Black Nazarene procession and idolatry in Manila Philippines, CC BY-SA 2.0, wikipedia
Alphabetisierte Erwachsene
95 % (2014)
Bedeutende Religionen
Römisch-katholisch & protestantisch (91 %)
Städtische Bevölkerung
45 % (2016)
Lebenserwartung (w/m)
72 / 65,3 (2015)
Gender Inequality Index
Rang 97 von 160 (2017)
Anzahl der Geburten
3.06 (2016)
Kindersterblichkeit
42 / 1000 Lebendgeburten (2016)

Gibt es eine philippinische Kultur?

Gibt es eine philippinische Kultur in einem Land, dessen Name - im Kontrast zu seinen südostasiatischen Nachbarn - schon kolonialen Ursprungs ist? Worin könnte das nationale Band bestehen, das die über 7.000 Inseln mit ihren verschiedenen Völkern und unterschiedlichen Sprachen, religiösen Praktiken und Essgewohnheiten eint?

Die Verschmelzung chinesischer, arabischer, indischer, spanischer und US-amerikanischer Einflüsse während ihrer wechselvollen Geschichte hat die Filipinos gelehrt, die Vielfalt als Bereicherung ihrer Lebensmuster zu schätzen und sich im Rhythmus rascher oder langsamer sozialer Veränderungen zu wiegen. Zu Recht hat man ihre (Widerstands-)Kraft mit der eines Bambus verglichen. So sind denn Filipinos geblieben, was sie stets waren: außergewöhnlich anpassungsfähige Lebenskünstler, die die positiven und negativen Elemente ihrer Geschichte trotz großer Miseren mit Lebenslust, Witz und Gelassenheit meistern.

Bildung

Graduation Day © Nica Serrano
Kindergarten Graduation
Kindergarten ©JP Sumagui

Ausbildung bedeutet viel für Filipinos; sie ermöglicht einen besseren Job, besonders im Ausland, oder einen Weg aus der Armut. Das Kultusministerium (Department of Education) beschreibt den geschichtlichen Hintergrund des philippinischen Bildungssystems. Das Land gehört weltweit zu den Ländern mit der geringsten Analphabetenrate.

Das Bildungssystem ist nach dem US-amerikanischen Schulsystem konzipiert und besteht aus staatlichen Primar-und Sekundarschulen und fast ausschließlich privaten oder kirchlich betriebenen Colleges und Universitäten. Diese werden in der Regel von Kindern einkommensstarker Schichten besucht und haben eine hohe Ausbildungsqualität. Aber manche solcher privaten Institutionen genießen einen schlechten Ruf und gelten als "Diplommühlen".

Das Bildungssystem gliedert sich in drei Bereiche:

  • Primar- beziehungsweise Grundschule (6 Jahre)
  • Highschool (Sekundarstufe 4 Jahre)
  • Hochschulen (Colleges und Universitäten 4-5 Jahre)

Darüber hinaus existiert eine Vielzahl von technischen Ausbildungsstätten (vocational training schools) für Studenten/innen, die es sich aus unterschiedlichen Gründen nicht leisten können, ein College oder eine Universität zu besuchen. In jüngerer Zeit sind landesweit vor allem Ausbildungszentren für Krankenschwestern oder anderes (medizinisches) Pflegepersonal wie Pilze nach einem warmen Regenguss aus dem Boden geschossen. Von einem erfolgreichen Abschluss solcher Einrichtungen erhoffen sich die Absolventen/innen einen lukrativen Job im Ausland. Im Frühjahr 2013 wurde in Manila und Berlin ein bilaterales Abkommen über die Rekrutierung philippinischer Fachkräfte in Deutschland unterzeichnet, das u.a. den Einsatz von 500 philippinischen Krankenschwestern in deutschen Pflegeeinrichtungen und Spitälern vorsieht.

Zu den namhaften Colleges/Universitäten des Landes zählen:

Migration, transnationale Familien, OFWs, Balikbayan

Pinay Nurses © Pia Jazmin Hardillo
Pinay Nurses © Pia Jazmin Hardillo
Migrant Pinays © MLHardillo
Migrant Pinays © MLHardillo

Die ersten Ankömmlinge aus dem Reich der über 7.000 Inseln im Südchinesischen bzw. Westphilippinischen Meer waren, was zumindest die Bundesrepublik betrifft, medizinisches Personal. Familien wurden getrennt und deren Angehörige sahen sich auf einmal in sämtliche Winkel der Erde verstreut. Sie alle trieb es in die weite Welt, um durch höhere Verdienstmöglichkeiten als in der Heimat zur Verbesserung der Lebensbedingungen für sich und die Daheimgebliebenen beizutragen. Bald machte das Zauberwort "transnational families" die Runde. Gemeint sind damit Mütter, die als Nannies oder Haushaltshilfen in Europa arbeiten, Väter, die international zur See fahren, Brüder, die in Musikbands durch Japan tingeln, sowie Schwestern und Tanten, die in Taiwans Fabriken schuften oder in Krankenhäusern und Altenheimen in den USA Dienst verrichten.

Auffällig ist, dass es sich bei diesem Personenkreis um Menschen handelt, die in den Philippinen eine überdurchschnittliche (Schul-)Ausbildung erhielten und oft in den Branchen (z.B. Computerindustrie, Schulwesen), in denen sie zuvor tätig waren, herausgehobene Positionen innehatten. So ist es beispielsweise nichts Besonderes, an Roms Bahnhof Termini in belebten sonntäglichen Morgenstunden Filipinos anzutreffen, die früher als Schulleiter oder Programmierer in den Städten und Provinzen gearbeitet haben.

Zahlreiche philippinische Migranten/innen und Kontraktarbeiter/innen, die in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens ihr Geld verdienen, arbeiten unter prekären Bedingungen und sind häufig sexuellen Belästigungen und/oder offener Gewalt ausgesetzt. Es gab und gibt immer wieder Fälle, da Filipinas, die in Notwehr handelten und den/die Peiniger/in töteten, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.

Im positiven Falle genießen die "Balikbayan", die zwischenzeitlichen Rückkehrer/innen sowie die nach langen Lebens- und Arbeitsjahren im Ausland in ihre Heimat zurückkehrenden Filipinos & Filipinas, einen Lebensabend in relativem Wohlstand - im Kreis ihrer eigenen und erweiterten (Groß-)Familien.

