Land der tausend Hügel © Goebel/LMZ Koblenz
Offizieller Name
Republik Ruanda
Fläche
26338 km²
Einwohner
11,5 Mio. (2016, geschätzt)
Bevölkerungswachstum
2,6 % (2016, geschätzt)
Regierungssitz
Kigali
Klima (für Hauptstadt)
Äquatoriales mildes Hochlandklima

Lage und Größe

Lage u. Größe Ruandas in Zentralafrika © TUBS (CC BY-SA 3.0)
Lage u. Größe Ruandas in Zentralafrika © TUBS (CC BY-SA 3.0)

Ruanda liegt im östlichen Zentralafrika zwischen 1° und 3° südlich des Äquators. Das Binnenland mitten in der Region der Großen Seen grenzt im Norden an Uganda, im Osten an Tansania, im Süden an Burundi und im Westen an die Demokratische Republik Kongo

Die Entfernung von der Küste beträgt ca. 1200 Straßenkilometer zum Indischen Ozean (Mombasa, Kenia und Dar es Salaam, Tansania), bzw. über 3000 km zum Atlantischen Ozean.

Mit 26.338 Quadratkilometer Fläche ist Ruanda einer der kleinsten Staaten Afrikas und entspricht in seiner Ausdehnung etwa der Größe von mittelgroßen deutschen Bundesländern wie Hessen oder Rheinland-Pfalz und Saarland zusammen. 

Landesimpressionen

Impressionen über Land und Leute vermittelt das staatliche Online-Informationsangebot zu Tourismus und Nationalparks vom "Rwanda Development Board (RDB)". 

Grunddaten

Die letzten umfangreichen Erhebungen über Grunddaten Ruandas stammen aus dem Jahr 2012. Das unabhängige Nationale Institut für Statistik (NISR) hält die wichtigsten Grunddaten aus offiziellen Quellen auf dem aktuellsten Stand. Vergleichende Schätzungszahlen aus unabhängigen internationalen Quellen divergieren oft erheblich. Wesentliche Daten über Ruanda bietet in tabellarischer Übersicht auch das World Factbook der CIA an.

Naturraum und Klima

Landschaftsbild

Die Agrarlandschaft im Nordwesten © Goebel/LMZ Koblenz
Die Agrarlandschaft im Nordwesten © Goebel/LMZ Koblenz
Topografische Karte von Ruanda
Topografische Karte von Ruanda © Sadalmelik (Public Domain)

Die Bezeichnung "Land der tausend Hügel" weist darauf hin, dass der größte Teil der Staatsfläche von einer hügeligen Hochebene (1.500-1.700 m) eingenommen wird. Langgestreckte Hügel mit zum Teil sehr steilen Hängen werden von schmalen, oft sumpfigen Tälern getrennt.

Der Westen des Landes besteht aus einem stark zerschnittenen Gebirgsrand, der von fast 3.000 m Höhe auf fast 1.600 m abfällt. Der höchste Gipfel ist der Karisimbi (4507 m) im vulkanischen Virunga-Gebirge. Der Osten dagegen ist eine trockene Savanne, die mit einer ausgedehnten Sumpffläche durchsetzt ist. Zahlreiche große Seen prägen die Landschaft und zeichnen sich durch eigenwillige Formen aus, die von den umliegenden Gebirgen bestimmt werden.

Klima

Das Klima in Ruanda ist verhältnismäßig feucht. Zwei Regenzeiten (März bis Juni und Oktober bis November) werden von einer großen und einer kleinen Trockenzeit unterbrochen. Die Jahresniederschläge schwanken je nach Region zwischen 750-2.000 mm/Jahr. In den meisten Landesteilen liegen sie bei über 1.000 mm im Jahr (in den Gebirgswäldern höher). Von Juli bis September ist es meist trocken und Regen ist eine Seltenheit. Die feuchteste Jahreszeit liegt zwischen Februar und Mai, wenn die meisten Landstriche durchschnittlich 150 bis 200 mm Regen pro Monat verzeichnen.
Die länderübergreifenden Folgen des Klimawandels sind auch in Ruanda allgegenwärtig. Starke Schwankungen des traditionellen saisonalen Rhythmus sind Teil dieser Folgen. Ferner kommt es in der Region immer wieder zu schweren Überflutungen mit erheblichen Auswirkungen. Gerade im Laufe der letzten Jahre führten starke Regenfälle in mehreren Landesteilen wiederholt zu katastrophalen Zuständen. Die ruandische Regierung ist sich der weitreichenden Auswirkungen des Klimawandels bewusst. Der Klimapolitik, welche zahlreiche gegensteuernde Anstrengungen vorweist, wird in der ruandischen Politik entsprechend Priorität eingeräumt.

