Straßenarbeiten in Yangon
Geschätztes BIP
63.031 Millionen US-$ (2013 - Un)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
1.270 US $ (2014 - World Bank)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 149 (von 187) - 2012
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
keine Angabe
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
keine Angabe
Anteil alphabetisierte Erwachsene
92,7 % (2012 - UNICEF)

Historische und kulturelle Rahmenbedingungen

Geschichtlicher Hintergrund

Auf dem Hintergrund des Kampfes für die Unabhängigkeit gegen die britische Kolonialmacht und die von ihr eingeführte Wirtschaftform des laissez-faire Kapitalismus waren die ökonomischen Entwürfe der birmanischen Regierungen bis 1988 sozialistisch geprägt. Nu versuchte ab 1954 unter dem Namen Pyidawtha (Glückliches Land) einen Wohlfahrtsstaat zu errichten, in dem wirtschaftliches Wachstum mit staatlich finanzierten Sozialprogrammen verbunden war. Der Plan sah eine unabhängige, aber keine absolut autarke Wirtschaft vor. Er knüpfte damit an die Zeiten des königlichen Birma an, in denen  der König das Monopol über alle wichtigen Ressourcen des Landes hatte. Nus Programm hatte zudem den Anspruch, im Sinne eines utopischen Sozialismus den Menschen die wirtschaftliche Grundlage für ein spirituelles Leben im Sinne der buddhistischen Ideale zu geben und sollte somit vorrangig der Befriedung der Gesellschaft dienen. Dies Konzept einer “buddhistischen Wirtschaft" beeinflusste den britischen Ökonomen E.F. Schumacher und trug maßgeblich zu deinem Werk “Small is Beautiful” bei.

Nach dem Militärputsch von 1962 wurde eine strikte sozialistische Planwirtschaft eingeführt, die das Ziel hatte, die “Ausbeutung des Menschen durch den Menschen” abzuschaffen. Es war wie das Pyidawtha-Programm top-down strukturiert, erforderte ein hohes Maß von bürokratischer Koordination und koppelte Birma fast völlig von den globalen Märkten ab. Einer der wesentlichen Gründe für die allgemeine Unzufriedenheit, die die Unruhen von 1988 auslösten, war die auf Antrag der birmanischen Regierung erfolgte Aufnahme des Landes in der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LDC). Dieser Status war die Voraussetzung für weitere wirtschaftliche Hilfen von Seiten der internationalen Gemeinschaft und verletzte den birmanischen Nationalstolz.

Graphik eines Buches des Buchclubs Roter Drache (Nagani) aus dem Jahr 1939. Text: Wir, Nagani, bauen eine neue Era! (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Graphik eines Buches des Buchclubs Roter Drache (Nagani) aus dem Jahr 1939. Text: Wir, Nagani, bauen eine neue Era! (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Titel eines Buches aus dem Jahr 1956, in dem das Pyidawtha-Programm erläutert wurde (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Titel eines Buches aus dem Jahr 1956, in dem das Pyidawtha-Programm erläutert wurde (Photo: Hans-Bernd Zöllner)

Die Militärjunta verkündete mit ihrer Machtübernahme 1988 eine Abkehr von den bisherigen Wirtschaftsprinzipien und kündigte marktwirtschaftliche Reformen an, die auf eine Stärkung der einheimischen Privatwirtschaft und auf ausländischen Investitionen abzielten. Dieser Paradigmenwechsel wurde aber nicht konsequent durchgesetzt, führte aber zu einem starken Wirtschaftswachstum von über 10% nach 2000, das aber von einer hohen Inflationsrate – geschätzt teilweise mehr als 40% - begleitet war.

Zudem litt die Wirtschaft unter der Beibehaltung eines doppelten Wechselkurses, der seit 1977 mit kleinen Schwankungen auf das Verhältnis zum Dollar von 6 : 1 festgelegt war. Der reale Kurs, der im Lande selbst auf dem halblegalen Markt galt, stieg im Jahre 2008 auf über 1 : 1300 und sank danach nur auf Grund staatlicher Interventionen. Erst im April 2012 setzte die Zentralbank die Rate offiziell auf 1 : 818 fest. Veränderungen des Kurses werden seitdem täglich bekannt gegeben.

