Tanzunterricht im Montessori-Kindergarten in Moskau © Dina Umanski
Anteil alphabetisierte Erwachsene
99,7%
Bedeutende Religionen
Christentum (Russisch-Orthodox) 42%, Islam 7%
Städtische Bevölkerung
74%
Lebenserwartung (m/w)
64 / 76 Jahre (geschätzt, 2015)
Gender Inequality Index
Rang 54 (von 154) (2014)
Anzahl der Geburten
1,6 / Frau (geschätzt, 2014)
Kindersterblichkeit
7 / 1000 Lebendgeburten

Sozialstruktur

Karte Bevölkerungsverteilung
Bevölkerungsverteilung © Copyright SASI Group (University of Sheffield, CC BY-NC-ND 3.0)

Demografische Krise

Die natürliche Bevölkerungsentwicklung war seit dem Ende der 1980 Jahre durch niedrige Geburtenraten und steigende Sterberaten gekennzeichnet. Die gesunkene Fertilitätsrate und die andauernd hohe Sterberate, die im Zusammenhang mit unzureichender medizinischer Versorgung, schlechter Ernährung, Alkoholismus und Umweltverschmutzung standen, waren die Ursachen der demografischen Krise. Der Rückgang hat die ethnisch russische Bevölkerung mehr als die meisten nicht-russischen ethnischen Gruppen betroffen. Damit können sich mittelfristig die Gewichte zwischen Mehrheitsbevölkerung und Minderheiten leicht verschieben. 

Die Volkszählung von 2010 zeigte, dass gegenüber 2002 die Einwohnerzahl um weitere 2,3 Millionen auf 142,9 Millionen abgenommen hatte. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte betrug nur 8,4 Ew./km². Dabei sind in der Binnenverteilung des Landes die Gegensätze zwischen einem dichter besie­delten Westen bzw. Süden und den großen, dünn besie­delten Regionen des Ostens bzw. Nordens sehr deutlich.

2006 hat Putin die demografische Krise als das schwerste Problem des modernen Russland bezeichnet und leitete eine Kampagne zur Steigerung der Geburtenrate und zur Senkung der Sterberate ein. Mehrere nationale Programme sollen helfen, die Geburtenrate zu steigern. So erhalten seit 2007 Eltern ab ihrem zweiten neugeborenen Kind eine einmalige staatliche Beihilfe in Höhe von 250.000 Rubel (umgerechnet ca. 7100 Euro). Dadurch konnte schon in der ersten Jahreshälfte 2007 die Geburtenrate auf das höchste Niveau seit dem Zerfall der Sowjetunion gebracht werden. 

Seit 2006/07 haben aufwändige Bemühungen zu einer Steigerung der Geburtenzahl bzw. einer bedeutenden Senkung der Sterblichkeit beigetragen. Es sind signifikante Erfolge zu verzeichnen: Die Zahl der Neugeborenen stieg zwischen 2007 und 2012 um 21,2 %, die Sterblichkeit verminderte sich um 11,2 %. Russland zählt somit zu den wenigen europäischen Ländern, in denen die Zahl der Geburten höher liegt als diejenige der Todesfälle. Lag die erwartete Lebensdauer bei Neugeborenen (Jungen und Mädchen) 2006 unter 67 Jahren, erreichte sie 2011 70,3 Jahre. Im vergangenen Jahrzehnt sanken die durch nicht-natürliche Ursachen hervorgerufenen Todesfälle um etwa 40 %.  

Das größte demografische Problem bleibt die Halbierung der Altersgruppe der 18-Jährigen in einigen Jahren. Dies wird entscheidende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die Rentenlast, das Bildungssystem und das Militär haben. Der Bevölkerungsrückgang wird sich fortsetzen, wenn es nicht gelingt zusätzliche Immigranten anzuwerben. 

Migration

Russland ist das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. 2010 lebten ca. 12,3 Mio. Migranten in Russland, was 8,7 % der Bevölkerung entspricht. Herkunftsländer sind hierbei vor allem die ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und Asien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Nachkommen von Russen, die während der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken ansiedelten und nun großenteils mit ihren Familien nach Russland zurückkehren. Sie konnten die Abwanderungsverluste ausgleichen, die sich aus der Übersiedlung von Russlanddeutschen nach Deutschland und Juden nach Mitteleuropa, Nordamerika oder Israel ergaben.

