Neue Hochhäuser im Zentrum der Hauptstadt Kigali Foto: J. Nshimyumukiza, Feb. 2016
Geschätztes BIP
22,6 Mrd. US-$ (HDR 2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
1.811 US-$ (HDR 2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 158 von 188 (2017)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
44,9% (2005-2014)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
50,4 (2010-2017)
Marktwirtschaft-Status Index (BTI)
Rang 60 von 129 (2018)

Wirtschaftslage

Wie in anderen Bereiche Ruandas wurde auch die sozioökonomische Entwicklung der letzten Jahrzehnte durch die jüngste tragische Geschichte stark geprägt. Bilder eines verwüsteten Landes im Jahr 1994 unmittelbar nach dem Genozid bleiben in Erinnerung. Für die Wirtschaft bedeutete es einen totalen Zusammenbruch und der Verlust einer jahrzehntelangen Entwicklung. 
Von diesem wirtschaftlichen Zusammenbruch hat sich das Land erstaunlich schnell erholt und weist eine kaum für möglich gehaltene Entwicklung auf. Heute gilt Ruanda -im kontinentalen Vergleich- als vorbildlich in der wirtschaftlichen Modernisierung. In der Hauptstadt Kigali entstehen internationale Luxushotels, Einkaufszentren und Bürokomplexe, der Dienstleistungssektor boomt und im Infrastrukturbereich (Energie- und Straßenbauprojekte) hält der Aufschwung der letzten Jahre an. Große Herausforderungen bestehen jedoch weiterhin. Insbesondere im Bereich der Entwicklung von Industrie und in der Landwirtschaft bestehen die größten Arbeitsfelder. Die Ernährung der Bevölkerung stellt die größte Herausforderung dar. Das Land ist extrem dicht besiedelt und mehr als 70% der Einwohner leben von ihrer Arbeit in der Landwirtschaft.

Generell befindet sich die Wirtschaft Ruandas  seit mehreren Jahren in einer stabilen Wachstumsphase. Mit jährlichen durchschnittlichen Zuwachsraten um 7 % blieb das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahrzehnten auf hohem Niveau stabil.

Das BIP-Wachstum des Jahres 2017 betrug nach Angaben der ruandischen Regierung und nach aktuellen IWF-Daten 6,1 %. Die Prognosen für das laufende Jahr und die der kommenden Jahre liegen bei einer Steigerung von ca. 7 %. 

Ausnahmen gab es im Krisenjahr 2009, als das BIP mit 4,5 % erwartungsgemäß niedrig ausfiel. Auch im Jahr 2013 wurde ein vergleichsweise bescheidenes BIP-Wachstum von 4,6 % registriert, was einen starken Rückgang im Vergleich zu 8 % des Vorjahres 2012 und den niedrigsten Wert seit 2003 bedeutete. Hintergrund dieses Rückgangs war die Tatsache, dass aufgrund von Vorwürfen, wonach Ruanda die im Osten der benachbarten Demokratischen Republik Kongo kämpfende Rebellenorganisation M23 unterstütze, einige Geberländer ihre Finanzmittelzusagen kurzfristig eingefroren hatten. Dies führte während der zweiten Hälfte des Jahres 2013 zu Verzögerungen bei Haushaltsausgaben. 

Die jährlichen Zuwachsraten stützen sich hauptsächlich auf die Sektoren Land- und Bauwirtschaft sowie Dienstleistungen. Die Entwicklung der Verarbeitungsindustrie bleibt dagegen schwach.

Eine entscheidende Schwachstelle im nationalen Wirtschaftssystem stellt das hohe Handelsdefizit dar. Der Wert der importierten Produkte liegt mehr als doppelt so hoch wie der Exportwert. Lösungsansätze im Bereich der Exportförderung könnten am Beispiel Bergbau Teilerfolge verzeichnen. 

Staatliche Einkünfte werden größtenteils in Form von Steuereinnahmen generiert, nachdem staatliche Betriebe nahezu vollständig privatisiert worden sind. Zusätzliche Staatsfinanzierung erfolgt durch Budgethilfe aus der internationalen Gebergemeinschaft und Kreditaufnahme, welche im Fiskaljahr 2016/2017 insgesamt nahezu 40 % des nationalen Jahreshaushalts darstellen. Ruanda genießt einen recht guten Ruf hinsichtlich verantwortlicher Mittelverwendung, Wirtschaftsreformen und Armutsbekämpfung. Seitens der Geber ist dennoch in Zukunft mit Unsicherheiten bei Zuflüssen zu rechnen, unter anderem da Ruanda vorgeworfen wird eine negative Rolle in benachbarten konfliktreichen Ländern (Ost-Kongo und Burundi) zu spielen. Eine weitere Deviseneinnahmequelle stellen zunehmend Rücküberweisungen aus der ruandischen Diaspora dar.

Wirtschaftspolitik

Kigali City Tower - neues Bürogebäude im Stadtzentrum © Nshimyumukiza
Kigali City Tower - neues Bürogebäude im Stadtzentrum © Nshimyumukiza

Seit 2007 steht die Implementierung des Armutsbekämpfungsprogramms (Economic Development and Poverty Reduction Strategy - EDPRS 1 und 2) im Vordergrund. Wichtige wirtschaftspolitische Ziele sind ebenso die Kapitalisierung der ländlichen Wirtschaft und ein Ausbau der Infrastruktur. Mit einem 2005 verabschiedeten Gesetz zur Landreform sollen mehr Anreize zu Investitionen gegeben werden als im System des "Customer ownership", da nun eine umfassende Landregistrierung stattgefunden hat und nachweislich Landtitel systematisch erworben werden. Zur Diversifizierung der Exporte versucht die Regierung alternative "cash crops" wie Blumen oder Obst zu fördern. Weiter soll die Tee- und Kaffeeproduktion intensiviert werden.

