Rössing Mine bei Arandis © Thomas Christiansen
BIP (PPP, geschätzt)
US$ 25,96 Mrd. (2016)
Pro Kopf Einkommen (PPP, geschätzt)
US$ 11.300 (2016)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 125 (von 188) (2016)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
28,7 % (2010)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
59,7 (Rang 6 von 141) (2010)
Wirtschaftllicher Transformationsindex (BTI)
Rang 68 (von 129) (2018)

Wirtschaftsgeographischer Überblick

Die Karte verdeutlicht die Entwicklungsachsen und die drei Wachstumszentren Namibias. In den nächsten 15 Jahren wird sich voraussichlich vor allem das 'Urandreieck' an der Westküste Namibias außerordentlich dynamisch entwickeln.
Wirtschaftszentren, Entwicklungsachsen, wichtige Ressourcen und Projekte. © T. Christiansen, Nadine Liebich, Lisett Diehl, Institut für Geographie der Justus-Liebig-Universität Gieße
In der Verarbeitungsanlage der Rössing Mine wird das im Tagebau gewonnene uranhaltige Gestein zunächst schrittweise zerkleinert. Anschließend wird das Uran nach und nach mit Säuren aus dem Gestein extrahiert.
Anlage zur Verarbeitung von uranhaltigem Gestein in der Rössing-Mine bei Arandis. © T. Christiansen
Die etwa 85 km östlich von Swakopmund gelegene Mine 'Langer Heinrich' ist die zweite bereits voll operationelle Uranmine Namibias. Die Mine nahm 2007 den Betrieb auf. Haupteigner ist australische Bergbaukonzern Paladin Energy Ldt.
Logo der Mine Langer Heinrich. © T. Christiansen
Die nahe Arandis gelegene Rössing Mine ist die älteste Uranmine in Namibia, sie produziert bereits seit 1976. Haupteigner der Mine ist der global operierende anglo-australische Rohstoffkonzern Rio Tinto.
Logo der Rössing-Mine.© T. Christiansen

Die wirtschaftsgeographische Karte zeigt in etwas vereinfachter Form die räumliche Verteilung verschiedener, wirtschaftlich relevanter Entwicklungen und Projekte in Namibia sowie die Wachstumspole und Entwicklungsachsen des Landes.

Einige der abgebildeten Projekte sind bereits implementiert, andere sind im Bau (z.B. der Neckartaldamm bei Keetmanshoop), wieder andere Projekte werden zurzeit diskutiert. Die eingezeichneten Offshore-Ressourcen (bzw. vermuteten Ressourcen) an Öl und Gas erheben keinen Anspruch auf geographische Lagegenauigkeit, sie dienen lediglich zur Abrundung des Gesamtbildes der wirtschaftlichen Situation Namibias.

Aus der Hauptkarte wird deutlich, dass sich Namibias Wirtschaft auf drei Regionen konzentriert:

  • das Gebiet um Windhoek, das sich wirtschaftlich vor allem nordwärts Richtung Okahandja und ostwärts Richtung Flughafen entwickelt,
  • das 'Uran-Dreieck' an der Westküste zwischen Walvis Bay & Swakopmund, Henties Bay und Arandis, Namibias (potentielle) Boom-Region (abhängig von einer Erholung des Weltmarktpreises für Uran) und
  • das sogenannte 'Otavi-Dreieck' zwischen Tsumeb, Grootfontein und Otavi, das neben seiner landwirtschaflichen Gunstlage zunehmend auch zu einem industriellen Entwicklungsschwerpunkt wird.

Windhoek, Okahandja und das 'Otavi-Dreieck'

Windhoek ist schon aufgrund seiner Größe (laut 2011 Census ca. 325.000 E., aktuell (April 2018) etwa 410,000  E. (geschätzt bzw. hochgerechnet auf der Basis der 2011er Census-Daten) nach wie vor das unangefochtene wirtschaftliche Zentrum des Landes. Die meisten größeren Firmen, Organisationen, Banken etc. haben hier ihren Hauptsitz.

Mit dem gegenwärtigen Ausbau der B1 Teilstrecke von Windhoek nach Okahandja zur ersten Autobahn Namibias, wird sich die Wachstumsdynamik Richtung Norden weiter verstärken. Davon dürfte mittelfristig insbesondere Okahandja stark profitieren, da es an der Schnittstelle der zwei Hauptverkehrsadern des Landes liegt, der B1 Richtung Norden und der B2 Richtung Swakopmund und Walvis Bay.

Weiter im Norden des Landes entwickelt sich das Otavi-Dreieck zu einem weiteren Wachstumspol. Günstige landwirtschaftliche Bedingungen aufgrund relativ hoher Niederschläge in diesem Gebiet, Erzverarbeitung in Tsumeb, der Armeestützpunkt in Grootfontein und das große Ohorongo Zementwerk nahe Otavi haben hier die notwendige kritische Masse für weiteres Wirtschaftswachstum geschaffen.

Der Uranium-Rush an der Küste

Im Uran-Dreieck profitiert Walvis Bay sowohl vom Ausbau der Uranförderung an der Küste (speziell durch die 2016 eröffnete Husab-Mine) als auch von seiner Funktion als ‚Cargo Hub' für Zambia, Zimbabwe und Botswana. Sollte es irgendwann doch noch zu Offshore-Gas- und Ölförderung kommen sowie zum seit vielen Jahren kontrovers diskutierten aber bisher (zum Glück) noch immer nicht umgesetzten Phosphatabbau vor der Küste, wird auch hiervon insbesondere Walvis Bay profitieren.

Um 2010/12 herum erwartete man für das Uran-Dreieck an der Küste (s. Detailkarte) einen riesigen Wirtschaftsboom durch  mehrere neue Uranminen (zusätzlich zu den bereits produzierenden Minen Rössing (Rio Tinto Ltd.) und Langer Heinrich (Paladin Energy Ltd. und seit 2016 auch Husab).

Die riesige Husab-Mine und mehrere weitere Minen waren damals in der Planung und z.T. auch schon im Bau. Laut Zeitungsberichten war das Husab-Projekt zu diesem Zeitpunkt das größte Bergbauprojekt Afrikas. Die für kurze Zeit im Pilotbetrieb gelaufene Trekkopje-Mine des französischen Areva-Konzerns wurde zu der Zeit  ebenfalls gerade fertiggestellt. Auf Grund des stark gefallenen Weltmarktpreises für Uran wurden dann allerdings - bis auf den Bau der Husab-Mine - alle weiteren Uranminen-Projekte bis auf Weiteres eingefroren bzw. bewusst verlangsamt.

Dies gilt auch für die Trekkopje-Mine, deren Betrieb nach einem Testlauf von nur wenigen Tagen im Mai 2013 wieder eingestellt und seitdem im Standby-Modus gehalten wird. Nach Presseberichten hatte Areva bis dahin in Bau und Entwicklung der Mine mehr als eine Milliarde Euro investiert, doch eine Wiederaufnahme des Betriebs der Mine ist zurzeit nicht in Sicht. Solange es nicht zu einer (im Augenblick aber nicht absehbaren) Erholung des Weltmarktpreises für Uran von derzeit (April 2018) um die US$ 20 auf mindestens US$ 65 - US$ 80 kommt, muss Areva dieses Investment wohl bis auf Weiteres erst einmal abschreiben.

Wegen der derzeit niedrigen Urannachfrage wurden auch die Pläne für einen großen Industriepark (Gecko Namibia) mit chemischen Fabriken bei Meile 16 nördlich von Swakopmund (zunächst) auf Eis gelegt. Auch dieses Projekt könnte aber bei anziehendem Weltmarktpreis für Uran aber sehr rasch wieder aktuell werden.

Namibias Umweltschützer, die Fischereiindustrie und viele Küstenbewohner sehen die Entwicklungen an der Küste und speziell den Uran-Rausch und den geplanten Phosphatabbau mit großer Sorge. Sie befürchten, dass die Projekte erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensqualität an der Küste haben werden.

Ausgangssituation 1990

Namibias wirtschaftliche Ausgangslage war bei der Unabhängigkeit 1990 deutlich besser als die der meisten anderen afrikanischen Länder, wie folgende Einschätzung von Robin Sherbourne, Namibias renommiertestem Ökonomen, zeigt:

"Yet the reality is Namibia enjoys advantages which many other countries would envy: a long coastline, a great climate, abundant natural resources, stunning landscapes, wonderful infrastructure, low levels of public debt, a functioning and relatively clean civil service, a sophisticated legal and business infrastructure, friendly neighbours, and the goodwill of virtually every other country in the world." (Sherbourne (2010): Guide to the Namibian Economy 2010, S. 8).

Das Zitat bezieht sich zwar auf die Situation von 2010, traf aber auch 1990 schon zu. Die SWAPO-Regierung übernahm bei der Unabhängigkeit ein Land, das – zumindest wirtschaftlich - in einer sehr guten Verfassung war. Durch die knapp 1.600 km lange Küstenlinie hat Namibia Zugriffsrecht auf die Fischvorkommen und Bodenschätze in einer fast 575.000 qkm großen, Exklusiven Wirtschaftszone' (EEZ - Exclusive Economic Zone). Große On-Shore- und Off-Shore-Diamantvorkommen, umfangreiche Ressourcen an Uran und etlichen anderen Bodenschätzen ermöglichten beträchtliche Exporterlöse, die für den Aufbau und die Entwicklung des Landes genutzt werden konnten.

Obendrein machte Südafrika 1994 der noch jungen Republik Namibia mit dem Abtreten der Enklave Walvis Bay ein verspätetes, aber ungeheuer wertvolles nachträgliches Geschenk zur Unabhängigkeit. Mit der Übernahme von Walvis Bay am 28. Feb. 1994 hatte Namibia auf einmal von heute auf morgen einen neuen, gut ausgestatteten und logistisch ideal zur Hauptstadt Windhoek gelegenen Tiefseehafen, der zudem auch noch in unmittelbarer Nähe der großen Uranvorkommen des Landes liegt.