Weitere empfehlenswerte Quellen über Migration und Migranten/innen sind:

Gender oder The Super Filipinas

Conference on Migration and Development © Philippine Women's Forum/Archiv
Conference on Migration and Development © Philippine Women's Forum/Archiv
Babaylan © Philippine Women's Forum/Archiv
Babaylan © Philippine Women's Forum/Archiv

Die Philippinen werden häufig als eine Nation starker Frauen beschrieben, die direkt oder mittelbar das Familienleben bestimmen, Geschäfte managen, Regierungsbehörden leiten oder Großplantagen führen. Wenngleich sich die Frauen im Milieu einer männlich dominierten post-kolonialen asiatischen katholischen Gesellschaft definieren (müssen), leben Filipinas in einer stark von Gemeinsinn geprägten Kultur, in der die (erweiterte) Familie höchste soziale Priorität genießt.

Sich im Rahmen starker hierarchischer Strukturen, ausgeprägter Klassengegensätze und schichtenspezifischer Unterschiede, religiöser Rechtfertigungen und einer sich den Herausforderungen der Globalisierung stellenden Nation durchzusetzen und für Würde und Respekt zu streiten, bleibt für Filipinas eine ständige Herausforderung. Im Vergleich zu ihren südostasiatischen Schwestern genießen sie allerdings - laut Wikipedia - einen höheren Grad an rechtlicher Gleichstellung.

EXKURS - Rückbesinnung auf Gabriela S.

Im April 1984, knapp ein Jahr nach der Ermordung von Benigno "Ninoy" Aquino, des Vaters des seit Sommer 2010 amtierenden Präsidenten "Noynoy", trotzten über 10.000 Frauen den Schergen des Marcos-Regimes, zogen auf Manilas Straßen und demonstrierten für ihre Rechte. Damals waren es 42 Frauenorganisationen, die sich landesweit zu einem politischen Bündnis zusammengeschlossen hatten, das seitdem folgende zentrale Anliegen auf seine Fahnen schrieb:

  • Kampf gegen ausländische Einmischung
  • Kampf gegen Landlosigkeit
  • Kampf gegen politische Unterdrückung
  • Kampf gegen Prostitution und Frauenhandel
  • Kampf gegen Militarismus
  • Kampf gegen patriarchalische Strukturen in der Gesellschaft 

Heute gehören diesem Netzwerk über 250 Organisationen und Institutionen an, deren Mitglieder - vorrangig (Fach-)Arbeiterinnen, Bäuerinnen, Gewerkschafterinnen, Hausfrauen, städtische Arme, Akademikerinnen, Studentinnen und Nonnen - einen landesweit gewichtigen politischen Block bilden und deren Stimmen unüberhörbar sind.

Da Filipinos Akronyme überaus schätzen und diese rasch gefunden sind, erstaunte es allenfalls verblüffte oder ignorante Männer und Genossen, als bei der Namensgebung dieses politisch militanten Netzwerks engagierter Frauenrechtlerinnen und Feministinnen ausgerechnet eine Person Pate stand, die vor über 250 Jahren das Licht der Welt erblickt hatte - die am 19. März 1731 in Santa, einer Ortschaft in der Provinz Ilocos Sur, geborene Maria Josefa Gabriela Carino Silang, kurz Gabriela Silang. In Erinnerung an und Rückbesinnung auf diese mutige Frau gab sich das 1984 gegründete Frauennetzwerk den Namen GABRIELA. Das Wort steht für General Assembly Binding Women for Reforms, Integrity, Equality, Leadership, and Action und bedeutet - frei übersetzt - so viel wie Generalversammlung von Frauen, verbunden im Geiste von Reformen, Integrität, Gleichberechtigung, Führung und Tatkraft.

Historiker/innen betrachten Gabriela Silang als erste Filipina, die während der spanischen Kolonialherrschaft eine Revolte gegen die verhassten Besatzer anführte. Als aktives Mitglied der Aufständischen unter Diego Silang, ihrem Ehemann, übernahm sie nach dessen Tod vier Monate lang die Führung der Gruppe, die für die Befreiung der Provinz Ilocos von der spanischen Gewaltherrschaft zu den Waffen gegriffen hatte, bis man auch sie gefangen nahm und die gerade mal 32-Jährige am 20. September 1763 in der Stadt Vigan hängte. Gabriela Silang galt als ebenso furchtlose wie kühne Frau, die auch die Kunst des Reitens beherrschte.

Im Jahre 2003 gründete GABRIELA die GABRIELA Women's Party, die ein Jahr später bei den Parlamentswahlen aus dem Stegreif landesweit knapp 465.000 Stimmen (3,65 Prozent) auf sich vereinigen und mit Liza Maza einen Sitz im Kongress erringen konnte. 2010 erhielt die Partei über eine Million Stimmen (3,31 Prozent) und bis 2013 stellen ihre Mitglieder Luzviminda C. Ilagan und Emerenciana "Emmi" A. De Jesus zwei Kongressabgeordnete. Auch nach den Mai-Wahlen 2013 ist GABRIELA im Unterhaus mit eigenen Abgeordneten präsent.

In den USA unterhält GABRIELA mit GABRIELA Network (GABNet) einen Ableger beziehungsweise ein Schwesternnetzwerk, das sich in den vergangenen Jahren vor allem für die Wahrung der Menschenrechte engagierte und die zahlreichen außergerichtlichen Hinrichtungen während der Amtszeit von Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo (2001-2010) in mehreren US-amerikanischen Großstädten anprangerte.

Role and Status sowie Status und Rolle der Filipinas vermitteln einen tieferen Einblick in die Vorstellungs- und Lebenswelt der Filipinas.

Der UN High Commissioner for Refugees hilft Opfern sexueller Gewalt, während sich Writings einem freudvollen Thema, dem Schreiben philippinischer Autorinnen, widmet.

Gesundheit

Allgemeine und traditionelle Medizin

Allgemeine Informationen über den Gesundheitsstatus der Filipinos, entsprechende Gesetze und öffentliche Verlautbarungen finden Sie auf der Homepage des Department of Health (DOH). Über die gesundheitliche Versorgung informiert die Krankenversicherung, während das "Handbuch Philippinen" (s. Lesetipps) gleich mehrere Beiträge dem Thema widmet.

