Rössing Mine bei Arandis © Thomas Christiansen
BIP (PPP, geschätzt)
US$ 25,96 Mrd. (2016)
Pro Kopf Einkommen (PPP, geschätzt)
US$ 11.300 (2016)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 125 (von 188) (2016)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
28,7 % (2010)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
59,7 (Rang 6 von 141) (2010)
Wirtschaftllicher Transformationsindex (BTI)
Rang 26 (von 129) (2016)

Wirtschaftsgeographische Karte Namibias

Die Karte verdeutlicht die Entwicklungsachsen und die drei Wachstumszentren Namibias. In den nächsten 15 Jahren wird sich voraussichlich vor allem das 'Urandreieck' an der Westküste Namibias außerordentlich dynamisch entwickeln.
Wirtschaftszentren, Entwicklungsachsen, wichtige Ressourcen und Projekte. © T. Christiansen, Nadine Liebich, Lisett Diehl, Institut für Geographie der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Wirtschaftsgeographischer Überblick

Die nahe Arandis gelegene Rössing Mine ist die älteste Uranmine in Namibia, sie produziert bereits seit 1976. Haupteigner der Mine ist der global operierende anglo-australische Rohstoffkonzern Rio Tinto.
Logo der Rössing-Mine.© T. Christiansen
In der Verarbeitungsanlage der Rössing Mine wird das im Tagebau gewonnene uranhaltige Gestein zunächst schrittweise zerkleinert. Anschließend wird das Uran nach und nach mit Säuren aus dem Gestein extrahiert.
Anlage zur Verarbeitung von uranhaltigem Gestein in der Rössing-Mine bei Arandis. © T. Christiansen
Die etwa 85 km östlich von Swakopmund gelegene Mine 'Langer Heinrich' ist die zweite bereits voll operationelle Uranmine Namibias. Die Mine nahm 2007 den Betrieb auf. Haupteigner ist australische Bergbaukonzern Paladin Energy Ldt.
Logo der Mine Langer Heinrich. © T. Christiansen

Die oben abgebildete Karte zeigt die räumliche Verteilung verschiedener, wirtschaftlich relevanter Entwicklungen und Projekte in Namibia sowie die Wachstumspole und Entwicklungsachsen des Landes.

Einige der abgebildeten Projekte sind bereits implementiert, andere sind im Bau (z.B. der Neckartaldamm bei Keetmanshoop), wieder andere Projekte werden zurzeit diskutiert. Die eingezeichneten Offshore-Ressourcen (bzw. vermuteten Ressourcen) an Öl und Gas erheben keinen Anspruch auf geographische Lagegenauigkeit, sie dienen lediglich zur Abrundung des Gesamtbildes der wirtschaftlichen Situation Namibias.

Aus der Hauptkarte wird deutlich, dass sich Namibias Wirtschaft auf drei Regionen konzentriert:

  • das Gebiet um Windhoek, das sich wirtschaftlich vor allem nordwärts Richtung Okahandja und ostwärts Richtung Flughafen entwickelt,
  • das 'Uran-Dreieck' an der Westküste zwischen Walvis Bay & Swakopmund, Henties Bay und Arandis, Namibias zukünftige Boom-Region (abhängig allerdings von einer Erholung des Weltmarktpreises für Uran) und
  • das sogenannte 'Otavi-Dreieck' zwischen Tsumeb, Grootfontein und Otavi, das neben seiner landwirtschaflichen Gunstlage zunehmend auch zu einem industriellen Entwicklungsschwerpunkt wird.

Windhoek und das 'Otavi-Dreieck'

Windhoek ist schon aufgrund seiner Größe (2011 ca. 325.000 E., aktuell (Sept. 2017) ca. 400,000 E.) nach wie vor das unangefochtene wirtschaftliche Zentrum des Landes. Die meisten größeren Firmen, Organisationen, Banken etc. haben hier ihren Hauptsitz.

Im Norden des Landes entwickelt sich das Otavi-Dreieck zu einem weiteren Wachstumspol. Günstige landwirtschaftliche Bedingungen aufgrund relativ hoher Niederschläge in diesem Gebiet, Erzverarbeitung in Tsumeb, der Armeestützpunkt in Grootfontein und das große Ohorongo Zementwerk nahe Otavi haben hier die notwendige kritische Masse für weiteres Wirtschaftswachstum geschaffen. 

Der Uranium-Rush an der Küste

Im Uran-Dreieck profitiert Walvis Bay sowohl vom Ausbau der Uranförderung an der Küste (speziell die 2016 eröffnete Husab-Mine) als auch von seiner Funktion als ‚Cargo Hub‘ für Zambia, Zimbabwe und Botswana. Sollte es irgendwann auch noch zu Offshore-Gas- und Ölförderung sowie dem zurzeit kontrovers diskutierten Phosphatabbau vor der Küste kommen, wird auch hiervon insbesondere Walvis Bay profitieren.

Um 2010/12 herum erwartete man für das Uran-Dreieck an der Küste (s. Detailkarte) einen baldigen riesigen Wirtschaftsboom durch  mehrere neue Uranminen (zusätzlich zu den beiden bereits produzierenden Minen Rössing (Rio Tinto Ltd.) und Langer Heinrich (Paladin Energy Ltd.)).

Die riesige Husab-Mine und mehrere weitere Minen waren damals in Planung bzw. schon im Bau. Laut Zeitungsberichten war das Husab-Projekt zu dem Zeitpunkt das größte Bergbauprojekt Afrikas. Die für kurze Zeit im Pilotbetrieb gelaufene Trekkopje-Mine des französischen Areva-Konzerns war ebenfalls gerade fertiggestellt.

Auf Grund des stark gefallenen Weltmarktpreises für Uran wurden dann allerdings - bis auf den Bau der Husab-Mine - alle weiteren Uranminenprojekte zunächst bis auf Weiteres eingefroren bzw. bewusst verlangsamt. Dies gilt auch für die Trekkopje-Mine, deren Betrieb nach einem Testlauf von nur wenigen Tagen im Mai 2013 eingestellt und seitdem im Standby-Modus gehalten wird.

Nach Presseberichten hatte Areva bis dahin in Bau und Entwicklung der Mine bis dahin mehr als eine Milliarde Euro investiert, doch eine Wiederaufnahme des Betriebs der brandneuen Mine ist zurzeit nicht in Sicht. Solange es nicht zu einer (im Augenblick aber nicht absehbaren) Erholung des Uran-Preises von derzeit US$ 34 - US$ 36 auf mindestens US$ 65 - US$ 80 pro Pfund Uranoxid kommt, muss Areva dieses Investment bis auf Weiteres zunächst abschreiben.

Wegen der derzeit niedrigen Urannachfrage wurden auch die Pläne für einen großen Industriepark (Gecko Namibia) mit chemischen Fabriken bei Meile 16 nördlich von Swakopmund bis auf weiteres auf Eis gelegt. Auch dieses Projekt könnte aber bei anziehendem Weltmarktpreis für Uran rasch wieder aktuell werden.

Weiterhin gibt es Planungen für den Abbau von Off-Shore Phosphatvorkommen und zur Extraktion der Phosphate in entsprechenden, noch zu bauenden Anlagen bei Walvis Bay. Wegen verschiedener noch laufender Untersuchungen zu möglichen Umweltauswirkungen des Phosphatabbaus liegt aber auch dieses Projekt zurzeit weiterhin auf Eis. Ein bis zum Vorliegen einer ausführlichen Umweltstudie erlassenes Moratorium hat die Umsetzung der Abbaupläne vorübergehend gestoppt. Gleichzeitig wurde laut einer Pressemeldung von Anfang Juni 2014 aber der israelischen Leviev-Gruppe trotz des Moratoriums Ende 2013 der Bau einer Test-Verarbeitungsanlage in Lüderitz genehmigt.

Namibias Umweltschützer, die Fischereiindustrie und viele Küstenbewohner sehen die Entwicklungen an der Küste und speziell den Uran-Rausch und den geplanten Phosphatabbau mit großer Sorge. Sie befürchten, dass die Projekte erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensqualität an der Küste haben werden.

Ausgangssituation 1990

Namibias wirtschaftliche Ausgangslage bei der Unabhängigkeit 1990 war deutlich besser als bei den meisten anderen afrikanischen Ländern, wie folgende Einschätzung von Robin Sherbourne, Namibias renommiertestem Ökonomen, zeigt:

"Yet the reality is Namibia enjoys advantages which many other countries would envy: a long coastline, a great climate, abundant natural resources, stunning landscapes, wonderful infrastructure, low levels of public debt, a functioning and relatively clean civil service, a sophisticated legal and business infrastructure, friendly neighbours, and the goodwill of virtually every other country in the world." (Sherbourne (2010): Guide to the Namibian Economy 2010, S. 8).

