sind Gebäude aus Stein mit einer Wellblechdachkonstruktion.
Grundschule in der ländlichen Umgebung von Semonkong. (Photo: Böxkes)
Klassenzimmer einer Grundschule in der ländlichen Umgebung von Semonkong. Das Klassenzimmer ist karg eingerichtet.
Klassenzimmer einer Grundschule in der ländlichen Umgebung von Semonkong. (Photo: Böxkes)
Kinder stehen vor einer kleinen Hütte mit einer Wellblechdachkonstruktion auf ihre Essensausgabe.
Grundschule in der ländlichen Umgebung von Semonkong. Schülerinnen und Schüler stehen vor der Essensausgabe an. (Photo: Böxkes)
Kinder erhalten in einer Wellblechhütte ihr Mittagsessen.
Grundschule in der ländlichen Umgebung von Semonkong. Schülerinnen und Schüler erhalten ihr Mittagsessen. (Photo: Böxkes)

Höhere Ausbildung und Hochschulbildung

Lerotholi Polytechnic, LP 

1905 wurde das erste Gebäude für das Polytechnikum als eine technische und berufliche Ausbildungsstätte errichtet. 1960 wurde der Schwerpunkt auf die Ausbildung handwerklicher Berufe gelegt. Zwei neue Schulen für den Bereiche Handel und Technik kamen in den 70er und 80er Jahren hinzu, wurden aber 1991 zu einer Institution, zur 'Lerotholi Polytechnic' (LP) zusammengefasst. Die Ausbildungsangebote wurden erheblich erweitert. 1997 erhielt die LP ihre Unabhängigkeit. Damit konnte sie ihre eigene Ausbildungskonzeption entwickeln.

National University of Lesotho, NUL

Die NUL befindet sich in Roma, etwa 35 km von Maseru entfernt. Sie hat acht Fakultäten und 7000 Studenten. Sie wurde 1945 als Pius XII College von der katholischen Kirche gegründet, später jedoch vom Staat übernommen.
Die Studentenzahl in den technischen Fächern liegt deutlich unter den der sozialwissenschaftlichen. Ein Problem für Lesotho ist die permanente Abwanderung von akademisch gebildetem Personal nach Südafrika.

Lesotho College of Education, LCE 

Das LCE ist die pädagogische Hochschule für angehende Lehrer in der Grund-  und  Hauptschule. Auch Sonderfächer, wie kindliche Früherziehung und Sondererziehung, können mit einem Diplom abgeschlossen werden. Das College ist eine staatliche Einrichtung in Maseru. Im Jahr 2002 erhielt die Einrichtung mehr Autonomie vom Ministerium. Die Zahl der Studenten beträgt etwa 4400, einschließlich der Fernstudenten. Die Studenten studieren in der Regel drei Jahre. Doch fast das ganze zweite Jahr verbringen sie außerhalb des College zur praktischen Ausbildung an den Schulen im Land. Dort werden sie regelmäßig von ihren Dozenten besucht, die ihre Lehrtätigkeit in der Praxis beobachten. 

Limkookwing University of Creative Technology, LUCT 

2008 wurde in Maseru ein Campus der internationalen und privaten Universität eröffnet. Der Hauptcampus ist in Malaysia. 
Die private Universität LUCT bietet moderne Studiengänge an, z.B. im Bereich Multimedia oder Eventmanagement.

