Der neue Präsident Madagaskars seit dem 19. Januar 2019, Andry Rajoelina (© Mmalembo, CC BY-SA 4.0)
Tag der Unabhängigkeit
26. Juni 1960
Staatsoberhaupt
Andry Rajoelina
Regierungschef
Premierminister Christian Ntsay
Politisches System
Semipräsidentielles Regierungssystem
Demokratie Status- Index (BTI)
Rang 73 (von 137) (2020)
Korruptionsindex (CPI)
Rang 158 (von 180) (2019)
Ibrahim Index of African Governance
Rang 35 (von 54) (2020), Score:44,4/100

Geschichte

Frühgeschichte 

Daten über die frühe historische Besiedlung Madagaskars sind ungenau und unvollständig. Durch archäologische Funde wie z.B. Schnittmarken an fossilen Knochen oder Reste von menschlichen Siedlungen gilt es als bewiesen, dass die ersten Menschen um rund 300 v.Chr. ihren Fuß auf Madagaskar gesetzt haben. Laut der madagassischen Legende waren die Vazimba die ersten Siedler. Sie gelten bis heute als geheimnisvolle Fabelwesen, die im Traditionsglauben eine Rolle spielen und durch eine Vermischung von malayo-polynesischen und afrikanischen Bantu-Völkern entstanden sind. Aus wissenschaftlicher Sicht scheinen die ersten Siedler jedoch im Zuge der austronesischen Expansion aus Südostasien, genauer aus Indonesien und Borneo gekommen zu sein. Die madagassische Sprache, das Malagasy, hat sich offensichtlich aus der indonesischen Sprache Ma´anyan entwickelt, die von der Volksgruppe der Dayak am Barito-Fluß im Südosten von Borneo gesprochen wird. Die Überquerung des Indischen Ozeans - wahrscheinlich in Kanus - gilt als eine der bemerkenswertesten Wanderungsbewegungen der Menschheit. Viele kulturelle Gemeinsamkeiten sprechen für diese Besiedlungsgeschichte. Dazu gehören Eigenheiten bei der Produktion von Booten, die den südasiatischen Konstruktionsweisen ähneln und vor allem die Reiskultur, die in Madagaskar in großem Maße und ebenfalls wie in Südasien auch in Terrassenkultur angebaut wird. Zu einem frühen Zeitpunkt haben jedoch auch Bantu aus Ostafrika die madagassische Insel besiedelt. Dies belegen Wörter wie z.B. Omby für Rind, das seinen Ursprung in afrikanischen Ursprachen hat. Auch die Kultur der Rinderzucht ist in Ostafrika ähnlich bedeutend und deutet auf die Übernahme des Hirtentums hin. Durch Ausgrabungen hat man außerdem die Anwesenheit von Arabern auf Madagaskar auf das 7. Jh. datieren können; arabische Siedlungen wurden ab 1000 n. Chr. an der Nordwestküste nachgewiesen. Die Araber betrieben Sklavenhandel mit meist aus Ostafrika stammenden Sklaven und brachten den Islam nach Madagaskar. Dieser wurde hier jedoch durch den Ahnenkult und traditionelle Riten und Glaubenspraktiken stark verändert. Es wird vermutet, dass bereits im 15. Jh. Königreiche in Madagaskar etabliert haben. Aber erst im 17. Jh. wurden die Königreiche stärker und grenzten sich zunehmend voneinander ab. Die Sakalava bildeten mit ihren zwei rivalisierenden Königreichen Menabe und Boina bereits gut verwaltete Dynastien an der Westküste. Aber auch andere Königreiche entstanden, wie z.B. das der Manandriana im Hochland oder das Königreich der Betsimisaraka an der Ostküste, das durch seine günstige Handelslage schon früh vom Eintreffen europäischer Schiffe und Waren profitierte. 

Erste Europäer

Der erste Europäer, der Madagaskar im Jahr 1500 betrat, war der Portugiese Diego Diaz, der die Insel St. Laurentius nannte. Auch der Niederländer Cornelis de Houtman stoppte sein Schiff in Madagaskar, um Proviant für die Route nach Indien zu beschaffen. Doch weder die Niederländer noch die Portugiesen waren an einem festen Stützpunkt auf der Insel interessiert. Das waren erst die Franzosen, die 1642 nach Madagaskar kamen sowie die Engländer, die 1646 bei Toliara ein Fort errichteten. Viele Abenteurer oder Forschungsreisende fühlten sich bereits im 17. Jh. von dem Reichtum der Natur in Madagaskar angezogen. Fort Dauphin wurde beispielsweise nach dem französischen Gouverneur Etienne de Flacourt benannt, der wie Alfred Grandidier Flora und Fauna erforschte, wohingegen sich Antoine Lacroix mit den Mineralien der Insel befasste. Viele Europäer überlebten jedoch nicht lange und starben v.a. an Krankheiten wie Malaria. Lange Zeit war Madagaskar auch für Piraten interessant, die den Schiffsverkehr von und nach Indien beobachteten. Es gibt viele sagenumwobene Piratengeschichten, u.a. die Überlieferung des Piraten John Avery, der im 17.Jh. auch in Madagaskar Beute gemacht haben soll oder eine von Piraten gegründete, legendäre Volksrepublik „Liberatatia“ an der Nordspitze der Insel, die eine liberale, sozialistische Verfassung und eine demokratisch gewählte Regierung gehabt haben soll.

Video über die Besiedlungsgeschichte Madagaskars (Französisch, ca. 7 Minuten)

Die Merina-Monarchie

Der König Andrianampoinimerina © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain
Der König Andrianampoinimerina © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain
Radama I., © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain
Radama I., © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain

Das im Hochland ansässige, Reisbau betreibende Merina-Volk der Ambaniandro war ein seit dem 16. Jahrhundert bestehendes wichtiges Königreich. Die Merina konnten im 19. Jh. durch eine imperialistische und expansive Politik einerseits, andererseits jedoch auch durch die Festigung des Königtums infolge einer gut funktionierenden Sozialhierarchie seine Macht in fast ganz Madagaskar ausdehnen. Ihr König mit dem unaussprechlichen Namen Andrianampoini-merinandraintsimitoviaminandriampanjaka, kürzer Andrianampoinimerina, oder noch kürzer Namoina verlieh sich dabei einen gottähnlichen Status an der Spitze der Hierarchie, hatte die absolute Macht, kommunizierte jedoch auch mit seinen Untertanen. Er wird bis heute auch durch seinen Ausspruch „Ny ranomasina no valapariako“ – „Das Meer ist die Grenze meines Reisfeldes“ verehrt. Das Königreich wurde wirtschaftlich erfolgreich, v.a. durch den Reisanbau, dem der König mit seinem Ausspruch „Reis und ich sind eins!“ höchste Priorität zumaß. Er bekämpfte und unterwarf die drei anderen Merina-Reiche und machte Antananarivo zur Hauptstadt seines Reiches, das er Imerina nannte. Unter Namoina, v.a. jedoch unter seinem Sohn Radama I. öffnete sich Madagaskar den europäischen Kolonialmächten England und Frankreich, die beide Machtansprüche an die Insel stellten. Stark von Napoleon beeindruckt, nutzte Radama I. nach dem Wiener Kongress (1815) geschickt die französisch-britischen Rivalitäten zu seinem Vorteil, wobei er auf die britische Karte setzte. Auch Missionare ließ er walten. Radama I. war gegen den Sklavenhandel, womit er sich zwar bei den Europäern beliebt machte, bei seinen Untertanen jedoch auf Widerstand stieß und die Howa, den Merian-Adel, gegen sich aufbrachte. Obwohl die Einwohner des Merina-Königreiches zu diesem Zeitpunkt bereits in einer Selbstversorgungswirtschaft lebten, führte Radama I. ausgewählte europäische Techniken in Madagaskar ein. So ließ er z.B. Maurer, Zimmerleute, Schmiede, Gerber, Weber und Seidenraupenzüchter ausbilden. Sein Hauptverdienst war jedoch die Einführung der madagassischen Schriftsprache auf der Basis des lateinischen Alphabets. 1820 eröffnete er die erste Schule. Mithilfe der Briten wollte Radama I außerdem den Herrschaftstitel erlangen, was ihm jedoch nur für kurze Zeit gelang, denn er starb unter mysteriösen Umständen bereits 1828 – ein Jahr nachdem er als König von Madagaskar anerkannt worden war.

