sechs palästinensische Jungen ® Petra Schöning
Anteil alphabetisierte Erwachsene
96%
Bedeutende Religion(en)
Islam (sunnitisch) ca. 98,5 %, Christentum ca. 1,5
Städtische Bevölkerung
74 % (2015)
Lebenserwartung (w/m)
75 / 71 Jahre (2015)
Gender Inequality Index
keine Daten vorhanden
Anzahl der Geburten
4,1/ Frau (2013)
Kindersterblichkeit
18,6/1.000 Lebendgeburten

Sozialstruktur

palästinensisches Mädchen mit Schwester auf dem Arm
Zwei palästinensische Mädchen im Jordantal © Petra Schöning

Die palästinensische Gesellschaft ist eine sehr heterogene, arabische Gesellschaft. Sie kann eingeteilt werden in Städter, Bauern und Beduinen; in Muslime und Christen; in Palästinenser mit israelischem Pass, Palästinenser, die im Westjordanland und im Gazastreifen leben, Palästinenser, die mit einer Jerusalem-Identitätskarte in Ost-Jerusalem leben, und Palästinenser in der Diaspora; Flüchtlinge und Ansässige; Rückkehrer (nach dem Beginn des Osloer Friedensprozesses) und Dagebliebene; Bewohner des ägyptisch beeinflussten, traditioneller eingestellten Gazastreifens und Bewohner des jordanisch beeinflussten, (in einigen Städten) liberaleren Westjordanlandes.

Von den 12,70 Millionen Palästinensern weltweit Ende 2016 leben 38,4% (4,88 Millionen, davon 2,97 Millionen im Westjordanland und 1,91 Millionen im Gazastreifen) in Palästina und 12,1% (1,53 Millionen) in Israel. 44,0% (5,59 Millionen) leben in arabischen Ländern und 5,5% (696 Tausend) in anderen Ländern.

41,9% der palästinensischen Bevölkerung (im Westjordanland 26,0%, im Gazastreifen 66,7%) sind Flüchtlinge, die vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten UNRWA betreut werden.

2016 leben in einem Haushalt im Durchschnitt 5,2 Personen (im Westjordanland 4,8 Personen, im Gazastreifen 5,7 Personen). 1997 waren dies im Durchschnitt noch 6,4 Personen (im Westjordanland 6,1 Personen, im Gazastreifen 6,9 Personen).

Mitte 2016 leben 73,9% der Palästinenser in der Stadt, 16,6% auf dem Land und 9,5% in Flüchtlingslagern (im Westjordanland und im Gazastreifen).

Auf 100 Frauen kommen Mitte 2017 in Palästina 103,7 Männer. Das Bevölkerungswachstum beträgt 2,9%. Mitte 2016 waren 45,8% der palästinensischen Bevölkerung (43,4% im Westjordanland und 49,6% im Gazastreifen) jünger als 18 Jahre. Mitte 2017 sind 38,9% (36,6% im Westjordanland und 42,6% im Gazastreifen) jünger als 15 Jahre. 30% der Bevölkerung sind junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren. Nur 4,6% (5,1% im Westjordanland und 3,9% im Gazastreifen) der palästinensischen Bevölkerung sind 60 Jahre und älter und 2,9% (3,3% im Westjordanland und 2,4% im Gazastreifen) sind 65 Jahre und älter.

Die vorherrschende soziale Einheit in Palästina ist die Großfamilie (Arabisch Hamula).  Ihre Mitglieder können ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten angehören und trotzdem herrscht untereinander ein Gefühl der Verantwortung und Zusammengehörigkeit, das sich in Geschäftsbeziehungen oder in Konflikten mit anderen Familien zeigt. Auf der anderen Seite übt die Hamula soziale Kontrolle aus und verlangt, dass sich der Einzelne der Gemeinschaft unterordnet. Das Individuum darf nichts tun, was dem Ruf der Großfamilie Schaden zufügen könnte. Ob im Geschäfts- oder Privatleben, jede Person steht für die gesamte Großfamilie und jeder Clan wird für das Handeln des Einzelnen zur Verantwortung gezogen. Insbesondere für Frauen gilt dies. Von ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit hängt die Ehre der Familie, Arabisch Scharaf, ab.

