Einkaufszentrum GUM in Moskau © Dina Umanski
Geschätztes BIP
2.057 Mrd. US-$ (2014)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
22.352 US-$ (2015)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 50 (von 188) (2015)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
0,1 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
42 (2012)
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 65 (von 129) (2016)

Wirtschaft

Russland ist einer der größten Energieproduzenten der Welt und verfügt mit fast einem Viertel der Weltgasreserven (25,2 %), circa 6,3 % der Weltölreserven und den zweitgrößten Kohlereserven (19 %) über bedeutende Ressourcen. Die mangelnde Diversifizierung der russischen Wirtschaft führt zu einer überproportional hohen Abhängigkeit der Wirtschaftsentwicklung von den Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas. Rohstoffe stehen für ca. 80 % der Exporte und finanzieren zu rund 50 % den Staatshaushalt.

Seit der Jahrtausendwende war die russische Wirtschaft eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt, mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von fast 7 %. Die volkswirtschaftliche Stabilisierung war die größte Errungenschaft der ersten Präsidentschaft Vladimir Putins. Entscheidend dafür war die Fähigkeit, die enorm angestiegenen Exporteinnahmen intelligent zu nutzen. Die Staatsverschuldung verschwand in Relation zum BIP fast vollständig: Sie fiel von 51 % auf 4 %. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde damit erheblich gesteigert. Die Binnennachfrage wuchs aufgrund der Einnahmen aus den Rohstoffexporten. Der Staat akkumulierte die drittgrößten Devisenreserven weltweit, sowie zusätzlich einen Reservefonds und einen Fonds für den nationalen Wohlstand. In strategisch wichtigen Wirtschaftsbereichen (von der Weltraumtechnik und der Atomkraft, bis hin zu Schiffs- und Flugzeugbau) stärkte der Staat seine Position in dem er staatliche Kapitalgesellschaften gründete. Dabei spielten Holdings, die als Dachunternehmen die staatlichen Beteiligungen an einzelnen Betrieben einer Branche zusammenfassen, eine wichtige Rolle.

Die im Herbst 2008 ausgebrochene internationale Finanzkrise traf Russland sehr stark. Die russische Regierung konnte in Reaktion darauf den russischen Finanzsektor mit staatlichen Geldern stabilisieren und anschließend ein umfangreiches Konjunkturpaket, das Steuervergünstigungen und staatliche Kreditgarantien umfasste, aus den Rücklagen finanzieren. Auf ein negatives Wirtschaftswachstum von 7,9 % im Jahr 2009 folgten 2010-2012 wieder Zuwachsraten von über 4 %: Getragen wurde das Wachstum von hohen Rohstoffpreisen, aber auch wachsender Beschäftigung und steigender Industrieproduktion. Die hohen internationalen Energiepreise sorgten 2012 für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum. Die Industrieproduktion stieg, allerdings lag der Zuwachs unter den Vorjahreswerten. Die Arbeitslosenrate sank zwischen 2010 und 2012 von 7,2 % auf 5,4 % und die Durchschnittslöhne lagen 2011 und 2012 deutlich höher als vor der Finanzkrise 2008/9. Während 2012 für Russland insgesamt also zufriedenstellend verlief, war 2013 wegen der Konjunkturschwäche im Euro-Raum und der weltweit gesunkenen Rohstoffpreise schwach. Nach einem Plus von 3,4 % im Jahr 2012, kam es für 2013 nur noch zu einem leichten Wachstum von 1,3 %. Das Land ist in eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Stagnation getreten. Gleichzeitig stieg Russland im Ranking von "Doing Business" von Platz 112 in 2012 über Platz 92 in 2013 und Platz 64 in 2014 auf Platz 51 in 2016. Die Staatsverschuldung in Russland ist mit rund zehn Prozent des BIP weiterhin vergleichsweise moderat. Sowohl hohe Gold- und Währungsreserven als auch die beiden durch Rohstoffeinnahmen gespeisten staatlichen Reservefonds stellen eine Absicherung des Landes dar. 