Hier finden Sie eine Liste der Krankheiten, unter denen Filipinos am meisten zu leiden haben. Über all die Jahre hinweg gibt es eine beklemmende Konstante: Sieben von zehn Filipinos sehen bis zu ihrem Tod keinen Arzt. Die meisten können sich das finanziell nicht leisten. Und die anderen greifen lieber auf ihre vertrauten "hilot", die als traditionelle Heiler Faith Healers meist großes Ansehen in den ländlichen Kommunen genießen, oder Alternative Healing -Techniken zurück. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die zutiefst gläubigen, religiösen, doch gleichzeitig auch abergläubischen Filipinos keinen Widerspruch darin sehen, unerklärliche (Krankheits-)Phänomene als von äußeren Medien, gar "kulam" (Hexenmacht) gesteuert zu betrachten, zu deren Abwehr sich schützende "anting-anting" empfehlen.

Bereits im Jahre 1997 verabschiedete die Regierung das Gesetz zur Gründung des Philippine Institute of Traditional and Alternative Health Care, den Traditional and Alternative Medicine Act of 1997 TAMA. Darin heißt es u.a.:

"It is hereby declared the policy of the State to improve the quality and delivery of health care services to the Filipino people through the development of traditional and alternative health care and its integration into the national health care delivery system. It shall also be the policy of the State to seek a legally workable basis by which indigenous societies would own their knowledge of traditional medicine. When such knowledge is used by outsiders, the indigenous societies can require the permitted users to acknowledge its source and can demand a share of any financial return that may come from its authorized commercial use."

PITAHC propagiert zudem die Anwendung wissenschaftlich fundierter Kräutermedizin, was zahlreiche im Gesundheitswesen tätige NGOs wie Hain bereits seit Langem gemeinsam mit dem Einsatz von Akupunktur, Akupressur und chinesischer Massage praktizieren.

Gesundheitsversorgung

Im philippinischen Gesundheitssystem arbeiten etwa 90.000 registrierte Ärzte/innen, deren Zahl sich jedoch deshalb zunehmend verringert, weil sie (notfalls als Krankenpfleger) im Ausland Arbeit suchen und sich dort niederlassen wollen. Es gibt landesweit zirka 2.400 Krankenhäuser, von denen etwa 1.700 in öffentlichem Besitz sind. Während zwar über 60 Prozent der Bevölkerung über die Philippine Health Insurance Corporation gesetzlich krankenversichert sind (wobei lediglich die Basisversorgung gewährleistet ist), hat jedoch kaum die Hälfte der Bevölkerung Zugang zur Gesundheitsversorgung.

In den vergangenen Jahren war lediglich ein Prozent des nationalen Haushalts für das öffentliche Gesundheitssystem vorgesehen - auch 2018 wurde an der Finanzierung nichts geändert, die Haushaltsposten für Bildung und Gesundheit sollen sogar gesenkt werden. Die staatlichen Krankenhäuser sind meist unterfinanziert und in einem Zustand, der viel zu wünschen übrig lässt. Wohlhabende und Ausländer bevorzugen gleich die privat gemanagten und technisch gut ausgestatteten Krankenhäuser. Medikamente und Behandlungskosten müssen von Patienten selbst bezahlt werden, Anzahlungen vor Beginn der Behandlung sind üblich. Nicht selten kommt es vor, dass schwerkranke Patienten buchstäblich vor den Krankenhaustoren sterben, weil sie eine solche Auflage nicht erfüllen können.

Versicherungssystem & HIV/AIDS

Seit 1947 existiert das Social Security System, das gegenwärtig etwa 27 Millionen Mitglieder zählt, bei weitem aber dem Löwenanteil der Bevölkerung keinen ausreichenden Schutz garantiert.

Verhütung(smethoden) und HIV/AIDS sind überaus heikle Themen in einer Gesellschaft, die wesentlich römisch-katholischen Glaubens ist und deren Kirchenhierarchie angesichts religiöser Vorbehalte und aufgrund ihrer sehr konservativen Grundhaltung den Gebrauch von Kondomen und anderen Verhütungsmitteln untersagt - und deren Priester dagegen harsche Worte von den Kanzeln predigen. Allerdings gibt es Handlungsansätze im AIDS Surveillance and Education Project in the Philippines, um im Sinne einer HIV/AIDS-Prävention - auch im Hinterland - zu wirken.

In den vergangenen Jahren erregten zwei Meldungen besonderes Aufsehen. Zum einen kommt es immer häufiger vor, dass Menschen - darunter auch schon Kinder und Jugendliche - Organe (hauptsächlich Nieren) an wohlhabende Filipinos und/oder begüterte Ausländer/innen verkaufen und selbst in solchen trostlosen Fällen betrogen werden. Andererseits sind über 40 Gesundheitsarbeiter/innen und Ärzte Health Workers Abducted von staatlichen Sicherheitskräften unter dem fadenscheinigen Vorwand festgenommen und inhaftiert worden, weil man sie für Sympathisanten/innen der Kommunistischen Partei (CPP) und ihrer Guerilla, der Neuen Volksarmee, hielt.

Bereits während der Marcos-Diktatur war medizinisches Personal wiederholt ins Visier staatlicher Überwachung und Repression geraten, wenn es sich im Sinne gemeinwesenorientierter Basismedizin für die Belange der Schwachen, Armen und Marginalisierten in der Gesellschaft einsetzte. Mehrere Ärzte mussten dieses Engagement mit ihrem Leben bezahlen.

Religion

Karwoche © Kit Palad
Karwoche © Kit Palad
Muslim Pinay © Rainer Werning
Muslim Pinay © Rainer Werning

Während der annähernd 350-jährigen spanischen Kolonialzeit verwandelte sich das Land in die Hochburg des Katholizismus in Asien. Etwa 84 Prozent der Filipinos sind römisch-katholischen Glaubens, neun Prozent gehören protestantischen Kirchen an.

Muslim Filipinos machen etwa fünf Prozent der Bevölkerung aus und leben hauptsächlich im Süden. Außerdem gibt es Buddhisten und - unter den verschiedenen Bergvölkern - Anhänger von Naturreligionen.

Ausländischen Besuchern bleiben die Kirchen im Zuckerbäckerstil im Gedächtnis haften. Sie gehören der Iglesiya ni Cristo, die 1914 von Felix Manalo gegründet worden ist. Eine andere, aus Protest gegen den spanischen Katholizismus und die Dominanz des Vatikan aus der Taufe gehobene Glaubensgemeinde stellt die schon im Jahre 1902 von Gregorio Aglipay und Isabelo delos Reyes geschaffene Iglesiya Filipina Indepedente dar. Ihr Gottesdienst wird in den jeweiligen Regionalsprachen abgehalten, ihre Priester dürfen heiraten.

Starken Zulauf erhalten in jüngster Zeit so genannte charismatische und evangelikale Bewegungen wie die Born Again Christians und El Shaddai, an deren Spitze sich redegewandte Prediger gesetzt haben. Da ihre Mitglieder ein beträchtliches Wählerpotenzial darstellen, werden diese religiösen Gruppierungen gern von Politikern umworben.