Söhnen kommt immer noch eine größere Bedeutung zu als Töchtern. Der älteste Sohn führt die Familienlinie weiter und gibt seinen Eltern einen neuen sozialen Status. Die Eltern werden nach ihm „Mutter von…“ (Um ..…) bzw. „Vater von …“ (Abu …..) genannt.

Frauen sind aus dem öffentlichen Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Dennoch gibt es strenge Vorschriften für das Zusammentreffen von nicht miteinander verwandten oder verheirateten Männern und Frauen in der Öffentlichkeit. In liberalen Städten wie Jerusalem und Ramallah können junge Männer und Frauen miteinander ausgehen, jedoch nur im Beisein von Familienangehörigen, in Gruppen oder in öffentlichen Räumen wie Restaurants oder Cafés. Der gesellschaftlichen Kontrolle dürfen sie sich nicht entziehen.

In allen Berufsständen sind Frauen mittlerweile vertreten. Sie arbeiten als Polizistinnen (im Gazastreifen und im Westjordanland, wie z.B. Nawal Al Khatib bei der Touristenpolizei in Bethlehem), Richterinnen und Politikerinnen (unter den 17 Kabinettsmitgliedern der 17. Regierung vom 2. Juni 2014 gibt es drei Ministerinnen) und der Regierungsbezirk Ramallah und El Bireh hat mit Laila Ghannam als erster eine Frau an seiner Spitze. Es gibt eine palästinensische Frauen-Fußballnationalmannschaft und auch Rennfahrerinnen, über die sogar ein Film gedreht wurde. Im November 2013 ernannte die Hamas-Regierung im Gazastreifen zum ersten Mal eine weibliche Sprecherin: die 23jährige Medienwissenschaftlerin und geschiedene Mutter Isra Almodallal. Seit Juli 2015 darf Tahrir Hamad als erste Frau in Palästina Ehen schließen und scheiden. Im März 2016 erhielt Hanan Al Hroub den "Weltlehrerpreis" der gemeinnützigen Varkey Stiftung mit Sitz in London.

Ein großer Teil von ihnen ist jedoch in traditionellen Frauenberufen tätig, d.h. im Bildungswesen (34,7 %), im Sektor Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei (20,5 %) oder im ­Gesundheitsbereich (9,4 %). Und trotz guter Ausbildung haben sie eher niedrigere Positionen inne und sie erhalten nur 76,5% des Durchschnittslohns ihrer männlichen Kollegen.

Mit nur 19,2% im Vergleich zu 73,2% bei den Männern im 3. Quartal 2017 gehört die Erwerbstätigkeitsquote bei den Frauen zu den niedrigsten weltweit.

Durch die sehr schwierige wirtschaftliche und politische Situation hat die  Gewalt gegen Frauen zugenommen und auch die Zahl der "Ehrenmorde". Besonders schwierig ist die Sitution im Gazastreifen. In einer im Dezember 2009 erschienenen Studie der dort ansässigen Frauenorganisation Palestinian Women’s Information and Media Center (PWIC) erklärten 52,3% der befragten Frauen körperlich und 14,6% sexuell misshandelt worden zu sein.

Zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen wurde 2008 ein Nationales Komitee geschaffen, in dem verschiedene Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen und -einrichtungen unter Leitung des Palästinensischen Ministeriums für Frauenangelegenheiten zusammenarbeiten. Dieses Komitee erarbeitete zusammen mit UN Women Palestine eine Nationale Strategie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Eine rechtliche Benachteiligung von Frauen gibt es in den geltenden religiösen Personenstandsrechten, die nicht im Einklang stehen u.a. mit Artikel 9 des geänderten palästinensischen Grundgesetzes, das die Geschlechtergleichheit festschreibt. 

Malerei an der Wand des Star Mountain Rehabilitation Center
Malerei an der Wand des Star Mountain Rehabilitation Center in der Nähe von Birzeit ® Petra Schöning

Der Anteil der Menschen mit Behinderung in Palästina liegt laut einer Studie des Palästinensischen Zentralbüros für Statistik aus dem Jahr 2011 bei einer engen Definition bei 2,7% (Westjordanland 2,9%, Gazastreifen 2,4%) und bei einer weiteren Definition bei 6,9% (Westjordanland und Gazastreifen jeweils 6,9%).