Strukturdefizite, Finanzierungsprobleme und Handelseinschränkungen durch Sanktionen seitens der USA, Kanadas, Japans und der EU bremsten das Wirtschaftswachstum. Insbesondere die rückläufigen Investitionen und die Fokussierung staatlicher Finanzhilfen auf prioritäre Bereiche verstärken diesen Trend. Das komplizierte geopolitische Umfeld und die Neuausrichtung der Industrieförderung führen dazu, das Projekte vorerst verschoben werden. Wirtschaftlich nähert sich Russland der VR China an.

Im Index of Economic Freedom nimmt Russland 2016 den 153. Platz unter 178 Ländern ein. Das schlechte Investitionsklima schlägt sich in einer niedrigen Rate ausländischer Investitionen nieder. Bürokratie, Korruption und Rechtsunsicherheit bremsen die wirtschaftliche Entwicklung aus.

Seit Anfang 2014 hat die Landeswährung mehr als ein Drittel ihres Wertes im Vergleich zum Euro verloren, was unter anderem an den westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und dem fallenden Ölpreis liegt. Durch den Währungsverfall sind die Preise für Verbraucher erheblich gestiegen, die Inflationsrate betrug Ende 2015 ca 15 %. 2015 gerät die russische Wirtschaft in eine schwere Rezession. Nach dem BIP-Rückgang um 3,7 % 2015 prognostiziert die russische Zentralbank für 2016 einen weiteren BIP-Rückgang um 1,0 %.

Wirtschaftssektoren

Der wichtigste Wirtschaftssektor ist der Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr mit 30,3 % des Bruttoinlandsprodukts. Die Bereiche Finanzierung, Vermietung und Dienstleistungen folgen mit 16,5 % sowie die verarbeitende Industrie mit 16,0 %. Sonstige öffentliche und private Dienstleistungen machen 14,5 % des BIP aus, die Förderung von Bodenschätzen folgt mit 11,6, das Baugewerbe mit 4,2 % und die Land- und Forstwirtschaft mit 2,5 %. Die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser trägt 3,7 % zum BIP bei.

Der Arbeitsmarkt teilt sich in drei Bereiche: Landwirtschaft mit ca 10 %, Industrie mit 27 % und Dienstleistungen mit 62 % der Beschäftigten. Ca. 57 % der Beschäftigten
haben ein Arbeitsverhältnis mit einem privaten Arbeitgeber und 32 % sind im öffentlichen Dienst und seinen Einrichtungen tätig. Die restlichen 11 % arbeiten bei Kirchen, ausländischen und sonstigen Arbeitgebern.

Energiewirtschaft

Die Energiewirtschaft ist für Russland von zentraler ökonomischer Bedeutung. Sie hat einen Anteil von einem Viertel am Bruttoinlandsprodukt und trägt damit etwa die Hälfte zur gesamten Industrieproduktion des Landes bei. Sie war in den letzten Jahren der Motor der wirtschaftlichen Erholung Russlands.

Obwohl Erdöl und Erdgas die russische Energiewirtschaft dominieren, hat Russland auch einen bedeutenden Kohlebergbau, mit einem Anteil von 12 % an der Primärenergieversorgung des Landes, sowie Elektrizitätswerke mit einer Jahresproduktion von über 900 Milliarden KWh. Alle Bereiche der Energiewirtschaft haben jedoch einen großen Investitionsbedarf.

Russlands Regierung und Rohstoffkonzerne arbeiten intensiv an der Exploration und Erschließung neuer Erdöl-, Erdgas-, Kohle- und Metallvorkommen. Dabei rücken Aspekte wie Effizienz, Nachhaltigkeit und Sicherheit der Produktionsprozesse immer stärker in den Vordergrund.

Die Zukunft der russischen Gasförderung liegt auf der Halbinsel Jamal mit über 30 noch unberührten Fundstellen. In der Erdölförderung werden hohe Summen in die Erschließung und Exploration von vier neuen Schelfabschnitten um die Insel Sachalin fließen. Russlands Kohleindustrie hat vor, mit immer tieferen Gruben und neuer Technik Kohle noch effizienter abzubauen. Fast alle Unternehmen aus der wichtigsten Kohleregion, dem Kusnezk-Becken, investieren in verbesserte Bohrungen und Sicherheit.

