Café in Granada. © WÜ
Währung
Córdoba (NIO)
Wechselkurs
1 US$=34,70 NIO (November 2020), 1 EUR=41,85 NIO
Landesvorwahl (Telefon)
+505
Ländercode Internet
.ni
Klima (für Hauptstadt)
Tropisch
Internationaler Flughafen (IATA)
MGA (Managua)
Zeitzone
UTC -6

Einreise und Aufenthalt

Deutsche Botschaft Managua Foto: Webseite Botschaft

Für die Einreise nach Nicaragua brauchen deutsche Staatsbürger bei einem Aufenthalt bis zu 90 Tagen kein Visum. Sie müssen jedoch eine Touristenkarte zum Preis von 10 US$ (plus eine Gebühr von 2 US$) erwerben. Der Reisepass sollte bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein. Kinderausweise müssen mit einem Foto versehen sein. Wenn Sie über die USA reisen, beachten Sie, dass Sie auch bei reinem Transit die Einreise- und Zollkontrolle der US-Behörden durchlaufen müssen.

Für längerfristige Aufenthalte muss eine Bewilligung bei der nicaraguanischen Einwanderungsbehörde beantragt werden. Auf der Seite des Nicaraguaportals oder bei der deutschen Botschaft in Managua können Sie erfahren, welche Unterlagen dafür notwendig sind.

Wohnen und Versorgung

Wer in Nicaragua einigermaßen wohlhabend ist, wohnt im eigenen Haus. Gebäude mit Mietwohnungen sind nicht so häufig und verfügen meistens über kleine Appartements für den gehobenen Bedarf von Junggesellen, Geschäftsleuten etc. Natürlich kann man auch Häuser und Wohnungen mieten. Die Mieten sind keineswegs billig und hängen stark von Lage und Ausstattung ab. Oft liegen die angebotenen Häuser oder Wohnungen in einer geschlossenen, bewachten Anlage, "Condominio" genannt.

Wer eine Wohnung sucht, lässt sich am besten von Freunden und Kollegen vor Ort beraten. Die besten Angebote bekommt man (wie überall) durch Hörensagen und eigene Suche. Man kann aber auch schon von Deutschland aus Angebote über das Internet ansehen, z.B. vom privaten Maklerdienst "encuentra24". Die Tücken des Wohnungsmarktes in Managua sind gelegentlich auch Thema in der Presse.

Die Gelben Seiten von Nicaragua ermöglichen den Kontakt mit Geschäften und Dienstleistungen aller Art.

Was die Versorgung mit Gütern angeht, so findet man in Managua und den größeren Städten Nicaraguas ein großes Warenangebot vor und muss kaum auf eine Annehmlichkeit verzichten, die man von zuhause gewohnt ist. Die Infrastruktur für den Alltag und die Gesundheitsversorgung ist vorhanden, nur von entlegenen Orten aus ist sie möglicherweise schwerer zu erreichen.

Nützliche Adressen und Hinweise

Die Deutsche Botschaft liegt an der Calle Erasmus de Rotterdam (Carretera Masaya, km 5, einen Block entfernt vom Colegio Teresiano). Sie kann über die Telefonnummern 2255-6920, -6921 oder -6922 angerufen werden. Unter der Mobilfunk-Nr. 8882 3971 gibt es einen Notfalldienst außerhalb der Öffnungszeiten, der auch per SMS erreichbar ist.

In Managua gibt es eine Deutsche Schule, an der Eltern ihre schulpflichtigen Kinder anmelden können. 

Für touristische Informationen und Angebote kann man sich an das Instituto Nicaraguense de Turismo wenden. Es hat ein Büro im Zentrum von Managua (Nähe Hotel Crowne Plaza, früher "Intercontinental") und Büros in allen wichtigen Touristenorten des Landes.

Das aktuelle Wetter in Managua und anderen Städten lässt sich hier einsehen. 

Eine Liste der gesetzlichen und religiösen Feiertage kann für Besucher nützlich sein.

Einen Sprachführer, der auf die Besonderheiten des nicaraguanischen Spanisch eingeht, und eine nützliche Landkarte (mit Honduras und El Salvador) kann man von dieser Adresse beziehen.

