Rinderherde, Foto: Yvonne Karrer
Geschätztes BIP
9,24 Mrd. US-$ (2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
906 US-$ (2019)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
189 (von 189) (2018)
Anteil Armut (unter 1,90 $ pro Tag)
44,5 (2019)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
34,0 (2014)
Wirtschaftliche Transformation (BTI)
Rang 111 von 137 (2020)

Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftslage

Die agronomische Trockengrenze im Niger
Die agronomische Trockengrenze im Niger, © mit freundlicher Erlaubnis von Jacques Chabbert, LUCOP Niger

Niger ist ein Agrarstaat und drittgrößter Uran-Exporteur der Welt. Die landwirtschaftliche Nutzfläche des Niger beträgt ca. 15 %, von denen nur 4 % für den Pflanzenbau nutzbar sind. 11 % sind Weide- und Buschland/Wald, die restlichen 85 % sind Wüsten und wüstenähnliche Gebiete. Nördlich der agronomischen Trockengrenze (200 mm Isohyte - etwa 50 km nördlich von Tahoua) - ist Feld- und Ackerbau nicht möglich bzw. extrem risikoreich. In der Pastoralzone herrscht extensive mobile Tierhaltung vor. Die wirtschaftlichen Perspektiven für den Niger sind günstig und vor allem ausgerichtet auf die weitere Vergrößerung des Bewässerungslandbaus und anderer landwirtschaftlichen Bereiche und dem Ausbau der Infrastruktur.

Tierhaltung, Acker- und Gartenbau, Fischerei, Forstwirtschaft und Wasserkraft, aber auch Bergbau umfassen den Primärsektor (Urproduktion), in und durch den der Großteil der nigrischen Bevölkerung den Lebensunterhalt erwirtschaftet.

Der Sekundärsektor (industrieller Sektor) ist charakterisiert durch produzierende Gewerbe, d.h. Weiterverarbeitung von Rohstoffen aus: Landwirtschaft (Tier, Feldfrüchte, Bäume etc.) und den Minen (Uran, Öl, Gold, Kohle etc.), aber auch verarbeitendes Handwerk.

Im Tertiärsektor (Dienstleistungssektor) entfällt das größte Einkommen auf private Dienstleistungen in den Bereichen Handel, (Kunst)Handwerk, Tourismus und Gastgewerbe. Dieser Sektor ist bedingt durch Einsatz des Produktionsfaktors Arbeit sehr personalintensiv und hat zunehmend größere Bedeutung im Niger.

Der Quartärsektor (Informationssektor) und der Quintärsektor (Entsorgungswirtschaft) sind im Niger marginal ausgeprägt.

Prozentualer Anteil der einzelnen Wirtschaftssektoren am Bruttoinlandsprodukt:

  • 39, 5 %   Primärsektor
  • 14,9 %    Sekundärsektor
  • 45,6 %    Tertiärsektor

Es fällt auf, dass sich das erwirtschaftete Einkommen aus dem 1. Sektor zu Gunsten des 3. Sektors verschoben hat, was zum größten Teil durch eine erhebliche Zunahme von Dienstleistungen bedingt ist.

1000 FCFA-Schein
1000 FCFA-Schein
5000 FCFA-Schein
5000 FCFA-Schein

Wirtschaftsindikatoren

Niger steht laut IMF gemäß der Rangfolge nach dem Bruttoinlandsprodukt 2018 mit 9,24 Milliarden US$ auf Platz 141 von 186 Ländern; das BIP 2018 pro Kopf (nominal) beträgt etwa 498 US; damit liegt Niger hier auf Platz 185 von 192 Ländern. Mit einem GINI Koeffizient von 34,0 hat Niger eine ungleiche Einkommensverteilung. 74,9 % der Bevölkerung leben in ernsthafter Armut und unterhalb der Armutsgrenze (poverty line) existieren 44,5% der Bevölkerung von weniger als 1,90 US$ am Tag. Der MPI (Multi-Dimensional-Poverty Index) weist Nigervor dem Süd-Sudan auf dem vorletzten Rang aus.  

Die Zugehörigkeit zur Franc-CFA-Zone garantiert eine relative Preisstabilität. Somit kann Niger aber auch keine eigenständige Inflations- und Wechselkurspolitik betreiben. Vor der Einführung des Euro war der FCFA durch einen festen Umtauschkurs von 1:100 an den französischen Franc gebunden. Diese Bindung ist bei Einführung des Euro beibehalten und entsprechend dem für den FF geltenden Umtauschkurs angepasst worden; damit beträgt der Umtauschkurs 1 Euro = 655,9 FCFA. Die wirtschaftliche Entwicklung der Länder der Währungsunion ist positiver als in der Gesamtregion.

Insgesamt ist Niger noch weit von einer wirtschaftlichen Transformation zu einer sozialen Marktwirtschaft entfernt - laut BTI belegt Niger Platz 111 von 137 (2019) mit positiven Trends in Richtung Demokratie, Marktwirtschaft und Governance. Die Wirtschaftsstruktur des Niger ist landwirtschaftlich geprägt, der Export wird dominiert durch Uran. Nach wie vor ist die nigrische Handelsbilanz negativ mit einem Defizit von 960 Millionen US $. Importiert wurden 2017 in erster Linie verpackte Medikamente (7,7 %), Reis (5,8 %), Palmöl (4,5 %). Desweiteren: Maschinen, Brennstoffe und Lebensmittel - aus Frankreich, Indien, Ghana, China und Belgien-Luxemburg. Der Großteil des Exports wird durch Uran, gefolgt von raffiniertem Öl, Gold und durch tierische Produkte und Tiere erzielt. Hauptexportländer sind Frankreich (46 %), China und Mali (je 16 %), Süd-Korea (11 %) und die Schweiz (4,7 %). Tiere und tierische Produkte werden meist in die Nachbarländer exportiert; zum Teil lebend "on the hoof". Die Wirtschaftslage des Niger bleibt weiterhin schwierig.

Wirtschaftlich von Bedeutung sind die finanziellen Rückflüsse von Arbeitsmigranten, die regelmäßig Geld an ihre nigrischen Familien senden; der Großteil dieses Geldes wird von Nigrern aus den Nachbarländern gesendet, wie Nigeria, Benin.

Primärsektor

Die Landwirtschaft, (mobile) Tierhaltung und Acker- bzw. Feldbau (als Regenfeldbau) ist in höchstem Maße von den Umweltbedingungen und dem Klima abhängig. Dies sind in erster Linie die Niederschläge; aber auch andere Faktoren wie Heuschreckeneinfälle, Buschfeuer oder Hochwasser beeinflussen die landwirtschaftliche Produktion und Produktivität. Das Einkommen der Landbevölkerung – gut 80 % der Bevölkerung – ist somit äußerst variabel. Quantität und Qualität des Niederschlags und die Abstände zwischen den Regenschauern sind ausschlaggebend für die Entwicklung des Weideaufwuchses und der Feldfrüchte. Somit ist schon nach einer Regenzeit absehbar, wie die Situation in der kommenden Trockenzeit (zwischen Februar und Juni/Juli) aussehen wird.
In der Pastoralzone (unter 200 mm Jahresniederschlagsmenge) herrscht extensive mobile Tierhaltung vor, die Agro-Pastoralzone (über 200 mm Jahresniederschlagsmenge) ist charakterisiert durch beide Wirtschaftsformen in mannigfache Mischformen: traditionelle Tierhalter, die Felder bewirtschaften und sesshafte Bauern mit verschiedenen Formen der Tierhaltung. Die südlichen Landesteile – entlang des Niger-Flusses und der Grenze zu Nigeria, gehören zur Agrarzone, sie reicht klimatisch in die Sudanzone hinein, mit Niederschlägen bis zu 900 mm/Jahr. Neben Subsistenzfeldern werden Marktfrüchte für den Verkauf angebaut. Dort gibt es auch einigen Bewässerungsfeldbau. Weniger von den direkten Niederschlägen als vielmehr der Verfügbarkeit von (Grund-)Wasser in den Brunnen sind der Gartenbau, die Oasengärten und der Bewässerungsfeldbau abhängig. Der Forstwirtschaft im Niger kann auf Grund der klimatischen Situation als semi-arides Sahelland nur geringe Bedeutung zukommen. Die Fischerei ist nur regional und in erster Linie im Subsistenzbereich wichtig. Mit dem Bau des Kandaji-Staudamms möchte Niger auch die Quelle der Wasserkraft nutzen und die Bewässerungsflächen ausdehnen.

