Herero-Studentin an der Namibia University of Science and Technology © Thomas Christiansen
Anteil alphabetisierte Erwachsene
82 % (2017)
Bedeutende Religionen
Christen 80 - 90 % (überw. Lutheraner)
Städtische Bevölkerung
47 % (2015)
Lebenserwartung (w/m)
62 / 65 Jahre (geschätzt, 2016)
Gender Inequality Index
Rang 108 (von 188) (2015)
Anzahl der Geburten
3,36 / Frau (geschätzt, 2016)
Kindersterblichkeit
36 / 1000 Lebendgeburten

Soziale Struktur

Für den 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Namibias wurde eigens ein neues Logo entwickelt. Die verschiedenfarbigen Menschen stehen für die unterschiedlichen Ethnien Namibias. Die ovalförmigen Köpfe symbolisieren Diamanten.
Logo zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit am 21. März 2010. Foto © T. Christiansen

Volksgruppen / Ethnien

Namibia sieht sich - genau wie Südafrika - als eine Regenbogennation, wobei der Begriff 'Regenbogen' als Metapher für die unterschiedlichen Hautfarben und Ethnien steht, die Namibia als Nation ausmachen. Der Slogan 'Unity in Diversity and Diversity in Unity' ist, wie auch der Slogan 'One Namibia, one Nation', ein wichtiger Grundsatz des namibischen Selbstverständnisses als Land, Nation und Staat.

Die ethnische Vielfalt Namibias wurde auch im Logo aufgegriffen, das eigens zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Namibias am 21. März 2010 kreiert wurde. Das Logo zeigt verschiedenfarbige Menschen, die jubelnd ihre Arme in die Höhe strecken. Sie symbolisieren die zahlreichen Ethnien Nambias: Ovambo, Herero, Nama, Damara, Himba, Kavango, Baster, Tswana, Caprivier, San, Mischlinge (Coloureds) und Weiße.

Die Ovambo bilden mit knapp 50% der Gesamtbevölkerung die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe. Danach folgen erst mit weitem Abstand die weiteren Gruppen wie Kavango (9.3%), Damara und Herero mit je 7.5%, Weiße (6.4%), Nama (4.8%), Mischlinge (4.1%) sowie Caprivier (3.7%), Baster (2.5%), Tswana, San und ‘Andere’. Von den ca. 120.000 - 135.000 Weißen im Lande sind etwa 20,000 bis 30,000 Deutsch-Namibier bzw. in Namibia lebende Deutsche. Dies entspricht etwa 1 - 1,5% der Gesamtbevölkerung. Die restlichen Weißen verteilen sich auf afrikaanssprachige Buren und Weiße mit Englisch als Muttersprache.

Die weißen Namibier, speziell die Deutschsprachigen, spielen trotz ihrer relativ geringen Zahl eine sehr wichtige Rolle im Lande, vor allem in der namibischen Wirtschaft. Insbesondere im Handwerk und Einzelhandel, aber auch in der Gastronomie und Tourismusindustrie sind deutschstämmige Namibier weit überproportional vertreten, dies gilt auch für einen erheblichen Teil der kommerziell produzierenden Farmer.

Für Neulinge in Namibia ist es zunächst nicht leicht, die jeweilige Ethnie des Gesprächspartners zu erkennen, speziell wenn man sich - wie allgemein üblich - auf Englisch miteinander unterhält. Allerdings lassen die Namen der Gesprächspartner oft Rückschlüsse auf die Ethnie zu. Familiennamen wie Angula, Nujoma, Nangolo, Nashidengo oder Iyambo lassen mit ziemlicher Sicherheit auf einen Ovambo als Gesprächspartner schließen, während Familiennamen, die mit "Tj" beginnen (z.B. Tjingoro, Tjivikua) typisch für Herero sind. Familiennamen die ein "!" beinhalten, weisen auf Nama, Damara oder San hin. Das "!" steht dabei für einen der Klicklaute, die charakteristisch für die Nama- und Damara-Sprache sind, aber vor allem auch für die San-Dialekte.

Mit der Zeit entwickelt man ein recht gutes Gefühl dafür, aus Name, Sprache und Aussehen recht zuverlässig auf die jeweilige ethnische Zugehörigkeit zu schließen. Weitergehende Informationen zur ethnischen Vielfalt Namibias geben zahlreiche Reiseportale.