Die Stromversorgung ist auf eine Netzspannung von 110 V und eine Frequenz von 60 Hz eingestellt. Es ist zu empfehlen, für empfindliche Geräte (Notebooks, HiFi-Anlagen etc.) eine UPS (Uninterrupted Power Supply) zu besorgen, damit Spannungsschwankungen ausgeglichen und Schäden vermieden werden können. Die Steckdosen sind nach der US-Norm ausgerichtet (zwei flache Kontakte), und es ist empfehlenswert, Adapter für deutsche Gerätestecker mitzunehmen. Bei evtl. auftretenden Stromabschaltungen sind Geräte mit Batterieversorgung und Taschenlampen nützlich.

Maße und Gewichte

Obwohl in Nicaragua schon im 19. Jahrhundert das metrische System eingeführt wurde, sind im Alltagsleben weiterhin einige Maße und Gewichte gebräuchlich, die ungewohnte Bezeichnungen haben. Sie sind altspanischer Herkunft, oder sie sind aus dem angelsächsischen Bereich übernommen worden.

Die folgende Übersicht soll eine praktische Hilfe für das Verständnis der Bezeichnungen sein und die Umrechnung in das metrische System erleichtern:

Spanische Bezeichnung Deutsche Bezeichnung Entsprechung im metrischen System
vara (spanische) Elle 0,84 m
yarda (englische) Elle 0,91 m
pie Fuß 30,48 cm
pulgada Zoll 2,54 cm
manzana (spanischer) Morgen 0,70 ha
galón (amerikanische) Gallone 3,785 l
onza Unze 28,3 g
libra (amerikanisches) Pfund 0,454 kg
arroba Scheffel 11,32 kg
quintal (spanischer) Zentner 45,36 kg

Geld und Geldtransfer

Geldwechsler im Markt, Foto: Nicaraguaportal.

Die nicaraguanische Währung ist der Córdoba (NIO). Er wurde 1912, also vor über hundert Jahren eingeführt. Der Wechselkurs beträgt 34,70 NIO für einen US$ (November 2020). Das entspricht 41,85 NIO für 1 Euro. Der Wert des Euro hängt vom Wechselkurs zum US$ ab, denn in jedem Fall wird der NIO zuerst in Dollar konvertiert und schwankt daher im Wert zusammen mit dem Dollar. Der aktuelle Dollarkurs, der laufend angepasst wird, kann bei der Zentralbank abgefragt werden. Mit einem Währungsrechner lassen sich alle Beträge und Devisen leicht konvertieren.

Wenn man Bargeld mitnehmen möchte, sollten es US-Dollar sein. Der Euro ist zum Umtausch offiziell zugelassen, aber der Umgang damit ist noch wenig gebräuchlich, und der Wechselkurs ist für Eurobesitzer eher ungünstig.

Einfach ist das Abheben in der Bank mit der Kreditkarte (Mastercard, Visa). In den Banken gibt es aber oft lange Wartezeiten. Außerdem muss man darauf achten, dass auf dem Land Bankfilialen selten sind und man beim Abheben deshalb auf Schwierigkeiten stoßen kann.

Mit der EC-Karte und der PIN-Nr. kann man am landesweiten Netz der Geldautomaten (z.B. Credomatic) Geld ziehen. Bei der Eingabe der PIN-Nr. am Automaten sollte man (genau wie in Deutschland) vorsichtig sein und die Tastatur verdecken. Reisechecks sind nicht mehr empfehlenswert, denn der Umtausch ist aufwändig und kostet zusätzliche Gebühren.

An bestimmten öffentlichen Orten kann man bei den sogenannten „coyotes“ schwarz Geld tauschen (Dollar-Córdoba). Das ist in der Regel ungefährlich und geht viel schneller als in der Bank. Lange war der informelle Geldumtausch nicht kostengünstiger als in der Bank. Das könnte sich aber wieder ändern, denn die Angst vor einer Abwertung des Córdoba geht um.

