Bergige Graslandschaft (Bild: Böxkes)
Offizieller Name
Königreich Lesotho
Fläche
30.344 km²
Einwohner (Schätzung)
2,1 Mio. [UNdata 2016]
Bevölkerungsdichte (Schätzung)
69,1 Einw. pro km² [UNdata 2016]
Regierungssitz
Maseru
Klima (für Hauptstadt)
gemäßigtes Kontinentalklima
Klima (für Land)
Hochgebirgs- bis gemäßigtes Kontinentalklima
Die Karte zeigt die Lage von Lesotho im südlichen Afrika. Lesotho wird von Südafrika gänzlich umschlossen.
Lage Lesothos im südlichen Afrika

Das bergige Land Lesotho liegt im südlichen Afrika. Als Enklave ist es auf allen Seiten von der Republik Südafrika umschlossen und hat damit keinen Zugang zum Meer. Die Höhenunterschiede seiner Landesteile von den sogenannten Lowlands im Westen zu den steilen Drakensbergen im Osten bestimmen das gemäßigt kontinentale Klima. Seine Naturschönheiten ziehen vor allem Touristen an, die ursprüngliche Natur erleben wollen.

Das Königreich Lesotho erstreckt sich über eine Fläche von rund 30.000 km² und ist damit etwas größer als das Bundesland Brandenburg und kleiner als Nordrhein-Westfalen. Es liegt zwischen den Koordinaten 28,5-30,5 Grad südlicher Breite (auf etwa vergleichbarer Breite: Perth/Australien oder Santiago/Chile) und 27,0-29,5 Grad östlicher Länge (auf etwa vergleichbarer Länge: Helsinki/Finnland oder Istanbul/Türkei).

Ähnlich wie das viel größere Namibia und Botswana sowie das kleinere Swasiland, weist Lesotho eine Bevölkerung von rund 2 Millionen Menschen auf.

Karten

Online-Karte von Google mit Zoomfunktion (Funktion 'Street View' auf Google Maps)

Die Karte gibt einen groben Landesüberblick.
Übersichtskarte © CIA (Public Domain)

Die politische Karte (auch als PDF) sowie die Höhenkarte (auch als PDF) werden von der CIA zur freien Verfügung bereitgestellt. Ebenfalls werden von Wikimedia Commons Karten angeboten.

Eine gute Straßenkarte mit eingetragenen Sehenswürdigkeiten bietet das Amt für Tourismus an. Weitere Übersichtskarten bietet beispielsweise Ezilon an: politische Karte, Straßenkarte und physische Karte.

Eine ständig aktualisierte Kartensammlung zu humanitären, sozioökonomischen und anderen Themenstellungen bietet Relief Web.

Grunddaten

Über Lesotho liegen vergleichsweise wenige verlässliche und aktuelle Daten vor. Üblicherweise verfügen die internationalen Organisationen wie die Weltbank, die UN (bzw. UN-Data), die Afrikanische Entwicklungsbank, UNDP oder der IWF (World Economic Outlook (WEO)) über Landesdaten. Darüber hinaus ist das ‚World Factbook’ von der CIA ebenfalls eine gute Anlaufstelle. 

Deutschsprachige Informationsquellen wie das Auswärtige Amt, das Statistische Bundesamt oder die Stiftung Weltbevölkerung greifen in der Regel lediglich auf die Daten der internationalen Organisationen zurück.

Die lesothischen Regierungsseiten sind weitere potenzielle Informationsquellen. Oft werden die Internetauftritte von den staatlichen Organen jedoch nicht regelmäßig gepflegt oder sie befinden sich noch in der Aufbauphase. Außerdem sind die Webseiten auch öfters offline. Als Einstieg bietet sich das allgemeine Informationsportal der Regierung an. Ein zentrales Organ für die Sammlung von Daten ist das ‚Bureau of Statistics’, das beispielsweise 2010 ein statistisches Jahrbuch herausgab. 

Für einen Länder- und Regionenvergleich bieten sich interaktive Grafiken an, wie z.B. bei Gapminder oder von UNDP, die zudem auch einen Zeitvergleich ermöglichen.

