Auf Besuch in der Hauptstadt © Bormann
Anteil alphabetisierte Erwachsene
98,3 % (2018)
Bedeutende Religionen
Buddhismus, Islam, Schamanismus
Städtische Bevölkerung
68,4 % (2018)
Lebenserwartung (w/m)
73,7/65,4 (2018)
Gender Inequality Index
Rang 65 (von 160) (2018)
Anzahl der Geburten
2,09 / Frau (geschätzt, 2017)
Kindersterblichkeit
21,1 / 1.000 Lebendgeburten (2017)

Ethnizität und Soziales

Ethnische Zusammensetzung

Kasachische und mongolische Bergbauveteranen © Bormann
Kasachische und mongolische Bergbauveteranen © Bormann
Kasachischer Adlerjäger © Bormann
Kasachischer Adlerjäger © Bormann

Auf der Welt gibt es etwa 20 mongolischsprachige Völker. Von den drei Millionen Bürgern der Mongolei sind 94 % Mongolen - Burjaten, Oiraten und Khalkh, die mit über 80 Prozent die größte Gruppe stellen. Als Khalkh, Khalkha oder Qalqa werden west-, ost- und südostmongolische Stämme bezeichnet, die das Gebiet der heutigen Mongolei besiedelten und deren genealogische Zusammengehörigkeit auf den jüngsten Sohn von Batmunkh Dayan Khaan (1464-1543) Gersenz zurückzuführen ist.

In den westlichen Landesteilen siedeln Angehörige von Turkvölkern, etwa 4,3 % Kasachen und 1,1 % Tuwiner.

Außer in der Mongolei leben Mongolen (Burjaten und Kalmyken) in Russland und im Autonomen Gebiet Innere Mongolei in China (Chakhar, Khorchin und Tumed), Splittergruppen in Afghanistan, Kirgistan und im Kaukasus.

Im Jahr 2000 lebten in der Mongolei 2.407.500 Menschen. 1,4 Millionen in Städten, davon 786.500 in der Hauptstadt Ulaanbaatar und 1.030.500 auf dem Land. 2017 ist die Bevölkerungszahl auf über drei Millionen gestiegen, allein 1,3 Millionen davon leben in Ulaanbaatar. Über 90 Prozent der Bevölkerung sind mongolischer Nationalität, davon 81 Prozent Khalkh, vier Prozent sind kasachischer Nationalität, 4,6 Prozent Angehörige anderer Nationalitäten, die meisten von ihnen Russen und Chinesen.

Die Mongolei ist ein ethnisch homogenes Land, demzufolge fehlt der Nährboden sowohl für ethnische als auch für religiöse Konflikte. Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum tibetischen Buddhismus.

Migration in der Mongolei

Besuch in der Hauptstadt © Bormann
Besuch in der Hauptstadt © Bormann

Bis ins 20. Jahrhundert hinein basierte die mongolische Wirtschaft fast ausschließlich auf einer nomadischen Viehhaltung.
Der jahreszeitlich bedingte Umzug auf andere Weidegebiete, aber auch der mehrmalige Umzug innerhalb einer Jahreszeit gehörte zum Alltag der meisten mongolischen Familien.

Kriege zwischen den Sippen, Stämmen und später Fürstentümern um bessere Weidegebiete, mehr Einfluss und Macht führten ebenfalls zu dauerhaften Ortswechseln großer Gruppen von Menschen auf dem Territorium der Mongolei.

Während der sozialistischen Zeit von 1924 bis 1989/90 entwickelten sich neben der Viehhaltung Industrie und Handwerk, ein Dienstleistungssektor, die Viehherden wurden bis auf wenige Ausnahmen kollektiviert, der Weidegang zentral reguliert.

Bei Viehseuchen oder Futtermangel infolge von Naturkatastrophen half der Staat.

Nach der friedlichen Revolution und dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems Anfang der 1990-er näherte sich die mongolische Wirtschaft dem Ruin. Die Industriebetriebe gingen bankrott, die Menschen verloren ihre Arbeit und versuchten ihr Glück auf dem Land als Viehhirten.

Die Herden waren sehr schnell wieder privatisiert worden, damit aber auch das Risiko (Viehkrankheiten, Wetterunbilden).

Die Mongolei gehört zu den Ländern, die am meisten unter dem Klimawandel zu leiden haben.

Mehr Niederschläge in den zentralen Regionen, dafür extreme Trockenheit im Osten und Süden.

Nach der Bewegung von der Stadt aufs Land kehrte sich dieser Trend seit Ende der 90-er Jahre wieder um.

Erst nur in den Wintermonaten, später das ganze Jahr über versuchten alte und neue Viehhalter ihr Glück in den Städten bzw. stadtähnlichen Siedlungen.

Die Land-Stadt-Migration stellt die Verwaltungen vor fast unlösbare Probleme: Infrastruktur, Kanalisation, Wohnraum, Energieversorgung, Schulen, Kindergärten, Gesundheitsfürsorge.

Die Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land klafften immer weiter auseinander und trotz entsprechender Programme der jeweiligen Regierungen hat sich daran bis heute nichts geändert.

Hinzu kam die "Heiratsmigration". Vor allem junge, gut ausgebildete Frauen hofften durch die Heirat mit einem Ausländer auf mehr Existenzsicherheit in den entwickelten Ländern Asiens, in Europa oder in den USA.

Der Mangel an produzierendem Gewerbe führt zu einem Mangel an Arbeitsplätzen. Sowohl der Bergbau als auch die Landwirtschaft sind nicht unbedingt arbeitsplatzintensive Wirtschaftszweige.

Das treibt die Menschen auf der Suche nach Arbeitsplätzen ins Ausland, vor allem nach Südkorea und Japan.

Einwanderung in die Mongolei wird durch die Immigrationsbehörde geregelt. 

Altersstruktur

Endlich Ferien © Bormann
Endlich Ferien © Bormann
Viehhalter im Bulgan-Aimag © Bormann
Viehhalter im Bulgan-Aimag © Borman
Eigentlich ist schon Frühling © Bormann
Eigentlich ist schon Frühling © Bormann
Im Sommerlager © Bormann
Im Sommerlager © Bormann

Die mongolische Gesellschaft ist eine sehr junge Gesellschaft. 30 Prozent sind unter 15 Jahre und 69 Prozent zwischen 15 und 65 Jahre alt. Im Vergleich zu 2013 ist die Bevölkerung 2014 um 2,2 Prozent gewachsen, im Jahr 2016 um 1,25 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung hat sich von 22 Jahren im Jahr 1921 auf 69,9 im Jahr 2017 erhöht.

In den mongolischen Statistiken wird dabei unterschieden zwischen mongolischen Staatsbürgern insgesamt und den in der Mongolei tatsächlich lebenden, die angegebenen Zahlen beziehen sich auf die in der Mongolei lebende Bevölkerung.

Aktuell informierte das Amt für Volkszählungen über einen Anstieg der Bevölkerungsgruppe 60+.

Wurden bei der letzten Volkszählung 2010 noch 151.200 Menschen in dieser Altersgruppe gezählt, waren es 2013 170.800. Die Bevölkerung sei in den vergangenen zehn Jahren um 16,1 Prozent gewachsen, die Gruppe der Über-Sechzigjährigen hingegen um 21,9 Prozent.

Auch die Urbanisierung schreitet stetig voran. Von den 3,1 Millionen Einwohnern leben 73,6 Prozent in Städten (2017), davon 1,4 Millionen in der Hauptstadt Ulaanbaatar.
1956 lebten noch 75 Prozent auf dem Land.

Seit 1990 hat sich im Alltagsleben der Mongolen vieles verändert und noch immer befinden sich die gesellschaftlichen Verhältnisse im Umbruch, vor allem in den Städten. Trotzdem haben sich Werte wie Achtung vor dem Alter und die Wertschätzung der Familie erhalten, wenn auch nicht mehr uneingeschränkt. Junge Leute, die heute materiell sehr gut gestellt sind und ihre Familien unterstützen, erwarten ihrerseits Respekt. Die unbedingte Unterstützung für enge und fernere Verwandte können und wollen auch die erfolgreicheren Familienmitglieder nicht mehr in jedem Fall leisten. Allerdings geben die Kinder, meistens die Töchter, nicht selten eine gesicherte Existenz im Ausland auf, um ihre pflegebedürftigen Eltern in der Heimat zu betreuen. Das Heiratsalter ist gestiegen, genauso wie die trotzdem immer noch niedrige Scheidungsquote. Männer sind heute bei ihrer ersten Eheschließung durchschnittlich 26 Jahre, Frauen 24 Jahre alt.