Reisen und Transport

Bus im Regional- und Lokaltransport. Foto: Paul Hofmann

Die meisten Reisenden erreichen Nicaragua über den Flughafen „Aeropuerto Internacional Augusto C. Sandino“ (MGA), der ca. 15 km vom Stadtzentrum Managuas entfernt liegt. Die großen Fluglinien, die das Land anfliegen, unterhalten dort und in der Stadt Büros. Eine nationale Fluglinie gibt es nicht mehr. Die spanische Fluggesellschaft IBERIA hatte angekündigt, zum 1. Oktober 2018 die erste Direktverbindung nach Europa aufzunehmen (Madrid-Managua). Die Eröffnung der neuen Verbindung wurde aber im August 2018 mangels Nachfrage verschoben, weil der Tourismus in Folge der Unruhen schon damals dramatisch eingebrochen war. Im Jahr 2019 konnte sich der Flugverkehr langsam wieder etwas erholen. Ende März 2020 musste der Flughafen A.C. Sandino aber geschlossen und der Passagierverkehr wegen der Corona-Krise komplett eingestellt werden. Mitte Juli 2020 wurde der Flughafen als erster in Zentralamerika wieder geöffnet, und die großen Fluggesellschaften wie COPA, Avianca, UNITED und Aeromexico stellten die Wiederaufnahme des Linienverkehrs für September in Aussicht. Die Rückkehr der internationalen Verbindungen wurde aber immer wieder verschoben, da die Fluggesellschaften mit der Regierung über die Hygienevorschriften streiten und außerdem von der Wirtschaftskrise gebeutelt werden. Mit einer Normalisierung des Flugverkehrs ist jetzt frühestens für Januar 2021 zu rechnen. Das bedeutet einen (weiteren) schweren Schlag für die Tourismusbranche, denn sie verliert damit die Hauptsaison in der Weihnachtszeit.

Man kann durch Zentralamerika auch mit dem Bus reisen. Zwei bekannte Buslinien für internationale Verbindungen sind der TicaBus und die Fa. Transnica. Die Reise auf dem Landweg ist billig und durchaus zu empfehlen, wenn man die Gegend kennenlernen will. Sie hat aber den Nachteil, dass der Grenzübertritt in der Regel langwierig und unbequem ist.

Die Pazifik- und die Zentralregion sind relativ gut erschlossen, und das Straßennetz wurde in den letzten Jahren erheblich verbessert. Seit 2011 gibt es z.B. eine durchgehend asphaltierte Straße nach San Carlos. 2019 wurde auch die erste vollwertige Straßenverbindung an die Atlantikküste fertig. Bisher konnte man nur bis Rama fahren und musste dann das Flussboot nehmen. Die Fahrzeit Managua-Bluefields verkürzt sich daher um drei Stunden. Aber viele der auf der Landkarte eingetragenen Straßen sind immer noch Schotterpisten und nur bedingt PKW-tauglich. 2017 waren von 24.515 Straßenkilometern lediglich 9.756 ganzjährig befahrbar, und davon nur ein Teil asphaltiert. Darum kann es in der Regenzeit dazu kommen, dass entlegene Landstriche oft tagelang nicht zu erreichen sind, weil man z.B. die kreuzenden Flüsse nicht mehr durchfahren kann. Die Straßenverbindung nach Puerto Cabezas/Bilwi über Bonanza ist z.B. nicht ganzjährig befahrbar, und die Busreise bedeutet in jedem Fall eine erhebliche Strapaze. Für Ausflüge in den Norden der Karibikküste oder nach Corn Island nimmt man deshalb besser immer noch das Flugzeug. Diese Ziele werden von der internen Fluglinie LA COSTEÑA bedient. 

Ein durchorganisiertes Verkehrsnetz verbindet große und kleine Städte mit Bussen. Da das Land nicht so groß ist, sind die meisten Ziele relativ schnell zu erreichen; wenn man kann, nimmt man einen „expreso“, der nicht überall anhalten muss. Es gibt in Managua keinen zentralen Busbahnhof. Die Busse fahren von unterschiedlichen Punkten ab ("terminales" und „paradas“), die man erfragen und möglichst frühzeitig aufsuchen muss. Es kommt auch vor, dass Busse liegen bleiben. Fahrpläne existieren nur bedingt. Ab Einbruch der Dunkelheit stellen die Linien ihren Dienst ein.

Entfernungen in Straßenkilometer.
Autorikscha. © WÜ

Der Öffentliche Nahverkehr in den Städten (Busse, Taxen, Kutschen, umgebaute LKW - je nach Ort) erscheint zunächst ziemlich improvisiert und ist sehr unübersichtlich. Er funktioniert aber besser als erwartet. Das gilt zumindest für die Tages- und frühen Abendstunden. Auf dem Land tauchen immer mehr Autorikschas aus indischer Produktion auf (s.Foto), die Taxidienste übernehmen. Mietwagen gibt es in Managua und einigen Provinzhauptstädten zu günstigen Preisen. Kreditkarte und internationaler Führerschein genügen.

