palästinensische Hügellandschaft ® Petra Schöning
Offizieller Name
Palästinensische Gebiete
Fläche
6.020 km²
Einwohner
4,88 Mio. (2,97 Mio. WB, 1,91 Mio. Gaza)
Bevölkerungswachstum
2,9% pro Jahr
Regierungssitz
Ramallah
Amtssprache
Arabisch
Regionalsprachen
-

Übersichtskarten

Landkarte vom Westjordanland, CIA World Factbook (PD-USGov)
Landkarte Westjordanland, CIA World Factbook (PD-USGov)
Landkarte Gazastreifen, CIA World Factbook (PD-USGov)
Landkarte Gazastreifen, CIA World Factbook (PD-USGov)

Gutes Kartenmaterial gibt es u.a. bei der University of Texas, bei ReliefWeb, beim UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs - occupied Palestinian territory (OCHA oPt), beim Applied Research Insitute - Jerusalem (ARIJ), der Palästinensischen Mission, PASSIAAl-BabB'Tselem und BBC News.

Lage und Größe des Landes

Lage Palästinas, Foto: Vardion, CC-BY-SA-2.5
Lage Palästinas, Foto: Vardion, CC-BY-SA-2.5

Mit seinen 6.020 qkm (5.655 qkm Westjordanland, 365 qkm Gazastreifen) ist Palästina etwas mehr als doppelt so groß wie das Saarland, das kleinste deutsche Bundesland. Mehr als elfmal passt es in das größte Bundesland, Bayern, hinein.

Im Norden, Westen und Süden grenzt das Westjordanland an Israel (307 km), im Osten an Jordanien (97 km). Der Gazastreifen hat im Norden und Osten eine Grenze mit Israel (51 km), im Süden mit Ägypten (11 km), im Westen grenzt er an das Mittelmeer.

Landesimpressionen

Sehr schöne und eindrucksvolle Fotos vom Land gibt es z.B. auf der Website Beautiful Palestine des palästinensischen Fotografen Majdi Hadid und auch auf der Website Palestine Photo Bank, die vom palästinensischen Fotografen Steve Sabella eingerichtet wurde.

Sehr interessante und schöne historische Bilder, schwerpunktmäßig von Jerusalem, die der Armenier Elia Kahvedjian in den 20er bis 70er Jahren aufgenommen hat, kann man sich auf der Website Elia Photo anschauen.

Berge der Judäischen Wünste
Judäische Wüste © Petra Schöning

Grunddaten

Viele palästinensische, deutsche und internationale Organisationen und Institutionen stellen grundlegende Daten zu Palästina bereit, z.B. das Palestinian Central Bureau of Statistics (hier sei insbesondere die Publikation Palestine in Figures genannt), die CIA (auf separaten Seiten finden sich dort Infos über das Westjordanland und den Gazastreifen), die Weltbank, die Vereinten Nationen (hier sind insbesondere das OCHAoPt zu nennen sowie  UNISPAL, die Palästinensische Mission sowie das Auswärtige Amt. Die Website Visualizing Palestine bietet viele Informationen zu Palästina und dem Nahostkonflikt in sehr anschaulichen grafischen Darstellungen.

Naturräumliche Gegebenheiten

Sonnenuntergang im Wadi Makhrour
Sonnenuntergang im Wadi Makhrour ® Klaudia Hobje

Der tiefste Punkt des Westjordanlandes ist das Tote Meer mit 408 Metern unter dem Meeresspiegel, der höchste Punkt ist der Jabal Assur in der Region Ramallah mit 1.022 Metern. Als Rohstoff besitzt das Westjordanland Naturstein.

Der Gazastreifen besteht zum großen Teil aus Sand und Dünen. Die Landschaft ist flach bis leicht hügelig. Mit 105 Metern über dem Meeresspiegel ist der Abu Auda die höchste Erhebung. Der Berg befindet sich im Südosten des Regierungsbezirks Rafah. Die einzigen Bodenschätze, die der Gazastreifen hat, ist ein großes Erdgasfeld vor der Küste.

