im Bazar von Lahore
Amtssprache(n)
Urdu und Englisch
Regionalsprachen
Pandschabi, Sindhi, Paschtu, Urdu
bedeutendste Religion
Islam, 90%
weitere bedeutende Religion
Hinduismus, Christentum
Städtische Bevölkerung
35 %
Lebenserwartung
64,6 Jahre (bei Geburt)

Allgemeines

Eine fünftausendjährige Regionalgeschichte von wechselnden Hochkulturen, Eroberungs- sowie Einwanderungswellen und damit einhergehenden geistigen Einflüssen hat die auf mehr als 170 Millionen angewachsene Bevölkerung Pakistans zu einer hoch-komplexen Gesellschaft geformt. Auf dem ersten Blick mag Pakistan einem bewegten Kaleidoskop verwirrender kultureller Formen und Farben erinnern. Ein übersichtliches Bild der pakistanischen Gesellschaft zu zeichnen fällt zunächst nicht leicht.  Allerdings wenn man eine längere Zeit in dieser von Kontrasten durchzogenen Gesellschaft lebt, werden immer mehr neue soziale und kulturelle Zusammenhänge und Strukturen sichtbarer und vielleicht klarer.

Bildung

Gemäß des „Education For All“ (EFA) Development Index des Global Monitoring Reports 2015 der UNESCO steht Pakistan auf Rang 106 von 113. Pakistan schneidet in fast allen sechs EFA-Zielen schlecht ab. Die Einschulungs- und Alphabetisierungsrate Pakistans zählt zu den niedrigsten der Welt. Lediglich rund 60 Prozent der Bevölkerung (Frauen: 46%) können lesen und schreiben. Die Alphabetisierungsrate für Mädchen liegt bei nur ca. 26%. Die Situation von Mädchenbildung in Khyber Pashtunkhwa und Baluchistan ist besonders besorgniserregend, wo die Alphabetisierungsrate bei drei bzw. acht Prozent liegt. Dies ist auf die chronische Unterfinanzierung des Bildungssektors, insbesondere der Grundbildung, in Pakistan zurückzuführen. Nur etwas über zwei Prozent des Bruttosozialprodukts werden in Bildung investiert. Die pakistanische Zivilgesellschaft fordert seit Jahren eine Verdoppelung des Haushalts für den Bildungssektor. Weiterhin bleiben große Diskrepanzen in der Alphabetisierungs- und Bildungsreichweite zwischen Provinzen sowie zwischen ländlichen und städtischen Gebieten bestehen.

Mit der 18. Verfassungsänderung im April 2010 wurde die Zuständigkeit für den Bildungssektor von der auf die Provinzen übertragen. Das Ministry of Federal Education and Professional Training auf der Bundesebene koordiniert nicht nur die internationalen Geber, sondern bildet auch eine Plattform für Informationsaustausch und Synergie innerhalb der Provinzen. Nachdem der Bildungssektor dezentralisiert worden ist, ist ein Anstieg der Ausgaben für den Bildungssektor im Haushaltsjahr 2013/14 zu verzeichnen. In Khyber-Pashtunkhwa wurde der Haushalt für Bildung sogar verdoppelt.

Das pakistanische Bildungssystem spiegelt die anhaltende soziale Ungleichheit in der Gesellschaft wider. Es existieren drei Bildungsstränge, die sich an jeweils verschiedene soziale Schichten wenden. Das formale staatliche Schulwesen (1.-12. Klasse) ist geografisch sowie qualitativ schwach ausgeprägt. Dieses wird vom privaten Schulsystem in städtischen Gebieten ergänzt. Die privaten Schulen stellen hoch qualitative und international wettbewerbsfähige Bildung für die  obere Mittelschicht und Oberschicht zu Verfügung. Oft schließen die SchülerInnen mit einem britischen Abschluss  wie O- und A-Levels ab. Zusätzlich existieren die sogenannten Madrassas (religiöse Schulen), welche den Bedarf der unteren sozialen Schichten für kostenfreie Bildung, oft mit freier Unterkunft und Verpflegung, abdecken. Diese Madrassas werden normalerweise von lokalen Gemeinschaften verwaltet und allein durch Spenden finanziert. Der Unterricht der Madrassas beschränkt sich überwiegend auf Lesen und Schreiben und religiöse Inhalte. Eine Regulierung der zahlreichen Madrassas (mehr als 13.000) und eine Angleichung der Lehrpläne an die staatlichen Standards wird seit Jahren diskutiert, stößt allerdings auf Widerstand seitens der zentralen Madrassaverwaltung. Diese Madrassareform ist allerdings unumgänglich und wird immer wieder zu einem Politikum in den medialen Diskursen um das Thema Terrorismus und Extremismus, weil einige Madrassas im Nordwesten Pakistans sowie im Südpunjab eine bedeutende Rolle in der radikal-islamischen Indoktrinierung und der Rekrutierung von Extremisten gespielt haben.

Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der deutsche entwicklungspolitische Beitrag im Grundbildungssektor auf  Bildungsplanung, Entwicklung von Lehrplänen und Schulbüchern sowie Lehrerfortbildung, um sowohl eine Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen als auch eine Steigerung der Bildungsqualität zu erwirken.

Gesundheitsversorgung

Das Gesundheitswesen ist ungleich entwickelt, zahlungskräftigen Patienten stehen Kliniken mit internationalem Standard zur Verfügung. Wie in anderen Entwicklungs-und Transformationsländern ist allerdings die Mehrheit der Bevölkerung medizinisch schlecht versorgt. Herausforderungen bestehen insbesondere in den Bereichen Familienplanung, Kindersterblichkeit, Mutter-Kindgesundheit und Ernährungszustand. Diese Krankheiten kombiniert mit sozialen Problemen wie z.B. der Stellung der Frau, Gewalt gegen Frauen in der pakistanischen Gesellschaft sowie dem Mangel an Bewusstsein für HIV/AIDS trägt zu einer mangelhaften Gesundheitsversorgung von Frauen und Kindern bei.

Geschlechterverhältnis

Die soziale Gliederung nach Alter, Schicht und Geschlecht kommt in jeder Gesellschaft vor. Welche Werte und Rollenerwartungen allerdings den Geschlechtern zugeschrieben werden, ist vom sozio-kulturellen, ökonomischen und politischen Kontext der jeweiligen Gesellschaft abhängig. In der pakistanischen Gesellschaft variiert das Geschlechterverhältnis (und hierbei sprechen wir von mehr als zwei anerkannten Geschlechtern in Pakistan) zwischen den Regionen, den sozio-ökonomischen Schichten und innerhalb des Stadt-Land Gefälle sehr stark.

Überraschend mag zunächst die Tatsache erscheinen, dass einfache Bauernfrauen im Punjab und Sindh eine höhere Stellung in ihrer sozialen Umgebung genießen, als die Frauen des unteren und mittleren Bürgertums der gleichen Region. Frauen im ländlichen Umfeld arbeiten tagtäglich, sind mobil und tragen somit zum Einkommen der Familie bzw. des Haushalts bei. "Purdah" (wörtlich: Vorhang) ist ein stark verbreitetes soziales Konzept, dass die Teilung zwischen öffentlichem und privatem Raum vorgibt. Oft schränkt dies pakistanische Frauen der (unteren) Mittelschicht in ihrer physischen wie sozialen Mobilität ein.

Pakistan ist eine patriarchale Gesellschaft, in der patriachale Werte Ausdruck in lokalen Traditionen, in der Religion und in der Kultur finden. Oft werden frauendiskriminierende Praktiken mit Hilfe von Religion und lokaler Stammestradition – vornehmlich von Männern (sei es auf Dorfebene oder durch islamistische Parteien im Parlament) - legitimiert. Gleichzeitig befindet sich die pakistanische Gesellschaft in einem rasanten Umbruchs- und Transformationsprozess. Die Urbanisierung und Medialisierung der pakistanischen Gesellschaft begleitet von wachsendem Bildungsbürgertum und dem Bewusstsein für die Gleichstellung von Mann und Frau bzw. von Geschlechtern führt zu einem sehr veränderten Bild und Situation von Frauen in den Städten.

Frauen-Cricketteam
Pakistanische Frauenmanschaft im Cricket
Sharmeen Obaid Chinoy
Dokumentarfilmemacherin und Oscarpreisträgerin, Sharmeen Obaid Chinoy

Frauen und Arbeit in Pakistan

Über den Beitrag von Frauen zur ökonomischen Produktion des Landes wird wenig wenig berichtet und erscheint nicht adäquat in der Statistik. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die meisten Frauen im informellen Sektor oder im Agrarsektor arbeiten. Deshalb hat die International Labour Organisation (ILO) ein Projekt initiiert, dass die Wahrnehmung von arbeitenden Frauen in den Medien verändern soll.

