Industriegebiet Kladovo
Geschätztes BIP
39,4 Mrd. US-$ (2017)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
5.600 US-$ (2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 66 (von 188 - 2016)
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
9,2% (2011)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
29,7
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 24 (von 129) (2018)

Historische Erblast

Serbiens Wirtschaft befindet sich auf dem Weg der Transformation und Modernisierung. Sie ist dabei noch immer geprägt von einer doppelten Erblast. Einerseits von dem sozialistischen Erbe, eine sozialistischen Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftspolitik, deren Transformation aufgrund der Balkankriege im Unterschied zu den mittelosteuropäischen Staaten erst mit 10-jähriger Verspätung nach 2000 eingesetzt hat. Zweitens durch einen weitgehenden Zusammenbruch der Wirtschaft im Kriegsjahrzehnt.

Die 1990er Jahre waren ökonomisch geprägt von internationaler Isolation, einem Embargo und der Finanzierung der Kriege in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo, was am Ende des Jahrzehnts zu einem weitgehenden Zusammenbruch der Wirtschaft geführt hatte. Die Wirtschaftspolitik des Milošević-Regimes beschränkte sich weitgehend auf den Erhalt der politischen Kontrolle über die Wirtschaft, das Auffinden von Finanzquellen zur Kriegsfinanzierung und des Erhalt des sozialen Friedens bzw. der Verhinderung von sozialen Unruhen. Die ehemals in Jugoslawien in gesellschaftlichem Eigentum befindlichen Betriebe wurden verstaatlicht und die von der letzten gesamtjugoslawischen Regierung begonnene Privatisierung rückgängig gemacht. Außen- und Devisenhandel wurden staatlich reguliert und Preise und Löhne großteils administrativ festgelegt. Die staatlichen Unternehmen regredierten zunehmends zu sozialen Einrichtungen, die entweder mit Verlust produzierten oder deren Produktion ganz zusammenbrach. Mit sich abwechselnden Methoden wurde versucht, privates Kapital/ private Devisen abzuschöpfen – durch Einfrieren der Devisen-Girokonten der Bürger, Privatbanken, die nach dem Schneeball-System horende Zinsen vergaben, ein System paralleler Devisen-Wechselkurse und Wechselstuben. Vom Regime organisierte Schmuggelaktivitäten und Offshore-Gesellschaften ergänzten das Bemühen, Löcher im kollabierenden (Kriegs)Haushalt zu stopfen. Die Folge waren steigende Inflation und das Bedienen der Notenpresse, was Ende 1993 zur drittgrößten Hyperinflation in den Menschheitsgeschichte führte. Ende des Jahrzehnts war die serbische Wirtschaft weit hinter den Stand vor dem Zusammenbruch des sozialistischen Jugoslawien zurückgefallen. 80% des Bankensektors waren insolvent, das Vertrauen der Bürger in die eigene Währung und die Banken verschwunden. Zugleich hatte es seine regionalen und internationalen Märkte weitgehend verloren.

Das Wirtschaftssystem

Nach dem Regimewechsel im Oktober 2000 begann die Transformation und Modernisierung der serbischen Wirtschaft und Wirtschaftspolitik mit Unterstützung von EU, IWF und anderen internationalen Institutionen. Die Wirtschaftsgesetzgebung wurde modernisiert, Außenhandel und Geld- und Devisenmarkt liberalisiert. Administrative Preise und Löhne wurden aufgehoben. Der Großteil der Banken wurde in die Insolvenz geschickt und das Bankensystem für ausländische Banken geöffnet. Die Privatisierung der Staatsbetriebe wurde eingeleitet. Der serbische Markt wurde für Auslandsinvestoren geöffnet. Die Mitgliedschaft in internationalen und regionalen Handels- und Wirtschaftsorganisationen wurde erneuert bzw. erworben.

Heute ist Serbien eine liberale Marktwirtschaft, die damit kämpft, sich seiner historischen Altlasten – politische Einflussnahme in die Wirtschaft, wirtschaftliche Regression und Modernisierungsblockade – zu entledigen. Die serbische Wirtschaft hat sich aus ihrer internationalen Isolation befreit und verloren gegangenen Märkte teils wieder erobert. Serbien ist Mitglied von Weltbank und IWF, das Aufnahmeverfahren bei der WTO läuft. Zugleich ist das Land Mitglied in allen wichtigen regionale Wirtschaftsvereinigungen: dem Stabilitätspakt für Südosteuropa, CEFTA, SECI, SEECP, ICAO.

Wichtigste Wirtschaftssektoren

Nach Wirtschaftssektoren aufgeteilt steht der Dienstleistungssektor an erster Stelle, er erwirtschaftete 2016 50% des BIP; es folgen Industrie und Bergbau mit rund 10% und die Landwirtschaft mit 8,5%.

Industrie: Die serbische Industrie befindet sich noch weitgehend in einem Modernisierungsrückstand. Technologien sind veraltet, Produkte daher meist international nicht konkurrenzfähig. Ein großer Anteil an Industriebetrieben ist weiterhin nicht privatisiert und schreibt Verluste. Die Industrie leidet an der veralteten Infrastruktur, von Transportwesen und Energiesektor. Die auf die sozialistische Epoche zurückgehende Subventionierung billiger Energie macht die Industrieproduktion energieintensiv. Der Schwerpunkt der Industrieproduktion liegt heute weiter auf der Schwerindustrie und der Lebensmittelverarbeitung. Die Autoindustrie hofft nach dem erfolgreichen Verkauf des ehemals größten jugoslawischen Autoherstellers, Zastava Kragujevac an Fiat auf steigende Produktionszahlen. 2015 lag der Anteil der serbischen Industrie am BIP bei 25,8%, in ihr arbeiteten 20,0 % der Beschäftigten.