Ruandas Lage in der Mitte einer Region, die über 140 Mio. Einwohner zählt, macht das Land potenziell zum strategischen Ausgangspunkt, von dem man aus Zugang zu einem signifikanten regionalen Markt hat. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, Kigali zu einem wichtigen „Hub“ in der Region zu machen. Entsprechend diesem Ziel stehen umfangreiche Investitionen im Transportsektor an. Das bestehende Straßenverkehrsnetz wurde bzw. wird gerade rehabilitiert und erweitert. Das Großbauprojekt zur Verlängerung der Eisenbahnlinie vom tansanischen Isaka bzw. von Kampala nach Ruanda und Burundi befinden sich in Planungsphasen. Im Bereich des Luftverkehrs gehört, neben der Modernisierung des Flughafens Kigali, der langfristig geplante Bau eines neuen internationalen Flughafens in Bugesera - südlich der Hauptstadt - zu den wichtigsten Projekten. 

Eine weitere Maßnahme, die die Rolle Ruandas als regionales Handelszentrum zwischen den Märkten und Häfen Ostafrikas und dem Ostkongo bzw. Burundi stärken soll, ist die bereits umgesetzte Gründung und anstehende Erweiterung einer industriellen "Special Economic Zone" (SEZ) bei Kigali.

Entsprechende Zeichen setzten auch die fortlaufenden marktorientierten Reformmaßnahmen der Regierung für die Wirtschaft. Eine Politik, die Ruanda zu besonderer Anerkennung der internationalen Geber und Partnerländer verhilft. Dies zeigt unter anderem die positive Einstufung im Rahmen des jährlichen "Doing Business-Report", ein von der Weltbank veröffentlichter Bericht der Reformen zur Verbesserung des Wirtschaftsklimas weltweit analysiert. Im aktuellen Bericht erreichte Ruanda Platz 41 von 190 Staaten im globalen Vergleich und belegt damit hinter Mauritius (Rang 25) den zweiten Rang auf dem afrikanischen Kontinent. Der Report gilt als hoch angesehener Indikator und Wegweiser für ausländische Investoren.

Wie in anderen afrikanischen Ländern spielt die Partnerschaft mit China, eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung Ruandas. Chinas Hauptinteresse in Ruanda liegt nicht - wie es oft in anderen afrikanischen Ländern der Fall ist- in Ausbeutung natürlicher Ressourcen (Mineralien und Land), sondern in anderen diversifizierten Aktivitäten. Die meisten größeren Infrastrukturprojekte Ruandas werden auch durch chinesische Baufirmen durchgeführt, die sonst begleitende Einsetzung chinesischer Manpower wird jedoch durch Restriktionsmaßnahmen eingeschränkt. Ferner investieren chinesische Unternehmen in Produktions- und Serviceindustrie zusätzlich zum Einzelhandel. China sieht offensichtlich das Land als Ausgangspunkt für die Expansion seiner Präsenz in der Region. Die langfristigen Investitionspläne Chinas in Ruanda wurden durch die Auswahl von Kigali als eine der drei Stationen von Chinas Präsident, Xi Jinping, auf seiner jüngsten Afrikareise im Juli 2018 zementiert.

 

 

Sektoren der Wirtschaft

Landwirtschaft

Teeplantage Kitabi im Süden Ruandas
Teeplantage Kitabi im Süden Ruandas © ORTPN

Die das gesamte Land prägende Agrarlandschaft ist durch terrassierte grüne Hänge, Streusiedlungen, stark parzellierte Anbauflächen sowie eine Vielfalt von Kulturpflanzen charakterisiert.

Die Landwirtschaft ist die Grundlage der ruandischen Wirtschaft. Etwa 85 % der Bevölkerung lebt direkt von der Landwirtschaft, weitere 5 % von der Verarbeitung und Vermarktung der agrarischen Erzeugnisse. Der primäre Sektor trägt mit 39 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, die meisten Arbeitsplätze hängen maßgeblich davon ab. Rund 50 % der Exporterlöse werden durch Agrarprodukte wie Kaffee und Tee erzielt, sowie Pyrethrum (Blüten zur Herstellung von Insektiziden) und Chinarinde in geringen Mengen. Dies findet jedoch unter ausgesprochen schwierigen Rahmenbedingungen statt:

  • Die Fruchtbarkeit der Böden ist regional unterschiedlich, nährstoffarme, saure und tropische Böden überwiegen. Die vulkanischen Böden im Norden des Landes sind dagegen sehr fruchtbar. Die milden Jahrestemperaturen und die geringen Temperaturschwankungen im Laufe des Jahres ermöglichen normalerweise zwei Ernten pro Jahr.
  • Die extrem hohe Besiedlung sowie das ebenfalls hohe jährliche Bevölkerungswachstum haben eine Bodenverknappung und begrenzte Landreserven zur Folge, welche weiter abnehmen. Etwa zwei Drittel der Gesamtfläche des Landes wird landwirtschaftlich genutzt. So verfügen kleinbäuerliche Familien im Durchschnitt nur noch über weniger als einen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.
  • Dazu kommt der schwierige Ackerbau auf Steilhängen im „Land der tausend Hügel“. Diese landestypische, hügelige Naturbeschaffenheit führt, bei häufigen, für diese geographische Lage (zwischen 1° und 3° südlich vom Äquator) typischen starken Regenfällen zu entsprechender Bodenerosion. Eine weitere Konsequenz stellt die fortschreitende Bodendegradation dar, die durch mangelnde periodische Brachlegung beschleunigt wird.

