Demonstration in Kathmandu © Lisa Melnikova
Gründung
1768
Staatsoberhaupt
Bidya Devi Bhandari
Regierungschef
Khagda Pradas Oli
Politisches System
Mehrparteiensystem
Demokratie Status-Index (BTI)
Rang 75 (von 129) (2016)
Korruptionsindex (CPI)
Rang 130 (von 167) (2015)

Geschichte

Statue von Bupathindra Malla © Lisa Melnikova

In seinen heutigen Grenzen wurde der Staat Nepal durch die militärischen Aktivitäten des Königshauses der Shah von Gorkha zwischen 1743 und 1816 geeinigt. Prithvi Narayan Shah, der 1768 die unabhängigen Fürstentümer Kathmandu, Patan und Bhaktapur militärisch erobern und als Königreich vereinigen konnte, wird von der Staatselite als Staatsgründer des modernen Nepals zelebriert. Die Zeit davor - Prähistorie und Frühzeit, die Zeit der Licchavi (ca. 350-750 n. Chr.), die Thakuri und die frühen Malla (ca. 750-1482), die drei Malla-Reiche (1482-1769) - ist hauptsächlich durch Berichte über das Kathmandu-Tal in den Geschichtsbüchern repräsentiert.

1846 wurden die Machtkämpfe zwischen Mitgliedern der Königsfamilie und diversen Adelsfamilien durch Jang Bahadur Kunwar beendet. Die daraus entstandene Familienherrschaft der Rana dominierte das Land bis 1951. Nach der Beseitigung der Rana-Herrschaft in den 1950er Jahren begannen die ersten vorsichtigen Demokratisierungsversuche. Ende 1960 endeten diese Versuche in der Restauration des absoluten Königtums unter dem Deckmantel des parteilosen Panchayat-Systems (1960-90). Erst danach erfolgte der Durchbruch zu einer demokratischen Staatsform. 1991 sah sich die monarchische Regierung auf Druck der politischen Parteien gezwungen, eine Reform der Verfassung in Angriff zu nehmen und ein Mehrparteienparlament zu etablieren.

Bürgerkrieg und Entstehung der Demokratischen Bundesrepublik Nepal

Im Februar 1996 überreichte die Communist Party of Nepal-Maoist (CPN-M) der vom Nepali Congress geführten Koalitionsregierung einen Forderungskatalog, der die Beendigung der Monarchie, Verstaatlichung von kapitalistischem Eigentum, Kündigung von Abkommen mit Indien, Erklärung Nepals zum säkularen Staat, diverse Sozialreformen und Erarbeitung einer neuen Verfassung umfasste. Nachdem die Regierung sie ignorierte, riefen die Maoisten den bewaffneten Kampf aus.

Strukturelle Ursachen des Konflikts finden sich in den dramatischen sozialen Ungerechtigkeiten, der extremen Armut auf dem Land und der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Gruppen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Ethnie, Kaste oder Religion. Unmittelbare Konfliktursachen waren zum einen das Unvermögen der erst seit 1991 bestehenden Demokratie, die Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern und zum anderen eine Radikalisierung der außerparlamentarischen Linken und die Formierung der Maoisten. Die brutale Reaktion der nepalesischen Sicherheitskräfte auf den, anfangs lokal begrenzten, bewaffneten Widerstand trug erheblich zu dessen Ausbreitung bei.

Die gegen Ende des Krieges über 90.000 Mann starke und von Indien ausgestattete nepalesische Armee konnte die rund 10.000 Mann starke, nur leicht bewaffnete, und in Guerilla-Taktik operierende „Volksbefreiungsarmee“ besiegen. Maoisten kontrollierten fast 80 % von Nepals Territorium, konnten aber keine der 75 Distrikt-Hauptstädte einnehmen.

