Steinskuptur: Mutter mit Kind
Alphabetisierte Erwachsene
Frauen (84,5 %), Männer (88,5 %) (2015)
Bedeutende Religionen
87,4 % Christen, 1,5 % traditionell Gläubige 2015
Städtische Bevölkerung
32,20 % (2018)
Lebenserwartung
62,6 J. Frauen/59,5 J. Männer (2018)
Gender Inequality Index (GII)
Rang 126 von 162 (2018)
Anzahl der Geburten pro Frau
3,93 in 2020 (geschätzt)
Kindersterblichkeit
50,3 pro 1000 Lebendgeburten (2019)

Sozialstruktur

Leitspruch zu Vergangheit, Gegenwart und Zukunft
Mehrsprachiger Leitspruch am Nationalarchiv zur Vergangheit, Gegenwart und Zukunft. "Study the past, understand the present and to plan for the future" Foto © R. Schäfer

Die heutige Gesellschaft in Simbabwe ist in verschiedene soziale Gruppen unterteilt, die auf unterschiedliche historische Einwanderungswellen und das Erbe der Siedlerkolonie zurückzuführen sind. Auch die geographischen und ökologischen Bedingungen wirken sich auf die Besiedlung und die Kontakte zu den Nachbarländern aus. Diese Differenzen wurden von der Mugabe-Regierung über Jahrzehnte durch politische Entscheidungen und wirtschaftliche Maßnahmen sowie die Zuteilung von Entwicklungsgeldern und humanitärer Hilfe verstärkt.

Ethnizität und Sprachen

Heutige Zuordnungen zu Ethnien (82 % Shona, 14 % Ndebele sowie einige kleine Ethnien) und Sprachen (CiShona, SiNdebele) sind Resultat vor allem historischer Interventionen und Ethnizitätskonstruktionen seit Ende des 19. Jahrhunderts: Für die Einteilung in verschiedene Ethnien und Spachen waren mehrheitlich europäische Missionare verantwortlich. Sie vereinheitlichten mehrere Shona-Dialekte zu einer neuen Schriftsprache.

Zuvor definierten sich die Menschen vor allem über die Zugehörigkeit zu politischen Autoritäten. Ci-Shona sprachige Menschen unterteilen sich bis heute in Untergruppen wie die Ndau, Karanga, Manyika, Zezuru oder Korekore. Koloniale Zwangsumsiedlungen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit in Reservate verschärften ethnische Gegensätze.

Im Unabhängigkeitskrieg ging die regionale Zuordnung von Bewohnern der westlichen Landesteile zur ZAPU und der östlichen Gebiete zur ZANU tendenziell mit ethnischen Kriterien einher, so dass in der ZANU Shona-sprachige Mitglieder dominierten. Allerdings gab es auch Ndebele-sprachige Kämpfer/-innen. In Krisenzeiten und zum Machterhalt betonten ZANU-Politiker und regierungsnahe Medien ethnische Gegensätze. Die Nachfahren von Einwanderern aus Europa stellen 0,3 % der Bevölkerung, allerdings sinkt ihr Anteil wegen Auswanderung und Vertreibungen seit den gewaltsamen Farmbesetzungen ab dem Jahr 2000 und der auf Indigenisierung abzielenden Wirtschaftspolitik. Zudem leben kleine indische, chinesische und afrikanische Minderheiten im Land; sie kamen als Händler oder Arbeiter und im letzten Fall als Kriegsflüchtlinge zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Soziale und wirtschaftliche Situation

Straßenhandel in Mutare
Straßenhandel in Mutare © R. Schäfer

Die Arbeitslosigkeit und damit verbundene Armut sind seit 2000 zu Strukturproblemen geworden. So zählte Simbabwe laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO im weltweiten Vergleich zu den Spitzenreitern der Arbeitslosigkeit. Menschen, die im informellen Sektor tätig sind, werden offiziell nicht der Kategorie Arbeitslose zugeordnet. Von der hohen Jugendarbeitslosigkeit sind vor allem junge Frauen betroffen. Eine gute Ausbildung oder ein Studienabschluss ebnet keineswegs den Weg in die Berufswelt. Es fehlen politische Lösungen.

Sehr unterschiedlich sind die Angaben zur Zahl derjenigen, die im informellen Sektor ihre Existenz zu sichern versuchen. Viele Menschen sind auf Einkommen aus dem informellen Sektor angewiesen, was die nationale Sozialpolitik vor Herausforderungen stellt. Die Not zwingt etliche Frauen und Mädchen zur Prostitution. Das betrifft keineswegs nur Mädchen im Umfeld der Diamantenminen, die wegen mangelnder wirtschaftlicher Möglichkeiten ihrer Eltern die Schule abbrechen müssen. Sie sind besonders gefährdet, sich mit HIV zu infizieren.

Stadt-Land-Verhältnis

Wanderarbeiter
Wanderarbeiter, © R. Schäfer

Etwa 70 % der simbabwischen Bevölkerung lebt auf dem Land. Ihre Existenz wird immer weniger durch die eigenen landwirtschaftlichen Erträge, sondern von Wanderarbeiter/-innen gedeckt, die oftmals nach Südafrika migrieren und dann Geld schicken. Den meisten ländlichen Haushalten mangelt es an ausreichenden Landflächen, Geld, Technik, Dünger und Arbeitskraft. Armut ist ein Strukturproblem und betrifft vor allem Haushaltsleiterinnen, deren Ehemänner bereits gestorben sind oder die sie verlassen haben. Die Versorgungslage von Haushaltsleiterinnen, deren Ehemänner Geld senden, hängt von deren Arbeitsplatz, Einkommen und von familiären Aushandlungen ab. Frauen in ländlichen Haushalten werden unter Bezug auf Geschlechtervorstellungen die familiäre Versorgung und die Pflege von AIDS-Kranken und Waisen aufgeschultert, das betrifft auch arme Haushaltsleiterinnen. Viele sind selbst HIV-positiv, was ihre wirtschaftlichen Kapazitäten beeinträchtigt. Inwieweit sie Zugang zu staatlicher Unterstützung erhalten, ist fraglich. Einzelne Entwicklungsorganisationen widmen sich dieser Zielgruppe, etwa durch gezielte Agrarförderung und Kurse zur Schulung von Frauen in lokalen und regionalen Gremien. Seit der Öffnung der Grenze nach Südafrika 1994 versuchen Frauen, durch transnationale Migration oder grenzüberschreitenden Handel, z.B. mit Kunsthandwerk, Geld zu verdienen, um ihre Versorgungslast zu bewältigen.

Migration

Buchcover Zimbabwe Exodus
Buchcover Zimbabwe Exodus © Crush/Tevera
Fan Walk For Peace And Unity
No to xenophobia - Fan Walk For Peace And Unity © Jana Hattingh (CC BY 2.0)
Lindela Detention Centre
Lindela Detention Centre © Solidarity Peace Trust

Seit der politischen und ökonomischen Krise ab 2000 sind viele Simbabwer/-innen nach Südafrika geflohen bzw. migriert. Zahlenangaben und Schätzungen sind oft politisiert und strittig. In Südafrika sind zahlreiche Simbabwer/-innen mit Xenophobie konfrontiert, so im April 2015 in Durban. Etliche Simbabwer/-innen wurden in den ersten Monaten 2015 und in den Jahren zuvor Opfer xenophober Gewaltübergriffe und Vertreibungen; einige hundert kehrten nach Simbabwe zurück.

