Niger im Herbst, Foto: A. Bartelsmeier
Offizieller Name
Republik Niger
Fläche
1.267 Mio. km²
Einwohner
über 24 Mio. (2020, geschätzt)
Bevölkerungswachstum
3,8 %/Jahr (2019, geschätzt)
Regierungssitz
Niamey
Amtssprache
Französisch
Landessprachen
Haussa, Djerma-Songhai, Fulfulde, Tamaschek u.a.

Kartenmaterial

Übersichtskarte
Übersichtskarte / Quelle: CIA World Factbook (public domain)

Die Republik Niger ist ein Binnenstaat und zu einem großen Teil in der Sahara gelegen. Im Westen grenzen Mali und Burkina Faso, im Süden Benin und Nigeria, im Osten Tschad, im Norden Libyen und Algerien an das Land.

Um die enormen Ausmaße der Wüstengebiete einschätzen zu können, vermittelt die Ansicht einer physischen Karte eine guten Eindruck. Das Luftbild zeigt die Kargheit des größtenteils semi-ariden Landes. Um einen Eindruck der Besiedlungsdichte mancher Regionen bzw. weiterer, nahezu menschenleerer Gebiete Nigers zu erhalten seien interaktive Karten empfohlen. Denn die Zahlen der Populationsdichte von etwa 19 Pers/qkm sind für Niger nicht aussagefähig. Eine Regionenkarte verdeutlicht zudem das Verbindungsnetz der verschiedenen Räume.

Diverse aktuelle Themenkarten sind bei ReliefWeb zu finden, u.a. zu Themen wie (Natur-) Katastrophen, Krankheitsepidemien, der Flüchtlingssituation im Westen des Landes (malisches Grenzgebiet) und im Osten des Landes (Region Diffa) und dem nigerianischen Grenzgebiet.

Die Karten der FAO geben einen guten Überblick über die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, Bevölkerungsverteilung, Niederschlagsmengen, Temperaturen u.ä.

Markante Indikatoren der menschlichen Entwicklung Nigers

Durchschnittliche Lebenserwartung 64,9/62,4 (2020)
Bevölkerungswachstum pro Jahr 3,8 % (2020)
Bruttoinlandsprodukt (pro Kopf, Kaufkraftparität) 912 US-$ (2019)
Analphabetenrate der über 15-Jährigen 71,3 % (2016)
Einschulungsrate 71 % (2016)
Kindersterblichkeit (Tote/1.000 Lebendgeburten) 88/1.000 (2016)
Anteil der unterernährten Kinder jünger als 5 Jahre 40 % (2012)
Anteil der Bevölkerung ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser 48 % (2012)
Geburtenrate (Anzahl Kinder/Frau) 7,2 (2018)

Niger liegt entsprechend den Indikatoren für menschliche Entwicklung (laut Human Development Report) auf dem letzten Rang von 189 Staaten: Platz 189 (HDI 2020). Niger rangiert in den letzten Jahren kontinuierlich auf den letzten zwei Rängen. Alle folgenden Informationen sind dem Bericht für menschliche Entwicklung, Populationdata, entnommen.

Interessante Zahlen und Werte zum Niger weist das CIA World Factbook auf. Weitere wertvolle Informationen finden Sie in der Übersicht des Auswärtigen Amtes, sowie der BBC. Es lohnt ebenfalls, die Seiten der University of Pennsylvania und des Statistischen Institutes des Nigers zu konsultieren.

Das Bevölkerungswachstum des Nigers ist eines der höchsten der Welt (die unterschiedlichen Statistiken weisen dabei Werte zwischen gut 3 % und knapp 4 % (3,82%) auf; der höchste Stand wurde in den Jahren 2013-2014 mit 3,98 % erreicht und es ist ein allmählicher Rückgang zu verzeichnen. 

Im Zuge des rapiden Bevölkerungsanstieges nimmt auch die Urbanisierung zu; mittlerweile leben über 19 % (2017) der nigrischen Bevölkerung in urbanen Zentren mit steigender Tendenz.

Der multidimensionale Armutsindex des Niger liegt bei 0,591. Gut 90% (90,6%:HDI 2018) der Nigrer  leben in ärmlichen Verhältnissen mit erheblichen Versorgungsproblemen: 44,5% der nigrischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und haben täglich weniger als 1,90 US Dollar zur Verfügung.

Anzumerken sind bei einigen dieser Durchschnittswerte die großen Unterschiede zwischen Stadt und Land, z.B. bei der Versorgung mit sauberem Wasser: in der Stadt 91 %, auf dem Land 32 %. Diese Defizite wirken sich insofern noch stärker aus, da Niger nach wie vor viele Flüchtlinge aus Mali (im Westen des Landes) und aus Nigeria (im Osten des Landes) beherbergt. Diese Menschen leben zumeist in wirtschaftlich schwachen Regionen, wo es häufig zu Nahrungsengpässen kommt.

 

Corona-Krise

Eine weitere Herausforderung für den Staat Niger. Die Untersuchungskapazitäten liegen niedrig; insofern werden die Grauziffern der Erkrankungen vermeintlich höher liegen als uns die Statistiken aufzeigen.

 

 

Naturräumliche Gegebenheiten

Regionen und Landschaften

Niger ist mit 1,27 Mio. km² knapp vier Mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland (357.000 km²). Bei einer Bevölkerungszahl von über 24 Millionen Menschen entspricht das 19 Menschen/km² (1961:3 Menschen/km²) - steigende Tendenz (229 Menschen/km² in Deutschland). Wie wenig vergleichbar diese Zahlen sind, zeigt uns ein Blick auf die Satellitenkarte, denn die Flächen des Nigers sind zum größten Teil Wüste und kaum bewohnbar.

