Katse Damm. Photo: Böxkes
Geschätztes nominales BIP (Weltbank)
2,2 Mrd. US$ (2016)
Pro Kopf Einkommen (Weltbank, Kaufkraftparität)
3029 US$ (2016)
BIP Wachstumsrate (Weltbank)
2,5% (2016)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 159 von 189 (2017, UNDP)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
57 % (2010)
Einkommensungleichheit (Gini, Weltbank)
hoch, ca 0,52-0,66
Wirtschaftliche Transformation (BTI)
Rang 86 von 129 (2018)

Wirtschaftsstruktur

Quelle: Shale, M. (2013): Unemployment biggest problem for Basotho, who also endorse illegal migration to get jobs. In: Afrobarometer Briefing Paper (119).

Lesotho verfügt über keine diversifizierte Wirtschaft. Die meisten Menschen beziehen ihr Einkommen durch kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft, Mikrounternehmen und Arbeitsmigration, vor allem in den südafrikanischen Minen. Größerer Arbeitgeber in Lesotho ist neben dem Staat die Textilbranche. Des Weiteren existieren signifikante Einnahmen durch Wasserexport nach Südafrika. Ebenso werden kleinere Einnahmen durch die Diamantenminen erwirtschaftet. Seit Januar 2016 gibt es in Lesotho die eigene Börse ‘Maseru Securities Market’.

Viele Jahrzehnte haben Wanderarbeiter aus Lesotho in den Bergwerken und Haushalten in Südafrika ihr Geld verdient und ihre Familien im Heimatland unterstützt. Seit dem Ende der Apartheid hat sich jedoch die südafrikanische Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften stark verringert. Nach den Unruhen in den 90er Jahren, durch die Teile der Infrastruktur in den Städten zerstört wurden, beginnt seit 2001 ein bescheidener wirtschaftlicher Aufschwung, unterstützt durch die Diamantenfunde 2004 in den Bergregionen. Seit 2000 liegt das Wirtschaftswachstum nach der Weltbank zwischen 5 und 8%.

Eines der Kernprobleme für Lesotho ist die hohe Arbeitslosigkeit. Sie liegt laut der ILO seit vielen Jahren bei etwa 25 %. Nach einer Umfrage durch Afrobarometer gingen 2012 und 2014 weniger als 20 % der über 15jährigen einer bezahlten Tätigkeit nach und die Mehrheit sucht eine bezahlte Arbeit. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass für die Bürger die hohe Arbeitslosigkeit die wichtigste Herausforderung für die Regierung darstellt.

Die Agrarbetriebe sind zumeist klein und produzieren mehrheitlich für den Eigenbedarf. Produziert werden Kartoffeln, Mais, Gerste, Hafer, Weizen, Hülsenfrüchte, Kürbisarten und Hirse. Trotz der hohen Bedeutung der Landwirtschaft für Lesotho, müssen ca. ¾ der Nahrungsmittel importiert werden und zwar überwiegend aus Südafrika.

Die ökonomischen Aussichten werden von African Economic Outlook (Kollaboration zwischen der Afrikanischen Entwicklungsbank, OECD & UNDP) als moderat optimistisch eingeschätzt. Dies allerdings vor dem Hintergrund wachsender globaler Risiken, der Nachfrage nach Diamanten und der Fortführung der US-Handelsinitiative (African Growth and Opportunity Act, AGOA). Auch die Gesellschaft zur deutschen Außenwirtschaftsförderung (Germany Trade & Invest) geht bei einem konstanten Wirtschaftswachstum um etwa 5 % von einem positiven Trend aus. Impulse werden unter anderem im Staudamm- und Wasserkraftwerkprojekt gesehen. Optimismus herrscht auch für die Textilindustrie. In einer Bewertung der wirtschaftlichen Lage kommt die Weltbank 2015 zu einem mehrheitlich positiven Urteil, stellt jedoch fest, dass sich Lesotho an einer Wegscheide befinde, die mehr Wachstum, eine effektivere Rolle des Staates und eine größere Dynamik des privaten Sektors fordert. Denn es fehlt laut der Weltbank an einem nachhaltigen und integrativen Wachstum sowie an einer effizienten öffentlichen Verwaltungsstruktur.

Die allgemeine Entwicklung des Landes ist in den letzten Jahren kritisch zu sehen. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in einer Meinungsumfrage von Afrobarometer wider. Während 2012 noch eine knappe Mehrheit der Menschen in Lesotho von der richtigen Entwicklungsrichtung überzeugt waren, waren es 2014 weniger als 40%.

Dokumentation (14 Minuten, Englisch): Lesotho - Survival - Africa (2005, ABC Austria) - Krise der Textilindustrie, Tourismus und Diamantenminen als neue Hoffnungsträger

Wirtschaftsstatistiken

Neben der Weltbank und dem Bureau of Statistics bietet beispielsweise auch die Datenbank der Vereinten Nationen (UN Data) eine Übersicht wichtiger Wirtschaftszahlen an. Die lesothische Zentralbank gibt jährliche Berichte heraus.

Auch sind offizielle Dokumente eine gute Quelle zum Nachschlagen von Wirtschaftsdaten, z.B. das Statistical Yearbook 2010 und das Pocketbook Country Profile .

Das Wirtschaftswachstum betrug nach Angaben des Bureau of Statistics zwischen 2003 und 2012 durchschnittlich 4,4 %. Die Folgen der globalen Finanzkrise führten 2009 zu einem niedrigen Wachstum, jedoch konnte sich die Wirtschaft bereits 2010 erholen. Der niedrige Wert für das Jahr 2011 ist auf Überschwemmungen am Jahresanfang zurückzuführen, da sie zu starken Einbrüchen in der Agrarwirtschaft führte. Welchen spezifischen BIP-Wert das Bureau of Statistics zugrunde legt ist leider nicht angegeben. Die realen BIP-Wachstumsraten der Weltbank (siehe Grafik unten) sind der Inflation angepasst.

Über die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes (BIP) wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet (siehe Grafik 'Services'). Während der Beitrag aus dem Agrarsektor schwindet und heute unter 10 % liegt, ist eine positive Entwicklung in den Bereichen Bergbau, Wasser, Strom und Bausektor zu sehen (siehe Grafik 'Other goods'). Im produzierenden Gewerbe ist die Textilindustrie mit Abstand das wichtigste Standbein. Vor allem die Konkurrenz aus Asien führte zwischen 2007 und 2012 zu einem geringeren Beitrag der lesothischen Textilindustrie zum BIP. Lag ihr Anteil 2007 bei 17,4 % reduzierte sich der Anteil 2012 auf 10,3 % (siehe Grafik 'Manufacturing'). Nach Angaben der Weltbank nimmt das Bruttoinlandsproduktes (aktueller US-Dollar, ohne Anpassung der Inflation) seit 2000 stark zu (siehe Grafik unten). Entsprechend ist auch eine Zunahme des BIP pro Kopf (Kaufkraftparität, aktueller Kurs für internationalen Dollar) zu verzeichnen (siehe Grafik unten).

Quelle der Grafiken, Bureau of Statistics (2013): Statistical Reports. National Accounts of Lesotho 2003 - 2012.

BIP Wachstum 2003 - 2012
BIP Wachstum 2003 - 2012
Struktur des BIP 1987 - 2012
Struktur des BIP 1987 - 2012

Wirtschaftspolitik

Der wirtschaftliche Einfluss durch Südafrika wird einerseits durch die geographische Lage von Lesotho erklärbar, da das Land völlig von der Republik Südafrika umschlossen ist, aber auch durch die geringe eigene Wirtschaftsleistung. So finden sich in den Geschäften der Städte fast ausschließlich Waren, die aus Südafrika importiert wurden. Zudem bildet das Land zusammen mit Swasiland, Namibia und Südafrika eine Währungsunion (Common Monetary Area, CMA). Der Loti (Mehrzahl: Maloti) ist mit einem Wechselkurs von 1:1 zum Rand konvertibel. Im Zeitraum von 2002 bis 2015 betrug die Inflationsrate durchschnittlich rund 8 %. Im Februar 2015 erreichte die Inflationsrate mit 2,1 % ihren niedrigsten Wert. Anschließend stieg der Wert auf etwa 5 % wieder an (siehe Grafik oben).