Landwirtschaft: Die Landwirtschaft bleibt ein wichtiger Sektor. 44% der  Bevölkerung leben in ruralen Gebieten, 55% der Fläche Serbiens sind landwirtschaftlich nutzbar, der lebensmittelverarbeitende Sektor bleibt ein wichtiger Industriezweig. Die landwirtschaftlich geprägte Vojvodina galt zu sozialistischen Zeiten als „Kornkammer Jugoslawiens“. Trotzdem hat die Produktivität der serbischen Landwirtschaft nicht mit der Wirtschaftsentwicklung Schritt gehalten, ihr Anteil am BIP wurde seit 2000, als er bei 20% lag, mehr als halbiert. So lag der Anteil 2015 bei 8,5%, sie stellte aber noch immer 19,4% der Beschäftigten. Schuld ist vor allem eine unstetige Landwirtschaftspolitik. Sie beruht auf einem veralteten, noch auf die sozialistische Zeit zurückgehenden ineffizienten System von Agrarsubventionen. Dieser stellt erstens zu wenig Geldmittel zur Verfügung und führt durch eine territoriale Förderung zweitens zu Marktverzerrungen, welche in den letzten Jahren u.a. für den Niedergang der Milchproduktion verantwortlich war.

Dienstleistungssektor: Der Dienstleistungssektor ist der am stärksten wachsende Sektor, er zeichnete für den Großteil des Wirtschaftswachstums im zurückliegenden Jahrzehnt verantwortlich. Das größte Dienstleistungszentrum ist die Finanzmetropole und Hauptstadt Belgrad, wo die meisten Unternehmen aus dem tertiären Sektor ihren Sitz haben. Andere großen Städte wie Novi Sad und Niš sind ebenfalls wichtige Dienstleistungsstandorte.  Die wichtigsten Teile des Dienstleistungssektors in Serbien stellen Handel, Transport und Logistik (2015 14,6% des BIP), die Immobilienwirtschaft (8,9% des BIP), Information und Telekommunikation 4,4% des BIP) sowie der Finanzsektor (3,0% des BIP).

Produkte

Wichtigste Produkte der serbischen Wirtschaft stellen in der Schwerindustrie Eisen und Stahl dar. Die Nahrungsmittelindustrie vertreibt vor allem Obst und Gemüse und Getreide, sowie Zucker. Textilprodukte und Möbel sind weitere wichtige Industrieprodukte. Weiter wichtige Produkt sind in der Chemieindustrie v.a.die Gummi- und Kunststoffproduktion. Die Pharmaindustrie ist ein weiterer Wachstumssektor, sie produziert Generika mit hohen technischen Standards, führendes Unternehmen ist der serbische Traditionskonzern Galenika.

Eine wachsende Rolle spielt der Tourismus mit aktuell 2,0 Mio Gästen und 6,6 Mio. Übernachtungen jährlich. Touristische Anziehungspunkte sind die zahlreichen Nationalparks und Gebirge Kopaonik und Zlatibor sowie andere Naturlandschaften. Zahllose historische Kulturdenkmäler bieten einen Markt für Kulturtourismus. Der Städtetourismus nach Belgrad und Novi Sad, insbesondere von jungen Leuten aus Region verzeichnet einen deutlichen Anstieg in den letzten Jahren.

Wirtschaftsindikatoren

Nach Zahlen hatte Serbiens Wirtschaft im zurückliegenden Jahrzehnt – vor der Weltwirtschaftskrise des Jahres 2009 – einen Konsolidierungskurs eingeschlagen. So wuchs die Wirtschaft zwischen 1999 und 2009 im Schnitt um 5%, das Exportvolumen wuchs im gleichen Zeitraum durchschnittlich um 10,3%. Ausländische Direktinvestitionen erreichten vor der Krise ein jährliches Gesamtvolumen von rund 2 Mrd. Euro. Das Haushaltdefizit lag 2010, nach der Krise, bei 4,7% des Bruttoinlandsprodukts und näherte sich damit wieder den Vorgaben innerhalb der EU an. Anfang 2012 lief das Haushaltsdefizit allerding wieder aus dem Ruder, es erreichte im ersten Quartal des Jahres beunruhigende 6,0% des BIP. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt 2009 auf -3,1 Prozent eingebrochen war hat es sich in den Folgejahren nur langsam erholt. Erst 2013 verzeichnete es wieder ein deutliches Wachstum von 3,0 Prozent. Nach einem erneuten Einbruch 2014 erholte sich das Bruttoinslandsprodukt 2015 nur langsam mit einem Wachstum von lediglich 0,8 Prozent; 2016 wuchs das Bruttosozialprodukt schon deutlich um 2,8 Prozent, 2017 betrug das Wachstum 3,0 Prozent. Für 2018 wird ein weiter steigendes Bruttosozialprodukt um 3,5 Prozent prognostiziert. Zugleich bleibt Serbien noch immer eines der ärmsten Länder Europas mit einem Nettodurchschnittseinkommen von 375 EUR in 2016.

Einen guten Überblick über die serbische Wirtschaft bieten die Überblicksdarstellungen der AHK, des Auswärtigen Amts, die Berichte der Germany Trade & Invest (GTAI) sowie der jährlich erscheinende Doing Business-Bericht der Weltbank.

Wirtschaftspolitik

Serbiens Wirtschaftspolitik ist, insbesondere seit der Amtszeit der der von 2008 bis 2012 regierenden, pro-europäischen Regierungskoalition geprägt von einem wirtschaftsliberalen Kurs und der Weichenstellungen für die entsprechende Transformation und Modernisierung der Wirtschaftspolitik und ihre Institutionen und Instrumente. So wurde ein modernes, transparentes Haushaltsführungssystem eingeführt. Die Stärkung und funktionelle Reform der Steuerbehörden wurde eingeleitet. Das Steuersystem wurde reformiert und eine Umsatzsteuer eingeführt. Eine Reform des Beamtensystems wurde durchgeführt, die Anzahl der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung wurde reduziert und das Bezahlungssystem rationalisiert. Die Reform der nicht nachhaltigen Sozialsysteme, von Rentensystem und Sozialhilfen wurde eingeleitet.

Im Rahmen des EU-Integrationsprozesses hat die serbische Regierung in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl an Gesetzen an EU-Standards angepasst.

Einen Überblick über die Wirtschaftspolitik in Serbien bietet der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.