Wüstenähnliche Oberfläche mit Grasbewuchs, Dornbüschen und Akazien
Steppe, Foto: A. Bartelsmeier
Sandwüste
Sandwüste, Foto: A. Bartelsmeier

Die Landschaft Nigers ist zum größten Teil durch Wüste (ca. 60 %) und wüstenähnliche Oberfläche mit Grasbewuchs und Dornbüschen und Akazien (ca. 30 %) zu beschreiben. Der südliche Landesteil an der Grenze zu Nigeria und der Südwesten liegen in der Sudanzone und weisen, bedingt durch die höheren Niederschläge, auch dichtere Waldstriche auf. Topografisch gibt es nur im Air-Gebirge nördlich von Agadez Berge, sonst ist die Landschaft öfter mit Hügeln durchsetzt, aber ein Großteil der Landschaft liegt auf einer Höhe von 300 bis 500 m.

Inselberg bei Dogondoutchi
Inselberg bei Dogondoutchi, Foto: A. Bartelsmeier
Inselberg in der Nähe von Ingall
Inselberg in der Nähe von Ingall, Foto: A. Bartelsmeier

Der Norden ist geprägt von Sand- und Steinwüsten, die teilweise dem Weltnaturerbe der UNESCO unterstehen. Größere Erhebungen zeigt das Landesprofil mit dem Air Gebirge (Mont Bagzane 2022 m) und der Hochebene von Djado (gut 500 m und einzelnen Erhebungen bis 1000 m), die zum Tibesti-Gebirge überleitet. An die Ténéré-Sandwüste im Osten schließen sich die Wüstengebiete des 'Grand Erg de Bilma' an; kleinere Höhenzüge erheben sich aus der Weite der Wüste und Halbwüste oder den Grasebenen der Pastoral- und Agro-Pastoralzone.

Am Fluss Komadougou
Am Fluss Komadougou, Foto: A. Bartelsmeier
Am einem Altarm des Nigers
Oase an einem Altarm des Niger, Foto: A. Bartelsmeier
Granitkugel bei Zinder
Granitkugel bei Zinder, Foto: A. Bartelsmeier

An manchen Stellen tritt der alte Grundgebirgssockel an die Oberfläche und der Granit verwittert zu Riesenkugeln wie auf dem Bild zu sehen, so in der Gegend von Zinder und im westlichen Landesteil am Fluss Niger.

Im Südosten bildet der Tschadsee die Grenze, eine ehemals große Wasserfläche, die erheblich von Austrocknung betroffen ist. Von über 25 000 qkm (vor 1973) ging die Seefläche auf 2 000 qkm in 2014 zurück. Dies sei auf den Klimawandel und die Wasserentnahme zurückzuführen, heißt es auf den Seiten der Kommission des Tschadseebeckens. Auf der Tschadsee-Konferenz, die Anfang April 2014 in Rimini stattfand, zeigten die Teilnehmer Einigkeit über die Notwendigkeit der Intervention zur Rettung dieser Landschaftsform; der nigrische Teil des Tschadsees steht auf der Vorschlagsliste der UNESCO für ein Weltnaturerbe, wo auch einige andere schützenswerte Regionen Nigers zu finden sind.

Flora und Fauna

Der Norden des Landes weist nur entlang der saisonal mit Wasser gefüllten Wadis Baum- und Strauch-Vegetation auf, davon viele Akaziengewächse. In den Oasen der Wüsten und des Air gibt es neben Dum- und Dattelpalmen ausgedehnte kultivierte Gärten. In den höheren Regionen des Air-Gebirges kommen aus früheren humiden Klimaepochen noch wilde Ölbäume, Feigen und Zypressen vor. In der Pastoralzone dominieren ausgedehnte Grasbestände, die von verschiedenen Akazienarten und von Calotropis durchsetzt sind.

Oasengarten im Air
Oasengarten im Air, Foto: A. Bartelsmeier
Calotropis
Calotropis, Foto: A. Bartelsmeier
Galeriewald am Niger
Galeriewald am Niger, Foto: A. Bartelsmeier

Das Mangaland im Südosten des Niger in der Gegend des Tschadsees zeigt Savannenvegetation. Der Pflanzenreichtum im Süden des Niger wird von Mahagoni-, Kapok- und Affenbrotbäumen bestimmt. Dichte Buschareale bedecken den Südwesten und die Region der Hauptstadt Niamey. Baobabs, die vermeintlichen Charakterbäume des Sahel, finden sich in größerer Zahl nur in den südlichen Landesteilen, im Norden fehlen sie leider fast völlig.

Giraffen im Reservat Kouré
Giraffen im Reservat Kouré, Foto: A. Bartelsmeier

Die Wildtierwelt des Niger ist erheblich bedroht, da es kaum wirklich greifende Schutzmaßnahmen gibt. In den nördlichen Regionen leben Gazellen, Addax, aber auch Strauße. Laut Liste der bedrohten Tierarten gehören die Addax-Antilopen zu den besonders gefährdeten Wildtierarten im Niger, weiterhin stehen Dama- und Dünen-Gazelle auf der Roten Liste, ebenso der Wildhund. Es wurden Wüsten-Geparde in der nigrischen Termit-Wüste entdeckt. Ein Gebiet von ca. 100.000 km² wurde im Termit-Massiv und der Wüste von Tin Toumma im März 2012 als nationales Natur- und Kulturreservat vom nigrischen Staat ausgewiesen und ist somit das größte afrikanische Reservat. Dieses Reservat ist eines von drei Reservaten im Niger, die mit Hilfe des Sahara Conservation Fund ins Leben gerufen wurden und von anderen Organisationen wie der Zoologischen Gesellschaft unterstützt wird. Das große Problem wird zukünftig sein, dass unter dem Gebiet Ölressourcen ruhen. Die Addax Antilopen, von denen 2007 immerhin noch 200 Tiere gesichtet wurden, haben sich möglicherweise weiter zurückgezogen. Nach Ankunft der chinesischen Ölgesellschaft im Jahr 2013 wurden noch 28 Tiere verzeichnet, 2017 konnten nur noch 6 Exemplare gesichtet werden.