König Gyanendra, der mit Verweis auf den Bürgerkrieg im Februar 2005 die absolute Monarchie wieder einführte, seine umfassende Macht aber nicht in militärische Erfolge umsetzen konnte, verlor die Unterstützung der Bevölkerung. Dies trieb Maoisten und die in der Sieben-Parteien-Allianz (Seven-Party-Alliance, SPA) verbündeten traditionellen politischen Parteien, angeführt vom Nepali Congress (NC), in Friedensverhandlungen und in ein Bündnis gegen den König.

Das Bündnis zwischen den Maoisten und der SPA schuf die Voraussetzungen für die „Volksbewegung“ im April 2006, in der Massenproteste in Kathmandu den König zwangen das Parlament wieder einzusetzen und die Regierungsmacht an die politischen Parteien abzugeben.

Die Volksbewegung setzte offizielle Friedensverhandlungen in Gang: Maoisten und SPA unterzeichneten im Mai 2006 ein Waffenstillstandsabkommen und am 8. November 2006 das "Umfassende Friedensabkommen", das den zehnjährigen „Volkskrieg“ offiziell beendete. Zu den wichtigsten Forderungen der Maoisten, deren Erfüllung vom Staat im Friedensabkommen garantiert wurde, zählten Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung, die Abschaffung der Monarchie, die Integration der maoistischen Volksbefreiungsarmee in die Nepal Army und die Schaffung einer föderalen Republik Nepal. Diese Willenserklärung fand Eingang in die Übergangsverfassung, die am 15. Januar 2007 in Kraft trat. Ein Übergangsparlament mit maoistischer Beteiligung wurde einberufen. Am 28. Mai 2008 wurde die Abschaffung der 240 Jahre alten Hindu-Monarchie beschlossen und die „Federal Democratic Republic of Nepal “ ausgerufen.

Staat

Parlamentsgebäude
Kommunistische Demonstration
Sicherheitskräfte
Straßenpatrouille © Lisa Melnikova

Staatspräsidentin (mit hauptsächlich repräsentativen Funktionen) ist seit 28.10.2015 Bidya Devi Bhandari. Die Staatspräsidentin ist Oberkommandierende der Streitkräfte, jedoch liegt die faktische Führung der Armee beim Nationalen Verteidigungsrat unter Vorsitz des Premierministers.

Die Übergangsverfassung vom 15. Januar 2007 beinhaltete eine parlamentarische Mehrparteien-Demokratie unter Verankerung der Prinzipien von Volkssouveränität, Mehrparteiensystem, Unabhängigkeit der Rechtsprechung, sowie Garantie der Grundrechte und bürgerlichen Freiheiten. Am 9. März 2007 beschloss das Übergangsparlament eine Verfassungsergänzung über die Umwandlung Nepals in einen föderalen Staat. Am 19.11.2013 wurde die zweite Verfassunggebende Versammlung (CA) gewählt, die als Parlament fungierte

Nach jahrelangem politischen Streit und mehrmaliger Verlängerung der Frist wurde am 20.09.2015 eine neue Verfassung verabschiedet. Die Verfassung ersetzt die seit dem Ende des Bürgerkrieges geltende Übergangsverfassung. Die demokratische Verfassung gibt dem Land ein föderales System mit sieben Provinzen. Sie bestätigt Nepal als eine säkulare Republik und regelt die Einführung eines parlamentarischen Zweikammersystems. Mit der Verkündung der Verfassung hat sich die Verfassungsgebende Versammlung aufgelöst und hat die Funktion des Parlaments übernommen. Das Parlament bestimmte den Parteiführer der CPN-UML Khagda Prasad Oli zum neuen Premierminister. Er leitet den Ministerrat.

Die Gerichtsbarkeit ist unabhängig und gemäß internationalen Maßstäben des Rechtsdenkens ausgerichtet. Das Gerichtswesen ist dreistufig: an der Spitze steht der Oberste Gerichtshof, darunter rangieren die Appellations- und die Distriktgerichte.