Um der akuten Lage entgegen zu wirken, werden einige Anstrengungen seitens der Regierung initiiert wie der Erosionsbekämpfung mit Hilfe von landesweiten Terrassierungsmaßnahmen, einer Nutzbarmachung von Sumpfgebieten, der Einführung effizienten Saatguts und der Einsatz von Düngemitteln.

Ferner wird die Kapitalisierung der Landwirtschaft vorangetrieben. Zu diesem Zweck werden Bauernkooperativen intensiv gefördert, finanzielle Mittel werden, neben Privatinvestitionen, u.a. über gezielte Kanalisierung von Entwicklungshilfe bereitgestellt. Eine bereits beschlossene Regionalisierung einzelner Kulturen wird derzeit nur ansatzweise umgesetzt.

Der Beitrag der Regierung zielt auf Ertragssteigerung, um die Landwirtschaft als Motor der internen Gesamtwirtschaft zu stärken und kann dabei allmählich auf sichtbare Erfolge zurückblicken. Seit 2008 geht die Regierung davon aus, dass die Nahrungsproduktion in den meisten Landesteilen prinzipiell ausreicht, um die Grundversorgung der Bevölkerung an lokalen Lebensmitteln zu sichern. Dies setzt jedoch einen günstigen saisonalen Wechsel voraus. Die Ernährungssicherheit ist nach FAO-Daten nicht gegeben (ca. 30 % der Bevölkerung leidet nach FAO Statistiken unter Unterernährung).

Ackerbau auf steilhängen - Erosionsbekämpfung
Ackerbau auf Steilhängen © Goebel/LMZ Koblenz

Nach wie vor überwiegt jedoch die Subsistenzwirtschaft, die einen Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche beansprucht. Mehr als zwei Drittel der Erzeugung wird zur Ernährung der eigenen Familie verwendet, so dass kaum Überschüsse für die regionale Vermarktung übrig bleiben.

Bananen sind von der Menge und dem Wert her das bedeutendste Anbauprodukt für den Inlandsmarkt. Weitere Anbauprodukte sind Bohnen, Sorghum (Hirse), Mais, Maniok, Süßkartoffeln, Kartoffeln, Tomaten, Karotten, Grünkohl, Erdnüsse und tropisches Obst wie Papaya, Avocado, Maracuja, Mango, Ananas etc.

Um Exporte zu steigern, hat der Staat (seit dem Jahr 2002) auch mit Hilfe von Kooperationspartnern, die Wiederbelebung des Tee- und Kaffeeanbaus gefördert.
Kaffee wird überwiegend in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut und ist für viele Bauern traditionell die einzige Geldeinnahmequelle. Auf Grund der Ende der 80er Jahre stark gesunkenen Weltmarktpreise galten Kaffeebäume als unergiebig und sind teilweise zu Gunsten anderer Kulturen vernichtet worden.

Neue Impulse setzen den Schwerpunkt auf Mehrwertschöpfung durch Weiterverarbeitung der Anbauprodukte vor Ort. Eine wichtige Rolle spielt die landesweit initiierte Bildung von Genossenschaften. Ziel ist Investitionen u.a. in Kaffee-Waschanlagen zu ermöglichen, welche für einzelne Bauern nicht finanzierbar wären. Im Bereich dieser genossenschaftlichen Betriebe sind erfreuliche Entwicklungen zu verzeichnen. Einen Vorteil stellt die gemeinsame Direktvermarktung dar, die zu höheren Erlösen für die Bauern führt.

Die Teeproduktion erfolgte früher überwiegend in staatseigenen Plantagen, wo der Tee auch weiterverarbeitet wurde. Ein geringer Anteil wurde in genossenschaftlichen und bäuerlichen Betrieben angebaut. Mittlerweile wurden Teebetriebe weitgehend bereits privatisiert oder sind zur Privatisierung ausgeschrieben.

Viehzucht

Langhornige Kühe in der traditionellen Viehzucht
Langhornige Kühe in der traditionellen Viehzucht Foto: J. Nshimyumukiza

In Ruanda ist Großviehhaltung schon seit langer Zeit bekannt. Die Bedeutung der Rinder lag früher weniger im ökonomischen als vielmehr im gesellschaftlichen Bereich. Die Anzahl der Tiere bestimmte den sozialen Rang einer Familie. Der Wert der Rinder drückte sich vor allem in der Größe der Hörner aus. Die Fleisch- und Milchleistungen sind heute noch sehr gering. Diese schwachen Ertragsleistungen erklären sich einmal aus der Rinderrasse, zum anderen durch die Unterernährung der Rinder aufgrund der Überweidung der wenigen noch verbliebenen Weideflächen.

Eine Verbesserung der Großviehzucht erhofft man sich durch eine heute bevorzugte ertragsintensivere Rinderrasse sowie durch integrierte halbintensive Viehhaltung mit Feldfutterbau und Stallhaltung. Die Viehhaltung auf freien Weideflächen ist heute durch staatliche Verordnung verboten. "Girinka" auch "one cow per poor family program" genannt, eine Regierungsinitiative, die darauf abzielt, bedürftige Familien mit dem Besitz einer Kuh zu fördern. Es handelt sich dabei um eine sogenannte "home grown"-Initiative zur Verbesserung landwirtschaftlicher Erträge und Ernährungsgrundlage der Empfängerfamilien. Zusätzlich erfährt der begünstigte Kreis gesellschaftliche Wertschätzung, da die Kuh traditionell als wertvolles Geschenk und Statussymbol gilt. 

Die Kleinviehhaltung von Geflügel und Kaninchen, aber auch von Ziegen, Schweinen und Schafen, gewinnt aufgrund der vergleichsweise anspruchslosen Fütterung und Pflege zunehmend an Bedeutung.

