Nosy Be (Nord-Madagaskar), © Eva Biele
Offizieller Name
Republik Madagaskar
Fläche
587.295 km²
Einwohner
26,26 Mio. (2018)
Bevölkerungswachstum
2,71% (2018)
Regierungssitz
Antananarivo (franz. Tanarive)
Amtssprachen
Malagasy (Madagassisch); Französisch
Regionalsprachen
Verschiedene Dialekte des Malagasy, Swahili

Geographische Lage und Grunddaten

Die Lage Madagaskars vor der Südostküste Afrikas, © TUBS (CC BY-SA 3.0)
Die Lage Madagaskars vor der Südostküste Afrikas, © TUBS (CC BY-SA 3.0)

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt und liegt im westlichen Indischen Ozean südöstlich von Afrika vor der Küste Mosambiks zwischen dem 12. und 26. südlichen Breitengrad und dem 43. bis 51. östlichen Längengrad. Mit rund 600.000 Quadratkilometern ist der Inselstaat mehr als 1,5-mal so groß wie Deutschland und umfasst die Hauptinsel sowie weitere kleinere vorgelagerte Inseln.

Die Insel besticht durch ihre einzigartige Flora und Fauna, ihre abwechslungsreiche Topographie, ausgedehnte Strände und ihre tropischen, rot gefärbten Böden, die Madagaskar den Namen „Rote Insel“ verliehen haben. Hauptstadt und zugleich größte Stadt ist Antananarivo mit über 1,3 Mio. Einwohnern. Neben der Hauptstadt sind als größere Städte Toamasina, Antsirabe und Fianarantsoa zu nennen.

Generelle Grunddaten zu Madagaskar liefern das CIA World Factbook, die Weltbank und die UN. Daten, die sich hauptsächlich auf demographische und bevölkerungsrelevante Verhältnisse beziehen, bietet das madagassische Institut National de la Statistique (INSTAT). Das UNDP liefert aktuelle Informationen zum Human Development Index Madagaskars.

Der Name „Madagaskar“ für die Insel geht vermutlich auf Marco Polo zurück, der um 1298 im Zuge der Erkundung der ostafrikanischen Küste die Insel nach Mogadischu (arab. Moqadišu) benannte. Die Entstehung des Namens wird mit einer verunglückten oder ungenauen Transkription der arabischen Benennung begründet. 1492 übernahm der deutsche Kartograf Martin Behaim den Namen und verzeichnete auf dem Globus eine Insel namens „Madagascar Insula“.  

Zu Madagaskar gibt es eine Reihe von interessanten Dokumentationen, die vorrangig die grandiose Natur des Landes hervorheben und mit großartigen Bildern bestechen. 

Karten

Übersichtskarte von Madagaskar, © public domain
Übersichtskarte von Madagaskar, © public domain

Naturraum

Der Salzsee Tsimanampetsotsa, © Frank Vassen (CC BY 2.0)
Der Salzsee Tsimanampetsotsa, © Frank Vassen (CC BY 2.0)
Topographische Karte von Madagaskar, © Salalmelik, public domain
Topographische Karte von Madagaskar, © Salalmelik, public domain

Geologie und Landschaftsbild

Geologisch wird die Entstehung Madagaskars unterschiedlich erklärt. Fest zu stehen scheint, dass die Insel sich im Zuge der Kontinentalverschiebung beim Auseinanderbrechen des Urkontinents Gondwana vor ca. 270 Mio. Jahren von der afrikanischen Kontinentalmasse löste und nach Südosten driftete. Die Insel wird von Geologen daher auch als „Alte Insel“ bezeichnet. Wo genau Madagaskar als Teil Afrikas lokalisiert war, ist nicht ausreichend belegt. Die im Zuge von zoologischen Untersuchungen im 19. Jahrhundert erstellte Hypothese, die die Existenz eines gesunkenen Kontinents namens Lemuria beschreibt, als dessen Überreste Madagaskar und die nördlich der Insel gelegenen Seychellen gelten würden, gilt heute als unbestätigt. Der größte Teil Madagaskars besteht aus einem kristallinen Fundament aus Gneisen, Glimmerschiefern, Quarz und Granit, der als Teil Gondwanas gedeutet wird und die Insel von Nord nach Süd durchzieht. Diese sehr alten Gesteine bilden im zentralen Teil Madagaskars ein ausgedehntes, geomorphologisch variationsreiches Hochplateau aus Tälern, Ebenen und Flussläufen, von denen mehrere Berge markante Erhebungen in diesem nord-südlich verlaufenden Gebirgszug bilden. Zu ihnen zählt der im Norden gelegene Vulkan Maromokotro (2.876 m) und der Pic Boby (2650m) im Süden. Das Ankaratra-Gebirge liegt im nördlichen zentralen Hochland mit maximal 2.600 m Höhe. Die Hochebene wird im Süden durch das Andringitra-Gebirge begrenzt, ein Granitfelsengebirge von über 2000 m Höhe.

Bemerkenswert ist das langsame Ansteigen des Hochplateaus von Westen her und der steile und rasche Abfall gen Osten, wobei die Meerestiefe östlich der Küste sehr schnell zunimmt, während im Westen und im Süden der Insel seichtere Gewässer vorherrschen.

Obwohl viele Gegenden Madagaskars auf den ersten Blick eher trocken wirken, ist das Land jedoch wasserreich und von Flüssen und Seen durchzogen. Im Inneren von Madagaskar befinden sich fünf große Binnenseen: der Alaotra-See östlich von Antananarivo und mit 55000 ha der größte See Madagaskars, der Itasy-See im nördlichen zentralen Hochland, der Kinkony-See im Westen und der Ihotry und Tsimanampetsotsa-See im Süden bzw. Südwesten. Letzterer ist ein Salzsee (der Name bedeutet "See ohne Delphine") und liegt in einer der trockensten Regionen der Insel; gleichzeitig ist er Namensgeber für den Tsimanampetsotsa-Nationalpark. Die Seen sind Trinkwasserspeicher, werden zur Bewässerung genutzt und fungieren auch als Fischlieferanten. Die größeren Flüsse wie der Ikopa (485 km), der Tsiribihina, der Mangoky (564 km) und der Betsiboka entspringen im östlichen Teil des Hochlands und münden an der Westküste ins Meer. Eine künstliche Wasserstraße ist der Canal des Pangalanes, der verschiedene natürliche Seen und Bäche verbindet und parallel zur Ostküste Madagaskars verläuft. Der Kanal ist mit 645 km eine der längsten künstlichen Wasserstraßen der Welt. 