Um den bereits seit Jahren anhaltenden Bevölkerungsrückgang auszugleichen, ist Russland kurzfristig auf Einwanderung angewiesen. Mitte 2010 wurde die Ausgabe von Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen für hochqualifizierte Arbeitskräfte mit einem hohen Einkommen erheblich erleichtert und beschleunigt. Für Hochqualifizierte wurden die Einwanderungsquoten abgeschafft. Die Zuwanderung aus den kaukasischen und zentralasiatischen Staaten führt oft zu Problemen bei der Ansiedlung von Migranten und bei der Arbeitsplatzbeschaffung. Trotz seiner signifikanten Migrantenzahlen mangelt es in Russland an einer kohärenten Integrationspolitik. Interethnische Konflikte und Fremdenfeindlichkeit nehmen zu.

Die internationale Migration wird von der Binnenmigration übertroffen. Es gibt eine anhaltende Abwanderung aus den in sowjetischer Zeit mit hohem Kostenaufwand erschlossenen Gebieten des hohen Nordens.

Frauen

Frauen stellen in Russland traditionell die Mehrheit der Bevölkerung. Der weibliche Bevölkerungsanteil beträgt seit den 1920er Jahren zwischen 53 und 55 % der Gesamtbevölkerung. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist in der Verfassung garantiert. Durch die Transformationsprozesse und den Übergang zur Marktwirtschaft sind die Frauen in besonderer Weise betroffen. Davon zeugt der erhebliche Rückgang der Geburtenrate.

Die Veränderungen in den Lebensverhältnissen von Frauen betreffen auch den Arbeitsmarkt, denn das Risiko von Ausfallzeiten durch Schwangerschaft, Erziehungsurlaub und Pflege von Angehörigen führt oft dazu, dass Frauen trotz besserer Ausbildung seltener als Männer eingestellt werden. Das im Durchschnitt deutlich geringere Einkommen von Frauen bedeutet niedrigere Pensionen für ältere Frauen, die damit ein hohes Risiko der Altersarmut tragen. Die politische Sphäre in Russland ist von Männern dominiert. Rund 40 % der Frauen arbeiten in allgemeinen Bereichen im Management und weitere 20 % auf der Führungsebene. Überwiegend arbeiten sie in diesen Berufen in Medienunternehmen und PR-Agenturen, aber auch in Banken, Börsen, Bauindustrien etc.

Ethnische Gruppen

Russland ist ein multinationaler Staat, in dem Vertreter von mehr als hundert Völkern leben. Neben den Russen, die mit 79,8 % die Mehrheit der Bevölkerung stellen, leben noch mehr als hundert andere Völker auf dem Gebiet des Landes. Größere Minderheiten sind die Tataren (4,0 %), die Ukrainer (2,2 %), die Armenier (1,9 %), die Tschuwaschen (1,5 %), die Baschkiren (1,4 %), die Tschetschenen (0,9 %), die Deutschen (0,8 %), die Weißrussen und Mordwinen (je 0,6 %), Burjaten (0,3 %) und andere. Vielfach ist die Verflechtung zwischen den nichtrussischen und russischen Bevölkerungsteilen durch Mischehen und interethnische Kommunikation recht hoch, ebenso der Russifizierungsgrad der nichtrussischen Bevölkerungsteile. Nur wenige nationale Gebietseinheiten, wie Tschetschenien, Dagestan, Tschuwaschien und Tuwa, sind stärker vom namensgebenden Ethnos geprägt.

Sprachen

Russisch ist die einzige überall geltende Amtssprache. Parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet (wie z.B. Tatarisch oder Baschkirisch). Im europäischen Teil Russlands gibt es drei sprachlich unterschiedliche Gebiete: Nord-, Mittel- und Südrussland, die sich weiter in einzelne Dialekte unterteilen. Trotz großer Entfernungen sind die Dialekte im Russischen aber weitaus weniger ausgeprägt als im deutschen Sprachraum.