Trotz einiger Fortschritte in der Viehzucht reicht die Produktion von Milch und Fleisch nicht zur Deckung des Eiweißbedarfes der Bevölkerung aus. Die wenigsten Ruander können sich eine regelmäßige Fleischversorgung leisten. Der größte Teil der Eiweißversorgung stammt aus Hülsenfrüchten und Getreide.

Industrie und Bergbau

Primus, ein lokales Bier
Primus, ein lokales Bier © Rachel Strohm_(CC BY-ND 2.0)

Die industrielle Entwicklung Ruandas hat noch einen langen Weg vor sich. Eine schnelle Entwicklung wird durch eine Reihe von Faktoren gehemmt: der Mangel an Kapital und Fachkräften, das Fehlen eines ausreichend aufnahmefähigen Binnenmarktes, der unzureichende Ausbau der Infrastruktur, z.B. des Verkehrsnetzes und der Stromproduktion und die verkehrsabseitige Binnenlage, welche sehr hohe Transportkosten zur Folge hat.

Die Industrie Ruandas konzentriert sich im Wesentlichen auf die Verarbeitung einheimischer Agrarprodukte, weitere Industriezweige sind die Herstellung einfacher landwirtschaftlicher Geräte wie Hacken u. Macheten, die Produktion von Baumaterial wie Zement, Bausteine, Rohre usw.. sowie die Herstellung von alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie Hygieneartikel, Textilien, Möbel usw...

Der größte industrielle Arbeitgeber ist eine Bierbrauerei (Bralirwa) in Rubabu, eine Tochtergesellschaft des niederländischen Multis "Heineken", die jahrelang ein Monopol hielt. Mit dem Einstieg von Skol International ltd. im Jahr 2012, gibt es einen zweiten Anbieter auf dem Markt. Beide Unternehmen nehmen eine wichtige Stelle im Alltagsleben Ruandas ein und tragen durch Abgaben maßgeblich zum Staatshaushalt bei.

Der Bergbau spielt mit der Förderung und Verarbeitung von Zinnerz, Coltanerz und Wolframerz, insbesondere für den Export, eine wichtige Rolle.

Entgegen der in medialen Kreisen weit verbreiteten Information wonach Ruandas Mineralienexporte aus der benachbarten Demokratischen Republik Kongo stammen würden, verfügt Ruanda über eigene Rohstoffaufkommen. Strategische Metallerze mit hoher Weltmarktnachfrage - wie Zinn, Wolframit und Tantalit (Coltan)- sind zwar nicht in umfangreicher Größenordnung wie beispielsweise in der benachbarten DR Kongo, jedoch in wirtschaftlich rentablen Mengen wohl vorhanden. Der Export von mineralischen Rohstoffen generiert auch nach dem Tourismussektor die zweithöchsten Einkünfte des Landes, noch vor dem Verkauf von Agrarprodukten wie Kaffee und Tee.

Zinnabbau in Rutongo bei Kigali
Zinnabbau in Rutongo bei Kigali © Nshimyumukiza

Energie- und Wasserversorgung

Der Energiesektor bleibt der bedenklichste Engpassfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Über 95 % des Energiebedarfes werden von den traditionellen Brennstoffen Holz und Holzkohle gedeckt. Diese werden überwiegend für Kochzwecke in den ländlichen Haushalten verbraucht.

Verladung eines Notstromaggregats
Energieprobleme - Verladung eines Notstromaggregats © J. Nshimyumukiza

Nur ca. 20 % der Bevölkerung hat Zugang zu Strom. Die gesamte Stromproduktion des Landes ist mit gerade einmal 208 MW (Stand Anfang 2017) völlig unzureichend. Diese wird überwiegend aus Wasserkraft gewonnen, sowohl durch mittelgroße staatliche Betriebe als auch durch Mikro-Anlagen, welche zum Teil privat betrieben werden. Ca. 15 MW werden aus den Gemeinschafts-Wasserkraftwerken (Rusizi I u. II) importiert, die neben Ruanda auch die Nachbarstaaten Burundi und Kongo mit Strom beliefern. Um der Notsituation entgegen zu wirken, hat das für Strom- und Wasserversorgung zuständige Unternehmen Rwanda Energy Group "REG" (vormals EWASA bzw. noch früher Electrogaz) 2005 zusätzlich Notstrom-Dieselgeneratoren angeschafft - eine kurzfristige Lösung, denn die für den Betrieb benötigten Ölprodukte werden über große Entfernungen und schlechten Straßen vom Indischen Ozean herangeschafft und sind dementsprechend sehr teuer (ein Liter Benzin bzw. Diesel kostet umgerechnet ca. EUR 1,10 (Stand Anfang 2017).

Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass der Seewasserspiegel an den Produktionsstätten (Kivusee, Bulera-Ruhondo) aufgrund übermäßiger Nutzung und/oder klimatischen Veränderungen schwankt. Zugleich wächst der Energiebedarf durch das Wachstum der Städte und dem wirtschaftlichen Aufschwung. Der Strom wird daher hin und wieder in Netzbereichen abwechselnd abgeschaltet.

Die Regierung hat die Energiegewinnung zur Priorität erklärt und geht mit entsprechend aggressiver Strategie voran. Die hoch ambitionierte Zielsetzung lautet, die heutige gesamte Kapazität bis Ende 2017 auf 560 MW zu erhöhen.

offshore-Plattform auf dem Kivusee bei Rubavu
Offshore-Anlage zur Gewinnung von Methangas aus dem Kivusee bei Rubavu ©J. Nshimyumukiza

Ein Potenzial stellt das im Kivu-See enthaltene Methangas aus vulkanischer Aktivität dar. Die vorhandenen Reserven werden auf 60 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Seit 1983 wird dieses Naturgas im Rahmen eines Pilotprojekts zur Energiegewinnung für die Brauerei BRALIRWA in Rubavu (ehemals Gisenyi) genutzt. Ein erstes von Methangas betriebenes 2 MW-Kraftwerk läuft bereits seit 2010. Ein weiteres 25 MW-Kraftwerk wurde im Mai 2015 in Karongi (ehemals Kibuye) offiziell eingeweiht. Das weltweit einzigartige Methangas-Projekt KivuWatt, das - in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Unternehmen ContourGlobal - Pionierarbeit leistete, hat ca. sieben Jahre Entwicklungszeit gebraucht. Weitere Anlagen dieser Art sollen nach Rücksprache mit dem Nachbarstaat DR Kongo folgen, der ebenso Anrainer des Kivu-Sees ist.

