Old Road, Monrovia, Straßenszene
Offizieller Name
Republik Liberia
Fläche
96,320 km²
Einwohner
5 Mio. (Schätzung 2020)
Bevölkerungswachstum
2.5 % (2018)
Regierungssitz
Monrovia
Amtssprache
Englisch
29 Regionalsprachen
u.a. Kpelle, Bassa, Mano
Lage Liberias auf dem Globus
Liberia auf dem Globus © TUBS (CC BY-SA 3.0)

Das westafrikanische Liberia liegt an der Atlantikküste zwischen Sierra Leone und Côte d'Ivoire. Im Norden grenzt es an Guinea. Das Staatsgebiet umfasst 111.369 km². Es verteilt sich auf 96.320 km² Landfläche sowie 15.049 km² Hoheitsgewässer. Zum Vergleich: Liberia ist ein wenig größer als Portugal, mit ca. 5 Millionen Einwohnern ist es aber weniger dicht bevölkert (Portugal hat fast 11 Millionen Einwohner). Die Ausdehnung des Landes beträgt 520 km in Nordwest–Südost–Richtung und 270 km in Südwest–Nordost–Richtung.

Blick den Berg hinunter auf Lagunen und den Atlantik
Blick den Berg hinunter auf Lagunen und den Atlantik © Rüdiger Asmus

Karten

Das liberianische Amt für Statistik stellt Karten für die einzelnen Counties zur Verfügung, Reliefweb bietet verschiedene thematische Landkarten zur humanitären Situation im Land an.

Karte: Zentrum der Hauptstadt Monrovia
Zentrum der Hauptstadt Monrovia

Grunddaten

Einen Überblick kann man auf den Liberia-Seiten des Auswärtigen Amtes, des CIA World Factbooks und der Weltbank gewinnen. Detailliertere Informationen finden sich auf der Seite des liberianischen Instituts für Statistik und Information LISGIS. Auf der Webseite des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) finden sich auch eine Zusammenfassung der Indikatoren der menschlichen Entwicklung in Liberia und Erläuterungen.

Landschaft

Topographische Karte Liberia
Topographische Karte Liberia © Sadalmelik (public domain)

Liberia liegt am Atlantischen Ozean, an der sogenannten Pfefferküste. Das Land verfügt über eine großenteils schwer zugängliche Küstenlinie (560 km), bestehend aus Mangroven, Sümpfen, Stränden und Flussmündungen. Die Brandung und Strömungen sind stark. Von den ca. 9,6 Millionen Hektar Landfläche sind etwa die Hälfte Wald, die andere Hälfte besteht vorwiegend aus Ackerland.

Vom Mano-River (Grenzfluss zu Sierra Leone) im Norden bis zum Cavalla-River (Grenzfluss zur Elfenbeinküste) befindet sich entlang der Küste eine breite, von Sümpfen durchzogene Tieflandebene. An der Küste finden sich die wichtigsten Städte des Landes, darunter die größten Hafenstädte Monrovia und Buchanan.

Dahinter erhebt sich das zentrale Plateau- und Hügelland, durchzogen von Tälern und Flüssen, dessen Hügel Höhen von bis zu 400 m über dem Meeresspiegel erreichen. Es wird zu großen Teilen landwirtschaftlich genutzt.

Im Zentrum und Osten des Landes erstrecken sich große Regenwaldgebiete, darunter auch der Sapo National Park im Sinoe County, der eine weltweit einmalige Biodiversität aufweist, sowohl was Säugetiere, als auch was Pflanzen betrifft. Rund ein Drittel der Fläche Liberias ist noch mit originärem Regenwald bedeckt. Damit verfügt das Land über fast die Hälfte des noch bestehenden westafrikanischen Regenwaldes.

Im Norden und Nordosten hat das Land zudem Anteil an den Nimba-Bergen, einem Mittelgebirge, das unter Naturschutz steht und in Liberia eine Höhe von knapp 1385 m über dem Meeresspiegel aufweist. Der höchste Berg, Mount Nimba, ist 1752 m hoch und liegt in Guinea, im Dreiländereck mit Côte d'Ivoire und Liberia.