Zu behaupten, in Namibia spiele die ethnische Zugehörigkeit keine Rolle mehr, würde der Realität nicht gerecht. Es scheint aber, dass in Namibia - zumindest im Vergleich zu manch anderen Ländern Afrikas - die nationale Identität und das Gefühl, in erster Linie 'Namibier' zu sein und erst danach Angehöriger einer bestimmten Ethnie, vergleichsweise stark ausgeprägt ist. Der lange gemeinsame Kampf der verschiedenen ethnischen Gruppen um die Unabhängigkeit hat hierzu sicher ebenso beigetragen wie die Entscheidung, in der Verfassung Englisch als alleinige Staatssprache Namibias festzuschreiben.

Speziell bei den jüngeren, gut gebildeten Namibiern scheint es keine große Rolle mehr zu spielen, wer zu welcher Ethnie gehört. Gerade junge Leute mit guter Bildung sehen sich in erster Linie als Namibier.

Sprachen

Artikel 3 der Verfassung erhebt Englisch zur einzigen offiziellen Amtssprache, obwohl Englisch nur für eine kleine Minderheit der Namibier die Muttersprache bildet. Diese Entscheidung hat den Prozess des ‚Nation Building‘ sicherlich erheblich verstä
Artikel 3 der namibischen Verfassung. Foto © T. Christiansen
Ein charakteristisches Merkmal der Sprache Oshivambo ist das überaus häufige Vorkommen des Buchstabens "O". Vokals O.
Zeitungsartikel auf Oshivambo aus The Namibian. Foto © T. Christiansen

Die Mütter und Väter der namibischen Verfassung standen bei der Unabhängigkeit vor einem Problem. Welche der vielen Sprachen sollte in der neuen Verfassung als Amtssprache festgeschrieben werden? Afrikaans, die Lingua Franca des ehemaligen Protektorats Südwest-Afrika war die Sprache der südafrikanischen 'Besatzer' und kam daher nicht in Frage. Deutsch, die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht, ebenso wenig. Oshivambo, die Hauptsprache der Ovambo, war (und ist) zwar für einen bedeutenden Teil der Namibier Muttersprache, ihre Festschreibung als Amtssprache des jungen Landes hätte allerdings erheblichen Widerstand der anderen Volksgruppen hervorgerufen und den (politisch gewollten) Prozess des 'Nation Buildings' deutlich erschwert. So blieb als für alle Ethnien akzeptabler Kompromiss nur die Entscheidung, Englisch zur Amtssprache zu machen, obwohl Englisch nur für einen verschwindend geringen Prozentsatz der Namibier die Muttersprache bildet.

Diese Entscheidung erwies sich rückblickend als ebenso klug wie effizient. Die Angst der übrigen Volksgruppen, von den zahlenmäßig vorherrschenden Ovambo dominiert zu werden, wurde durch diese Entscheidung maßgeblich reduziert. Mit Englisch als Amtssprache wurde zudem für alle Chancengleichheit auf Jobs im öffentlichen Dienst geschaffen, da Englisch für fast alle Namibier eine Fremdsprache ist. Darüber hinaus erleichterte Englisch als Amtssprache die wirtschaftliche Entwicklung und kam speziell der Entwicklung des Tourismus sicher sehr zugute.

Neben Englisch spielen im öffentlichen Leben aber auch Afrikaans und Deutsch weiterhin eine wichtige Rolle. Viele schwarze Namibier haben deutsche Vornamen wie Wilhelmina, Anton, Renate usw. Für viele qualifizierte Positionen, besonders im Handel und Management und vor allem im Tourismussektor, wird in Stellenanzeigen fast ausnahmslos Dreisprachigkeit gewünscht: Englisch, Afrikaans, Deutsch. Oshivambo hingegen hat nur regionale Bedeutung, in erster Linie natürlich im Kerngebiet der Ovambo im Norden Namibias.

Neben Oshivambo gibt es eine ganze Reihe weiterer einheimischer Sprachen. Manche Sprachen werden dabei von zwei Volkgruppen gesprochen, während auf der anderen Seite eine ethnische Gruppe durchaus auch mehrere verschiedene Sprachen spricht. So sprechen sowohl die Herero als auch die Himba beide die gleiche Sprache (Otjiherero). Auch die Nama und Damara (deren Kernherkunftsgebiete räumlich recht weit auseinander liegen) sprechen Sprachen, die sehr ähnlich sind und es Nama und Damara erlauben, problemlos miteinander zu kommunizieren. Die Ovambo hingegen sprechen und verstehen zwar in ihrer Mehrzahl Oshivambo, haben aber mehrere Sprachen und sogar zwei verschiedene Schriftsprachen. Auch bei den Kavango ist dies ähnlich kompliziert.