Volksfrömmigkeit (der bekannteste zeitgenössische Autor des Landes, der im Dezember 2014 90 Jahre alt gewordene Francisco Sionil José, spricht indes lieber von "Aberglauben") spiegelt sich allerorten auch im Alltag. Filipinos bekreuzigen sich, wenn immer sie an einer Kirche vorbeifahren. Jeepneys werden mit kleinen Altären und Bildnissen der Heiligen Jungfrau Maria geschmückt. Selbst Läden ziert oft eine Jesuskind-Statue, umhängt mit Sampaguita, der jasminähnlichen Nationalblume, und Bonbons Sto. Nino gilt schließlich auch als Patron guter Geschäfte. Und: Wer will die nicht? Einmal mehr offenbarte sich all' das - Religiosität, Devotionalienhandel und Aberglauben - in einer fulminanten Mischung anlässlich des Mitte Januar 2015 erfolgten Besuchs von Papst Franziskus auf dem Archipel. Bei seinem unter freiem Himmel zelebrierten Abschlussgottesdienst sollen zwischen sechs und sieben Millionen Menschen zugegen gewesen sein - ein in dieser Hinsicht schwerlich zu überbietender Rekord!

Wann und wenn immer Sie Zeit haben, sollten Sie unbedingt - meist vollbesuchte - Kirchen besuchen und sich selbst ein Bild über die Religiosität der Filipinos verschaffen. Natürlich werden Sie dabei auch unzähligen Devotionalienhändlern/innen begegnen, die ihre mitunter in schrillen Farben gehaltenen Heiligen, Seligen und anderen Außergewöhnlichen feilbieten; mit Glauben allein vermögen auch sie nicht ihr/en Leben(sunterhalt) zu bestreiten. Filipinos wahren auch weltweit online mit ihren Lieblingsheiligen den Kontakt.

Weitere Ressourcen über Religion und Glauben(svorstellungen) bieten folgende Links:

Kultur, Kunst, Knigge

Mano po! © ML Hardillo
Mano po! © ML Hardillo

Kunst & Kultur

Eine Liste zeitgenössischer philippinischer Künstler/innen hat die Kulay Diwa Gallery erstellt. Wichtige Links zum Kunst- und Kulturgeschehen im Lande sind u.a.:

Umgangsformen & Werte 

Ein Kind hört das Wort "Mano" - und was tut es? Es ergreift die Hand eines Erwachsenen und führt sie zur Stirn. Jedes Kind lernt von früh auf diese ehrerbietende Begrüßung älterer Menschen, besonders im engsten Familien- und Verwandtschaftskreis. Die Alten zu achten, gilt als erste Tugend, die ein Kind mit seiner Muttermilch einsaugt. Sodann lernt es, die älteren Geschwister und ältere Menschen in der Nachbarschaft angemessen anzureden. Vater und Mutter zu ehren, ist oberstes Gebot in der philippinischen Gesellschaft. Eine Schandtat zu begehen, zieht unweigerlich die gesamte (erweiterte) Familie in Mitleidenschaft.

Utang na loob (Dankbarkeitsschuld) durchdringt sämtliche Poren sozialer Beziehungen. Jemand, dem man einen Gefallen getan hat, ist sich darüber im Klaren, dass er/sie eine moralische Schuld eingegangen ist, die irgendwann beglichen werden muss.

Filipinos/Filipinas sind gruppenorientiert. Ihre Beziehungen in Gruppen (von Freunden) prägen das Leben. Sie suchen Rat und Trost in der Gruppe, in der auch Einzelerfolge geteilt werden. Wer erfolgreich, doch arm an Freunden ist, gilt als bedauernswerte, unglückliche Kreatur.

Philippinische Gastfreundschaft ist in besonderem Maße hervorgehoben und gewürdigt worden. Häufig, und daran hat sich bis heute nichts geändert, grenzt diese Gastfreundschaft an Masochismus. Da stellen Fiipinos wie selbstverständlich ihr einziges Bett Gästen zur Verfügung und setzen alle Hebel in Bewegung, um diesen den bestmöglichen Aufenthalt zu bescheren.

Pasalubong (Mitbringsel) für Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn bilden ein Stück sozialer Anstandsregel - egal, ob man das gern und aus reiner Freude oder aus Pflichtgefühl tut.

Zwischenmenschliche Verhältnisse werden von "hiya" geprägt - eine Mischung aus Anstand, Verlegenheit und Scham. Ein "anständiger" Filipino bemüht sich um einen nicht konfrontativen, konfliktfreien und möglichst konsensualen Umgang(sstil) mit anderen. Kritik wird persönlich genommen. Fingerspitzengefühl ist deshalb auf persönlicher Ebene ebenso notwendig wie in geschäftlichen Belangen. Und da gilt vor allem: Übung macht den Meister!

Film und Literatur

Über die Entwicklung des Filmgeschehens und der Filmindustrie im Lande informieren die NCCA, die Film Academy of the Philippines und der Inquirer-Artikel "Filipino cinema". Einer der herausragenden Filmemacher der Philippinen war der im Jahre 1991 tödlich verunglückte Regisseur Lino Brocka, dessen Filme gegen Ende der Marcos-Diktatur Mitte der 1980er Jahre auch im deutschen Fernsehen (ARD) gezeigt wurden. Es sind meist die Probleme der Armen in der Gesellschaft und die sozialen Milieus der Marginalisierten, denen sich Brocka einfühlsam näherte.

In den letzten Jahren waren philippinische Filme - unter anderem auf der alljährlichen Berlinale - immer wieder für eine Überraschung gut. Das war auch 2014 so, als  Lav Diaz mit seinem über vierstündigen Filmepos "Norte - Hangganan ng Kasaysayan" ("Norte - Das Ende der Geschichte") in der Februarausgabe des Berlin Film Journal eine vorzügliche Kritik erhielt. Es ist dies einer der "kürzeren" Filme des Regisseurs; er hat auch Werke produziert, die bis zu acht Stunden dauern. Im August gewann derselbe Filmemacher - diesmal mit einem fünfeinhalbstündigen Opus über die bleiernen Jahre während der Marcos-Diktatur - den Goldenen Leoparden beim letztjährigen Internationalen Filmfestival in Locarno.

