Markt  in Jos © Andrew Moore (CC BY-SA 2.0)
Geschätztes BIP
413,7 Mrd. US-$ (Schätzung 2017)
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität)
5.911,2 US-$ (Schätzung 2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 157 von 189 (2017)
Anteil der Armut (unter 2,0 $ pro Tag)
84,5% (2016)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
43,0 (2018)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 107 von 129 (2018)

Wirtschaftslage

Die nigerianische Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2017 allmählich aus der schlimmsten Rezession seit 25 Jahren erholt. Nach Angaben des National Bureau of Statistics (NBS) ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2017  - erstmals seit 2016 - um 0,55% gestiegen. Analysten gehen davon aus, dass die nigerianische Wirtschaft bis zum Jahresende um 1,2% und 2018 um 2,8% wachsen wird.

Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich die nigerianische Wirtschaft seit Ende 2017 allmählich wieder erholt:

  • Steigerung der Erdölförderleistung
    Durch die Verhandlungen mit den Rebellengruppen im Nigerdelta konnte die Region etwas beruhigt werden. Infolgedessen konnte die Erdölförderung wieder hochgefahren und die Erdölproduktion gesteigert werden. Im zweiten Quartal 2017 produzierte Nigeria 1,84 Barrel Erdöl täglich. Dies ist die höchste Erdölförderleistung seit 2016, als das Land in die Rezession abgerutscht ist.  
  • Erholung des Erdölpreises
    Während der Preis für Erdöl 2016 auf 43 US-Dollar pro Barrel sank, erholte sich der Erdölpreis im Laufe des Jahres und stieg 2017 wieder auf 52 US-Dollar pro Barrel an. Damit steigen auch die Einnahmen, die das Land aus dem Erdölgeschäft generiert, wieder an.  
  • Verbesserte Leistung von Landwirtschaft und Dienstleistungssektor
    Die landwirtschaftliche Produktion konnte 2017 um 3% gesteigert werden, der Dienstleistungssektor konnte einen Zuwachs von 0,9% verzeichnen.

Trotz einer gesteigerten Erdölproduktion (2 Mio. Barrel pro Tag) und einem Anstieg der Erdölpreise auf mehr als 60 US-Dollar pro Barrel wuchs die nigerianische Wirtschaft im ersten Quartal 2018 mit 1,9% etwas langsamer als im letzten Quartal 2017.

Wirtschaftssektoren

Erdöl- und Erdgassektor

Der größte Wirtschaftssektor Nigerias ist die Erdöl- und Erdgasindustrie. Das Erdöl wurde 1958 im Nigerdelta entdeckt und ist seit den 1970er Jahren das wichtigste Exportgut des Landes. Nigeria ist der zehntgrößte Erdölproduzent der Welt und der größte Erdölproduzent Afrikas. Aufgrund der massiven Überfälle auf die Erdölpipelines seit Anfang 2016, vor allem durch die Rebellengruppe "Niger Delta Avengers (NDA)", wurde die tägliche Erdölproduktion jedoch von rund 2,1 Mio. Barrel auf rund 1,8 Mio. Barrel verringert

Gefördert wird das Erdöl in Joint Ventures mit der "Nigeria National Petroleum Corporation (NNPC)" im Nigerdelta vor allem von Shell, ExxonMobil, Chevron Texaco, ENI/Agip und Total.

Für den Transport von Erdöl und Erdgas zieht sich ein kilometerweites Pipelinenetz von den Fördergebieten im Nigerdelta zu den vier Raffinerien - Port Harcourt I und II (im Südosten), Warri (im Südwesten) sowie Kaduna (im Norden) im Landesinneren. Die vier Raffinerien haben eine Kapazität von 445.000 Barrel pro Tag. 

Trotz der vier Raffinerien muss Nigeria nach wie vor einen Großteil des Benzins für den Eigenbedarf importieren. Um diese Problematik zu beheben, hat der Nigerianer Aliko Dangote, der reichste Mann Afrikas, jüngst ein Abkommen mit der Regierung über den Bau einer weiteren Raffinerie im Wert von neun Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Die starke Abhängigkeit von Importen von Benzin und Diesel im Land wird sich erheblich reduzieren, wenn die Raffinerie fertig gestellt ist.