Flora und Fauna

Blumenbeet in Ramallah © Petra Schöning
Blumenbeet in Ramallah © Petra Schöning

In den unterschiedlichen Regionen Palästinas gibt es eine reichhaltige Flora und Fauna. Viele Informationen hierüber hält die Palestine Wildlife Society in Beit Sahour bereit.

Im letzten Jahrhundert gab es noch große Waldflächen in Palästina, doch sie wurden im Zuge des Eisenbahnbaus gerodet, als hierfür Holz gebraucht wurde.

Heute beherrschen Obstbäume (Oliven-, Mandel-, Orangen-, Aprikosenbäume usw.) die Landschaft, während wilde Arten wie Pinien, Zypressen, Johannisbrotbäume, Akazien und Kiefern nur in bestimmten Regionen, insbesondere in Wadis und an Dorfrändern vorkommen.

Gazellen in Palästina © Petra Schöning
Gazellen © Petra Schöning

Die bergigen Wüsten- oder Halbwüstengebiete sind ein Schutzgebiet für verschiedene Wildtiere, von denen einige am frühen Morgen oder in der Abenddämmerung in den Wadis beobachtet werden können. Der nubische Steinbock (Capar ibex nubia) und die Dorcasgazelle (Gazella dorcas) sind in den Hügeln der Westbank verbreitet.

Raubtiere existieren hier ebenfalls: Wölfe (Canis lupus) sind verbreitet in unbewohnten Gebieten. Panther (Panthera pardus) haben ihre Heimat in den ariden Gebirgen des südlichen Teils der Hebron-Berge. Auch gibt es Streifenhyänen (Hyaena hyaena) in der Nähe entlegener Ortschaften.

Darüber hinaus sind mehr als 470 Vogelarten in Palästina erfasst worden. Dank der ökologischen Vielfalt leben 349 Arten hier dauerhaft oder wenigstens zeitweise. Hierzu gehören der Palästinanektarvogel oder Jerichonektarvogel (Cinnyris oseus), und der Wiedehopf (Upupa epops). 121 Arten machen auf der Durchreise in Palästina Station. Insbesondere zwischen dem 10. März und dem 20. April können hier viele Vogelschwärme beobachtet werden. Die Storchenschwärme sind dabei besonders eindrucksvoll. 85% der weltweiten Storchpopulation fliegt über Palästina und Israel.

Wadi Makhrour © Petra Schöning
Wadi Makhrour © Petra Schöning

Klima

Der Felsendom im Schnee
Schnee in Jerusalem © Petra Schöning

Das Klima in Palästina ist mediterran mit einem kurzen, nasskalten Winter von ungefähr Mitte Dezember bis Ende Februar (gelegentlich auch mit Schneefall!) und einem heißen, trockenen Sommer in den Gebirgen als Übergangszone zum semiariden (nördliches Jordantal) und ariden Gebiet (westlich des Toten Meers und der Negev-Wüste). Im Gazastreifen ist der Sommer feuchtheiß und der Winter milde. In Jericho und dem gesamten Jordantal sind im Sommer Temperaturen deutlich über 40 Grad C normal, im Winter fällt das Thermometer jedoch selten unter die 10 Grad-Marke.

Nach einer langanhaltenden Sommertrockenheit fällt der erste Regen ungefähr Ende Oktober, der letzte Regen im März/April. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 600 - 800 mm, im Jordangraben sind es nur etwa 150 mm.

Wasser

Wasser gehört im Nahen Osten zu den wichtigsten und knappsten Ressourcen. Von seiner Verfügbarkeit hängen die Entwicklungsmöglichkeiten der Bevölkerung und deren Lebensstandard ab. Daher geht es im Nahostkonflikt nicht nur um Land, sondern auch um diesen kostbaren Rohstoff.

Seit der Besetzung der Westbank und des Gazastreifens im Juni 1967 kontrolliert Israel die Wasservorkommen dort. Ungefähr 80% der Grundwasserressourcen in der Westbank werden von Israel genutzt und decken damit ca. 40% des israelischen Wasserbedarfs. Dies und marode Wasserleitungen führen insbesondere in den Sommermonaten zu extremer Wasserknappheit in Palästina.