Auch heute noch ist für Mongolen die Herkunft nach dem Ort von großer Bedeutung. Der gemeinsame Herkunftsort, der gemeinsame Schul- oder Universitätsbesuch spielen demzufolge auch für die Bildung politischer und wirtschaftlicher Netzwerke, die ohnehin sehr eng verflochten sind, eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Geschlechterverhältnis

Neujahrsempfang im Regierungspalast in Ulaanbaatar © Bormann
Neujahrsempfang im Regierungspalast in Ulaanbaatar © Bormann
Frauen in der Großen Staatsversammlung 2012-2016 © parliament.mn
Frauen in der Großen Staatsversammlung 2012-2016 © parliament.mn
Viehhalterin im Selenge-Aimag © Bormann
Viehhalterin im Selenge-Aimag © Bormann

Frauen und Männer sind nach dem Gesetz gleichberechtigt und tatsächlich sind die mongolischen Frauen emanzipiert, gebildet und nehmen aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben teil. Sie sind erfolgreiche Unternehmenschefinnen, engagiert in internationalen und nationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, sind Handwerkerinnen, Arbeiterinnen, Verkäuferinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen. Nichtsdestotrotz ist die mongolische Gesellschaft eine eher patriarchalische Gesellschaft, der Mann gilt als Oberhaupt der Familie, obwohl die Zahl der Haushalte, denen allein Frauen vorstehen, zunimmt. In politischen Spitzenpositionen findet man auch sehr viel seltener Frauen als in der Wirtschaft. Frauen und Kinder sind am häufigsten häuslicher Gewalt ausgesetzt und zwar in allen Schichten der Bevölkerung. Alkoholmissbrauch ist ein Problem und in Verbindung mit Arbeitslosigkeit und Armut stellt er ein ernstes Hindernis für die Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung dar.

Am 01. Februar ist das Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt in Kraft getreten, nachdem es die neue Regierung vom novellierten Strafgesetzbuch neu verhandelt hatte. Die Große Staatsversammlung hatte den Gesetzentwurf am 22. Dezember 2016 bestätigt. In den vergangenen sechs Jahren haben 94 Menschen infolge häuslicher Gewalt ihr Leben verloren, 4.102 Menschen sind zum Teil schwer verletzt worden. Das sind jedoch nur die von der Polizei aufgenommenen Fälle. Die Dunkelziffer ist hoch. Nachbarn und Angehörige werden aufgefordert, gegebenenfalls die Polizei oder andere Behörden zu informieren. Wiederholungstäter werden als Straftäter behandelt. Die Polizei hat angekündigt, eine Abteilung für den Kampf gegen häusliche Gewalt und zur Prävention zu gründen.

Nach der Wende 1990 verschlechterten sich zunächst die Lebensbedingungen für sehr viele Menschen. Die wenigen Industriebetriebe wurden geschlossen, Arbeitsplätze gingen verloren. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung durch die internationale Entwicklungszusammenarbeit, die Entwicklung des Bergbaus und Sozialmaßnahmen der Regierung (Nationaler Bevölkerungsentwicklungsfonds) verbesserte sich die Situation. Allerdings sind Bergbau und Viehwirtschaft keine arbeitsplatzintensiven Wirtschaftszweige. Hinzu kommt, dass für Mongolen immer noch ein Arbeitsplatz „hinter einem Schreibtisch“ besonders attraktiv erscheint. Als Hirte bei fremden Viehhaltern zu arbeiten, gilt auch nicht als besonders erstrebenswert. Armut ist nach wie vor verbreitet. Immer noch gelten fast 22 Prozent als arm, ihr Zugang zu Bildung, Kultur und Gesundheitsvorsorge ist eingeschränkt. Armut ist regional und saisonal unterschiedlich verteilt. Im Winter nimmt sie zu, desgleichen mit der Entfernung zur Hauptstadt. Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit, eine Ursache dafür sind die Disproportionen zwischen Bildung und Ausbildung und dem Bedarf des Arbeitsmarktes nach guten Facharbeitern, Ingenieuren, Technikern.

Die Zahl der Teenagerschwangerschaften nimmt von Jahr zu Jahr zu.
Hatten 2014 3.259 Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind zur Welt gebracht, waren es 2015 3.595 und 2016 3.829, 2017 liegt der statistische Wert bei 23,6 von 1.000 Müttern.
Als Hauptursachen werden mangelnde Aufklärung und Unkenntnis über Verhütungsmöglichkeiten benannt.

2015 hatte die Staatsversammlung ein Gesetz beschlossen, das die Betreuung von Kindern in Privateinrichtungen regelte und dafür Mittel im Staatshaushaltsplan eingestellt. Das Gesetz war am 01. Januar 2016 in Kraft getreten. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise und nach Änderungen und Zusätzen am Haushaltsgesetz hat die MVP - Regierung diese Mittel gestrichen. Erst 2021 sollen für das Projekt wieder Mittel bereitgestellt werden. Die zuständige Abteilungsleiterin im Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit M. Bayarmaa fordert eine Änderung an diesem Beschluss. Auf dem Land fehlten für 4.414 Kinder, in Ulaanbaatar für 5.913 Kinder Kindergartenplätze. Für die Eltern ergäben sich daraus äußerst schwierige Bedingungen für die Wahrnehmung ihrer beruflichen Verpflichtungen oder für die Arbeitsplatzsuche.

Laut Human Development Report von 2018 hat sich der Wert für die menschliche Entwicklung zwischen 1980 und 2018 von 0,524 auf 0,741 Punkte verbessert. Unter 189 Ländern erreicht sie Rang 92.

Im Gender Inequality Index (GII) verbesserte sich die Mongolei zwar von Rang 68 im Jahr 2013 auf Rang 53 (0,278 Punkte) im Jahr 2015. Im Jahr 2017 erreicht sie mit 0,301 Punkten nur Rang 65, gehört trotzdem der Gruppe 1 (von 5) an. Beim Gender Development Index (GDI) 2017 steht für die Mongolei ein Wert von 1,023, für die mongolischen Frauen 0,750, für die Männer 0,733.

Über 56 Prozent aller Mitarbeiter im Hochschulwesen sind weiblich, 79,3 Prozent in der Volksbildung und sogar 87,1 Prozent im Gesundheitswesen. Auch bei den Viehhaltern stellen Frauen fast die Hälfte. Aber nur 12 Frauen vertreten die Mongolei als Botschafterinnen im Ausland und nur 17,1 Prozent der Mitglieder der Großen Staatsversammlung sind Frauen.

Für die Wahlen 2016 war ursprünglich eine Frauenquote von 30 Prozent bei der Kandidatenaufstellung festgeschrieben worden.

Am 05. Mai stimmte jedoch eine Mehrheit der anwesenden Mitglieder der Großen Staatsversammlung für Änderungen am "Gesetz über die Wahlen". Neben der Rückkehr zum Mehrheitswahlrecht, das die Chancen für Frauen ebenfalls schmälert, wurde die vorgesehene Frauenquote für die Kandidatenaufstellung von 30 auf 20 Prozent herabgesetzt.

Parteiübergreifend hatten die Frauen in der Staatsversammlung vor allem bei der Familien- und Sozialgesetzgebung erfolgreich zusammengearbeitet. Nun befürchteten sie, dass in der künftigen Staatsversammlung weniger Frauen vertreten sein werden. Diese Befürchtung hat sich als unbegründet erwiesen. In die neue Staatsversammlung wurden 13 Frauen gewählt - zwei mehr als 2012. Der Regierung gehören zwei Ministerinnen (Gesundheit und Bildung) an. Stellvertretende Außenministerin ist ebenfalls eine Frau - Batmunkhiin Battsetseg.
Zur Ministerin für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Sport wurde Ts. Tsogzolmaa berufen, die neue Gesundheitsministerin heißt D. Sarangerel.

Wie in der Staatsversammlung 2012 bis 2016 haben sich auch diesmal die Frauen in einer Gruppe zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für mehr soziale Gerechtigkeit und gegen Gewalt in der Familie einzusetzen.

Im Bericht des Weltwirtschaftsforums zur Gleichheit der Geschlechter (Gender Gap) 2017 kommt die Mongolei in allen vier Kategorien zusammen (Gesundheit und Überlebenschancen, Bildung, politische Teilhabe und wirtschaftliche Chancen) mit 0,713 Punkten auf Platz 53 unter 144 Ländern. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung um vier Plätze.

Besonders gut schneidet die Mongolei bei den Kriterien Bildung (0,99 Punkte sowie Gesundheit und Überlebenschancen (0,98) ab. Da ist die Geschlechterlücke nahezu geschlossen.

Geschlechtervielfalt

Seit 1961 ist Homosexualität in der Mongolei kein Straftatbestand mehr.
In der Gesellschaft war das Thema verschiedener sexueller Orientierungen lange Zeit kaum ein Thema, vor allem auch, weil sich Schwule, Lesben, Bisexuelle oder Transgender selten zu erkennen gaben, akzeptiert waren ihre sexuellen Vorlieben in der Gesellschaft keineswegs.

Mit der Zunahme von Übergriffen gegen Homosexuelle, auch gegen Ausländer nach der Jahrtausendwende, bemühte sich der Gesetzgeber, sie besser zu schützen und Ungleichbehandlung im öffentlichen Leben zu bekämpfen.
2012 berichtete die Nationale Menschenrechtskommission, dass 80 Prozent der LGBT-Bürger in ihren Bürger- und Menschenrechten verletzt worden wären.

Entsetzen löste nicht nur in Ulaanbaatar der Fall eines vergewaltigten Mannes aus, der wenig später tot aufgefunden worden war. Selbstmord oder Tod infolge der Vergewaltigung, diese Frage konnte nie geklärt werden.