Der Fluss Niger ist von Flusspferden besiedelt, insbesondere in der Region von Ayourou (nigeraufwärts Richtung malische Grenze). Östlich von Niamey, in der Gegend von Kouré, gibt es ein Reservat für Giraffen, welches eine große touristische Attraktion darstellt. Diese Giraffenpopulation wächst dank der Unterschutzstellung und Sensibilisierung der Bevölkerung. Gegenüber 50 Tieren im Jahre 1996 hat sich die Anzahl im Jahre 2012 auf über 300 Tiere vergrößert. Einzelne Affenherden lassen sich auch in der Weidezone nordöstlich von Abalak finden, allerdings meist nur in Form von Fußstapfen.

Elefanten im Nationalpark W
Elefanten im Nationalpark W, Foto: Kai-Uwe Seebörger

Aspekte der Biodiversität haben im dünn besiedelten Niger kaum Bedeutung, jedoch erließ die Regierung 2001 ein Jagdverbot für Löwen und Giraffen. Der Nationalpark W, 150 km südöstlich von Niamey gelegen, ist ein weiteres Weltnaturerbe Nigers. Der Park ist eine gemeinsame Einrichtung mit den Staaten Benin und Burkina Faso. Der Verlauf des Flusses Niger beschreibt hier ein „W“ und gab so dem Park den Namen. Als einziges noch intaktes Ökosystem im Niger beherbergt er eine typische Savannenfauna mit über 70 tagaktiven Säugetieren. Viele Wildtiere sind hier noch – einzigartig für den westafrikanischen Raum – in freier Wildbahn zu sehen. Neben Elefanten leben hier Büffel, Geparde und Löwen.

Klima

Der Niger ist gekennzeichnet durch trocken-heißes Klima, welches große Unterschiede der Tages- und Nachttemperatur – insbesondere im Norden – aufweist. In der Sahara fällt oft jahrelang kein Regen (weniger als 50 mm beträgt der Niederschlag im Jahresdurchschnitt). Tagsüber können die Temperaturen an die 50°C erreichen und nachts im Winter unter die Nullgradgrenze fallen. Im Süden ist das Klima in der Regenzeit feucht-heiß.

Es lassen sich drei Klima- und Vegetationszonen unterscheiden:

  • die Vollwüste (Téneré) mit aridem Klima und unregelmäßigen Regenfällen
  • die Sahelzone mit periodischem Sommerregen zwischen 100 und 400 mm Niederschlag pro Jahr (semi-arid und savannenartig)
  • und der Übergangsbereich zur Sudanzone im Süden und Südwesten mit über 500 mm Regen.

Die kühle Jahreszeit dauert von Dezember bis zum Februar; danach steigt die Temperatur rapide an, um im Mai den Höhepunkt von 46-48°C und mehr zu erreichen. In dieser Zeit fallen im Süden kurze Regen („pluie des mangues“), bis im Juni die Regenzeit beginnt. Sie dauert bis in den September. Interessante Karten für die Jahre 1970 - 1990 finden sich im Atlas of Natural and Agronomic Resources of Niger and Benin der Uni Hohenheim. Die erheblichen Differenzen der Niederschläge in Quantität und Qualität zeigen deutlich, wie fragil die Landwirtschaft, insbesondere der Acker- und Feldbau, der als Regenfeldbau betrieben wird, im Niger ist.

Wasserflut im Air
Wasserflut im Air, Foto: A. Bartelsmeier
Im Schlamm feststeckender Bus Richtung Agadez
Im Schlamm feststeckender Bus, Foto: A. Bartelsmeier

In Folge von Starkniederschlägen kann es zu Überflutungen kommen, die die trockenen Regionen erheblich in Mitleidenschaft ziehen. Überschwemmungen betreffen fast jedes Jahr die Niederungen des Niger-Flusses. Am 26. August 2017 verursachte eine Niederschlagsmenge von 118 mm in Niamey die Zerstörung von Hunderten Häusern. Am 15. Juni 2017 fiel mit 130mm/m² sogar noch mehr Niederschlag als ein Jahr zuvor (17. Juni 2016: 120 mm/m²). Damals traf es jedoch die trockene Region von Tassara in der Pastoralzone. Im Jahr 2015 konnte ein Großteil der hier lebenden und von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen frühzeitig Unterstützung erhalten. Die Bilanz für das Jahr 2017 waren wieder viele Tote und Obdachlose; auch im Jahr 2018 waren wieder Hunderttausende von den Niederschlägen betroffen.
In erster Linie leidet die Bevölkerung des Niger jedoch unter Wassermangel. Es ist nicht allein die absolute Niederschlagsmenge, die das Problem darstellt, sondern die Intensität, Frequenz und für die Landwirtschaft der Abstand und Zeitpunkt der niedergehenden Regenschauer.

Ökologische Probleme

Der Niger wird mit seinem raschen Bevölkerungswachstum und der geringen landwirtschaftlich nutzbaren Fläche zusehends vor große ökologische Probleme gestellt. Dies sind die Wasserversorgung, die relative und absolute Abnahme der nutzbaren Landfläche, insbesondere durch Desertifikation und somit die Versorgung von Mensch und Tier, die Abholzung und der Holzbedarf, die Schäden durch Rohstoffabbau und zunehmend der Klimawandel u.a. Dass aber Panik nicht weiterhilft, sondern in kleinen Schritten agiert werden muss, kommt sehr deutlich in Toulmins Worten zum Ausdruck. Für die Länder Senegal, Mali und Niger wissen die Wissenschaftler von positiven Entwicklungen zu berichten; sie sprechen gar von Wiederbegrünung in einigen Regionen des Sahels. Möglicherweise haben Treibhausgase dort einen positiven Effekt. Niger baut seine Anpassungsstrategien und Maßnahmen aus um Möglichkeiten im Umgang mit dem Klimawandel zu etablieren. Die Umgebung der sahelischen (Groß)-städte weist jedoch eine schlechte ökologische Bilanz auf - so auch Nigers Hauptstadt Niamey: die Umgebung ist mehr oder weniger abgeholzt.

