Kamelreiter im Adrar Gebirge
Offizieller Name
Islamische Republik Mauretanien
Fläche
1.030.700 km²
Einwohner
4,7 Mio. (2019)
Bevölkerungswachstum
2,7% (2015-2020)
Regierungssitz
Nouakchott
Amtssprache
Arabisch
Regionalsprachen
Pulaar, Soninké, Wolof. Französisch Arbeitssprache

Lage und Größe des Landes

Lage Mauretaniens / © Rei-Artur CC BY-SA
Lage Mauretaniens
© Rei-Artur (CC BY-SA 3.0)

Die islamische Republik Mauretanien ist mit einer Fläche von mehr als 1 Mio. km² fast dreimal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und gehört damit zu den größten Ländern der Welt (Weltrang 28). Der nordwestafrikanische Staat grenzt im Norden an die West-Sahara und Algerien und im Osten an Mali. Im Süden bildet der Senegal-Fluss die Grenze zum Senegal. Die Küste Mauretaniens erstreckt sich über 754 km. Die längste Ausdehnung von Westen nach Osten beträgt 1.150 km, von Norden nach Süden 1.400 km.
Diese Grenzziehung ist das Resultat der europäischen Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts. Durch die Generalakte der Berliner Konferenz von 1885 über die Aufteilung Afrikas unter die damaligen Großmächte wurde Mauretanien Teil des französischen Einflussgebietes.

Landkarten

Interaktive Übersichtskarte Mauretaniens in der Satellitenansicht

Übersichtskarte von Mauretanien. Quelle: CIA PD-USGov
Übersichtskarte von Mauretanien. Quelle: CIA PD-USGov

Karten mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

Impressionen

Adrargebirge © Michael Wahl
Adrargebirge © Michael Wahl
Cap Tafarit im Parc Banc D'Arguin © Michael Wahl
Cap Tafarit im Parc Banc D'Arguin © Michael Wahl
Oase Tergit bei Atar © Michael Wahl
Oase Tergit bei Atar © Michael Wahl
Wüste bei Atar © Michael Wahl
Wüste bei Atar © Michael Wahl

Einen ersten Eindruck von der landschaftlichen Schönheit Mauretaniens bietet die Fotoserie zu Adrar von Mitchell Kanashkevich.

Bei Fotocommunity findet man ebenso Fotoserien wie bei Geo Frankreich.

Der Guardian veröffentlichte den Reisebericht einer Familie.

Ein Reisebericht in deutscher Sprache.

Mauritanie Today: Les sentinelles de l'Afrique Mauritanie (51:48 min.)

Thomas Troßmann: Von Tanger nach Dakar: Zwischen Meer und Sandmeer nach Schwarzafrika (67:09 min.) 

Grunddaten

Aktuelle und detaillierte Informationen über Mauretanien bieten die offizielle Website der mauretanischen Regierung und des Office Nationale de la Statistique.
Aktuelle Übersicht über wichtige Grunddaten zu Staat, Wirtschaft und Bevölkerung bieten das mauretanische Statistikamt (ONS), der HDR des UN-Entwicklungsprogramms, das African Statistical Yearbook, der African Economic Outlook, die Afrikanische Entwicklungsbank, das CIA World Factbook, die BBC, der Bertelsmann Transformation Index und das französische Außenministerium. Grunddaten zu Regionen siehe: Nouadhibou, Adrar und Hodh el Chargui.

Weitere Informationen in deutscher Sprache können beim Auswärtigen Amt, dem Statistischen Bundesamt und bei der Wirtschaftskammer Österreich abgerufen werden.

Naturraum

Ökologische Regionen Mauretaniens ©burmesedays CC BY-SA 3.0
Ökologische Regionen Mauretaniens ©burmesedays (CC BY-SA 3.0)

Mauretanien hat vier ökologischen Zonen: die Sahara-Zone, die Sahel-Zone, das Senegal-Fluss-Tal, und die Küstenzone. 

Die Sahara-Zone umfasst die nördlichen zwei Drittel des Landes und prägt das Landschaftsbild  Mauretaniens: riesige, leere Dünenlandschaften im Wechsel mit Granitformationen.

