Grabmal des Jahangir auf pakistanischem 1000 Rupien-Schein
Geschätztes BIP
312,6 Mill. US-$ (2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
1.399 € (2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
152 von 189 (2018)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
45%
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
33,5 (2015)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 97 von 129 (2018)

Wirtschaftsentwicklung

Historisch betrachtet ist die pakistanische Wirtschaftsentwicklung durch Unbeständigkeit sowie stark schwankenden Wachstumsraten gekennzeichnet. In den 50/60er Jahren galt Pakistan noch als Modell für andere Entwicklungs- und Transformationsländer und wurde in einem Atemzug mit Indien, China, Südkorea und Malaysia als potenzieller „Asien Tiger“ bezeichnet. Während die anderen genannten Länder der damit verbundenen Erwartung nachgekommen sind, hat sich für Pakistan die Hoffnung, ein Asian Tiger zu werden nicht erfüllt.

Pakistan konnte über die Jahrzehnte hinweg weder ein solides Wachstum halten noch die Wirtschaft der Notwendigkeit der globalen Ökonomie entsprechend diversifizieren. Dies kombiniert mit anderen sozioökonomischen und politischen Faktoren führte dazu, dass immer noch etwa ein Drittel der pakistanischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze liegt. Zudem leidet die pakistanische Wirtschaft unter den Auswirkungen verschiedener humanitären Katastrophen (Erdbeben 2005, Flutkatastrophen 2010/2011), einer anhaltenden Energiekrise kombiniert mit einem Bevölkerungswachstum von 2,0%, Missmanagement und Mangel an wirtschaftlichen Reformen (wie z.B. mit Blick auf Nepotismus, Korruption und niedrige Steuerquote), sowie einer extrem fragilen sicherheitspolitischen Situation. Dies hat unausweichlich ein insgesamt schlechtes Wirtschafts- und Investitionsklima zur Folge. Die Regierung steht vor enormen ökonomischen Herausforderungen - nur grundlegende und nachhaltige Wirtschaftsreformen können das Land aus dieser prekären Lage befreien.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Kleinunternehmer ©Susanne Thiel
Kleinunternehmer ©Susanne Thiel
Schwerverkehr im Norden ©Susanne Thiel
Schwerverkehr im Norden ©Susanne Thiel
Made in China ©Susanne Thiel
Made in China ©Susanne Thiel
Alles wird teurer! ©Susanne Thiel
Alles wird teurer! ©Susanne Thiel

In Pakistan ist ein Signal des wirtschaftlichen Aufschwungs zu entdecken: Die Wirtschaft wächst nun bereits seit Jahren mit mehr als vier Prozent. Für 2018 gibt der Internationale Währungsfonds (IWF) sogar ein Plus von 5,6 Prozent an. Das Staatsbudget hat sich stabilisiert, und die Börse in Karachi hat in den vergangenen Jahren Aufschwung erlebt. Erreicht wurde dies durch einschneidende Reformen, teilweise unterstützt durch den IWF. So wurden Energiesubventionen, die vor allem den Wohlhabenderen zugute kamen, abgeschafft, die Steuereinnahmen wurden deutlich erhöht, indem Ausnahmen beseitigt wurden. Teile der Wirtschaft, die bisher außen vor waren, werden nun ebenfalls vom Fiskus erfasst. Dies erlaubt die Ausgaben für Investitionen und für soziale Unterstützungsmaßnahmen deutlich zu erhöhen. Aber auch die teilweise Reduzierung von Stromausfällen brachte einschneidende Erfolge. Dadurch kann die Industrie besser produzieren und die Einnahmen der staatlichen Stromversorger steigen. Dies wiederum reduziert das Defizit im Haushalt – ein einzelner, kleiner Erfolg führt somit zu vielen weiteren.