Das Heranziehen von Entwicklungsindikatoren zur Einschätzung der Landessituation und -entwicklung ist ohne Zweifel nützlich. Zugleich haben solche Indikatoren gerade in Ländern wie Lesotho nur eine begrenzte Aussagekraft. So werden beispielsweise bei den ökonomischen Indikatoren, wie dem Pro-Kopf-Einkommen, die Schatten- und Subsistenzwirtschaft nicht erfasst. Aber gerade diese sind für viele Menschen in Lesotho ihre Existenzgrundlage. Zudem beruhen die Angaben zumeist lediglich auf Schätzungen.

Naturraum

Überblick - Topografie

topografische Übersichtskarte
Topografische Übersichtskarte © Sadalmelik (Wikimedia Commons, Public Domain)

Im Westen des Landes liegt das Hochplateau der fruchtbaren Lowlands, so genannt, weil es im Vergleich zu den anderen Landesteilen nur auf einer Höhe von 1000-1800 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Obwohl es nur circa 25 % der gesamten Landmasse ausmacht, liegt in dem schmalen Streifen das Hauptsiedlungsgebiet mit 80 % der Bevölkerung und die Landeshauptstadt Maseru. Es ist geprägt von Tafelbergen und tiefen Flusstälern.

Von den Lowlands steigt das Land zu den Bergregionen der Highlands im Osten auf über 2000 Meter über dem Meeresspiegel, durchschnitten vom Tal des Senque-Flusses (in Südafrika Oranje-Fluss genannt). Seine Gesteinsformationen sind aus Basalt und vulkanischen Ursprungs.

Der Osten des Landes wird von den Maloti-Bergen (in Südafrika oft Drakensberge genannt) beherrscht, die auf über 3000 Meter ansteigen und deren höchste Erhebung der Thabana Ntlenyana mit 3483 Meter ist. Die Drakensberge bilden den südöstlichen Abschnitt der großen Randstufe Südafrikas und erstrecken sich über eine Länge von circa 1100 Kilometer parallel zur südöstlichen Spitze des afrikanischen Kontinents.

Die nord-westlichen Ausläufer der Drakensberge heißen Maloti- oder auch Maluti-Berge. Südlich davon schließt sich die Bergkette Thaba Putsoa (Sesotho für blauer Berg) an. Von den steilen Hängen stürzen zahlreiche Wasserfälle zu Tal. Unter ihnen der Maletsunyane-Wasserfall bei Semonkong, mit seinen 192 Meter der größte Wasserfall im südlichen Afrika.

Zwischen Lesotho und der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal verläuft der 2900 Meter hoch gelegene Sani-Gebirgspass mit seiner steilen Passstraße. Sie ist die drittsteilste der Welt und überwindet auf kaum 5 km Strecke 1300 Höhenmeter.

In den Maloti-Bergen liegt der einzige Nationalpark in Lesotho. Der Sehlabathebe-Nationalpark ist seit 2001 Bestandteil der ‚Maloti-Drakensberg Transfrontier Conservation Area’ und gehört zum Welterbe der UNESCO.

Die beiden, auch für Südafrika bedeutenden Flüsse des Landes, sind der Oranje und der Caledon. Der Oranje durchfließt das Land von Ost nach West auf einer Strecke von 350 km und schneidet mit seinen Nebenflüssen bis zu 800 Meter tiefe Täler in das Hochland. Der Caledon, in Lesotho auch Mohokare genannt, fließt nach Osten und bildet die Westgrenze zu Südafrika. 

Auf allen Seiten vom Staatsgebiet der Südafrikanischen Republik umschlossen, grenzt das Land an die drei südafrikanischen Provinzen Freistaat, KwaZulu-Natal und Ostkap und hat somit eine 900 km lange gemeinsame Grenze mit Südafrika. Der Zugang zu Lesotho ist deshalb nur über Südafrika möglich und bestimmt die engen, vor allem wirtschaftlichen Beziehungen zu seinem Nachbarn.

Drakensberg Park

Wasser

Maletsunyane-Wasserfall (192 Meter)
Maletsunyane-Wasserfall (192 Meter) © Böxkes

Flüsse und Wasserfälle in Lesotho 

In den Maloti Bergen entspringen zahlreiche Quellen und speisen die vielen Flüsse. Die Flüsse in Lesotho sind jedoch nicht schiffbar und  größere natürliche Seen gibt es nicht. Die Kombination aus Bergen und zahlreichen Flüssen führen zu einigen beeindruckenden Wasserfälle.