Lesotho ist Mitglied in der Southern African Customs Union (SACU). Hierbei handelt es sich um eine Zollunion der Länder Südafrika, Swasiland, Lesotho, Botswana und Namibia. Die SACU versucht ebenfalls, Abkommen mit anderen Akteuren zu vereinbaren. Dies gelang beispielsweise 2006 mit der European Free Trade Association (EFTA). Mitglieder sind hier Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Fortschritte hin zu einer Drei-Parteien Freihandelszone (TFTAA, Tripartite Free Trade Agreement) zwischen SADC (Southern African Customs Union), East African Community (EAC) und Common Market for Eastern and Southern Africa (COMESA) sind zu verzeichnen.

Lesenswert ist der Bericht von Jörg Brunsmann (1998) über die Beziehung zwischen Lesotho und Südafrika, in dem es heißt: „Gegen die geballte Macht Südafrikas wirken Wirtschaft und Industrie Lesothos eher wie ein zartes Pflänzchen. Eines, bei dem man Angst haben muss, dass es ohne entsprechende Pflege verdorrt oder vom Riesen Südafrika zufällig zertreten wird. Lesothos Regierung versucht daher, die Wirtschaft wenigstens in einigen Bereichen in Schutz zu nehmen.” Obwohl der Bericht aus dem Jahr 1998 stammt, hat sich an der wirtschaftlichen Abhängigkeit wenig geändert.

Nach dem Landesbericht der Bertelsmann Stiftung hat Lesotho im Hinblick auf Liberalisierung des Handels und der Privatisierung der öffentlichen Unternehmen in den vergangenen Jahren große Anstrengungen gemacht. Doch viele Strategien, die strukturellen Hindernisse zu überwinden, werden in der Umsetzung durch finanzielle Zwänge und mangelnde Erfahrung behindert. Bemühungen dieser Art erfolgen, neben den zuständigen Ministerien, beispielsweise durch die Lesotho National Development Corporation (LNDC). So wurden durch die Privatisierung die privaten Monopole nur durch staatliche Monopole ersetzt. Noch immer gibt es kein Gesetz zur Regelung des Wettbewerbes und es mangelt offensichtlich an dem Willen der Regierung, dieses Problem anzupacken. Auch im Hinblick auf eine rasche Geschäftsgründung hat sich nicht viel verbessert. Noch immer bedarf es 29 Tage und 7 bürokratische Antragsverfahren, um ein Geschäft zu eröffnen. Auch aus diesen Gründen liegt Lesotho nach dem Doing Business Index der Weltbank im weltweiten Vergleich in einer mittigen Rankingposition (100 von 190 Ländern).
Als Folge der politischen Unruhen und Unsicherheiten hat Lesotho als Standort für internationale Investitionen stark gelitten. So blieb das wirtschaftliche Wachstum schwach und die hohe Arbeitslosigkeit bleibt weiterhin eine große Herausforderung für das Land. Die Umsetzung des National Strategic Development Plan (NSDP) für die Jahre 2012/17 lässt zu wünschen übrig und das Ziel, pro Jahr 10 000 Arbeitsplätze zu schaffen, wird weit verfehlt.

Wirtschaftssektoren und Außenhandel

Das Handelsdefizit ist hoch. Nach Schätzungen des CIA World Factbooks hat Lesotho 2016 für $ 851 Millionen exportiert, aber für $ 1,68 Milliarden importiert. Die große Masse der Importwaren stammt aus Südafrika und ein kleinerer Anteil aus Asien.

Lesotho verfügt über keine besonders diversifizierte Wirtschaft. Wichtige Wirtschaftssektoren sind unter anderem die Wasserwirtschaft, die Textilindustrie, der Diamantenbergbau und der Tourismus. Ebenfalls erheblich ist der Beitrag der basothischen Wanderarbeiter in Südafrika zum BIP. 

Wasserwirtschaft - Lesotho Highlands Water Projects

Die Berge von Lesotho sind zwar für eine intensive Landwirtschaft wenig geeignet, dafür aber haben diese Landstriche etwas, worum viele Länder in Afrika Lesotho beneiden: Wasser. Die schweren Regenwolken werden an den steilen Hängen der Bergketten im Osten des Landes gezwungen aufzusteigen, abzukühlen und ihre Last abzugeben. Die Regenmassen konzentrieren sich in den Bergregionen und sind so einer der wenigen Rohstoffe, über die das Land verfügt. In einem gigantischen, nicht unumstrittenen Großbauprojekt (Highlands Water Project) werden die Wassermassen gesammelt und großenteils nach Südafrika exportiert.

Das Lesotho Highlands Water Project ist ein Talsperrenprojekt, das mit der Unterzeichnung des Vertrages mit Südafrika 1986 begann. Es wurde mit Mitteln der Weltbank finanziert. Mit dem Bau wurde drei Jahre später angefangen. Das Projekt umfasst den Bau von fünf Talsperren, von denen bereits zwei fertig gestellt wurden (Katse-Talsperre und Mohale-Talsperre).
Das Wasserprojekt umfasst zwei Phasen. Die Phase I mit dem Bau der Staudämme Katse und Mohale wurde 2004 abgeschlossen. 2014 wurde mit der Projektplanung für den Polihali Damm in Mokhotlong begonnen. Anfang 2017 sollte der tatsächliche Bau des Dammes in Angriff genommen werden. Es kam jedoch immer wieder zu Verschiebungen. So hat u.a. der Minister für Bergbau drei Lizenzen für die Prospektion zur Diamantensuche im Baugebiet an drei Bergbauunternehmen, trotz heftiger Kritik auch von Umweltschützern, vergeben und damit das Staudamm-Projekt infrage gestellt. Ursprünglich sollte die Phase II bereits Ende März 2015 abgeschlossen sein. Derzeit rechnet man mit einer Verzögerung von etwa 10 Jahren.

In einem Interview der ‘Lesotho Times’ vom 23. April 2015 gab die Vorsitzende des Lesotho Highland Wasserprojekts (Chief Executive of the Highlands Development Authority, LHDA), Refiloe Tlali, einen Bericht über den Entwicklungsstand der Phase II des Wasserprojektes. Sie wies auf die Komplexität der Zusammenarbeit der verschiedenen multinationalen Organisationen hin, die für Ausschreibungen, die Bereitstellung geeigneten Fachpersonals, die Infrastruktur von Straßen und Stromleitungen und Umsiedlungsprojekte zuständig seien. Die LHDA könne dazu im Einzelnen keine Stellung abgeben. Im Laufe dieses Jahres jedenfalls und auch noch in den folgenden würden geeignete Bauunternehmen ausgewählt. Einfluss darauf habe die LHDA nicht. Der Hauptgrund für die Verzögerungen seien die Beschaffungsrichtlinien und die Verfahren. Die Einigung der beiden Länder (Lesotho/Südafrika) habe länger als erwartet gedauert.
Um die zeitliche Verzögerungen aufzuholen, hat nach Aussagen von Frau Tlali die LHDA eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Dazu zählt vor allem das Vorziehen der Flussumleitung statt der üblichen Wasserumleitung durch Tunnel, damit das Bauunternehmen sofort mit dem Bau des Fundamentes beginnen kann.
Frau Tlali weist Vorwürfe zurück, die Fertigstellung der beiden Staudämme habe einen ungünstigen Einfluss auf Klima, Wetter und Umwelt gehabt. Wissenschaftliche Studien hätten dafür keinen Beweis gebracht, aber alles werde getan, um mögliche Auswirkungen auf Wasserqualität, Pflanzen und Tiere, Gesundheit und die Kultur der in der Nähe des Dammes siedelnden Gemeinden zu verringern.
Noch seien keine Familien umgesiedelt worden. Doch werden wohl fünf Ortschaften vollständig umgesiedelt, von drei weiteren werden eine Reihe von Häusern betroffen sein. Einige Häuser von zwei Ortschaften werden bereits wegen Vorarbeiten umgesiedelt werden müssen. Sicher seien bei einem Bauvorhaben solchen Ausmaßes Klagen und Beschwerden zu erwarten wie während der Bauphase I, doch werde alles unternommen, den Menschen zur Seite zu stehen und Fehler im Zusammenhang mit Phase I zu vermeiden.