Madagaskar lässt sich grob in fünf verschiedene Landschaftszonen bzw. Regionen einteilen:

1.      Das zentrale Hochland  ist durch Hügel, Berge, Täler, See und viele Flüsse und unterschiedlichste Vegetationstypen gekennzeichnet. Es erstreckt sich über die gesamte Länge der Insel von ca. 1500 km und erreicht Höhen von 800 bis 1800 m. Nördlich von Antananarivo zeigt sich das Hochland als eine über mehrere hundert Kilometer nahezu baumlose Region. Hier befinden sich auch die ausgedehnten und bedeutenden Reis- und Gemüseanbauflächen Madagaskars. Der Primärwald ist bis auf wenige Reste reduziert worden. Der nördliche Teil ist durch großflächige Weidegebiete charakterisiert. Durch die Höhenlage sind die Temperaturen abgemildert und können in den Monaten des Südwinters auch unter den Gefrierpunkt sinken. 

2.      Im Norden im Bereich der Küste finden sich mächtige Gebirgssockel, Primärwaldgebiete und Seen, die vulkanischen Ursprungs sind. Aufgrund der vergleichsweise fruchtbaren Böden wird neben Reis auch Zuckerrohr angebaut.

3.      Primäre Regenwaldgebiete, die hier aufgrund der hohen Niederschläge und Temperaturen noch immer vorherrschen, sind Heimat vieler endemischer Tier-und Pflanzenarten im Osten Madagaskars. Aber auch tropische Nutzpflanzen wie Vanille, Kokospalmen, Nelken, Kaffee und Kakao gedeihen in dieser dem Wind zugewandten Region. Der Nordosten ist insgesamt noch regenreicher als der Südosten. Die Transportmöglichkeiten über die Straße sind aufgrund der vielen Wasserläufe schwierig; die Reise auf dem Canal des Pangalanes bietet eine Alternative, ist aber gemächlich und nichts für Eilige.

4.      Der Südwesten ist die heißeste und trockenste Region Madagaskars, mancherorts sind Wüsten ausgebildet. Neben Sisalplantagen ist nur wenig Ackerbau möglich; hauptsächlich werden die Gebiete für die Weidewirtschaft genutzt. Viele für Madagaskar endemische und für den Botaniker interessante Sukkulenten wachsen hier.

5.    Die Westküste zeichnet sich insgesamt dadurch aus, dass sie nur relativ wenig erschlossen ist. Im engeren Sinne ist die Gegend zwischen Mahajanga im Norden und Morondava im Süden wechselfeucht mit ausgeprägten Trockenperioden im Südwinter, wobei der Norden um die 1500 mm Niederschlag erhält, der Süden jedoch nur noch 300 – 400 mm. Landwirtschaftlich ist der Westen bis auf die sehr trockenen Bereiche gut nutzbar. Baumwolle, Tabak, Zuckerrohr, Gemüse und Bananen werden teilweise in großen Plantagen angebaut. Weideflächen werden häufig abgebrannt, ein Großteil der natürlichen Vegetation ist heute nicht mehr vorhanden. An der Küsten wachsen Mangrovenwälder. Zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört die eindrucksvolle Karstlandschaft von Tsingy de Bemaraha in der Provinz Mahajanga, eine geologische Besonderheit in Madagaskar, die auch viele Touristen aus aller Welt anlockt. 

Zentrales Hochland, © Eva Biele
Zentrales Hochland, © Eva Biele
Île Sainte Marie, © Stefanie Wacker
Île Sainte Marie, © Stefanie Wacker
Tropischer Regenwald im östlichen Madagaskar, © Willy Kamanzi
Tropischer Regenwald im östlichen Madagaskar, © Willy Kamanzi
Lateritstraße im Südwesten von Madagaskar, © Frank Vassen (CC BY 2.0)
Lateritstraße im Südwesten von Madagaskar, © Frank Vassen (CC BY 2.0)
Wasserfall Lily in Ampefy, © deruneinholbare (CC BY-NC 2.0)
Wasserfall Lily in Ampefy, © deruneinholbare (CC BY-NC 2.0)
Tsingy (mad.), durch Wassererosion entstandene K
Tsingy (mad.), durch Wassererosion entstandene Kalksteinformationen, © Marco Zanferrari (CC BY-SA 2.0)
Der Indische Ozean im Norden von Madagaskar, © Nathalie Sautiers-Anders
Der Indische Ozean im Norden von Madagaskar, © Nathalie Sautiers-Anders
Klimadiagramm von Antananarivo, © Open Street Map (CC BY-SA 2.0)
Klimadiagramm von Antananarivo, © Open Street Map (CC BY-SA 2.0)

Klima

Aufgrund seiner geographischen Lage hat Madagaskar insgesamt ein tropisches Klima aufzuweisen. Generalisiert herrscht eine winterliche Trockenzeit (Südwinter) von Mai bis Oktober und eine sommerliche Regenzeit (Südsommer) von November bis April. Doch die variationsreiche Topographie der Insel ist für die Differenz der Niederschlagssummen zwischen Ost- und Westbereich, daneben aber auch für regionale Temperaturschwankungen verantwortlich. Der vom Indischen Ozean wehende Süd-Ost-Passat beschert dem östlichen Bereich hohe Niederschläge durch Konvektion an der Gebirgskette, während über dem zentralen Hochland bis zum Westen die Niederschläge kontinuierlich abnehmen. Während im Osten bis zu 4000 mm Regen pro Jahr fallen können, sind es an der Westküste nur noch ca. 500 mm. Die Berggebiete im Nordosten erhalten am meisten Regen, die Tiefländer im Südwesten am wenigsten. Das tropische Klima kennt das ganze Jahr hindurch etwa gleichmäßig hohe Temperaturen von rund 20° Celsius (Jahresmittel) und weist eine hohe Luftfeuchtigkeit auf. Der Passatwind wird durch die Gebirge des Nordens umgelenkt und bringt mit rund 2000 mm/Jahr auch der Westküste (Nosy Be und Sambirano) relativ hohe Niederschläge. Diese Gebiete bilden somit klimatische Inseln im sonst trockenen Nordwesten, doch auch sie unterliegen - wie die Westküste - einer Trockenperiode von rund vier Monaten im Jahr. Das Hochlandklima ist durch klar abgegrenzte Regenzeiten und kalte Trockenmonate charakterisiert. Diese Klimazone dehnt sich fast über den ganzen Rücken Madagaskars aus, vom Montagne d'Ambre bis in den Süden zum Isalo-Gebirge.