Senqu (Oranje Fluss)
Der Senqu – in Südafrika Oranje Fluss genannt –, der in den Maluti Bergen auf einer Höhe von über 3000 Meter entspringt, fließt entlang der Grenze zwischen Südafrika und Lesotho. Da sein Wasser auf dieser Höhe im Winter gefriert, verursacht er in den tiefer gelegenen Landesteilen Trockenperioden mit Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Auf die Bedeutung des Flusses für die Wasserversorgung für Lesotho und Südafrika wird Rahmen des ‘Lesotho Highland Water Project’ im Wirtschaftskapitel hingewiesen. 
Ein Nebenfluss ist der Maletsunyane. Dieser Fluss stürzt sich bei Semonkong 192 Meter in die Tiefe. Der Maletsunyane-Wasserfall ist damit einer der höchsten Wasserfälle Afrikas.  

Lekhala (Makhaleng)
Der Lekhala – in Südafrika Makhaleng genannt – fließt südwestlich. Der etwa 190 Kilometer lange Fluss entspringt im Osten des Maseru Distrikts auf einer Höhe von 2,230 Meter. Er fließt u.a. durch die Kleinstadt Makhaleng und bildet etwa 30 Kilometer lang die Grenze zwischen Südafrika und Lesotho. In der Nähe des Grenzübergangs Makhaleng Bridge, rund 20 Kilometer südlich von Mohale’s Hoek, mündet er schließlich in den Senqu. Wichtige Nebenflüsse sind Makhalaneng, Qhoqhoane und Khibiting.
Im Oberlauf liegen die Qiloane Wasserfälle. Die etwa 30 Meter tiefen und mehrstufigen Wasserfälle sind vor allem durch seine Breite eine Attraktion. 

Mohokare (Caledon Fluss)
Der Mohokare – der in Südafrika Caledon Fluss genannt wird – ist ein rechter Nebenfluss des Senqu. Er fließt in südwestlicher Richtung, bildet die nordwestliche Grenze von Lesotho und fließt durch die Hauptstadt Maseru. Wie der Senqu entspringt auch der Mohokare dem Berg Mont-Aux-Sources an der Grenze zu Südafrika nahe dem Ort Libono. 

Senqunyane
Der Senqunyane (nyane ‘klein’, also ‘Kleiner Senqu’) fließ zunächst südwestwärts, dann südwärts und mündet bei Ha Nkau in den Senqu. Er entspringt in der westlichen Bergkette der Maloti Berge. Der Fluss ist Teil des ‘Highland Water Project’ (s.h. Wirtschaftskapitel) und füllt die Mohale-Talsperre. 

Malibamatšo
Der Malibamatšo verdankt seine Entstehung mehreren Quellflüssen im Osten des Distriktes Butha-Buthe. Östlich von Thaba-Tseka mündet er in den Senqu. Zuvor speist er die Katse-Talsperre (s.h. Wirtschaftskapitel).

Zugang zu Wasser

Lesotho ist reich an Wasser. Die jährliche Schneeschmelze frischt das Grundwasser auf und die Flüsse füllen die Staudämme des Landes in den ‘Highlands’. Wasser ist für Lesotho die größte Steuereinnahmequelle und spielt für die Wirtschaft eine große Rolle. Doch der Klimawechsel hat bereits Auswirkungen auf den Wassersektor, da die jährlichen Regenfälle vermehrt ausbleiben. Dürreperioden sind die Folge. Besonders die Landwirtschaft leidet darunter. Doch ein ebenso großes Problem ist der Zugang der Bevölkerung zu Wasser in den ‘Lowlands’, in denen Zweidrittel der Bevölkerung wohnt. Nach Angaben der WHO/UNICEF haben etwa ein Viertel der Bevölkerung keinen Zugang zu verbesserter Wasserversorgung (vgl. Grafik unten). Eine noch größere Herausforderung stellt der Zugang zu Abwassersystemen dar. Denn etwa drei Viertel der Bevölkerung haben keinen Zugang zu verbesserten sanitären Anlagen und Abwassersystemen.

Im Kontext des Wasserbedarfs wird ein gewaltiges Staudammprojekt kritisch gesehen. Mitte der 1980er Jahre hatte die Regierung das sogenannte 'Lesotho Highland Water Project' genehmigt, das vor allem Wasser in das benachbarte Südafrika ableitet. Die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekte dieses Mamutprojektes werden im Wirtschaftskapitel dieses Länderinformationsportals näher erörtert.

