SNIM-Zug
Geschätztes BIP
15,9 Mrd. US-$ (2017)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
3746 US-$ (2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 161 von 189 (2018)
Anteil Armut (nationale Armutsgrenze)
31% (2014)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
32,6 (2010-2018)
Wirtschaftlicher Transformationsindex BTI
Rang 106 von 137 (2020)

Wirtschaftliche Situation

Die einschlägigen Entwicklungsindikatoren zeigen deutlich, dass Mauretanien zu den ärmsten Ländern der Welt gehört.

Es gehört zur Kategorie der am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries, LLDC) und der hochverschuldeten armen Länder (Heavily Indebted Poor Countries HIPC).

Mauretanien erlebte zwischen 2008 und 2014 eine Periode anhaltenden Wachstums und erzielte erste Fortschritte bei der Armutsbekämpfung. Auf einen Einbruch 2015/16 erholt sich die Wirtschaft wieder mit Wachstumsraten von 3,1% im Jahr 2017 und 3,6% im Jahr 2018. Dieses Wachstum basiert auf Aktivitäten in den Bereichen Telekommunikation, Verkehr, Elektrizität und im Primärsektor. Der Rohstoffsektor dagegen dämpft weiterhin das Wachstum. Problematisch auch das Bevölkerungswachstum, das höher ist als das Wirtschaftswachstum.

Die mittelfristigen Wirtschaftsaussichten waren günstig. Es wurde erwartet, dass das Wachstum im Zeitraum 2019-2021 auf durchschnittlich 6,2 Prozent steigen wird.

Durch die Covid-19-Pandemie hat sich die Situation grundlegend verändert. Die kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten haben sich aufgrund der drastischen Verschlechterung der globalen Bedingungen und der Auswirkungen innerstaatlicher Eindämmungsmaßnahmen rapide verschlechtert. Es wird erwartet, dass das Wachstum negativ wird (-2%), mit dramatischen menschlichen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen ür die gesamte Bevölkerung, aber besonders den armen Mauretaniern. Die ersten Prognosen in der Corona-Krise gehen von einem Rückgang der Wirtschaft 2020 um 2% in aus.

2018 liegt Mauretanien auf Platz 161 von 189 Staaten, deren Entwicklungsfortschritte im Weltentwicklungsbericht der Vereinten Nationen jährlich gemessen werden. Das ist eine Verschlechterung um 2. Ränge im Vergleich zum Vorjahr, obwohl der Index-Wert (0.527) leicht ansteigt. Seit Jahren gibt es sowohl bezüglich des Index-Wertes als auch des Ranges kaum Veränderungen. Interessant dazu der Wohlstandsbericht 2018 der Weltbank.

Zum Zeitpunkt des Militärputsches 2005 lag das Pro-Kopf-Einkommen bei 697$. Für 2018 schätzt die UN das Pro-Kopf-Einkommen auf 3.746$ (PPP 2011) an.

Der 2015 veröffentlichte Bericht über die Lebensbedingungen der Haushalte (EPCV - Enquête Permanente sur les Conditions de Vie des ménages) zeigt Fortschritte bei der Armutsbekämpfung. Die Armutsgrenze ist von 42% in 2008 auf 31% in 2014 gesunken. In den Städten sank der Anteil der Armen von 20,8% auf 16,7% und in ländlichen Gebieten von 59,4% auf 44,4%.

Zur sozialen Lage der Bevölkerung siehe auch den Bericht des UN-Entwicklungsprogramms zur humanitären Entwicklung.

Wirtschaftssystem und seine Sektoren

Die Wirtschaft Mauretaniens ist wenig diversifiziert und stark von den Preisentwicklungen am Weltmarkt abhängig.

Die grundlegenden Wirtschaftszweige, Mauretaniens sind die Landwirtschaft, der Bergbau (Eisenerz, Kupfer, Gold) und der Fischereisektor.