Afrikaans bildet vor allem im Süden Namibias, also vor allem in den Regionen Hardap und Karas, die zweite wichtige Sprache neben Englisch. Für die Rehobother Baster ist Afrikaans die Muttersprache und viele Nama sprechen Afrikaans als zweite Sprache. Afrikaans ist darüber hinaus (neben Englisch) die vorherrschende Sprache in Walvis Bay, der ehemaligen südafrikanischen Enklave.

Deutsch ist vor allem in Windhoek und Swakopmund sehr präsent, wird aber auch in Omaruru, Okanhandja und Otjiwarongo viel gesprochen. Da Namibia-Deutsche insbesondere im Einzelhandel und Handwerk, vor allem aber im Tourismussektor überproportional vertreten sind und hier Schlüsselpositionen einnehmen, erscheint für deutsche Besucher Namibias Deutsch als Sprache im Alltag allgegenwärtig. So kann es passieren, dass man z.B. im Windhoeker "SuperSpar", dem größten Supermarkt des Landes, von Verkäuferinnen an der Brot- oder Fleischtheke in akzentfreien Deutsch angesprochen wird: "Wir haben heute schöne Leberwurst im Angebot! Darf's ein Viertel mehr sein?"

Seit 2007 gibt es auch spezielle Initiative "Deutsch in Namibia (DiN)", die die Anstrengungen verschiedener Organisationen zur Förderung der deutschen Sprache bündelt.

Altersstruktur

Namibia weist - trotz der Auswirkungen der HIV/Aids Pandemie - noch immer die typisch pyramidenförmige Altersstruktur eines Entwicklungslandes auf: eine breite Basis mit vielen Kindern und Jugendlichen, und eine sich rasch nach oben verjüngende Spitze mit nur wenigen alten Leuten über 60 Jahre. Laut CIA World Factbook 2018 sind etwa 37% der Bevölkerung unter 15 Jahren, etwa 20% zwischen 15 und 24 Jahren, 35% zwischen 25 und 54 Jahren und nur jeweils 4% zwischen 55 und 64 Jahren sowie 65 Jahre und älter.

Angesichts des relativ geringen Anteils an Menschen über 60 Jahren kann sich Namibia etwas leisten, das es in nur wenigen anderen Ländern Afrikas geben dürfte: eine staatlich finanzierte und garantierte Rente. Nach dem National Pensions Act von 1992 zahlt der Staat allen Bürgern über 60 eine (wenn auch nur geringe) staatliche monatliche Rente (Old Age Pension). Diese betrug zunächst NAD 550 / Monat, bevor sie 2013 auf zunächst NAD 600 und im April 2015 dann vom neuen Präsidenten Hage Geingob auf zunächst NAD 1000 und kürzlich (Ende 2018) dann auf N$ 1100 angehoben wurde. Dies entspricht zur Zeit etwa 68 EUR (Dezember 2018, Wechselkurs EUR/NAD von 1 :16), was aus deutscher Sicht sicher nicht viel ist, aber auf der anderen Seite deutlich mehr bedeutet, was ältere Bürger in den meisten anderen afrikanischen Ländern an staatlichen Leistungen erwarten können.

Stellung der Frau

Bei der Stellung der Frau muss man unterscheiden zwischen den Frauen mit einer guten Bildung und Ausbildung, die sich überwiegend in der städtischen Bevölkerung konzentrieren und weniger gebildeten Frauen auf dem Lande und in den Squattersiedlungen am Rande der Städte. Die gebildete namibische Frau ist in der Öffentlichkeit und Politik sehr präsent und weiß durchaus, wie man sich in Beruf und Gesellschaft gegen die männliche Konkurrenz durchsetzt. Dies wird auch durch zahlreiche statistische Daten und Studien belegt.

In der Regierung, den Ministerien, den staatseigenen Betrieben ('Parastatals'), aber auch im Privatsektor sind Frauen zahlreich vertreten und dringen durchaus auch bis in hohe und höchste Posten vor. So sind zahlreiche Spitzenpositionen in den Ministerien (vom Undersecretary über die Permanent Secretary Positionen bis hin zu Deputy Minister und Minister) mit Frauen besetzt. Mit Pendukeni Iivula-Ithana stand auf dem Swapo Kongress 2012 auch eine Frau als eine von drei Kandidaten für die Position des Swapo-Vizepräsidenten und damit als mögliche Nachfolgerin von Präsident Pohamba zur Wahl. Letztlich gelang es ihr jedoch nicht, sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen.