Das vorrangige Ziel des Projektes ist der Wasserexport nach Südafrika in die bevölkerungsreiche Region Gauteng, die nur über geringe Niederschlagsmengen verfügt und zudem eine ausgeprägte Industrie besitzt. Der Wasserexport erfolgt durch komplizierte Leitungssysteme von den Staudämmen bis nach Südafrika. Der steigende Wasserbedarf Südafrikas in der Region Gauteng kann nur durch einen schnelleren Bau der weiteren Staustufen gedeckt werden. Doch Lesotho dringt bereits seit 2013 (Treffen in Sandton/Johannesburg) darauf, dass Südafrika dem Bau eines Kraftwerkes zustimmt, dass sowohl den Strombedarf Lesothos deckt, als auch den Export von 1200 Megawatt ermöglicht. Doch die Garantie für die Abnahme dieser Strommenge will Südafrika nicht geben. Für Südafrika ist die Abhängigkeit vom Wasserimport schon groß genug. Für Unmut in Südafrika hat auch die Absicht der Regierung in Lesotho gesorgt, das Kraftwerk weltweit auszuschreiben. Als Ministerpräsident Thabane gegen die endemische Korruption vorgehen will, kommt es zum Putsch, Flucht des Ministerpräsidenten und Neuwahlen (siehe unter „Geschichte“). Ob Südafrika seine Finger im Spiel hatte, wie die FAZ vermutet, bleibt ungeklärt.

Für Lesotho ist das Projekt auf den ersten Blick ein einträgliches Geschäft. Auf der einen Seite erzielt der Staat beträchtliche Einnahmen durch den Wasserexport und auf der anderen Seite kann Strom durch die Staudämme erzeugt werden.

Aber es gibt auch zahlreiche kritische Stimmen. Denn Tausende Einwohner wurden aus ihren Wohngebieten vertrieben und nur unzureichend entschädigt. Trotz des Wasserexports ist die Wasserverteilung in Lesotho sehr ungleich und bereitet in einigen Regionen Probleme für die Landwirtschaft. Zudem sind, wie nicht selten bei solchen Großprojekten, Umweltprobleme zu nennen und erhebliche Bestechungsgelder sind ebenfalls geflossen. Verwickelt waren auch deutsche Firmen.

Katse Staudamm
Katse Staudamm. Photo: Böxkes
Ashriver Outfall
Ashriver Outfal. Photo: Ministry of Energy and Water. Mit freundlicher Genehmigung der lesothischen Botschaft in Berlin.

‘Wasserstreit am Orange River’, Audio-Beitrag des SRF von 2009 über die Wasserproblematik in Lesotho und Südafrika (53 Minuten)

Klimafreundlich - Lesothos "Blaues Gold" (Global 3000, Deutsche Welle 2012)

Englischsprachige Dokumentation über die Katse-Talsperre (2013)

Textilindustrie

Der geringen Nachfrage nach Arbeitskräften in Südafrika konnte Anfang 2000 durch einen massiven Ausbau der Textilindustrie entgegengewirkt werden. Dies wurde durch die US-Handelsinitiative ‘African Growth and Opportunity Act’ (AGOA) ermöglicht. Das Abkommen gestattet einigen ausgewählten Ländern in Afrika die steuerfreie Einfuhr von bestimmten Produkten, darunter auch Textilprodukten. Die günstigen Bedingungen lockten Investoren aus dem Fernen Osten. Erstmals 2000 kamen taiwanesische Unternehmer, dann folgten chinesische, mauritische und malaysische Unternehmen. In nur drei Jahren entwickelte sich Lesotho zu einem der größten Textilhersteller in Afrika. Rund 50.000 Beschäftigte arbeiteten 2004 in dieser Branche. 

Zwar wurde das AGOA-Programm 2015 um weitere 10 Jahre verlängert, jedoch stellt die USA die Fortführung des Abkommens aufgrund der politischen Lage in Lesotho immer wieder infrage. Die lesothische Regierung gibt sich optimistisch, so auch nach einem Besuch des Ministers für Handel und Industrie in den USA im März 2017. 

Aber die Lage für die bisher erfolgreichen textilverarbeitenden Nationen änderte sich 2005 durch das Auslaufen des Multifaserabkommens (MFA). IPS Weltblick erläutert hierzu: „Ursprünglich sollte das MFA die Textilindustrien der reicheren Nationen schützen, die gegen die kostengünstigen Produkte der ärmeren Staaten keine Chancen zu haben meinten. Mit dem MFA konnten Länder daher Quoten für Textilimporte erlassen. Einige arme Länder wie Lesotho profitierten davon. Sie bekamen Zugang zu einem Markt, der sonst vielleicht von einem Herstellergiganten wie China dominiert worden wäre”. Die Folge des Endes von MFA in Kombination mit anderen wirtschaftlichen Faktoren waren Fabrikschließungen und Entlassung vieler Arbeiter.

Durch das Interim-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) zwischen der EU und den AKP-Staaten im Juni 2009 kann Lesotho seine Textilprodukte dem europäischen Markt anbieten. Das bedeutet, die Textilunternehmen in Lesotho können unverarbeitete Stoffe aus Drittstaaten (wie dem asiatischen Raum) importieren, sie vor Ort weiter verarbeiten und dann auf dem EU-Markt verkaufen.

Auch wenn heute mit ca. 40 000 weitaus weniger Beschäftigte in der Textilbranche tätig sind als 2004, ist die Textilbranche nach wie vor der größte private Arbeitgeber in Lesotho und eine zentrale Wirtschaftssäule. Insgesamt gibt es über 40 Fabriken von denen etwa die Hälfte durch die Lesotho Textile Exporters Association (Interessenverband) vertreten wird. Ein Problem der Textilbranche ist jedoch die absolute Abhängigkeit von ausländischen Investoren.  

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Internationale Finanz-Corporation (IFC, Gesellschaft der Weltbankgruppe) starteten 2010 das Programm 'Better Work Lesotho'. Ziel des Programms ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Auch wenn das Programm durchaus Erfolge vorzuweisen hat, mangelt es unter anderem nach den Berichten von Better Work an der Umsetzung der Vorgaben zur Arbeitssicherheit. Aber die Arbeitsbedingungen sind dennoch weitaus besser als in Ländern wie Bangladesch.

Video von Better Work Lesotho über ihre Trainingsangebote für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Textilbranche (2014)

Um den Job gebracht? - Wo die Krise Lesotho erreicht (GLOBAL 3000, Deutsche Welle 2008)

Gespräche über das AGOA-Abkommen mit dem Minister für Handel und Industrie (erstes Video) sowie mit einem Journalisten aus Lesotho

Bergbau / Diamanten

Der Startschuss für den lesothischen Diamantenbergbau erfolgte Ende 2004. Die Erträge sind jedoch eher bescheiden. Nach dem British Geological Survey wurde 2015 304.232 Karat gefördert. Nach einer Krise im Diamantenhandel 2009 geht es seit 2010 wieder aufwärts. Im Jahr 2012 lag Lesotho auf Rang 12 (von 24) der größten Diamantenexporteure und sein Anteil am Weltmarkt betrug 2011 unter 0,2 %.

Für Schlagzeilen sorgen vor allem Funde von sehr großen Diamanten. Bereits 1967 fandeine Frau zufällig einen 120 g schweren Diamanten, genannt Lesotho Brown, in den Malutibergen. Übertroffen wurde der damalige Fund 2008. In der Letseng-Diamantenmine fand man einen noch etwas größeren Diamanten (603 Karat, 121 g). Der  ‘Lesotho Promise’ wurde in Antwerpen für über 12 Millionen US-Dollar verkauft.

In Lesotho befinden sich die Minen im Norden des Landes. 

Minen in Lesotho

Diamantenerträge in Karat
304 232
2007 (Jahr) 2008 (Jahr) 2009 (Jahr) 2010 (Jahr)
230 000 250 000 90 000 110 000
2011 (Jahr) 2012 (Jahr) 2013 (Jahr) 2014 (Jahr)
220 000 480 000 414 013 346 017
2015 (Jahr)

Kohle und Schiefergas

Die Lizenz für die Suche nach Kohle- und Gasverkommen im Süden des Landes wurde Ende April 2017 an zwei Unternehmen erteilt. Die Regierung erhofft sich einen bedeutenden ökonomischen Aufschwung und die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze.