Der Erdölsektor kann die Erwartungen an das Förderpotenzial bislang nicht erfüllen und die Erdölförderung bleibt weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. 

Die Erdgasvorkommen vor der Küste im Süden und der Ausbau der Goldförderung wecken hohe Erwartungen.

Mauretanien ist ein Rohstofflieferant; geringe Produktionskapazitäten findet man in der Fischverarbeitung. Die landwirtschaftliche Produktion ist bei weitem nicht ausreichend zur Ernährung der Bevölkerung, und Nahrungsmittelimporte belasten die Zahlungsbilanz.

In den letzten Jahren ist ein beträchtliches Wachstum des Dienstleistungssektors zu beobachten. Der Anteil am BIP liegt bei 41,1% für 2016. Die Telekommunikationsbranche spielt damit eine zentrale Rolle bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Ackerbau – Viehzucht - Fischerei

Auf dem Fischmarkt in Nouakchott
Auf dem Fischmarkt in Nouakchott © Michael Wahl
Rinder am Senegalfluss
Rinder am Senegalfluss © Jutta Mertes

Von der Gesamtfläche Mauretaniens gelten nur 0,5 Mio. ha als ackerbaulich nutzbar. Von der potenziell bewässerbaren Fläche von 140.000 ha, im Wesentlichen am Nordufer des Senegalflusses, werden nur 18.000 ha für die Bewässerungslandwirtschaft genutzt.

Die landwirtschaftliche Produktion in Mauretanien ist chronisch defizitär. Nur etwa 30% der benötigten Nahrungsmittel werden im Land produziert. Im Erntejahr 2014/15 konnten 85% des Reisbedarfs selbst erzeugt werden. Die Getreideernte 2019 war eine Rekordernte und lag 30% über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Reis stellt 80% der Ernte und ist zusammen mit Mais ein Wachstumstreiber.

Die Statistiken der FAO stellen Informationen zu Produktionsmengen bereit. Auch hier ist die Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen hoch.

Der Anteil der Landwirtschaft am BIP lag 2016 bei 27,4%. Der wichtigste Zweig der Landwirtschaft ist die Viehhaltung.

Die Produktion besteht überwiegend aus Schafen, Ziegen, Rindern und Kamelen. Bei Fleisch ist Mauretanien Selbstversorger. Rinder und Schafe werden „auf dem Huf“ in die afrikanischen Nachbarländer exportiert; Kamele nach Marokko und Algerien.

Die Landwirtschaft hat eine sehr große wirtschaftliche Bedeutung durch die Bereitstellung von Arbeitsplätzen. Etwa die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Sie ist bedroht von fortschreitender Wüstenbildung und geringen Niederschlägen. Wind- und Wassererosion sowie Bevölkerungsdruck sind die wichtigsten Faktoren bei der Degradierung der Böden. Das Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung (MEDD) geht davon aus, dass in den letzten Jahren 220.000 ha, das entspricht 20% der landwirtschaftlich genutzten Fläche, beschädigt wurden.

Die Strategie der Regierung zur ländlichen Entwicklung wurde zuletzt 2013 neu formuliert.

Die Küstengewässer Mauretaniens zählen zu den fischreichsten der Welt. Fischfang und Fischverarbeitung sind von der Beschäftigungsseite her der größte Industriezweig mit 50.000 direkt und indirekt Beschäftigten. Der Fischereisektor hatte 2018 ein Volumen von 604 Mio. US-$. Das entspricht 12% des PIB, 30% des Staatshaushalts und 40-50% der Exporte. Der Einbruch des Fischereisektor 2013 um 27% aufgrund von Verzögerungen bei der Ratifizierung des Fischereiabkommens mit der EU zeigt die hohe Abhängigkeit von externen Einflüssen. Etwa 95 % des Fischfangs gehen in den Export.

