Einkaufszentrum GUM in Moskau © Dina Umanski
Geschätztes BIP
1.630 Mrd. US-$ (2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
27.147 US-$ (2018)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 49 (von 189) (2018)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
0,1 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
37,7 (2017)
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 45 (von 129) (2018)

Wirtschaft

Russland ist einer der größten Rohstoffproduzenten der Welt und verfügt mit einem Viertel der Weltgasreserven (25,2 %), circa 6,3 % der Weltölreserven und den zweitgrößten Kohlereserven (19 %) über bedeutende Ressourcen. Die mangelnde Diversifizierung der russischen Wirtschaft führt zu einer überproportional hohen Abhängigkeit der Wirtschaftsentwicklung von den Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas. Rohstoffe stehen für ca. 70 % der Exporte und finanzieren zu rund 50 % den Staatshaushalt.

Seit der Jahrtausendwende war die russische Wirtschaft eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt, mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von fast 7 %. Die volkswirtschaftliche Stabilisierung war die größte Errungenschaft der ersten Präsidentschaft Vladimir Putins. Entscheidend dafür war die Fähigkeit, die enorm angestiegenen Exporteinnahmen intelligent zu nutzen. Die Staatsverschuldung verschwand in Relation zum BIP fast vollständig: Sie fiel von 51 % auf 4 %. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde damit erheblich gesteigert. Die Binnennachfrage wuchs aufgrund der Einnahmen aus den Rohstoffexporten. Der Staat akkumulierte die drittgrößten Devisenreserven weltweit, sowie zusätzlich einen Reservefonds und einen Fonds für den nationalen Wohlstand. In strategisch wichtigen Wirtschaftsbereichen (von der Weltraumtechnik und der Atomkraft, bis hin zu Schiffs- und Flugzeugbau) stärkte der Staat seine Position in dem er staatliche Kapitalgesellschaften gründete. Dabei spielten Holdings, die als Dachunternehmen die staatlichen Beteiligungen an einzelnen Betrieben einer Branche zusammenfassen, eine wichtige Rolle.

Die im Herbst 2008 ausgebrochene internationale Finanzkrise traf Russland sehr stark. Die russische Regierung konnte in Reaktion darauf den russischen Finanzsektor mit staatlichen Geldern stabilisieren und anschließend ein umfangreiches Konjunkturpaket, das Steuervergünstigungen und staatliche Kreditgarantien umfasste, aus den Rücklagen finanzieren. Auf ein negatives Wirtschaftswachstum von 7,9 % im Jahr 2009 folgten 2010-2012 wieder Zuwachsraten von über 4 %: Getragen wurde das Wachstum von hohen Rohstoffpreisen, aber auch wachsender Beschäftigung und steigender Industrieproduktion. Die hohen internationalen Energiepreise sorgten 2012 für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum. Die Industrieproduktion stieg, allerdings lag der Zuwachs unter den Vorjahreswerten. Die Arbeitslosenrate sank zwischen 2010 und 2012 von 7,2 % auf 5,4 % und die Durchschnittslöhne lagen 2011 und 2012 deutlich höher als vor der Finanzkrise 2008/9. Während 2012 für Russland insgesamt also zufriedenstellend verlief, war 2013 wegen der Konjunkturschwäche im Euro-Raum und der weltweit gesunkenen Rohstoffpreise schwach. Das Land ist in eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Stagnation getreten. Gleichzeitig stieg Russland im Ranking von "Doing Business" von Platz 112 in 2012 über Platz 92 in 2013 und Platz 64 in 2014 auf Platz 28 in 2020. Die Staatsverschuldung in Russland ist mit rund zehn Prozent des BIP weiterhin vergleichsweise moderat. Sowohl hohe Gold- und Währungsreserven als auch die beiden durch Rohstoffeinnahmen gespeisten staatlichen Reservefonds stellen eine Absicherung des Landes dar. 