Klima

Dorf in Sinoe County, kurz vorm Regen mit dunklen Wolken
Klowen, Sinoe County, kurz vorm Regen © Juliane Westphal

Das Klima ist überwiegend feucht, tropisch-heiß und zählt zu den immerfeuchten Tropen. Die Temperaturen betragen an der Küste zwischen 24 °C und 27 °C, im Landesinneren zwischen 22 °C und 28 °C. Durchschnittlich ist es im Januar 26 °C und im Juli 24 °C, mit wenig Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht.

Während der Regenzeit von Mai bis Oktober werden ergiebige Niederschläge in allen Landesteilen gemessen, und der Straßenverkehr bricht im Hinterland oft für Wochen zusammen. Die Küste von Liberia zählt zu den weltweit regenreichsten Gebieten. In der Hauptstadt Monrovia betragen die jährlichen Niederschläge 5.130 mm, in Robertsport (Nordwestküste) 5.210 mm und im trockeneren Südosten bei Harper lediglich 2.500 mm. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge nimmt zum Landesinneren hin stark ab, in den Mittelgebirgen im Norden dagegen wird sie wieder größer.

Es regnet in Liberia auf drei Arten – Regenfluten, Gewitter mit starken Regengüssen und Sprühregen. Von April bis Juni regnet es mit schweren Gewittern und starkem Wind.

Insbesondere im Landesinneren kommt es in der Trockenzeit von November bis April zum staubigen Harmattan-Wind, einem Passatwind aus Nordost, aus der südlichen Sahara, der die Luft – vor allem im Dezember und Januar – während der Nacht abkühlen lässt.

Rohstoffe

Eisenerzmine in Bong vor dem Wiederaufbau
Bong Mine 2007 © Rüdiger Asmus

Eisenerzvorkommen bildeten eine wesentliche Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung, Eisenerz liefert gegenwärtig 60 Prozent der liberianischen Exporterlöse. Die Abbaugebiete liegen in Nimba (Norden), Bong (Zentrum), in der Putu Range (Osten) und in der Wologizi Range (Nordwesten).

Im Westen des Landes gibt es Diamantenvorkommen. Es sind abbaurelevante Mengen an Mangan, Baryt, Kyanit und Columbit vorhanden. Gold wird in Liberia schon lange geschürft/abgebaut. Sowohl im Westen, als auch im Osten des Landes sind in den letzten Jahren weitere Goldvorkommen gefunden worden.

2010 wurden erste Lizenzen zur Exploration von Erdölvorkommen vor der Küste Liberia vergeben. Ende 2011 wurde die Suche nach Öl im Offshore Bereich begonnen. 

Vor allem im Nordwesten und im Südosten des Landes sind viele Konzessionen über Waldflächen vergeben worden, um Tropenholz zu exportieren. Bis 2012 hatte die Präsidentin Lizenzen an internationale Firmen vergeben, durch die bis zu 58 Prozent des Regenwalds zum Abholzen freigegeben wurden. Durch eine Initiative der Zivilgesellschaft und der norwegischen Regierung hat die liberianische Regierung sich im Jahr 2014 vertraglich gebunden, diese Konzessionen zu überprüfen und teilweise rückgängig zu machen. Die norwegische Regierung und die Weltbank unterstützen das Land, eine nachhaltigere Forstwirtschaft und Einkommensgeneration zu entwickeln. Ein bleibendes Problem ist dabei das illegale Abholzen von Wäldern.

Die kommerzielle Landwirtschaft wird durch die Kautschukproduktion dominiert. Der größte Produzent in Liberia ist die Firestone Natural Rubber Company mit etwa 7.000 Mitarbeitern. Ihre Plantage in Harbel in der Nähe von Monrovia ist mit einer Fläche von 200 Quadratkilometern die größte Kautschukplantage der Welt.

Ökologische Probleme

Rauchwolke verursacht durch eine Brandrodung
Brandrodung © Rüdiger Asmus

Eine Reihe von ökologischen Problemen in Liberia wurde durch die vierzehn Jahre Bürgerkrieg verschärft. Regenwälder, vor allem im Südosten des Landes, wurden unkontrolliert abgeholzt. Durch die Waffenkäufe, die mit den Profiten aus dem Holzhandel getätigt wurden, wurde der Begriff „Blutholz“, entsprechend den „Blutdiamanten“ geprägt. Der Sapo National Park war sowohl von Abholzungen betroffen, als auch von der illegalen Ansiedlung mehrerer Tausend Menschen im Park, die die dortigen Gold- und Diamantenvorkommen ausbeuteten. In der Gegend um den Nationalpark in Sinoe County wird seit 2010 durch Golden Verolium Liberia (GVL) Regenwald abgeholzt, um Palmölplantagen anzulegen.