Sand in unterschiedlichen Farben und Kompositionen, bedeckt 40 Prozent der Oberfläche des Landes und bildet Dünen, in allen Zonen mit Ausnahme des Senegal-Fluss-Tals. Nördlich des 18. Breitengrades können Wanderdünen auftreten.

Den großen Dünengebieten, die den westlichen Rand der Sahara markieren und einer abflusslosen, sanderfüllten Beckenlandschaft (El Djouf) im zentralen Osten schließen sich nach Westen große Plateaus an, die steil zur Küstenebene abfallen. Die zentralen Landesteile mit dem weithin ebenen Sandsteinplateaus von Adrar, Tagant und Affollé liegen auf 300–500m Höhe.

Durch Erosion wurden manche Stellen so stark abgetragen, dass einzelne Inselberge entstanden, darunter der Kédia d'Idjil an der Grenze zur Westsahara, mit 915 m die höchste Erhebung in Mauretaniens. Mit dem Ben Amira befindet sich der neben dem australischen Ayers Rock zweitgrößte Monolith der Welt in Mauretanien.

Guelb er Richat © NASA, PD-USGov
Guelb er Richat © NASA, PD-USGov

Bemerkenswert der konzentrische Guelb er Richat in der Adrar-Region, der wegen seiner auffälligen Struktur von Weltraummissionen zur Orientierung benutzt wurde. Interessant auch das ESA-Video zum Guelb er Richat.

Generell hat die Sahara-Zone wenig Vegetation. Auf den besiedelten Hochebenen von Adrar und Tagant ist in Oasen etwas Landwirtschaft möglich. Quellen und Brunnen liefern Wasser und die Dattelpalmen spenden Schatten.

Südlich der Sahara-Zone erstreckt sich die Sahel-Zone. Sie bildet einen Ost-West-Gürtel aus Steppen und Savannen-Grasland. Herden von Rindern, Schafen und Ziegen bewegen sich über diese Zone auf der Suche nach Weideland. Die nördliche Sahelzone ist geprägt von Dünen mit Gras und Gestrüpp sowie dornigen Akazienbäumen. Weiter im Süden wird die Vegetation dichter. Höhere Niederschlagsmengen ermöglichen sesshafte Landwirtschaft.

Die Regenzeit (Hivarnage) beginnt in der Sahel-Zone früher als in der Sahara-Zone und dauert von Juni bis Oktober.

Das Senegal-Fluss-Tal ist ein schmaler Gürtel, der sich nördlich des Senegal-Flusses erstreckt und vor den großen Dürren seit 1960 noch eine Breite von bis zu 30 Kilometer hatte.  In den späten 1980er Jahren hatte die Wüstenbildung die nördlichen Ufer des Flusses in einigen Teilen des Tals schon erreicht. Die wirtschaftlich aktive Bevölkerung im Senegal-Fluss-Tal lebt von Landwirtschaft oder Fischerei. Hier entstehen die meisten der landwirtschaftlichen Produkte Mauretaniens.

Die Atlantikküste im Norden ist eine buchten- und inselreiche Steilküste. Vom Cap Timiris, dem südlichsten Punkt des Nationalparks Banc d’Arguin bis zur Mündung des Senegalflusses erstreckt sich eine flache Ausgleichsküste.

Die Küstenzone erstreckt sich über eine Länge von 754 Kilometer. Ozeanische Passatwinde von den Kanarischen Inseln führen zu einem feuchten, gemäßigten Klima. Niederschlag ist hier minimal; in Nouadhibou gibt es  durchschnittlich 30 mm Regen pro Jahr.

Mauretanien hat nur einen ständig wasserführenden Fluss, den Senegal. An seinem Lauf befinden sich die fruchtbaren Schwemmregionen des Landes. Der restliche Teil des Landes ist von tief eingeschnittenen Wadis gekennzeichnet, die die Hochebenen durchziehen. Die seltenen Regenfälle, die über die Wadis abgeleitet werden, sammeln sich in einigen wenigen Seen.