Strukturdefizite, Finanzierungsprobleme und Handelseinschränkungen durch Sanktionen seitens der USA, Kanadas, Japans und der EU bremsten das Wirtschaftswachstum. Insbesondere die rückläufigen Investitionen und die Fokussierung staatlicher Finanzhilfen auf prioritäre Bereiche verstärken diesen Trend. Das komplizierte geopolitische Umfeld und die Neuausrichtung der Industrieförderung führen dazu, dass Projekte vorerst verschoben werden. Wirtschaftlich nähert sich Russland der VR China an. Dieser Prozess ist mit dem Beginn des chinesischen Integrationsprojektes "Belt and Road Initiative" intensiver geworden.

Im Index of Economic Freedom nimmt Russland 2019 den 98. Platz unter 180 Ländern ein. Das schlechte Investitionsklima schlägt sich in einer niedrigen Rate ausländischer Investitionen nieder. Bürokratie, Korruption und Rechtsunsicherheit bremsen die wirtschaftliche Entwicklung aus.

Seit Anfang 2014 hat die Landeswährung mehr als ein Drittel ihres Wertes im Vergleich zum Euro verloren, was unter anderem an den westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und dem fallenden Ölpreis lag. Durch den Währungsverfall sind die Preise für Verbraucher erheblich gestiegen, die Inflationsrate betrug Ende 2015 ca. 15 %. 2015 geriet die russische Wirtschaft in eine schwere Rezession. Nach dem BIP-Rückgang um 3,0 % 2015 setzte sich der BIP-Rückgang mit 0,2 % 2016 fort.

Nach der zwei Jahre langen Rezession verzeichnete die russische Wirtschaft 2017 positive Zahlen in mehreren Segmenten: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg 2017 um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und durchschritt damit die wirtschaftliche Talsohle nach der Krise. Die Reallöhne steigen nach zwei Krisenjahren wieder leicht an. Die Arbeitslosigkeit befindet sich im Landesdurchschnitt auf einem moderaten Niveau.

Laut der Statistikbehörde Rosstat ist russische Wirtschaft Dank der robusten Binnenkonjuktur 2018 um 2,3 Prozent gewachsen. Zur guten Baukonjunktur trug die Eröffnung eines Gasfeldes auf der Halbinsel Jamal mit einem Volumen von 24 Milliarden Euro bei. Weitere positive Auswirkungen brachte die Fußball-Weltmeisterschaft, die für ein Plus von 6,1 Prozent in Gastronomie und Hotelgewerbe sorgte.

Die Erhöhung des allgemeinen Satzes der Mehrwertsteuer von 18 auf 20 Prozent am Jahresanfang 2019 belastete die Verbrauchernachfrage. Wirtschaftswachstum betrug 2019 1,3 Prozent. Für 2020 wird ein BIP-Zuwachs von 1,7 Prozent prognostiziert.

Langfristig befürchten Ökonomen und Behörden ein Erlahmen der Konjunktur, wenn strukturelle Reformen ausbleiben. Diese seien wegen des Rückgangs der erwerbstätigen Bevölkerung und der starken Abhängigkeit Russlands vom Öl- und Gasexport erforderlich.

Wirtschaftssektoren

Der wichtigste Wirtschaftssektor ist der Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr mit 30,3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Bereiche Finanzierung, Vermietung und Dienstleistungen folgen mit 16,5 % sowie die verarbeitende Industrie mit 16,0 %. Sonstige öffentliche und private Dienstleistungen machen 14,5 % des BIP aus, die Förderung von Bodenschätzen folgt mit 11,6 %, das Baugewerbe mit 4,2 % und die Land- und Forstwirtschaft mit 2,5 %. Die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser trägt 3,7 % zum BIP bei.

Der Arbeitsmarkt teilt sich in drei Bereiche: Landwirtschaft mit ca. 10 %, Industrie mit 27 % und Dienstleistungen mit 62 % der Beschäftigten. Ca. 57 % der Beschäftigten haben ein Arbeitsverhältnis mit einem privaten Arbeitgeber und 32 % sind im öffentlichen Dienst und seinen Einrichtungen tätig. Die restlichen 11 % arbeiten bei Kirchen, ausländischen und sonstigen Arbeitgebern.