Gesundheit

Gesundheitssystem  

Lesotho hat weder die Finanzmittel noch die notwendige Infrastruktur, um ein funktionierendes Gesundheitssystem für die Mehrheit der Bewohner bereitzustellen. Lokale Unterstützungsgruppen (support community-based groups) versuchen, diese Lücke zu verringern. Dabei sind sie auf die Hilfe internationaler Organisationen angewiesen. Trotz diverser Strategiepapiere in der Vergangenheit und Gegenwart sind die Daten ernüchternd. Die HIV/AIDS-Zahlen sind erschreckend, die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. Eine sehr hohe Anzahl an Waisen müssen betreut werden. Viele dieser Kinder können die Schule nicht besuchen, da sie sich um ihre jungen Geschwister kümmern müssen. In 2008 führte Lesotho eine allgemeine medizinische Grundversorgung ein (universal primary healthcare) mit dem vorrangigen Ziel, für alle Bewohner die gleiche medizinische Versorgung zu gewährleisten, vor allem in den ländlichen Gebieten. Gesundheitsfragen sollten in allen Bereiche des öffentlichen Lebens berücksichtigt werden. Dabei ging es auch um eine gerechte Verteilung von Medikamenten. Doch das Ergebnis war ein massiver Mangel an Medikamenten und eine schlechtere medizinische Versorgung. So verfügen nach Angaben der Organisation 'Ärzte ohne Grenzen' von den 171 Gesundheitszentren nur wenige über eine ausreichende Zahl an Krankenschwestern. Die Lage wurde dadurch verschärft, dass die Christian Health Association von Lesotho (CHAL) gezwungen wurde, die Gesundheitsleistungen kostenlos zu liefern, ohne dass sie dafür ausreichend Subventionen erhielt. Die finanzielle Lücke zwang die Organisation, von den Patienten Geld zu verlangen. Auch dies reichte nicht, sodass die Versorgung in den staatlichen Zentren dürftig blieb. Vor allem auf dem Land ist die CHAL ein wichtiges Standbein der medizinischen Versorgung. Sie arbeitet mit anderen christlichen Kirchen zusammen.
Laut Berichten hat das 'universal primary healthcare Programm' im Jahr 2011 zu einer Verschlechterung des Gesundheitssystems in Lesotho geführt.

Traditionelle Medizin

Vor allem in den ländlichen Gebieten sind traditionelle Heiler für einen Großteil der Bevölkerung noch immer wichtig. So genießen sie in der Dorfgemeinschaft ein hohes Ansehen.
Bereits 1978 wurde von der Regierung die Entscheidung getroffen, die traditionellen Heiler in die Gesundheitspolitik Lesothos einzubeziehen. Jedoch mangelt es noch an der Umsetzung. Zwar gibt es mittlerweile eine Vereinigung von traditionellen Heilern, aber sie vermag es im Grunde genommen noch nicht, die sehr heterogene Gruppe der Heiler zu vertreten und zu erreichen. 

Gesundheitsversorgung

Die medizinische Grundversorgung ist prekär. Die Unterversorgung spiegelt sich in den Gesundheitsindikatoren wieder. Hier rangiert Lesotho im weltweiten Vergleich auf den unteren Rängen. So sterben im ersten Lebensjahr ca. 46 Säuglinge von 1000 Lebendgeburten (Deutschland 3,5) (CIA Schätzung 2017) und die Müttersterblichkeitsrate beträgt 487 auf 100.000 (Deutschland 7) (CIA Schätzung 2015). Besonders schlecht schneidet Lesotho bei der Neonatalen Sterblichkeit (Säugling unter 1 Monat) ab. Laut UNICEF weist Lesotho mit einer Sterberate von 38,5 auf 1000 Lebensgeburten eines der höchsten Raten weltweit auf. Die sehr geringe Lebenserwartung von rund 53 Jahren ist vor allem aufgrund der HIV-Epidemie auf diesen niedrigen Wert gesunken (CIA Schätzung 2016). Die Lebenserwartung steigt aber wieder seit einigen Jahren.

Umfangreiche Studien zur Bevölkerungsentwicklung und Gesundheitslage liegen für 2010 und 2015 vor. Allerdings sind nicht alle Daten auf dem letzten Stand.

Weitere Gesundheitsstatistiken sind bei der WHO abrufbar. 