Wanderarbeiter und Arbeitsmigration

Seit der Entdeckung von Diamanten in Kimberly (Südafrika) in den 1870er Jahre spielen Wanderarbeiter zu den südafrikanischen Minen eine sehr große Rolle in Lesotho. Bereits 1877 arbeiteten dort etwa 5000 Basotho. Die Farmen im Oranje-Freistaat und in der Kapkolonie sowie die Diamantenminen in Kimberly entwickelten sich als die Hauptarbeitgeber für die basothischen Wanderarbeiter. Eine andere Dynamik bekam die Wanderarbeiterschaft durch die Entdeckung von Gold 1886 in Witwatersrand (Südafrika). Etwa 40 Jahre später waren bereits 15.000 Basotho in den Goldminen tätig. 1975 löste Lesotho das viel bevölkerungsreichere Land Mosambik als primärer Entsender von Minenarbeiter ab. Um 1990 stellten die Basotho fast 60% aller Minenarbeiter in Südafrika. Bis heute ziehen die Goldminen die meisten basothischen Wanderarbeiter an.

Viele männliche Einwohner zog es als Wanderarbeiter in die Minen Südafrikas, da Lesotho nur begrenzte Arbeitsmöglichkeiten bot und zudem die Gehälter in Südafrika relativ hoch waren. Die Zahl stieg auf über 100.000 in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts und begann dann kontinuierlich bis auf 50.000 zu sinken. Gründe sind einerseits in der sinkenden Rentabilität der Minen, andererseits in der Bevorzugung einheimischer Arbeiter seit Ende der Apartheid zu finden. Die vergangene und gegenwärtige volkswirtschaftliche Bedeutung der Rimessen lässt sich an ihrem enormen Anteil am BIP ablesen (siehe auch Grafik unten). Im Jahr 2000 machten diese Geldtransfers Schätzungen zufolge 60% des BIP aus (Weltbank). Inzwischen ist dieser Anteil allerdings mit den reduzierten Zahlen der Wanderarbeiter ebenfalls gesunken und liegt heute unter 20%. Die Rimessen (Heimatüberweisungen) sind aber für Lesotho nach wie vor eine sehr wichtige Einnahmequelle für Wirtschaft und Familien. Doch die negativen Folgen der Arbeit fernab der Heimat waren und sind nicht zu übersehen.
Die Titelzeile in einem Beitrag der Organisation Medicus Mundi bringt es auf den Punkt:
„Sie bringen Geld nach Hause …. und zudem eine Staublunge oder Aids“. Der Artikel beschreibt die negativen Folgen für das Sozialgefüge der Familien und der Gesellschaft. 

Ähnliche Erfahrung haben auch die Südafrikaner mit ihren Arbeitern in den Minen gemacht, deren Familien weit ab in den Homelands für die Männer nur schwer und selten erreichbar waren. Auch dort, wie in Lesotho, hat man die Erfahrung gemacht, dass diese Familientrennungen den Zusammenhalt der Gesellschaft noch lange gefährden können. Die Konsequenzen dieser Trennung wurde Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts in zwei deutschen Dokumentarfilmen festgehalten. In 'Goldwitwen' wird das Leben von Frauen in Lesotho geschildert, die ihren Alltag ohne ihre Männer bewältigen und in 'Die Farbe des Goldes' erzählen Wanderarbeiter aus Lesotho über ihr Leben in den Goldminen.

Seit dem Ende der Apartheid verändert sich das Muster der Arbeitsmigration. So stellen Simelane und Modisha vom 'Human Sciences and Research Council' (südafrikanisches Forschungsinstitut) einen Wandel von einem formalen zu einem informellen System der Arbeitsmigration fest. Der amerikanische Ökonom Cobbe identifiziert vier signifikante Veränderungen bei der Arbeitsmigration nach Südafrika: Rückgang der Anzahl basothischer Minenarbeiter, zunehmende Abwanderung qualifizierter Fachkräfte, Zunahme dauerhafter legaler und illegaler Auswanderungen und Zunahme von ungelernten Schwarzarbeitern, die als Hilfskräfte auf den Farmen oder in privaten Haushalten tätig sind.

Während die Anzahl der basothischen Minenarbeiter seit dem Ende der Apartheid rückläufig ist, steigt die Anzahl der Migrantinnen. In das demokratische Südafrika fällt es ihnen nun erheblich leichter einzureisen und hier eine Tätigkeit zu suchen. Dort sind die Löhne um ein Vielfaches höher. 

Verlässliche Zahlen über die Anzahl der Arbeitsmigranten liegen nicht vor und entsprechend variieren die Schätzungen erheblich. So schätzt  das 'Research Centre on Migration' der Universität Sussex (England) die Anzahl der Emigranten für das Jahr 2005 auf rund 51.000 während die Angaben der Weltbank für das gleiche Jahr bei 260.000 liegen. Für das Jahr 2010 schätzte die Weltbank die Anzahl sogar auf knapp 430.000.

Tourismus

Jugendliche verkaufen an der Straße ihre Produkte an Touristen
Jugendliche verkaufen an der Straße ihre Produkte an Touristen. Photo: Böxkes
Einreisen von Touristen 2006-2013
Quelle: 2013 International Arrivals. Lesotho Tourism Development Corporation (2014)

Urwüchsige Natur mit hohen Bergen, tiefe Schluchten und spektakuläre Wasserfälle, ein kontinentales Klima, unmittelbare Naturerlebnisse und fehlender Massentourismus machen Lesotho für Reisende attraktiv. Besonders beliebt sind Trekkingtouren mit Pferden. Zwar sind inzwischen neue Gegenden mit Straßen erschlossen worden, vor allem im Zusammenhang mit den Staudammprojekten, aber das wichtigste Fortbewegungsmittel im Hochland ist immer noch das Pferd. Nur etwa die Hälfte der Straßen ist asphaltiert und auf Autos ist in dem bergigen Gelände kein Verlass. Viele Straßen werden nach Regenfällen überflutet oder durch Hangabrisse blockiert. Ohne Allradantrieb und Führer sollte sich keiner in die abgelegenen Gebiete vorwagen.

Seit 1986 gibt es ein Ministerium für Tourismus, Sport und Kultur. Die Aufgabe des 'Departments of Tourism' ist die Entwicklung und Förderung der Tourismusindustrie. Für die Förderung ist ebenfalls das 'Lesotho Tourism Development Corporation' (LTDC) zuständig. Basierend auf dem Tourismusgesetz von 2002 wurde die Organisation im gleichem Jahr gegründet. Auch wenn die Tourismusindustrie immer noch marginal ist, führten die staatlichen Bemühungen in den letzten Jahren durchaus zu Erfolgen. Nach dem 'World Travel Tourism Council' (WTTC) beträgt seit 2007 der direkte Beitrag zum BIP um die 5 %.

Die Zahl der Einreisen ist von 100.000 im Jahr 1995 auf etwa 400.000 nach 2010 gestiegen. 2014 bekam Lesotho erstmalig Daten aus Südafrika. Ein Datenvergleich macht nun deutlich, dass die vergangenen und gegenwärtigen Daten der lesothischen Regierung im Grunde genommen unbrauchbar sind. Denn nach Angaben der lesothischen Regierung reisten 2013 etwas 430.000 Ausländer nach Lesotho ein, aber Südafrika registrierte für 2014 über 1 Millionen. Die große Differenz ist auf ein defizitäres Registrierungssystem in Lesotho zurückzuführen.

Der überwiegende Anteil der Besucher (über 90 %) kommt aus Südafrika. Auch wenn über den Einreisegrund nur ungenaue Angaben vorliegen, ist davon auszugehen, dass die große Mehrheit ihre Familie in Lesotho besucht. 'Klassische' Touristen sind demnach rar in Lesotho. Aus Deutschland reisen unter 1% der Besucher nach Lesotho ein. Während in Südafrika die Touristen aus allen Teilen der Welt kommen, gelingt es Lesotho nicht, diese nach Lesotho zu locken. Darüber hinaus unternehmen viele Touristen nur eine Tagesreise nach Lesotho.

Offizieller Videoclip des Ministeriums für Tourismus

Discover Lesotho - AfriSki Resort

Nationale Strategien und Programme

Der ‘African Peer Review Mechanism’ bescheinigte Lesotho 2011 einen nur geringen Fortschritt bei der Implementierung der nationalen Aktionspläne.

