Verkaufsstand in Thyolo, Südmalawi / © Heiko Meinhardt
Geschätztes BIP
6,4 Mrd. US-$ (2015)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
380 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 173 (von 188), 2015
Anteil Armut (unter 1,25$ pro Tag)
73,9 %
Anteil alphabetisierte Erwachsene
65,8 %

Wirtschaft

Maismühle in Lirangwe (Heiko Meinhardt)
Maismühle in Lirangwe (Heiko Meinhardt)
Fischfang (Heiko Meinhardt)
Fischfang (Heiko Meinhardt)

Malawi ist ein ausgeprägtes Agrarland. Es werden bisher, außer zeitweise Uran, kaum mineralische Rohstoffe gefördert, obwohl in jüngster Zeit signifikante Vorkommen entdeckt wurden. Unter anderem werden im Malawisee Erdölvorkommen erschlossen. Die verarbeitende Industrie in den vier Städten (Blantyre, Lilongwe, Zomba und Mzuzu) ist klein und international unbedeutend. Das BIP beträgt nur 6,4 Mrd. US-Dollar (2015), was einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von lediglich 380 US-Dollar entspricht. Damit ist Malawi eines der ärmsten Länder der Welt. Nach dem aktuellen Human Development Report nimmt es Rang 173 von 188 untersuchten Staaten ein. 84% der Bevölkerung (2013) lebt auf dem Lande. Ein beträchtlicher Teil der ländlichen Bevölkerung (über 90%) lebt von der Landwirtschaft; im Wesentlichen als Klein- und Subsistenzbauern. Diese sind arm und leben in potenziell prekären Lebensverhältnissen. Trotz des starken Bevölkerungsdrucks und der damit verbundenen Landknappheit können genügend Nahrungsmittel produziert werden, um den Bedarf aus eigener Kraft zu decken. Diese Balance ist jedoch sehr instabil. Schon kleinere klimatische Probleme (Trockenheit oder Überschwemmungen) können zu einer Verknappung der Nahrungsmittel führen und eine Krise auslösen, wie zuletzt im Jahr 2002 und wieder in 2005/2006. Über die aktuelle Situation berichtet das World Food Programme. Auf Grund guter Ernten seit 2006 hat sich die Lage deutlich entspannt. Allerdings haben die schweren Überschwemmungen in großen Teilen des Landes infolge von Starkregen (Januar-März 2015) signifikante Teile der Felder verwüstet mit desaströsen Auswirkungen auf die Ernte 2015. Auch die Ernte 2016 war durch Dürre in der Südregion und Starkregen in der Nordregion beeinträchtigt mit signifikanten Folgen für die Nahrungsmittelsicherheit.

Im April 2007 wurde auf Grund günstiger klimatischer Bedingungen sogar eine Rekordernte beim Hauptnahrungsmittel Mais eingefahren. Insgesamt wurden ca. 1 Million Tonnen Überschuss erwirtschaftet, von dem ein Teil in den Export, unter anderem nach Simbabwe, ging.

Der Anteil der Landwirtschaft am BIP ist mit 32,9% (2015) traditionell hoch, während der Industriesektor mit 17,1% relativ unbedeutend bleibt. Die verbleibenden 50,1% entfallen auf den Dienstleistungssektor.

Blick auf Zomba (Heiko Meinhardt)
Blick auf Zomba (Heiko Meinhardt)
Teeplantagen am Mount Mulanje (Heiko Meinhardt)
Teeplantagen am Mount Mulanje (Heiko Meinhardt)