Handel

Die Exportstruktur ist sehr stark auf Rohstoffe ausgerichtet und der russische Außenhandel ist somit von den Erdölpreisen auf dem Weltmarkt abhängig. Die wichtigsten Handelspartner sind die EU (insbesondere Deutschland und die Niederlande), die Volksrepublik China und die GUS-Länder. Zu den wichtigsten Importgütern zählen Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge. Chemische Produkte sowie Nahrungsmittel sind ein bedeutender Importbestandteil.

Die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit der russischen Industrie ist gering. Viele Produktionsanlagen sind veraltet, Forschung und Entwicklung wird in Unternehmen wenig Beachtung geschenkt. Der zunehmende Mangel an qualifizierten Fachkräften und höhere Lohnkosten machen es den russischen Unternehmen schwer, Bereiche zu finden in denen sie im internationalen Vergleich Wettbewerbsvorteile aufrechterhalten können. Unternehmen, die auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind, gibt es nur wenige, diese sind insbesondere in den Bereichen zu finden, deren Effektivität von natürlichen Ressourcen abhängt.

Am 16. Dezember 2011 wurde Russische Föderation nach 18 Verhandlungsjahren in die WTO aufgenommen. Nach der Ratifizierung der Verpflichtungen im Sommer 2012 wurde Russland zum 154. offiziellen Mitglied der Welthandelsorganisation. Um den Zugang zum Markt für Güter und Dienstleistungen zu erleichtern, werden die Einfuhrzölle gesenkt und die Ausfuhrzölle begrenzt. Ferner sollen technische Vorschriften, sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen an die internationalen Normen und Standards angepasst werden. Einige protektionistische Maßnahmen werden erschwert und teilweise ganz abgeschafft.

Eine der vielen Baustellen in Moskau © Lisa Melnikova
Eine der vielen Baustellen in Moskau

Industrie 

Im Jahr 2011 stieg die Industrieproduktion um 4,7 %. 2012 legte sie ca. 4 % zu. Das russische Wirtschaftsministerium rechnet mit einer Erhöhung der Industrieproduktion von 3,4 % für 2013. Zu den Gewinnbranchen zählen dabei die Kfz-Industrie, die Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung sowie die Medizintechnik. Auch die Bauwirtschaft und die Informations- und Kommunikationstechnik entwickeln sich dynamisch. In dem IT-Sektor schließt Russland zur Weltspitze auf, in einigen Nischen sind russische Programmierer und Entwickler bereits führend. Durch die anstehenden Großprojekte beim Bau von Autobahnen, Eisenbahntrassen und Häfen dürfte Russlands Baubranche im Ranking der nächsten Jahre einen bedeutenderen Platz einnehmen.

Ferner spielen alle Formen des Maschinenbaus, von den Walzwerken zum leistungsstarken Flugzeug und zu den Raumträgern, Verteidigungsindustrien, einschließlich des Radars, der Flugproduktion und der elektronischen Bauelemente, der Schiffsbautechnik und der chemischen Industrie, eine wichtige Rolle. Impulse kommen von internationalen Spitzenkonzernen, die Produktionsstätten in Russland errichten.

Landwirtschaft

Etwa 10 % aller Ackerflächen der Erde entfallen auf Russland. Ackerbau findet hauptsächlich im Mittleren Wolgaland, dem Nordkaukasus, dem Uralgebiet und Westsibirien statt. Fast 40 % der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion entfallen auf Ackerbau, über 60 % auf Viehzucht. Die wichtigsten Anbaukulturen sind Getreide, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Kartoffeln und Flachs. Die Tierzucht ist auf Fleisch-, Milch- und Wollproduktion spezialisiert.

Im Zuge der Privatisierungsmaßnahmen der neunziger Jahre erlebte die russische Landwirtschaft einen beispiellosen Niedergang. Die Produktivität nahm stark ab, 20 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche fielen brach, die Bruttoagrarproduktion ging bis Ende der 1990 Jahre um 45 % zurück. Die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft geht auch heute kontinuierlich zurück, ohne dass ausreichend Kapital zu Verfügung stünde um diesen Rückgang durch eine stärkere Mechanisierung aufzufangen.

