Dorf im Dedza-Distrikt, Zentralregion / © Heiko Meinhardt
Offizieller Name
Republik Malawi
Fläche
118.484 km²
Einwohner
ca. 17,9 Mio. (2015)
Bevölkerungswachstum
3,3% (2015)
Regierungssitz
Lilongwe
Klima
subtropisch

Südostafrikanisches Armenhaus

Malawi gehört nicht zu den allgemein bekannten afrikanischen Staaten. Das liegt nicht nur an der - positiven - Tatsache, dass es bisher nicht mit Schreckensmeldungen über verheerende Naturkatastrophen oder Bürgerkriege aufwarten konnte, sondern auch an seiner geringen Größe und Armut.

Malawi ist ein Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und war dies schon traditionell seit Mitte der 1960er Jahre, als es diese Kategorie noch gar nicht gab. Es zählt zu den Kooperationsländern mit bilateralen Länderprogrammen.

Fernverkehr in Malawi. Mit freundlicher Genehmigung von Heiko Meinhardt (Gutachter und Wissenschaftler, info@dr-heiko-meinhardt.de)
Fernverkehr in Malawi. Mit freundlicher Genehmigung von Heiko Meinhardt (Gutachter und Wissenschaftler, info@dr-heiko-meinhardt.de)

Über 90% der ca. 17,9 Millionen Einwohner (Volkszählung 2008: 13,1 Millionen) Malawis leben direkt oder indirekt von der Landwirtschaft, da das Land über keine nennenswerten - mit Ausnahme von kleineren Uranvorkommen - Bodenschätze verfügt. Das Land gilt mit 158 Einwohnern pro Quadratkilometer (auf Grundlage der Volkszählung, nach aktuellen Schätzungen deutlich mehr) als im Vergleich mit den Nachbarländern dicht besiedelt. Das Wirtschaftswachstum wird von der Quantität und Qualität der erzeugten landwirtschaftlichen Produkte bestimmt und ist abhängig von den labilen klimatischen Bedingungen.

Malawi zählt traditionell zu den ärmsten Ländern der Welt. Im jährlichen Human Development Index des UNDP aus dem Jahr 2015 rangiert das Land auf Rang 173 (von 188).

Lage & Größe

Lage Malawis im südlichen Afrika © Rei-artur  (CC BY-SA 3.0)
Lage Malawis im südlichen Afrika © Rei-artur (CC BY-SA 3.0)

Malawi ist ein Binnenland und liegt am drittgrößten See Afrikas, dem Lake Malawi. Es ist knapp 120.000 km² groß, wovon ca. 24.000 km² Wasserfläche sind. Der südliche Teil des Landes ist von Mosambik umgeben, während es im Westen an Sambia und im Norden an Tansania grenzt. Während die Grenze zu Mosambik in der Mitte des Lake Malawi verläuft und die beiden besiedelten malawischen Inseln Likoma und Chizumulu zu Exklaven macht, verläuft die offizielle Staatsgrenze zu Tansania entlang des tansanischen Ufers. Dieses führte im August 2012 zu bisher ungelösten Grenzstreitigkeiten mit Tansania, nachdem Malawi einem britischen Investor eine Erdölexplorationslizenz im Malawisee gewährt hatte.

Diese Binnenlage, ohne Zugang zum Meer, stellt ein großes Handelshemmnis dar, da die Transportkosten deutlich verteuert werden.

Übersichtskarten

Übersichtskarte zu Malawi
Übersichtskarte zu Malawi (© CIA, public domain)

Malawi auf einen Blick bietet auch die UN. Eine detaillierte Ansicht des Landes bietet Maplandia. Über die humanitäre Situation in Malawi wird eine ständig aktualisierte Kartensammlung bereitgehalten. Das Land verfügt über eine Reihe kleinerer Nationalparks. Expert Africa bietet eine deutlich differenzierte Ansicht. Zudem gibt es Stadtpläne der Hauptstadt Lilongwe und der Handelsmetrople Blantyre.

Landesimpressionen

Kinder spielen in Malawi eine große Rolle (Heiko Meinhardt)
Kinder spielen in Malawi eine große Rolle (Heiko Meinhardt)

Aussagekräftige Fotodokumentationen über Land und Leute sowie Alltag, Schule und das Leben der Landbevölkerung bietet die luxemburger Hilfsorganisation ONG Eng oppen Hand fir Malawi. Weitere Aufnahmen bietet die Fototour, aber auch der Expeditions-Blog von Charly Julier und Sylvia Vogel. Ein Kurzfilm zeigt den berühmten Lake Malawi, den drittgrößten See Afrikas (und der achtgrößte der Erde), der auch ein Taucherparadies ist.