Die Schuldenquote ist zwar mit 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts immer noch recht hoch, vor allem im Vergleich zu anderen Schwellenländern. Das Haushaltsdefizit hat sich jedoch in den vergangenen vier Jahren halbiert auf rund vier Prozent. Zudem konnte Pakistan zuletzt seine Devisenreserven wieder deutlich ausbauen, auch die Armutsquote hat sich verringert. Auch internationale Investoren haben das Land entdeckt. In den vergangenen vier Jahren haben sich die Kurse an der Börse in Karachi mehr als vervierfacht, allein im vergangenen Jahr lag das Plus bei 43 Prozent. Pakistans Börse war damit 2017 der Aktienmarkt mit der fünftbesten Wertentwicklung weltweit. 

Mit knapp 9% des BIP hat Pakistan nach wie vor eine der niedrigsten Steuerquoten der Welt. Die Staatsbetriebe wie z.B. Pakistan Railways, Pakistan International Airlines und Pakistan Steel belasten den staatlichen Haushalt. Da der pakistanische Staat sehr geringe eigene Einnahmen hat, ist es auf externe Finanzspritzen angewiesen. Pakistan als sechstbevölkerungsreichstes Land der Welt mit seiner wachsenden Mittelschicht ist ein nicht zu unterschätzender Absatzmarkt auf dem globalen Markt.

Qatar Investments leiten eine neue Äre der bilateralen Beziehungen ein

Der Special Assistent des Premierministers für Information und Rundfunk, Dr. Firdous Ashiq Awan, dankte dem Emir von Qatar Sheikh Tamim bin Hamad Al Thani und seinem Kabinett für die Ankündigung eines Pakets von 3 Milliarden Dollar für Pakistan in Form von Direktinvestitionen und Einlagen. Dr. Awan sagte, dies werde neue Geschäftsmöglichkeiten in Pakistan schaffen und die Investitionsinitiative der Regierung stärken. Dies sei ein Beweis für das Vertrauen der internationalen politischen Führer in die Regierung von PM Imran, und ein erster Schritt, um die Beziehungen zwischen Qatar und Pakistan weiter auszubauen. Dr. Firdous Ashiq Awan sagte, dieser Betrag werde Pakistan helfen, seine wirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. 

Weitere allgemeine Daten, statistische Informationen sowie Analysen zur aktuellen wirtschaftlichen Lage in Pakistan:

Internationale Seiten:

Nationale Seiten:

Landwirtschaft

Althergebrachte Bewässerungstechnik © Susanne Thiel
Althergebrachte Bewässerungstechnik ©Susanne Thiel

Nach wie vor ist der Agrarsektor mit der Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte der wichtigste Wirtschaftszweig Pakistans. Mehr als zwei Fünftel aller Erwerbstätigen sind dort beschäftigt. Die Landwirtschaft fußt im Wesentlichen auf dem größten zusammenhängenden Bewässerungssystem der Welt, das sich hauptsächlich über Punjab und Sindh erstreckt. Dieses wurde schon im 19. Jh. unter britischer Herrschaft angelegt.

Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte sind Baumwolle, Weizen, Reis und Zuckerrohr. Weitere Produkte sind Raps, Zwiebeln, Zitrusfrüchte und Mangos sowie Hülsenfrüchte. Fischerei und Forstwirtschaft tragen ebenfalls zum BIP bei. Immer wichtiger werden insbesondere Viehzucht und Milchwirtschaft, die weniger wetterbedingt sind und eine hohe Wertschöpfung generieren.

Trotz der grundsätzlich nicht ungünstigen Bedingungen hat die pakistanische Landschaft mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Die Flutkatastrophen in 2010/11 haben große Landflächen unkultivierbar gemacht. Neben den verheerenden Wettereinflüssen, wie Flut auf der einen und Dürre auf der anderen Seite, führt u.a. der Mangel an modern-technologischen Feldmanagement und Weiterverarbeitungsmöglichkeiten zu einer verhältnismäßig niedrigen Produktivität in diesem Sektor. Gepaart mit anderen soziopolitischen Faktoren führt dies zudem zu einer Ernährungsunsicherheit im Land.  

Trotz dieser Herausforderungen wird der pakistanischen Landwirtschaftsproduktion ein hohes Leistungspotenzial zugesprochen.