Die Polizei unternahm nichts, da im Gesetz von Vergewaltigung nur bei Frauen die Rede ist.
In das Antidiskriminierungsgesetz aus dem Jahr 2015 wurde zusätzlich als Straftatbestand Vergewaltigung von Männern aufgenommen und es werden härtere Strafen für Hassverbrechen verhängt.

Die Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden werden geschult, um solche Verbrechen besser identifizieren zu können.
Seit zehn Jahren existiert in Ulaanbaatar das "Zentrum der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender (LGBT)".
Eine Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft für Homo-Paare wird in der Mongolei bisher noch nicht anerkannt.  

Sprache und Schrift

Mongolyn Nuuts Tovchoo. Die Geheime Geschichte der Mongolen
Mongolyn Nuuts Tovchoo. Die Geheime Geschichte der Mongolen Repro Bormann

Die mongolischen Sprachen werden wie die türkischen und tungusischen zu den altaischen Sprachen gezählt. Es sind agglutinierende Sprachen, die  Ähnlichkeiten in Struktur und Grammatik aufweisen.

In der Mongolei selbst werden unterschiedliche Dialekte - Khalkhmongolisch ist am weitesten verbreitet - gesprochen.

Seit Beginn des 13. Jahrhunderts verwenden die Mongolen die uigurische Schrift, die sich von einer Variante der aramäischen Schrift herleitet. 

Altmongolisch, Uigurisch-Mongolisch oder Klassisches Mongolisch ist die am längsten genutzte Schrift bei den Mongolen. Zwischenzeitlich wurden Quadratschrift, Soyomboschrift, Phagspa-Schrift oder die Klare Schrift (Tod Bichig) verwendet.

1941 fand für kurze Zeit das lateinische Alphabet Verwendung, ehe Regierung und MRVP beschlossen, das leicht veränderte kyrillische Alphabet einzuführen, das bis heute Gültigkeit hat.

Im Zuge der Rückbesinnung auf die traditionelle Kultur und alte Geschichte der Mongolen seit der Wende scheiterten alle Versuche, das klassische Mongolisch wieder als offizielle Schrift einzuführen. Doch die alte, uigurisch-mongolische Schrift wurde zum Pflichtfach an den allgemeinbildenden Schulen und an den Universitäten. Immer öfter fand Altmongolisch, meist als schmückendes Beiwerk, neben dem modernen Mongolisch Verwendung auf Drucksachen, Schildern etc. Schließlich ordnete Präsident Ts. Elbegdorj 2011 die Verwendung der alten Schrift gleichberechtigt neben der kyrillischen auf allen offiziellen Dokumenten der Ministerien und Behörden an. Ein ziemlicher Aufwand, denn im Unterschied zur alten Schrift in der Inneren Mongolei, die ohne Pause bis heute genutzt wurde und wird, hat in der Äußeren Mongolei nie eine Anpassung der Schrift an die gesprochene Sprache stattgefunden, vom Erlernen der Buchstaben ganz zu schweigen.

Aktuell bieten nur noch wenige Medien ihre Beiträge auch in Altmongolisch an. Dazu gehört news.mn.

Bildung

Zweite Allgemeinbildende Schule in Ulaanbaatar "Sukhbaatar"
"Sukhbaatar" - Schule in Ulaanbaatar © Bormann
01. September. Schuljahresbeginn in der Mongolei © Bormann
01. September. Schuljahresbeginn in der Mongolei © Bormann
Fakultät für Lehrerbildung
Fakultät für Lehrerbildung © Bormann

Die wirtschaftlichen Zwänge des Umgestaltungsprozesses nach 1990 hatten deutliche Verschlechterungen im Bildungswesen zur Folge: Vor allem auf dem Land wurden immer weniger Kinder in die Schule geschickt, die Internatsunterbringung und die Lehrmittelbeschaffung waren zu teuer geworden, zudem wurden die Kinder als Arbeitskräfte in der Nomadenwirtschaft gebraucht.

Mit der wirtschaftlichen Konsolidierung und mit dem Beginn der Bildungsreformen nach 2006 und verstärkt nach 2012 verbesserte sich die Situation. Schrittweise wurde das Schuleintrittsalter von acht auf sechs Jahre herabgesetzt, die Schuldauer von acht auf 12 Jahre erhöht.

Das Reformprogramm "Der gebildete Mongole" erfuhr im Jahr 2013 eine Ergänzung durch das Programm "Das richtige Kind". Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein der Kinder müssten gestärkt, die Unterrichtsinhalte den Erfordernissen der globalisierten Welt angepasst, die Unterrichtsqualität erhöht werden.

Dabei streben die Mongolen eine enge internationale Zusammenarbeit an. Auch hier gilt Deutschland als attraktiver Partner und zwar nicht nur im allegemeinbildenden und außerschulischen Bereich, sondern auch in der Hochschulbildung. Mit dem Studienjahr 2013/14 begann der Unterricht an der gemeinsamen Hochschule für Rohstoffe und Technologie in Nalaikh.

Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) engagiert sich  seit der Wende im mongolischen Bildungswesen, unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Universitäten und Hochschulen, fördert den internationalen Studenten- und Wissenschaftleraustausch.

Nach dem Gender Development Index (GDI) 2017 kommen die Frauen bei den Bildungsindikatoren auf die besseren Werte. Frauen haben durchschnittlich 10,6 Jahre, Männer 9,8 Jahre lang die Schule besucht. Die  erwarteten Schuljahre bei Frauen sind 15,9 und bei Männern 15,0 Jahre.

Die Studierenden an Universitäten, Hochschulen und Colleges sind zu 70 Prozent Frauen. Vor allem die Viehhalterfamilien entscheiden sich eher dafür, die Töchter auf die höheren Schulen zu schicken. Die Jungen werden in der Viehwirtschaft benötigt.

Die Nettoeinschulungsquote, die nach der Wende unter 90 Prozent gesunken war, lag 2008 bei 91,5 %, ist im Jahr 2012 auf 95,2 % und 2015 auf 96,5 % gestiegen. 

30 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt, 38,6 % zwischen 15 und 34 - das stellt die zuständigen Behörden in der Mongolei vor große Herausforderungen.

Die Berufsausbildung war in der Mongolei auch vor der Wende schwach entwickelt, sie erfolgte in wenigen Berufsbildungszentren. Erst jetzt beginnt das Land, die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte zu forcieren. Die Zahl der Fach- und Berufsschulen ist zwischen 2010/11 von 44 auf 53 im Ausbildungsjahr 2013/14 gestiegen, 2015/16 gab es 49 staatliche und 32 private Berufsschulen.

In einem Gespräch des deutschen Botschafters Stefan Duppel mit dem damaligen Minister für Arbeit und Soziale Sicherheit N. Nomtoibayar äußerte dieser den Wunsch nach mehr Zusammenarbeit auf dem Sektor berufliche Bildung.
Gerade deutsche Expertise könnte hier helfen, die mongolische Wirtschaft nachhaltig voranzubringen.

Nach offiziellen Angaben beträgt die Jugendarbeitslosigkeit (15-24 Jahre) 16,6 Prozent, nach dem Nationalen HDI-Report 2016 17 Prozent. Die Migrationsrate wird mit -0,8 pro 1.000 Einwohner angegeben.

Im 6. Nationalen Bevölkerungsentwicklungsbericht (NHDR) von 2016 wurde der Fokus auf die Jugend, ihre Bildung, Ausbildung, Arbeitsplatzchancen und die notwendigen Maßnahmen der Regierung gelegt.

Im Schul- und Ausbildungsjahr 2018/19 lernen 597.200 Schüler an 814 staatlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen, davon 563 auf dem Land und 251 in Ulaanbaatar.
260.000 Kinder besuchen die vorschulischen Einrichtungen, 3.300 mehr als im Vorjahr.
Landesweit existieren 890 staatliche und 554 private Kindergärten, in denen 83 Prozent aller Vorschulkinder einen Platz bekommen haben.
2018 wurden neun Kindergärten mit insgesamt 1.710 Betten und drei Schulen mit 1.600 Plätzen neu eröffnet.
An den Universitäten und Hochschulen haben 30.000 ein Studium begonnen, insgesamt sind 150.000 Studenten und Studentinnen immatrikuliert.
16 staatlichen Universitäten, Hochschulen und Colleges stehen 80 private und fünf ausländische gegenüber.
Die Quantität kann allerdings über unzureichende Qualität des Lehrpersonals, der Ausstattung und Unterrichtsinhalte nicht hinwegtäuschen.

Das Regierungsprogramm zur Verbesserung der Ausbildung in allen Bildungsstufen sieht umfangreiche Umstrukturierungen und Änderung der Ausbildungsinhalte vor. Betroffen ist auch die erste und immer noch am meisten anerkannte Universität des Landes, die Mongolische Staatsuniversität (im englischen Sprachraum "Nationaluniversität").