HIV/AIDS

Im Jahr 2000 veröffentlichte die Regierung den ‚National AIDS Strategic Plan’. Das Strategiepapier unterstreicht die Notwendigkeit einer multisektoralen Antwort auf die HIV/AIDS-Epidemie. Kurz danach erfolgte die Gründung der ‚Lesotho AIDS Programme Co-ordinating Authority’ (LAPCA), um die neue Strategie umzusetzen. Im selben Jahr erklärte der König Letsie III. HIV/AIDS zu einer nationalen Katastrophe. Die Regierung bot 2004 im Maluti Krankenhaus (Maseru, gehört der ‚Christian Health Association’) die erste antiretrovirale Behandlung an. Ebenfalls wurden im Senkatana Centre durch die Finanzierung des Pharmakonzerns Bristol-Myer Squibb eine frei zugängliche Behandlung angeboten. Insgesamt verfügte Lesotho Ende 2005 über 22 medizinische Einrichtungen, die eine antiretrovirale Behandlung bereitstellten. Die Zahlen waren jedoch ernüchternd. Für das Jahr 2003 schätzte die WHO und UNAIDs, dass 54 000 Menschen eine Behandlung benötigen. Ende 2005 erhielten insgesamt aber nur 8400 Menschen eine Behandlung. Durch massive Unterstützung zahlreicher Geberorganisationen wurde die medizinische Infrastruktur in den letzten Jahren zügig ausgebaut. Ende 2013 konnten bereits 207 medizinische Einrichtungen eine antiretrovirale Behandlung anbieten und über 100.000 Menschen eine Behandlung erhalten.

Seit 2000 bleibt die HIV-Epidemie auf einem sehr hohen Niveau. Die Infektionsrate beträgt seitdem über 20% in der Altersgruppe von 15-49 Jahren. Zwar verwenden nach einer Studie von USAID weitaus mehr Frauen in Lesotho Kondome als Frauen in den Ländern Kenia, Malawi, Sambia und Simbabwe, aber in Anbetracht der dramatischen HIV/AIDS-Epidemie sind es nach wie vor noch zu wenige. Durch die Ausweitung der antiretroviralen Behandlung konnten die Sterbefälle jedoch signifikant reduziert werden. Die Gesundheitsbehörde von Lesotho veröffentlichte im Juni 2016 einen Bericht (Demographic and Health Survey, DHS), nach dem die HIV-Rate 2014 auf 25% gestiegen ist. Danach leben 30% der Männer und 19% der Frauen mit dem HI-Virus. Bei 35% der Verheirateten ist mindestens ein Partner, bei 20% sind beide infiziert. Der Gesundheitsminister gibt sich zwar besorgt über die steigende Zahl der Menschen mit HIV, weist jedoch auch darauf hin, dass die Überlebenschancen zugleich gewachsen sind.

Aktuelle Bemühungen basieren auf dem gegenwärtigen nationalen HIV/AIDS Plan (2011-2016).

Über die Lage und Präventionsmaßnahmen in Lesotho berichtet regelmäßig die internationale NRO AVERT. Die neuesten Daten und Schätzungen werden in der Regel von UNAIDS angeboten. 

2011 wurde auf dem ‘High Level Meeting on AIDS’ der UN Generalversammlung eine neue politische Erklärung verabschiedet. Sie beinhaltet neue Zielsetzungen und die Absicht, regelmäßige Länderfortschrittsberichte an das UNAIDS Sekretariat zu senden. Für Lesotho liegt ein Bericht aus dem Jahr 2015 vor.

