Junge Arbeitslose demonstrieren in Rabat (copyright: Martina Sabra)
Geschätztes BIP
118 Mrd. US-$ (Schätzung 2018 - Quelle: GTAI)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
8579 US-Dollar (Schätzung 2018 - Quelle: GTAI)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 121 von 189 (2018)
Anteil Armut
Absolut: 1,5% Relativ: 18% Subjektiv: 55% (ONDH)
Ungleiche Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
40,70 (UNDP 2016)
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 70 (von 129, 2018)

Wirtschaft

Grunddaten, Indikatoren, Statistiken

In den vergangenen Jahren verzeichnete Marokko bescheidene Wachstumsraten um drei bis vier Prozent. Ausländische Direktinvestitionen nahmen zu.

Die wirtschaftliche und soziale Lage in Marokko ist geprägt von Arbeitslosigkeit und zunehmenden Einkommensungleichheiten. Zwar gibt es laut der nationalen Beobachtungsstelle für die menschliche Entwicklung ONDH kaum noch Menschen in absoluter Armut und der Prozenzsatz der Armen (<1,9 Dollar/Tag) ist stark gesunken (von 15% in 2001 auf ca. 1,5 % in 2019). Doch nach einem Bericht der Organisation Oxfam haben in ländlichen Gebieten Marokkos rund fünfzig Prozent der Menschen nur 3 Dollar pro Tag zur Verfügung, also nicht einmal die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns. Rund 20 Prozent der Bevölkerung gelten als von absoluter Armut bedroht  Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung halten sich selbst für arm. Mehr als 80 Prozent geben an, dass sich ihre wirtschaftliche Situation seit Jahren nicht positiv verändert habe. 

Trotz Subventionskürzungen und Privatisierungen hat die Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren zugenommen. 

Aktuelle Informationen zur Wirtschaftslage finden Sie bei Germany Trade and Invest, bei der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, beim Auswärtigen Amt sowie beim Economist Intelligence Unit (kostenlos, aber für Hintergrundberichte ist eine Registrierung erforderlich). Trends auf dem Arbeitsmarkt und Zahlen zur Beschäftigung hält das marokkanische Planungsministerium bereit. Die deutsch-marokkanische Außenhandelskammer AHK in Casablanca veröffentlicht einmal pro Quartal die deutsch-französische Zeitschrift "Bilatéral", die mit etwas zeitlicher Verzögerung kostenlos online gestellt wird. Bei der AHK Casablanca können Interessierte gegen Gebühr Informationen über die Präsenz deutscher Unternehmen in Marokko bestellen (Hardcover und PDF).

Wirtschaftssystem

Formal ist Marokko eine freie Marktwirtschaft. Bedingt durch die starke Stellung der Königsfamilie in der Beteiligungsgesellschaft Al Mada (bis 2018 Société Nationale d'Investissment SNI) und alteingesessener Eliten ist der Wettbewerb jedoch verzerrt. Seit dem Machtantritt von König Mohammed VI. hat die Vormachtstellung der Königsfamilie in Schlüsselsektoren wie Energie, Landwirtschaft, Bergbau, Einzelhandel, Transport, Telekommunikation weiter zugenommen, wie eine Analyse des renommierten Wirtschaftsjournalisten Omar Brouksy belegt.

Gleichzeitig sind immer mehr Marokkaner auf Überweisungen aus dem Ausland angewiesen, um zu überleben. Laut der Weltbank steht Marokko in der MENA-Region bei der Höhe der Auslandsüberweisungen von Migranten (Remittances) in absoluten Zahlen an zweiter Stelle. Zur Sicherung des sozialen und politischen Friedens verteilt der Staat Subventionen: Diese wurden in den letzten Jahren gekürzt, von 5 Mrd. Euro auf umgerechnet 1,2 Mrd. Euro in 2018. Für das Jahr 2019 wurde eine Erhöhung um 30 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro angekündigt. Derzeit werden Kochgas, Mehl und Zucker subventioniert.

Wirtschaftspolitik und Entwicklungspotentiale

Marokko ist auf dem Weg vom Agrarland zur Dienstleistungs- und Industriegesellschaft, wobei die Industrialisierung auf viele Hindernisse stößt. Der Palast und die Finanz- und Wirtschaftseliten verfolgen eine pragmatische, vom sogenannten Neoliberalismus geprägte Linie, mit einem Mix aus freier Marktwirtschaft, mäßiger Regulierung, Stärkung der Binnenwirtschaft und Anbindung an den Weltmarkt. Ein zentraler Aspekt ist die Kooperation mit der Europäischen Union, insbesondere mit Frankreich und mit Spanien. Weitere wichtige Achsen sind die Kooperation mit den arabischen Golfstaaten und der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen in West- und Zentralafrika.

