Eselskarren, Foto: Brian Dell (public domain)
Geschätztes BIP
12,59 Mrd. US-$ (2017)
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität)
1300 US-$ (2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 180 von 189 (2017)
Anteil Armut
46,1 % (geschätzt 2015)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
54 (2018)
Wirtschaftliche Transformation (BTI)
Rang 101 von 129 (2018)

Wirtschaftslage

Gemessen am jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von ca. 472 US-Dollar (1136 US-$ nach Kaufkraftparität) zählt Mosambik weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach dem Human Development Report nimmt es hier derzeit Rang 180 von 189 Staaten ein (HDR-Erläuterungen zu aktuellen Entwicklungen). Makro-ökonomisch gehörte Mosambiks Wirtschaft lange zu einer der am schnellsten wachsenden in Afrika südlich der Sahara (jährlich über 7 Prozent). Durch die Reichhaltigkeit an Bodenschätzen besitzt es ein gutes Wirtschaftspotenzial. Das Wachstum hat sich allerdings seit 2015 durch hohe Schulden reduziert und lag 2017 bei einem 15-Jahrestief von 3,3 Prozent. Für 2019 erwartet der IWF 4,7 Prozent Wachstum.

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Marktprodukte sind Tabak, Cashewnüsse, Zucker, Baumwolle, Sisal, Kopra und Tee sowie Garnelen und Langusten. Die Kleinbauern betreiben überwiegend Subsistenzwirtschaft, um ihren Bedarf an Grundnahrungsmitteln wie Maniok, Mais und Hirse abzudecken. Von den Sektoren der Wirtschaft trägt der Agrarsektor zu 22,3% am BIP bei, der Anteil der Industrie liegt bei 23%. Den größten Anteil am BIP hält immer noch der Dienstleistungssektor (54,7%). Der Industriesektor profitiert allerdings von nur wenigen Großprojekten vorwiegend im Süden des Landes. Das Wirtschaftswachstum geht also an dem größten Teil der Bevölkerung vorbei. Deshalb ist die Bekämpfung der Armut – etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt in absoluter Armut – eine der großen Herausforderungen für Regierung wie Geber, die immer noch einen großen Teil der Entwicklungsausgaben tragen.

Mosambiks Wirtschaft ist für die BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) von zunehmend strategischer Bedeutung. Das gilt vor allem für Investitionen im Bereich der extraktiven Industrien, führt allerdings auch zu Konflikten über die damit verbundene Landvergabe.

Arbeiter in Maputo
Herstellung landwirtschaftlicher Geräte in Maputo © Santos Finiosse, AIM/issa

Wirtschaftspolitik

Von der Plan- zur Marktwirtschaft

Mosambik hat aus der Kolonialzeit eine Wirtschaftsstruktur geerbt, die das Land ökonomisch eng mit dem Südlichen Afrika verflochten hat. Bis zur Unabhängigkeit hatte es eine ausgeprägte Dienstleistungsfunktion gegenüber Südafrika: Die Einkünfte aus dem internationalen Transitverkehr über seine Häfen und Eisenbahnen sowie die Transferzahlungen der Wanderarbeiter, die in den Kohle- und Erzminen Südafrikas arbeiteten, waren zur tragenden Säule des Devisenaufkommens Mosambiks geworden.

Nach der Unabhängigkeit erlebte Mosambik eine Entwicklung von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft, die sich in drei Phasen vollzog:

  • Planwirtschaft: Mit der Verstaatlichung der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, dem Aufbau einer Schwerindustrie und der Kollektivierung der Landwirtschaft in Staatsfarmen, Kooperativen und Gemeinschaftsdörfern wollte die Frelimo-Regierung die von den Portugiesen geerbte Unterentwicklung überwinden. Die ambitionierten Ziele eines 1981 verabschiedeten Zehnjahresplanes wurden nicht annähernd erreicht, weil Mosambik mit dem Antrag auf Mitgliedschaft im "Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe" (RGW) scheiterte, die Regierung die starke Verflechtung mit den Nachbarländern ignorierte und vor allem, weil die Renamo mit Hilfe Südafrikas die wirtschaftliche Infrastruktur zerstörte. Die Dominanz des Staates, Überzentralisierung und ausufernder Bürokratismus führten zur krassen Ressourcenverschwendung und zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen.
  • Nach einem deutlichen Wirtschaftsrückgang folgte Mitte der 1980er Jahre eine Übergangsphase, in der erste Ansätze zur Liberalisierung, marktwirtschaftlichen Öffnung und Dezentralisierung unternommen wurden. Mit dem Beitritt zu IWF und Weltbank hatte sich Mosambik noch vor der Wende in den Ostblockstaaten von der sozialistischen Planwirtschaft verabschiedet.
  • Unter der Regierung Chissano schloss Mosambik 1987 ein Strukturanpassungsabkommen ab. Das Programa de Reablitação Económica (PRE) leitete die Restrukturierung der Wirtschaft nach dem standarisierten Muster ein: Deregulierung, Abwertung, Privatisierung, Einsparungen im öffentlichen Haushalt.

Eine wirtschaftliche Erholung war allerdings erst nach dem Ende des Bürgerkrieges möglich. Die Regierung hat seitdem ein stringentes Wirtschaftsreformprogramm (über 1200 überwiegend kleine Staatsunternehmen sind bislang privatisiert worden) durchgeführt, das Mosambik zu einem "Musterschüler" von IWF und Weltbank auf Kosten eines hohen Anteils an Selbstständigkeit gemacht hat.

Auf der Regierungshomepage werden die jeweils gültigen Programme zur Wirtschaftsentwicklung mit den angestrebten Wachstumszielen veröffentlicht. Der jüngste Plano Economico e Social gilt für 2015. Mit der im Dezember 2012 beschlossenen Gründung einer staatlichen Entwicklungsbank will die Regierung die Wirtschaft ankurbeln.

Die in den 1990er-Jahren forcierte Privatisierungspolitik wurde von Nichtregierungsorganisationen und Ökonomen kritisch begleitet und ihre mangelnde Transparenz bemängelt. Die sozioökonomische Transformation Mosambiks wird vom Transformationsindex 2018 der Bertelsmannstiftung insgesamt als zu langsam bewertet. Als Hindernisse werden der relativ kleine formale Wirtschaftssektor und ungleiche Bedingungen für kleine Unternehmen und Großprojekte gesehen. Letztere sind weitgehend von Steuern befreit. Auch eine Studie des Mosambik-Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung vom August 2013 stellt fest, dass es in Mosambik trotz eines Jahrzehnts nachhaltiger Entwicklung keine wirkliche Transformation der Wirtschaft gegeben hat.

Positiver bewertet die GTAI die Wirtschaftspolitik Mosambiks. Dank eines investorenfreundlichen Kurses und zuletzt steigender Steuereinnahmen konstatierte sie 2014 eine deutliche Verringerung der Abhängigkeit von Gebernationen. Die Deutsche Bank bezeichnete Mosambik Mitte 2014 noch als "Wachstumsstory mit Potenzial". Als aber Anfang 2016 bekannt wurde, dass Mosambik unter der Regierung von Armando Guebuza illegale Anleihen aufgenommen und die Staatsverschuldung sich verdreifacht hat, war man im Ausland erschrocken. Mosambiks Wirtschaft geriet in den Sog der staatlichen Finanzkrise. Das Land steht praktisch vor dem Bankrott, zumal die Gebernationen ihre Haushaltszuschüsse im Wert von 500 Mio. US-Dollar eingefroren haben.

Welchen wirtschaftspolitischen Kurs Mosambik in Zukunft einschlagen wird, hängt nicht zuletzt auch von einer stabilen politischen und sozialen Lage ab. Das Chatham House hat in einem Bericht zu Mosambik 2018 ("Managers, Mediators and Magnates") die regionalen Ungleichgewichte als Haupthindernis dafür ausgemacht, dass Mosambik inneren Frieden erreichen und sein Wirtschaftspotenzial voll entfalten kann.