Traditioneller Markt (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Treppenhaus eines modernen Shopping Centers (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Treppenhaus eines modernen Shopping Centers (Photo: Hans-Bernd Zöllner)

Wirtschaft, Religion und Kultur

Max Weber hat Anfang des 20. Jahrhunderts in seinen bahnbrechenden Studien zur Religionssoziologie  prognostiziert, dass in den Ländern des “alten Buddhismus", also denen, in der der Theravada-Buddhismus vorherrscht, auf Grund seines “außerweltlichen Charakters” keine innerweltliche ökonomische Ethik zu erwarten sei, wie sie etwa im protestantisch geprägte Christentum oder im Konfuzianismus zu finden ist. Die bisherige Wirtschaftsgeschichte Birmas/Myanmars passt zu dieser Prognose. In der Kolonialzeit waren es Briten und andere westliche Ausländer, Inder und Chinesen, die die Wirtschaft und das Bankenwesen dominierten, nach der Unabhängigkeit gelang es den ethnischen Birmanen nicht, Bedingungen für eine florierende Wirtschaft zu organisieren.

In diesem Zusammenhang ist die buddhistische Tradition des Gebens (dana) an Mönche, Klöster und für religiöse Feste zu erwähnen. Nach Schätzungen aus den sechziger Jahren – seitdem hat es zu diesem Thema keine empirischen Untersuchungen mehr gegeben – wurden in ländlichen Gebieten 20-40% des Familieneinkommens für religiös motivierte Gaben ausgegeben, um auf diese Weise Verdienst im Blick auf das zukünftige eigene Leben zu erwerben. Das hat natürlich auch wirtschaftliche Implikationen, da die gegebenen Güter ja auch produziert werden müssen. Diese "dana-Wirtschaft" ist aber bisher nicht erforscht. Dasselbe gilt für die wichtigere von Weber angestoßene Frage, welche Auswirkungen diese Haltung für die Einstellung zum Gelderwerb, zu längerfristigen Investitionen und zur Arbeitsethik hat.

Weiter ist zu erwähnen, dass Myanmar immer noch eine “plurale Gesellschaft” ist. Dieser Begriff wurde von J.S. Furnivall (1878-1960) geprägt, der lange Jahre in der britischen Kolonialverwaltung Birmas arbeitete und später durch seine Forschungen und sein praktisches Engagement versuchte, Birma dabei zu helfen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ohne dass die traditionelle Sozialstruktur zerstört wurde. Eine plural society zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene ethnische Gruppierungen nebeneinander leben und sich aber nicht miteinander vermischen, sondern auch in ökonomischer Hinsicht getrennt voneinander agieren. In der Kolonialzeit dominierten Briten, Inder und Chinesen. Drr Einfluss dieser Gruppen wurde nach der Unabhängigkeit stark beschnitten ohne dass sich ein Erfolg einstellte.

Diese Überlegungen bedeuten, dass gegenwärtig die Gefahr besteht, dass das quantitativ messbare wirtschaftliche Wachstum wie schon in der Kolonialzeit  an der Mehrheit der überwiegend in der Landwirtschaft und in kleinen Familienunternehmungen tätigen ethnischen Birmanen wie anderer ethnischer Gruppen vorbei geht und auf diesem Hintergrund erneut soziale Unruhen entstehen.

Bewirtung von Mönchen bei einer häuslichen Trauerfeier (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Bewirtung von Mönchen bei einer häuslichen Trauerfeier (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Eine "10-Gebtoe-Frau" (Thilashin) bittet um Spenden (Photo: Hans-Bernd Zöllner)
Eine "10-Gebote-Frau" (Thilashin) bittet um Spenden (Photo: Hans-Bernd Zöllner)

Aktuelle Entwicklungen und Prognosen

Der Internationale Währungsfond (IMF) gab das reale Wirtschaftswachstum für 2013/4 mit 8,3% an und erwartete ein leichtes Absinken wegen des mangelnden Wachstums im Agrarsektors. Es wurde ein leichtes Ansiegen der Inflationsrate von auf 6% erwartet. Das Außenhandelsdefizit war weiter hoch.  Das Prokopfeinkommen war im Jahr 2014 auf über US $ 1.700, immer noch weniger als in Kambodscha.