Nach wie vor finden zwei Fünftel der marokkanischen Erwerbstätigen Arbeit in Landwirtschaft und Fischerei, wobei diese Sektoren weniger als ein Sechstel des BIP erzeugen. Landwirtschaft, Phosphatabbau, Tourismus sowie die verarbeitende Textil- und Lebensmittelindustrie waren über Jahrzehnte Säulen der marokkanischen Wirtschaft.

Der Phosphatexport ist aktuell ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Marokko. Weltweit steht das Land bei den Exporten an zweiter Stelle. Der Anteil Marokkos an den weltweiten Phosphaterzvorkommen soll rund 70 Prozent betragen. Ein Großteil dieser Vorkommen liegt auf dem Gebiet der Westsahara. Aus politischen Gründen ist daher unklar, wie weit Marokko von den enormen Ressourcen tatsächlich profitieren kann.

Aktuell ist Marokko bestrebt, seine geographischen Standortvorteile zu nutzen und sich als Industriestandort sowie als logistische Drehscheibe für den Handel zwischen Europa und Afrika zu etablieren. Grundlage sind umfangreiche Pläne für die Entwicklung der Schlüsselsektoren Mobilität und Transport, Windenergie, Sonnenenergie, Infrastruktur, Landwirtschaft, Tourismus. Zur Strategie gehören der weitere Ausbau des Energiesektors sowie des Straßen- und Schienennetzes, des Eisenbahnsektors (Rail Maroc 2040) wie auch der weitere Ausbau des  Tiefseehafens bei Tanger. Im Eisenbahnsektor spielt Frankreich eine zentrale Rolle.

Ein strategisches Kernziel ist die Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten. Zur Zeit muss Marokko mangels eigener Rohstoffe seinen Energiebedarf noch fast komplett durch Importe decken. Bis 2030 sollen durch den Ausbau erneuerbarer Energien (Wind, Sonne) nicht nur die Energieimporte reduziert werden, Marokko will auch Strom exportieren. Parallel wird daran gearbeitet, durch Steigerung der Energieeffizienz den heimischen Stromverbrauch zu verringern.

Zur Steigerung seiner Wirtschaftskraft braucht Marokko gut ausgebildete Fachleute. Bislang gibt es zu wenig junge Leute mit abgeschlossener Berufsausbildung und arbeitsmarktkompatiblen Hochschulabschlüssen. Marokko setzt hier vor allem auf private Bildungseinrichtungen, teilweise auch in Form internationaler Kooperationen, wie zum Beispiel die UIC in Casablanca oder die UIR in Rabat.

Kunsthandwerk für den Tourismus: Töpfer in Tamagoust bei Marrakesch (Bild: Martina Sabra)
Kunsthandwerk für den Tourismus: Töpfer in Tamagoust bei Marrakesch (Bild: Martina Sabra)

Handel

Handelsbeziehungen mit Deutschland und Europa

Durch die zunehmende Integration Marokkos in den Weltmarkt ist der Handel mit Marokko in den vergangenen Jahren zum Teil einfacher geworden. Um die Förderung der deutsch-marokkanischen Handelsbeziehungen kümmert sich in Casablanca das Marokko-Büro der Deutschen Industrie- und Außenhandelskammer AHK. Wirtschaftsdelegationen und Informationsaustausch organisiert unter anderem die in Hamburg ansässige Europäisch-Mediterran-Arabische Ländervereinigung EMA, die in Casablanca das sogenannte German Business Center betreibt.

Importe, Exporte

Marokkos Importe waren 2018 mehr als doppelt so hoch wie die Exporte. Haupthandelspartner sind derzeit die EU (60% der Exporte, 50% der Importe). Danach folgen in großem Abstand Indien, die USA, Saudi-Arabien, China und Russland. Die wichtigsten Importgüter sind Maschinen und Ausrüstung (25%), Energie (20%), Konsumgüter (20%), Nahrungsmittel (10%). Exportiert werden hauptsächlich Nahrungsmittel (21%) Kleidung und Textilien (15%) Dünger und Mineralien (10%).

Subsahara-Afrika befindet sich im Fokus Marokkos, sowohl als potentieller Markt als auch wegen des Importes wichtiger Rohstoffe.