Die landschaftliche Schönheit Namibias und zahlreiche touristische Attraktionen wie Etosha, Sossusvlei, Fish River Canyon, Kaokoveld oder die Skelettküste eröffneten dem Land nach Aufhebung der internationalen Sanktionen ein enormes Potenzial für den Auf- bzw. Ausbau einer hochwertigen und einträglichen Tourismusindustrie. Auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren günstig. Im Jahr 1994 betrug Namibias Pro-Kopf Einkommen das Vierfache des Durchschnittseinkommens im sub-saharischen Afrika und das Land war praktisch schuldenfrei.

Makroökonomische Betrachtung

Die Grafik belegt die (mit Ausnahme weniger Jahre) hohen Wachstumsraten des BIP. Aufgrund der Bevölkerungszunahme ist das BIP/Kopf zwar geringer, aber immer noch zufriedenstellend.
Wachstumsraten des BIP und des BIP/Kopf (in %). © T. Christiansen
Die Inflationsrate hat seit den 90er Jahren tendenziell abgenommen und bewegt sich (mit Ausnahme des Sonderfalls 2008) bereits seit etwa zehn Jahren um die 4 - 6% pro Jahr. Die Staatverschuldung ist mit 30 % des BIP im weltweiten Vergleich gering.
Entwicklung der jährlichen Inflationsrate und der Staatsverschuldung (in %). © T. Christiansen

"The number of countries in Sub-Saharan Africa which can boast such a track record of economic success – especially those emerging from long and bloody struggles to rid themselves of colonialism – are limited if they exist at all. This alone makes Namibia a very special case."

Quelle: Sherbourne, Robin (2010): Guide to the Namibian Economy 2010. Windhoek.

Ähnlich wie die Wirtschaft seiner direkten Nachbarn Südafrika und Botswana ist auch Namibias Wirtschaft in vieler Hinsicht untypisch für ein afrikanisches Entwicklungsland. Mit einem Pro-Kopf Brutto-Inlandsprodukt (PPP) von inzwischen US$ 11.500 / Jahr (Schätzung für 2017, CIA World Factbook) gehört das Land inzwischen zu den 'Upper Middle Income Countries'. (Sehr zum Leidwesen vieler namibischer Politiker, da Namibia auf Grund dieser nun höheren Einstufung insgesamt nun weniger internationale Entwicklungshilfegelder erwarten kann).

Namibia liegt mit seinem Pro-Kopf-BIP weltweit an 133. Stelle und damit nur 27 Plätze hinter China (US$ 16.600, Rang 106). Namibias Pro-Kopf-BIP ist damit sogar höher als das einiger europäischer Länder wie z.B. Bosnien-Herzegowina (US$ 11.400, Rang 134) oder der Ukraine (US$ 8.700, Rang 145).

Namibia steht mit seinem beachtlichen Pro-Kopf-BIP zudem deutlich besser da, als seine nördlichen Nachbarn Angola (US$ 6.800, Rang 160) und Sambia (US$ 4.000, Rang 178), vom heruntergewirtschafteten Simbabwe (US$ 2.000, Rang 200) ganz zu schweigen. Gleichzeitig weisen mit Botswana (US$ 18.100, Rang 96) und Südafrika (US$ 13.400, Rang 115) aber zwei andere Nachbarländer ein deutlich höheres Pro-Kopf-BIP auf. (Alle Zahlen sind Schätzungen für 2017, entnommen dem CIA World Factbook 2018).

Einkommen und Wohlstand sind in Namibia allerdings extrem ungleich verteilt. Namibia war lange Jahre das Land mit den (weltweit!) größten Einkommensunterschieden. In den letzten Jahren ist der sogenannte Gini-Koeffizient, mit dem die Einkommensunterschiede gemessen werden, von 0,707 auf "nur noch" 0,572 (2015/16) gesunkenen. Damit belegt Namibia inzwischen zwar nicht mehr weltweit den (unrühmlichen) Spitzenplatz der Länder mit den größten Einkommensunterschieden, es liegt mit diesem Wert aber noch immer in der Spitzengruppe. Ein Grund für die hohen Einkommensunterschiede ist, dass der Großteil des BIP (z.B. im Bergbau) mit hohem Kapitalaufwand, aber nur relativ geringem Personaleinsatz erwirtschaftet wird. Ein Großteil der Bevölkerung Namibias lebt noch immer in den Gebieten der ehemaligen Homelands im Norden Namibias von relativ unproduktiver Subsistenzlandwirtschaft, die nur sehr geringe Einkommen ermöglicht.

Ein anderer Grund ist die hohe Arbeitslosigkeit im Lande, vor allem unter den jungen schwarzen Namibiern. Je nach Erhebungsverfahren und Definition des Begriffs "Arbeitslosigkeit" kursieren sehr unterschiedliche Zahlen zur Arbeitslosenrate. Laut Internetportal Statista betrug die Arbeitslosenquote für 2017 24,9% der erwerbsfähigen Bevölkerung. Früher durchgeführte Labour Force Surveys kamen auf Zahlen von über 50%. Verschiedene Wirtschaftsexperten sehen die 'tatsächliche' Arbeitslosenrate irgendwo zwischen 30 - 40%, je nach Definition des Begriffs.

Laut Namibia Labour Force Survey 2016 betrug die Arbeitslosenquote für ganz Namibia 2016 34%, mit starken regionalen Unterschieden innerhalb des Landes. Die niedrigste Arbeitslosenquote (ca. 22%) weisen dabei die Regionen Erongo und Karas auf, die höchste Arbeitslosigkeit herrscht in den Regionen Kunene und Zambezi mit etwas über bzw. knapp unter 50%.

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit ist die Entwicklung wichtiger makroökonomischer Kenndaten Namibias insgesamt ausgesprochen beeindruckend. Zwischen 1990 und 2010 ist das namibische BIP inflationsbereinigt im Schnitt um 4,3% gewachsen (s. Abb.), in der zweiten Dekade mit 4,5% / Jahr sogar noch stärker als in den ersten 10 Jahren (4,1%). Für die Jahre 2012 bis 2014 liegen die Wachstumsraten des BIP mit 5,2% (2012), 5.2% (2013) und 5.3% (2014) sogar noch einmal deutlich höher als für das langjährige Mittel (Angaben Schätzwerte CIA World Factbook). Das BIP pro Kopf ist infolge der Bevölkerungszunahme zwar weniger stark angestiegen, aber immerhin noch um durchschnittlich 1.9% / Jahr.

Trotz dieser (zumindest bis 2015) recht eindrucksvollen Zahlen ist das jährlich BIP  mit US$ 27 Mrd. für 2017 (PPP, geschätzt) - dies entspricht ca. N$ 405 Mrd. (Kurs 1 : 15) bzw. € 22 Mrd. - ist Namibias BIP in absoluten Zahlen jedoch im internationalen Vergleich nach wie vor winzig! Zum Vergleich: Der Nettogewinn (nicht Umsatz!) von Apple lag für das 1. Quartal 2018 bei ca. N$ 20 Mrd. Das BIP von Deutschland betrug für 2017 3,26 Billionen Euro, dies entspricht etwa dem 148-fachen des namibischen BIPs.

Die Staatsverschuldung Namibias (s. Abb.) lag bis vor einigen Jahren auf einem Niveau, das die meisten europäischen Länder vor Neid erblassen ließ, nämlich weit unter 20% des BIP. Durch die 2011/2012 angelaufene Beschäftigungsinitiative TIPEEG (Targeted Intervention Program for Employment and Economic Growth) und die damit verbundenen erhöhten Staatsausgaben sowie eine noch immer anhaltende Wirtschaftskrise seit 2015/16 ist die Verschuldung allerdings inzwischen deutlich gestiegen und lag 2017 inzwischen bei 41,5% des BIP! (Aber auch damit ist die Verschuldung noch immer deutlich geringer als die der meisten europäischen Staaten (inklusive Deutschlands)!)

Für 2017 gibt das CIA World Factbook (geschätzte) 'External Debts' von US$ 7,5 Mrd. an. Diese schnell wachsende absolute Summe gibt inzwischen Grund zur Sorge, da die zunehmende Verschuldung die 'Investment Rating' des Landes der großen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's, Fitch Ratings etc. negativ beeinflusst und damit die Aufnahme neuer Kredite verteuert.

Die Inflation (s. Abb.) betrug in den ersten 10 Jahren nach der Unabhängigkeit noch um die 10%, hat sich aber seit 2003 bei etwa 5% eingependelt (Ausnahme 2008). Nach einer deutlich höheren Inflation in den Jahren 2016 - 2017 von bis zu 8%, ist sie inzwischen (April 2018) auf unter 4% gesunken, auch als Folge der seit 2015/16 andauernden Wirtschaftskrise. Für ein Entwicklungsland sind dies ausgesprochen solide Werte.

Durch die Verteilung der wirtschaftlichen Aktivitäten auf Bergbau, Landwirtschaft, Tourismus und Fischerei ruht Namibias Wirtschaft auf mehreren Säulen und ist bei Wirtschaftskrisen daher deutlich weniger anfällig als Länder, deren Wirtschaft von nur einem Bereich bzw. Produkt dominiert wird, wie dies etwa bei Sambia (Kupfer), Angola (Öl) oder auch Botswana (Diamanten) der Fall ist. Vor allem aus diesem Grund ist Namibia (vergleichsweise) gut durch die verschiedenen Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte gekommen.

Solide und vor allem aktuelle Daten und Informationen zur makroökonomischen Situation Namibias findet man u.a. auf den exzellenten Informationsseiten der Bank of Namibia sowie in den Reports des Institute for Public Policy Research (IPPR). Interessant sind hier insbesondere der dort monatlichen erscheinende Business Climate Monitoring Index und der ebenfalls monatlich aktualisierte Economy Watch Report. Auch die 2011 gegründete (unter u.a. auch von der GIZ unterstützte) Namibia Statistics Agency (NSA) liefert sehr gut aufbereitete makroökonomische Daten.

Namibias Ressourcen

Auch diese Karte zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Aktivitäten Namibias auf wenige Regionen konzentrieren. Lediglich Bergbau findet man in ganz unterschiedlichen Landesteilen.
Auch diese Karte zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Aktivitäten Namibias auf einige Regionen konzentrieren. Lediglich Bergbau findet man in ganz unterschiedlichen Landesteilen.