Hohe Einnahmen erzielt der mauretanische Staat durch den Verkauf von Fischfanglizenzen an europäische und asiatische Fangflotten. Nach langen Verhandlungen wurde im Juli 2015 zwischen der EU und Mauretanien das Vierte Folgeabkommen mit einer Laufzeit von vier Jahren geschlossen. Die EU zahlt für die Partnerschaft rund 60 Mio. € jährlich. Davon sind 4,125 Mio. € für die Unterstützung der lokalen Fischergemeinden vorgesehen. Das Abkommen wure 2019 um ein Jahr verlängert. Die Corona-Pandemie störte die geplanten Neuverhandlungen, so dass der Vertrag zu unveränderten Konditionen  im Juli 2020 um ein weiteres Jahr verlängert wurde.

Fischerei und Viehzucht sind die Wachstumstreiber im primären Sektor.

Bergbau

Der Bergbau ist seit der Unabhängigkeit der wichtigste Wirtschaftszweig und  Eisenerz das wichtigste Bergbauprodukt.

Mauretanien ist der zweitgrößte Eisenerzproduzent Afrikas und weltweit auf Rang 15.  Weitere wichtige Rohstoffe sind Kupfer, Gold, Uran, Zement, Gips, Quarz, Erdöl und -gas.

Hauptabnehmer des Eisenerzes sind europäische Länder (54%); die verbleibenden 46% gehen in die Volksrepublik China.

In Mauretanien sind mehr als 50 internationale Unternehmen in der Exploration und Förderung von Mineralien, sowie Erdöl und -gas aktiv.

Die staatliche mauretanische Minengesellschaft SNIM (Société Nationale Industrielle et Minière) stellt hohe Anteile an den Exporten, den Staatseinnahmen und dem BIP.

SNIM ist im Norden aktiv und betreibt die einzige Eisenbahnlinie  Mauretaniens von Zouerate nach Nouadhibou. Siehe dazu den Geschäftsbericht 2018 von SNIM und die Strategie 2026.

Weitere internationale Minengesellschaften sind Kinross (Kanada), First Quantum-Guelb Morghein und Algold (Kanada) und Xstrata (Schweiz). Total investiert im Erdölsektor. Das australische Unternehmen Aura Energy entwickelt die Förderung von Uran. Die Fundstätte gilt aktuell als eine der interessantesten weltweit. 

Siehe auch die Studie de Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zum Thema n"Bergbauaktivitäten und Risiken für die Menschenrechte".

In den letzten Jahren belasten sinkende Preise für Bergbauprodukte die Leistungsbilanz des Sektors, da sie nicht vollständig durch Produktionssteigerungen ausgeglichen werden können. Der Beitrag zum BIP sinkt auf 30%. Der Beitrag zur Beschäftigung ist mit 1,9% weiterhin sehr niedrig. Die sinkenden Preise für Rohstoffe führen zu einer Verschiebung geplanter Investitionen im Bergbausektor, so dass die Direktinvestitionen stark zurückgehen.

Bei der Besteuerung und Regulierung der Rohstoffförderung durch internationale Unternehmen macht die mauretanische Regierung Fortschritte; internationale Unternehmen investieren insbesondere in den Abbau von Eisenerz, Gold, Kupfer und Uranium und erwerben Lizenzen zur Exploration und Förderung.

Bei der Offenlegung von Einnahmen aus den natürlichen Ressourcen wurden zuletzt Fortschritte erzielt. Der IWF aber bemängelt weiter, dass eine gerechte Verteilung und nachhaltige Entwicklung nicht ausreichend sichergestellt ist.

Mauretanien trat 2006 der EITI (Extractive Industries Transparency Initiative) bei und gründete einen Fonds zur nachhaltigen Verwaltung der Rohstoffeinnahmen, auf den die Regierung nur mit Zustimmung des Parlaments Zugriff hat.

Mit der nachträglichen Veröffentlichung der Jahresberichte 2007, 2008 und 2009 begab sich das Land 2011 wieder auf einen EITI-konformen Kurs und wurde im Februar 2012 als „compliant“ eingestuft. Die zweite Validierung im Februar 2019 bescheinigt EITI Mauretanien „bedeutende Fortschritte“ bei der Umsetzung der Standards zusammen mit erheblichen Verbesserungen über mehrere individuelle Anforderungen.