Zusätzlich zum Methangas setzen weitere Energievorhaben, neben dem Bau neuer Wasserkraftwerke, auf diverse vorhandene Potenziale wie Geothermie, Solarenergie, Torfvorkommen und Biogas.

Schulkinder holen Trinkwasser
Schulkinder beim Wasserholen © Goebel/LMZ Koblenz

Der Zugang zur Trinkwasserversorgung ist ebenfalls unzureichend. Aufgrund der hohen Niederschläge verfügt das Land zwar über ausreichende Wasserreserven, der Bau von Trinkwasserleitungen für die ländliche Bevölkerung ist wegen der hügeligen Geländestruktur des Landes jedoch schwierig und teuer. Eine öffentliche Abwasserentsorgung gibt es nur in wenigen Neubaugebieten. Nur ein sehr kleiner Anteil der Haushalte hat eine geregelte private Abwasserbeseitigung.

Handwerk

Baustelle
Baustelle © J. Nshimyumukiza

Aufgrund der fehlenden Industrialisierung Ruandas und der unzureichenden landwirtschaftlichen Nutzfläche spielt das lokale Handwerk eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Arbeitsplätzen. In den Städten sowie im ländlichen Raum existiert bereits eine Vielzahl von kleinen Handwerksbetrieben, insbesondere Schreiner, Schlosser, Maurer und Schneider, die auf einem sehr niedrigen technischen Niveau produzieren. Gründe dafür sind der noch unzureichende Ausbildungsstand als auch das mangelnde Kapital zur Beschaffung von qualitativ guten Handwerksgeräten.

Ein weiteres Problem für das ruandische Handwerk stellt der begrenzte lokale Markt dar. Die Kaufkraft der ruandischen Bevölkerung ist zu gering, um dem handwerklichen Sektor Impulse durch eine hohe Binnennachfrage zu verschaffen. Der Export von handwerklichen und industriellen Produkten ist wegen der hohen Transportkosten oft nicht rentabel.

Tourismus

Berggorilla im Virunga-Nationalpark
Berggorilla im Virunga-Nationalpark © ORTPN

Der Tourismus hat sich zunehmend zu einem Motor für die Wirtschaft Ruandas entwickelt. So stand der Tourismussektor mit Einnahmen in Höhe von US$ 42,3 Millionen in 2007 zum ersten Mal an der Spitze der Deviseneinnahmequellen, vor den Erlösen aus Kaffee und Tee. Im Jahr 2014 hat die staatliche Behörde für Tourismus und Naturschutz zum ersten mehr als eine Million Besucher gezählt. Die hier erzielten Einnahmen stiegen entsprechend auf ca. US$ 300 Millionen.

Für das laufende Jahr (2017) erwartet der Tourismussektor Gesamteinnahmen über 400 Mio. US$. Dieser Sprung soll u.a. durch den neu eingerichteten Nationalpark von Gishwati-Mukura im Westen des Landes möglich gemacht werden.

Die Hauptattraktion für Touristen stellen die in der Region der Virunga-Vulkane im Grenzgebiet von Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo und Uganda lebenden Berggorillas dar. Nicht zuletzt auf Grund des Kinofilms "Gorillas im Nebel" sind diese weltweit berühmt geworden. Seitdem ist die Aufmerksamkeit auf diese vom Aussterben bedrohten Primaten stetig gestiegen.

Die Regierung setzt auf den Tourismus als Wirtschaftsmotor und fördert einen intensiven Branchenausbau. Gegen eine schnellere Erschließung des natürlichen Potenzials sprechen jedoch verschiedene Gründe. Die Konkurrenz der benachbarten Länder Kenia, Tansania und Uganda ist hoch. Die Beherbergungsbetriebe verfügen überwiegend nur über einen niedrigen Standard. Gemessen an internationalen Standards sind sie unbefriedigend. Hotels mit gehobenem bzw. Luxusstandard findet man in Kigali, am Kivu-See und in den Nationalparks. Das Straßennetz ist nur teilweise ausgebaut, dieses ermöglicht außerhalb der Hauptverbindungsstrecken keinen ganzjährigen Verkehr.

Im Laufe der letzten Jahre waren wachsende Besucherzahlen zu verzeichnen. Dies ist unter anderem dem starken Zuwachs an Investitionen im Hotelbau zu verdanken. Auch bei Flugverbindungen hat sich einiges getan, zur ehemals einzigen Fluggesellschaft Brussels Airlines mit direkten Flügen aus Europa hat sich mittlerweile KLM gesellt. Mit South African Airways, Qatar Airways und Turkish Airlines zählt Ruandas Hauptstadt Kigali seit Anfang 2012 weitere internationale Anbieter.