Anzahl der AIDS bedingten Sterbefälle und Neuinfektionen
Anzahl der AIDS bedingten Sterbefälle und Neuinfektionen. Quelle: Ministry of Health (2012): Global AIDS Response Country Progress Report January 2010-December 2011
Verlauf der HIV-Infektionsraten (15-49 Jahre).
Verlauf der HIV-Infektionsraten (15-49 Jahre). Quelle: Ministry of Health (2012): Global AIDS Response Country Progress Report January 2010-December 2011
Trends in HIV Prevalence. Percent of women and men age 15-49 who are HIV-positive. (DHS Survey 2014)
Percent of women and men age 15-49 who are HIV-positive. (DHS Survey 2014)
Percent of women and men age 15-49 who are HIV-positive. (DHS Survey 2014)
Percent of women and men age 15-49 who know that HIV can be prevented by using condoms AND limiting sex to one uninfected partner. (DHS Survey 2014)

Kultur

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sind Basotho. Damit verfügt das Land über eine relativ homogene Kultur und Identität.  

Traditionen und kulturelle Identität    

Die Klan-Kultur und der Mythos

Alle Basotho gehören einem Klan an, dessen Name von einem Totem oder einem Vorfahren abgeleitet wurde. Der Legende nach gingen die Menschen aus einem 'mythischen Marsch' (mythical marsh) hervor. Sie verließen das Sumpfgebiet in Gruppen und bildeten Klans (liboko). Jedem dieser Klans wurde ein Tiergott als sein Beschützer zugeordnet. Der Name des Klans ging immer auf die Väter über.
Die Menschen glaubten, dass der Mensch aus zwei Elementen besteht, dem Körper (mele) oder Fleisch (nama) und der Seele (spirit : moea, bedeutet auch Wind). Der Körper ist vergänglich, die Seele hingegen nicht. Sie durchströmt den ganzen Körper und verlässt ihn in der Nacht, wenn der Mensch schläft. Dieses Phänomen erfahren sie als Traum. Hexen und Zauberer können ihren Geist zwingen, ihren Körper zu verlassen und ihnen auch Befehle geben. Nach dem Tod bleibt die Seele in der Nähe. Wenn man dem Toten die Zunge herausschneidet, oder einen Holzstift (peg) durch seinen Kopf treibt, kann die Seele in einen Geist verwandelt werden. Um die Seele vor Schaden zu bewahren, wurde der Tote mit Medizin behandelt und von einer Totenwache bis zum Begräbnis begleitet. Nach dem Begräbnis war die Seele frei und stieg in den Himmel auf oder ging zurück zu dem mythischen 'Marsch', aus dem sie herstammt.
Die Verehrung der Ahnen beruhte auf der Vorstellung, dass es gute oder böse Seelen gibt. Die Seelen der Ahnen schützen die Familie und diese war unmittelbar dem Einfluss der Ahnen unterworfen. Die Ahnen des Chiefs beschützten den ganzen Stamm. Starb ein Familienmitglied auf Grund einer Krankheit, so glaubten die Menschen, dass ein Ahne seine Nähe im Jenseits wünschte. Andererseits nahmen sie mit Hilfe eines Heilers (ngaka) Kontakt mit den Ahnen auf, um die guten Beziehungen wieder herzustellen und damit die Krankheit zu heilen. So besaßen die Heiler hohes Ansehen und hatten großen Einfluss auf die Gesellschaft. Opfergaben und die Beachtung von Tabus sollten die Ahnen versöhnlich stimmen und Krankheiten fernhalten.

1833 brachten die ersten französischen Missionare unter Eugène Casalis, T. Arbousset und C. Gosselin der reformierten Paris Evangelical Missionary Society das Christentum nach Lesotho und beeinflussten und veränderten den traditionellen Glauben. Sie gründeten die erste christliche Missionsstation des Landes.

Das Christentum vermengte sich mit dem Ahnenglauben. Nach wie vor spielt auch der Ahnenglaube eine große Rolle in Lesotho und prägt z.B. für viele Basotho das Verständnis von Gesundheit und Krankheit oder spiegelt sich in den Beerdigungsriten wider.

Traditionelle Kleidung

Vor allem vier Dinge symbolisieren die Tradition der Basotho: die (1) Decke (von Mann und Frau getragen), die (2) Seshoeshoe (nur von Frauen getragen), der (3) Basotho-Hut (Mokorotlo, getragen von Mann und Frau) und der (4) Stock (Molamu, nur für den Mann bestimmt).