Die Ausgaben für das Militär sind in den letzten Jahren verringert worden, während die notorisch geringen Ausgaben Gesundheit und Erziehung erhöht wurden.

Insgesamt werden die weiteren Aussichten für die Wirtschaft positiv eingeschätzt, vorausgesetzt, dass der gesamtgesellschaftliche Reformprozess fortgesetzt wird.

Für weitere Statistiken, die allerdings alle unter dem Vorbehalt einer gewissen Datenunsicherheit stehen, siehe die von Germany Trade & Invest.

Wirtschaftssektoren

Laut CIA Factbook sind 70% der Bevölkerung Myanmars in der Landwirtschaft beschäftigt, 23% im Dienstleistungssektor und 7% in der Industrie. Der Dienstleistungssektor trug mit 41,7% zum Bruttoinlandsprodukt bei, die Landwirtschaft mit 38% und die Industrie mit 20,3%.

Landwirtschaft, Waldwirtschaft und Fischerei

Birma war in der Kolonialzeit der größte Reisexporteur der Welt. Am Ende der sozialistischen Periode im Jahr 1989 konnte der eigene Verbrauch – pro Kopf der höchste in der Welt – nur knapp befriedigt werden. Mittlerweile wird wieder ein Überschuss produziert. Das Ziel von einer Million Tonnen für den Export – gegenüber 2-3 Millionen vor der Wirtschaftskrise im Jahr 1930 - wird seiteinigen Jahren angestrebt.

Um den lokalen Bedarf des Grundnahrungsmittel zu niedrigen Preisen zu sichern, ist der freie Handel mit dem Produkt in der Vergangenheit häufig eingeschränkt worden. Reis ist - wie aus anderen Gründen Baumwolle und Zuckerrohr - eine “politische Frucht”.

Das gilt nicht für Hülsenfrüchte. Ihr Anbau hat von der wirtschaftlichen Liberalisierung profitiert. Die Anbaufläche ist gestiegen und Myanmar ist mittlerweile der drittgrößte Exporteur dieser Produkte, die überwiegend von Indien abgenommen werden. Andere landwirtschaftliche Produkte, die exportiert werden, sind Hölzer, Getreide, Sesam, Erdnüsse, Gummi und Fischprodukte.

Verarbeitende Industrien

Eine exportorientierte Bekleidungsindustrie in Myanmar nahm nach 1995 ihren Anfang. Bis zum Jahr 2000 erhöhte sich der Anteil an den Exporten des Landes auf etwa 30%. Nach 2001 sank die Rate wie auch die Produktion auf Grund der Boykott-Politik der westlichen Länder (die USA und die EU waren ein Hauptabnehmer gewesen), aber auch wegen des Auslaufens der von der WTO festgelegten Quoten für Bekleidung Ende 2004. Zudem wurde die Produktion durch Schwierigkeiten in der Stromversorgung und andere infrastrukturelle Probleme behindert. Auf Grund der Sanktionen verloren damals etwa 70-80 Tausend Arbeiterinnen ihren Job. Nach dem Ende der Sanktionspolitik sind die auslndischen Investitionen wieder gestiegen. Ende 2014 wurde erwogen ein "Made in Myanmar" Label einzuführen.