Mit der Liberalisierung der Medien finden vermehrt Frauen Jobs im Mediensektor, obgleich dieser männerdominiert ist und die Bedingungen nicht gut sind (geringe Bezahlung, Stress und Gewalt). Trotz alledem möchten mehr und mehr Frauen in den Mediensektor arbeiten und beitragen, wie z.B. zu Themen wie Gewalt gegen Frauen oder Frauen in Konfliktzonen, um ihnen und ihrer Meinung Stimme zu verleihen. Um sich gegenseitig zu unterstützen, vernetzen sich pakistanische Journalistinnen auch mit ihren Kolleginnen in der Region.

In den Großstädten von Pakistan sind Frauen in den verschiedensten Sektoren tätig. Vom Mediensektor, Call-Centers über Kunst, Kultur, Fashion, und Sport (siehe Bild oben) bis hin zu neuerdings der pakistanischen Luftwaffe. Auch sind es viele Frauenaktivistinnen insbesondere in den Großstädten, die sich um die sozialen und politischen Belange von Frauen kümmern.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Es ist nicht einfach für Frauen in Pakistan der Entwicklung ihres Landes beizutragen und eine ansehnliche Arbeit zu finden. Ihr Arbeitsumfeld ist meist schwierig und nicht unterstützend. Pakistanische Frauen sind oft sexueller Belästigung an ihrem Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit ausgesetzt. Allerdings gibt es eine erfolgreiche Kampagne seitens einer Allianz von sozial-politischen Organisationen, „Alliance against sexual harassment at workplace“ (AASHA), die sich dem Kampf gegen sexuelle Belästigung widmen. Zuletzt in 2010 hat der pakistanische Senat dem „Protection Against Harassment of Women at Workplace“ Gesetzesentwurf zugestimmt.

Soziale Gliederungen

Andere soziale Gliederungsprinzipien beruhen auf Regionalität und Lokalität, auf Ethnizität, Verwandtschaft und Sprache, auf Religion, Mystik und Weltanschauung, auf dem Zugang zu knappen Ressourcen, und schließlich auf Bildungsstand, Beruf, Erwerbszweigen und auf der Kontrolle von Produktionsmitteln. Die soziale Identität des Menschen wird von einer Vielzahl solcher Kriterien gleichzeitig geprägt und wird je nach Lebenssituation unterschiedlich aktiviert.

Meist werden die Pakistanis in vier große ethnische Gruppen eingeteilt: die Punjabis, Sindhis, Balochis und Paschtunen (auch Pathanen genannt). Eine fünfte Großgruppe bleibt oft unberücksichtigt, weil sie über das Land verteilt lebt und daher kartographisch schwer zu fassen ist: die Mohajir (spr. "mohadschir"), das sind die Muslime aus Indien, die bei der Teilung des Subkontinents 1947 teils freiwillig, teils als Flüchtlinge nach Pakistan gekommen sind. Auch ihre Nachkommen werden heute noch so bezeichnet, oft in abfälliger Konnotation. Die politisch korrekte Bezeichnung ist "Urdu-speaking community". Bei näherem Hinsehen stellt man auch fest, dass sich ein Begriff wie "die Punjabis" doch eher auf eine regionale und sprachliche Einheit bezieht, die sich ihrerseits in ungezählte ethnische Berufsgruppen, wie z. B. Gujar (spr. "Gudschar"), Awan etc. untergliedert. Die begriffliche Grenze zwischen ethnischer Gruppe, Kaste, Clan und Lokalgruppe ist nur schwer zu ziehen. Das Center for International Development and Conflict Management (CIDCM) der Universität von Maryland hat ethnische und religiöse Minderheiten Pakistans nach ihrer Stellung und Gefährdung im Staat untersucht:

     

Eine ausführliche Liste von etwa 66 Sprachen und entsprechenden ethnischen Gruppen in Pakistan finden Sie in Ethnologue: Languages of the World.

Ernte im Punjab
Ernte im Punjab (von Postkarte). Klicken Sie auf Bild zur besseren Ansicht.

Soziale Beziehungen und Gruppierungen sind in Pakistan stark vertikal, also hierarchisch orientiert. Das Über- und Untereinander ist meist wichtiger als das Neben- und Miteinander. Das gilt für das Familienleben ebenso wie für die Verhältnisse im Dorf, in der städtischen Nachbarschaft oder in Betrieb und Büro. Echte Teamarbeit im Projekt zu entwickeln ist daher oft schwierig, aber dennoch möglich und lohnenswert.