2014 entschied die SWAPO zudem, für ihre Kandidatenliste das sogenannte 'Zebra-System' anzuwenden, also die Listenpositionen abwechselnd mit männlichen und weiblichen Kandidaten zu besetzen. Außerdem ist geplant, in der Regierung den Vize-Minister Posten stets mit einer Frau zu besetzen wenn der Minister ein Mann ist (und umgekehrt). Namibia kann damit für sich in Anspruch nehmen, zumindest im politischen Bereich mit der Emanzipation der Frau weit progressiver zu sein, als ein Großteil der restlichen Welt.

Zu dem recht ausgeprägten Selbstbewusstsein der gebildeten namibischen Frauen trägt sicher bei, dass sie im Durchschnitt an den Schulen und Universitäten deutlich besser abschneiden als ihre männlichen Altersgenossen. An der Namibia University of Science and Technology etwa werden regelmäßig ca. 70 – 80% aller Auszeichnungen an weibliche Studierende vergeben. Diese deutlich besseren Leistungen und Zensuren der Absolventinnen tragen ihren Teil dazu bei, dass diese dann auch bei der Jobsuche nach dem Studium im Vorteil sind. Von einer strukturellen Benachteiligung bzw. Diskriminierung der (gebildeten) Frauen kann man in Namibia jedenfalls nicht sprechen.

Anders sieht es bei den weniger gebildeten Frauen aus, speziell auf dem Lande und in den Squattersiedlungen. Psychische, aber auch physische Gewalt gegen Frauen bis hin zu Vergewaltigungen ist in Namibia häufig, über entsprechende Fälle wird in der Presse regelmäßig berichtet. Häufig stehen solche Vorfälle in Zusammenhang mit Alkohol- und / oder Drogenmissbrauch.

Geschlechtervielfalt/LGBTQI*/Homosexualität

Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern, ist auch in Namibia das Thema Geschlechtervielfalt / LGBT / Homosexualität noch immer weitgehend tabuisiert. Jeder weiß, dass es natürlich auch in Namibia gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Transgender etc. gibt, aber das Thema wird - ganz anders etwa als HIV/Aids - in der Öffentlichkeit weitgehend totgeschwiegen. Auch Namibia's ausgesprochen freie und unabhängige Presse thematisiert diese Themen kaum.

Offiziell ist Sex zwischen Männern wie in vielen afrikanischen Ländern nach wie vor illegal. Sex zwischen Frauen dagegen nicht. Das entsprechende Roman-Dutch Common Law Gesetz hat Namibia aus der Apartheidzeit übernommen und seit der Unabhängigkeit weder abgeschafft noch verändert. In der Praxis wurde und wird das Gesetz jedoch nicht angewendet. Wie auch in anderen Bereichen, z.B. in der Religionsausübung, gibt es in Namibia eine weitverbreitete tolerante Haltung, die es jedem zugesteht zumindest im privaten Umfeld zu leben, wie man möchte.
Dies heißt allerdings nicht, dass LGBT in der namibischen Gesellschaft voll akzeptiert wären. Es gibt im Gegenteil zahlreiche Aussagen speziell älterer Politiker, wie etwa Altpräsident Sam Nujoma oder auch Jerry Ekandjo, die in eine ganz andere Richtung gehen. Auch gibt es nach wie vor keine speziellen Gesetze, die Diskrimierung wegen bestimmter sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität explizit verbieten.

Trotz dieser nach wie vor bestehenden Einschränkungen und Probleme zeigt sich Namibia im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern wie Senegal, Guinea, Uganda, Burkina Faso oder auch Niger verhältnismäßig tolerant. Nach einer Erhebung des Afrobarometer Networks wird Namibia in Bezug auf Homosexualität nach den Kapverden, Südafrika und Mosambik als das vierttoleranteste Land Afrikas wahrgenommen.  

So gibt es seit 2010 mit Out-Rights Namibia auch eine offizielle Interessenvertretung der LGBT Community und 2013 gab es in Windhoek den ersten 'Pride March' (allerdings mit nur wenigen Teilnehmern). 2016 zog dann auch Swakopmund nach mit einer eigenen 'Pride Parade' nach. Beide Veranstaltungen werden seitdem jährlich weitgehend ungestört durchgeführt.