Die Prioritäten der russischen Agrarpolitik sind Restrukturierung der Schulden der Betriebe, Stabilisierung des Getreidemarkts, „passgenauer Protektionismus“ in Form einer aktiven und flexiblen Zollpolitik und die Auflegung eines Programms zur Vergabe zinsvergünstigter Kredite an die Produzenten. Der „agro-industrielle Komplex“ zählt zu den vier nationalen Förderprojekten. Dabei gilt es die Teilbereiche „Viehwirtschaft“, „Entwicklung von Kleinbetrieben“ und „Wohnraum für die Spezialisten im Agrarsektor“ vorrangig zu fördern. Dank dieser Anstrengungen hat die russische Landwirtschaft zwar den Scheitelpunkt der Krise überschritten, doch vom Niveau der sowjetischen Zeit ist sie noch weit entfernt. Nach den schweren Waldbränden im Jahr 2010 normalisiert sich die Lage der russischen Landwirtschaft wieder. 

Sotschi 2014

Der Schwarzmeerkurort Sotschi mit 330.000 Einwohnern hat vom 7. bis 23. Februar 2014 die XXII. Olympischen Winterspiele ausgerichtet. Es waren die ersten Winterspiele in einer subtropischen Stadt sowie die zweiten Olympischen Spiele in Russland.

Die Olympiade wurde ein Prestigeprojekt von nationaler Bedeutung. In den Ausbau der nötigen Infrastruktur wurden rund 9 Mrd. Euro investiert. Nicht nur Sportstätten wurden neu errichtet, auch der Ausbau und die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur, der Energieerzeugung, des Telekommunikationsnetzes und des Gastronomie- und Hotelsektors hat stattgefunden. Neben den reinen Sportstätten wurde Sotschi aber auch als ganzjähriger Kurort entwickelt. Dafür wurde auch der unweit von der Stadt gelegene Wintersportort „Krasnaja Poljana“ touristisch erschlossen und infrastrukturell ausgebaut. Modernisiert wurde auch die Gebietshauptstadt Krasnodar. Die gesamte Region soll von den Vorhaben profitieren: die Urlaubssaison in der Gegend verlängert sich auf das ganze Jahr.

Bereits Anfang 2013 berichtete Human Rights Watch von Missständen auf den Baustellen und stellte fest, dass Arbeitgeber Reisepässe und Arbeitsgenehmigungen von Arbeitsmigranten aus dem Ausland beschlagnahmten.

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele fand im Fisht Olympiastadion in Adler am 7. Februar 2014 vor 40.000 Zuschauern statt.

Wirtschaftspolitik

Während der ersten Amtszeit von Präsident Putin wurden umfangreiche Wirtschaftsreformen durchgeführt. Sie umfassten u.a. die Einführung eines einheitlichen Steuersatzes von 13 %, die Vereinfachung von Unternehmensbesteuerung und Maßnahmen im Finanzsektor, die der Stärkung des Kleinunternehmertums dienen sollten. Gleichzeitig wurde die Aufnahme in die Welthandelsorganisation aktiv vorangetrieben. Manche Beschlüsse provozieren sozialen Protest, wie die Monetarisierung der aus der sowjetischen Zeit geerbten nicht monetären Leistungen, wie kostenlose Nutzung des öffentlichen Personalverkehrs oder kostenlose Telefonanschlüsse. 

Präsident Medwedew prangerte in seiner Rede zur Lage der Nation vom November 2009 die Rückständigkeit der russischen Wirtschaft an und forderte eine grundlegende Modernisierung des Landes und seiner Gesellschaft mit Hilfe hoher staatlichen Investitionen in den Bereichen Wohnungsbau, Infrastruktur, Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Energieeffizienz. Medwedew forcierte eine Umorientierung der Wirtschaft, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die von Medwedew 2010 initiierte Kampagne zur Modernisierung sieht bis 2030 Investitionen von rund 1 Billion Euro vor. Sie wird von dem 2012 wieder gewählten Präsident Putin fortgeführt.