Entscheidend ist auch hier die Höhenlage des jeweiligen Ortes. Die Jahresmitteltemperatur nimmt entsprechend der Höhenlage ab. Im Durchschnitt liegt sie bei 17° bis 20° Celsius. Die Hitze an der Westküste ist weit größer als im Osten. Die durchschnittliche Temperatur von Mahajanga beträgt 26,6°C. Maevatanana (zwischen Antananarivo und Mahajanga) weist mit 27,4°C die höchsten Temperaturen der Insel auf, bedingt durch den Föhneffekt der Hochlandwinde.

Gefährlich für Madagaskar sind die regelmäßig auftretenden Zyklone, die sich jedes Jahr zwischen Januar und April im Indischen Ozean bilden. Betroffen sind vor allem die Ostküste und der Norden. Ein Zyklon kündet sich durch eine bedrückende Ruhe und einen drastischen Sturz der Temperatur an. Zyklone können mit 100 bis 200 km/h auf die Landmassen treffen und verheerende Schäden verursachen. Das Hochland und der Westen werden davon kaum tangiert. Bedingt durch den Klimawandel und die zunehmende Erwärmung der Meere muss für die Zukunft noch häufiger mit Zyklonen gerechnet werden. Die Zyklonenaktivität im Indischen Ozean wird durch verschiedene Stellen des meteorologischen Dienstes gut überwacht. Auch Météo France gibt einen Überblick über die aktuellen Wetterverhältnisse in Madagaskar. Den letzten Zyklon mit mehreren Toten erlebte Madagaskar im Dezember 2019.

Baum der Reisenden, Wappenbaum Madagaskars (Ravenala madagascariensis),© Dinesh Valke. CC BY-SA 2.0
Baum der Reisenden, Wappenbaum Madagaskars (Ravenala madagascariensis),© Dinesh Valke (CC BY-SA 2.0)
Chamäleon, © Eva Biele
Chamäleon, © Eva Biele
Vegetationskarte und Topographische Karte von Madagaskar, © public domain
Vegetationskarte und Topographische Karte von Madagaskar, © public domain

Flora und Fauna

Aufgrund der Ablösung Madagaskars vom Ur-Kontinent Gondwana und seiner langen Isolation haben sich auf der Insel hochspezialisierte endemische Pflanzen- und Tierarten entwickelt. Sie stellen eine einzigartige, im globalen Vergleich herausragende Biodiversität dar. Viele Arten sind zudem noch unentdeckt. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass verschiedene Tierarten auch durch Meeresströmungen auf die Insel gelangt sein könnten.

Die Vegetation wird zunächst von den klimatischen und geomorphologisch-bodenökologischen Bedingungen beeinflusst.

Tropischer Regenwald mit hoher Biodiversität ist an der Ostküste bis 800 m Höhe zu finden. Die Regenwälder von Atsinanana gehören zum Weltnaturerbe der UNESCO und sind besonders schützenswert. Von den einstigen riesigen Primärwäldern ist jedoch nur noch ein kleiner Teil vorhanden, vielfach existieren auch Sekundärbepflanzungen. Bis zu einer Höhe von 1200 m gehen die tropischen Regenwälder in einen kühl-feuchten Bergnebelwald über, darüber liegen die Bergwälder. Im Westen sind Trockenwälder und entsprechend der klimatischen Bedingungen im Süden Dornenwälder vorzufinden, die sich durch eine Artenvielfalt im Bereich der Euphorbiaceen (Wolfsmilchgewächse) und anderen Sukkulenten auszeichnen. Die ufersäumenden Mangrovenwälder sind im Zusammenhang mit dem Küstenschutz Madagaskars bedeutend; sie sind an der Ostküste bei Antsiranana und an der Westküste bei Toliara und Morondava anzutreffen.

Unter den 12000 endemischen Pflanzenarten insgesamt und den 4000 nur in Madagaskar beheimateten Baumarten ist der Affenbrotbaum (Baobab) hervorzuheben. In Madagaskar sind sechs der acht weltweit bekannten Baobab-Arten endemisch. Die oft gigantischen Bäume können große Mengen an Wasser speichern und längere Trockenzeiten schadlos überstehen. Eben- und Palisanderholz ist für Schnitzarbeiten beliebt. Eine wahre Blütenpracht entwickeln die Flammenbäume der Gattung Delonix (franz. Flamboyants) mit ihren flammenroten Blüten oder die Jakaranda-Bäume (Jacaranda mimosaefolia), die fliederfarben blühen. Die endemische Baumart Tapia (Uapaca bajeri) hat auch eine wirtschaftliche Bedeutung, da sie den Seidenspinnerraupen der Art Borocera madagascariensis eine Heimat bieten und daher eine wichtige Grundlage für die einheimische Seidenproduktion darstellen. Der Rosenholzbaum (Dalbergia latifolia), auch als Palisander bezeichnet, wächst in den tropischen Regenwäldern Madagaskars und ist ein begehrtes Edelholz. 

Die Wolfsmilchgewächse umfassen auf Madagaskar rund 700 verschiedene Arten. Zu erwähnen ist die auch in Deutschland als Zimmerpflanze bekannte Euphorbia leuconeura, die auch als Spuckpalme bezeichnet wird, da ihre Kapselfrucht explosiv aufreißt und die Samen herausgeschleudert werden. Neben den Wolfsmilchgewächsen ist auch die Vielzahl der Palmengewächse interessant. Hier ist die Tahina-Palme zu erwähnen, eine riesige Palmenart, die nur einmal nach ca. 100 Jahren blüht und dann abstirbt. Der Baum der Reisenden, eigentlich eine palmenähnliche Bananen-Art, ist auf Madagaskar weit verbreitet, kulturell bedeutend und gilt als Wappenbaum der Insel. Die in Madagaskar häufig anzutreffenden Pachypodien gehören zu den Sukkulenten. Zu ihnen gehört der auch als Madagaskarpalme bezeichnete, jedoch zu den Hundsgiftgewächsen gehörende Dickfuß. In Madagaskar gibt es zahlreiche Aloen, wobei die Gesamtzahl dieser Gattung rund 500 verschiedene Arten umfasst. Die Aloen gehören zu den Blattsukkulenten und haben eine kosmetische sowie ernährungswissenschaftliche Bedeutung.