Das Realwachstum ist stark dominiert von der landwirtschaftlichen Produktion. Nach Wachstumsraten von über 6 % in den Jahren 2003 und 2004 wurde im Jahr 2005 nur eine Steigerung von 4,9 % erreicht. In Folge der besseren Ernte wuchs die Wirtschaft im Jahr 2006 lediglich um 2,3 %. Der Wert für 2007 lag auf Grund der Allzeitrekordernte bei beachtlichen 7,9 %. Im Jahr 2008 wurde sogar ein Rekordwachstum von 9,7 % erzielt, der sich 2009 im Rahmen der internationalen Finanzkrise auf 7,5 % verringerte. Im Jahr 2010 wurde ein Wachstum von 7,1 %, im Jahre 2012 von nur noch 4,5 % erzielt. Für 2013 betrug der Zuwachs 4,2 %, der vor allem auf eine größere Tabakproduktion zurückzuführen ist. Das Wachstum konnte 2014 um 5,7 % gesteigert werden. Die Nahrungsmittelversorgung weiter Teile der armen Landbevölkerung bleibt prekär.

Die Wirtschaft wird durch die unzuverlässige Stromversorgung belastet. Die chronische Devisenknappheit konnte seit 2013 überwunden werden, da mit der Wechselkursfreigabe des Kwacha die Überbewertung der Landeswährung beendet wurde.

Die US-amerikanische Heritage Foundation bewertet in ihrem aktuellen Ranking Malawi mit einem Indexwert von 51,8 (2015: 54,8). Das Land rangiert auf Platz 146 von 178 und fällt in die Rubrik "mostly unfree". Unter den 46 Staaten von Sub-Sahara-Afrika nimmt Malawi Rang 36 ein. Probleme gibt es vor allem auf den Feldern Korruption, Staatsausgaben und Inflation, während in der Fiskalpolitik Erfolge sichtbar wurden. Positiv entwickelte sich erneut die Handelsfreiheit. Der Bertelsmann Transformationsindex für eine freie Marktwirtschaft zeigt Malawi aktuell nur auf Platz 90 von 129 gelisteten Staaten.

Zur aktuellen Wirtschaftslage bietet African Economic Outlook einen ausführlichen Überblick. Die Reserve Bank of Malawi bietet Monats- und Quartalsberichte zum Herunterladen, die qualitativ hochwertig und relativ detailliert sind. Über die Finanzlage der Volkswirtschaft wird in detaillierten Reports berichtet.

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik Malawis ist im Wesentlichen bestimmt durch die Reformvorgaben der Geber. Die Regierung hat bisher - teilweise mit Verzögerungen - den meisten Reformvorgaben der Geber verbal entsprochen, wobei es bei der Umsetzung an fehlenden Kapazitäten und von 2004 bis Mai 2009 an der politischen Handlungsfähigkeit mangelte. Der Completion Point in der HICP-Initiative wurde im November 2006 erreicht, was in Anbetracht des ungünstigen Umfeldes als Erfolg zu werten ist. Die Geld-, Fiskal- und Währungspolitik ist vom Anspruch her stabilitätsorientiert. Die Inflationsrate liegt jedoch auf Grund der Freigabe des deutlich überbewerteten Wechselkurses des Kwacha im Jahresdurchschnitt 2012 bei 21,4% und schnellte im Februar 2013 auf 37,9% empor. Im Jahresdurchschnitt 2015 betrug die Inflationsrate 22,2% (2014: 24,4%). Der Kwacha hat seit 2002 massiv gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Der Wechselkurs der Währung wurde bisher vor allem durch verringerte Erträge beim Hauptexportprodukt Tabak (und die geringeren Entwicklungshilfezahlungen) belastet. Die  überfällige Abwertung des Kwacha wurde von der Mutharika-Regierung verhindert, um die Inflation nicht anzuheizen und importierte Güter damit nicht massiv zu verteuern. In Folge der dadurch entstandenen Devisenknappheit wurden auf dem Parallelmarkt deutlich höhere Umtauschkurse für Starkwährungen bezahlt. Am 7. Mai 2012 wurde der Kwacha-Kurs von der Banda-Regierung in Kooperation mit dem IWF freigegeben und wertete sofort um 47% gegenüber dem US-Dollar ab, was dem Parallelmarkt die Grundlage entzog. Unmittelbar darauf wurden die staatlich festgesetzten Treibstoffpreise nach oben angepasst. Die Folge waren steigende Transportkosten. Allerdings blieb es nicht bei dieser einen Abwertung. Der Kwacha büßte seitdem beinahe täglich an Wert ein, was sich auf die Preise für Importgüter oder mit importierten Inputs hergestellte Produkte treibend auswirkt. Die Devisenlage bleibt angespannt. Die Verfügbarkeit von Benzin und Diesel hat sich zwar deutlich verbessert, aber nur wenige können sich diese noch leisten. Im Mai 2013 erfolgte erstmals eine Senkung der Treibstoffpreise in Folge einer signifikanten Erholung des Kwacha gegenüber dem US-Dollar. Diese Erholung war auf die verbesserte Devisenlage durch den Verkauf einer gut ausgefallenen Tabakernte zurückzuführen. Später hatte der Benzinpreis wieder deutlich angezogen und wurde erst aufgrund fallender Weltmarktpreise stufenweise gesenkt zog aber zuletzt Mitte 2016 aufgrund des rasanten Außenwertverfalls des Kwacha wieder deutlich an. Die inländischen Steuereinnahmen konnten in den letzten Jahren real nicht signifikant gesteigert werden. Anderslautende Berichte entpuppten sich als Trickserei der Vorgängerregierung unter Bingu wa Mutharika.