Ausführliche Fachinformationen sind auf  folgenden Webseiten zu finden:

Politische Ökonomie - Einzelthemen

Energiekrise

Die Energiekrise in Pakistan ist einer der größten Herausforderungen, die das Land meistern muss, wenn es denn zukünftig prosperieren will. Sie hat verheerende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, da z.B. die Textilindustrie in den letzten Jahren erhöhte Verluste erlitten hat. Sie betrifft nicht nur den Industriesektor, sondern auch weite Teile der Gesellschaft und das alltägliche Leben der Menschen in Pakistan (Schulen, Kleinunternehmen etc.). Mehr als die Hälfte der pakistanischen Bevölkerung hat weniger als acht Stunden am Tag Zugang zu Elektrizität. Die Pakistan Economic Survey 2017-18 beschreibt steigende Nachfragequoten für Elektrizität mit steigender Bevölkerungs- und Konsumentenanzahl in den nächsten Jahren. 

Die Ursachen der Energieproblematik sind extrem komplex und können nicht nur auf den Mangel an Energieressourcen (fallende Gasproduktion, hohe Abhängigkeit von Ölzufuhr, geringer Kohleabbau und niedrige Ausschöpfung von fossilen und alternativen Energieressourcen), zurückgeführt werden. Weitere signifikante Faktoren sind außerdem der Mangel an guter Regierungsführung und politischen Willen.

Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit in Pakistan liegt derzeit offiziell etwa bei 6,1% (2018). Die reale Arbeitslosenquote ist weitaus höher anzusetzen, da sich die pakistanische Wirtschaft auch stark im Bereich der informellen Ökonomie abspielt. Kritisch ist vor allem die Situation von jungen erwerbslosen/arbeitslosen Männern zwischen 15 und 30 Jahren, die ca. 28% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Perspektivlosigkeit von arbeitslosen jungen Männern birgt erhöhtes Konfliktpotenzial und potenziell auch eine erhöhte Anfälligkeit zu Extremismus. Die hohe Anzahl von jungen Menschen könnte allerdings auch als Ressource angesehen werden, aus der bezüglich Arbeitskräften und Knowhow für das Land, die Region und global geschöpft werden kann. Man spricht von einem „demographic dividend", das in den nächsten 40 Jahren geerntet werden könnte, wenn es Pakistan gelingt, genügend in die junge Generation und insbesondere in ihre Bildung zu investieren.

Arbeitsmigration und Rücküberweisungen

Als Folge dieser hohen Arbeitslosigkeit gepaart mit einer Verknappung natürlicher Ressourcen, vor allem auf dem Land, kommt es zu einer verstärkten Arbeitsmigration nicht nur in die großen Städte, sondern traditionell auch in die Golfstaaten. Pakistan ist eines der bedeutendsten Herkunftsländer für ungelernte und angelernte Arbeitskräfte auf dem globalen Markt (Quelle: Schetter/Mielke, 2009). Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten und Gastarbeitern belaufen sich gegenwärtig auf ca. 5% des BIP (ca. 14 Milliarden) und werden daher von der pakistanischen Regierung als sehr bedeutend erachtet.

Die Pakistan Remittance Initiative (PRI) beispielsweise, wurde als gemeinsame Initiative von der State Bank of Pakistan, dem Finanzministerium und dem Ministerium für im Ausland lebenden PakistanerInnen gegründet. Ziel ist es, den Fluss von Rücküberweisungen zu vereinfachen, indem diese gebühren-und steuerfrei überwiesen werden können.

Budget

Pakistans Haushaltsdefizit ist auf 4,5% des BIP (2016-17) gesunken im Vergleich zu 5% im Haushaltsjahr 2014-15. Die Defizite sind insbesondere auf die hohen staatlichen Subventionen für den Energiesektor sowie auf die Staatsausgaben für den Wiederaufbau nach den Flutkatastrophen, unverhältnismäßig hohen Militärausgaben (4,2% des BIP) und hoher Schuldentilgung (6,7% des BIP) zurückzuführen. Die Gesamtverschuldung liegt bei 67% des BIP (2017). Diese Ausgaben stellen eine große Belastung für die öffentlichen Haushalt dar, nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Steuerquote von etwa 9 % des BIP. Wichtige Investitionen, die für die Ankurbelung der Wirtschaft notwendig wären oder grundlegende soziale Investitionen in Gesundheit und Bildung werden stark vernachlässigt (Quelle u.a.: Auswärtiges Amt).