Die grausame Witwe Radamas I., Ranavalona I., herrschte danach 33 Jahre lang und errichtete ein Königtum, das durch brutale Unterdrückung, das Verbot des Christentums und in der Vertreibung der Europäer gekennzeichnet war. Ranavalona errichtete eine veritable Schreckensherrschaft. Insbesondere die in Art eines Gottesurteils durchgeführte "Rechtsprechung" mit Hilfe eines Gifttrankes (Tangena) kostete Tausenden von Menschen das Leben. Bis 1850 war Madagaskar in eine fast vollständige Isolation getrieben worden. Der Sohn Ranavalonas, Rakoto, wollte jedoch an den Europäern verdienen: er ersuchte Napoleon III. eine Streitmacht nach Madagaskar zu entsenden. Das Volk rebellierte. Einem französischen Botschafter gelang es, die Revolte niederzuschlagen und sich dadurch die Gunst von Rakoto zu sichern. Dieser unterzeichnete 1858 die sog. Lambert-Charter, in der J.-F. Lambert das Recht zugesprochen wurde, unter einer Abgabe an das Merina-Reich Bodenschätze und Wälder der Insel ausbeuten zu dürfen. Als 1861 die Königin starb, wurde Rakoto unter dem Namen Radama II. König. Er sorgte für zahlreiche Reformen und ermunterte nun wieder die Europäer, nach Madagaskar zu kommen und Handel zu treiben. Durch eine Verschwörung der Howa wurde der König ermordet und seine Witwe Rasoherina bestieg den Thron. Sie ehelichte den Premierminister Rainilairarivony. Nach dem Tod von Rasoherina wurde Ranavalona II. Königin und heiratete wiederum Rainilairarivony. Ranavalona II. ließ sich als erste Merina-Monarchin anglikanisch-protestantisch taufen. In ihrer Regierungszeit bis 1883 wurde Englisch zweite Amtssprache Madagaskars. Als letzte Merina-Monarchin herrschte Ranavalona III. von 1883 – 1897 und heiratete als dritte Königin in Folge Rainilairarivony. Dieser kann als eigentlicher Herrscher für die Zeit bis 1883 gelten. 1883 kam es zum ersten Französisch-Madagassischen Krieg, in dem Frankreich von Madagaskar die Erbschaft von Jean Laborde, einem zu Zeiten Ranavalona I. zu Reichtum und Ehre gelangten französischen Technikers und Architekten, verlangte. Auch um die Gültigkeit der Lambert-Charter entbrannte der Streit. Frankreich annektierte 1885 Antsiranana (Diego-Suarez) und läutete damit das Ende der Merina-Monarchie ein.

Die Königin Ranavalona I., © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain
Die Königin Ranavalona I., © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain
Die Königin Ranavalona II, © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain
Die Königin Ranavalona II, © Philippe-Auguste Ramanankirahina, public domain

Die Kolonialzeit

Französischer Befreiungskrieg 1895 in Madagaskar, © Louis Charles Bombled (1862-1927), public domain
Französischer Befreiungskrieg 1895 in Madagaskar, © Louis Charles Bombled (1862-1927), public domain

Auf der Kongo-Konferenz 1885 in Berlin wurde Madagaskar den Franzosen zugesprochen, die Insel wurde französisches Protektorat. Der erbitterte Widerstand der Madagassen gegen die französische Kolonialmacht gipfelte in einer zweiten Invasion 1895, bei der Antananarivo eingenommen wurde. Dabei starben neben mehreren Tausenden Madagassen auch viele Soldaten an Krankheiten. Wirtschaftliche Ausbeutung und politische Neuordnung Madagaskars durch Frankreich gingen einher mit einer brutalen und erbitterten Bekämpfung des Bevölkerungswiderstandes. Zur Brechung des madagassischen Widerstandes wurden die höchsten Würdenträger der Merina getötet und Ranavalona III 1897 - ein Jahr nach Ernennung Madagaskars zur französischen Kolonie - nach La Réunion und später nach Algerien verbannt. Die Madagassen und ihre Kultur wurden unterdrückt, Geschichtsbücher umgeschrieben, der Zugang der Madagassen zu höherer Bildung behindert. Französisch wurde Amtssprache. Die landwirtschaftliche Transformation zeigte sich in der Rodung riesigen Primärwaldbestandes, um Kokos-, Sisal- oder Tabakplantagen anzulegen. Die Armut der Bevölkerung wurde noch dadurch gesteigert, dass man eine sog. Kopfsteuer (durch die Umsetzung des "Code d´Indigénat) einführte. Die Madagassen wurden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Vor allem der französische General Joseph Gallieni galt als äußerst brutal. Die Infrastruktur wurde durch den Bau von Straßen, v.a. aber auch durch den Eisenbahnbau, den Tausende Chinesen unter unsäglichen Arbeitsbedingungen vorantrieben, verbessert. Im Ersten Weltkrieg kämpften tausende Madagassen für die französische Armee. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden madagassische Soldaten eingesetzt. Darüber hinaus wurde Madagaskar zu einem Spielball zwischen Frankreich und England. England schickte Truppen nach Madagaskar und besetzte Antsiranana 1943. Nach Ende des Krieges wurde die Insel dann aber wieder Frankreich zugesprochen.
Wenig bekannt ist der von den Nationalsozialisten erdachte „Madagaskarplan“, der vorsah, deutsche und polnische Juden nach Madagaskar zu deportieren. Doch dazu kam es nicht.
Frankreich hatte nach dem 2. Weltkrieg Pläne, die Insel in ein französisches Überseedepartement zu verwandeln. Madagaskars Abgeordnete im französischen Parlament gründeten 1945 die MDRM (Mouvement Démocratique de la Renovation Malgache), doch konnten sie nicht verhindern, dass die Insel zum französischen Territorium erklärt wurde und alle Madagassen die französische Staatsbürgerschaft erhielten. Das blieb nicht ohne Protest. 1947 kam es zum „Großen Aufstand“ (L'insurrection malgache de 1947), bei dem französische Soldaten die madagassischen Reisbauern bekämpften. Nach einem Jahr war der Aufstand niedergeschlagen, mit zahllosen Toten, die verschiedene Quellen unterschiedlich beziffern (10.000 bis 100.000 Tote). Der große Aufstand gilt als erster Schritt der Dekolonialisierung Madagaskars. Neben der MDRM gründeten sich auch andere Widerstandsgruppen wie die PANAMA oder die JINA.

Nach blutigen Kämpfen mit der Kolonialmacht Frankreich wurde 1956 in Madagaskar das allgemeine Wahlrecht eingeführt, das es nun auch Madagassen und nicht nur Franzosen erlaubte, zu wählen. Damit war es auch möglich, eine eigenständige madagassische Regierung zu bilden. Zwei Jahre später wurde in einer offiziellen Abstimmung für die Autonomie des Landes gestimmt. Die erste Verfassung Madagaskars datiert von 1959 und im selben Jahr fanden die ersten Wahlen statt, die Philibert Tsiranana mit seiner Partei Parti Social Démocrate de Madgasacar (PSD) für sich entscheiden konnte und damit zum ersten Präsidenten der jungen Republik Madagaskar wurde. Es waren jedoch keine allgemeinen Wahlen, vielmehr bestimmte das Parlament Tsiranana zum Präsidenten. Tsiranana war für seine enge Kooperation mit Frankreich bekannt, so dass einige Kritiker behaupteten, es gäbe keine souveräne, sondern nur eine nominelle Unabhängigkeit von Frankreich unter dem ersten Präsidenten.  

Entwicklung nach der Unabhängigkeit

Präsident Tsiranana in Washington 1964, © Vieilles Annonces (CC BY-NC 2.0)
Präsident Tsiranana in Washington 1964, © Vieilles Annonces (CC BY-NC 2.0)
Albert Zafy, © Yvannoé (CC BY-SA 3.0)
Albert Zafy, © Yvannoé (CC BY-SA 3.0)

1.       Republik (1960 – 1972)

1958 erklärte General de Gaulle im Zuge der weltweiten Unabhängigkeitsbestrebungen der europäischen Kolonien Madagaskar zur unabhängigen Republik, 1960 wurde die Insel eigenständige Republik. Der 26. Juni 1962 ist der Unabhängigkeitstag Madagaskars. Als erster Präsident verfolgte Philibert Tsiranana eine antikommunistische und neokolonialistische Politik, die die Verschlechterung der Wirtschaftslage jedoch nicht aufhalten konnte. Seine Partei, die 1946 gegründete PADESM (Parti des déshérités de Madagascar), die später in die PSD (Parti social-démocrate) überging, wurde als Gegengewicht zur MDRM gesehen und stärkste Partei in Madagaskar. Tsiranana konnte Vetternwirtschaft und Korruption nicht eindämmen. Die schlechte wirtschaftliche Lage, Missernten und Versorgungsengpässe bei Nahrungsmitteln führten zu Hungersnöten und Epidemien hauptsächlich bei der armen Landbevölkerung. Insgesamt wurde dem Präsidenten vorgeworfen, seine Politik zu sehr an Frankreich auszurichten bzw. der Kolonialmacht zu viel Macht eingeräumt zu haben. 1965 wurde Tsiranana wiedergewählt, nun in allgemeinen Wahlen. Das Wahlergebnis von 97% lässt hier bereits auch Stimmen der Kritik an der korrekten Durchführung der Wahlen zu.  

Militärdiktatur (1972 – 1975)

1972 wurde Tsiranana zum dritten Mal Präsident Madagaskars. Die Zahlen deuteten jetzt jedoch noch deutlicher auf Unstimmigkeiten hin, zumindest auf Einflussnahme der Bevölkerung: die Wahlbeteiligung lag bei 98,8%, der Präsident erhielt 99,72% der abgebenen Stimmen.

Aber es gab Studenten- und Bauerndemonstrationen gegen die Wahl und die schlechten Lebensbedingungen ("Rotaka"), so dass 1972 das Militär putschen konnte und Tsiranana die Macht abgeben musste. Es folgten drei Jahre Militärdiktatur, in dem sich General Ramanantsoa von Frankreich ab- und der UdSSR zuwandte. Innenminister Richard Ratsimandrava, dem Ramantsoa 1975 die Macht übergab, wurde bald darauf erschossen. Sein Nachfolger, Gilles Andriamahazo regierte ebenfalls nur kurz, denn 1975 kam zu einem erneuten Militärputsch, bei dem der ehemalige Außenminister Didier Ratsiraka die Macht für sich beanspruchte. Diese Periode von 1972 bis 1975 wird von vielen heute als die eigentliche Revolutionszeit und ein Kampf um Unabhängigkeit von Frankreich angesehen. Auch Didier Ratsiraka kam nicht durch Wahlen 1975 an die Macht, sondern wurde vom Militär als Präsident bestimmt.

