Werbung für Mpamba, in Malawi 2013 eingeführtes Mobile Banking / © Lars Plougmann (CC BY-SA 2.0)
Alphabetisierte Erwachsene
65,8% (geschätzt, 2015)
Bedeutende Religionen
Christentum (83%), Islam (13%)
Städtische Bevölkerung
16,6% (geschätzt, 2017)
Lebenserwartung (w/m)
63,8/59,7 Jahre (geschätzt, 2017)
Gender Inequality Index (GII)
0.619, Rang 148 von 160 (2017)
Anzahl der Geburten
5,49/Frau (geschätzt, 2017)
Kindersterblichkeit
74,5/1000 Lebendgeburten (2017)

Bevölkerung

Village Headman in Mangochi (Heiko Meinhardt)
Village Headman in Mangochi (Heiko Meinhardt)

Die größte ethnische Gruppe in Malawi bilden die Chewa, die knapp 40% (inkl. Nyanja) der Bevölkerung stellen und ihr Hauptsiedlungsgebiet in der Zentralregion haben. Es folgen die Lomwe (17,6% Anteil an der Gesamtbevölkerung) im Südosten, die Yao (13,5%), die entlang des Lake Malawi bis hinunter nach Balaka und Machinga siedeln. In der dünn bevölkerten Nordregion leben die Tumbuka (9%) und die Tonga (in Nkhata Bay; 2%), während die Sena (3,6%) im äußersten Süden Malawis (Nsanje, Chikwawa) beheimatet sind. Die Ngoni (11,5%) leben sowohl in der Zentral- (im Dedza-Distrikt) als auch in der Nordregion (Mzimba). Die Ngonde (1%) leben in der Nordregion. Der Rest entfällt auf noch kleinere Ethnien. Detaillierte demographische Informationen bietet der Bericht der letzten, allerdings schon 2008 durchgeführten Volkszählung.

In der Zentral- und der Südregion sind die ethnischen Ordnungen matrilinear geprägt, während die Nordregion und der äußerste Süden (Sena) patrilinear organisiert sind.

In Malawi ist es bisher nicht zu gewaltsam ausgetragenen ethnischen Konflikten gekommen. Ein regionales Identitätsbewusstsein herrscht vor. Diese regionalen Identitätslinien spielen bis heute eine wichtige Rolle, vor allem bei Patron-Klienten-Beziehungen und Nepotismus.

Sprachen

Amtssprachen sind Englisch und Chichewa. Fünf weitere größere afrikanische Sprachen werden gesprochen. Das Vorhandensein der Nationalsprache Chichewa hat sich als Vorteil für den Aufbau eines modernen Staates und als Integrationsbrücke zwischen den Ethnien erwiesen. Die Tatsache, dass sich Malawier aller Ethnien untereinander verständigen können, steigert die Integrationschancen. Die seit 1994 praktizierte Politik, auch die anderen Sprachen als Unterrichtssprachen in den jeweiligen Sprachregionen anzuwenden, hat den Charakter der "Lingua Franca" nicht beschädigt, da der Chichewa-Unterricht ab der ersten Grundschulklasse verpflichtend ist.

Soziale Lage und Arbeitsmarkt

Armut, Krankheit und geringe Bildung bestimmen den Alltag eines großen Teils der Bevölkerung. Die Lebenserwartung liegt bei 61,7 Jahren. 9,8% der Malawier haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 9% der zwischen 15- und 49jährigen gelten als HIV-positiv. Laut Volkszählung gibt es ca. 190.000 AIDS-Waisen (2,8% aller Kinder unter 18 Jahren). UNICEF geht von deutlich höheren Zahlen aus. Etwa ein Drittel der Einwohner können nicht lesen und schreiben. Knapp 74% der Bevölkerung lebt aktuell unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag; über 90% haben weniger als 2 US-Dollar täglich zur Verfügung. Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt gerade einmal 332 US-Dollar (2017). Immense Preissteigerungen in Folge der weltweit steigenden Nachfrage und der Devaluierung des Kwacha vor allem bei Grundnahrungsmitteln belasten vor allem die städtischen Haushalte. Die Inflationsrate betrug 2017 13,0%. Sie konnte gegenüber dem Vorjahr (21,8%) deutlich gesenkt werden.