Edelsteine und Gold

Myanmar ist einer der größten Produzenten von Edelsteinen, Halbedelsteinen und Jade, die vor allem im Norden des Landes gefunden werden. Die Minen um Mogok in der Region Mandalay sind dabei besonders berühmt. 90% der Rubine weltweit stammen aus Myanmar. Außerdem sind die Jadevorkommen für den chinesichen Markt von besonderer Bedeutung. Die Regierung des Landes hält seit 50 Jahren regelmäßig Verkaufsausstellungen ab. Im März 2011 wurden dabei Waren im Wert von fast 3 Millionen US $ umgesetzt. - An verschiedenen Plätzen des Landes wird Gold gefunden und mit unterschiedlichen Methoden abgebaut. Die Anwendung von giiftigen Stoffen wie Quecksilber und Cyaniden hat dabei zu Umweltschäden geführt.

Öl und Gas

Öl wird in Myanmar schon seit Jahrhunderten auf traditionelle Art im Tagebau in der Nähe des Ayeyawady (Yenaungyan und Chauk) abgebaut. Es wird geschätzt, dass das Land über Reserven von 3,2 Millionen Barrel an Rohöl und 2,5 Billionen Kubikmeter an Erdgas verfügt. International gehört es dabei zu den kleineren Ländern mit diesen Energieressourcen. Laut CIA Factbook lag die Ölproduktion weltweit an 76. und die der Gasproduktion an 39. Stelle. Die Ölvorräte reichen bei Weitem nicht aus, um den lokalen Bedarf zu decken. 90% müssen importiert werden.

Auf Grund der Gasvorräte könnte Myanmar aber bei einem weiteren Ausbau der vorhandenen Ressourcen zu anderen Ländern im asiatisch-pazifischen Raum aufschließen.Die kommerzielle Nutzung des Yadana Feldes ist ein Joint Venture der französischen Firma Total (31,25%), der amerikanischen Firma Unocal (28.25% ) sowie den beiden Staatsbetrieben PTT (Thailand – 25,5%) und MOGE (Myanmar 15%). - Die Produktion wurde ebenso im Yetagun Feld 2000 aufgenommen. Das Projekt wurde zusammen mit den beiden Staatsunternehmen von Texaco. Premier Oil und Nippon geplant. 2008 wurden die Anteile der ersten beiden Firma von der malaysischen Firma Petronas übernommen. Es wurde spekuliert, dass diese Verkäufe mit den Protesten gegen die Projekte auf Grund von Verletzung der Menschenrechte und der Verursachung von Umweltschäden beim Bau der Pipelines auf dem Gebiet Myanmars zusammenhingen.

Das Zawtika Feld wird von der thailändischen und myanmarischen Staatsfirmen betrieben, Die Produktion ist 2014 angelaufen. Dasselbe gilt für das Shwe Feld, dessen Konsorium von zwei koreanischen Firmen beherrscht wird. Außerdem sind zwei indische Firmen sowie wieder MOGE beteiligt.

Profile von Geschäftsleuten

Das folgende Profil entstammt den Recherchen von Studenten am Myanmar Institute of Theology (MIT). Es wurde im Jahr 2010 geschrieben.

Hersteller von traditionellen Snacks

U Ohn Kyaw lebt im Irrawaddy Delta und stellt jetzt “Mua Mua Lay” Snacks her. Er war früher Cartoonist und entschloss sich, den Beruf zu wechseln, nachdem er als Zeichner nicht erfolgreich war. Bevor er den neuen Beruf begann, betrieb er Marktforschung, las Magazine zu wirtschaftlichen Fragen und entschloss sich, ein Produkt herzustellen, das sich lange auf dem Markt halten würde. Es handelt sich um “pickled tea” zusammen mit einigen Zutaten wie gebratene Kichererbsen, Sesamsamen und Knoblauch. Die Leute bereiten sich daraus traditionell einen “pickled tea Salat”, indem sie die eingelegten Teeblätter mit den genannten Zutaten und getrockneten Shrimps mischen. Dann wird ein wenig Sesamöl darüber gegossen.

Um auf dem Markt erfolgreich zu sein, verteilte er zuerst Proben seiner Produkte und holte dazu Meinungen von Kunden ein. Danach veränderte er das Produkt. Außerdem kümmerte er sich um die Werbung und fertigte Plakate an.