2.       Republik (1975 – 1991)

Ratsiraka verfolgte eine sozialistische Politik, konzentrierte sich auf Kontakte zum Osten und brach internationale Wirtschaftsbeziehungen zu Frankreich ab. Dadurch schied Madagaskar aus der Union der frankophonen Staaten aus. Gleichzeitig versuchte Ratsiraka wieder mehr auf madagassische Traditionen einzugehen und institutionalisierte das sogenannte Fokonolana-System, eine Mischung aus traditionellen Organisationsformen der Dorfgemeinschaft mit sozialistischen Elementen. Das hatte schon Ratsimandrava gefordert. Der Präsident führte eine neue Verfassung ein, in dem der Senat abgeschafft wurde, die vom Premierminister geleitete Regierung jedoch vom Staatspräsidenten ernannt wurde. Da das Amt des Premierministers und des Staatspräsidenten beide von Ratsiraka bekleidet wurden, konnte der Präsident ein großes Machtmonopol auf sich vereinigen und entwickelte sich zum Diktator. Ratsiraka stand im engen Kontakt zu Diktator Kim-Il-Sung und ließ sich von diesem in seiner Regierungsführung stark beeinflussen. Die Wahlen 1977 gewann Rasiraka mit seiner Partei AREMA (Avantgarde de la Révolution Malgache), doch die Oppositionsparteien, die sich unter dem Dach der FNDR (Front National pour la Défense de Révolution) zusammengeschlossen hatten, prangerten Korruption, Misswirtschaft und zunehmende Pressezensur an. Dem Land ging es wirtschaftlich zunehmend schlechter. Die Industrie produzierte kaum, vielmehr entstanden Kombinate. 1988 war die Verschuldung so hoch, dass der Staatshaushalt zusammenbrach. Der IWF vereinbarte eine Sequenz von Strukturreformprogrammen (Programme d'Ajustement Structurel I und II), wobei Finanzzusagen an Abwertung der Währung, Privatisierung der Staatsbetriebe und eine Marktöffnung geknüpft wurden. 1989 konnte sich die AREMA nur noch knapp gegen die Opposition durchsetzen. 1991 kam es bei einer Demonstration mehrerer hunderttausend Menschen für einen Machtwechsel, zu der die Oppositionspartei „Forces Vives“ aufgerufen hatte, zu blutigen Unruhen. Gründer dieser Opposition war der Chirurg Albert Zafy, der auch den Übergang des Einparteiensystems in eine parlamentarische Demokratie vorantrieb. Das Militär verhielt sich neutral und stellte sich keiner der Parteien als Machtinstrument zur Verfügung. Der Präsident blieb zwar noch bis 1993 für eine Übergangsregierung im Amt, ging dann aber ins Exil nach Frankreich. 1992 – Madagaskar war durch Ratsiraka an den Ruin regiert worden – wurde durch ein Referendum die dritte Republik ausgerufen.

3.       Republik (1993 – 2010)

Erst 1993 wurde durch Wahlen Albert Zafy zum neuen Staatspräsidenten ernannt. Er gewann mit 66% der Stimmen gegen Ratsiraka (33%). Zu diesem Zeitpunkt hofften viele auf einen Neuanfang, auf ein wirtschaftliches Wiedererstarken Madagaskars und die Linderung der notleidenden Bevölkerung. Doch der Versuch Zafys, das Land durch wirtschaftliche Liberalisierungstendenzen zu sanieren, schlug fehl. Zafy war mit der wirtschaftlichen und sozialen Modernisierung überfordert. Enttäuschung machte sich wiederum breit, als Korruption und Amtsmissbrauch auch unter Zafy nicht eingedämmt werden konnten. 1996 kam es zu einem Misstrauensvotum gegen den Präsidenten. Bei Neuwahlen erlangte tatsächlich der aus dem Exil zurückgekehrte Ex-Präsident Ratsiraka den Präsidentenposten zurück und verfolgte nun die Politik eines ökologischen Humanismus, doch er konnte die Krise nicht beenden. Bei den Wahlen 2001 kam es zum Streit um den Ausgang: die Regierungspartei von Ratsiraka verbuchte den Sieg für sich, die Opposition mit dem neuen Hoffnungsträger Marc Ravalomanana glaubte ihrerseits an den Sieg. Zunächst gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ratsiraka und Ravalomanana, da ersterer 40% der Stimmen, letzterer 46% der Stimmen erhielt. Kein Kandidat konnte also eine absolute Mehrheit gewinnen, was verfassungsgemäß eine zweite Wahlrunde bedeutet hätte. Aber nach zähem Ringen und einer Nachzählung (51% für Ravalomanana und 36% für Ratsiraka) ging Ravalomanana als neuer Präsident und Sieger aus den Streitigkeiten hervor und wurde auch international als Präsident anerkannt. Bei diesen Wahlen kam es offenbar zu erheblichen Unstimmigkeiten, falschen Auszählungen und unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, welche Wahlorganisation zu Rate gezogen wurde. So kam die nationale Wahlkommission CENI zu den oben erwähnten Ergebnissen, The Committee to Elect Marc Ravalomanana (KMMR — Komity Manohana an’i Marc Ravalomanana) führte 52% für Ravalomanana und 36% für Ratsiraka an, eine unabhängige zivilgesellschaftliche Organisation (Consortium of Election Observers = CNOE) kam zu 50% (Ravalomanana) und 38% (Ratsiraka).  

Der schließlich anerkannte neue Präsident Madagaskars – Marc Ravalomanana – war als Geschäftsmann und Bürgermeister von Antananarivo bekannt geworden. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, gründete er die größte Firma Madagaskars, TIKO, die sich zunächst auf die Vermarktung von Milchprodukten konzentrierte, dann aber auch in anderen Sparten erfolgreich war. Ravalomanana praktizierte eine ultraliberale Wirtschaftspolitik, die dem stark interventionistischen Einflusses des Staates in der Kolonialzeit und während der sozialistischen Periode gegenüberstand. Dazu entwickelte er u.a. ein Reformkonzept (développement rapide et durable), mit dem er Armut und Misswirtschaft bekämpfen wollte. Durch die zunächst erfolgreich implementierten marktliberalen Reformansätze erholte sich die Wirtschaft rasch, die Infrastruktur wurde ausgebaut und die gesellschaftspolitischen Grundbedürfnisse durch Modernisierung des Bildungs- und Gesundheitswesens konnten verbessert werden. Madagaskar galt für einige Jahre als "afrikanischer Tiger", Ravalomanana als ehrgeiziger Präsident, der dem Land Gutes wollte. Doch die Inflation stieg an, die Preise für Reis und andere Lebensmittel explodierten, die Armutsgrenze sank. Trotzdem wurde Ravalomanana 2006 für eine weitere Amtszeit bis 2011 wiedergewählt. Seine Partei Tiako I Madagasikari, 2002 gegründet, erlangte die Mehrheit der Sitze in der Nationalversammlung. Doch wieder kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, nachdem der Präsident den populären Fernsehsender „Viva“ schließen ließ, ihm selbst Korruption und Selbstbereicherung sowie Geschäfte des Land Grabbing mit Südkorea vorgeworfen wurden. Immer weiter entfernte sich der Präsident von den Grundregeln der Demokratie. Der junge Unternehmer Andry Rajoelina, Vorsitzender der Partei TGV (Tanora malaGasy Vonona = Entschlossene junge Madagassen; der Name nimmt auch Bezug zum schnellen französischen Zug TGV) nutzte die Unzufriedenheit der Bevölkerung, um 2009 zu einem Generalstreik aufzurufen.

Dieser Putschversuch geriet völlig außer Kontrolle. Es war von einem „blutigem Samstag“ die Rede, viele Demonstranten starben. Die Militärkaserne in Capsat, in der die meisten Waffen lagerten, meuterte und stellte sich auf die Seite von Rajoelina. Teilweise sollen die Soldaten von Ravalomanana-Gegnern, überwiegend aus dem Ausland agierend, finanzielle Unterstützung erhalten haben. Stimmen wurden außerdem laut, dass Frankreich im Hintergrund agiert haben könnte, weil Ravalomanana Tendenzen anti-französischer Wirtschaftspolitik gefördert haben soll. Ravalomanana löste die Regierung auf und flüchtete nach Südafrika ins Exil. In Abwesenheit wurde er zu vier Jahren Haft wegen Amtsmissbrauchs verurteilt

Der Putsch wurde auch international kritisiert. Rajoelina übernahm als junger Oppositioneller ohne politischen Hintergrund die Macht als Präsident einer selbstproklamierten Übergangsregierung (HAT = Haute Autorité de Transition). Er rief im Dezember 2010 die Vierte Republik aus, ernannte sich selbst zum Präsidenten und löste verfassungswidrig Senat und Nationalversammlung auf. Ein Referendum zu einer geänderten Verfassung sollte ihn im Amt bestätigen.