Sicherheit für Ausländer

Nicaragua gilt seit langem als ein eher sicheres Reiseziel in Mittelamerika. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass sich seit dem 18.April 2018 eine breite Protestbewegung gegen die Regierung Ortega entwickelt hat. Die harte Repression durch Polizeieinheiten und paramilitärische Gruppen hat zahlreiche Todesopfer gefordert, und es kam 2018 immer wieder zu aufstandsähnlichen Situationen in vielen Teilen des Landes. Das Auswärtige Amt fordert Reisende auf, "weiterhin vorsichtig zu sein, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden und den Anweisungen der Sicherheitskräfte stets Folge zu leisten." Alle Besucher sollten sich über die aktuelle Lage informieren. Deutschen Staatsangehörigen, die sich in Nicaragua aufhalten, wird dringend empfohlen, sich in die Krisenvorsorgeliste einzutragen.

Im Hinblick auf die aktuelle Coronakrise weist das Auswärtige Amt darauf hin, dass für Nicaragua eine Reisewarnung besteht und nicht notwendige, touristische Reisen unterbleiben sollen. Alle anderen Reisenden sollen die Nachrichten verfolgen und sich über die Ausbreitung des Corona-Virus in Nicaragua laufend informieren. Seit Anfang April 2020 sind alle regulären Flugverbindungen von und nach Nicaragua unterbrochen. Die teilweise Wiederaufnahme des Flugverkehrs ist frühestens für Anfang Oktober zu erwarten.

Im Übrigen gilt weiterhin: Nicaragua hat eine niedrige Kriminalitätsrate. Im zentralamerikanischen Vergleich weist es z.B. die weitaus geringste Häufigkeit von Mordfällen auf. Dennoch ist in manchen Situationen Vorsicht angesagt. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man nicht mehr überall zu Fuß unterwegs sein, und manche Stadtviertel gelten als unsicher. Nachtfahrten im eigenen Auto erfordern schon wegen der erhöhten Unfallgefahr besondere Vorsicht; es kann auch gefährlich sein, auf einsamen Straßen bei Nacht anzuhalten. Auf Märkten und Busbahnhöfen, bei Festen und großen Menschenansammlungen besteht ein erhöhtes Diebstahlrisiko; da muss man wirklich gut aufpassen, um Ärger zu vermeiden. Ein Auto sollte man nicht längere Zeit unbeaufsichtigt stehen lassen. In der Stadt sucht man am besten einen bewachten Parkplatz, oder man beauftragt einen der vielen Privatwächter (z.B. am Strand oder abends vor dem Restaurant), gegen eine kleine Gebühr ein Auge darauf zu haben („cuidar“). Dann sind keine Probleme zu erwarten.

Abgesehen von der aktuellen Lage (s.o.) gehen die Warnungen und Empfehlungen des Auswärtigen Amtes auf die Gefahr von Überfällen, Diebstählen und besondere Sicherheitsrisiken bei Reisen im Landesinneren ein. Man sollte sie durchlesen und ernst nehmen, auch wenn sie teilweise übervorsichtig sind. In letzter Zeit wird leider öfter berichtet, dass Fahrgäste in Taxis überfallen und ausgeraubt worden sind. Das kann ja nicht heißen, dass man keine Taxe mehr besteigen sollte. Bei Fahrten zu Zielen außerhalb Managuas, besonders in den Nachtstunden, sollte man aber besonders vorsichtig sein und sich im Hotel oder bei Bekannten nach einem Taxi erkundigen, dessen Chauffeur persönlich bekannt ist.

Die Regierung von Nicaragua hat unter der Telefonnummer 101 einen Notruf für Touristen eingerichtet. Das Telefon wird rund um die Uhr von spanisch- und englischsprachigen Polizisten betreut.

Nicaragua ist stark von Erdbeben gefährdet, und leichtere Erdstöße (sogenannte „temblores“) kommen durchaus öfter vor. Informieren Sie sich darum über Verhaltensregeln und empfehlenswerte Vorsorgemaßnahmen. Das GeoForschungszentrum Potsdam hat ein Merkblatt Erdbeben ausgearbeitet, das man zur Kenntnis nehmen sollte.