49% (49,5% im Westjordanland und 47,2% im Gazastreifen) dieser Menschen sind mobilitätseingeschränkt. Die zweitgrößte Gruppe sind Personen, die lerneingeschränkt sind. Sie machen in Palästina 24,7% (23,6% im Westjordanland, 26,7% im Gazastreifen) aller Menschen mit Behinderung aus.

Das Palästinensische Grundgesetz von 2003 nennt in Artikel 9 beim Recht auf Gleichheit hier ganz ausdrücklich auch Menschen mit Behinderung und schließt in Artikel 22 beim Recht auf Bildung ganz ausdrücklich Menschen mit Behinderung ein. Darüber hinaus verabschiedete der Palästinensische Legislativrat 1999 das Gesetz Nr. 4 betreffend der Rechte von Personen mit Behinderung. 2012 wurde ein nationaler strategischer Rahmenplan zur Verbesserung der Situation von behinderten Menschen in Palästina angenommen. 2014 trat die Palästinensische Behörde dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) bei und schuf einen Nationaler Ausschuss für Menschen mit Behinderung. Dennoch erfahren Menschen mit Behinderung in Palästina immer noch Ausgrenzung und gibt es für sie immer noch Hindernisse bei der Teilnahme am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben.

37,6% (35,5% im Westjordanland und 42,2% im Gazastreifen) aller Menschen mit Behinderung, die 15 Jahre oder älter sind, haben nie eine Schule besucht. 33,8% (37,0% im Westjordanland und 27,1% im Gazastreifen) brachen die Schulausbildung ab. 53,1% (51,5% im Westjordanland und 56,3% im Gazastreifen) sind Analphabeten. 87,3% (85,6% im Westjordanland und 90,9% im Gazastreifen) arbeiten nicht.

Bildung

Eingangsschild Universität Birzeit
Eingangsschild Universität Birzeit © Petra Schöning

Mit den Osloer Abkommen wurde die Verwaltung des Bildungssystems in Palästina an die Palästinensische Behörde übergeben und 1994 das palästinensische Ministerium für Bildung geschaffen.

In Palästina besteht eine allgemeine Schulpflicht für Kinder zwischen dem 6. und 15. Lebensjahr. Bis zur 10. Klasse gibt es eine einheitliche Schulausbildung. Der Notendurchschnitt entscheidet dann, ob die Jugendlichen auf weiterführende Schulen gelangen, wo sie innerhalb von zwei Jahren das Abitur (Tawjihi) ablegen. Die Abiturprüfungen werden seit 1994/95 von den zuständigen palästinensischen Behörden abgenommen.

90% der palästinensischen Schülerinnen und Schüler besuchen nach der 10. Klasse weiterführende Schulen und mehr als 80% der Abiturienten machen nach dem Tawjihi mit der Ausbildung weiter.

2012 gab es laut eines Berichts der EU-Kommission 49 höhere Bildungseinrichtungen in Palästina, darunter 13 Universitäten und eine Fernuniversität. Zu den bekanntesten und größten gehören die Al-Najah National Universität in Nablus und die Universität Birzeit nördlich von Ramallah.

Gesundheit

Notaufnahme staatliches Krankenhaus Ramallah
Notaufnahme staatliches Krankenhaus Ramallah © Petra Schöning

Was die Gesundheitssituation in Palästina angeht, so ist sie im Vergleich zum regionalen Durchschnitt gut, aber im Vergleich zur Gesundheitssituation in Israel deutlich schlechter. Z.B. liegt in Palästina die Kindersterblichkeit bei 18,6 pro 1.000 Geburten und in Israel bei 3,7. In Palästina sterben bei 100.000 Geburten 28 Mütter, in Israel 7.

Die Trennungsanlage, die Kontrollpunkte und Roadblocks, gesperrte Straßen und die Abriegelung der Gebiete verursachen eine starke Behinderung der medizinischen Versorgung und des Zugangs zu den Grundlagen für ein gesundes Leben. 

Eine von der WHO durchgeführte Studie legt dar, dass im Jahr 2011 19% (32.678 von 175.228) aller Anträge auf Einreise nach Israel aus medizinischen Gründen von Patienten und ihren Begleitern aus dem Westjordanland und 10% (1.082 von 10.560) aller Anträge aus dem Gazastreifen von der israelischen Zivilverwaltung entweder abgelehnt oder verzögert wurden. Sechs Patienten aus dem Gazastreifen starben während sie auf die Bewilligung warteten. Als Grund für die Nichterteilung der Einreiseerlaubnis wurde am häufigsten die Sicherheit genannt ohne dies näher auszuführen.