In jüngster Zeit beklagt die Universitätsleitung eine Irreführung durch den inflationären Gebrauch des Begriffs "Nationaluniversität" für eine Reihe von privaten Schulen und fälschlich auch für die Mongolische Staatsuniversität. Es käme immer wieder zu Verwechslungen. Die Staatsuniversität, habe seit ihrer Gründung 1942 ihren Namen nicht geändert. "Ulsyn" (Staats)-Universität sei nicht gleichzusetzen mit "Undesnii" (National)-Universität.

Kampf um Gehaltserhöhungen
Lehrer und Ärzte verdienen in der Mongolei unterdurchschnittlich.
Da die Regierung mit der Begründung fehlender Mittel im Staatshaushalt keinen Spielraum für Gehaltserhöhungen sah, traten Beschäftigte einiger Schulen und Kindergärten ab dem 03. September, Beginn des Unterrichtsjahres, in einen unbefristeten Streik.
Nach dem in Gesprächen zwischen Vertretern der Gewerkschaft Bildung und Wissenschaft und des Ministeriums für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Sport ausgehandelten Kompromiss über Gehaltserhöhungen für die Beschäftigten an Schulen und in Kindergärten, wurde die Wiederaufnahme der Arbeit ab dem 17. September angekündigt.
Die Gehälter steigen rückwirkend zum 01. September zwischen 30 und acht Prozent, ab Januar 2019 noch einmal um mindestens 20 Prozent.
Die Verhandlungen werden jedoch fortgesetzt. Gefordert werden Gehaltserhöhungen um 50 Prozent. 

Zusammenlegung von Hochschuleinrichtungen
150.000 Studenten haben 2017/18 ihr Studium beendet, 40 Prozent haben keine Arbeit gefunden bzw. keine, die ihrer Ausbildung entspräche.
Die vom zuständigen Ministerium 2017 vorgenommenen Inspektionen ergaben gravierende Mängel bezüglich der Qualifikationen des Lehrpersonals und der der Absolventen. Offenbar werde am Bedarf des Arbeitsmarktes vorbei ausgebildet.

Fünf Einrichtungen der Hochschulausbildung wurden zusammengelegt, fünf geschlossen.

Seit Beginn der 1990-er Jahre hat sich die Zahl der Universitäten und Hochschulen von 14 auf 96 erhöht, die meisten von ihnen von privaten Trägern gegründet, deren Personal nicht unbedingt über die erforderlichen Qualifikationen verfüge.

Gesundheit und Sozialwesen

Museum für traditionelle mongolische Medizin in Ulaanbaatar
Museum für traditionelle mongolische Medizin in Ulaanbaatar © Bormann
Private Entbindungsklinik in Ulaanbaatar
Private Entbindungsklinik in Ulaanbaatar © Bormann
Krankenhaus für Orthopädie. © Bormann
Krankenhaus für Orthopädie. © Bormann

Vor der Wende zählte das mongolische Gesundheitswesen zu den vorbildlichen in Asien. Aber auch hier gilt wie für die Bildung: Quantität ersetzt nicht immer Qualität.

Bis zur Revolution von 1921 oblag die medizinische Betreuung der Menschen ausschließlich den Lamaärzten, außerdem nutzten die Mongolen die Kraft der zahlreich vorkommenden Heilpflanzen. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, die Kindersterblichkeit lag bei 50 Prozent.

Nach der Statistik für die ersten neun Monate 2018 starben 794 Babys vor ihrem ersten Lebensjahr, und 991 vor ihrem fünften Lebensjahr, 27 bzw. 55 mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Allein im September starben 103 Babys, 20 mehr als im August 2018, 122 Kinder erreichten nicht ihren fünften Geburtstag, neun mehr als im Vormonat.

Gründe dafür liegen auch in der extrem hohen Luftverschmutzung in Ulaanbaatar, die in der kalten Jahreszeit vor allem für Kinder lebensbedrohliche Ausmaße annimmt.

Nach 1921 begann mit Hilfe der Sowjetunion der Aufbau eines modernen Gesundheitswesens mit beachtlichen Erfolgen. Allmählich machten sich jedoch  Mängel in der Ausbildung und Qualifizierung des medizinischen Personals sowie bei der technischen Ausstattung, bei der Befolgung hygienischer Standards und bei der Versorgung mit Medikamenten bemerkbar.

Die medizinische Versorgung in der Mongolei ist laut Gesetz kostenlos, jeder Werktätige zahlt in die staatliche Gesundheitsversicherung ein. Doch die Mittel reichen bei weitem nicht und so werden für jede Versorgungsleistung Zahlungen fällig. Hinzu kommt, dass das medizinische Personal äußerst schlecht entlohnt wird und Korruption weit verbreitet ist.

Neben den staatlichen Gesundheitseinrichtungen, Krankenhäusern in Ulaanbaatar und in den Aimags sowie medizinischen Stützpunkten in den Sums, sind zahlreiche private Krankenhäuser und Arztpraxen eröffnet worden.

Nach den Statistiken des Ministeriums für Gesundheit und Sport arbeiteten 2011 landesweit 9.400 Ärzte, 28,5 pro 10.000 Einwohner.

Infektionskrankheiten, vor allem Geschlechtskrankheiten und Tuberkulose, nehmen zu. Im ersten Halbjahr 2014 hat zwar die Zahl der an Hepatitis Erkrankten abgenommen, die an Tuberkulose Erkrankten jedoch um 3,4, die der Menschen mit einer Syphilis-Infektion um 8,5 % zugenommen.

Bis September 2015 wurden im Land 48.829 Fälle von Infektionskrankheiten registriert, 2014 waren es nur 24.943 Fälle.

Auf Grund der Altersstruktur der Bevölkerung, der geografischen Lage zwischen Russland und China und der gestiegenen Mobilität wächst zudem die Gefahr einer Ausbreitung von HIV/Aids.

Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegepersonal aus entwickelten Ländern reisen regelmäßig in die Mongolei, um kostenlos medizinische Behandlungen oder Beratungen anzubieten.

1995 verabschiedete die Große Staatsversammlung das Gesetz über das Sozialversicherungssystem. Dazu gehören die Kranken-, Arbeitslosen-und Rentenversicherungen sowie Sozialhilfeleistungen für Behinderte, Waisen und Halbwaisen. Außerdem wurde im Zuge der steigenden Gewinne aus dem Bergbau ein nationaler Bevölkerungsentwicklungsfonds eingerichtet, aus dem u. a. Beihilfen für Studenten bezahlt werden.

2013 wurde das Sozialversicherungsgesetz ergänzt, damit die noch etwa 44 Tsaatan-Familien (Rentierleute), die fernab fester Siedlungen und ohne geregeltes Einkommen leben, von den Leistungen der Sozialversicherung profitieren können (Renten, finanzielle Unterstützung und Sozialhilfebeiträge für Schwangere, Hochbetagte, Menschen mit Behinderungen, vorübergehend Arbeitsunfähige und für Sonderaufgaben).

Kultur

Nationalmuseum der Mongolei © Bormann
Nationalmuseum der Mongolei © Bormann
In der mongolischen Botschaft in Berlin. V. l. B. Mandakhbileg, Ts. Tsolmon, B. Wulff, B. Siilen © Bormann
In der mongolischen Botschaft in Berlin. V. l. B. Mandakhbileg, Ts. Tsolmon, B. Wulff, B. Siilen © Bormann
Eröffnung des 17. Musikfestivals "Dröhnende Hufe" im Juni 2017 in Ulaanbaatar © Bormann
Eröffnung des 17. Musikfestivals "Dröhnende Hufe" im Juni 2017 in Ulaanbaatar © Bormann

Das kulturelle Selbstverständnis der Mongolen, auch das der Stadtbewohner, ist immer noch eng verbunden mit den Traditionen einer nomadischen Viehhaltergesellschaft. Sie haben die materielle und geistige Kultur des Landes und seiner Menschen über Jahrtausende geprägt und sind dabei durch jeweils aktuelle Strömungen und Entwicklungen sowie den ständigen Austausch mit Ackerbaukulturen ergänzt und bereichert worden.

Das mongolische Ger (rundes Filzzelt, Jurte), eine der nomadischen Lebensweise bestens angepasste Behausung, wurde ins UNESCO-Kulturerbe aufgenommen.

Schon vor Chinggis-Khaan erreichten über die Karawanenstraßen nicht nur östliche, chinesische, sondern auch westliche Einflüsse die Mongolen. Seit dem 16. Jahrhundert wurden die tibetisch-buddhistischen Einflüsse in allen Bereichen, im Handwerk, im Kunsthandwerk, in der Architektur und in der Malerei jedoch übermächtig.

Die extensive nomadische Viehwirtschaft kannte keine strikte Arbeitsteilung, das galt auch für Handwerk, Kunst und Kunsthandwerk. Sämtliche Gebrauchsgüter und Kultgegenstände, Schmuck, Arbeitsgeräte, Sattelzeug und Waffen wurden von den Viehhaltern hergestellt. Für die russische Mongolistin Eleonora Nowgorodowa erklärt dies die über lange Zeit unveränderten Formen und Muster beim Bearbeiten von Knochen, Filz, Holz, Leder und Metall sowie die Langlebigkeit des "Tierstils".