Zu weiteren Themen der politischen Ökonomie werden u.a. in führenden pakistanischen Think Tanks wie z.B. Sustainable Development Policy Institute (SDPI), Islamabad, und Social Policy and Development Centre, Karachi, geforscht. 

Außenhandel

Handel mit den Nachbarländern © Susanne Thiel
Handel mit den Nachbarländern © Susanne Thiel

China-Pakistan Economic Corridor (CPEC) – die neue Seidenstraße

Pakistan und China haben am 20. April 2015 einen Milliardendeal abgeschlossen, der den chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridor zu Gunsten beider Länder entwickelt. Mit einem 26 Milliarden Euro Investitionsprogramm will China die alte Seidenstraße wiederbeleben. Diese neue Seidenstraße erstreckt sich 3000 km vom Gwadar Hafen in der südwestlich gelegenen Provinz Baluchistan Pakistans bis zur nordwestlich gelegenen autonomen Region Xinjiang Chinas. Dieses Projekt spiegelt die geostrategischen- und politischen Interessen Chinas wider. China bezweckt damit einen direkten Zugang nach Zentralasien und den Mittleren Osten, so dass die Handelsroute nicht mehr wie bisher den Umweg über die Straße von Malakka, eine Meerenge in Südostasien - an dem Rivalen Indien vorbei - nehmen muss. 

Im Gegenzug investiert China in zahlreiche Infrastruktur- und Energieprojekte entlang des Wirtschaftskorridors in Pakistan. Vor dem Hintergrund der dramatischen Energieknappheit, die nicht nur die Bevölkerung sondern auch den industriellen Sektor stark beeinträchtigt, sind jegliche Investitionen im Energiebereich in Pakistan mehr als willkommen. Es sollen Autobahnen, Eisenbahnstrecken und Energiepipelines für Öl- und Gastransport gebaut werden. Pakistan hofft, dass diese massive Investition das Land in ein wirtschaftliches regionales Zentrum verwandeln wird. Internationale und pakistanische Medien sowie die pakistanische Regierung nennen diesen Superdeal einen „game and fate changer“ für die Region.

Trotz der Euphorie hat China Bedenken bezüglich der Sicherheitssituation in Pakistan geäußert. Bereits in der Vergangenheit wurden chinesische Angestellte in Pakistan von nationalistischen Separatisten entführt. Zudem ist Chinas Sorge, dass sich separatistische Gruppen aus Xinjiang, wo eine muslimische unterdrückte Minderheit lebt, mit pakistanischen militanten Akteuren verbünden könnten. Auch soll der Korridor durch das pakistanische Kashmir verlaufen, wo es immer noch zu gegenseitigem Beschuss zwischen den Grenzpatrouillen Indiens und Pakistans kommt.

Bereits 2003 wurde die Verantwortung für den Bau und das Management des Gwadar Hafens an eine chinesische Firma übergeben, was von der Bevölkerung und politischen Vertretern Beluchistians stark kritisiert wurde. Baluchistans Nationalisten werfen der Zentralregierung seit Jahren vor, sie bei Entscheidungsfindungsprozessen für Megaprojekte nicht einzubeziehen und die Bevölkerung der Provinz nicht am wirtschaftlichen Fortschritt partizipieren zu lassen.

Pakistan führt traditionell folgende Produkte aus: Textilien/Bekleidung (z.B. Leder), was mehr als die Hälfte der Gesamtausfuhr ausmacht; Nahrungsmittel wie z.B. Reis; Chemische Erzeugnisse, Rohstoffe, Erdöl und Sonstiges. Die wichtigsten Handelspartner für den Export sind die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, China, Afghanistan, Großbritannien, Bangladesch und Deutschland. Auffällig ist hier, dass mit Indien, obgleich es Nachbar und wichtiges Schwellenland in dieser Region ist, noch wenig Handel betrieben wird – offensichtlich wegen des lang anhaltenden indisch-pakistanischen Konflikts. Die neue Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Handelsbeziehungen und damit auch die politischen Beziehungen zu verbessern.