Die Gründe für die Feindseligkeit sind vielschichtig, dazu zählt: Viele Südafrikaner/-innen befürchten, die vergleichsweise gut ausgebildeten Simbabwer/-innen würden bei der Arbeitsplatzwahl bevorzugt. Etliche Unternehmer und Farmer zahlen für sie keine Mindestlöhne. Ausbeutung und Missbrauch sind verbreitet. Bis zum Ende einer offiziellen Registrierungsfrist Ende 2010 - bzw. im Juli 2011 - hatten sich nur ca. 275.000 Simbabwer/-innen bei südafrikanischen Behörden gemeldet, weil sie Schikanen fürchten; etwa 134.000 Anträge wurden bewilligt. Jährlich wurden mehrere Zehntausend Simbabwer/-innen ausgewiesen.

Im März 2014 kündete der Botschafter Südafrikas in Simbabwe an, alle nicht registrierten Simbabwer/-innen sollten sich um eine Aufenthaltsgenehmigung bemühen, sonst drohte ihnen zwangsweise eine Ausweisung. Auch die Vergabe einer Arbeitserlaubnis wurde drastisch verschärft. Die Zahl der Simbabwer/-innen in Südafrika wird auf über 1,5 Millionen Menschen geschätzt. Viele migrierten nach Massenentlassungen und dem Bankrott zahlreicher Unternehmen in Simbabwe. Im Oktober bzw. November 2014 traten Neuregelungen zur Registrierung simbabwischer Migranten/-innen und Arbeitnehmer/-innen in Kraft; allerdings gab es viele Unklarheiten. Das sorgte für Kontroversen und Proteste. Aktuelle Informationen über die legalen Bedingungen und Neuerungen bieten zuständige südafrikanische Behörden. Die wirtschaftlichen Probleme in Simbabwe und die Möglichkeiten bzw. Schwierigkeiten in Südafrika beeinflussen die Entscheidungen zur Migration, die bei Menschen in unterschiedlichen simbabwischen Provinzen differieren.

Nach Großbritannien gingen während der Krisenjahre ca. 55.000 Menschen und nach Botswana mindestens 40-100.000, die mehrheitlich nicht registriert sind. Sie suchten Arbeit und Schutz vor politischer Verfolgung. Sie schicken Geld und Güter an ihre Verwandten. Zahlreiche Kinder wachsen bei Großmüttern oder anderen Verwandten auf. Das betrifft keineswegs nur AIDS-Waisen. Die damit verbundenen demographischen Aufgaben werden mit Blick auf die Altersstruktur deutlich: 38,62 % aller Simbabwer/-innen waren 2018 laut Schätzungen von Index Mundi/CIA World Factbook jünger als 15 Jahre, 4,5 % sind älter als 65 Jahre.

Bis heute arbeiten viele Simbabwer/-innen im Ausland und versorgen ihre Familienmitglieder in der Heimat mit Geldsendungen aus Ersparnissen, die Gehälter im Land sind zumeist gering und oft unregelmäßig. Das betrifft Arbeitskräfte im beispielsweise sozialen Bereich, deren Engagement und Leistungen vor allem in ländlichen Regionen fehlen.

Großmutter und Enkelin
Großmutter und Enkelin, © R. Schäfer

In Simbabwe selbst gibt es 2020 etwa 21.000 Flüchtlinge, mehrheitlich aus der DR Kongo und Mosambik. Das UNHCR bemüht sich um ihre Versorgung. Die Zahl der landesintern Vertriebenen (IDPs) wurde 2019 auf ca. 51.000 geschätzt, vor allem bedingt durch den Zyklon Idai im März 2019. Von parteipolitisch motivierten Vertreibungen, der so genannten Operation Murambatsvina (Shona sinngemäß „den Dreck wegräumen“), waren im Mai 2005 ca. 700.000 Menschen betroffen; mehrheitlich wurden sie im kalten Winter aus informellen städtischen Siedlungen vertrieben. Ihr Hab und Gut wurde von Bulldozern, staatlichen Sicherheitskräften und Schlägertrupps systematisch zerstört.

Geschlechter- und Generationenverhältnis

Alte Menschen
Alte Menschen, © Foto: Rita Schäfer
Schulkinder
Schulkinder © R. Schäfer

Die Geschlechter- und Generationenhierarchien in der simbabwischen Gesellschaft sind durch historische, politische und ökonomische Faktoren geprägt. Vorkoloniale Normen wurden durch koloniale rechtliche Vorgaben und ökonomische Interventionen verändert. Auch die missionarischen Einflüsse auf das Ehe- und Familienleben sowie die Moralvorstellungen und der Rassismus weißer Siedler/-innen müssen berücksichtigt werden. Dies betrifft vor allem die Entwürdigung schwarzer Männer. Junge Mädchen und Frauen schlossen sich dem Unabhängigkeitskampf an, weil sie ein Ende der kolonialen Diskriminierung und neue Chancen erhofften. Dazu zählte auch die Forderung nach Geschlechtergleichheit, nach Land- und Erbrechten. Diese Ziele sind bis heute nicht bzw. nur sehr unzureichend erfüllt worden. Zwar hat sich das Generationenverhältnis geändert, die Macht der Alten wurde im Unabhängigkeitskampf – teils gewaltsam – gebrochen. Trotz einiger Gesetzesgrundlagen bzw. Gesetzesentwürfe verkam der Respekt vor alten Menschen nach 1980 insbesondere in Krisenzeiten zur Parole. Strukturprobleme beim Zugang zu Renten und Missmanagement in zuständigen Behörden und Versicherungen erschweren den Alltag alter Menschen. Für Kinder, Jugendliche und junge Menschen hat sich die Situation mit der politisch motivierten Wirtschaftskrise ab dem Jahr 2000 deutlich verschlechtert. Das zeigt sich im Alltag, der oft eingeschränkten Grundversorgung, dem begrenzten Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten sowie der Notwendigkeit, zu arbeiten. Der Problemsituation und Exklusion von Jugendlichen steuern einige Jugendorganisationen entgegen. Viele Jugendliche bleiben politisch skeptisch und zurückhaltend; vielerorts ist es unsicher, zu politischen Veranstaltungen zu gehen.

Frauenemanzipation endete bereits in den 1980er Jahren am patriarchalen Selbstverständnis von Parteifunktionären, von denen einige während des Unabhängigkeitskrieges Ex-Kommandanten gewesen waren, als Frauenbefreiung zu den Slogans zählte. Schon im Oktober 1983 organisierten staatliche Sicherheitskräfte im Rahmen der Operation „Clean up“ (Aufräumen) Übergriffe auf allein lebende und berufstätige Frauen in den Städten. Über 6000 Frauen wurden verhaftet, mehrheitlich aus ihren Wohnungen. Etliche wurden am Arbeitsplatz oder auf der Straße festgenommen. Viele wurden auf Polizeifahrzeuge geladen und außerhalb der Städte abgesetzt oder in ein Sicherheitsgefängnis gebracht. Ihnen wurde vorgeworfen, Prostituierte zu sein und die öffentliche Ordnung zu stören. Mehrheitlich hatten die Gefangenen im Unabhängigkeitskrieg gekämpft und eine Ausbildung als Krankenschwester oder Lehrerin absolviert. Etliche Männer konnten den Brautpreis, der für Eheschließungen verlangt wurde, nicht aufbringen. So blieb das Heiraten für viele ein Wunschtraum.