Der erste namentlich bekannte Künstler der Mongolei war der I. Bogd Jabzundamba Khutagt Undur Gegeen Zanabazar (1635-1723), ein Sohn des Tusheet-Khans Gombodorj. Die Zahl der von ihm geschaffenen vergoldeten Bronzestatuen buddhistischer Gottheiten ist heute nicht mehr festzustellen. Seine bekanntesten Werke finden sich in dem nach ihm benannten Museum für Bildende Kunst in Ulaanbaatar, im Kloster Erdene Zuu und im Gandan-Kloster.

"Die Geschichts- und Kulturdenkmäler über und unter der Erde Zentralasiens sind Spiegel für die Weisheit und das reiche kulturelle Erbe unserer Vorfahren" heißt es in der Festschrift zum 800. Gründungsjubiläum des mongolischen Staates im Jahr 2006.

Nicht nur in Ulaanbaatar, auch in den Aimagzentren und in einigen Sums erwarten Museen ihre Besucher. Zum Internationalen Museumstag an jedem dritten Sonntag im Mai haben in- und ausländische Gäste kostenlosen Zutritt. 2014 konnten die mongolischen Museen mehr als 271.000 Besucher verzeichnen, 9,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Prof. Dr. h. c. Bernhard Wulff, Komponist, Dirigent, Schlagzeuger, Musikwissenschaftler und Hochschullehrer, ist seit 2010 Kulturbotschafter der Mongolei in Deutschland.

Nachdem ihn der damalige Außenminister Ts. Munkh-Orgil im September dieses Jahres erneut zum Kulturbotschafter berufen hatte, überreichte ihm der Botschafter der Mongolei in Deutschland Ts. Bolor am 20. Dezember die Ernennungsurkunde.

„Ich danke für das Vertrauen. Es ehrt mich sehr, dass mir diese Funktion, die ich mit großer Freude ausgefüllt habe, erneut übertragen wurde“.

Das Interesse an der Mongolei, ihren Menschen und ihrer Kultur sei überall auf der Welt groß. Nicht nur in Europa und Asien, auch in Argentinien und Chile sind wir mit mongolischen Künstlern aufgetreten, haben wir unseren Beitrag geleistet, Wissen über die Mongolei, ihre Geschichte, Kultur und gesellschaftlichen Verhältnisse zu vermitteln.

Mein Interesse, diese Arbeit fortzuführen, ist groß und ich hoffe, die Kontakte mit anderen Gesandten ausbauen zu können, um die Aktionen (Ausstellungen, Konzerte, wissenschaftlich-kulturelle Veranstaltungen …) in Zukunft besser koordinieren zu können.

Die Kultur hat eine extrem wichtige Funktion in der Mongolei, einem Land im Umbruch. Kultur sei wichtig für das Selbstverständnis der Mongolen, sie gibt dem Land Stabilität und werde längerfristig auch der wirtschaftlichen Entwicklung dienen. „Kultur ist kein Ornament des Alltags, sie gehört zum Überleben, sie ist das Herzstück“.

Botschafter Bolor hob den Beitrag des Freiburger Musikprofessors für die kulturell-künstlerische und gesellschaftspolitische Entwicklung und die Außendarstellung der Mongolei hervor.

Unter anderem habe Prof. Wulff das internationale Musikfestival „Dröhnende Hufe" ins Leben gerufen. Musiker aus Spanien, Frankreich, Mexiko, Russland, Kasachstan, den USA, aus Frankreich, Deutschland, Polen und vielen anderen Ländern musizieren gemeinsam nicht nur in Ulaanbaatar, auch in der Steppe werden Werke der modernen Musik auf traditionellen mongolischen Instrumenten, auf klassischen Instrumenten, überhaupt auf allen Gegenständen, die Töne oder Geräusche hervorbringen können, aufgeführt. Die Zuhörerresonanz steige von Jahr zu Jahr.

Der ehemalige Außenminister L. Purevsuren hatte Änderungen am Statut für die Kulturbotschafter angeregt, um deren Wirken noch nutzbringender einsetzen zu können.

So werden seit 2016 nicht mehr nur ausländische Kulturbotschafter ernannt, auch Mongolinnen und Mongolen können in diese Funktion berufen werden.

Die Kunst- und Kulturmanagerin und Mediengestalterin Oyunjargalyn Oyuntuya, die im August dieses Jahres ihre Ernennungsurkunde überreicht bekam, freut sich auf die Zusammenarbeit mit Wulff.

Insgesamt seien bisher 30 Kulturbotschafter der Mongolei tätig, die Zusammenarbeit, der Austausch von Ideen entwickele sich erfreulich.

Oyuntuya hat in den vergangenen drei Jahren sehr erfolgreich den Auftritt mongolischer Künstler auf der NordArt in Büdelsdorf organisiert. „In der Mongolei gibt es eine lebendige Kunstszene – Installationskunst, Grafikdesign, abstrakte Malerei – es war ein Wagnis, diese Werke zu präsentieren, aber der Erfolg hat uns Recht gegeben, so Oyuntuya.

Botschafter Bolor verwies auf das bevorstehende 100-jährige Gründungsjubiläum der Kulturabteilung  im Außenministerium.

2020 feiern wir 800 Jahre Karakorum. Aus diesem Anlass planen wir eine Ausstellung mit Fundstücken der deutsch-mongolischen archäologischen Expeditionen. Das wäre nach der Ausstellung „Chinggis-Khaan und seine Erben“ 2005 in der Bonner Kunsthalle ein 2. Meilenstein in den Kulturbeziehungen unserer Länder in diesem Jahrtausend. 2019 begehen wir zudem den 30. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Mongolei und der EU.

„Wir wollen die Dienste der Kulturbotschafter, ihr Potenzial stärker in Anspruch nehmen“.

Literatur

Natsagdorjdenkmal vor dem Ulaanbaatar-Hotel © Bormann
Natsagdorjdenkmal vor dem Ulaanbaatar-Hotel © Bormann
B.-Rinchen-Denkmal vor der Nationalbibliothek in Ulaanbaatar © Bormann
B.-Rinchen-Denkmal vor der Nationalbibliothek in Ulaanbaatar © Bormann
Kinderbuchhandlung in Ulaanbaatar © Bormann
Kinderbuchhandlung in Ulaanbaatar © Bormann

In der Nationalbibliothek in Ulaanbaatar werden seltene Schriftdenkmäler aufbewahrt wie eine 2.500 Jahre alte Birkenrindeninschrift oder die mongolische Übersetzung von über 200 Bänden der Lehrschriften des Buddhismus Tandschur und Kandschur aus dem 11. Jahrhundert.

Heldenepen, Märchen, Legenden, Rätselgedichte, Sprichwörter und Balladen waren die wichtigsten mongolischen Literaturgenres. Der Novelle oder dem Roman widmeten sich mongolische Dichter und Schriftsteller erst seit den 1920er Jahren. Inzwischen sind mehr als 1.000 Werke von 100 mongolischen Schriftstellen in 20 Sprachen übersetzt worden. Seit 2012 wird einem Erlass von Präsident Ts. Elbegdorj zufolge jeder dritte Sonntag im September als "Tag des Buches" begangen. Das Denkmal für einen der bekanntesten mongolischen Schriftsteller und Wissenschaftler Byambyn Rinchen (1904-1977) wurde nach dem Abriss des Stalin-Denkmals vor der Nationalbibliothek im Jahr 1990 an dessen Stelle errichtet. Erst vor kurzem musste das Lenindenkmal vor dem Ulaanbaatar-Hotel weichen. Jetzt steht das Denkmal des Mitbegründers der modernen mongolischen Literatur Dashdorjiin Natsagdorj (1906-1937) an seinem Platz im Zentrum der mongolischen Hauptstadt.

Das älteste und bedeutendste erhalten gebliebene Geschichts- und Literaturdenkmal der Mongolen ist die "Geheime Geschichte" aus dem Jahr 1240. "Durch sie weht noch der Wind der Steppe", schreibt Erich Haenisch im Vorwort seiner Übersetzung von 1948 und weiter: "Über die Kriegszüge nach dem Westen wird nur ganz summarisch gesprochen, .... Aber das Leben der Steppe lernen wir kennen, den Frauen- und Pferderaub, Bündnisse und Verrat, Überfälle, Kampf und Freundschaft, rücksichtslose Niedermetzelung der Feinde, Beute und Versklavung der Gefangenen. Auch das Bild in der Jurte ... entsteht vor unseren Augen".

Als erstes Werk der modernen mongolischen Prosa gilt die Erzählung "Das verschmähte Mädchen" von Tsendiin Damdinsuren (1903-1986) aus dem Jahr 1926.

In Deutschland und Europa bekannt geworden und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, ist der mongolisch-tuwinische Schriftsteller und Germanist Chinagiin Galsan, geb 1943. Seine Werke müssen nicht ins Deutsche übersetzt werden, er verfasst sie in der Sprache seines Studienlandes. Übersetzungen liegen jedoch auch in französischer und englischer Sprache vor.

In seiner Heimat engagiert sich der Schriftsteller vor allem im Naturschutz, er fördert Schulprojekte in seiner tuwinischen Heimat im Westen der Mongolei, organisiert Erlebnis- und Studienreisen.