Energiewirtschaft

Die Energiewirtschaft ist für Russland von zentraler ökonomischer Bedeutung. Sie hat einen Anteil von einem Viertel am Bruttoinlandsprodukt und trägt damit etwa die Hälfte zur gesamten Industrieproduktion des Landes bei. Sie war in den letzten Jahren der Motor der wirtschaftlichen Erholung Russlands.

Obwohl Erdöl und Erdgas die russische Energiewirtschaft dominieren, hat Russland auch einen bedeutenden Kohlebergbau, mit einem Anteil von 12 % an der Primärenergieversorgung des Landes, sowie Elektrizitätswerke mit einer Jahresproduktion von über 900 Milliarden KWh.

Russlands Regierung und Rohstoffkonzerne arbeiten intensiv an der Exploration und Erschließung neuer Erdöl-, Erdgas-, Kohle- und Metallvorkommen. Dabei rücken Aspekte wie Effizienz, Nachhaltigkeit und Sicherheit der Produktionsprozesse immer stärker in den Vordergrund.

In der Erdölförderung werden hohe Summen in die Erschließung und Exploration von vier neuen Schelfabschnitten um die Insel Sachalin fließen. Russlands Kohleindustrie will mit immer tieferen Gruben und neuer Technik Kohle noch effizienter abbauen. Fast alle Unternehmen aus der wichtigsten Kohleregion, dem Kusnezk-Becken, investieren in verbesserte Bohrungen und Sicherheit.

Die Zukunft der russischen Gasförderung liegt auf der Halbinsel Jamal mit über 30 Fundstellen. Im Dezember 2017 war ein Verflüssigungswerk auf der Halbinsel Jamal in Betrieb gegangen. Die Erdgasförderung ist 2018 deutlich gestiegen und hat 730 Milliarden Kubikmeter erreicht. Dank neuer Gaspipelines und Flüßiggasterminals erreicht der Gasexport Rekordwerte. Die LNG-Ausfuhren nach Asien sind 2018 um 59 Prozent auf 26 Milliarden Kubikmeter gestiegen. Bis 2035 will Russland seinen Weltmarktanteil bei LNG von derzeit 4 Prozent auf bis zu 20 Prozent steigern.

Handel

Die Exportstruktur ist sehr stark auf Rohstoffe ausgerichtet und der russische Außenhandel ist somit von den Erdölpreisen auf dem Weltmarkt abhängig. Die wichtigsten Handelspartner sind die EU (insbesondere Deutschland und die Niederlande), die Volksrepublik China und die GUS-Länder. Obwohl die Rohstoffe weiter den russischen Export dominieren, steigen die Ausfuhren von Nicht-Rohstoffen jedoch kontinuierlich. 2017 machte der Anteil von Nicht-Rohstoffen etwa 19 Prozent der Exporte aus. Hierzu tragen vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse, Rüstungsgüter und Kraftfahrzeuge bei. Zu den wichtigsten Importgütern zählen Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge sowie chemische Produkte.

Am 16. Dezember 2011 wurde die Russische Föderation nach 18 Verhandlungsjahren in die WTO aufgenommen. Nach der Ratifizierung der Verpflichtungen im Sommer 2012 wurde Russland zum 154. offiziellen Mitglied der Welthandelsorganisation. Um den Zugang zum Markt für Güter und Dienstleistungen zu erleichtern, wurden die Einfuhrzölle gesenkt und die Ausfuhrzölle begrenzt. Ferner wurden technische Vorschriften, sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen an die internationalen Normen und Standards angepasst.

Der WTO-Beitritt hat den russischen Außenhandel nicht nachhaltig belebt. Um russische Schlüsselindustrien vor zu starker internationaler Konkurrenz zu schützen, wurden nicht-tarifäre Hürden aufgebaut, etwa in Form einer Umweltabgabe auf importierte Kraftfahrzeuge. Inländische Hersteller blieben von der Zusatzabgabe zunächst mehrere Monate lang verschont.

Die Verhängung westlicher Wirtschaftssanktionen im Frühjahr 2014 und die Antwortmaßnahmen Russlands in Form eines Importstopps für westliche Nahrungsmittel wirkten sich negativ auf den Außenhandel aus.