U Ohn Kyaw ist mit seinen Produkten zufrieden, denn seine Kunden zeigen ihre Anerkennung, und er ist engagiert , immer neu frischen “pickled tea” zu produzieren. Ob es Konkurrenz gibt oder nicht - er bemüht sich, sein Produkt so perfekt wie möglich herzustellen. Er empfiehlt anderen, ihr Geschäft von Grund auf gründlich zu studieren bevor sie damit beginnen, wenn es erfolgversprechend ist.

Verkäuferin von Snacks in Yangon (Photo: H.-B. Zöllner)
Verkäuferin von Snacks in Yangon (Photo: H.-B. Zöllner)

Handel

Der größte Teil des Exporthandels wird bisher über den Hafen von Yangon  abgewickelt. Daneben gibt es Häfen in Sittwe (Rakhine Staat), Pathein (Ayeyawady Region) und Mawlamyine (Mon Staat). In Dawei ist ein großer Tiefseehafen geplant.

Die Bedingungen für den Inlandshandel sind durch die zahlreichen Straßen und Brücken, die seit 1988 gebaut worden, stark verbessert worden. Die Infrastruktur ist aber immer noch schwach. Besonders auffällig ist, das Myanmar im Unterschied zu allen Nachbarländern weder durch eine Eisenbahn- noch eine ausgebaute Straßenverbindung mit seinen Nachbarländern verbunden ist. Im Rahmen des Schnellstraßen Projektes der UN-Organisation ESCAP (Economic and Social Commission for Asia and the Pacific) versucht die Regierung Myanmars, mit Hilfe privater Firmen vier Fernstraßen auszubauen, die das Land mit seinen Nachbarn verbinden.

Die wichtigsten Partner des Außenhandels sind Thailand, China, Indien, Singapur, Japan und Korea. Für 2013 wurde ein Außenhandelsdefizit von 332 Millionen US $ bei einem Gesamtvolumen des Außenhandels von 10.6149 Millarden US $.

Arbeitsmigranten

Die schlechte sozioökonomische Situation hat dazu geführt, dass viele Myanmarer ins Ausland gehen. Schon in der sozialistischen Periode gab es eine Reihe von Birmanen, die als Seeleute arbeiteten. Dieser Trend hat sich fortgesetzt. Mehrere Unternehmen bilden in Myanmar seemännischen Nachwuchs aus.

Mittlerweile vermitteln eine Vielzahl von Agenturen myanmarische Arbeitskräfte vor allem in andere südostasiatische Länder, insbesondere Thailand, Malaysia, Singapur sowie in den Nahen Osten. Allein in Thailand leben schätzungsweise mehr als 1 Million Arbeitsmigranten. Insgesamt wird geschätzt, dass 10% der Bevölkerung im Ausland arbeiten, Ihre Überweisungen tragen erheblich zum Bruttosozialprodukt des Landes bei. Damit steht das Land vor ähnlichen Problemen wie andere Länder mit einem hohen Anteil an Arbeitsmigranten. Der für 2015 in Aussicht genommene Eintritt Myanmars in die Wirtschaftsgemeinschaft ASEANs könnte hier Fortschritte bringen.

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik der Militärregierung nach 1988 war erratisch und hatte außer dem Ziel, die nationale Einheit zu fördern, keinerlei klare Linie. Außerdem fehlte es an Expertise. Es lässt sich noch nicht absehen, ob die neue Regierung in der Lage sein wird, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, die eigenen Ziele zu erfüllen. Die wurden am 19.6.2012 in einer Rede von Präsident Thein Sein umrissen. Angestrebt wird ein Wirtschaftswachstum von 7.7% in den nächsten Jahren, eine Verringerung des landwirtschaftlichen Sektors am BIP zugunsten einer Erhöhung des industriellen Sektors und eine Verdreifachung des pro-Kopf BIP in den nächsten vier Jahren. Dazu sollen Staatsbetriebe privatisiert und ausländische Investitionen ins Land geholt werden. Im Ausland lebende Bürger mit den nötigen Erfahrungen und Qualifikationen wurden eingeladen, ins Land zurückzukehren. Zudem wurde eine Verminderung des Haushaltsdefizits angekündigt.