Das Zitat bezieht sich zwar auf die Situation von 2010, traf aber auch 1990 schon zu. Die SWAPO-Regierung übernahm bei der Unabhängigkeit ein Land, das – zumindest wirtschaftlich - in einer guten Verfassung war. Durch die knapp 1.600 km lange Küstenlinie hat Namibia Zugriffsrecht auf die Fischvorkommen und Bodenschätze in einer fast 575.000 qkm großen, Exklusiven Wirtschaftszone' (EEZ - Exclusive Economic Zone). Große On-Shore- und Off-Shore-Diamantvorkommen, umfangreiche Ressourcen an Uran und etlichen anderen Bodenschätzen ermöglichten beträchtliche Exporterlöse, die für den Aufbau und die Entwicklung des Landes genutzt werden konnten.

Obendrein machte Südafrika 1994 der noch jungen Republik Namibia mit dem Abtreten der Enklave Walvis Bay ein verspätetes, aber ungeheuer wertvolles nachträgliches Geschenk zur Unabhängigkeit. Mit der Übernahme von Walvis Bay am 28. Feb. 1994 hatte Namibia auf einmal einen neuen, gut ausgestatteten und wirtschaftsstrategisch ideal zur Hauptstadt Windhoek gelegenen Tiefseehafen, der zudem auch noch in unmittelbarer Nähe der großen Uranvorkommen liegt.

Die landschaftliche Schönheit Namibias insgesamt und zahlreiche touristische Attraktionen wie Etosha, Sossusvlei, Fish River Canyon, Kaokoveld oder die Skelettküste eröffneten dem Land nach Aufhebung der internationalen Sanktionen ein enormes neues Potenzial für den Ausbau einer hochwertigen und einträglichen Tourismusindustrie. Auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren günstig. Im Jahr 1994 betrug Namibias Pro-Kopf Einkommen das Vierfache des Durchschnittseinkommens im sub-saharischen Afrika und das Land war praktisch schuldenfrei.

Makroökonomische Betrachtung

Die Grafik belegt die (mit Ausnahme weniger Jahre) hohen Wachstumsraten des BIP. Aufgrund der Bevölkerungszunahme ist das BIP/Kopf zwar geringer, aber immer noch zufriedenstellend.
Wachstumsraten des BIP und des BIP/Kopf (in %). © T. Christiansen
Die Inflationsrate hat seit den 90er Jahren tendenziell abgenommen und bewegt sich (mit Ausnahme des Sonderfalls 2008) bereits seit etwa zehn Jahren um die 4 - 6% pro Jahr. Die Staatverschuldung ist mit 30 % des BIP im weltweiten Vergleich gering.
Entwicklung der jährlichen Inflationsrate und der Staatsverschuldung (in %). © T. Christiansen

"The number of countries in Sub-Saharan Africa which can boast such a track record of economic success – especially those emerging from long and bloody struggles to rid themselves of colonialism – are limited if they exist at all. This alone makes Namibia a very special case."

Quelle: Sherbourne, Robin (2010): Guide to the Namibian Economy 2010. Windhoek.

Ähnlich wie die Wirtschaft seiner direkten Nachbarn Südafrika und Botswana ist auch Namibias Wirtschaft in vieler Hinsicht untypisch für ein afrikanisches Entwicklungsland. Mit einem Pro-Kopf Brutto-Inlandsprodukt (BIP) von inzwischen US$ 10.800 / Jahr gehört das Land inzwischen zu den 'Upper Middle Income Countries' (sehr zum Leidwesen mancher namibischer Politiker, da Namibia auf Grund dieser jetzt höheren Einstufung  in der Zukunft insgesamt nun weniger internationale Entwicklungshifegelder erwarten kann). Namibia liegt mit seinem Pro-Kopf-BIP weltweit an 128. Stelle und damit nur 15 Plätze hinter China (US$ 12.900, Rang 113). Namibias Pro-Kopf-BIP ist damit sogar höher als das einiger europäischer Länder wie z.B. Bosnien-Herzegowina (US$ 9,800, Rang 134) oder Ukraine (US$ 8.200, Rang 139).

Namibia steht mit seinem beachtlichen Pro-Kopf-BIP zudem deutlich besser da, als seine nördlichen Nachbarn Angola (US$ 8.200, Rang 141) und Sambia (US$ 4.100, Rang 177), vom völlig heruntergewirtschafteten Simbabwe (US$ 2.000, Rang 203) ganz zu schweigen. Gleichzeitig weisen mit Botswana (US$ 16.000, Rang 99) und Südafrika (US$ 12.700, Rang 115) aber zwei andere Nachbarländer ein deutlich höheres Pro-Kopf-BIP auf. (Alle Zahlen sind Schätzungen für 2014, entnommen dem CIA World Factbook 2015).

Einkommen und Wohlstand sind in Namibia allerdings extrem ungleich verteilt. Namibia war lange Jahre das Land mit den (weltweit!) größten Einkommensunterschieden. In den letzten Jahren ist der sogenannte Gini-Koeffizient, mit dem die Einkommensunterschiede gemessen werden, von 0,707 auf "nur noch" 0,597 (2010) gesunkenen. Damit belegt Namibia inzwischen zwar nicht mehr weltweit den (unrühmlichen) Spitzenplatz der Länder mit den größten Einkommensunterschieden, es liegt mit diesem Wert aber noch immer an 6. Stelle. Ein Grund für die hohen Einkommensunterschiede ist, dass der Großteil des BIP (z.B. im Bergbau) mit hohem Kapitalaufwand, aber nur relativ geringem Personaleinsatz erwirtschaftet wird. Ein Großteil der Bevölkerung Namibias lebt noch immer in den Gebieten der ehemaligen Homelands im Norden Namibias von relativ unproduktiver Subsistenzlandwirtschaft, die nur sehr geringe Einkommen ermöglicht.

Ein anderer Grund ist die hohe Arbeitslosigkeit im Lande, vor allem unter den jungen schwarzen Namibiern. Je nach Erhebungsverfahren und Definition des Begriffs "Arbeitslosigkeit" kursieren sehr unterschiedliche Zahlen zur Arbeitslosenrate. Laut Namibia Labour Force Survey 2014 der Namibia Statistics Agency (NSA) beträgt die Arbeitslosenquote 28,1% der erwerbsfähigen Bevölkerung (991.000). Früher durchgeführte Labour Force Surveys kamen auf Zahlen von über 50%. Verschiedene Wirtschaftsexperten sehen die 'tatsächliche' Arbeitslosenrate irgendwo zwischen 30 - 40%, je nach Definition des Begriffs.

Laut Namibia Labour Force Survey 2014 variiert die Arbeitslosenrate innerhalb des Landes dabei zwischen etwa 22 und 38 %. Die niedrigste Arbeitslosenquote weisen dabei die Regionen Khomas (22,3%, mit der Hauptstadt Windhoek) und Omusati (22,9%) auf. Die höchste Arbeitslosigkeit herrscht in den Regionen Ohangwena (38,2%) und Kavango East (36,3%).

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit ist die Entwicklung wichtiger makroökonomischer Kenndaten Namibias insgesamt ausgesprochen beeindruckend. Zwischen 1990 und 2010 ist das namibische BIP inflationsbereinigt im Schnitt um 4,3% gewachsen (s. Abb.), in der zweiten Dekade mit 4,5% / Jahr sogar noch stärker als in den ersten 10 Jahren (4,1%). Für die letzten Jahre liegen die Wachstumsraten des BIP mit 5,2% (2012), 5.2% (2013) und 5.3% (2014) sogar noch einmal deutlich höher als für das langjährige Mittel. (Alle Angaben Schätzwerte laut CIA World Factbook 2015). Das BIP pro Kopf ist infolge der Bevölkerungszunahme zwar weniger stark angestiegen, aber immerhin noch um durchschnittlich 1.9% / Jahr.

Mit US$ 23.82 Mrd. für 2014 (PPP) entsprechend ca. N$ 310 Mrd. (Kurs 1 : 13) bzw. € 20,6 Mrd. (Kurs 1 : 15) ist Namibias BIP in absoluten Zahlen jedoch im internationalen Vergleich nach wie vor winzig! Zum Vergleich: 2012 lag Namibias BIP nur etwa € 2 Mrd. unter dem 2010 Konzern-Jahresgewinn von Rio Tinto (australischer Bergbaukonzern, Haupteigner der Rössing-Mine) bzw. entsprach etwa dem Quartalsgewinn von Apple für das 4. Quartal 2011. Verglichen mit  Deutschland beträgt Namibias BIP gerade mal 1/152 bzw. 0.66% des deutschen BIPs.