Im November 2019 hat Mauretanien den Jahresbericht für 2017 vorgelegt. Siehe auch den im November 2019 veröffentlichten Fortschrittsbericht 2018 und die Website des mauretanischen EITI-Komitees.

Erdöl und Erdgas

Der Erdölsektor konnte die hohen Erwartungen bisher nicht erfüllen; die Förderung sinkt kontinuierlich. Große Gasvorkommen vor der Küste Mauretaniens und des Senegals geben neue Hoffnung. Mit dem Senegal konnte eine Einigung über die gemeinsame Ausbeutung der Vorkommen erzielt werden. Die Lagerstätte wird auf 450 Mrd./m³ geschätzt, was 14% der nigerianischen Gasreserven entspricht. Die erwarteten Einnahmen entsprechen 8% des mauretanischen BIP 2019. Erste Exporteinnahmen werden für 2023 erwartet, da die Covid-19-Pandemie den Fortschritt des Projektes behindert.

Energie

Die „Strategie für beschleunigtes Wachstum und gemeinsamen Wohlstand (SCAPP) 2016-2030 der mauretanischen Regierung betrachtet den Bereich Energie als eine Priorität für die Armutsbekämpfung. Siehe dazu auch

Sie arbeitet daran, die Stromversorgung auszubauen und Investitionen in den Sektor der erneuerbaren Energien zu fördern. Fast 45% der Bevölkerung haben Zugang zu Elektrizität; in städtischen Gebieten sind 50%, in halbstädtischen Gebieten 5% und 3% in ländlichen Gebieten.

Der Strombedarf wächst derzeit mit einer Rate von etwa 10% pro Jahr. Wachstumstreiber ist die steigende Nachfrage der Industrie und nicht die Nachfrage der Haushalte.

Seit 2008 steigert Mauretanien kontinuierlich den Anteil erneuerbarer Energien. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft (SOMELEC) hat für 2019 folgenden Energiemix veröffentlicht. Energie aus Wasserkraft kommt aus den malischen Staudämmen Manantali und Félou; die Heizkraftwerke arbeiten mit Diesel und Gas.

Energiemix 2019

Energiequelle in %
Wasserkraft 17
Heizkraftwerke 62
Windenergie 10
Solarenergie 10

Mauretanien ist damit das Land mit dem höchsten Anteil erneuerbarer Energie in Afrika. Mehrere Wind- und Solarenergieprojekte wurden implementiert.

Das Sheikh Zayed Solarkraftwerk in Nouakchott mit einer Kapazität von 15 MW war lange Zeit die größte Anlage in Mauretanien. In Toujounine nördlich von Nouakchott entsteht eine neue Anlage mit einer Kapazität von 50 MW und 157,000 Solarpaneels. Weitere Anlagen gibt es in Atar, Zouérat und Chami.

Im November 2015 wird in Nouakchott die erste kommerzielle Windkraftanlage fertiggestellt. 15 Windturbinen haben eine Kapazität von 30 MW. In Boulenouar bei Nouadhibou wird eine 100 MW Windkraftanlage gebaut, die bei ihrer Fertigstellung 2020 die größte Anlage in Westafrika sein wird.

Die staatliche Minengesellschaft SNIM hat in Nouadhibou eine 4-MW-Windkraftanlage und in Zouérate eine 3-MW-Solaranlage in Betrieb genommen.

Die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) schätzt den Gesamtzuwachs der Stromnachfrage bis 2030 auf bis zu 600%. Mauretanien wird seine Aktivitäten im Bereich der Energieerzeugung erheblich steigern müssen.

Um das volle Potenzial seiner umfangreichen erneuerbaren Energieressourcen auszuschöpfen, muss Mauretanien drei Hauptherausforderungen bewältigen: das Fehlen einer Einsatzstrategie, das Fehlen eines rechtlichen Rahmens und der Mangel an Humankapital zur Unterstützung der Technologie.