Das nigerianische Erdgas ist für den afrikanischen bzw. internationalen Markt von zentraler Bedeutung. Für den Export bedarf es jedoch weiterer Pipelines:

  • Eine Westafrika-Pipeline von Nigeria nach Benin, Togo und Ghana wurde 2007 fertiggestellt.
  • Für die Versorgung des europäischen Marktes wurde 2009 mit dem russischen Gazprom-Konzern der Bau einer Trans-Sahara Pipeline über Niger und Algerien nach Europa vereinbart. Diese ist bis heute jedoch nicht realisiert worden.
  • Ende 2016 vereinbarten König Mohammed VI von Marokko und der amtierende Präsident Muhammadu Buhari den gemeinsamen Bau einer zusätzlichen Pipeline durch Westafrika.

In den letzten Jahren ist es durch das illegale Abzweigen von Öl der Pipelines zu schweren Unfällen mit zahlreichen Toten gekommen.

Die Erlöse aus dem Geschäft mit dem Erdöl fließen zunächst der Bundesregierung in Abuja zu. Diese verteilt sie dann an die 36 Bundesstaaten, abhängig von der jeweiligen Einwohnerzahl der Bundesstaaten. Die Ölbundesstaaten im Nigerdelta (Akwa Ibom, Bayelsa, Delta, Edo, Rivers, Cross-River, Imo, Abia, Anambra, Ondo) erhalten nach der Verfassung vorweg einen Bonus von mindestens 13 % (derivation principle). 

Weitere Informationen über die Erdgas- und Erdölförderung Nigerias gibt eine regelmäßig erscheinende Länderanalyse der US-Regierung.

Neben den Erdöl- und Erdgasvorkommen verfügt Nigeria über umfangreiche natürliche Ressourcen (z.B. Zinn, Eisen-, Blei-, und Zinkerz, Kohle, Kalk, Gesteine und Phosphat), die gesamtwirtschaftlich gesehen jedoch von geringer Bedeutung sind.    

Agrarsektor

Nigeria ist ein agrarisches Land, aber die Konzentration auf Erdöl und Erdgas hat zur Vernachlässigung der Landwirtschaft geführt. Über 70 % der arbeitenden Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Der Sektor erwirtschaftete 2016 etwa 26 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Süden des Landes wird hauptsächlich Ackerbau betrieben, im Norden dominiert die Viehzucht.

Über 95 % der landwirtschaftlichen Produktion kommt von kleinen Anbauflächen. Nigeria ist der weltweit größte Produzent von Yams und Kassava sowie der viertgrößte Kakaoproduzent der Welt.

Neben Millionen von Kleinbauern gibt es Großfarmen. In den letzten Jahren wuchs dieser Sektor mit 10 % überdurchschnittlich, denn die Förderung der Landwirtschaft mittels finanzieller und technischer Anreize (Produktivitätssteigerung mittels Düngemittel und Ausbau der Infrastruktur) stand im Mittelpunkt von Wirtschaftsreformen der Regierung.

Die einheimische Landwirtschaft kann den Bedarf an Nahrungsmitteln nicht decken, sodass Nigeria nach wie vor Nahrungsmittel aus dem Ausland importieren muss. Jährlich gibt das Land bspw. rund 22 Milliarden US-Dollar für den Import von Nahrungsmitteln aus.

Industrie-, Energie- und Telekommunikationssektor

Der Industriesektor (Stahl, Zement, Düngemittel) macht ca. 20 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Nigerias in 2016 aus. Neben der Verarbeitung von Erdölprodukten werden insbesondere Nahrungs- und Genussmittel, Farben, Reinigungsmittel, Textilien, Brennstoffe, Metalle und Baumaterial produziert.

Haupthindernis für die industrielle Entfaltung des Landes ist die unzureichende Infrastrukturversorgung (Energie und Transport). Von den landesweit insgesamt 200.000 Straßenkilometern sind ca. 50 % instandsetzungsbedürftig. Die Eisenbahnlinie Lagos-Kano (ca. 1.300 km) wurde 2013 mit chinesischer Hilfe modernisiert (siehe auch Abschnitt "Verkehrswege" im Themenbereich "Überblick").