Desertifikation ist ein großes ökologisches Problem im Niger. Durch voranschreitende Wüstenbildung werden die fragilen Gebiete stark betroffen. Jedoch ist nicht die - oft in den Vordergrund gestellte - Überweidung das alleinige Problem. Es handelt sich vielmehr um einen komplexen Vorgang, den verschiedene Faktoren beeinflussen: Bevölkerungswachstum, Abnahme der Bodenfruchtbarkeit der Felder, kürzere Brachzeiten, Übernutzung der Felder und somit Neuanlage von Feldern in der Agro-Pastoralzone und der Pastoralzone. Dies wird durch den Zuzug von Menschen, die aus der stark bevölkerten Agrarzone kommen, noch gefördert.
Eine relative Zunahme der Tierherden und Tiere - nicht selten provoziert durch veränderte Besitzverhältnisse nach starken Tierverlusten der traditionellen Tierhalter, verändern bedauerlicherweise auch die Verantwortlichkeiten gegenüber der Natur: Änderung der Zusammensetzung der Herden – mehr Kleintiere, die ein anderes Weideverhalten aufweisen als Rinder, kleinräumigere Wanderung der Herden, zunehmende Sesshaftwerdung und –machung von nomadischen Tierhaltern, Zunahme des Holzverbrauches, Zunahme der Wassernachfrage (verbesserter Zugang zu Wasser erhöht die Nachfrage nach Wasser), Sinken des Grundwasserspiegels.

Die Zunahme von Marktfruchtanbau in Monokultur und Abnahme polykultureller Subsistenzwirtschaft, die den Feldern für einen Großteil des Jahres eine Schattengare bot, tun ihr Übriges. Die Indikatoren der fortschreitenden Wüstenbildung sind vielfältig. In den Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit ist das Thema in verschiedenen Bereichen, besonders beim Ressourcenschutz und der ländlichen Entwicklung verankert. 2006 war das internationale Jahr der Wüsten und Desertifikation.

Einst zur Wiederbegrünung eingesetzt, überwuchert Prosopis nicht selten die Wadiufer und bildet undurchdringliche Dickichte. Versuche werden unternommen, Prosopis in der Tiermast einzusetzen. Die Brennholzeignung und der Brennwert dieses Strauches, der zur Gruppe der Mimosengewächse (Leguminosen) gehört und kleine gelbe Blüten bildet, ist gering, aber kann die Schäden durch Überwucherung kompensieren. Dafür ist die Pflanze sehr genügsam und kann auch zum Aufhalten von Wanderdünen eingesetzt werden.

Niger hat große Probleme mit der Versorgung von festen Brennstoffen für die Bevölkerung. Der Holzverbrauch beträgt 300 kg/pro Person/Jahr, die Bäume werden weniger, die Bevölkerung steigt - da kommen Aufforstungsprojekte nicht nach. Die verbesserten Kochstellen (Fourneaux améliorés), die den Holzbedarf bei der Nahrungszubereitung bis zu 75 % reduzieren, sind nicht ausreichend verbreitet.

In einigen Regionen des Landes ist immer wieder mit Buschfeuern zu rechnen, häufig trifft es die Region von Agadez. Diese können leichtfertig durch ungenügend gelöschte oder nicht beaufsichtigte Herdfeuer oder achtlos fortgeworfene Zigarettenkippen entstehen. Starkwinde verbreiten diese Feuer rasch. Mit einfachsten Mitteln – Äste oder Decken zum Feuer ausschlagen - wird versucht, die Feuer in den Griff zu bekommen – alle Menschen, die in kürzester Zeit mobilisiert werden können, helfen. An Feuerwehr ist kaum zu denken, da es sie nur in größeren Orten gibt, und die ausreichende Verfügbarkeit von Wasser ist eine zusätzliche Problematik. Feuerschutzstreifen können Großflächenbrände vermindern oder gar verhindern und die (Weide-)Tiere schützen.

In immer größerem Stil wird – verbotenerweise-  Weideland von Kleinhändlern abgemäht, die damit die peri-urbane Tierhaltung versorgen. Dadurch wird den wandernden Herden der Zugang zu leichter erreichbaren Weidegründen erheblich erschwert.

Hauptwasserressource und Lebensader des Staates Niger ist der Fluss Niger, der in seinen Auen Möglichkeiten für vielfältige Anbaukulturen bietet. Immer wieder kommt es jedoch zu so starken Niederschlägen, dass der Fluss über seine Ufer tritt und die landwirtschaftlichen Nutzungsflächen unter Wasser setzt, im Jahr 2012 kam es zu einer enormen Überschwemmung. Dabei werden nicht nur die Einkünfte der landwirtschaftlichen Bevölkerung vernichtet, sondern häufig auch ihr gesamtes Hab und Gut zerstört und es kommt zu Todesfällen. Von den starken Niederschlägen im August 2015  und im Juni 2016 sind immer wieder Hunderttausende Menschen betroffen. Zudem wird immer für den Dezember die jährliche Flut des Nigers erwartet, die zu weiteren Problemen führen kann. Durch ausreichende Regenfälle in 2018 gab es einen guten Gras- und Getreideaufwuchs.