Eine der vielen Baustellen in Moskau © Lisa Melnikova
Eine der vielen Baustellen in Moskau © Lisa Melnikova

Industrie 

Obwohl der Staat viele Branchen vor Wettbewerb schützt und Importe beschränkt ist die Industrieproduktion 2015 um 3,4 % gesunken. Im Jahr 2017 stieg die Industrieproduktion nur um 1,0 %. Zu den Gewinnbranchen zählten dabei die Förderung von Bodenschätzen, die Kfz-Industrie, die Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung sowie die Medizintechnik. Auch die Bauwirtschaft und die Informations- und Kommunikationstechnik entwickelten sich dynamisch. Ferner spielten alle Formen des Maschinenbaus, von den Walzwerken zum leistungsstarken Flugzeug und zu den Raumträgern, Verteidigungsindustrien, einschließlich von Radar- und der Flugzeugproduktion und der elektronischen Bauelemente, der Schiffsbautechnik und der chemischen Industrie, eine wichtige Rolle. Die Digitalisierung und die Einführung von Industrie 4.0-Lösungen sollen die Entwicklung des Maschinenbaus voranbringen. Im Rahmen der Politik der Importsubstitution erhalten russische Hersteller staatliche Hilfen, um ihren Ausstoß zu steigern.

Landwirtschaft

Etwa 10 % aller Ackerflächen der Erde entfallen auf Russland. Ackerbau findet hauptsächlich im Mittleren Wolgaland, dem Nordkaukasus, dem Uralgebiet und Westsibirien statt. Fast 40 % der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion entfallen auf Ackerbau, über 60 % auf Viehzucht. Die wichtigsten Anbaukulturen sind Getreide, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Kartoffeln und Flachs. Die Tierzucht ist auf Fleisch-, Milch- und Wollproduktion spezialisiert.

Im Zuge der Privatisierungsmaßnahmen der neunziger Jahre erlebte die russische Landwirtschaft einen beispiellosen Niedergang. Die Produktivität nahm stark ab, 20 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche fielen brach, die Bruttoagrarproduktion ging bis Ende der 1990 Jahre um 45 % zurück.

Die Prioritäten der russischen Agrarpolitik sind Restrukturierung der Schulden der Betriebe, Stabilisierung des Getreidemarkts, „passgenauer Protektionismus“ in Form einer aktiven und flexiblen Zollpolitik und die Auflegung eines Programms zur Vergabe zinsvergünstigter Kredite an die Produzenten. Der „agro-industrielle Komplex“ zählt zu den vier nationalen Förderprojekten. Dabei gilt es die Teilbereiche „Viehwirtschaft“, „Entwicklung von Kleinbetrieben“ und „Wohnraum für die Spezialisten im Agrarsektor“ vorrangig zu fördern. Dank dieser Anstrengungen hat die russische Landwirtschaft den Scheitelpunkt der Krise überschritten.

In den letzten Jahren hat sich die russische Landwirtschaft mit Hilfe von staatlichen Subventionen und die als Gegensanktionen verhängten Importbeschränkungen für Agrarprodukte und Nahrungsmittel aus der Europäischen Union zu einem Wachstumsmotor der Wirtschaft entwickelt. Die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse stieg 2017 im Wert um 2,4 Prozent auf 85,7 Milliarden Euro und nahm von Januar bis Mai 2018 um weitere 2,5 Prozent zu. Bei Getreide wurde 2017 mit 134,1 Millionen Tonnen - davon Weizen mit 85,8 Millionen Tonnen - eine historische Bestmarke übertroffen. Auch die Fleischproduktion deckt inzwischen den heimischen Bedarf.

Sportgroßereignisse

Russland veranstaltete die Leichtathletik-WM 2013, die Olympischen Winterspiele 2014, den Formel-1 Grand Prix 2014, die Schwimm-WM 2015 und die Eishockey-WM 2016. Dieser Sportmarathon wurde gekrönt durch die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018.