Vision 2020

Als ein grundlegendes Dokument zur Entwicklung des Landes wird die im Jahre 2000 formulierte ‚Vision 2020’ gesehen. In der Zusammenfassung heißt es dort:
„By the year 2020 Lesotho shall be a stable democracy, a united and prosperous nation at peace with itself and its neighbours. It shall have a healthy and well-developed human resource base. Its economy will be strong, its environment well managed and its technology well established.”
(„Im Jahr 2020 soll Lesotho eine stabile Demokratie sein, eine geeinte und blühende Nation im Einklang mit sich selbst und seinen Nachbarn. Es soll auf der Grundlage gesunder und gut entwickelter Humanressourcen ruhen. Seine Wirtschaft wird stark sein, seine Umwelt wird gut verwaltet und seine Technologie wird gut etabliert sein.”)

Als Umsetzungsstrategie für die Vision 2020 wurde für die Periode 2003-2007 die erste Armutsminderungsstrategie (PRS – Poverty Reduction Strategy) veröffentlicht. Die Aufstellung eines solchen Planes ist in der Regel eine Voraussetzung für die Gewährung von Geldern des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank im Rahmen der Entschuldungsinitiative (HIPC-Initiave). Lesotho erfüllt jedoch nicht die Bedingungen für eine Teilnahme an der HIPC-Initiative da die Weltbank und der IWF das Verschuldungsrisiko als mittelgroß einschätzen. 

Ein Nachfolgedokument ist der National Strategic Development Plan (2012-2017). Dieser nationale Strategieplan deckt zugleich die Armutsminderungsstrategie mit ab.

Der 'National Strategic Development Plan'

Im März 2012 wurde der National Strategic Development Plan (NSDP) veröffentlicht. Der Plan greift u.a. die Millennium-Entwicklungsziele mit auf. Er unterstreicht die Notwendigkeit eines 'radikalen Umbaus' (radical transform) der Wirtschaft und dient als eine Umsetzungsstrategie der nationalen Zielvorstellung 2020. Um all die zu erreichen, strebt der Plan an:

1. Hohes Wirtschaftswachstum, das Arbeitsplätze für alle schafft
2. Schaffung von Schlüsselinfrastruktur (key infrastracture)
3. Verbesserung der Grundfähigkeiten (skills base), Technologieanpassung und Schaffung von Grundlagen für Innovation
4. Verbesserung der Gesundheit, Kampf gegen HIV und AIDS und die Reduzierung der Vulnerabilität
5. Umkehr des Prozesses zunehmender Umweltschäden und Anpassung an den Klimawandel
6. Schaffung von Frieden, demokratische Regierungsführung und der Aufbau wirksamer Institutionen

Die Umsetzung des Planes soll nicht nur eine Änderung der Wirtschaftsstruktur, sondern auch ein nachhaltiges Wachstum von 5 % jährlich erzielen. Dies soll 47.000 neue Arbeitsplätze schaffen mit einer jährlichen Steigerungsrate von 3 %. Um dies zu erreichen, werden Änderungen im Steuerwesen, in der Verwaltung und in der Haushaltspolitik notwendig, wobei die Bindung des Loti an den südafrikanischen Rand erhalten bleiben soll.

Im Einzelnen:

Zu 1. Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze
Bis 2016/17 sollen 50.000 Arbeitsplätze im privaten Sektor geschaffen werden, mit einem Langzeit-Wachstum von 5 % im Jahr. Dies wird die Wirtschaftsleistung alle 16 Jahre verdoppeln. Das Wachstum wird auf Ausweitung der Diamantenproduktion und dem Wasserexport beruhen (Metolong Damm und das Lesotho Highlands Water Project Phase II). Da diese Projekte in nicht allzu ferner Zukunft nur wenige Arbeitsplätze sichern, werden andere Schwerpunkte in der Landwirtschaft, dem Tourismus und im Bereich der Gestaltung des Klimawandels gesucht werden müssen. Dazu sind wichtige Verbesserungen in den folgenden Bereichen erforderlich: Betriebsgründung, Armutsstatistiken, Baugenehmigungen und Kreditvergabe u.v.a.. Besondere Schwerpunkte sind die Landwirtschaft, der Tourismus und der Bergbau.
Die Armutsgrenze (%) soll von 56,6 (2003) auf 29 in 2015 sinken und die Zahl der Arbeitslosen (%) von 29,4 (2003) auf 15.

Zu 2. Schlüsselinfrastruktur (key infrastructure)
Die Schlüsselkomponenten sind:
Wasser, Transport, Energie, Informationstechnologie, Unterkunft und Entwicklung des Eigentums, Industriegebiete und Handelszentren in städtischen Bereichen und der Sport. Grundlage für Fortschritte in diesen Gebieten sind sorgfältige Planung und Finanzierung.

Zu 3. Verbesserung der Grundfähigkeiten (skills base), der Einführung von Technologie und die Schaffung von Grundlagen für Innovation
Hier geht es vorrangig um die Bildung der jungen Generation. Dazu gehören erleichterte Zugänge zu den Bildungsmöglichkeiten, Ausbau des Fernstudiums, Verbesserung der Lehrmethoden und der Bildungsinfrastruktur und der Kosteneffizienz auf allen Ebenen. In Kooperation mit dem Privatsektor und internationalen Forschungsinstitutionen sollen die Voraussetzungen für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geschaffen werden.
Der Anteil der erwachsenen Analphabeten (%) soll von 18 (2005) auf null reduziert werden.

Zu 4. Verbesserung der Gesundheit, Kampf gegen HIV und AIDS und die Reduzierung der Vulnerabilität
Lesotho hat eine der höchsten HIV/AIDS-Zahlen, auch wenn diese stabil bleiben und nicht weiter zunehmen. Verbesserungen sind u.a. notwendig in den Bereichen Kinderernährung, Verringerung der Sterblichkeit von Müttern, Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur, Verbesserungen in den Aufklärungs- und Erziehungsprogrammen und in der Medikamentenverteilung. Vor allem die gesundheitsbezogene Verhaltensveränderung wird als eine große Herausforderung zukünftiger Gesundheitspolitik gesehen.

Zu 5. Umkehr des Prozesses zunehmender Umweltschäden und Anpassung an den Klimawandel
Nachhaltiges Wirtschaftswachstum braucht eine gesunde Umwelt. Um dies zu erreichen, müssen die Bodenverluste durch Erosion gestoppt, die Wasserressourcen geschützt werden, die Biodiversität erhalten bleiben, umweltfreundliche Produktionsmethoden gefördert und schließlich das Ausufern der Städte in die landwirtschaftlich genutzten Gebiete verhindern werden.

Zu 6. Schaffung von Frieden, demokratischer Kontrolle und Aufbau wirksamer Institutionen
Lesotho ist eine junge und stabile Demokratie. Dies gilt es zu festigen. Dazu ist die Effizienz der öffentlichen Verwaltung und das Finanzwesen zu verbessern. Bei Planung und Durchführung von Projekten ist die Beteiligung der Bürger zu institutionalisieren.

In der Realisierung all dieser Maßnahmen liegen erhebliche Risiken. Die Regierung muss dabei die nur langsame Erholung der Weltwirtschaft ebenso berücksichtigen, wie die internationale Sicherheit, Nahrungs- und Ölpreise und die Änderung des Weltklimas.

Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) und die Agenda 2030

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) kommt über die Millenniums-Entwicklungsziele in Lesotho zu einem durchwachsenem Urteil. Ein Abschlussbericht wurde nicht vorgelegt, der letzte Statusbericht stammt aus dem Jahr 2013. Denn von den 8 Zielen, die bis 2015 erreicht werden sollten, wurden nur 2 mit „ on track“ (im Plan) bewertet, während bei 3 Zielen die Bewertung „slow progress“ (geringe Fortschritte) und bei 3 weiteren die Bewertung „off track“ (Zielfortschritte nicht im Plan) vergeben wurden.