Die Mare (Regenzeitseen bzw. -teiche) und Seen sind wichtige Wasserressourcen für Mensch und Tier. Leider werden sie unbedachter- und verbotenerweise teilweise eingezäunt, um Gärten und Felder am Rand anzulegen. Laut Code Pastoral muss aber den Tieren der Wasserzugang mittels breiter Korridore frei bleiben. An anderen offenen Gewässern wie hier dem Mare von Durum (in der Pastoralzone) oder dem See von Tabalak (Agropastoralzone) sind die Anlage von Gärten und das Tränken der Tiere gut möglich, da man einvernehmliche Regelungen einhält.

Wie dramatisch die Entwicklungen der oberirdischen Wasserressourcen sind, zeigt das Beispiel des Tschadsees. Die einstige Fläche von 30 000 qkm (1953) verteilte sich auf die Staaten Niger, Nigeria, Kamerun und Tschad. Jedoch bestand der See 1908 auch nur aus 2 kleinen Seen, wie die Tschadseegeschichte der CBLT (Commission du Bassin du Lac Tchad) ausweist. Nur 10 % der Ausdehnungsfläche (etwa 25 000km²) der 1960er Jahre macht heute den See aus. Heutzutage liegt der See mit 1350 qkm nur noch auf tschadischem Staatsgebiet. Dieser Rückgang - hauptsächlich durch Übernutzung - macht ein gezieltes Wassermanagement notwendig, um die gänzliche Austrocknung dieser überregionalen bedeutenden Wasserressource zu verhindern.

Mare von Durum
Mare von Durum, Foto: A. Bartelsmeier
See von Tabalak
See von Tabalak, Foto: A. Bartelsmeier

Ressourcenschutzmaßnahmen greifen in einigen Regionen, es können jedoch immer nur kleine Landstriche reaktiviert werden; beispielsweise die Wiederansaat von Weide in der Pastoral- und Agro-Pastoral-Zone. Kleinere oder größere Dämme auf den Feldern dienen dazu das Wasser zurückzuhalten, der Wassererosion vorzubeugen und eine langsamere Versickerung im Boden zu gewährleisten. Das System der Halbmonde wird sowohl bei Wiederaufforstungsmaßnahmen, als auch bei der Wiederansaat von Weideland benutzt. Die Halbmonde – kleine Aufwerfungen und dahinter kleine Rinnen – halten das Wasser zurück, damit es langsamer den Boden durchfeuchten und somit auch Wassererosion verhindern kann – der Wall dient außerdem als Schutz gegen Winderosion.

Wasserdamm zum Zurückhalten des Wassers auf dem bewässerten Feld
Wasserdamm, Foto: A. Bartelsmeier
Wiederansaat von Weide
Wiederansaat von Weide, Foto: A. Bartelsmeier
Kleine Steinwälle als Erosionsschutzverbauung
Kleine Steinwälle als Erosionsschutzverbauung, Foto: A. Bartelsmeier

Erosionsschutzverbauungen, die zusehends Rückhalt bei der Bevölkerung haben, werden vielerorts mit „food for work“-Programmen durchgeführt. Berghänge, die durch Abholzung der Wassererosion preisgegeben sind, verlieren all ihren fruchtbaren Boden. Mit Steinverbauungen, als kleine Staumäuerchen oder entlang der Hanglinien, kann der Abtrag der wertvollen Erde gestoppt werden. So werden diese wieder mit Gras, Büschen oder Bäumen begrünt und der Nutzung wieder zurückgeführt. In der Ebene dienen Mäuerchen der langsameren Infiltrierung des Regenwassers in den Boden und wirken der Wassererosion entgegen, die die Ackerkrume mit sich reißt, aber auch Halbmonde und ähnliches sorgen für eine langsame Wasserinfiltration. An den Flussufern werden ebenso Maßnahmen durchgeführt.

Der Uranabbau, welcher zumeist im Tagebau betrieben wird, ist auch als ökologisches Problem nicht zu vernachlässigen. Vorhersagen der Wissenschaftler gehen davon aus, dass in 40 Jahren die Brunnen im Ighazar (große Weideregion nördlich von Ingall)– zukünftig große Abbauregion für Uran – trocken gefallen sein werden. Hinzu kommt der Uranstaub, der in jenen Regionen überall in der Luft schwebt.

Die Abgabe neuer Uranschürfrechte und Aufbau neuer Minen und der daraus entstehende erhöhte Wasserbedarf wird den Grundwasserspiegel in jenen Weide-Regionen in kürzester Zeit erheblich absenken und letztlich zum Trockenfallen der Brunnen führen. 

Einzelne Heuschrecken aus einem Schwarm
Einzelne Heuschrecken aus einem Schwarm, Foto: A. Bartelsmeier

Ein anders geartetes ökologisches Problem, welches seit alters her bekannt ist, ist die sporadisch auftretende Heuschreckenplage, die nahezu unbekämpfbar ist. Innerhalb weniger Stunden vernichtet ein Schwarm Heuschrecken ganze Felder und Weideflächen.