Olympische Winterspiele 2014

Der Schwarzmeerkurort Sotschi mit 330.000 Einwohnern hat vom 7. bis 23. Februar 2014 die XXII. Olympischen Winterspiele ausgerichtet. Es waren die ersten Winterspiele in einer subtropischen Stadt sowie die zweiten Olympischen Spiele in Russland.

Die Olympiade wurde ein Prestigeprojekt von nationaler Bedeutung. In den Ausbau der nötigen Infrastruktur wurden rund 9 Mrd. Euro investiert. Nicht nur Sportstätten wurden neu errichtet, auch der Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur, der Energieerzeugung, des Telekommunikationsnetzes und des Gastronomie- und Hotelsektors hat stattgefunden. Neben den reinen Sportstätten wurde Sotschi aber auch als ganzjähriger Kurort entwickelt. Dafür wurde auch der unweit von der Stadt gelegene Wintersportort „Krasnaja Poljana“ touristisch erschlossen und infrastrukturell ausgebaut. Modernisiert wurde auch die Gebietshauptstadt Krasnodar.

Bereits Anfang 2013 berichtete Human Rights Watch von Missständen auf den Baustellen und stellte fest, dass Arbeitgeber Reisepässe und Arbeitsgenehmigungen von Arbeitsmigranten aus dem Ausland beschlagnahmten.

Fußball-Weltmeisterschaft 2018

Bereits im September 2012 haben der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter und Russlands Sportminister Witali Mutko die elf Austragungsorte - Moskau, Sankt Petersburg, Jekaterinburg, Kaliningrad, Kasan, Nischni Nowgorod, Rostow-am-Don, Samara, Saransk, Sotschi und Wolgograd - und zwölf Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bekanntgegeben. Ein Großteil der Sportstätten wurden eigens für den prestigeträchtigen Nationen-Wettbewerb errichtet und soll nach der Endrunde von lokalen Klubs übernommen werden. Das Moskauer Olympiastadion Luschniki, das für Olympia 1980 gebaut wurde, wurde Austragungsort des Eröffnungsspiels und des Endspiels.

Für den Bau und die Renovierung der Stadien sowie der Ausbau der Infrastruktur wurde ein Budget in Höhe von 10,2 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Wegen der angespannten Wirtschaftslage hatte Russland Anfang 2015 Einsparmaßnahmen beim Stadionbau beschlossen. An einigen Austragungsorten stand deshalb eine geringere Anzahl an fest installierten Sitzplätzen zur Verfügung, als vorab angekündigt. Ende April 2018 erhielt die Kosmos-Arena in Samara als letztes WM-Stadion die Betriebserlaubnis. Alle Spielstätten waren damit rechtzeitig einsatzbereit.

Für die Austragungsorte brachte die Weltmeisterschaft einen Schub beim Ausbau der Infrastruktur: in Rostow-am-Don wurde einen neuen Flughafen gebaut, der Sankt Petersburger Flughafen Pulkowo wurde saniert und der Flughafen Samara bekam einen neuen Terminal. In Jekaterinburg wurde pünktlich zur WM der Stadtautobahnring fertiggestellt. Die russischen Eisenbahnen haben neue Züge angeschafft, um die Fans kostenlos zu den Spielen zu fahren.

Im Frühjahr 2014 wurden infolge der Krimkrise erstmals in den Medien Stimmen laut, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zu boykottieren. Ein weiterer Anlass für Kritik und Forderungen nach einer Neuvergabe waren Enthüllungen zu russischem Staatsdoping im Zuge des McLaren-Reports im Jahr 2016 und dem daraus resultierenden Teilausschluss des russischen Verbands bei den Olympischen Sommerspielen 2016.

Olympiastadion Luschniki
Olympiastadion Luschniki © La Llama (CC BY 2.0)

Wirtschaftspolitik

Während der ersten Amtszeit von Präsident Putin wurden umfangreiche Wirtschaftsreformen durchgeführt. Sie umfassten u.a. die Einführung eines einheitlichen Steuersatzes von 13 %, die Vereinfachung von Unternehmensbesteuerung und Maßnahmen im Finanzsektor, die der Stärkung des Kleinunternehmertums dienen sollten. Manche Beschlüsse provozieren sozialen Protest, wie die Monetarisierung der aus der sowjetischen Zeit geerbten nicht monetären Leistungen, wie kostenlose Nutzung des öffentlichen Personalverkehrs oder kostenlose Telefonanschlüsse. 