Malawi hat, als Reaktion auf die schlechte Nahrungsmittelversorgung bis 2005, entgegen den allgemeinen Trends zur Wirtschaftsliberalisierung und vor allem gegen den heftigen Widerstand der internationalen Geber beschlossen, staatliche Subventionen für Saatgut und Dünger einzuführen. Dadurch konnte das Land seit 2005 die Getreideernte von 1,7 auf 3,4 Millionen Kubiktonnen zeitweise verdoppeln und dem benachbarten Simbabwe sogar Hungernothilfe leisten. Dieses wurde im Nachhinein auch von Geberseite anerkannt. Trotz dieser Produktionsüberschüsse gelang es der Regierung nicht, die Distribution im Land so zu organisieren, dass alle Bedürftigen aus eigener Kraft versorgt werden konnten. Mit den Ernteausfällen 2016, die auf Dürre in der Südregion und Starkregen in der Nordregion zurückzuführen sind, und ihren verheerenden Folgen zeigte sich erneut die Abhängigkeit von der Unberechenbarkeit des Wetters.

Landhandel (Heiko Meinhardt)
Landhandel (Heiko Meinhardt)
Unter staatlicher Kontrolle: Die Reserve Bank of Malawi in Lilongwe (Heiko Meinhardt)
Unter staatlicher Kontrolle: Die Reserve Bank of Malawi in Lilongwe (Heiko Meinhardt)

Produkte und Produktionsweisen

Malawi verfügt fast ausschließlich über landwirtschaftliche Produkte. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Mais, Tabak, Tee und Zucker. Die Tabakplantagen sind fast ausschließlich in einheimischem Privatbesitz, während im Teesektor die Briten noch verankert sind. Die wichtigsten Teeplantagen befinden sich in den Distrikten Thyolo und Mulanje im Südosten des Landes. Die beiden Zuckerplantagen in Nkhotakota (Zentralmalawi) und Chikwawa (Süden) gehören dem südafrikanischen Unternehmen Illovo. Außerdem werden u.a. noch Kaffee, Erdnüsse und Macadamia angebaut. Die einst bedeutendere, jetzt kleine Textilindustrie wird von Kleiderspenden aus Industriestaaten bedroht. 