Sozialgeographische Gegebenheiten

Bevölkerung und Siedlungsmuster

Die Population Nigers ist im Jahr 2019 bereits auf über 23 Millionen Menschen angewachsen; die Prognosen für die kommenden Jahrzehnte sagen in der Alterspyramide weiterhin ein starkes Bevölkerungswachstum voraus. Das enorme Bevölkerungswachstum von etwa 4 % pro Jahr muss im Verhältnis zur nutzbaren Landesfläche des Niger gesehen werden. Mit 1,267 Mio. km² ist Niger ein Flächenstaat, der etwa dreieinhalb so groß ist wie Deutschland. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in der Agrarzone in den südlichen Landesteilen mit den großen Städten Niamey (ca. 1,2 Mio. Einwohner), Maradi (ca. 280 Tsd. Einwohner) und Zinder (ca. 340 Tsd. Einwohner). Diese Regionen sind der fruchtbare Streifen entlang der Grenze zu Nigeria bzw. im Südwesten entlang des Flusses Niger. In der angrenzenden Agropastoralzone gibt es städtische Zentren wie Tera, Tillaberi (im Westen des Landes), Tahoua (im Nordwesten), Tanout und Diffa (im Osten des Landes). Am Rande der Sahara liegt Agadez, das durch die Flüchtlingsströme eine neue Bekanntheit erhalten hat; in der Wüste selbst die zwei großen Oasen-"Städte" Fachi und Bilma. Aus den Karten der WHO ist zu ersehen, wie sich agrarische Räume und Bevölkerungsdichte zueinander verhalten.

Die Grenze der höheren Bevölkerungsdichte ist auch gekennzeichnet durch die sogenannte agronomische Trockengrenze (200 mm Niederschlagsgrenze, nördlich davon ist der Feldbau nur mit erheblichem Risiko möglich). Mehr als 4/5 des Landes sind von Wüsten und wüstenähnlichen Landschaften bedeckt. In den Regionen der Sahara liegt die Bevölkerungsdichte unter 1 Pers./qkm; in der Sahelzone sind es unter 20 Pers./qkm und in der fruchtbaren Sudanzone sind es z.B. im Departement Madarounfa über 160 Pers./qkm. Die Landesfläche, die für den Acker- bzw. Feldbau genutzt wird ist relativ klein und kann aufgrung der klimatischen Gegebenheiten nicht flächenmäßig ausgedehnt werden. Die absolut pro Einwohner zur Verfügung stehende Fläche nimmt aufgrund des immensen Bevölkerungswachstums kontinuierlich ab (Bewässerungsflächen sind oft dem Anbau von cash crops vorbehalten). Gut 10% der Landesfläche stehen der extensiven – in erster Linie mobilen Tierhaltung – zur Verfügung, die die offenen Graslandschaften der semi-ariden Räume jenseits der agronomischen Trockengrenze nutzt. Aus der Agrarzone zieht es die Population, die nicht in die Städte geht, aufgrund des hohen demographischen Drucks und der abnehmenden Fruchtbarkeit der Böden, zusehends in die Agropastoralzone und die Pastoralzone. Dort nehmen die Anbauflächen zu, nur in Gunstjahren kann ein Ertrag auf diesen Feldern erzeugt werden.

Niger ist ein "junger" Staat: das Durchschnittsalter beträgt 15 Jahre (Alterspyramide). 67 % der Bevölkerung Nigers sind jünger als 25 Jahre: das stellt Niger vor erhebliche Beschäftigungsprobleme; diverse Projekte und Programme versuchen hier Linderung zu verschaffen. Auch wenn die Jugend als der "wahre Motor der Entwicklung (UNESCO)" gesehen wird, so bedarf es vielfältiger Initiativen diesem "Motor" eine adäquate Ausbildung und Arbeit zu verschaffen; an Ideen mangelt es der Jugend selbst nicht und viele versuchen über Tätigkeiten im informellen Sektor ihr tägliches Leben zu sichern, oft um der Familie zu helfen. Diverse Jugendorganisationen motivieren die jungen Menschen zu Aktivitäten, jedoch "verpufft" auch manche Energie und einige Organisationen starten mit Energie, Elan und Mittelausstattung und haben aber nur eine geringe Durchhaltekraft.

Die Hauptstadt Niamey

Den Charme Niameys macht seine Lage am Niger-Strom aus.

Der Niger in Niamey
Der Niger in Niamey, Foto: A. Bartelsmeier
Sonnenuntergang am Niger
Sonnenuntergang am Niger, Foto: A. Bartelsmeier

Erst ab 1927, als die französischen Kolonialisten ihren Regierungssitz von Zinder nach Niamey verlegten, begann die Entwicklung der Stadt. Die Franzosen wollten einerseits die Djerma-Songhai stärken, andererseits aber auch eine bessere Anbindung zu den Kolonien Dahomey, Obervolta und Mali haben. Niamey liegt im soziogeografischen Siedlungsgebiet der Djerma. Seit den 30er Jahren entwickelte sich aus dem Dörfchen am Fluss schnell eine Stadt. Es wuchsen Dörfer zusammen, deren Existenz anhand der Stadtteilnamen noch lokalisiert werden kann: Gamkallé, Yantala, Maourey, Gandatchi u.a. Den Stadtkern Niameys bildet das ehemalige Dorf Gaoué. Neben modernen Gebäuden und einigen wenigen Hochhäusern finden sich auch Häuser aus der Kolonialzeit. Die Namen der Quartiere im Stadtkern weisen auf die alten Dörfer hin.

Mit fast 1,6 Millionen Menschen ist Niamey noch eine relativ kleine Hauptstadt, jedoch ist die Tendenz steigend - nicht zuletzt auch gemessen am allgemeinen Bevölkerungswachstum.. Die Urbanisierungsquote des Landes liegt bei 16,4 %. Der Wachstum der Stadtbevölkerung steigt weiterhin (182% in 57 Jahren).