Bauwesen und Telekommunikation

Das Bauwesen und der Bereich Telekommunikation sind wichtige Wachstumsbereiche und haben sich in den letzten Jahren einen stetig wachsenden Anteil am BIP erarbeitet.

Tourismus

Chinguetti
Chinguetti © Michael Wahl

Der Tourismus in Mauretanien ist nach den Anschlägen islamistischer Terroristen auf französische Touristen und der Entführung spanischer Entwicklungshelfer  fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Absage der Rallye Paris-Dakar 2008 war sichtbarstes Zeichen. Hinzukommen die Reisewarnungen der Außenministerien der meisten westlichen Staaten. Touristische Infrastruktur ist kaum vorhanden.

Für 2015 werden Einnahmen aus dem Tourismus in Höhe von 42 Mio. US-$ ausgewiesen; das entspricht 0,6% des BIP.

Die Abschwächung der Reisewarnung des französischen Außenministeriums im März 2017 weckt Hoffnungen auf eine Rückkehr der Touristen insbesondere in den alten Karawanenstädten Chinguetti und Ouadane. Die Hoffnungen scheinen sich zu erfüllen, denn seit Weihnachten 2017 kommen regelmäßig Touristengruppen aus Europa. In der Saison 2017/2018 macht der Sahara-Tourismus Fortschritt.

Wirtschaftsklima und Direktinvestitionen

Investitionen sind keine Selbstläufer. Beim Doing Business-Index 2020 liegt Mauretanien auf Rang 152 von 190 Ländern. Damit verbessert sich Mauretanien erneut um 2 Plätze nach einem Sprung von 10 Plätzen 2018. Siehe dazu auch den Index of Economic Freedom der Heritage Stiftung, den Bericht Economic Freedom des Fraser Instituts und den Global Competitiveness Index des World Economic Forum.

In einem Ranking der afrikanischen Staaten im Hinblick auf die  durchschnittlichen ausländischen Direktinvestitionen liegt Mauretanien auf Rang 21 von 51. Die Wirtschaftskrise 2014/2015 führte zu einem dramatischen Rückgang der Direktinvestitionen, die seit 2015 sinken.

Positive Effekte erhofft man sich von einem neuen Kodex für Investitionen, der zusammen mit dem UN-Entwicklungsprogramm entwickelt wurde sowie den auf Wunsch des IWF verkürzten und vereinfachten Verfahren bei Investitionen. 

Außenhandel

Die mauretanische Handelsbilanz ist chronisch defizitär. Die regionalen Handelsaktivitäten sind gering. Mauretanien ist seit 1989 Mitglied der Union des Arabischen Maghreb, der Wirtschaftsorganisation der Maghreb-Staaten. Der intraregionale Handel ist aufgrund der stark protektionistischen Volkswirtschaften gering. Besser entwickelt sich der Handel mit den ECOWAS-Staaten obwohl Mauretanien seit 2000 nicht mehr Mitglied dieser Organisation ist. Die kommerziellen Aktivitäten entwickeln sich durch starke mauretanische Minderheiten in den Mitgliedstaaten. Die mauretanischen Exporte gingen im ersten Halbjahr 2017 nur noch zu 4% (2016: 10%) nach Afrika; 75% davon nach Côte d’Ivoire und Nigeria.

Die wichtigsten Zielländer mauretanischer Exporte im ersten Halbjahr 2017 waren die VR China (39,1%) und die Schweiz (15,9%), gefolgt von Spanien (11,1%) und Italien (7,4%). Mehr als 95% der mauretanischen Exporte werden nach Europa (47,5%) und Asien (47,8%) geliefert. Die wichtigsten Produkte sind mineralische Rohstoffe 62% (2016: 57,8%) und Fisch 37,8% (2015: 41,8%).