Außenhandel, Handelsbilanz

Trotz steigender Exporte leidet Serbien aufgrund der strukturellen Schwäche seiner Industrie an einem chronischen Außenhandelsdefizit. So standen 2011 Importe im Wert von 19,9 Mrd. USD Exporten im Wert von 11,8 Mrd. USD gegenüber, ein Defizit von 8,0 Mrd. USD. 2011 war die Export-Import Deckungsrate 58,5%. Dieses Handelsdefizit hat sich in den letzten Jahren allerdings deutlich reduziert, 2015 stand ein Importvolumen von 18,2 Mrd. USD einem Importvolumen von 13,3 Mrd. USD gegenüber, eine Deckungsrate von 73,4%. Wichtigste Handelspartner sind die Länder der EU, an die Serbien 60% seiner Export liefert, sowie die Mitgliedsstaaten der regionalen Handelsvereinigung CEFTA mit 30%, gefolgt von Russland. Hauptexportländer waren 2015 Italien (2,16 Mrd. USD), Deutschland (1,67 Mrs. USD) sowie Bosnien-Herzegowina (1,17 Mrd. USD). Hauptimportländer waren Deutschland (2,26 Mrd. USD) Italien (1,92 Mrd. USD) und die Russische Föderation (1,75 Mrd. USD). Deutschland hat 2003 einen Wirtschaftskooperationsrat mit Serbien begründet, der als Plattform für den Dialog zwischen Regierungen u. Unternehmen dient. Er konzentriert sich auf die Kernbereiche Banken/Finanzen, Energie, Logistik, Wasserversorgung, Landwirtschaft und Tourismus. Hauptexportprodukte sind Eisen, Stahl und Buntmetalle, Weizen, Obst und Gemüse und Textilprodukte; Hauptimportprodukte sind Öl und Gas, Buntmetalle, Eisen und Stahl, Elektrogeräte und Fahrzeuge.

Serbiens Handelsbeziehungen mit Russland sind durch die Ukrainekrise und das Lavieren der Belgrader Regierung zwischen EU-Integrationsorientierung und den traditionellen Beziehungen zur Russischen Föderation in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Trotz eines existierenden Freihandelsabkommens zwischen den beiden Ländern liegt der Handel Serbiens mit seinem osteuropäischen Partner weit hinter dem mit der EU und den Nachbarstaaten zurück. Infolge der gegenseitigen Sanktionen zwischen EU und Russland sah sich die serbische Regierung auf Druck aus Brüssel zur Versicherung gezwungen, dass es seine Agrarexporte nach Russland nicht intensivieren und so die Agrarsanktionen Russlands gegen Produkte aus der EU unterlaufen werde. Einen schweren Rückschlag musste Serbien in Zusammenhang mit dem russischen Pipelineprojekt Southstream hinnehmen, an deren Vorbereitung Serbien neben 7 EU-Staaten teilgenommen hatte. Diese von Gasprom betrieben Pipeline sollte Gas aus Russland durch das Schwarze Meer über Bulgarien und Serbien nach Zentraleuropa transportieren, und damit unter Umgehung der Ukraine. Die entsprechenden Verträge zwischen Gasprom und den Partnerländern verletzten allerding EU-Recht, so dass die Europäische Kommission die bulgarische Regierung im Herbst 2014 anwies, den begonnenen Bau vorläufig zu stoppen. Anfang Dezember erklärte der russische Präsident Putin überraschend, dass Moskau von dem Pipelineprojekt Abstand nehme. Die serbische Regierung bezeichnete die Entscheidung über die Einstellung von Southstream al einen schweren ökonomischen Schlag für das Balkanland. Belgrad hatte sich vom Projekt Investitionen in Milliardenhöhe und einen Schub für die Wirtschaft des Landes erhofft. Allerdings bezweifelten Ökonomen den wirtschaftlichen Nutzen aufgrund der besonderen Privilegien für Gasprom in dem Investitionsprojekt.

Deutsch-serbische Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland gehört seit Jahren zu den wichtigsten Handelpartnern Serbiens. Mit einem Handelsvolumen von rund 4 Mrd. Euro lag Deutschland 2016 auf Platz eins der bilateralen Handelspartner. Die Bundesrepublik lag auf Platz eins der Hauptlieferländer Serbiens mit einem Anteil an den gesamten Importen von 12,9%. Hauptimportprodukte aus Deutschland sind Maschinen, KFZ und -Teile, Elektrotechnik und Kunststoffe.  Unter den Hauptabnehmerländer serbischer Erzeugnisse lag Deutschland 2016 auf Hinter Italien auf Platz zwei mit einem Anteil an allen Exporten von 13,3%. Mehrere hundert deutsche Unternehmen sind in Serbien registriert; hinzu kommt eine erhebliche Zahl an serbischer Tochterunternehmen.

Auswirkung der Weltwirtschaftskrise

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die Serbien Ende 2008 erreichten, waren merklich, konnten aber durch wirtschaftspolitische Maßnahmen und internationale Stützungsmaßnahmen begrenzt gehalten werden. 2009 verlor das Bruttoinlandsprodukt um 3%, der Export brach um 12% ein, die Inflation stieg um 8,1%. Ende 2008-Anfang 2009 erlitt der Dinar einen Wertverlust von 20%, zur gleichen Zeit zogen Privathaushalte 18% ihrer Einlagen aus Banken ab. Der serbische Regierung und der Nationalbank gelang es mit Unterstützung von IWF, EU und intl. Finanzinstitutionen die Stabilität und Kapitalisierung des Bankensystem zu sichern. Durch Haushaltsmaßnahmen wie Ausgabenkürzungen und das Einfrieren der Nominallöhne im öffentlichen Sektor und der Renten gelang es, das Einbrechen der Einnahmeseite weitgehend abzufangen. Ab 2010 verzeichnete Serbien wieder eine wirtschaftliche Erholung, die Industrieproduktion wuchs erstmals wieder und das Bruttoinlandprodukt verzeichnete ein Wachstum von 1%.

Infolge nachlassender Haushaltdisziplin, politischer Konflikte mit der EU um das Kosovo und das Voranschreiten im EU-Integrationsprozess sowie neuer Instabilität im Euroraum kam es ab Ende 2011 zu einer erneuten Umkehr in der wirtschaftlichen Entwicklung: die Industrieproduktion fing wieder an zu fallen und erreichte Mitte 2012 -4,0 Prozent. internationale Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit Serbiens herabgestuft und ausländische Investoren begonnen, in größerem Umfang Kapital aus dem Land abzuziehen.