Namibia verfügt über große Ressourcen an Uran und Diamanten, aber auch an Gold, Kupfer, Zink, Tungsten und anderen Mineralien. Einen guten Überblick findet man auf den Internetseiten des Ministry of Mines and Energy. Hinzu kommen ertragreiche Fisch- und Viehbestände und eine gut ausgebaute und exzellent am Markt aufgestellte, hochprofessionelle Tourismusindustrie. Eine gute Übersicht über die Anteile der verschiedenen Wirtschaftssektoren am BIP geben die jeweils aktuellen Quartalsberichte der Bank of Namibia.  

Der Anteil des des primären Sektor am BIP beträgt i.d.R. etwas unter 20%, allerdings mit jährlichen Abweichungen nach oben oder unten, je nach Konjunkturlage und Weltmarktpreisen. Innerhalb des primären Sektors dominiert der Anteil des Bergbaus (insbesondere Diamanten, aber auch Uran, Gold und anderen Bodenschätzen) insgesamt deutlich vor Fischerei / Fischverarbeitung sowie der Land- und Forstwirtschaft.

Der Anteil des sekundären Sektors am BIP ist mit ebenfalls um die die 20% etwa gleich hoch wie der des primären Sektors. Auch hier gibt es konjunkturabhängig von Jahr zu Jahr deutliche Schwankungen. Mit knapp 60% des BIP steuert der tertiäre Sektor den Löwenanteil zum namibischen BIP bei, dabei entfällt allerdings ein erheblicher Teil der Wertschöpfung auf die Leistungen staatlicher Einrichtungen (öffentliche Verwaltung, Militär, Erziehung, Gesundheitswesen). Einen wichtigen Anteil der restlichen Wertschöpfung des tertiären Sektors trägt - direkt, vor allem aber auch indirekt - insbesondere der Tourismus bei.

Knapp 10% des namibischen BIP werden durch Steuern und Abgaben (abzüglich Subventionen) und indirekt gemessene Finanzdienstleistungen erwirtschaftet. Die prozentualen Anteile der Sektoren und Subsektoren schwanken von Quartal zu Quartal und von Jahr zu Jahr zum Teil erheblich, aber die Durchschnittswerte der  Anteile des primären, sekundären und tertiären Sektors sind über die Jahre relativ konstant geblieben.

Übersicht: Bergbau in Namibia

Die Karte zeigt, dass viele der bereits vergebenen EPLs und MLs innerhalb der verschiedenen Nationalparke liegen, auch im Bereich der seit August 2013 als UNESCO Weltnaturerbe anerkannten Namibwüste.
Explorationslizenzen (Exploration Licences (EPLs)) und Abbaulizenzen (Mining Licences (MLs) für Uran. © David Emde, Saskia Thorbecke, Institut für Geographie, JLU Gießen. Eigener Entwurf, erstellt auf der Basis von Daten der Namibian Chamber of Mines.
Die Tabelle zeigt, dass der namibische 'Uran-Rausch' nur von kurzer Dauer sein wird. Bereits  2030 werden die meisten Uranvorkommen abgebaut sein.
Übersicht über bestehende, in Bau befindliche und geplante Uranminen. © David Emde, Saskia Thorbecke, Institut für Geographie, JLU Gießen. Datebasis: Eigene Recherchen in verschiedenen Internetquellen.
Die Karte zeigt, dass sich der 'sonstige' namibische Bergbau (also ohne Uranabbau) zum einen im äußersten Südwesten des Landes und zum anderen im Zentrum und im zentralen Norden des Landes konzentriert.
Übersicht über ausgesuchte 'sonstige' Minen (ohne Uranminen). © Verena Wolf, Franziska Ebisch, Institut für Geographie, JLU Gießen. Eigener Entwurf, zusammengestellt aus Angaben der Internetseiten des Ministry of Mines and Energy und der verschiedenen Minenbetreiber.
Die Tabelle zeigt, dass nicht nur die Uranreserven, sondern auch die Vorkommen an Gold, Zink, Kupfer, Blei und Fluorit bereits in wenigen Jahren erschöpft sein könnten, wenn nicht zwischenzeitlich neue Vorkommen entdeckt werden.
Ausgewählte Unternehmen des namibischen Bergbausektors (ohne Uranminen). © Verena Wolf, Franziska Ebisch, Institut für Geographie, JLU Gießen. Eigener Entwurf, zusammengestellt aus Angaben der Internetseiten des Ministry of Mines and Energy und der verschiedenen Minenbetreiber.

Wirtschaftssektoren

Primärer Sektor

Die Bergbauindustrie, mit ihren Hauptpfeilern Diamanten und Uran, bildet mit einem Anteil von etwa 50% nach wie vor das Rückgrat des namibischen Exports. Wegen des hohen Technisierungsgrades bietet sie allerdings nur relativ wenige (ca. 7.000 - 8.000), dafür aber gut bezahlte Jobs. Nachdem die Onshore-Vorkommen inzwischen weitestgehend ausgebeutet sind, erfolgt die Diamantenproduktion bereits seit Jahren überwiegend 'offshore'. Bei der Offshore-Förderung werden die diamanthaltigen Sedimente des Oranje vor der Flussmündung bei Oranjemund und entlang des nördlich davon gelegenen Küstenstreifen mit Schlammbaggern vom Meeresgrund abgesaugt und nach Diamanten gefiltert.

Die mit großem Abstand wichtigste Firma im Diamantabbau ist NamDeb, ein Konsortium, an dem die namibische Regierung und der südafrikanische De Beers-Konzern jeweils 50% Anteile halten. Die letzten beiden Onshore-Minen von NamDeb werden schon bald geschlossen. Die Offshore-Förderung wird noch eine ganze Reihe von Jahren weitergehen, aber auch die Offshore-Vorkommen werden irgendwann in den nächsten Jahrzehnten erschöpft sein.

Mit der kürzlich erfolgten 'Öffnung' von Oranjemund, dem Zentrum und Dreh- und Angelpunkt der namibischen Diamantenindustrie, bereiten Regierung und NamDeb die Region schon allmählich auf die Zeit nach dem Diamantenabbau vor. Oranjemund war bis vor kurzem eine 'closed city' unter der vollen Kontrolle von NamDeb. Nicht bei NamDeb Beschäftigte (oder anderen am Diamantenabbau beteiligten Firmen), war der Zutritt zur Stadt nur mit spezieller 'Security Clearance' möglich. Obwohl Oranjemund formal bereits 2011 Stadt-Status erhielt, wurde die Stadt erst im Oktober 2017 wirklich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit ist Oranjemund nun (zumindest formell) endgültig zu einer normalen namibischen Stadt geworden, die nun jeder ohne weitere Genehmigung besuchen kann und in der nun jeder Namibier leben und arbeiten darf.

Der Uranabbau in Namibia war über lange Zeit synonym mit dem Namen der Firma Rössing. Der seit 1976 Uran fördernde riesige Rössing-Tagebau bei Arandis ist die älteste noch immer produzierende Uranmine der Welt und war lange Zeit auch die weltweit größte Uranmine. Den Großteil der Anteile an Rössing hält der australische Bergbaugigant Rio Tinto, die restlichen Anteile verteilen sich auf verschiedene weitere Eigner, zu denen übrigens interessanterweise u.a. auch der Staat Iran (!) zählt. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Uranvorkommen der Rössing-Mine bereits 2015 erschöpft wären, aber die Mine produziert noch immer. Nun geht man von einer Schließung der Mine ab etwa 2025 aus.

2006/2007 kam mit der Langer Heinrich Mine des ebenfalls australischen Paladine Energy Konzerns ein zweiter Urantagebau hinzu und 2011 dann mit der Trekkopje Mine des französischen Bergbaukonzerns Areva ein dritter. Die Trekkopje Mine produziert allerdings zurzeit nicht, da die Mine wegen des derzeit zu geringen Weltmarktpreises für Uran nicht kostendeckend arbeiten kann. Die Mine wurde daher direkt nach Fertigstellung und kurzem Pilotbetrieb im Mai 2013 in den Stand-By Modus versetzt, in der Hoffnung, dass irgendwann der Weltmarktpreis für Uranpreis wieder ein Niveau erreicht, das den Betrieb der Mine betriebswirtschaftlich profitabel macht. Der hierfür notwendige Uranpreis von mindestens $US 70 / Pfund Uranoxid wurde allerdings bisher nicht einmal annähernd wieder erreicht (Jan. - Sept. 2017: schwankend zwischen $US18 und $US 26 pro Pfund Uranoxid). Sollte der Tag X irgendwann kommen, dann könnte die Mine innerhalb etwa eines Jahres auf die volle Produktionsleistung hochgefahren werden. Bis dahin ist die Mine für Areva eine gigantische Fehlinvestition, deren Höhe sich auf über eine Milliarde Euro beläuft.

Seit 2016 ist jetzt auch die riesige Husab-Mine in Betrieb, die zu 90% in chinesischer Hand ist.  Am 30. Dezember 2016 hat Husab das erste Fass Uranoxid produziert. Die Husab-Mine wird nach Erreichen ihrer vollen Produktionskapazität die zweit- oder drittgrößte Uranmine der Welt sein. 

Zahlreiche weitere Uranminen sind derzeit zwar geplant (s. auch Abschnitt "Übersicht" und die Karten weiter unten), aber wegen des zurzeit noch immer niedrigen Uranpreises wird der Ausbau dieser Minen jedoch gegenwärtig nicht vorangetrieben. Eine kompakte Zusammenfassung der Situation gibt ein in der Allgemeinen Zeitung erschienener Übersichtsartikel zum Uranbergbau in Namibia.

Neben dem Abbau von Uran und Diamanten werden in Namibia zahlreiche weitere Bodenschätze gefördert, u.a. Gold, Zink, Kupfer, Blei und Fluorit. Abgesehen von der Zinkproduktion der Scorpion Mine bei Rosh Pinah (die jedoch voraussichtlich spätestens 2021 auslaufen wird), ist die Bedeutung dieses 'sonstigen Bergbaus' in Namibia nur relativ gering, jedenfalls wenn man die Wertschöpfung und die Anzahl der Arbeitsplätze als Messlatte nimmt (s. hierzu auch Tabelle und Abbildung weiter unten).