Die Staatsverschuldung Namibias (s. Abb.) lag bis vor wenigen Jahren auf einem Niveau, das die meisten europäischen Länder vor Neid erblassen lässt. Bis vor wenigen Jahren betrug sie unter 20% des BIP. Durch die 2011/2012 angelaufene Beschäftigungsinitiative TIPEEG (Targeted Intervention Program for Employment and Economic Growth) und die damit verbundenen erhöhten Staatsausgaben ist die Verschuldung in den nächsten Jahren allerdings deutlich gewachsen. Dies gibt inzwischen Grund zur Sorge, da die wachsende Verschuldung nun zunehmend das wichtige 'Investment Rating' des Landes der großen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's, Fitch Ratings etc. negativ beeinflusst und damit die Aufnahme neuer Kredite verteuert.

Für 2015 gibt das CIA World Factbook (geschätze) 'Public Debts' von lediglich 22,9% des BIP an. Damit liegt Namibia weltweit an 130. Stelle. Zum Vergleich: Deutschlands Verschuldung beträgt  knapp 75% des BIP (Rang 35), Italiens 134% (Rang 5), Griechenlands 175% (Rang 3), Zimbabwes 181% (Rang 2) und Japans gar 228% (Rang 1).

Die Inflation (s. Abb.) betrug in den ersten 10 Jahren nach der Unabhängigkeit noch um die 10%, hat sich aber seit 2003 bei etwa 5% eingependelt (Ausnahme 2008). Die Inflationsraten für 2013 und 2014 betrugen 5,6% bzw. 5,3% (Schätzungen CIA World Factbook). Für ein Entwicklungsland sind dies ausgesprochen solide Werte. Zu den (relativ) geringen Inflationsraten hat neben einer konservativen Ausgabenpolitik sicher auch die Koppelung der namibischen Währung an den südafrikanischen Rand beigetragen.

Durch die Verteilung der wirtschaftlichen Aktivitäten auf Bergbau, Landwirtschaft, Tourismus und Fischerei ruht Namibias Wirtschaft auf mehreren Säulen und ist bei Wirtschaftskrisen daher deutlich weniger anfällig als Länder, deren Wirtschaft von nur einem Bereich bzw. Produkt dominiert wird, wie dies etwa bei Sambia (Kupfer), Angola (Öl) oder auch Botswana (Diamanten) der Fall ist. Vor allem aus diesem Grund ist Namibia vergleichsweise gut durch die letzte Weltwirtschaftskrise gekommen.

Solide und vor allem aktuelle Daten und Informationen zur makroökonomischen Situation Namibias findet man u.a. auf den exzellenten Informationsseiten der Bank of Namibia sowie in den Reports des Institute for Public Policy Research (IPPR), insbesondere den dort monatlichen erscheinendem Business Climate Montoring Index und dem ebenfalls monatlich aktualisierten Economy Watch Report. Auch die 2011 gegründete (u.a. auch von der GIZ unterstützte) Namibia Statistics Agency (NSA) liefert hervorragend aufbereitete makroökonomische Daten.

Namibias Ressourcen

Auch diese Karte zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Aktivitäten Namibias auf wenige Regionen konzentrieren. Lediglich Bergbau findet man in ganz unterschiedlichen Landesteilen.
Auch diese Karte zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Aktivitäten Namibias auf einige Regionen konzentrieren. Lediglich Bergbau findet man in ganz unterschiedlichen Landesteilen.

Namibia verfügt über große Ressourcen an Uran und Diamanten, aber auch an Gold, Kupfer, Zink, Tungsten und anderen Mineralien. Einen guten Überblick findet man auf den Internetseiten des Ministry of Mines and Energy. Hinzu kommen ertragreiche Fisch- und Viehbestände und eine gut ausgebaute und exzellent am Markt aufgestellte, hochprofessionelle Tourismusindustrie.

Laut neuestem Quartalsbericht der Bank of Namibia (September 2015) trägt der Bergbau derzeit ca. 11.6% zum BIP bei,  Fischerei und Fischverarbeitung 2.7% und  Landwirtschaft und Forstwirtschaft (gemeinsam) lediglich 3,7%. Mit einem Anteil von 8,6% (der 11,6% für den gesamten Sektor) dominiert der Diamantenabbau die Wertschöpfung im Bereich Bergbau im Augenblick deutlich, während die Uranminen ihre Produktion wegen des gegenwärtig sehr niedrigen Weltmarkpreises zurückfahren. Insgesamt liegt der Anteil des primären Sektors nach diesen Zahlen zurzeit bei 18% des BIP.

Der Anteil des sekundären Sektors am BIP ist mit 17,7% etwa gleich hoch wie der des primären Sektors. 10.7% dieser 17,7% entfallen dabei auf den Bereich verarbeitende Industrie, die restlichen 7% auf das Baugewerbe (4.9%) und die Erzeugung von Wasser und Strom (2,1%).

Mit 57.7% des BIP steuert der tertiäre Sektor den Löwenanteil zum namibischen BIP bei, dabei entfällt allerdings die Hälfte der Wertschöpfung in diesem Bereich auf die Leistungen staatlicher Einrichtungen (öffentliche Verwaltung, Militär, Erziehung, Gesundheitswesen). Den wesentlichen Anteil der restlichen Wertschöpfung des tertiären Sektors trägt der Tourismus bei.

Die restlichen 6,6% des namibischen BIP werden durch Steuern und Abgaben (abzüglich Subventionen) und indirekt gemessene Finanzdienstleistungen erwirtschaftet. Die prozentualen Anteile der  Subsektoren schwanken von Quartal zu Quartal und von Jahr zu Jahr zum Teil recht erheblich, aber die Gesamtanteile des primären, sekundären und tertiären Sektors sind über die Jahre relativ konstant geblieben.

Übersicht: Bergbau in Namibia

Die Karte zeigt, dass viele der bereits vergebenen EPLs und MLs innerhalb der verschiedenen Nationalparke liegen, auch im Bereich der seit August 2013 als UNESCO Weltnaturerbe anerkannten Namibwüste.
Explorationslizenzen (Exploration Licences (EPLs)) und Abbaulizenzen (Mining Licences (MLs) für Uran. © David Emde, Saskia Thorbecke, Institut für Geographie, JLU Gießen. Eigener Entwurf, erstellt auf der Basis von Daten der Namibian Chamber of Mines.
Die Tabelle zeigt, dass der namibische 'Uran-Rausch' nur von kurzer Dauer sein wird. Bereits  2030 werden die meisten Uranvorkommen abgebaut sein.
Übersicht über bestehende, in Bau befindliche und geplante Uranminen. © David Emde, Saskia Thorbecke, Institut für Geographie, JLU Gießen. Datebasis: Eigene Recherchen in verschiedenen Internetquellen.
Die Karte zeigt, dass sich der 'sonstige' namibische Bergbau (also ohne Uranabbau) zum einen im äußersten Südwesten des Landes und zum anderen im Zentrum und im zentralen Norden des Landes konzentriert.
Übersicht über ausgesuchte 'sonstige' Minen (ohne Uranminen). © Verena Wolf, Franziska Ebisch, Institut für Geographie, JLU Gießen. Eigener Entwurf, zusammengestellt aus Angaben der Internetseiten des Ministry of Mines and Energy und der verschiedenen Minenbetreiber.
Die Tabelle zeigt, dass nicht nur die Uranreserven, sondern auch die Vorkommen an Gold, Zink, Kupfer, Blei und Fluorit bereits in wenigen Jahren erschöpft sein könnten, wenn nicht zwischenzeitlich neue Vorkommen entdeckt werden.
Ausgewählte Unternehmen des namibischen Bergbausektors (ohne Uranminen). © Verena Wolf, Franziska Ebisch, Institut für Geographie, JLU Gießen. Eigener Entwurf, zusammengestellt aus Angaben der Internetseiten des Ministry of Mines and Energy und der verschiedenen Minenbetreiber.

Wirtschaftssektoren

Primärer Sektor

Die Bergbauindustrie, mit ihren Hauptpfeilern Diamanten und Uran, bildet mit einem Anteil von etwa 50% nach wie vor das Rückgrat des namibischen Exports. Wegen des hohen Technisierungsgrades bietet sie allerdings nur relativ wenige (ca. 7.000 - 8.000), dafür aber gut bezahlte Jobs.

Nachdem die On-Shore-Vorkommen inzwischen weitestgehend ausgebeutet sind, erfolgt die Diamantenproduktion bereits seit Jahren fast auschließlich 'offshore'. Bei der Off-Shore Förderung werden die diamanthaltigen Sedimente des Oranje vor der Flussmündung bei Oranjemund mit Schlammbaggern vom Meeresgrund abgesaugt und nach Diamanten gefiltert. Die mit großem Abstand wichtigste Firma im Diamantabbau ist NamDeb, ein Konsortium, an dem die namibische Regierung und der südafrikanische De Beers-Konzern jeweils 50% der Anteile halten.

