Beiteddin© Marwan Abou Taam
Geschätztes BIP
73,1 Milliarden US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
16.509 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
76 (von 188) (2016)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
28%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
45
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 70 von 129 (2018)

Die libanesische Ökonomie - Ein Überblick

Vor dem Bürgerkrieg 1975 zählte der Libanon zu den bedeutendsten Finanzzentren im Nahen Osten. Beirut war die Bankenmetropole des Orient, ein Bindeglied zwischen Europa und den Golfstaaten. Daraus entwickelte sich eine Ökonomie, die auf Vermittlungs-, Handels- und Dienstleistungswirtschaft fußte. Mit dem Ende des Bürgerkrieges versuchte der damalige Ministerpräsident Hariri diesen Status  zurück zu erlangen. Dies war jedoch nicht ohne weiteres möglich. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und den Golfstaaten wurden zwischenzeitlich ausgebaut, Dubai löste Beirut ab. Das während des Bürgerkriegs geflohene Kapital kam mit dem Ende des Krieges nicht zurück, womit es dem Libanon an wichtigen Investitionen für den Wiederaufbau fehlte. Dies hatte wiederum zur Folge dass der Wiederaufbau über Staatsverschuldung refinanziert wurde. Der Libanon ist heute mit etwa 85 Milliarden US$ überschuldet. Der Schuldendienst machte 2017 annähernd 45% der Staatsausgaben aus, die Staatsverschuldung entsprach 150% des BIP. Die wichtigste Ressource und größte Einnahmequelle des Landes sind seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte, die aus dem Ausland Devisen in den Libanon überweisen. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 89,6 %. Das BIP des Libanon wird zu 8 % durch den Agrarsektor, zu 23 % durch den Industriesektor und zu 69 % durch den Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Dabei erzielt das Land seit Jahren hohe Handelsbilanzdefizite. Durch die starken innenpolitischen Turbulenzen und nicht zuletzt durch den Syrienkonflikt ist für das laufende Jahr 2017 davon auszugehen, dass das Handelsbilanzdefizit von 13,71 Milliarden US-Dollar  bei weitem übertroffen wird. Im Jahr 2015 sind die Exporte in die Golfstaaten  komplett eingebrochen. Aufgrund der politischen Lage und der dadurch hervorgerufenen Sicherheitsdefizite ist davon auszugehen, dass  der Tourismussektor weiterhin in Mitleidenschaft gezogen sein wird, so dass die hohe Arbeitslosigkeit weiter steigen wird. Die Hürde von 30 % ist bereits 2015 erreicht worden. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt Schätzungen zufolge bei über 54 % was die Arbeitsmigration aus dem Libanon verstärkt. Insbesondere gut ausgebildete Ingenieure, Ärzte und Betriebswirte verlassen das Land. Notwendige Investitionen bleiben aus. Rund 350.000 Auslandslibanesen arbeiten in den Golfstaaten. Für das Jahr 2017 gibt die Weltbank die Überweisungen der libanesischen Diaspora mit 7,9 Mrd. USD an. Schätzungen zufolge tragen die Auslandslibanesen auf diese Weise mit bis zu 15% zum Bruttosozialprodukts bei.  

Das Libanesische Pfund mit 100 Piastern wird von der Bank des Libanon, die als Zentralbank fungiert, herausgegeben und an den US-Dollar gebunden. Mit den hohen Devisenreserven der libanesischen Zentralbank in Höhe von 54 Mrd. USD Ende Mai 2018 beweist der libanesische Banken-und Finanzsektor weiter seine Funktion als Rückgrat der libanesischen Wirtschaft. 

Der Libanon importiert den Großteil seiner Konsum- und Kapitalgüter aus China (10,9%), Italien (8%), Griechenland (7%), Deutschland (6,2%) und den USA (5%). Ungefähr 70% der libanesischen Importe kommen durch den Hafen Beirut ins Land, knapp 21% durch den Flughafen Beirut, 7% durch den Hafen in Tripoli und die restlichen 1% durch den Hafen in Saida.  In den Export gehen u. a. Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse, Schmuckwaren, Textilien, Maschinen und Elektrogeräte sowie Erzeugnisse der Metall verarbeitenden Industrie. Während der Libanon Waren im Wert von 3,5 Mrd. USD exportiert, importiert der Libanon Waren für mehr als 20 Mrd. USD. Das Außenhandelsdefizit ist enorm und belastet die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erheblich.