Grunddaten

Für einen guten Einstieg in das Land geeignet sind der landeskundliche Überblick des Auswärtigen Amtes, die Homepage der malawischen Botschaft in London, das CIA-World Factbook, sowie die freie Enzyklopädie Wikipedia. Umfangreiche Statistiken hält auch das National Statistical Office in Zomba bereit.

Obwohl das Land nicht von besonderen Heimsuchungen (Kriege, große Naturkatastrophen) betroffen war und obwohl es seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1964 relativ großzügig mit westlicher Entwicklungshilfe versorgt wurde, gehört Malawi noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Lebenserwartung war zeitweise deutlich, in der Spitze bis auf 39 Jahre, vor allem auf Grund von HIV/AIDS zurückgegangen, konnte sich aber in den letzten Jahren auf über 62 Jahre verbessern. Das ist einerseits auf den Einsatz von AIDS-Medikamenten, andererseits auf Verbesserungen bei der - noch immer hohen - Säuglings- und Kindersterblichkeit zurückzuführen. Ein Arzt kommt statistisch gesehen auf über 51.000 Einwohner. In Großbritannien leben und arbeiten mehr malawische Mediziner als in Malawi, was auf die unattraktive Bezahlung, die sich mittlerweile etwas verbessert hat, und auf die inzwischen eingestellte offensive Anwerbung durch das britische Gesundheitswesen zurückzuführen ist. Verbesserungen sind auf dem Feld der Alphabetisierung zu verzeichnen. Dafür mitverantwortlich sind die Abschaffung der Schulgebühren für Primarschulen und der Verzicht auf Schuluniformen (seit dem Schuljahr 1994/95). Die weibliche Alphabetenrate liegt bei 58,6% (2015), und weist eine deutliche Diskrepanz zur männlichen (73,0%) auf. Diese und weitere Daten sind im Detail bei UNDP und der Weltbank nachzulesen.

Indikatoren für menschliche Entwicklung in Malawi

Lebenserwartung
(in Jahren)
1970
41,0
2014
62,8
Säuglingssterberate
(auf 1.000 Lebendgeburten)
1970
189
2014
48
Sterberate der unter Fünfjährigen
(auf 1.000 Lebendgeburten)
1970
330
2014
64
Infektionsrate mit HIV/AIDS
(15-49-Jährige)
2014
8,2 %
Bevölkerung mit Zugang zu sicherem Trinkwasser 1990
49 %
2015
90 %
Alphabetenrate
(über 15-Jährige)
1990
51,8 %
2015
65,8 %
Alphabetenrate der Jugendlichen
(15-24 Jahre)
1990
63,2 %
2010
70,0 %
Öffentliche Ausgaben für Bildung
(in % des BIP)
1991
3,2
2012
5,7
Urbanisierung
1975
7,7 %
2015
16,3 %
Human Development Index
1975
0,327
2014
0,445
Quelle: Weltbank 2014; Human Development Report 2015. UNDP 2014; UNESCO 2014; CIA World Factbook 2016, National Statistical Office, Zomba, 2015.

Naturräumliche Gegebenheiten

© Sadalmelik (public domain)

Malawi zählt zu den äußeren Tropen. Ein Fünftel des Staatsgebietes besteht aus Wasserfläche. Der Nyasagraben als südlichster Teil des ostafrikanischen Grabens durchzieht das Land der Länge nach. Gelegentlich können auch Erdbeben auftreten, wie zuletzt 2009. Malawi lässt sich in drei Zonen unterteilen: Im Nordosten liegt der Malawisee; südlich des Sees befindet sich der von Bergen und Hochplateaus umgebene Shiregraben. Das Hochland verläuft im Westen mit dem Nyika-Plateau und den Viphyabergen. Ein Großteil des Landes liegt über 1.000 Meter über dem Meeresspiegel. Der Malawisee ist bis zu 600 Meter tief und gehört damit zu den vier tiefsten Seen der Welt. Es gibt drei kleinere, flachere Seen im Süden. Der größte Fluss Shire ist der einzige Abfluss des Sees. Er fließt durch den Süden des Landes und mündet schließlich in Mosambik in den Sambesi. Im Südosten (Mulanje) befindet sich der Mount Mulanje, der mit 3000 Metern höchste Berg Südafrikas. Der Boden ist für die Landwirtschaft geeignet.