Kigali Convention Centre - Schauplatz des 27. Gipfeltreffens der afrikanischen Staats- und Regierungschefs (27th AU Summit) (Foto: GCIS, CC BY-ND 2.0)
Kigali Convention Centre - Schauplatz des 27. Gipfeltreffens der afrikanischen Staats- und Regierungschefs (27th AU Summit) (Foto: GCIS, CC BY-ND 2.0)

Zur Beschleunigung des Wachstums im Tourismussektor hat die Regierung ihre Strategie erweitert und einen zusätzlichen Schwerpunkt auf dem Gebiet der Meetings, Incentives, Konferenzen und Events (MICE) gelegt. Dabei beabsichtigt man das Land als Ziel für internationale Konferenzen und andere Events attraktiv zu machen. Die in diesem spezifischen Bereich generierten Einkünfte, welche im Jahr 2013 bei ca. 49 Millionen US $ lagen, sollen sich zukünftig verdreifachen. 
Um entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, wurden signifikante Investitionen in notwendige Infrastrukturmaßnahmen getätigt. Mit dem “Kigali Convention Center” wurde im Juni 2016 ein ikonisches Konferenzzentrum fertiggestellt. In Kombination mit einem Fünf-Sterne-Hotel der namhaften Hotelkette “Radisson Blue”, bietet der neue Infrastrukturkomplex gute Voraussetzungen für hochkarätige Veranstaltungen aller Art. Als erste große Veranstaltung durfte die Institution vom 11. bis 18. Juli 2016 das 27. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union beherbergen.  

Hotelkapazitäten haben sich insgesamt erhöht, in gehobener Hotelkategorie hat z.B. die Hotelkette  Marriott in Kigali ihr erstes Hotel in Subsahara-Afrika eröffnet.
Darüber hinaus ist mit dem Bugesera International Airport - ein neuer moderner Flughafen bereits im Bau - welcher zusätzliche Kapazitäten für die Personen- und Frachtbeförderung bieten wird.

Außenhandel

Der Außenhandel Ruandas verzeichnet einen hohen Importüberschuss. Zu den Exportprodukten zählen, neben den traditionellen Ausfuhrgütern Kaffee und Tee, auch die Bergbauerzeugnisse Kassiterit, Wolfram und Colombo-Tantalit (Coltan). Trotz steigender Exporte bleibt regelmäßig ein enormes Handelsbilanzdefizit, das nach diversen Schätzungen bei ca. 1200 Mio. US$ in 2015 lag.

Importe nach Ruanda werden von Investitionsgütern, Maschinen und Fahrzeugen beherrscht, gefolgt von Nahrungsmitteln, chemischen- und Vorerzeugnissen. Wesentliche Handelsschranken bestehen zum einen in Einfuhrzöllen (von 25 % für diverse Fertigwaren bis 100 % für Luxusprodukte (Ausnahmen gelten für COMESA-Länder), für gewisse Investitionsgüter werden keine Einfuhrzölle erhoben. Zum anderen bestehen starke technische Mängel in der Logistik der Grenzabfertigung (keine Kühlhäuser beim Zoll etc.).

Die Binnenlage im zentralen Ostafrika sowie die fehlende Eisenbahn sind für Ruanda ein großes wirtschaftliches Hindernis. 9/10 des Außenhandels werden per Lastkraftwagen abgewickelt. Die beiden Transportkorridore über Kampala in Uganda nach Mombasa bzw. durch Tansania zum Hafen von Dar es Salaam sind die einzigen Zugänge zum Indischen Ozean. Die dadurch entstehenden hohen Transportkosten verteuern die Preise für die Import- bzw. Exportprodukte wesentlich.

Um dem Handelsdefizit entgegen zu wirken, versucht die Regierung, neben der Förderung existierender Exportprodukte, neue Export-Fördermaßnahmen zu initiieren. Der für diesen Zweck ursprünglich entwickelte Plan eine klassische freie Handelszone einzurichten, erwies sich als fehlerhaft. Stattdessen hat sich der Fokus auf die Errichtung einer „Special Economic Zone" (SEZ) gerichtet. Dabei geht es um ein spezifisches Gewerbegebiet, welches mit moderner Infrastruktur und insgesamt mit möglichst optimalen Rahmenbedingungen ausgestattet wird. Diese Bemühungen zielen darauf, Investitionen zu fördern, wobei der Schwerpunkt auf produzierendem Gewerbe liegt, die lokale Produkte für den regionalen Markt weiterverarbeiten. Die Projektfinanzierung erfolgt über Joint Venture zwischen der Regierung, die mit 30 % beteiligt ist und privaten Unternehmen. 

Gütertransport auf der Straße
Gütertransport auf der Straße © Goebel/LMZ Koblenz

Haupthandelspartner Ruandas sind China, Kenia, Uganda, die Demokratische Republik Kongo, Großbritannien, Deutschland, Belgien sowie die USA.

Die seit 2007 bestehende Mitgliedschaft Ruandas in der East African Community (EAC) hat zunehmend Auswirkungen auf den regionalen Warenaustausch. Dabei sind vor allem steigende Importe aus den Mitgliedsländern mit stärkerer Industrie zu beobachten, vor allem aus Kenia.

Die Devisenregulierung ist weitestgehend liberalisiert. Die Einfuhr von Devisen ist unbegrenzt, die Ausfuhr ist bis zu hohen Grenzbeträgen möglich.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Armutsbekämpfung, Millennium Development Goals

In Anlehnung an die "Millennium Development Goals (MDGs)" der UN hat Ruanda den langfristigen strategischen Entwicklungsplan "Vision 2020" ausgearbeitet. Seine elementaren Ziele sind, neben der Schaffung einer modernen IT-gestützten und wissensbasierten Gesellschaft, die Modernisierung der Landwirtschaft, einschließlich der Schaffung von nicht-landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen auf dem Land. Das Pro-Kopf-Einkommen will die Regierung auf das Niveau der Länder mittleren Einkommens anheben.