Handel mit Algerien

Der Handel mit dem Nachbarland Algerien ist aufgrund der Schließung der Landgrenze stark eingeschränkt. Im Nordosten - bei Oujda - blüht die sogenannte "grüne Grenze". Geschmuggelt werden vor allem Benzin und Lebensmittel, aber auch Drogen.

In der ARTE Dokumentation geht es um den Ursprung und um die wirtschaftlichen Potentiale des Argan-Öls, das in Marokko traditionell nicht für Speisen verwendet wird, sondern als Vorbeugungs- und Heilmittel gegen Krankheiten. [reihe 360 Grad, 43 min., Produktionsjahr 2008]

Entwicklungspolitik

Entwicklungsprobleme Marokkos

  • Die Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland, daraus resultierende Abhängigkeit von Weltmarktpreisen und Planungsunsicherheiten, Dominanz fossiler Energieträger
  • Mangelnde Produktivität, mangelnde Konkurrenzfähigkeit vieler heimischer Produkte auf dem Weltmarkt
  • Jugendarbeitslosigkeit, Mangel an Arbeitsplätzen
  • Allgemein niedriges Bildungsniveau, mangelnde Kompatibilität der beruflichen und universitären Bildung mit Erfordernissen des Arbeitsmarktes
  • Rasante Verstädterung, Klimawandel, damit einhergehende Umweltbelastungen
  • In der Fläche schwach ausgebaute Verkehrsinfrastruktur
  • Schwache politische Institutionen, schwacher Justizapparat
  • Starke Benachteiligung von Frauen in Politik und Gesellschaft
  • Mangelnde Kohärenz der Verwaltung und der Entwicklungsanstrengungen

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Im Herbst 2015 hat Marokko sich offiziell auf die sogenannten SDG (Sustainable Development Goals) der UN verpflichtet, die bis zum Jahr 2030 eine weitere Reduzierung von Armut und Ungleichheit vorsehen, und damit auf ein nachhaltiges, inklusives Wirtschaftswachstum, sowie  auf die Förderung von sozialem Zusammenhalt und Innovation.  Die 2017 von der Regierung veröffentlichte Stratégie Nationale de Développement Durable 2030 basiert auf einem nationalen Konsultationsprozess, der aus Sicht relevanter internationaler Akteuren  partizipativ verlaufen ist.  Die Strategie (SNDD) beschreibt unter anderem, wie die SDGs bei nationalen Planungs- und Budgetierungsprozessen berücksichtigt werden sollen.  Fortschritte beim Erreichen der SDGs werden vom Haut Commissariat au Plan in Kooperation mit internationalen Akteuren überprüft.

Seit den verheerenden Attentaten von Casablanca im Jahr 2003, deren Urheber aus den Slums um Casablanca stammten, konzentrierte Marokko sich verstärkt auf die Verbesserung der Lebensbedingungen und die Entschärfung sozialer Probleme im ländlichen und periurbanen Raum. Konkrete Maßnahmen waren die Sanierung bzw. der Abriss von Slums, der Ausbau der Strom- und Wasserversorgung (privat und öffentlich, Stichwort Landwirdschaft), Arbeitsbeschaffungsprogramme und Reformen im Bildungswesen. Im Rahmen der von der Weltbank finanzierten INDH (Initiatives Nationales pour le Developpement Humain) wurde die sogenannte "Zivilgesellschaft" aufgefordert, sich aktiv in den Entwicklungsprozess einzubringen und die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern sowie extreme Armut zu lindern. INDH wurde u.a. von der Zentralregierung (60%), von lokalen Stakeholdern (20%) und von der Weltbank (20%) finanziert. Nach Phase I (2005-2010) und Phase II (2012-2015) befindet sich das nationale Projekt aktuell in Phase III (2019-2023). In diesem Zeitraum will der marokkanische Staat unter anderem das Bildungssystem und die weitere Demokratisierung voranbringen.

Eine weitere "Baustelle" sind das nach wie vor existente wirtschaftliche Süd-Nord-Gefälle und die Bedeutung des Cannabisanbaus in Nordmarokko. Die Gesamtanbaufläche hat sich verringert, doch Drogenproduktion und Drogenhandel sind nach wie vor wichtige Einkommensquellen - was neben den wirtschaftlichen auch kulturhistorische Gründe hat, die der Anthropologe Khalid Mouna von der Uni Meknes in einem Hintergrundartikel analysiert.

Marokko treibt den Ausbau des Transportwesens und der Verkehrsinfrastruktur in großen Schritten voran. 