Die Verbindung von Tropen- und Höhenlage gewährleistet in Ruanda das ganze Jahr hindurch ein gemäßigtes Klima. Höchsttemperaturen von über 30 °C und Tiefstwerte unter 15 °C sind selten. Ausnahmen sind einerseits die eisigen Höhenzüge der Virunga-Berge und andererseits der tief gelegene Grenzstreifen zu Tansania im Akagera-Nationalpark.

Das relativ milde Hochland-Klima mit durchschnittlichen Jahrestemperaturen von 18-21 °C hat Ruanda den Beinamen "Land des ewigen Frühlings" eingebracht. Entsprechend seiner Lage in der Tropenzone weist Ruanda ein ausgeprägtes Tageszeitenklima auf, d. h. die Tagesschwankungen der Temperaturen sind größer als die Schwankungen der Jahresamplitude.

Flora und Fauna

Vulkanlandschaft an der nordwestlichen Grenze Ruandas, Foto: "ORTPN" Kigali
Vulkanlandschaft an der nordwestlichen Grenze Ruandas, Foto: "ORTPN" Kigali

Die natürliche Vegetation Ruandas wurde durch den Menschen weitgehend zerstört bzw. verändert. Nur in Insel-ähnlichen Bereichen des zentralen Hochlandes sowie in den drei Naturreservaten (Nebelwald Nyungwe, Virunga-Vulkan-NationalparkAkagera-Nationalpark) existiert noch die ursprüngliche Flora des Landes. Im Westen Ruandas sind bis in 2500 m Höhe tropischer Bergwald und Feuchtsavanne anzutreffen. In höheren Lagen sind Bambuswälder sowie alpine Vegetation zu finden. Im inneren Hochland überwiegt Feuchtsavanne, die im Osten in eine trockenere Savanne übergeht. Im Überschwemmungsgebiet des Akagera, einem Quellfluss des Nils, finden sich feuchtigkeitsliebende Pflanzengesellschaften wie Sumpfgräser, Papyruspflanzen und Wasserhyazinthen.

Die bekanntesten Tiere Ruandas sind seit der Verfilmung des Lebens von Dian Fossey die Berggorillas. Die Menschenaffen leben in Familienverbänden von durchschnittlich 10 Tieren. Von den touristisch erschlossenen Gruppen im Vulkan-Nationalpark zählt die kleinste Gorillagruppe 8 und die größte 39 Mitglieder. Neben dem Oberhaupt der Gruppe, dem Silberrücken, gibt es mehrere Weibchen mit ihren Kindern und Halbwüchsigen. Die Männchen erreichen dabei eine Körpergröße von 2 Metern, die Weibchen 1,40 Meter. Je nach Nahrungsangebot ist das Territorium, das von den Tieren durchstreift wird, 10-40 Quadratkilometer groß. Seit 1989 ist die Population der Berggorillas um fast 50 % gewachsen. Artenschützer hatten befürchtet, dass während der anhaltenden Unruhen in der Region die Berggorillas aussterben könnten. Doch obwohl es Opfer unter den Tieren gegeben hat, sind die meisten Gorillas Wilderern und Armeegefechten entgangen. So konnte ihre Zahl in Ruanda von 324 im Jahr 1989 auf 380 in 2003 und auf 480 im Jahr 2010 anwachsen (Erhebung geführt vom International Gorilla Conservation Programme (IGCP) in Zusammenarbeit mit mehreren Naturschutzorganisationen). Die Berggorillas, deren Gesamtzahl weltweit unter 900 liegt, bleiben weiterhin vom Aussterben bedroht.