(1) Basotho-Decken
Bis heute tragen viele Basotho Wolldecken (Kobo). Diese traditionellen Decken gehen auf das Jahr 1860 zurück, als der König eine solche Decke von britischen Händlern erstand und sie regelmäßig trug. Vor allem im Winter werden die Decken gerne getragen. Sie werden oft mit kunstvollen Mustern versehen. Die begehrten und teuren Decken wurden lange ausschließlich in Großbritannien hergestellt. 

Die in Lesotho geborene und in Südafrika lebende Designerin Thabo Makhetha verarbeitet in ihren Kollektionen die Basothodecke. Aber auch andere Designer aus Lesotho und Südafrika greifen auf traditionelle Symbole und Kleidung zurück. Es wird aber auch kritisch gesehen, wenn z.B. das französische Modeunternehmen ‘Louis Vuitton’ Muster aus Lesotho gewinnbringend in ihren Kollektionen vermarktet.

(2) Seshoeshoe-Kleid
Auch Kleider erzählen etwas über die Menschen, wer sie sind, in welchem Land sie leben und woher sie kommen. Hierüber gibt Mabokang Baatshwana Pheto-Moetti in ihrer Masterarbeit von 2005 über das 'Seshoeshoe'-Kleid als eine kulturelle Identität schaffende Bekleidung der Basotho-Frauen einen umfassenden Überblick. Sie glaubt, dass der Name 'Seshoeshoe' darauf zurückzuführen ist, dass die Basotho außerhalb Lesothos als Bashoeshoe nach ihrem König Moshoehoe I. bezeichnet wurden.
Die kulturelle Anpassung der Bekleidung begann mit dem Aufeinandertreffen der Basotho mit den Buren und den ersten Missionaren 1833. Ziel der Missionare war nicht nur die Verbreitung des christlichen Glaubens, sondern eine Veränderung des ganzen Menschen. Dazu gehörte auch eine Abkehr von der traditionellen Kleidung, die nicht als 'anständig' galt. In den folgenden Jahren trugen die Briten und die Wanderarbeiter dazu bei, dass die Frauen in Lesotho gemäß der Mode in Europa knöchellange Kleider trugen, mit vielen Lagen von Petticoats. Hieraus entwickelte sich die traditionelle Bekleidung der Basotho Frauen, die Seshoeshoe. Sie wird nur bei festlichen Gelegenheiten getragen. Große Unterschiede bei den Kleidungsstücken gibt es in Lesotho nicht, nur Farben und Muster ändern sich.

(3) Strohhüte
Die Strohhüte (Mokorotlo) der Basotho sind ein weiteres Symbol nationaler Identität. Sie sind kegelförmig und aus gewebtem Stroh hergestellt. An der Spitze sind sie zusammengehalten. Die Form des Hutes wurde dem Felsen Qiloane nahe Thaba Bosiu nachempfunden. In der Nähe sind Moshoeshoe I. und alle nachfolgenden Könige Lesothos begraben und er ist heute das wichtigste Kulturdenkmal Lesothos. Der 'Mokorotlo' ist heute das nationale Symbol des Landes, ist Bestandteil der Nationalflagge und auf den Kfz-Schildern zu sehen.

(4) Molamo (Stock)
Der Molamo ist ein hölzerner Wanderstab, den nur die Männer führen. Nicht selten ist der Stock geschnitzt.

Eltern stehen und sitzen vor einem modernen Gebäude. Die Frauen tragen bunte Kleider und die Männer sind mit einer Decke umhüllt.
Gäste bei der Feier des Hochschulabschlusses tragen traditionelle Bekleidung und singen traditionelle Lieder. Photo: Böxkes
Basotu Pony (Photo: Böxkes)

Basotu-Ponys

Wenn auch im Allgemeinen der Stock (Molama), der Strohhut (Mokorotlo) und die traditionelle Decke identitätsstiftende Symbole sind, so ist man dennoch versucht ein weiteres hinzuzufügen: das Basuto-Pony.  