Vegetation

Aloe polyphylla (auch als Spiralaloe bekannt)
Aloe polyphylla (Spiralaloe) © Stan Shebs, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Aloe broomii
Aloe broomii © Stan Shebs, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die weiten und offenen Grasflächen des Landes sind von Bergweiden und niedrigen Sträuchern geprägt. Bäume gibt es zumeist nur vereinzelt. Neben den einheimischen Kapweiden, wilden Oliven und Büschen, die für Brennholz genutzt werden, gibt es andere nicht endemische Baumsorten und Pflanzenarten, die ins Land gebracht wurden. Kleinere Wäldchen sind das Ergebnis von Aufforstungsmaßnahmen. Nach der FAO ist 1,4 % des Landes bewaldet. 

Vor allem in den geschützten Nationalparks ‘Sehlabathebe National Park’ und ‘Ts'ehlanyane National Park’ sind seltene Pflanzenarten anzutreffen. 

Beispiele für heimische Pflanzenarten sind Aloen wie die Aloe polyphylla (Spiralaloe) oder die Aloe broomii. Während die Aloe broomii in Höhenlagen bis zu 2000 Metern auf felsigen Boden zwischen Gras und Büschen vorzufinden ist, wächst die Aloe polyphylla an steilen Basalhängen in den Maloti-Bergen in den Höhen von 2000 bis 2500 Metern. Diese seltene Aloe kommt ausschließlich in Lesotho vor.

Tierwelt

Glattnackenibis (engl. Bald Ibis)
Glattnackenibis (engl. Bald Ibis) © Böxkes

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es in Lesotho durch intensive Bejagung kein Großwild mehr. Der letzte Löwe wurde um 1870 getötet. Zu den größeren noch vorkommenden Tieren gehört die Rehantilope. Die Vogelwelt ist allerdings noch vielfältig. Es gibt sogar eine Geierpopulation, darunter der seltene Bartgeier. Im 65 km² großen Sehlabathebe-Nationalpark im Südosten des Landes, der seit 1969 besteht, sind für das Land typische Kleintiere angesiedelt.

Nach dem Millennium-Bericht für Lesotho aus dem Jahr 2011 hat die Regierung die Gebiete, die unter Naturschutz gestellt wurden, wesentlich erweitert und die Zahl geschützter Tierarten von 41 auf 66 erhöht.

Klima

Schnee in Lesotho. Ein seltener, aber nicht ungewöhnlicher Anblick.
Thaba-Putsoa (3000 m Höhe). Schnee in Lesotho. Ein seltener, aber nicht ungewöhnlicher Anblick. Photo: Ministry of Energy and Water. Mit freundlicher Genehmigung der Botschaft von Lesotho in Berlin.

In Lesotho herrscht ein kontinentales Hochgebirgs- bis gemäßigtes Kontinentalklima. Es bestimmt die großen Temperaturunterschiede: im Winter - von Juni bis August - kann durchaus Schnee fallen und die Temperaturen in der Nacht unter -15° C sinken, wenn auch eher selten. Dagegen können in den Sommermonaten die Temperaturen auf über 30° C steigen. Der meiste Regen fällt im Sommer (Oktober bis April), während der Winter trocken ist. Die durchschnittliche Regenmenge beträgt 710 mm/Jahr. Die Durchschnittstemperatur von Maseru liegt bei circa 15° C, während es z.B. in Mokhotlong etwas kühler ist. Das aktuelle Wetter und die Wettervorhersage lässt sich in zahlreichen Wetterportalen einsehen. 

Auch Lesotho ist vom Klimawandel nicht verschont geblieben. Die weltweite Klimaerwärmung hat in Lesotho zu einem Anstieg der Durchschnittstemperatur von 1970 bis 2000 um 0,9 Grad geführt. Auch in den folgenden Jahren wurde ein Temperaturanstieg festgestellt. Modellrechnungen gehen davon aus, dass bis 2060 die Durchschnittstemperatur um 1,78 – 2.2 Grad steigen wird. Grundlage der Berechnungen sind die Regenfälle im Jahresdurchschnitt und der verschiedenen Jahreszeiten, wobei die Regionen im Norden und Süden von Lesotho unterschiedlich betroffen sein werden. Die Folgen des Klimawandels bekommt u.a. die Landwirtschaft (s.h auch) zu spüren. Nationale Strategien zum Umgang mit dem Klimawandel sowie internationale Vereinbarungen sind dem Kapitel Umweltpolitik zu entnehmen.