Im Norden (Karonga-District) wird seit einiger Zeit vom australischen Konzern Paladin Energy eine Uran-Mine (Kayelekera) betrieben. Die im April 2009 angelaufene Produktion sollte in den ersten 12 Jahren jährlich ca. 120 Millionen US-Dollar an Exporterlösen einbringen. Nach eigenen Angaben wurden 2011 und 2012 10% des BIP Malawis mit Uran erwirtschaftet. Die aktuell ungünstige Entwicklung der Uran-Weltmarktpreise hat eine (vorübergehende) Produktionsniederlegung seit Mai 2014 nach sich gezogen. Die Konkurrenzfähigkeit der Mine wurde durch die hohen Stromkosten (aus Diesel-Generatoren) noch verschlechtert. Das Projekt wird auch kritisch gesehen. Es gibt auch kleinere Vorkommen an anderen mineralischen Rohstoffen.

Die Technik ist nicht immer auf dem neuesten Stand: Kirchendruckerei in Nkhoma (Heiko Meinhardt)
Die Technik ist nicht immer auf dem neuesten Stand: Kirchendruckerei in Nkhoma (Heiko Meinhardt)

Das verarbeitende Gewerbe ist sehr klein. Es gibt bisher keine industrielle Tabakverarbeitung zur Herstellung von Exportzigaretten und auch noch keine Düngemittelfabrik. Einen Überblick über die Landwirtschaft, Viehwirtschaft, den Fischereisektor und Wasserresourcen bieten die FAO.

Insgesamt kommen im Subsistenz- und Kleinbauernsektor kaum Ochsengespanne, Pferde oder Traktoren zum Einsatz. Es wird fast ausschließlich menschliche Arbeitskraft eingesetzt. Das gilt auch für die Plantagenwirtschaft (Tabak, Tee, Zucker).

Die Malawi Confederation of Chambers of Commerce and Industry informiert über Investitionsmöglichkeiten, Handelsmessen und hält eine Liste mit Kontaktadressen der malawischen Unternehmer bereit. Zudem ist die SAFRI (Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft) auch für Malawi zuständig, wenngleich das bisherige Engagement dort noch wenig ausgeprägt ist. Ein Business Directory, inklusive Links zu den staatlichen Institutionen (Fachministerien etc.), hält umfangreiche Informationen bereit.

Außenhandel

Malawi weist traditionell eine negative Handelsbilanz auf. Das Defizit betrug 2015 fast 1,5 Milliarden US-Dollar. Die Exporterlöse sind von 2007 bis 2011 um 53% gestiegen. Es besteht eine besorgniserregend hohe Abhängigkeit vom Hauptexportgut Tabak, das über die Hälfte der Exporterlöse erwirtschaftet. Die Anteile von Tee, Kaffee, Gewürze (10%) und Zucker (5,2%) bleiben dahinter deutlich zurück. Von Zeit zu Zeit können sogar Maisüberschüsse in Nachbarstaaten exportiert werden, was in Krisenzeiten unterbunden wird. Die schlechte Maisernte von 2016 macht Importe erforderlich. Seit 2010 hatte Uran nach Tabak den zweiten Platz unter den Hauptexportgütern eingenommen. Es trug zu ca. 10% des BIP bei. Allerdings wurde die Mine in Karonga von Paladin Africa Ltd. Anfang 2014 aufgrund stark gefallener Weltmarktpreise vorerst stillgelegt.

Die nur gering differenzierte Wirtschaft ist auch vom Volumen her übersichtlich: Der Gesamtwert der Exporte betrug 2015 nur 1.185 Millionen US-Dollar. Hauptexportländer sind Belgien, Simbabwe, Südafrika, Deutschland, Russland und die USA. Importiert wurden Güter im Wert von 2.664 Millionen US-Dollar (2015). Die wichtigsten Importländer sind Südafrika, Indien, VR China und Tansania. Ein Großteil der Exporte geht nach außerhalb der SADC, wobei die Importe überwiegend von Mitgliedsstaaten der SADC gedeckt werden.