Famas Awards sind so etwas wie die philippinische Variante der Oscar-Verleihung im US-amerikanischen Hollywood. Die meisten philippinischen Filme sind Soaps oder schießwütige Macho-Streifen, in denen sich die hyperaktiven Helden den Weg in den Gassen und Gossen der Metropole Manila oder anderer Großstädte des Landes freischießen. Der frühere Präsident Joseph E. Estrada (1998-2001), der als erster Präsident des Landes seine Amtszeit wegen Amtsmissbrauch und Korruption vorzeitig beenden musste, war ein ausgesprochener Zelluloid-Darling der Massen. Offensichtlich bestand sein Problem (wohl auch das einiger seiner glühenden Anhänger und Verehrer) darin, nach so vielen erfolgsverwöhnten Jahren nicht mehr zwischen politischer Realität und aufreibender Fiction unterscheiden zu können. Doch im Sommer 2013 glückte dieser politischen Stehauffigur par excellence ein Comeback; seitdem amtiert der Mann als Bürgermeister von Manila.

Der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller und Autor ist F. Sionil José, der - Anfang Dezember 2014 90 Jahre alt geworden - in Manilas Ermita-Distrikt residiert und dort in der Padre Faura Street mit "La Solidaridad" auch einen gut sortierten Buchladen betreibt, der sich unter vielen Künstler/innen und Intellektuellen des Landes großer Beliebtheit erfreut. Josés Werke sind in annähernd dreißig Sprachen übersetzt worden - unter anderen auch auf Deutsch seine Bücher "Szenen aus Manila" und "Gagamba - Der Spinnenmann", die der mittlerweile in Angermünde ansässige Horlemann Verlag verlegt hat. Eine Besprechung seines jüngsten Opus "The Feet of Juan Bacnang" aus der Feder von Amadis Ma. Guerrero erschien Ende Februar 2014 in Manilas Tageszeitung Philippine Daily Inquirer.

Der im Lande prestigeträchtigste Literaturpreis ist der Carlos Palanca Awards. Die Website Panitikan informiert über und porträtiert junge zeitgenössische philippinische Autoren/innen.

F wie in Filipino Food

Philippine Food (gemeinfrei)
Icqgirl (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dinagyang_2009_grilled_meat_on_display.jpg), „Dinagyang 2009 grilled meat on display“, creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode
Cooking Ube (© MLHardillo)

Zeig' mir, was du isst, und ich sage Dir, wer du bist! Humorvoll wird der Filipino mitunter als jemand beschrieben, der wie ein Asiat aussieht, einen spanischen Namen und amerikanischen Spitznamen hat, Englisch spricht und Chinesisch isst - eigentlich doch eine famose Mischung!

Die philippinische Küche ist ein kulinarisches Potpourri, zu dem - in positivem Sinne - chinesische, spanische und nordamerikanische Köche beigetragen haben. Erstere bereicherten die philippinische Küche vor allem mit Nudelgerichten. Reis ist Grundnahrungsmittel, und als Nationalspeise gilt unbestritten Adobo. Die Zutaten sind Essig, Salz, Sojasauce und Knoblauch en masse.

Merienda sind kleine Zwischenmahlzeiten, die sehr ernst genommen werden. Sie bestehen unter anderen aus gebratenen oder gekochten Bananen, aus Kamote (Süßkartoffeln), allerlei Sorten von (Kleb-)Reiskuchen, Barbecues und Fischbällchen.

Gegen den Durst empfiehlt sich Buko-Juice, der Saft der jungen Kokosnuss, sowie Mango-und Kalamansi-Saft, der aus kleinen zitronenähnlichen Früchtchen gepresst wird. Kalamansi, zusammen mit zwei oder drei Eiswürfeln langsam zum "Tanduay" (Rhum) in der kurzen Abenddämmerung serviert ... es entspricht dies einem erhaschten Zipfel glückseliger Ewigkeit! Unverbesserliche Bier-Aficionados indes werden sich wahrscheinlich an den Flaschenhälsen des "San Miguel" klammern und in Gruppengelagen hurtig einen Tisch mit leeren Flaschen füllen (können).

Es gibt sie tatsächlich - die "Feuertaufe" in der Küche: "balut", gekochte angebrütete Enteneier. Einige Balut-Aficionados meinten, dieses Erzeugnis verspeise man erstmals am Besten in der Dunkelheit - mit seichten Pianoklängen im Hintergrund.

Musik

Musik muss man hören - deshalb hier einige Videos mit Musik, um sich solchen Genüssen hinzugeben. Außerdem Informationen zur Traditionellen Musik der Philippinen und Pinoy Radiostationen von den Philippinen.

Sport

Zu den traditionellen Sportarten zählen der Stockkampf Arnis, Escrima, Kal Sports in the Philippines und Traditional Games. 

Sabong Hahnenkampf und die Philippine Amusement and Gaming Corporation PAGCOR vermitteln Einblicke in andere Arten der Unterhaltung, die keineswegs durchgängig für Sport gehalten werden.

Basketball und Baseball erfreuen sich im Lande einer so großen Beliebtheit wie Fußball in europäischen Gefilden. In beiden dieser Sportarten sind die Filipinos zu Großartigem fähig. Doch ihre natürliche Größe versperrt ihnen - zumindest beim Basketball - den Griff zu Medaillen. Sehr zum Leidwesen der Bewunderer dieser Sportart, die es denn gern sähen, dass es - wie beim Boxen - unterschiedliche Gewichts- beziehungsweise Größenklassen gibt. Hier ein Tipp der besonderen Art: Wer immer sich von Ihnen berufen fühlt, Gutes zu tun und gleichzeitig unauslöschlich im Gedächtnis quirliger Dorfkids verankert zu bleiben, der raffe sich auf und spende einen Basketballkorb inklusive Ball! Bleibt einstweilen ein Trostpflaster: Bei der letzten Weltmeisterschaft in Spanien glückte dem philippinischen Basketballteam immerhin der Sprung vom 34. auf den 31. Platz im internationalen Ranking der FIBA.

Apropos Boxen. Da ist zweifellos Manny Pacquiao, genannt "Pac-Man", eine lebende Box-Ikone in seiner Heimat. Ein Kurzporträt von ihm liefert Wolfgang Bethge. Die internationale Box-Fachwelt ist sich darin einig, dass "Pac-Man" oder auch "Pacman" ein begnadeter Boxer ist. Niemals zuvor in der Geschichte des Box"sports" gelang es ein und derselben Person, zehn Weltmeistertitel in insgesamt acht Gewichtsklassen zu erringen!