(Mobile) Tierhaltung

Abgeerntetes Feld
Abgeerntetes Feld, Foto: A. Bartelsmeier
Azawak in Toukounous
Azawak in Toukounous, Foto: A. Bartelsmeier
Tierhalterfest Race Azawak
Tierhalterfest Race Azawak, Foto: A. Bartelsmeier

Der Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Niger ist extensives Weideland. Wirtschaftlich gesehen kommt diesem Bereich der Urproduktion eine große Bedeutung zu. Mit Tieren und tierischen Produkten werden über 11 % des Bruttoinlandproduktes erzeugt, wobei es eine hohe Grauzifferrate gibt, da viele Tiere ohne Papiere über die Grenze ('on the hoof'/'sur pied'), besonders nach Nigeria, vermarktet werden. Mobile Tierhaltung ist - traditionell gesehen - nicht auf die Ausbeutung, sondern Nutzung der Ressourcen angelegt. Sie ist die angepassteste, ökologisch und auch ökonomisch nachhaltigste Wirtschaftsweise an Marginalstandorten mit geringen bzw. unregelmäßigen Niederschlägen.
Pastoralismus ist zugleich Lebens- und Kulturweise der in der Weidezone lebenden Ethnien Tuareg und Fulbe, Tubu, Yedina, aber auch einiger Araber-Gruppen und Mauren. Die an die jahreszeitlichen Wasser- und Weideverhältnisse angepassten Wanderungen der nomadischen Tierhalter lassen zumeist eine flexible Nutzung der Gegebenheiten (Vorhandensein von Wasserstellen und mit den Tieren zurückzulegende Wanderstrecken und dementsprechende Weidegründe in Quantität und Qualität (z.B. auch 'Salzweiden') zu. Die Wanderungen geschehen meist in nord-südlicher Richtung. Abhängig von der Jahreszeit und den klimatischen Besonderheiten des Jahres werden Wanderungen von kürzerer oder längerer Distanz mit oder ohne den gesamten Hausstand unternommen. In der Weidezone haben die einheimischen Tierhalter-Gruppen traditionelle regionale Bezugspunkte (Point d'attache), an die sie immer wieder - in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen - zurückkehren.

Meist werden für die Südwanderungen alte Routen (Pistes de Transhumance) genutzt und häufig bestehen altbewährte Kontakte zu den sesshaften Bauern, die durch 'Düngeverträge' - zu beiderseitigem Nutzen - gefestigt sind (Die Ernterückstände werden von den Wiederkäuern gefressen, die im Gegenzug Dünger auf den Feldern lassen. Teilweise helfen die Nomaden den Bauern mit ihren Zugtieren beim Transport der Ernte). Tierhalter traversieren häufig nationalstaatlichen Grenzen, mittlerweile gibt es interstaatliche Abkommen, die diese Wanderungen wieder vereinfachen. (Ende Dezember 2019 untersagt Benin die grenzüberschreitende Transhumanz).

Konkurrenz zu anderen Tierhaltungssystemen besteht bezüglich der Nutzung von Futterressourcen. Zur Förderung der Diversität der Einkommensquellen und Strategie der (Über-)Lebens-Sicherung wird seit Jahren die peri-urbane Tierhaltung gefördert. Diese erfordet jedoch auch die Verfügbarkeit von Futtermitteln. Oft wird Gras in der Weidezone ( es ist vom Gesetz verboten) gemäht und mit Eseln und Eselskarren  zu den Städten transportiert; ebenso werden die Ernterückstände für diesen Tierhaltungszweig vermarktet und stehen nicht mehr zur Verfügung.

Konflikte zwischen mobilen Tierhaltern und sesshaften Ackerbauern sind frequent, wenn die Tierhalter zu früh in die Agrarzone kommen, werden aber auch provoziert durch die Anlage von Feldern auf den Transhumanzkorridoren oder in die Pastoralzone hinein. Rechtlich ist dies untersagt! Nicht selten werden Streitigkeiten zwischen seßhaften Ackerbauern und mobilen Tierhaltern auch von extern initiiert zur Durchsetzung ganz anderer Interessen! Ebenso gibt es auch freundschaftliche Beziehungen zwischen Feldbauern und Tierhaltern; nicht selten werden den nomadischen Tierhaltern die eigenen Tiere zum Hüten mitgegeben. 

Der Staat versucht mit seinen Zuchtranchen, insbesondere Toukounous, die Kapazität der nigrischen Rinderzucht zu verbessern. Schwerpunkt wird auf Verbesserung von Fleisch- und Milchmenge bei der 'Race Azawak' gelegt. Als besondere Ereignisse zur Präsentation der Zuchterfolge werden Tierhalterfeste abgehalten. Die zweite Hauptrasse ist die 'Race Bororo' mit ihren imposanten lyraförmigen Hörnern, sie hat eine geringe Fleisch- und Milchausbeute, ist aber besser an die trockeneren Regionen des Niger angepasst. Die interessanteste Rasse ist wohl das Kouri Rind (Kuri) aus dem Tschadseegebiet mit seinen Amphibienhörnern (in der Vitrine noch mächtiger als auf dem Photo). Es ist eine der ältesten Rinderrassen Afrikas (Bos Taurus), die vom Aussterben bedroht ist, da ihr originäres Biotop degradiert.

 

Kouri Rind
Kouri Rind, Foto: A. Bartelsmeier
Vitrine mit Schädel eines Kouri Rindes
Vitrine mit Schädel eines Kouri Rindes, Foto: A. Bartelsmeier

Die Verbesserung der Tierproduktion (Rinder, Schafe, Ziegen und Dromedare), Produktverarbeitung und -vermarktung (insbesondere Milch und  Fleisch) im Land ist ein großes Ziel des Tierhaltungssektors: dies ist auch ein Beitrag zum Programm 3N.

Einen wesentlichen Beitrag zu diesen Entwicklungen leistet die Landwirtschaftskammer RECA (Reseau National des Chambres d'Agriculture du Niger), die Tierhalter-Organisationen - wie eine der Dachorganisationen CAPAN (Collectif des Associations Pastorales au Niger) -, unterstützt. Eine Initiative ist z. B. Prolait, die sich um die Herstellung von einheimischen, regionalen Milchprodukten und deren Vermarktung kümmert. Geschätzt werden im In- und Ausland Spezialitäten aus nigrischem Rindfleisch: Cilichie, das getrocknete Rindfleisch oder 'Brochettes', die gegrillten Fleischspieße, die fast eine Nationalspeise sind. Wollproduktion spielt im Niger keine Rolle, aber die Verarbeitung und Vermarktung von Häuten.

Die Verarbeitung der Milch, deren Tausch und/oder Verkauf ist Autonomiebereich der Frauen; die Vermarktung der Tieren fällt in den Aufgabenbereich der Männer.

Schaf- und Ziegentransport
Schaf- und Ziegentransport, Foto: Yvonne Karrer
Trockenfleisch
Trockenfleisch, Foto: Yvonne Karrer

Der Bestand an Tieren nach Tierarten (gerundet) beträgt: Rinder: 8 Mio., Schafe: 10 Mio., Ziegen: 13 Mio., Dromedare: 1,6 Mio., Pferde: 200 Tsd., Esel: 1,6 Mio. (2013). In der Strategie für eine nachhaltige Entwicklung der Tierhaltung (SDDEL) wir nach wie vor mit wenig veränderten zahlen des Tierbestandes im Niger gearbeitet: Gesamtbestand 37 Millionen Tiere.