Pakistan hat sich – auch bedingt durch den Rückzug der USA - seinem wichtigsten Verbündeten, der Volksrepublik China, weiter angenähert. China hat angekündigt, rund 50 Milliarden Euro in den chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridor als Teil der neuen Seidenstraße zu investieren. Experten geben allerdings zu bedenken, dass wirtschaftliches Wachstum politische Stabilität voraussetzt. Die wachsenden Spannungen im Land wiederum gefährden diese Stabilität. Senator Akram Dashi erklärte, dass das Militär das letztlich riskiert, um seine eigenen Interessen durchzusetzen. "Das Militär wird alles versuchen, um Sharif aus der Politik zu halten. Das bedeutet, das Militär ist nicht bereit zu akzeptieren, dass zivile politische Parteien das Sagen im Land haben."

Freihandelsabkommen mit der Türkei geplant

Pakistan und die Türkei beabsichtigen im Jahr 2019 ein Freihandelsabkommen zu unterzeichnen. Dies wurde nach einem Staatsbesuch des türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Pakistan Ende 2016 verkündet. Laut Presseberichten lobte Premierminister Nawaz Sharif die charismatische Führung Erdogans und sicherte ihm „pakistanische Solidarität“ zu. Allerdings waren nach Berichten der türkischen Bildungsorganisation PakTurk unmittelbar vor dem Besuch Erdogans 450 Menschen (Lehrkräfte und deren Familien an der Ausbildungseinrichtung lnternational Schools and Colleges) aufgefordert worden, das Land binnen drei Tagen zu verlassen. Die Organisation unterrichtet in Pakistan mehr als 10.000 Schüler/-innen und wird mit der Gülen-Bewegung in Verbindung gebracht. Das pakistanische Innenministerium lehnte nach Presseberichten eine Stellungnahme ab. Erdogan hat diese Entscheidung als „sehr erfreulich“ sowie als Zeichen für Pakistans Kampf gegen den Terrorismus kommentiert.

GSP Plus für Pakistan

Das Europäische Parlament hat einem bevorzugten Handelsstatus für Pakistan zugestimmt. Dabei hat Deutschland Pakistan sehr unterstützt. Der sogenannte GSP Plus Status (Generalised System of Preference), der am 1. Januar 2014 in Kraft getreten ist, erlaubt den zollfreien Export von über 90% der pakistanischen Produkte in die EU. Die EU ist damit Pakistans größter Handelspartner. Während einerseits dieser Status eine Steigerung des pakistanischen Exports von $1 Milliarde verspricht, ist andererseits dieser Freihandel an die Implementierung von internationalen Konventionen zu Menschenrechten, Guter Regierungsführung, Arbeiterrechten sowie Umweltstandards konditionalisiert.

Handel mit Deutschland

Die deutsch-pakistanischen Wirtschaftsbeziehungen waren in den ersten Jahren nach Aufnahme sehr fruchtbar, verringerten sich allerdings rasch mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen und politischen Lage in Pakistan. Das bilaterale Handelsvolumen Deutschlands mit Pakistan lag im Kalenderjahr 2017 bei 2,87 Mrd. Euro. Deutschen Exporten nach Pakistan in Höhe von 1,2 Mrd. Euro standen Importe aus Pakistan in Höhe von 1,67 Mrd. Euro gegenüber. Die pakistanischen Exporte nach Deutschland bestehen im Wesentlichen aus Textilien, Lederwaren, Sportartikeln, Schuhen und medizinischen Instrumenten. Bei den pakistanischen Importen aus Deutschland handelt es sich in erster Linie um Maschinen, chemische Erzeugnisse, elektrotechnische Erzeugnisse, Fahrzeuge und Eisenwaren. Das Auswärtige Amt gibt einen Überblick über die aktuelle Wirtschaftslage (2018) Pakistans, Prognosen für das Jahr 2019, und Daten bezüglich der Wirtschaftsbeziehungen.