Der Uranabbau in Namibia war über lange Zeit synonym mit dem Namen der Firma Rössing. Der seit 1976 Uran fördernde riesige Rössing-Tagebau bei Arandis ist die älteste noch immer produzierende Uranmine der Welt und war lange Zeit auch die weltweit größte Uranmine. Den Großteil der Anteile an Rössing hält der australische Bergbaugigant Rio Tinto, die restlichen Anteile verteilen sich auf verschiedene weitere Eigner, zu denen übrigens interessanterweise u.a. auch der Staat Iran (!) zählt. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Uranvorkommen der Rössing-Mine bereits 2015 erschöpft wären, aber die Mine produziert noch immer. Nun geht man von einer Schließung der Mine ab etwa 2025 aus.

2006/2007 kam mit der Langer Heinrich Mine des ebenfalls australischen Paladine Energy Konzerns ein zweiter Urantagebau hinzu und 2011 dann mit der Trekkopje Mine des französischen Bergbaukonzerns Areva ein dritter. Die Trekkopje Mine produziert allerdings zurzeit nicht, da die Mine wegen des derzeit zu geringen Weltmarktpreises für Uran gegenwärtig nicht kostendeckend arbeiten kann. Die Mine wird seit Mai 2013 im Stand-By Modus gehalten, der Betrieb der Mine kann jedoch bei Wiederanstieg des Uranpreises auf ein profitables Niveau (> $US 70 / Pfund) innerhalb etwa eines Jahres auf die volle Produktionsleistung hochgefahren werden.

Seit 2016 ist jetzt auch die riesige Husab-Mine in Betrieb, die zu 90% in chinesischer Hand ist.  Am 30. Dezember 2016 hat Husab ihr erstes Fass Uranoxid produziert. produziert. Die Husab-Mine wird nach Erreichen ihrer vollen Produktionskapazität die zweit- oder drittgrößte Uranmine der Welt werden. 

Zahlreiche weitere Uranminen sind derzeit geplant (s. auch Abschnitt "Übersicht" und die Karten weiter unten). Wegen des zurzeit sehr niedrigen Uranpreises wird der Ausbau dieser Minen jedoch gegenwärtig (noch) nicht energisch vorangetrieben. Eine kompakte Zusammenfassung der Situation gibt ein in der Allgemeinen Zeitung erschienener Übersichtsartikel zum Uranbergbau in Namibia.

Neben dem Abbau von Uran und Diamanten werden in Nambia zahlreiche weitere Bodenschätze gefördert, u.a. Gold, Zink, Kupfer, Blei und Fluorit. Abgesehen von der Zinkproduktion der Scorpion Mine bei Rosh Pinah (die jedoch in absehbarer Zeit auslaufen wird), ist die Bedeutung dieses 'sonstigen Bergbaus' in Namibia nur gering, jedenfalls wenn man die Wertschöpfung und die Anzahl der Arbeitsplätze als Messlatte nimmt (s. hierzu auch Tabelle und Abbildung weiter unten).

Neben dem Bergbau spielt für Namibia auch die Fischerei eine wichtige Rolle. Namibia gehört - was nur wenige wissen - gemessen am Fangwert zu den 'Top Ten' der Fischfangnationen weltweit. Der Fischfang leistet - allerdings von Jahr zu Jahr stark schwankend - einen wichtigen Beitrag zum BIP, allerdings zu einem beträchtlichen Anteil nicht durch Wertschöpfung im Lande, sondern durch Vergabe von Fanglizenzen an ausländische Firmen. Trotzdem arbeiten immerhin ca. 15.000 Namibier in der Fischerei, jeweils etwa zur Hälfte auf See und in der fischverarbeitenden Industrie an Land. Etwa 90% des Fischfangs geht in den Export, vor allem nach Spanien.

Auf Grund seiner Konzentration auf nur zwei Standorte (Walvis Bay und Lüderitz) ist der Fischfang aber in der öffentlichen Wahrnehmung wenig präsent. Der Fischfang und das On-Board-Processing auf See wird zum primären Sektor gerechnet, die Wertschöpfung durch die Fischverarbeitung an Land wird als Teil des sekundären Sektors (verarbeitende Industrie) erfasst.

Auf Grund der geringen, unzuverlässigen und schlecht über das Jahr verteilten Niederschläge ist Ackerbau in Namibia sehr riskant und relativ wenig produktiv. Man findet ihn vor allem in den (relativ) niederschlagsreicheren Gebieten des Nordens, vor allem um Tsumeb und Grootfontein, sowie nördlich des Etosha-Parks und im Caprivi. Der gesamte Rest des Landes kann lediglich für extensive Weidewirtschaft genutzt werden.

Nur entlang der Grenzflüsse im Norden und Süden des Landes sowie am Hardap-Damm in der Nähe von Mariental und (in sehr kleinem Ausmaß) vereinzelt an verschiedenen anderen Stellen wird Bewässerungslandwirtschaft betrieben. Weitere Bewässerungsflächen werden jedoch durch den Bau des Neckartal-Damms bei Keetmanshoop im Süden des Landes entstehen. Die räumlich sehr begrenzten Bewässerungsflächen werden in erster Linie für den Anbau von Gemüse und Obst genutzt, sie reichen aber nicht aus, um den Bedarf des heimischen Marktes abzudecken. Das einzig erwähnenswerte Exportprodukt der namibischen Bewässerungslandwirtschaft sind Tafeltrauben, die entlang des Oranje, des Grenzflusses zu Südafrika, angebaut werden. Die Trauben sind qualitativ sehr hochwertig und lassen sich international sehr gut vermarkten, da zur Erntezeit am Oranje nur wenige andere Länder hochwertige Tafeltrauben liefern können.

Hauptprodukte und auch Hauptexportprodukte der namibischen Landwirtschaft sind Rindfleisch und Schaffleisch wobei die Tiere teils lebend exportiert werden (insbesondere zu südafrikanischen Schlachthäusern), teils als Fleisch und teils als weiterverarbeitete Fleischprodukte. Die Landwirtschaft stellt zwar einen Großteil der Beschäftigungsmöglichkeiten (speziell für geringqualifizierte Namibier), sie trägt aber mit gerade mal 3,7% nur sehr wenig zum BIP bei.

Hierbei sind zwei deutlich unterschiedliche Produktionsformen zu unterscheiden. In den kommunalen Gebieten nördlich des Veterinärzaunes dominiert personalintensive Subsistenzlandwirtschaft (Viehzucht und etwas Ackerbau) auf kleinen Betriebsflächen. Im Gegensatz dazu sind die Betriebe in den sogenannten 'Commercial Areas' südlich des Veterinärzaunes große bis sehr große, kommerziell ausgerichtete ranchähnliche Betriebe, die mit sehr wenig Personal aber hohem Kapitaleinsatz extensive Viehzucht betreiben. Das hier produzierte, qualitativ sehr hochwertige Rind- und Schaffleisch wird für den Weltmarkt produziert und wird insbesondere nach Südafrika und Norwegen exportiert. Im Gegensatz dazu werden die landwirtschaftlichen Produkte, die in den kommunalen Gebieten erzeugt werden,  überwiegend für den Eigenbedarf erzeugt, der Rest wird vor allem lokal und regional vermarktet.

Sekundärer Sektor

Der BIP-Anteil des sekundären Sektors liegt zwar (wie politisch auch angestrebt) inzwischen über dem des primären Sektors, aber schaut man etwas näher auf die Teilbereiche, dann werden einige Probleme deutlich. So wird etwa das Baugewerbe zunehmend von chinesischen Firmen dominiert, die die einheimischen Baufirmen verdrängen. Laut Zeitungsberichten gehen inzwischen ca. vier von fünf (staatlich finanzierten) Großprojekten im Hoch- und Tiefbau an chinesische Unternehmen. Auch der Ausbau des Flughafens und des Hafens von Walvis Bay wurde an chinesische Firmen vergeben.

Ein gravierender Schwachpunkt der namibischen Wirtschaft ist seine nur schwach ausgebildete verarbeitende Industrie. Namibia erzeugt noch immer nur sehr wenige und fast ausschließlich relativ einfach herzustellende Produkte mit geringer Wertschöpfung. 

Abgesehen vom Sonderfall Uranoxid, der jüngst aufgebauten Diamantschleiferei und ein wenig Lederverarbeitung hat Namibias verarbeitende Industrie also praktisch noch immer nicht viel mehr aufzuweisen als etwas Fleisch- und Fischverarbeitung und eine (allerdings sehr gute) Brauerei. Auch das neue Ohorongo- Zementwerk bei Otavi, auf das Namibia große Hoffungen setzt, stellt letztlich auch nur einen relativ einfachen Grundstoff her. Dagegen werden selbst einfachste Konsumwaren des täglichen Bedarfs - sei es eine Plastikschüssel, der Kugelschreiber oder die Büroklammer -  fast ausnahmslos importiert, überwiegend aus Südafrika und China. Von einer eigenen, namibischen Produktion komplexerer Waren mit entsprechend höherer Wertschöpfung (etwa in den Bereichen Maschinenbau, Elektronik, chemische und pharmazeutische Produkte) ist das Land noch immer genauso weit entfernt wie zur Unabhängigkeit 1990.