Im Durchschnitt liegt der Wasserverbrauch bei denen, die an eine fließende Wasserversorgung angeschlossen sind, pro Person und Tag im Westjordanland bei 73 Liter (in manchen Regionen der Westbank jedoch erheblich weniger), während die israelische Bevölkerung in den Städten zwischen 100 und 230 Liter pro Person und Tag verbraucht. Der Wasserverbrauch in den israelischen Siedlungen des Westjordanlandes liegt erheblich darüber.

Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem waren Anfang 2014 133.000 Personen in 70 Gemeinden des Westjordanlandes nicht an das fließende Wasserversorgungssystem angeschlossen. 50.000 von ihnen leben im C-Gebiet. Zahlreiche weitere Palästinenser leben in Städten und Dörfern, die nur teilweise mit fließendem Wasser versorgt sind. Sie müssen Regenwasser sammeln, sich Wasser aus Quellen holen und es zu überhöhten Preisen von privaten Händlern kaufen. Am meisten davon betroffen sind die Regionen Nablus, Jenin und Hebron.

Die Beschädigung und Zerstörung von palästinensischer Wasserinfrastruktur durch die israelische Armee und israelische Siedler verstärkt die Probleme der Wasserver- und Abwasserentsorgung. Laut der Emergency Water and Sanitation-Hygiene Group (EWASH) zerstörte das israelische Militär zwischen 2009 und 2011 173 Wasser-, Abwasser- und Hygieneeinrichtungen darunter 57 Zisternen zum Sammeln von Regenwasser, 40 Brunnen, Bewässerungsgeräte sowie mindestens 20 Toiletten und Senkgruben.

Besonders kritisch ist die Situation im Gazastreifen. Nach Angaben des Palästinensischen Wasseramtes erfüllten 2015 nur 3,6% des Wassers dort die WHO-Standards für Trinkwasser mit verheerenden Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung. Nur 10% der Bevölkerung dort haben Ende 2016 Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser.

Durch die israelische Militäroperation "Gegossenes Blei" von Dezember 2008 bis Januar 2009 wurden dort 30 Kilometer Wasserleitungen, 11 Brunnen, 6.000 Wassertanks und die Kläranlage in Gaza-Stadt zerstört, was dazu führte, dass unbehandelte Abwässer mehr als einen Quadratkilometer Ackerland und bewohntes Gebieten überschwemmten und die dortigen Ernten ruinierten. Die israelische Militäroperation "Protective Edge" im Juli/August 2014 hat die Situation noch einmal verschärft. Die Palästinensische Wasserbehörde und die Kommunale Wasserversorgungsgesellschaft der Küstenregion bezifferte die Kosten für die Instandsetzung der in dieser Zeit entstandenen Schäden an der Wasserinfrastruktur im Gazastreifen auf ungefähr 34 Milllionen US Dollar. Ende Februar 2016 waren immer noch 100.000 Bewohner das Gazastreifens von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Durch die israelische Abriegelung des Gazastreifens seit Juni 2007 ist es schwierig, Geräte und Material für die Wiederinstandsetzung der Wasserinfrastruktur in den Küstenstreifen zu bekommen.

Zwei Jungen beim Abfüllen von Wasserkanistern im Flüchtlingslager Aida in Bethlehem
Versorgung mit Wasser im Flüchtlingslager Aida in Bethlehem © Petra Schöning

Ökologische Probleme

Einen umfassenden Überblick über die Umweltsituation in den palästinensischen Gebieten liefert der ARIJ-Bericht "Status of the Environment in the State of Palestine - 2015".

Entwaldung

Wälder bedecken ungefähr 3,94% des Westjordanlandes und 0,55% des Gazastreifens. Seit Beginn der israelischen Besatzung 1967 wurden große Teile dieser Wälder von Israel konfisziert, zu militärischen Sperrgebieten und Militärstützpunkten erklärt und/oder für den Bau von israelischen Siedlungen und der Trennungsanlage gerodet. Waldgebiete wurden auch von palästinensischer Seite abgeholzt zur Gewinnung von Brennstoff (entweder als Biomasse oder für die Kohleproduktion). Hierdurch und durch Wind, Schnee, Bodenerosion, Alterung und Feuer haben sich die Waldgebiete in den palästinensischen Gebieten extrem verringert mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf das Klima.