Die Besitzverhältnisse bei den Tieren haben sich in den letzten Jahrzehnten - nicht zuletzt durch diverse Dürrephasen - verschoben. Große Tierherden in der Pastoralzone gehören mittlerweile großen Händlern und Politikern. Oft müssen sich ehemalige Tierhalter, die verarmt sind, als Hirten verdingen und kommen in große Abhängigkeiten – es entstehen sklavenähnliche Verhältnisse. Diese (modernen) Tierhalter gehen leider auch wenig nachhaltig mit den Weideflächen um; beispielsweise werden in der Trockenzeit bereitwillig Strafen gezahlt, wenn die Tiere auf staatlich ausgewiesene Reserve-Weideflächen getrieben werden, die normalerweise für die immer wieder vorkommenden Dürrezeiten vorgehalten werden . Araber konzentrieren sich im Niger oft auf eine kommerzielle Tierhaltung und spezialisieren sich je nach regionaler Zugänglichkeit zu Weideland.  

Tierzählungen stellen - nicht nur vom rein organisatorischen Ablauf - ein Problem dar; die kulturelle Komponente darf nicht vernachlässigt werden: es bringt Unglück über die Herde und somit auch über die Familie, wenn die genaue Anzahl Tiere genannt werden würde. Für Impfkampagnen muss die annähernde Anzahl Tiere bekannt sein; bei der Steuerentrichtung werden von Tierhaltern Tiere verschwiegen.

Tierhygienische Programme verlaufen zumeist im Schatten des allgemeinen Interesses, haben aber sehr große wirtschaftliche Bedeutung hinsichtlich des Anteils von Tieren und Tierprodukten am Export und auch bezüglich der menschlichen Gesundheit, insbesondere für Krankheiten, die vom Menschen auf das Tier und umgekehrt übertragen werden können (Anthropo-Zoonosen), z.B. Tuberkulose oder Brucellose.

Acker- und Feldbau

Acker- und Feldbau im Niger bedeutet Regenfeldbau. Nördlich der agronomischen Trockengrenze (= 200 mm Isohyte, das heißt maximal 50 km nördlich von Tahoua) ist Feldbau eigentlich nicht mehr möglich - und ist de jure auch nicht erlaubt -, wird aber trotzdem unter höchstem Risiko durchgeführt. In den südlichen Regionen (entlang der Grenze zu Nigeria) können jedoch bis zu 900 mm Regen fallen. In der Agrarzone werden neben Subsistenzfrüchten auch Marktfrüchte (cash crops) angebaut. In den gesamten ackerbaulichen Gebieten des Niger sind Millet- und Sorghum-Hirse die verbreiteten Getreide, hinzu kommen Mais, etwas Weizen und Reis.

Der Subsistenzfruchtanbau ist weibliche Domäne; viel Gemüse, Tomaten, Bohnen, fallen in diesen Bereich. Die Vermarktung wird von den Frauen meist auf den örtlichen Märkten selbst organisiert.

Der Anbau von Marktfrüchten (cash crops) ist männlicher Arbeitsbereich. Hauptkulturen sind insbesondere Erdnüsse, aber auch Zwiebeln, Pfeffer und Baumwolle, die auf dem Markt oder mittels Händler umgeschlagen werden

Der Subsistenzfeldbau und der Marktfruchtanbau werden meist in Handarbeit mit einfachen Hacken betrieben. Ein mechanisierter Ackerbau mit Nutzung eines Pferdes oder gar eines Traktors zur Bodenbearbeitung ist eher ein seltenes Bild.

Hirsefeld nach der Regenzeit
Hirsefeld nach der Regenzeit, Foto: A. Bartelsmeier
Pflügen mit Pferd
Pflügen mit Pferd, Foto: Yvonne Karrer

Durch das hohe Bevölkerungswachstum, besonders in den südlichen Landesteilen, und eine oft wenig nachhaltige und die Bodenfruchtbarkeit konservierende Bewirtschaftungsweise, häufig über Jahrzehnte Monokultur und wenig Feldwechselwirtschaft, wird die pflanzenbaulich nutzbare Landwirtschaftsfläche relativ geringer. Sehr spät wurde eine traditionelle Polykultur wieder gefördert, die durch verschiedene Aussaattermine, Entwicklungsstadien und Art des Pflanzenwuchses den Boden beschatten und somit eine Schattengare (die Nachtfeuchte wird durch den Temperaturunterschied Tag/Nacht auf den Feldern gehalten und die Evaporation durch die Sonne wird durch die Pflanzenabdeckung des Bodens ebenfalls vermindert) gewährleisten. Außerdem sind durch den länger bestehenden Pflanzenbewuchs die Flächen kürzere Zeit Wind- und Wassererosion preisgegeben. Unterschiedliche Pflanzenarten tragen zur Verbesserung der Bodenqualität bei, wie z.B. Bohnen, die als Leguminosen durch Knöllchenbakterien die Stickstoffanreicherung im Boden fördern.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche des Niger ist begrenzt, und da sich die klimatischen Verhältnisse nicht verbessern, ist auch eine Ausdehnung der Feldbauflächen nicht wirklich möglich. Die Bevölkerungsexplosion und die nachlassende Tragfähigkeit der Böden (Carrying Capacity) bewirken, dass immer mehr Felder in Gunstjahren verbotenerweise in der Pastoralzone angelegt werden. Mit diversen Maßnahmen und Methoden werden glücklicherweise Felder wieder in die Kultivierung zurückgeführt und Weideflächen entwickeln wieder eine Grasnarbe.

Die Regensaison 2020 begann im Niger günstig, sodass im ganzen Land bereits in den ersten Tagen des Junis gesät werden konnte.

Gärtnerkooperative
Gärtnerkooperative, Foto: A. Bartelsmeier

Gartenbau, Oasengärten und Bewässerungsfeldbau

Nicht nur im Umkreis der Flüsse im Niger, sondern auch im Bereich einiger Mare und Marigots wurden Gärten angelegt, die durch Bewässerungskanäle, in und kurz nach der Regenzeit, direkt mit Wasser versorgt werden können. Im Einzugsbereich der permanenten und nicht-permanenten Wasserstellen steht jedoch auch in der Trockenzeit das Grundwasser relativ hoch an, sodass Brunnen zur Versorgung der Gärten gegraben werden. Es wird mit dem Anbau von Gemüse und Salat für den Eigenbedarf und für den Verkauf auf den Märkten eine intensive Gartenkultur betrieben.

Die Oasengärten im Air, Ingall,  Bilma, Fachi, Seguidine und an anderen Orten stellen eine besondere Form des Bewässerungsfeldbaus dar. Die gute Versorgung aus dem Air-Gebirge lässt in Agadez ein gutes Angebot an z.B. Datteln, Zitrusfrüchten, Hafer, Tomaten und sogar Weintrauben zu.

Garten in Ingall
Garten in Ingall, Foto: A. Bartelsmeier
Garten im Air
Garten im Air, Foto: Yvonne Karrer

Die Fläche des Bewässerungsfeldbaus ist erheblich ausbaufähig. Diverse Projekte sind bemüht, den Bewässerungsfeldbau auszuweiten. Es haben sich einige Länder, so auch China, in den Regionen des Ackerbaus eingekauft. Bewässerungsfeldbau soll den Erntespielraum, die Verfügbarkeit von Feldfrüchten, aber in erster Linie durch den 'contre saison' Anbau auch die Nahrungsmittelsicherheit verbessern. Angebaute Früchte sind vor allem Reis, Tomaten, Kohl, Kartoffeln, Zwiebeln, Pfeffer und Salat. Größere Projekte zur Erstellung von Bewässerungsperimetern wurden in Tahoua (PMET) und Zinder (PADAZ) initiiert und das Nationale Spezialprogramm (PSN) durchgeführt. Zu den von Nahrungsmittelknappheit betroffenen Regionen zählt immer wieder Tillaberi. Hier wurden 267 ha neue Bewässerungsperimeter installiert. Traditionelle und moderne Techniken zur Wasser- und Bodenkonservierung sind bei diesen Bemühungen sehr hilfreich; die Tele-Irrigation wird initiiert.