Wirtschaftssektoren

getrockneter Maniok in Mieze
Getrockneter Maniok in Mieze, Cabo Delgado © L. Berger/issa

Agrarland Mosambik

Mosambik ist ein Agrarland (FAO-Factsheet zu Mosambik). Die Landwirtschaft trug 2004 zu 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts bei und schließt 80 Prozent der Bevölkerung ein. Etwa 62 Prozent der Gesamtfläche sind landwirtschaftlich nutzbar, doch 88 Prozent dieser Nutzfläche sind noch nicht kultiviert. Nur 5,8 Mio. ha (7% der Landesfläche) werden landwirtschaftlich genutzt. Nach Weltbankangaben hat es in den Jahren 2000 bis ca. 2010 einen deutlichen Anstieg der permanenten Anbauflächen gegeben, danach stagnierte die Zahl. Wegen der zunehmenden Einnahmen aus anderen Sektoren ist der Anteil der Landwirtschaft am BIP 2017 auf 24 Prozent gesunken. Da die Landwirtschaft in Mosambik zu den Schlüsselsektoren zählt, ist hier dennoch viel Investitionspotenzial vorhanden. Ein Problem sind die schlechte Infrastruktur, unzureichende Handelsnetze und die Abhängigkeit von sinkenden Weltmarktpreisen.

Mosambiks Agrarsektor ist noch weitgehend von der Subsistenzwirtschaft geprägt, die durchschnittliche Größe der "machambas", der Farmflächen der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, beträgt 1-2 ha. Hauptanbauprodukte sind Mais (29%), Cassava (13%). Sorghum (11%), Bohnen (9%), Reis (5%), Erdnüsse (5%), Sesam (4%), Baumwolle (3%), Cashewnüsse, Tabak und Bananen (jeweils 1%).

Die Kornkammer Mosambiks ist das Sambesigebiet. Im feuchtwarmen Sambesi-Delta gedeihen neben den Getreidearten auch Zuckerrohr, Sisal, Ölsaaten und Kokospalmen. Baumwolle findet man in den Provinzen Cabo Delgado, Nampula, Zambezia und Inhambane, die besten Cashewnüsse kommen aus Nampula und die Bergregion Gurué im Nordwesten Zambezias ist wegen ihres Teeanbaus berühmt. Das größte agrarische Potenzial bietet das Gebirgsland der an Simbabwe angrenzenden Provinz Chimoio. Zur Ernährung der Bevölkerung tragen auch etwa 250.000 Kleinfischer bei. Der Fischfang leidet, wie in vielen Küstenstaaten Afrikas, unter der Überfischung und illegalem Fang, der dem Land nach Schätzungen jährlich 60 Mio. US-Dollar kostet. Im Prinzip kann die Hälfte der Landesfläche als Weideland genutzt werden, vor allem im Süden Mosambiks. Doch die Viehwirtschaft kann, auch wegen der Dezimierung der Tierbestände durch die Tsetsefliege, nur bedingt zur Ernährungsgrundlage der Bevölkerung beitragen. Aufgrund fehlender Transportwege und Kühllager kommen viele der ländlichen Produkte nicht auf den Markt, weswegen Mosambik von südafrikanischen Lebensmitteln überschwemmt wird. 

Über den Subsistenzanbau haben sich viele Familien auf dem Lande aus der unmittelbar drohenden Armut befreien können. Doch drei Viertel der Kleinbauern verfügen nicht über die Mittel, sich Saatgut und Ausrüstung zu kaufen, um die Ernteerträge zu steigern. Staatliche Mechanisierungsprogramme kommen bei den Kleinbauern kaum an. Teure Traktoren sind für sie zumeist unerschwinglich. Nach Ansicht von Firmino Mucavele von der Universität Eduardo Mondlane fehlt Mosambik eine Agro-Industrie, die den Kleinbauern aus der Armutsfalle heraushelfen könnte. Andererseits warnt der Bauernverband UNAC davor, dass eine Industrialisierung der Landwirtschaft Gefahr läuft, Kleinbauern auszugrenzen. Bauernverbände suchen daher nach alternativen Entwicklungsmodellen für die Landwirtschaft, um die Ernährungssouveränität herzustellen. Eine Studie der UN-Universität (UNU WIDER) zeigt, wie unterschiedlich sich relative Preisänderungen von Lebensmitteln auf verschiedene Einkommensgruppen auswirken und zu Ungleichheiten zwischen ihnen beitragen.

Wegen immer wieder vorkommender Dürreperioden ist die Ernährungssituation in einigen Regionen oftmals prekär. Deswegen bereitet sich auch Mosambik auf gentechnisch veränderte Pflanzen vor, um die Erträge zu steigern. Der Beitrag "Teuer und Anspruchsvoll" zeigt allerdings, dass Grüne Gentechnik keine Lösung für die Kleinbauern ist. Gleichwohl wollte Mosambik vom Hunger des Westens nach Biosprit profitieren und riesige Flächen für den Anbau der Jatropha-Pflanze, aus deren Saft Ethanol zur Herstellung von Biosprit gewonnen werden kann, bereitstellen. Verschiedene Umweltorganisationen Via Campesina, NRO Justiça Ambiental oder União Nacional de Camponeses haben auf die Gefährdung der Ernährungssouveränität Mosambiks hingewiesen. Die mit Unterstützung von Swissaid verfasste Studie "Jatropha! A socio-economic pitfall for Mozambique" (deutsche Zusammenfassung) räumt mit den Mythen um Jatropha auf und empfiehlt ein Moratorium für die Jatropha-Produktion in Mosambik. Tatsächlich sind nach wenigen Jahren die Jatropha-Träume geplatzt, der Boom ist ausgeblieben.

Dafür sind in Nord- und Zentralmosambik von verschiedenen Investoren bereits über eine Million Hektar Land für forstwirtschaftliche Megaprojekte beansprucht worden, wie die KKM-Studie "Auf dem Holzweg" zeigt. Für die Forst-Monokulturen greifen sie auf traditionell genutztes Farmland wie auch auf bestehende Naturwälder zurück.

Land Grabbing

"Land Grabbing" wird in Mosambik, wie in vielen anderen Staaten Afrikas, zu einem für die Ernährungsgrundlage der Bevölkerung bedrohlichen Thema. Land Grabbing ist nach einem BMZ-Papier eine Herausforderung für die Entwicklungspolitik. Großkonzerne ziehen Dividenden aus Afrikas Böden, ihre Profite gehen vor dem Kampf gegen Hunger. Deswegen stellt sich für den Staat stets die Frage, welchen Nutzen die Bevölkerung aus Landinvestitionsabkommen ziehen kann.

Bei FIAN ist im April 2010 eine Studie zu "Land Grabbing in Kenya and Mozambique" erschienen, welche die Auswirkungen des Landraubs auf ländliche Gemeinden untersucht. Für ausländische Unternehmen sind Holzplantagen zur Gewinnung von Biomassenenergie zunehmend interessant. Vom Run auf die Holzwirtschaft ist besonders die Provinz Niassa betroffen. Vor allem schwedische Firmen sind dort in Forstprogramme involviert, die wenig zu nachhaltigen Jobs in der Landwirtschaft beitragen. Im Oktober 2012 haben Bauern aus Mosambik in Den Haag bei einem niederländischen Pensionsfonds, der in Niassa in Holzplantagen zur Papierherstellung investiert, wegen Landraubs demonstriert. Eine Analyse von Brot für die Welt zu konfliktrelevanten Dimensionen bei Land Grabbing zitiert 69 Fälle von Landtransaktionen in Mosambik.