Während der Industriesektor erheblichen Krisen ausgesetzt ist, boomt der Telekommunikationssektor bereits seit einigen Jahren. Dank der Privatisierungspolitik der Obasanjo-Administration (1999 - 2007) besitzt Nigeria heute einen der dynamischsten Telekommunikationsmärkte der Welt. 2015 trug der Telekommunikationssektor rund 9 % zur wirtschaftlichen Gesamtleistung des Landes bei. Vorreiter ist der Mobiltelefonmarkt: Im April 2017 gab es in Nigeria bereits mehr als 150 Millionen Mobilfunkanschlüsse

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bestätigte bei einem Besuch in Lagos im September 2016 das große Potenzial der Nigerianer im Bereich Internet und Social Media. Er bezeichnete Nigeria aufgrund der ausgeprägten unternehmerischen Innovations- und Entwicklungskultur sogar als "das zukünftige Silicon Valley".

Im Bereich der Energieversorgung lassen die wirtschaftlichen Erfolge noch auf sich warten. Obwohl die ursprünglich staatliche Energiebehörde, die „National Electric Power Authority (NEPA)“ (von Nigerianern ironisch „Never Expect Power Always“ genannt), zwischen 1999 und 2003 privatisiert wurde und heute "Power Holding Company of Nigeria" (PHCN) genannt wird (von Nigerianern „Please Hold Candle Near“ genannt), leiden Millionen von Haushalten, ebenso wie die Behörden, unter ständigen Stromausfällen. Bislang hat nur ca. 75 % der nigerianischen Bevölkerung überhaupt Zugang zur Stromversorgung durch Elektrizität. Die ständigen Stromausfälle werden durch den Gebrauch von Dieselgeneratoren abgefedert.

Grund für die ständigen Ausfälle ist die niedrige Produktionskapazität der Gas- und Wasserkraftwerke. Derzeit ist Nigeria in der Lage, insgesamt nur 4.000 Mega-Watt Strom zu generieren; 70 % durch Gasturbinenanlagen und 30 % durch Wasserkraftanlagen.

Für den Ausbau der Kapazität setzt Nigeria jetzt auf chinesische Hilfe. Zudem erhielt die SIEMENS AG im April 2012 den Auftrag für den Bau eines Gasturbinenwerkes. Darüber hinaus bemüht sich die Regierung seit einigen Jahren auch darum, einen Teil des Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien zu generieren. Anfang 2014 ging die erste Photovoltaik-Fabrik Nigerias in Betrieb. Die Stadtverwaltung von Lagos versucht zudem, durch die Verbrennung von Abfällen Elektrizität zu erzeugen.

Wirtschaftspolitik

Reformprogramme

Unter der Regierung Obasanjo (1999 - 2007) wurde eine Reihe von Wirtschaftsreformen in Angriff genommen. Ziele waren u.a. die Bekämpfung der Korruption, die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im Allgemeinen sowie die Schaffung von besseren Einkommen für die Mehrheit der Bevölkerung. Maßnahmen dafür waren u.a. die Privatisierung von Staatsbetrieben und die Eindämmung der Inflation. Zur Umsetzung der Reformprogramme präsentierte die Regierung 2004 in Zusammenarbeit mit dem IWF die "Nigeria Economic Empowerment Development Strategy (NEEDS I/ 2004 - 2007)" .

Bei seiner Amtseinführung versprach Obasanjos Nachfolger Yar`Adua (2007 - 2010), die Wirtschaftsreformen mit dem Nachfolgeprogramm "NEEDS II/2007 - 2010" fortzusetzen. Zwischen 2007 und 2010 konnte die Regierung Yar`Adua vor allem bei der Privatisierung des Energiesektors und der Konsolidierung des Bankensektors Fortschritte erzielen. Unter der Führung von Goodluck Jonathan (2010 - 2015) wurde das Reformprogramm "Vision 20:2020" verabschiedet, welches das Ziel proklamiert, Nigeria unter den zwanzig größten Volkswirtschaften der Welt zu positionieren.