Hochzeit
Hochzeit © Foto: Rita Schäfer
Kampagne gegen Kinderehen
Kampagne gegen Kinderehen, © R. Schäfer
Unabhängige Theatergruppe
Unabhängige Theatergruppe, © R. Schäfer

Die simbabwische Regierung hat etliche Abkommen der UN, wie CEDAW, der Afrikanischen Union und der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) zur Situationsverbesserung von Frauen und zur Geschlechtergleichheit unterzeichnet und ratifiziert, jedoch ist die Umsetzung problematisch. Auch die Vorgaben der neuen Verfassung von 2013 oder die Wahlen 2018 haben keine grundlegende Verbesserung gebracht. Das Frauen- bzw. Gender-Ministerium hat zwar einen nationalen Gender-Plan erstellt, die Umsetzung ist aber schleppend. Das Ministerium geht kaum gegen rechtliche Ungleichheiten, die beispielsweise zu Existenzproblemen von Witwen führen, und Gewaltmuster vor. Geschlechtsspezifische Probleme sind weit verbreitet. Dies schlägt sich im Social Institutions and Gender Index der OECD nieder; beim UNDP-Gender Inquality Index des UNDP belegte Simbabwe 2018 Platz 126 von 162.

Kritisch schätzt auch der 2015 veröffentlichte Gender Gleichheitsindex der Afrikanischen Entwicklungsbank die Geschlechterungleichheiten in der Wirtschaft und Politik Simbabwes ein. So gab es für traditionelle Ehen über Jahrzehnte kein Mindestalter. Die im Mai 2019 verabschiedete Novelle des Eherechts soll das ändern. Sie ist umstritten, da sie einerseits die von christlichen Gruppierungen geschlossenen Ehen offiziell anerkennt, andererseits homosexuelle Partnerschaften weiterhin nicht legalisiert.

Ob das neue Gesetz sexuellem Missbrauch von verheirateten Minderjährigen Einhalt gebieten wird, ist fraglich. Denn vor allem in Krisenzeiten werden Töchter früh verheiratet und gehen dann nicht mehr zur Schule. Teenagerschwangerschaften, Schwangerschaftskomplikationen sowie hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeit sind die Folgen. Bedingt durch die multiplen, und sich wechselseitig verstärkenden Abwärtsspiralen in Wirtschaft, Gesundheitssystem und Grundversorgung ist die Situation vieler Kinder - insbesondere von Mädchen - problematisch.

Die Arbeit unabhängiger Frauenorganisationen und Wissenschaftlerinnen wurde in den letzten Jahren immer schwieriger. Manche reduzierten oder änderten ihre Programme. Auch die Vernetzung zur effektiven politischen Lobbyarbeit wurde drastisch erschwert. Nur einzelne Organisationen widmen sich der Überwindung von gewaltgeprägter Männlichkeit, wobei die politischen Hintergründe dieses Problems eine große Herausforderung ist.

Unabhängige Theatergruppe
Unabhängige Theatergruppe mit Stück über häusliche Gewalt, © R. Schäfer

Geschlechtervielfalt - Homosexualität

Homosexualität ist in Simbabwe gesetzlich verboten. Homosexuelle Handlungen werden strafrechtlich verfolgt. Die Kriminalisierung geht auf die Kolonialzeit zurück und wurde nach der politischen Unabhängigkeit 1980 nicht gemäß menschenrechtlicher Standards revidiert. Vielmehr wurde die bestehende homophobe Gesetzgebung 2006 verschärft. Von Strafverfolgung und Gefängnishaft betroffen sind vor allem schwule Männer. Homophobe Gewalt zwingt manche zur Flucht außer Landes. Gleichgeschlechtliche Ehen sind verboten. Die neue Verfassung von 2013 verbietet zwar Diskriminierung, bezieht sich aber nicht auf Menschen unterschiedlicher Geschlechtsidentitäten oder sexueller Orientierungen, obwohl deren Interessenvertretungen das gefordert hatten. Als Oberbegriff für diese politisch diskriminerte und gesellschaftlich marginalisierte Gruppe wird die Abkürzung LGBTIQ verwendet: Lesbian, Gay, Bi*, Trans*, Inter*Sexuelle und Queer, zu deren Selbstverständnis äußern sich einzelne Initiativen.

Politische Anfeindungen durch die Regierung, insbesondere durch den früheren Präsidenten Robert Mugabe, geschahen beispielsweise während der internationalen Buchmesse in Harare Anfang August 1995 und während der Heldengedenkfeier wenige Wochen später. Homophobe Hassreden ranghoher Politiker führten zu Übergriffen auf Homosexuelle, Verhaftungen und Beeinträchtigungen der Arbeit von Homosexuellenorganisationen, etwa durch Spitzel der Regierung und tätliche Gewalt staatlicher Sicherheitskräfte. Sie griffen Personal der Interessenvertretung Gay and Lesbians of Zimbabwe (GALZ) wiederholt an.

Diese international anerkannte Organisation bietet vielfältige Beratungen für LGBTIQ-Menschen in Simbabwe, beispielsweise in der HIV-Prävention und AIDS-Behandlung. Zudem sind Gespräche wichtig, da stigmatisierte und ökonomisch sowie sozial ausgegrenzte LGBTIQ-Menschen mit großem Druck und Gesundheitsproblemen konfrontiert sind. Zwar sollen HIV-positive Homosexuelle auch in staatlichen Gesundheitseinrichtungen beraten werden, doch die Praxis ist weit davon entfernt.

Forschungen über Homosexualität in Simbabwe bestätigen: Entgegen der Behauptungen von Seiten einiger Regierungspolitiker und Kirchenvertreter ist nicht die Homosexualität ein Import aus Europa, sondern die Homophobie. In den vorkolonialen Gesellschaften Simbabwes war Homosexualität verbreitet, wie Begriffe in den Lokalsprachen dokumentieren, und Homosexuelle wurden toleriert. Die britische Kolonialverwaltung kriminialisierte auf Druck christlicher Missionare, die gleichgeschlechtliche sexuelle Praktiken zwischen Minenarbeitern in isolierten Minenkomplexen skandalisierten, homosexuelle Handlungen als Unmoral. Nach der politischen Unabhängigkeit wurden Homosexuelle vor allem in ökonomischen Krisenzeiten - etwa nach der problematischen Einführung wirtschaftlicher Strukturanpassungsprogramme in den 1990er Jahren - zu Sündenböcken für soziale Spannungen, die letztlich politische und ökonomische Ursachen hatten. Homophobe Diskurse vermischten Homosexualität und Pädophilie, beispielhaft ist die Ablehnung schwuler Lehrer durch Eltern; vor allem während rasant steigender HIV- und AIDS-Raten und Kürzungen der staatlichen Ausgaben im Gesundheitssektor war dies verbreitet.

LGBTIQ-Organisationen leisten wichtige Menschenrechtsarbeit, die international auch als solche wahrgenommen wird. Sie werden dennoch als Agitatoren westlicher Geber von Regierenden attackiert und von Mitarbeitern des staatlichen Sicherheitsapparats bedroht.