Demonstration in Antananarivo 2009, © Fanalana azy (CC BY 2.0)
Demonstration in Antananarivo 2009, © Fanalana azy (CC BY 2.0)

4.       Republik (2010-2014) und heutige Situation

Das Referendum war von logistischen Problemen überschattet, viele Madagassen konnten aufgrund fehlender Papiere nicht wählen, Korruption begleitete die Abstimmung, die zudem international nicht anerkannt wurde. Die Opposition wagte einen Putschversuch, doch Rajoelina weigerte sich zurückzutreten. Das Mindestalter für das Präsidentenamt in der geänderten Verfassung wurde mit Blick auf Rajoelinas Alter von 40 auf 35 Jahre gesenkt. Die Übergangsregierung sollte in Wahlen 2010 bestätigt werden. Diese wurden aber mehrfach verschoben und fanden erst 2013 statt. Der Raubbau an der Natur erreichte unter Rajoelina einen Höhepunkt, v.a. Edelhölzer wurden illegal geschlagen und exportiert, seltene Tiere wie die Strahlenschildkröte fast ausgerottet. Die Kriminalitätsrate nahm zu, es bildeten sich Banditengruppen und v.a. im Süden herrschten zeitweise anarchistische Zustände. Rajoelina konnte nicht verhindern, dass sich das Ausland abwandte, die Touristenzahlen zurückgingen und ein völliger Zusammenbruch der Staatsfinanzen drohte, obwohl er den Rückgang der Armut bei seinem Amtsantritt versprochen hatte. Die Rückkehr von Ravalomanana wurde verhindert. Endlich kam es zu Wahlen, bei denen der ehemalige Finanzminister unter Rajoelina – Hery Rajaonarimampianina – zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Seine Amtseinführung fand im Januar 2014 statt. Leider hatte auch Rajaonarimampianina Schwierigkeiten, Korruption und Misswirtschaft einzudämmen. 2015 kam es sogar zu einem Misstrauensvotum, das jedoch dann als verfassungswidrig erklärt wurde. Der Präsident versuchte, die Wirtschaft des Landes durch den Wiederanschluss an die AU, die EU und die SADC zu stärken. Dazu gehörte auch der Ausbau des Tourismus, die Konsolidierung der angeschlagenen nationalen Fluglinie Air Madagascar und die Verbesserung der Energieversorgung. Doch Kritik war häufig. Wie der seit Anfang 2019 amtierende Präsident Rajoelina die Probleme in den Griff bekommen wird, bleibt abzuwarten. 

Staat

Das Senatsgebäude von Madagaskar in Antananarivo, © Lemurbaby (CC BY-SA 3.0)
Das Senatsgebäude von Madagaskar in Antananarivo, © Lemurbaby (CC BY-SA 3.0)
Verwaltungsgliederung Madagaskars, © Per Johansson (CC BY-SA 3.0)
Verwaltungsgliederung Madagaskars, © Per Johansson (CC BY-SA 3.0)

Staatsform und Verfassung

Madagaskar ist eine demokratische Republik und besitzt ein semipräsidentielles Regierungssystem. Der Präsident wird direkt von der madagassischen Bevölkerung für fünf Jahre gewählt. Er kann für zwei Amtsperioden regieren, also höchstens zehn Jahre im Amt bleiben. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Senat mit 33 Abgeordneten und der Nationalversammlung mit 151 Abgeordneten. Der Senat wird zu 2/3 direkt vom Volk gewählt, 1/3 der Abgeordneten ernennt der Staatspräsident. Die Amtszeit der Senatoren beträgt sechs Jahre. Die Nationalversammlung kann dem Präsidenten ein Misstrauensvotum stellen und den Premierminister vorschlagen; dieser wird jedoch unmittelbar vom Präsidenten ernannt. Der Staatspräsident kann zwar das Parlament, nicht jedoch den Senat auflösen. Gesetzesinitiativen werden vom Parlament und von der Regierung entwickelt und eingebracht. Grundsätzlich richtet sich der Staatsaufbau nach dem französischen Muster. Dem Staatspräsidenten stehen seit der 2010 neu verabschiedeten madagassischen Verfassung große exekutive Machtkompetenzen zu.

Parteien sind in Madagaskar kaum historisch gewachsene politische Zusammenschlüsse, sondern prinzipiell Gruppierungen zur Förderung einer einzelnen Persönlichkeit. Meist werden sie von der sich zum Präsidentschaftskandidaten aufgestellten Person gegründet, verlieren nach den Wahlen ihren Sinn und können sich auch wieder auflösen bzw. neu strukturieren oder umbenennen. So wurde beispielsweise die von Rajoelina gegründete TGV (Tanora malaGasy Vonona) in MAPAR (Miaraka Amin´ny Prezida Andry Rajoelina = Zusammen mit Präsident Rajoelina) umbenannt. Die MAPAR stellt aktuell die größte Fraktion im Parlament, verfügt aber über keine Mehrheit. Die von Marc Ravalomanana 2015 gegründete TIM-Partei (Tiako-i-madagasikara („Ich liebe Madagaskar“) beherbergt heute auch die von seiner Frau geführte AVANA (Antoko ny Vahoaka Aloha No Andrianina = Regenbogen). Rahaonarimampianinas Partei HVM - 2014 gegründet - hat zwar die Mehrheit im Senat (bei den indirekt durchgeführten Senatswahlen gewann 2015 die Regierungspartei HVM 34 von 42 Sitze), existiert jedoch praktisch nur auf dem Papier und hat kein eigenständiges Profil. So regiert auch der Präsident nicht mit einer Mehrheit im Parlament, sondern mit wechselnden Zusammenschlüssen.

Die Association pour la Renaissance de Madagascar (AREMA), die ebenfalls von einem ehemaligen Präsidenten, Didiar Ratsiraka, 1976 gegründet worden war, spielt keine aktuell bedeutende Rolle. Auch die TIM, die bis 2009 noch stärkste Partei im Parlament war und den Präsidenten – Marc Ravalomanana – stellte, wirkt heute eher im Hintergrund. Die AVI (Asa Vita no Ifampitsarana), von Norbert Ratsirahonana, Ex-Staatschef der Interimsregierung 1995 nach der Enthebung Albert Zafys aus dem Präsidentenamt gegründet, ist heute gar keine Partei mehr, sondern eine unbedeutende Assoziation. Auch die MFM (Mpitolona ho amin y Fampandrosoana an´l Madagasikara = Partei für die Entwicklung Madagaskars), bereits 1973 gegründet und eigentlich beliebt aufgrund ihrer positiven Einstellung zur politischen Liberalisierung und ihrer Versuche, ihre Mitglieder nicht anhand regionalethnischer Linien zu rekrutieren, ist heute praktisch inexistent.

Das 1990 erlassene Gesetz zur Zulassung eines Mehrparteiensystems hat zwar viele andere kleine Oppositionsparteien entstehen lassen, darunter Parteien wie die die RPSD (Rassemblement pour la Social-Démocratie) oder die AKFM Renouveau (Erneuerte Madegassische Kongresspartei), sie sind jedoch kaum im Regierungsgeschehen präsent und haben keine Programmstruktur.
Insgesamt ist das Mehrparteiensystem in Madagaskar nicht sehr leistungsfähig und bedarf dringender Reformen.

Die Verwaltung Madagaskars gliedert sich die 22 Regionen, die ihrerseits in 119 Kreise – sogenannte Fivondronana - aufgeteilt sind. Die unterste Verwaltungsebene wird durch die Kommunen gebildet, wobei Städte und auch Dörfer über eine Selbstverwaltung verfügen. 

Justiz, Sicherheit und Militär

Colonel Maevalaza 2013, © Lalaoraj (CC BY-SA 3.0)
Colonel Maevalaza 2013, © Lalaoraj (CC BY-SA 3.0)

Die Justiz in Madagaskar ist an das französische System angelehnt. Die bis in die 1970er Jahre gültige Zweigerichtsbarkeit, geteilt in eine allgemeine Gerichtsbarkeit für Madagassen und eine lokale Gerichtsbarkeit für Ausländer, wurde in ein System übertragen. Der oberste Gerichtshof (Cour Suprême) ist die höchste Instanz und hat ihren Sitz in Antananarivo. Andere Gerichte sind - ebenfalls mit Sitz in der Hauptstadt – das für Kriminal- und Zivilrecht zuständige Berufungsgericht sowie andere, kleinere Kriminal- und das Militärgericht. Zudem sind das Oberste Zivilgericht (High Court of Justice) für Beamte und das Verfassungsgericht zu nennen. Entscheidungen der traditionellen Gerichte (dina) haben zwar keine bindenden verfahrensrechtlichen Befugnisse, werden jedoch durchaus zur Klärung von kleineren Streitigkeiten oder Vergehen herangezogen. Während der Übergangsregierung 2010 (HAT) wurde eine Kommission gegründet, die Straftaten vor, während und nach der Krise regeln sollte (CNME = Commission nationale mixte d´enquête). Diese wurde später in die FIS (Forces d´intervention spéciale) mit einem ähnlichen Mandat umbenannt. Von der Öffentlichkeit wurden diese als Organe zur Unterdrückung der Opposition wahrgenommen.

Die 1992 verabschiedete Verfassung Madagaskars garantiert eine unabhängige Justiz. Doch auch diese ist nicht frei von Korruption und daher beeinflussbar, was v.a. höhere Beamte (Polizei, Militär usw.) betrifft. Viele Gerichte sind trotz der traditionellen Gerichte zudem überlastet oder streiken. Problematisch ist die Selbstjustiz, "mob justice" bzw. Lynchjustiz, bei der Privatpersonen auch für kleine Verbrechen wie z.B. Diebstahl verfolgt, gefoltert oder ermordet werden, ohne dass offizielle Stellen informiert bzw. eingeschaltet werden. Leider regiert immer noch Korruption in der Justiz. Die Madagassen selbst fühlen sich durch den Sicherheitsapparat ihres Landes wenig geschützt und haben kein großes Vertrauen darin.

Madagaskar hat die Gerichtsbarkeit des Internationalen Gerichtshofes anerkannt, jedoch erst relativ spät. 2015 wurde die Todesstrafe abgeschafft. Es gilt als ein Hoffnungszeichen für die politische Stabilität Madagaskars, dass die Gerichte in den letzten Jahren auch gegen ehemalige Minister aller Parteien und Funktionäre Verfahren eingeleitet haben. Die Möglichkeit, Anklagen und Prozesse durchführen zu können, wird in erster Linie der guten Arbeit der Anti-Korruptionsbehörde BIANCO zugeschrieben, die offensichtlich relativ unabhängig und damit erfolgreich agieren kann.