Die europäischen und asiatischen Staaten und sind auch Hauptlieferanten mit einem Anteil von 72,1%.  Die wichtigsten Lieferländer im ersten Halbjahr  2017 waren Südkorea (31,2%), die VAE (7%), die Niederlande (5,5%) Spanien (5,2%) und die USA (4%). Wichtigste Produkte sind Ausrüstungsgüter 58,7% (2016:37,8%), Erdöl und Erdölerzeugnisse 14,2% (2016:19,6%) und Nahrungsmittel 11,1 (2016:17,1%). Die Lieferung von Ausrüstungsgütern aus Südkorea, die für mehr als 30% der Importe steht hat einen großen Einfluss auf die wichtigsten Lieferländer und auch auf die Zusammensetzung der Importe nach Warengruppen.

Afrikanische Lieferanten sind mit einem Anteil von 4,6% unbedeutend; allein Marokko hat dabei einen Anteil von 2,5%.

Die Bedeutung der Bundesrepublik als Handelspartner ist gering, aber die mauretanische Handelsbilanz mit Deutschland ist im ersten Halbjahr 2017 positiv.  Mauretanien liefert 5% seiner Exporte nach Deutschland und nur 0,6% der Importe kommen daher. 

Zum 1.1.2019 setzen die USA Handelsvorteile gemäß des African Growth and Opportunity Act (AGOA) wegen Untätigkeit bei der Sklaverei Problematik aus. 

Weitere Informationen zum mauretanischen Außenhandel bietet UN-Comtrade und das nationale Statistische Amt.

Wirtschaftsindikatoren, Analysen, Statistiken

Das Bruttoinlandsprodukt Mauretaniens wuchs von 2010 bis 2014 jährlich um durchschnittlich 5,8%. 2014 wurde ein Wachstum von 6,6% erzielt und lag damit zum vierten Mal in Folge über 5%. Stark sinkende Rohstoffpreise führten zu einem Einbruch in den Jahren 2015/2016. 2017 erholte sich die Wirtschaft und wuchs wieder um 3,5%. Die Weltbank prognostiziert weiteres Wachstum.

Weitere Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes finden Sie auch unter den folgenden Links:

Wirtschaftspolitik und Entwicklungspotential

Reformprogramme

Seit 1999 ersetzten Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP) bei IWF und Weltbank die in Verruf geratenen « Strukturanpassungsprogramme ». Bislang gab es in Mauretanien drei Aktionspläne (2002-2004; 2006-2010; 2011-2015). Die Aktionspläne sollen sicherstellen, dass Schuldenerlasse zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden.

Mauretanien erfüllt die Erwartungen der internationalen Finanzorganisationen. Die neue nationale Entwicklungsstrategie « Stratégie de croissance accélérée et de prospérité partagée » (SCAPP) 2016-2030 setzt sich das Ziel bis 2030 ein Land mit mittlerem Einkommen zu werden. 

Staatsverschuldung

Über 40 Jahre lang war die sozioökonomische Entwicklung Mauretaniens in erheblichem Umfang von öffentlicher internationaler Hilfe abhängig. Sie entsprach durchschnittlich mehr als 20 % des BIP.

Im Jahr 2000 kam Mauretanien als erstes Land in den Genuss der Entschuldungsinitiative für hochverschuldete arme Länder, mit einem Schuldenerlass in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar. Hinzu kam der Erlass der bilateralen Schulden durch Frankreich. Auf diese Weise wurden fast 50 % der öffentlichen Außenschulden erlassen.

Im Rahmen der Entschuldungsinitiative beschloss Mauretanien im Februar 2001 eine Strategie zur Armutsbekämpfung mit dem Ziel, bis 2015 die Armutsquote auf 17 % zu senken. Die nationale Armutsgrenze liegt nach neusten Veröffentlichungen bei 31%.

Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Mauretaniens ist weiterhin stark von den Beiträgen der in­ter­na­ti­o­nalen Geber­gemein­schaft abhängig. Sie tragen zu rund 90 Prozent zum staatlichen In­vestitions­haushalt bei.