Das heutige russische Alphabet, das aus 33 Buchstaben besteht, entstand aus der im IX. Jahrhundert entwickelten Schrift „Kyrillica“. Diese Schrift wurde nach dem griechischen Gelehrten Kyrillos benannt, der gemeinsam mit Methodios diese entworfen haben soll. Die beiden „Slawenapostel“ werden als Begründer der russischen Sprache verehrt und wurden von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen. Das kyrillische Alphabet ist, mit der Ausnahme Tatarstans, die einzige offizielle Schrift, und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen kyrillisch zu schreiben sind.

Bildung

Das heutige Bildungssystem hat Russland von der Sowjetunion geerbt, die das gesamte Bildungssystem staatlich finanzierte. Der Rückzug des Staates und die Finanzkrise lähmten die Reform des Bildungs- und Wissenschaftssystems in den 1990er Jahren. Ein grundlegender Paradigmenwechsel leitete die Zulassung privater Bildungseinrichtungen und die Aufhebung des staatlichen Bildungsmonopols ein. Heute studieren ca. 10 % der russischen Studierenden an den nichtstaatlichen Hochschulen. Es entstand eine Vielzahl von neuen Schultypen wie Gymnasien und Lyzeen und anderen nichtstaatlichen Schulen mit reformpädagogischen Ansätzen. Auch in dem Bereich der beruflichen Bildung entsteht neben dem staatlichen ein privates Netz an beruflichen Schulen. Die staatliche Konsolidierungspolitik brachte seit 2000 neue Impulse und Veränderungen im Bildungsbereich. Der Staat betrachtete Bildung als wichtige Stütze im ökonomischen Modernisierungsprozess und begann wieder mehr Mittel für die Bildung zur Verfügung zu stellen.

2003 ist Russland dem Bologna-Prozess beigetreten um die Wettbewerbsfähigkeit des russischen Bildungssystems zu fördern. Parallel zur klassischen fünfjährigen Diplomausbildung ist seit Herbst 2007 flächendeckend das zweistufige BA/MA-System (4 Jahre Bachelor, 2 Jahre Master) eingeführt. Die Verabschiedung eines „Föderalen Zielprogramms über die Entwicklung der Bildung von 2006 bis 2010“ war eng verbunden mit der Integration in den „Einheitlichen Europäischen Bildungsraum“. Die Defizite des russischen Bildungswesens sollten durch die Verbesserung der Qualität, die Modernisierung der Inhalte und der technischen Ausstattung und durch eine effektivere Verwaltung sowie durch die Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen beseitigt werden. Der forcierte Ausbau des Internets an Schulen und Hochschulen soll die Integration in die internationale Wissensgemeinschaft fördern.

Als erste Maßnahme einer langfristig angelegten Bildungsreform wurde 2010 landesweit eine einheitliche Abschlussprüfung eingeführt, die auch die bislang verbreiteten Hochschulzugangsprüfungen weitgehend ersetzen soll. Fremdsprachen können bereits ab der zweiten Klasse unterrichtet werden. Die Reform des Bildungswesens soll bis 2020 stufenweise umgesetzt werden. Der Wandel hin zu mehr Wettbewerb soll über die Bildungsgutscheine, die sogenannten GIFO (staatliche Nominal-Finanzverpflichtungen) erfolgen. Die Bildungsgutscheine sind an die Ergebnisse einer einheitlichen staatlichen Abiturprüfung (EGE) gebunden: je besser die Prüfungsleistungen der Abiturienten sind, desto weniger müssen sie für ihr Studium selbst zahlen.