Bodenerosion

Bodenerosion ist vorherrschend in Regionen des intensiven Ackerbaus und in den bergigen Regionen des Westjordanlandes, wo steile Hänge starken Regenfällen und Überweidung durch Ziegen und Schafe ausgesetzt sind. Ohne Terrassierung können die Böden leicht abgetragen werden. Ackerflächen verfallen auch, weil palästinensische Bauern wegen der vom israelischen Staat auferlegten Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit ihre Felder nicht erreichen und bearbeiten können.

Desertifikation

In der östlichen Hangregion des Westjordanlandes und dem Gazastreifen ist Wüstenbildung ein Problem. Diese Gebiete sind der Überweidung und Überverstädterung ausgesetzt, die Temperaturen sind hoch und die Menge des Niederschlags ist gering. Das macht die Gebiete anfällig für klimatische Veränderungen.

Militärisches Gerät, Munition und israelische Militärstützpunkte

Auch die bewaffneten Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten und israelische Truppenübungen in den palästinensischen Gebieten haben zur Zerstörung der Umwelt und Landwirtschaft in den palästinensischen Gebieten geführt. Es gibt Blindgänger und Landminen in der Landschaft, die die Umwelt und die Menschen gefährden. Nach Truppenübungen in den palästinensischen Gebieten werden Blindgänger von der israelischen Armee nicht eingesammelt. Ebenfalls gefährdet ausrangiertes militärisches Gerät die Umwelt. Auslaufender Treibstoff und Öl in den israelischen Militärstützpunkten verunreinigen den Boden und das Grundwasser.

Abnehmende biologische Vielfalt

Die palästinensischen Gebiete werden als eines der weltweiten Krisengebiete in Bezug auf Biodiversität betrachtet. U.a. durch unkontrollierte Städtebauentwicklung, die Ausdehnung von israelischen Siedlungen, Übererntung von wilden Pflanzenarten, Landzerstörung und ein hohes Bevölkerungswachstum nimmt die biologische Vielfalt in den palästinensischen Gebieten ab. Pflanzenarten werden in wachsendem Maße selten oder sehr selten (das Applied Research Institute - Jerusalem (ARIJ) spricht von 370 Arten) und sind gefährdet, vollständig zu verschwinden.

Wasser

Neben der ungerechten Verteilung der Wasserressourcen in den palästinensischen Gebieten gibt es das Problem, dass dem Boden mehr Grundwasser entnommen wird als sich wieder anreichert. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel in den palästinensischen Gebieten rapide. Auch aus dem Jordan wird übermäßig Wasser entnommen. Dadurch hat sich der Wasserdurchlauf dramatisch reduziert.

Im Gazastreifen sind 96 % der Wasservorräte verschmutzt und für den menschlichen Genuss nicht geeignet. Die einzige Wasserquelle des Gazastreifens – der Küstenaquifer – reicht zur Deckung des Bedarfs der Bevölkerung nicht aus und wird durch übermäßige Nutzung zunehmend erschöpft. Ein weiterer Teil ist durch Abwässer und Seewasser verunreinigt.

Abwasser

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem wird 90-95 Prozent des von Palästinensern produzierten Abwassers im Westjordanland überhaupt nicht geklärt, obwohl es häufig giftige und gesundheitsschädigende Bestandteile enthält. Nur die größten städtischen Gebiete im Westjordanland sind an ein Abwassersystem angeschlossen, im restlichen Gebiet nur 56 Gemeinden. 513 Gemeinden benutzen Jauchegruben zur Entsorgung ihres Abwassers, von wo aus es ins Grundwasser sickert. Im gesamten Westjordanland gibt es nur eine funktionierende Abwasseraufbereitungsanlage in Al Bireh im Regierungsbezirk Ramallah, die nur 7% der palästinensischen Abwässer, die im Westjordanland produziert werden, aufbereitet.