Die 'Grande Dune' © Michael Wahl
Die "Grande Dune" © Michael Wahl
Landschaft bei Aleg © Jutta Mertes
Landschaft bei Aleg © Jutta Mertes
Dünen © Jutta Mertes
Dünen © Jutta Mertes

Flora und Fauna

Baobabbaum © Quinn Norton CC BY 2.0
Baobabbaum © Quinn Norton (CC BY 2.0)
Fruchtstand einer Dattelpalme © Stan Shebs CC, public domain
Fruchtstand einer Dattelpalme © Stan Shebs CC, public domain

Die Überschwemmungssavannen entlang des Senegal-Flusses im Süden bilden den fruchtbarsten Landstrich Mauretaniens. Dort gedeihen Weinpalmen, Affenbrotbäume, Bambus, Raphia- und Doumpalmen. Hier befinden sich auch die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen.

In weiten Landesteilen lassen die geringen Niederschläge nur eine sehr spärliche Vegetation zu. Im Sahel ist kaum Vegetation und in der Sahara ist sie begrenzt auf Oasen und halbtrockene Flussbetten oder Wadis. In den Oasen wachsen unter anderem Dattelpalmen. Die Datteln werden im Sommer geerntet und die Palmblätter für den Bau von Unterkünften verwendet.

An die Wasserarmut angepasste Bäume wie Acacias und Proposis prägen das Bild der mauretanischen Wüste. Die Wurzeln der Proposis können bis in 150 Meter Tiefe nach Wasser suchen. Weit verbreitet sind hitzeresistenten Busch- und Grasarten. An der Küste erstrecken sich ausgedehnte Salzsümpfe.

Die Savannenregionen Mauretaniens wiesen früher deutlich mehr Tierbestände auf als heute.

Zur ursprünglichen mauretanischen Fauna zählen neben Antilopen, Löwen, Gazellen, Panther, Hyänen, Warzenschweine, Luchse, Strauße auch frei lebende Elefanten, die sich an die wüstenähnlichen Verhältnisse im südlichen Landesteil angepasst hatten. Bis zum Jahr 1920 lebten hier 400 Elefanten, die inzwischen  ausgerottet wurden. Bonner Wissenschaftler  entdeckten 2000 in Mauretanien Wüstenkrokodile, die über Jahrzehnte als ausgestorben galten.

Dokumentiert sind 61 Arten von Säugetieren für Mauretanien, von denen 10 als gefährdet gelten (Daten für 2002). Fast 200 Vogelarten haben Brutvogelpopulationen in Mauretanien. Das Wasser des Atlantiks, bietet  einen großen Artenreichtum und gehört zu den fischreichsten Gebieten der Erde.

Die küstennahen Gewässer Mauretaniens dienen gefährdeten Meeresschildkröten als Habitat und rund tausend Fischarten als Brut- und Aufzuchtstätte. Die ausgedehnten Wattflächen sind außerdem ein bedeutender Überwinterungsplatz für Millionen von Zugvögeln.

Vögel am Strand © Michael Wahl
Vögel am Strand © Michael Wahl
Delfine im Parc Banc d'Arguin © Michael Wahl
Delfine im Parc Banc d'Arguin © Michael Wahl
Pelikane im Nationalpark Diawling © Michael Wahl
Pelikane im Nationalpark Diawling © Michael Wahl

Schutzgebiete in Mauretanien

Nationalpark Banc d'Arguin © U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, public domain
Nationalpark Banc d'Arguin
© U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, public domain

Mauretanien hat zwei Naturschutzgebiete ausgewiesen, den 1976 gegründeten Parc National Banc d'Arguin und den 1991 gegründeten Parc National Diawling.

Der Parc National Banc d'Arguin liegt an der Atlantikküste und erstreckt sich von Nouadhibou aus etwa 180 km nach Süden. Der Nationalpark umfasst verschiedene Landschaftsformen, wie Sanddünen, Küstensümpfe, neben der Insel Arguin weitere kleinere Inseln und flache Küstengewässer. Die Arguin-Sandbank ist Teil des Nationalparks.

Der Parc National Banc d'Arguin ist seit 1989 UNESCO-Weltnaturerbe, weil er ein wichtiges Überwinterungsgebiet von Zugvögeln ist und zu den vogelreichsten Gebieten weltweit gehört. Der Park zählt z.B. zu den international bedeutendsten Überwinterungsgebieten des Regenbrachvogels. Heimisch sind hier viele Vogelarten, wie Rosaflamingos, Sumpfläufer, Pelikane und Seeschwalben.