Weitere Ziele sind die Erhöhung der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) und ein Ausbau des Exportsektors. Die Reformen auf Güter-, Arbeits- und Finanzmärkten orientieren sich ebenfalls an ihnen. Das zum ersten Mal im Jahr 2002 formulierte nationale Armutsbekämpfungsstrategiepapier (PRSP), sowie die Nachfolgepläne sind jeweils in der Vision 2020 eingebettet. Das Nachfolgepapier EDPRS, mit starkem Akzent auf der Wirtschaftsförderung, wurde von 2007 bis 2012 umgesetzt. Die laufende Entwicklungsphase orientiert sich seit 2013 nach dem Folgeprogramm EDPRS II.

Über die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs), welche bis Ende 2015 umgesetzt werden sollten, wurde in Ruanda eine positive Bilanz gezogen. Der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), dem seit Anfang 2016 bis Ende 2030 laufenden globalen Nachfolgeprojekt, stand die Regierung Ruandas von Anfang an entsprechend positiv gegenüber. Der zuständige Rat der Vereinten Nationen hat beschlossen das regionale Zentrum für Afrika zur Unterstützung der Umsetzung der SDGs in der Region in Ruanda zu errichten. Dies kann als Anerkennung des besonderen Engagements der ruandischen Regierung hinsichtlich der sowohl bereits erfolgten als auch der zukünftigen Umsetzung der MDGs bzw. SDGs bewertet werden.

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Die Regierung Ruandas, die sich von Anfang an des negativen Images im Ausland, bedingt durch den weitreichend bekannten Genozid, durchaus bewusst war, folgt seit vielen Jahren einer Reformagenda, die auf eine Beseitigung der Beschränkungen für private Investitionen abzielt. Durch die Gründung einer Export- und Investmentagentur im Jahre 2004 (Riepa) heute RDB, verbunden mit einem so genannten "One-Stop-Center" für Investoren, sind die Formalitäten stark vereinfacht worden. Seit 1994 hat das Land einen wesentlichen Fortschritt im Wiederaufbau seiner wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur gemacht. Seine Errungenschaften, landesweit Sicherheit zu garantieren und eine für die Region bemerkenswert gut funktionierende Regierung und Administration einzusetzen, werden von internationalen Organisationen und bilateralen Partnern, aber auch zunehmend von privaten Investoren, anerkannt. Eine wesentliche Rolle spielt auch die relativ geringe Korruption, die das Land in den vergangenen Jahren verzeichnet. Transparency International führt Ruanda in seinem aktuellen Ranking von 2017 auf Platz 48 von 180 untersuchten Ländern, ist damit mit Abstand besser platziert als alle Nachbarstaaten und liegt im Afrikavergleich mit dem Inselstaat Kap Verde  an zweiter Stelle, hinter Botswana . 

Die Regierung bemüht sich vor allem um die Privatisierung aller noch im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen. Die größten Privatisierungsvorhaben umfassten im Jahr 2005 die ruandische Telefongesellschaft Rwandatel, den staatlichen Anbau und die Verarbeitung von Tee sowie Mehrheitsanteile an den Geschäftsbanken BACAR und BCR. Nach dem Privatisierungsplan der Regierung sind dies noch 35 von ehemals 70 Unternehmen, darunter der Energiemonopolist EWSA (vormals Electrogaz).

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Die Haushaltsfinanzierung in Ruanda ist stark geberabhängig. Die ruandische Regierung arbeitet sehr eng mit den multilateralen Institutionen IWFWeltbank sowie den verwandten Agenturen und Banken (IDAAfDB) zusammen. Das Land bemüht sich im Hinblick auf "Aid Effectiveness" sichtlich um die Umsetzung der Auflagen, auch wenn dies sozialpolitisch zu Problemen führt.

Sichtbarste Maßnahmen waren die Straffung der Budgeterstellung, die Reform der Territorialgliederung, die Reduzierung der Zahl öffentlicher Bediensteter, aber auch die Kürzung der Ausgaben der öffentlichen Hand für Bewirtschaftungskosten (z.B.: Verkauf der nahezu gesamten öffentlichen Fahrzeugflotte im Jahr 2005).
Der IWF und die sich an ihm orientierenden Budgethilfegeber honorieren dies. Ruanda hat im April 2005 den HIPC "completion point" erreicht, der IWF vergab erneut eine so genannte Poverty Reduction and Growth Facility (PRGF) und der Anteil der Budgethilfe an der gesamten Entwicklungshilfe steigt.

Weitere wichtige multilaterale Geber sind die EU und die UN Programme, darunter das UNDP und das World Food Programm (WFP). Auf bilateraler Ebene sind die wichtigsten Geberländer die USAGroßbritannien, Belgien, die Niederlande und Deutschland. Zahlreiche NGOs sind ebenfalls mit unterschiedlichsten Projekten in Ruanda präsent.

Deutsche Wirtschafts-, Entwicklungs- und Hilfsorganisationen im Lande

Seit 2001 zählt Ruanda zur Kategorie der Schwerpunktpartnerländer des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zahlreiche Projekte wurden in dieser Zeit umgesetzt. Die ruandisch-deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit konzentriert sich derzeit auf die Schwerpunkt­bereiche Dezentralisierung und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (Privatsektorförderung und berufliche Bildung).

Im Juli 2012 wurden die im Rahmen der allgemeinen Budgethilfe zugesagten Finanzmittel in Höhe von insgesamt 21 Mio. für drei Haushaltsjahre ausgesetzt. Hintergrund dieser Entscheidung war ein umstrittener schwerer Vorwurf an die ruandische Regierung wonach diese eine im Nachbarstaat DR Kongo agierende Rebellenorganisation (M23) militärisch unterstützen würde.

Schließlich gab das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Januar 2013 Teile der eingefrorenen Mittel wieder frei. Die zuvor für das Haushaltsjahr 2012/2013 vorgesehene allgemeine Budgethilfe in Höhe von 7 Mio. €  wurde jedoch zugunsten des Schwerpunkts Wirtschaftsförderung, insbesondere der beruflichen Bildung, umprogrammiert.