Nun wird vermutet, dass auch das Wetterphänomen ‘El Nino’ die Lage verschärfen wird. Das Wetterphänomen, vermutlich bedingt durch den Treibhauseffekt, tritt in kürzeren Abständen auf und wird zudem intensiver.  So wird die im Jahr 2016 aufgetretende Dürreperiode (s.h. auch FAO  oder theguardian) mit dem Wetterphänomen in Verbindung gebracht.   

Umweltprobleme

Die schwerwiegenden Umweltprobleme können in Lesotho mit folgenden Schlagwörtern zusammengefasst werden: Bodenerosion, Bodenverlust, Entwaldung, Überweidung und Überackerung.

In Lesotho leben 80 % der Einwohner in ländlichen Gebieten. Allerdings bestehen drei Viertel des Territoriums aus Gebirgsregionen, in denen zum überwiegenden Teil nur Weidewirtschaft betrieben werden kann. Die fruchtbaren Landstriche für den Ackerbau liegen in den sogenannten ‘Lowlands’ im Westen und an den Hängen zu den angrenzenden Bergregionen. Nach einem Bericht (PRSP-Bericht, Seite 13) der Regierung von Lesotho vom März 2012 sind überhaupt nur 9 % des Landes landwirtschaftlich nutzbar. Die Überweidung und Überackerung ist auch eine Folge der knappen landwirtschaftlichen Nutzflächen. Da mehr als die Hälfte der Basotho Landwirtschaft für den Eigenbedarf betreibt (Subsistenzwirtschaft), ist die Existenzsicherung deshalb eng mit dem Zustand der Umwelt verbunden. Dadurch wird die Frage der ökologischen Nachhaltigkeit auch zur Existenzfrage zukünftiger Generationen. Zu Ökologie und Landnutzung siehe auch unter Sozialraum/Landnutzung.

Vor allem die periodisch auftretenden Dürreperioden, in Kombination mit starken Regenfällen, verstärken die Bodenerosion und den damit einhergehenden Bodenverlust. Die Bauern suchen neues Ackerland und bewirtschaften auch trockene und felsige Landstriche, wo der flache, fruchtbare Boden vom Wind und vom Regen leichter weggeweht und weggespült wird. Mittlerweile existieren überall im Land Erosionsgräben, im Südlichen Afrika häufig ‘Dongas’ genannt (aus dem Afrikaans), die nach starken Regenfällen an Größe zunehmen und bis zu 40 Meter breit sein können. Sie reißen immer mehr Land mit sich und spülen den fruchtbaren Boden weg. Umstritten ist in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Brandrodung, die nach wie vor häufig betrieben wird.

Nach Schätzungen gehen in Lesotho jedes Jahr 40 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden verloren. Insgesamt, einschließlich des Bodenverlustes durch Erosion, hat das landwirtschaftlich nutzbare Land (arable area) nach der letzten Erhebung 2006 um fast 10 % abgenommen: von 3,134 km² in 1996 auf 2,833 km² in 2006 (Quelle: PRSP-Bericht, S. 13). Maßnahmen gegen Erosion und für die Bodensicherung, wie Dämme (Gabion), Terrassen und Bepflanzungen, sind notwendig und werden auch ergriffen. Doch die Erfolge bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Rund 1 % des Landes wird von Wald bedeckt. Mangelnde Alternativen zwingen die Menschen zur Abholzung, um Feuerholz zu gewinnen, wodurch die Ausbreitung von Kahlflächen (desertification) gefördert wird.

Blick von Thabo Bosie auf den Qiloane Montain. Am Fuße des kulturell bedeutsamen Hügels ziehen sich große Erosionsgräben durch die Ackerfelder.
Blick von Thabo Bosie auf den Qiloane Montain. Am Fuße des kulturell bedeutsamen Hügels ziehen sich große Erosionsgräben durch die Ackerfelder. © Böxkes
Beispiel von Erosionsgräben
Beispiel von Erosionsgräben © Böxkes

Sozialraum

Bevölkerung

Im Jahr 2006 fand die letzte Volkszählung statt. Nach dieser Zählung lebten damals knapp 1,9 Millionen Menschen in Lesotho. Basierend auf dieser Zählung liegen einige Veröffentlichungen vor, wie z.B. der ‘Preliminary Results Reports’ und der ‘Lesotho Population and Housing Census Report’.