Neben den Berggorillas beherbergen Ruandas Nationalparks auch Schimpansen im Nyungwe-Nebelwald. Im Akagera-Nationalpark ist Großwild wie Giraffen und Elefanten anzutreffen sowie eine kleine Population von Löwen. Dort lebt außerdem eine große Anzahl von Antilopen sowie Warzenschweine, Kaffernbüffel, Zebras, Wasserböcke, Nilpferde, Affen, diverse Vogelarten etc.).

Ökologische Probleme

Brennholz-Kochstelle © J. Nshimyumukiza
Brennholz-Kochstelle © J. Nshimyumukiza

Die landschaftliche Beschaffenheit, die extrem hohe Besiedlung sowie das hohe Bevölkerungswachstum Ruandas haben zahlreiche ökologische Probleme zur Folge. Über 80 % der Landesfläche ist heute in Kultur genommen worden. Die wachsende Nachfrage nach Brennholz für Koch- und Heizzwecke sowie der Bedarf an Anbauflächen und Weideland haben zu erheblichen Rodungen des Waldbestandes geführt.

Eine weitere Ursache der ökologischen Probleme ist die chronische Bodenerosion. Auslösende Faktoren, zusätzlich zur Abholzung und Überweidung, sind die hohe Anzahl an starken Hangneigungen, der Wegfall der früher üblichen Grasbrache sowie die tiefe Bodenbearbeitung mit der Hacke. Einjährige Kulturen verstärken das Erosionsproblem, da zur Zeit der Aussaat und nach der Ernte der Boden ohne schützende Pflanzendecke den heftigen Niederschlägen während der Regenzeiten ausgesetzt ist.

Der Genozid von 1994 hatte auch für die Umwelt signifikante negative Auswirkungen hinterlassen, welche die bereits existierenden Degradationsprozesse im Land beschleunigten. Besonders sichtbar sind die Auswirkungen des Völkermords an der dramatischen Abholzung von Waldflächen und Besiedlung von Naturschutzgebieten. Damals haben Millionen von Vertriebenen neue Siedlungen und Flüchtlingslager in diesen Gebieten gebaut. Dramatisch betroffen wurde der im westlichen Landesteil liegende Gischwati-Wald sowie der Akagera-Nationalpark im Osten, welcher durch die damalige Besiedlung mehr als zwei Drittel seiner ursprünglichen Fläche verlor.

Ruanda hat während der letzten Jahre Maßnahmen ergriffen, um diesen schwierigen Umweltzuständen entgegen zu wirken. Die Vision 2020, eine mittelfristige Entwicklungsstrategie der Regierung, nennt ausdrücklich den Umweltschutz als eine wichtige Stütze. Um die entsprechende Umsetzung der Umweltpolitik zu gewährleisten, wurde die Umweltmanagement-Behörde REMA geschaffen.
Ruanda hat, laut einer in 2011 veröffentlichten Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1962 60 % seiner natürlichen Waldfläche verloren. Jüngste Bemühungen haben jedoch laut der UNEP-Studie dazu beigetragen, dass durch Wiederaufforstungsprogramme die Waldflächen wieder auf inzwischen rund 20 % der Landesfläche angestiegen sind. Somit zählt Ruanda zu den wenigen Ländern, die versuchen den allgemein vorherrschenden Trend der Entwaldung umzukehren. Weitere Anstrengungen sind im Bereich der Energieversorgung zu beobachten. Um den Anteil von Holz als Hauptenergiequelle allmählich zu senken, setzt die Regierung auf die Förderung von erneuerbaren Energien mit Solar und Wasserkraftwerken.

In Ruanda werden seit über 25 Jahren Forschungsarbeiten von Seiten des Instituts für Biologie und des Geographischen Instituts der Uni Koblenz-Landau durchgeführt. Ziel ist es, Möglichkeiten zu einer ökologisch angepassten Nutzung der vorhandenen Ressourcen zu erarbeiten und damit einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität und zum Schutz vor Landschaftsdegradation zu leisten. Im Rahmen einer langjährigen Partnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz hat sich eine interuniversitäre Kooperation entwickelt, was sich unter anderem in einem kontinuierlichen personellen Austausch (von Professoren und Studierenden) zwischen der ruandischen Universität in Butare und der rheinland-pfälzischen Universität Koblenz-Landau widerspiegelt.