Gesund bleiben

Das Auswärtige Amt empfiehlt für Reisen nach Nicaragua eine Impfung gegen Hepatitis A, Tetanus und Diphterie. Es besteht regional (besonders an der Atlantikküste und in Sumpfgebieten) ein erhöhtes Malaria-Risiko, das die Prophylaxe notwendig macht. Lesen Sie die „Medizinischen Hinweise“ aufmerksam durch und sprechen Sie vor der Ausreise mit Ihrem Arzt. Der Abschluss einer Reisekrankenversicherung ist zu empfehlen.

Insgesamt kann man sagen, dass Nicaragua ein gesundes und gut verträgliches Klima hat. Wegen der Hitze und wegen der hygienischen Verhältnisse besteht aber ein erhöhtes Infektionsrisiko. Das erfordert z.B. schon bei kleinen Wunden und Insektenbissen eine erhöhte Aufmerksamkeit. Die wichtigste Vorsorge besteht darin, sich gesund zu erhalten und sich körperlich nicht zu übernehmen. So sollte man nach Möglichkeit in der Mittagshitze eine Ruhepause einplanen und dem frühen Morgen im Tageslauf ein größeren Stellenwert einräumen, als man das von Deutschland her gewohnt ist.

Weitere Gesundheits- und Impfinformationen sowie Tipps zu Ernährung und Hygiene sind auch vom Reisemedinizischen Infoservice und vom Tropenmedizinischen Institut Hamburg zu bekommen.

Telekommunikation und Internet

Im Telefonnetz Nicaraguas gibt es heute nur 326.000 Festnetzanschlüsse, und seit 2017 geht die Zahl sogar zurück. Das entspricht 5,0 Anschlüssen pro 100 Einwohner. Diesem gravierenden Rückstand (im Vergleich: Costa Rica hat 15,5, Guatemala 14,1) steht die explosionsartige Verbreitung der Mobiltelefone gegenüber. Davon gibt es 7,44 Mio. Stück, die überwiegende Mehrheit davon mit einem Prepaid-Vertrag. Das bedeutet, dass es pro 100 Einwohner 114,6 Mobilfunkteilnehmer gibt. Allerdings gibt es nicht mehr als 1,4 mobile Breitbandanschlüsse pro 100 Einwohner (Costa Rica: 87,2. Angaben nach dem Weltdatenatlas von KNOEMA). Dieser geringe Prozentsatz erklärt sich durch die hohen Kosten für die entsprechenden Verträge bzw. Geräte und durch den Rückstand beim entsprechenden Ausbau des Mobilfunknetzes. Die nicaraguanische Kammer für Internet und Telekommunikation (CANITEL) behauptet zwar, dass die mobile Telefonie in allen nationalen Gemeinden und die Versorgung im Standard 4G LTE in 42% aller Gemeinden verfügbar ist. Das Netz ist aber lückenhaft und noch lange nicht flächendeckend.

Die sozialen Netzwerke haben im Alltag Nicaraguas eine große Bedeutung erlangt und haben das gesellschaftliche Leben gründlich verändert. 88,3% der Mobilfunkteilnehmer benutzen den Messengerdienst WhatsApp. Facebook wird von 86,4% genutzt, Instagram von 68,5%, YouTube von 63,0% und Twitter von 55,1%. Diese Netzwerke haben eine zentrale Rolle beim Ausbruch der Protestbewegung im April 2018 gespielt, und sie sind für die Aktivitäten der Opposition weiterhin unverzichtbar. Deshalb beschäftigt sich die regierungsnahe Parlamentskommission für "Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden" (CVJP) in ihrem Bericht vom Februar 2019 ausführlich mit der angeblichen Gefahr, die von den Netzwerken ausgeht. Mangels direktem Zugang zu anderen Statistiken sind die obigen Nutzerzahlen dem Bericht der CVJP entnommen.

Das Geschäft mit der Telekommunikation haben sich bisher zwei Multis untereinander aufgeteilt: die mexikanische América Móvil (Claró-ENITEL) und die spanische Telefónica (Movistar). Im Februar 2019 hat Telefónica jedoch seine Filialen in Costa Rica, Panama und Nicaragua verkauft und sich ganz aus Zentralamerika zurückgezogen. Die nicaraguanische Movistar ging an den schwedischen Konzern Millicom International Cellular S.A. und brachte 379 Mio. Euro ein. Millicom ist auf den Mobiltelefonmarkt in Afrika und Lateinamerika ausgerichtet und will in Zukunft auch an den damit verbundenen Finanzdienstleistungen verdienen.