"Pac-Man" ist in seinem Heimatland zu einem Multi-Tasking-Messias mutiert: Volksheld, Wohltäter, Show- und Film-Star, zutiefst gläubiger und regelmäßiger Kirchgänger, (Karaoke-)Sänger, TV-Moderator, Politiker und (reichster) Kongressabgeordneter. "Pac-Man" ist auch der große Nivellierer; Groß und Klein, Arm und Reich, Gauner und Gottesfürchtige - sie alle sind gleich und zutiefst vereint, wenn Manny mal wieder einen glanzvollen Auftritt in Las Vegas hat(te). In solchen Momenten kehren allerorts Frieden, Eintracht, Menschenliebe und Gesetzestreue ein. Kriminelle würden, um ja nichts zu verpassen, nicht im Traum daran denken, über Gefängnismauern zu klettern. Richter, Staatsanwälte, traditionelle Politiker und hartgesottene Kommissköppe, die sich alltäglich durch Fehlurteile, Fehlgriffe beziehungsweise Militäraktionen zum Schutz und Wohle korrupter Eliten gegen das Volk versündigen - sie alle halten, solange des "Pac-Man" Fäuste fliegen, inne und richten zumindest während dieser Zeit keinen weiteren Schaden an.

Bitterböse allerdings erwischte es den "Pac-Man" bei seinem Fight am Abend des 8. Dezember 2012 - ebenfalls in Las Vegas - gegen seinen mexikanischen Herausforderer Juan Manuel Marquez. Eine Unachtsamkeit in der sechsten Runde kostete Pacquiao, der bis dahin nach Punkten vorn gelegen hatte, den Sieg. Der Mexikaner errang einen K.o.-Sieg und trübte damit gewaltig die Vorweihnachtsstimmung hüben und drüben des Pazifik. Doch ausgerechnet auf dem Höhepunkt des größten Desasters, das die Philippinen in Gestalt des Supertaifuns "Haiyan" (lokaler Name "Yolanda") jemals heimgesucht hat, gelang dem quirligen "Pac-Man" ein furioses Comeback - ein veritabler Seelentrost für seine Landsleute in geschundenen Zeiten! Im ausladenden Venetian-Vergnügungs- und Hotelkomplex zu Macao bezwang er am 24. November 2013 in einem 12 Runden währenden Kampf den Herausforderer Brandon Rios aus den USA eindeutig nach Punkten und verteidigte damit erfolgreich seinen Titel im Weltergewicht. Und genau ein Jahr später, am 23. November 2014, sicherte sich "Pac-Man" am selben Ort erneut diesen Titel, indem er souverän den US-Amerikaner Chris Algieri besiegte.

"Geldprotz gegen Gutmensch" betitelte der Kölner Stadt-Anzeiger (Ausg. vom 2./3. Mai 2015, S. 18) seine Geschichte über den unter Experten seit langem erwarteten Showdown zwischen "Pac-Man" und dem US-Amerikaner Floyd Mayweather. "2014 war Mayweather laut Forbes mit einem Jahreseinkommen von 105 Millionen Dollar der bestbezahlte Sportler der Welt", so der Kölner Stadt-Anzeiger, "er ist nicht nur steinreich, er inszeniert seinen Reichtum auch im Internet (...) Aber Mayweather ist auch ein verdammt guter Boxer. Ein exzellenter Defensiv-Stratege, in 47 Kämpfen ungeschlagen und der über alle Gewichtsklassen hinweg beste Pound-for-Pound-Boxer der Welt." In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 2015 ging Mayweather in Las Vegas aus dem Fight als Sieger hervor. "Pac-Man" verlor klar nach Punkten und musste zum Verdruss vieler Fans nach dem Kampf zugeben, nicht ganz fit gewesen zu sein und unter Schulterproblemen gelitten zu haben. Jedenfalls spülte der Fight in Las Vegas die stolze Rekordeinnahme von 300 Millionen Dollar in die Kassen der Veranstalter.

Aus einer Revanche gegen Mayweather wird's (wahrscheinlich?!) nichts mehr, nachdem "Pac-Man" unmittelbar nach seinem letzten und siegreichen Kampf gegen den US-amerikanischen Herausforderer Timothy Bradley in der Nacht vom 9. auf den 10. April 2016 seinen Rücktritt vom Boxsport bekanntgab. Er werde sich fortan dem Kampf gegen die Armut in seinem Heimatland verschreiben und strebe deshalb einen Senatorenposten an. Und wer hätte je ernsthaft auch an einem solchen Sieg gezweifelt: Bei den allgemeinen Wahlen einen Monat später, am 9. Mai 2016, wurde Pacquiao mühelos zu einem der landesweit 24 Senatoren gewählt. Eine euphorische Siegesfeier aber war nicht angesagt; viele hätten den herausragenden Sportler gern weiterhin im Boxring gesehen, statt sich auf politisch-diplomatischem Parkett bewähren zu müssen.

Und da letztlich der umtriebige "Pac-Man" seine Boxhandschuhe nicht gänzlich abstreifen wollte, verlässt er das Senatsparkett doch des Öfteren zugunsten des Boxrings. Seinen Kampf in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2017 gegen den Australier Jeff Horn im sogenannten "Battle of Brisbane" verlor Pacquiao zwar nach Punkten. Doch auch dieses Mal sprachen Box-Aficionados von "Schiebung" und betrachteten "Pac-Man" als den wahren Sieger. Ein Revanchekampf ist bereits avisiert. Was Bewunderer wie Skeptiker des kleinen Boxers mit dem großen Punch bis auf Weiteres in Atem hält. Doch bereits ein Jahr später triumphiert der "Pac-Man" eindrucksvoll über seinen argentinischen Herausforderer Lucas Matthysse in Malaysias Metropole Kuala Lumpur.

Und dann? Ein Jahreswechsel 2018/19 nach Maß! Am 17. Dezember 2018 40 Jahre alt geworden, gönnte sich der "Pac-Man" ein etwas verspätetes Geburtstagsgeschenk der besonderen Art. In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 2019 verteidigte er fulminant seinen WBA-Weltmeistertitel im Weltergewicht in Las Vegas gegen den elf Jahre jüngeren US-Amerikaner Adrien Broner. In der Arena des MGM Grand Hotel konnte Broner letztlich von Glück reden, überhaupt die volle Distanz über zwölf Runden durchgestanden zu haben. Der einstimmig zum Sieger gekürte Pacquiao erklärte kurz nach dem Kampf: "Ich glaube wirklich nicht, dass meine Karriere vorbei ist. Ich habe das schon im meinem letzten Kampf gegen Lucas Matthysse bewiesen. Und heute habe ich es noch einmal gezeigt - mit 40 Jahren."