Strukturprobleme

Trotz erheblicher Reformanstrengungen und dem grundsätzlichen Umbau einer verstaatlichten, reglementierten und von starken Einbrüchen geprägten zu einer modernen Marktwirtschaft sieht sich Serbien auch nach einem Jahrzehnt grundlegenden Strukturproblemen gegenüber, welche die wirtschaftliche und Haushaltsstabilität bedrohen.

So ist der öffentliche Sektor in Serbien noch immer zu groß. Mehrere hundert Unternehmen sind nicht privatisiert oder in der sog. Restrukturierung gefangen. Diese beschäftigen ca. 100.000 Arbeiter, von denen die meisten nicht befähigt sind, für den Markt zu produzieren. Zugleich bleibt so die Beschäftigungsquote im öffentlichen Sektor mit 40 Prozent außerordentlich hoch. Mit einem 30 Prozent höheren durchschnittlichen Lohnniveau im öffentlichen Sektor als in der Privatwirtschaft entstehen starke verzerrende Effekte. Dass eine Großteil dieser öffentlichen Unternehmen kontinuierlich Verluste produziert, welche durch staatliche Subventionen ausgeglichen werden müssen, bedeutet eine enorme Belastung für den Staatshaushalt. So haben die 514 in der sog. Restrukturierung gefangenen, staatlichen Unternehmen allein im Jahr 2013 einen geschätzten Verlust von 690 Mio. Euro verursacht.

Ein strukturelles Problem für staatliche Unternehmen wie Privatwirtschaft stellt der schlechte Zustand der Infrastruktur dar. Das Transportnetz ist veraltet, insbesondere das Schienennetz und das Straßennetz wurden seit 20 Jahren praktisch nicht modernisiert, Investitionsprojekte in Sanierung und Ausbau befinden sich im Anfang. Der Energiesektor bedarf dringend der Reform. Die traditionell niedrig gehaltenen Energiepreise für die Wirtschaft, aber auch die Privathaushalte drücken diese unter das Profitniveau, zugleich ist die Industrie auf energieintensive Produktionsformen ausgelegt und nicht auf Energieeffizienz. Daneben fehlen Reformen in die Zukunftssektoren Forschung und Bildung.

Zugleich sind die institutionellen und bürokratischen Bedingungen für privatwirtschaftliche Aktivität noch immer nachteilig. So war Serbien, nachdem es 2012 im Doing Business Index der Weltbank vom 95. auf den 86. Platz aufgestiegen war, 2013 wieder zurückgefallen auf den 93. Platz. Gewisse Fortschritte konnten in den letzten Jahren erzielt werden. So erreichte Serbien im Ranking für 2016 bei geänderter Methodologie des Indexes den 58. Platz (vergleichbar mit dem 81. Platz nach dem alten Verfahren). Im Ranking für 2017 stieg Serbien weiter auf, auf den 43. Platz (der 66. Platz nach dem alten Verfahren). Hauptprobleme bestehen weiterhin in hohen bürokratischen Hürden und Genehmigungsverfahren sowie im mangelnden Wettbewerbsschutz. 2018 fiel Serbien im Ranking der Weltbank auf den 48. Platz zurück. Überdurchschnittliche Werte erzielte das Land in den Bereichen Unternehmensgründung, Baugenehmigungen und grenzüberschreitender Handel; deutlich unterdurchschnittlich fielen die Werte in Bereichen wie Anschluss an das Stromnetz, Steuersystem und die (juristische) Durchsetzbarkeit von Verträgen aus.

Ein weiteres zentrales Problem stellt das schwache Rechtssystem und die systemische Korruption dar. Im aktuellen Ranking von Transparency International aus dem Jahr 2017 belegt Serbien den 77. Platz (von 180 Ländern). Noch immer ist es für Akteure im privaten Sektor schwierig bis unmöglich, über die Gerichte zu ihrem Recht zu kommen.

Die Schattenwirtschaft in Serbien macht traditionell einen Anteil am Gesamtwirtschaftsaufkommen aus, der zu einem der höchsten in Europa gehört. 2012 wurde nach internationalen Standards berechnet 30 Prozent des serbischen Bruttoinlandsprodukts von der Schattenwirtschaft erwirtschaftet – mit all den begleitenden negativen Belastungen für die öffentlichen Haushalte und die Sozialsysteme. Trotz verschiedener Maßnahmen der seit 2012 von der SNS angeführten serbischen Regierung, insbesondere seit 2015, ist nach Analysen führender serbischer Ökonomen die Schattenwirtschaft nicht geschrumpft, sondern im Vergleich zu 2012 sogar leicht gewachsen. Hauptgründe sind v.a. die Ineffizienz und fehlende politische Unabhängigkeit der Steuerbehörden, die von der Regierung regelmäßig erlassenen Steueramnestien sowie die Schwäche des Rechtssystems.

Ein weiteres ungelöstes Strukturproblem liegt in der hohen Arbeitslosigkeit und der ungünstigen Beschäftigungsstruktur. Im Anfang 2012 lag die Arbeitslosenquote offiziell bei 25,5%, ein drastischer Anstieg gegenüber 2008, also vor der Wirtschaftskrise, als die Quote noch bei 14% lag. Inoffiziell ist die Arbeitslosenquote viel höher aufgrund der versteckten Arbeitslosigkeit. Bis 2015 ging die Arbeitslosigkeit ein gutes Stück wieder zurück, auf 17,7%. Ein besonderes Problem stellt die Jugendarbeitslosigkeit mit über 50 % dar. 2011 gab es in Serbien 1.732.000 Beschäftigte – davon waren allerdings 130.000 ohne Bezahlung und 400.000 Beschäftigte erhielten nur den garantierten Mindestlohn von 16.000 Dinar (rund 150 Euro). Dieser Beschäftigtenzahl standen im gleichen Jahr 753.000 Arbeitslose sowie 1,69 Mio. Rentner gegenüber. Ein damit verbundenes dringliches Problem stellt die Reform der veralteten und finanziell nicht nachhaltigen Sozialsysteme dar. Das gilt einerseits für das Gesundheitssystem, andererseits v.a. aber für das Rentensystem. Das serbische Rentensystem produziert die höchsten Verluste in der Region und einen der höchsten in ganz Europa, 2010 bezifferte sich dieser Verlust auf 7,5% des BIP. Erste Reformschritte wie die Anhebung des Renteneintrittsalters wurden unternommen. Durch unterschiedliche Reformmaßnahmen wie die Reduzierung der Rentenhöhen für ca. 40% der Bezieher konnte das jährliche Defizit bis 2017 auf unter 3% des BIP gedrückt werden. Angesichts der Überalterung der serbischen Gesellschaft wird aber eine dauerhafte Stabilisierung des Rentensystems jedoch nur über eine Wirtschaftspolitik gelingen, welche zu einer deutlichen Produktivitätssteigerung der Wirtschaft Serbiens beiträgt.