Das Militär Madagaskars gliedert sich in die Armee und die Gendarmerie. Offiziellen Angaben zufolge bestehen die Streitkräfte aus ca. 12500 Soldaten im Heer, 500 Marinesoldaten und weiteren 500 Luftwaffensoldaten.

Die Armee spielt in Madagaskar seit der Unabhängigkeit eine große Rolle. Die Interimsregierung nach der Ära Tsiranana 1972 wurde zunächst durch das Militär geführt, das dann einen ihrer Angehörigen, den Admiral Didier Ratsiraka, zum Präsidenten machte. Unter Rasiraka gab es einen Militärpflichtdienst für junge Männer und auch Frauen, die jedoch auch eine Art Zivildienst wählen konnten. Nach den blutigen Unruhen 1991 verhielt sich das Militär bezüglich seiner Stellungnahme im Regierungsstreit zwischen Ratsiraka und Zafy neutral. Auch 2001, als Didier Ratsiraka und sein Kontrahent Marc Ravalomanana um das Präsidentenamt stritten, blieb das Militär ruhig. 2009 jedoch spaltete sich die Armee in einen Rajoelina zugewandten Flügel, der den bis dato regierenden Bürgermeister bei der Wahl zum Präsidenten Madagaskars unterstützen wollte. Viele Militärangehörige sollen korrumpiert gewesen sein. Ravalomanana als Oberbefehlshaber des Militärs soll für das Blutbad von 2009 verantwortlich sein. Nach dem Rücktritt Ravalomananas 2009 lehnte es das Militär dann jedoch ab, die Führung des Landes zu übernehmen. Es ernannte Andry Rajoelina zum Präsidenten. Die momentan relativ hohe politische Stabilität in Madagaskar ist so auch der in den letzten Jahren zunehmenden zurückhaltenden Rolle des Militärs in Madagaskar zu verdanken. 2015 begonnene Reformen im Sicherheitssektor (Réforme du Secteur de la Sécurité), an der auch die AU beteiligt sind, lassen sich ebenfalls als ein Zeichen einer Stabilisierung deuten.

Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit

Seit den 2013 abgehaltenen Wahlen hat sich das politische Klima in Madagaskar zwar demokratisiert, und auch insgesamt sind relativ stabile politische Verhältnisse positiv hervorzuheben, doch kann grundsätzlich nicht von einem funktionalen Mehrparteiensystem gesprochen werden, bei der eine Regierung gesellschaftliche Interessen verfolgt und demokratiekonforme Strategien durchgesetzt werden. Da der Präsident nicht mit einer Parteienmehrheit regiert und seine Partei praktisch nur auf dem Papier existiert, Parteiprogramme und Ziele nicht vorhanden sind und auch das Vertrauen der Bevölkerung durch die politische Geschichte bis heute erschüttert ist, hat Madagaskar strukturelle Probleme, die andere Bereiche negativ beeinflussen. Von einer Demokratie im Sinne des internationalen Begriffes kann nicht gesprochen werden. Madagaskar hat die Afrikanische Charta der Demokratie nicht unterschrieben. Die Relevanz des Parteiensystems für die Politikgestaltung ist klein und wesentliche Entscheidungen liegen beim Präsidenten. Veränderungen können höchstens von den persönlichen Beratern des Präsidenten ausgehen. Die Stellung des Parlaments ist relativ schwach und es verfügt nur über geringe Kontrollmöglichkeiten. Außerdem steht der Machtkonflikt um die Führung des Landes im Mittelpunkt des politischen Geschehens. Korruption und Amtsmissbrauch, zunehmende Sicherheitsprobleme, die ungebrochen hohe Bedeutung der traditionellen Aristokratie Madagaskars, rivalisierende Elitegruppen, starke Fluktuationstendenzen in Kabinett und Parlament sowie eine nur schwach agierende Verwaltung erschweren die politische Neuorientierung Madagaskars nach dem Putsch von 2009. Der Rohstoffsektor gilt als besonders korruptionsanfällig und intransparent. Die Menschenrechtslage hat sich zwar seit 2009 verbessert, doch die schleppende Aufarbeitung von Verbrechen während der Rajoelina-Ära (2010 - 2013), verbreitete Lynchjustiz, besonders harte Bestrafungen von Viehdieben (Dahalos) und die besorgniserregende Kinderarbeit – in der Folge auch mit eklatanten Bildungsmängeln – erschweren die Entwicklung. Beim BTI Governance-Wert 2020 liegt Madagaskar auf Rang 52 von 137- ein moderates Ergebnis. Die politische Problematik im Inselstaat liegt grundsätzlich in der Regierungsstruktur und der geschichtlichen gewachsenen Bedeutung der Regierungsebene, die aus einer kleinen Elite besteht und das Vertrauen der Bevölkerung nur begrenzt gewinnen kann.

Trotz allem lässt die Besetzung aller politischen Organe durch demokratisch gewählte Vertreter auf eine positive Neustrukturierung der Politik in der Zukunft hoffen. Eine Wahlkommission, die 2015 für sechs Jahre gewählt wurde, repräsentiert Zivilgesellschaft, Medien und Justiz. Eine Priorität Rajaonarimampianinas war der Kampf gegen die Korruption und Armut. Die Justiz und die Zivilgesellschaft konnten bereits freier als noch vor der Ära Rajaonarimampianina agieren. Zudem engagierte sich Rajaonarimampianina stark für die Umsetzung der Agenda 2030 und die Mobilisierung von finanziellen Ressourcen aus dem Ausland.

Sowohl Marc Ravalomanana als auch Andry Rajoelina haben bei den Wahlen 2018 als Präsidentschaftskandidaten kandidiert. Die Wahlen wurden finanziell von internationaler Seite unterstützt, um einer erneute politische Krise vorzubeugen. Nach der Wahl Rajoelinas als neuer Präsident kündigte dieser an, die Korruption stärker zu bekämpfen und die Armut zu verringern - Versprechen, die bisher alle Präsidenten nicht einhalten konnten.

Innenpolitik

Unterschiedliche Regierungsmodelle mit schwankender Entwicklung nach der Unabhängigkeit von Frankreich, blutige Putschversuche, die Militärregierung in den 1970er Jahren, intransparente Wahlen, Korruption und Misswirtschaft, hohe Staatsschulden und der Raubbau an der Natur haben Madagaskar innenpolitisch gezeichnet. Für eine breite Bevölkerung bleiben die Lebensbedingungen prekär und von Armut beherrscht.  

Infolge des international kritisierten Putsches von 2009 wurden für Madagaskar die Geberleistungen gekürzt bzw. ausgesetzt, was den ohnehin stark von internationalen Geldern abhängigen Staatshaushalt finanziell an den Rand des Ruins brachte. Dringende Projekte der Infrastruktur oder des Umweltschutzes konnten nicht umgesetzt werden. Wichtige internationale Organisationen wie IWF, die EUSADC, die AU oder die Organisation der Francophonie suspendierten Madagaskar aufgrund der Ereignisse. Erst 2014 nahmen die meisten bi- und multilateralen Geber ihre Beziehungen zu Madagaskar und ihre Projektarbeit wieder auf. Der IWF gewährte der Regierung in Antananarivo 2016 Kredite in Millionenhöhe hauptsächlich für die Armutsreduzierung der Bevölkerung. Für die Regierung unter Präsident Rajaonarimampianina war die Umsetzung der Agenda 2030 insgesamt ein wichtiges politisches Ziel, für das auch internationale Hilfsgelder flossen. Madagaskar unternahm bzw. unternimmt auch mithilfe des nationalen Entwicklungsplans Plan National de Développement (PND) 2015 – 2019 (Neufassung 2017-2019, jetzt unter Präsident Rajoelina) Anstrengungen, um die Erreichung der SDGs zu gewährleisten. 2016 legte das Land einen freiwilligen Zwischenbericht ab. Die Zusammenarbeit von Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft und Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit ist ein wichtiger Pfeiler der Agenda 2030. 

Bisher haben sich die Erwartungen jedoch noch nicht erfüllt und von einer Verbesserung der Lebensbedingungen gemäß der Agenda 2030 kann nicht gesprochen werden. Im Gegenteil scheinen vielschichtige Probleme dafür verantwortlich zu sein, dass es für Madagaskar insgesamt eine schwierige Herausforderung bleibt, funktionsfähige Institutionen aufzubauen, die Korruption zu senken, die Ungleichheit in der Bevölkerung abzubauen und die Umwelt nachhaltig zu schützen. Sozialausgaben für Bildung oder Gesundheit bleiben gering, Ausgaben für das Präsidentenamt und für das Militär werden dagegen angehoben. Der Schutz der Umwelt ist für die Regierung offensichtlich zweitrangig, wenn es um Profite durch beispielsweise Verpachtung von Ackerland an das Ausland geht oder um den Verkauf von Edelhölzern aus dem Regenwald, bei denen es mafiöse Machenschaften mit internationalen Abnehmern gibt, die von offizieller Seite offensichtlich geduldet werden. Die Umweltschäden haben seit 2009 gravierend zu- statt abgenommen. Die Einwohner Madagaskars werden zudem immer ärmer, 2016 lebten 93% von weniger als 2 USD am Tag (2008: 82%), die Kinderarbeit ist stark erhöht, jedes zweite Kind ist mangelernährt, der Energiesektor hat enormen Verbesserungsbedarf und viele Gesundheitsstationen wurden aufgrund mangelnder Finanzierung geschlossen. Die ohnehin schwierigen Verhältnisse werden für die arme Bevölkerung durch die durch den Klimawandel verstärkten Naturkatastrophen wie gehäuftes und verstärktes Auftreten von Taifunen/Hurrikans, Dürren oder Überschwemmungen noch verschlimmert. Die Politik scheint hilflos bzw. kann die weitere Verarmung der Bevölkerung nicht aufhalten. 