Zu den faszinierendsten Pflanzen Madagaskars gehören die mehr als 1000 verschiedenen Orchideenarten, die vor allem in den Wäldern der Ostküste wachsen. Dazu zählt die Sternvanille (Angracum sesquipedale), die auch Stern von Madagaskar genannt wird und die Gewürzvanille (Vanilla planifolia), die wirtschaftlich von Bedeutung ist.

Bei den Nutzpflanzen ist der Reis (Oryza sativa) die bedeutendste Pflanze Madagaskars und das Hauptnahrungsmittel der Madagassen. Die Produktivität des in Nassreisanbau angebauten Getreides ist jedoch gering. Zuckerrohr wird als Zuckerlieferant, aber auch zum Brauen von Rum verwendet. Die Produktionsmenge ist jedoch insgesamt als wirtschaftlich unbedeutend zu bezeichnen. Auch Bananen sind ein wichtiges Nahrungsmittel und werden in vielen Arten angebaut. Die Kaffee- und Kakaoproduktion Madagaskars ist vergleichsweise gering, doch der Anbau von Pfeffer ("Piper borbonese" im Unterschied zum normalen Pfeffer "Piper nigrum") und Nelken (die getrockneten Knospen des Gewürznelken-Baumes Sycygium aromaticum) sind eine wichtige wirtschaftliche Einnahmequelle für die ländliche Bevölkerung. Als Nutz-Multitalente sind die Raphia-Palme, die Sisalagave als auch die Kokospalme zu erwähnen. Zumindest Sisal und Kokospalmen werden auf riesigen Plantagen angebaut, für die große Flächen Primärwald weichen mussten. Der Tapia-Busch, der niedrige Wälder auf den Hochebenen Madagaskars bildet, gehört zu den soziokulturellen, aber auch endemischen Gewächsen der Insel. Der Bestand ist bedroht.

Der Tapia-Busch, der niedrige Wälder bildet (© VincentM1FLERéunion CC BY-SA 3.0)
Der Tapia-Busch, der niedrige Wälder bildet © VincentM1FLERéunion (CC BY 3.0)
Der Fossa in Madagaskar, © Arthur Chapman (CC BY-NC 2.0)
Der Fossa in Madagaskar, © Arthur Chapman (CC BY-NC 2.0)
Tenrek in Madagaskar, © Frank Vassen (CC BY 2.0)
Tenrek in Madagaskar, © Frank Vassen (CC BY 2.0)

Der Artenreichtum von Madagaskars Tierwelt ist ebenso legendär wie die Vielfalt der Flora. Madagaskar war einst die Heimat einer eigenartigen Megafauna, von denen der Elefantenvogel (Aepyornithidae) als bekanntester Vertreter bezeichnet werden kann. Wie auch in vielen anderen Ländern wurden diese flugunfähigen Vögel durch Bejagung oder durch das Einschleppen unbekannter Haustiere wie Schweine oder Ratten relativ rasch nach Beginn der menschlichen Besiedlung der Insel ausgerottet.

Die bekannteste endemische Tierart Madagaskars sind sicherlich die Lemuren. Sie gehören zu den Feuchtnasenaffen und sind damit den Primaten zuzurechnen. Zu den kleinsten Vertretern gehören die Katzen-, Maus- und Fettschwanzmakis. Der Indri, den die Madagassen Babakoto nennen, wird relativ groß und ist vom Aussterben bedroht. Neben den östlichen Wollmakis und den Sifakas (zu nennen sind hauptsächlich der Golkronensifaka und der Schwarze Sifaka) ist von den eigentlichen Lemuren der Katta (Lemur catta) mit seinem gestreiften Schwanz oder auch der Vari am bekanntesten. Die Bambuslemuren ernähren sich ausschließlich von Bambus, während die Fingertiere (Aye Aye) zu den seltsamsten Vertretern der Säugetiere überhaupt gelten können. Die nachtaktiven Baumbewohner besitzen verlängerte Finger, von denen der mittlere Finger auffallend dünn und lang ist. Damit klopfen sie den Baumstamm ab, um eventuelle kleine Tiere hinter der Rinde ausfindig zu machen; eine biologische Besonderheit, die an die europäischen Spechte erinnert. Neben den Lemuren sind auch andere einzigartige Säugetiere wie die igelartigen Tenreks (Tenrecidae), die zoologisch eine Verwandtschaft mit Klippschiefern oder Elefanten zeigen, sowie die zahlreichen Flughunde (Megachiroptera) und Fledermäuse (Microhiroptera) zu erwähnen. Madagaskar hat zwar keine großen Raubtiere hervorgebracht, aber bekannt sind die einem Puma ähnelnden Fossa oder Frettkatzen (Cryptoprocta ferox), die sich überwiegend von Lemuren ernähren, aber auch Hühner nicht verschmähen, so dass sie auch häufig gejagt werden. Weitere Kleinraubtiere sind die Ameisenschleichkatzen (Eupleres goudotii), auch Falanuks genannt, und die Ringelschwanzmungos (Galidia elegans).

Bei den Reptilien sind die Riesenschlangen (Boas) und vor allem das Nilkrokodil bedeutend. Viele Arten von Meeres- und Landschildkröten sind in Madagaskar beheimatet, von denen die Strahlenschildkröte auch als Haustier beliebt ist. Mehrere andere Schildkrötenarten sind allerdings stark bedroht. Die Amphibien Madagaskars sind vor allem durch die farbenprächtigen Madagaskarfrösche (Mantellidae) vertreten, daneben sind vor allem die in verschiedenen endemischen Chamäleon-Arten (von denen z.B. eines durch seine Winzigkeit hervorzuheben ist) und Geckos beeindruckend. Die tropischen Regenwälder Madagaskars sind auch die Heimat vieler Insekten wie Schmetterlinge, Zikaden, Wanzen, Mücken und Moskitos oder Schrecken. Die Wanderheuschrecke sucht auch Madagaskar des Öfteren heim. Vogelspinnen sind in Madagaskar anzutreffen, aber vergleichsweise selten, während man die großen Netze der Radnetzspinnen häufiger sieht. Auch Seidenspinnen trifft man häufiger an. Der Biss des Hundertfüßers (Scolopendra) ist äußerst schmerzhaft. In den Feuchtgebieten der Insel sind viele unterschiedliche Vogelarten zu Hause, von denen die Vangas, die für Madagaskar endemischen Seidenkuckucke und die Ibisvögel besonders zu erwähnen sind. Das weltweit drittgrößte Korallenriff mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 300 km liegt vor der Südwestküste Madagaskars. Hier kann man neben einer beeindruckenden Unterwasserwelt den äußerst selten gewordenen Quastenflosser (Coelacanth) finden. 