Von den geschätzten 7,0 Mio. Arbeitenden (2013) leben 87% in ländlichen Gebieten und sind größtenteils in der Landwirtschaft, vorwiegend im Klein- und Subsistenzanbau oder als Plantagenarbeiter tätig. Außerhalb der Städte sind sogar über 90% im Agrarsektor tätig. Es gibt keine verlässlichen Statistiken zum Arbeitsmarkt. Ein großes Problem stellt Kinderarbeit, vor allem auf den Tabakplantagen, dar, wie die International Labour Organisation berichtet.

Stadt-Land-Verhältnis

Malawi weist eine niedrige Urbanisierungsrate auf. Lediglich 16,6% der Einwohner leben in Städten, was jedoch seit 1975 fast eine Verdoppelung bedeutet. Obwohl die Städte Zuwächse verzeichnen, sind diese weniger einer signifikanten Landflucht geschuldet, sondern auch auf höhere Geburtenraten und bessere Gesundheitsversorgung zurückzuführen. Das städtische Leben ist teuer und nicht frei von Unglücken, wie der Einsturz illegaler Bauten. Vor allem sind auch Nahrungsmittel teuer. Somit ist es riskant, ohne Aussicht auf Arbeit und Einkommen umzusiedeln. Da die traditionellen Dorfstrukturen mit ihren Großfamilienverbänden noch weitgehend intakt sind, ist das Leben im eigenen Dorf sicherer als eine Flucht in die Stadt. Die Landwirtschaft bietet auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche. Somit konnte eine Slumbildung in den Städten bisher weitgehend vermieden werden.

Die wachsende städtische Bevölkerung führt zur Knappheit von (bezahlbarem) Wohnraum und ebenso zur Bebauung von Grünflächen.

Landleben in Thyolo (Heiko Meinhardt)
Landleben in Thyolo (Heiko Meinhardt)
Fischfang in Mangochi (Heiko Meinhardt)
Fischfang in Mangochi (Heiko Meinhardt)

Geschlechterverhältnis

Maisverarbeitung in einem Dorf im Zomba-Distrikt (Heiko Meinhardt)
Maisverarbeitung in einem Dorf im Zomba-Distrikt (Heiko Meinhardt)

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist in der Verfassung festgeschrieben. In der Realität ist die malawische Gesellschaft — vor allem auf dem Lande — an den Werten und Normen des traditionellen Rechtes ausgerichtet. Ein Beispiel sei hierfür genannt: Obwohl das staatliche Erbrecht die Stellung der Ehefrau und Kinder, die - wenn kein Testament vorhanden - erben, deutlich verbessert hat (vorher erbten zumeist die männlichen Verwandten den Löwenanteil), ist dieses in der Praxis für die betroffenen Witwen nur schwer durchsetzbar, da die traditionellen Autoritäten die Erbstreitigkeiten meistens im Rahmen ihrer traditionellen Gerichtsbarkeit verhandeln, sich dabei aber nur an den Traditionen der Ethnie orientieren. Zwar bliebe der Witwe das Recht den staatlichen Rechtsweg zu beschreiten (wo sie auch Recht bekäme), aber das erfordert Geldmittel, einen gewissen Bildungsgrad, viel Geduld, und — was schwerer wiegt — sie würde es sich mit der Familie ihres Mannes gründlich verderben. Somit wird das moderne Recht nur sehr selten angewendet.