Typisch für das hierarchische Prinzip in den südasiatischen Gesellschaften ist das bekannte Kastensystem Nach der islamischen Staatsdoktrin sind Kasten zwar abgeschafft, ihre Struktur, nämlich die Bildung von endogamen hochspezialisierten Berufsgruppen, in die man hineingeboren wird, die zu verlassen schwierig ist, und die als "höher" oder "niedriger" bzw. "rein" und "unrein" eingestuft werden, ist aber weit verbreitet.

Daneben finden wir in Pakistan, auch im Sind und Punjab, Stammesstrukturen, die zwar in sich auf einem egalitären sozialen Gliederungsprinzip auf genealogischer Grundlage fußen, aber durch Überlagerung auch zu hierarchischen Verhältnissen führen können. Dazu zwei Analysen: "Tribes and Society in Pakistan"

Kultur

Literatur in und aus Pakistan

Die pakistanische Literatur des 20. Jahrhunderts hat postkolonialen Charakter. Sie verarbeitet die Geschichte, Politik und Kultur während und nach dem „British Raj“. Die Teilung Indiens hat Südasien, und insbesondere Indien und Pakistan stark geprägt. Dies schlägt sich u.a. in der Literatur von Saadat Hassan Manto (1912–1955) nieder. Er verarbeitete die indo-pakistanische Teilungstrauer und ließ sozialkritische Stimmen in seinen Kurzgeschichten zu Wort kommen.

Seit 1947 hat sich die neue pakistanische Literatur in den offiziellen Sprachen Urdu und Englisch sowie in den Regionalsprachen Punjabi, Siraiki, Balochi, Pashto und Sindhi (um nur einige von ihnen zu nennen) entwickelt. Pakistans offizielle Platform für Literatur ist die Pakistan Academy of Letters. Ihr Ziel ist die Förderung von pakistanischer Literatur in den verschiedensten Sprachen und die Förderung von pakistanischen SchriftstellerInnen.

Die Urdu Literatur ist stark mit der geschichtlichen Entwicklung dieser Sprache verschränkt. Sie findet ihren Ursprung im 14. Jahrhundert in Nordindien (Moghulzeit). Die Urdu Sprache vereint in sich das kulturelle Erbe der muslimisch-persischen Moghulenherrscher und der hinduistisch dominierten Bevölkerung. Während die Urdu Literatur von der Lyrik dominiert ist, hat sie auch viel niveauvolle Prosaliteratur hervorgebracht.

Seit 1980 haben nunmehr auch pakistanische englischsprachige SchriftstellerInnen mehr und mehr an nationaler und offizieller Anerkennungen durch die Pakistan Academy of Letters gewonnen. Der erste pakistanische englischsprachige Schriftsteller, den ihren Literaturpreis gewonnen hat, ist Alamgir Hashmi. Danach wurden andere pakistanische englischsprachige SchriftstellerInnen, wie z.B. Bapsi Sidhwa, Kamila Shamsie und Nadeem Aslam von der Akademie anerkannt. Diese und Andere, wie z.B. Mohsin Hamid oder Muhammad Hanif haben Weltruhm erlangt.

Islam

Bekanntlich ist der Islam Pakistans Staatsreligion (ca. 5 % der Bevölkerung sind Christen, Hindus, Sikhs, Parsen). Die Religion bestimmt das soziale Leben in sehr vielen Bereichen, wobei zwischen den orthodoxen Rechtsschulen der Sunna und Shia einerseits und einer Vielzahl von heterodoxen, volksreligiösen und mystischen Richtungen andererseits unterschieden werden muss.

Mystik und Volksreligion

Schrein  des Rukn-e Alam in Multan
Schrein des Mystikers (Sufi) Sheykh Rukn-e Alam (Anfang 14. Jh), Wahrzeichen der Stadt Multan.

Der mystische Islam, auch Volksislam genannt, hat sich zu Sufi-Orden, den tariqah organisiert und spielt neben den orthodoxen islamistischen Parteien und Kampfgruppen eine wesentliche soziale und politische Rolle in Staat und Gesellschaft. Die beiden größten Sufi-Orden sind der Qadiriyah und der Naqshbandiyah- Orden.