Bildung

Die Menschen in Simbabwe legen sehr großen Wert auf gute Bildung ihrer Kinder und eigene Fortbildungen - auch im Vergleich mit anderen Ländern. In der Kolonialzeit wurde Kindern der schwarzen Bevölkerungsmehrheit eine gute Schulbildung verweigert. Nur wenige – zumeist die Söhne einer kleinen Elite – konnten Missionsschulen oder Handwerkskurse besuchen. Das hat die Mugabe-Regierung nach 1980 grundlegend geändert. Eine gute Bildung zählte zu den Versprechungen des Unabhängigkeitskampfes. Die strukturelle Verbesserung des gesamten Bildungswesens mit staatlichen Schulen im ganzen Land wurde mit einem hohen Bildungsetat und internationaler Förderung erreicht. Gesetzliche Basis für das Primar- und Sekundarschulsystem war das Bildungsgesetz von 1987, das 1991 und 2004 ergänzt wurde. Die derzeitige bildungspolitische Planungsgrundlage ist der Bildungssektor-Strategieplan 2016-2020. Viele Detailinformationen über den Bildungssektor bietet auch der UNESCO Accountability Report 2017.

Am Aufbau und der Verbesserung der Sekundar- und Berufsschulen wirkten auch zahlreiche Lehrer/-innen des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) insbesondere in den 1980er Jahren mit. Einzelne Schulpartnerschaften zwischen simbabwischen und deutschen Schulen, etwa in Bielefeld, bestehen dank des Engagements der Lehrer/-innen bis heute.

1979 gab es 177 Sekundarschulen, 1989 waren es 1502. Das Curriculum wurde grundlegend reformiert und Lehrer/-innen wurden professioneller ausgebildet. Eltern schickten ihre Töchter in großer Zahl zur Schule, staatliche und private Schulen hatten ein hohes Ausbildungsniveau. Mütter und Väter besuchten Alphabetisierungskurse für Erwachsene. Diese Investitionen zahlten sich aus: 93 % aller Frauen und 96 % aller Männer sind alphabetisiert.

Bildung – Schule
Ländliche Primarschulen, © R. Schäfer
Ländliche Schultoiletten
Ländliche Schultoiletten, © R. Schäfer

In Folge der ökonomischen Strukturanpassungsprogramme (ESAP) und der vom Internationalen Währungsfonds geforderten Einsparungen im Staatshaushalt ab Anfang der 1990er Jahre musste die Regierung die Bildungsausgaben reduzieren. Die Probleme eskalierten durch die Wirtschaftskrise und die politischen Konflikte ab 2000. Zahlreiche Lehrer verließen das Land, etliche starben an AIDS. Während 1995 72 % der Schüler/-innen das Abschlussexamen der Sekundarschulen erfolgreich bestanden, waren es 2007 nur noch 11 %. Und das, obwohl Eltern auch an staatlichen Schulen Schulgeld zahlen mussten. Die Berufsaussichten der Absolventen/-innen waren schlecht. Viele sahen sich gezwungen, in Südafrika eine Gelegenheitsarbeit anzunehmen, um ihre Familien zu unterstützen. Mädchen gerieten unter Druck, sexuelle Beziehungen einzugehen, um Schuldgeld zu erwirtschaften. Etliche mussten die Schulausbildung abbrechen. Auch den Zugang zu Examen mussten sich etliche mit sexuellen Dienstleistungen erkaufen, wodurch zahllose Schülerinnen mit HIV infiziert wurden. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF und die UN-Bildungsorganisation UNESCO förderten HIV-Aufklärungskampagnen für Schüler/-innen und Lehrer-/innen, deren Umsetzung wurde jedoch oft durch Geschlechterhierarchien in der Gesellschaft verhindert. 

Ländliche Primarschulen
Ländliche Primarschulen, © R. Schäfer

Im politischen Krisenjahr 2008 verschlechterte sich die Situation abermals, über 90 Prozent der ländlichen Schulen blieben geschlossen. Nur noch 20 Prozent der Kinder besuchten eine Schule. Viele Lehrer erhielten keine oder nur noch minimale Gehälter. Eltern konnten die Schulgebühren nicht mehr zahlen. Der Lehrerverband kritisierte die politisch motivierte Gewalt gegen Lehrer. Seit Jahren werden Schulen im Matabeleland beim Zugang zu Personal und Geldern benachteiligt, so dass dortige Schüler/-innen bereits in größerer Zahl die Ausbildung abbrachen oder die Examen nicht bestanden. Die direkte Einmischung des simbabwischen Militärs in Bildungseinrichtungen - nicht nur in den Matabeleland-Provinzen - verstärkt die Strukturprobleme und Belastungen, vor allem für Lehrer/innen, denen unterstellt wird, regimekritisch zu sein. 

Anfang 2014 wurde bekannt, dass die simbabwische Regierung Geld im zuvor schon umstrittenen Bildungsetat einsparen würde. Von dem zur Verfügung gestellten Budget konnten demnach nur ca. 82.000 Sekundarschülerinnen und -schüler unterrichtet werden. Geplant waren aber kostenlose Bildungsangebote für 750.000 Kinder in Primarschulen und Förderungen für 250.000 Kinder in Sekundarschulen. Die UNESCO bietet Übersichten zu den Bildungsausgaben im Jahresvergleich. 2015 erhöhte die Regierung die Schulgebühren und führte Examensgebühren für O'Level und Grade 7 ein, wogegen Eltern und Schüler/-innen protestierten.

Der Bildungssektor wird seit Jahren umfangreich von internationalen Organisationen und zivilgesellschaftlichen und privaten Initiativen mit umfassenden Geldern unterstützt. Obwohl internationale Geber umfangreiche Mittel zur Verfügung stellten, ist die defizitäre Förderung von Kindern, deren Eltern oder Großeltern wegen Armutsproblemen selbst nicht die erforderlichen Schulgebühren aufbringen konnten, ein Problem, was auf Intransparenzen innerhalb der simbabwischen Bürokratie hinweist. Viele Kinder müssen deshalb ihre Schulausbildung abbrechen. Besonders gravierend ist die Problemlage von Mädchen, die aus wirtschaftlicher Not die Schule verlassen und zwangsweise verheiratet werden, weil ihre verarmten Eltern dann einen - wenn auch geringen - Brautpreis erhalten. Oder sie müssen sich prostituieren, um die Grundversorgung ihrer Familien mitzufinanzieren. Der Zimbabwe National Council for the Welfare of Children (ZNCWC) kritisierte im März 2017, Mädchen würden oft nur wenige Nahrungsmittel oder Dinge des täglichen Bedarfs für ihre sexuellen Dienste erhalten; sie hätten keine Verhandlungsmacht gegenüber den Freiern und zahllose würden sich mit HIV infizieren.