Im August 2017 erhielten 3% (63 von 1.883 Personen einschließlich sechs Kinder und fünf ältere Personen über 60 Jahre) aller Patienten aus dem Gazastreifen, die einen Antrag auf Ausreise über den Erez Kontrollpunkt gestellt hatten, keine Erlaubnis und 42% (792 von 1.883 Personen einschließlich 169 Kinder und 76 ältere Personen über 60 Jahre) bekamen keine Antwort und konnten daher ihre Behandlungstermine nicht wahrnehmen. Nur 55% (1.028 von 1.883 Personen) aller Anträge auf Begleitung von Patient/inn/en wurden in diesem Zeitraum genehmigt.

Fünf Krebspatienten starben im August 2017 während sie auf ihre Ausreisegenehmigung zur medizinischen Behandlung warteten.

Am 14. Januar 2017 starb der 17jährige Ahmed Shbair mit einem angeborenen Herzfehler nachdem ihm mehrfach die Ausreise aus dem Gazastreifen für eine dringend notwendige Operation in Israel verweigert worden war.

Immer wieder berichten palästinensische Rettungsdienste davon, dass sie durch die israelische Armee an ihrer Arbeit gehindert und sogar angegriffen werden.

Nach Angaben des palästinensischen Ministeriums für Gesundheit wurden seit 1987 im Westjordanland und dem Gazastreifen 84 Fälle von HIV und AIDS dokumentiert.

Kultur

Trio Joubran beim Jerusalem Festival
Trio Joubran beim Jerusalem Festival © Petra Schöning

Kulturell gehört Palästina zur Arabischen Welt, deren Länder durch das Hocharabisch als gemeinsame Sprache und durch gemeinsame Werte, Traditionen, Bräuche, Kenntnisse und Erfahrungen miteinander verbunden sind.

Es gibt eine reiche palästinensische Volkskunst u.a. im Bereich Musik, Tanz, Gesang, Handarbeiten und Kunsthandwerk sowie eine süchtig machende Kochkunst.

Bethlehem ist für seine Perlmuttarbeiten berühmt, Hebron für die Herstellung von Glas (vorwiegend in Blau), Jerusalem seit Anfang des 20. Jahrhunderts für die armenische Keramik.

Zu den bekanntesten palästinensischen Schriftstellern und Dichtern gehören Suad Amiry, Samira Azzam, Liana Badr, Mourid Barghouti, Mahmoud Darwisch, Emil HabibiJabra Ibrahim Jabra, Ghassan Kanafani, Sayed KashuaSahar Khalifa, Zakaria Mohammed, Ibrahim Nasrallah, Samih al-Qasim, Adania Shibli, Mahmoud ShukairFadwa Touqan, Ibrahim Touqan, Ghassan ZaqtanTawfiq Zayyad und May Ziadeh. Bei vielen von ihnen stehen der Verlust der Heimat, Entfremdung, Identitätssuche und/oder das Leben unter Besatzung im Mittelpunkt ihres Werkes.

Weit über die Grenzen hinaus bekannt sind auch die Maler Sliman Mansour und Ayman Essa, die Performance Künstler Raeda Saadeh und Khaled Jarrar, die Regisseure Annemarie Jacir, Mai MasriHany Abu Assad und Elia Suleiman, die Sängerinnen Rim Banna und Amal Murkus, das Oudspieler Trio Joubran, die Hip Hop Gruppe Dam und die 2012 in Bethlehem gegründete Band Apo & the Apostels.

Der berühmteste palästinensische Zeichner ist Naji el Ali. Er starb 1987 in London an den Folgen eines Attentats. Sein Markenzeichen war das „Handala“, ein kleiner Junge, der dem Leser immer den Rücken zukehrt und den Unmut repräsentiert, den der Künstler empfand beim Betrachten der politischen und gesellschaftlichen Situation der Palästinenser.

Die palästinensische Kulturszene ist trotz der schwierigen Situation sehr vielfältig. Aktuelle Informationen aus der und in die Szene hinein liefert  das Monatsmagazin This Week in Palestine, das vor Ort an vielen Stellen kostenlos ausliegt.