Ein Gesetz, das häusliche Gewalt unter Strafe stellt, wurde vom Parlament 2006 verabschiedet. In der Praxis ist es bisher selten zur Anwendung gekommen, da die betroffenen Frauen aus kulturellen und/oder Bildungsgründen auf gerichtliche Klagen zumeist verzichten. Per Gesetz wurde 2015 das Eheschließungsalter auf 18 Jahre erhöht, um die weit verbreiteten Eheschließungen unter Kindern zu verringern. Fast die Hälfte der Mädchen wird vor ihrem 18. Geburtstag und fast 10% vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Ob das Gesetz hingegen in den ländlichen Gebieten, wo das Problem akut ist, durchgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. Da es dort keine Personaldokumente gibt, ist das vom Staat kaum kontrollierbar. Kinderehen sind meistens auf große Armut zurückzuführen. Junge Mädchen werden von ihren Verwandten quasi zwangsverheiratet, um die Familie zu entlasten.

Über die Rolle der Frau berichtet ausführlich und aktuell mit Zugriff auf Dokumente, Vereinbarungen und Strategie zum Thema Gender Policy in Malawi die Homepage des UN Social Development Networking Programme. Frauen sind in der Politik weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Frauen in parteipolitischen Führungspositionen fungieren nicht selten als "Türöffner" für andere Frauen. Über die Rolle von Frauen in politischen Führungspositionen wurde von Afrobarometer eine Studie veröffentlicht. Die Organisation berichtet auch über die Perzeption von Diskriminierung. Über die Arbeitsteilung der Geschlechter im ländlichen Raum hat die FAO eine Studie vorgelegt. Ob Joyce Bandas grandiose Wahlniederlage von 2014 darauf zurückzuführen ist, dass sie eine Frau ist, wie ein Beitrag suggeriert, erscheint nicht überzeugend und parteipolitisch gefärbt. In der Politik sind Frauen noch immer stark unterrepräsentiert. Das gilt auch für die kommunalpolitische Ebene, wo das Potenzial von Frauen nicht gehoben wird.

Bildung

Sunday School an der Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)
Sunday School an der Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)

Das Bildungssystem ist in seiner Struktur dem britischen Modell angelehnt. Die Primarschule beträgt acht Jahre, gefolgt von der Secondary School, die als weiterführende Schule vier Jahre lang zu absolvieren ist. Während die  Primarschulausbildung an staatlichen Schulen kostenlos ist, werden für die Sekundarausbildung Gebühren fällig. Es gibt auch zahlreiche private Primar- und Sekundarschulen, mit zum Teil deutlich besserer Ausstattung an Materialien und Lehrkräften. Die Schulgebühren können sich nur bessergestellte Malawier leisten. Grundbildung zählt zu den Prioritäten der Regierungspolitik. Es gibt zahlreiche Disparitäten im Bildungsbereich. Auch sind die finanziellen Mittel für den Bildungsbereich trotz des signifikanten Engagements der Geber ungenügend. Der öffentliche Bildungssektor befindet sich in einer Krise. Deutschland ist als Entwicklungspartner schon seit Jahren im Grundbildungssektor engagiert. Von historischer Bedeutung ist die Kamuzu Academy, die vom Diktator Kamuzu Banda 1981 in seinem Geburtsort in Kasungu errichtet wurde. Die prestigeträchtige Privatschule finanziert sich seit der Demokratisierung über Schulgebühren. Der National Education Sector Plan 2008-17 und der Implementation Plan geben einen guten Überblick über den Bildungsbereich. Die Bilanz fällt jedoch gemischt aus. Die schulische Bildung von Mädchen hat noch erhebliche Herausforderungen. Die Weltbank hat dem Bildungssystem einen ausführlichen Bericht gewidmet.

Das Land verfügt über eine größere Universität, die University of Malawi mit Colleges in Zomba (Chancellor College), Blantyre und Lilongwe. Dazu gehören das College of Medicine und die Lilongwe University of Agriculture and Natural Resources (LUANAR), das ehemalige Bunda College of Agriculture. Eine kleinere Universität gibt es in der nördlichen Stadt Mzuzu (Mzuzu University). Die in Thyolo, dem Heimatdistrikt von Ex-Präsident Bingu wa Mutharika, errichtete Malawi University of Science and Technology (MUST) wurde 2014 eröffnet. Zudem gibt es eine Reihe von privaten Universitäten, wie die Catholic University.

Hervorzuheben ist das Centre for Social Research der University of Malawi, das auf seiner Homepage auch eine Publikationsliste von Studien bereithält.