Insgesamt darf man bei der Beurteilung der Lage der LGBT-Community in Namibia jedoch nicht vergessen, dass es - wie auch in den meisten anderen Bereichen - erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen und vor allem zwischen Stadt und Land gibt. Vieles von dem, was etwa in Windhoek oder Swakopmund problemlos akzeptiert wird, wäre wie auch in anderen Ländern in den Dörfern und kleinen Städten auf dem platten Lande sicher nicht in ähnlicher Weise möglich.

Universitäre Bildungseinrichtungen

Im  tertiären Bildungssektor gibt es die beiden 'Flagschiffe' Namibia University of Science and Technology (NUST) (bis Ende 2015 Polytechnic of Namibia (PoN)) und University of Namibia (UNAM). Die NUST gilt als die beste tertiäre Bildungsinstitution Namibias. Sie entspricht in Selbstverständnis, Ausrichtung und Fächerangebot etwa einer deutschen Technischen Universität. Das Fächerangebot ist daher vor allem auf technische und 'Business'-Fächer (Management, Betriebswirtschaft etc.) fokussiert. Die UNAM hat ein breiteres Fächerspektrum, dieses umfasst z.B. auch geisteswissenschaftliche Fächer und seit neuestem auch Medizin. Die Fächerangebote von NUST und UNAM sind weitgehend komplementär, es gibt aber auch inhaltliche Überlappungen.

Neben diesen beiden großen staatlichen Universitäten Namibias gibt es mit der International University of Management (IUM) auch eine private Universität. Diese spielt mit nur etwa 2,000 bis 3,000 Studierenden und einem eng begrenztem Fächerangebot allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene kleinere, meist auf wenige Ausbildungsprogramme spezialisierte Colleges, Seminare und ähnliche Einrichtungen. Eine gute Übersicht gibt eine entsprechende Liste der tertiären Bildungseinrichtungen in Wikipedia.

Viele weiße Namibier, aber auch viele Namibier der schwarzen Elite im Lande, schicken ihre Kinder zum Studium ins Ausland, speziell nach Südafrika, aber auch nach Deutschland (vor allem natürlich die deutschstämmigen Namibier) und in die USA. Dies liegt teils an der (immer noch) besseren Qualität der Ausbildung in Südafrika, deren beste Universitäten gleichzeitig die besten in Afrika sind. Zum Teil liegt es aber auch daran, dass bestimmte Fächer in Namibia gar nicht angeboten werden (z.B. Tiermedizin, Zahnmedizin).

An den Universitäten gibt es unterschiedliche Studienlevel. Die Namibia University of Science and Technology etwa bot bzw. bietet folgende Abschlüsse an:  

  • National Certificate (Abschluss nach einem Jahr),
  • National Diploma (Abschluss nach drei Jahren),
  • Bachelor (Abschluss nach vier Jahren),
  • Bachelor Honours (Abschluss nach fünf Jahren),
  • Masterabschluss (Abschluss nach frühestens sechs Jahren),
  • Promotion zum Doctor of Philosophy (zurzeit (2016) möglich an drei der sechs Fachbereiche)

Die Bachelor und Master-Programme orientieren sich am angelsächsischen Bildungssystem. Während es Namibia gelungen ist, in der relativ kurzen Zeit seit der Unabhängigkeit recht akzeptable tertiäre Bildungsinstitutionen aufzubauen, stehen die öffentlichen Schulen des primären und sekundären Bildungssektors permanent im Kreuzfeuer der Kritik. Trotz erheblicher Investitionen – der Bereich Bildung ist Jahr für Jahr der größte Haushaltsposten im Budget der Regierung – ist die Qualität der Schulbildung - zumindest bei den öffentlichen Schulen - ausgesprochen schlecht. Dies ist weniger auf eine unzureichende Finanzierung von Lehrmitteln und Infrastruktur, als auf schlecht ausgebildete und oft wenig motivierte und disziplinierte Lehrer zurückzuführen. Die allgemein geringe Motivation vieler Lehrer wird durch oft verspätete Gehaltszahlungen seitens des Ministry of Education zusätzlich beeinträchtigt.

Zahlreiche Minister haben sich in der Vergangenheit an diesen strukturellen Problemen schon die Zähne ausgebissen. Der im Februar 2013 verstorbene Minister of Education, Dr. Abraham Iyambo, versuchte mit aller Macht (und z.T. recht ungewöhnlichen Aktionen) sein Bestes, mit dem 'eisernen Besen' zu kehren und sowohl in den Schulen als auch in seinem eigenen Ministerium einen 'neuen Wind' wehen zu lassen. Wie zuvor Iyambo haben es aber auch seine Nachfolger aber ausgesprochen schwer, sich gegen den Schlendrian, der sich über Jahre hinweg eingeschlichen hat und gegen das institutionelle Beharrungsvermögen an den Schulen und am Ministerium durchzusetzen. Bei dem Antritt der neuen Regierung unter Hage Geingob im März 2015 wurde das Bildungsministerium in zwei Ministerien aufgeteilt, von denen das eine für den Primar- und Sekundarschulbereich verantwortlich ist und das andere für den tertiären Bildungssektor. 