 

Ein zentrales Anliegen bleibt eine stärkere ökonomische Integration der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Aufbauend auf die Zollunion zwischen Russland, Belarus und Kasachstan wurde im November 2011 die Eurasische Union ins Leben gerufen: bis 2015 soll so ein barrierefreier Markt für den Waren-, Kapital-, Dienstleistungs- und Personenverkehr entstehen. Die Institutionen der Eurasischen Wirtschaftsunion, die Anfang 2015 in Kraft getreten ist, gibt es schon: eine Eurasische Wirtschaftskommission in Moskau und einen Gerichtshof in Minsk. Die Mitgliedsländer Russland, Weißrussland und Kasachstan sollen, nach dem Muster der Europäischen Union, Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte frei untereinander austauschen und in „Schlüsselbereichen“ wie Energie, Industrie, Landwirtschaft und Transport ihre Politik abstimmen.

Am 16. Dezember 2011 wurde Russland Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Die Ratifizierung des Abkommens schafft die Grundlage für die Einrichtung einer Freihandelszone mit der EU. Die Weltbank schätzt die dadurch entstehenden Wachstumsimpulse auf elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2021. Der Beitritt wird Russlands Integration in die Weltwirtschaft verstärken. Die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 sowie der Beitritt zur OECD-Konvention zur Korruptionsbekämpfung im Februar 2012 bestärken diese Entwicklung.

Obwohl Medwedew Korruption und Rechtsnihilismus den Krieg erklärt hatte, befindet sich Russland im Korruptions-Ranking von Transparency International 2015 auf Platz 119 von 168 Ländern. Neben der Bekämpfung der Korruption sind der Abbau administrativer Hemmnisse, die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen, Investitionen in die überalterte Infrastruktur, sowie eine Diversifizierung der Wirtschaft insgesamt die großen Herausforderungen für die weitere positive wirtschaftliche Entwicklung Russlands.

Anfang Mai 2014 bereitete Premierminister Medwedew Öffentlichkeit und Wirtschaft auf schwierige Zeiten vor. Um einen neuen Wachstumspfad zu betreten, erörtert die Regierung geeignete Reformen. Zudem erfolgt eine Neuausrichtung der Industrie-, Haushalts-, Geld- und Kreditpolitik. Ziel ist es, private Investitionen zu stimulieren, die verarbeitende Industrie auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit russischer Exportgüter zu verbessern. Dabei geht es auch um Importsubstitution. Zum einen, um ausländische Hersteller zu Technologietransfers in Form von Montagen und Produktionen vor Ort zu bewegen. Zum anderen, um ausbleibende Importe aus der Ukraine und aus Ländern, die Sanktionen verhängt haben, durch eigene, neu zu schaffende Kapazitäten zu ersetzen. Russland nähert sich wirtschaftlich der VR China  an. Im Rahmen des Besuchs einer russischen Delegation in China im Mai 2014 wurden zahlreiche Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Zu den Vereinbarungen gehören unter anderem die Gründung eines Konkurrenten für Boeing und Airbus, der Bau einer Brücke und die Lieferungen von Energieträgern.

Entwicklung

Der Anstieg der Deviseneinnahmen in den letzten Jahren versetzte die russische Führung in die Lage Reformmaßnahmen aus Eigenmitteln zu finanzieren, während das Volumen der TACIS (ENPI)-Gelder konstant zurückging. Der russische Staat beglich einen Großteil seiner Schulden bei externen Geldgebern wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und der EU und konnte sich zunehmend jeder Form von Konditionalitätspolitik entziehen. 

Russland leistet in begrenztem Umfang Entwicklungshilfe, gehört aber nicht der OECD und deren Ausschuss für Entwicklungshilfe (DAC) an. 2009 wurde der Umfang der Entwicklungshilfe von 220 Millionen in 2010 auf 900 Millionen US-Dollar erhöht. Konzentrierte sich die russische Entwicklungszusammenarbeit in den letzten Jahren auf die Abschreibung der Staatsschulden der Entwicklungsländer (u. a. im Rahmen der HIPC-Initiative), setzt Russland heute verstärkt auf die Zuwendungen für internationale Fonds und Organisationen, wie UNICEF und andere Fonds der Vereinten Nationen.  