"Ich bin ein Wanderer zwischen den Welten. Ein Drittel des Jahres lebe ich in Tuwa, ein Drittel in Ulaanbaatar, ein Drittel im Westen".

Am 16. März 2018 stellte er auf der Leipziger Buchmesse sein neues Buch "Kennst Du das Land - Leipziger Lehrjahre" vor.

Malerei

In der Galerie des mongolischen Künstlerverbandes © Bormann
In der Galerie des mongolischen Künstlerverbandes © Bormann
"Steppenwind" von T. Oyu-Erdene © Bormann
"Steppenwind" von T. Oyu-Erdene © Bormann
"Leben" von E. Otgonbayar © Bormann
"Leben" von E. Otgonbayar © Bormann

Die Felszeichnungen aus der Bronze- und frühen Eisenzeit im Westen, Süden und in der Mitte der Mongolei, die Malereien aus dem 13. und 14. Jahrhundert widerspiegeln das Nomadenleben, Kriege und die Landschaften, geben auch Beispiele vom hohen Niveau der Porträtkunst. Ab dem 16. Jahrhundert dominierte der Kunstkanon des tibetischen Buddhismus auch die Malerei. Der visionäre Charakter der buddhistisch/lamaistischen Kunst lebt in den unzähligen Malereien und Applikationsarbeiten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts fort, es entsteht jedoch gleichzeitig eine weltliche Malerei, die sich z. B. in der Darstellung besonders beliebter weiblicher Gottheiten wie der "Weißen Tara" oder der "Grünen Tara" ausdrückt - das vorherrschende mongolische Schönheitsideal ist unverkennbar.

B. Sharav (1869-1939) war der erste Maler, der die traditionelle Malerei mit den neuen westlichen Einflüssen verband. Sein "Ein Tag in der Mongolei" oder "Ein Tag im Leben der Mongolen" ist immer noch das bekannteste Werk der mongolischen bildenden Kunst. L. Namkhaitseren (1913-1992), N.-O. Tsultem (1923-2001), L. Bumandorj, geb. 1954, die Kunsthistorikerin Ts. Uranchimeg, Ts. Enkhjin, geb. 1953, um nur ganz wenige Namen zu nennen, haben die moderne mongolische Kunst bereichert und einen Beitrag zur Ausbildung der nachfolgenden Künstlergenerationen geleistet.  

Inzwischen machen immer mehr junge Maler und Malerinnen von sich reden. Ihre Werke hängen in Ausstellungen und Galerien in der Mongolei und überall auf der Welt.

In der jüngeren Vergangenheit sind in Deutschland und Europa besonders Gan-Erdene Tsend und Ershuu Otgonbayar (Otgo) bekannt geworden.

Musik und Schauspiel

Staatliches Schauspielhaus in Ulaanbaatar © Bormann
Staatliches Schauspielhaus in Ulaanbaatar © Bormann
Pferdekopf-Geigen-Ensemble der Mongolei © Bormann
Pferdekopf-Geigen-Ensemble der Mongolei © Bormann
Maskentanz. Mahakala, der Religionsschützer. © Bormann
Maskentanz. Mahakala, der Religionsschützer. © Bormann

Die traditionelle Musik der Mongolen nutzt eine große Anzahl an Instrumenten, unter denen die menschliche Stimme nicht als das unwichtigste gewertet wird.

Es gibt die Alltagslieder, Festlieder, philosphisch-religiöse, historische und humoristische Lieder. Besungen werden die Heimat, Landschaften, die fünf Herdentiere, am liebsten das Pferd, die Liebe, Mutter und Vater, der Himmel.

Weltbekannt ist der mongolische Khuumii-Gesang (Oberton- oder Kehlkopfgesang), er wurde mit dem Pferdekopfgeigenspiel, dem Urtyn Duu (Langlied), Naadam, der Falknerei und dem Jurtenbau dem immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe hinzugefügt.

Der "Herr der Gobi" Danzanravjaa, der bis heute nicht nur in seiner Heimatkloster in der Gobi, sondern in der ganzen Mongolei verehrt wird, gründete Anfang des 19. Jahrhunderts das erste Theater in der Mongolei. Er ist Verfasser zahlreicher Lieder und Singspiele. Sein wichtigstes Werk ist das auch heute noch oft gespielte Stück "Der Mondkuckuck".

Das erste Volkstheater, eröffnet 1931 in einem gerähnlichen grünen Holzbau, fasste 500 Sitze. Nachdem es wenige Jahre später einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen war, wurde 1940 in einem Steinbau das Staatstheater eröffnet, zu dem ein Symphonieorchester, Ballett und Chor gehörten - die Geburtsstunde des Staatlichen Schauspiel-, Opern- und Balletttheaters Ulaanbaatar. Die Gründung des Staatszirkus' geht gleichfalls auf das Jahr 1940 zurück, 1948 folgte die Gründung des Puppentheaters  und 1963 erhielt das Schauspiel eine eigene Spielstätte.

Gezeigt wurden Stücke (Opern, Singspiele, Dramen), die den sozialistischen Aufbau verherrlichten und fördern sollten, aber auch auf traditionellen Stoffen beruhende Opern ("Zwischen den drei traurigen Hügeln") sowie Werke der europäischen klassischen Musik-, Ballett- und Schauspielkunst. Wobei der russische Einfluss unüberseh- und -hörbar war.

Nach der Wende kamen Themen aus der älteren Geschichte hinzu "Karakorum", "Chinggis-Khaan", bei denen allerdings weitgehend auf traditionelle Musikelemente verzichtet wurde.

Aufführungsort für Konzerte, Oper und Ballett ist das Staatliche Opern- und Balletttheater am Sukhbaatarplatz in Ulaanbaatar.

Hier werden nicht nur Werke des klassischen internationalen Opern- und Ballett-Repertoires aufgeführt, sondern auch mongolische Opern wie "Karakorum" oder "Chinggis-Khaan".

Der Bariton E. Amartuvshin ist einer der auch international anerkannten und vielbeschäftigten mongolischen Opernsänger.

Der Verdiente Künstler der Mongolei, der Baritonsänger G. Ariunbaatar hat es beim internationalen Nachwuchs-Gesangswettbewerb „BBC Singer of the World in Cardiff“ (Wales) 2017 in die Runde der besten Fünf geschafft.
Gemeinsam mit der Mezzosopranistin Catriona Morison (Schottland) gewann er einen der Hauptpreise („Song Prize“).

Folklore, im weiteren Sinne gehören dazu selbstverständlich die Schlangentänze und die Tsam (Masken)-Tänze, spielt bei den Mongolen auch heute noch eine Rolle für die Bewahrung und das Präsentieren der Traditionen in Musik und Tanz, der Sitten und Bräuche.

Alle neuen Musikrichtungen in der Jugendkultur werden von der mongolischen Jugend begeistert aufgenommen und schöpferisch adaptiert.  Rock und Pop sowieso, aber auch Hip Hop, Rap oder Heavy Metal. Populäre mongolische Bands sind Kharanga, Camerton, Nomin Talst, Ice Top, die Mädchenband "Uka" oder Tatar.
Seit 2018 hat die mongolische Band "The Hu" internationale Berühmtheit erlangt.

Kino

Die ersten Kinofilme in der Mongolei präsentierten das US-Konsulat und das russische Börsenhotel bereits im Jahr 1910. 1913 hatte der Sain Noyon Khan Namnansuren (Ministerpräsident seit 1911) Filme aus Russland mitgebracht und sie im Bogd-Khan-Palast vorgeführt. Nach der Revolution von 1921 entwickelten die Mongolen eine eigene Filmindustrie. Der erste Dokumentarfilm über die 1.-Mai-Feiern in Ulaanbaatar entstand 1935, ein Jahr später produzierten das Mongolische Filmstudio und Lenfilm den Spielfilm "Der Sohn der Mongolei". Es folgten patriotische und den Aufbau des Sozialismus preisende Filme wie "Sein Name ist Sukhbaatar" (1942) oder "Tsogt Taij" (1945). Nach dem 2. Weltkrieg arbeiteten mongolische Filmemacher eng mit ihren Kollegen aus den damals sozialistischen Ländern zusammen. Ein Ergebnis der DDR-MVR-Zusammenarbeit war der Märchenfilm "Die Goldene Jurte" (Altan Urguu), der allerdings keine sehr guten Kritiken erhielt.

In dem monumentalen Filmepos "Die kluge Fürstin Mandkhai" (Mandukhai Tsetsen Khatan) aus dem Jahr 1988 feierte eine mongolische Fürstin Wiederauferstehung, die im 15. Jahrhundert mit dazu beigetragen hatte, der Mongolei eine, wenn auch kurze, Zeit des Friedens zu bescheren. Die literarische Vorlage für den Film lieferte der Schriftsteller und Historiker Sh. Natsagdorj.

Heute beteiligen sich mongolische Regisseure, Drehbuchautoren oder Schauspieler an internationalen Kinofestivals, erringen Preise, nutzen modernste Filmtechniken.