Das reale Wirtschaftswachstum des Libanon betrug im Jahr 2017 laut IWF 1,0 %. Die Prognosen für das Jahr 2018 divergieren. Während der IWF ein solides reales Wirtschaftswachstum von 2,0% erwartet, geht Economist Intelligence Unit (EIU) von 0,7% aus.

Der Libanon braucht für die kommenden drei Jahre umgerechnet knapp 1,9 Milliarden Euro, um die Folgen des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien zu bewältigen. Millionen Flüchtlinge müssen mit Nahrungsmittel, Strom und Schulbildung versorgt werden. Dazu kommt, dass durch das Übergreifen der Kämpfe auf den Libanon und der Beteiligung von Libanesen im syrischen Bürgerkrieg ein schmerzhafter Rückgang der Einnahmen aus dem Tourismus zu verzeichnen ist. Jeder dritte Libanese zwischen 15 und 34 ist arbeitslos, was das Gesundheitswesen, die Bildung und das Sozialsystem massiv beeinträchtigt. Schon jetzt lebt eine Million Libanesen in Armut. Die Weltbank erwartet, dass durch die schlechten wirtschaftlichen Perspektiven 170. 000 weitere Personen unter die Armutsgrenze rutschen könnten. Die internationale Gemeinschaft will für den krisengeschüttelten Libanon über 11 Mrd. USD (ca. 9 Mrd. EUR) an zinsgünstigen Krediten und Spenden bereitstellen. Dies war das Ergebnis der Pariser CEDAR Konferenz, die im April 2018 stattfand. Die versprochenen Mittel sind jedoch an die Umsetzung von dringenden Reformen geknüpft, die erst mit der neuen Regierung in Angriff genommen werden können.

Wichtige Daten und Statistiken veröffentlicht die Central Administration of Statistics (CAS) . Ferner können Sie unter den folgenden Links weitere wichtige Fakten über die Ökonomie des Libanon erfahren:

Wirtschaftssystem & seine Sektoren

Der Libanon verfolgt  traditionell eine liberale Wirtschaftspolitik auf der Grundlage  des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs, so dass die Bedeutung des  Staatssektors ist relativ gering ist, während der klientelistisch geprägte Privatsektor die Wirtschaft dominiert.  Allerdings wird die Ökonomie des Landes durch Bürokratismus und mangelnde Transparenz in ihrer Entwicklung gestört. Notwendige Ausländische Direktinvestitionen bleiben aus oder werden durch massive Garantien und Risikoabsicherungen des Staates angelockt. Der Außenhandel wurde nach dem Bürgerkrieg liberalisiert, was die sinkenden Staatseinnahmen aus dem Zollaufkommen erklärt.  Bis Ende 2000 stammten noch drei Viertel der Staatseinnahmen aus dem Zollaufkommen. Als Ausgleich wurde 2002 eine Mehrwertsteuer von zehn Prozent eingeführt. Eine großangelegte Privatisierungskampagne   staatseigener Betriebe setzte an. Ferner besteht im Libanon eine vollständige Währungskonvertibiltät. Die schwache inländische Industrie und die starke Nachfrage nach importierten Konsumgütern verursachen eine defizitäre  Handelsbilanz. Die Auswirkungen des Bürgerkrieges in Syrien sowie die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus dem Nachbarland sind weitere Faktoren neben den innerlibanesischen Konflikte, die die ökonomische Entwicklung im Land nachhaltig stören.

Der Libanon ist Mitglied in internationalen Organisationen mit wirtschaftlichem Fokus:

Darüber hinaus unterzeichnete der Libanon 2002 ein EU-Assoziationsabkommen und  ist der Internationalen Konvention zur Beilegung von Streitigkeiten im Zusammenhang mit Investitionsangelegenheiten zwischen Staaten und Angehörigen anderer Staaten beigetreten.

Dienstleistungssektor

Der Tourismus ist traditionell einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren im Libanon, allerdings leidet er massiv unter der Unsicherheit, die der Syrien-Krieg erzeugt hat. Der Bankensektor ist ebenfalls ein bedeutender Sektor, der sich auch in den letzten Jahren weiter positiv entwickelt hat.