Um die Industrieproduktion anzukurbeln, waren schon nach 1990 eine Reihe von Industriezonen bzw. -parks eingerichtet worden, in denen Firmen unterschiedlicher Größe angesiedelt wurden.

Am 2. November 2010 wurde ein Grundsatzabkommen zwischen der thailändischen Firma Italian-Thai Development und der myanmarischen Regierung zur Verwirklichung des Großprojektes "Dawei Development" geschlossen. Hierbei handelt es sich um ein Entwicklungsprojekt in Tanintharyi (Tenasserim) mit dem Bau eines Tiefseehafens, eines 250 km² großen Industriegebietes und einer direkten Straßenanbindung (180 km) nach Thailand. Unter anderem sollen Großkraftwerke, Stahlwerke, Düngemittelfabriken, petrochemische Industrien und Werften entstehen. Im Januar 2011 haben die Arbeiten am Tiefseehafen begonnen.

Im November 2012 wurde nach längeren Beratungen ein neues Foreign Investment Law verabschiedet, das Auslandsbeteiligungen bis zu 100% ermöglicht und von ausländischen Beobachtern überwiegend begrüßt wurde.

Schematische Darstellung des neuen Hafens von Dawei und der Industriezone (Quelle: Myanmar Times)
Schematische Darstellung des neuen Hafens von Dawei und der Industriezone (Quelle: Myanmar Times)

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Dem Ziel der Armutsreduzierung ist Myanmar in den letzten Jahren ein Stück näher gekommen. Nach einer Studie der UNDP zu den auch in Myanmar angewandten Millenium Development Goals (MDGs) sank die Armutsrate zwischen 2005 und 2010 von 32% auf 26 %. Bis 2015 ist eine weitere Reduktion auf 16% geplant, was nach Ansicht der UNDP realistisch ist.Der Unterschied zwischen Stadt und Land war dabei allerdings groß (16% zu 29%). In einigen Regionen lag die Rate extrem hoch, wobei der Chin-Staat mit 73% den schlechtesten Wert aufwies. Die neue Regierung hat sich vorgenommen, diesen Trend fortzusetzen und hat dabei vor allem die ländlichen Gebiete im Auge. Laut einem Bericht des wichtigsten ökonomischen Beraters der Regierung, Myint, kommt dabei dem “Reis-Thema” eine Schlüsselrolle zu. Im Chin-Staat etwa wird 76% des Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel ausgegeben (in den USA liegt die Rate bei 13 %), davon falle ein Viertel auf die Kosten für Reis. Es ist daher kurzfristig nicht möglich, den Reisexport dadurch zu steigern, dass Reis durch ein anderes Grundnahrungsmittel ersetzt wird.

Internationale Entwicklungsanstrengungen

In den Jahren zwischen 1988 und 2011 ist die Entwicklung Myanmars vor allem vom großen asiatischen Nachbarn, China, mitbestimmt worden, nachdem der größte Geber von ODA, Japan, seine Hilfen nach den Unruhen einstellte. In den folgenden Jahren nahm das Land die Hilfen weitgehend wieder auf, indem es eine Zuckerbrot-und-Peitsche Politik – mit einem Schwerpunkt auf dem Zuckerbrot – praktizierte. Zugleich gab es eine Reihe von privaten japanischen Organisationen, die in Myanmar tätig waren und sind. Der Westen beschränkte sich dagegen auf Grund der Boykottpolitik auf humanitäre Hilfe. Die Bundesrepublik Deutschland etwa unterstützte eine Reihe internationaler Aktivitäten und im Lande tätiger deutscher NGOs und führte über die Botschaft im Lande Kleinprojekte durch.

Auch hier hat das Land im Vergleich zu den südostasiatischen Nachbarländern schlecht abgeschnitten. Im Jahr 2011 erhielt Myanmar nur US $8 pro Einwohner an internationaler Hilfe vergleich mit US $68 für Laos, US $49 für Kambodscha und US $39 für Vietnam.Seit dem Antritt der neuen Regierung im März 2011 hat sich die Hilfe deutlich erhöht. Inwieweit die Hilfen auch tatsächlich "greifen" ist - wie in vielen anderen Ländern - offen.