Unter den Säugetieren sind etwa 200 Dorkasgazellen erwähnenswert. Daneben kommen Goldschakale, Fenneks, Sandfüchse, Sandkatzen, Falbkatzen, Kleinfleck-Ginsterkatzen, Weißnackenwiesel, Honigdachse und Streifenhyänen vor. Bei Cap Blanc lebt darüber hinaus eine Kolonie der hochbedrohten Mittelmeer-Mönchsrobbe. Das Meer beherbergt mehrere Schildkrötenarten, Delfine und Orkas.

Der Park wurde zum Schutz der natürlichen Ressourcen und der reichhaltigen Fischgründe vor der mauretanischen Atlantikküste eingerichtet. Die Fischbestände stellen für Mauretanien eine wichtige Einnahmequelle dar und gelten als überfischt. Außerdem der 200-Meilen-Zone sind internationale Fangflotten aktiv. Siehe dazu auch die Studie "Évaluation des services écosystémiques du Banc d’Arguin".

Im Park leben etwa 1000 Imraguen in 7 kleinen Dörfern von Subsistenzfischfang mit traditionellen Methoden unter sehr prekären Bedingungen.

Der Parc National Diawling befindet sich im äußersten Südwesten Mauretaniens an der Grenze zum Senegal. Er umfasst das Delta des Senegalflusses; in der Regenzeit besteht er überwiegend aus größeren Seen.

Der Parc National Diawling wurde 1991 gegründet und ist seit 1994 Ramsar-Gebiet. Das Feuchtgebiet bedeckt eine Fläche von 16.000 Hektar, hinzukommt eine Randzone von 30.000 Hektar mit Sanddünen und einem Mangrovengürtel. Der Park ist insgesamt von 37 Dörfern umgeben, deren Bevölkerungszahl für 2011 mit 10.000 angegeben wurde.

Der Nationalpark ist seit 2005 zusammen mit dem senegalesischen Welterbe-Nationalpark Djoudj Teil eines grenzüberschreitenden Biosphärenreservats. Nach der jährlichen Zählung vom Januar 2010 lebten im Park 105 Spezies – darunter 92 Arten von Wasservögeln z.B. Pelikane, Schwarzstörche und Flamingos. Ferner gibt es eine Vielzahl von Fischen und bedeutende Populationen von Primaten oder Warzenschweinen.

Arkeiss im Parc Banc D'Arguin © Jutta Mertes
Arkeiss im Parc Banc D'Arguin © Jutta Mertes
Campement am Cap Tafarit © Jutta Mertes
Campement am Cap Tafarit © Jutta Mertes
Flamingo Rose © Jutta Mertes
Flamingo Rose © Jutta Mertes

OceanCare: Mittelmeer-Mönchsrobben am Cap Blanc in Mauretanien. 3:29 Min. [Englisch] 

Bernard Romy: Im Land der Imraguen, 51:29 Min. [Französisch] 

Interessant auch eine Reportage des Südwestfunks zum Djoudj Nationalpark.

Klima

Staubfahne über Mauretanien © NASA/ PD-USGov
Staubfahne über Mauretanien © NASA/ PD-USGov

Das Klima ist durch hohe Temperaturen und spärliche und unregelmäßige Niederschlägen gekennzeichnet. Die Jahrestemperaturschwankungen sind klein; große Tagesschwankungen können aber in der Wüste vorkommen.

Der meiste Regen fällt während der kurzen Regenzeit (Hivernage), von Juli bis September und der durchschnittliche Jahresniederschlag variiert von 400 Millimetern im äußersten Süden und weniger als 100 Millimeter im Norden.

Mauretanien kann in drei Klimazonen unterteilt werden.

Im Landesinneren herrscht trockenheißes Wüstenklima, mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht vor. In diesem Wüstengebiet Mauretaniens werden meist Tagestemperaturen von weit über 40°C erreicht.

An der Küste zwischen Nouadhibou und Nouakchott sind die Temperaturen durch die Nähe des Atlantiks milder als im Landesinneren. In Nouakchott, der Hauptstadt am Meer, betragen sie im Juli durchschnittlich 28 °C und im Januar 21 °C. In den Monaten August und September herrscht im Küstengebiet Mauretaniens hohe Luftfeuchtigkeit.