Die Staatsverschuldung steigt seit 2010 kontinuierlich an und erreicht 2018 einen Wert von 82,95% des BIP; seither sinkt sie wieder.
 

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Millenniumsziele

Die Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen wurden 2000 formuliert und legen acht Entwicklungsziele fest, die 2015 erreicht sein sollen. In den Bereichen Armutsminderung, Zugang zu Grundbildung und Verringerung der Kinder- und Müttersterblichkeit konnten Erfolge erzielt werden. Das gilt auch für Mauretanien; die Armutsquote hat sich 2014 auf 31% gegenüber 2004 (46,7%) verbessert, ist aber noch weit entfernt von der Zielgröße für 2015, die bei 25% liegt.

Armut ist in Mauretanien weitverbreitet, aber die ländlichen Gebiete sind besonders betroffen. So liegt die Armutsquote 2014 im ländlichen Bereich bei 44,4% gegenüber 16,7% in der Stadt. Besonders betroffen von Armut sind die landwirtschaftlichen Produzenten mit einer Armutsquote von 59,6% (2014).

Der Weltentwicklungsbericht sieht die Nationale Armutsquote bei 31%, die 3,1 $-Grenze bei 21,7% und die 1,9 $-Grenze bei 5,7%. Interessant auch die Publikation „Poverty and Shared Prosperity“ der Weltbank, die das Einkommenswachstum bei den 40% Ärmsten untersucht.

Auch in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Trinkwasserversorgung konnten Fortschritte erzielt werden; die Situation der Mehrheit der Bevölkerung bleibt unbefriedigend.

Der letzte Bericht Mauretaniens  zur Umsetzung der Millenniumsziele wurde im Jahr 2010 erstellt. Gemäß MDG Track hat Mauretanien 33% der Millenniumsziele  erreicht. Die Publikation "Millenium Goals Africa 2015" enthält auch neuere Daten zu Mauretanien.

Agenda 2030

Die UN-Mitgliedsstaaten verabschiedeten im September 2015 mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwickllung 17 Ziele, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDG), die von 2016 bis zum Jahr 2030 verfolgt werden.

Mauretanien hat die SDG in seine „Strategie für beschleunigtes Wachstum und gemeinsamen Wohlstand (SCAPP) 2016-2030 aufgenommen und war damit eines der ersten Länder, die die Agenda 2030 in ihre nationale Entwicklungsplanung integrierten.

Es wurde auch ein institutioneller Rahmen für die Steuerung, Koordinierung und Überwachung des SCAPP wurde geschaffen; Überwachungsmatrix umfasst 156 Indikatoren, einschließlich der SDGs.

Mauretanien veröffentlicht 2019 einen Voluntary National Review der bei einem Workshop in Nouakchott vorgestellt wurde. 

UNECA hat 2018 einen Bericht zur Umsetzung der SDG in den Maghreb-Staaten veröffentlicht. Auch der Weltentwicklungsbericht (HDR 2019) betrachtet den Stand der Umsetzung in seinem Tabellenteil (S. 323-347). Daten zu Mauretanien enthält auch der Bericht der Ibrahim Foundation

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Armutsminderung und Korruptionsbekämpfung waren die Schwerpunktthemen im Wahlkampf des Präsidenten Aziz 2009 und 2014. Die mauretanischen Strategiepapiere zur Armutsminderung werden von IWF und Weltbank positiv bewertet.

Ein Instrument zur Armutsminderung ist die  Dezentralisierungspolitik, die 1986 mit der Schaffung von 216 Gemeinden 1986 begann.

1995 folgte eine feierliche Erklärung des mauretanischen Ministerrats. Die Erklärung nannte als eines der Ziele der Gemeindepolitik, „lokale Entwicklung durch Einsatz partizipativer Methoden zugunsten einer guten Verwaltung der lokalen Belange der Bevölkerung anzustoßen [...]“.