Der gut gemeinte Versuch, mit Hilfe eines ausländischen Investors (Ramatex) personalintensive Textilindustrie in Windhoek aufzubauen, scheiterte leider schon nach wenigen Jahren kläglich. Der malaysische Investor ging bankrott, brachte aber zuvor noch seine wertvollsten Maschinen außer Landes. Sein Führungsstab setzte sich rechtzeitig ins Ausland ab und hinterließ einen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Scherbenhaufen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich die verarbeitende Industrie Namibias seit der Unabhängigkeit kaum weiterentwickelt hat. Das wenige, was sich in diesem Bereich getan hat, wurde zudem nicht aus dem eigenen Land heraus entwickelt, sondern fast ausschließlich durch Know-How und Geld-Import aus dem Ausland ermöglicht (s. Ohorongo Zement, Ramatex, Diamantschleiferei, Uranminen). 

Für den Aufbau einer (auch auf dem Weltmarkt) konkurrenzfähigen verarbeitenden Industrie fehlen Namibia wesentliche Voraussetzungen. Neben dem notwendigen technischen Know-How und einer 'Unternehmerkultur' mangelt es Namibia auch am notwendigen Kapital, einem aufnahmefähigen Absatzmarkt im eigenen Lande und in der Region und einer guten Anbindung an den Weltmarkt. Weitere Faktoren wie häufige Streiks, Mangel an qualifizierten, motivierten (und disziplinierten) Arbeitskräften und die dadurch im internationalen Vergleich geringe Produktivität machen Namibia für potenzielle Investoren, die verabeitende Industrie aufbauen möchten, nicht sonderlich attraktiv.

Namibia kann hier insbesondere im Vergleich mit aufstrebenden Ländern in Süd- und Südostasien schlichtweg nicht mithalten. Die in der sogenannten 'Vision 2030' vorgebenen Ziele für den Ausbau (oder besser gesagt den Aufbau) einer verarbeitenden Industrie zu einem wesentlichen Pfeiler der namibischen Wirtschaft, erscheint angesicht der immer stärkeren Globalisierung und der starken internationalen Konkurrenz auf den Weltmärkten wenig realistisch.

Tertiärer Sektor

Im tertiären Sektor gibt es Licht und Schatten. Der auf den ersten Blick erfreulich hohe Anteil am BIP (knapp 60%) vermittelt ein etwas irreführendes Bild. Ein erheblicher Anteil des tertiären Sektors wird nämlich durch eine inzwischen deutlich überdimensionierte öffentliche Verwaltung produziert. Deren Dienstleistungen tragen zwar zum BIP bei, erzeugen aber keinen ,handelbaren' Mehrwert für das Land. Auch könnten die meisten dieser Dienstleistungen problemlos effizienter und mit weit weniger Personal erbracht werden, vorausgesetzt dieses Personal wäre besser ausgebildet, besser ausgerüstet, besser motiviert und besser bezahlt. Der öffentliche Dienst und die halbstaatlichen sogenannten 'state-owned enterprises' sind auch in Namibia weit über das notwendige Maß hinaus personell aufgebläht und - bis auf wenige Ausnahmen - entsprechend träge und ineffizient.

Erhebliche Probleme gibt es vor allem immer wieder mit den über 70 staatseigenen Betrieben (auch als "Parastatals" oder "state-owned-enterprises" (SOEs) bezeichnet). Regelmäßig negative Schlagzeilen macht u.a. der National Carrier Air Namibia. Air Namibia hätte im Juni 2014 fast seine Airline-Lizenz verloren, weil versäumt wurde, diese rechtzeitig zu verlängern bzw. die entsprechenden Auflagen der Genehmigungsbehörde zu erfüllen. Gleichzeitig liefern sich Aufsichtsrat und Management erbitterte Grabenkämpfe. Aber auch die Nachrichtenagentur Nampa, die staatliche TV- und Rundfunkanstalt NBC, die staatliche Eisenbahngesellschaft TransNamib, und vor allem die University of Namibia (UNAM) sind immer wieder wegen Missmanagement, Korruption, Inkompetenz und personellen Querelen in den Schlagzeilen. Inzwischen ist aber auch der bisher sehr langmütigen Regierung der Kragen geplatzt, die Parastatals sollen ab sofort erheblich kürzer an die Leine genommen werden und müssen nun jährlich detaillierte Rechenschaftsberichte vorlegen.

Positive Ausnahmen gibt es bei den Parastatals nur wenige. Erwähnt seien hier vor allem die sehr professionell arbeitende Bank of Namibia, die University of Science and Technology (NUST, bis September 2015 Polytechnic of Namibia), die Namibia Statistics Agency (NSA) und der staatliche Wassermonopolist NamWater.

Eine Erfolgsstory ist hingegen die Entwicklung des Tourismus, zumindest im Privatsektor. (Das halbstaatliche Unternehmen Namibia Wildlife Ressort (NWR), das die Serviceeinrichtungen und Unterkünfte der namibischen Nationalparks managt, hat leider ähnliche Management- und Effizienzprobleme wie die oben erwähnten anderen Parastatals).

Die Anzahl der Touristenankünfte sind seit der Unabhängigkeit in (fast) jedem Jahr gestiegen, von knapp über 200.000 im Jahr 1991 über 600.000 im Jahr 1998, 778.000 im Jahr 2005 und schließlich 1,027 Millionen im Jahr 2011. Dies ist ein Zuwachs von über 500 Prozent seit 1991 und von 32 Prozent für den Zeitraum 2005 bis 2011.

Alles in allem hat sich der Tourismus in Namibia, der ganz wesentlich von der Privatwirtschaft getragen wird,  nach der Unabhängigkeit zu einem hochprofessionell gemanagten Wirtschaftsfaktor entwickelt, der weltweit keinen Vergleich zu scheuen braucht. Der Tourismus trägt nicht nur zunehmend zum BIP bei, sondern schafft auch viele Arbeitsplätze. 2011 betrug der direkte Beitrag zum BIP 3,57 Mrd. N$ bzw. ca. 4,4%, der Gesamtbeitrag (inkl. aller indirekten Effekte) lag gar bei beeindruckenden 16,68 Mrd. N$ (20,3% des BIP).

Makroökonomisch gesehen ist die Tourismusindustrie damit neben dem Bergbau und der Fischerei inzwischen der dritte wichtige Faktor für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes und eine der wichtigsten Devisenquellen. In der neuesten Auflage (2014) von Robin Sherbournes "Guide to the Namibian Economy" wird der direkte Beitrag des Tourismus zum BIP Namibias für 2009 mit 3,8 Prozent angegeben, und der direkte und indirekte Beitrag addieren sich auf stolze 14 Prozent des BIP. Dies entsprach (für 2009) 3,1 Milliarden Namibia-Dollar beziehungsweise 11,5 Milliarden Namibia-Dollar. Die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus ist also deutlich größer, als der relativ gering erscheinende Anteil der direkten Einnahmen zunächst vermuten lässt.

Der Tourismussektor bietet gegenwärtig 29.500 direkte Arbeitsplätze und insgesamt sogar ca. 116.000 Jobs, wenn man die indirekten Beschäftigungseffekte mit einbezieht. Dies entspricht 6,8% bzw. 27,1% aller Arbeitsplätze. Für 2012 wird ein Wachstum von 8,4% (direkter Anteil) bzw. 6,3% (gesamt inkl. indirekter Effekte) vorausgesagt. Die Wachstumsraten für 2013 bis 2022 werden gegenwärtig auf 10% (Tourismus direkt) bzw. 8,3% (insgesamt) pro Jahr geschätzt. Damit hat Namibia eine der schnellstwachsenden Tourismusindustrien weltweit.

Anders als Bergbau und Fischerei, die nur in relativ geringem Umfang Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung schaffen, ist die Tourismusindustrie zudem beschäftigungsintensiv. Abgesehen von der Landwirtschaft, ist sie der einzige Wirtschaftssektor, der in größerem Umfang Arbeitsplätze bietet (und dabei noch weiter wächst), auch für nur mittel- und geringqualifizierte Arbeitnehmer.

"Der Tourismussektor bietet gegenwärtig 29.500 ,direkte' Arbeitsplätze und 116.000 Jobs, wenn man die indirekten Beschäftigungseffekte mit einbezieht. Dies entspricht 6,8% bzw. 27,1% aller Arbeitsplätze." (Christiansen 2012b, zit. Zahlen aus WTTC 2012) Damit hängt in Namibia laut Sherbourne (2014) inzwischen also jeder vierte der etwa 460.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft direkt oder indirekt vom Tourismus ab!