Die Verbreitung von Internetanschlüssen weist in Nicaragua den niedrigsten Wert der Region auf. Im Jahr 2017 waren von 100 Einwohnern nur 27,9 Personen gelegentlich Internetbenutzer; in Guatemala waren es dagegen 40,7, in Costa Rica 71,6 (ITU 2018). Nur 16 von 100 Haushalten hatten 2016 einen Internetanschluss zuhause (im Vergleich: Guatemala 19, Costa Rica 65, ITU 2016).

Die hohen Kosten für Netzanschlüsse und der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften behindern den weiteren Ausbau der Technologien empfindlich. Der Global IT-Report 2016, der den Stellenwert der IT-Netzwerke in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik bewertet, sieht Nicaragua auf dem miserablen Platz 131 (von 139), weit hinter Costa Rica (44) und Guatemala (103). Der Nachholbedarf ist der Regierung bewusst, und sie hat ENATREL damit beauftragt, Stadtvierteln, Veranstaltungszentren und Schulen mit WLAN-Stationen den kostenlosen Zugang zum Internet zu verschaffen. Viele der so entstandenen Hotspots sind nach Ausbruch der Proestbewegung im April 2018 aber abgeschaltet worden, um die Nutzung der sozialen Netzwerke durch die Opposition zu erschweren.

Praktische Hinweise: Die Vorwahl für Telefonate nach Nicaragua ist 00505. Danach gibt es für das ganze Land keine Vorwahlnummern mehr, man wählt also gleich die Nummer des Teilnehmers. Die Nummern für Festnetzanschlüsse beginnen mit einer „2“, die für Mobiltelefone mit einer "8". Der Telefon- und Faxverkehr mit dem Ausland funktioniert gut und zuverlässig. In allen größeren und kleineren Städten gibt es preiswerte Internet-Cafés.

Aufgrund der Corona-Krise ist der Kommunikationsbedarf mit elektronischen Medien in Nicaragua (wie überall) stark angewachsen. Die gestiegene Nachfrage nach Home-Office, digitalem Schulunterricht und Studium wie auch nach mehr Unterhaltungssendungen zuhause hat neue Dimensionen erreicht. Die beiden führenden Konzerne CLARO und MILLICOM (Marke "Tigo") haben sich durch die Einführung neuer Tarife darauf eingestellt und bieten die Ausweitung der verfügbaren Datenmengen und den beschleunigten Zugang in großen Werbekampagnen an.

Für die Installation eines privaten Internetanschlusses kann man sich an kommerzielle Anbieter wenden, z.B. Claró oder IBW. Die Firma Yota de Nicaragua verspricht schnelle Internetanschlüsse für alle privaten und kommerziellen Nutzer und arbeitet mit der staatlichen Agentur ENATREL zusammen. Tatsächlich kann das erforderliche Glasfasernetz aber nur ganz allmählich über den Großraum Managua hinaus ausgeweitet werden. Mit einem Kredit von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) wird daran gearbeitet, die Länge des Breitbandkabelnetzes im Land (Glasfasertechnik) von 1400 auf 3100 km zu erhöhen.  (vgl. Landkarte bei CANITEL)  

Nachbemerkung

Der Autor dankt Stefan Mazur, Hannover, für die Mitarbeit bei der Technik und Gestaltung dieser Seite. Zahlreiche Fotos für diese Seite kommen aus dem Nicaraguaportal; Herrn Dr. Engler-Hamm sei hiermit für die Genehmigung gedankt. Cordelia Dilg, Paul Hofmann und Ralf Leonhard erlaubten freundlicherweise die Übernahme weiterer Fotos. Alle Bilder des Autors Volker Wünderich sind mit "© WÜ" gekennzeichnet.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2020 aktualisiert.

Autor

Volker Wünderich, Privatdozent am Historischen Seminar der Leibniz-Universität Hannover, ist seit langem mit Nicaragua und Zentralamerika eng verbunden.

Publikationen: Sandino, Eine politische Biographie (Peter Hammer Verlag 1995; Spanisch Managua, 2.Aufl.2010); Mitherausgeber/Autor von: Mosquitia, die andere Hälfte Nicaraguas (Junius Verlag 1987); Zentralamerika heute (Vervuert Verlag 2008); Kaffeewelten. Historische Perspektiven auf eine globale Ware im 20.Jahrhundert (V&R unipress 2015).

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