Viel diskutiert wurde in jüngster Zeit auch das agro-industrielle Infrastrukturvorhaben "ProSavana", dessen projektierte Fläche im Nacala-Entwicklungs-Korridor von 6 Mio. Hektar fast die Größe Bayerns (7 Mio. ha) erreicht. Das Projekt, das in 12 Distrikten in drei Provinzen eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion anstrebt, wird seit 2009 von einem brasilianisch-japanischen Konsortium verfolgt. Gegen das Vorhaben hat sich zivilgesellschaftlicher Widerstand in Mosambik formiert. Organisationen wie die Bauernvereinigung UNAC sowie etliche Menschenrechts-, Umwelt-, Frauen- und Entwicklungsgruppen des Landes haben, zusammen mit Partnerorganisationen aus Brasilien und Japan, eine "No to ProSavana"-Kampagne ins Leben gerufen, um auf die Folgen des Großprojektes aufmerksam zu machen. Aus dem von Grain veröffentlichten Masterplan des Projektes geht hervor, dass die Kleinbauern ihr Land verlieren, ihre Anbaumethoden aufgeben müssen und auch lokal angebautes Saatgut nicht verkaufen dürfen, um als Kontraktarbeiter für kommerzielle Großbetriebe tätig zu werden. Die Ernährungssouveränität der Bevölkerung geht verloren, während ausländische Saatgut-, Pestizid- und Düngemittelhersteller ebenso profitieren wie einige Großfarmer und reiche Familien. Die Kleinbauern fürchten die Folgen, im Monapo-Distrikt in Nampula etwa haben die Kleinbauern nach Angaben der "No-to-ProSavana"-Kampagne 3000 ha Land für den Anbau von Sojabohnen hergeben müssen, in Malema haben 10.000 Familien zu Gunsten des Sojaanbaus ihre Felder verloren. Nur sehr wenige der Betroffenen finden einen Arbeitsplatz im Projekt. Für das Lurio River Valley Development Project müssen 100.000 Menschen in Niassa, Nampula und Cabo Delgado umgesiedelt werden. Dass nur sehr wenige an dem 4,2-Milliarden-US-Dollar-Großprojekt verdienen werden, haben entsprechende Auswertungen der Panama Papers bestätigt.

Die Debatte um die Auswirkungen der landwirtschaftlichen Großprojekte in Mosambik, insbesondere im Nacala-Korridor, dauert an. Für einen Teil der Zivilgesellschaft stehen Großprojekte wie ProSavana oder das REED+-Projekt der Firma Lurio Green Ressources beispielhaft für die Landkonflikte in Mosambik und den "Ausverkauf um jeden Preis". Dagegen steht die Aussage des früheren Präsidenten Brasiliens, Lula da Silva, der einmal sagte: "Was für Brasilien gut ist, gilt auch für Afrika." Die Böden im brasilianischen Cerrado, dessen Sojaanbauprojekte als Modell für Mosambik dienen, sind allerdings ungleich schlechter als im Nacala-Korridor. Nicht zuletzt wegen seiner fruchtbaren Böden ist die Bevölkerungskonzentration dort besonders groß. Der Politikwissenschaftler Timothy Wise hat bei einem Besuch im ProSavana-Projekt eine große Diskrepanz zwischen den wohlfeilen Aussagen der Projektvertreter in Maputo und der Realität vor Ort festgestellt. Ein Berater des Landwirtschaftsministeriums hält das Projekt für gescheitert, doch die Regierung baut weiterhin auf Großprojekte.

Für Sergio Chichava vom mosambikanischen Institut für Sozial- und Wirtschaftsstudien IESE ist es noch zu früh, um endgültige Aussagen über die Folgen brasilianischer Großprojekte in Mosambik zu machen. Während ProSavana die Kleinbauern am Ende zu Angestellten seines Großprojektes mache, würden bei dem ebenfalls brasilianischen Nahrungsmittelerwerbprogramm PAA die Kleinbauern Priorität genießen. 2016 ist die Realisierung von ProSavana ins Stocken geraten, der Masterplan wurde geringfügig abgeändert. Die mosambikanische Zivilgesellschaft debattiert weiterhin Sinn und Zweck solcher Großprojekte. Die Regierung will  zwar mit "Feuer und Schwert" an ihrem Plan festhalten, doch es sieht er danach aus, dass das Projekt auf Eis liegt.

Auf der Seite von farmlandgrap.org lässt sich die aktuelle Entwicklung zu ProSavana verfolgen.
Auch chinesische Investitionen in den Reisanbau bei Xai Xai stoßen auf den Widerstand der dortigen Kleinbauern, die alternative Wege zur Ernährungssicherheit aufzeigen.

Landreform

Kleinbäuerin
Das Landgesetz gab den Kleinbäuerinnen mehr Rechte © Santos Finiosse, AIM/issa

Land ist in Mosambik Staatseigentum, doch man konnte auch nach der Unabhängigkeit Nutzungsrechte auf Boden beanspruchen. In den ländlichen Dorfgemeinschaften gilt eher das traditionelle Recht der Landzuweisung durch den Dorfchef oder das religiöse Oberhaupt. Anders als in Simbabwe gibt es durch reichhaltig vorhandenes Land in Mosambik keinen Landdruck. Erst nach dem Friedensschluss von 1992 haben ausländische Investoren, vor allem südafrikanische Farmer und Portugiesen, Mosambiks landwirtschaftliche Vorzüge entdeckt und Boden in gut erschlossenen Regionen beansprucht. Das hat zu vermehrten Landkonflikten mit der ansässigen Bevölkerung geführt, nicht zuletzt, weil korrupte Administratoren und Gouverneure ihnen illegal Land vermachten.

Westliche Geldgeber, allen voran die USA und der IWF, drängten auf eine Privatisierung von Landeigentum. Das mosambikanische Parlament hat dem Druck mit Hilfe einer breit angelegten Kampagne von Kleinbauernverbänden und Nichtregierungsorganisationen widerstanden – ein Stück gelebte Demokratie.

Das 1997 novellierte Landgesetz belässt allen Grund und Boden in staatlicher Hand, beteiligt aber Gemeinden und Dorfälteste an der Verteilung von Landtiteln. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft bei der Erstellung des Landgesetzes gilt als vorbildlich für einen innovativen Landreformprozess in Afrika. Seither waren die illegalen Landenteignungen, die vor allem in den Südprovinzen an der Tagesordnung waren, zurückgegangen. Die Bauernorganisation ORAM (Associação Rural de Ajuda Mútua) unterstützt Bauerngenossenschaften bei der Registrierung und dem Erwerb von Landtiteln. Der 1993 gegründete ländliche Verband ist in fünf Provinzen vertreten. Auch der Bauernverband União Nacional de Camponeses UNAC, Mitglied beim internationalen Verband Via Campesina, stärkt die Stimme der Kleinbauern.

Die Landreform ist ein wichtiger Beitrag zur Armutsbekämpfung. Über die Bedeutung der mosambikanischen Landkampagne für die Zivilgesellschaft berichtet ihr Koordinator José Negrão. Der 2005 verstorbene Landaktivist und Ökonom ist 2006 posthum für die Arbeit seines Bündnisses von 20 Zivilgruppen zur Armutsbekämpfung mit dem Southern Africa Trust´s Drivers of Change Award ausgezeichnet worden.

Je weiter die Globalisierung voran schreitet, desto mehr bedarf die Landwirtschaft gezielter Investitionen und Anreize, um die Produktion zu stimulieren und den Zugang zum Markt zu erleichtern. Die Kleinbauern sehen die geringe und kostspielige Versorgung mit Saatgut als ihr Hauptproblem an, neue Technologie akzeptieren sie aber, wenn sie billig ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Econ Policy Research Group von September 2006, die auf diesem Gebiet durchaus gute Ansätze sieht. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie zur Auswirkung der Armut auf die Baumwollproduktion im Zambezi-Tal, die bei entsprechender Produktivitätsförderung große Wachstumspotenziale aufweist. Je mehr aber der Zugang zu Land durch Eliteinteressen erschwert wird, desto dringender braucht es eine Verbesserung und Anpassung der Landverwaltung und Nutzungspläne, die auf die wirklichen Bedürfnisse der ländlichen Armen eingeht.

Joseph Hanlon stellt regelmäßig die neusten Studien über Land, Landreform, Land Grabbing und Biokraftstoffe ins Netz. Sie zeigen, wie rege die Debatten um die brisante Landfrage unter Experten geführt werden. Das International Institute for Environment and Development (IIED) veröffentlicht verschiedene Studien zur Landwirtschaft und Landfrage in Mosambik.

Abhängigkeiten: Cashew und Zucker

Cashew-Fabrik bei Maputo
Die Cashew-Industrie gab früher tausenden von Frauen Arbeit © L. Berger/issa

Als im wahrsten Sinne des Worts "harte Nuss" zeigte sich die von der Weltbank verordnete Cashew-Liberalisierung und Aufhebung der Exportbeschränkungen für rohe Cashewnüsse, was die gerade erst privatisierte Cashew verarbeitende Industrie ruinierte. Von 18 Betrieben, die immerhin 10.000 Arbeitskräfte beschäftigten, mussten 11 ihren Betrieb einstellen. Schuld daran ist die Privatisierungs- und Liberalisierungspolitik von Weltbank und Internationalem Währungsfonds.