Grundlage dieses Erfolgs war und ist die unternehmerische Initiative der vielen kleinen Firmen, die Namibias Tourismussektor kennzeichnen. Eine enorme Bandbreite an Lodges, Gäste- und Jagdfarmen, Reiseveranstaltern, spezialisierten Autovermietern u.a.m. bedient innovativ und flexibel die verschiedenen Zielgruppen mit maßgeschneiderten Angeboten. Eine weitere Grundlage des Erfolgs ist die Entwicklung und Umsetzung des 'Conservancy'-Konzeptes (Hegegebiete) und der darauf basierenden Community Based Natural Resource Management Strategie (CBNRM). Mit CBNRM hat Namibia neue Wege beschritten und ein international wegweisendes Tourismuskonzept geschaffen und erfolgreich umgesetzt.

Von der 2004 in der 'Vision 2030' als nationalem Ziel ausgegebenen „Umwandlung in eine wissensbasierte Gesellschaft" mit Schwerpunkt auf IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) ist hingegen auch nach acht Jahren sehr wenig zu sehen. In Namibia gibt es bisher (von einigen kleinen EDV-Dienstleistern abgesehen) nicht einmal Vorstufen für den kommerziellen Einstieg in den IKT-Bereich (z.B. Dateneingabe /-verarbeitung, Call-Center, Montage von Elektronikkomponenten), von international konkurrenzfähiger Hard- und Softwareproduktion ganz zu schweigen.

Positiv anzumerken ist, dass im IKT-Bereich zumindest die technischen Rahmenbedingungen ständig verbessert wurden. Der Auf- und Ausbau der Telekommunikation und Datennetze geht zügig voran und im Ausbildungsbereich wird durch neue IKT-Studiengänge wichtiges Know-How aufgebaut.

Wirtschaftsprobleme

Die Kopplung der namibischen Währung (namibischer Dollar (N$)) an den südafrikanischen Rand im Verhältnis 1 : 1 und die Akzeptanz des Rand als zweites Zahlungsmittel war eine kluge Entscheidung, da dies den Handel sowie Importe und Exporte erheblich vereinfacht. Die immer noch (relativ) geringe Staatsverschuldung, die für afrikanische Verhältnisse hohe politische Stabilität und Rechtssicherheit, inklusive einer ausgesprochen freien Presse sowie die gut entwickelte Infrastruktur (Verkehrsnetz, Telekommunikation, leistungsfähiger Tiefseehafen) sind weitere positive Faktoren für die namibische Wirtschaft.

Allerdings weist Namibias Wirtschaft auch gravierende Schwächen auf. Dies sind neben der starken wirtschaftlichen Abhängigkeit vom ‘großen Bruder’ Südafrika die Abhängigkeit von Bergbau und Tourismus, die geringe Arbeitsproduktivität breiter Bevölkerungsschichten und die hohe Arbeitslosigkeit bzw. Unterbeschäftigung. Die hohe Arbeitslosigkeit resultiert vor allem aus dem Umstand, dass innerhalb des sekundären Sektors die verarbeitende Industrie kaum entwickelt ist. Nur wenig wird im Lande selbst hergestellt oder zumindest weiterverarbeitet. In Namibia hört man daher häufig zu Recht die sehr selbstkritische Einschätzung, die Namibias Problem auf den Punkt bringt: "We produce what we don't consume and we consume what we don't produce!"

Dementsprechend wenige Arbeitsplätze gibt es in der verarbeitenden Industrie, insbesondere für Geringqualifizierte. Gleichzeitig müssen zusätzlich zum Großteil der Nahrungsmittel auch fast alle Investitions- und Konsumgüter importiert werden. Als eine möglliche Maßnahme zur Minderung der Armut und zur gleichzeitigen Schaffung von Kaufkraft wurde auch mit dem Instrument des Basic Income Grants (BIG)  (Bedingungsloses Grundeinkommen) experimentiert. Das sogenannte BIG ist in Namibia ein extrem kontrovers diskutiertes Thema. Während die Befürworter die landesweite Einführung eines BIG vehement promoten, gibt es auf der anderen Seite auch recht kritische Stimmen, die BIG aus verschiedenen Gründen nicht für ein geeignetes Instrument zur Armutsbekämpfung halten.

Für die Produktion und den Absatz namibischer Produkte ist sicher auch der ausgesprochen kleine Binnenmarkt und der ebenfalls recht begrenzte regionale Markt ein erheblicher Nachteil. Namibia hat nun mal nur ca. 2,2 Mio. Einwohner und von diesen verfügt nur ein sehr kleiner Teil (vielleicht 100.000 bis 200,000?) über höhere Einkommen und eine entsprechende Kaufkraft. 

Auch die Nachbarländer bieten (bzw. böten) für namibische Produkte (von Fleischexporten einmal abgesehen) nur sehr begrenztes Marktpotential. Botswana hat selbst nur eine kleine Bevölkerung und Südafrika produziert die meisten Produkte (inkl. Lebensmittel) i.d.R. deutlich billiger als dies Namibia kann bzw. könnte. So bleibt eigentlich nur Angola als Absatzmarkt, das sich durch seine Petro-Dollars in den letzten Jahren zu einem zunehmend kaufkräftigeren 'Kunden' entwickelt.

Auf Grund seiner hohen Exportquote (US$ 4,626 Mrd., CIA World Factbook Schätzung für 2014) konnte Namibia diese Schwächen bis vor einigen Jahren noch einigermaßen kompensieren. Inzwischen gibt Namibia schon seit einigen Jahren allerdings zunehmend mehr aus, als es einnimmt. Betrug der Handelsüberschuss 2009 noch ca. US$ 180 Mill,  ist die Handelsbilanz mit US$ 2,73 (CIA World Factbook Schätzung für 2014) inzwischen deutlich negativ. Seit Mitte 2015 wirkt sich zudem der deutlich schwächer gewordene Kurs des südafrikanischen Rand (an den der Namibia-Dollar ja im Verhältnis 1 : 1 gekoppelt ist) zunehmend negativ aus, da der schwache Wechselkurs die sowieso schon hohen Importkosten noch einmal deutlich erhöht.

Neben Uran und Diamanten werden vor allem Fleisch und Fisch exportiert, teils in die Nachbarländer, teils nach Europa (vor allem nach Spanien, Großbritannien und Deutschland) sowie nach Japan.

Eingeführt werden vor allem Maschinen, Autos, Nahrungsmittel sowie Erdöl und Erdölprodukte. Die meisten Importe kommen aus Südafrika, vieles auch aus Europa, USA und Japan. Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern gewinnt auch in Namibias Wirtschaft China zunehmend an Einfluss.

Ein seit der Unabhängigkeit schwelendes Problem ist die Landreform in den kommerziellen Farmgebieten. Ein Großteil der im Schnitt ca. 5.000 ha großen Farmen, die in erster Linie für extensive Viehzucht genutzt werden, ist noch immer überwiegend im Besitz weißer Farmer, von denen wiederum ein Großteil deutschstämmige Namibier sind. Ein Umverteilung zugunsten schwarzer Namibier findet seit Mitte der 90er Jahre im Rahmen des sogenannten "National Resettlement Programmes" und des "Affirmative Action Loan Scheme Programms" statt. Die Ergebnisse beider Programme - insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftliche Produktivität der Farmen - sind jedoch bisher sehr enttäuschend.

Wirtschaftliches Entwicklungspotenzial

Das Bild verdeutlicht den strategischen Lagevorteil von Walvis Bay. Für aus Europa oder Nordamerika kommende Schiffe mit Fracht für das südliche Afrika ist Walvis Bay der nächstgelegene Hafen.
Strategischer Lagevorteil von Walvis Bay (abfotografiert aus einer Präsentation von NamPort). Foto © T. Christiansen
Von Walvis Bay aus sind alle Länder im südlichen Afrika gut und schnell zu erreichen, auch wegen der sehr guten Straßen in Namibia und des geringen Verkehrsaufkommens.
Strategischer Lagevorteil von Walvis Bay (abfotografiert aus einer Präsentation von NamPort). Foto © T. Christiansen
Der Hafen Walvis Bay verfügt über modernste Lade-/Entladeanlagen und State-of the-Art Logistiksysteme. Er gilt als einer der effizientesten Häfen Afrikas.
Überblick über den Containerhafen von Walvis Bay (abfotografiert aus einer Präsentation von NamPort). Foto © T. Christiansen

Schaut man sich Namibia im Hinblick auf mögliche Entwicklungspotenziale an, so kommt man – wenn man realistisch ist - zu einer recht begrenzten Anzahl an Optionen.