Die russische Hochschullandschaft erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Es bildet sich gerade ein dualistisches System heraus: Auf der einen Seite 45 sogenannte Führende Universitäten, zu denen die beiden Staatsuniversitäten in Moskau, St. Petersburg, neun Föderale Universitäten und als weitere Gruppe die 34 Nationalen Forschungsuniversitäten zählen. Sie haben sich in einem Exzellenz-Wettbewerb durchgesetzt und erhalten beachtliche zusätzliche Mittel. Auf der anderen Seite stehen die restlichen Universitäten, die künftig nur noch in Abhängigkeit der Anzahl eingeschriebener Studenten gefördert werden. Auch die Struktur der Akademie der Wissenschaften Russlands wird grundlegend verändert. Künftig lenkt eine staatliche Wissenschaftsagentur die Geschicke der Institute. Russland will mit diesen Reformen den Anschluss an die Weltspitze der Forschung schaffen. Um junge Menschen wieder für die Forschung zu gewinnen, gibt Russland für Nachwuchswissenschaftler künftig mehr Geld und lockert gesetzliche Bestimmungen. Die Universitäten können nunmehr talentierte Wissenschaftler in der Forschung halten und exzellente Jungforscher aus dem Ausland locken.

Die Schulpflicht beträgt in Russland neun Jahre; an staatlichen Schulen ist der Schulbesuch gebührenfrei. Aufgrund der demografischen Entwicklung ging die Schülerzahl in den letzten fünf Jahren um rund ein Viertel zurück. Das Schulsystem gliedert sich in eine vierjährige Grundschule und eine fünfjährige Basisstufe. Daran schließt ein dreigliedriges Bildungssystem an: Neben der elfklassigen Mittelschule (Abschluss: Hochschulreife) besteht die Möglichkeit des Besuchs einer Berufsschule (ein bis zwei Jahre, Abschluss: Facharbeiterzeugnis) oder eine zwei- bis dreijährige Ausbildung an einer technischen Fachschule (Abschluss: Technikerdiplom). Ein Großteil der Schüler entscheidet sich anschließend für einen Besuch der zweijährigen Mittelstufe, an deren Ende die Hochschulqualifikation steht.

Die Rückkehr des Staates in das Bildungswesen äußerte sich in der Einführung einheitlicher Bildungsstandards und einer Begrenzung der Zahl staatlicher Lehrbücher. Im Zusammenhang mit dieser Politik steht eine teilweise Rückkehr zu sowjetischen Elementen (neue Lehrbücher im Geschichtsunterricht, militärisches Training, Gründung von Jugendorganisationen), verbunden mit der Stärkung eines patriotischen Bewusstseins.  

Gesundheit

Das Recht auf kostenlose medizinische Grundversorgung für alle Bürger ist in der Verfassung verankert. Russland weist zwar im internationalen Vergleich eine vergleichsweise hohe Anzahl der Ärzte und der Krankenhäuser pro Kopf der Bevölkerung auf, das noch aus der Sowjetzeit stammende Gesundheitssystem bleibt aber ineffektiv. Das Gesundheitswesen wurde vom wirtschaftlichen Niedergang der 1990er Jahre in Russland stark getroffen. Schlechter Zustand der medizinischen Einrichtungen, Medikamentenmangel und ungenügende Finanzierung bilden die Hauptprobleme des Gesundheitswesens. Trotz der schrittweisen Anhebung der Honorare sind die Einkommen der Ärzte und des medizinischen Personals noch immer niedrig. Dies hat zu einem System der faktischen Zuzahlung durch die Patienten geführt, obwohl ärztliche Behandlung eigentlich kostenfrei ist.

Die niedrige Lebenserwartung (Männer 64 Jahre, Frauen 76 Jahre), die vor allem den männlichen Teil der Bevölkerung betrifft, wird durch die relativ hohe Sterblichkeit infolge der ungesunden Lebensweise, mit Alkoholvergiftungen und Tabakrauchen, und durch Verkehrsunfälle und Suizid verursacht. Als häufigste Todesursache gelten mit 56,7 % diverse Herzkrankheiten, sehr häufig sind auch Krebserkrankungen. Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und insbesondere HIV/AIDS breiten sich weiter aus. Davon besonders betroffen sind Drogensüchtige und Gefängnisinsassen.

Das Gesundheitswesen wird im Rahmen der „Nationalen Projekte“, die aus Rohstoffeinnahmen finanziert werden, modernisiert. So wurden landesweit 7 föderale Zentren mit medizinischer Spitzentechnologie und 12 Perinatalzentren errichtet, Transport und Versorgung von Unfallopfern verbessert sowie Präventions- und Unterstützungsprogramme für Mütter und Kinder entwickelt. Schrittweise werden die Gehälter für das medizinische Personal angehoben sowie staatliche Mittel in die Modernisierung bestehender Kliniken investiert.