Gesundheit & Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem in Namibia weist in mancher Hinsicht Parallelen zum Bildungssystem auf. Auch hier gibt es eine Klassengesellschaft und auch das Gesundheitssystem leidet, zumindest im staatlichen Bereich, unter unzureichender Qualifikation und Motivation seiner Mitarbeiter, wobei beides auch hier wieder zumindest partiell die Folge schlechter Arbeitsbedingungen und Bezahlung ist.

Die unterste Stufe der Gesundheitsversorgung bilden die staatlichen Gesundheitseinrichtungen, die chronisch unterfinanziert sind und denen es an qualifiziertem und motiviertem Personal mangelt. Namibia liegt mit einer Ärztedichte von nur 0,37 Ärzten / 1.000 E. an 131. Stelle in der Welt. Statistisch kommen also auf einen Arzt etwa 2.700 Namibier. (Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf einen Arzt 285 E.) Die Ärztedichte in Namibia ist vergleichbar mit der von Botswana (0,37 / 1.000 E.), aber trotz der geringen Ärztezahl deutlich besser als die von Angola (0,08 / 1.000 E.), Sambia (0,06 / 1.000 E.) und Simbabwe (0,16 / 1.000 E.), allerdings auch klar schlechter als in Südafrika (0,77 / 1.000 E.) (Alle Angaben aus dem CIA World Factbook.)

Wichtiger noch als die Zahl der Ärzte an sich ist jedoch, wie die vorhandenen Ärzte sich regional verteilen und welches Klientel sie bevorzugt behandeln. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen versuchen die meisten Ärzte in privaten Arztpraxen und Kliniken zu arbeiten, wo sie deutlich bessere Arbeitsbedingungen vorfinden und ein wesentlich höheres Einkommen erzielen können. Außerdem konzentrieren sich die Ärzte natürlich vor allem auf die größeren Städte des Landes, die eine ansprechende Infrastruktur und Lebensqualität bieten. Der private Gesundheitssektor bildet damit gewissermaßen die zweite Stufe der Gesundheitsversorgung in Namibia. Als Folge der Sogwirkung der privaten Einrichtungen auf qualifiziertes Personal bleiben für die staatlichen Gesundheitseinrichtungen nur wenige Ärzte übrig, und diese sind vielfach nicht die erfahrensten und bestqualifiziertesten. Wer immer es sich in Namibia leisten kann, verzichtet auf das staatliche Angebot und zieht privat praktizierende Ärzte und private Krankenhäuser vor. Das Angebot und Niveau an medizinischen Leistungen und Know-How im privaten Bereich der Gesundheitseinrichtungen ist mit dem in Westeuropa üblichen Niveau durchaus vergleichbar.

Für spezielle Behandlungen und Eingriffe fehlen in Namibia allerdings oft die notwendigen Spezialisten, so dass die Namibier, die es sich leisten können, für schwierigere Eingriffe und speziellere Therapiemaßnahmen oft lieber nach Südafrika fliegen (i.d.R. nach Kapstadt). Hieraus hat sich mittlerweile ein regelrechter Gesundheitstourismus zwischen Namibia und Südafrika entwickelt. Diese internationale Backup-Variante der Versorgung bildet damit die oberste Stufe des namibischen Gesundheitssystems. Regelmäßig werden auch Spezialisten aus Südafrika nach Windhoek eingeflogen, um dann vor Ort spezielle Behandlungen und komplizierte Operationen vorzunehmen. So wurden 2008 mit Hilfe eines 12-köpfigen Teams aus Südafrika in Windhoek zum ersten Mal Operationen am offenen Herzen durchgeführt.

Aufgrund der in der Fläche - qualitativ wie quantitativ - unzureichenden medizinischen Versorgung, ist der Gesundheitszustand großer Teile der Bevölkerung erheblich beeinträchtigt. Namibia hat eine Säuglingssterblichkeitsrate von 45,6 Todesfällen (in den ersten 12 Monaten) pro 1000 Geburten. Das ist 13-mal höher als in Deutschland und immer noch 4,5-mal höher als im Nachbarland Botswana. Tuberkulose, in vielen anderen Ländern durch entsprechende Impfmaßnahmen kaum noch vorkommend, ist in Namibia noch immer ein erhebliches Problem. Namibia ist hier Schlusslicht in ganz Afrika.