Im tertiären Sektor bietet, neben dem weiteren Ausbau des Tourismus, vor allem der Logistikbereich noch erhebliches Potenzial. Der strategische Lagevorteil von Walvis Bay als Im- und Export Drehscheibe für den Warenumschlag der 'land-locked' Nachbarländer (Sambia, Simbabwe, Botswana) wird bereits seit längerem systematisch ausgebaut und insbesondere von der eigens hierzu gegründeten Walvis Bay Corridor Group (WBCG) offensiv vermarktet. Walvis Bay hat sich durch diese konsequente Weiterentwicklung und ein professionelles Management zu einem der besten und effizientesten Häfen in ganz Afrika entwickelt.

Kürzere Transportzeiten (als z.B. nach Kapstadt und Durban) bei Fracht von und nach Europa und den USA, kurze Umschlagszeiten (12 – 15 Stunden für Containerschiffe, 24 – 48 Stunden für Massengutfrachter), die Einrichtung von 'Trockenhäfen' für die Nachbarländer und eine gut ausgebaute Straßenanbindung ins afrikanische Hinterland (via Trans-Caprivi und Trans-Kalahari Highway) machen den Hafen zu einem logistischen 'Hot Spot' für das gesamte südliche Afrika.

Walvis Bay Harbour steigert seinen Frachtumschlag Jahr für Jahr um ca. 10 - 12%. Das größte verbliebene Hindernis für einen noch schnelleren Warentransport nach Sambia, Simbabwe und Botswana sind die (zurzeit noch) zeitraubenden Grenzkontrollen.

Eine weitere große Chance – die Nutzung von Wind- und Solarenergie – wurde leider (bis vor kurzem) völlig verschlafen. Während das regnerische Deutschland mit seinen gerade mal 1550 Sonnenstunden pro Jahr in den letzten Jahren mit Photovoltaik-Anlagen regelrecht ‚vollgepflastert‘ wurde, ist von einer großangelegten, systematischen Nutzung der Sonnen- und Windenergie in Namibia (noch) wenig zu sehen, obwohl das Land hierfür ideale Bedingungen bietet. 

Stattdessen wurde mit dem Anixas Kraftwerk (22,5 MW) bei Walvis Bay vor kurzem ein Dieselkraftwerk neu gebaut. Zwischenzeitlich war ein Kohlekraftwerk bei Brandys mit einer Leistung von bis zu 800 MW im Gespräch und selbst Pläne für ein Atomkraftwerk werden in Regierungskreisen immer mal wieder diskutiert.

Erst in den allerletzten Jahren scheinen die politischen Entscheidungsträger und auch der namibische Strommonopolist NamPower allmählich umzudenken und machen nun endlich das, was man vor 10 Jahren hätte tun sollen. Seit 2015 sind nun eine Reihe kleinerer Solarkraftwerke gebaut worden bzw. sind zurzeit im Bau:

  • InnoSun Omburu (bei Omaruru, Photovoltaik, 4,5 MW)
  • HopSol Solarpark Otjiwarongo (bei Otjiwarongo, Photovoltaik, 5 MW)
  • Otjozondjupa Solar Park (bei Grootfontein, Photovoltaik, 5 MW)
  • Greenam  Keetmanshoop (bei Keetmanshoop, Solar, 10 MW)
  • Greenam Mariental (bei Mariental, Solar, 10 MW)
  • Osona Plant (bie Okahandja, Solar, 5 MW)
  • Alten Renewable Hardap (bei Marinetal, klar, 35 MW)
  • Trekkopje Solar Project (bei Arandis, Solar, 5 MW)

Bei all diesen Projekten handelt es sich aber noch immer nur um relativ kleine Anlage, die nur einen geringen Teil des wachsenden namibischen Strombedarfs decken werden. Inzwischen gibt es nun aber auch konkrete Pläne und Bauvorhaben für deutlich größere Solar- und Windkraftanlagen mit Kapazitäten von bis zu 300 MW pro Anlage, darunter ein Windpark bei Lüderitz. Wie viele dieser Projekte dann aber tatsächlich auch umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. 

Die Landwirtschaft Namibias bietet hingegen nur noch sehr begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten. Im Großen und Ganzen erscheint das infolge des Klimas sowieso nur begrenzte landwirtschaftliche Potenzial Namibias zumindest in den 'Commercial Lands' weitgehend ausgereizt. Die (zumindest potenziell) bewässerbare landwirtschaftliche Fläche ist mit etwa 47.000 ha ausgesprochen begrenzt. Im Jahr 2010 betrug die tatsächlich bewässerte Fläche lediglich ca. 9.000 ha. Dies entspricht gerade mal 90 km² bzw. einer Fläche von 10 x 9 km. Der zurzeit im Bau befindliche Neckartaldamm bei Keetmanshoop wird noch etwas zusätzlichen Bewässerungsanbau ermöglichen und in den kommunalen Gebieten gibt es sicher noch einiges Intensivierungspotenzial für die Viehzucht, aber damit scheint das Potenzial der namibischen Landwirtschaft dann auch ausgeschöpft.

Die im Augenblick an der Küste beginnende Ausweitung des Uranabbaus wird - vorausgesetzt die Pläne werden trotz des zurzeit fallenden Uranpreises wie geplant umgesetzt - zu einem zeitlich begrenzten Wirtschaftsboom führen, aber dieser wird nach spätestens 20 – 30 Jahren beendet sein.

Vor der Küste von Süd-Namibia wurden schon vor vielen Jahren mit der Entdeckung des Kudu Gasfeldes erhebliche Gasvorkommen nachgewiesen, aber bisher wurden diese noch immer nicht genutzt. Seit Jahren wird immer wieder neu diskutiert, wie das Gasvorkommen am besten zu nutzen sei. Die zurzeit wahrscheinlichste Option scheint die Verstromung des Gasvorkommens durch ein noch zu bauendes Gaskraftwerk bei Oranjemund zu sein.

Auch umfangreiche Ölvorkommen werden vor der Küste vermutet, konnten aber bisher trotz vielversprechender Prospektionsergebnisse noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Definitiv nachgewiesen sind hingegen Off-Shore-Phosphat-Vorkommen. Die Ausbeutung der Phosphatlager am Meeresgrund durch die Firma Namibia Marine Phosphate ist bereits beantragt. Eine erste, vor kurzem gegen erhebliche Widerstände im Lande (insbesondere von Umweltexperten und des Fischereiministeriums) erteilte Abbaugenehmigung für zunächst drei Jahre wurde inzwischen wieder (vorerst) zurückgezogen. All diese Projekte im primären Sektor sind jedoch nicht nachhaltig, da über kurz oder lang die Vorräte erschöpft sein werden.

Im sekundären Sektor ist das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial gering. Angesichts der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung in Ländern wie Indien, China, Südkorea oder Brasilien wird es Namibia schwer haben, in absehbarer Zeit neue, zusätzliche verarbeitende Industrien aufzubauen, die zum einen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind und die zum anderen neue Produkte erzeugen, deren Komplexität und Wertschöpfung über die zurzeit bestehende Produktion von Fleisch- und Fischkonserven, Bier und Zement hinausgeht.

Für den Aufbau von klassischen Industrien mit hoher Wertschöpfung (z.B. Elektronik, Maschinenbau, Chemie / Pharmazie etc.) fehlt dem Land die dazu notwendige 'kritische Masse' an Erfahrung, Know-How, Fachkräften, Forschungskapazitäten, aber auch an Kapital.

Entwicklungspolitik

Die Abbildung zeigt, dass die USA und Deutschland bislang die mit Abstand größten Geberländer waren, seit 2004 haben die USA Deutschland als größten Geber abgelöst.
Bilaterale Entwicklungshilfe an Namibia 1990 - 2008 (€). © T. Christiansen
Rechnet man die Zuwendungen in pro-Kopf Zahlen um, wird deutlich, dass Namibia aufgrund seiner relativ geringen Einwohnerzahl sehr hohe Zuwendungen erhält.
Per Capita Entwicklungshilfe an Namibia 1990 - 2008 (€). © T. Christiansen

Wie eine Auswertung von Weltbank-Daten (s. Abb.) zeigt, hat Namibia zwischen 1990 und 2008 allein an bilateraler Entwicklungshilfe (OECD-Länder plus Europäische Gemeinschaft) im Durchschnitt etwa 95 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Hinzu kommen noch Zuwendungen der Weltbank und verschiedener UN-Organisationen sowie Unterstützung durch nicht der OECD angehörige Länder, wie zum Beispiel China.

Umgerechnet auf die jeweilige Bevölkerungszahl, erhielt Namibia zwischen 1990 und 2008 insgesamt (also bilaterale Hilfe plus UN-Organisationen) etwa 64 € (ca. 640 N$) Entwicklungshilfe pro Kopf und Jahr. Das Maximum der Zuwendungen (87 € pro Person/Jahr) wurde 1991 erreicht, also direkt nach der Unabhängigkeit, das Minimum betrug 42 € pro Person/Jahr (2002). (Anmerkung: Die oben angegebenen Umrechnungen von € in N$ basieren auf dem damaligen mittleren Wechselkurs von 1 : 10).