Der Respekt für die Einhaltung rechtsstaatlicher Normen und das Vertrauen in die bestehenden Rechtsorgane sind erodiert. Die formelle Justiz ist in Nepal für Konfliktparteien oft kaum erreichbar, unzuverlässig und zu teuer. Die weit verbreitete Korruption der Polizeibehörden und der Staatsverwaltung trägt dazu bei, dass die Bevölkerung kein Vertrauen in die bestehenden Rechtsorgane setzt.

Nepal ist in 5 Entwicklungsregionen (Regional Development Areas), 14 Verwaltungszonen (Anchal), 75 Distrikte und 58 Städte sowie knapp 4.000 Landgemeinden (Village Development Committees) untergliedert. Die Verwaltung ist dezentralisiert. Es gibt Dorf-, Stadt- und Distrikträte.

Innenpolitik

Politische Parteien

Wichtigste Parteien sind die Vereinte Kommunistische Partei Nepals-Maoisten (UCPN-M), der Nepalesische Kongress (NC), die Kommunistische Partei Nepals - Vereinigte Marxisten-Leninisten (CPN-UML), das Madhesi Janaadhikar Forum (MJF), die Tarai Madhes Loktantrik Partei (TMLP), die Nationaldemokratische Partei (Rastriya Prajatantra Partei (RPP) und die Sadabhawana Partei. 

Verfassungsgebende Versammlung 04.2008-05.2012

Die erste Verfassungsgebende Versammlung (CA) wurde am 10.04.2008 vom Volk gewählt. Sie sollte eine Doppelfunktion erfüllen: zum einen sollte sie die legislativen Aufgaben eines Parlaments wahrnehmen, zum anderen sollte sie eine neue Verfassung erarbeiten.

Die Regierungsbildung gestaltete sich als äußerst kompliziert. Die Maoisten erhielten bei den Wahlen 2008 knapp 30 % der Stimmen und gewannen die Hälfte der Direktmandate. Mit 220 von insgesamt 610 Sitzen in der Verfassungsgebenden Versammlung hatten die Maoisten damit genau doppelt so viele Mandate wie die nächstgrößte Partei, der Nepalesische Kongress. Erst nach mehreren Monaten konnte eine Regierung unter Ministerpräsident Prachanda - dem ehemaligen Guerilla-Führer - gebildet werden, der der Nepalesische Kongress fernblieb.

Die Frage, wer fortan die Armee kontrollieren sollte, blieb unbeantwortet. Im April 2009 entließ Prachanda den Stabschef der nepalesischen Armee, der sich weigerte, die maoistischen Kombattanten in die Armee einzugliedern. Die politischen Gegner der Maoisten konnten den Staatspräsidenten Ram Baran Yadav dazu gewinnen, die Entlassung rückgängig zu machen. Damit überschritt Präsident Yadav seine Machtbefugnisse, wollte aber sein Eingreifen nicht revidieren. Daraufhin trat Prachanda unter Protest zurück und eine neue Regierungskoalition unter Ausschluss der Maoisten wurde gebildet. An dieser Regierungskoalition waren 22 Parteien beteiligt, was eine effektive Regierungsarbeit unmöglich machte. Der Premierminister wurde Mahdav Kumar Nepal (CPN (UML)). Die CPN (Maoist) boykottierte die CA, in der sie über 40 % der Sitze verfügte, was die parlamentarische Diskussion behinderte.

Im Mai 2010 hatten sich die drei wichtigsten Parteien des Landes auf die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit verständigt. Dabei wurde eine Verlängerung des eigentlich zeitgleich auslaufenden Mandats des Parlaments um ein Jahr beschlossen, um die Vollendung einer neuen Verfassung zu ermöglichen. Es kam aber zu heftigen Auseinandersetzungen über die genaue Ausgestaltung der Regierung und zu zahlreichen Machtkämpfen zwischen den Spitzen der Parteien. Die Maoisten drängten Premierminister Nepal, sein Amt aufzugeben.