Präsident Muhammadu Buhari legte im März 2017 - als Reaktion auf die wirtschaftliche Rezession im dritten Quartal 2016 bis zum zweiten Quartal 2017 -  mit dem "Nigeria Economic Recovery and Growth Plan (NERGP)" einen umfassenden Wirtschaftsplan vor. Der Plan sieht vor, dass Nigeria bis zum Jahr 2020 erhebliche Fortschritte in Richtung eines strukturellen wirtschaftlichen Wandels mit einer diversifizierteren und integrativeren Wirtschaft erzielen soll. Dem Plan zufolge sollen durch das Reformprogramm insbesondere die fünf folgenden Ergebnisse erreicht werden: stabiles makroökonomisches Umfeld, landwirtschaftliche Transformation und Ernährungssicherheit, ausreichende Energieversorgung sowie verbesserte Verkehrsinfrastruktur und Industrialisierung mit Schwerpunkt auf kleinen und mittleren Unternehmen.

Staatsverschuldung

Ab 2004 nutzte Nigeria den Gewinn aus der Ölförderung, um seine Schulden zu bezahlen. Im Rahmen der wirtschaftlichen Reformen der Regierung Obasanjo konnte das Land 2005 mit den internationalen Gläubigern des Pariser Clubs einen Schuldenerlass um 18 Mrd. US-Dollar von insgesamt 30 Mrd. USD aushandeln. Im Gegenzug zahlte die nigerianische Regierung 12 Mrd. USD zurück. Damit ist Nigeria das erste afrikanische Land, das gegenüber dem Pariser Club schuldenfrei geworden ist!

Handel

Nach dem "Doing Business Report" der Weltbank belegt Nigeria 2017 Platz 169 von 190 Ländern. Die wichtigsten Abnehmerländer Nigerias sind die USA, China, Frankreich, Brasilien, Spanien und Deutschland.

Nigeria gilt in der Region als "Giant of Africa". Die lebendige Wirtschaft ist für ausländische Geschäftsleute zunehmend attraktiv. Wer in Nigeria erfolgreich Geschäfte machen möchte, sollte die Business Etiquette beachten.

Detaillierte Informationen zum Handel zwischen Nigeria und Deutschland bietet das Auswärtige Amt und Germany Trade & Invest. Ausführliche Informationen zu Investitionsmöglichkeiten in Nigeria bietet der in Hamburg ansässige Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft. Die Deutsche Auslandshandelskammer (DHK) in Lagos liefert die nötigen Auskünfte über deutsche Wirtschaftsinteressen in Nigeria. 

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Millennium Development Goals und Sustainable Development Goals

Trotz des immensen Ölreichtums leben ca. 70 % der Nigerianer/innen unter dem Existenzminimum und müssen mit weniger als einem US-Dollar pro Tag überleben. Im Jahr 2000 verpflichteten sich alle 189 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) bis zum Jahr 2015 die acht Millennium Entwicklungsziele (MDGs) zu erreichen. Die nigerianische Regierung bemühte sich mit dem "National Poverty Eradication Programm (NAPEP)" und dem Armutsreduzierungsstrategiepapier "Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP) - National Economic Empowerment Development Strategy (NEEDS)" diese Entwicklungsziele zu erreichen.

Laut dem Endpunkt-Bericht von 2015 konnte Nigeria in den Bereichen Zugang zur Grundbildung, Gleichstellung der Geschlechter in dem Bildungswesen, Verringerung der Verbreitung von HIV-Erkrankungen, Verbesserung der Gesundheit von Mutter und Kind zwar Erfolge verbuchen, erreichte aber letztendlich keines der gesteckten Entwicklungsziele.

Am 25. September 2015 verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung "Sustainable Development Goals (SDGs)". Die Agenda enthält 17 Ziele. wie zum Beispiel die Beendigung von Armut und Hunger, die Verbesserung von Gesundheit und Bildung und die Bekämpfung des Klimawandels. Diese Ziele sollen bis zum Jahr 2030 von den Regierungen, welche die Agenda unterzeichnet haben, erreicht werden. Der Bericht "A National Voluntary Review" enthält Informationen über den Stand der Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) in Nigeria. 