Eine zusammenfassende Beurteilung durch die UNDP der einzelnen Ziele:

Ziel 1:    Beseitigen von extremer Armut und Hunger
⇒ Zielfortschritt: 'off track'
In den vergangenen Jahren wurden nur geringe Fortschritte erzielt. Ein Großteil der Bevölkerung ist jedes Jahr von ernster Lebensmittelknappheit bedroht. Gegenwärtig sind 25 % der Bevölkerung durch unzureichende Lebensmittel gefährdet. Der gegenwärtige Trend und die Zielvorgaben gehen auseinander. Gleiches gilt für die Arbeitslosigkeit und Produktion in der Landwirtschaft. Auch die Zahlen der Kinder, die unterernährt und unterentwickelt sind, hat zugenommen von 30,7 % in 2002 auf 39,2 % in 2009. Über die schon verheerenden Auswirkungen von Hunger und Armut sieht sich Lesotho den Herausforderungen der HIV/AIDS Epidemie gegenüber. Eine Erhebung von 2006 ergab, dass 0,3 % von 139.366 Waisen die Väter als Familienoberhaupt ersetzen und 0,4 % von 36.804 die Mütter.
Die weiteren Themen dieses Kapitels sind Gleichheit von Mann und Frau, Finanzierung und öffentliche Dienstleistungen.

Ziel 2    Primärschulbildung für alle
⇒ Zielfortschritt: 'on track'
Das Ziel einer Primärschulbildung für alle ist 2015 erreichbar. In den vergangenen Jahren lag der Wert schon zwischen 80 und 85 %, sodass für 2015 mit 100 % gerechnet werden kann. Auch die Zahl der erfolgreichen Abschlüsse ist gestiegen. Fortschritte wurden auch bei der Alphabetisierung von Erwachsenen erzielt, jedoch fehlen jüngere Daten.
Weitere Themen sind das Zahlenverhältnis Lehrer/Schüler und die Zahlen der Schulabbrüche.

Ziel 3: Gleichstellung von Mann und Frau, Stärkung von Frauen
⇒ Zielfortschritt: 'on track'
Die Anzahl von Jungen und Mädchen, die zu Sekundarschulen gehen, hat sich angenähert, aber 2007 betrug es 121 Mädchen zu 100 Jungen. Die Gründe sind vielfältig: Jungen müssen oft das Vieh hüten, gehen als Wanderarbeiter nach Südafrika oder müssen die Rolle des Familienvaters nach dessen Tod durch AIDS übernehmen. Frauen sind immer noch unterrepräsentiert in Führungspositionen, dies gilt allerdings nicht für den politischen Bereich. Dort gibt es positive Trends.

Ziel 4. Senkung der Kindersterblichkeit
⇒ Zielfortschritt: 'off track'
Das vorgegebene Ziel war die Verringerung der Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel zwischen 1990 und 2015. Die Zahlen allerdings zeigen einen negativen Trend. 2001 wurden bei 1000 Neugeborenen 82,9 tote Kinder registriert, 2009 waren es 119 auf 1000 Neugeborene. Die Zahl der Säuglingssterblichkeit hat sich ebenso erhöht und lag 2009 bei 91 toten Säuglingen zu 1000 lebend Geborenen.
Ein weiteres Thema ist die Gefahr durch Masern für Kinder.

Ziel 5. Verbesserung der Müttergesundheit
⇒ Zielfortschritt: 'off track'
Lesothos Müttersterblichkeit ist eine der höchsten in der Region und der Trend entfernt sich immer mehr von der Zielvorgabe. Die Zahl der Mütter, die bei der Geburt starben, stieg von 419 pro 100.000 auf 939 pro 100.000 in 2000. Das bedeutet, dass 1 Frau von 32 im Zusammenhang mit einer Geburt stirbt.

Ziel 6. Kampf gegen AIDS, Malaria und andere Krankheiten
⇒ Zielfortschritt: 'slow progress'
Die geschätzte Zahl der HIV-Infektionen lag 2008 bei 23,6 %, ein Anstieg um 0,4 % gegenüber 2007, d.h. die Zahlen sind konstant geblieben (Kommentar des Verfassers: das heißt, es besteht ein Gleichgewicht zwischen Neuinfektionen und Sterbefällen). Doch werden doppelte Anstrengungen nötig sein, um die Zielvorgabe zu erreichen. Dazu sind vielfältige Maßnahmen erforderlich, wie die bessere Versorgung mit Medikamenten, signifikante Reduktion der Mutter-Kind-Übertragung, die Sorge um Waisen, Kampf gegen Folgeerkrankungen etc. Die Regierung hatte mit einem nationalen HIV/AIDS Strategie-Plan (2006-2011) reagiert.

Ziel 7. Ökologische Nachhaltigkeit sicherstellen
⇒ Zielfortschritt: 'slow progress'
Die Regierung von Lesotho hat auf der Grundlage des Environment Act 2008 im gleichen Jahr die Environment Bill als Gesetz erlassen. Damit werden grundsätzlich alle Vorhaben darauf geprüft, ob bei der Realisierung auch nachhaltige Umweltstandards eingehalten werden. Zusätzlich sieht das Gesetz die Ausbildung der verantwortlichen Entscheidungsträger in den Ministerien vor.

Ziel 8. Entwicklung einer globalen Partnerschaft
⇒ Zielfortschritt: 'slow progress'
Lesotho hat 2008 nur ein Drittel der beantragten Finanzmittel erhalten. Es waren damals US-$ 136 Millionen oder rund 10 % des Bruttonationaleinkommens. Die Zuschüsse und Darlehen von der Afrikanischen Entwicklungsbank, der Weltbank, der Europäischen Kommission und der irischen Hilfe werden voraussichtlich zunehmen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde 2007 mit der Millennium Challenge Corporation (MCC) unterzeichnet. Im Rahmen dieses Vertrages werden US$ 362,6 Millionen für einen Zeitraum von 2009-2013 zur Verfügung gestellt.

Am 25. September 2015 verabschiedete Lesotho gemeinsam mit anderen Mitgliedern der UN-Generalversammlung die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Nationale Sektorstrategien und -programme

Umweltpolitik

Für die Umweltpolitik ist in erster Linie das 'Department of Environment' (Ministry of Tourism, Environment and Culture) zuständig‚ dessen Mandat in der Verfassung von 1993 wie folgt festgelegt ist (section 36):
“Lesotho shall adopt policies designed to protect and enhance the natural and cultural environment of Lesotho for the benefit of both present and future generations and shall endeavour to assure to all its citizens a sound and safe environment adequate for their health and well-being”
Übersetzung:“Lesotho wird eine Politik verfolgen mit dem Ziel, die natürliche und kulturelle Umwelt von Lesotho zu schützen und zu stärken zum Wohle der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen. Sie wird danach streben, allen Bürgern eine gesunde und sichere Umwelt zu sichern, die für Gesundheit und Wohlergehen unerlässlich ist.”

Schon mit dem ersten 'National Environmental Action Plan (NEAP)' von 1989 unterstrich die Regierung von Lesotho ihre Absicht, sich für den Erhalt der Umwelt einzusetzen.
Auch in den folgenden nationalen Plänen und Strategien wurden nun Umweltaspekte berücksichtigt. So bezieht sich beispielsweise in der 'Vision 2020' (siehe oben) das siebte nationale Ziel auf das Umweltmanagement. Im Kapitel 3 werden die Fortschritte im Umweltschutz bewertet und Folgerungen für die weitere Entwicklung gezogen. Der aktuelle nationale Entwicklungsplan (National Strategic Development Plan; 2012-2017) misst dem Thema Umweltschutz ebenfalls große Bedeutung bei.
2008 wurde der 'Environmental Act' verabschiedet und ein Jahr später trat er in Kraft. Das Gesetz hat den Umweltschutz in seiner Gesamtheit im Blick. In dem XVI Kapitel umfassenden Gesetzeswerk werden neue Institutionen, wie der 'National Environment Council', das 'Department of Environment' und das 'Environment Coordinating Committee' einschließlich mehrerer Beratungsorganen gesetzlich verankert. Neben diesen organisatorischen Maßnahmen stehen in den folgenden Kapiteln IV- VI Umweltplanung, Umweltstandards und deren Einhaltung und Überwachung im Vordergrund. Eine neue Strafverfolgungsbehörde (Environmental Tribunal) soll Umweltsünden, die im Gesetzestext detailliert beschrieben sind, strafrechtlich verfolgen. Zudem besteht nun eine gesetzliche Grundlage für die Erstellung eines 'National Environmental Action Plan (NEAP)' alle fünf Jahre. Dem Autor ist jedoch nur der Umweltaktionsplan (NEAP) von 1989 bekannt.