Auch das Abwasser der israelischen Siedlungen belastet die Umwelt im Westjordanland. Laut B’Tselem waren im Juni 2009 nur 81 der 121 von Israel anerkannten israelischen Siedlungen an ein Abwasserentsorgungssystem angeschlossen. Diese Anlagen benutzen Verfahren, die weniger fortschrittlich sind als die, die in Israel eingesetzt werden. Vielen von ihnen sind nur für eine geringe Bevölkerungszahl vorgesehen, leiden unter Betriebsausfällen und werden zeitweilig vollständig abgestellt. Die restlichen Siedlungen leiten ihre Abwässer ungeklärt in die Umwelt.

Im Gazastreifen gab es vor der israelischen Militäroperation „Gegossenes Blei“ für 61% der Bevölkerung ein Abwasserentsorgungssystem, das aber nur mittelmäßig arbeitet.

Abfall

Wilde Mülldeponien, auf denen auch giftige Abfälle abgeladen werden, stellen eine ernste Gefahr für Umwelt und Menschen in den palästinensischen Gebieten dar. Allein im Regierungsbezirk Ramallah/El Bireh gibt es ungefähr 40 solcher Halden.

Der Bau der Trennungsanlage im Westjordanland hat zahlreiche negative Auswirkungen auf die Abfall- und Abwasserentsorgung der palästinensischen Bevölkerung dort.

Sozialraum

Gesperrte Straße in der Nahe von Birzeit
Gesperrte Straße in der Nähe von Birzeit © Petra Schöning

Fast neunzig bemannte militärische Kontrollpunkte, die meisten davon nicht als Grenzposten zwischen Israel und Palästina, und darüber hinaus zahlreiche mobile, spontane Kontrollpunkte ("flying checkpoints", von Juli 2011 bis Juni 2012 im Durchschnitt ungefähr 410 pro Monat), Hunderte weitere Hindernisse wie Betonblöcke, Erdwälle, gesperrte Straßen sowie der Bau des Zauns/ der Mauer (zu 85% auf palästinensischem Gebiet mit dem Ergebnis, dass ca. 9,4% des palästinensischen Gebietes vom Westjordanland inkl. Ost-Jerusalem abgetrennt werden) be- und teilweise verhindern den Zugang der Palästinenser zu ihrem Grund und Boden, ihren Arbeitsplätzen, Schulen, Universitäten, Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen.

Im Juli 2014 waren 62% (d.h. ca. 441 km) der Trennungsanlage fertig gestellt, 10% (ca. 71 km) im Bau und 28% (ca. 199 km) noch nicht gebaut. Seit längerer Zeit gibt es nur eine geringe Bautätigkeit u.a. aus finanziellen und juristischen Gründen und wegen mangelnden Drucks von Seiten der israelischen Gesellschaft.

In den dicht besiedelten Gebieten besteht die Anlage aus einer bis zu 9 Meter hohen Betonmauer mit Wachtürmen (auf ca. 61 km), in den weniger dicht besiedelten Gebieten wurde ein elektronischer Zaun mit Pfaden und Gräben auf beiden Seiten errichtet.

Besonders schwierig ist die Lage in den Gebieten des Westjordanlandes, die zwischen der Grünen Linie und der Trennungsanlage auf der „israelischen Seite“ liegen und durch den Zaun oder die Mauer vom Rest des Westjordanlandes abgetrennt sind. Nur durch Tore oder Kontrollpunkte, die häufig nur wenige Stunden am Tag geöffnet sind, können sie ihre Arbeitsplätze, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Lebensmittelgeschäfte, Freunde und Familienangehörige erreichen. Palästinenser ab 16 Jahren brauchen eine Erlaubnis, um sich dort weiterhin aufhalten zu können. Ärzte oder Familienangehörige können die Bewohner dieser Gebiete nur mit einer Erlaubnis besuchen.