Die HIV/AIDS-Rate ist in den letzten Jahren von etwa 16% (2014) auf 'nur noch' 12.1% gesunken (2017, bez. auf die Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren). Dabei gibt es sowohl regional als auch zwischen den Altergruppen erhebliche Unterschiede. Auch mit einer Prävalenzrate von 'nur noch' 12 % bleibt Namibia jedoch weiterhin eines der Länder mit der höchsten Aids-Rate weltweit. Zum Vergleich: Lesotho hat eine Prävalenzrate von knapp 24%, Südafrika von 19% (wieder jeweils bezogen auf die Altersgruppe 15 bis 49 Jahre). In Deutschland liegt die entsprechende Zahl bei 0.2%.

Die Anzahl der mit AIDS Infizierten in Namibia lag 2017 bei etwa 200.000, die Anzahl der Aidstoten bei ca. 2700. Inzwischen erhalten 84% der (identifizierten) HIV-Infizierten eine antiretrovirale Behandlung. Die Zahl der jährlich neu Infizierten ist von über 20.000 in den späten 90er Jahren auf etwa 7400 (2017) gesunken.

Kultur

Kulturszene und Kulturangebot sind in Namibia ausgesprochen überschaubar, was natürlich auch an der recht geringen Einwohnerzahl des Landes und der nur geringen Größe seiner Städte liegt. Das kulturelle Angebot konzentriert sich vor allem auf die Hauptstadt Windhoek, da diese mit inzwischen ca. 375.000 Einwohnern über die größte Zahl an potenziellen Interessenten verfügt. Neben Windhoek bieten vor allem Swakopmund und Omaruru ein interessantes kulturelles Angebot. Speziell Omaruru ist in dieser Hinsicht sehr aktiv und hat sich inzwischen als heimliche 'Kulturhauptstadt Namibias' profiliert. In Omaruru haben sich zahlreiche Künstler niedergelassen, die diese Entwicklung ausgesprochen aktiv und einfallsreich fördern und vorantreiben.

Vieles, was in Namibia im kulturellen Bereich angeboten wird, kann man vielleicht am treffendsten als semi-kommerziell und semi-professionell charakterisieren. Wichtige Plattformen zur Präsentation bieten dabei neben den verschiedenen Kulturzentren wie z.B. dem Goethe-Zentrum, dem British Council oder auch dem Franco-Namibian Cultural Centre (FNCC) z.T. auch die großen Privatschulen. Aber auch größere Firmen wie etwa Banken, die Brauerei und die großen Supermarktketten engagieren sich in der Kulturförderung und sponsern Veranstaltungen und Ausstellungen.

Unter den Schulen ist besonders die Deutsche Höhere Privatschule in Windhoek (DHPS) kulturell sehr aktiv. Die DHPS zeigt nicht nur Musik- und Theateraufführungen ihrer eigenen Schüler, sondern ist gelegentlich auch Bühne für Vorstellungen externer Künstler. Im Rahmen der Kulturförderung werden sowohl einheimische Künstler gefördert (etwa durch Ausstellungen namibischer Maler, Bildhauer, Fotografen) als auch ausländische Künstler nach Namibia eingeladen. Enge kulturelle Beziehungen bestehen traditionell speziell zum 'Großen Bruder' Südafrika, aber auch und gerade nach Deutschland. Eine professionelle und professionell vermarktete Kulturszene (z.B. hauptberufliche Theaterensembles, Orchester, Filmfirmen, Regisseure / Produzenten) sowie über Namibia hinaus auch im Ausland bekannte Schauspieler und Sänger gibt es bisher nur in Ansätzen.

Die Kulturtrends in Namibia werden noch immer vor allem aus dem Ausland (Südafrika, USA, Europa) importiert, der einheimischen Kulturszene scheint noch die erforderliche 'kritische Masse' zu fehlen, um eigene namibia-spezifische Trends zu entwickeln, die dann auch in die Nachbarländer exportiert werden könnten. So gibt es bis heute kaum namibische Künstler, die international bekannt sind, wie es z.B. in Südafrika eine Miriam Makeba war. Eine Ausnahme bildet vielleicht die Fotografie. Hier gibt es mehrere namibische Fotografen, die vielleicht nicht weltbekannt sind, deren Bilder, vor allem in der Natur- und Tierfotografie, aber durchaus Weltklasseniveau haben.