2007 wurde ein Konzept der russischen Entwicklungszusammenarbeit verabschiedet. Die erklärten Ziele sind dabei die Hilfe für Entwicklungsländer bei der Erreichung der Millennium Development Goals, wobei die Bereiche Bildung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten die Schwerpunkte bilden. Das Konzept definiert die geographischen Prioritäten der russischen ODA als die ärmsten Länder Zentral- und Südostasiens sowie Afrikas südlich der Sahara und sieht die graduelle Erhöhung der IDA-Budgets auf 500 Millionen US-Dollar vor. 

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Zwischen der Russischen Föderation und Deutschland wurden folgende entwicklungspolitische Schwerpunkte vereinbart: Wirtschaftsförderung und insbesondere die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie berufliche Bildung, Agrarförderung und Verwaltungsreform. Seit 1993 erfolgt die Zusammenarbeit mit Russland im Rahmen des TRANSFORM-Programms der Bundesregierung. Inhaltlich konzentriert sich das Programm auf die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie auf die Unterstützung bei der Entwicklung des Finanzsystems. In den letzten Jahren wurden Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 130 Millionen Euro gefördert. Für die Durchführung des Programms ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verantwortlich.

2001 wurde der Petersburger Dialog als offenes Diskussionsforum, der die Verständigung zwischen den Zivilgesellschaften beider Länder fördert, ins Leben gerufen. Er steht unter der Schirmherrschaft der deutschen Bundeskanzlerin und des russischen Präsidenten. Die bilaterale Tagung findet in der Regel einmal jährlich, abwechselnd in Deutschland und in Russland, statt und widmet sich den Fragen der deutsch-russischen Beziehungen. Teilnehmer sind Experten und Multiplikatoren aus allen Bereichen der Gesellschaften Deutschlands und Russlands. Die Geschäftsstelle der deutschen Seite des Petersburger Dialogs wird in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Russischen Forum geführt. 

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet in Russland im Auftrag der EU und verschiedener Bundesressorts und konzentriert sich auf unterschiedliche Schwerpunkte. Im Auftrag der Bundesregierung unterstützen die Vorhaben nationale Minderheiten, Umweltthemen und Managertraining. Seit 1998 richtet sich das Managerfortbildungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) branchenübergreifend an junge Fach- und Führungskräfte kleiner und mittlerer Unternehmen im Ausland. Im Rahmen des Managerfortbildungsprogramms werden von der GIZ westliche Managementtechniken an russische Manager vermittelt und sie werden dabei unterstützt, ihre heimischen Unternehmen umzustrukturieren und fit für den Weltmarkt zu machen. Seit 2006 haben auch deutsche Führungskräfte die Möglichkeit, eine Fortbildung in Russland vorzunehmen. Das Programm bietet den beteiligten Partnern Zugang zum jeweils anderen Markt.

Vom Bundesministerium des Innern und dem Auswärtigen Amt werden die Programme zur Förderung der kulturellen Identität der Russlanddeutschen finanziert. Sie umfassen soziale und gemeinschaftsfördernde Hilfsmaßnahmen.

Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) engagiert sich in Russland für die Stärkung der Zivilgesellschaft und Demokratie. Integrierte Fachkräfte unterstützen die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen. 

Die parteinahen Stiftungen Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie Konrad-Adenauer-Stiftung, führen in Russland viele Projekte durch.

Das Goethe-Institut findet man in Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk. Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) hat eine Vertretung in Moskau.  

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2016 aktualisiert.

Über die Autorin

Lisa Melnikova (M.A., geb. 1982)

ist Ethnologin und seit 2006 als Regionaltutorin für die Regionen Asien und Osteuropa und Tutorin der Auslandsvorbereitung für Russland bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH tätig.

Literaturhinweise

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