Entwicklung

Armutsbekämpfung und Millenniumsziele

Malawis Bilanz im Hinblick auf die Millennium Development Goals (MDGs) ist durchwachsen. Es gibt zudem widersprüchliche Statistiken und Prognosen. Nach dem 2015 von der malawischen Regierung vorgelegten Bericht wurden wohl nur vier Ziele erreicht: Reduzierung der Kindersterblichkeit, Erfolge bei der Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten, Verbesserung der Umwelt und Ausbau der globalen Partnerschaft. Beim Zugang zu Primär- und Sekundärbildung gibt es Fortschritte. Offiziell besuchen geringfügig mehr Mädchen die Grundschule als Jungen. Im Sekundarbereich liegt ihr Anteil bei 43%. In beiden Bereichen sind gegenüber dem Basisjahr 1990 wesentliche Fortschritte zu verzeichnen. Der Anteil der Erwachsenen, die ihre Primarschulausbildung beendet haben, verharrt auf niedrigem Niveau. Die Durchfallraten in den Abschlussexamina sind, vor allem auf Grund der ungünstigen Lehrer-Schüler-Ratio (1:74) in Primarschulen (und 1:42 in Sekundarschulen) und der defizitären Lehrqualität, hoch. Bei der Alphabetisierung gibt es noch immer ein signifikantes Ungleichgewicht: Während 73,0% der Männer über 15 Jahren lesen und schreiben können, gilt das nur für 58,6% der Frauen (2015). Eine Verbesserung der Bildungssituation wird von der Regierung ernsthaft betrieben. Die Bildungsausgaben sind mit 5,7% des BIP (2012) erheblich. Einen ausführlichen Bericht legt die malawische Regierung vor.

Erfolge gibt es im Gesundheitssektor. Eine signifikante Reduzierung der Kindersterblichkeit ist nach dem 2015 vorgelegten Bericht der malawischen Regierung (siehe oben) abscheinend gelungen. Klar verfehlt wurde das Ziel, die Sterblichkeit von Frauen im Kindsbett deutlich zu reduzieren. Die Rate liegt nach UNDP-Angaben noch immer bei alarmierenden 634 pro 100.000 Lebendgeburten (2015), wobei hier durchaus signifikante Fortschritte zu verzeichnen sind. Besser sieht es bei der Bekämpfung von HIV/AIDS aus. Die Rate der HIV/AIDS-Infektionen ist mit 8,2% (der 15-49 Jährigen; 2014) seit 1995 auf noch immer hohem Niveau rückläufig. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben liegen bei 8,3% des BIP (2013). Der Strategische Plan der Regierung für den Gesundheitssektor gibt detaillierte Informationen. Der aktuelle HDI-Wert von 0,445 (2014) hat sich gegenüber 1995 leicht verbessert. Das Land rangiert auf Platz 173 im unteren Bereich der Bewertungsskala und gehört damit seit langem zu den weltweit ärmsten Staaten. Besorgniserregend ist nach wie vor die weit verbreitete Armut. 73,9% der Malawier leben unterhalb der 1,25 US-Dollar Armutsgrenze (2012), während 90,4% weniger als 2 US-Dollar pro Tag zum Leben zur Verfügung haben. Die Wahrscheinlichkeit, bei Geburt nicht das Alter von 40 Jahren zu erreichen, liegt bei 32,6% (2005-10). Die Nahrungsmittelsicherheit ist – ungeachtet der 2007 eingefahrenen Rekordernte beim Mais und den guten oder zumindest auskömmlichen Ernten 2008 bis 2014 – prekär, da die Produktion in hohem Maße von den volatilen klimatischen Bedingungen abhängig ist. Die staatlich subventionierte Zuteilung von Dünger an bedürftige Haushalte kann (häufig auftretende) klimatische Verwerfungen (Dürre, Überschwemmungen) nicht korrigieren und weist zudem Implementierungsprobleme auf. Die Ernte von 2015 wurde durch Überflutungen dezimiert. Im Jahr 2012 hat die malawische Regierung ein neues Programm zur Armutsbekämpfung (MGDS II)für die Jahre 2012 bis 2016 verabschiedet. Es setzt auf nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Entwicklung von Infrastruktur. Desweiteren haben die Bereiche Gesundheit, Bildung, soziale Sicherung und gute Regierungsführung Priorität. Die Armutsbekämpfungsstrategie wird auch vom International Monetary Fund dokumentiert. Die auf die MDG aufbauende Entwicklungsstrategie wurde von der malawischen Regierung veröffentlicht. 