Anfang Juni 2013 stattete der Bundes­­mi­nister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, Ruanda einen zweitägigen Besuch ab. Im Umfeld der Reise äußerte sich Dirk Niebel mehrfach positiv sowohl zur Entwicklungspolitik Ruandas im Allgemeinen als auch zur bilateralen Zusammenarbeit zwischen Ruanda und Deutschland. Im Mittelpunkt der Reise stand der Kooperationsschwerpunkt Dezentralisierung sowie der Bereich Berufsausbildung.

Bei den letzten Regierungsverhandlungen im November 2014 hat Deutsch­land die Reformbereitschaft Ruandas gewürdigt. 

Neben den Durchführungsorganisationen GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und CIM ist die Entwicklungsbank KfW heute ständig vor Ort vertreten. Die GIZ ist zusätzlich in der Arbeit des Zivilen Friedensdienstes vor Ort aktiv. Ferner ist die Deutsche Welthungerhilfe, das Deutsche Rote Kreuz und auch die Sparkassenstiftung im Mikrofinanzwesen und zum Aufbau einer Cooperative Bank in Ruanda tätig. 

Wirtschaftsbeziehungen haben zwischen Ruanda und Deutschland lange eine untergeordnete Rolle gespielt. Die wenigen deutschen Wirtschaftsunternehmen, die bisher auf dem ruandischen Markt tätig waren, beschränkten sich auf den Handelsbereich oder haben Infrastrukturprojekte durchgeführt. Als Handelsprodukte werden vor allem Maschinen aus Deutschland nach Ruanda exportiert und in Umkehrrichtung Kaffee und Tee geliefert. Der Beitrag zum jeweiligen Gesamtvolumen bleibt dabei vernachlässigbar gering. 

Anfang 2018 hat sich mit dem Autokonzern Volkswagen das erste bedeutende deutsche Unternehmen in Ruanda registrieren lassen. Das Unternehmen hat dabei Investitionspläne vorgestellt, welche im afrikanischen Kontext eine Zukunftsvision darstellen. Derzeit baut VW ein Werk in der Hauptstadt Kigali auf, in dem zukünftig kleine Fahrzeuge sowie Geländewagen mittlerer Klasse gebaut werden. Langfristig beabsichtigt VW Elektrofahrzeuge in Ruanda zu produzieren. Ferner sollen die Aktivitäten auf den Geschäftsbereich "Mobilität" (Autovermietung, Carsharing u.a.) erweitert werden.

In dem Zusammenhang ist die bereichsübergreifende Initiative "Moving Rwanda” entstanden. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), ruandischen Partnern, sowie mit den anderen deutschen Großunternehmen Siemens und SAP sowie der mittelständischen Firma Inros Lackner, wird ein digitales Verkehrskonzept mit Schwerpunkt auf Mobilität und Ausbildung von Fachkräften in Ruanda entwickelt. Der Startschuss für die Initiative wurde am 28. Februar 2018 gegeben.   

Im Bereich kultureller Zusammenarbeit betreibt die Deutsche Welle (DW) seit fast 40 Jahren in Kigali eine ihrer weltweit vier Kurzwellen-Relaisstationen. Die Kolonialresidenz des ersten deutschen Generalresidenten (Kandt-Haus), Richard Kandt, wurde renoviert und im April 2004 offiziell als kleines Museum für Besucher eröffnet.

Schülerinnen aus Bad Kreuznach
Begegnung mit Schülerinnen aus Bad Kreuznach zu Besuch bei Partnern in Kirinda, Ruanda © J. Nshimyumukiza
Partnerschaftslogo Ruanda-Rheinland-Pfalz
Partnerschaftslogo Ruanda-Rheinland-Pfalz

Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda besteht seit 1982. Die einmalige Form der dezentralisierten, bürgernahen und an den Grundbedürfnissen der Menschen orientierten Entwicklungszusammenarbeit schafft einen Rahmen für eine Begegnung von Bürgern, Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen, Vereinen und anderen gesellschaftlichen Gruppen in beiden Ländern.

Heute haben über 450 Initiativen und Ruandagruppen in Gemeinden, Städten und Landkreisen sowie über 240 Schulen und Hochschulen Beziehungen zu Partnern in Ruanda aufgebaut. Seit Beginn der Partnerschaft konnten so weit über eintausend basisorientierte Kleinprojekte in Ruanda durchgeführt werden, die der Hilfe zur Selbsthilfe, der Grundbildung und der Armutsbekämpfung dienen.

Das Länderinformationsportal

Das Länderinformationsportal
Das Länderinformationsportal

Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2018 aktualisiert.

Der Autor

Jacques Nshimyumukiza

ist Architekt und in seinem Fachgebiet, Umwelt- und Raumplanung, als Consultant tätig. Nebenberuflich organisiert und leitet er vereinzelte Projekt- und Studienreisen nach Ruanda, hauptsächlich im Rahmen der langjährigen Länderpartnerschaft zwischen Ruanda und dem Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 2002 ist er als Landestrainer für Ruanda und Burundi bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit tätig und arbeitet als Trainer (DGIKT-Zertifikat) für Interkulturelle Kompetenz.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ ist der führende Weiterbildungsanbieter für die internationale Kompetenzentwicklung. Wir stehen für innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen.

> Angebote aus dem Weiterbildungskatalog

Gerne konzipieren wir für Sie maßgeschneiderte Trainingskurse, die sich an Ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen orientieren.

> Wir freuen uns über Ihre Anfragen!

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare zu diesem Länderbeitrag oder zum LIPortal insgesamt. Richten Sie Ihre Anfrage an:

Thorsten Hölzer
(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

+49 (0)228 4460 2036

Zum Kontaktformular