Insbesondere im Raum Ost-Jerusalem, Ramallah und Bethlehem gibt es zahlreiche spannende Kulturprojekte und kulturelle Einrichtungen. Zu ihnen gehören das Khalil Sakakini Cultural Center, das Ashtar Theatre und das Kasaba Theatre in Ramallah, das Popular Art Centre (PAC) in El-Bireh, das Internationale Begegnungszentrum (Dar Annadwa) in Bethlehem und die Al-Ma'mal Foundation for Contemporary Art, The Palestinian National Theatre Al Hakawati sowie Palestinian Art Court-Al Hoash in Ost-Jerusalem. Auch das Goethe Institut in Ramallah organisiert interessante Kulturveranstaltungen. Yabous Productions in Ost-Jerusalem führt einmal im Jahr das Jerusalem Festival durch. Nach 25 Jahren hat in Ost-Jerusalem im Februar 2012 das Al Quds Cinema wieder geöffnet und im Mai 2012 öffnete das Palestinian Heritage Museum of Dar al-Tifel. Die Virtuelle Galerie der Birzeit Universität gibt einen Überblick über die reichhaltige palästinensische Kunstszene und aktuelle Ausstellungen. Im Mai 2016 wurde das Palestinian Museum in Birzeit eröffnet.Bis zum 31. Januar 2018 wird dort die Ausstellung "Jerusalem Lives (Tahya Al Quds)" gezeigt.

Darüber hinaus gibt es u.a. das Freedom Theatre in Jenin sowie in Yes Theatre in Hebron.  

Video: A Boy, A Wall And A Donkey: Stories on Human Rights 

Religion

Im griechisch-orthodoxen Kloster auf dem Berg der Versuchung
Im griechisch-orthodoxen Kloster auf dem Berg der Versuchung © Petra Schöning

Auch in Bezug auf die Religionszugehörigkeit sind die Palästinenser kein homogenes Volk. Die Muslime machen ca. 98,5% der Bevölkerung aus. Überwiegend gehören sie der sunnitischen Richtung des Islams an. Dabei sind alle vier sunnitischen Rechtsschulen, d.h. die der Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten und Schafiiten vertreten, wobei die hanafitische Rechtsschule vorherrscht.

Daneben gibt es eine immer kleiner werdende Zahl von palästinensischen Christen (von denen ca. 1.350 im Gazastreifen leben) sowie mehr als 350 Samariter in Kiryat Luza auf dem Berg Gerizim in der Nähe von Nablus, wenn man mal von den mehr als 585.000 jüdisch-israelischen Siedlern absieht, die - nach internationalem Recht illegalerweise - im Westjordanland und in Ost-Jerusalem - leben.

Die palästinensischen Christen sind in der palästinensischen Oberklasse stark vertreten und machen 2/3 der palästinensischen Mittelklasse aus. Aufgrund dieses sozioökonomischen Profils gibt es unter den Christen in Palästina eine extrem hohe Auswanderungsrate. Die vorrangigen Gründe hierfür waren die unsichere (sicherheits-)politische Lage und fehlende Arbeitsmöglichkeiten.

Christen und Muslime verbindet die gleiche historische Erfahrung von Flucht, Vertreibung und Besatzung sowie eine sehr lange positive Tradition des christlich-muslimischen Zusammenlebens auf der Basis des Omar-Paktes von 638.

Auf der anderen Seite ist die eigene gesellschaftliche Gruppe - insbesondere seit der Zweiten Intifada - immer mehr der Bezugsrahmen für die Palästinenser. Kontakte außerhalb der eigenen Gruppe sind selten und von den Mitgliedern häufig nicht gewünscht. (Hierzu gehören auch christlich-muslimische Liebesbeziehungen.) So bleibt jede religiöse Gruppe in der Regel für sich.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2017 aktualisiert.

Die Autorin

Petra Schöning, M.A., Studium der Politikwissenschaft, Neueren Geschichte und Soziologie mit Schwerpunkt Naher Osten, seit 1995 Mitglied bei Amnesty International in der Koordinationsgruppe Israel und besetzte Gebiete/ Palästina, 27-monatige Tätigkeit in Jerusalem als Zivile Friedensfachkraft, seit 2006 freiberufliche Trainerin und Beraterin mit dem Schwerpunkt Israel/ Palästina.

Literaturhinweise

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