Neben dem Bergbau spielt für Namibia die Fischerei eine wichtige Rolle. Namibia gehört - was nur wenige wissen - gemessen am Fangwert zu den 'Top Ten' der Fischfangnationen weltweit. Der Fischfang leistet - allerdings von Jahr zu Jahr stark schwankend - einen wichtigen Beitrag zum BIP. 2013 betrug der Anteil des Fischfangs am BIP des Landes US$ 365 Mill.) und damit etwa die Hälfte des entsprechenden Anteils der Landwirtschaft am BIP ($US 727 Mill.), wobei der Beitrag des Fischfangs allerdings mit einem Bruchteil der Zahl der Arbeitnehmer erreicht wurde, die hierfür in der Landwirtschaft nötig war. 

Leider erfolgt ein großer Teil der Wertschöpfung durch Weiterverarbeitung nicht im Lande, sondern es werden  Fanglizenzen an ausländische Firmen vergeben, die dann den Fisch entweder an Bord weiterverarbeiten oder in ihren Heimatländern (speziell Spanien). Trotzdem arbeiten immerhin ca. 15.000 Namibier in der Fischerei, jeweils etwa zur Hälfte auf See und in der fischverarbeitenden Industrie an Land. Etwa 90% des Fischfangs geht in den Export, vor allem nach Spanien.

Auf Grund seiner Konzentration auf nur zwei Standorte (Walvis Bay und Lüderitz) ist der Fischfang in der öffentlichen Wahrnehmung wenig präsent. Der Fischfang und das On-Board-Processing auf See werden zum primären Sektor gerechnet, die Wertschöpfung durch die Fischverarbeitung an Land wird als Teil des sekundären Sektors (verarbeitende Industrie) erfasst.

Auf Grund der geringen, unzuverlässigen und oft ungünstig über das Jahr verteilten Niederschläge ist Pflanzenbau in Namibia riskant und relativ wenig produktiv. Man findet Ackerbau vor allem in den (relativ) niederschlagsreicheren Gebieten des Nordens, vor allem um Tsumeb und Grootfontein, sowie nördlich des Etosha-Parks und im Caprivi. Der Rest des Landes ist wegen der geringen und unzuverlässigen Niederschläge eigentlich fast nur für extensive Weidewirtschaft geeignet.

Lediglich entlang der Grenzflüsse im Norden und Süden des Landes sowie am Hardap-Damm in der Nähe von Mariental und (in sehr kleinem Ausmaß) an verschiedenen anderen Stellen im Lande wird etwas Bewässerungslandwirtschaft betrieben. Weitere Bewässerungsflächen werden jedoch durch den Bau des Neckartal-Damms bei Keetmanshoop im Süden des Landes entstehen. Letzterer ist inzwischen (Okt. 2017) zu etwa 90% fertiggestellt- Die restliche Fertigstellung leidet zurzeit unter den gegenwärtigen Cashflow-Problemen der namibischen Regierung. Hierdurch dürfte sich die Fertigstellung um mindestens ein Jahr verzögern.

Die räumlich sehr begrenzten Bewässerungsflächen werden in erster Linie für den Anbau von Gemüse und Obst genutzt, sie reichen aber nicht aus, um den Bedarf des heimischen Marktes abzudecken. Das einzig erwähnenswerte Exportprodukt der namibischen Bewässerungslandwirtschaft sind Tafeltrauben, die entlang des Oranje, des Grenzflusses zu Südafrika, angebaut werden. Die Trauben sind qualitativ sehr hochwertig und lassen sich international sehr gut vermarkten, da zur Erntezeit am Oranje nur wenige andere Länder hochwertige Tafeltrauben liefern können. 

Hauptprodukte und auch Hauptexportprodukte der namibischen Landwirtschaft sind Rindfleisch und Schaffleisch, wobei die Tiere teils lebend exportiert werden (insbesondere zu südafrikanischen Schlachthäusern), teils als tiefgefrorenes Fleisch und als weiterverarbeitete Fleischprodukte. Die Landwirtschaft stellt zwar einen Großteil der Beschäftigungsmöglichkeiten (speziell für geringqualifizierte Namibier), sie trägt aber mit gerade mal 3,7% nur wenig zum BIP bei.

In der Namibia sind zwei völlig unterschiedliche Produktionsformen zu unterscheiden. In den kommunalen Gebieten nördlich des Veterinärzaunes dominiert personalintensive Subsistenzlandwirtschaft (Viehzucht und etwas Ackerbau) auf vergleichsweise kleinen Betriebsflächen. Im Gegensatz dazu sind die Betriebe in den sogenannten 'Commercial Areas' südlich des Veterinärzaunes große bis sehr große, streng kommerziell ausgerichtete ranchähnliche Betriebe, die mit sehr wenig Personal aber hohem Kapitaleinsatz extensive Viehzucht betreiben. Das hier produzierte, qualitativ sehr hochwertige Rind- und Schaffleisch wird für den Weltmarkt produziert und wird insbesondere nach Südafrika und Norwegen exportiert. Im Gegensatz dazu werden die landwirtschaftlichen Produkte, die in den kommunalen Gebieten erzeugt werden, überwiegend für den Eigenbedarf erzeugt, der Rest wird vor allem lokal und regional vermarktet.

Sekundärer Sektor

Der BIP-Anteil des sekundären Sektors liegt zwar (wie politisch auch explizit angestrebt) inzwischen über dem des primären Sektors, aber wenn man etwas näher auf die Teilbereiche schaut, dann werden einige Probleme deutlich. So wird etwa das Baugewerbe zunehmend von chinesischen Firmen dominiert, die die einheimischen Baufirmen verdrängen. Laut Zeitungsberichten gehen inzwischen ca. vier von fünf (staatlich finanzierten) Großprojekten im Hoch- und Tiefbau an chinesische Unternehmen. Auch der Ausbau des Flughafens und des Hafens von Walvis Bay wurde an chinesische Firmen vergeben. Gegenwärtig (Oktober 2017) leidet das Baugewerbe in Namibia unter einer schweren Rezession. Diese ist in erster Linie eine Folge der gegenwärtigen schlechten Wirtschaftslage in Namibia und der daraus resultierenden Zurückhaltung bei der Vergabe großer Bauprojekte der öffentlichen Hand.

Ein gravierender Schwachpunkt der namibischen Wirtschaft ist seine nur schwach ausgebildete verarbeitende Industrie. Namibia erzeugt noch immer nur sehr wenige und fast ausschließlich relativ einfach herzustellende Produkte mit geringer Wertschöpfung. 

Abgesehen vom Sonderfall Uranoxid, eine wenige, jüngst aufgebaute Diamantschleifereien und ein wenig Lederverarbeitung hat Namibias verarbeitende Industrie auch 2017 noch immer nicht viel mehr aufzuweisen als etwas Fleisch- und Fischverarbeitung und eine (allerdings sehr gute) Brauerei. Auch das Ohorongo- Zementwerk bei Otavi stellt letztlich nur einen relativ einfachen Grundstoff her. Hingegen werden selbst einfachste Konsumwaren des täglichen Bedarfs - sei es eine Plastikschüssel, ein Kugelschreiber oder sogar Büroklammern -  fast ausnahmslos importiert, überwiegend aus Südafrika und in geringerem Umfang aus China und Deutschland. Von einer namibischen Produktion etwas komplexerer Waren mit entsprechend höherer Wertschöpfung (z.B. im Maschinenbau, Elektronik, chemische und pharmazeutische Produkte) ist das Land noch immer genauso weit entfernt wie zur Unabhängigkeit 1990.

Der gut gemeinte Versuch, mit Hilfe eines ausländischen Investors (Ramatex) eine personalintensive Textilindustrie in Windhoek aufzubauen und damit auch Arbeitsplätze zu schaffen, scheiterte leider schon nach wenigen Jahren kläglich. Der malaysische Investor ging Bankrott, brachte aber zuvor noch seine wertvollsten Maschinen außer Landes. Sein Führungsstab setzte sich rechtzeitig ins Ausland ab und hinterließ einen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Scherbenhaufen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich die verarbeitende Industrie Namibias seit der Unabhängigkeit kaum weiterentwickelt hat. Das wenige, was sich in diesem Bereich getan hat, wurde zudem nicht aus dem eigenen Land heraus entwickelt, sondern fast ausschließlich durch Know-How Import aus dem Ausland ermöglicht (s. Ohorongo Zement, Ramatex, Diamantschleiferei, Uranminen). 

Für den Aufbau einer auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen verarbeitenden Industrie fehlen Namibia ganz wesentliche Voraussetzungen. Neben dem notwendigen technischen Know-How und einer 'Unternehmerkultur' mangelt es Namibia auch am notwendigen Kapital, einem aufnahmefähigen Absatzmarkt im eigenen Lande und in der Region und einer guten Anbindung an den Weltmarkt. Weitere Faktoren wie häufige Streiks, Mangel an qualifizierten, motivierten (und disziplinierten) Arbeitskräften und die dadurch im internationalen Vergleich geringe Produktivität machen Namibia für potenzielle Investoren nicht sonderlich attraktiv. Dies spiegelt sich auch in den entsprechenden internationalen Wettbewerbsfähigkeits-Rankings wieder.

Namibia kann hier insbesondere im Vergleich mit aufstrebenden Ländern in Süd- und Südostasien schlichtweg nicht mithalten. Die in der sogenannten 'Vision 2030' vorgegebenen Ziele für den Ausbau (oder besser gesagt den Aufbau) einer verarbeitenden Industrie zu einem wesentlichen Pfeiler der namibischen Wirtschaft, erscheint angesichts der immer stärkeren Globalisierung und der weit wettbewerbsfähigeren internationalen Konkurrenz wenig realistisch. Nachdem diese leicht zu belegende Tatsache über Jahre hinweg auf politischer Ebene und selbst in der öffentlichen Diskussion schlichtweg ein Tabu-Thema war, wird mit zunehmender Annäherung an das Zieljahr 2030 allmählich realisiert und nun auch ausgesprochen, dass wichtige Teile der 'Vision 2030' kaum noch zu erreichen sind.