Im Gebiet entlang des Senegal-Flusses kommt es in über der Hälfte des Jahres zu sehr hohen Temperaturen, und die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch. Hier gibt es eine Regenzeit von Juli bis Oktober mit insgesamt bis zu 400 mm Niederschlag.

Der Harmattan, ein heißer, trockener und oft Staub beladener Wind, bläst aus der Sahara während der langen Trockenzeit und ist der vorherrschende Wind, außer auf dem schmalen Küstenstreifen, der von ozeanischen Passatwinden beeinflusst wird.

Die Klimadiagramme weltweit bieten einen Klimaquerschnitt für einige größere mauretanischen Städte.

Ökologie

Desertifikation

Wiederaufforstung bei Nouakchott © Michael Wahl
Wiederaufforstung bei Nouakchott © Michael Wahl

Das Klima in Mauretanien hat sich seit dem Beginn der anhaltenden Dürren in den 1960er Jahren, die Teil der Nass- und Trockenzyklen des Sahel sind, stark verändert. Die für Landwirtschaft notwendige jährliche Mindestniederschlagsmenge liegt bei 150 Millimeter. Diese Linie hat sich in Mauretanien seit dem Beginn der Dürren um etwa 100 km verschoben und liegt jetzt südlich von Nouakchott . In den 80er Jahren schritt die Wüste mit einer Geschwindigkeit von 6 km pro Jahr voran und hat in einigen Bereichen den Senegal-Fluss erreicht. Überweidung, Abholzung, Entblößung der Bodenbedeckung rund um Brunnen, schlechte Anbaumethoden und Überbevölkerung haben den Prozess der Desertifikation beschleunigt. Menschen und Tiere wichen auf der Suche nach Nahrung und Wasser nach Süden aus. Die "Grande Muraille verte", ein Wiederaufforstungsprogramm in mehreren Sahelländern soll die Desertifikation aufhalten.

Auch die Hauptstadt Nouakchott wird von der erbarmungslos fortschreitenden Wüste bedroht. Seit einigen Jahren wird mit starker Unterstützung des Präsidenten ein „cordon vert“ errichtet. Es handelt sich um ein Wiederaufforstungsprogramm, dass das Voranschreiten der Sahara aufhalten soll.

Der ohnehin geringe Waldbestand Mauretaniens hat zwischen 1990 und 2016 um 43,5% abgenommen und beträgt nur noch 0,2% der Gesamtfläche. Es besteht die Gefahr, dass der Wald bis 2060 vollständig verschwindet.

Auf der Website des US Geological Survey findet man Luftaufnahmen zum Bewässerung und Desertifikation im Süden Mauretaniens.

Der WeltRisikoBericht 2020 zeigt für Mauretanien eine relativ geringe Verwundbarkeit gegenüber extremen Naturereignissen und Katstrophen mit Rang 67 von 180 Staaten. Einen noch besseren Rang verhindert der hohe Mangel an Bewältigungskapazitäten. Die Kapazität zur Verringerung negativer Auswirkungen im Ereignisfall sind destaströs. 

Dünenstabilisierung am Strand von Nouakchott © Michael Wahl
Drei Fotos: Dünenstabilisierung am Strand von Nouakchott © Michael Wahl

Überschwemmungen

Überschwemmungen in Nouakchott © Michael Wahl
Überschwemmungen in Nouakchott © Michael Wahl
Überschwemmungen in Nouakchott © Richard Ots
Überschwemmungen in Nouakchott © Richard Ots

 

Mauretanien ist sehr stark von den Folgen des Klimawandels betroffen und muss an zwei Fronten Anpassungsmaßnahmen unternehmen. Die Hauptstadt Nouakchott  wird von den Folgen des Klimawandels förmlich in die Zange genommen. Von Osten nähern sich unaufhörlich die Sanddünen der Sahara und von Westen der Atlantik und der steigende Meeresspiegel. An der Küste insbesondere im Bereich der Hauptstadt gibt es Programme zum Wiederaufbau zerstörter Dünen und zum Schutz der vorhandenen Dünen gegen Zerstörung. Der Dünenschutzgürtel ist beschädigt durch die Nutzung des Sandes als Baumaterial. Bis heute wird am Strand bei Nouakchott der Rohstoff für den sogenannten „beton coquillage“ abgebaut. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Sand und Muscheln, die wegen des hohen Kalkgehalts als Baumaterial beliebt ist. Neben dem Abbau des Sandes haben auch Freizeitaktivitäten wie Quad- und Geländewagenfahrten in den Dünen verheerende Auswirkungen, da die eh zu niedrigen Dünen weiter degradieren. Es gibt außerdem zwei große Dünenlücken, den Hafen und den Fischereihafen.