Industrie

Der Libanon verfügt über Produktionsstätten für Lebensmittel, Papier, Druckerzeugnisse, Kosmetika, Pharmazeutika, Stahl-und Aluminiumprodukte, Textilien und Zement.

Landwirtschaft

Die fruchtbaren Gebiete am Küstenstreifen und in der Bekaa-Ebene geben diesem Sektor wirtschaftliche Bedeutung. Traditionell produziert der Libanon Früchte und Gemüse für den lokalen und arabischen Markt und ist ein bedeutender Weinproduzent in der Region. Aufgrund des milden mediterranen Klimas sowie vielfältiger fruchtbarer Böden ist die Landwirtschaft der drittwichtigste Wirtschaftssektor des Landes. Gegenwärtig wird dieser Sektor jedoch sträflich vernachlässigt, was verheerende Wirkung hat.  Einige Landwirte haben ihre Produktion eingeschränkt oder die Felder erst gar nicht bestellt. Experten der FAO befürchten, dass der Zustrom an Flüchtlingen aus Syrien gekoppelt mit der verringerten Produktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu einem Mangel an Lebensmittel führen könnte – dies führt zu stetig steigenden Lebensmitteleinfuhren, auch im Obst- und Gemüsesektor.  

Tourismussektor

Im Libanon entwickelte sich nach der Staatsgründung eine attraktive Erholungs- und Kulturtourismusbranchen, die dem Land notwendige Devisen einbrachte. Vor Ausbruch des Bürgerkrieges kamen in Spitzenjahren über zwei Millionen Touristen und Geschäftsleute in den Libanon. Europäer und Golfaraber genossen die milden Temperaturen, die schöne Landschaft aber auch die gut ausgebaute Tourismusinfrastruktur des Landes. Hinzu kommt, dass durch die liberale Wirtschaftspolitik des Libanons, das Land eine wichtige  ökonomische Position zwischen dem Nahen Osten und den westlichen Staaten eingenommen hat. Der Bürgerkrieg war eine Zäsur, die zum Zusammenbruch der Tourismusbranche und des Reiseverkehrs führte. Im Bürgerkrieg wurden viele Hotels zerstört oder umfunktioniert als Notunterkünfte für Flüchtlinge.

Seit dem Ende des Bürgerkrieges wird versucht an die Vorkriegstradition anzuknüpfen. Vielerorts entstanden neue Hotels, jedoch ist die Tourismusinfrastruktur gemessen an internationalen Standards sehr schwach. Politische Instabilität verhindert notwendige Investitionen, zumal viele hochqualifizierte Fachkräfte in die Golfstaaten emigrierten. Eine Folge des Bürgerkrieges war  die Zerstörung von Fauna und Flora, die einen Standortvorteil des Libanons vor dem Bürgerkrieg darstellten. Illegale Bauten und Steinbrüche hinterließen eine für den Tourismus weniger attraktive Situation. Auch untersteht die Tourismusbranche des Libanon heute einer massiven Wettbewerbssituation mit anderen Nachbarstaaten. Diese haben den Aufbau ihrer jeweiligen Tourismusbranchen und –infrastrukturen vorangetrieben und bieten touristische Dienstleistungen preisgünstiger an. Dem Libanon war es nicht möglich an die Situation vor dem Bürgerkrieg anzuschließen. Selbst im Segment Kulturtourismus konnte sich der Libanon bislang nicht wieder etablieren, zumal wichtige Destinationen sich in relativ unsicheren Regionen des Landes befinden.

Trotz aller Schwierigkeiten hat sich im Nachkriegslibanon die Tourismusbranche zu einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes entwickelt. Die Zahl der Touristen insbesondere aus den Golfstaaten stieg in den 90ern kontinuierlich, auch verbringen viele Auslandslibanesen ihre Ferien zunehmend im Libanon. Ab Mitte der 1990er und bis zur Ermordung des Rafik al Hariri expandierte die Tourismusbranche und brachte dem Land für den Wiederaufbau notwendige Devisen und Arbeitsplätze ein. Seit 2005 wird ein Negativwachstum verzeichnet. Mit dem Ausbruch des Syrienkrieges verschärfte sich die Lage zusätzlich. 2015 riefen Regierungen der Golfstaaten ihre Bürger auf, den Libanon zu verlassen. Die wohlhabenden Touristen aus diesen Golfstaaten machen jedoch 22 Prozent der Besucher aus und sind für 40 Prozent der touristischen Einnahmen verantwortlich. Auch westliche Regierungen sprachen Reisewarnungen für den Libanon aus. Damit brachen die Umsätze der Branche zusammen. Der Golf-arabische Boykott wurde bislang nicht aufgehoben.