Die folgenden Zahlenangaben der internationalen Organisationen und des National Development Plans (NSDP) differieren in Einzelfällen, weil sie zum Teil aus unterschiedlichen zeitlichen Erhebungen stammen und von verschiedenen Basiswerten ausgehen.

Zahl der Einwohner 2012: 2,1 Mio. (2016, UN Data)
Bevölkerungsdichte, Personen je km² in 2012: 71,2 (2016, UN Data)
Stadtbevölkerung % von gesamt (2010-2014): 27 (2014, Weltbank)
Basotho, die in den Lowlands leben in 2012: 56,7 % (2012, NSDP)
Basotho, die auf den Berghängen leben in 2012: 12,8 % (2012, NSDP)
Basotho, die in den Bergregionen leben in 2012: 30,5 % (2012, NSDP)

Städte

Panoramabild von Maseru von 2007. Die Hauptstadt wirkt eher wie eine Kleinstadt eingebettet in eine grüne Landschaft.
Maseru 2007. Die Landschaft hinter den Gebäuden gehört zu Südafrika. (Panorama-Ansicht durch anklicken; Quelle: Wikipedia, Netroamer (CC BY 3.0))

Unter den größten Städten Lesothos ist die Hauptstadt Maseru auch das wirtschaftliche und infrastrukturelle Zentrum des Landes.
2006 lebten laut der letzten Volkszählung in Maseru knapp 200.00 Einwohner. Gegenwärtige Schätzungen belaufen sich auf rund 220.000 Einwohner. Die Stadt liegt am Fluss Caledon, der in Lesotho auch Mohokare heißt. Im Nordwesten bildet er die Grenze zur Republik Südafrika. Maseru liegt etwa 1500 Meter hoch über dem Meeresspiegel.
In Sesotho steht der Name Maseru für 'Ort des roten Sandsteins'. Die erste Besiedlung fand im frühen 19. Jahrhundert statt und am Anfang des 20. Jahrhunderts lebten etwa 1000 Menschen in Maseru. Während der britischen Kolonialzeit wurde 1869 eine Polizeistation eingerichtet, 1875 ein Krankenhaus für die Besatzungsmacht eingeweiht, die Brücke über den Fluss Mohokare wurde 1905 eröffnet, 1912 wurde die anglikanische St John's Kirche erbaut und die Arbeiten an der katholischen Kathedrale starteten 1955. Das erste Kraftwerk wurde 1933 fertig gestellt und 1949 das alte Wasserleitungssystem erneuert. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit (1966) war Maseru für die Funktion einer Hauptstadt insgesamt eher dürftig ausgestattet, so gab praktisch noch keine Industrie und außerhalb der Stadt noch keine geteerten Straßen. Die Geschäftswelt entwickelte sich entlang der 'Kingsway', die unter der Kolonialzeit als Verwaltungszentrum genutzt wurde. Zwischen 1966 und 1990 versiebenfachte Maseru seine geographische Ausdehnung von 20 km² auf 138 km². Heute leben in Maseru ca. 10 Prozent der Gesamtbevölkerung Lesothos. Laut einem Artikel (City profile Maseru) aus der Fachzeitschrift ‘Cities’ von Romaya und Brown aus dem Jahre 1999 stand die Stadt aufgrund des enormen Wachstums sowie dem mangelnden Landmanagement vor großen Problemen. Diese Probleme sind nach wie vor existent. So erschweren informelle Siedlungen eine effiziente Planung und Versorgung von notwendiger Infrastruktur, wie z.B. Wasserversorgung, und die Beschäftigungsmöglichkeiten wachsen nicht im gleichem Tempo wie die Bevölkerungszunahme. Daemane thematisiert darüber hinaus die soziale Ausgrenzung der armen Bevölkerung. Da sie sich kein Gehör bei der Regierung verschaffen können, werden sie bei der Planung kaum berücksichtigt. Die Zunahme der sozialen Ungleicheit im Kontext der Urbanisierung wird ebenfalls in der Doktorarbeit von Motŝoene thematisiert.

Die zweitgrößte Stadt Teyateyaneng (oft abgekürzt Ty) liegt ungefähr 40 km von Maseru entfernt auf einem 1600 Meter hohen Plateau. Die Stadt hatte nach der Volkszählung von 2006 über 60.000 Einwohner.

Mafeteng ist die drittgrößte Stadt Lesothos. Sie hat 32.000 Einwohner und liegt 75 km südwestlich von Maseru im gleichnamigen Distrikt.