Für die Hauptstadt Nouakchott ist die Lage besonders prekär, da sie sich teilweise unterhalb des Meeresspiegels in einer Sebkha befindet. In Teilen Nouakchotts findet man ganzjährig große Wasserflächen. Im Sommer 2013 hat sich das Problem durch heftige Regenfälle stark verschärft. Große Teile der Stadt standen unter Wasser und die Lebensbedingungen der Armen verschlechterten sich dramatisch. Seither wiederholen sich die massiven Überschwemmungen. Als Sofortmaßnahmen wird das Wasser aus Vierteln, die unter dem Meeresspiegel liegen abgepumpt und gleichzeitig wird über den Bau eines Abwassersystems nachgedacht.

Ein Beitrag in den Tagesthemen beschäftigt sich mit der Situation in Nouakchott und Le Monde berichtet über die Folgen der starken Regenfälle im Sommer 2020.

Überschwemmungen in Nouakchott © Michael Wahl
Überschwemmungen in Nouakchott © Michael Wahl
Überschwemmungen in Nouakchott © Michael Wahl
© Michael Wahl

Abfall, Abwasser und Luftverschmutzung

Müllabfuhr in Nouadhibou © Jutta Mertes
Müllabfuhr in Nouadhibou © Jutta Mertes
Müllsammelstelle in Nouakchott © Jutta Mertes
Müllsammelstelle in Nouakchott © Jutta Mertes

Die unzureichende Müllentsorgung ist ein großes Problem. Am Strand, am Straßenrand, auf den Sandpisten und in Senken, in denen sich der Müll natürlich sammelt, entstehen immer wieder Müllkippen. Der Wind trägt Plastikflaschen und –tüten häufig durch die Straßen und die Müllwerker in Nouakchott führen einen wahrhaft aussichtslosen Kampf. Wilde Müll- und Fäkalienablagerungen findet man kurz außerhalb der Stadtgrenzen. Seit dem 1.1.2013 sind Plastiktüten im Handel verboten. Sie sind nicht völlig aus dem Straßenbild verschwunden, aber der Umgang hat sich stark verändert. Die Müllproblematik ist sicherlich nicht gelöst, aber ein erster Schritt ist getan.

Grundsätzlich ist auch der unsachgemäße Umgang mit Müll ein großes Problem. Das Verbrennen von Kunststoff, das Entsorgen von Altbatterien oder Energiesparlampen im Haushaltsmüll oder das Verklappen von Fäkalien am Strand sind nur einige Beispiele für Gewohnheiten, die ein Umwelt- und Gesundheitsrisiko darstellen.

Bis heute hat Nouakchott kein funktionierendes Abwassersystem. Seit 2015 wurden in einem chinesischen Projekt 40 km Tunnel gegraben, um Wasser aus der Stadt ins Meer zurückzuleiten.

Luftverschmutzung in den Städten entsteht durch zunehmenden Verkehr mit alten und schlecht gewarteten Autos und Motorrädern sowie Holzfeuer zum Kochen. Gravierender aber ist die Belastung mit Mineral- und Fäkalstaub, die vom Wind verbreitet werden.

Bedrohung der Meeres- und Küstenbiodiversität

Die Fischerei, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wurde in den vergangenen Jahren intensiviert und hat sich negativ auf die Bestände ausgewirkt. Die Küstengewässer Mauretaniens gelten als überfischt. Gleichzeitig ist dieses Gebiet ökologisch und biologisch bedeutsam insbesondere im globalen Zusammenhang der Biodiversität. Hinzu kommt, dass die Offshore-Industrie die Rohstoffe Erdöl und Erdgas nicht umweltverträglich fördert und damit die Meeresfauna und auch die Küste bedroht.