Forstwirtschaft

Laut einem Bericht der FAO ist der Niger ein Land ohne wirklichen Wald. Der Holzbedarf der nigrischen Bevölkerung bezieht sich in erster Linie auf die Brennstoffverwertung: 0,6-0.8 kg /Tag/Person - das entspricht etwa 300 kg/Jahr/Person. In den Jahren 1958 bis 1998 verminderte sich die Waldfläche um 40-50 %, an Waldfläche existieren maximal noch 5 Mio. ha natürlicher Wald und 40 000 ha Pflanzungen. Das Holz für die industrielle Verwertung wird aus Nigeria, Benin und der Elfenbeinküste importiert. Erschreckend nehmen sich dabei die Mengen des verbrauchten Holzes an den Festtagen aus. So wurde im September 2016 fast ein Viertel des Jahresbedarfs zum Tabaski-Fest verbraucht.

Fischerei

Fischerei wird im Niger auf einer Wasserfläche von 4 000 km² betrieben, dazu zählen vor allem die Flüsse Niger und Komadougou, der Tschadsee und kleinere Wasserflächen. Es handelt sich hier in erster Linie um Fischfang und nicht um Aquakultur. Der Verbrauch liegt bei gut 3 kg/Jahr/Einwohner und der überwiegende Teil des Fanges bleibt zum Verzehr im Land. Projekte laufen einerseits zur Erhaltung der Fischressourcen, aber auch zur Verbesserung der Einkommenssicherung durch Fischerei und Diversifizierung in den Fischerdörfern. Jedoch ist die Nachhaltigkeit des Fischfangs und die Sicherheit der Einkommenserwirtschaftung erheblich zurückgegangen.

Konflikte zwischen verschiedenen Wirtschaftsformen

Konflikte zwischen mobilen Tierhaltern und sesshaften Ackerbauern kommen in der Region des Sahel, so auch im Niger, häufiger vor. Andererseits gibt es auch Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Tierhaltergruppen um die Nutzung von Weideflächen, aber insbesondere bzgl. der Wasserstellen. Dadurch, dass zunehmend (im Zuge der Förderung von Diversifikation der Einkommensquellen) Ackerbauern Tiere halten, kommt es auch zwischen den Ackerbauern zu Streitigkeiten.

Im November 2016 gab es eine gewaltgeladene Auseinandersetzung zwischen Tierhaltern und Ackerbauern in Bangui in der Nähe von Madaoua. Hierbei fanden mindestens 18 Personen den Tod und 43 wurden verletzt und etliche Häuser in Brand gesetzt.

Durch länderübergreifende Netzwerke berufsständischer Organisationen, z.B. von Billatal Maroobe, versucht man u.a. jenen Konflikten zu begegnen.

Ernährungs- und Versorgungskrisen

magere Kuh
Foto: A. Bartelsmeier

Niger hat wiederkehrend mit Dürren und Ernährungskrisen umzugehen, die das Land schwer bis dramatisch treffen. Dabei betreffen die Ernährungskrisen viele Regionen des Landes, durch die Anwesenheit der Flüchtlinge im Osten und Westen des Landes entwickelte sich dort fast eine dauerhafte Stress-Situation. Die Ursachen der nigrischen "Hunger"-Krisen sind vielfältig. Jedoch kommen immer verschiedene Faktoren zusammen, um aus einer angespannten und gefährdeten Situation eine Krise oder gar eine Katastrophe werden zu lassen.

Nicht nur klimatische Faktoren führen zu diesen Schwierigkeiten, sondern nicht selten sind die Ursachen anthropogen. Bereits im Vorjahr geben die Regenzeit und die Ernte klare Tendenzen wie die Versorgungslage mit Nahrungsmitteln (insbesondere Hirse) und Saatgetreide sein wird. Im Jahr 2009 wurde - auch von staatlicher Seite - frühzeitig agiert: es wurden eigene Vorräte angelegt und auch die diversen Partner der EZ konnten Maßnahmen ergreifen. Eine der bewährten Methoden zur Nahrungssicherung ist die Einrichtung von Getreidebanken. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Getreide-Grossisten beiderseits der Grenzen - oft noch viel früher - agieren und einen künstlichen Getreidemangel auf dem Markt initiieren, um die Preise in die Höhe treiben zu können. Eine andere Seite einer Krise entsteht in der (mobilen) Tierhaltung. Wasserknappheit bzw. -mangel führt zu erheblichen und sogar Totalverlusten der Herde. Die Preise auf dem Tiermarkt fallen dann soweit, dass die Bevölkerung für ein erwachsenes Rind nicht einmal mehr einen Sack Getreide erhält.

Das SAP Programm (Système d'alerte précoce) bemüht sich für den Fall einer Nahrungskrise um rechtzeitige Information der Bevölkerung über Engpässe und Preisentwicklungen; dieses System ist über ganz Westafrika verbreitet.

Eine andere Art von Krisen stellen Überschwemmungen in den Flussregionen dar, die zu Totalverlusten der Ernte aber auch des gesamten Hab und Gut Hunderttausender von Menschen führt.

Die Versorgungssituation in der Region Diffa ist nach wie vor krisenhaft. Die vielen Flüchtlinge aus Nigeria (jeder zweite Bewohner der Region Diffa ist ein Flüchtling) lassen die Situation im Osten des Landes sehr angespannt bleiben, verstärkt durch Angriffe von Boko Haram. Auch das Gebiet zwischen Agadez, Tahoua und Maradi und Tillaberi hat immer wieder mit erheblichen Versorgungsengpässen umzugehen.

Die Initiative 3N: "Nigeriens nourrissent les Nigeriens" war in seiner ersten Phase für den Zeitraum von 2012-2015 ausgerichtet; Ziel ist die bessere Versorgung der Bevölkerung aus dem eigenen Land heraus, um so Nahrungskrisen besser managen zu können. Daran beteiligt sind sowohl der Staat, die Partner der technischen und finanziellen Zusammenarbeit, die Organisationen der Produzenten, der private Sektor, die Zivilgesellschaft als auch ONGs. RECA, die nigrische Landwirtschaftskammer, macht noch einmal deutlich, dass der Primärsektor in erster Linie agropastoral wirtschaftet und insofern jene Potenziale auch ausgebaut werden müssen. Auch in den kommenden Jahren wird die Initiative weitergeführt.

Wasserversorgung

Ein weiteres Problem stellt weiterhin die Trinkwasserversorgung dar, auch wenn sich diese generell für die Bevölkerung im Niger verbessert hat.
Selten jedoch werden Informationen verbreitet, wie es wirklich um die Wasserqualität an manchen Orten bestellt ist. Dass das Trinkwasser in Arlit durch den Uranabbau kontaminiert ist, verwundert dabei nicht.

Sekundärsektor

Der industrielle Sektor im Niger ist in einer stetigen Weiterentwicklung begriffen. Neben der Aufarbeitung der Rohstoffe aus den Minen werden hauptsächlich landwirtschaftliche Ausgangsstoffe weiterverarbeitet.

Uran

Niger ist weltweit viert-bzw. fünftgrößter Produzent von Uran. Das Uranerz wird zum größten Teil im Tagebau gewonnen und für den Export angereichert. Das führende Unternehmen ist die französische AREVA; intensiv sind seit einigen Jahren die Chinesen und weitere internationale Konsortien ins Geschäft eingestiegen. Aufgrund der Initiative mehrerer nigrischer Nicht-Regierungsorganisationen untersucht derzeit die nationale Kommission für Menschenrechte (CNDH Commission nationale des droits de l'homme du Niger) die Auswirkungen und Folgen des Uranabbaus im Norden des Landes. 700 000 Menschen sind von den bedenklichen Abbaukonditionen der stark kritisierten Uranbergbaustelle in Arlit betroffen. Hinzu kommen die weitere Minen Azelik, Imouraren etc., die im Aufbau begriffen sind. China errichtet momentan 26 neue Atomkraftwerke, für die der Staat Uran braucht. Mit einem Anstieg der Urannachfrage um 50 % ist in den kommenden 25 Jahren zu rechnen. Fukushima hat nur einen kurzfristigen Nachfragerückgang erzeugt.