Regierungskrise

Die nach seinem Rücktritt eingesetzten Wahlen mündeten in einer fast acht Monate andauernden Regierungskrise. Die Wahlen blieben nach sechzehn Versuchen, die zwischen Juli 2010 und Januar 2011 stattfanden, erfolglos: Keiner der Kandidaten konnte eine ausreichende Mehrheit erreichen. Der Maoistenkandidat Pushpa Kamal hatte seine Kandidatur zurückgezogen; Der Kandidat des NC Ram Chandra Poudel war der einzige Kandidat geblieben, der sich stur weiterhin jedes Mal zur Wahl stellte. Die Parteien konnten sich auf die Verfahren zur Wahl des Premierministers lange Zeit nicht einigen. Erst im 17. Anlauf konnte das Parlament einen Ministerpräsidenten wählen. Neuer Regierungschef wurde der Vorsitzende der gemäßigten Kommunistischen Partei (CPN-UML) Jhala Nath Khanal. Von seiner Partei wurden ihm zu viele Zugeständnisse an die Maoisten vorgeworfen. Der offene Konflikt führte zu seinem Rücktritt am 14. August 2011.

Der neue Premierminister wurde Baburam Bhattarai. Er ist einer der beliebtesten Politiker in Nepal und gehört zum gemäßigten Flügel der Maoisten.

Am 25. November 2011 erklärte der Oberste Gerichtshof, dass die Erarbeitung eines Verfassungsentwurfs spätestens bis zum 28. Mai 2012 vom provisorischen Parlament abgesegnet werden sollte. Eine nochmalige Ausdehnung der Frist wurde damit ausgeschlossen. Diese Frist wurde schon viermal verlängert: Nach einer kurzen Phase konstruktiver Arbeit kehrten die Politiker immer wieder zu erbitterten Machtkämpfen und Kompromissunfähigkeit zurück. Denn den eigentlichen Grund für die Verzögerungen bildete die ideologische Kluft zwischen den Maoisten und den bürgerlichen Parteien im Parlament. Das Gerangel um Macht und Posten macht wiederum große Teile der Bevölkerung skeptisch gegenüber ihren Politikern.

Die neue Verfassung wird Grundwerte wie Republikanismus, Föderalismus, Säkularismus, Demokratie und die Einbeziehung des Volkes in politische Entscheidungen festschreiben. Über einige Themen - die Gestaltung des Föderalismus, die Anzahl der Provinzen und die Grundlage für deren Bildung - gibt es hingegen nach wie vor Auseinandersetzungen. Während die Bevölkerung für die pünktliche Fertigstellung des Grundgesetzes demonstrierte, erziehlten die Politiker keine Einigung. So blieb dem Regierungschef Bhattarai die Auflösung der Verfassungsgebenden Versammlung bekannt zu geben.

Erst Mitte September 2012 einigten sich die vier wichtigsten Parteien im Frühling 2013 eine neue verfassungsgebende Versammlung zu wählen. Die politische Landschaft Nepals wurde wieder von Ungewissheit beherrscht: Mehrere Verhandlungsrunden zur Bildung einer Übergangsregierung der nationalen Einheit scheiterten.

Die großen Parteien stehen vor ernsten internen Problemen. Die Fraktion von Parteivize Mohan Baidhya der UCP (M) hat dafür entschieden, sich von der maoistischen Partei zu trennen und eine eigene Partei zu gründen. Ein ähnlicher Trend ist auch bei der Kommunistischen Partei (CPN-UML) zu beobachten. Eine interne Spaltung der etablierten Parteien wird die schon angespannte politische Situation zusätzlich aufheizen.

Nach einer langen politischen Blockade ist in Nepal der Präsident des Obersten Gerichtshofs Khil Rai Regmi zum Chef einer Übergangsregierung ernannt worden. Gegen seine Ernennung regte sich umgehend Widerstand, vor dem Obersten Gericht wurde Klage eingereicht.

Wahlen 2013

Mitte Juni 2013 hat die Übergangsregierung angekündigt, dass die Wahlen zu einer neuen Verfassungsgebenden Versammlung am 19. November stattfinden sollten. Mehrere Parteien protestierten gegen die neuen Wahlen. Die Registrierung von Wählern wurde teilweise mit Gewalt verhindert.