Seither ist der Dezentralisierungsprozess ein fester Bestandteil der Regierungspolitik.  Obwohl die finanzielle Basis schwach ist, wurden zahlreiche Projekte und Programme mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern, in Angriff genommen. Schwerpunkte sind benachteiligte Regionen und marginalisierte soziale Gruppen.

Multilaterale und bilaterale Entwicklungsanstrengungen

Die Zuwendungen an Mauretanien im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit (ODA) sind nach den Statistiken der OECD 2018 stark angestiegen. Die wichtigsten Partner sind der Arab Fund (108,9 Mio. US-$) und Kuwait (58,33 Mio. US-$), das Frankreich als größten bilateralen Geber ablöst.

Die humanitäre Hilfe hatte 2018 einen Anteil von 22,4%. Größte Geber waren die EU und die Vereinigten Staaten.

Die Europäische Union ist ein wichtiger Partner Mauretaniens im Handel und in der Entwicklungszusammenarbeit. Das EU-Fischereipartnerschaftsabkommen ist eine der wichtigsten Devisenquellen Mauretaniens. Mauretanien unterzeichnet 2018 als 15. westafrikanischer Staat ein wirtschaftliches Partnerschaftsabkommen (EPA) mit der EU.

Weitere Organisationen und ihr Engagement in Mauretanien sind im Folgenden aufgeführt:

Humanitäre Hilfe

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland arbeitet mit Mauretanien seit seiner Unabhängigkeit 1960 zusammen und es gehört zu den Schwerpunktländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Im November 2015 wurden in Nouakchott zwei Abkommen zur technischen und finanziellen Kooperation in Höhe von 29 Mio. Euro geschlossen. Die Regierungsverhandlungen im Dezember 2018 sehen Mittel in Höhe von 43 Mio. Euro vor.

Die zur Verfügung gestellten Mittel sind für die von der GIZ begleiteten Projekte mit zwei Schwerpunkten bestimmt:

  • Demokratisierung, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung
  • Umweltpolitik, Schutz und nachhaltiges Management der natürlichen Ressourcen 

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) unterstützt außerdem im Auftrag der Bundesregierung Mauretanien bei der Diversifizierung des Bergbausektors.  

Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt außerdem die Internationale Organisation für Migration (IOM) in einem Projekt zur Bekämpfung von Menschenhandel in Mauretanien mit 100.000 EUR.

Im Rahmen der Humanitären Hilfe unterstützt Deutschland die Hilfsorganisation OXFAM e.V. mit 720.000 EUR bei der Ernährungssicherung der Bevölkerung in den mauretanischen Regionen Gorgol und Brakna. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit stellt dem Welternährungsprogramm (WFP) 2020 zusätzlich 2 Mio.€ zur Verfügung, so dass sich die Gesamtfinanzierung des BMZ auf 6,2 Mio.€ beläuft. 

In Mauretanien sind auch deutsche Nichtregierungsorganisationen aktiv. Medico International kümmert sich in Nouadhibou um Migranten und AEPN unterhält dort ein Waisenhaus. Der Verein Helfende Hände leistet Unterstützung bei der medizinischen Versorgung und liefert medizinische Ausrüstung.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Die Beiträge im Länderinformationsportal (LIPortal) wurden bis Dezember 2020 von ausgewiesenen Landesexpertinnen und Landesexperten betreut, um eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern zu geben. Das LIPortal bot damit eine Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb - viele Verweise sind auch weiterhin aktuell.

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Jutta Mertes, M.A. studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Öffentliches Recht. Arbeitet als selbstständige Information Researcherin und lebte von 2011 bis 2014 in Nouakchott. Seit 2014 Landestrainerin für Mauretanien an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ).

Die Autorin freut sich auf Ihre Anmerkungen.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Bei allen Fragen rund um das Fort- und Weiterbildungsprogramm der Akademie helfen wir Ihnen gerne weiter.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Rolf Sackenheim
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

Zum Kontaktformular

Download