Im April 2013 kam der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad auf seiner Westafrika-Reise in den Niger, wo er hoffte einen Uran-Vertrag unterzeichnen zu können, musste jedoch ohne einen solchen wieder abreisen.

Der Boom in den 70er Jahren, der dem Niger einen wirtschaftlichen Aufschwung versprach, verebbte mit dem Verfall des Uranpreises auf dem Weltmarkt. Der französische Konzern AREVA, der lange Jahre das Monopol im Uranabbau im Niger innehatte, muss sich zukünftig mit chinesischer Konkurrenz arrangieren. Im Minenkonsortium von Azelik hält China den größten Anteil, Niger immerhin 33 %. Einen Überblick über die verschiedenen Uranminen im Niger gibt es bei der "World Nuclear Association". Mittlerweile ist Niger der viert- bzw. fünftgrößte Uranexporteur der Welt. Die Einrichtung der Mine von Azelik trifft ein Gebiet von kulturhistorischer Bedeutung. Die Auswirkungen der Ausbeutung der Rohstoffressourcen im Niger betreffen in erster Linie die nomadischen Tierhalter, in deren angestammten Weidegründen die Schürfrechte für Uran vergeben wurden. Dies sind Gründe der erneuten Erhebungen der Tuareg, die Rückflüsse aus den Uraneinkommen für ihre Regionen einfordern. Es wird zukünftig wohl immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der Lokalbevölkerung und den Uran-Unternehmen kommen. Die Fertigstellung des 'Code Pastoral' ist momentan ausgesetzt, der die Rechte der Nomaden in der Weidezone, ihre Wasser-, Boden- und Weiderechte, sicherstellen soll. Durch den erheblichen Wasserbedarf bei der Uran-Aufbereitung wird das Trockenfallen der Brunnen im Ighazar, einer großen Weidezone, in der auch die Mine von Imoumaren liegt, in weniger als 40 Jahren wissenschaftlich prognostiziert.

"Wer profitiert vom nigrischen Uran?" wird in der Presse die Frage gestellt, wenn es darum geht, dass AREVA neue Verträge zu Nutzung des nigrischen Urans eingeht. Im Niger bleibt wenig von AREVAs Uranabbau zurück, außer verstrahltem Abraum, Material, Luft, Boden, Wasser und Menschen. Dass die Arbeit in und um die Uranminen nicht ohne gesundheitliche Folgen bleiben, wird in etlichen Berichten herausgestellt, das Unternehmen jedoch negiert dies.

Erdöl

Neben dem Ölfeld von Agadem wurde im Nordosten des Landes, im Grenzgebiet Niger-Algerien - insbesondere unter dem kulturhistorischen Plateau von Djado, Öl gefunden. Im Jahr 2008 hatte die chinesische CNPC (China National Petroleum Corporation) gegenüber sieben anderen Energieunternehmen (Petronas, Sonatrach, Burren Energy, South Africa Energetic, ATI Petroleum, Tullow und Trans African Energy), die das Öl in der Region von Agadem ausbeuten wollten, den Zuschlag erhalten.

Seit 2011 gehört Niger damit zu den Erdöl exportierenden Ländern. Die erste Raffinerie des Landes wurde in Zinder, der zweitgrößten Stadt des Landes, etwa 900 km östlich der Hauptstadt Niamey, eröffnet. Die ersten Barrel Öl flossen am 1. Dezember 2011. Das chinesische Unternehmen CNPC hält 60 % und der Niger 40 % der Aktien. Das Rohöl wird mittels einer Pipeline aus Agadem (Region Diffa) nach Zinder gepumpt. ONGs drängen darauf, dass die Verträge zwischen Niger und China noch einmal geprüft werden. Im September 2019 wurde ein Vertrag von CNPC abgeschlossen für den Bau einer Pipeline von Agadem an die Küste Benins. Die Pipeline wurde 2020 begonnen und sollte 2022 fertiggestellt sein.
Für die eigene Stromversorgung importiert Niger Erdöl aus Nigeria.

Erdgas

Im Rahmen des wirtschaftlichen Entwicklungsprogrammes der Afrikanischen Union - NEPAD - ist eine Gaspipeline von Nigeria durch Niger nach Algerien geplant, um Gas nach Europa zu transportieren. Der Ausbau der Pipeline ist ein länger währendes Projekt. Im Jahr 2015 hätte nach einer Planung das erste Gas nach Europa gelangen sollen. Jedoch gibt es auch Stimmen, die das Projekt als gescheitert ansehen aufgrund der auf dem afrikanischen Kontinent herrschenden Verhältnisse.

Gold

Ein weiterer Bodenschatz des Nigers ist Gold. Im Westen Nigers in der Region Liptako, dem Grenzgebiet zu Burkina Faso, wird diese Rohstoffressource in der Mine Samira abgebaut. Gold ist das zweitwichtigste Exportgut Nigers (gut 13 %). Die unternehmerische Ausbeutung des Goldes im Niger begann im Jahr 2004 mit Unterzeichnung des Nutzungsvertrages des Staates Niger mit der SML (Societé Minière du Liptako Gourma), einem Konsortium marokkanischer und kanadischer Aktionäre. Mit nur 20 % ist der nigrische Staat Aktionär, die restlichen 80 % werden von ausländischen Interessenten gehalten. Weitere Goldvorkommen wurden im Norden Nigers (Djado und Tchibarakaten) aufgetan. Welche Auswirkungen der Goldrausch im Djado (im Nordosten Nigers) auf die nigrische Bevölkerung haben wird, bleibt fraglich. Das schweizer-nigrische Konsortium (SARL) lässt Gold zwar auf traditionelle Weise schürfen, setzt sich aber für ethische Arbeitsregeln, auch mit einem Verbot von Kinderarbeit, ein.

Die Einkünfte aus dem Gold im Niger und ebenfalls in seinen Nachbarländern geraten nicht selten indirekt in die Hände bewaffneter Gruppen, wie Boko Haram und tragen zu ihrer Finanzierung bei.

Kohle

In Salkadamna, nördlich von Tahoua, begannen unter Anwesenheit des Präsidenten die ersten Arbeiten für das 600 Megawatt Kohlekraftwerk, welches mit dem Kandaji-Staudamm zusammen Niger energetisch unabhängig machen soll. Auf die Kohlevorkommen stieß man bei Brunnengrabungen in den 80er-Jahren. Mit Unterstützung der amerikanischen Firma Source California Energy (SCE) soll die Kohle von der nigrischen SNCA (Société Nigérienne de Charbon de l'Azawak) abgebaut werden. In diesem Zusammenhang kam es zu Auseinandersetzungen zwischen chinesischen und amerikanischen Firmen. Der ältere Kohlebergbau Anou Araren (nahe Tchirozerine), der seit den 80er-Jahren in Betrieb ist, sollte die nördlichen Städte energetisch unabhängig machen, aber in erster Linie den Uranabbau in Arlit mit Energie versorgen. 1975 wurde in diesem Zusammenhang auch die nigrische Kohle-Gesellschaft (SONICHAR - Société Nigérienne du Charbon) gegründet.

Weitere Rohstoffe aus dem Bergbau, die weiterverarbeitet werden, sind Phosphat, Gips und Kalk.

Industrielle Unternehmen

Industrie

Neben den Produkten aus der Aufarbeitung von Rohstoffen aus dem Bergbau spielt die industrielle Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Rohstoffen - nach wie vor - eine relativ geringe Rolle. Die nigrische Kammer für Industrie, Handel und (Kunst-)Handwerk führt in ihrer Mitgliederliste einige Industrieunternehmen auf. Seit Übernahme der Regierung durch Mohammadou Issoufou setzt man sich dafür ein den Ausbau der Industrie voranzutreiben und so das Nationaleinkommen zu verbessern; jedoch ist dies mit diversen Schwierigkeiten und Hindernissen verbunden. Viel hängt selbstverständlich von der Eigeninitiative der UnternehmerInnen ab.