Marokkos Energiebedarf steigt jährlich um schätzungsweise 6,5 Prozent. Um bei der Ener­gie­ver­sor­gung unabhängiger von Importen und schwankenden Weltmarktpreisen zu sein und eventuell sogar Energieexporteur zu werden, setzt Marokko bis 2030 auf den massiven Ausbau von Sonnen- und Windenergie, sowie auf auf gesteigerte Ener­gie­ef­fi­zienz. Das Land erhält für den Umbau seines Energie­sek­tors umfangreiche internationale Hilfen. Das Potenzial für die Nutzung von Wind- und Sonnenkraft ist aufgrund der geographischen Lage des Landes zwischen Atlantik und Sahara enorm. Bis 2030 sollen mehr als 50 Prozent der Stromerzeugung Marokkos aus erneuerbaren Quellen stammen. Neben Wasser und Wind setzt Marokko für die Energiewende auf Solarthermie: In den kommenden Jahren werden in Marokko sechs Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 2.000 MW errichtet. Vier Solarthermieanlagen werden im südmarokkanischen Ouarzazate gebaut, das erste Teilprojekt NOORo 1 wurde Anfang 2016 eingeweiht. Die Weltbank beteiligt sich mit Mitteln aus dem Clean Technology Fund (CTF).

Der marokkanische Stromversorger ONEE hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten große Anstrengungen unternommen, um auch in den entlegensten Teilen des Landes die Menschen an die Stromversorgung anzuschließen. 1996 hatten gerade einmal 22 Prozent der ländlichen Haushalte elektrisches Licht. Ende 2009 waren es laut ONEE 96,5 Prozent. Auch bei dieser Initiative spielen die erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle. 32.000 Dörfer wurden ans Netz gebracht. Fast 4000 Dörfer erhielten eine eigene Photovoltaikanlage, da dies preisgünstiger war, als das Netz bis in den letzten Winkel Marokkos auszubauen. Insgesamt werden in Marokko rund 150.000 ländliche Haushalte dezentral mit Solarstrom versorgt.

Ein weiterer Schwerpunkt Marokkos ist der Ausbau der Informationstechnologien. Aktuell setzt Marokko den nationalen Digitalisierungsplan Le Maroc Digital 2020 um. Zuvor hatte Marokko in 2009 die nationale IT-Strategie lanciert. 2013 war der nationale Plan als "Maroc numéric 2013" in die zweite Phase gegangen. 

Um die Industrialisierung voranzubringen, hat Marokko einen auf sechs Jahre angelegten Plan mit dem Titel "Beschleunigte Industrialisierung" aufgelegt.

Die landwirtschaftliche Produktion wollte die marokkanische Regierung unter anderem im Rahmen des "Plan Maroc Vert" (2008-2020) optimieren. Die bisherigen Ergebnisse sind nach Ansicht marokkanischer Expert*innen und Medien hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Im Tourismus sieht Marokko große, noch ungenutzte wirtschaftliche Potentiale. Auf Grundlage des "Plan Azur" will die marokkanische Regierung die tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur stark erweitern. Auch hier werden die bisherigen Ergebnisse eher vorsichtig optimistisch gesehen.

Last but not least richtet Marokko Frei­handels­zonen ein, um die eigenen Export­chancen zu erhöhen. Ent­spre­chen­de Ab­kommen wurden mit den EFTA-Ländern (2000) und mit den USA (2006) geschlossen. Die 2004 mit Ägypten, Jordanien und Tunesien ab­ge­schlos­senen regionalen Frei­handels­ab­kommen (Agadir-Abkommen), die von der EU unter­stützt wurden, sind inzwischen in Kraft getreten. Hinzu kommt das Frei­handels­ab­kom­men mit der EU, in Kraft seit März 2012.

Im Jahr 2014 hat Marokko im Rahmen einer Novellierung des Durchführungsgesetzes über nationale Finanzhaushalte das gendergerechte Budgeting für alle öffentlichen Haushalte eingeführt. Alle Ministerien sind nun verpflichtet, bei Haushaltsplanungen Genderaspekte zu berücksichtigen und sind im Rahmen ihrer Planungen berichtspflichtig. 

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Deutschland hat seine Zusammenarbeit mit Marokko in den vergangenen Jahren zielstrebig ausgebaut. Die Europäische Union (mit Spanien, Frankreich und Deutschland als wichtigsten bilateralen Partnern in der EU) ist der wichtigste Geber Marokkos. Danach rangieren Japan, arabische Länder und die USA.