Die Anfang 2017 in Kraft getretene Neuausrichtung des Schulcurriculums sorgte für viele Diskussionen und Kritik. Die auf Computerkompetenz und nationale Identitätszelebrierung ausgerichteten Inhalte wurden teilweise positiv befunden, überwiegend aber aus verschiedenen Gründen moniert, zumal viele Schulen weder über Strom oder Internetzugang verfügen, Schulbücher Mangelware sind und für die neuen Kurse keine Lehrmittel existieren. Viele Lehrer sahen sich grundsätzlich überfordert, zivilgesellschaftliche Gruppen wehrten sich gegen den Verlust von Bildungsinhalten und dem Eintrainieren von Massenauftritten der Kinder. Für Debatten sorgte auch die Ankündigung des Bildungsministeriums im April 2017, bald würde ein Gesetz zur Begleichung der Schulgebühr erlassen, wonach auch Vieh für diese Zahlungen akzeptiert würde. Das soll armen Kindern den Zugang zum Schulbesuch ermöglichen. Problematisch bleibt der lange Schulweg für zahlreiche Schüler/-innen, nur mancherorts gibt es den Verleih von Fahrrädern, damit müssen die Mädchen und Jungen nicht mehr stundenlang zur Schule bzw. nach Hause laufen. 2019 und Anfang 2020 waren geplante oder angekündigte Schulgebührenhöhungen Anlass für Kontroversen.

Alphabetisierte Frauen bei der Buchführung, Foto: Rita Schäfer
Alphabetisierte Frauen bei der Buchführung, © R. Schäfer

Hochschulen, Fachhochschulen und technische Ausbildung

Berufsbildende bzw. technisch ausgerichtete Schulen bauen auf Gesetzesgrundlagen von 1984 auf, die 1996 ergänzt wurden. Die handwerkliche Ausbildung ist praxisorientiert, verschiedene technische Ausbildungszentren (teils private Einrichtungen) bieten entsprechende Kurse und Lehrgänge. Der Deutsche Akademische Austauschdienst bietet Informationen über das Hochschulwesen.  Es gibt Hochschulen in Harare und Bulawayo, auch in kleineren Städten entstanden in den letzten Jahren höhere Bildungseinrichtungen. Das Studieren ist jedoch für die Mehrheit der jungen Menschen, die nicht zur politischen Elite zählen, schwierig. Zudem kam es bei der Vergabe von Stipendien zu Unregelmäßigkeiten. Inwieweit die Forschungen regimeunabhängig sind, wird vor allem für die Zeit seit 2000 kontrovers diskutiert. Der tertiäre Bildungssektor war in den letzten Jahren in Folge der politischen und wirtschaftlichen Krise von Einbußen betroffen. Zahlreiche Studienabsolventen/-innen sind mit massiven Problemen als Berufseinsteiger/-innen und dementsprechend mit Jugendarbeitslosigkeit konfrontiert.

Universität in Harare
University of Zimbabwe, Harare, © R. Schäfer
Bildung – Handwerksausbildung
Handwerksausbildung, © R. Schäfer

Gesundheit und medizinische Versorgung

Hinweisschild auf Klinik
Hinweisschild auf Klinik, Harare, © R. Schäfer
Mbuma Mission Hospital
Mbuma Mission Hospital © Dingeman Rijken PD-user
Apotheke, Mutare
Apotheke, Mutare, © R. Schäfer

Die staatliche und private Gesundheitsversorgung wurde durch die jahrelange Wirtschaftskrise drastisch beeinträchtigt. Wegen institutionellem Missmanagement verschlechterten sich in ländlichen Gebieten die Behandlungsmöglichkeiten; auch in Städten fehlten Medikamente. Wegen extremer Arbeitsbelastungen und geringer oder ausbleibender Gehälter wanderten nach 2000 viele gut ausgebildete Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger nach Südafrika oder Europa ab.

Trotz der nationalen Gesundheitsstrategie, die einen umfassenden und integrierenden Anspruch hat, ist die Versorgung in einzelnen Provinzen unterschiedlich - besonders benachteiligt ist wie in vielen anderen Sektoren der Westen des Landes. Verzweifelte Kranke bzw. deren Familien suchen mancherorts bei traditionellen Heilern/-innen oder Pfingstkirchen Hilfe, die jedoch finanzielle Gegenleistungen erwarten. Besonders problematisch ist die Situation behinderter Menschen.

Auch psychisch Kranke und Menschen mit psychischen Problemen, zu deren Gründen auch HIV und wirtschaftliche Existenznot zählen, sind weitgehend auf zivilgesellschaftliche Hilfe angewiesen. Einige Nichtregierungsorganisationen setzen sich für das Recht auf Gesundheit und konkrete Situationsverbesserungen ein.

Internationale Entwicklungsorganisationen und Geber, u.a. die Europäische Union, finanzieren den Großteil des staatlichen Gesundheitswesens, etwa durch den Health Transition Fund mit 436 Millionen US-Dollar 2010-2012. Seit 2003 erhielt Simbabwe zudem 707 Millionen US-Dollar aus dem Global Fonds gegen AIDS, Malaria und Tuberkulose. Die internationalen Gelder reichten nicht. Die Regierung hat dennoch den staatlichen Gesundheitsetat immer weiter gekürzt, zuletzt auf 22 US-Dollar pro Bürger/-in, nur ein Zehntel oder noch viel weniger im Vergleich mit den Nachbarländern. Die staatlichen Kliniken erhielten Medienberichten zufolge nur 25 Millionen US-Dollar für Operationen, obwohl sie bereits mit 33 Millionen US-Dollar bei Lieferanten für Heilmittel und Krankenhausausrüstung verschuldet waren. 2016 wurden den Kliniken laut Medienberichten 53 Millionen US-Dollar aus dem nationalen Haushalt zugeteilt, um Operationen durchzuführen. Sie hatten 303 Millionen US-Dollar beantragt. 147 Millionen US-Dollar zahlten internationale Entwicklungsorganisationen. Auch 2017 kam ein Großteil der Gelder für das Gesundheitswesen von internationalen Gebern. Das dennoch geringe Gesundheitsbudget entspricht seit Jahren nicht den Vorgaben der Afrikanischen Union. Im nationalen Budget 2018 betrug der Anteil des GDP für den Gesundheitsetat schätzungsweise 2,1 %, der Anteil für das Militär und den staatlichen Sicherheitsapparat über 6 %. Auch im Budget 2019 setzte sich diese ungleiche Verteilung fort: Dem Gesundheitssektor wurden trotz steigender Inflation laut Medienberichten insgesamt nur 694,5 Mio. US-Dollar bewilligt. Mindestens 1,3 bzw. 1,5 Milliarden US-Dollar wären Medizinexperten zufolge notwendig gewesen. Der struktruelle Mangel wirkt sich auf den gesamten Gesundheitssektor und den Medikamentenzugang aus.

Um so problematischer sind die Folgen der CORONA-Krise ab März 2020. Zwar gab es vom Gesundheitsministerium Verlautbarungen zur Ausstattung für die Krisenbewältigung, doch Mediziner warnten, dass Krankenhäuser und das Gesundheitspersonal auf COVID-19 nicht vorbereitet waren. Ärzte verlangte durch Proteste und auf juristischem Wege Infektionsschutz. Reproduktive Rechte von Frauen und Mädchen wurden während der Ausgangssperren in der Corona-Krise in vieler Hinsicht missachtet. Eltern sahen sich aus Existenzgründen gezwungen, ihre minderjährigen Töchter mit älteren Männern zu verheiraten, was die komplexen Probleme von Kinderehen für die Mädchen verstärkte. Geschlechtsspezifische Gewalt stieg an und führte nicht nur zu Gesundheitsproblemen. Laut offizieller Zahlen des Gesundheitsministeriums waren am 3. August 2020 landesweit insgesamt 137.808 Menschen auf COVID-19 getestet worden, 4075 waren an dem Virus erkrankt und achtzig waren verstorben. Am 5. August 2020 war die Zahl der Toten auf 84 und die Zahl der Infizierten auf 4339 gestiegen. Und am 11. September 2020 lauteten die offiziellen Zahlen: 7479 Infizierte und 224 Tote. Nach einem Korruptionskandal kam es zum einem Wechsel an der Spitze des Gesundheitsministeriums, der bisherige Gesundheitsminister Obadiah Moyo wurde Anfang Juli 2020 abgesetzt, Anfang August 2020 übernahm Vize-Präsident Constantio Chiwenga das Amt, was aus von zivilgesellschaftlichen Organisationen aus juristischen, politischen und arbeitsrechtlichen Gründen kritisiert wird. 2018 hatte Chiwenga streikende Krankenschwestern entlassen, sie hatten wegen ihrer sehr schlechten Bezahlung. der mangelnden Ausstattung in den Krankenhäusern und daraus resultierender struktureller Arbeitshindernisse protestiert.