Schlachthöfe verarbeiten den Teil der Schlachttiere, die nicht als Lebendtiere über die Grenzen verkauft werden oder für den Eigenkonsum bestimmt sind. Die etwa 900 Unternehmen in diesem Bereich erwirtschaften fast 5% des BIP. Neue und große Schlachthöfe sind in Planung, jedoch fließen auch Gelder in andere Kanäle. Der Export von Eselshäuten von Tausenden illegal und grausam geschlachteten Eseln in Afrika für den Export nach China wurde von Niger und seinen Nachbarländern durch Exportverbot unterbunden.

Weitere Industrien, die landwirtschaftliche Grundstoffe nutzen, sind Molkereien für die Verarbeitung von Frischmilch, meist in kleineren bis mittleren Produktionsbetrieben, (ein wichtiger Verarbeitungsbereich in einem Land mit viel marginalem Weideland), aber auch die Aufbereitung von importiertem Milchpulver zu Milchprodukten; Fruchtsaft- und Limonadenbereitung, Mineralwasserabfüllung, Brauereien, Mühlen, aber auch pharmazeutische Unternehmen u.a.

Einen bedeutenden Anteil an der industriellen Fertigung haben Produkte für das Baugewerbe wie Zement, Bausteine und Farben.

Energiewirtschaft

In den letzten Jahren wurden einige Staatsbetriebe privatisiert oder es wurde zumindest versucht. Es fand sich jedoch kein Käufer. NIGELEC (Société Nigérienne d'Electricité), die nigrische Stromgesellschaft, die für die Verteilung des Stromes im Niger sorgt und SONIDEP (Société Nigerienne des Produits Pétroliers), die für den Import, Transport und die Weiterverarbeitung des Öls sorgt, sind beide parastaatlich.   

Der Bau des Kandaji-Staudamms 150 km von Niamey, den Niger aufwärts in der Nähe von Ayourou, soll der Erzeugung von Strom und Anlage von Bewässerungsflächen (122 000 ha) dienen, aber auch die Regulierung des Flusses und die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt Niamey sichern. Im Jahr 2011 wurde mit der Konstruktion dieses jahrelang geplanten Projektes begonnen. Seine Seeoberfläche wird etwa 280 km² betragen. Hauptfinanzgeber sind Saudi-Arabien, islamische und arabische Banken, die CEDEAO und Weltbank. Ob ein Bauende jedoch 2020 erreicht werden kann, ist noch fraglich. Eine Umsiedlung von 38 000 Menschen ist notwendig. 

Tertiärsektor

Der Tertiärsektor trägt mit 39 % den zweitgrößten Anteil zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Vorherrschend sind Handel und (Kunst-) Handwerk (13% des BIP), aber auch Transport und Kommunikation. Tourismus und Gastgewerbe leiden unter der unsicheren Situation in der Region.

Handel

Der Markt ist – je nach Jahreszeit - bunter und vielfältiger Umschlag- und Austauschplatz der Waren von den kleinen Feldern und Parzellen, aber auch große Quantitäten an Getreide, Obst und Gemüse werden hier veräußert, sowohl auf den kleinen Dorfmärkten als auch in den städtischen Markthallen. Auf dem Markt findet man (fast) alles: Canaries, Kalebassen und andere handwerkliche Produkte, aber auch traditionelle Medikamente, Kleidung, technische Geräte, Tiere und vieles mehr.

In der agropastoralen Zone sind die Märkte besonders vielseitig und sehenswert
Typischer Markt in der agropastoralen Zone , Foto: Yvonne Karrer
kleine Limonenverkäuferin
kleine Limonenverkäuferin, Foto: Yvonne Karrer

(Kunst-) Handwerk

Der Handwerkssektor reicht von Ton-, Schmiede-, Flecht- und Lederarbeiten zu Steinbearbeitung und Weberei. Handwerk und Kunsthandwerk sind in allen Regionen und unter allen ethnischen Gruppen verbreitet, aber spezielle Tätigkeiten sind gesonderten Berufsgruppen oder Kasten vorbehalten. Metall- und Lederarbeiten werden von der Schmiedekaste der Tuareg ausgeführt, für die Herstellung von Tonwaren, speziell der großen Canaries zur Aufbewahrung und Kühlung von Wasser, gibt es im Südwesten des Landes Dörfer mit bekannten Töpferinnen. Recycling von Aluminium und Gießen von großen Kochtöpfen kann beispielsweise auf dem Markt von Katako in Niamey beobachtet werden.

Flechten von Abdeckungen
Flechten von Abdeckungen, Foto: A. Bartelsmeier
Woodaabe-Stickerei
Woodaabe-Stickerei, Foto: A. Bartelsmeier
Woodaabe-Stickerei
Woodaabe-Stickerei, Foto: A. Bartelsmeier

Dienstleistungen/Informeller Sektor

beim Friseur
beim Friseur, Foto: Yvonne Karrer

Im Bereich des Informellen Sektors haben die NigrerInnen vielfältige Ideen um sich ein Einkommen zu erwirtschaften. Seien es Tätigkeiten als Parkwächter, Scheibenputzer, Handykartenverkäufer, Schuhputzer und vieles mehr. Besonders zu bemerken ist die Fingerfertigkeit, mit der manche Frauen kunstvolle Frisuren – mit und ohne Zuhilfenahme künstlicher Zusatzhaare - flechten. Beliebt bei den in die Stadt gezogenen Nomaden ist die Arbeit als Nachtwächter. In den Städten arbeiten viele Männer und Frauen als Hausangestellte und Wächter. Viele Kinder sind in diesem Sektor tätig – sei es, dass sie mitverdienen müssen oder manchmal sogar die ganze Familie durch ihren Verdienst unterhalten. Hausangestellte, nicht selten auch Kinder, sind oft eher Mägde und müssen tagein – tagaus für geringsten Lohn oder nur gegen Kost und Logis - ohne jegliche Absicherung arbeiten.

Die Arbeitsmarktsituation im Nigr kann insofern kaum mit Zahlen wirklich korrekt dargestellt werden.

Tourismus und Gastgewerbe

Im Dienstleistungssektor hat ökonomisch und außenwirkungsmäßig gesehen der Tourismus große Bedeutung. Dieser ist jedoch stark von einer stabilen innen- und außenpolitischen Situation abhängig. Unter sicherheitstechnisch günstigeren Verhältnissen hatten Gastgewerbe und Tourismus einen Anteil von 2% am BIP, aber die nördlichen Regionen, Agadez, Air-Gebirge und die Wüsten. die die Schwerpunktregionen des Tourismus sind, sind nicht sicher. Dies kann auch der attraktive Naturpark 'Parque W' nicht kompensieren. Durch Wiedereröffnung des Flughafens in Agadez 2004 war eine erhebliche Erleichterung der Erreichbarkeit der nördlichen Regionen gegeben, aber nach den Tuareg-Erhebungen seit 2007 wurde der Flughafen wieder geschlossen. Die Geiselnahmen im Niger und die kriegerischen Auseinandersetzungen im Norden Malis haben die Situation zusätzlich verschärft. Touristische Ziele sind in den letzten Jahren die bunten Woodaabe- oder Tuareg-Feste in der Pastoralzone geworden. Über die Vertretbarkeit von Ethnotourismus gibt es keine einhellige Meinung: ist es 'Ausverkauf' und Exotismus oder eine Möglichkeit, das bessere Überleben von Menschen zu sichern?

Transportwesen

Das ganz übliche Verkehrsaufkommen
Das ganz übliche Verkehrsaufkommen, Foto: A. Bartelsmeier
Tankstelle
Tankstelle, Foto: A. Bartelsmeier

Der Niger geht mit der Initiierung des Baus einer Bahnlinie von Cotonou - Niamey - Ouagadougou - Adidjan einen weiteren Schritt der regionalen Verflechtung seiner Verkehrsinfrastruktur. Zum Ende des dritten Amtsjahres von Präsident Issoufou wurde am 7. April 2014 der erste Bahnhof im Niger in Niamey eröffnet. Ein 80 Jahre alter Traum des Niger wird mit der Fertigstellung der fast 600 km langen Bahnstrecke von Parakou (Benin) bis Niamey in den nächsten Jahren in Erfüllung gehen.