Genannt seien die inszenierten Dokumentarfilme der mongolischen Regisseurin D. Byambasuren und des Italieners  "Das weinende Kamel" mit einer Oscarnominierung, "Die Höhle des gelben Hundes" und "Das Lied von den zwei Pferden".

Sport und Spiel

Schachspielen - beliebt bei Jung und Alt © Bormann
Schachspielen - beliebt bei Jung und Alt © Bormann
Sumoschaukampf in Ulaanbaatar © Bormann
Sumoschaukampf in Ulaanbaatar © Bormann
Volkstanz im Tal des Großen Himmels © Bormann
Volkstanz im Tal des Großen Himmels © Bormann

Die Produkte aus der Viehwirtschaft lieferten den Mongolen nicht nur Nahrungsmittel, Wohnung und Kleidung, sondern auch die Materialien zur Herstellung vieler Spiele, die nicht nur dem reinen Vergnügen von Alt und Jung dienten, sondern der Erziehung und Wissensvermittlung. Die bekanntesten, heute in unzähligen Varianten in den Souvenirläden des Landes erhältlich, sind die Knöchelspiele. In den Gers auf dem Land sind sie  noch immer eine Lieblingsbeschäftigung und auch die Städter - Erwachsene und Kinder - spielen, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Trotzdem haben Fernseher, HiFi-Anlagen, Spielzeugautos, Puppen und Computerspiele diesem traditionellen Spiel den Rang abgelaufen. Aber beim Naadam, dem mongolischen Nationalfest, werden neben Reiten, Ringen und Bogenschießen, auch Wettkämpfe im Knöchelweitwurf ausgetragen.

Die Mongolen sind nicht nur gute Ringer, Reiter und Schützen. International für Aufmerksamkeit sorgen die Judoka, die Boxer und die Sumokämpfer. Seit Jahren dominieren die Mongolen die oberste Liga der Profisumo-Turniere. Sehr zum Kummer der Japaner.

2008 haben mongolische Sportler die ersten beiden Olympiagoldmedaillen in der Geschichte des mongolischen Sports errungen. In Peking gewann N. Tuvshinbayar Gold im Judo und E. Badar-Uugan Gold im Boxen.

Im Wettkampfschach sind sowohl Frauen und Männer, Mädchen und Jungen erfolgreich. Nach wie vor gehört es zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Mongolen.

Religion

Vorherrschende Religion in der Mongolei ist der tibetische Buddhismus, dem 53 Prozent der Bevölkerung anhängen, drei Prozent sind Moslems, 2,6 Prozent Anhänger des Schamanismus und 2,2 Prozent Christen, die meisten von ihnen Protestanten, andere bekennen sich zur russisch-orthodoxen Kirche, zu den Sieben-Tage-Adventisten oder zur katholischen Kirche.

Animismus

Religiöses Denken begann in der Mongolei wie überall auf der Welt mit Vorstellungen von der Beseeltheit sämtlicher Naturerscheinungen (Animismus), Ausdruck fand das in Dämonenglauben, Totenbeschwörung und Ahnenkult.

Schamanismus

Ovoo - Steinanhäufung zur Geisterbeschwörung
Ovoo - Steinanhäufung zur Geisterbeschwörung © Bormann

Die folgende Religionsform war der Schamanismus (mong. buu murgul). Der Schamane oder die Schamanin tritt zum Wohle der Gemeinschaft mit der übersinnlichen Welt in Kontakt. Grundlage des Schamanismus ist der Glaube an zahlreiche tier- und menschengestaltige Geister, von denen die Schamanen Hilfe und Anleitung in konkreten Lebenssituationen (Krankheit, Jagd, Wetter, Krieg) erbitten. Besänftigt werden die Geister durch Opfergaben.

Buddhismus

Lamaistischer Tempel im Khuvsgul-Aimag
Lamaistischer Tempel im Khuvsgul-Aimag © Bormann
Kultstätte bei Tsetserleg (Arkhangai-Aimag)
Kultstätte bei Tsetserleg (Arkhangai-Aimag) © Bormann
Tsamtanz im Kloster Amarbayasgalant (Selenge-Aimag)
Tsamtanz im Kloster Amarbayasgalant (Selenge-Aimag) © Bormann
Junge Mongolen beim Gebet im Kloster Amarbayasgalant © Bormann
Junge Mongolen beim Gebet im Kloster Amarbayasgalant © Bormann
Erdene Zuu. Erstes lamaistisches Kloster in der Äußeren Mongolei © Bormann
Erdene Zuu. Erstes lamaistisches Kloster in der Äußeren Mongolei © Bormann
Die mongolischen Buddhisten feierten am 09. Juni 2017 Buddhas Geburt, Erleuchtung und Eingang ins Nirwana © Bormann
Die mongolischen Buddhisten feierten am 09. Juni 2017 Buddhas Geburt, Erleuchtung und Eingang ins Nirwana © Bormann
Gandantegchilen Khiid in Ulaanbaatar © Bormann
Gandantegchilen Khiid in Ulaanbaatar © Bormann

Der Begründer des Buddhismus Gautama aus dem indischen Geschlecht der Shakyas (564 v.u.Z.-480 v.u.Z.) wollte kein Heiland, kein Gott oder die irdische Verkörperung eines Gottes sein, der straft und belohnt, sondern ein Wegweiser, ein Lehrer (Sanskrit "Guru", Tibetisch "Lama") auf dem Weg ins Nirwana.

Im 7. Jahrhundert erreichte der Buddhismus Tibet und verband sich mit Elementen der einheimischen Bon-Religion. Rituale und Symbole spielen eine große Rolle. Spirituelle Hilfsmittel sind Mudras (heilige Gesten), Mantras (heilige Verse) und Mandalas (heilige Schaubilder).

Die tibetische Form des Buddhismus, der Lamaismus - ein Begriff, den der XIV. Dalai-Lama übrigens nicht sehr schätzt - hielt in der Mongolei zum ersten Mal im 12. Jahrhundert Einzug, als sich Großkhan Khubilai und der Tibeter Phagspa-Lama (1237-1280) über die Gewaltenteilung zwischen weltlicher und geistlicher Macht verständigten. Die Vertreibung der Mongolen aus China (1368) verhinderte zunächst die weitere Bekehrung der Mongolen zum Buddhismus.

Das sollte erst knapp 200 Jahre später mit nachhaltigem Erfolg gelingen. Noch bis 1921 war die Mongolei ein theokratischer Staat, die Zentralgewalt religiös legitimiert.

Zunächst in der Südmongolei, später auch in der Nord- oder Khalkh- oder Äußeren Mongolei wandten sich erst die Fürsten (Khane), dann auch die übrigen Adligen und Viehhalter der neuen Religion zu. 1588 entstand das erste lamaistische Kloster in der Khalkh-Mongolei - Erdene Zuu - in unmittelbarer Nachbarschaft der alten Hauptstadt Karakorum. Die Klöster entwickelten sich sehr bald zu Zentren des wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in der Mongolei.

Der Buddhismus ist eine Reinkarnationsreligion, das System geht auf das 13. Jahrhundert zurück.

Es war die Tugend- oder Gelbmützensekte, die sich in der Mongolei durchsetzen konnte. In der Hierarchie der lamaistischen Kirche steht der Dalai-Lama mit Sitz in Lhasa (seit 1959 Exil in Indien) an der Spitze, gefolgt vom Panchen-Lama mit Sitz in Peking. An dritter Stelle stand bis 1924 der Jabzundamba Khutagt in Niislel Khuree, seit 1924 Ulaanbaatar. Mit dem Tod des VIII. Bogd Gegeen im Mai 1924 endete die Linie vorerst, die Inthronisation des IX. Bogd wurde verboten.

Auch in der Mongolei gelang es der neuen Hochreligion nicht, die Elemente der vorhergehenden Volksreligionen gänzlich auszumerzen. So schaffte es der "Weiße Alte" (Tsagaan Uvgun), die schamanistische Schutzgottheit der Viehherden und der Erdgeister ins lamaistische Pantheon (Gesamtheit der Götter einer Religion).

Das Verbot der Errichtung von Ovoos - mit Khadags geschmückte Steinanhäufungen zu Ehren von Schutzgeistern - konnte sich gleichfalls nicht durchsetzen.

Seit dem 18. Jahrhundert werden in der Mongolei die lamaistischen Masken-Tänze (Tsam) aufgeführt. Von den zwei Arten des Tsam - "Dialog-Tsam" nach dem tibetischen Dichter und Eremiten Milaräba (1040-1123) und pantomimischer Tanz hat sich in der Mongolei der pantomimische Tanz durchgesetzt. Wohl auch, weil die hohen Lamas und Adligen den gesellschaftskritischen Ansatz im Sprechtanz nicht duldeten.