Präsident Medwedew forderte eine grundlegende Modernisierung des Landes und seiner Gesellschaft mit Hilfe hoher staatlicher Investitionen in den Bereichen Wohnungsbau, Infrastruktur, Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Energieeffizienz. Er forcierte eine Umorientierung der Wirtschaft, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Am 16. Dezember 2011 wurde Russland Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Die von Medwedew 2010 initiierte Kampagne zur Modernisierung sieht bis 2030 Investitionen von rund 1 Billion Euro vor. Sie wird von Präsident Putin fortgeführt.

Ein zentrales Anliegen bleibt eine stärkere ökonomische Integration der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Aufbauend auf die Zollunion zwischen Russland, Belarus und Kasachstan wurde im November 2011 die Eurasische Union ins Leben gerufen. Die Institutionen der Eurasischen Wirtschaftsunion, die Anfang 2015 in Kraft getreten ist, gibt es schon: eine Eurasische Wirtschaftskommission in Moskau und einen Gerichtshof in Minsk. Die Mitgliedsländer Russland, Weißrussland und Kasachstan sollen, nach dem Muster der Europäischen Union, Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte frei untereinander austauschen und in „Schlüsselbereichen“ wie Energie, Industrie, Landwirtschaft und Transport ihre Politik abstimmen.

Im Korruptions-Ranking von Transparency International befindet sich Russland 2019 auf Platz 137 von 180 Ländern. Neben der Bekämpfung der Korruption sind der Abbau administrativer Hemmnisse, die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen, Investitionen in die überalterte Infrastruktur, sowie eine Diversifizierung der Wirtschaft insgesamt die großen Herausforderungen für die weitere positive wirtschaftliche Entwicklung Russlands. Im Februar 2012 erfolgte der Beitritt Russlands zur OECD-Konvention zur Korruptionsbekämpfung.

Anfang Mai 2014 bereitete Premierminister Medwedew Öffentlichkeit und Wirtschaft auf schwierige Zeiten vor. Um einen neuen Wachstumspfad zu betreten, erörtert die Regierung geeignete Reformen. Zudem erfolgt eine Neuausrichtung der Industrie-, Haushalts-, Geld- und Kreditpolitik. Ziel ist es, private Investitionen zu stimulieren, die verarbeitende Industrie auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit russischer Exportgüter zu verbessern. Dabei geht es auch um Importsubstitution. Zum einen, um ausländische Hersteller zu Technologietransfers in Form von Montagen und Produktionen vor Ort zu bewegen. Zum anderen, um ausbleibende Importe aus der Ukraine und aus Ländern, die Sanktionen verhängt haben, durch eigene, neu zu schaffende Kapazitäten zu ersetzen.

Russland nähert sich wirtschaftlich der VR China an. Es wurden zahlreiche Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Zu den Vereinbarungen gehören unter anderem die Gründung eines Konkurrenten für Boeing und Airbus, der Bau einer Brücke und die Lieferungen von Energieträgern.

Entwicklung

Der Anstieg der Deviseneinnahmen in den letzten Jahren versetzte die russische Führung in die Lage Reformmaßnahmen aus Eigenmitteln zu finanzieren, während das Volumen der TACIS (ENPI)-Gelder konstant zurückging. Der russische Staat beglich einen Großteil seiner Schulden bei externen Geldgebern wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und der EU und konnte sich zunehmend jeder Form von Konditionalitätspolitik entziehen. 

Russland leistet in begrenztem Umfang Entwicklungshilfe, gehört aber nicht der OECD und deren Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) an. 2009 wurde der Umfang der Entwicklungshilfe von 220 Millionen in 2010 auf 900 Millionen US-Dollar erhöht. Konzentrierte sich die russische Entwicklungszusammenarbeit in den letzten Jahren auf die Abschreibung der Staatsschulden der Entwicklungsländer (u. a. im Rahmen der HIPC-Initiative), setzt Russland heute verstärkt auf die Zuwendungen für internationale Fonds und Organisationen, wie UNICEF und andere Fonds der Vereinten Nationen.  