Bücher und Publikationen über Politik, Gesellschaft, Theologie, Geschichte und Kultur erscheinen seit vielen Jahren in den Kachere Series, die von Dozenten des Chancellor Colleges herausgegeben wird. Bücher können auch online bestellt werden.

Die berufliche Bildung ist erst rudimentär ausgeprägt.

University of Malawi: Chancellor College, Zomba (Heiko Meinhardt)
University of Malawi: Chancellor College, Zomba (Heiko Meinhardt)
Malawi University of Science and Technology in Thyolo (Heiko Meinhardt)
Malawi University of Science and Technology in Thyolo (Heiko Meinhardt)

Gesundheit

Das malawische Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen. Neben den großen Krankenhäusern in Blantyre (Queen-Elisabeth-Hospital, dem die medizinische Fakultät der University of Malawi, das renommierte College of Medicine, angegliedert ist) und Lilongwe (Kamuzu Central Hospital), die zu den am besten ausgestatteten staatlichen Hospitälern gehören, gibt es eine Reihe von kleineren Einrichtungen (Zomba, Mzuzu) und Distriktkrankenhäusern. Die Behandlung ist bisher kostenlos. Es wird aber erwägt, Gebühren zu erheben, um die Versorgungslage mit Medikamenten zu verbessern. Es gibt erhebliche Engpässe bei der Versorgung mit Medikamenten und bei der technischen Ausstattung. Die Abteilungen sind zudem heillos überbelegt. Im ganzen Land wirken gerade einmal ca. 300 Ärztinnen und Ärzte, inklusive der Entwicklungshelfermediziner.

Säugling in Mulanje (Heiko Meinhardt)
Säugling in Mulanje (Heiko Meinhardt)

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von privaten Krankenhäusern, die zum Teil von den christlichen Kirchen betrieben werden. Diese sind materiell deutlich besser ausgestattet, verlangen aber Gebühren für die Behandlung und für Medikamente. Einen guten Ruf hat zum Beispiel das Mwaiwathu Hospital in Blantyre.

Besonders in den ländlichen Gebieten spielt die traditionelle Medizin eine immer noch große Rolle. Aber auch gesundheitlich gefährliche und vom Staat verbotene traditionelle Rituale werden in einigen Gegenden weiter praktiziert, wie der Fall der "Hyänen" zeigt.

Die Haupttodesursache stellt AIDS dar. Etwa 9% der 15- bis 49-jährigen gelten als infiziert. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber 2003, wo 14% als HIV-positiv gemeldet wurden. Dieser Wert ist (mit einem Ausnahmejahr) seit 2004 kontinuierlich gesunken. Einen Fortschrittsreport hat die malawische Regierung vorgelegt. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat zur aktuellen Situation einen Bericht über die eigenen Aktivitäten in Malawi veröffentlicht. Es gibt eine größere Anzahl von AIDS-Waisen. Neben HIV/AIDS ist auch Malaria eine weit verbreitete Krankheit, deren Bekämpfung ein wichtiges Ziel der Regierung ist. Die ohnehin nicht ausreichenden Kapazitäten im Gesundheitssektor werden durch den Brain-drain noch verringert.

Kultur

Kunsthandwerk aus Malawi auf Briefmarken (Archiv Meinhardt)
Kunsthandwerk aus Malawi auf Briefmarken (Archiv Meinhardt)
Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)
Mua Mission in Dedza (Heiko Meinhardt)

Ein freies kulturelles Leben konnte sich in Malawi erst nach der Ablösung des autoritären Banda-Regimes 1994 entfalten. Die Kulturszene ist übersichtlich und wird größtenteils von Künstlern bestimmt, die hauptberuflich einem Broterwerbsjob nachgehen müssen.