Mosambik gehört zu den Staaten, die von der bisherigen Zuckermarktordnung der EU betroffen sind: Während die EU ihre Zuckerexporte subventioniert, hält sie Importe durch hohe Handelsbarrieren fern. Die Oxfamstudie Überzuckert kommt zu dem Ergebnis, dass die Einbußen Mosambiks von etwa 38 Millionen Dollar der Höhe der gesamten Staatsausgaben für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung entsprechen. Nach Aussage von Oxfam-Chef Bendix könnte Mosambik "mit seiner effizienten Produktion das Zehnfache produzieren. Doch das können sie nicht verkaufen, weil die Europäer fünfmal mehr auf den Weltmarkt werfen, als die WTO erlaubt." Eher positiv bewertet Rudolf Buntzel die Auswirkungen der EU-Zuckermarktreform auf Mosambik. Denn Mosambik profitiert vom "Everything But Arms"-Abkommen der EU mit den LDC, nach dem diese ab 2009 einen zoll- und quotenfreien Zugang zum europäischen Markt erhalten haben. So hat Mosambik schon 2008 seine Zuckerproduktion deutlich steigern können. 2013 hat der Zuckerexport in die EU mit 275.000 Tonnen braunen Zuckers Rekordhöhen erreicht. Nach Tabak (37%) ist Zucker mit 12% zum zweitwichtigsten Agrarexportgut geworden. Im Zuckersektor sind mittlerweile 200.000 Menschen angestellt. Die Einnahmen für die einzelnen Zuckerbauern sind allerdings zurückgegangen, seit die EU den garantierten Abnahmepreis um 40 Prozent reduziert hat. Immerhin ist der zollfreie Zugang zum EU-Markt auch unter dem neuen EPA-Abkommen garantiert.

Wenn die Fehler aus den Erfahrungen mit dem Jatropha-Anbau vermieden werden, könnte Mosambik eine Biokraftstoff-Produktion aus dem Anbau von Zuckerrohr in Betracht ziehen, wie eine UN-Studie analysiert hat. Eine solche Produktion könnte dem Zuckeranbau einen neuen Markt, vor allem in der SADC-Region, erschließen. 

Die Zuckerproduktion im Sambesi-Tal hat zu Kolonialzeiten zum großen Teil zum Zuckerexport Mosambiks beigetragen. Nach dem Niedergang des Zuckeranbaus wird in Xínavane wieder großflächig kommerzieller Zuckeranbau betrieben. Die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Arbeitsbedingungen für die Landarbeiter hat eine Studie des Institute of Social and Economic Studies aus den Haag untersucht.

Informeller Sektor und Kleingewerbe

Töpfermarkt
Töpfermarkt im Angoche-Distrikt © Ferhat Momade, AIM/issa
Straßenhändler
Straßenhändler in Maputo © Ferhat Momade, AIM/issa

Der Anteil des sogenannten informellen Sektors an der Wirtschaft Mosambiks wird auf ca. ein Drittel ihres Gesamtvolumens geschätzt. Mit sieben Millionen Menschen sind über 80 Prozent der arbeitenden Bevölkerung im informellen Sektor tätig. Seit der Einführung der Strukturanpassungsprogramme Ende der 1980er Jahre ist dieser Sektor der Kleingewerbeproduktion wegen fehlender unselbstständiger Erwerbstätigkeit stetig gestiegen. Vor allem in den Städten und semiurbanen Regionen des Landes bietet der informelle Sektor die einzige Überlebensstrategie für Tausende von Menschen, denn die wenigen Megaprojekte und hauptsächlich um den Großraum Maputo angesiedelten Produktionsbetriebe bieten noch keine wirtschaftliche Basis für die Etablierung von Zulieferproduktion durch Klein- und Mittelbetriebe oder Dienstleistungsbetriebe durch Auslagerung.

Der informelle Sektor bezeichnet die am formellen Sektor vorbeigehende Mikro- und Kleingewerbeproduktion und zeichnet sich in Mosambik durch folgende Merkmale aus:
überwiegender Einsatz von Kindern und Frauen; Nicht-Entrichtung von Steuern; Fehlen von Gewerbelizenzen; sprunghaftes Entstehen und Anwachsen des Sektors; arbeitskraftintensive Produktion; starke Vernetzung von Stadt und Land. In den letzten Jahren wird die Einführung einer vereinfachten Besteuerung des informellen Sektors erwogen, um zumindest städtische Kleinbetriebe mehr in den formellen Sektor überzuführen. Vor- und Nachteile einer solchen Ausweitung des Steuersystems werden auch in den Nachbarstaaten Tansania und Sambia diskutiert.

Eine Studie zur Dezentralisierung und ländlichen Entwicklung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit fasst zusammen: "Bisherige Fördermaßnahmen, meist über gescheiterte (politisch motivierte) Kreditförderprogramme, haben in den letzten Jahren keine Verbesserung gebracht. Armutsbekämpfung wird (realistisch) in ländlichen Gebieten auf landwirtschaftliche Potenziale ausgerichtet. Es gibt derzeit weder eine Politik noch eine klare Strategie für einen konkreten Aufbau einer nationalen Klein- und Mittelunternehmerschicht (Formeller Sektor) noch zur Förderung von Mikro- und Kleingewerbeproduktion (Informeller Sektor). Einzig die internationale Mikrokreditszene hat zwischenzeitlich Fuß gefasst und zeigt erste Erfolge in städtischen Zentren bei der Einführung von Kleinstkreditmodellen." Solche Projekte zur Stärkung des Mikrofinanzwesens unterhält beispielsweise die GIZ.

Mit der im April 2013 eingeweihten staatlichen Entwicklungsbank (Banco Nacional de Investimentos – BNI) hofft die Regierung die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Klein- und mittelständige Betriebe Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten.

Rohstoffe und Industrie

Karte natürliche Ressourcen
Rohstoffvorkommen Mosambiks. © LMd/Philippe Rekacewicz

Mosambik hat ein reiches Potenzial an natürlichen und seltenen Rohstoffen, das lange Zeit nur teilweise ausgeschöpft war, aber zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zudem verfügt der Energiesektor über eines der größten Wasserkraftpotenziale Afrikas.  Die Portugiesen hatten zwar Wanderarbeiter in die Bergwerke der Nachbarländer geschickt, selbst aber wenig Interesse an den Bodenschätzen gezeigt. Eine Ausnahme bildete der heute wiederbelebte Kohlebergbau in Moatize bei Tete.

Erst in den letzten Jahren sind große Ressourcenfunde gemacht worden, mittlerweile geht man davon aus, dass in Mosambik mit die größten Erdgas- und Kohlevorkommen in ganz Afrika lagern. Die Kohlereserven werden auf 20 Mrd. Tonnen geschätzt, die Aufbruchsstimmung im Kohlebergbau ist aber verflogen. Darüber hinaus wurden Vorkommen von Erdöl, Schwermineralsanden, Gold, Kalkstein, Tantal, Grafit, Kupfer, Bauxit, Bentonit und Edelsteinen entdeckt. Die meisten bekannten Mineralvorkommen wie Kupfer, Eisenerz, Bauxit, Betonit und Titan beherbergt die Zambezia-Provinz. Die größten Schwermineralsandvorkommen befinden sich im Moma-Distrikt in der Provinz Nampula. Und die weltweit größten Grafitvorkommen wurden in Cabo Delgado entdeckt.

In Inhambane wird bereits seit einigen Jahren in größerem Umfang Erdgas gefördert. Vor allem aber vor der Küste der Nordprovinz Cabo Delgado werden fast täglich neue Erdgasfunde gemeldet. Mosambik besitzt über 2,8 Billionen Kubikmeter Erdgasreserven. Die Gasvorkommen (Karte) sind für Investoren aus Südafrika interessant, dessen Energiesektor selbst unter Engpässen leidet. Deshalb  forciert der südafrikanische Energiekonzern Sasol auch den Ausbau der Gasinfrastruktur in Mosambik. Damit der Gas-Boom auch zur Entwicklung Mosambiks beitragen kann, bedarf es gewaltiger Anstrengungen seitens Regierung, Zivilgesellschaft und Privatsektor, wie eine Studie aus Südafrika feststellt - und fairer Preise von Sasol, die Mosambik nicht ausbluten lassen.