Politisches Ringen um grundlegende wirtschaftspolitische Reformen

Am Ende des Wahljahres 2012 mit seinen diversen, traditionellen Steuergeschenken sah sich die neu ins Amt gekommene Regierung mit einer veritablen Haushaltskrise konfrontiert. Das Haushaltsdefizit erreichte knapp 8 Prozent, die öffentliche Verschuldung 62 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In dieser Situation des drohenden Staatsbankrotts bot der Internationale Währungsfonds Hilfen in Form eines neuen Standby Arrangements an. Die serbische Regierung verweigerte sich jedoch diesem Hilfsangebot, weil es an die Bedingung diverser, lange geforderter Strukturreformen geknüpft war. Stattdessen nutzte Belgrad die aktuell günstige Bedingungen auf dem internationalen Geldmarkt und entschied sich für die Schließung der entstandenen Haushaltslücken durch kommerzielle Kredite, und schlug die Warnung u.a. des eigenen staatlichen Steuerrates in den Wind, dass ohne strikte Haushaltskonsolidierung und das Angreifen struktureller Reformen die Haushaltentlastung von kurzer Dauer sein werde. Bereits im April zeigte sich, dass der Haushalt für 2013 nicht realisierbar ist. Erstmals wurden von der Regierung die Warnungen ihres Steuerrats ernst genommen, der errechnete, dass anstatt des geplanten Haushaltsdefizits von 3,6% ohne zusätzliche Maßnahmen ein Defizit von 8% des BIP drohe. Steuerrat, einheimische Ökonomen wie Weltbank und IWF empfahlen dringende Kürzungen bei Löhnen, Renten und Subventionen wie Strukturreformen, wie die Rückkehr zu Verhandlungen über ein Standby Arrangement mit dem IWF.

Im Laufe der Reformdiskussion traten Gegensätze innerhalb der Regierung zutage. Widerstände gegen drastische soziale Einschnitte waren insbesondere von Vertretern der Interessengruppen, wie der an der Regierung beteiligten kleinen Rentnerpartei zu hören, aber auch von Seiten der Sozialistischen Partei SPS. Mit der Wahl des jungen Ökonomen Lazar Krstić zum neuen Finanzminister und des Ökonomen Saša Radulović zum neuen Wirtschaftsminister im Rahmen der Regierungsumbildung Anfang September schien sich der Reformflügel der Regierung in der Wirtschaftspolitik durchzusetzen. Ein Monat später hat Krstic ein restriktives wirtschaftspolitisches Maßnahmenpaket vorgestellt. Es beinhaltet die Ausgabenkürzungen im Haushalt, insbesondere die Kürzung von Subventionen, drastische Einschnitte bei den Löhnen im öffentlichen Sektor, Mehrwertsteuererhöhungen sowie die Umstrukturierung öffentlicher Unternehmen. Viele Beobachter blieben jedoch skeptisch, ob die Regierung in Belgrad die politische Kraft aufbringt, um eine nachhaltige Wende in der Wirtschaftspolitik Serbiens einzuleiten. Zahlreiche Ökonomen kritisierten das Maßnahmenpaket als unzureichend.

Diese Skeptiker wurden Ende Januar 2014 durch den Rücktritt von Wirtschaftsminister Radulović, nur wenige Tage vor der Ankündigung von vorgezogenen Neuwahlen, bestätigt. Radulović hatte ein Reformpaket von vier grundlegende Gesetze vorbereitet - ein neues Arbeitsgesetz, ein Privatisierungsgesetz, ein Insolvenzgesetz und ein Planungs- und Baugesetz - die auf den Widerstand der Gewerkschaften gestoßen waren. Nachdem Premierminister Dačić in einem Gespräch mit Gewerkschaftsvertretern angekündigt hatte, den von der Regierung bereits gebilligten Entwurf des Arbeitsgesetzes nochmal überprüfen zu lassen, trat Radulović aus Protest von seinem Posten zurück. Er begründete, die Regierung habe nicht die Kraft grundlegende Reformen gegen gesellschaftlichen Widerstand durchzuführen. Radulović kündigte zugleich die Gründung einer eigenen, wirtschaftsliberalen Partei und die Teilnahme an vorgezogenen Parlamentswahlen im März an. Bei den Wahlen am 16. März 2015 verfehlte seine neu gegründete Partei mit unter 2 Prozent der Stimmen allerdings deutlich den Einzug ins Parlament.

Gestärkt durch ein historisches Wahlergebnis brachte der neue Premier Vučić Ende July 2014 das leicht modifizierte Arbeitsgesetz gegen den Widerstand der Gewerkschaften durch das Parlament. Kurz zuvor trat Finanzminister Krstić von seinem Amt zurück. Zur Begründung erklärte er, dass seine von drastischen Einschnitten zur Lösung der Haushaltskrise - Kürzung von Renten, Gehaltseinschnitte und umfangreiche Personalreduzierungen im öffentlichen Sektor sowie massive Erhöhung der Strompreise - keine Unterstützung des Premiers gefunden habe. Von Teilen der Presse und politischen Kommentatoren wurde Krstić's Rücktritt allerdings als politisches Manöver zur leichteren Durchsetzung drastischer Reformschritte interpretiert.