Rund 12,5 Millionen Menschen waren in Nepal aufgerufen, eine neue Verfassungsgebende Versammlung zu bestimmen. Kandidaten aus insgesamt 122 Parteien standen für die 601 Sitze zur Wahl. Über 70 % der Stimmberechtigten sind am 19. November zur Urne gegangen.

Mit gewaltsamen Aktionen boykottierten 33 Parteien die Wahl der Verfassunggebenden Versammlung. Tausende Bürger konnten wegen eines Streiks im Transportwesen nicht die Wahllokale in ihren Heimatorten erreichen.

Zweite Verfassungsgebende Versammlung

Nepals Wahlkommission hat die amtlichen Ergebnisse der Wahl zur zweiten Verfassungsgebenden Versammlung bekanntgegeben: Die sozialdemokratisch orientierte Partei Nepali Congress (NC) erhielt 196 Abgeordnetensitze. Damit wurde sie zwar die stärkste Partei im Parlament, hatte aber die absolute Mehrheit von 301 Sitzen nicht erreicht. Auf dem zweiten Platz folgte die KP Nepals (Vereinte Marxisten-Leninisten) mit 175 und auf dem dritten Platz die Vereinte KP Nepals (Maoistisch) mit 80 Sitzen. Unabhängige Wahlbeobachter haben die Wahlen als frei und fair bezeichnet.

Die Abgeordneten sollten nach mehrjähriger Verzögerung ein Grundgesetz ausarbeiten. Zugleich fungierte die Versammlung als Parlament und stellte eine neue Regierung auf. Am 10. Februar 2014 wurde Sushil Koirala, Präsident des Nepali Congress (NC), mit großer Stimmenmehrheit der Mitglieder der Verfassungsgebenden Versammlung zum Premierminister gewählt.

Neue Verfassung

Die beiden verheerenden Erdbeben im April und Mai 2015, bei denen über 8000 Menschen getötet und rund eine halbe Million Häuser zerstört wurden, hatten den Druck auf die Politik erhöht, die Verfassungsfrage nach jahrelangem Streit einvernehmlich zu lösen. Regierung und Opposition haben sich auf einen Weg hin zu einer neuen Verfassung über höchst umstrittene Punkte geeinigt: Das Parlament soll über eine Mischung aus Listen und Direktkandidaten gewählt werden. Es wurde geregelt, wie der Regierungschef und der Staatsoberhaupt bestimmt werden. Nepal soll in Zukunft in sieben Bundesstaaten aufgeteilt werden.

Überschattet von gewaltsamen Protesten hat das Parlament am 20.09.2015 eine neue Verfassung verabschiedet. 507 der 598 Abgeordneten stimmten für die demokratische Verfassung, die nun die seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2006 geltende Übergangsverfassung ersetzt. Sie gibt dem Land ein föderales System mit sieben Provinzen.

Die Hoffnung, mit der neuen Verfassung den Frieden im Land zu stabilisieren, trog jedoch bisher. Vor allem die ethnischen Minderheiten der Tharu und Madhesi im Süden Nepals fühlen sich ausgegrenzt. Sie fürchten, durch den neuen Zuschnitt der Provinzen künftig nicht angemessen politisch repräsentiert zu werden. Andere Gegner des Verfassungsentwurfs hatten gefordert, dass Nepal im Verfassungstext als hinduistische Nation definiert wird. In den Wochen vor dem Votum waren bei Protesten gegen die neue Verfassung mehr als 40 Menschen getötet worden.

Friedensprozess

Das im November 2006 unterzeichnete umfassende Friedensabkommen erklärt, dass die verbliebenden Soldaten der Volksbefreiungsarmee (PLA) in die Sicherheitskräfte des Staates – Armee, Polizei oder bewaffnete Polizeikräfte – integriert werden sollen. Bis dahin befanden sich ca. 20.000 maoistische Kämpfer (darunter 4000 Frauen, 3000 Kinder und Jugendliche) in den Sammellagern. Die PLA-Kader sind formal dem Befehl des speziellen Komittes zur Integration der Armee unterstellt worden.