Auf dem Land überwiegt afrikanische Kultur, die sich im Wesentlichen an die oral überlieferten Traditionen der einzelnen Ethnien anlehnt. Eine "malawische" Kultur gibt es nicht. Das Banda-Regime hatte — erfolgreich — versucht, Musik und Kunst für seine politischen Zwecke zu vereinnahmen und den Kultursektor gleichzuschalten. Das zeigte sich auch im Sprachregime: Neben Chichewa wurde keine andere ethnische Sprache in den Schulen gelehrt oder gefördert. Sie wurden auch aus dem Rundfunk verbannt.

Mittlerweile haben westliche Einflüsse begonnen, die afrikanische Kultur auch in den ländlichen Regionen zu überlagern. Da der Einfluss moderner Medien aber begrenzt ist, ist diese Entwicklung noch langsam.

Unter den Chewa spielt der Geheimbund der Nyau und deren Kult Gule Wamkulu eine wichtige Rolle. Die Ritualtänze gehören zum Kulturerbe der Menschheit.

Kunst

Banda mit traditionellen Tänzern (Archiv Meinhardt)
Banda mit traditionellen Tänzern (Archiv Meinhardt)
Musikinstrumente aus Malawi (Archiv Meinhardt)
Musikinstrumente aus Malawi (Archiv Meinhardt)

Ein wesentlicher Bestandteil der malawischen Kultur ist der traditionelle Tanz, der zur Zeit der Banda-Diktatur (1964-94) als politisches Propagandainstrument missbraucht wurde. Der Vimbuza Healing Dance der Tumbuka und der Tchopa der Lomwe wurde von der UNESCO als Erbe der Menschheit anerkannt. Einige Bedeutung hat auch die traditionelle Instrumentalmusik. Aber auch die moderne Musikszene hat einiges zu bieten. Einer der bekanntesten Interpreten ist Lucius Banda, der seit 2014 als Abgeordneter der UDF im Parlament sitzt. Seine beliebten Lieder und Konzerte wurden unter der Regierung von Bingu wa Mutharika aus politischen Gründen zeitweilig vom staatlichen Rundfunk boykottiert. Es werden auch Musikfestivals veranstaltet, wie das bekannte Lake of Stars Art Festival. In 2009 wurde das erste internationale malawische Filmfestival organisiert.

Regelmäßige Theateraufführungen malawischer und ausländischer Ensembles finden im ehemaligen French Cultural Centre in Blantyre statt. Während die Kunst seit 1994 frei von politischer Einflussnahme ist, war sie unter der Banda-Diktatur noch unterdrückt, wie Harri Englund zeigt. In der darstellenden Kunst ragt das Nanzikambe Theatre heraus. Die traditionelle Kunst ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt.

Erstmals wurde 2015 ein malawisch-deutsches Kunstsymposium unter der Leitung der deutschen Künstlerin Kris Heide veranstaltet. Die von vier malawischen und vier deutschen Künstlern in Blantyre geschaffenen Gemälde wurden unter dem Namen Myths of Malawi in Blantyre und Lilongwe ausgestellt. Im Jahr 2016 tourte die Ausstellung durch Deutschland und war in Hamburg, Berlin, Hannover und Tübingen zu sehen.

Malawi ist bekannt für sein Holzkunsthandwerk, das sich auch bei Touristen großer Beliebtheit erfreut. Bemerkenswert ist auch das Keramikhandwerk in Dedza.

Literatur

Der wichtigste, auch international bekannte, Autor und Lyriker des Landes ist der 1944 geborene Jack Mapanje. Zu seinen bekanntesten Werken zählen: Of Chameleons and Gods (1991); The Chattering Wagtails of Mikuyu Prison (1993) und Gathering Seaweed: African Prison Writing (2002). Er wurde von Banda mehrmals ohne Anklageerhebung aufgrund seiner Literatur in Haft genommen, was auch Ausdruck in seinen Werken - vor allem auch in seiner 2012 erschienenen Autobiographie "The crocodiles are hungry at night" - fand. Einen guten Einblick in ethnische Traditionen bieten die Theaterstücke, die 2018 von Smith Likongwe unter dem Titel "The Chief's Blanket" herausgegeben wurden. Die schwierige Thematik von häuslicher Gewalt und den Umgang mit HIV/AIDS beschreibt die malawische Aktivistin Pacem Kawonga in ihrer Autobiographie "Eine Zukunft für meine Kinder", die seit 2015 auch auf Deutsch vorliegt (Original: Italienisch). Der ehemalige norwegische Botschafter in Malawi, Asbjörn Eidhammer,  hat 2017 das lesenswerte Buch "Malawi - A Place Apart" vorgelegt, in dem er auch mit den Gebern streckenweise kritisch ins Gericht geht.