Die 'Route Transsaharien' ist eines von neun transafrikanischen Straßenprojekten der Vereinten Nationen. Die Straße soll von Lagos über Kano - Zinder - Agadez - Assamaka - Tamanghassat nach Algier führen. Im November 2014 wurde offiziell im Niger mit dem Abschnitt Agadez - Assamaka begonnen. Dieser 223 km lange Abschnitt wird ein Viertel der nigrischen Strecke abdecken, die mit erheblicher Unterstützung Chinas gebaut wird.

Telekommunikation

SONITEL (Société Nigérienne des Télécommunications), die nigrische Telefongesellschaft wurde 2001 privatisiert und 2009 wieder verstaatlicht. In den meisten großen Orten und Städten gibt es private Anbieter von Mobiltelefondiensten. Die ältesten Anbieter sind Celtel, ein kuwaitischer Anbieter (seit 2008 bei Zain und 2010 zu Airtel gewechselt) und Sahelcom; hinzugekommen sind Orange Niger und Moov Niger.

Wirtschaftspolitik

Die Abhängigkeit Nigers von ausländischen und externen Finanzierungen ist nach wie vor groß.

Niger ist, wie viele andere afrikanische Staaten auch, bemüht die Reformen und Pläne seines Wirtschafts- und Sozialplanes (PDES) umzusetzen. Das Wirtschaftswachstum belief sich im Jahr 2017 auf 5,2%, wobei der Großteil auf Erdöl und die Aufbereitung in der Ölraffinerie in Zinder entfällt. Der Ausbau der unterschiedlichen Wirtschaftssektoren, insbesondere auch der Industrie, treibt der Niger in der letzten Zeit voran, wobei mittlerweile jedoch auch wieder mehr Wert auf den Ausbau der Landwirtschaft gelegt wird. Mit Hilfe unterschiedlicher Partner, wie der Türkei wird u.a. der Ausbau der Infrastruktur verbessert, durch Gelder der Weltbank wird der Ausbau von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum angeschoben. Die Westafrikanische Entwicklungsbank stellt Gelder für Investitionen im Bereich, Transport, Energie und Landwirtschaft zur Verfügung. Der Internationale Währungsfonds unterstützt die Weiterentwicklung von Reformen im Niger im Rahmen des Wirtschafts- und Sozialplanes als Säule der "Erneuerung des Nigers" (Le Niger Renaissant). Die Konferenz zur "Renaissance" oder auch 'Modernisierung der Wirtschaft Nigers' fand am 13. und 14. Dezember 2017 in Paris statt; der Plan umfasst den Zeitraum 2017 bis 2021. Niger wirbt intensiv für Investitionen im Rahmen seines Renaissance Projektes.

2001 wurde Niger in die HIPC (heavily indebted poor countries)-Schuldeninitiative zur Entschuldung der hochverschuldeten Entwicklungsländer aufgenommen. Die durch entfallende Schuldenrückzahlungen entstandenen Rücklagen wurden in ein Spezialprogramm des Präsidenten (welches unter Mamadou Tandja gestartet wurde) zur Verbesserung der Bildungs-, Gesundheits- und ländlichen Wasserversorgung (je 1000 Objekte) investiert. Bei dem G8-Treffen der sieben führenden Finanzminister und Russlands im Jahr 2005 einigten sich die Finanzminister darauf, 18 Ländern, darunter auch Niger, die Schulden der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der Afrikanischen Entwicklungsbank in einer Höhe von insgesamt 40 Milliarden Dollar zu erlassen. Der Schuldenerlass wurde allgemein begrüßt, dennoch warnten Politologen davor, sich mit diesem Schritt aus der 'Armutsfalle' zu schnell zufrieden zu geben, und den Stellenwert der politischen 'Good Governance' zu vernachlässigen.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Millennium Development Goals

Niger liegt seit Jahren im Human Development Report (HDR) seit Jahren auf dem letzten oder vorletzten Platz. Das Land ist von externen Hilfsleistungen abhängig. Im September 2000 haben 189 Staaten, darunter auch Niger, die Millenniumsziele (MDG - Millennium Development Goals) unterschrieben, die sie bis zum Jahr 2015 umsetzen wollten. Die MDGs wurden durch die SDGs (Sustainable Development Goals) abgelöst (s.u.).

Wenngleich die hochgesteckten Ziele der MDGs als Gesamtes nicht erreicht werden konnten, so sind durchaus - auch im Niger - Teilerfolge zu verzeichnen. Die WHO wird weiterhin die Verbesserung der gesundheitlichen Situation der nigrischen Bevölkerung intensiv unterstützen.

Eine kurze Bilanz der MDGs sei im Folgenden zusammengefasst:

MDG 1: den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren. Der Anteil der absolut armen Menschen ist von geschätzt 45,1 %  im Jahr 1992 auf 31,5 % in 2015 zurückgegangen. Bei steigender Bevölkerung wird sich jedoch die absolute Zahl ärmster Menschen nicht wesentlich verbessert haben.

MDG 2: allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen: die Grundschuleinschreibung von 18% in 1992 ist im Jahr 2015 auf 63,4 % angestiegen, jedoch schließen nur gut 75 % der SchülerInnen die Primarschule ab. Schulzugang ist noch nicht für alle Kinder möglich. 

MDG 3: die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken: im Jahr 2015 betrug das Verhältnis von Jungen zu Mädchenin der Primarschule 100:82, in der Sekundarschule 100:67, in der höheren Schule schrumpft der weibliche Anteil auf unter 1/3. Positive Ausnahmen sind Beispiele zur Nachahmung.

MDG 4: die Kindersterblichkeit verringern: Im Jahr 1990 hatte Niger die höchste Kindersterblichkeitsrate der Welt; im Jahr 1992 starben 318 von 1000 Babys, im Jahr 1998 war die Rate bereits auf 274 gesunken; 2017 verstarben nur noch 81,1 von 1000 Babys. Das Ziel ist eine Kindersterblichkeitsrate von 6 %. Dies gute Ergebnis in der relativ kurzen Zeit wurde erzielt, da die medizinische Grundversorgung für Kinder und Schwangere mittlerweile im Niger gratis ist. Dadurch erhöhte sich die Inanspruchnahme des Gesundheitsservices massiv. Weiterhin wurden Impf- und Insektenschutz-Kampagnen erfolgreich durchgeführt. Die gezielten Aufklärungen im Ernährungsbereich taten ihr Übriges.

MDG 5: die Gesundheit der Mütter verbessern: die Müttersterblichkeitsrate konnte ebenfalls reduziert werden und die Anzahl der von qualifiziertem Personal assistierten Geburten nahm von 14,9 % 1992 auf 40 % in 2015 zu.

MDG 6: HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen: die Prävalenzrate von AIDS ist von 0,7 auf 0,3 gesunken.

MDG 7: den Schutz der Umwelt verbessern: der nigrische Staat wird darin durch vielfältige bi- und multilaterale Projekte auf verschiedenen Ebenen weiterhin intensiv unterstützt.

MDG 8: eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen

SD - Ziele einer nachhaltigen Entwicklung (ODD - Objectifs de developpement durable/ Sustainable Development Goals)

Mit den Nachhaltigen Entwicklungsziele für eine zukunftsfähige Welt werden die 'abgelösten' MDGs erweitert um rechtliche Fragen wie Geschlechtergleichstellung und Verringerung der Ungleichheit, aber auch im Bereich Natur, Umwelt, Wasser, Klima etc. und anderem mehr.

Die bi- und multilateralen Partner des Nigers werden diesen bei der Umsetzung der Ziele unterstützen, z.B. das UNDP; die Weltbank unterstützt Niger im Rahmen des PDES-Programm 2017-2021 für eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung, welches Komponenten der ODDs in sich trägt.

Im Rahmen der ODDs könnte z.T. auch das Programme Renaissance gesehen werden.