Wichtigster Industriestandort ist Maputo. Dort befindet sich rund die Hälfte aller Industrieanlagen. Während die Portugiesen erst in den letzten Jahren ihrer Kolonialherrschaft ausländisches Kapital nach Mosambik holten, spielte der Industriesektor nach der Unabhängigkeit eine untergeordnete Rolle, weil es an Fachpersonal, modernen Maschinen und Ersatzteilen fehlte und der Krieg Neuinvestitionen verhinderte. Im Vordergrund steht die Verarbeitung heimischer Agrarprodukte (Cashew, Baumwolle etc.) und Rohstoffe. Seit einigen Jahren boomt der Industriezweig – freilich schwerpunktmäßig im Süden, was den Rest des Landes vom ökonomischen Fortschritt abzunabeln droht. Der Rohstoffabbau im Norden und entsprechende Auslandsinvestitionen könnten diesen Prozess allerdings umkehren, Voraussetzung dafür ist eine adäquate Entwicklung der Transportinfrastruktur im Norden und Zentrum des Landes.

Der Industriesektor bietet mit wenigen Ausnahmen kein günstiges Investitionsklima. Es gibt nur ca. 25.000 private Unternehmen mit etwa 300.000 Beschäftigten. Nach einem Vergleich der schwierigen Datenlage kommt eine UNU-WIDER-Studie auf etwa 9200 verarbeitende Betriebe in Mosambik. Die Rentseeking-Mentalität einiger Entscheidungsträger behindert ein größeres Engagement ausländischer Investoren. Aufgrund der Dominanz der Regierungspartei hat die Industriepolitik Mosambiks sich mehr auf die Interessen von Frelimo-Kadern, die eigene Geschäfte besitzen, ausgerichtet und die Förderung lokaler Industrieansiedlung vernachlässigt.

Einseitiger Boom

Spektakulärste Großinvestition ist die mit südafrikanischem Kapital aufgebaute Aluminiumschmelze MOZAL, die im September 2000 ihre Produktion aufgenommen und seit 2003 eine Kapazität von 506.000 Jahrestonnen hat. MOZAL trägt als eines der weltweit größten Aluminiumproduzenten zu 30% der mosambikanischen Exporte bei und leistet 28 Prozent der gesamten industriellen Wertschöpfung Mosambiks. Die Aluminiumschmelze hat 1200 für mosambikanische Verhältnisse gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen, dennoch haben die einheimischen Klein- und Mittelbetriebe von dem Megaprojekt bislang wenig profitiert. Organisationen der Schuldenkampagne haben ausgerechnet, dass ausländische Investoren, Regierungen und Entwicklungsbanken jährlich im Schnitt 320 Mio. US-Dollar Einnahmen aus MOZAL erzielen, der Staat Mosambik aber lediglich 15 Mio. US-Dollar. Oder anders ausgedrückt: Für jeden US-Dollar, den der Staat erhält, fließen 21 Dollar als Profit oder Zinsen wieder aus dem Land heraus.

Nach Fertigstellung einer 865 km langen Gaspipeline strömt seit Februar 2004 das in den Gasfeldern von Pande und Temane in der Provinz Inhambane geförderte Erdgas nach Südafrika. Die Regierung setzt auf Energieexporte im großen Stil, um nicht nur Strom zu exportieren, sondern auch die Energieversorgung der stromintensiven Industrie zu sichern. Mit Großinvestitionen in den Energiesektor nicht nur aus Südafrika, sondern zunehmend auch aus Brasilien und anderen Staaten, versucht die Regierung sich mit Wasserkraft und Kohle und einem diversifizierten Energiemix von Südafrika unabhängiger zu machen. Im Jahr 2013 waren erst 26 Prozent der Bevölkerung ans nationale Stromnetz angeschlossen, 12 Prozent bezogen Strom aus Dieselgeneratoren. Der Ausbau von Erneuerbaren Energien, für den die „New and Renewable Energy Development Strategy 2011-2025" (EDENR) der Regierung einen regulativen Rahmen schaffen soll, wird mit den geplanten Kohle- und Gaskraftwerken kaum Schritt halten können.

Der erhoffte Kohleboom in der Tete-Provinz hat allerdings durch gesunkene Preise für Heizkohle, ausgelöst durch eine sinkende Nachfrage der Stahlindustrie in China und Indien, einen Dämpfer erlitten. Der brasilianische Konzern Vale will zwar längerfristig im Geschäft bleiben, Rio Tinto aus Australien hat aber seine Anteile bereits an die indische Gruppe ICVL verkauft. Daneben sind noch zwei weitere Konzerne aus Indien und Großbritannien am Kohleabbau in Tete beteiligt. Ein Ende des Kohleabbaus ist innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte absehbar.

Der Rohstoffboom hat zu Verteilungskonflikten in Mosambik geführt. Mosambik steht, wie es ein Autor formuliert, mit seinem Rohstoffreichtum vor einer T-Kreuzung, in der es entweder nach links oder rechts geht. Während die ausländischen Großkonzerne mit großzügigen Steuervergünstigungen ins Land gelockt werden, profitiert gerade die Bevölkerung im Umfeld der Abbaugebiete herzlich wenig von dem Boom. Manche Bauern haben ihr Land verloren und fordern von Politik und Wirtschaft die Einlösung ihrer Zusagen. Der Kohleabbau verschärft eher die Armut, als sie zu beseitigen, sagt ein Bericht Human Rights Watch. Umsiedlungen von Familien für Bergbauprojekte etwa von Vale haben ThyssenKrupp den Vorwurf eingebracht, Menschenrechtsverletzungen in Mosambik im Kauf zu nehmen. 2014 wurden 200.000 Tonnen Kokskohle aus der Chipanga-Mine im Wert von 20,7 Mio. Euro für die deutsche Stahlproduktion aus Mosambik eingeführt.

Viele Studien beschäftigen sich mittlerweile "Vom Reichtum in der Armut". Der KoordinierungsKreis Mosambik hat zu dem Thema ein Projekt eingerichtet, auf dessen Website sich neben einer Broschüre auch eine Kurzversion zum Thema Rohstoffe herunterladen lässt.

Ein Symbol des Kolonialismus war der "weiße Elefant", das Wasserkraftwerk Cahora Bassa, das an den gestauten Stromschnellen des Sambesi in Tete errichtet wurde. Nach langen Verhandlungen hat Mosambik am 31. Oktober 2006 mit Portugal einen Vertrag unterzeichnet, nach dem es 85 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft HCB hält. "Cahora gehört jetzt uns!", sagte Staatspräsident Guebuza, der die Übernahme des Staudamms als "zweite Unabhängigkeit" feierte. 2012 hat Mosambik auch die restlichen Anteile an Cahora Bassa von HCB erworben.

Unterhalb des Cahora Bassa-Damms plant die Regierung ein weiteres Wasserkraftwerk, den Mphanda Nkuwa-Damm, dessen Strom vorwiegend an Südafrika geliefert werden soll. Das Projekt ist umstritten, die betroffene Bevölkerung wehrt sich, weil sie das Ökosystem des Sambesitales und damit ihre Lebensgrundlage gefährdet sieht. Ungeachtet der Bedenken von Umweltgruppen, die auch schon auf die ökologischen Folgen von Cahora Bassa hingewiesen haben, hat China seine Unterstützung des Zwei-Milliarden-Dollar-Projektes zugesagt. Über die Kampagne zu dem Staudammvorhaben können Sie sich auf der Seite des International Rivers Network informieren.