Kokospalmen in Madagaskar, © Carlos Espejo (CC BY 2.0)
Kokospalmen in Madagaskar, © Carlos Espejo (CC BY 2.0)
Vanille - eine bedeutende Orchidee, © Eva Biele
Vanille - eine bedeutende Orchidee, © Eva Biele
Affenbrotbäume in Madagaskar, © TeeLaRosa (CC BY NC-ND 2.0)
Affenbrotbäume in Madagaskar, © TeeLaRosa (CC BY-NC-ND 2.0)
Katta (Ring-tailed lemur), © Matthias Appel. public domain
Katta (Ring-tailed lemur), © Matthias Appel. public domain

Ökologische Probleme

Brandrodung in Morondava, © Frank Vassen <a href=https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/>(CC BY 2.0)</a>
Brandrodung in Morondava, © Frank Vassen (CC BY 2.0)

Madagaskar hat mit erheblichen ökologischen Problemen zu kämpfen, die nicht nur das Land selbst betreffen, sondern aufgrund der Einzigartigkeit seiner Flora und Fauna auch globale Ausmaße annehmen.

Es ist anzunehmen, dass Madagaskar einstmals fast völlig bewaldet war. Heute ist durch Holznutzung, Gewinnung von Holzkohle und die Anlage riesiger Plantagen der Landwirtschaft nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Vegetation vorhanden: Der Primärwald bedeckte 1950 noch 25% der Oberfläche Madagaskars, heute gibt es nur noch ca. 10% . Bei einem fortschreitenden Raubbau an der Natur werden in wenigen Jahrzehnten die Wälder inklusive ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt fast vollständig verschwunden und Madagaskar eine versteppte, baumlose, von Erosionsfurchen zerrissene Landschaft sein. Besonders im trockenen und daher fragilen Ökosystem des Südens ist durch Brandrodung (madagassisch „tavy“) und die Anlage von Sisalplantagen bereits eine Versteppung eingetreten. Die im tropischen Regenwald vorhandenen Edelhölzer wurden und werden teils legal, teils illegal geschlagen, wobei große Flächen gerodet werden, um an einzelne Bäume – v.a. Palisander (Bäume der Gattung Dalbergia) und Ebenholz – zu gelangen. Die Anlage von den auch kulturell bedeutenden Nassreisflächen des Hochlandes verschlingt enorme Wassermengen. Auch die Zeburinder, die in ihrer Anzahl fast der Einwohnerzahl Madagaskars gleichkommen, benötigen riesige Weideflächen. Diese werden zudem regelmäßig abgebrannt, um das Wachstum nährstoffreichen neuen Grases zu fördern (franz. „feu de brousse“). Aber diese Savannenbrände zerstören die Fauna im Boden und sind für eine erhöhte Erosionsgefahr verantwortlich, wenn es auf den vegetationslosen Flächen zu Starkregen kommt. Es entstehen tiefe Erosionsrinnen (lavaka). Die bereits nur eingeschränkt fruchtbaren Böden werden durch das Fehlen der Vegetationsdecke zu steinhartem Laterit, der kaum noch landwirtschaftlich nutzbar ist. 75% des Primärwaldes im Osten ist zerstört. Die heutigen Waldgebiete des Ostens sind dominiert von Sekundärwald (savoka) mit seinen schnellwachsenden Bäumen, den Bambushainen, Lianen und Ravenala (Baum des Reisenden). Insbesondere das häufige Vorkommen der Ravenala ist Folge und Zeichen der Zerstörung des Waldes, ebenso wie die dichten Bambuswälder auf eine Degenerierung der Bodendecke hinweisen. Die Abholzung der madagassischen Wälder ruft auch prominente Mahner auf den Plan, wie 2019 Papst Franziskus, der bei einem Besuch eindringlich vor der Zerstörung der tropischen Regenwälder auf Madagaskar warnt. 

Madagaskar verfügt über zahlreiche geschützte Flächen, eingeteilt in Nationalparks (Parcs nationaux PN), Integrale Schutzgebiete (Réserves naturelles intégrales RNI) und Spezialreservate (Réserves Spéciales RS), die zusammen etwa 3% der Landesfläche einnehmen. Angestrebt ist ihre Ausweitung auf ca. 10%. Der Umweltschutz ist zwar in der Verfassung verankert, doch Verstöße gegen Umweltauflagen oder illegale Aktivitäten können aufgrund der Landesfläche und schwierigem Zugang zu vielen Regionen nur punktuell umgesetzt werden. Außerdem scheinen auch staatliche Stellen zuweilen selbst in illegale Machenschaften verwickelt zu sein. Politische Instabilität und Korruption begünstigen somit in großem Maßstab den Raubbau an der Natur und den Tierhandel durch Schmuggler. Trotz Bemühungen von Seiten des WWF, der GIZ oder der UNESCO sind heute viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Dazu gehören vor allem Reptilien – Geckos, Chamäleons und Schildkröten und ein Großteil der für Madagaskar endemischen Lemuren. Aber auch das Korallenriff und viele Pflanzenarten sind davon betroffen. Zudem bedrohen nicht-einheimische Arten verschiedene endemische Tiere wie z.B. die asiatische Schwarznarbenkröte, die giftig ist.

Die Schutzgebiete werden von der Gesellschaft Madagascar National Parks – früher l´Association Nationale pour la Gestion des Aires Protégées ANGAP – verwaltet. Die Richtlinien in den Parks basieren auf dem Konzept des ökologischen Tourismus. Die Einnahmen der Schutzgebiete durch die Besucher stellen eine wichtige Einnahmequelle für Madagaskar dar.