Das Southern African Regional Poverty Network liefert eine Reihe von interessanten Online-Publikationen zu Armut in Malawi.
Von den öffentlichen Auslandsschulden in Höhe von 3,2 Milliarden US-Dollar (2005) wurden Anfang September 2006 von den Gebern in Folge des G8-Beschlusses 90% erlassen. Die Auslandsschulden liegen bei ca. 1,88 Milliarden US-Dollar (2014). Die freiwerdenden Mittel durch Einsparungen beim Schuldendienst sind für Entwicklungsaufgaben (z.B. Bildung, Gesundheit, Armutsbekämpfung) zu verwenden. Obwohl dieser Erlass ein großer Erfolg ist, wird Malawi auch zukünftig von Kreditaufnahmen im Ausland hochgradig abhängig bleiben.

Landleben in Mangochi (Heiko Meinhardt)
Landleben in Mangochi (Heiko Meinhardt)
Marktfrauen in Ntcheu (Heiko Meinhardt)
Marktfrauen in Ntcheu (Heiko Meinhardt)

Große Abhängigkeit von ausländischer Hilfe

Übersicht zu den staatlichen Leistungen der wichtigsten bilateralen Partner
Übersicht zu den staatlichen Leistungen der wichtigsten bilateralen Partner © OECD: Aid at a glance charts by recipient

Malawi ist bis heute hochgradig von ausländischer Hilfe abhängig. Der Anteil der Entwicklungshilfe am BIP schwankt zwischen 20% und 30%. Etwa 40% des laufenden Haushaltes ist geberfinanziert. Die Einnahmen aus öffentlicher Entwicklungshilfe liegen bei 930,2 Millionen US-Dollar (2014), was 22,8% vom BIP entspricht. Einen guten Überblick bietet der Malawi Aid Atlas. Die wichtigsten bilateralen Geber sind die USA, gefolgt von Großbritannien, Norwegen, Japan und Deutschland. Engagiert sind auch Irland und Kanada, sowie die VR China und Indien. Kanada hat sein bilaterales Engagement 2014 auslaufen lassen, bleibt aber über multilaterale Institutionen involviert.

Die Zukunft der britischen bilateralen Zusammenarbeit mit Malawi wurde nach der Ausweisung des britischen Botschafters 2011 einer "generellen Überprüfung" unterzogen und wurde wieder aufgenommen. Viele Geber hatten ihre Budgethilfe zunächst eingefroren, um Reformen in der Wirtschaftspolitik (zum Beispiel Devaluierung des Kwacha) und im Bereich Governance einzufordern. Mit der Amtsübernahme von Joyce Banda war die Entwicklungszusammenarbeit wieder angelaufen, da sie eine Reihe wichtiger Reformen eingeleitet hat. Einen großen Rückschlag nahm die Entwicklungszusammenarbeit in Folge des weitläufigen Korruptionsskandals Cash Gate, der im September 2013 ans Tageslicht gelangte. Da von der Veruntreuung öffentlicher Gelder in Millionenhöhe auch Budgethilfemittel betroffen zu sein scheinen, wurde die Budgethilfe von den meisten Gebern suspendiert und auch nicht generell wieder aufgenommen, als der IWF im Januar 2014 beschloss, einen Kredit über 20 Millionen US-Dollar auszuzahlen. Die Suspendierung hat auch negative Auswirkungen für die Armen. Für eine Wiederaufnahme der Budgethilfe werden von den Gebern die vollständige juristische Aufarbeitung des Skandals, die Rückführung der veruntreuten Gelder an den malawischen Staat und effektive Präventionsmaßnahmen eingefordert.