Weitere Ursachen für die Landschaftszerstörung sind der Bergbau, Verschmutzungen durch die Kautschukproduktion, die Anlage von großflächigen Palmölplantagen, Bodenerosion, die Verunreinigung von Küstengewässern und die u. a. für meeresnahe Teile der Städte Monrovia und Buchanan bedrohliche Erosion der Küstenlinie.

Durch die Aufnahme von vielen Flüchtlingen während des Krieges und die generelle Urbanisierung hat Monrovia große ökologische Probleme. Die Infrastruktur – Wasserversorgung, Kanalisation, Straßen etc. – sind nur für ungefähr ein Drittel der jetzigen Bevölkerung ausgelegt. Verunreinigungen der Flüsse, der Küstengewässer und des Grundwassers haben chronische Ausbrüche von Cholera, Malaria, Typhus und anderen Krankheiten zur Folge. Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Sanitäranlagen ist in ganz Liberia ein Problem.

Liberia ist auch vom Klimawandel betroffen. Ernten fallen auf Grund von veränderten Niederschlagsmustern, Hitzewellen und stärkeren Tropenstürmen geringer aus. Der Anstieg des Meeresspiegels führt zu Überschwemmungen in den Küstenregionen.

Sozialgeografische Gegebenheiten

Liberia ist die älteste Republik Afrikas. 1821-1847 besiedelten befreite amerikanische Sklaven, Americo-Liberianer, die Atlantikküste. Sie gründeten 1847 die Republik, die allerdings mehrheitlich von indigener Bevölkerung bewohnt wird. Man schätzt heute den Anteil von Americo-Liberianern auf ca. 3%.

Liberia hat eine der höchsten Bevölkerungswachstumsraten der Welt. Sie erreichte einen Höchststand von 4,6 % jährlichem Wachstum im Jahr 2006, ist aber seitdem auf 2,6 % zurückgegangen. Von 1960 bis 2012 stieg die liberianische Bevölkerung insgesamt um 274 %. Gut die Hälfte der Bevölkerung lebt im städtischen Umfeld, ein großer Teil davon in und um Monrovia.

Städte

Kreuzung in der Innenstadt Monrovias
Monrovia © Juliane Westphal

Die Hauptstadt Monrovia zählt nach einer Schätzung (2015) 1,264 Millionen Einwohner, ist bei weitem die größte Stadt Liberias und ist das Zentrum für die Administration, Wirtschaft, Finanzen und Medien. Monrovia liegt am Atlantik und dem südlichen Mündungsarm des Saint Paul River. Etwa 40 Prozent des offiziellen Stadtgebietes werden vom sumpfigen Mangrovenwald des Mesurado River eingenommen.
Der Freeport Monrovia ist der bedeutendste Seehafen des Landes. Er liegt am Westufer der ehemaligen Insel Bushrod Island bei der Mündung des Mesurado River in den Atlantik.

Das ursprüngliche Straßennetz der Stadt Monrovia wurde nach amerikanischem Vorbild angelegt und besteht aus einem schachbrettartigen Raster von Straßen. Die permanent entstehenden Außenbezirke der Stadt verfügen hingegen über ein modifiziertes Straßennetz, im Umkreis der Verwaltungszentren und der Gewerbegebiete bestehen asphaltierte Straßen, die Mehrzahl der Vorortstraßen sind aber Naturstraßen und Pisten. Durch den verstärkten Urbanisierungsdruck sind viele als Shanty towns bezeichnete Slums entstanden, am größten davon ist das zentral gelegene Westpoint in Monrovia, direkt am Meer und durch Überflutungen gefährdet. Seit 2008 gibt es eine Aufwertungsinitiative mit der Aufgabe, die Lebensumstände in fünf dichtbesiedelten Slums in Monrovia zu verbessern.

Straße in Greenville, Sinoe County
Greenville © Juliane Westphal

Weitere größere Hafenstädte Liberias sind Buchanan (über 50.000 Einwohner), Harper (ca. 25.000 Einwohner) und Greenville (über 16.000 Einwohner).

Bedeutende Städte im Inland sind Ganta (ca. 50.000 Einwohner), Gbarnga (ca. 60.000 Einwohner), Kakata (fast 40.000 Einwohner), Voinjama (fast 30.000 Einwohner) und Zwedru (ca. 30.000 Einwohner). Liberia ist in 15 Verwaltungsbezirke (Counties) gegliedert.  