Literatur zu Malawi — auch wertvolle antiquarische Ausgaben — bietet Central Africana an.

Empfehlenswert sind auch die Bücher des in Schottland lebenden malawischen Arztes und Schriftstellers John Lwanda. Er hat sich auch mit verschiedenen Aspekten der malawischen Musik beschäftigt.

Religion

Malawi ist christlich geprägt. Nach Auswertung der letzten Volkszählung von 2008 gibt es 82,7% Christen, von denen bekennen sich 52% zur protestantischen Church of Central Africa Presbyterians (CCAP), 43% zum römisch-katholischen Glauben und 5% zu anderen Kirchen, wie z. B. Anglikaner, Pfingstler, Seventh Day Adventists und eine Reihe kleiner und kleinster christlicher Religionsgemeinschaften.

Providence Industrial Mission Church in Chiradzulu
Providence Industrial Mission Church in Chiradzulu. An diesem Platz wirkte der Nationalheld John Chilembwe. (Heiko Meinhardt)

Darüber hinaus gibt es 13% Muslime. Der Rest bekennt sich zu keiner offiziellen Kirche. In der malawischen Bevölkerung herrscht eine traditionell große religiöse Toleranz. Die Religionsfreiheit wird vom Staat respektiert. 

Moschee in Lilongwe (Heiko Meinhardt)
Moschee in Lilongwe (Heiko Meinhardt)
Ein muslimischer Geistlicher bei der Arbeit, Chiradzulu-Distrikt (Heiko Meinhardt)
Ein muslimischer Geistlicher bei der Arbeit, Chiradzulu-Distrikt (Heiko Meinhardt)

Sowohl die CCAP als auch die Römisch-Katholische Kirche verfügen über gut ausgebaute landesweite Organisationsstrukturen. Die Muslim Association of Malawi verfügt über gesellschaftliches und teilweise auch politisches Gewicht in Malawi. Jeder Muslim ist qua Geburt Mitglied in der Organisation, die — wie die christlichen Kirchen auch — Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen unterhält. Es gibt noch weitere muslimische Organisationen. Eine islamische Universität ist in Planung. Trotz aller Toleranz kommt es gelegentlich zu religiösen Auswüchsen, wie das von Muslimen geforderte Schweinefleischverbot im Distrikt Mangochi. Das Problem wurde dann relativ geräuschlos gelöst. Im September 2016 führte die Weigerung von Schulmädchen, ihren Hijab abzulegen, zur kurzfristigen Schließung einer öffentlichen Primarschule in Mangochi. Per Gerichtsbeschluss wurde die Schule bis zu einer endgültigen Klärung der Frage zunächst wieder geöffnet.

Die Toleranz zwischen den Religionen ist sehr groß. Es gibt keine signifikanten, gewaltsam ausgetragenen Konflikte. Religion insgesamt spielt eine wichtige Rolle in Malawi. Gottesdienste sind meistens gut besucht. Neben der Zugehörigkeit zum christlichen Glauben oder zum Islam spielen die traditionellen Rituale und Totenkulte weiterhin eine wichtige Rolle. Wie in den meisten afrikanischen Kulturen sind auch in Malawi Hexerei und schwarze Magie anzutreffen. Im Oktober 2017 brach fast eine nationale Hysterie aus, als Menschen als angebliche Vampire gejagt und zum Teil vom Mob umgebracht wurden.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Januar 2019 aktualisiert.

Über den Autor

Dr. Heiko Meinhardt, Politikwissenschaftler. Global tätiger International Consultant und Wahlexperte.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)228 4460 2036

Zum Kontaktformular

Download