2014 wurde ein Konzept der russischen Entwicklungszusammenarbeit verabschiedet. Die erklärten Ziele sind dabei die Hilfe für Entwicklungsländer, wobei die Bereiche Bildung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten die Schwerpunkte bilden. Das Konzept definiert die geographischen Prioritäten der russischen ODA als die ärmsten Länder Zentral- und Südostasiens sowie Afrikas südlich der Sahara. Dreh- und Angelpunkt der russischen Afrikainitiative, die Entwicklung von Infrastruktur, Landwirtschaft, Maschinenbau, Digitalwirtschaft und Gesundheitswirtschaft in Afrika vorsieht, sind Industriezonen in Ägypten und in Simbabwe.

Übersicht zu den Entwicklungsleistungen Russlands 2016-2017
Übersicht zu den Entwicklungsleistungen Russlands 2016-2017 © OECD: Aid at a glance

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

2001 wurde der Petersburger Dialog als offenes Diskussionsforum, der die Verständigung zwischen den Zivilgesellschaften beider Länder fördert, ins Leben gerufen. Er steht unter der Schirmherrschaft der deutschen Bundeskanzlerin und des russischen Präsidenten. Die bilaterale Tagung findet in der Regel einmal jährlich, abwechselnd in Deutschland und in Russland, statt und widmet sich den Fragen der deutsch-russischen Beziehungen. Teilnehmer sind Experten und Multiplikatoren aus allen Bereichen der Gesellschaften Deutschlands und Russlands. Die Geschäftsstelle der deutschen Seite des Petersburger Dialogs wird in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russischen Forum geführt.

Seit 1993 erfolgte die Zusammenarbeit mit Russland im Rahmen des TRANSFORM-Programms der Bundesregierung. Inhaltlich konzentrierte sich das Programm auf die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie auf die Unterstützung bei der Entwicklung des Finanzsystems. Für die Durchführung des Programms war die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verantwortlich.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet in Russland im Auftrag der EU und verschiedener Bundesressorts und konzentriert sich auf unterschiedliche Schwerpunkte. Im Auftrag der Bundesregierung unterstützen die Vorhaben nationale Minderheiten, Umweltthemen und Managertraining. Seit 1998 richtet sich das Managerfortbildungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) branchenübergreifend an junge Fach- und Führungskräfte kleiner und mittlerer Unternehmen im Ausland. Im Rahmen des Managerfortbildungsprogramms werden von der GIZ westliche Managementtechniken an russische Manager vermittelt und sie werden dabei unterstützt, ihre heimischen Unternehmen umzustrukturieren und fit für den Weltmarkt zu machen. Seit 2006 haben auch deutsche Führungskräfte die Möglichkeit, eine Fortbildung in Russland vorzunehmen. Das Programm bietet den beteiligten Partnern Zugang zum jeweils anderen Markt.

Vom Bundesministerium des Innern und dem Auswärtigen Amt werden die Programme zur Förderung der kulturellen Identität der Russlanddeutschen finanziert. Sie umfassen soziale und gemeinschaftsfördernde Hilfsmaßnahmen.

Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) engagiert sich in Russland für die Stärkung der Zivilgesellschaft und Demokratie. Integrierte Fachkräfte unterstützen die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen. 

Die parteinahen Stiftungen Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie Konrad-Adenauer-Stiftung führen in Russland viele Projekte durch.

Das Goethe-Institut findet man in Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat eine Außenstelle in Moskau und Informationszentren in Kasan, Nowosibirsk und St. Petersburg.   

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Februar 2020 aktualisiert.

Über die Autorin

Lisa Melnikova (M.A., geb. 1982)

ist Ethnologin und arbeitet seit 2006 in der Entwicklungszusammenarbeit. Für die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH ist sie tätig als Landestrainerin für Russland und Trainerin in der Lernberatung.

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