Das Auswärtige Amt bestätigt, dass die Zahl der in Pakistan tätigen deutschen Unternehmen seit 2010 wieder anwächst, v.a. in den Bereichen Energie und Infrastruktur steigt das Interesse am pakistanischen Markt. Deutsche und pakistanische Firmen mit Interesse an bilateralen Wirtschaftsbeziehungen haben sich zum Pakistan German Business Forum (PGBF) zusammengeschlossen. Mehrere bilaterale Abkommen existieren bereits. 

Armut

Gemäß Weltbankstatistik leben 31,1% der pakistanischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (Worldbank 2018, geschätzt für 2019). Mit einer rasant wachsenden Bevölkerung müssen nun auch immer mehr junge Menschen um ihre Existenz fürchten. Als Hauptursachen werden u.a. niedriges Wachstum und hohe Inflation genannt. Pakistans Position im Human Development Index liegt bei Rang 150 von 189 Ländern (2018). Insbesondere Menschen auf dem Land sind von Armut betroffen. Ca. 4.7 Millionen landwirtschaftlich tätige Familien (ca. 33 Millionen Menschen) besitzen kein eigenes Land. Umverteilung von Reichtum und Geld, wie z.B. eine Landreform, ist aufgrund von elitären/oligarchen Strukturen in Pakistan ein höchst politisches und kontroverses Thema. Somit wird diesen Menschen ein Entrinnen aus der Armut erschwert. Noch immer besteht ein System von "Schuldknechtschaft", das Familien über Generationen an einen Arbeitgeber bindet.

In Kooperation mit UNDP bemüht sich Pakistan, die Armut zu bekämpfen sowie die Sustainable Development Goals (SDGs) mit Blick auf alle Segmente der Gesellschaft, einschließlich marginalisierter Gruppen wie z.B. Frauen, schneller zu erreichen. Die pakistanische Regierung agiert im nationalen Rahmen der SDGs, dem Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP) II und dem New Growth Framework Pakistans der Planning Commission (PC) in Pakistan. Allerdings wird der Fortschritt mit Blick auf die SDGs und damit auch der Kampf gegen Armut als unzureichend bewertet. Premierminister Imran Khan hält an seinem Plan fest, die Armut in Pakistan zu beseitigen - aber das Geld ist knapp. Die Rolle der Armee in der Wirtschaft des Landes und die Verantwortung für die arme Bevölkerung gehören zu den brisanten politischen Themen.

Entwicklungszusammenarbeit

Die pakistanisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) besteht seit 1961, d.h. seit 58 Jahren; Pakistan gehört damit zu den ersten deutschen Partnerländern des BMZ. Die letzte Bundesregierung stufte Pakistan als sogenanntes „Ankerland“ ein. Die Ankerlandstudie (2008) zu Pakistan hat herausgearbeitet, warum und inwiefern Pakistan aus entwicklungs- und friedenspolitischer Sicht als ein strategisch wichtiger Partner in der globalen Gemeinschaft zu erachten ist. Pakistan gilt als eines der anspruchsvollsten Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und ist mit besonderen Herausforderungen konfrontiert.

Regelmäßig finden Regierungsverhandlungen zur Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Pakistan statt. Deutsche staatliche Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit mit Pakistan belaufen sich auf 83,87 Millionen Euro (2017/2018).

Folgende Schwerpunkte der Zusammenarbeit wurden vereinbart: ​

  • Gute Regierungsführung
  • ​Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung ​
  • Energie/Energieeffizienz

Zusätzlich zu den genannten Schwerpunkten wird Deutschland bis 2020 Pakistan dabei unterstützen, die medizinische Grundversorgung zu verbessern. Inhalte des Engagements umfassen unter anderem die Entwicklung von Qualitätsstandards für den kommerziellen Gesundheitssektor, die Einführung eines Krankenversicherungssystems, den Aufbau eines landesweiten Blutbankensystems und die Aus- und Fortbildung von Gesundheitsmanagern und medizinischem Personal. Auch Programme zur reproduktiven Gesundheit und Familienplanung sowie zur Bekämpfung der Kinderlähmung (Polio) werden weitergeführt.