Patients lie in bed at a cholera treatmen centre in the Budiriro District
Cholera-Patienten im Budiriro-Distrikt © Kate Holt AusAID (CC BY 2.0)

Wegen der desolaten Wasser- und Abwasserversorgung brach 2008/2009 die Cholera aus, sie forderte ca. 4000 Todesopfer. 2008 erkrankten laut der Weltgesundheitsorganisation etwa 31.000 Menschen an Cholera, 2009 waren es 66.000. Im September, Oktober und November 2018 gab es Cholera-Ausbrüche in verschiedenen Landesteilen mit etlichen Erkrankten und über 50 Toten. Auch Typhus fordert lokal immer wieder Todesopfer, 4900 im Zeitraum 2011 - 2012. Das Gesundheitsministerium bezifferte die Thyphusfälle zwischen Januar und November 2013 auf 1472 und Choleratote auf 423. Human Rights Watch und Mitarbeiter des Gesundheitswesens gingen von viel höheren Zahlen aus, allein 3000 Thyphusfälle waren in Harare 2013 zu verzeichnen. Unterernährung, Masern, Malaria und Tuberkulose sind ebenfalls verbreitete Krankheiten. 2018 starben über 50 Menschen an Cholera in Harare, mehr als 10.000 erkrankten. In der ersten Jahreshälfte 2019 wurde die Zahl der Typhusfälle in Harare auf über 850 beziffert, Ursache war die mangelhafte Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Im Juni 2020 starben in Bulawayo 13 Menschen an Typhus, 1500 erkrankten; kontaminiertes Trinkwasser war die Ursache für diese Todes- und Krankheitsfälle. Da Anfang August auch Abwasserleitungen aufbrachen und das Abwasser offen durch dicht bewohnte Stadtviertel lief, blieben diese Infektions- und Krankheitsprobleme bestehen.

Je nach statistischer Quelle gibt es pro 1000 Menschen 0,07 Ärzte/-innen und 1,35 Krankenschwestern. Einige Statistiken gingen 2015 von 1,6 Ärzten und 7 Krankenschwestern bzw. Hebammen für 10.000 Menschen aus. Sie müssen dann komplizierte Aufgaben übernehmen, das betrifft vor allem ländliche Gebiete. Landesweit beschränkt sich die Zahl von Fachärzten und Chirurgen auf Einzelne. Immer wieder legen überlastete Krankenschwestern in schlecht ausgestatteten Kliniken aus Protest gegen die unerträglichen Arbeitsbedingungen und strukturelle Mängel in der medizinischen Grundversorgung ihre Arbeit nieder. In Folge eines Streiks im April 2018 wurden zahlreiche Krankenschwestern entlassen. Im November und Anfang Dezember 2018 protestierten Krankenschwestern und Ärzte abermals wegen der schwierigen Arbeitsbedingungen, Massenentlassungen waren die Reaktion der Regierung. Im September, Oktober und November 2019 streikten Ärztinnen und Ärzte an staatlichen Krankenhäusern erneut, u.a. wegen ihrer geringen Gehälter, die wegen der rasanten Inflation kaum zum Lebensunterhalt reichen. Sie baten auch die Weltgesundheitsorganisation um Hilfe. Auch hier reagierte die Regierung mit zahlreichen Entlassungen. Mitte September 2019 wurde ein Interessenvertreter der Ärzte von staatlichen Sicherheitskräften gekidnappt und schwer misshandelt nach vielen Protesten erst Tage später freigelassen. Auch seine anschließend notwendige Behandlung in Südafrika wurde von der Polizei verzögert und musste erst juristisch erzwungen werden.

Die Versorgungsprobleme im Gesundheitssektor betreffen aufgrund eigener Krankheiten und geschlechtsspezifischer Rollenzuweisungen an Frauen als Pflegende bzw. Verantwortliche für die Gesundheit von Kindern und Alten vor allem die verarmte weibliche Bevölkerung. Die Fertilitätsrate war laut Weltbank 3,8 Kinder pro Frau im Jahr 2015, Statistiken schätzten sie 2016 auf 3,11 und 2017 auf 3,9 bzw. 3,7. Die Müttersterblichkeit war 242 in 2017 (je nach Statistik sogar 525) für 100.000 Lebendgeburten und laut aktuellem offiziellen Gesundheitsbericht 651 pro 100.000. Für viele arme Schwangere ist es nicht oder nur schwer möglich, die von Krankenhäusern verlangten Gebühren zu zahlen. Die Sterblichkeitsrate der Kinder unter fünf Jahren liegt laut UNICEF in 2019 bei 50,3 pro 1000 Lebendgeburten. Problematisch ist auch die Situation behinderter Kinder, vor allem wenn sie erkranken.

Gesundheit und HIV/AIDS

"No condom = no sex - play safe", Plakat der Künstlerin Jane Shepherd
"No condom = no sex - play safe", © Plakat der Künstlerin Jane Shepherd, www.janeshepherd.com/portfolio/
GREAT ZIMBABWE UNIVERSITY PEER EDUCATORS
HIV-Awareness Programme für Studierende an der Great Zimbabwe University © Izzytee (CC BY-SA 4.0), unverändert
Bhaso, HIV/AIDS-NGO
Bhaso, HIV/AIDS-NGO, © R. Schäfer

In Simbabwe sind HIV und AIDS Strukturprobleme. Die offizielle aktuelle HIV-Rate der 15 bis 49 Jährigen beträgt 15 Prozent, die altersübergreifende Rate beziffert UNAIDS 2018 auf 12,7 Prozent bzw. 1,3 Millionen mit HIV-infizierte Menschen. Auch Anfang März 2019 ging UNAIDS wieder von 1,3 Millionen HIV-positiven Menschen aus, deren Versorgungslage allerdings als problematisch eingestuft wurde. 2016 starben 30.000 und 2015 etwa 29.000 Menschen an AIDS. 2018 waren es laut UNAIDS 22.000. Die Nutzung anti-retroviraler Medikamente betrug 2018 89 Prozent bei Erwachsenen und 76 Prozent bei Kindern. Die Kenntnisse über den eigenen Status differieren zwischen Frauen und Männern, ebenso die Infektionsrate, was vor allem auf die Ausrichtung der HIV-Beratung auf Schwangere und Geschlechterhierarchien in sexuellen Beziehungen zurückzuführen ist.