Ein auch für Fremde deutlich sichtbarer Ausdruck von Mystik und Volksfrömmigkeit sind die Heiligenverehrung an den Tausenden von Schreinen im ganzen Land und die bunten, meist ekstatisch fröhlichen Heiligenfeste, die urs (wörtlich „Hochzeit") einmal im Jahr an fast jedem dieser Schreine. Auch wenn manche Frömmler und Eiferer öffentlich gegen diesen facettenreichen und unkontrollierbaren Volksislam wettern, so sehen die meisten Pakistanis zwischen Orthodoxie und Heterodoxie keinen Widerspruch, sondern verstehen beide als Aspekte einer umfassenden und vielseitigen Religion.

Religiöse Minderheiten

Der Staatsgründer  Mohammad Ali Jinnah (s.o., Seite "Geschichte und Staat"), selbst Angehöriger der konfessionellen Minderheit der Ismaeliten, sah Pakistan nicht als einen islamischen Staat, sondern als einen Staat der Muslime und der Anhänger aller anderen Religionen, die hier friedlich und gleichberechtigt zusammenleben sollten.  Jedes pakistanische Schulkind lernt das,  aber die rechtliche und soziale Wirklichkeit in  Pakistan ist davon noch recht weit entfernt.  

Die größte konfessionelle Minderheit sind die sog. 12-er Schiiten oder Imamiten  (15-20 % der Gesamtbevölkerung). Leider werden von politisch interessierten Kreisen angebliche konfessionelle Differenzen immer wieder dazu missbraucht, Hass und Gewalt zwischen unaufgeklärten Bevölkerungsgruppen zu säen.  Darüber mehr in einem BBC-Artikel:  Pakistan's Sunni-Shia  Divide.
Eine Untergruppe der Schiiten, die Ismaeliten, auch Siebener Schiiten, oder Agha Khani genannt, leben in einigen nordpakistanischen Bergtälern, z. B. in Hunza, als arme Bergbauern, viele sind aber auch  in den Großstädten als tüchtige  Händler, Unternehmer, Rechtsanwälte u. ä. zu  Ansehen und Wohlstand gelangt.

Die muslimische Gemeinschaft der Ahmadis (in Pakistan oft als "Qadianis" bezeichnet), die erst im 19. Jh. entstanden ist, hat in Pakistan vielfach unter Verfolgungen und  Diskriminierungen zu leiden, weil orthodoxe Populisten immer wieder gegen sie Hetzkampagnen entfachen, um in der wenig aufgeklärten Mehrheitsbevölkerung politisch zu punkten.  Auf der offiziellen Ahmadiya-Webseite, die es auch auf deutsch gibt, wehren sie sich u. a. gegen  den Vorwurf der Apostasie (Abfall vom "einzig wahren" Glauben).

Die meisten pakistanischen Christen gehören eher zu den unterprivilegierten Gruppen der Bevölkerung, sie sind in Südasien seit frühchristlicher Zeit nachgewiesen.  Die Christen betreiben einen eigenen Nachrichtendienst, die Christian Post, der Pakistan Christian Congress will für alle Christen des Landes sprechen.

Auch die pakistanischen Hindus von denen viele in abgelegenen Teilen des Sindh leben, gehören zum ärmsten Segment der Bevölkerung.

5000 Jahre Hochkulturen

Mohenjo Daro
Mohenjo Daro, eine hochentwickelte Stadt des 3. Jahrtausends v. Chr. Zur Vollansicht klicken Sie auf das Bild.

Pakistanis sind stolz auf die Jahrtausende alte Kette von Hochkulturen auf ihrem Boden. Im 3. Jahrtausend vor Chr. blühte am mittleren Indus, also in den Grenzen des heutigen Pakistan die Industal-Kultur, auch Harappa-Kultur genannt, mit großstädtischen Zentren, deren zivilisatorische Höhe der des gleichzeitigen Ägypten und Mesopotamien nicht nachsteht. Das 5000 Jahre alte Wasser- und Kanalisationssystem von Mohenjo Daro, der größten Stadt dieser Kultur, übertrifft auch das der modernen pakistanischen Städte, und der gewaltige Getreidespeicher des gleichalten Harappa zeugt von vorbildlicher Wirtschaftsplanung. Unter dem nächsten link finden Sie einen historischen Überblick über die frühen Zivilisationen, einschließl. der Industal-Kultur, im folgendem link gibt es viele Bilder dazu, und hier Karten und weitere Bilder zu dieser großen Zivilisation.