Verkehrswege

Die wichtigste Straßenverbindung des Landes führt von Monrovia über Gbarnga und Zwedru nach Harper im Südosten Liberias. In Gbarnga zweigt eine Straße in Richtung Voinjama im Nordwesten ab. Eine Straße im guten Zustand verbindet Monrovia mit Tubmanburg und der Grenze zu Sierra Leone. Entlang der Küste verbindet eine Straße Monrovia mit dem 40 km entfernten internationalen Flughafen Roberts Field und Buchanan. Abgesehen von diesen Hauptstrecken sind die Straßen oft in einem extrem schlechten Zustand, der sich während der Regenzeit (Mai bis November) noch einmal so verschlechtert, dass viele Orte auf dem Landwege sehr schwer oder nicht mehr zu erreichen sind. Einen Überblick über die Straßenverhältnisse bietet eine Karte, die 2011 vom World Food Programme erstellt wurde.

Internationale Häfen befinden sich in Monrovia und in Buchanan. Entlang der Küste verkehren in unregelmäßigen Abständen kleinere Frachtschiffe zur Versorgung der Hafenstädte.

Die Eisenbahnstrecke, die den Hafen von Monrovia mit Bong Mine (Eisenerz, jetzt nur noch wenig und in niedriger Qualität) verbindet, ist nach dem Krieg wieder in Betrieb genommen worden. Die ca. 250 Kilometer lange Strecke vom Hafen in Buchanan zur ehemaligen Lamco-Eisenerzmine in Yekepa in den Nimba-Bergen ist auch wiederhergestellt.

Landstraße in schlechtem, schlammigen Zustand während der Regenzeit
Landstraße während der Regenzeit © Rüdiger Asmus

Nationale Symbole

Das Wappen Liberias

Ein Schild, auf dem ein Schiff aus dem 19. Jahrhundert zu sehen ist, das in Liberia ankommt, symbolisiert die Schiffe, die befreite Sklaven aus den USA nach Liberia gebracht haben.

• Über dem Schild befindet sich das Motto Liberias auf einer Schriftrolle: The love of liberty brought us here. Es bezieht sich, ebenso wie das Wappen der Republik, auf die Ankunft der Americo-Liberianer in Westafrika. Unter dem Schild befindet sich eine Schriftrolle mit dem offiziellen Namen Liberias.

• Der Pflug und die Schaufel repräsentieren die Würde und Härte der Arbeit, durch die Liberia gedeihen wird. Die aufgehende Sonne im Hintergrund stellt die Geburt der Nation dar. Die Palme, Liberias vielseitigste Nahrungsressource, repräsentiert Wohlstand.

• Die weiße Taube mit einer Schriftrolle repräsentiert den Atem des Friedens.

Die Flagge Liberias

In der Flagge des Landes, deren Entwurf auf der US-Flagge basiert, wechseln sich 11 gleiche horizontale Streifen - rot und weiß - ab. Ein weißer, fünfzackiger Stern erscheint auf einem blauen Quadrat in der oberen linken Ecke. Die Streifen symbolisieren die Unterzeichner der liberianischen Unabhängigkeitserklärung; das blaue Quadrat stellt den afrikanischen Kontinent dar und der Stern die Freiheit, die die ehemaligen Sklaven erlangt haben. Laut Verfassung stellt die blaue Farbe Freiheit, Gerechtigkeit und Treue dar, die weiße Farbe Reinheit, Sauberkeit und Arglosigkeit, und die rote Farbe Standhaftigkeit, Tapferkeit und Leidenschaft.

Die Nationalhymne

Die Nationalhymne "All Hail, Liberia, Hail" ist seit der Republikgründung 1847 in Gebrauch.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2020 aktualisiert.

Die Autorin

Juliane Westphal, Mediatorin M.A., interkulturelle Trainerin (dgikt), Open Space Begleiterin und Beraterin für Development Communication. Seit 2010  auch Landestrainerin für Sierra Leone und Liberia bei der Akademie für internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ. Von 2005 bis 2007 zuständig für die öffentliche Aufklärung über die Arbeit und die Ergebnisse der beiden Wahrheits- und Versöhnungskommissionen (TRC) in Sierra Leone und Liberia.  

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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