Weitere Informationen und aktuelle Dokumente, die sich unterschiedlichen Umweltaspekten widmen, können der Webseite des Ministeriums entnommen werden. Ebenfalls werden in einem Handbuch der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (engl. SADC) politische und rechtliche Aspekte beleuchtet. 

Internationale Abkommen

Auf internationaler Ebene unterstützt die Regierung die Prinzipien im Umweltschutz, so wie sie in der Stockholmer Deklaration von 1972 und der Deklaration von Rio 1992 (Agenda 21) festgelegt wurden. Die Agenda 21 ist ein umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, das auf der 'Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED)' in Rio de Janeiro 1992 von 172 Staaten beschlossen wurde. Mit dem NAP (siehe nationale Ebene) soll zugleich die Agenda 21 in konkrete Aktionen in Lesotho umgesetzt werden.
Auf dem Millenniumgipfel 2000 haben 189 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, einschließlich Lesothos, eine Erklärung unterzeichnet, in der sie sich acht sogenannte Millenniumsziele (MDG) setzen. Ziel 7 befasst sich mit der ökologischen Nachhaltigkeit. In den regelmäßigen MDG-Berichten wurden Erfolge und Mängel in der Erreichung der Millenniumsziele in Lesotho festgehalten.
Auch die 'Southern Africa Development Community' (SADC), deren Mitglied Lesotho ist, hat 1994 eine überregionale Politikstrategie (Policy and Strategy for Environment and Sustainable Development) formuliert und regionale Umweltstandards festgelegt.

Die folgenden internationalen Übereinkünfte (Conventions) wurden ebenfalls unterzeichnet:

  • Abkommen über die Erhaltung von Fauna und Flora im natürlichen Zustand: Das Abkommen ist auch bekannt als die 'Londoner Konvention zum Schutz von Fauna und Flora' von 1933. Es basierte auf dem 'Londoner Übereinkommen' von 1900, jedoch trat sie aufgrund fehlender Ratifizierung nie in Kraft. Das Abkommen von 1933 wurde durch das 'Afrikanische Abkommen zur Erhaltung der Natur und der natürlichen Ressourcen' von 1968 abgelöst. Lesotho gehört zu den 42 Länder, die das Abkommen unterzeichnet haben. Jedoch hat Lesotho, wie 11 weitere Länder, das Abkommen nicht ratifiziert.
  • Genfer Seerechtskonventionen: Eine Konferenz in Genf führte 1958 zu vier Abkommen (Küstenmeere und Anschlusszone, Hohe See, Fischerei und Reichtümer, Festlandsockel). Sie traten zwischen 1962 und 1964 in Kraft. Für Lesotho traten die Abkommen im Jahr der Unabhängigkeit (1966) in Kraft.
  • Seerechtskonvention der Vereinten Nationen: Es wurde 1982 geschlossen und trat 1994 in Kraft. Lesotho trat dem Abkommen 2007 bei. Die Rahmenkonvention regelt u.a. die internationale Zusammenarbeit bei der Nutzung mariner Ressourcen und dient dem Schutz der Meere vor Verschmutzung.    
  • Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen: Das Rahmenübereinkommen wurde 1992 in New York verabschiedet und auf der Konferenz der VN über Umwelt und Entwicklung in Rio von 154 Staaten, darunter auch von Lesotho, im selben Jahr unterschrieben. Drei Jahre später trat es in Lesotho in Kraft. Das Umweltabkommen soll die Störung des Klimasystems durch die Menschen verhindern und die globale Erwärmung verlangsamen sowie die Folgen zu mildern.
  • Biodiversitätskonvention: Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt wurde auf der Rio-Konferenz 1992 von den Staaten, darunter auch von Lesotho, unterzeichnet. Drei Jahre später wurde das Abkommen in Lesotho ratifiziert. Die drei Ziele des Abkommens sind: die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und der gerechte Vorteilsausgleich aus der Nutzung genetischer Ressourcen.
  • Montrealer Protokoll über die Stoffe, die zu einem Abbau der Ozonschicht führen: Der völkerrechtlich verbindliche Vertrag wurde von 48 Staaten unterzeichnet und trat 1989 in Kraft. Lesotho akzeptierte das Protokoll 1994. Ebenfalls akzeptierte Lesotho alle Änderungen (London 1990, Kopenhagen 1992, Montreal 1997, Peking 1999) 2010.

Bildungspolitik

Im November 2008 veröffentlichte das Bildungsministerium einen Bildungsplan, der sowohl die Reformschritte, als auch die allgemeinen Grundsätze der Bildungspolitik definiert. Er basiert auf dem strategischen Bildungsplan für die Jahre 2005-2015. In 2010 werden detaillierte Verfahrensweisen in der Administration von Schulen und Lehrkörpern gesetzlich (Education Act 2010, No 3) verankert.

Eine Zusammenfassung der Bildungspolitik bietet UNESCO (2010). Nützlich ist auch eine kleine Dokumentensammlung von Regierungsdokumenten, die das ‘International Institute for Educational Planning’ der UNESCO zusammengestellt hat (in die Suchmaske 'Lesotho' eingeben).

Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit

Übersicht

Öffentliche Entwicklungsgelder
Empfang von öffentlichen Entwicklungsgeldern. Quelle: OECD/DAC 2015

Zur Zeit der Apartheid in Südafrika gab es sehr viele Geber und Entwicklungsprogramme in Lesotho. Danach reduzierte sich ihre Anzahl erheblich. Die Gründe hierfür liegen jedoch nicht nur in einer Verlagerung der Geberressourcen nach Südafrika, sondern auch in der allgemeinen Reduktion der Partnerländer im Rahmen des EU-Verhaltenskodex 2007 und der Unzufriedenheit einiger Geber mit der Entwicklung in Lesotho. 

Die empfangenen öffentlichen Entwicklungsgelder (engl. ODA) der Mitgliedsländer im Entwicklungsausschuss der OECD (engl. DAC) liegen seit 2002 grob bei 100 Millionen US-Dollar jährlich. Eine Ausnahme bilden die Jahre 2010 bis 2013. Hier lagen die öffentlichen Entwicklungsgelder zwischen 250 und 300 Millionen US-Dollar. Der ODA-Anteil am Bruttonationaleinkommen (BNE) sowie die Pro-Kopf-ODA-Leistung schwanken und erreichten 2013 einen Spitzenwert von rund 11 % bzw. 150 US-Dollar. Ebenso schwankt das Verhältnis zwischen multilateralen und bilateralen Entwicklungsgelder. In einem 5-Jahreszeitraum (2008-2012) lag der bilaterale Anteil bei grob Zweidrittel. 

Die öffentlichen Entwicklungsgelder schwanken signifikant u.a. aufgrund der relativ geringen Entwicklungsgelder, da bereits durch 10-20 Millionen US-Dollar Unterschied eine signifikante prozentuale Veränderung verursacht wird. Südafrika erhielt beispielsweise 2015 insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar.

Seit 2009 ist die USA mit Abstand der größte Geldgeber (inklusive multilaterale Organisationen). Danach folgen seit 2010 die multilateralen Organisationen EU, IDA und Global Fund. Weitere größere bilaterale Geldgeber in den vergangenen Jahren waren Irland, Großbritannien, BRD und Japan. Die Geberlandschaft hat sich aber innerhalb eines Jahrzehnts stark verändert und wird sich vermutlich auch weiterhin verändern. So zieht sich beispielsweise Deutschland und Irland aus Lesotho zurück.

Neben der Zusammenarbeit mit DAC-Ländern ist die Süd-Süd-Kooperation mit China hervorzuheben. Die Übergänge zwischen der Entwicklungszusammenarbeit und der Wirtschaftskooperation sind bei dieser Partnerschaft sicherlich fließend und somit ein Vergleich mit den DAC-Ländern schwierig. Aber ohne Zweifel ist die Partnerschaft mit China für Lesotho von sehr großer Bedeutung.

Aktuelle Zahlen über öffentliche Entwicklungsgelder können einer interaktiven Grafik oder der Aid-at-Glance Grafik der OECD/DAC und der interaktiven Aidflow-Grafik (OECD & Weltbank) entnommen werden.