Unter Zeitdruck haben die vier großen Parteien Anfang November 2011 ein Abkommen geschlossen, das den Weg aus der politischen Krise weisen sollte. Laut Abkommen erklärt sich die UCPN-M bereit, alle in ihrem Besitz befindlichen Waffen abzugeben, während des Krieges beschlagnahmtes Land zurückzugeben und die paramilitärische Struktur ihrer Jugendliga aufzulösen. Innerhalb eines Monats sollten eine Wahrheits- und Versöhnungskommission sowie ein Gremium zur Untersuchung »erzwungenen Verschwindens« gebildet werden.

Laut Abkommen sollen von den knapp 20 000 Kämpfern der einstigen Volksbefreiungsarmee 6500 in eine Sondereinheit für Entwicklungsaufgaben aufgenommen werden. Diese Truppe soll beispielsweise beim Forstschutz und fürs Krisenmanagement eingesetzt werden. Für den Rest der maoistischen Kämpfer gibt es ein Wiedereingliederungspaket, das schulische und berufliche Ausbildung, Arbeitsangebote oder eine finanzielle Abfindung enthält. Schließlich wurde umgehend ein Expertenteam formiert, das Empfehlungen für den Verfassungstext sollte. Am 10. April 2012 übernahm die nepalesische Armee die Kontrolle über die 15 Lager der Volksarmee, zusammen mit deren Waffen und Kämpfern.

Föderalismus

Die Führer aller großen politischen Parteien haben in der Übergangsverfassung festgelegt, dass Nepal in Zukunft eine föderale Republik sein soll. Die Forderung nach Föderalismus, auf der Grundlage der Siedlungsgebiete der ethnischen Gruppen (mit Aufwertung der indigenen Sprachen und Kulturen), kam ursprünglich von den Organisationen der ethnischen Minderheiten des Landes. Diese Forderungen der unterdrückten Bevölkerungsgruppen wurden von den Maoisten in ihr politisches Programm aufgenommen, was ihnen eine große Anhängerschaft gebracht hat. Aber auch bei Befürwortern eines föderalen Systems auf ethnischer Grundlage, zu denen inzwischen neben den Maoisten auch die CPN (UML) und die Terai-Parteien zählen, ist die Frage umstritten, wie ein solches System konkret aussehen könnte.

Der Widerstand gegen Föderalismus auf ethnischer Grundlage ist groß, so würde der NC ein föderales System, dessen Provinzen sich an geographischen Gegebenheiten orientieren, bevorzugen. Verschiedene in Terai entstandene politische Parteien fordern aus dem gesamten Tieflandgürtel einen neuen Staat namens Mahdes zu schaffen.

Menschenrechte

Die Menschenrechtsorganisationen in Nepal fordern von der Regierung das Schicksal der Verschwundenen, im Bürgerkrieg verschleppten und ermordeten Menschen, aufzuklären. Die Regierung kommt aber diesen Forderungen nicht nach: Der Gesetzentwurf zur Einrichtung der Wahrheits- und Versöhnungskommission wurde vom Parlament noch nicht verabschiedet. Das Militär und die ehemaligen Rebellen schützen die Täter in ihren Reihen. Es herrscht ein Klima der Straflosigkeit.

Jegliche Diskriminierung auf der Basis der Kastenzugehörigkeit ist von der nepalesischen Verfassung verboten. Trotzdem werden Angehörige „unberührbarer Kasten“ (Dalits) vielfach ausgegrenzt.

Medien

Zeitungsstand in Kathmandu © Lisa Melnikova

Bis ins Jahr 1990 waren Nepals Medien einer strengen Zensur unterworfen. Heute garantiert die Verfassung die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit und die Medienlandschaft hat sich beträchtlich erweitert.