Im Bereich der Literatur haben sich nur wenige Autoren international hervorgetan. Zu nennen wäre hier etwa Giselher W. Hofmann, dessen Roman "Die Erstgeborenen" auch in Deutschland erschienen ist. Eine weitere wichtige namibische Autorin ist die 2011 verstorbene Neshani Andreas. Auch im Bereich der Musik sind namibische Künstler meist nur national und bestenfalls regional bekannt, wie etwa der namibische Kwaito-Artist und Rapper Eric Sell, besser bekannt unter dem Künstlernamen "EES".

EES ist ein junger Namibier deutscher Abstammung, der einen ganz eigenen Stil entwickelt hat. Seine Songs sind eine Mischung aus südafrikanischem Kwaito-Elementen, Hip-Hop und Afro-Pop, gesungen auf Englisch und vereinzelt auch im typischen 'Südwester'-Slang-Deutsch, das zahlreiche englische und namibia-spezifische Ausdrücke 'eingedeutscht' hat. Seine Songs und die dazugehörigen Musik-Videos vermittelten sehr gut das typische Namibia-Lebensgefühl, das Namibia-Liebhaber an dem Land so schätzen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Video zu seinem neuen 'Sundowner'-Song. EES wurde in den letzten Jahren mit zahlreichen Musikpreisen ausgezeichnet.

Einer der bedeutendsten bildenden Künstler ist der 1987 verstorbene John Muafangejo, der vor allem durch seine ausdrucksstarken Druckgrafiken bekannt wurde. Einen guten Gesamtüberblick über die Kunstszene in Namibia gibt die National Art Gallery. Weitere interessante Museen sind das National Museum of Namibia, das Independence Memorial Museum und das National Earth Sciences Museum.

Einblick in die traditionellen Tänze der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen Namibias gibt das alljährlich an der Namibia University of Science and Technology Namibia stattfindende Cultural Festival.

Religion

Namibia hat keine Staatsreligion. Religion ist Privatsache und spielt im öffentlichen Leben eine eher untergeordnete Rolle. Sie ist daher bei weitem nicht so präsent wie etwa in islamischen, hinduistischen und buddhistischen Ländern. Der Großteil der Namibier (ca. 90%) sind Christen, daneben gibt es Anhänger von Naturreligionen und einige wenige Muslime. Letztere kommen überwiegend in den Städten vor, sind überwiegend Sunniten und meist Einwanderer und Expatriates aus anderen afrikanischen Ländern.

Der hohe Christianisierungsgrad, der deutlich über dem afrikanischen Durchschnitt liegt, ist eine Folge der regen und bereits sehr früh (bereits im 19. Jahrhundert) begonnenen Missionsarbeit, vor allem der Lutheraner. Bei der Missionierung waren die protestantischen Missionare schon früher aktiv und dadurch deutlich erfolgreicher als ihre katholischen Kollegen. Heute sind daher ca. 50% - 60% der Christen in Namibia Lutheraner, nur ca. 20% sind Katholiken. Die restlichen 30% verteilen sich auf Anglikaner (ca. 10%) und zahlreiche kleinere Kirchen wie Niederländische Reformierte Kirche, Adventisten, Baptisten etc.

Einige Volksgruppen (speziell San, Himba, aber auch Herero) kombinieren Elemente von Naturreligionen mit der christlichen Lehre, auch der Glaube an Hexerei ist in weiten Teilen Namibias noch sehr verbreitet. Ausgesprochen interessant sind die auch im Alltag immer noch sehr wichtigen Riten der Herero, etwa in Bezug auf das "heilige Feuer".

Namibier sind in Bezug auf Religion sehr tolerant, dies zeigt auch der aktuelle International Religious Freedom Report. Religion wird – wie schon erwähnt – als Privatsache angesehen und die allgemein vorherrschende Haltung  ist, dass jeder "nach seiner eigenen Façon selig werden soll". Religiöse Konflikte spielen in Namibia keine Rolle.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2019 aktualisiert.

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Der Autor

Dr. Thomas Christiansen, Geograph, Akademischer Rat am Institut für Geographie der JLU Gießen. Langjährige EZ/TZ-Erfahrung in Afrika, Naher Osten, Süd- und Südostasien. Seit 2010 Landestrainer für Namibia an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ). Arbeitet seit April 2014 als Integrierte Fachkraft (CIM) als Professor für Geo-Spatial Sciences and Technology an der Namibia University of Sciences and Technology in Windhoek.

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