In der Mongolei am weitesten verbreitet ist der Khuree-Tsam oder der Erleg-Nomonkhan-Tsam. Maximal werden 108 Masken von 21 Gottheiten (Ochirvaani, Jamtsran, Gongor, Namsrai u. a.) verwendet sowie zahlreiche  Legendengestalten und sagenumwobene Tiere (Garuda, Löwe, Hirsch) dargestellt. Jedes größere Kloster der Mongolei folgt bei diesem religiösen Pantomimentanz seinen eigenen Traditionen und lokalen Abwandlungen. Überall gleich ist jedoch, dass der „Weiße Alte" bei den Mongolen besonders beliebt ist. Der Tsamtanz soll helfen, böse Geister, Leid und Not vom Einzelnen und vom ganzen Land abzuwehren, die Religion zu beschützen und ihre Widersacher ins Verderben zu stürzen.

In Ulaanbaatar wurde der zunächst letzte Tsamtanz 1937 aufgeführt. Danach war er bis zur politischen Wende 1989 verboten. 1991 erlebte er seine Renaissance. Jetzt führen die Lamas in den größeren Klöstern alle zwei Jahre die sehr aufwändigen Tänze auf. Immer noch ein spektakuläres Ereignis nicht nur für die Touristen.

Nach der Verfassung von 1992 herrscht in der Mongolei Religionsfreiheit.

Der Buddhismus/Lamaismus hatte auch während der sozialistischen Periode nie wirklich aufgehört, Bestandteil der nationalen Identität der Mongolen zu sein. Überall gab es Kultstätten, die von der örtlichen Bevölkerung mehr oder weniger heimlich aufgesucht wurden. Seit 1944 konnte das Gandankloster wieder offiziell arbeiten.

Während der stalinistischen Repressionen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sind die meisten der 750 Klöster und Tempel mit wertvollen Schriftzeugnissen und Skulpturen zerstört worden.

Wahrscheinlich 30.000 Menschen - genaue Zahlen liegen nicht vor - sind den stalinistischen "Säuberungen" zum Opfer gefallen, darunter sehr viele Angehörige des niederen und höheren Klerus. Erst vor wenigen Jahren haben Bauarbeiter in der Nähe des Gandanklosters ein Massengrab mit den sterblichen Überresten Hunderter von Lamas entdeckt.

In den vergangenen 20 Jahren sind etwa 160 der während der "dunklen" 30er Jahre" zerstörten Klöster wieder aufgebaut worden, neue sind hinzu gekommen. 3.000 Lamas der verschiedenen Stufen versehen ihren Dienst in den Klöstern und Tempeln. Die Hochschule für buddhistische Kunst beim Gandankloster genießt auch außerhalb der Mongolei einen guten Ruf. Der Oberlama des Klosters D. Choijamts wurde 2003 in die Asiatische Buddhistische Friedenskonferenz gewählt. Erdene Zuu ist gleichzeitig Religionsmuseum und Glaubensstätte. Im wieder aktiven Kloster leben 12 Lamas, die sich den Gläubigen widmen und die Lehren des Buddhismus pflegen.

Nach der Wende gab es verschiedentlich Versuche der Wiedereinsetzung  eines Jabzundamba Khutagts als geistliches Oberhaupt der lamaistischen Kirche in der Mongolei. Faktisch übt diese Funktion der Khamba Lama (Abt) des Gandanklosters D. Choijamts (geb. 1951) aus.

Nach dem Tod des VIII. Bogd Gegeen, gleichzeitig weltliches Oberhaupt der Mongolei seit 1911, hatte  Sowjetrussland die Inthronisierung eines Nachfolgers verhindert.

Erst 2010 wurde der in Indien geborenen und lebenden 9. Reinkarnation des Bogd Javzundamba Khuatagt Jambalnamdolchoijijantsan die mongolische Staatsbürgerschaft zugebilligt. Jambal verlegte seinen Wohnsitz in die Mongolei, war aber schon von Krankheit gezeichnet. In der Nacht vom 29. Februar zum 01. März 2012 ist er gestorben.

Die mongolische Geschichte und Kultur, mongolische Sitten und Bräuche seien untrennbar mit der buddhistischen Lehre verbunden und die Erleuchteten Heiligen (Bogd Gegeen) hätten einen bedeutenden Beitrag für die Einheit und Unabhängigkeit des mongolischen Volkes geleistet. In den Verlautbarungen aus dem Gandankloster wird der Bogen gespannt von der Ernennung des I. Jabzundamba Khutagt Undur Gegeen Zanabazar aus dem Goldenen Geschlecht Chinggis-Khaans im Jahr 1639 bis hin zum VIII. Jabzundamba Khutagt, der 1911 an der Spitze der Unabhängigkeitsbewegung gegen China stand und am 29. Dezember 1911 auch zum weltlichen Oberhaupt des neuen mongolischen Staates gekürt worden war. Nach seinem Tod im Mai 1924 fasste die seit 1921 regierende Mongolische Volkspartei den Beschluss, die konstitutionelle Monarchie abzuschaffen, stattdessen eine Volksrepublik zu errichten. In der „dunklen Zeit der stalinistischen Repressionen" wurden die meisten der 750 Klöster zerstört, Lamas, die sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören, ermordet. Erst 1990, mit dem Sieg der demokratischen Revolution, erlebte der Buddhismus/Lamaismus in der Mongolei seine Wiederauferstehung.

Präsident Ts. Elbegdorj und die anderen Spitzen des Staates hatten in einem gemeinsamen Brief ihr tiefempfundenes Beileid angesichts des Todes des IX. Bogd bekundet. Der Khamba-Lama D. Choijamts erklärte, der Bogd hätte vor seinem Tod wichtige Verfügungen getroffen. Kurz vor seinem Dahinscheiden sei ein Regenbogen über dem Kloster erschienen. Der Bogd hätte alle Lamas um sich versammelt und zwei wichtige Verfügungen verkündet: 1. Seine Wiedergeburt sei in der Mongolei zu finden, um die Lehren der „Gelben Religion" lebendig zu halten und um den Mongolen den Weg zu Glück und Zufriedenheit zu weisen. 2. Er hätte sich nicht für politische Arbeit interessiert, das möge seine Wiedergeburt ebenso halten. Sie sollte sich ausschließlich dem Bewahren und dem Verkünden der Lehre widmen. Der Dalai-Lama hatte sein Einverständnis mit „dem Finden des 10. Erleuchteten Heiligen in der Mongolei" entsprechend den nötigen Ritualen und Zeremonien erklärt. Dazu wurde unter Leitung von D. Choijamts eine Arbeitsgruppe gebildet.

Bis heute ist der X. Jabzundamba Khutagt nicht gefunden worden.

Spekulationen, der Besuch des Dalai-Lama in der Mongolei im November 2016 sei im Zusammenhang mit der Inthronisierung des X. Jabzundamba Khutagts zu sehen, erteilte das informelle geistliche Oberhaupt der lamaistischen Kirche in der Mongolei, der Khamba Lama des Gandanklosters Choijamts, eine Absage. 

„Wir freuen uns auf den Besuch des geistlichen Führers der Tibeter und Friedensnobelpreisgewinners von 1989“. Sofort nach seiner Ankunft in Ulaanbaatar, zuvor hatte er Japan besucht, hat der XIV. Dalai Lama seine Anhänger vor dem Tempel des Bodhisattva Avalokiteshvara (mong. Janraisag) im Gandankloster begrüßt. Am 19. leitete er ein Seminar mit mongolischen Lamas, am 20. November nahm er an der Internationalen Buddhismus-Konferenz im Kulturpalast der mongolischen Hauptstadt teil und am 21. November ist ihm in der Mongolischen Landwirtschaftsuniversität die Ehrendoktorwürde verliehen worden.

Andere Glaubensrichtungen

Katholische Kirche in Ulaanbaatar © Bormann
Katholische Kirche in Ulaanbaatar © Bormann
Russisch-Orthodoxe Kirche in Ulaanbaatar © Bormann
Russisch-Orthodoxe Kirche in Ulaanbaatar © Bormann

An 250 Plätzen können Anhänger des Buddhismus, des Islam, des Schamanismus, des Christentums und anderer Religionen oder Sekten ihren Glauben zelebrieren.

Den Katholiken in der Mongolei steht u. a. die Sankt-Peter-und-Paul-Kathedrale in Ulaanbaatar zur Verfügung, den Muslimen sechs Moscheen, 2011 wurde in Ulaanbaatar eine siebente eingeweiht.

Laut Statistischem Jahrbuch 2014 sind von allen Kirchen, Tempeln und Gebetsplätzen in der Mongolei 42 Prozent dem Buddhismus, 48,8 Prozent dem Christentum, 7,4 Prozent dem Islam und 1,8 Prozent sonstigen Glaubensrichtungen (Schamanismus, Bahai, Muun) gewidmet.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2019 aktualisiert.

Die Autorin

Dr. Renate Bormann hat Geschichte und Mongolistik an der Martin-Luther-Universität in Halle und an der Mongolischen Staatsuniversität Ulaanbaatar studiert und bis 1997 an der Humboldt-Universität zu Berlin gearbeitet. Von 2000 bis 2009 lebte und arbeitete sie als freie Journalistin in Ulaanbaatar, bereist nach wie vor regelmäßig die Mongolei und berichtet über die aktuellen Entwicklungen im Land auf MongoleiOnline und in der mongolischen Chronik. Seit 1992 ist sie Landestrainerin für die Mongolei an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ.

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