Interessant auch der Band: "Atlas Maritime des zones vulnérables en Mauritanie"

Sozialraum

Die letzte offizielle Volkszählung in Mauretanien fand im Jahre 2000 statt.  Derzeit hatte Mauretanien  2.508.159 Einwohner, davon gehörten 70% zur Gruppe der arabisch-berberischen Mauren (Bidhan und Haratin). Die übrigen 30% sind größtenteils Mauretanier  schwarzafrikanischen Ursprungs. Bevölkerungszahlen sind in Mauretanien ein Politikum. Eine für 2012 geplante Volkszählung wurde nach heftigen Protesten und Unruhen abgebrochen. Schwarze Mauretanier mussten ihre Herkunft über mehrere Generationen offenlegen und liefen Gefahr die Staatsbürgerschaft zu verlieren. Die Bewegung "Touche pas à ma nationalité" (Rühre meine Nationalität nicht an) protestierte in den großen Städten gegen die als rassistisch bezeichnete Volkszählung. Es kam zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, wobei mehr als 50 Personen verhaftet wurden. 

Bevölkerung

Der Weltbevölkerungsbericht 2019 schätzt die Bevölkerung auf 4,7 Mio. bei einem jährlichen Wachstum von 2,8%. Zu diesem Bericht gibt es auch eine Kurzfassung in deutscher Sprache. Schätzungen für 2020 sehen das Bevölkerungswachstum nur noch bei 2,7%. Die  Bevölkerungsdichte liegt bei 4,0 Einwohnern pro km². Die Bevölkerung Mauretaniens ist aber sehr ungleich verteilt. Mehr als 1 Mio. Mauretanier leben in der Hauptstadt Nouakchott. In einem schmalen landwirtschaftlich nutzbaren Streifen entlang des Senegalflusses, wird eine Bevölkerungsdichte von 633 Einwohner/km² erreicht; damit leben 80% der Mauretanier auf 15% der Landesfläche.

In Mauretanien leben außerdem mehr als 57.000 Flüchtlinge. Die große Mehrheit sind malische Bürgerkriegsflüchtlinge in einem Camp im Südosten.

Siedlungen und Städte

Im Jahre 2018 leben 53,7% der Mauretanier in Städten. Der früher hohe Anteil an Nomaden ist stark zurückgegangen. 1957 lebten noch 90 Prozent der Bevölkerung als Nomaden. Größere Ansiedlungen sind während der vergangenen Jahrhunderte an den Orten entstanden, wo es Brunnen gab und Karawanenwege sich kreuzten. Mauretanien hat nur sechs Städte mit mehr als 40.000 Einwohnern. Regionale Zentren sind die Hauptstädte der 12 Regionen. 

Die Hauptstadt Nouakchott wurde erst 1960, kurz vor der Unabhängigkeit, an einem ehemaligen französischen Militärposten gegründet und ist die größte Stadt Mauretaniens; man schätzt die Einwohnerzahl auf fast eine Million. Das historische Zentrum heißt "Ksar". Nouadhibou ist die zweitgrößte Stadt Mauretaniens und ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum. Die Regierung errichtete hier 2013 eine Sonderwirtschaftszone.

Verkehrswege

Mauretanien hat ein Straßennetz von rund 11.000 km, wovon 4.000 km geteert sind. Die Verbindung zwischen Nouadhibou und Nouakchott wurde erst 2005 als eines der letzten Streckenabschnitte  des Trans-African-Highway Kairo-Dakar fertiggestellt.

Eisenerzzug © Jutta Mertes
Eisenerzzug © Jutta Mertes

Die einzige Eisenbahnlinie führt seit 1963 von einem Bergwerk im Norden 700km quer durch die Sahara zur Hafenstadt Nouadhibou. Die hier verkehrenden Züge zählen zu den längsten und schwersten der Welt. Über 200 Waggons werden von bis zu vier Lokomotiven gezogen. Die Ladung: bis zu 21.000 Tonnen Eisenerz. Interessant auch ein Beitrag des Deutschlandfunk.

Mauretanien hat drei internationale Flughäfen Atar, Nouadhibou und Nouakchott; der Flughafen von Nouakchott ist der einzige mit einem Anschluss an das internationale Flugnetz. In den letzten Jahren entstand 25 km nördlich von Nouakchott ein neuer internationaler Flughafen. Am 23.6.2016 wurde der Flughafen Nouakchott Oumtounsy offiziell eröffnet. 