Diese Zonen gehören wie die Siedlerstraßen, Naturschutzgebiete, die israelischen Siedlungen, militärischen Einrichtungen und sonstigen sicherheitsrelevanten Gegenden zum C-Gebiet. Insgesamt macht es ca. 60% des Westjordanlandes aus. Die etwa 300.000 Menschen dort leben unter sehr schwierigen Bedingungen, denn Israel ist neben der inneren Sicherheit insbesondere für die Planungs- und Baukontrolle zuständig. In 70% des C-Gebiets ist es den Palästinensern grundsätzlich untersagt zu bauen und in weiteren 29% ist die Bautätigkeit für Palästinenser stark eingeschränkt. Nur in 1% des C-Gebiets erlaubt die israelische Zivilverwaltung den Palästinensern die Bebauung, jedoch ist dieses Gebiet so gut wie voll ausgebaut. Baugenehmigungen - die nicht nur Gebäude, sondern z.B. auch Wasserleitungen betreffen - werden so gut wie nicht erteilt. Bauen Palästinenser trotzdem auf ihrem eigenen Grund und Boden, besteht die Gefahr, dass diese Strukturen von der israelischen Armee abgerissen werden. Im Jahr 2016 wurden laut B'Tselem 274 Wohneinheiten wegen mangelnder Bauerlaubnis zerstört und 1.134 Personen, darunter 591 Minderjährige, obdachlos. Die Zahl der zerstörten Wohneinheiten war bereits im Juni 2016 höher als 2015 für das gesamte Jahr. Von der Vertreibung bedroht sind u.a. die Bewohner des Ortes Susiya südlich von Hebron. 86 Strukturen der Kommune haben Abrissverfügungen, darunter 32 Wohnzelte und -hütten.

Auch Palästinenser, die im Westjordanland wohnen und landwirtschaftliche Flächen jenseits der Trennungsanlage haben, sind in einer schwierigen Situation. Sie brauchen einen Passierschein, um ihr Land erreichen zu können. Aus Sicherheitsgründen oder weil sie keine Verbindung zum Land nachweisen können, wir ihnen dieser häufig vorenthalten. Die, die eine Erlaubnis bekommen, können in der Regel nicht auf ihren Feldern bleiben, solange sie wollen oder dies notwendig ist, sondern müssen vor Schließung des Tores am Abend wieder nach Hause zurückkehren. Nur wenige, meistens sind dies Hirten, haben eine Erlaubnis, über Nacht auf der anderen Seite der Trennungsanlage zu bleiben.

Außerdem gibt es im Westjordanland nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Peace Now 131 „offizielle“ israelische Siedlungen, in denen 2016  mehr als 385.000 Siedler leben, und fast 100 sogenannte „Außenposten“ mit ca. 4.000 Einwohnern, die jedoch nach internationalem Recht alle illegal sind. Hinzu kommen noch etwa 200.000 Siedler in zwölf Siedlungen in Ost-Jerusalem. Die drei größten Siedlungen sind Modiin Ilit mit mehr als 58.000 Einwohnern, Beitar Ilit mit mehr als 44.000 Einwohnern und Ma'ale Adumim mit mehr als 40.000 Einwohnern. Seit Beginn des Osloer Friedensprozesses Ende 1993 hat sich gemäß der israelischen Friedensorganisation Peace Now die Zahl der Siedler mehr als verdreifacht.  

Die Konfiszierung und Inbesitznahme von Land, Wasser und anderer Ressourcen zum Vorteil israelischer Siedler wirken sich verheerend auf die fundamentalen Rechte der Palästinenser aus. Besonders schwierig ist die Situation im Jordantal.

Video: Die Siedler der Westbank - Leben in der doppelten Realität

Der Verkehr in Palästina stützt sich ausschließlich auf Kraftfahrzeuge. Straßen, die palästinensische Ortschaften verbinden, sind in der Besatzungszeit stark vernachlässigt worden und häufig in einem schlechten Zustand. Daneben gibt es moderne, gut ausgebaute Schnellstraßen im Westjordanland, die die israelischen Siedlungen untereinander und mit Israel verbinden, die vorrangig oder ausschließlich von Israelis benutzt werden dürfen. Bestimmte Straßen dürfen von Palästinensern noch nicht einmal überquert werden. Wenn Palästinenser an eine gesperrte Straße kommen, müssen sie das Auto oder den Bus, mit dem sie gekommen sind, verlassen, zu Fuß die Straße überqueren und sich dann für die Fortsetzung der Reise ein neues Fahrzeug suchen.

Der einzige Flughafen in Palästina, der Yasser Arafat International Airport im Gazastreifen, wurde, nachdem er Ende 1998 eröffnet worden war, nach Beginn der Zweiten Intifada von Israel geschlossen. Im Dezember 2001 und Januar 2002 riss die israelische Armee die Rollbahn des Flughafens auf.