Strukturelle politische Probleme in der Regierung wie die Korruption oder Vetternwirtschaft werden durch die Bedeutung der traditionellen Aristokratie, d.h. des Andriana-Adels verstärkt, der Eliten schafft und breiten Bevölkerungsschichten durch die Undurchlässigkeit des Systems den Aufstieg in bedeutende Ämter verwehrt. Die Position des Präsidenten ist angreifbar und kontinuierlich um Rechtfertigung seiner Aktionen bemüht. Der 2014 ernannte Premierminister Roger Kolo wurde 2015 durch Jean Ravelonarivo ersetzt. Doch schon 2016 trat dieser mitsamt dem Kabinett zurück. Gründe dafür wurden nicht genannt, Streitigkeiten zwischen Präsident und Ravelonarivo aber vermutet. Der neue Premierminister wurde 2016 Olivier Mahafaly Solonandrasana. Er trat jedoch im Vorfeld der Wahlen - die Ende 2018 abgehalten wurden - im Juni 2018 zurück. 2018 waren Präsident Rajaonarimampianina, Rajoelina und Ravalomanana wichtigste Akteure in einem zentralen Machtkonflikt, hinter denen politische Eliten standen und die in einen Umverteilungskonflikt um politische Macht und Einfluss verstrickt waren. Insgesamt schien diese Elite primär im Eigeninteresse zu handeln und die breite Bevölkerungsmasse sozioökonomisch auszuschließen. Die Unzufriedenheit und damit die Gewaltbereitschaft einer enttäuschten Bevölkerung mit immer weiter sinkendem Lebensstandard - darunter viele Jugendliche ohne Zukunftsperspektive - wachsen bis heute.

Die Beziehungen von Rajaonarimampianina zu Rajoelina waren vor den Wahlen 2018 angespannt. Das war nicht immer so, denn Rajaonarimampianina profitierte von seinem Amt als Finanzminister unter Rajoelina von dessen Gunst. Bei der Besetzung des Premierministers bald nach der Wahl 2013 schlug er jedoch eigene Kandidaten vor und handelte damit gegen Rajoelinas Vorstellungen. Auch in der Armee ersetzte Rajaonarimampianina mehrere Generäle, die zu Rajoelinas Gefolgsleuten zählten. Ravalomanana, der sich um den Wiederaufbau seines Handelsimperiums TIKO bemühte, zählte auf das einstige Vertrauen in der Bevölkerung, während Rajoelina offenbar Probleme beim Wiederaufbau seiner Machtbasis hatte. Er gab sich jedoch kämpferisch und stellte Anfang 2018 seine Initiative pour l´Emergence de Madagascar (IEM) vor, mithilfe derer er der Bevölkerung das Vertrauen in die Politik zurückgeben und konkrete und rasch anwendbare Lösungen für die Probleme der Insel entwickeln wollte. Für viele Madagassen sind das jedoch nur Worte und Pläne, denen sie keine Zukunft beimessen.

International wollte man auf keinen Fall die fragile politische Stabilität gefährden. Im April 2018 kam es aufgrund eines im Vorfeld der Wahlen veränderten Wahlgesetzes bereits wieder zu blutigen Demonstrationen in Antananarivo. Nachdem Anfang Juni Solondrasana zurückgetreten war, wurde Ntsay Olivier von der Partei MAPAR neuer Premier. Im Vorfeld schien sich zumindest die Presse einig zu sein, dass der "Buchhalter" (Rajaonarimampianina), der "DJ" (Rajoelina) oder der "Milchmann" (Ravalomanana) die Wahl unter sich entscheiden würden. Das Spiel um politische Macht und vor allem sozioökonomische Sicherheit und Reichtum schien sich in der kleinen Elite zu wiederholen, ohne dass daran geglaubt wurde, dass veritable Verbesserungen für alle Madagassen erreicht werden könnten.

Die Wahlen im Dezember 2018 gewann erst nach einer Stichwahl Andry Rajoelina, am 19. Januar 2019 wurde er als neuer Präsident Madagaskars vereidigt. Im März erhielt Rajoelina eine Sondergenehmigung, um Gesetze zu erlassen. Aktuell versucht der neue Präsident Rajoelina zwar, sich zu etablieren und das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, aber die Korruption und wachsende Straffreiheit bei Kriminalfällen scheint auch die Hemmschwelle für Gewalt und Kriminalität zu senken. Es wird für Rajoelina schwer werden, als neuer - alter - Präsident neue Entwicklungen anzuschieben und endlich Verbesserungen zu erzielen. So zeichnet nach 100 Tagen bereits Rajoelinas Rivale Ravalomanana ein negatives Bild der bisherigen Amtszeit des neuen Präsidenten. Im Rahmen der Dezentralisation Madagaskars erwägt Rajoelina eine Veränderung der Verfassung in einigen Punkten - was nicht überall auf Zustimmung stößt. Das Referendum wird jedoch verschoben - auf voraussichtlich 2020.

Kurzes Video über die politische Debatte zwischen Rajoelina und Ravalomanana vor den Wahlen 2018 (Französisch, ca. 1,5 Minuten)

Wahlen

2009 kam es zu blutigen Unruhen bzw. zu einem Putsch, in deren Verlauf Andry Rajoelina die Macht übernahm. Er war überzeugt, eine neue Regierung ohne Ravalomanana würde Madagaskar zu der dringend nötigen Entwicklung verhelfen und bezichtigte den Präsidenten, die Verfassung nicht zu respektieren und als Diktator zu agieren. Der Putsch von 2009 wurde international kritisiert, doch schließlich akzeptiert. Als Interimspräsident der Übergangsregierung versprach Rajoelina allgemeine Wahlen innerhalb von zwei Jahren. Doch diese wurden immer wieder verschoben, so dass erst 2013 gewählt wurde. Im Vorfeld der Wahlen ließ Rajoelina 2010 in einem Referendum über eine neue Verfassung abstimmen, in der man zwischen "ja" und "nein" wählen konnte. Darin wurde das notwendige Alter eines madagassischen Präsidenten auf 35 Jahre gesenkt - was dem 36-jährigen Rajoelina zugute kam - und die Regel festgelegt, dass ein Präsidentschaftskandidat mindestens 6 Monate vor der Bewerbung in Madagaskar gelebt haben müsse - was den ins Exil nach Südafrika geflüchtete Ravalomanana und andere Oppositionsführer von der kommenden Präsidentschaft ausschloss. Es wird als Taktik Rajoelinas gedeutet, dass er zunächst mehrere Male seine Kandidatur ausschloss, um dann schließlich doch anzutreten. Auch Ravalomanana sowie auch der Alt-Präsident Ratsiraka wurden zugelassen. Insgesamt waren über 40 Personen als Kandidaten für die Präsidentschaft aufgestellt. Die SADC und die EU sanktionierten die Wahlen und forderten den Ausschluss von Rajoelina, Ravalomanana und Ratsiraka. Bei dem schließlich stattfindenden Urnengang ohne die drei rivalisierenden bekannten Kandidaten bekam der Mediziner Jean-Louis Robinson (AVANA) 21% und Hery Rajaonarimampianina 16% der Stimmen. Dabei wurde Robinson von Ravalomanana, Rajaonarimampianina von Rajoelina unterstützt. Sie galten als Marionetten der früheren Präsidenten. Die Parteienzugehörigkeit spielte kaum eine Rolle. Auch jetzt wurde also ein zweiter Wahldurchgang notwendig, den Rajaonarimampianina mit 53,5% der Stimmen gewinnen konnte (Robinson: 46,5%). Aber auch hier kam es zu Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Ratsiraka ließ verlauten, dass er weder den einen noch den anderen Kandidaten bevorzuge. 2014 wurde Rajaonarimampianina als Präsident vereidigt. 

Generell ist die korrekte Durchführung von Wahlen nur in Grenzen gewährleistet. Während in der Verfassung und bei einer oberflächigen Betrachtung durchaus politische Partizipation garantiert sind, kann man doch Schwächen konstatieren, die hauptsächlich mit logistischen Problemen, daneben aber auch mit politischen Absprachen und der Manipulation von Wahlergebnissen aufgrund der Verbindung von Eliten und Machtzirkeln zu kämpfen haben.  

Die wichtigen Präsidentschaftswahlen wurden für Ende des Jahres 2018 angesetzt. Die steigende Armut war im Vorfeld der Wahlen wieder ein Thema für die Wähler. Neben den bestehenden Problemen waren auch zunehmende regionale Disparitäten zu nennen. Im Vorfeld der Wahlen griff daher eine starke Politikverdrossenheit um sich, die Korruption wurde zu einem scheinbar uneindämmbarem Damoklesschwert über Madagaskar, die Frustration unter der Bevölkerung war groß, die Krisenwahrscheinlichkeit hoch. Um friedliche und korrekte Wahlen abhalten zu können, wurde Madagaskar finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe von internationalen Gebern zugesichert. Sowohl Marc Ravalomanana als auch Andry Rajoelina hatten sich als Kandidaten aufstellen lassen. Das Gesetz zum notwendigen Alter des Präsidenten - das unter Rajoelina und der HAT von 40 auf 35 Jahre gesenkt worden war, wurde wieder diskutiert und machte einige Wählerschaften nervös. Anfang 2018 hatte Ravalomanana noch eine Allianz mit Rajoelina erwogen. Die Neuauflage der Konkurrenten Ravalomanana/Rajoelina hielt die Madagassen das ganze Jahr 2018 in Atem. 2013 noch hatte die internationale Gemeinschaft die beiden Kandidaten von den Wahlen ausgeschlossen, nun schien sie indifferent. Der Ausspruch "Ni Ravalomanana, ni Rajoelina" kennzeichnete damals die Wahlperiode 2013.