Es gibt eine Reihe von geschützten Gebieten, wie zum Beispiel den Kasungu- (Zentralregion) und den Liwonde-Nationalpark (Südregion), das Nyika-Plateau im Norden und das Zomba-Plateau. Der Malawisee-Nationalpark weist den größten Artenreichtum an Fischen weltweit auf, von denen fast alle endemisch sind, und der deshalb zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt.

Das Klima weist erhebliche regionale Unterschiede auf. Der Norden erhält deutlich mehr Regen als der Süden. Die große Wasserfläche des Sees sorgt für regelmäßige Niederschläge. Im Januar/Februar 2015 kam es zu sehr schweren Niederschlägen, die die schlimmsten Überflutungen im Land seit über 30 Jahren hervorgerufen hatten. Die Regenzeit dauert von Dezember bis April. Von Mai bis August ist es kühl, während die heiße Jahreszeit von September bis November andauert. Einen Überblick über die Durchschnittstemperatur bietet die FAO. Einen generellen Überblick bietet die Klimatabelle. Die Flora und Fauna Malawis ist subtropisch geprägt. Die FAO hält Fakten zu den Anbauperioden der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte bereit.

Teeplantagen vor dem Mount Mulanje (Heiko Meinhardt)
Teeplantagen vor dem Mount Mulanje © Heiko Meinhardt
Überschwemmungen in Machinga 2015 © Heiko Meinhardt
Überschwemmungen in Machinga 2015 © Heiko Meinhardt

Ökologische Probleme

Brennholznutzung als Umweltproblem
Brennholznutzung als Umweltproblem (Heiko Meinhardt)

Der Umweltschutz spiegelt sich bisher eher in der modernen Umweltgesetzgebung wider als in der Realität. Die größten Umweltprobleme werden durch Abholzung verursacht. Da diese vor allem auf den Brennholzbedarf der armen Landbevölkerung zurückzuführen ist, ist sie vom Staat kaum durch Gesetze zu verhindern. Die Folgen der Abholzung sind verheerend. Malawi weist einen Bestandsverlust von 1,6% pro Jahr auf und liegt damit an der Spitze der SADC-Region. Einer der Hauptgründe für die Abholzung ist der industrielle Tabakanbau. Tabak ist das weitaus wichtigste Exportprodukt des Landes. Der Malawisee gilt, obwohl es keine große Fischindustrie gibt, als überfischt, wie ein einheimischer Fischer anschaulich schildert.

Über Umweltpolitik, Umweltschutz und -projekte finden Sie auch Informationen auf der Homepage der NGO CURE. Der Bericht zum Stand der Umwelt gibt weitere interessante Informationen. Der weltweite Klimawandel hat auch negative Auswirkungen auf Malawi. Es kommt zu starken Überschwemmungen (wie Anfang 2015 und in der Nordregion im April 2016) oder zu Dürren. Diese haben gravierende Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion und die Qualität und Quantität der landwirtschaftlichen Exportprodukte, die in dem Agrarland von größter Bedeutung sind.

Sozialgeographische Gegebenheiten

Bevölkerung und Stadtentwicklung

Von den 17,9 Millionen Einwohnern (2015) leben 45% in der Süd-, 42% in der Zentral- und 13% in der Nordregion. Knapp 84% der Bevölkerung (2015) Malawis lebt auf dem Lande, zumeist in Dörfern, von denen es knapp 23.000 gibt. Die urbane Bevölkerung siedelt im Wesentlichen in vier Städten: Das 1976 zur Hauptstadt ausgebaute Lilongwe (Zentralregion) hat 905.000 Einwohner (Schätzung 2015), gefolgt von der Handelsmetropole Blantyre (Südregion; 808.000 Einwohner (Schätzung 2015)), der Metropole der Nordregion, Mzuzu (154.000 Einwohner (Schätzung 2013)) und der ehemaligen Haupt- und heutigen Universitätsstadt Zomba (99.000 Einwohner (Schätzung 2013)). Die Stadtentwicklung wird von der Regierung aktiv betrieben.