Weitere größere Städte sind (Volkszählung 2006)

  • Maputsoe mit rund 30.000 Einwohnern,
  • Mohale´s Hoek mit rund 28.000 Einwohnern
  • Hlotse mit rund 25.000 Einwohnern

Stadtpläne sind dem Autor nicht bekannt. Am besten greift man hierzu auf den Dienst von Google Map zurück, z.B. Maseru oder Teyateyaneng.

Landnutzung

Eine ausführliche Studie über die Veränderung der Landnutzung seit 1960 einhergehend mit einer Analyse der Ursachen und Konsequenzen für Mensch und Umwelt unternimmt Pando im Rahmen seiner Doktorarbeit. So werden u.a. als Folgen dieser Veränderung Devastierung (Landschaftszerstörung), Reduktion der Agrarproduktion, Zunahme der Bodenerosion und Verkauf von Agrarland identifiziert. Als unmittelbare Ursachen werden Dürre, Wassermangel, schlechtes Landmanagement und HIV/AIDS gesehen.

Gegenwärtig lebt etwa ein Viertel der Einwohner in den urbanen Gebieten. Als solche Gebiete gelten 11 Städte. Mitte der 70er Jahre lebten 10% der Bevölkerung in den Städten. Trotz der zunehmenden Urbanisierung lebt demnach der überwiegende Teil der Bevölkerung immer noch in den ländlichen Regionen.

Die ständig fortschreitende Urbanisierung erhöht auch in Lesotho die Zahl der Einwohner in den Städten und gefährdet eine nachhaltige und in die Landschaft eingefügte Stadtentwicklung. Ineffizientes und intransparentes Landmanagement verhindern zudem eine planbare Urbanisierung. Als Folge entstehen zunehmend informelle Siedlungen.

Von 2000 bis 2011 hat sich die Stadtbevölkerung in Lesotho um mehr als 7 % erhöht. Das jährliche Wachstum beträgt fast 4 % (Quelle:Weltbank). Folgen sind nicht nur steigende Infrastrukturkosten und abnehmende Lebensqualität. Vor allem das Ausufern der Besiedlung in landwirtschaftlich nutzbare Landstriche vermindert das ohnehin schon knappe Angebot an Ackerland. Die Regierung hat deshalb in ihrem ‘National Strategic Development Plan’ einen besonderen Schwerpunkt aufgenommen. Es heißt dort: „promoting ring-fencing of towns and densification in designated urban areas to reduce encroachment on agricultural land, fragile ecologies and costs for the provision of basic infrastructure.” (Quelle: National Strategic Development Plan)
(Übersetzung: Förderung der Eingrenzung von Städten und Verdichtung bestimmter Stadtgebiete, um das Vordringen in Agrargebiete und in sensible Ökologien zu reduzieren und die Kosten für Basisinfrastruktur zu senken).

Gegenwärtig erfolgt in der Regel die Verteilung und die Nutzung des Landes durch die Chiefs. Es gibt nur wenige Bauern, die eigenes Land besitzen und bearbeiten. Dies ist alte Tradition in Lesotho. Doch dieses System hat große Nachteile. Wer das Land nicht sein Eigen nennen kann, verliert auch jedes Interesse daran, es zu schonen und nach ökologischen Gesichtspunkten zu bewirtschaften. Das Land kann auch nicht beliehen werden, um einen eigenen Betrieb aufzubauen. So ist der wirtschaftliche Ertrag der Landwirtschaft in Lesotho gering. Obwohl 50 % der Hausvorstände Frauen sind, dürfen sie kein eigenes Land besitzen oder es erben. Zudem ist das ganze System nicht transparent.

Verkehrswege

In Lesotho ist die Infrastruktur eher schwach ausgeprägt. Hierbei gilt es auch zu bedenken, dass das Land bis Ende der siebziger Jahre über keine geteerten Straßen verfügte. Nach einer Studie von UNCTAD ist der Verkehrssektor zwar seitdem ausgebaut worden, jedoch konnte er mit dem Wirtschaftswachstum nicht Schritt halten. Dies gilt vor allem für den Güterverkehr. 