Die Bemühungen zur Erhaltung der drei Nationalparks, trotz begrenzten Raums, stellen einen wichtigen Baustein der Umweltpolitik der Regierung dar. Neben dem Umweltschutz bestehen hier Beschäftigungsförderungsprogramme, die durch eine stärkere Einbindung der Anwohner in den Tourismus neue alternative Einkommensquellen schaffen.

Erwähnenswert sind ebenfalls Bemühungen der Regierung im Bereich der Abfallentsorgung. Dabei hat die Regierung durch einige kompromisslose Entscheidungen und strengere Vorgehensweise Fortschritte erzielt. So ist die Hauptstadt Kigali während der letzten Jahre erkennbar sauberer geworden. Eine außergewöhnliche Maßnahme war das heute noch geltende Verbot der Produktion, Einführung und Nutzung von Einkaufstüten aus Plastik. Sie wurden durch Tragetaschen aus Sisal oder Papier ersetzt.

Sozialgeographische Gegebenheiten

Bevölkerung

Ruanda gehört mit einer Bevölkerung von ca. 11,5 Millionen Menschen (2016, geschätzt) zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas. In einigen Regionen beträgt die Bevölkerungsdichte bereits bis zu 1000 Einwohner pro Quadratkilometer. Das jährliche Bevölkerungswachstum ist seit Jahrzehnten unverändert hoch und liegt zur Zeit bei 2,6 %. Um die Bevölkerungsexplosion einzudämmen ist die Regierung bemüht, durch drastische Maßnahmen, wie beispielsweise eine Drei-Kind-Familienpolitik, die Geburtenkontrolle durchzusetzen. Generell ist ein Problembewusstsein innerhalb der ruandischen Gesellschaft zu beobachten, hervorgerufen durch eine auf Familienplanung zielgerichtete Regierungspolitik.

Die städtische Bevölkerung in Ruanda ist in den letzten 15 Jahren drastisch von unter fünf auf rund 20 % angestiegen. Die Hauptstadt Kigali zählt mittlerweile 1,1 Mio. Einwohner (basierend auf Zahlen aus der Volkszählung v. August 2012). Der Bedarf an Wohnraum sowie weiterer städtischer Infrastruktur (Wasser u. Abfallentsorgung etc.) ist entsprechend enorm gestiegen und stellt trotz anhaltendem Bauboom ein dringendes Problem dar. Mit der Entwicklung und dem jüngsten Beschluss eines neuen ehrgeizigen Masterplans versucht die Stadtverwaltung, im Hinblick auf eine wachsende geordnete Urbanisierung, Einfluss zu nehmen.

Die weiteren größeren Städte sind die restlichen 27 Distrikthauptstädte, darunter Muhanga (Gitarama), Huye (Butare), Musanze (Ruhengeri) und Rubavu (Gisenyi), deren Einwohnerzahlen aber unter 100.000 liegen. Der Großteil der Bevölkerung lebt nach wie vor auf dem Land.

Die in den meisten Entwicklungsländern zu beobachtenden hohen Geburtenraten haben "eine junge Bevölkerung" zur Folge. In Bezug auf Ruanda sind ca. 45 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt. Nimmt man die bis zu 25-jährigen Personen hinzu, so entfällt knapp 70 % der Gesamtbevölkerung auf die Altersgruppe von 0 bis 25 Jahre. Diese Altersstruktur verschärft die bestehenden Probleme der Bereitstellung ausreichender Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

Nachgebaute traditionelle Strohhütte in Nyanza © J. Nshimyumukiza
Nachgebaute traditionelle Strohhütte in Nyanza © J. Nshimyumukiza

Siedlungsstrukturen

Streusiedlung
Siedlungsstruktur: typisches Wohngehöft © Goebel/LMZ Koblenz

Dörfer als soziale und kulturelle Einheiten, wie beispielsweise in Europa, sind in Ruanda grundsätzlich unbekannt. Vielmehr herrscht eine Streusiedlungsweise. Die ländliche Bevölkerung lebt in Einzelgehöften. Die Gehöfte eines Hügels sind durch ein dichtes Netz von Fußwegen und Pisten miteinander verbunden.