Ein weiterer Förderbereich zielt auf den Schutz der knappen natürlichen Ressourcen des Landes und der Katastrophenvorsorge. Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität und zum Schutz des Waldes sollen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

30 Jahre lang war die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Pakistan im Bereich Grundbildung unterstützend tätig. Im Zuge der Reform der Schulbuchpolitik wurden landesweit neue Bildungslehrpläne und moderne Schulbücher entwickelt. Auch wenn diese noch nicht in jeder Schule genutzt werden, hat sich die Qualität des Unterrichts deutlich verbessert. Zu den großen Erfolgen dieser 30-jährigen Zusammenarbeit zählt, dass mehr als neun Millionen Kinder direkt von den Bildungsprogrammen der GIZ profitieren konnten. Die Fortführung des Programms ist nun in die Verantwortung der pakistanischen Regierung übergegangen.

Der regionale Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit liegt auf der Provinz Khyber Pakhtunkhwa und den Stammesgebieten, also dem Nordwesten Pakistans.  Gleichzeitig wird auch die Zusammenarbeit mit der Zentralregierung in Islamabad gepflegt. Vereinzelte Maßnahmen wurden und werden auch in Gilgit-Baltistan, Punjab und in „Azad Jammu Kashmir“ durchgeführt. Die GIZ ist im Auftrag des BMZ mit eigenen Strukturen und Personal in Khyber Pakhtunkhwa und den Stammesgebieten aktiv, der Hauptsitz des GIZ-Büros Pakistan befindet sich in Islamabad.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Pakistan wird zudem stark von nichtstaatlichen Trägern geprägt. Kirchliche Hilfswerke, politische Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen führen oftmals mit Mitteln des BMZ verschiedene Programme in Bereichen der Demokratisierung, Stärkung von Zivilgesellschaft, Menschenrechte und Frieden durch.

Die verschiedenen Organisationen bieten Einblicke in die aktuelle Zusammenarbeit mit Pakistan:

Die deutsche EZ verfolgt einen konfliktsensiblen und krisenpräventiven Ansatz. Dieser bezieht sich auf das „Post-Crisis Needs Assessment“ (PCNA) als einen gemeinsamen Handlungsrahmen der pakistanischen Regierung und der Geber (Asiatische Entwicklungsbank, Europäische Union, Vereinte Nationen und Weltbank). Neben der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit beteiligt sich die Bundesrepublik an multilateralen Instrumenten wie dem Multi-Donor Trust Fund (MDTF) für Khyber Pashtunkhwa, Stammesgebieten und Baluchistan. Deutschland gehört in Pakistan zu den mittelgroßen Geber.

Auf die großen bilateralen Geber USA, Großbritannien, Japan und China folgen mit deutlichem Abstand die Türkei, Deutschland, Kanada, die Niederlande, Norwegen, Italien, Frankreich und andere. Unter den multilateralen Gebern steht die Europäische Union auch im Mittelfeld. Die OECD liefert aktuelle Grafiken zu diesem Themenbereich.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Susanne Thiel ist seit den 1990er Jahren im Rahmen der Internationalen Zusammenarbeit tätig. Sie hat mehrere Jahre in Pakistan und Afghanistan gelebt und gearbeitet. Zu ihren Spezialgebieten gehören Themen wie Frieden und Sicherheit, Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Kontexten und islamischen Ländern, Bildung und Gender. Zurzeit ist sie als freie Gutachterin und Autorin von Fachpublikationen tätig. Seit 2004 arbeitet sie für die AIZ als Landestrainerin, interkulturelle Trainerin und Länderredakteurin.  

Heuschreckenplage

Bereits seit Mitte 2019 wird Pakistan von riesigen Heuschreckenschwärmen heimgesucht, die aus dem Iran kommend zuerst den Südwesten des Landes erreichten und sich dann weiter ausbreiteten. Aufgrund der dadurch hervorgerufenen immensen Einbußen an Weizen, Mais und Getreide, sieht die Regierung die Ernährungssicherheit des Landes in Gefahr und hat den nationalen Notstand ausgerufen. Des Weiteren ist die Baumwollproduktion als wesentlicher Bestandteil der Wirtschaft des Landes, und mit ihr die Textilindustrie, durch Heuschreckenbefall bedroht

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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