Sozialversicherung

Das soziale Sicherungssystem wird von vier Institutionen getragen: dem Rentenfonds, dem Sozialversicherungsfonds, dem Fonds für obligatorische Krankenversicherung und dem Staatlichen Beschäftigungsfonds. Aus dem 1992 gegründeten Rentenfonds werden Arbeitsunfähigkeits- und Altersrenten gezahlt. Das Rentenalter wird mit sechzig Jahren bei Männern und bei fünfundfünfzig Jahren bei Frauen erreicht. Die Rentenreform sieht die Gründung der nichtstaatlichen Rentenfonds vor, die neben der Grundversicherung einen zusätzlichen privaten Teil der Rente ermöglichen.   

Der Sozialversicherungsfonds finanziert das Mutterschaftsgeld (bis zu 18 Wochen), Kinder- und Krankengeld. Das Krankenversicherungssystem umfasst eine garantierte staatliche Minimalversorgung, eine Pflichtversicherung und eine freiwillige Zusatzversicherung. Vom staatlichen Beschäftigungsfonds wird das Arbeitslosengeld (maximal ein Jahr lang) ausgezahlt. Alle Sozialleistungen liegen auf einem niedrigen Niveau.

Kultur

Zu den bedeutendsten russischen Schriftstellern zählen Alexander Puschkin, Fjodor Dostojewski, Lew Tolstoi, Nikolaj Gogol, Anton Tschechow, Maxim Gorki, Wladimir Nabokow, Michail Bulgakow, Boris Pasternak und Alexander Solschenizyn. In der Malerei erlangten unter anderem Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch und Marc Chagall eine Berühmtheit, die weit über die Landesgrenzen hinausreichte. Die größten Sammlungen von russischer Kunst sind in der Tretjakow-Galerie in Moskau und im Russischen Museum in St. Petersburg vereint. Bedeutende russische Komponisten sind Peter Tschaikowski, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow, Michail Glinka, Sergei Rachmaninow, Igor Strawinski, Sergei Prokofjew und Dmitri Schostakowitsch.

Heute mischen sich klassische Traditionen von Oper, Ballett, Theater, Volkskunst, Literatur und Musik mit vielen neuen kulturellen Strömungen. Kulturelle Einrichtungen und Ereignisse stoßen stets auf großes Interesse bei der Bevölkerung. Moskau und St. Petersburg sind nach wie vor die führenden kulturellen Zentren des Landes. Allein Moskau weist etwa 120 Theater, fünf Opernhäuser, sechs Symphonie-Orchester sowie zahlreiche Galerien und Museen auf. Das Moskauer Bolschoi-Theater genießt Weltruf, die Eremitage in St. Petersburg beherbergt eine der größten Kunstsammlungen der Welt. Aber auch in einigen regionalen Zentren haben sich kulturelle Szenen entwickelt, die mit den Metropolen mithalten können, wie Jekaterinburg (zeitgenössischer Tanz und Theater), Nowosibirsk (Public Art, Theater und Oper) und Nischni Nowgorod (zeitgenössische Kunst). Russland beherbergt etwa 15 von der UNESCO als Weltkulturerbe registrierte Stätten, darunter der Kreml und der Rote Platz in Moskau und das historische Zentrum St. Petersburgs.

Im Prinzip herrscht in Russland ein erhebliches Maß an kultureller Freiheit. Allerdings sehen sich Kulturschaffende immer wieder öffentlichen Anfeindungen bis hin zu gerichtlichen Klagen wegen Verletzung religiöser Gefühle oder Diskreditierung staatlicher Symbole und Funktionsträger ausgesetzt.

Religion

Kinder in der orthodoxen Kirche
Kinder in der orthodoxen Kirche © Dina Umanski

Das Religionsgesetz von 1997 regelt die Beziehungen zwischen Staat und Kirche. Es definiert vier traditionelle Religionen – Orthodoxie, Islam, Judentum und Buddhismus. Auch andere Religionsgemeinschaften können in Russland legal bestehen, müssen sich aber registrieren lassen. 