Die traditionelle Behausung bestand ursprünglich aus einer runden Hütte aus bogenförmigem Flechtwerk, das mit Gras, Schilfrohr oder Papyrus bedeckt wurde. Als Weiterentwicklung bekam die Hütte, bei gleichbleibenden Grundbaumaterialien, eine senkrechte Wand aus Holz und Flechtwerk, welche durch Lehm abgedichtet wurde. Als Eindeckung war noch bis vor einigen Jahren (Ende der 90er-Jahre) ein kegelförmiges Strohdach üblich.

Heute überwiegen Häuser mit rechteckigem Grundriss, die aus luftgetrockneten Ziegeln gebaut und mit einem Dach aus Wellblech oder gebrannten Dachpfannen gedeckt sind.

Die Wohnanlage, auch Urugo genannt, bestand zumeist aus Wohnhaus, Stall, Speicher- und Vorratsgebäude und wurde oft von einer hohen Hecke umgeben. Baumaterialien und Ausführung variieren je nach Region.

Streusiedlungen haben sich aus praktischen Gründen durchgesetzt. Diese sind durchaus für die alltäglichen Arbeit von Vorteil: Die Menschen wohnen nah an ihren zu bestellenden Feldern und können gleichzeitig ihren kleinen Viehbestand besser überwachen und versorgen. Diese Siedlungsform hat andererseits große Nachteile. Sie führt zu einer starken Zersiedelung der Landschaft und erschwert die Versorgung mit Wasser und Strom sowie den grundsätzlichen Aufbau jeglicher Infrastruktur.

Nach 1994 förderte die ruandische Regierung das Wohnen in Siedlungen, auch Imidugudu genannt. Dies geschah im Rahmen einer neuen Wohnungspolitik, die auf den Zugang zu einer Grundversorgung, mehr Sicherheit und auf einer Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten neben der Landwirtschaft abzielte. Bei der Umsetzung führte die veränderte Wohnweise bei der Bevölkerung zu Akzeptanzproblemen. Insbesondere die umstrittene Regierungsinitiative zur Abschaffung von Strohhütten ab 2008, bekannt unter dem Slogan „Bye-Bye Nyakatsi“, führte vor allem im Jahr 2011 zum zweifelhaften Umgang mit Bürgerrechten. Damals wurden ca. 120.000 Strohhütten, zum Teil unter Zeitdruck, abgerissen. Aus Regierungssicht war diese Aktion in die Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und Verbesserung der Wohnbedingungen für die ärmsten Bevölkerungsschichten eingebunden.

Mit der wachsenden Anzahl von Siedlungen (regional unterschiedlich) ist ein langfristiger Strukturwandel ansatzweise erkennbar.

Neue Siedlung im Nordwesten mit Flurbereinigung ©J. Nshimyumukiza
Neue Siedlung im Nordwesten mit Flurbereinigung ©J. Nshimyumukiza

Verkehrswege

Transport Bergab in Ruhengeri
Transport bergab in Ruhengeri, ©Goebel/LMZ Koblenz

Hauptträger des Güter- und Personentransports in Ruanda ist die Straße. Das Straßennetz (ca. 14.000 km Länge) gehört zu den dichtesten in Afrika, überwiegend besteht dieses jedoch aus unbefestigten Pisten und Schotterstraßen. Befestigte Straßen gibt es dagegen nur auf einer Länge von ca. 4.000 km. Solche Straßen verbinden die wichtigsten Zentren des Landes miteinander. Auch die Hauptverbindungsstrecken zu den Nachbarstaaten Burundi, Tansania, Uganda und der DR Kongo sind für die Personen- und Gütertransporte geteert. Alle übrigen Pisten sind in schlechtem Zustand und während der Regenzeit, besonders in abgelegenen Gemeinden, nicht passierbar. Hier hat die Regierung in den letzten Jahren kontinuierlich investiert. Die bestehenden Hauptverbindungstrecken zu den Nachbarländern wurden größtenteils bereits saniert. Auch die weiteren Überlandstraßen sowie das städtische Straßennetz wurden bzw. werden momentan mit großem Aufwand verbessert, erweitert oder befestigt.