Wie viele afrikanische Länder ist auch Madagaskar vom Klimawandel betroffen, der sich v.a. für die Landwirtschaft negativ auswirkt. Durch den El Nino verstärkt, sind besonders Dürreperioden im ansonsten bereits fragilen trockenen Süden des Landes eine ökologische Katastrophe. Hier kann von Desertifikation gesprochen werden. Den Menschen muss durch angepasste Projektstrategien gezielt geholfen werden. Auch wird versucht, durch Forschung und angepasste Strategien dem Klimawandel in verschiedenen Bereichen zu begegnen. Der Klimawandel erhöht auch die Häufigkeit und Stärke von Zyklonen im Indischen Ozean, deren Niederschläge – wenn sie auf abgeholzte und erosionsgeschädigte Regionen in Madagaskar treffen – zu starken Überschwemmungen und weiteren geomorphologischen Massenbewegungen wie Erdrutschen im Gebirge führen können. Der globale Klimarisiko-Index weist Madagaskar als eines der am stärksten betroffenen Länder in Afrika aus. Beim EPI (Environmental Performance Index) steht Madagaskar auf Platz 174 von 180 Ländern, ein Wert, der zeigt, wie bedrohlich die Situation für die Ökologie der einzigartigen Insel ist.

Lavaka (Gully erosion), Ankarafantsika National Park, © Frank Vassen (CC BY 2.0)
Lavaka (Gully erosion), Ankarafantsika National Park, © Frank Vassen (CC BY 2.0)
'Blutende Insel', Erosion ferralitischer Böden in Madagaskar,Bombetoka Bay © oledoe (CC BY-SA 2.0)
"Blutende Insel", Erosion ferralitischer Böden in Madagaskar,Bombetoka Bay © oledoe (CC BY-SA 2.0)

Staatliche Schutzmaßnahmen

Aufgrund der großen Umweltschäden durch besorgniserregende Bodenerosion, Abholzung bzw. Vernichtung von Tropenwald und starker Gefährdung einheimischer Tier- und Pflanzenarten muss die madagassische Regierung unbedingt Maßnahmen zum Umweltschutz ergreifen, um zukünftige Ressourcen zu schützen und die einzigartige Biodiversität Madagaskars zu erhalten. Das 1991 begonnene NEAP-Programm (National Environmental Action Plan) ist ein Schritt in diese Richtung. Grundsätzlich ist für Umweltbelange das Ministry of Environment, Forests and Tourism (MEEFT) zuständig. Der Umweltschutz ist Teil der madagassischen Verfassung. Das 1990 gegründete ONE (Office National pour l´Environnement) als Verwaltungsstruktur hat die Aufgabe und das Ziel, Konventionen zur Biodiversität umzusetzen. Dabei sind verschiedene Programme zu unterscheiden, so z.B. das 1995 aufgestellte MECIE (Mise En Compatibilité des Investissements avec l’Environnement), das PGE (Plan de Gestion Environnementale) oder das EES (Evaluation Environnementales Stratégiques). Sie sind Teil des Umweltplans der Regierung (PNAE = Plan d´Action Environnementale), der 1991 erstellt wurde. In der ersten Phase (1991-1996) wurden alle Umweltaktivitäten in einem Plan zusammengefasst, bevor ab 1997 damit begonnen wurde, diese in den verschiedenen Regionen Madagaskars umzusetzen. Dabei ging es vorrangig darum, ökologische mit sozioökonomischen Interessen zu verbinden, um in Zukunft gleichzeitig die Umwelt schützen zu können, ohne den Menschen in seinen Bedürfnissen zu vernachlässigen (Aufforstungsaktivitäten, Förderung des Ökotourismus, Entwicklung von Wertschöpfungsketten zu Waldprodukten, Einschränkung von Brandrodung, Förderung forstwirtschaftlicher Aktivitäten innerhalb der landwirtschaftlichen Subsistenzwirtschaft, Erosionsschutzmaßnahmen usw.). Besonders im Zuge der aktuellen globalen Klimadiskussion bemüht sich der madagassische Staat um Schutzmaßnahmen. Unterstützt werden nationale Schutzbemühungen durch die internationale Zusammenarbeit mit Belgien, der Schweiz, Frankreich, Japan und Deutschland. Überregional haben verschiedene Organisationen die Umweltprobleme Madagaskars erkannt und Programme und Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität und zur Eindämmung von Umweltrisiken entwickelt. Dazu gehören: USAID, die Weltbank, das UNDP, die GEF, die Afrikanische Entwicklungsbank, die UNESCO oder das CIRAD. Aber auch regionale Zusammenschlüsse existieren. Auf die vom Klimawandel beeinflussten natürlichen Risiken wie Häufung und Verstärkung von Zyklonen, ausgedehnte Dürreperioden und Überschwemmungen hat Madagaskar mit einem Aktionsplan reagiert. Es bleibt abzuwarten, ob und inwieweit das Land die Strategien der Anpassung in Zukunft umsetzen kann. 

Der von Präsident Ravalomanana 2006 entwickelte ehrgeizige Entwicklungsplan für Madagaskar (Madagascar Action Plan) zur Umsetzung der Millennium Development Goals sah auch den Umwelt- und Ressourcenschutz der Insel vor. Darin wurde unter anderem die Ausweitung der geschützten Waldflächen um 6 Millionen Hektar festgesetzt (sog. Durban Vision). Eine große Herausforderung stellte jedoch das Management dieser Gebiete, deren Schutz und Kontrolle dar. So übertrug der Staat viele Aufgaben an die lokalen Kommunen, die dem Auftrag jedoch nicht gerecht werden konnten. Auch die Beschaffung nötiger Finanzmittel war problematisch. Außerdem ist immer noch die schlechte Regierungsführung, Korruption und Vernachlässigung breiter Bevölkerungsschichten verantwortlich für mangelnde Umsetzung von Umweltschutzrichtlinien. 

Sozialgeografische Grundlagen

Bevölkerungsverteilung in Madagaskar, © SASI Group/University of Sheffield (Worldmapper) (CC BY-NC-ND 3.0)
Bevölkerungsverteilung in Madagaskar, © SASI Group/University of Sheffield (Worldmapper) (CC BY-NC-ND 3.0)
Antananarivo, © Willy Kamanzi
Antananarivo, © Willy Kamanzi
Bevölkerungspyramide von Madagaskar 2020, © public domain
Bevölkerungspyramide von Madagaskar 2020, © public domain