Kinder und Jugendliche sind Zielgruppen von Präventionsprogrammen, infizierte Mädchen werden oft stigmatisiert. Diese Probleme sind im Kontext von sexueller Gewalt und Dominanz vieler Männer in sexuellen Beziehungen, negativen Einstellungen zu Kondomen, Armut und Mangel-/Unterernährung zu sehen. Die Abneigung der meisten Männer gegen Kondome resultiert aus der kolonialen Kontrolle über die Familienplanung, dem Aufbrechen von Ehen durch Wanderarbeit und nachkolonialen Definitionen von Virilität durch viele Partnerinnen. Demgegenüber haben die medizinischen Versorgungsprobleme politische Gründe. Bei der regelmäßigen Einnahme anti-retroviraler Medikamente, die Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus reduzieren können, sind soziale und kulturelle Aspekte hinderlich, etwa die familiäre Stigmatisierung HIV-positiver Schwangerer und AIDS-Tabus. Einige Projekte von Entwicklungs- und Gesundheitsorganisationen verfolgen umfassende Ansätze, die den Dialog zwischen Müttern und die Einbeziehung von Männern beinhalten.

Erste AIDS-Fälle wurden ab 1987 dem AIDS Control Programme im Gesundheitsministerium gemeldet. Aus ihm ging das National AIDS Coordination Programme hervor. Seine Aufgaben waren Planung und Koordination. 1995 arbeiteten über 50 staatliche und nicht-staatliche Organisationen schwerpunktmäßig in der HIV/AIDS-Aufklärung, Medikamentenverteilung, Beratung und Betreuung von Patienten/-innen und deren Angehörigen. Der 1999 gegründete multisektorale National AIDS Council beaufsichtigte Präventions- und Beratungsprogramme und erstellte die erste nationale HIV/AIDS-Policy. Es gibt inzwischen einen nationalen HIV/AIDS-Strategieplan (ZNASP 3),  auch die WHO-Richtlinien zur HIV-Prävention und zur Verhinderung der Mutter-Kind-Infektionen wurden vom Gesundheitsministerium akzeptiert. Allerdings fehlen mancherorts die notwendigen Medikamente und die Finanzierung der Therapien ist unklar. Das war beispielsweise Ende Juli 2019 ein massives Problem, das 1,3 Millionen HIV-positive und AIDS-kranke Simbabwer/-innen betraf. HIV-Präventionsprogramme sollen vor allem Jugendliche erreichen.  

Sarah Chingwaro and her 8 year old grandson look at photographs of his parents who have died from AIDS
Erinnerungsfotos an Eltern - AIDS-Waisen © KATE HOLT/EYEVINE DFAT (CC BY 2.0)

Die offiziellen Zahlen zu sinkenden Infektionsraten zwischen 2002 und 2006 sind im Kontext nationaler politischer Auseinandersetzungen zu sehen. Sie hatten kritische internationale Debatten über die Erstellung von Statistiken, die Verbreitung anti-retroviraler Medikamente, die negativen Auswirkungen der wirtschaftlichen Strukturanpassungsprogramme (ESAP) auf den Gesundheitssektor, die Berücksichtigung von Massenabwanderungen und hohen AIDS-Todesraten von Erwachsenen und Kindern zur Folge.

Die Versorgung der AIDS-Waisen müssen alte Menschen - vor allem Frauen, insbesondere alte Frauen auf dem Land - übernehmen, von denen etliche selbst nach Jahrzehnte langer schwerer körperlicher Arbeit gebrechlich sind. Deren Probleme können lokale Pflegegruppen (u.a. Home based Care Groups), die teilweise an Kirchengemeinden assoziiert sind, seit Jahren nur begrenzt mindern. Mit großen Belastungen sind auch Gesprächsgruppen konfrontiert, die lokal angepasste, psychologische Unterstützung bieten. Zudem gab es in der Vergangenheit Auseinandersetzungen zwischen dem Global Fund to fight AIDS, Tuberculosis and Malaria und dem nationalen AIDS Council über die Veruntreuung von Geldern. Angesichts dieser Problemkomplexität werden reproduktive Rechte nicht verwirklicht, was oft HIV-Infektionen zur Folge hat.

Kunst und Kultur

Buchcover Die Farben des Nachtfalters
© Arche Verlag, Zürich
House of Stone
© Atlantic Books, House of Stones

Der Stolz auf die eigenen reichen kunsthandwerklichen Traditionen und die politische Unabhängigkeit beförderten das kulturelle Leben nach 1980. Hinzu kam die an internationalen Standards ausgerichtete Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Simbabwe hatte in den 1980er und 1990er Jahren eine vibrierende und kreative Kulturszene - eine der vielfältigsten auf dem Kontinent. Das betraf insbesondere die Literatur, die Musik und die Bildhauerei.

Simbabwische Künstler/-innen wurden mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt und waren Vorbilder für junge Menschen im Land. Dazu zählten namhafte Schriftsteller/-innen wie Yvonne Vera, Chenjerai Hove - ihre Werke wurden in Simbabwe von vielen Menschen gelesen; beide waren in Europa und in Nordamerika anerkannt und sind bereits verstorben.

Zur facettenreichen simbabwischen Literaturszene gehörten auch Charles Mugoshi, Shimmer Chinodya oder Christopher Mlalazi, Tendai Huchu, Tsitsi Dangarembga sowie neuerdings No Violet Bulawayo, Petina Gappah und Novuyo Rosa Tshuma. Einige der Romane dieser Autoren/-innen wurden ins Deutsche übersetzt.

Eine Übersicht über Sach-, Kinder- und Jugendbücher sowie Belletristik bietet die informative Webseite Reading Zimbabwe. Sie stellt eine Auswahl interessanter Literatur vor. Simbabwische Kinderbücher spiegelten historische Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen.  

Steinbildhauerei
Steinbildhauerei, © R. Schäfer
Nobuntu
Nobuntu © Nobuntu-music.com
Iyasa in Borovany
Iyasa in Borovany © D. Judge (CC BY 2.0)

Simbabwische Steinbildhauer/-innen wie Colleen Madamombe, Agnes Nyanhongo, Dominic Benhura oder Joe Mutasa präsentierten ihre Werke lokal und in viel beachteten Ausstellungen in deutschen und europäischen Städten. Inzwischen sind wegen der wirtschaftlichen und politischen Probleme viele Galerien und Werkstätten geschlossen. Einige anerkannte Steinbildhauer/-innen sind an AIDS gestorben, andere sind emigriert. Auch Künstler/-innen, die sich auf andere Arbeitstechniken, etwa Zeichnungen und Illustrationen, spezialisiert haben, wie Kunyalala Ndlovu, alias Fort Rixon, sind in Südafrika. Zu namhaften jungen Künstler/-innen zählen Portia Zvavahera, Gareth Nyandoro oder Mishek Masamvu. Owen Maseko, der u.a. die Gukurahundi Massaker thematisierte, hatte wiederholt Probleme, seine Kunst auszustellen.

Simbabwische Musiker/-innen wie Stella Chiweshe, Thomas Mapfumo und Oliver Mtukudzi, der im Januar 2019 verstarb, wurden auf Welttourneen gefeiert. Auch junge Musiker/-innen wie Nobuntu, Prudence Mabhena und die Rap-Künstlerin Awa treten gelegentlich in Europa oder Nordamerika auf. In Simbabwe selbst bewegen sich Musiker/-innen seit Jahren auf einem Grat zwischen künstlerischen Innovationen und staatlicher Kontrolle, Zensur bzw. Selbstzensur. Auch der Tanz wandelte sich.