Nach der Teilnahme der NLD an den Nachwahlen von April 2012 wurden die westlichen Sanktionen ausgesetzt. Die EU hob sie im April 2013 mit Ausnahme des Verbots von Waffenlieferungen auf. Der Pariser Club, eine Gemeinschaft internationalen Kreditgebern, beschloss im Januar 2013, die Schulden Myanmars um über die Hälfte zu reduzieren.  Japan beschloss, dem Land neue Kredite zu gewähren.

Auch die Weltbank, die sich nach 1988 aus Myanmar zurückgezogen hatte, eröffnete im Juni 2012 wieder ein Büro im Lande, das 2014 ausgebaut werden soll. Die Asian Development Bank (ADB) fördert schon seit längerem Projekte in Myanmar und wird ihr Engagement verstärken. Dasselbe gilt für andere Organisationen siw UN-Organisationen wie die schon lange im Land befindliche Entwicklungsorganisation UNDP..

Deutsche Entwicklungsanstrengungen

Birma war bis 1988 ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Außerdem wurden Kredite gegeben. Daraus resultieren erhebliche Altschulden, die aber auf dem Hintergrund der jüngsten Beschlüsse des Pariser Clubs jetzt teilweise erlassen werden können. Damit ist eine Grundlage gegeben, das Land auch wieder in die Hermes Exportkreditversicherung einzubeziehen. Nach der Suspendierung der Sanktionen bereitet sich auch Deutschland auf eine Wiederaufnahme der Entwicklungszusammenarbeit in Koordination mit anderen europäischen Ländern vor. 2012 reisten einige Prüfmissionen ins Land, die sich mit Hilfen für den Bankensektor und das Berufsschulwesen befassten. Es wurde beschlossen, dass die an das schon vor 1988 aufgebaute Berufsbildungszentrum in Sinde in Mittelmyanmar engeknüpft werden soll.

Von den deutschen NGOs sind außer dem Evangelischen Entwicklungsdienst und der katholischen Caritas, der schon immer Hilfen über die Kirchen des Landes ins Land brachte, die Welthungerhilfe und die Malteser im Land vertreten. In 2012 entsandte die Sparkassenstiftung eine deutsche Mitarbeiterin ins Land, um ein schon 2011 begonnenes Projekt im Microfinanz-Bereich zu intensivieren. Von den politischen Stiftungen nahm die Friedrich-Ebert-Stiftung eine Vorreiterrolle ein. Sie unterhält ein lokales Büro mit mehreren Ortskräften und einem deutschen Repräsentanten. Schon vorher hatte Hanns-Seidel-Stiftung 2012 einen deutschen Repräsentanten ins Land geschickt. Die Konrad Adenauer Stiftung ist ab Anfang 2014 mit einem Büro im Land vertreten, während die Heinrich Boell-Stiftung ihre Programme für Myanmar von ihrem Büro in Bangkok aus steuert. Die giz hat 2012 ein Büro in Yangon eröffnet und baut in Taunggyi ein Regionalbüro auf. Die Johanniter haben beschlossen, ihr Regionalbüro für Südostasien in Yangon einzurichten. Ende 2013 und Anfang 2014 werden der WeltFiedensDienst und die Kurve Wustrow zwei Friedensfachkräfte nach Myanmar schicken, die im Rahmen des vom Bund geförderten Zivilen Friedensdienstes im Lande arbeiten werden. Mit der Entsendung weiterer deutscher Mitarbeiter ist zu rechnen.