Aufgrund der Dürrekatastrophen in den 70er und 80er Jahren, die viele Menschen in die Stadt zog, hat Niamey einen enormen Bevölkerungszuwachs erfahren. Die Urbanisierung hat zwar später als in den Nachbarländern eingesetzt, nimmt aber ständig zu. Die Landflucht bedingt einen großen Ring von Quartieren mit einfachen Lehmbauten um den Stadtkern, in denen die zugezogene und ärmere Bevölkerung lebt, dazwischen sieht man aber immer wieder große Villen. Neue Quartiere entstehen aber auch geplant und werden systematisch angelegt. Die Stadtplaner von Niamey sehen sich vor enormen Aufgaben. Das Stadtentwicklungsprojekt Niamey Nyala möchte Niamey an den architektonischen Standard anderer afrikanischer Hauptstädte anpassen. Im Großteil des Stadtgebietes herrschen traditionelle Lehmbauten vor, die so nicht dem Stil der Stadtplaner von Niamey entsprechen. Mittlerweile gibt es einige moderne Architekten, die die Kultur und Vorteile der Lehmbauarchitektur schätzen und auf die Tradition und die Verbesserung der eigenen Möglichkeiten setzen. Diese in die Zukunft schauenden Architekten denken in nachhaltigen und angepassten Modellen, möchten diese mehr publik machen und Bauherren dafür gewinnen.

Um Niamey seinen relativ 'grünen' Charakter zu erhalten, wurde Anfang 2018 beschlossen nun den Grüngürtel um Niamey wieder intensiver zu reaktivieren und zu erhalten. Diese "ceinture verte" wurde einst angepflanzt, um Niamey vor Sandstürmen zu schützen. Der 'wilde' Bau-Boom griff diese Oase gewaltig an; bereits 2008 läutete der nigrische Umweltminister die Alarmglocke.

Mit dem Zuzug neuer Bevölkerung nach Niamey kann der Ausbau der Versorgungs- und Hygieneeinrichtungen kaum Schritt halten. Für die Abfallentsorgung in Niamey hat Veolia im Februar 2017 einen Vertrag mit der Republik Niger unterzeichnet.

Eingang zum Petit Marché
Eingang zum Petit Marché, Foto: A. Bartelsmeier
Eingang des Grand Marché in Niamey
Eingang des Grand Marché, Foto: A. Bartelsmeier
Abendstimmung am Niger
Abendstimmung am Niger, Foto: A. Bartelsmeier
Kleines Boot auf dem Niger
Kleines Boot auf dem Niger, Foto: Yvonne Karrer

Der Fluss Niger, der drittlängste Fluss Afrikas, ist "die" Lebensader schlechthin im Niger. Dieser teilt die Hauptstadt Niamey in „rive gauche“ und „rive droite“ und vermittelt der Stadt damit einen besonderen Charme. Dieser längste Fluss Westafrikas wird mittels Berichten und Fernsehreportagen, die die Faszination einer Reise auf dem Niger dokumentieren, immer wieder beschrieben.

Université Abdou Moumouni
Eingang zur Universität, Foto: A. Bartelsmeier
Wasserturm-Zwillinge
Wasserturm-Zwillinge, Foto: A. Bartelsmeier

Über die alte Nigerbrücke gelangt man unter anderem in die Quartiere Lamorde und Karadje. Auf dieser Flussseite befindet sich auch die Universität. Markant sind zudem die Wasserturm-Zwillinge.

Die neue Nigerbrücke, die im März 2011 eingeweiht wurde, entlastet den Verkehr seit die Straßenanbindungen auf beiden Flussseiten fertiggestellt wurden.

Niger, eine grüne Stadt? Den Eindruck vermittelt die Hauptstadt des Nigers beim Anflug aus der Vogelperspektive. Durch den Uran-Boom in den 70/80er Jahren wurden zwar einige Hochhäuser gebaut und es kommen jährlich welche hinzu, aber Niamey vermittelt eher den Eindruck einer grünen Stadt mit einstöckigen Häusern - je nachdem, in welcher Jahreszeit die Luftaufnahmen gemacht werden.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich das Stadtbild Niameys mit Umsetzung der neuen Stadtbaupläne von Niamey Nyala ändern wird. Es sind ehrgeizige Pläne, die Niger verfolgt um dem Standard anderer afrikanischer Großstädte folgen zu können. Die Straße Mali Bero bildet bereits den Teil eines Stadtringes. Wie in anderen Bereichen des Lebens werden auch hier die religiösen Führer mit einbezogen. Das langfristige Projekt von Niamey Nyala (Niamey - la coquette) wird in kleinen Schritten realisiert werden mit Visionen in die Zukunft.

Verkehrswesen

Steckengebliebener Bus Richtung Diffa
Steckengebliebener Bus, Foto: A. Bartelsmeier
Im Schlamm steckengeblieben
Im Schlamm steckengeblieben, Foto: A. Bartelsmeier

Die Hauptverkehrsadern des Niger verlaufen in West-Ost-Richtung im Süden des Staates von Niamey über Maradi und Zinder Richtung Diffa und Tschadsee. Wenn die Straße nur noch Sandpiste ist, wie hier auf dem Weg nach Diffa, bleiben manches Mal die Busse stecken und es kommt zu zeitlich unabsehbaren Zwangspausen. In nordöstlicher Richtung führt die wichtige Straße über Tahoua und Abalak nach Agadez und ins Air Gebirge bzw. nach Arlit zur Uranstadt. Der Großteil dieser Straßen ist asphaltiert, verfällt jedoch schnell wieder. Erhebliches Lastwagenaufkommen, häufige Überladung der Fahrzeuge und schlechter Unterhalt der Straßen, aber auch schlechtes Material, lassen die Straßen alsbald nach der Reparatur wieder in einen schlechten Zustand mit vielen Schlaglöchern verfallen, sodass die Fahrer, besonders von Abalak Richtung Agadez, stets neue Wege neben der Straße schaffen. Diese Straßen sind vielbefahren, nicht nur von Lastwagen, sondern auch von vielen Kleinbussen der Privatunternehmer, die ihre Kunden zwar zu günstigeren Tarifen, aber erhöhtem Risiko in die verschiedenen Landesregionen bringen. Weitere Verbindungsstraßen führen gen Mali über Ayourou am Niger entlang. Nach Westen Richtung Tera und Burkina Faso (Dori) muss man vor Gotheye mittels der Fähre über den Niger setzen.