Bankensektor

Der libanesische Bankensektor ist das Rückgrat der libanesischen Wirtschaft und Hauptfinanzierer des libanesischen Staates. Er hält den Großteil der libanesischen Staatsverschuldung von rund 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Banken des Libanon befinden sich jedoch in starker Abhängigkeit von den Spareinlagen der im Ausland lebenden Libanesen. Diese Spareinlagen waren in der Vergangenheit eine stabile Refinanzierungsquelle, so dass das libanesische Bankensystem trotz Finanzkrise in seiner Entwicklung nicht gebremst wurde. Allerdings ist die Wirtschaft des  Libanons durch eine hohe Verschuldung, hohen Handelsbilanz- und Haushaltsdefiziten sowie einer instabilen sicherheitspolitischen Lage geprägt, was die Manövrierfähigkeit des libanesischen Bankensektors massiv beeinflusst. So wurden in den vergangenen Jahren mehrere libanesische Banken abgewickelt, weil sie in Verdacht standen Finanztransaktionen der Hisbollah bedient zu haben. Seit 2006 existieren Finanzsanktionen der Vereinten Nationen gegenüber den Libanon, die die Bereitstellung von Finanzmitteln  im Zusammenhang mit militärischen Aktivitäten verbieten.

Trotz aller Schwierigkeiten entwickelt sich der Finanzsektor des Libanons positiv. Die Bankeinlagen stiegen auch im Jahr 2013 weiter, dabei machen die Ersparnisse des Privatsektors ein Großteil aller Einlagen aus. In diesem Zusammenhang spielen die Überweisungen von Auslandslibanesen eine zentrale Rolle. Das Bankensystem ist transparent und entspricht den internationalen Standards.

Erdgas und Erdöl - Der Ausweg aus der Misere?

Erkundungen haben ergeben, dass vor der südwestlichen Küste des Libanons nahe den Meeresgrenzen zu Zypern und Israel mindestens 707 Milliarden Kubikmeter Erdgas lagern. Darüber hinaus soll es weitere Erdgas- und Erdöllagerstätten vor der libanesischen Küste und auf dem Festland geben. Bislang war es der libanesischen Regierung nicht möglich, die rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit mit der Förderung begonnen werden kann. An dieser Stelle scheint es die ersten Konflikte mit Israel zu geben, da der Verlauf der Meeresgrenzen umstritten ist.

Da es sich bei den jüngsten Entdeckungen von Öl- und Gas-Lagerstätten um sehr große Vorkommen im Mittelmeer zwischen Griechenland, der Türkei, Zypern, Israel, Syrien und Libanon handelt, und in der Region mehrere offene Konflikte vorherrschen,  ist davon auszugehen, dass es zu einer Konflikteskalation kommen wird. Bereits heute deuten sich massive Grenzkonflikte an, die Zugänge zu den Lagerstätten werden von verfeindeten Parteien beansprucht. Der libanesische Staat wird mittelfristig mit Israel auf dem Energiemarkt in Konkurrenz treten. Dadurch werden die jeweiligen brisanten Festlegungen der Seegrenzen das bereits starke Konfliktpotenzial zwischen Israel und dem Libanon weiter erhöhen.

Die USA versuchen vergeblich, im Streit zwischen Israel und Libanon um die Seegrenze zu vermitteln.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Zwischen 1992 und 2013  hat sich die im Libanon ansässige Bevölkerung um schätzungsweise 25% erhöht, von ca. 3.500.000 auf 4.200.000 Menschen. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 29 Jahre alt, bei einer sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit. Etwa 28% der Menschen im Libanon leben in der Nähe oder unterhalb der Armutsgrenze. Damit ist die Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung der Lebensbedingungen eine zentrale Herausforderung für das Land und steht im Fokus der libanesischen Entwicklungsstrategie.