Besuch des Bundespräsidenten

Die beiden Präsidenten im Palast des Präsidenten Myanmars (Quelle: Bundespräsidialamt)
Die beiden Präsidenten im Palast des Präsidenten Myanmars (Quelle: Bundespräsidialamt)
Präsident Gauck und Aung San Suu Kyi nach ihrem Gespräch (Quelle: Bundespräsidialamt)
Bundespräsident Gauck vor dem neuen Goethe-Institut in Yangon. Neben ihm der Kultusminister Myanmars Aye Myint Kyu (links) und der Präsident des Goethe Instituts, Lehmann (rechts) (Quelle: Bundespräsidialamt)

Vom 9- bis 12. Februar 2014 stattete Bundespräsident Gauck Myanmar einen offiziellen Besuch ab und signalisierte damit den Beginn eines Neubeginns in den deutsch-birmanischen Beziehungen, die nach dem Militärputsch von 1988 von der deutschen Seite weitgehend eingefroren worden waren. In der Hauptstadt Naypyidaw traf Gauck den birmanischen Präsidenten Thein Sein, den Sprecher des Parlaments und Kandidaten für das Präsidentenamt nach den nächsten Wahlen im Jahr 2015, Thura Shwe Mann und dann auch Aung San Suu Kyi. Sie hielt sich in der Hauptstadt auf, um an der laufenden Sitzungdes Parlamentes teilzunehmen.

In Yangon eröffnete er eine Zweigstelle der deutschen Handelkammern. Das Büro des Ostasiatischen Vereins wurde gleichzeitig endgültig geschlossen. Weiter gab der Präsident den Startschuss für das neue Goethe-Institut in einem historischen Gebäude, das in den nächsten Jahren noch renoviert werden muss. Außerdem hielt er - wie vor ihm schon Präsident Obama - eine Rede in der Universität von Yangon. Hier wie auch sonst ermutigte er die Zuhörer, den begonnenen Reformprozess trotz aller noch möglichen Schwierigkeiten fortzusetzen und sagte deutsche Unterstützung zu.

Aung San Suu Kyi kam dann Anfang April für einige Tage nach Berlin, um dort den Internationalen Willy-Brandt-Preis entgegenzunehmen. Bei ihrem Besuch traft sie auch den Bundespräsidenten sowie Kanzlerin Merkel.

Thein Sein in Deutschland

Am 3. und 4. September 2014 besuchte Präsident Thein Sein im Rahmen einer Europareise die Bundesrepublik. Er traf dabei u.a. mit Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck zusammen. Am 3. Sepember wurde im Lichthof des Auswärtigen Amtes eine Ausstellung aus Anlass des 60jährigen Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Birma eröffnet, an der der Präsident aber nicht teilnahm.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zuletzt im Juni 2016 aktualisiert.

Der Autor:

Hans-Bernd Zöllner - hier vom birmanischen Cartoonisten Aung Min Min portaitiert - kennt Myanmar noch aus der Zeit, als es auch offiziell noch Birma hieß. Die Besuche erfolgten ab 1984 im Rahmen seiner Tätigkeit als evangelischer Auslandspfarrer in Thailand, Birma und Malaysia. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1990  begann er, zu Birma/Myanmar zu forschen. Er hat zu verschiedenen Themen der Geschichte, Politik und Kultur des Landes publiziert. Seit 2005 ist er Manager des Myanmar Literature Project, aus dem eine Reihe weiterer Projekte hervorgegangen sind.

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Hans-Bernd Zöllner, hier in einer Zeichnung des birmanischen Karikaturisten Thiha, kennt Myanmar aus der Zeit vor 1989, als es offiziell noch Birma (englisch: Burma) hieß. Die ersten Besuche seit 1984 erfolgten im Rahmen seiner Tätigkeit als evangelischer Auslandspfarrer in Thailand, Birma und Malaysia (1983-1990). Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er in einer deutsch-birmanischen Solidaritätsgruppe aktiv und begann, die Beziehungen zwischen Myanmar und der Welt zu erforschen. 1998 promovierte er über die internationale Sicht der birmanischen Befreiungsbewegung, publizierte danach zahlreiche Bücher und Aufsätze und unterrichtete an verschiedenen deutschen Universitäten. Seit 2005 ist er Manager des Myanmar Literature Project, aus dem verschiedene andere Aktivtitäten des Austauschs zwischen Myanmar und der internationalen Gemeinschaft hervorgergangen sind.

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