Transparenz durch EITI

Der Minensektor lockt immer mehr Mitglieder der mosambikanischen Elite. Neben Ex-Präsident Guebuza haben etliche hohe Funktionäre Geschäftsinteressen im Bergbausektor. Transparenz und Nachhaltigkeit sind daher berechtigte Forderungen für den Rohstoffsektor. Mosambik hat 2009 den Antrag auf Aufnahme der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) gestellt, mit der globale Standards zur Offenlegung von Zahlungen und Einnahmen aus Rohstoffen eines Landes festgelegt werden. Die Umsetzung von EITI hat sich bislang verzögert. Auf einem Workshop des für den EITI-Prozess zuständigen Koordinierungskomitees im Mai 2010 in Maputo hatte sich Mosambik dazu verpflichtet, entsprechende detaillierte Angaben zunächst für das Jahr 2008 zu machen. Im Februar 2011 wurde ein erster Bericht an das EITI-Sekretariat in Oslo übergeben. Im August 2011 wurde der Antrag auf EITI jedoch abgelehnt, weil die Kriterien der Transparenzinitiative noch nicht erfüllt waren. Dies war dann nach Abgabe eines überarbeiteten Berichts gegeben, und Mosambik ist im Oktober 2012 für "EITI compliant" erklärt worden, Die EITI-Implementierung wird als ein Meilenstein für mehr Transparenz in Mosambiks Rohstoffgovernance gewertet.

Sambesi bei Boroma
Wie ein Gemälde: Der Sambesi bei Boroma, Tete © DWH Bielefeld

Tourismussektor

Mosambik hat aufgrund seiner langen Sandstrände ein immenses touristisches Potenzial. Der Tourismussektor zählt zu den Hoffnungsträgern der Konjunktur, aber die touristische Infrastruktur hinkt noch weit hinter dem Bedarf zurück. Ein Strategieplan für 2015/2024 soll dem Tourismus mehr Schub geben. Seit 2010 verzeichnet der Tourismussektor einen ständig wachsenden Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Zuständig auf Ebene der Regierung ist das Ministério da Cultura e Turismo.

Mit der Eröffnung des Great Limpopo Transfrontier Park erhofft sich Mosambik einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Landes. Ein Besuch in dem Park lässt "Wildnis pur" erleben. Über den aktuellen Entwicklungsstand des Parkprojekts informiert die Homepage des Parks oder die Peace Parks Foundation. Neben den grenzüberschreitenden Parkprojekten gibt es neun weitere Nationalparks.

Bislang profitieren nur wenige Menschen vom Tourismus. Im Süden werden stattdessen immer mehr Villen für die Superreichen gebaut und eine Luxusvilla des niederländischen Thronfolgers hat für eine entwicklungspolitische Diskussion gesorgt. Umweltschützer ärgern sich über ausgehebelte Gesetze, um den Südafrikanern das Verbauen der Küste zu erlauben. Ein nachhaltiger Tourismus braucht nicht nur die Einbindung der lokalen Bevölkerung, für den Hotelbetrieb muss auch genügend qualifiziertes Personal in Mosambik ausgebildet werden, soll das Tourismusgeschäft nicht südafrikanischen Geschäftsleuten überlassen werden. Die Universitäten haben das Fach Tourismus in ihre Lehrpläne aufgenommen.

"Willkommen im Paradies - Mosambiks Weg zu einem nachhaltigen Tourismus"
(Audio: Deutsche Welle Radio, 29:45 min.) 

Außenwirtschaft

Mosambik ist die 113-größte Exportwirtschaft weltweit. Die Handelsbilanz Mosambiks ist traditionell negativ. Allein die Inbetriebnahme von MOZAL ließ 2001 die Exporte im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln. Seither ist der Export jährlich um durchschnittlich 10 Prozent gestiegen. Die Abhängigkeit von wenigen Exportgütern – außer Aluminium, Strom und Erdgas im Wesentlichen nur weitere, nicht verarbeitete Produkte wie Tabak, Holz, Gold, Zucker und Cashewnüsse – zeigt, wie wenig differenziert die Wirtschaft ist. Die Hauptlieferländer Mosambiks sind Südafrika (33%), China (19%), Indien (12%), Australien (3,9%), Simbabwe (3,8%), dann erst Portugal (3,4%), Frankreich (2,2%), Malaysia, Thailand, die USA und Deutschland (0,8%). Hauptexportländer sind Südafrika (21%), China (11%), Italien (9,9%), Indien (9,2%), Spanien (4,4%), Simbabwe (3,9%) und Deutschland (3,7%). Insgesamt sind die EU mit knapp über 2 Mrd. Euro Handelsvolumen (2016) sowie Südafrika die wichtigsten Handelspartner Mosambiks.

Im Doing Business Report der Weltbank belegt Mosambik 2019 Rang 135 von 190 Staaten, eine Verschlechterung um drei Plätze gegenüber dem Vorjahr.

Rekolonisierung Mosambiks?

Die Investitionsmöglichkeiten für ausländische Anleger sind riesig. Südafrika ist Mosambiks wichtigster außenwirtschaftlicher Partner und vor Großbritannien Hauptinvestor. Zu den südafrikanischen Investitionen seit 1994 gehören neben MOZAL die SA Breweries, die Standard Bank, Anglo American, die Supermarktkette Shoprite Checkers, die Industrial Development Corporation, Ilovo Sugar, der Baukonzern Basil Read, Stocks and Stocks, der Energiekonzern Eskom und Southern Sun Hotels. Die Investitionen konzentrieren sich im Wesentlichen auf den Maputo Development Corridor, der einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Integration leistet und in einem Bericht der African Development Bank als erfolgreichstes regionales Verbundsnetz in Sub-Sahara-Afrika gepriesen wird.

Ist Mosambik also "ein neuer Star im Südlichen Afrika", wie ein Beitrag im "Afrika-Kurier" einmal meinte, oder profitiert nur Südafrika von dem Sog eines Geldsegens? Eine Frage, die sich auch ein BBC-Artikel stellt.

Als südafrikanische Farmer Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal wieder Land in Mosambik bekamen und südafrikanische Firmen ihre Interessen am Reichtum Mosambiks offenbarten, wurde in intellektuellen Kreisen vor einer "Rekolonisierung" Mosambiks oder, wie von Michel Chossudovsky, vor dem Export der Apartheid gewarnt. Zumindest die Arbeitsbedingungen bei dem Shoprite-Supermarkt in Maputo zeigen, dass es sich für die dortigen Arbeitskräfte um ein "Privileg zu niedrigem Standard" handelt, was auch neuere Studien zu Shoprite belegen.

In jüngster Zeit wird die Gefahr einer "erneuten Kolonisierung" auch im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse Chinas an Afrika bemüht. Mosambiks Wirtschaftsverbindungen zu China sind noch relativ jung, doch die bisherigen Investitionen, etwa in den illegalen Holzhandel ("Chinese Takeaway") und bei der Staudammfinanzierung, zeigen eine Tendenz zu Ausbeutung und Ausnutzung. China hat 2001 ein Handels- und Investitionsabkommen mit Mosambik geschlossen und ist auch an seiner Bauindustrie interessiert. Zudem hat China starke Bankinteressen in Mosambik. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern hat sich innerhalb weniger Jahre verdreifacht. Mittlerweile hat der Handel mit China den Handel mit den USA übertroffen. So ist China rasch zum nach Südafrika wichtigsten Wirtschaftspartner Mosambiks aufgestiegen. In den nächsten 10 Jahren will China 13 Mrd. US-Dollar in Mosambik investieren. Allein 4,21 Mrd. US-Dollar hat ein Deal verschlungen, bei dem Chinas größtes Energieunternehmen CNPC Anfang 2013 dem italienischen Eni-Konzern 20 Prozent Anteile an einem Gasfeld vor der Küste Mosambiks abgekauft hat.

Mit Washington wurde im Juni 2005 ein Rahmenabkommen für Handel und Investitionen vereinbart. Die Auswirkung des African Growth Opportunity Act (AGOA) der USA auf die mosambikanischen Exporte lässt sich noch nicht genau quantifizieren. Profitieren könnte es von Textil- und Kleidungsvergünstigungen.