Die libanesische Regierung beschreibt in der 2012 unter Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure erstellten Entwicklungsstrategie "Status und Visionen" mehrere Handlungsfelder, die zur Nachhaltigen Entwicklung bearbeitet werden müssen. Hierzu gehören Gute Regierungsführung, Stärkung der Zivilgesellschaft, Erhöhung der Nachhaltigen Produktion in allen Sektoren: Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung, Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft. Um diese Ziele zu Erreichen wurde ein 7-Punkte-Aktionsplan für soziale und wirtschaftliche Reformen vorgetragen:

  • Verwaltung der öffentlichen Schulden-und Finanzreform
  • Wiederbelebung der Privatwirtschaft
  • Verbesserung der Infrastruktur
  • Entwicklung des Menschen
  • regionale und ländliche Entwicklung
  • Verwaltungsreform
  • sonstige unterstützende Faktoren.

Hinsichtlich der Millenniumsentwicklungsziele ist es dem Libanon bislang in allen Handlungsfeldern nicht gelungen nachhaltige Fortschritte zur verwirklichen. Dies gilt insbesondere für das Ziel  der Halbierung von extremer Armut und Hunger und für den Bereich der Verbesserung der Umweltindikatoren.
Inwiefern der Libanon in der Lage sein wird, bis 2030 die Sustainable Development Goals zu erreichen, ist heute mehr als fraglich. Denn wichtige Entscheidungen können derzeit nicht getroffen werden, da die Regierung de facto keine strategischen Befugnisse besitzt, vielmehr verwaltet sie das Machtvakuum im Land.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Im Zuge der Syrienkrise wurde der Libanon vorübergehend wieder in die Liste der Kooperationsländer aufgenommen, mit denen Deutschland im Rahmen thematischer und regionaler Programme entwicklungspolitisch zusammenarbeitet. Ziel ist, die Versorgungslage der Flüchtlinge und der lokalen Bevölkerung in den Aufnahmegemeinden zu verbessern, um die Lage zu stabilisieren und Konflikten vorzubeugen. Auf der Liste der Empfänger deutscher Entwicklungshilfe in den letzten 10 Jahren steht Libanon auf Platz 72. Die deutschen staatlichen Mittel für Entwicklungs­zu­sam­men­arbeit, die durch die Bundesrepublik im Rahmen zwischenstaatlicher Verträge zugesagt worden sind, belaufen seit 2012 auf 483,85 Millionen Euro. Mit diesen Mitteln fördert das BMZ in erster Linie Programme der Vereinten Nationen, zum Beispiel des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) und des Kinderhilfswerks (UNICEF). Auch für die Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms (WFP) werden erhebliche finanzielle Beiträge bereitgestellt. An dieser Stelle profitiert der Libanon von Projekten des deutschen BMZ.  Auch im Bereich der Förderung der beruflichen Bildung ist die Bundesrepublik seit vielen Jahren sehr aktiv im Libanon. In der deutsch-libanesischen Zusammenarbeit wurden folgende Programme und Projekte vereinbart:

  • Förderung der beruflichen Bildung und der Entwicklung von kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) Unterstützung bei der Reform des Wassersektors
  • Ziviler Friedensdienst (ZFD)

Kooperationspartner der GIZ im Libanon sind:

Darüber hinaus  sind im Libanon viele deutsche Institutionen, die in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Demokratieförderung aktiv sind, vertreten:

Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind die Bereiche Grundbildung und berufliche Bildung, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie die Verbesserung der Lebensbedingungen für syrische Flüchtlinge sowie bedürftigen Libanesen in den aufnehmenden Gemeinden. Die Maßnahmen des zivilen Friedensdienstes beziehen sich sowohl auf die libanesische Gesellschaft, die libanesisch-palästinensischen Beziehungen als auch den interkonfessionellen Austausch im Libanon.  

Ausländische Entwicklungszusammenarbeit (bi- und multilateral)

Die Weltbank, Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP und die Europäische Union sind die wichtigsten Partner und Geber der libanesischen Entwicklungszusammenarbeit. 

Weitere wichtige Träger von Entwicklungsprojekten im Libanon sind USAID und die Islamic Development Bank.

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2018 aktualisiert

Der Autor

Dr. Marwan Abou Taam ist assozierter Wissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin und freier Autor. Seine Forschungsschwerpunkte sind Regionalstudien Naher Osten/ Nordafrika/ Golfregion, EU-Sicherheitspolitik sowie Migration und Innere Sicherheit.

Literaturhinweise

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