Inländische Entwicklungsanstrengungen

Nnimmo Bassey © Holger Motzkau (CC BY SA-3.0)
Nnimmo Bassey © Holger Motzkau (CC BY SA-3.0)

Programme zur Armutsbekämpfung gibt es sowohl auf Länderebene, die "State Economic Empowerment Strategy" (SEEDS), als auch auf lokaler Ebene die "Local Economic Empowerment and Development Strategy" (LEEDS).

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen im Land sind in den Bereichen Armutsbekämpfung und Nachhaltige Entwicklung aktiv. Frauenorganisationen, von denen "Women In Nigeria (WIN)" die bekannteste ist, haben im traditionellen Leben Nigerias immer eine wichtige Rolle gespielt. Auch die Nigerianer/innen, die in der Diaspora leben (NIDO-Germany), engagieren sich für die Entwicklung in ihrer Heimat.

Am 6. Dezember 2010 bekam der nigerianische Umwelt- und Menschenrechtsaktivist Nnimmo Bassey den Alternativen Nobelpreis verliehen. Der Vorsitzende der Umweltschutzorganisation "Friends of the Earth International", der mit dem Wahlspruch "Leave the oil in the soil" („Lass das Öl in der Erde“) bekannt wurde, wurde damit für seine Enthüllungen zu den ökologischen und menschlichen Katastrophen, die durch die Ölförderungen im Nigerdelta ausgelöst wurden, sowie für seinen Einsatz für mehr Umweltbewusstsein in Nigeria ausgezeichnet. Seit mehr als 20 Jahren kämpft Nnimmo Bassey für bessere Lebensbedingungen im Nigerdelta.

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Zu den größten ausländischen Gebernationen und Geberorganisationen Nigerias gehören die Weltbank, die Europäische Union, die USA, Großbritannien, Kanada und Frankreich.

Andere internationale Organisationen wie z.B. der Internationale Währungsfonds (IWF), das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), die Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) und der Commonwealth of Nations leisten durch die Zusammenarbeit mit Nigeria einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung des Landes.

Eine intensive Zusammenarbeit besteht auch zwischen Nigeria und den regionalen Organisationen wie der  "African Development Bank Group", der "African Union (AU)", der "New Partnership for Africa's Development" (NEPAD)" und der "Economic Community of West African States (ECOWAS)". Im Rahmen des African Peer Review Mechanism (APRM) - einem Kernelement des NEPAD-Programms - hat Nigeria 2008 den vierstufigen Prüfungsprozess erfolgreich abgeschlossen.

Deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen

Nigeria ist seit 1999 - dank seiner demokratischen Entwicklung während der Amtszeit von Präsident Obasanjo - wieder zu einem Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit geworden. In den Jahren zuvor hatte man die Zusammenarbeit aufgrund der undemokratischen Regierung unter Abacha eingestellt. Seit der Wiederaufnahme der Entwicklungszusammenarbeit gab es zahlreiche Projekte der deutschen staatlichen Zusammenarbeit.

Die Programme der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit werden durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Form von technischer und finanzieller Zusammenarbeit durchgeführt. Schwerpunkte der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit sind insbesondere "Nachhaltige Wirtschaftsförderung" (SEDIN) und "Energiepolitikberatung", v.a. in den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und ländliche Elektrifizierung. Zudem unterstützt die GIZ die Verbesserung der beruflichen Bildung in den besonders arbeitsintensiven Bereichen Landwirtschaft und Bau. Der Landesdirektor der GIZ Thomas Kirsch gibt in dem Interview "Nigeria- Afrikas taumelnder Riese?" Einblicke in die Arbeit die GIZ und die besonderen Herausforderungen Nigerias.

Die deutschen politischen Stiftungen sind im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit in Nigeria ebenfalls aktiv. Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) arbeitet vor allem in den Bereichen „Stärkung der Demokratie und Pressefreiheit“ sowie der „Förderung der Gewerkschaften“, während sich die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) im Rahmen ihres Programms insbesondere für die „Stärkung der politischen Mitwirkung“, wie z.B. bei Wahlen engagiert. Die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) arbeitet hauptsächlich in den Bereichen „Demokratie“ und "Good Governance“, „Frauenrechte und Empowerment von Frauen“ sowie „Krisenprävention und Konfliktbewältigung“.