Neben China zeigt auch Brasilien zunehmendes Interesse an Investitionen in Mosambik. Die brasilianische Minenfirma Vale etwa hat mehrere Milliarden US-Dollar in die Kohleminen bei Tete investiert und kooperiert mit der brasilianischen Baufirma Odebrecht in der Erneuerung der Infrastruktur. Die Provinzhauptstadt Tete erfährt zurzeit einen regelrechten Boom. Allerdings klagen die vom Kohleabbau betroffenen Gemeinden über Vertreibungen und Umweltbelastungen durch Vale. Im März 2015 haben Brasilien und Mosambik einen Investitionsschutzvertrag unterzeichnet.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Fischer in pemba
Entwicklung muss auch in den Norden kommen: Fischer in Pemba © L. Berger

Armutsbekämpfung und Millenniumsziele

Kind in Sofala
Armutsbekämpfung ist ein vorrangiges Entwicklungsziel © Ferhat Momade, AIM/issa

Seit 1994 hat es in Mosambik Fortschritte in der Armutsbekämpfung gegeben, doch verschiedene Faktoren wie die Benzin- und Lebensmittelkrise im Jahr 2008 haben den Fortschritt gebremst. Zu den Faktoren, die Mosambik im Index des HDR weiterhin auf einem der hinteren Plätze verharren lassen, gehören zeitweise auch eine gesunkene Lebenserwartung infolge von HIV/Aids, von der über 10 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, häufige Dürreperioden und Ernteausfälle. Die immer wiederkehrenden Naturkatastrophen haben das Land auf seinem Weg zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele zurückgeworfen. Der Mosambik-Rundbrief hat einige Texte wie "2015 konkret - MDG im Dorf" ins Netz gestellt.

Im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen ihren Abschlussbericht zu den MDGs vorgelegt. Mosambiks Regierung hat mit Hilfe des United Nations Development Programme - UNDP Mozambique ihre Berichte zur Umsetzung der MDGs für 2010, 2013 und 2015 veröffentlicht.

Mosambik hat als eines der ersten Länder mit dem PRSP-Prozess begonnen. PRSP steht für Poverty Reduction Strategy Papers. Die Regierung hat im Mai 2011 ihren dritten Bericht PRSP 2011-2014 zur Armutsbekämpfung, Ende Mai 2014 einen Fortschrittsbericht und im Oktober 2016 den vierten Armutsbericht vorgelegt. Letzterer zeigt signifikante Fortschritte in der Armutsbekämpfung auf (Präsentation auf Portugiesisch).

Ohne eine Beteiligung der Zivilgesellschaft kann Armutsbekämpfung kaum von Erfolg gekrönt sein, auch wenn die Entwicklung, wie Elísio Macamo kommentiert, die armen Bauern auf dem Lande als Opfer der guten Absichten oft überfordert. Die von der EU mit einzelnen SADC-Ländern abgeschlossenen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) laufen der Armutsbekämpfung zuwider, weil sie mit Preisdumping die Märkte zu Gunsten der EU öffnen, statt die Kleinbauern zu unterstützen.

Die im April 2003 von der Regierung eingesetzte Observatório da Pobreza als hochrangiges Dialogforum war in diesem Sinne ein erster institutioneller Schritt zur Beteiligung der Zivilgesellschaft. Doch laut einer im Mai 2007 erschienenen Studie für die Weltbank und internationale Zusammenarbeit des Schweizerischen Außenministeriums ist Poverty Observatory "reine Augenwischerei". Das Gremium sei ein "Ritual, bei dem die Menschen lediglich eine Rolle haben, an der Partizipation zu partizipieren." Die Regierung wie ihre internationalen Partner könnten das Alibi vorweisen, die so genannten Adressaten der Armutsbekämpfung mit im Boot zu haben.

Trotz insgesamt sinkender Armut wächst die Zahl der Unterernährten. Joseph Hanlon erklärt dieses Paradoxum u.a. damit, dass nur die oberen 20 Prozent der Gesellschaft vom Wirtschaftswachstum profitieren, während der Anteil der ländlichen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze wächst, und die offiziellen Angaben insofern übertrieben seien, als sie auf Grundlage des Cassava-Konsums an Stelle von Mais erhoben seien, was Unterernährung womöglich fördere. Studien zum Zusammenhang von Wachstum, Armut und Ungleichheit empfehlen daher auch eine gezielte Kanalisierung von Entwicklungshilfe in die Förderung landwirtschaftlicher Produktion und Infrastruktur.

Das Southern African Regional Poverty Network hat eine Reihe von Studien zur Auswirkung der Armut auf die Entwicklung Mosambiks ins Netz gestellt. Evaluierungen der Armutsbekämpfungsstrategie nimmt auch das norwegische Institut CMI vor.

Verschuldung

Südafrika hat Mosambik knapp 7,5 Mrd. US-Dollar durch Apartheid verursachte Schulden hinterlassen. Die Zivilbewegung fordert im Rahmen der "Internationalen Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika", an der sich auch medico international beteiligt, eine entsprechende Entschädigung und Schuldenstreichung. Mit diesen Geldern könnte Mosambik sein ambitioniertes Armutsbekämpfungsprogramm wirkungsvoll durchsetzen. Aktuelles zum Schuldenerlass tragen der KKM und die Erlassjahr-Kampagne zusammen.

Die von den G8-Ländern 2005 unter der HIPC-Initiative beschlossene Schuldenstreichung, die Mosambik bis 2006 die Streichung der Schulden in Höhe von 2,36 Mrd. US-Dollar ermöglichte, wurde von der damaligen Premierministerin Luisa Diogo begrüßt, weil der Staat nun, statt Zinszahlungen zu leisten, Gelder für sinnvolle Investitionen wie etwa die kostenfreie Impfung für alle Kinder übrig hatte. Doch Skepsis blieb, weil das Land immer wieder neue Anleihen aufnehmen musste, um ehrgeizige Großprojekte zu finanzieren. So haben sich die Schulden der öffentlichen Hand von 2006 bis 2015 verdreifacht. Insgesamt beliefen sich die mosambikanischen Schulden 2014 auf 7,79 Mrd. US-Dollar, 2015 wegen großer und zum Teil fragwürdiger Kreditaufnahmen in Brasilien und China bereits auf über 10 Mrd. US-Dollar.

Dramatisch verschärft hat sich die Lage, als bekannt wurde, dass die Regierung noch unter der Präsidentschaft von Armando Guebuza illegale Schulden aufgenommen hat, mit denen drei Staatsbetriebe und ein Ministerium begünstigt wurden. Diese illegalen Anleihen belaufen sich auf ca. 2 Mrd. US-Dollar und treiben Mosambiks Staatsverschuldung auf insgesamt 12 Mrd. US-Dollar hoch. Das entspricht 80 Prozent der Wirtschaftsleistung des Staates. Weil die Gebernationen wie auch der IWF daraufhin ihre Budgetzuschüsse an die Regierung aus Protest gegen die illegalen Anleihen eingefroren haben, droht Mosambik der Staatsbankrott. Die internationale Ratingagentur Moody's hat Mosambiks Vertrauenswürdigkeit wegen der Korruption und des Konflikts zwischen Frelimo und Renamo auf Schrottstatus (B3) herabgestuft. Präsident Nyusi bemüht sich seither um Schadensbegrenzung. Einem wenig ertragreichen Besuch in Berlin im April 2016 folgte eine Reise nach Peking, um von China Finanzspritzen zu erbitten. Ein Schuldenerlass bleibt unerlässlich. 28 mosambikanische Initiativen rufen dazu auf, die illegalen Schulden nicht zurückzuzahlen, denn angesichts der Niedrigzinsen in Europa baut sich eine neue Schuldenkrise auf.

Entwicklungszusammenarbeit: Abhängigkeit von ausländischer Hilfe

Übersicht zu den staatlichen Leistungen der wichtigsten bilateralen Partner
Übersicht zu den staatlichen Leistungen der wichtigsten bilateralen Partner © OECD: Aid at a glance charts by recipient

Mosambik ist nach wie vor in hohem Maße von ausländischer Hilfe abhängig, darauf haben Studien zu Geberabhängigkeit von Paolo de Renzio und Joseph Hanlon sowie von Carlos Nuno Castel-Blanco hingewiesen. Erst durch die steigenden Steuereinnahmen aus dem Rohstoffsektor konnte der Anteil der Mittel der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) am Staatshaushalt von 50 Prozent auf mittlerweile 30 Prozent gesenkt werden. Zeitweise traten sich die Geber gegenseitig auf die Füße. Die Geberdatenbank zu Mosambik listet 25 Geber und etliche UN-Agenturen mit über 2800 Projekten auf, darunter die EU, viele Mitgliedstaaten der EU, die Weltbank, Japan und die USA. Die Daten zur entwicklungspolitischen Tätigkeit der Geber sind im Mozambique Donor Atlas 2008 von Odamoz anschaulich in Schaubildern zusammengefasst.