Inländische Anstrengungen

In Zusammenhang mit der HIPC-Schuldeninitiative, wurden die PRSPs (Poverty Reduction Strategy Papers) eingeführt, um langfristig und nachhaltig zu einer Armutsreduktion in den ärmsten Ländern zu gelangen. Dieses Programm wird in enger Abstimmung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und anderen internationalen Gebern durchgeführt. An der Erstellung des PRSP waren zivilgesellschaftliche Strukturen wie Basisorganisationen, Gewerkschaften, Kleinbauern etc. beteiligt. Die internationalen Geber haben nach wie vor einen starken Einfluss auf die Entwicklung des Landes und auch auf den PRSP-Prozess.

Niger ist mittlerweile in der 3. Phase des PRSP, mit dem 2013 begonnen wurde und das 2017 endete. Der neue Ökonomie- und Sozialplan PDES für 2012 bis 2016 ging 2017 bis 2021 in die 2. Phase. Mit dem CGIAR wird an einer neuen Phase des PRSP gearbeitet.

Im Niger wurden verschiedene Programme verabschiedet, die sich der Bekämpfung der Armut widmen. Der VENRO (Verein Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen) bewertet das Engagement der nigrischen Regierung durchaus als positiv. Gleichzeitig sollten aber zivilgesellschaftliche Kräfte unbedingt stärker beteiligt werden, die meisten der nigrischen Nichtregierungsorganisationen haben sich die Armutsbekämpfung zum Ziel ihrer Arbeit gemacht. 

Der Staat Niger ist eines der fünf Mitglieder (Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Tschad) in der G5 Gemeinschaft, die neben der Stärkung der Sicherheit vor allem die Armutsbekämpfung, die Landwirtschaft und die Infrastruktur fördern und damit andere regionale Gemeinschaften wie ECOWAS und CILSS unterstützen. Die afrikanische Entwicklungsbank wird beispielsweise im Rahmen der G5 im Agrarsektor tätig werden.

Ausländische Anstrengungen

Viele Länder und Organisationen sind im Bereich der Armutsbekämpfung engagiert, dies sind multi- und bilaterale Programme und Projekte, NGOs und wissenschaftliche Institute. Als ausländische Partner sind vor allem die Weltbank bedeutsam mit ihrer Landesstrategie und ihren Projekten. Care arbeitet schon lange im Niger; die letzten Jahre wurde die Zusammenarbeit mit den Nomaden verstärkt; aktuell werden neben den Krisenunterstützungen insbesondere Projekte gefördert, die die Kinderheirat von jungen Mädchen verhindert. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (PNUD) arbeitet ebenfalls im Bereich der Ernährungssicherung. Mit der EU bestehen verschiedene Verträge zur Entwicklungsförderung.  Zum einen für das Programme d'Appui au Système Statistique national et à l'Etat Civil (PASTAGEP), des Weiteren das Programme d'Appui à la Justice et à l'Etat de Droit II (PAJED-2) und letztlich das Programme d'Appui à la Société Civile au Niger II (PASOC-2).

Mit der "Allianz für den Sahel" wollen Deutschland, Frankreich und die EU die Sahelregion in der Entwicklungszusammenarbeit unterstützen.

Andere bedeutende Partner der bilateralen EZ Nigers sind neben Deutschland:

  • Europäische Union (Ernährungssicherheit, Ressourcenschutz, Konfliktverhütung, Stärkung der Zivilgesellschaft) mit FED
  • Schweiz (Pastoralismus) mit der Cooperation Suisse
  • Niederlande (Stärkung der Zivilgesellschaft) mit SNV
  • Dänemark (Ländliche Entwicklung) mit DANIDA
  • Belgien (Bewässerung) BDA
  • NRO Grain de Sable
  • Frankreich (Strukturanpassung, Gesundheit, innere Sicherheit, Kleinkredite) mit der AFD  
  • USA

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Die Unterstützung des Nigers seitens der Bundesrepublik Deutschland (nach Frankreich und den USA drittgrößter bilateraler Partner) umfasst diverse Arbeitsfelder mit den Schwerpunkten

  • Dezentralisierung und gute Regierungsführung(Staat und Zivilgesellschaft)
  • Produktive Landwirtschaft und Ernährungssicherung

Weiterhin gefördert werden die Bereiche:

  • Grundbildung 
  • Gesundheit (Bevölkerungspolitik)
  • Waren- und Programmhilfe
  • Wasser und Abwasser/Abfall-Entsorgung
  • multisektorale Unterstützung
  • Infrastruktur/Soziale Dienste
  • Humanitäre Hilfe
  • Sicherheit

Im vormaligen Programm LUCOP (Lutte contre la pauverté) wurden seit Januar 2004 diese Komponenten im Landesprogramm von der ehemaligen GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem ehemaligen DED Niger umgesetzt. Über 40 Fachkräfte, vor allem des Deutschen Entwicklungsdienstes, waren in der deutsch-nigrischen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit tätig.

Die einzelnen Komponenten werden unter verschiedenen Projekten der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weitergeführt. Die Hauptachsen sind Tahoua/Agadez und Tillaberi. Aus der sicherheitspolitischen Situation heraus liegen die Arbeitsschwerpunkte momentan in der Region Tillaberi. Das Programm, welches bis 2015 lief, integriert sich in seiner strategischen Ausrichtung in die 2002 von der nigrischen Regierung verabschiedete Armutsbekämpfungsstrategie und in die Strategie für die Ländliche Entwicklung, denn Studien im Rahmen des PRSP haben ergeben, dass der Anteil der Armen im ländlichen Raum 86% beträgt.

Die GIZ als "Entwicklungszusammenarbeit aus einem Guss" arbeitet in den Bereichen Ländliche Entwicklung (Ernährungssicherung, Kleinbewässerungslandwirtschaft; Prävention von Ernährungskrisen); Nachhaltige Infrastruktur (Unterstützung der Niger Basin Authority ABN; Sicherheit, Wiederaufbau, Frieden (Stärkung nationaler Polizeistrukturen; Ernährungssicherung; Unterstützung des Grenzprogramms der AU; Konfliktlösungen bei grenzüberschreitender Weidewirtschaft (ZFD)); Soziale Entwicklung (Grundbildung); Staat und Demokratie (Beratung des Planungsministeriums; Dezentralisierung und gute Regierungsführung); Wirtschaft und Beschäftigung (Verbesserung der Beschäftigungs- und Einkommenssituation).

Im Rahmen der EU-Migrationspartnerschaften unterstützt die GIZ die Migrationspolitische Beratung; Unterstützung von Gemeinden und Regionen bei der Bewältigung von Migrationsauswirkungen. Die Region Agadez ist im Zusammenhang mit den Migrationsbewegungen gen Éuropa besonders in Mitleidenschaft gezogen, so dass ein Großteil der Unterstützung in jene Region fließt.

Als deutsche Nichtregierungsorganisationen sind in Niger z.B. die Welthungerhilfe und EIRENE aktiv. Die deutsche politische Konrad-Adenauer Stiftung ist mit einem Büro in Cotonou vertreten und veröffentlicht regelmäßig mehrere Studien zum Demokratieverständnis in Niger.

Private Unternehmens-Initiativen im Niger

PPP - PrivatePublicPartnership: ein Anliegen der Entwicklungszusammenarbeit global, um die Privatsektoren zu stärken. Kleinere Unternehmungen in der Sahelzone agieren meist eher im "Hintergrund"; größere Unternehmen können sich oft wirksamer nach außen präsentieren. Ob sie dann auch wirklich die für Land und Menschen wirksamere und nachhaltigere Arbeit verrichten und in dem Maße Arbeitsplätze generieren wie sie versprechen, wird die Zukunft zeigen.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im August 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Dr. Antje Bartelsmeier, Pastoralistin aus dem Oberallgäu, ist Dipl.-Ing. agr. und Ethnologin.

Seit 1993 Beraterin und Wissenschaftlerin in der Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere in Westafrika; als Referentin und Trainerin im Bereich interkulturelles/globales Lernen tätig; Landestrainerin bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ); Lehraufträge und Assistententätigkeiten an verschiedenen Institutionen.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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