Ruanda verfügt über kein Schienennetz. Pläne zum Bau einer Eisenbahnlinie sind jedoch seit längerer Zeit auf der Tagesordnung. Diese sollte ursprünglich Ruanda sowie sein ebenso eingeschlossenes Nachbarland Burundi über die Anbindung und Rehabilitierung der bestehenden Schienenstrecke in Tansania mit dem Hafen von Dar es Salaam verbinden. Eine Machbarkeitsstudie, die von der DB International, Deutschland und BNSF aus den USA bereits durchgeführt wurde, hat die Erstphase des Dreiländerprojekts positiv bewertet. Für die 2. Phase wurde Canrail / Gibb, ein kanadisches Unternehmen mit der umfassenden Evaluierung des Projekts im Jahr 2012 beauftragt. Während der darauffolgenden Phase konnte man von einem Projektstillstand sprechen. Derzeit (Stand April 2016) ist das Projekt - laut zuständiger Verantwortlicher - wieder auf der Spur, Projektausschreibungen werden vorbereitet. In den vergangenen Jahren herrschte, vor allem auf der Seite der ruandischen Regierung, Unzufriedenheit über die zögerliche Umsetzungsgeschwindigkeit seitens der beiden anderen Partnerländer Tansania und Burundi. Inzwischen hat sich Ruandas Regierung - in enger Partnerschaft mit den Ländern Uganda und Kenia, einem Alternativprojekt zugewendet. Beim neuen Projekt handelt es sich um den Bau einer Bahnlinie, dem so genanten Nordkorridor, welche über Kampala und Nairobi, den Hauptstädten Ugandas bzw. Kenias, zum Seehafen Mombasa führen soll. Für die Durchführung der ersten Projektphase liegt bereits eine Mittelzusage aus China vor. Der Vertrag für die Entwurfsplanung einer Teilstrecke wurde an ein deutsches Bauunternehmen (Gauff Ingenieure - JBG) vergeben. Mit der Fertigstellung rechnet man erst ab dem Jahr 2018.

Nationale Symbole

Ruandas Flagge
Ruandas Flagge

In Folge der Versöhnungsbemühungen hat Ruanda ab 2001 neue nationale Symbole bekommen.

Die neue Flagge wurde von Alphonse Kirimobenecyo, einem einheimischen Künstler und Techniker entworfen. Grün symbolisiert die Hoffnung auf Wohlstand, Gelb steht für die wirtschaftliche Entwicklung und Blau symbolisiert Glück und den Frieden. Die goldfarbene Sonne und ihre 24 Strahlen stehen für das Licht, welches allmählich das gesamte Volk erleuchtet. Die neue Flagge wurde offiziell am 25. April 2001 eingeführt. Zuvor führte Ruanda seit der Unabhängigkeit (1. Juli 1962) eine Flagge mit den panafrikanischen Farben in der ein 'R' im gelben Feld zu sehen war. Das 'R' stand in erster Linie für den Namen des Landes Ruanda. Weiterinterpretiert weckte der Buchstabe noch weitere Assoziationen: Revolution, Referendum und Republik.

Das Staatswappen Ruandas
Ruandas Staatswappen

Im Staatswappen finden sich Symbole für Ruanda und seine Bevölkerung: Die Sonne oben, der Korb in der Mitte, das Zahnrad darunter, an beiden Seiten eine Kaffeepflanze bzw. Sorgho, eine Getreideart und jeweils die Abbildung eines Schutzschilds. Diese werden gemeinsam von einem grünen Band eingefasst, was die Einheit des Volkes symbolisiert. Auf dem gelben Spruchband steht in der Landessprache oben der Staatsname und unten die Devise: "Einheit - Arbeit und die Liebe zum Vaterland".

 

Die Nationalhymne können Sie, inkl. engl. Übersetzung, lesen und, mit der entsprechenden Ausrüstung, auch hören.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2016 aktualisiert.

Der Autor

Jacques Nshimyumukiza

ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er vereinzelte Projekt- und Studienreisen nach Ruanda, hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landesanalyse-Tutor für Ruanda und Burundi bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit tätig und arbeitet als Trainer (DGIKT-Zertifikat) für Interkulturelle Kompetenz.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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