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl Madagaskars hat sich in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt und liegt heute bei über 27 Mio. Heute gibt es täglich ca. 2000 Geburten, die ca. 500 Todesfällen gegenüberstehen. Die Wachstumsrate beläuft sich auf 2,7%, ein Wert, der seit den 1970er Jahren mit zwischenzeitlichen Schwankungen nach oben (1990er Jahre: fast immer über 3%) fast gleich geblieben ist. Eine madagassische Frau hat heute durchschnittlich vier Geburten; damit liegt die Verdopplungsrate der Bevölkerung bei ca. 20 Jahren. Die Fertilitätsrate hat leicht abgenommen. Madagaskar zeigt eine für viele Entwicklungsländer typische Form der Bevölkerungspyramide mit einer breiten Basis, d.h. dass Kinder und Jugendlich bis zu 50% der Gesamtbevölkerung darstellen und nur ca. 4% der Einwohner Madagaskars über 60 Jahre alt werden. Die Jugendlichen stellen große Herausforderungen an Bildung und Beschäftigung, womit viele Probleme des Landes offensichtlich werden. Gemessen an der Fläche Madagaskars ergibt sich eine statistische Bevölkerungsdichte von ca. 45 Einwohnern pro km², wobei im zentralen Hochland aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung mehr Menschen leben als im trockenen Süden oder an der feuchten Waldküste. Antananarivo stellt als Hauptstadt einen bedeutenden Agglomerationspunkt dar. Der Anteil aller Einwohner in urbanen Räumen beträgt für Madagaskar 37,9 (2019) und steigt seit 1960 stetig an. Damals lebten nur ca. 10% der Einwohner der Insel in städtischen Räumen bzw. deren Umfeld. Die Landflucht treibt jedoch immer mehr Menschen in die urbanen Räume, nicht zuletzt weil die Landwirtschaft nur noch begrenzte Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten bietet. Daher ist die Urbanisierungsrate (2010 – 2015) auch mit 3,9% relativ hoch und zieht meist negative Konsequenzen nach sich. Es ist eine Herausforderung für die heutige Politik und künftige Generationen, mit dieser Entwicklung positiv umzugehen. Die Lebenserwartung in Madagaskar ist mit 66,3 Jahren (2017) als recht hoch einzustufen (Vergleich Mosambik: 56,1 Jahre), was sich offenbar mit der niedrigen Sterberate durch HIV/AIDS erklären lässt.

Die Hauptstadt Antananarivo (auch Tananarive oder kurz Tana genannt) ist als geografisches und politisches Zentrum Madagaskars auch ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt auf der Insel. Im zentralen Hochland auf einer Ebene gelegen, ist die Stadt mit 1.600.000 Einwohnern (2015) auch die größte der Insel und in sich relativ weitläufig. Wohnviertel wechseln mit Reisfeldern ab, industrielle Bereiche mit Verwaltungsbezirken. Die Stadt wurde 1625 gegründet, 1797 wurde sie zum Zentrum der Merina-Könige. Im Großraum Antananarivos leben noch einmal 3-4 Mio. Menschen, die Stadt leidet jedoch unter einem raschen Anstieg der Bevölkerungszahlen. Durch die fehlende oder funktionsuntüchtige Wasser- und Abfallwirtschaft sowie durch die schlechte Luftqualität – die u.a. durch die Lage Antananarivos in einem Talkessel und durch Autoabgase sowie das Verbrennen von Holzkohle verstärkt wird – rangiert die Tana als drittungesündeste Stadt der Welt hinter Baku (Aserbaidschan) und Dhaka (Bangladesch).

Weitere bedeutende größere Städte in Madagaskar sind Toamasina, Antsirabe, Fianarantsoa, Mahajanga, Toliara, AntsirananaMoramanga oder Manakara. 

Transport im ländlichen Madagaskar, © Eva Biele
Transport im ländlichen Madagaskar, © Eva Biele
Taxi Brousse, © deruneinholbare (CC BY-NC 2.0)
Taxi Brousse, © deruneinholbare (CC BY-NC 2.0)
Warentransport auf dem Pangalan-Kanal, © Nathalie Sautiers-Anders
Warentransport auf dem Pangalan-Kanal, © Nathalie Sautiers-Anders

Transport und Verkehr

Madagaskar verfügt über knapp 60 000 km Straßen, von denen jedoch nur ca. 6000 km asphaltiert sind. Weitere 12 000 km sind befestigte Pisten. Nach französischem Vorbild verlaufen die asphaltierten Hauptstraßen der Insel, auch Routes Nationales (RN) genannt, sternförmig in die verschiedenen Regionen der Insel. Die RN 1 verbindet Antananarivo mit dem westlichen Hochland (Tsiroanomandidy), wo sie bis zur Westküste (Maintirano) allerdings zu einer Piste wird (RN1b) wird. Die RN 2 verbindet die Hauptstadt mit der bedeutenden Hafenstadt Tamatave an der Ostküste, während die RN 4 in Richtung Norden etwa 600 km bis zur Hafenstadt Mahajanga verläuft. Mit bis zu 1000 km ist die RN 7 in Richtung Süden die längste asphaltierte Straße in Madagaskar. In der Regenzeit sind auch die asphaltierten Straßen in Madagaskar nicht immer passierbar. Hangrutschungen oder Überschwemmungen verhindern ein schnelles Fortkommen, doch auch der Zustand der Straßen aufgrund der mangelnden Straßenpflege führt dazu, dass viele Regionen nur schwer erreicht werden können. Die mangelnde Funktionalität der Infrastruktur ist ein großes Hindernis bei der Entwicklung von Randregionen und isolierten Dörfern. Der Straßenverkehr ist insgesamt mit dem europäischen Verkehr kaum vergleichbar. 

Die sogenannten Taxi-Brousse (Buschtaxis) sind die wichtigsten Verkehrsmittel in Madagaskar. Alles, was noch fährt, kann als Taxi-Brousse eingesetzt werden. Die Buschtaxis fahren oft verspätet ab, sind häufig überfüllt und vielfach in Unfälle oder auch Überfälle verwickelt. Sog. Taxi-Be sind etwas sicherer; meist handelt es sich um einen Pkw. Die normalen Taxis in den Städten sind meist gelb und orange lackiert und relativ sicher. Ein konkreter Preis pro Strecke existiert jedoch nicht. Ein für Madagaskar traditionelles und typisches Personentransportmittel für die Städte sind die Pousse-Pousse (Mad.: Posyposy). Sie sind zumindest in Antsirabe, Toliara und Toamasina sehr beliebt und entsprechend häufig anzutreffen.

Madagaskar verfügt über elf nationale Flughäfen, der einzige internationale Flughafen ist der Ivato-Airport in Antananarivo. Außerdem sind kleinere Landeplätze für Chartermaschinen vorhanden, da aufgrund der großen Entfernungen und der schlechten Straßenqualität viele Leute auch Inlandsflüge in Anspruch nehmen. Es gibt neben der angestammten madagassischen internationalen Fluglinie Air Madagaskar seit kurzem auch die allerdings fast nur national fliegende Madagasikara Airways.