Wichtige Medien sind die Tageszeitungen The Kathmandu Post, Kantipur, Anapurna Post und die staatliche The Rising Nepal, sowie die Wochenzeitungen Nepali Times und People’s Review. Der Verbreitungsgrad der Printmedien ist wegen der hohen Analphabetenrate begrenzt. Journalisten werden seitens der Maoisten häufig unter Druck gesetzt sobald über die Partei kritisch berichtet wird.

Das Fernsehen erreicht ca. 20 % der nepalesischen Bevölkerung. Neben der staatlichen Nepal Television gibt es zahlreiche private Fernsehsender, wie z.B. Nepal 1, Sagartmatha TV und Channel Nepal.

Das Radio hat den größten Verbreitungsgrad und den größten Einfluss auf die politische Meinungsbildung. Radio Nepal (gegründet 1951) hat 18 Sendestationen und sendet 20 Stunden pro Tag in 20 Sprachen. Zu den privaten Radiosendern zählen u.a. Himalaya Broadcasting, Hits FM, Radio Kantipur, Radio Lumbini, Image FM und Radio Sagarmatha.

Im Index der Pressefreiheit 2016 der Reporter ohne Grenzen befindet sich Nepal auf dem 105. Platz von 180 Ländern.

Außenpolitik

Die Grundsätze der UN-Charter, die Non-Alignment-Politik und der Wert des Weltfriedens sind die Hauptdeterminanten für Nepals Außenpolitik, trotz vieler unterschiedlicher Interessen der politischen Parteien des Landes.

Nepal ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Gruppe der 77, Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral Technical and Economic Cooperation (BIMSTEC), the Colombo Plan for Cooperative Economic and Social Development in Asia and the Pacific sowie der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Die Lage des Landes, zwischen Indien und China, erfordert von Nepal eine Politik der guten Nachbarschaft und des Interessenausgleichs zu den beiden Großmächten. Indien, als "großer Bruder" Nepals, beansprucht aus geschichtlichen und kulturellen Gründen eine Art Sonderrolle gegenüber Nepal. Die wirtschaftliche Abhängigkeit Nepals vom südlichen Nachbarn ist sehr hoch: Indien ist größter Handelspartner Nepals. Auch entwicklungs- und energiepolitisch ist Indien stark in Nepal involviert: zwischen den Lädern wurden große Kredit- und Investitionsabkommen, u.a. über die Nutzung von Wasserkraft, abgeschlossen.

Nach dem Volksaufstand in Tibet nahm Nepal jedes Jahr ca. 2000 tibetische Flüchtlinge auf. Heute leben in Nepal ca. 30.000 tibetische Flüchtlinge, etwa ein Drittel von ihnen illegal. China, dessen wirtschaftliche Verbindungen zu Nepal expandieren, übt Druck auf Nepal aus, verstärkt gegen tibetische Flüchtlinge im Land vorzugehen.

Der Ausbau ökonomischer Beziehungen zu anderen Ländern gestaltet sich für Nepal auch nach der Gründung der Wirtschaftsgemeinschaft SAARC (Südasiatische Gemeinschaft für Regionale Zusammenarbeit) 1985 als schwierig.

Die Beziehungen zu Bhutan sind wegen des Konfliktes um nepalistämmige Flüchtlinge aus Südbhutan (Lhotsampas), die sich in Nepal aufhalten, belastet.

Die für Nepal wichtigsten bilateralen Beziehungen bestehen u.a. mit den USA, der Europäischen Union, Großbritannien, der Volksrepublik China, Indien, Russland, Japan, Deutschland. Die Bundesrepublik unterstützt den Friedens- und Demokratisierungsprozess in Nepal. Weitere wichtige Komponenten der Beziehungen beider Länder sind die Entwicklungszusammenarbeit, der bilaterale Handel sowie die Kooperation in den Bereichen Kultur und Wissenschaft.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

Über die Autorin

Lisa Melnikova

M.A., geb. 1982

ist Ethnologin und seit 2006 als Regionaltutorin für die Regionen Asien und Osteuropa bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)2224 926 - 144

Zum Kontaktformular