Neben den allgemein bekannten Pferderassen ist das Basuto-Pony in Europa nahezu unbekannt. Eine professionelle Zucht gibt es in Lesotho jedoch nicht. Es entstand aus dem Kap-Pferd, dessen Ursprung auf importierte Pferde aus dem Orient – vielleicht auch aus Indien – nach Südafrika im 17. Jahrhundert zurückgeht. Zunächst waren es wohl arabische Rassen oder Berber, die später mit persischen Rassen gekreuzt wurden. Wegen seiner Zähigkeit und Ausdauer diente es den Engländern als Kavalleriepferd und gelangte während der kriegerischen Auseinandersetzung mit den benachbarten Basotho über die dortige Grenze. 

Über Herkunft der Rasse mag es unterschiedliche Theorien geben, in einem aber sind sich alle einig: den Charakter. Das Pony zeichnet sich aus durch Ausdauer, Genügsamkeit, Geduld, Mut, Zuverlässigkeit und Tragstärke. Mit anderen Worten: das ideale Hochland-Pferd. 

Initiationsritus

Beim Initiationsritus werden die Jungen auf das Erwachsensein vorbereitet. Der Brauch wird noch heute praktiziert, jedoch hat seine Verbreitung stark abgenommen und einige Riten wurden verändert bzw. der Gegenwart angepasst. So wurde beispielsweise die Dauer der Initiation stark gekürzt. Wer den Prozess der Initiation früher nicht durchlaufen hatte, galt nicht als Mann.
Der Ablauf des Initiationsritus wird nicht an die Öffentlichkeit preisgegeben. Daher ist der Ritus auch etwas Geheimnisvolles und die Jungen wissen nicht, was sie erwartet.

Im Kern lief die Initiation früher wie folgt ab: Die Initiation begann mit drei Tage dauernden Riten und einem Fest, an dem auch die Eltern und Verwandten teilnahmen. Am dritten Tag wurde ein schwarzer Bulle geschlachtet, von dessen rechtem Vorderbein und Schulter die Jungen Fleischstücke essen mussten. Das Fleisch war mit der Medizin eines traditionellen Heilers bestrichen.
Am nächsten Tag wurden die Jungen in die Wildnis geführt, wo sie von erfahrenen Männern beschnitten wurden. Dann ließ man sie im Busch zurück und gab ihnen starke Schmerzmittel aus Pflanzenextrakt. Dort sollten sie sich erholen. Für die nächsten drei Monate wurde von den Jungen eine Behausung (Mophato) gebaut, wo Tanzen und Singen erlernt wurde und wo sie sowohl über die Geschichte ihrer Nation als auch über die Tabus und Verhaltensnormen unterrichtet wurden. Dabei wurde auch die physische und emotionale Belastbarkeit geprüft. Die Behausung befand sich an einem einsamen Ort in den Bergen.
Am letzten Tag wurden Tontöpfe zerbrochen und die Behausung in Brand gesetzt. Damit wurde der Übergang vom Alten zum Neuen symbolisiert.

Auf eine andere Art wurde die Initiation bei Mädchen zwischen dem Alter von 15 bis 20 Jahren durchgeführt. Die weibliche Beschneidung wurde jedoch nicht praktiziert. Sie musste jedenfalls vor der Heirat abgeschlossen sein, da die Initiation die Fruchtbarkeit erhöhen würde.