Die Eisenbahn ist in Madagaskar eher unbedeutend. Während der Kolonialzeit wurden zwar einige Trassen gebaut, dann aber hauptsächlich für den Güterverkehr genutzt. Im Norden existieren kurze Bahnstrecken, z.B. zwischen Antananarivo und Toamasina oder von Moramanga nach Ambatondrazaka. Aber selbst wenn die Züge fahren, sind sie überfüllt, unpünktlich und langsam. Die einzige für die Madagassen bedeutende und für Touristen attraktive Bahnstrecke ist die von Fianarantsoa nach Manakara. Diese alte Schmalspurbahn - auch als Dschungelexpress bezeichnet - stellt für die Bevölkerung eine wichtige Verbindung von ihren Hochlanddörfern an die Küste dar, dauert aber aufgrund des Alters der FCE (Ligne Fianarantsoa-Côte Est, erbaut 1926-1936) wenigstens 10 Stunden und ist offenbar auch nicht ganz ungefährlich. Die Bahn passiert insgesamt 67 Brücken und 48 Tunnel. Es wird alles transportiert, was mitgenommen werden kann. Auch von Moramanga nach Ambatondrazaka existiert noch eine "Bummelbahn", die ähnlich wie die Bahnfahrt von Fianarantsoa nach Manakara alt ist und für die 170 km Fahrt lange braucht. Auch hier ist sie für die ländliche Bevölkerung, aber auch für Touristen interessant. 

Über den Hafen von Toamasina (port principal), dem wichtigsten Seehafen der Insel, wird ein Großteil des Containerschiffsverkehrs und des internationalen Seehandels abgewickelt. Weitere wichtige Häfen sind in Tolagnaro, Mahajanga, Toliara, Antsiranana und Nosy Be vorhanden. In Nosy Be legen auch Kreuzfahrtschiffe an.

Der Pangalan-Kanal, der parallel zum Indischen Ozean an der Ostküste Madagaskars von Toamasina (Tamatave) bis Farafangana verläuft, ist mit über 600 km die längste Wasserstraße der Welt. Er ist bis heute einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen in Madagaskar und wird hauptsächlich zum Transport landwirtschaftlicher Produkte genutzt. Aber auch Touristen fühlen sich vom Kanal angezogen. 

Video über kuriose und gefährliche Verkehrswege in Madagaskar (Französisch, ca. 49 Minuten)

Transport über Land, © Claude Springer (CC BY-NC-ND 2.0)
Transport über Land, © Claude Springer (CC BY-NC-ND 2.0)
Alte Diesellok im Bahnhof Manakara, © Gabor Magyar
Alte Diesellok im Bahnhof Manakara, © Gabor Magyar
Transport von allerlei Gepäck in und auf Bussen, © Eva Biele
Transport von allerlei Gepäck in und auf Bussen, © Eva Biele

Nationale Symbole

Madagaskars Flagge, © public domain
Madagaskars Flagge, © public domain
Wappen von Madagaskar, © Ndriana, public domain
Wappen von Madagaskar, © Ndriana, public domain

In der dreifarbigen Flagge Madagaskars stehen die Farben Rot und Weiß historisch für das Hova-Reich bzw. das Königreich Madagaskar zur Zeit der Merina-Könige. Das Grün wurde erst später hinzugefügt. Die Farbe Rot symbolisiert heute die Souveränität des Staates Madagaskar, Weiß repräsentiert die Reinheit und Grün steht für die Hoffnung. Die derzeitige Flagge gilt offiziell seit 1958.

Madagaskars Wappen bzw. das Siegel zeigt den Kartenumriss der Insel, umgeben von einem weißen Kreis. Den Kopf des Zeburindes, das Gegenstand von schon fast kultischer Verehrung für die Madagassen ist, kann man unter dem Kreis erkennen, ebenso werden Reisfelder symbolisiert. Die grünen und roten Strahlen repräsentieren die Sonnenstrahlen. Ganz oben ist der Staatsname Repoblikan’i Madagasikara zu sehen. Das Siegel in seiner heutigen Form ist 1998 eingeführt worden. Historische Wappen bzw. Siegel stammen zunächst von den Monarchien der Königin Ranavalona II, dann des Merina-Königreichs von 1896. Später dann wurden unterschiedliche Wappen der Republik Madagaskar eingeführt (1958-1975; 1975-1992; 1993-1998). Das von 1993-1998 gültige Wappen gleicht dem heutigen bis auf die Farbe in großem Maße.

Die Parole bzw. der Wahlspruch Madagaskars ist „Fitiavana, Tanindrazana, Fandrosoana" ("Liebe, Vaterland, Fortschritt”). Er ist auch unten auf dem Wappen zu sehen.

Das Nationalsymbol Madagaskars ist bei den Tieren der Ringelschwanz-Lemur oder Katta-Lemur (Lemur catta), auch Maki genannt, und bei den Pflanzen der Baobab-Baum. 

Die Nationalhymne von Madagaskar ist seit dem 27. April 1959 die Ry Tanindrazanay malala ô

Die deutsche Übersetzung dazu lautet:

Oh du geliebtes Land unserer Vorfahren, Oh du schönes Madagaskar
unsere Liebe zu dir wird nicht schwinden, sondern für dich immer bestehen.

Du Schöpfergott, segne diese Insel unserer Vorfahren. Sie wird Friede und Freude kennen, damit wir in vollkommenem Glück leben.

Oh du geliebtes Land unserer Vorfahren, wir wollen uns in deinen Dienst stellen. Unsere Liebe, Herzen und Seelen, was wir Kostbares und Würdiges haben.

Oh du geliebtes Land unserer Vorfahren, gesegnet seist du, damit der Schöpfer der Welt die Basis deines Verhaltens sei.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Oktober 2020 aktualisiert. 

Autorin

Dr. Eva Biele hat in Geographie promoviert und viele Jahre in West- und Ostafrika gearbeitet, darunter auch in Madagaskar beim Office National pour l´Environnement (ONE) und in La Réunion beim Office National des Forêts (ONF). Seit 2009 ist sie als Consultant in Deutschland tätig, arbeitet als interkulturelle Trainerin sowie als Sprachdozentin und leitet verschiedene Landesanalysen zu Ostafrika bei der GIZ.

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