Autofähre über den Niger
Autofähre über den Niger, Foto: A. Bartelsmeier
Pinassen - Fähre
Pinassen - Fähre, Foto: A. Bartelsmeier

Der Bootsverkehr auf dem Niger dient den Einheimischen zum Übersetzen von einem Ufer ans andere und ist für jene Touristen, die Zeit mitbringen, eine beschauliche Art des Reisens.

Neue Asphaltstraße im Liptako
Neue Asphaltstraße im Liptako, Foto: A. Bartelsmeier

Niger ist mit Nachdruck bemüht seine Verkehrsinfrastruktur, d.h. vor allem Straßenausbau und -zustand so zu verbessern, dass die Verkehrssicherheit mit fast alltäglichen schweren Verkehrsunfällen, oft mit mehreren Toten und Verletzten, verbessert wird. Seit 80 Jahren wartet Niger auf die Eisenbahn, wie Präsident Issoufou es ausdrückte. Im April 2014 wurde mit dem Bau der Eisenbahn durch das Projekt La Blueline begonnen und am 29. Januar 2016 wurde der erste Bahnabschnitt zwischen Niamey und Dosso offiziell eröffnet; die Weiterentwicklung gestaltet sich schleppend. Somit wandten sich die Präsidenten von Benin und Niger an China, um eine Weiterfinanzierung zu diskutieren.

Die Busunternehmen haben in den letzten Jahren geboomt seit 2001 die Gesetze zur Inbetriebnahme von Verkehrsunternehmen durch Privatfirmen gelockert wurden. 15 Busunternehmen (SNTV - ursprünglich aus dem staatlichen Transportunternehmen hervorgegangen, ist nach wie vor in Staatsbesitz- , Rimbo, Azawad, Air, EHGM u.a.m.) gibt es im Land.

Neben dem bedeutendsten Flughafen Nigers, benannt nach dem ersten Präsidenten Diori Hamani, gibt es noch weitere Flughäfen, von denen aber nur Agadez, Arlit, Tahoua, Zinder und Maradi auch von größeren Maschinen angeflogen werden können. Der Mano Dayak Flughafen von Agadez dient als Startpunkt touristischer Reisen in den Norden des Landes.

Nationale Symbole

Landesflagge
Landesflagge
Staatswappen
Staatswappen © Pbroks13 (CC BY-SA 3.0)

 

Landesflagge

Die Landesflagge der Republik Niger wird seit dem 23. November 1959 mit ihren drei Farbstreifen und der Sonne verwendet. 

Die Symbole der Farben der Landesflagge sind wie folgt zu lesen:

  • Orange steht für die Wüste Sahara im Norden des Landes.
  • Grün steht für die Grasebenen im Süden und Westen, welche vom Fluss Niger durchflossen werden.
  • Weiß steht für die Hoffnung. Geografisch symbolisiert es die Savannenregion. 

Die Sonne symbolisiert die Bereitschaft der Menschen für ihre Rechte einzutreten.

Staatswappen

Am 1. Dezember 1962 wurde das Staatswappen durch Dekret angenommen. In der Mitte des weißen Wappenschildes ist das Staatssiegel angeordnet. Auf dem Schild sind vier Symbole in Gold zu sehen: in der Mitte eine Sonne (Staatssiegel), links vertikal ein Speer mit zwei gekreuzten Tuareg-Schwertern, rechts drei gekreuzte Hirsekolben und unterhalb ein Rinderkopf in Frontalansicht.

Der Wappenschild liegt auf 4 schräggestellten Flaggen in den Nationalfarben orange, weiß und grün. Darunter steht der Staatsname auf Französisch: „REPUBLIQUE DU NIGER“.

Der Speer symbolisiert die Sahel- und Savannen-Bewohner. Das Schwert steht für die Sahara-Bewohner. Die Waffen sollen aber auch an die Reiche der Vergangenheit erinnern. Die drei Hirsekolben weisen auf den Ackerbau hin. Der Rinderkopf steht für die bedeutende Tierhaltung.

Die Parolen des Niger sind: "Brüderlichkeit, Arbeit, Fortschritt".

Nationalhymne

Der Text der Nationalhymne "La Nigerienne" (mit deutscher Übersetzung) stammt von Maurice Albert Thiriet, die Musik von Robert Jacquet (1896-1976) und Nicolas Abel François Frionnet (1911-?).

Französischer Text

Auprès du grand Niger puissant
Qui rend la nature plus belle,
Soyons fiers et reconnaissants
De notre liberté nouvelle!
Evitons les vaines querelles
Afin d'épargner notre sang,
Et que les glorieux accents
De notre race soit sans tutelle!
S'élève dans un même élan
Jusqu'à ce ciel éblouissant,
Où veille son âme éternelle
Qui fera le pays plus grand!

REFRAIN:
Debout! Niger! Debout!
Que notre oeuvre féconde
Rajeunisse le coeur de ce vieux continent!
Et que ce chant s'entende
Aux quatre coins du monde
Comme le cri d'un peuple équitable et vaillant!
Debout! Niger! Debout!
Sur le sol et sur l'onde,
Au son des tam-tams
Dans leur rythme grandissant,
Restons unis toujours,
Et que chacun réponde
A ce noble avenir
Qui nous dit: - En avant!

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im August 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Dr. Antje Bartelsmeier, Pastoralistin aus dem Oberallgäu, ist Dipl.-Ing. agr. und Ethnologin.

Seit 1993 Beraterin und Wissenschaftlerin in der Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere in Westafrika; als Referentin und Trainerin im Bereich interkulturelles/globales Lernen tätig; Landestrainerin bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ); Lehraufträge und Assistententätigkeiten an verschiedenen Institutionen.

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