Tertiärer Sektor

Im tertiären Sektor gibt es Licht und Schatten. Der auf den ersten Blick erfreulich hohe Anteil am BIP (inzwischen knapp 60%) vermittelt ein irreführendes Bild. Ein erheblicher Anteil des tertiären Sektors wird nämlich durch eine deutlich überdimensionierte öffentliche Verwaltung produziert. Deren Dienstleistungen tragen zwar zum BIP bei, erzeugen aber keinen ,handelbaren' Mehrwert für das Land. Auch könnten die meisten dieser Dienstleistungen problemlos effizienter und mit weit weniger Personal erbracht werden, vorausgesetzt dieses Personal wäre besser ausgebildet, besser ausgerüstet, besser motiviert und besser bezahlt. Der öffentliche Dienst und die halbstaatlichen sogenannten 'state-owned enterprises' sind auch in Namibia weit über das notwendige Maß hinaus personell aufgebläht und - bis auf wenige Ausnahmen - entsprechend träge und ineffizient.

Erhebliche Probleme gibt es vor allem immer wieder mit den über 70 staatseigenen Betrieben (auch als "Parastatals" oder "state-owned-enterprises" (SOEs) bezeichnet). Regelmäßig negative Schlagzeilen macht u.a. der National Carrier Air Namibia. Air Namibia hätte im Juni 2014 fast seine Airline-Lizenz verloren, weil versäumt wurde, diese rechtzeitig zu verlängern bzw. die entsprechenden Auflagen der Genehmigungsbehörde zu erfüllen. Gleichzeitig liefern sich Aufsichtsrat und Management erbitterte Grabenkämpfe. Aber auch die Nachrichtenagentur Nampa, die staatliche TV- und Rundfunkanstalt NBC, die staatliche Eisenbahngesellschaft TransNamib, und vor allem die University of Namibia (UNAM) sind immer wieder wegen Missmanagement, Korruption, Inkompetenz und personellen Querelen in den Schlagzeilen. Inzwischen ist aber auch der bisher sehr langmütigen Regierung der Kragen geplatzt, die Parastatals sollen ab sofort erheblich kürzer an die Leine genommen werden und müssen nun jährlich detaillierte Rechenschaftsberichte vorlegen. Auch das 2015 nach der Machtübernahme Hage Geingobs gegründete spezielle Ministerium zur besseren Koordinierung und Überwachung der SOEs hat bisher zu keiner wesentlichen Verbesserung geführt. Ganz im Gegenteil: Die Pleiten und internen Grabenkämpfe in wichtigen SOEs wie TransNamib, Air Namibia, Namibian Airport Company und etlichen anderen staatseigenen Betrieben gehen unverändert weiter.

Positive Ausnahmen gibt es bei den Parastatals nur wenige. Erwähnt seien hier vor allem die sehr professionell arbeitende Bank of Namibia, die University of Science and Technology (NUST, bis September 2015 Polytechnic of Namibia), die Namibia Statistics Agency (NSA) und der staatliche Wassermonopolist NamWater.

Eine Erfolgsstory ist hingegen die Entwicklung des Tourismus, zumindest im Privatsektor. Das halbstaatliche Unternehmen Namibia Wildlife Ressort (NWR), das die Serviceeinrichtungen und Unterkünfte der namibischen Nationalparks managt, hat leider ähnliche Management- und Effizienzprobleme wie die oben erwähnten anderen Parastatals.

Die Anzahl der Touristenankünfte sind seit der Unabhängigkeit in (fast) jedem Jahr gestiegen, von knapp über 200.000 im Jahr 1991 über 600.000 im Jahr 1998, 778.000 im Jahr 2005 und schließlich 1,027 Millionen im Jahr 2011. Dies ist ein Zuwachs von über 500 Prozent seit 1991 und von 32 Prozent für den Zeitraum 2005 bis 2011.

Alles in allem hat sich der Tourismus in Namibia, der ganz wesentlich von der Privatwirtschaft getragen wird,  nach der Unabhängigkeit zu einem professionell gemanagten Wirtschaftsfaktor entwickelt, der weltweit keinen Vergleich zu scheuen braucht. Der Tourismus trägt nicht nur zunehmend zum BIP bei, sondern schafft auch viele Arbeitsplätze. 2011 betrug der direkte Beitrag zum BIP 3,57 Mrd. N$ bzw. ca. 4,4%, der Gesamtbeitrag (inkl. aller indirekten Effekte) lag gar bei beeindruckenden 16,68 Mrd. N$ (20,3% des BIP).

Makroökonomisch gesehen ist die Tourismusindustrie damit neben dem Bergbau und der Fischerei inzwischen der dritte wichtige Faktor für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes und eine der wichtigsten Devisenquellen. In der neuesten Auflage (2014) von Robin Sherbournes "Guide to the Namibian Economy" wird der direkte Beitrag des Tourismus zum BIP Namibias für 2009 mit 3,8 Prozent angegeben, und der direkte und indirekte Beitrag addieren sich auf stolze 14 Prozent des BIP. Dies entsprach (für 2009) 3,1 Milliarden Namibia-Dollar beziehungsweise 11,5 Milliarden Namibia-Dollar. Die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus ist also deutlich größer, als der relativ gering erscheinende Anteil der direkten Einnahmen zunächst vermuten lässt.

Der Tourismussektor bietet gegenwärtig 29.500 direkte Arbeitsplätze und insgesamt sogar ca. 116.000 Jobs, wenn man die indirekten Beschäftigungseffekte mit einbezieht. Dies entspricht 6,8% bzw. 27,1% aller Arbeitsplätze. Für 2012 wurde ein Wachstum von 8,4% (direkter Anteil) bzw. 6,3% (gesamt inkl. indirekter Effekte) vorausgesagt. Die Wachstumsraten für 2013 bis 2022 werden gegenwärtig auf 10% (Tourismus direkt) bzw. 8,3% (insgesamt) pro Jahr geschätzt. Damit hat Namibia eine der dynamischsten Tourismusindustrien weltweit.

Anders als Bergbau und Fischerei, die nur in relativ geringem Umfang Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung schaffen, ist die Tourismusindustrie zudem beschäftigungsintensiv. Abgesehen von der Landwirtschaft, ist sie der einzige Wirtschaftssektor, der in größerem Umfang Arbeitsplätze bietet (und dabei noch weiter wächst), auch für nur mittel- und geringqualifizierte Arbeitnehmer. Damit hängt in Namibia laut Sherbourne (2014) inzwischen jeder vierte der etwa 460.000 Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft direkt oder indirekt vom Tourismus ab!

Grundlage dieses Erfolgs war und ist die unternehmerische Initiative der vielen kleinen Firmen, die Namibias Tourismussektor kennzeichnen. Eine enorme Bandbreite an Lodges, Gäste- und Jagdfarmen, Reiseveranstaltern, spezialisierten Autovermietern u.a.m. bedient innovativ und flexibel die verschiedenen Zielgruppen mit maßgeschneiderten Angeboten. Eine weitere Grundlage des Erfolgs ist die Entwicklung und Umsetzung des 'Conservancy'-Konzeptes (Hegegebiete) und der darauf basierenden Community Based Natural Resource Management Strategie (CBNRM). Mit CBNRM hat Namibia neue Wege beschritten und ein international wegweisendes Tourismuskonzept geschaffen und erfolgreich umgesetzt.

Von der 2004 in der 'Vision 2030' als nationalem Ziel ausgegebenen „Umwandlung in eine wissensbasierte Gesellschaft" mit Schwerpunkt auf IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) ist hingegen auch 2017 kaum etwas zu sehen. Anders als etwa in Botswana, gibt es in Namibia  bisher (von einigen kleinen EDV-Dienstleistern mal abgesehen) nicht einmal die Vorstufe für einen leistungsfähigen IKT-Bereich (z.B. Dateneingabe /-verarbeitung, Call-Center, Montage von Elektronikkomponenten u.ä.) und die Produktion von auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger Hard- und Softwareprodukte ist allenfalls Wunschdenken namibischer Politiker. 

Positiv anzumerken ist, dass im IKT-Bereich zumindest die technischen Rahmenbedingungen verbessert wurden. Der Auf- und Ausbau der Telekommunikation und Datennetze geht zügig voran und im Ausbildungsbereich wird durch neue IKT-Studiengänge Know-How aufgebaut. Bis sich dies allerdings mal irgendwann zum Aufbau einer entsprechenden Industrie führen wird, dürften noch viele Jahre vergehen.

Wirtschaftsprobleme

Die Kopplung der namibischen Währung (namibischer Dollar (N$)) an den südafrikanischen Rand im Verhältnis 1 : 1 und die Akzeptanz des Rand als zweites Zahlungsmittel war (unterm Strich) sicher eine richtige Entscheidung, da dies den Handel sowie Importe und Exporte erheblich vereinfacht. Die immer noch (relativ) geringe Staatsverschuldung, die für afrikanische Verhältnisse hohe politische Stabilität und Rechtssicherheit, inklusive einer ausgesprochen freien Presse sowie die gut entwickelte Infrastruktur (Verkehrsnetz, Telekommunikation, leistungsfähiger Tiefseehafen) sind weitere positive Faktoren für die namibische Wirtschaft.

Allerdings weist Namibias Wirtschaft auch gravierende Schwächen auf. Dies sind neben der starken wirtschaftlichen Abhängigkeit vom ‘großen Bruder’ Südafrika die Abhängigkeit von Bergbau und Tourismus, die geringe Arbeitsproduktivität breiter Bevölkerungsschichten und die hohe Arbeitslosigkeit bzw. Unterbeschäftigung. Die hohe Arbeitslosigkeit resultiert vor allem aus dem Umstand, dass innerhalb des sekundären Sektors die verarbeitende Industrie kaum entwickelt ist. Nur wenig wird im Lande selbst hergestellt oder zumindest weiterverarbeitet. In Namibia hört man daher häufig zu Recht die sehr selbstkritische Einschätzung, die Namibias Problem auf den Punkt bringt: "We produce what we don't consume and we consume what we don't produce!"

Dementsprechend wenige Arbeitsplätze gibt es in der verarbeitenden Industrie, insbesondere für Geringqualifizierte. Neben einem Großteil der Nahrungsmittel müssen auch fast alle Investitions- und Konsumgüter importiert werden. Als eine mögliche Maßnahme zur Minderung der Armut und zur gleichzeitigen Schaffung von Kaufkraft wurde in den vergangenen Jahren auch mit dem Instrument des Basic Income Grants (BIG)  (Bedingungsloses Grundeinkommen) experimentiert (allerdings nicht von Seiten der Regierung, sondern durch kirchliche Strukturen). Das sogenannte BIG ist in Namibia ein extrem kontrovers diskutiertes Thema. Während die Befürworter die landesweite Einführung eines BIG vehement promoten, gibt es auf der anderen Seite auch recht kritische Stimmen, die BIG aus verschiedenen Gründen nicht für ein geeignetes Instrument zur Armutsbekämpfung halten.