Nach der politischen Unabhängigkeit 1980 blühten Theaterprojekte wie das Amakhosi-Theater auf, es begeisterte u.a. ganze Schülergenerationen. Teils gibt es internationale Produktionen. Auch Dokumentar- und Spielfilme wurden gezielt zur Bildungs- und Bewusstseinsarbeit gedreht. Der künstlerischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, u.a. durch Gesang und Tanz, widmet sich Iyasa, die international anerkannt ist.

Jedoch wurden die Entfaltungs- und Handlungsspielräume von Künstler/-innen insbesondere durch die politische und wirtschaftliche Krise ab 2000 stark beschränkt. Das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Politik ist seitdem konfliktgeladen. Politisch oder historisch relevante Stücke wurden verboten. Spielstätten und unabhängige Kulturzentren gerieten ins Visier des Geheimdienstes. Viele namhafte Künstler/-innen sind von Verhaftungen bedroht und sahen sich gezwungen, ins Exil zu gehen. Manche kommen temporär nach Europa, um auf Einladung von Kulturinstituten ohne Bedrohung an neuen Werken arbeiten zu können. Einige sind aber auch an AIDS gestorben.

Zwar gibt es inzwischen wieder Kulturfestivals, wie das HIFA Festival und SHOKO Festival, doch viele junge Künstler/-innen sind äußerst vorsichtig in ihrer Themenwahl. Einige treten in Südafrika auf, andere verlagern ihre künstlerischen Aktivitäten ins Internet, dazu zählen auch Comedians und Satiriker, international bekannt ist das Magamba Network. Neben simbabwischen Akteuren beteiligte sich die UN-Organisation UNESCO 2012 punktuell an der Debatte über die Situation der Kultur, es ging vor allem um die Kulturindustrie. Die simbabwische Regierung hat ihren letzten Bericht für die UNESCO über die Kultur im Land 2016 abgeben. Im Juni 2015 stellten einzelne simbabwische Künstler ihre Werke auf der Kunstbiennale in Venedig aus, 2017, 2018 und 2019 wurden dort auch wieder offiziell ausgewählte Kunstwerke aus Simbabwe präsentiert.

Religion

Die christliche Bevölkerung Simbabwes (schätzungsweise über 84 % der Gesamtbevölkerung) gehört unterschiedlichen Kirchen an. Neben Katholiken/-innen, Methodisten/-innen, Anglikanern/-innen und Presbyterianern/-innen verzeichnen evangelikale und unabhängige afrikanische Pfingstkirchen seit Ende des Unabhängigkeitskriegs einen Anstieg an Gläubigen. 2015 waren laut World Fact Book 74,8% aller Menschen in Simbabwe Protestanten/-innen, davon waren 21,8 % Mitglieder in Pfingstkirchen. 7,3 % der Christen/-innen bekannten sich zur römisch-katholischen Kirche und 5,3 % zu anderen christlichen Gemeinden. Die römisch-katholische Kirche untersteht den Erzbischöfen von Bulawayo und Harare. Eine Minderheit der Simbabwer/-innen (laut World Fact Book 1,5 % im Jahr 2015) praktizieren traditionelle Religionen, wobei insbesondere der Ahnen/-innenglaube eine große Bedeutung hat. 2015 waren 0,5 % der Gläubigen Muslime. Hinzu kommen kleine Minderheiten von Hindus, Juden, Buddhisten und Bahai. Die Religionszugehörigkeit beeinflusst beispielsweise die Gesundheit, etwa die Nutzung von Gesundheitsdiensten im Kontext der Mütter- und Kindergesundheit.

Politische und gesellschaftliche Bedeutung von Religion

Religion - Padare
Religion - Padare, © Foto: Rita Schäfer
Apostolische Christin
Apostolische Christin, © R. Schäfer

Die unterschiedlichen Kirchen sowie einzelne Kirchenvertreter haben unterschiedliche Positionen zur politischen Entwicklung. 2007 forderte Pius Ncube, Bischof von Bulawayo, Präsident Robert Mugabe zum Rücktritt auf. Die Catholic Commission for Justice and Peace in Zimbabwe hatte die Massaker im Matabeleland in den 1980er Jahren untersucht und 1997 einen detaillierten Bericht darüber veröffentlicht, der politische Kontroversen zur Folge hatte. Die protestantischen Kirchen sind im Zimbabwe Council of Churches vereint. Sie verlangen gute Regierungsführung, Einhaltung der Demokratie und Menschenrechte, Überwindung der Armut und bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten. Im Oktober 2008 gründeten der Zimbabwe Council of Churches (ZCC), der Evangelical Fellowship of Zimbabwe, die Zimbabwean Catholic Bishop’s Conference (ZCBC) und die Union of the Development of Apostolic Churches in Zimbabwe and Africa (UDACIZA) das Ecumenical Church Leaders Forum.

Bereits 2006 hatten verschiedene Kirchen ein Dialogforum gebildet. Neben regimekritischen Positionen gibt es in den etablierten Kirchen und in den Pfingstkirchen lautstarke Unterstützer der Politik des früheren Präsidenten Mugabes und dessen Nachfolgern, was teilweise kritisch kommentiert wird. Auch Konflikte in evangelikalen Kirchen und Sekten sind zum Teil parteipolitisch motiviert und spiegeln Fraktionskämpfe in der ZANU-PF.

Im August attackierten Regierungsvertreter/innen den katholischen Erzbischof von Harare, Robert Ndlovu, nachdem die Katholischen Bischöfe in einem Hirtenbrief die massiven Probleme und Menschenrechtsverletzungen im Land angesprochen und die Regierung kritisiert hatten. Protestantische und anglikanische Bischöfe, der Ökumenische Rat der Kirchen und der Lutherische Weltbund zeigten sich solidarisch.

Seit dem Unabhängigkeitskrieg und nach Massakern suchen vor allem traumatisierte Menschen Zuflucht in der Religiosität, es gab kaum öffentliche Versöhnungsarbeit oder Aufarbeitungen von Gräueltaten. Auch die hohen AIDS-Todesraten bedingen die Suche nach religiösem Halt. Würdevolle Bestattungen entsprechen christlichen und vor-christlichen Glaubensvorstellungen, die auch sozio-kulturell bedeutend sind. Allerdings erfordern sie hohe Geldsummen. Die Teilnahme an Beerdigungen kann zu Konflikten im Arbeitsleben führen. Für Witwen und Frauen, die AIDS-Kranke pflegen, sind kirchliche Gruppen wichtig, zumal verwandtschaftliche Bindungen aufbrechen. Allerdings verbreiten etliche Kirchenleiter insbesondere in Pfingstkirchen reglementierende Geschlechterkonzepte. Inzwischen gibt es in den etablierten Amtskirchen Männer, die als überzeugte Christen ein Ende der häuslichen Gewalt fordern und mit gutem Beispiel vorangehen. Die Organisation Padare, die Christen der Ecumenical Support Services gründeten, leistet vorbildliche Arbeit gegen Gewalt.

Im März 2020 widmet sich der Weltgebetstag der Frauen Simbabwe.

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