Die arabischen Golfstaaten (Golfkooperationsrat unter Führung Saudi-Arabiens) haben ihre Unterstützung für Marokko in den vergangenen Jahren ausgebaut und intensiviert.

Im Rahmen der Deauville-Partnerschaft ist die Bundesregierung an Fördermaßnahmen zur Unterstützung demokratischer Transformationsprozesse an Ländern in der MENA-Region beteiligt.

Schwerpunkte der deutsch-marokkanischen Zusammenarbeit

Bei den jüngsten Regierungsverhandlungen im Oktober 2018 hat Deutschland Marokko Finanzmittel in Höhe von 151,7 Mio. Euro zugesagt, im Wesentlichen Kredite. Schwerpunkten sind Wasser, Energie, Umwelt und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie Migration.  Konkrete Handlungsfelder sind unter anderem:

  1. Ausbau der erneuerbaren Energien
  2. Bewältigung des Klimawandels
  3. Effiziente Nutzung und Management von Wasserressourcen
  4. Nachhaltige Wirt­schafts­ent­wick­lung mit Schwerpunkt Beschäftigung, insbesondere von Jugendlichen
  5. Migrations- und Asylpolitik

Im Jahr 2012 haben Marokko und Deutschland eine Energiepartnerschaft vereinbart, die u.a. regelmäßige Arbeitskontakte und Austausch auf Regierungsebene vorsieht.

Deutsch­land hat in den 2010er Jahren den ersten Windpark der Region finanziert und unter­stützt auch weiterhin mit günstigen Darlehen den Bau neuer Wind­kraft­anlagen. Der Auf- und Ausbau von Solar­an­la­gen sowie Solar- und Wasser­kraft­werken wird von der Bun­des­re­pu­blik ebenfalls unterstützt.

In den ländlichen Regionen Ma­rok­kos haben noch immer etwa ein Drittel der Men­schen keinen Zu­gang zu sau­be­rem Trink­wasser. In den Städ­ten ist vielerorts die Entsorgung der häuslichen und gewerb­lichen Ab­wäs­ser ein Problem. Die öffentlichen Abwasser­systeme rei­chen nicht aus und sind oft in schlechtem Zustand; die Zahl der Kläranlagen ist zu gering. Die Folge sind gesund­heit­liche Risiken und eine massive Verschmutzung der Trink­wasser­ressourcen in den Ballungsgebieten. Mit deut­scher Un­ter­stüt­zung wurde in den vergangenen Jahren in städtischen Gebieten der Anschlussgrad der Bevölkerung bei der Trink­wasser­ver­sorgung auf 100 Prozent gesteigert. Außerdem hat die Bundesrepublik den Bau von mehr als 20 Kläranlagen (knapp die Hälfte aller neuen Anlagen) unterstützt.

Akteure und Initiativen der deutsch-marokkanischen Entwicklungszusammenarbeit

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im Februar 2020 aktualisiert.

Die Autorin

(Bild: privat)
(Bild: privat)

Martina Sabra ist freie Journalistin mit regionalem Fokus auf Nordafrika und Nahost. Ihre Länderschwerpunkte sind Marokko & Jordanien; in beiden Ländern hat sie gelebt und gearbeitet. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und Redakteurin unterrichtet sie an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH Landesanalyse und Interkulturelle Kompetenz.

Die GIZ in Marokko

Informationen über die Struktur und die Arbeit der GIZ in Marokko

Marokko - sicheres Herkunftsland?

In der Entwicklungskooperation mit Marokko sind Migration und Flucht zentrale Themen. Seit 2018 steigt die Zahl der Migrant*innen wieder, die sich von Marokko aus über das Meer nach Europa aufmachen, wobei Marokko immer häufiger die Durchreise verhindert. Insgesamt sei die Zahl der Ausländer und Geflüchteten in Marokko aber vergleichsweise gering, stellt eine Kurzstudie der HBS fest.

Marokko, Zugpferd der wirtschaftlichen Integration Westafrikas?

Marokko will der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS beitreten. Welche Strategie dahinter steckt und wie andere afrikanische Staaten reagieren, analysiert die Financial Times.

Energiepolitik - von einer Abhängigkeit in die nächste?

Zero Zbel ist ein populärer marokkanischer Blog zum Thema Müllvermeidung und Klimawandel.

Chancen der Migration

Wie Migrant*innen aus Marokko die Entwicklung in ihrem Heimatland unterstützen, ist in der Zeitschrift "Entwicklung und Zusammenarbeit" (E+Z) zu lesen.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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