Für die Produktion und den Absatz namibischer Produkte ist sicher auch der nur sehr kleine Binnenmarkt und der ebenfalls nur begrenzte regionale Markt ein erheblicher Nachteil. Namibia hat nun mal nur ca. 2,2 Mio. Einwohner und von diesen verfügt nur ein sehr kleiner Teil (vielleicht 100.000 bis 200,000?) über höhere Einkommen und eine entsprechende Kaufkraft. 

Auch die Nachbarländer bieten (bzw. böten) für namibische Produkte (von Fleischexporten einmal abgesehen) nur begrenztes Marktpotenzial. Natürlich exportiert Namibia mit Abstand am meisten ins Land des 'großen Bruders' Südafrika. Aber Südafrika produziert die viele Produkte (speziell Lebensmittel) i.d.R. deutlich billiger als dies Namibia kann bzw. könnte. Infolge der Zollunion SACU (Southern African Custom Union) müssen z.B. die in Namibia erzeugten Lebensmittel mit südafrikanischen Produkten konkurrieren, die trotz des notwendigen Transportes häufig günstiger angeboten werden können.

Botswana hat selbst nur eine kleine Bevölkerung mit begrenzter Kaufkraft und Sambia, Malawi, Mosambik, Lesotho und Swasiland sind zu arm (und/oder) zu klein, um als potenzieller regionaler Absatzmarkt für namibische Produkte eine größere Rolle spielen zu können, vom praktisch bankrotten Zimbabwe ganz zu schweigen.

In der Region des südlichen Afrikas bleibt für Namibia (neben Südafrika natürlich) damit eigentlich nur Angola als zweiter größerer potentieller Absatzmarkt. Angola hatte sich durch seine Petro-Dollars speziell zwischen 2005 und 2008 zu einem sehr kaufkräftigen 'Kunden' für Warenimporte aus Namibia entwickelt. Durch den erheblichen Rückgang des Ölpreises in den letzten Jahren steckt Angola, dessen wirtschaftliche Entwicklung auf Gedeih und Verderb an seine Öl-Exporte gekoppelt ist, allerdings inzwischen in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Dies macht sich auch in Namibia bemerkbar, wo die Petro-Dollars der reichen Nachbarn aus dem Norden längst nicht mehr so locker sitzen wie noch vor drei, vier Jahren.

Auf Grund seiner hohen Exportquote (US$ 4,626 Mrd., CIA World Factbook Schätzung für 2014) konnte Namibia diese Schwächen bis vor einigen Jahren noch einigermaßen kompensieren. Inzwischen gibt Namibia schon allerdings zunehmend mehr aus, als es einnimmt. Betrug der Handelsüberschuss 2009 noch ca. US$ 180 Mill,  ist die Handelsbilanz mit US$ 2,73 (CIA World Factbook Schätzung für 2014) inzwischen deutlich negativ. Seit Mitte 2015 wirkt sich zudem der deutlich schwächer gewordene Kurs des südafrikanischen Rand (an den der Namibia-Dollar ja im Verhältnis 1 : 1 gekoppelt ist) zunehmend negativ aus, da der schwache Wechselkurs die sowieso schon hohen Importkosten noch einmal deutlich erhöht.

Neben Uran und Diamanten sowie anderen Bergbauprodukten werden vor allem Fleisch und Fisch exportiert. Ein Großteil des Urans geht inzwischen nach China, Fleisch und Fisch hingegen vor allem nach Südafrika und nach Europa (vor allem nach Großbritannien, Schweiz, Spanien).

Eingeführt werden vor allem Maschinen, Autos, Nahrungsmittel sowie Erdöl und Erdölprodukte. Die meisten Importe kommen aus Südafrika, Großbritannien, Indien und China, vielen technische Produkte (speziell Autos) kommen aus Deutschland, Japan und den USA. Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern gewinnt auch in Namibias Wirtschaft China zunehmend an Einfluss. Einen Überblick über Namibias Handelspolitik gibt ein Trade Policy Review der Welthandelsorganisation (WTO).

Ein seit der Unabhängigkeit schwelendes Problem ist die Landreform in den kommerziellen Farmgebieten. Ein Großteil der im Schnitt ca. 5.000 ha großen Farmen, die in erster Linie für extensive Viehzucht genutzt werden, ist noch immer überwiegend im Besitz weißer Farmer, von denen wiederum ein Großteil deutschstämmige Namibier sind. Eine Umverteilung zugunsten schwarzer Namibier findet seit Mitte der 90er Jahre im Rahmen des sogenannten "National Resettlement Programme" und des "Affirmative Action Loan Scheme" statt. Die Ergebnisse beider Programme - insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftliche Produktivität der Farmen - sind jedoch bisher sehr enttäuschend.

Wirtschaftliches Entwicklungspotenzial

Das Bild verdeutlicht den strategischen Lagevorteil von Walvis Bay. Für aus Europa oder Nordamerika kommende Schiffe mit Fracht für das südliche Afrika ist Walvis Bay der nächstgelegene Hafen.
Strategischer Lagevorteil von Walvis Bay (abfotografiert aus einer Präsentation von NamPort). Foto © T. Christiansen
Von Walvis Bay aus sind alle Länder im südlichen Afrika gut und schnell zu erreichen, auch wegen der sehr guten Straßen in Namibia und des geringen Verkehrsaufkommens.
Strategischer Lagevorteil von Walvis Bay (abfotografiert aus einer Präsentation von NamPort). Foto © T. Christiansen
Der Hafen Walvis Bay verfügt über modernste Lade-/Entladeanlagen und State-of the-Art Logistiksysteme. Er gilt als einer der effizientesten Häfen Afrikas.
Überblick über den Containerhafen von Walvis Bay (abfotografiert aus einer Präsentation von NamPort). Foto © T. Christiansen

Schaut man sich Namibia im Hinblick auf mögliche Entwicklungspotenziale an, so kommt man – wenn man realistisch ist - zu einer recht überschaubaren Anzahl an Optionen.

Im tertiären Sektor bietet, neben dem weiteren Ausbau des Tourismus, vor allem der Logistikbereich noch erhebliches Potenzial. Der strategische Lagevorteil von Walvis Bay als Im- und Export Drehscheibe für den Warenumschlag der 'land-locked' Nachbarländer (Sambia, Simbabwe, Botswana) wird bereits seit längerem systematisch ausgebaut und von der eigens hierzu gegründeten Walvis Bay Corridor Group (WBCG) offensiv vermarktet. Walvis Bay hat sich durch diese konsequente Weiterentwicklung und ein professionelles Management zu einem der besten und effizientesten Häfen in ganz Afrika entwickelt.

Kürzere Transportzeiten (als z.B. nach Kapstadt und Durban) bei Fracht von und nach Europa und den USA, kurze Umschlagszeiten (12 – 15 Stunden für Containerschiffe, 24 – 48 Stunden für Massengutfrachter), die Einrichtung von 'Trockenhäfen' für die Nachbarländer und eine gut ausgebaute Straßenanbindung ins afrikanische Hinterland (via Trans-Caprivi und Trans-Kalahari Highway) machen den Hafen zu einem logistischen 'Hot Spot' für das gesamte südliche Afrika.

Walvis Bay Harbour steigert seinen Frachtumschlag Jahr für Jahr um ca. 10 - 12%. Das größte verbliebene Hindernis für einen noch schnelleren Warentransport nach Sambia, Simbabwe und Botswana sind die (zurzeit noch) zeitraubenden Grenzkontrollen.

Eine weitere große Chance – die Nutzung von Wind- und Solarenergie – wurde leider (bis vor kurzem) völlig verschlafen. Während das regnerische Deutschland mit seinen gerade mal 1550 Sonnenstunden pro Jahr in den letzten Jahren mit Photovoltaik-Anlagen regelrecht ‚vollgepflastert‘ wurde, ist von einer großangelegten, systematischen Nutzung der Sonnen- und Windenergie in Namibia (noch) wenig zu sehen, obwohl das Land hierfür ideale Bedingungen bietet. Nach Zeitungsberichten muss der namibische Strommonopolist NamPower auch gegenwärtig (November 2017) noch immer 65% des Strombedarfs des Landes importieren, was Namibia in den vergangenen fünf Jahren neun Milliarden N$ (umgerechnet ca. € 550 Mlllionen) gekostet hat. Der Gesamtenergiebedarf lag danach im Finanzjahr 2015/16 bei 3,32 Geh bei einem Spitzenbedarf von gegenwärtig etwa 667 MW (s. verlinkter Artikel der Allgemeinen Zeitung).

Erst in den allerletzten Jahren scheinen die politischen Entscheidungsträger und auch der namibische Strommonopolist NamPower allmählich umzudenken und machen nun endlich (allmählich und in kleinen Schritten) das, was man schon vor 15 Jahren dringendst hätte tun sollen, nämlich das enorme Potential Namibias für alternative Energien konsequent zu nutzen. Seit 2015 sind nun eine Reihe kleinerer Solarkraftwerke gebaut worden bzw. sind zurzeit im Bau:

  • InnoSun Omburu (bei Omaruru, Photovoltaik, 4,5 MW)
  • HopSol Solarpark Otjiwarongo (bei Otjiwarongo, Photovoltaik, 5 MW)
  • Otjozondjupa Solar Park (bei Grootfontein, Photovoltaik, 5 MW)
  • Greenam  Keetmanshoop (bei Keetmanshoop, Solar, 10 MW)
  • Greenam Mariental (bei Mariental, Solar, 10 MW)
  • Osona Plant (bie Okahandja, Solar, 5 MW)
  • Alten Renewable Hardap (bei Marinetal, klar, 35 MW)
  • Trekkopje Solar Project (bei Arandis, Solar, 5 MW)

Bei all diesen Projekten handelt es sich aber noch immer nur um relativ kleine Anlagen, die nur einen geringen Teil des wachsenden namibischen Strombedarfs decken werden. Inzwischen gibt es nun aber auch konkrete Pläne und Bauvorhaben für deutlich größere Solar- und Windkraftanlagen mit Kapazitäten von bis zu 300 MW pro Anlage, darunter ein Windpark bei Lüderitz. Wie viele dieser Projekte dann aber tatsächlich auch umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. 