Im September 2015 verabschiedete die Regierung Einschnitte bei Renten und den Gehältern der Staatsbediensteten und verabschiedete einen Nachtragshaushalt.

Das Jahrhunderthochwasser vom Mai 2014

Serbiens schwierige ökonomische Lage wird durch das Jahrhundertwasser vom Mai 2014 zusätzlich negativ beeinträchtigt. Eine vorsichtige Schadenseinschätzung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) kam auf eine vorläufige Summe von 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Allein der Schaden in der Landwirtschaft könne sich durch die Überflutung von Anbauflächen in den betroffenen Regionen auf mehrere Hundert Millionen Euro belaufen. Hinzu kommen die ökonomischen Auswirkungen der Beschädigung von 3.500 km Straßen und von 30 Prozent der Bahnstrecken in Serbien. Der Schaden für die Steinkohleproduktion in Kolubara und die damit zusammenhängende Reduzierung der Stromproduktion dürfe ebenfalls erheblich ausfallen. Insgesamt dürfe sich Serbiens Wirtschaftswachstum in 2014, das vorher bereits auf bescheidene 1,0 Prozent geschätzt wurde weiter verringern. Zugleich dürfen sich die Sanierungsmaßnahmen negativ auf die dringend notwendige Sparpolitik, die angedachten Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung auswirken. Exaktere Daten ergab eine gemeinsame Erhebung der serbischen Regierung mit EU, UN und Weltbank vom Sommer 2014. Der Gesamtschaden wurde auf 1,7 Mrd. Euro berechnet - dieser Betrag umfasst sowohl die direkten, physischen Schäden als auch den für die serbische Wirtschaft enstandenen Schaden. zugleich brach das Bruttosozialprodukt im selben Jahr auf -1,8% ein.

Das IWF-Standby Arrangement vom Februar 2015

Nach über zwei Jahre des internen Ringens der SNS-geführten Regierung mit dem drohenden Staatsbankrott und den notwendigen, tiefgreifenden Wirtschaftsreformen bewilligte der Internationale Währungsfond (IWF) im Februar 2015 ein Ende 2014 mit der serbischen Regierung vereinbartes Standy-Agreement.

Es umfasst Kredite im Umfang von 1,2 Mrd. Euro für die makroökonomische Stabilisierung Serbiens und beruht auf umfassenden Reformbedingungen bzw. -zusagen Belgrads. Dazu gehört einerseits eine fiskale Konsolidierung, welche das Staatsdefizit von 6,6 Prozent des Bruttosozialprodukts (2014) bis 2017 auf 3,5 Prozent verringern soll, und u.a. Die jährliche Reduzierung des Zahl von Staatsbediensteten um 25.000 vorsieht. Andererseits verpflichtet sich Belgrad zu umfassenden Strukturreformen: Zu einer Verwaltungsreform, einer Reform öffentlicher Unternehmen sowie die Lösung des Problems von 514 Unternehmen, die sich in der sog. Restrukturierung befinden, bis Ende 2015. Hinter dieser "Lösung" verbirgt sich de facto die Abwicklung der Unternehmen und der Entwicklung von sozialen Abfederungsprogrammen für den Arbeitsplatzverlust der betroffenen Arbeiter.

Zur Abfederung dieser Strukturreformen bzw. ihrer Finanzierung stellen Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zusätzliche Kredite in Höhe von 600 Mio. Euro zur Verfügung.

Im Februar 2018 schloss Serbien sein dreijähriges Kreditprogramm mit dem IWF erfolgreich ab. Der IWF lobte insgesamt die Wirtschaftsentwicklung Serbiens, die in einigen Bereichen, etwa der Haushaltskonsolidierung, positiver verlaufen sei als prognostiziert. Dennoch gebe es weiter Reformbedarf, etwa bei der Reform öffentlicher Institutionen, von staatlichen Unternehmen und bei der Verbesserung des Geschäftsklimas. Auf diesem Hintergrund vereinbarte die serbische Regierung im Juli 2018 mit dem IWF ein 30-monatiges, sogenanntes Policy Coordination Instrument (PCI), ein Programm zur Unterstützung von Strukturreformen, allerdings ohne einen neuen Kredit.

 

 

Intransparente ausländische Großinvestitionen

Als eines der Mittel, mit denen die serbische Regierung in den letzten Jahren versucht, die Wirtschaft anzukurbeln, sind ausländische Großinvestitionen in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses und Kritik gerückt. Als Ergebnis des internationalen Werbens der Regierung und des Premierministers Vučić persönlich konnte Belgrad mehrere Großinvestitionen bzw. von ausländischen Investoren finanzierte, mit der Regierung vereinbarte Großprojekte vermelden. Erster Erfolg war der Einstieg der Fluggesellschaft Etihad aus dem Golfstaat Abu Dhabi bei Air Serbia. Als zweites verkündete die Regierung in Belgrad die Verpachtung einer riesigen landwirtschaftlichen Fläche in der Vojvodina an einen Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2014 hat die Regierung mit der Planung für den Bau eines riesigen Wohnungs- und Geschäftskomplexes unter dem Namen Beograd na vodi (Belgrad am Wasser) auf dem Gelände des ehemaligen Belgrader Hafens begonnen.

All diese Projekte sind auf heftige öffentliche Kritik gestoßen wegen der Intransparenz der Investitionsarrangements. So wurden die jeweiligen Verträge zwischen dem serbischen Staat und den ausländischen Investoren jeweils erst nach starkem öffentlichem Druck öffentlich gemacht. Im Fall Beograd na vodi setzte sich die Regierung Ende April 2014 in der Form eines lex specialis, einem Sondergesetz, das das Baugebiet zur Sonderbauzone erklärte, über alle städteplanerischen Vorgaben hinweg. Gegen das Projekt, seine Eingriffe in die Stadtstruktur und seine angebliche Wirtschaftlichkeit regt sich Protest von Ökonomen, Städteplanern sowie einer Bürgerbewegung.