Die wichtigen Verbindungsstraßen in Lesotho wurden vorrangig im Rahmen der Staudammprojekte geplant und sind asphaltiert. Sie dienen auch der Anbindung an das Straßennetz Südafrikas. Laut einem Bericht der lesothischen Zentralbank von 2006 waren von rund 7500 Straßenkilometern nur 1200 km asphaltiert, da vor allem in Osten des Landes das Gelände nur schwer zugänglich ist. Die übrigen Straßen sind Schotterpisten und in der Regenzeit schwer passierbar. Ein Weiterkommen ist oft nur mit Geländewagen mit Vierradantrieb möglich. Tankstellen sind selten. Es gibt nur wenige Busnetze, sie sind zumeist auf die Hauptstadt Maseru beschränkt. Die ansonsten üblichen Transportmittel sind, wie in Südafrika, die Minibus-Sammeltaxis. Sie bilden das Rückgrad des öffentlichen Transportwesens.

Es gibt kein nationales Streckennetz der Bahn. Nur eine Bahnlinie führt von Südafrika über den Fluss Caledon bis nach Maseru (2,6 km), sie ist jedoch nur für den Güterverkehr bestimmt.

Nur Maseru verfügt über einen kommerziellen Flughafen. Eine Flugverbindung besteht zwischen Johannesburg (Südafrika) und Maseru. Andere Flugplätze werden vom Militär oder von Privatflugzeugen genutzt.  

Kommunikation

Nationale Symbole

Nationalhymne 

Das Stück "Lesōthō Fatše La Bo Ntat'a Rōna" (Lesotho, Land unserer Väter) des Komponisten  Ferdinand-Samuel Laur und mit dem Text von François Coillard (*1834,†1904, französischer Missionar der 'Société des missions évangéliques de Paris') wurde 1967 zur Nationalhymne Lesothos (Instrumentalversion oder mit Gesang)

Text:

Lesōthō fatše la bontat'a rōna; 
Ha ra mafatše le letle ke lona;
Ke moo re hlahileng,
ke moo re hōlileng,
Rea le rata,

Mōlimō ak'u bōlōke Lesōthō;
O felise dintwa le matshwenyeho;
Oho fatše lena;
La bontata rōna;
Le be le khotso.

Khotso.
Pula.
Nala.

Englische Übersetzung: Lesotho, Land of our Fathers

Among the lands it is the most beautiful.
It is where we were born,
It is where we grew up
We love it.

God, please protect Lesotho.
Spare it conflict, and tribulation.
Oh, this land,
Land of our Fathers,
May it have peace.

Peace.
Rain.
Prosperity.

Nationalflagge

Die Flagge besteht aus drei Fwaagerechte Streifen in unterschiedlicher Farbe. In der Mitte der Flagge befindet sich der traditionellen Strohhut.
© Zscout370, Wikimedia Commons, gemeinfrei

Die aktuelle Flagge wurde 2006 eingeführt. Die Farben spiegeln den Wahlspruch des Landes wieder: Khotso, Pula, Nala (Frieden/weiß, Regen/blau, Wohlstand/grün). Das schwarze Symbol stellt einen traditionellen Strohhut, genannt Mokorotlo (Basotho-Hut), dar. Der Berg Qiloane bei Thaba Bosiu gilt als Vorbild der Form des Mokorotlo. Er ist ein Nationalsymbol und befindet sich u.a. auf dem Kfz-Kennzeichen.

Königliche Flagge

© Thommy, Wikimedia Commons, Public Domain

Die königliche Flagge folgt den Änderungen der Nationalflagge und zeigt stets das Staatswappen von Lesotho.

Staatswappen

© Ch1902, Wikimedia Commons, Public Domain

Das Staatswappen wurde 1966 zur Unabhängigkeit eingeführt. Mit der Veränderung der Nationalflagge 2006 wurden ebenfalls die Farben des Staatswappens modifiziert.

Auf dem Schild ist ein blaues Krokodil zu sehen. Dies steht für die Dynastie der größten ethnischen Gruppe in Lesotho, den Sotho. Unten steht der Wahlspruch: Khotso, Pula, Nala (Frieden, Regen, Wohlstand)

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2017 aktualisiert.

Autor

Peter Böxkes ist Freiberufler und Lehrbeauftragter im Bereich der Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit. Als Sozialwissenschaftler (Dipl. Päd. & M.A. Phil., Soz., Psy.) arbeitete und lebte er mehrere Jahre in Afrika, darunter auch in Lesotho. Aufgrund seiner südafrikanischen Mutter und Verwandschaft ist er mit dem südlichen Afrika sehr verbunden.

Koautor: Wolfgang Böxkes

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)2224 926 - 144

Zum Kontaktformular