Die Präsidentschaftswahlen fanden am 7. November 2018 statt. Drei ehemalige Präsidenten (Marc Ravalomanana, Andry Rajoelina und der schon über 80jährige Didier Ratsiraka) und der amtierende Präsident Hery Rajaonarimampianina stellten sich neben zahlreichen anderen Kandidaten zur Wahl. Aufgrund ihres Vermögens und des dadurch möglichen teuren Wahlkampfes - unterstützt durch internationale Geber - schienen Ravalomanana und Rajoelina die aussichtsreichsten Gewinner. Und so war es kaum verwunderlich, dass diese beiden auch ca. 35% und 39% der Stimmen erhielten, was eine Stichwahl (Durchführung am 19. Dezember 2018) notwendig machte. Rajaonarimampianina war verfassungskonform erst im September zurückgetreten, um sich als Kandidat aufstellen lassen zu können. Am 28. Dezember war klar, dass Rajoelina die Wahl gewonnen hat. Viele Madagassen und auch internationale Beobachter sehen die erneute Präsidentschaft Rajoelinas kritisch. Die Bevölkerung glaubt zu großen Teilen nicht mehr an eine Verbesserung der Situation Madagaskars - zu groß sind die Enttäuschungen über die Vergangenheit und die Kluft zwischen der mehrheitlich armen Bevölkerung und der reichen Oberschicht, zu der ja auch die Politiker gehören. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2019 hat Rajoelina jedoch die Mehrheit der Abgeordneten in der Nationalversammlung hinter sich versammeln können.

Video über den Wahlausgang 2018 (Französisch, ca. 11 Minuten)

Menschenrechte und Korruption

In Madagaskars Geschichte wurden Menschenrechte häufig verletzt. Unter der grausamen Königin Ranavalona I., aber auch in der französischen Kolonialzeit bei Besatzungskriegen starben viele Menschen einen grausamen Tod. Der Schutz der Menschenrechte ist zwar in der madagassischen Verfassung verankert und wird auch international als Basis von Kooperation und Entwicklungszusammenarbeit gefordert. Aber die Praxis sieht häufig anders aus. Eine 1996 in Madagaskar geschaffene nationale Menschenrechts-Kommission hat nie richtig funktioniert. 2009 war die Menschenrechtslage im Zuge der politischen Krise besonders schlecht. Der Human Rights Report von 2018 lobt zwar insgesamt Ansätze der Verbesserung der Menschenrechtssituation, spricht jedoch an, dass in vielen Bereichen nach wie vor Defizite in der Umsetzung der humanen Rechtssituation bestehen. Dazu gehören die Haftbedingungen in den Gefängnissen, die Verletzung von Kinderrechten durch den hohen Grad an Kinderarbeit oder vielfach gewaltsames Vorgehen von Polizei und Sicherheitskräften bei Kriminalfällen.

Als besonders brutal wird die Behandlung von Viehdieben (Daholo) beschrieben bzw. die Tatsache, dass Täter häufig straffrei ausgehen. Die betroffenen Regionen - hauptsächlich in Madagaskars Süden - scheinen dabei kaum noch unter staatlicher Kontrolle zu stehen. Menschenrechtsverteidiger sprechen von Terroroperationen gegen die Bevölkerung, wenn Viehdiebe unter ihnen vermutet werden.

Verstöße gegen Kinderrechte sind häufig, hauptsächlich auf dem Land, wo die Armut allgemein erschreckend ist: Die Zahl der Kinder, die in der Plantagenwirtschaft oder im Edelsteinabbau in Steinbrüchen arbeiten, ist hoch und häufig durch sklavenartige Zustände gekennzeichnet. Viele Mädchen arbeiten zudem in Haushalten und werden schlecht bezahlt, fast ein Fünftel aller Mädchen besucht nicht die Grundschule, 40% keine weiterführende Schule. Zwangsverheiratungen und Teenagerschwangerschaften kommen noch zu häufig vor, anhaltende Kinderprostitution und Kinderhandel erfordern wirksame gesetzliche Maßnahmen. Faktoren wie Obdachlosigkeit, Mangelernährung und fehlender Zugang zu medizinischen Grundversorgungsleistungen wirkten sich laut UNICEF zudem nachteilig auf die Lebensbedingungen von Kindern insgesamt aus. 

Frauen sind zwar nach dem Gesetz gleichgestellt, doch häufig Diskriminierungen, sexueller Belästigung oder Vergewaltigung ausgesetzt. 

Durch die schlechten hygienischen Zustände in den Gefängnissen Madagaskars konnte sich 2016 die Pest ausbreiten. Die als längst ausgerottete Geißel der Menschheit konnte hier wieder aufflammen, was auch international in medizinischen Fachkreisen mit Sorge betrachtet wird. 

Die Korruption in Madagaskar ist leider unvermindert hoch. Das Land belegte im Ranking von Transparency International 2019 Rang 158 von 180 Ländern. Transparency International gibt für Madagaskar einen Wert von 24/100 Punkten (0 = schlechtester, 100 = bester Wert), 2008 war bisher der beste Wert erreicht worden. Offenbar wird also das Land immer korrupter, obwohl Regierungsprogramme gegen Korruption und für die Verbesserung der Funktionsfähigkeit von Institutionen verabschiedet worden sind. 2016 wurde die Nationale Strategie der Korruptionsbekämpfung (Nouvelle Stratégie nationale de lutte contre la corruption = SNLCC) in Zusammenarbeit mit mehreren internationalen und nationalen Organisationen, darunter PNUD, CSI (= Comité de la Sauvegarde de l´Intégrité), SAMIFIN (Service de Renseignements Financiers de Madagascar) und BIANCO ins Leben gerufen. Die neue Antikorruptionsverwaltung (PAC = Pôle Anti-Corruption) hat das Ziel, Madagaskar bis 2025 gänzlich von Korruption zu befreien. Obwohl BIANCO auch Erfolge verzeichnen kann, hat sich die Korruption von 2014 bis heute nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Immer wieder werden Korruptionsfälle unter Politikern bekannt. Auch international wird vor dem Hintergrund der steigenden Armut des Landes die Korruption kritisiert. Die Bevölkerung glaubt auch bei allen Versprechungen nicht an ein Ende der Korruption und vermutet eher Konflikte unter korrumpierten Vertretern offizieller Stellen, sollten die angekündigten Gesetze - die der Korruptionsverfolgung dienen, aber auch die veruntreuten Gelder zurückfordern - umgesetzt werden.  

Medienlandschaft

Die Medienlandschaft ist für ein armes Land wie Madagaskar als relativ freiheitlich und diversifiziert zu bezeichnen, wenngleich auch wesentlich weniger umfangreich als in Europa. Armut und Analphabetentum in Madagaskar verhindern die Mediennutzung bzw. die Möglichkeit, nationale als auch globale Informationen zu erhalten, zu verstehen und gegebenenfalls auch zu hinterfragen. Das Fernsehen (Télévision Malagasy - staatlich (TVM), Radio-Télévision Amananga - privat (RTA), Madagascar TV - privat (MATV)) ist einseitig ausgerichtet und kaum geeignet, wirkliche unabhängige Informationen zu liefern. Das Radio spielt eine größere Rolle. Regional können mehrere öffentliche, private und kirchliche Radiosender empfangen werden, landesweit gilt das jedoch nur für den staatlichen Sender Radio Madagasikara (RNM), dem dadurch eine zentrale Rolle zufällt.

Die großen Tageszeitungen Midi Madagasikara, die Gazette de la Grande Île und L´Express de Madagascar publizieren meist auf Französisch, teilweise auch in Malagasy. Es gibt jedoch auch viele andere nationale sowie regionale Zeitungen. Der Verkauf von Tageszeitungen oder Zeitschriften findet mehrheitlich in Antananarivo statt, mit zunehmender Entfernung zur Hauptstadt und in entlegenen ländlichen Gebieten wird man kaum noch Zeitungen finden.   

Reporter ohne Grenzen bemängelt, dass seit 2010 Selbstzensur, Schikanen und Einschüchterungen von Reportern bzw. Journalisten zugenommen haben. Es ist in den letzten Jahren vereinzelt zu Übergriffen auf Journalisten gekommen. Die Medienlandschaft wird generell von Freedom House als "partly free" eingestuft, kann also als relativ offen bezeichnet werden. Allerdings beunruhigt die Tatsache, dass Fernsehsender massiv unter Druck oder verboten werden können, wie zuletzt 2015 der oppositionelle Kanal "Viva", Vertreter der Pressefreiheit und lässt eine gewisse Medienkontrolle vermuten. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen zeigt Madagaskar 2020 mit Rang 54 von 180 jedoch im Vergleich zu vielen anderen Subsahara-Staaten eine bessere Medientransparenz. 2009 hatte das Land noch den Rang 134 von 175 Ländern eingenommen. Unter der Transitionsregierung Rajoelina konnte von einer offenen Berichterstattung über die Medien nicht gesprochen werden. Danach hat sich das Land erst langsam wieder einer unabhängigen Berichterstattung angenähert. 

Madagaskar bekam als eines der ersten Länder in Subsahara-Afrika Internetkonnektivität. Doch auch hier liegen die Probleme einer umfassenden medialen Bildung nicht etwa in der Begrenzung von Informationsflüssen durch Zensur, sondern im problematischen Zugang seitens der Bevölkerung. Nur etwa 4% der Madagassen haben die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, obwohl die Zahl in den letzten Jahren von 2011-2016 deutlich angestiegen ist. 