Gandhara Buddha
Buddha, Gandhara (ca. 100 n. Chr.) Photo Wikipedia

Im antiken Gandhara, das dem heutigen Nordpakistan und Teilen Afghanistans entspricht, blühte in den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung in Taxila , nahe Islamabad, die älteste und damals einzige Universität der Welt, die auch im modernen Sinne diesen Namen verdient. Sie war schon in Fakultäten organisiert, die etwa dem klassischen Modell unserer Universität entsprechen. An der Literatur-Fakultät wurde z.B. die erste Grammatik der Welt geschrieben: für Sanskrit. Bezeugt ist ein Gelehrten-Disput zu dem Alexander der Große während seines Zuges durch Gandhara die Professoren von Taxila einberief.

In Gandhara wurde Buddha erstmals bildlich dargestellt und zwar in einem römisch- hellenistisch- indischen Stil, der die fruchtbaren Kulturbeziehungen zwischen Südasien und Europa in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten bezeugt. Gandhara-Statuen gehören weltweit zum feinsten, was die Kunstmuseen der Welt aus jener Zeit zu zeigen haben. In den Museen von Lahore, Peshawar und Swat finden Sie hervorragende Zeugnisse dieser großen Kunst. Werfen Sie einen Blick auf ein anderes gutes Beispiel eines Gandhara-Buddhas aus dem 1. - 2. Jh.

Die Neuzeit

Marmorfenster
Lahore: Durchbrochenes Marmorfenster

Obwohl es auch zuvor immer wieder kulturelle Blütezeiten gab, z.B. die Tughluq- Periode (1320-1412 n. Chr.), aus der das großartige Mausoleum von Multan stammt (s. Bild oben), wurde das Gebiet des späteren Pakistan erst wieder im 16. Jh. zum Zentrum einer Weltkultur, als nämlich Lahore neben Delhi unter Kaiser Akbar dem Großen zur Hauptstadt des Moghulreiches (1526-1707) wurde. Das Fenster auf nebenstehendem Bild ist in einem Moghulpalast zu Lahore zu sehen. Klicken Sie auf das Bild, um es vergrößert zu sehen.

Erben der Moghuln wurden die Briten, die alles daran setzten, Südasien ihren Stempel aufzudrücken, die dabei aber selbst in den Sog der großen südasiatischen Kulturtradition gerieten. Zeugen dafür sind z.B. die „moghul-gotischen" Kolonialbauten.

Eines der prächtigsten Beispiele der britisch-indischen "Moghul-Gotik" ist das Islamia-College in Peshawar, das den 100- Rupien-Schein ziert:

Islamia College
Das Islamia-College in Peshawar von 1913

 

Pakistan hat in den 60 Jahren seiner Existenz schon beachtliche Kulturleistungen hervorgebracht, Die Kultur- und Kunstzentren sind heute Lahore und Karachi.
Die in der alten Welt einzigartige Universität von Taxila besteht seit 2000 Jahren nicht mehr, abgesehen von der jungen technischen Universität Taxila. Pakistan kann aber auf eine Reihe guter moderner Universitäten stolz sein, besonders die Quaid-i Azam-Universität in Islamabad und die University of the Punjab in Lahore. Auf einige Lehrstühle und Institute mit internationalem Ruf können auch die Universitäten von Karachi,und Peshawar verweisen. Viele bedeutende pakistanische Wissenschaftler und hochqualifizierte Spezialisten arbeiten aber im Ausland, weil Pakistan nicht die Ressourcen hat, um aus seinem Reichtum an eigenen fachlichen Spitzenkräften den entsprechenden Nutzen ziehen zu können.

Das Bildungswesen besteht natürlich nicht nur aus Universitäten, einen allgemeineren Einstieg zum Thema bieten die Pakistanseiten der UNESCO.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2015 aktualisiert.

Über die Autorin

Nusrat Sheikh arbeitet seit zwölf Jahren im Rahmen der Internationalen Zusammenarbeit. Darunter hat sie mehr als fünf Jahre in Pakistan u.a. zu Themen wie Frieden und Sicherheit, Governance und Menschenrechte gearbeitet. Zurzeit ist sie als M&E-Beraterin und Gutachterin tätig. Zudem spricht sie fließend Urdu und Englisch. Seit 2010 arbeitet sie als Landesanalyse Tutorin für Pakistan und seit 2012 als Länderredakteurin bei der AIZ.  

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(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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