Kirchliche Organisationen wie die Christian Blind Mission (CBM), die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), Misereor und Kolping International sind überwiegend im Bereich ländlicher Entwicklungsprojekte und im interreligiösen Dialog in Nigeria tätig.

Darüber hinaus engagiert sich auch die deutsche Bundeswehr in sozialen Projekten in Nigeria. Die Beratergruppe der Bundeswehr ist z.B. beim Aufbau von Ausbildungszentren der beruflichen Bildung beteiligt und fördert so die Ausbildung von Mechatronikern. Im Norden des Landes baut die deutsche Bundeswehr zudem in einem Militärkrankenhaus ein Rehabilitationszentrum auf, in dem zukünftig die Verletzten aus den Kämpfen gegen Boko Haram eine therapiert werden können. 

Beratergruppe der Bundeswehr in Nigeria: Besichtigung der Baustelle des neuen Rehabilitationszentrums (NGA 1) in Kaduna/Nigeria © Bundeswehr /Jonas Weber
Beratergruppe der Bundeswehr in Nigeria: Besichtigung der Baustelle des neuen Rehabilitationszentrums (NGA 1) in Kaduna/Nigeria © Bundeswehr /Jonas Weber
Beratergruppe der Bundeswehr in Nigeria: Ausbildung im MMCU (Mobile Medical Care Unit, Level 2) © Bundeswehr /Jonas Weber
Beratergruppe der Bundeswehr in Nigeria: Ausbildung im MMCU (Mobile Medical Care Unit, Level 2) © Bundeswehr /Jonas Weber

Im Bereich der Medien ist die Deutschen Welle in Nigeria aktiv. Im Rahmen des Fortbildungsprogramms werden jedes Jahr nigerianische Journalist/-innen zu Hospitationen bei der Deutschen Welle vermittelt.2017 führte die Deutsche Welle zudem einen Mediendialog in Lagos durch, bei dem junge deutsche und nigerianische Journalist/-innen sich über die Themen Digitalisierung, Start-Up-Kultur und neue Medien austauschten. Darüber hinaus bietet die Deutsche Welle seit mehr als 50 Jahren ein Hausa-Radioprogramm - einer Sprache, die von ca. der Hälfte der nigerianischen Bevölkerung gesprochen wird - an.

Im Bereich der Kultur und Sprache ist das Goethe-Institut in Nigeria engagiert und fördert den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Nigeria. So initiiert das Goethe-Institut z.B. Filmreihen, Ausstellungen, Konzerte, Seminare und Festivals.

Eine große Anzahl weiterer Organisationen, z.B. aus dem Wirtschaftsbereich, Nichtregierungsorganisationen oder private Vereinigungen wie der Zusammenschluss von Vereinen und Krankenhausärzten, der u.a. das Noma-Hospital in Sokoto (im Norden Nigerias) finanziert hat, sind ebenfalls zu nennen. Individuen und Organisationen wie die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und SOS-Kinderdörfer sind in unterschiedlichen landesspezifischen Aktivitäten tätig.

In einer Partnerschaft zwischen dem deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt und dem nigerianischen Bundesstaat Osun werden seit 2000 unter dem Titel "Osun-Germany Agricultural Cooperation" Fach- und Nachwuchsführungskräfte im Bereich Landwirtschaft fortgebildet. Das Projekt zielt darauf ab, durch die Ausbildung von Praktikant/innen und Student/innen in Bodenlabors und "Best-Practice-Farms" voneinander zu lernen und die Landwirtschaft für junge Menschen attraktiv zu machen.

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Oktober 2018 aktualisiert.

Autor

Dr. Emmanuel I. Ede
Dr. Emmanuel I. Ede

Dr. Emmanuel I. Ede ist gebürtiger Nigerianer und lebt seit 1971 in Deutschland. Er ist promovierter Architekt mit internationalen Bauvorhaben. Zudem ist er als Trainer für Interkulturelle Handlungskompetenz und in der Auslandsvorbereitung von Fachkräften, Unternehmen und staatlichen Institutionen sowie als Gutachter in der (entwicklungs-) politischen Erwachsenenbildung tätig.

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