Was ist, was bleibt? Der sehnlichste Wunsch, den ungeschlagenen (doch mittlerweile zurückgetretenen) Superstar Floyd Mayweather doch noch aus der Defensive zu locken und ihn zum Revanchefight herauszufordern. Mayweather, der zu Werbezwecken in Las Vegas weilte und PacMans Kampf gegen Broner als Zuschauer verfolgte, besuchte seinen früheren Kontrahenten in der Kabine. "Er hat mich begrüßt und mir Glück gewünscht", so Pacquiao. Ob das denn nun wirklich das letzte Wort war? 

Im Sog der Fußballweltmeisterschaften in Südafrika 2010 und Brasilien 2014 entdeckte man in den fernen Philippinen ebenfalls Freude und Lust an dieser Ballsportart. Das philippinische Fußballnationalteam - genannt "Azkals", was so viel wie "Straßenköter" heißt - führte in der FIFA-Weltrangliste lange ein Schattendasein und musste sich bis 2006 mit dem nicht gerade schmeichelhaften 195. Platz zufrieden geben. All das änderte sich schrittweise, als Anfang 2011 der deutsche Coach Hans Michael Weiß das Zepter übernahm. Dem Team - laut der Zeitung "Neues Deutschland" das internationalste Nationalteam der Welt -  gelang immerhin der Sprung nach vorn; im Sommer 2012 rangierten die "Azkals" auf der FIFA-Weltrangliste bereits auf Platz 149 - noch vor den Nachbarländern Indonesien (Platz 151) und Malaysia (Platz 154). Seit Februar 2014 arbeitet der neue Coach der "Azkals", Thomas Dooley, daran, das Team voranzubringen und gleichzeitig zu verjüngen. Anfang September 2014 unterlag allerdings die Mannschaft im Peace Cup Finale vor heimischem Publikum gegen die Kicker aus Myanmar. Der Soziologe, international bekannte Globalisierungskritiker und alternative Nobelpreisträger, Walden Bello, gewann der letztjährigen Fußballweltmeisterschaft in Brasilien aufgrund des bei diesem Sport besonders geforderten Teamgeistes ganz andere, ungeahnte Aspekte ab.

Zu guter Letzt etwas "Exotisches" - liegt's gar am Klimawandel?! Bei den Olympischen Winterspielen im Februar 2014 im russischen Sotschi war doch tatsächlich ein südostasiatischer Athlet in der Disziplin der Eiskunstläufer der Herren angetreten - der erst 17-jährige Michael Christian Martinez. Da blieben denn selbst hart-gesottene Sport-Aficionados in den Tropen bis spät in der Nacht wach, um dessen Kunstsprünge zu bewundern. Das Jungtalent landete zur Überraschung seiner verdutzten Landsleute unter 24 angetretenen Profis auf Platz 19. Man wird gespannt sein dürfen auf die - eventuell wundersame - Karriere dieses Mannes, der locker noch drei internationale Großveranstaltungen dieser Art bestreiten dürfte!

Auch 2018 nahm Christian Martinez an den olympischen Spielen teil - diesmal in PyeongChang.

Digitalisierung

Die Infrastruktur der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) 

Die Philippinen haben eine für Entwicklungsländer typische IKT-Infrastruktur: Festnetztelefonie und kabelgebundenes (Breitband-)Internet sind nicht weit verbreitet. 2017 gab es laut der International Telecommunication Union (ITU) rund vier Millionen Festnetzanschlüsse und rund vier Millionen Breitband-Internetanschlüsse. Gemessen an der gut 106 Millionen Einwohner zählenden Bevölkerung kam das Land also auf eine Festnetz- und Kabel-Internet-Quote von weniger als vier Prozent. 

Ganz anders sieht die Sache bei Mobilfunkanschlüssen aus: Dort kommen die Philippinen auf rund 115 Mio. Mobilfunkanschlüsse. Rein rechnerisch haben also alle Filipinos mindestens einen Mobilfunkanschluss. Der Weltdatenatlas bietet weitere Statistiken und Daten zum Themenfeld IKT in den Philippinen.

Diese mangelhaft ausgebaute nationale IKT-Infrastruktur, aber auch die nicht zahlreiche Anbindung an Unterseekabel der großen Internet-Carrier hat zur Folge, dass die Internetgeschwindigkeit in den Philippinen zu den langsamsten der Welt gehört. Laut Speedtest.net belegte der Inselstaat im April 2019 bei mobilen Internetzugängen Platz 104 von 138 und bei kabelgebundenen Internetzugängen Platz 108 von 172. Die Philippinen rangieren somit in punkto Internetgeschwindigkeit auf einem der letzten Plätze in Südostasien. Die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit betrug im April 2019 14.73 Mbps (mobil) und 18.66 Mbps (kabelgebunden) in den Philippinen. Dagegen betrug der globale Durchschnitt 26.96 Mbps (mobil) und 58.66 Mbps (kabelgebunden). Dies zeigt den enormen Nachholbedarf des Landes auf, den Präsident Duterte mit einem nationalen Plan zum Ausbau des Breitbandnetzes umsetzen möchte.

Trotz dieser mangelhaften IKT-Infrastruktur besitzen die Philippinen eine der stärksten und dynamischsten Online-Communities der Welt. Filipinos sind in hohem Maße internet- und insbesondere social-media-affin. Wie auch in anderen südostasiatischen Ländern sind moderne Informations- und Kommunikationstechnologien – vor allem soziale Netzwerke – schnell ein wichtiger Bestandteil von Kultur und Gesellschaft geworden. In den ersten 2000er Jahren galten die Filipinos als Weltmeister des SMS-Versands, heute können sie wohl als Facebook-Weltmeister bezeichnet werden. 

Die große Bedeutung sozialer Medien für Filipinos

2014 kürte das Time-Magazin Manila zur Welthauptstadt des Selfies. Grundlage für diesen Meistertitel ist eine Auswertung von auf Instagram geposteten Selfies.

Von den etwa 106 Millionen Filipinos haben rund 67 Millionen regelmäßig Zugang zum Internet. 62 der 67 Millionen Internetnutzer im Land besitzen einen Facebook-Account und nutzen ihn regelmäßig – wobei die meisten Filipinos noch weitere Social-Media-Plattformen nutzen.  