Die Gesamtsumme aller bi-und multilateralen Zuwendungen lässt sich nur schätzen, da die verfügbaren Zahlen unvollständig sind. Auf Basis der ausgewerteten Daten lässt sich jedoch hochrechnen, dass Namibia zwischen 1990 und 2008 deutlich über zwei Milliarden Euro (N$ 20 Milliarden) an Entwicklungshilfe erhalten hat. Umgerechnet sind dies etwa € 900 (N$ 9.000) pro Kopf der gegenwärtig etwa 2,1 Millionen Namibier.

Hinzu kamen dann nach 2008 weitere hohe Zuwendungen, insbesondere durch das zwischen 2010 und 2014 implementierte Millennium Challenge Account (MCA) Programm der Amerikaner. Das MCA-Programm umfasste Investitionen in Höhe von US$ 304,5 Millionen (ca. € 230  Millionen bzw. N$ 2,3 Milliarden). Das Programm investierte in zahlreiche Projekte der Bereiche Bildung, Landwirtschaft und Tourismusförderung. Darüber engagieren sich die Amerikaner bzw. deren staatliche Entwicklungshilfeorganisation USAID in Namibia vor allem auch sehr stark im Kampf gegen HIV/Aids.

Die meisten großen bilateralen und multilateralen Geberorganisationen sind in Windhoek vertreten, u.a. natürlich die UN mit dem United Nations Development Programme (UNDP) und dem United Nations Information Centre Windhoek und die Europäische Union, die in Windhoek eine eigene EU-Vertretung mit einer eigenen Botschafterin hat. Auch die Weltbank ist in Namibia aktiv, hat aber dort keine eigene Filiale. Die Aktivitäten der Weltbank werden über das Weltbankbüro in Südafrika verwaltet und gesteuert. Schließlich ist natürlich auch die Afrikanische Entwicklungsbank (ADB) an Projekten bzw. Projektfinanzierungen in Namibia beteiligt. Die Namibia-Aktivitäten der ADB in den letzten Jahren fasst das ADB Namibia Country Strategy Paper 2009 - 2013 zusammen.

Umfang und Ausrichtung der deutschen Entwicklungshilfe in Namibia haben sich im Laufe der Jahre immer mal wieder etwas geändert. Derzeit liegt der Schwerpunkt der deutschen Technischen Zusammenarbeit mit Namibia auf den drei Bereichen Management natürlicher Ressourcen (inkl. Landreform), Transport sowie Wirtschaftsförderung. Darüber hinaus werden verschiedene Vorhaben im Bereich Grundbildung und Gesundheit (auch HIV/AIDS) gefördert. Für 2016 / 2017 wurden von Deutschland insgesamt weitere EUR 72 Mill. an TZ- und FZ-Mitteln zugesagt.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Namibia, die durch das BMZ koordiniert wird, ist in Namibia mit zahlreichen unterschiedlichen Organisationen vertreten. Neben der GIZ (inklusive CIM) und der KfW sind hier vor allem die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sowie die verschiedenen politische Stiftungen zu erwähnen. Von den parteinahen Stiftungen sind in Windhoek drei mit einem eigenem Büro vertreten:

Auch die Bundeswehr unterstützt Namibia, vor allem durch Berater und Sachmittel, vor allem in den Bereichen Ausbildung und Logistik.

Schließlich finanzieren auch Spanien und Frankreich Projekte in Namibia. Frankreich ist darüber hinaus in Windhoek mit einem großen Kulturzentrum präsent (Franco Namibian Cultural Centre (FNCC)). Die skandinavischen Länder (speziell Schweden) sowie Luxemburg waren bis vor einigen Jahren in Namibia ebenfalls sehr aktiv, haben ihre Entwicklungshilfe aber inzwischen sukzessive eingestellt, da Namibia inzwischen als Upper Middle Income Country eingestuft ist. (Mancher namibischer Politiker (wie z.B. Präsident Hage Geingob) ist von dieser Höhereinstufung nicht gerade begeistert, da dadurch einige der Geldtöpfe der Geberländer Namibia keine Mittel mehr zur Verfügung stellen.)

Zu den Mitteln westlicher Geberländer kommen in zunehmendem Maße Gelder aus China. China hat seine Präsenz in Namibia durch den Bezug seines neuen, drei Hektar großen Botschaftsgeländes im Stadtteil Ludwigsdorf demonstrativ verstärkt und damit deutlich gemacht, dass es beabsichtigt, seinen Einfluss im Lande weiter auszubauen. Fast alle große Bauprojekten der Regierung (z.B. Ausbau des Flughafens und Hafens von Walvis Bay, der Ausbau des internationalen Flughafens usw.) sind inzwischen fest in Hand chinesischer Firmen. Dabei werden diese Geschäfte chinesischer Privatfirmen häufig durch begleitende (und mit bestimmten Bedingungen verbundene) Soft-Loans der chinesischen Regierung tatkräftig 'unterstützt'.

Die wesentlichen Leitlinien der namibischen Entwicklung sind - neben den international allgemein akzeptierten Zielvorgaben der Millennium Development Goals (MDGs) bzw. seit 2015 die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) - vor allem die von Altpräsident Sam Nujoma Anfang des neuen Jahrtausends initiierte 'Vision 2030' und die darauf aufbauenden Fünf-Jahrespläne der National Planning Commission (NPC). Der vierte National Development Plan (NDP4) wurde im Juli 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt, gegenwärtig wird bereits intensiv am NDP5 gearbeitet. Bei der Zielerreichung der MDGs liegt Namibia laut Daten von TAC Economics Anfang 2016 bei insgesamt 42% und ist damit für fünf der acht MDG-Hauptziele "on track for 2020".

Aktuelle Entwicklungen

Wirtschaftsthemen und kontrovers diskutierte Projekte

In den Wirtschaftsteilen der namibischen Zeitungen ging es 2016 vor allem um die sich verschlechternde gesamtwirtschaftliche Lage Namibias, die seit Jahren anhaltende Dürre, die drohenden Deckungslücken bei der Wasser- und Stromversorgung und die verschiedenen geplanten (oder diskutierten) Projekte an der Küste, sowie - insbesondere in der zweiten Jahreshälfte- um das kontrovers diskutierte NEEEF-Vorhaben.

Insbesondere NEEEF, das sogenannte New Equity Economic Empowerment Framework, verunsichert namibische Geschäftsleute wie (potenzielle) ausländische Investoren gleichermaßen. Wird NEEEF in der jetzt als 'Bill' (Gesetzesentwurf) eingebrachten Form 2017 als Gesetz verabschiedet, würde dies bedeuten, dass alle weißen Inhaber eines Betriebs bzw. Firma 25% ihrer Firmenanteile an einen schwarzen (namibischen) Partner verkaufen müssten.

Die zurzeit bestehende Unsicherheit bzgl. des geplanten neuen Gesetzes beeinträchtigt Namibias Wettbewerbsfähigkeit als Investitionsstandort erheblich und lässt potenzielle Investoren (einheimische wie ausländische) zunächst zurückhaltend agieren. Auf einer im November 2016 in Windhoek abgehaltenen Investitionskonferenz bekräftigte Präsident Hage Geingob noch einmal, dass die Regierung an NEEEF festhalte.

Neben NEEEF standen und stehen zur Zeit (Dezember 2016) vor allem folgende Themen im Fokus:

Auf Grund der sehr geringen Niederschläge 2014, 2015 und auch 2016, droht inbesondere Windhoek das Wasser auszugehen. Der Wasserstand in den namibischen Stauseen ist inzwischen bedrohlich gesunken. Wenn die Stauseen kein Wasser mehr liefern können, kann Windhoek zur Wasserversorgung dann irgendwann fast nur noch nur noch auf Grundwasser und Recyclingwasser zurückgreifen.

Die Stadt Windhoek hat nun die Notbremse gezogen und drastische Wassersparmaßnahmen eingeleitet und hofft nun, dass durch eine gute Regensaison (November 2016 - ca. März / April 2017) die Staudämme wenigstens zum Teil wieder aufgefüllt werden. Als langfristige Maßnahmen werden Fernwasserleitungen bis an die Küste (Meerwasserentsalzung) und in den Norden (Wasser vom Okavango) diskutiert. Auch bei der Wasserinfrastruktur gibt es auf Grund mangelnder Inventionen und Wartungsrückstände erheblichen Handlungsbedarf.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2017 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Thomas Christiansen, Geograph, Akademischer Rat am Institut für Geographie der JLU Gießen. Langjährige EZ/TZ-Erfahrung in Afrika, Naher Osten, Süd- und Südostasien. Seit 2010 Landestrainer für Namibia an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ). Arbeitet seit April 2014 als Integrierte Fachkraft (CIM) als Professor für Geo-Spatial Sciences and Technology an der Namibia University of Sciences and Technology in Windhoek.

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