19 der Geber, darunter Deutschland, gehören zur Programme Aid Partners (PAP). Diese als G-19 bekannte Gruppe von Geberinstitutionen unterstützt Mosambiks Umsetzung der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie und leistet Haushalts- und Zahlungsbilanzhilfe für die Regierung. Laut einer unabhängigen Evaluierung durch die EU beliefen sich die Haushaltszuschüsse im Zeitraum 2005-2012 auf insgesamt 3,35 Mrd. US-Dollar, durchschnittlich also über 400 Mio. US-Dollar jährlich. Von den gesamten Finanzzuflüssen aus ausländischer Entwicklungshilfe fließen nur 9 Prozent in umweltbezogene Projekte, und davon wiederum ist nur ein geringer Teil für direkte Umweltaktivitäten vorgesehen, der Großteil bleibt in der Institutionshilfe stecken.

Wer regiert in Mosambik?

Handkarrentransport bei Maputo
Bei Abhängigkeiten ist Eigeninitiative gefragt © L. Berger

Mosambik genoss bei internationalen Finanzinstitutionen jahrelang einen guten Ruf, seine Wirtschaftsentwicklung verkaufen sie gerne als "Erfolgs-Story", was von Wirtschaftsexperten wegen der ökonomischen Spezialisierung eher skeptisch gesehen wird. Andererseits ist auch die mosambikanische Regierung geneigt, sich wegen der Abhängigkeiten den Geberländern anzupassen, zumal die Elite von dem Souveränitätsverlust des Landes durchaus profitiert. Dieses "pathologische Gleichgewicht" wechselseitiger Abhängigkeit führt dazu, dass Fehlentwicklungen im Lande in Kauf genommen werden. Ein Teil der Regierungsbürokratie verbringt über die Hälfte seiner Arbeitszeit mit der Teilnahme an den etlichen Arbeitsgruppen, die mit den Gebern zwecks Abstimmung der Projekte in regelmäßigen Abständen abgehalten werden.

Bedenken wegen Korruption und Rentseeking der politischen Elite sind Vorbehalte, die von der Gebergemeinschaft gegen die 2014 von der Regierung angekündigte Gründung einer staatlichen Entwicklungsbank (Banco Nacional de Investimentos – BNI) vorgebracht werden. Mit der Ernennung des ehemaligen Zentralbankgouverneurs Adriano Maleiane zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank hat die Regierung einen mit Korruptionsbekämpfung erfahrenen Mann einbestellt. Wenn es der Bank gelingt, ihre Kreditvergabe transparent und unabhängig von politischer Einflussnahme zu gestalten, kann sie einen Beitrag dazu leisten, dass Mosambik sich langsam von der Abhängigkeit von internationalen Finanzinstitutionen wie IWF und Weltbank lösen und auf eigenen Füßen stehen kann. Die unter den letzten Jahren der Regierung Guebuza gestiegene Korruption und die illegalen Anleihen unter Guebuzas Amtszeit haben solche Hoffnungen fürs Erste deutlich gedämpft.

Deutsche EZ

Nach anfänglichen Hürden (s. vorheriges Kapitel unter "Außenpolitik") hat sich erst seit Ende der 80er Jahre eine nennenswerte entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Mosambik entwickelt. Mittlerweile gehört Deutschland zu den Top Ten der bilateralen Geber. Mosambik ist ein Schwerpunktland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und eines von vier Pilotländern des Aktionsprogramms 2015 des BMZ. Deutsche EZ-Organisationen sind vor allem in den Schwerpunktprovinzen Manica, Sofala und Inhambane vertreten. Die Rahmenbedingungen der deutsch-mosambikanischen EZ werden bei Regierungsverhandlungen, die alle zwei Jahre stattfinden, vereinbart. Im Sommer 2014 hat Deutschland Mosambik Neuzusagen in Höhe von 108 Mio. Euro für die nächsten zwei Jahre gemacht. Im Juni 2016 wurden weitere 89,5 Mio. Euro für die bilaterale Zusammenarbeit zur Verfügung gestellt. Zwei Monate zuvor hatten Bundekanzlerin Merkel und Mosambiks Präsident Nyusi bei dessen Berlinbesuch den Ausbau der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit besprochen. Dabei ging es auch um Hilfe für über 1,5 Millionen Menschen, die wegen der Dürre in Mosambik von Hunger bedroht sind.

Seit 2002 konzentriert sich die mit Mosambik vereinbarte Schwerpunktsetzung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit primär auf die Bereiche Grundbildung und Berufsbildung, Dezentralisierung der ländlichen Entwicklung und öffentliches Finanzwesen sowie nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Außerhalb der Schwerpunktsetzung unterstützt Deutschland auch Programme zur Biodiversität und regenerierende Energien.

Neben der Unterstützung dieser Projekte, die zur Armutsbekämpfung im Rahmen von PARPA II gehören, unterstützt Deutschland seit 2004 auch den Haushalt Mosambiks. Diese Budgethilfe geht auch in den Bildungstopf der Regierung ein, mit dem Mosambik sich verpflichtet, das Geld für nichts anderes als für die Bildung auszugeben. Gemeinsam mit der GIZ versucht die deutsche Außenhandelskammer für das südliche Afrika (AHK), die Außenwirtschaftsförderung stärker mit entwicklungspolitischen Maßnahmen zu verzahnen und den Mittelstand in Mosambik zu fördern. Die deutsche Botschaft in Maputo verfügt über einen Kleinstprojektefonds, mit dem Maßnahmen zur Armutsbekämpfung durch mosambikanische Nichtregierungsorganisationen, Vereine oder Gemeinden gefördert werden können. 

In der von der EU finanzierten Geberdatenbank ODAmoz sind derzeit 77 deutsche Projekte aufgelistet. In den Jahren 2000 bis 2011 hat es 1443 Projekte der deutschen Entwicklungshilfe in Mosambik gegeben.

Folgende Links führen Sie zu den landesspezifischen Aktivitäten einzelner deutscher Institutionen und Organisationen:

Politische Stiftungen

  • Friedrich Ebert Stiftung – Büro Maputo
  • Das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mosambik/Malawi wurde geschlossen.

DDR-Vertragsarbeiter

Auch für die DDR war Mosambik eines der Schwerpunktländer. Das Schicksal von über 16.000, nach anderen Angaben 30.000, Vertragsarbeitern aus Mosambik, die nach der Vereinigung beider deutscher Staaten zum größten Teil wieder nach Hause zurückgekehrt sind, ist ein wichtiges Kapitel in den deutsch-mosambikanischen Beziehungen. Unzufriedene Madgermanes machen immer wieder mit Protestaktionen auf sich aufmerksam.

Zu den Beziehungen Mosambiks zur DDR sind in jüngster Zeit verschiedene Studien veröffentlicht worden. In einer Rezension des Buches von Hans-Joachim Döring, "Es geht um unsere Existenz", können Sie sich über die Politik der DDR gegenüber Mosambik kundig machen. Und "DDR in Mosambik: Solidarität, die bleibt", heißt eine Besprechung des Buches "Wir haben Spuren hinterlassen! Die DDR in Mosambik", herausgegeben von Matthias Voß. Die deutsche Autorin Birgit Weyhe erhielt 2015 für ihren Comic "Madgermanes" den ersten deutschen Comicbuchpreis.

Der Mosambik-Rundbrief Nr. 78 enthält eine ganze Reihe von Beiträgen über Mosambikaner in Deutschland

Andere bilaterale und multilaterale EZ

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2018 aktualisiert.

Über den Autor

Lothar Berger, M.A., geb. 1953, Studium der Ethnologie, Afrikanistik, Soziologie und Musikwissenschaften.

Langjähriger Redakteur von afrika süd in der informationsstelle südliches afrika (issa), Bonn.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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