Aktuelle Nachrichten bieten die Onlineportale Madagate, Madonline, Newsmada, oder Madagascar Tribune

Zivilgesellschaft

Die zivilgesellschaftliche Aktivität ist in Madagaskar traditionell - bis auf Fokonolona - nur schwach ausgeprägt. Es fehlt an modernen gesellschaftlichen Reformern für eine Stabilisierung von politischer Fragilität oder als ausgleichendes Element. Der politische, institutionelle und legale Rahmen der zivilgesellschaftlichen Organisation gilt als obsolet und fragmentiert. Als wichtigste Akteure einer relativ eigenständigen Arbeit können die vier christlichen Kirchen gelten. Protestanten, Katholiken, Lutheraner und Anglikaner haben sich zu einem ökumenischen Rat (FFKMFikamba-nan´ny Fiangonana Kristiana Malagasy) zusammengeschlossen, der wichtige Projekte im Gesundheits-, Sozial- und Schulwesen trägt, entwicklungspolitische Initiativen unterstützt oder auch im Umweltschutz mitwirkt. Da 60% der Madagassen einer der vier großen christlichen Konfessionen angehören, hat die Kirche eine gewisse politische und soziale Macht. Im Politikgeschehen scheint die protestantische Kirche hinter Ravalomanana zu stehen, die katholische Kirche hinter Rajoelina. Kleinere zivilgesellschaftliche Gruppierungen sind erst seit einiger Zeit aktiv, u.a. um die Ernährungssituation in ländlichen Gebieten zu verbessern. 

Gewerkschaften sind gesellschaftspolitisch als eher unbedeutend einzuschätzen, da die Arbeitslosigkeit steigt und ein Großteil der Bevölkerung in dem gewerkschaftlich unorganisierten informellen Sektor arbeitet. In letzter Zeit scheint sich jedoch ihre Aktivität, auch durch Aufrufe zu Streiks, zu erhöhen. Traditionelles Unternehmertum existiert in Madagaskar kaum. Einzelne Persönlichkeiten wie Andry Rajoelina oder Marc Ravalomanana, die als Unternehmer politisch aktiv wurden, sind die Ausnahme.

Auf der entwicklungspolitischen Ebene möchte die EU die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen in Madagaskar stärken, um die Gesellschaft legitimer und leistungsfähiger zu gestalten, die Politik in ihrer Rechtsstaatlichkeit zu unterstützen und lokale Entwicklungsimpulse zu nutzen. Unter anderem wurde dafür erst kürzlich ein leistungsstarkes Kooperationsprogramm (DINIKA) unterzeichnet. Von der EU wurde die madagassische Zivilgesellschaft auch in der Wahlbeobachtung der vergangenen Wahlen Ende 2018 unterstützt.  

Durch die Erweiterung der Kommunikationsmöglichkeiten in sozialen Netzwerken hat sich in den letzten Jahren eine neue, vorwiegend junge Zivilgesellschaft - hauptsächlich in Antananarivo - etabliert. Die Bewegung Wake up Madagascar engagiert sich in Demonstrationen gegen Korruption, für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung, eine Linderung der Armut und gegen den Raubbau der madagassischen Natur. Mit Musikveranstaltungen und Konzerten im Ausland macht Wake up Madagascar auch international auf die Probleme in Madagaskar aufmerksam. 

Außenpolitik

Beziehungen zu Frankreich

Rajoelina besucht N. Sarkozy, Frankreichs Präsidenten, 2011 in Paris, © Jeannot Ramambazafy (CC BY-SA 3.0)
Rajoelina besucht N. Sarkozy, Frankreichs Präsidenten, 2011 in Paris, © Jeannot Ramambazafy (CC BY-SA 3.0)

Zu keinem anderen Land Europas hat Madagaskar bis heute so enge Beziehungen wie zu Frankreich. Die Außenpolitik Madagaskars wurde unmittelbar nach bzw. in der 1. Republik stark von den noch sehr engen Beziehungen zu der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich geprägt. Konventionen und Vereinbarungen mit französischen Handelspartnern wie der Compagnie Marseillaise de Madagascar (CMM) oder der Compagnie Franco-Malgache d´Entreprises (CFME) sicherten den madagassischen Markt beherrschenden Oligarchen ökonomische und finanzielle Interessen weiterhin zu, so dass sich eine eigenständige ökonomische Dynamik kaum entwickeln konnte. Auch im Sicherheitssektor zeigte sich der starke Einfluss Frankreichs: Das Land bot militärischen Schutz und hatte das Recht, sowohl Militärstützpunkte als auch die Gewässer vor Madagaskar zu kontrollieren, unterstützte die Insel mit militärischer Ausbildung und technischer Ausrüstung. Kulturell zeigte sich der jahrelange französische Kolonialeinfluss durch die Tatsache, dass die höhere Bildung ausschließlich auf Französisch stattfand und die madagassischen Eliten häufig in Frankreich studierten. Mitte der 1960er Jahre versuchte die madagassische Regierung, politische sowie ökonomische Beziehungen mit anderen westlichen Ländern Europas, v.a. aber auch mit den USA zu knüpfen. Diplomatische Gespräche wurden auch mit anderen, meist früheren Kolonien Frankreichs in Afrika, aber auch mit Asien (Japan, Indien, Indonesien) aufgenommen.

Ramanantsoa (1972-1975) als auch Ratsiraka verfolgten eine sozialistische Politik und wendeten sich von Europa ab. Damit schwand der Einfluss Frankreichs erheblich. Aber auch die Beziehungen zur USA waren belastet. In der Bevölkerung gab es Gerüchte über betrügerische Aktivitäten von französischer Seite, was die Reputation Frankreichs in Madagaskar weiter verschlechterte. 

Hinter Ravalomananas Aktivitäten vermutete man lange Zeit anti-französische Tendenzen. Er bevorzugte die englische Sprache, trat der SADC bei und initiierte Verträge und Abkommen, die mit vielen Ländern außer Frankreich geschlossen wurden. Ravalomananas Politik kann jedoch auch so gedeutet werden, dass er generell Madagaskar mehr in der globalisierten Welt verankern und somit die Bedeutung seines Landes als einen verlässlichen Vertragspartner stärken wollte. In der Krise 2009 verstärkten sich Initiativen gegen Frankreich. Intransparenz herrscht darüber, inwieweit Rajoelina  während seiner ersten Amtszeit von Frankreich unterstützt oder zumindest toleriert worden ist. Er hatte den Austritt Madagaskars aus der SADC angekündigt und eine Rückkehr zum französischen Bildungssystem in Aussicht gestellt. 

Unter Rajaonarmampianina haben sich die Beziehungen zwischen Madagaskar und Frankreich erholt. Die Reintegration in die internationale Staatengemeinschaft als wichtiges politisches Ziel des Präsidenten scheint durch die historischen Beziehungen zu Frankreich begünstigt zu sein. Als bilateraler Partner ist Frankreich eine wichtige ökonomische und entwicklungspolitische Größe. Auch der neue Präsident Rajoelina hat 2019 bereits seinen Amtskollegen Emmanuel Macron in Paris besucht. Dabei ging es auch um die "Iles Eparses", Inseln in der Nähe Madagaskars, die von Frankreich verwaltet, jedoch schon länger von Madagaskar beansprucht werden. 

Wichtige außenpolitische Beziehungen zu anderen Ländern

Bilaterale Beziehungen zu Indien 2016, © Indian Navy (CC BY 2.5 in)
Bilaterale Beziehungen zu Indien 2016, © Indian Navy (CC BY 2.0 IN)
Der amerikanische Botschafter in Madagaskar 2008, © US Embassy Antananarivo-Madagaskar (public domain)
Der amerikanische Botschafter in Madagaskar 2008, © US Embassy Antananarivo-Madagaskar (public domain)

Gute außenpolitische Beziehungen sind für Madagaskar, das nach wie vor zu einem der ärmsten Länder weltweit gehört, bedeutsam. Daher bemüht sich die Regierung in Antananarivo um die Stärkung von Kooperationen weltweit. Als internationale Unterstützer des Landes sind die EU, der IMF, die Weltbank und USAID zu nennen. Madagaskar ist Mitglied in wichtigen regionalen Organisationen wie der AU, der SADC, der COMESA, EU-AKP (ESA-Staaten) und der IOC (Indian Ocean Commission). Bilaterale diplomatische und ökonomische Beziehungen bestehen zu vielen Ländern der Welt, als die wichtigsten Handelspartner können neben Frankreich die USA, Deutschland, China und Großbritannien gelten. Zunehmend vertieft werden auch die Kontakte mit Indien. 

Die Beziehungen zu Deutschland sind gut. 1883 wurde der erste deutsch-madagassische Freundschaftsvertrag geschlossen. Deutschland genießt einen guten Ruf als wichtiges Geberland, als Unterstützer im demokratischen Prozess und als kultureller Partner. Nach der Krise 2009 nahm Deutschland seine Beziehungen zu Madagaskar erst 2015 wieder auf. 2017 besuchte Rajaonarimampianina Berlin im Rahmen eines Freundschaftsbesuches. 

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2020 aktualisiert.  

Autorin

Dr. Eva Biele hat in Geographie promoviert und viele Jahre in West- und Ostafrika gearbeitet, darunter auch in Madagaskar beim Office National pour l´Environnement (ONE) und in La Réunion beim Office National des Forêts (ONF). Seit 2009 ist sie als Consultant in Deutschland tätig, arbeitet als interkulturelle Trainerin sowie als Sprachdozentin und leitet verschiedene Landesanalysen zu Ostafrika bei der GIZ.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

Zum Kontaktformular

Download