Lilongwe wurde in der ersten Hälfte der 1970er Jahre vom autoritären Banda-Regime neben der gleichnamigen Siedlung als Retortenstadt errichtet. Mittlerweile sind die sogenannte Old Town und die Capital City zusammengewachsen. Stadtteile wurden als Areas numerisch bezeichnet. Nach dem Umzug des Staatspräsidenten von Blantyre nach Lilongwe (2004) boomt die Stadt. Sie konnte Blantyre aber bisher nicht den Rang als Geschäfts- und Handelsmetropole streitig machen.

Die regionale Verteilung der Bevölkerung variiert. Die Südregion ist am dichtesten besiedelt, gefolgt von der Zentralregion, während die Nordregion nur eine dünne Besiedelung aufweist.

Verkehrshindernisse bei Dedza (Heiko Meinhardt)
Verkehrshindernisse bei Dedza © Heiko Meinhardt

Verkehrswesen

Die Verkehrsinfrastruktur Malawis ist relativ gut. Das Land verfügt über ein kleines, aber relativ gutes Netz von befestigten Straßen, sowohl auf der Nord-Süd-Achse, als auch zwischen den wichtigen Tabak-, Tee- und Zuckeranbaugebieten und den Städten. Der Straßenbau wird von den Gebern maßgeblich unterstützt, unter anderem von der African Development Bank.

Große Hoffnung wird auf den Ausbau der Eisenbahnverbindung von Malawi nach Nacala an der mosambikanischen Küste gelegt. Damit könnten die Transportwege deutlich abgekürzt und verbilligt werden. Das Bahnnetz Malawis umfaßt nur 800 Kilometer und reicht von Mchinji an der sambischen Grenze über Salima bis nach Mosambik. Es wird nur für den Güterverkehr genutzt.

Auf dem See verbindet seit Anfang 2014 das Motorschiff Chambo, ausgelegt für 80 Passagiere, Küstenorte im östlichen Teil miteinander. Auch das deutlich größere Motorschiff Ilala ist wieder im Einsatz. Das altgediente Schiff, es fasst ca. 400 Passagiere und 100 Tonnen Fracht, verkehrt auf der Süd-Nord-Achse von Monkey Bay in Mangochi bis in den äußersten Norden. Es bedient auch die Inseln Chizumulu und Likoma. Ein neues Passagierschiff, die Chilembwe, wurde Anfang 2015 in Betrieb genommen. Sie ist für 120 Passagiere ausgelegt. Mit ihm können - fahrplanabhängig - auch die Inseln Chizumulu und Likoma erreicht werden.

Internationale Flughäfen bieten Lilongwe und Blantyre. Darüber hinaus gibt es einen nationalen Airport in Mzuzu und eine Reihe von Landepisten.Insgesamt ist der Flugverkehr übersichtlich.

Malawis neue Fluggesellschaft 'Malawian'
Malawis neue Fluggesellschaft "Malawian" © Heiko Meinhardt
Fischer am Lake Chilwa (Heiko Meinhardt)
Fischer am Lake Chilwa (Heiko Meinhardt)

Nationale Symbole

Flagge Malawis
Flagge Malawis
Staatswappen Malawis
Staatswappen Malawis

Die aufgehende rote Sonne auf der von 1964 bis 2010 und wieder ab 1. Juni 2012 verwendeten Nationalflagge symbolisiert die Unabhängigkeit und die Hoffnung auf eine prosperierende Entwicklung. Die 31 Strahlen sind ein Hinweis darauf, das Malawi als 31. afrikanischer Staat seine Unabhängigkeit erlangte. Die Farbe schwarz steht für Afrika, rot für das für die Unabhängigkeit vergossene Blut, und grün für die Felder und Wälder Malawis. Nähere Informationen, auch zum Landeswappen, hält das Flaggenlexikon bereit.

Die von Präsident Bingu wa Mutharika ohne ausreichende Konsultationen mit der Bevölkerung im August 2010 eingeführte Flagge wurde nach dessen Tod von seiner Nachfolgerin Joyce Banda durch Parlamentsbeschluss abgeschafft und die ursprüngliche Flagge ab 1.6.2012 wieder in Dienst gestellt.

Die Nationalhymne können Sie hier in Chichewa und Englisch lesen und auch hören.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Setember 2016 aktualisiert.

Über den Autor

Dr. Heiko Meinhardt, Politikwissenschaftler. global tätiger International Consultant und Wahlexperte.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Klima
Nationalpark
Umwelt
Entwaldung
Stadt
Wasser
Infrastruktur

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