Multilaterale Geber sind die EU, die ein Annual Action Programme mit Malawi entworfen hat, die Weltbank sowie die African Development Bank. Über die aktuelle Zusammenarbeit mit den wichtigsten Gebern berichten die Weltbank, die auch aussagekräftiges Datenmaterial zum Stand der Entwicklung bereithält, und der Internationale Währungsfonds (IMF), auf dessen Homepage Sie die neuesten Informationen, Vereinbarungen und Dokumente, die für die Beziehungen zu Malawi relevant sind, abrufen können. Wichtig ist auch die Arbeit des United Nations Sustainable Development Networking Programme. Entwicklungspolitisch relevante Regierungspublikationen sind kostenlos auf der offiziellen Homepage der Regierung herunterzuladen. Eine US-amerikanische Studie der Universität Princeton hat die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe in Malawi untersucht.

Die Aid Management Platform des malawischen Finanzministeriums hält offizielle Statistiken und Angaben zu öffentlicher Entwicklungshilfe und ihrer Verwendung bereit.

Deutsche EZ

Malawi ist Kooperationsland deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist mit einem Büro in Lilongwe vertreten. Darüber hinaus entsendet das Centrum für Internationale Migration und Entwicklung (CIM) Ärzte nach Malawi. Die Sektoren der deutschen EZ sind: Grundbildung, Gesundheit und - seit 2014 - ländliche Entwicklung. Der Sektor "demokratische Dezentralisierung" lief aus und wurde im bilateralen Einvernehmen mit dem Sektor ländliche Entwicklung ersetzt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist vor allem im Sektor Infrastruktur engagiert. Als einzige parteinahe deutsche Stiftung war die Konrad-Adenauer-Stiftung mit einem Büro in Lilongwe präsent. Dieses wurde aber 2012 geschlossen. Das deutsche Engagement wurde im Dezember 2009 auf 64 Millionen Euro für zwei Jahre verdoppelt. Die bilaterale deutsche Entwicklungshilfe seit der Unabhängigkeit beläuft sich auf über 1 Milliarde Euro, unter Einrechnung des deutschen Beitrages in internationalen Organisationen auf mehr als 1,5 Mrd. Euro. Im Februar 2011 wurde die Budgethilfe teilweise suspendiert aus Sorge um die Einschränkung der Pressefreiheit und gesetzliche Verschärfungen gegen Homosexualität. Der Cash Gate Skandal hat auch Auswirkungen auf die deutsche Budgethilfe, die Ende 2013 eingefroren und bisher nicht wieder aufgenommen wurde. Deutschland gab aber Mittel für den Gesundheitsbereich sowie zur Verbesserung des Finanzmanagements im Dezember 2013 frei und kündigte weitere Hilfen an. Deutschland hat die Wiederaufnahme der Budgethilfe davon abhängig gemacht, dass die veruntreuten Vermögenswerte an den Staat zurückgegeben werden. Berlin hat 18 Millionen Euro für eine Rechnungsprüfung des Cashgate-Skandals zur Verfügung gestellt. Bei Regierungsverhandlungen im Oktober 2015 wurden von Berlin 82 Mio. Euro zugesagt. Zusätzlich erhält Malawi über die Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger" Mittel in Höhe von 16 Mio. Euro, die der Unterstützung landwirtschaftlicher Innovationen und der Verbesserung der Ernährungssicherheit dienen sollen. Die Deutsche Botschaft in Lilongwe informiert über die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit. Im Bereich der nichtstaatlichen Entwicklungshilfe ist die Deutsche Welthungerhilfe in Malawi besonders aktiv.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2016 aktualisiert.

Über den Autor

Dr. Heiko Meinhardt, Politikwissenschaftler. global tätiger International Consultant und Wahlexperte.

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