Im Fall von Air Serbia hat der wirtschaftspolitische Ansatz der serbischen Regierung mittlerweile seine Grenzen aufgezeigt: 2017 und 2018 rutschte das Luftfahrtunternehmen, an derm Etihad 2013 49 Prozent Anteile erworben hatte, in die roten Zahlen. Gemäß Vertrag kommt Serbien, und damit die Steuerzahler für den Ausgleich der Verluste auf. Die negative Unternehmernsentwicklung hat im Juni 2018 zu öffentlichen Spekulationen, und Dementis von Regierungsvertretern geführt, Etihad plane, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen

Verzögerung der Strukturreformen und Wahlgeschenke

Ende 2015 verzeichnete Serbien ein Haushaltsdefizit von 3,8% - ein überraschender Rückgang gegenüber den Vorjahren und ein Wert, der 2 Prozent unter dem u.a. vom IWF prognostizierten lag. Der Rückgang hatte vor allem drei Ursachen: ein erhöhtes Steueraufkommen infolge effizienterer Steuereintreibung, vorgenommene Kürzungen von Renten und Gehältern im öffentlichen Dienst sowie die Reduzierung staatlicher Investitionen.

Die Haushaltszahlen wurden von der Regierung als Beweis für eine ökonomische Wende und den Erfolg ihrer Reformpolitik präsentiert. Die übrigen Wirtschaftsindikatoren sprechen allerdings eine andere Sprache. So leidet Serbien auch weiterhin an einem mangelnden Wirtschaftswachstum. Die Arbeitslosigkeit, die 2015 bei 19,2% lag, ist zwar etwas niedriger als in den Jahren zuvor, aber immer noch deutlich über dem Wert von vor der Rezession 2009. Der Bankensektor leidet unter einem hohen Anteil fauler Kredite, weit über 20%. V .a. aber leidet Serbien weiterhin an einer rasant steigenden Verschuldung. Seit Amtsantritt der aktuellen Regierungskoalition ist die öffentliche Verschuldung von 45,4% (2011) auf aktuell ca. 75% des Bruttoinlandsprodukts angestiegen.

Das bedeutet, dass die wesentlichen Strukturprobleme der serbischen Wirtschaft trotz begonnener Reformpolitik bisher unverändert erhalten geblieben sind – nicht zuletzt, weil die Regierung wesentliche Strukturreformen bisher verzögert hat, und zwar aus der Angst vor den damit verbundenen sozialen Einschnitten und möglichen politischen Auswirkungen. So ist die Anzahl an Entlassungen im öffentlichen Dienst bisher deutlich hinter den mit dem IWF 2014 vereinbarten Zahlen zurückgeblieben, während es gleichzeitig Anzeichen von Neuanstellungen nach Parteiinteressen gibt. Die Restrukturierung öffentlicher Betriebe, insbesondere des Teils, dem aufgrund fehlender Rentabilität die Liquidierung droht, ist von der Regierung ebenso hinausgezögert worden. Stattdessen entschied sich der serbische Premier Vučić Anfang 2016 dafür, zunächst einmal vorgezogene Neuwahlen abzuhalten, bevor er dann gezwungen sein wird, Massenentlassungen zu veranlassen. Gleichzeitig nutzte er die sprudelnden Steuereinnahmen, um vor den Wahlen eine moderate Erhöhung der Renten und Gehälter um 1,25% vorzunehmen.

Im Juli 2016 begutachtet eine IWF-Mission vor Ort in Serbien den Stand der Reformen und legte diesen in einem Bericht im September dar. Der IWF lobte darin die serbische Regierung dafür, dass die Zahl der öffentlich Beschäftigten seit Ende 2014 um 16.000 gesunken sei, erhöhte aber zugleich den Druck und fordert eine weitere Reduzierung bis Ende 2016 um 6.500. Zugleich mahnte er die konsequentere Restrukturierung öffentlicher Unternehmen einschließlich Privatisierung und Liquidierung. So waren Mitte 2016 von den bei Beginn des IWF-Programms 550 Unternehmen noch immer 300 nicht umstrukturiert worden. Unter den bis dahin nicht konsolidierten oder privatisierten Unternehmen befandet sich auch das staatliche Gasunternehmen Srbijagas. Serbien drohten im Oktober 2016 Sanktionen der Energy Community, dessen Mitglied Serbien ist, weil sich die Regierung bisher geweigert hat, die erforderliche Reorganisation des Unternehmens zur Anpassung an den EU acquis vorzunehmen. Das Unternehmen wird vom Koalitionspartner SPS kontrolliert und leidet an einer massiven, politisch bedingten Überbeschäftigung. Erst durch eine Last-Minute-Zusage der Regierung zur Reorganisation von Srbijagas konnte Belgrad die Verhängung von Sanktionen abwenden.

Die gemischten Ergebnisse der Wirtschaftsstrukturreformen setzten sich auch 2017 fort und veranlassten Vertreter der Weltbank in Serbien erstmals nach Jahren zur öffentlich geäußerten Warnung, dass trotz anhalten positiven Wirtschaftsdaten, die serbische Regierung durch nachlassenden Reformeifer in zentralen Bereichen drohe, die Früchte ihrer bis dahin unternommenen Reformpolitik zu verspielen. So verzeichnete Serbien in 2016 zwar ein starkes Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent und mit 1,4 Prozent das niedrigste Haushaltsdefizit seit Jahren. Die Zahl der zu restrukturierenden (durch Umbau, Privatisierung oder Liquidierung), in staatlichem Besitz befindlichen Unternehmen sank auf 170. Unter diesen befinden sich jedoch mit den von der Regierung als strategische gekennzeichneten Unternehmen die schwierigsten Fälle. Die Regierung hat ihre politisch heikle Umstrukturierung bisher verschleppt. Diese Unternehmen verschlucken erhebliche Haushaltsmittel, die zu ihrer Stützung jährlich aufgebracht werde müssen, und produzieren zugleich bei den staatlichen Energie- und Transportunternehmen, bei denen sie Kunden sind, riesige Schulden – deren Restrukturierung bisher ebenfalls verschleppt wird.

Entwicklungspolitik

Entwicklungsziele, nationale Entwicklungsanstrengungen

Die Entwicklungsziele der nationalen und internationalen Akteure in Serbien orientieren sich weitgehend an den UN Millenniumszielen, und darüber hinausgehend im Rahmen des EU-Integrationsprozesses am Entwicklungsstand in der Europäischen Union.