Seit Ende der Achtziger Jahre hat der Anteil der Gläubigen im Zuge einer „religiösen Renaissancebedeutend zugenommen. Allerdings bezeichnen sich laut Meinungsumfragen rund 50 % der Bevölkerung als ungläubig. Zwar gibt es in Russland einen hohen Grad der Wertschätzung der Kirche und von Religiosität, dies bedeutet aber nicht, dass die Menschen ihr Leben nach kirchlichen Vorschriften führen. Offizielle Statistiken zur Zahl der Gläubigen verschiedener Konfessionen gibt es nicht und die Zahlen in den meisten Quellen unterscheiden sich erheblich.

Russische Orthodoxe Kirche

Die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) ist heute die mit Abstand größte und einflussreichste Religionsgemeinschaft in Russland. Seit der Unabhängigkeit der Russischen Föderation ist sie zu einer äußerst gewichtigen gesellschaftlichen Einrichtung geworden. Die Verluste an Gläubigen und Einrichtungen, die sie in der Sowjetzeit erlitt, konnte sie zu einem großen Teil wieder ausgleichen. An der Spitze der Kirche steht Patriarch Kirill I. Er leitet die ROK mit der Synode, einem Gremium aus zwölf Bischöfen und dem Patriarchen. Die ROK hat ein besonderes Verhältnis zum russischen Staat, z.B. ist der Patriarch bei wichtigen staatlichen Anlässen stets anwesend. Die ROK versteht sich als multinationale Kirche, die über ein „kanonisches Territorium“ verfügt. Es erstreckt sich über die GUS-Staaten mit der Ausnahme von Armenien, wo es eine eigene orthodoxe Kirche gibt.  

Über die Zahl der Angehörigen der ROK gibt es nur Schätzungen, die zwischen 50 und 135 Millionen Gläubigen schwanken. Wer heute in Russland seine Zugehörigkeit zur orthodoxen Kirche herausstellt, macht damit deutlich, dass er zur russischen Tradition steht. Das Wiedererwachen des religiösen Lebens in Russland gibt regelmäßig Anlass zu Diskussionen um die Rolle der Russisch-Orthodoxen Kirche in der Gesellschaft und ihr Verhältnis zum Staat.

Islam und weitere Religionen

Bei den traditionell religiös orientierten ethnischen Minderheiten Russlands findet man Anhänger des Islam und des Buddhismus, des Schamanismus und Judaismus, des protestantischen und katholischen Glaubens.

Der Islam ist die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft in Russland. Die Muslime sind in der Regel Baschkiren, Tataren, Tschuwaschen, Tschetschenen und Angehörige anderer Kaukasusvölker. Sie werden durch die Geistliche Verwaltung der Muslime (Muftirat) des Europäischen Teils Russlands und Sibiriens sowie die Geistliche Verwaltung der Muslime (Muftirat) des Nordkaukasus vertreten. Die Zahl der russischen Muslime wird offiziell mit 14,5 Millionen angegeben. Die Vertreter der islamischen Gemeinde sprechen von mehr als 20 Millionen Mitgliedern.

Alle anderen Religionen, wie Buddhismus (ca. 600.000 Gläubige) - zu dem sich Burjaten, Kalmyken, Tuwa und andere Bevölkerungsgruppen in den Gebieten Irkutsk und Tschita bekennen - und Judentum (ca. 200.000 Gläubige), haben nur geringe Bedeutung. Von den christlichen Kirchen sind die katholische Kirche, die evangelisch-lutherische Kirche sowie eine Reihe von Freikirchen (vor allem Baptisten) in Russland vertreten. Sie sind im europäischen Russland und in Sibirien präsent.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im November 2016 aktualisiert.

Über die Autorin

Lisa Melnikova (M.A., geb. 1982)

ist Ethnologin und seit 2006 als Regionaltutorin für die Regionen Asien und Osteuropa und Tutorin der Auslandsvorbereitung für Russland bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen

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