Morija-Festival und andere Kulturfeste

Das 'Morija Arts and Cultural Festival' findet jedes Jahr Ende September / Anfang Oktober in Morija statt. Morija ist ein größeres Dorf etwa 35 km von Maseru. Hier befindet sich ebenfalls das einzige Museum des Landes. 
Das erste Kulturfest in Morija wurde 1999 auf Initiative des Museums organisiert. Seitdem findet das Fest für 4-5 Tage jedes Jahr statt. Mit jährlich ca. 35 000 Besuchern handelt es sich um das größte Ereignis in Lesotho. Auf dem Festival wird der Reichtum der Basotho-Kultur mit all seinen Facetten präsentiert, es finden aber auch Konzerte mit moderner Musik statt. Auf der einen Seite werden durch das Fest die alten Traditionen gepflegt und auf der anderen Seite hat es auch eine einheitsstiftende Wirkung.

Weitere Feste und Ereignisse sind z.B. ‚Moshoeshoe’s Day’ am 11. März oder der ‚Independant D’ am 4. Oktober. 

Literatur und Musik

Neben den weniger bekannten Schriftstellern Mzamane Nhlapo und Moroesi Akhionbare (* 1945) hat nur Thomas Mofolo (1876–1948) einen größeren Bekanntheitsgrad außerhalb Lesotho erreicht. Sein Buch 'Chaka Zulu' erschien 1926 erstmals in Sesotho und wurde in andere Sprachen übersetzt. In Lesotho gibt es keine großen Verlage, dafür ist der Markt einfach zu klein. Dem einzigen in Lesotho existierenden Museum (privat betrieben) in dem Ort Morija ist der lokale Verlag ‘Morija Printing’ angegliedert. Die Bücher behandeln überwiegend die Themen Kultur und Geschichte. Erhältlich sind die Bücher in erster Linie vor Ort.

Die Basotho kennen unter anderem die drei traditionellen Tänze: ‘Mokorotlo’,  ‘Mohobelo’ und ‘Mokhibo’. Bei besonderen Anlässen wurde der ‘Mokorotlo’ zu Ehren des Chiefs getanzt. Rhythmische Bewegungen nach vorne und nach hinten und das Stampfen mit den Füßen gehören zu den Charakteristika dieses Tanzes. Der Führer der Gesangsgruppe singt in einem schrill-hohen Ton, während die Übrigen ihn mit tiefer Stimme begleiten. Von Zeit zu Zeit löst sich ein Tänzer von der Gruppe, um vor dem Chief mit seinem Tanz einen Kampf darzustellen. Die Gruppe ermuntert ihn, indem sie seinen Tanznamen ruft.
Während der Mohobelo-Tanz nur der Unterhaltung dient und sowohl von den Frauen als auch von den Männern getanzt wird, blieb der Mokhibo-Tanz den Frauen vorbehalten. Sie führen diesen Tanz auf den Knien sitzend aus und bewegen dabei ihre Körper und Hände rhythmisch auf und nieder. Dabei werden sie von einem Chor begleitet.

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Letzte Aktualisierung

Länderseite wurde zum letzten Mal im Oktober 2017 aktualisiert.

Autor

Peter Böxkes ist Freiberufler und Lehrbeauftragter im Bereich der Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit. Als Sozialwissenschaftler (Dipl. Päd. & M.A. Phil., Soz., Psy.) arbeitete und lebte er mehrere Jahre in Afrika, darunter auch in Lesotho. Aufgrund seiner südafrikanischen Mutter und Verwandschaft ist er mit dem südlichen Afrika sehr verbunden.

Koautor: Wolfgang Böxkes

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Filmtipp

The Forgotten Kingdom (Drama)

Atang verlässt das hektische Johannesburg um nach Lesotho zurückzukehren - das Land seiner Vorfahren. Es war der letzte Wunsch seines Vaters, in dem abgeschiedenen Gebirgsdorf beerdigt zu werden, in dem er geboren wurde. Aufgewühlt von den Erinnerungen an seine Jugend verliebt Atang sich in seine Kindheitsfreundin Dineo, die nun als Lehrerin in der kleinen Dorfschule arbeitet. Mit ihrer Hilfe lernt Atang das Land mit all seiner Schönheit und seinem Leid erneut kennen.

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