Die Landwirtschaft Namibias bietet hingegen nur noch begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten. Im Großen und Ganzen erscheint das infolge des Klimas sowieso nur recht begrenzte landwirtschaftliche Potenzial Namibias zumindest in den 'Commercial Lands' weitgehend ausgereizt. Die (potenziell) bewässerbare landwirtschaftliche Fläche ist mit etwa 47.000 ha nur gering. Im Jahr 2010 betrug die tatsächlich bewässerte Fläche lediglich ca. 9.000 ha. Dies entspricht gerade mal 90 km² bzw. einer Fläche von 10 x 9 km bzw. ca. 0.01% der Gesamtfläche Namibias. Der zurzeit im Bau befindliche Neckartaldamm bei Keetmanshoop wird noch einiges an zusätzlicher Bewässerungsfläche ermöglichen und in den kommunalen Gebieten gibt es hier und da sicher auch noch etwas Intensivierungspotenzial für die Viehzucht, aber damit scheint das Potenzial der namibischen Landwirtschaft dann auch weitgehend ausgeschöpft.

Die im Augenblick an der Küste beginnende Ausweitung des Uranabbaus wird - vorausgesetzt die Pläne werden trotz des zurzeit fallenden Uranpreises irgendwann einmal umgesetzt - zu einem zeitlich begrenzten Wirtschaftsboom führen, aber dieser wird nach spätestens 20 – 30 Jahren (der typische Lebensdauer von Uranminen) beendet sein. Auch der Uranabbau bietet damit bestenfalls ein zeitlich sehr begrenztes Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung und keine langfristige Perspektive.

Vor der Küste von Süd-Namibia wurden schon vor vielen Jahren mit der Entdeckung des Kudu Gasfeldes erhebliche Gasvorkommen nachgewiesen, aber bisher wurden diese noch immer nicht genutzt. Seit Jahren wird immer wieder mal neu diskutiert, wie das Gasvorkommen am besten zu nutzen sei. Die zurzeit beste Option scheint die Verstromung des Gasvorkommens durch ein noch zu bauendes Gaskraftwerk bei Oranjemund zu sein. Aber auch das liegt zurzeit offenbar (wieder einmal) auf Eis, jedenfalls war hierzu war jetzt bereits seit Längerem nichts mehr in der Presse zu lesen.

Vor der Küste werden auch umfangreiche Ölvorkommen vermutet, aber wirklich abbauwürdige Lagerstätten konnten bisher trotz einiger vielversprechender Prospektionsergebnisse noch nicht nachgewiesen werden. Definitiv nachgewiesen sind hingegen Off-Shore-Phosphat-Vorkommen. Die Ausbeutung der Phosphatlager am Meeresgrund durch die Firma Namibia Marine Phosphate ist bereits beantragt. Eine erste, vor kurzem gegen erhebliche Widerstände im Lande (insbesondere von Umweltexperten und des Fischereiministeriums) erteilte Abbaugenehmigung für zunächst drei Jahre wurde inzwischen jedoch wieder (vorerst) zurückgezogen.

All diesen Projekte im Bereich der Bodenschätze haben eines gemeinsam: Sie sind ncht nachhaltig, da über kurz oder lang die Vorräte erschöpft sein werden.

Im sekundären Sektor ist das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial sehr gering. Angesichts der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung in Ländern wie Indien, China, Südkorea oder Brasilien wird es Namibia schwer haben, in absehbarer Zeit verarbeitende Industrien aufzubauen, die zum einen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind und die zum anderen Produkte erzeugen, deren Komplexität und Wertschöpfung über die zurzeit bestehende Produktion von Fleisch- und Fischkonserven, Bier und Zement hinausgeht.

Für den Aufbau von klassischen Industrien mit hoher Wertschöpfung (z.B. Elektronik, Maschinenbau, Chemie / Pharmazie etc.) fehlt dem Land die dazu notwendige 'kritische Masse' an Erfahrung, Know-How, Fachkräften, Forschungskapazitäten, aber auch an Kapital. Es gibt zwar kleinere Produktnischen, etwa im Bereich Ethno-Kosmetika / Ethno-Pharmaka, aber diese werde weder erheblich zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, noch können solche Nischenprodukte in größerem Umfang Arbeitsplätze schaffen.

Immer wieder wird von Politikern, aber auch vielen sonstigen (z.T. selbsternannten) Experten gefordert, die Bodenschätze des Landes vor dem Export zu veredeln, um somit einen höheren Anteil der Wertschöpfung im eigenen Lande zu erreichen und so deutlich höhere Exporteinnahmen zu erzielen. Diese auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbare Forderung erweist sich bei näherem Hinschauen jedoch als wenig realistisch. Robin Sherbourne, einer der führenden Ökonomen Namibias, hat in in einem Vortrag einmal alle namibischen Bodenschätze und ihre (theoretischen) Veredelungsmöglichkeiten vorgestellt und kam zu dem Schluss, dass dieses Potential - aus einer ganzen Reihe von Gründen - ausgesprochen begrenzt ist. Hierbei ist es egal, ob man hierbei auf Uran und Diamanten schaut (die beiden Hauptexportprodukte), auf Gold-, Zink und Kupfer oder andere Mineralien, die in geringeren Mengen abgebaut werden.

Die angestrebte zusätzliche Wertschöpfung durch Veredelung vor Ort scheitert in aller Regel an einem oder mehreren der folgende Probleme:

  • fehlendes Know-how, fehlende Erfahrung und Tradition,
  • fehlende hochqualifizierte Fachkräfte,
  • fehlende 'kritische Masse' (vor allem - aber nicht nur - bei der Produktionsmenge),
  • fehlendes (nationales) Kapital für Großinvestitionen,
  • ein zu kleiner Heimatmarkt und / oder in der Region,
  • ganz allgemein unzureichende Rahmenbedingungen (Infrastruktur, Strom / Wasser, Logistik usw.)

Insgesamt mündet dies in einer allgemein mangelnden wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit in vielen der o.a. Bereiche. Namibia kann - aus einer Vielzahl von Gründen - in bestimmten Bereichen der Wirtschaft im überaus harten internationalen Wettbewerb unserer globalisierten Welt schlichtweg nicht mithalten und dies sich wird kurz- und mittelfristig auch kaum ändern.

So bleibt die immer mal wieder angeregte  Veredelung von Uranoxid zu Brennstäben (und sogar die Wiederaufbereitung von Brennstäben) ebenso 'wishful thinking' nicht ausreichend informierter Politiker, wie die Weiterveredelung von Gold (Goldschmelze) und anderen Metallen. Auch die Weiterverarbeitung von Rohdiamanten im Lande hat trotz der Bemühungen, zumindest einen Teil der Rohdiamanten vor Ort zumindest zu schleifen, nur sehr begrenztes Potenzial.

In Namibia wird verkannt, dass zum Aufbau z.B. einer international konkurrenzfähigen Schmuckindustrie die über lange Jahre entstandene Tradition und ein entsprechend historisch 'gewachsenes' Umfeld weitaus wichtiger ist als die Produktion des Rohmaterials. Eine Schmuckindustrie-Region, wie sie sich z.B. im Raum Pforzheim über viele Jahrzehnte entwickelt hat, lässt sich ebensowenig aus dem Boden stampfen wie das Know-how hochspezialisierter Firmen zur Uranverarbeitung, die IT-Industrie des Silikon Valley in den USA oder die deutsche Maschinenbau und Autoindustrie.

Anstatt also auf Bereiche zu schauen, in denen das Land sowieso keine Chance hat, jemals international konkurrenzfähig zu werden, sollte sich Namibia eher auf Bereiche konzentrieren, in denen es komparative Vorteile hat oder zumindest eine eigene Nische besetzen kann. Komparative Vorteile hat Namibia ganz sicher bei der Produktion alternativer Energie (Sonne, Wind, Biomasse). Das Land könnte nicht nur locker seinen eigenen Bedarf mit alternativer Energie abdecken, sondern darüber hinaus auch in erheblichem Maße Strom in die Nachbarländer exportieren. Auch der Tourismus ist zwar bereits recht gut ausgebaut aber durchaus noch weiter entwicklungsfähig.

Das größte, bisher noch nicht ausgeschöpfte Entwicklungspotenzial des Landes dürfte aber sicher in einer besseren Veredelung seiner tierischen Produkte liegen (vor allem Fleisch und Fisch, aber auch Leder und Felle). Hier liegen noch erhebliche, bisher nicht annähernd ausgeschöpfte Entwicklungspotenziale.

So könnte man beispielsweise aus Teilen der namibischen Rind- und Schaffleischproduktion spezielle namibische Delikatessen für den  europäischen, amerikanischen und japanischen Gourmet-Markt entwickeln, anstatt das Fleisch unverarbeitet zu exportieren. Gleiches gilt für den Fischfang, der zurzeit entweder unverarbeitet in den Export geht oder zu mittelmäßigen Fischkonserven verarbeitet wird.

Länder wie Frankreich, Spanien und vor allem Italien machen vor, wie man landwirtschaftliche Produkten so weiterveredelt, dass eine eine enorme Wertschöpfung im Lande erfolgt. So sind z.B. Serrano- und Parma-Schinken, Mailänder Salami, Chostorra /Chorizo, Cecina, Trüffel-Salami, Camenbert, Roquefort-Käse, Calvados, Bouillabaisse oder auch norwegischer Lachs sind nicht nur hochpreisige und entsprechend einträgliche Exportartikel, sondern gleichzeitig auch 'kulinarische Botschafter' der jeweiligen Länder. Angesichts der exzellenten Qualität der Rohprodukte, die Namibia erzeugt (Rindfleisch, Schaffleisch, Fisch) fragt man sich, warum das Land nicht mehr aus diesen Ressourcen macht. Hier wäre durchaus Raum, eigene lokale Spezialitäten zu entwickeln und als 'Made in Namibia' weltweit zu vermarkten. 