Die größten Städte des Westjordanlandes sind Hebron, Nablus, Ramallah/Al-Bireh, Salfit, Tubas, Tulkarem, Qalqilya, Jenin, Yatta, Bethlehem, Beit Jala, Beit Sahour und Jericho. Im Gazastreifen sind die größten Städte Gaza-Stadt, Khan YounisRafah und Jabalyah. In Ost-Jerusalem leben ungefähr 300.000 Palästinenser. 

Beit Jala bei Sonnenuntergang
Beit Jala © Petra Schöning

Nationale Symbole

Alter Olivenbaum im Westjordanland © Petra Schöning
Alter Olivenbaum im Westjordanland © Petra Schöning

Olivenbäume sind ein zentrales Symbol palästinensischer Existenz. Der Olivenbaum, der ein sehr langes Leben haben kann, symbolisiert die Verbundenheit mit dem Land. Die Früchte - auch das aus ihnen gepresste Öl - sind seit Jahrtausenden ein Grundnahrungsmittel der Region. Das Öl wird übrigens auch zu einer berühmten Seife weiterverarbeitet.

Beduine aus dem Jordantal mit Kuffiye
Beduine aus dem Jordantal mit Kuffiye © Petra Schöning

Seit Jahrhunderten wird die Kuffiye (oder auch Hatta genannt), ein quadratisches, häufig schwarz-weißes oder rot-weißes Tuch, von arabischen Männern – insbesondere auf dem Land – als Schutz gegen Sonne und Staub getragen. Mit dem großen arabischen Aufstand gegen die Briten und Zionisten von 1936 bis 1939, der hauptsächlich von den Bauern getragen wurde, wurde ihre Tracht zum Symbol des bewaffneten Widerstands. An diese Tradition knüpften die palästinensischen Widerstandskämpfer in den 60er Jahren an. Als PLO-Vorsitzender war es für Yassir Arafat selbstverständlich, die Kuffiye zu tragen, und sie wurde sein Markenzeichen. Viele Fedayin trugen das Tuch dann nicht mehr als Kopfbedeckung, sondern um den Hals und zur Vermummung um den Kopf gewickelt. Auch außerhalb Palästinas wurde es zum Zeichen der Solidarität mit dem palästinensischen Volk.

Wappen der Palestinian National Authority: Tonyjeff
Wappen der Palestinian National Authority: Tonyjeff

Das Wappen der Palästinensischen Behörde zeigt die Farben der palästinensischen Flagge auf einem Schild, welcher vom Adler Saladins getragen wird. Es ist stark angelehnt an ägyptische Vorbilder.

Flagge Palästinas, Foto: Orionist
Flagge Palästinas, Foto Orionist

Die Fahne Palästinas ist schwarz, weiß, grün mit rotem Triangel am Flaggstock. Sie ist fast identisch mit der Fahne von Jordanien, denn ihren Ursprung hat sie in der Flagge der Arabischen Revolte von 1916 bis 1918 gegen die Osmanen. Bereits 1917 fand sie Verwendung in der arabischen Nationalbewegung. 1964 erklärte die PLO sie zur palästinensischen Nationalflagge. Die Farbe Schwarz steht für die arabisch-islamische Dynastie der Abbasiden, Weiß steht für die der Omayyaden, Grün für die der Fatimiden. Rot ist u.a. die Farbe der Haschemiten.

Die Nationalhymne heißt „Biladi“ (Mein Land) und wurde vom palästinensischen Nationalrat 1996 eingeführt.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Mai 2017 aktualisiert.

Die Autorin

Petra Schöning, M.A., Studium der Politikwissenschaft, Neueren Geschichte und Soziologie mit Schwerpunkt Naher Osten, seit 1995 Mitglied bei Amnesty International in der Koordinationsgruppe Israel und besetzte Gebiete/ Palästina, 27-monatige Tätigkeit in Jerusalem als Zivile Friedensfachkraft, seit 2006 freiberufliche Trainerin und Beraterin mit dem Schwerpunkt Israel/ Palästina.

Literaturhinweise

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