Die nationalen Entwicklungsanstrengungen der einzelnen staatlichen Ministerien sind seit 2010 auch institutionell gebündelt in der Ausrichtung auf die angestrebte EU-Mitgliedschaft. So wurde im September 2010 die Development Assistance Coordination Unit (DACU) aus der Zuständigkeit des  Finanzministerium in die des SEIO, des Serbian European Integration Office verlegt, das die im Rahmen der EU-Integration erforderlichen Reformen koordiniert. Die DACU führt den entwicklungspolitische Dialog mit internationalen Partnern und entwickelt den nationalen Entwicklungsplan NAD – Needs of the Republic of Serbia for International Assistance; seine aktuelle Fassung ist vom Januar 2014. Diese definiert die sektorale Prioritäten der Entwicklungspolitik in den kommenden Jahren in den Bereichen Rechtsstaat, Reform der öffentlichen Verwaltungen, Zivilgesellschaft, Wettbewerbsfähigkeit, human resources development, Landwirtschaft und ländlicher Raum, Transportwesen, Energiesektor und Umweltschutz. Seit der Gründung des Ministeriums für europäische Integration 2017, mit der das SEIO seine Arbeit einstellte, hat eine Abteilung des Ministeriums die Arbeit der DACU übernommen, das Department for Planning, Programming, Monitoring and Reporting on EU Funds and Development Assistance.

 

Im Bereich Human resources development, der sich eng an den UN-Millenniumszielen orientiert, bildet die Beseitigung der Armut eine zentrale Priorität. Serbien hat bereits 2002 eine Poverty reduction strategy vorgelegt. Die serbischen Behörden hatten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts beträchtliche Fortschritte bei der Armutsbekämpfung erzielt, zwischen 2006 und 2008 wurden 200.000 Menschen aus der Armut geholt. Die anschließende Wirtschaftskrise hat jedoch diese Erfolge zunichte gemacht, Ende 2010 lag die Armutsrate bei 9,2%, höher als vor Krise (2007: 8,3%). Armut in Serbien ist v.a. ein rurales Phänomen und betrifft außerdem sozial benachteiligte Gruppe überproportional, unter anderem Roma. Zugleich ist das bisher gültige System der Sozialhilfe nicht angepasst an die Bedürfnisse der Bedürftigsten, es kommt bisher nur ein kleinerer Teil der Transferzahlungen bei Ihnen an. Mit Unterstützung der Weltbank hat die serbische Regierung in den letzten Jahren erste Schritte zu einer Reform des Sozialhilfesystems unternommen.

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Ausländische Entwicklungsanstrengungen werden durch internationale und nationale Organisationen unternommen. Die herausragende Rolle spielen die EU und weitere europäische Institutionen wie die ERBD und die EIB. Vor Ort präsent sind außerdem die Weltbank, der IWF, UNDP sowie die OSZE.

Die wichtigsten nationale Geldgeber mit Entwicklungshilfeorganisationen vor Ort sind neben Deutschland die USA (USAID, NDI), Norwegen, Schweden (SIDA), Italien, Österreich, Schweiz (DEZA), Spanien und Japan. In den letzten Jahren gibt es eine deutliche Abnahme bilateraler Förderung zugunsten der EU-Förderung, so hat Großbritannien 2011 sein Entwicklungshilfebüro in Serbien geschlossen. EU-Hilfen erfolgen im EU-Integrationsprozess über den Pre-Accession-Fund IPA, über den Serbien jährlich im Schnitt 200 Mio. Euro erhält.  Bisher mangelt es an einer strategischen Nutzung der zur Verfügung gestellten Mittel.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland ist mit rund 1,5 Mrd. Euro an Hilfszusagen seit dem demokratischen Regimewechsel im Jahr 2000 der zweitgrößte Geldgeber neben den USA; davon sind fast 1 Mrd. Euro bilateral geflossen, der Rest über die EU.

Schwerpunkt: Der Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit lag in den letzten Jahren auf Wirtschaftsförderung, der Verbesserung wirtschaftliche Rahmenbedingungen – von Good Governance, ökologischer Modernisierung des Energiesektors (ökologische Modernisierung und Steigerung der Energieeffizienz, Fernwärmeprojekte - KfW) und des Wassersektors (Modernisierung von Trinkwasser- und Abwassersystemen), auf der Stärkung der Kommunalverwaltung bzw. von lokale Selbstverwaltung (Förderung fiskale Dezentralisierung, kommunale Wirtschaftsförderung, Landmanagement) schließlich auf Tourismusförderung. Daneben wurden Maßnahmen im Jugendbereich gefördert. All diese Maßnahmen liefern einen Beitrag zur EU-Integration des Landes und stehen in diesem Entwicklungsrahmen. Ergänzend stellt die Bundesregierung seit 2014 der serbischen Regierung zwei deutsche Berater, einen für wirtschaftspolitische Fragen und einen anderen für Korruptionsbekämpfung.

Organisationen der EZ in Serbien: Die in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen deutschen Organisationen, die  vor Ort mit Büros arbeiten sind die GIZ und die KfW. Zusätzlich vermittelt das Zentrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) integrierte Fachkräfte in Serbien.  Außerdem sind alle deutschen politischen Stiftungen mit Büros in Serbien vertreten, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Heinrich-Böll-Stiftung, die Hans-Seidel-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Landes- bzw. Regionalbüros, sowie die Friedrich-Naumann-Stiftung mit einem Projektbüro.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2019 aktualisiert.

Über die Autorin

Dr. Azra Dzajic-Weber

studierte und promovierte in Germanistik und Slawistik an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie war an verschiedenen Universitäten in der Lehre tätig. Danach war sie viele Jahre in der Entwicklungsarbeit zu Südosteuropa, Osteuropa und dem Kaukasus für die Heinrich-Böll-Stiftung tätig, unter anderem als Leiterin der Regionalbüros Südosteuropa in Sarajevo. Zur Zeit arbeitet sie als Trainerin für Interkulturelles, Diversitymanagement und Landeskunde sowie als Beraterin für Projektentwicklung. Bei der GIZ ist sie als Landestrainerin tätig. Sie lebt in Berlin.

Über Kommentare und Anregungen freue ich mich.

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