 

 

 

 

 

Entwicklungspolitik

Die Abbildung zeigt, dass die USA und Deutschland bislang die mit Abstand größten Geberländer waren, seit 2004 haben die USA Deutschland als größten Geber abgelöst.
Bilaterale Entwicklungshilfe an Namibia 1990 - 2008 (€). © T. Christiansen
Rechnet man die Zuwendungen in pro-Kopf Zahlen um, wird deutlich, dass Namibia aufgrund seiner relativ geringen Einwohnerzahl sehr hohe Zuwendungen erhält.
Per Capita Entwicklungshilfe an Namibia 1990 - 2008 (€). © T. Christiansen

Wie eine Auswertung von Weltbank-Daten (s. Abb.) zeigt, hat Namibia zwischen 1990 und 2008 allein an bilateraler Entwicklungshilfe (OECD-Länder plus Europäische Gemeinschaft) im Durchschnitt etwa 95 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Hinzu kommen noch Zuwendungen der Weltbank und verschiedener UN-Organisationen sowie Unterstützung durch nicht der OECD angehörige Länder, wie zum Beispiel China.

Umgerechnet auf die jeweilige Bevölkerungszahl, erhielt Namibia zwischen 1990 und 2008 insgesamt (also bilaterale Hilfe plus UN-Organisationen) etwa 64 € (ca. 640 N$) Entwicklungshilfe pro Kopf und Jahr. Das Maximum der Zuwendungen (87 € pro Person/Jahr) wurde 1991 erreicht, also direkt nach der Unabhängigkeit, das Minimum betrug 42 € pro Person/Jahr (2002). (Anmerkung: Die oben angegebenen Umrechnungen von € in N$ basieren auf dem damaligen mittleren Wechselkurs von 1 : 10).

Die Gesamtsumme aller bi-und multilateralen Zuwendungen lässt sich nur schätzen, da die verfügbaren Zahlen unvollständig sind. Auf Basis der ausgewerteten Daten lässt sich jedoch hochrechnen, dass Namibia zwischen 1990 und 2008 deutlich über zwei Milliarden Euro (N$ 20 Milliarden) an Entwicklungshilfe erhalten hat. Umgerechnet sind dies etwa € 900 (N$ 9.000) pro Kopf der gegenwärtig etwa 2,1 Millionen Namibier.

Hinzu kamen dann nach 2008 weitere hohe Zuwendungen, insbesondere durch das zwischen 2010 und 2014 implementierte Millennium Challenge Account (MCA) Programm der Amerikaner. Das MCA-Programm umfasste Investitionen in Höhe von US$ 304,5 Millionen (ca. € 230  Millionen bzw. N$ 2,3 Milliarden). Das Programm investierte in zahlreiche Projekte der Bereiche Bildung, Landwirtschaft und Tourismusförderung. Darüber engagieren sich die Amerikaner bzw. deren staatliche Entwicklungshilfeorganisation USAID in Namibia vor allem auch sehr stark im Kampf gegen HIV/Aids.

Die meisten großen bilateralen und multilateralen Geberorganisationen sind in Windhoek vertreten, u.a. natürlich die UN mit dem United Nations Development Programme (UNDP) und dem United Nations Information Centre Windhoek und die Europäische Union, die in Windhoek eine eigene EU-Vertretung mit einer eigenen Botschafterin hat. Auch die Weltbank ist in Namibia aktiv, hat aber dort keine eigene Filiale. Die Aktivitäten der Weltbank werden über das Weltbankbüro in Südafrika verwaltet und gesteuert. Schließlich ist natürlich auch die Afrikanische Entwicklungsbank (ADB) an Projekten bzw. Projektfinanzierungen in Namibia beteiligt. Eine Zusammenfassung der Namibia-Aktivitäten der ADB gibt das ADB Namibia Country Strategy Paper 2014 - 2018.

Umfang und Ausrichtung der deutschen Entwicklungshilfe in Namibia haben sich im Laufe der Jahre immer mal wieder etwas geändert. Derzeit liegt der Schwerpunkt der deutschen Technischen Zusammenarbeit mit Namibia auf den drei Bereichen Management natürlicher Ressourcen (inkl. Landreform), Transport und Logistik sowie nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Für 2016 / 2017 wurden von Deutschland insgesamt weitere EUR 73,5 Mill. an TZ- und FZ-Mitteln an Zuschüssen und noch einmal EUR 60 Mill. and vergünstigten Krediten zugesagt.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Namibia, die durch das BMZ koordiniert wird, ist in Namibia mit zahlreichen unterschiedlichen Organisationen vertreten. Neben der GIZ (inklusive CIM) und der KfW sind hier vor allem die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sowie die verschiedenen politische Stiftungen zu erwähnen. Von den parteinahen Stiftungen sind in Windhoek drei mit einem eigenem Büro vertreten:

Auch die Bundeswehr unterstützt Namibia, vor allem durch Berater und Sachmittel mit Schwerpunkt auf den Bereichen Ausbildung und Logistik.

Schließlich finanzieren auch Spanien und Frankreich Projekte in Namibia. Frankreich ist darüber hinaus in Windhoek mit einem großen Kulturzentrum präsent (Franco Namibian Cultural Centre (FNCC)). Die skandinavischen Länder sowie Luxemburg haben ihre Entwicklungshilfe vor einigen Jahren  eingestellt, da Namibia inzwischen als Upper Middle Income Country eingestuft wurde. Manch namibischer Politiker (auch Präsident Hage Geingob) ist von dieser Höhereinstufung nicht gerade begeistert, da dadurch einige  Geberländer Namibia keine Mittel mehr zur Verfügung stellen.

Zu den Mitteln westlicher Geberländer kommen in zunehmendem Maße auch Gelder aus China. China hat seine Präsenz in Namibia durch den Bezug seines neuen, fast drei Hektar großen Botschaftsgeländes im Stadtteil Ludwigsdorf demonstrativ verstärkt und deutlich gemacht, dass es beabsichtigt, seinen Einfluss im Lande weiter auszubauen. Fast alle große Bauprojekten der Regierung (z.B. Ausbau des Flughafens und Hafens von Walvis Bay, der Ausbau des internationalen Flughafens usw.) sind inzwischen fest in Hand chinesischer Firmen. Dabei werden diese Geschäfte chinesischer Privatfirmen häufig durch begleitende (und mit bestimmten Bedingungen verbundene) Soft-Loans der chinesischen Regierung tatkräftig unterstützt.

Die wesentlichen international geprägten Leitlinien der namibischen Entwicklung sind neben den bisherigen Zielvorgaben der Millennium Development Goals (MDGs) seit 2015 die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) Die nationalen Leitlinien der Entwicklung Namibias fasst die noch von Altpräsident Sam Nujoma Anfang des neuen Jahrtausends initiierte 'Vision 2030' zusammen, die die Basis bilden für die darauf aufbauenden Fünf-Jahresplänen der National Planning Commission (NPC). Der fünfte sogenannte National Development Plan  (NDP 5, für den Zeitraum 2017/18 - 2021/22) wurde im Mai 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei der Zielerreichung der MDGs liegt Namibia laut Daten von TAC Economics Anfang 2016 bei insgesamt 42% und ist damit für fünf der acht MDG-Hauptziele "on track for 2020".

Aktuelle Entwicklungen

Wirtschaftsthemen und kontrovers diskutierte Projekte

In den Wirtschaftsteilen der namibischen Zeitungen ging es 2016/2017 vor allem um die sich verschlechternde gesamtwirtschaftliche Lage Namibias, die seit Jahren anhaltende Dürre, die drohenden Deckungslücken bei der Wasser- und Stromversorgung und die verschiedenen geplanten (oder diskutierten) Projekte an der Küste, sowie - insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2016 - um das kontrovers diskutierte NEEEF-Vorhaben.

Insbesondere NEEEF, das sogenannte New Equity Economic Empowerment Framework, verunsichert namibische Geschäftsleute und potenzielle ausländische Investoren gleichermaßen. Wird NEEEF in der jetzt als 'Bill' (Gesetzesentwurf) eingebrachten Form als Gesetz verabschiedet, würde dies bedeuten, dass alle weißen Inhaber eines Betriebs (ob In- oder Ausländer) 25% ihrer Firmenanteile an einen (schwarzen) namibischen Partner verkaufen müssten.

Die zurzeit bestehende Unsicherheit bzgl. des geplanten neuen Gesetzes beeinträchtigt Namibias Wettbewerbsfähigkeit als Investitionsstandort erheblich und lässt potenzielle Investoren (einheimische wie ausländische) gegenwärtig zurückhaltend agieren. Auf einer im November 2016 in Windhoek abgehaltenen Investitionskonferenz bekräftigte Präsident Hage Geingob noch einmal, dass die Regierung an NEEEF festhalte.

Neben NEEEF standen und stehen zur Zeit (November 2017 vor allem folgende Themen im Fokus:

Auf Grund der sehr geringen Niederschläge 2014 bis 2016 drohte inbesondere Windhoek das Wasser auszugehen. Der Wasserstand in den namibischen Stauseen war bedrohlich gesunken. Die Stadt Windhoek hatte daraufhin die Notbremse gezogen und drastische Wassersparmaßnahmen eingeleitet. Glücklicherweise hat sich der Wasserversorgungsengpass dann durch eine recht gute Regensaison 2016/17 wieder etwas entspannt und auch im November 2017 hat es bereits einige gute Regenfälle gegeben, so dass allgemein erneut eine gute Regensaison erwartet wird.

Als langfristige Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung (insbesondere von Windhoek) werden Fernwasserleitungen bis an die Küste (Meerwasserentsalzung) und in den Norden (Wasser vom Okavango) diskutiert. Auch bei der Wasserinfrastruktur der Städte und Kommunen gibt es auf Grund mangelnder Investitionen und Wartungsrückstände erheblichen Handlungsbedarf.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2018 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Thomas Christiansen, Geograph, Akademischer Rat am Institut für Geographie der JLU Gießen. Langjährige EZ/TZ-Erfahrung in Afrika, Naher Osten, Süd- und Südostasien. Seit 2010 Landestrainer für Namibia an der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ). Arbeitet seit April 2014 als Integrierte Fachkraft (CIM) als Professor für Geo-Spatial Sciences and Technology an der Namibia University of Sciences and Technology in Windhoek.

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