Unter Filipinos sind vor allem die Social-Media-Plattformen YouTube, Twitter, Pinterest, Reddit, Instagram, StumbleUpon, Tumblr und LinkedIn beliebt. Auch unter den zehn meistbesuchten Websites der Filipinos finden sich Social-Media-Angebote. Die zehn meistbesuchten Websites im Juni 2019 sind: Google.com, Youtube.com, Abs-cbn.com, Inquirer.net, Facebook.com, Gmanetwork.com, Yahoo.com, Google.com.ph, Rappler.com und Wikipedia.org.

Socializing ist für Filipinos im Kern das Wichtigste, wofür sie online gehen. So pflegen sie online Freundschaften, unterhalten sich, schließen neue Bekanntschaften, erzählen sich Geschichten oder hören solchen zu, um stets das enge miteinander Verbundensein auszudrücken. Filipinos können so online persönliche, berufliche und kulturelle Bedürfnisse erfüllen, sich in der Gesellschaft ein bedeutsames Unterstützungsnetzwerk aufbauen und pflegen sowie am Leben von Freunden und Verwandten teilhaben. Soziale Medien spielen eine dermaßen herausragende Rolle, dass Filipinos laut einer Studie aus dem Jahre 2014 zirka 53 Stunden wöchentlich mit Online-Socializing verbringen – was auch und gerade der Tatsache geschuldet ist, dass viele von ihnen in Übersee arbeiten und leben, und mittels Social Media Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten halten. 

Diese große Affinität der Filipinos für soziale Medien, die sehr stark katholisch geprägten - und damit dem globalen Norden sehr ähnlichen - Wertvorstellungen und das niedrige Lohnniveau auf den Philippinen sind perfekte Bedingungen für Facebook, Google und Co. einen Großteil der Content-Moderation im Rahmen von Business Process Outsourcing von Filipinos verrichten zu lassen. Mit fast schon heiligem Eifer und bei absolut niedriger Bezahlung "reinigen" vor allem Filipinas die Plattformen der sozialen Medien von dem Dreck, der täglich in Form von Hass- Gewalt- und Pornographiepostings die sozialen Netzwerke überflutet. Sie verrichten die digitale Drecksarbeit für das ungetrübte Nutzungsverhältnis von Usern in Europa und den USA.

Für Filipinos spielen aber nicht nur mobile soziale Apps eine Rolle. Wichtig sind zunehmend auch Apps, die ihnen helfen, mit der Bedrohung durch Taifune umzugehen und andere Wetterrisiken zu verstehen. Mithilfe von Push-Nachrichten und SMS kann die Bevölkerung rasch vor Taifunen und anderen Naturkatastrophen gewarnt werden.  

Vor allem jüngere Filipinos nutzen das Internet und soziale Medien. Das Durchschnittsalter beträgt 24 Jahre und 56 Prozent der Internetnutzer waren 2014 männlich. Da aber viele Filipinos bisher noch keinen Internetanschluss haben, unterliegen diese Zahlen einem ständigen Wandel, da immer mehr Menschen Zugang zum Internet erhalten.

Dutertismo online: Eine repressive Regierung beschneidet auch die Freiheit des Internets

Die Freiheit des Internets im Lande leidet wie auch die Gesellschaft unter dem Dutertismo, weshalb es aus diesem Grunde nur noch als teilweise frei bezeichnet werden kann. Der im Mai 2016 gewählte Präsident Rodrigo Duterte verkündete in seiner ersten Pressekonferenz, dass korrupte Journalisten es verdient hätten, ermordet zu werden. Er setzte damit die noch heute gültigen Vorzeichen für die Meinungs- und Pressefreiheit in den Philippinen. Auch die Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation wurde unter Präsident Duterte in den vergangenen drei Jahren ausgebaut. Duterte gab auch mehrmals offen zu, dass Mitglieder der Opposition abgehört wurden und werden.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2019 aktualisiert.

Über die Autoren

Mary Lou U. Hardillo ist Ethnologin, Publizistin, Dolmetscherin, Übersetzerin und interkulturelle Trainerin. Sie war Vorsitzende von BABAYLAN, einem europaweiten Netzwerk sozialpolitisch engagierter Filipinas, und ist langjährige Vorsitzende des Philippine Women's Forum Germany e.V.

Dr. Rainer Werning, Sozialwissenschaftler und Publizist mit dem Schwerpunkt Südost- und Ostasien, befasst sich seit 1970 intensiv mit den Philippinen und verbrachte dort lange Zeit zu Studienzwecken und für Recherchen. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zum Thema und u.a. Fellow der Abteilung Südostasienwissenschaften der Universität Frankfurt a.M.

Neue Auflage des Philippinen Handbuchs

6. Auflage des Philippinen Handbuchs
6. Auflage des Philippinen Handbuchs

Über drei Jahrzehnte nach dem Sturz der Marcos-Diktatur herrscht weiterhin kein Frieden auf den 7.107 Inseln. Reformen kommen kaum vom Fleck, Armut und soziale Ungerechtigkeit nehmen zu. Machismo und „traditionelle Politiker/innen“ treiben weiter ihr Unwesen. Die Gesellschaft ist seit dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo R. Duterte im Sommer 2016 gespaltener denn je, Menschenrechte sind für ihn von untergeordneter Bedeutung. Nationale wie internationale Menschenrechtsanwält/innen denunziert der Staatschef öffentlich und ungeniert als „dumme Idioten“ und „Hurensöhne“. Trotzdem sollen die Einwohner/innen der Philippinen zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören mit einer der aktivsten Zivilgesellschaften. Ein Widerspruch? Einer von vielen, der das Land aufregend macht und worüber sich aufregen lässt.

Dieses mittlerweile in sechster und vollständig überarbeiteter und erweiterter Auflage erschienene Handbuch
liefert tiefe Einblicke in Geschichte und Gegenwart, Land und Leute. Es verdichtet die Informationen und Diskussionen zu zentralen gesellschaftspolitischen Problemfeldern in zahlreichen Beiträgen – zu Landwirtschaft und Landreform, zu Arbeitsmigration und sozialer Sicherung, zu den Auswirkungen von Globalisierung und Privatisierung, zu Bildung, Gesundheit und Gender, zu Wirtschaft, Politik, Kultur, Ökologie, Zivilgesellschaft und vielem mehr.
Geschrieben von langjährigen Philippinenkenner/innen und philippinischen Autor/innen, skizziert das Buch umfassend die Lebenswelten und politischen Konflikte in diesem südostasiatischen Land und liefert überdies zu sämtlichen Themen Hinweise zur vertiefenden Lektüre. 

Weitere Informationen zum Handbuch

Inhaltsverzeichnis und Vorwort

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Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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