Aid for Trade (Handelshilfe)

„Aid for Trade“ ist ein Entwicklungshilfepaket, mit dem die Partnerländer beim Ausbau ihrer Handelskapazität unterstützt werden sollen, mit dem Ziel, das Wirtschaftswachstum zu fördern. Über die OECD sind die entsprechenden Zahlen für Lesotho abrufbar. Wie z.B. AID for Trade at a Glance Lesotho 2009, 2015.

Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit

Während die bilaterale Zusammenarbeit sich auf die direkte Entwicklungszusammenarbeit zwischen zwei Staaten (z.B. Deutschland und Lesotho) bezieht, sind bei der multilateralen Zusammenarbeit mehrere Staaten beteiligt. Hierbei sind die überstaatlichen Organisationen wie die Vereinten Nationen, IWF, Weltbankgruppe (insbesondere die IDA), die Afrikanische Entwicklungsbank (engl. AfDB) sowie die EU wichtige Akteure für Lesotho.

Überblick und Auswahl an multilateralen Organisationen in Lesotho

  • United Nations Children's Fund (UNICEF)
  • World Food Programme (WFP)
  • Food and Agricultural Organisation (FAO
  • World Health Organisation (WHO)
  • World Bank (IBRD/IDA)
  • African Development Bank (AfDB)
  • United Nations Programme on HIV and AIDS (UNAIDS)
  • United Nations Information Centre (UNIC)
  • United Nations Volunteers Programme (UNVP)
  • United Nations Development Programme (UNDP)
  • International Monetary Fund (IMF)

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland

Zwischen Lesotho und Deutschland besteht seit fast 50 Jahren eine Entwicklungspartnerschaft. Seit 2003 liegt der Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit in der Dezentralisierung. Vor Ort werden die Aktivitäten der GIZ durch ein Büro gesteuert. Die Zusammenarbeit mit Lesotho soll zwar beendet werden, jedoch wurde das GIZ-Vorhaben immer wieder verlängert. Nach derzeitigem Stand wird das Vorhaben bis 2017 fortgeführt. Jedoch wird Lesotho weiterhin im Rahmen von zahlreichen Regionalprogrammen, vor allem im Kontext der SADC, eingebunden werden. 
Im Jahr 2012 wurden 5 Millionen Euro durch die KFW abgewickelt. Nach Kenntnisstand des Autors ist die KFW nicht mehr in Lesotho tätig. Ex-post-Evaluierungsberichte können der Webseite der KFW Entwicklungsbank entnommen werden.

USA

Die USA ist mit Abstand der größte Geber in Lesotho. Die Entwicklungszusammenarbeit wird zum größten Teil durch die United States Agency for International Development (USAID Lesotho) gesteuert. Ihre Schwerpunkte liegen in fünf Bereichen, wobei einige Programme überregional sind.

  • Landwirtschaft und Ernährungssicherung
  • Demokratie, Menschenrechte und Regierungsführung
  • Wirtschaftswachstum und Handel
  • HIV/AIDS
  • Wasser

Das größte Programm mit 17 Millionen US $ für das Jahr 2013 ist das President’s Emergency Plan for AIDS Relief (PEPFAR Lesotho) Programm und wird vom Regionalbüro in Pretoria gesteuert. Einige Programme werden ohne USAID-Unterstützung durchgeführt, wie beispielsweise das Compact for Millennium Challenge Account (MCA Lesotho) das durch die Millennium Challenge Corporation (MCC) unterstützt wird. Die MCC wurde 2004 vom US-Kongress ins Leben gerufen. Ebenfalls arbeiten seit 1967 Peace Corps-Freiwillige in Lesotho. 

Irland

Seit 1975 existiert die bilaterale Zusammenarbeit mit Irish Aid. 1999 kam es zu einem Strategiewechsel. Wurden zuvor alleinstehende Projekte finanziert, werden seitdem die Unterstützungen auf die Regierungsprogramme ausgerichtet. Die Zusammenarbeit in den Jahren 2008 bis 2012 erfolgte auf der Basis einer Landesstrategie, die mit der lesothischen Regierung vereinbart wurde. Eine neue Landesstrategie für Irish Aid ist noch in Arbeit. Im Jahr 2012 floss knapp die Hälfte der Gelder in den Gesundheitssektor und 2013 waren es rund 60%. Weitere Schwerpunkte waren Bildung, Regierungsfähigkeit und Gender.

Kirchliche, zivilgesellschaftliche und private Entwicklungszusammenarbeit

In Lesotho gibt es eine unübersichtliche Zahl von kirchlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten Akteuren. Eine Zusammenstellung von über 600 Organisationen die im Bereich Kinder- und Jugendarbeit tätig sind bietet Letsema, ein Programm der Wohltätigkeitsorganisation Sentebale von Prinz Harry von Wales und Prinzessin Seeiso von Lesotho. Einige internationale NROs werden im Commonwealth Network aufgeführt. 

Eine kleine Auswahl von Organisationen vor Ort

  • Action Lesotho wurde 2005 in Irland gegründet. Die Organisation widmet sich in erster Linie der Armutsminderung durch Fortbildungsangebote im Bereich Landwirtschaft und Handwerk. Unter anderem wird die Organisation durch Irish Aid finanziell unterstützt. Kontakt: Tel:  +26659476103, Email: actionlesothopippa@gmail.com
  • African Network for the Prevention and Protection against Child Abuse and Neglect (ANPPCAN) ist ein afrikaweites Netzwerk, das sich für den Schutz und die Rechte von Kindern einsetzt. Die Zentrale hat ihren Sitz in Nairobi (Kenia). Kontakt: Lesotho National University 
of Lesotho, P. O. Roma 180, Lesotho ; Tel: +266 22340601, Fax: +266 22340000, Email: emsebatane@nul.ls

  • CARE International ; P.O. Box 682, Maseru 100, Lesotho ; Tel: +266 22 314398, Fax: + 266 22 310195
  • Lesotho Red Cross Society ; 23 Mabile Road, Old Europa, Maseru 100 ; P.O. Box 366, 100 Maseru ; Tel: (266) 223 13 911, Fax: (266) 223 10 166/222 66 068, Email: redcross@redcross.org.ls
  • Skill Share International ; PO Box 269, Maseru 100, Lesotho ; Tel: + 266 22 314 202, Fax: + 266 22 310 156, E-mail: lesothoinfo@skillshare.org
  • SOS Kinderdorf: 1994 wurde in Maseru ein SOS Kinderdorf fertiggestellt. Angeschlossen an das Kinderdorf sind ein Kindergarten, eine Jugendeinrichtung, eine Grundschule, eine Krankenstation und einige Werkstätten. Kinder in der ländlichen Umgebung von Quthing werden von einem Sozialzentrum betreut. Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte 'child-headed families'. Hierbei handelt es sich um Familien bzw. Haushalte in denen beide Elternteile an einer AIDS-Erkrankung verstorben sind und die nun vom ältesten Geschwisterkind geführt werden. Diese Haushalte erhalten Nahrungsmittel und Geldzuwendungen für die Schule sowie medizinische Versorgung. Kontakt: SOS Children's Village Association of Lesotho ; P.O. Box 1180, Maseru West 105 ; Tel +266 223 162 65, Fax +266 2231 0386
  • Technologies for Economic Development (TED); TED wurde Anfang 2000 durch die Unterstützung des damaligen Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) gegründet. Mittlerweile ist die lokale NRO erfolgreich gewachsen und ist ein fester Bestandteil internationaler Netzwerke im Bereich der erneuerbaren Energien (z.B. Biogas) und nachhaltigen sanitären Anlagen geworden. Kontakt: P.O. Box 14621, Maseru 100; Polo Ground 49/3; Tel +266 2231 7795, Fax +266 22325621, E-mail: info@ted-biogas.org

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Letzte Aktualisierung

Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2017 aktualisiert.

Autor

Peter Böxkes ist Freiberufler und Lehrbeauftragter im Bereich der Entwicklungspolitik und -zusammenarbeit. Als Sozialwissenschaftler (Dipl. Päd. & M.A. Phil., Soz., Psy.) arbeitete und lebte er mehrere Jahre in Afrika, darunter auch in Lesotho. Aufgrund seiner südafrikanischen Mutter und Verwandschaft ist er mit dem südlichen Afrika sehr verbunden.

Koautor: Wolfgang Böxkes

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