Der größte Hafen Mauretaniens ist der Naturhafen Nouadhibou. Von hier wird seit den 60er Jahren mauretanisches Eisenerz, das per Eisenbahn aus dem Abbaugebiet um Zouérate kommt, verschifft. Hier schlägt auch das Herz des mauretanischen Fischereiwesens. Eine 2019 abgeschlossene Vergrößerung des Hafens macht Nouadhibou zum ersten mauretanischen Tiefseehafen.

Der neue Tiefseehafen "Port Autonome de Nouakchott" (PANPA) wurde 1986 eröffnet und ist ein Geschenk der Volksrepublik China. Er wird auch "Port de l'Amitié" - Hafen der Freundschaft genannt. Erweiterungen führten 2014 zu einer Verdoppelung der Kapazitäten.

In N'Diago,220 km südlich von Nouakchott an der Grenze zum Senegal steht ein weiterer Hafen vor seiner Fertigstellung.

Nationale Symbole

Landesflagge

Mauretanische Flagge
Mauretanische Flagge (public domain)

Die Nationalflagge Mauretaniens wurde durch ein Referendum am 6.8.2017 verändert. Zur bis dahin gültigen Flagge wurden zwei roten Streifen, als Ober- und Unterkante hinzugefügt. Sie war mit der Verfassung vom 22. März 1959 festgelegt und am 1. April, also noch vor der formellen Unabhängigkeit, offiziell eingeführt worden.

Die Nationalflagge zeigt auf smaragdgrünem Hintergrund einen goldenen Halbmond, darüber einen goldenen, fünfzackigen Stern. Die roten Streifen unter und über dem smaragdgrünen Hintergrund symbolisieren das Blut derer, die für die Unabhängigkeit Mauretaniens kämpften. Die Farben Grün und Gelb sind zwei panafrikanische Farben und verweisen auf die Zugehörigkeit zum afrikanischen Kontinent. Die Farbe Grün, der Halbmond und der Stern sind bekannte Symbole des Islam und ein Hinweis auf die Hauptreligion des Landes. Das Grün steht außerdem für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und das Gelb für den Sand der Sahara und die Bodenschätze des Landes.

Staatswappen

Staatswappen Mauretanien seit 2017
Staatswappen Mauretaniens seit 2017
© Jelloud Najem (CC BY-SA 4.0), unverändert

Mauretanien benutzt als Staatswappen ein Siegel, das ebenfalls 2017 verändert wurde, indem die Umrandung des Siegels rot eingefärbt wurde. Es zeigt im Hintergrund auf einer grünen Scheibe das Motiv der Flagge Mauretaniens, Halbmond und Stern in Gold. Im Vordergrund sind eine Dattelpalme und Hirsepflanzen. Rings um das Siegel steht der Landesname – Islamische Republik Mauretanien – in arabischer und französischer Sprache.

Auf der Rückseite befindet sich der nationale Wahlspruch: Honneur – Fraternité – Justice   (Ehre – Brüderlichkeit – Gerechtigkeit). Eine  ausführliche Erklärung des Wappens ist im Flaggenlexikon zu finden.

Nationalhymne

Seit den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag am 28.11.2017 hat Mauretanien auch eine neue Nationalhymne. 

Die neue Hymne wurde von einer Kommission von siebzig Dichtern und Intellektuellen entworfen. Der Text verherrlicht die Helden der Unabhängigkeit, die Liebe zu Mauretanien und seine arabische Tradition.  Kontrovers diskutiert wird die Vertonung durch den ägyptischen Komponisten Rajih Sami Daoud. 

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Jutta Mertes, M.A. studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Öffentliches Recht. Arbeitet als selbstständige Information Researcherin und lebte von 2011 bis 2014 in Nouakchott. Seit 2014 Landestrainerin für Mauretanien an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ).

Die Autorin freut sich auf Ihre Anmerkungen.

Literaturhinweis

Simon Nancy: Le Banc d'Arguin en Mauritanie - Recits de Paysages.

Ein sehr interessanter Bildband zum Nationalpark.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

Zum Kontaktformular

Download