Betonfabrik, Foto: R. Schäfer
Geschätztes BIP
17,1 Mrd. US-$ (2017 geschätzt GTAI)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
1150 US-$ (2017 geschätzt GTAI)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 156 (von 189), 2017
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
3,28 Millionen (2016)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
43,2 (2016)

Wirtschaft

Auf nationaler Ebene bieten ZimStat und die Reserve Bank Angaben zur Wirtschaftsentwicklung. Wirtschaftsinformationen über Simbabwe von deutschen Experten bieten German Trade and Invest (GTAI) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika. Zwischen 2000 und 2008 schrumpfte die Wirtschaft Simbabwes laut UN-Angaben um über 40 Prozent. Die ökonomische Situation verbesserte sich seit der Einheitsregierung von Zimbabwe African National Union / Patriotic Front (ZANU-PF) und Movement for Democratic Change (MDC) im Jahr 2009 erst allmählich. 2010 nahm Simbabwe den letzten Platz auf der Rangliste des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) ein; diese vergleicht weltweite Entwicklungstrends. Die Existenzsicherung war auch 2016 und 2017 für viele Menschen schwierig. Entsprechend kritisch waren die Einschätzungen und international vergleichenden Einstufungen der Weltbank, etwa im Bericht "Changing Wealth of the Nations 2018", und des Weltwirtschaftsforums unter Bezug auf Weltbank und Internationalen Währungsfonds. Das CATO Institut ordnet Simbabwe auf Platz 127 von 162 in seinem aktuellen Economic Freedom Index ein.

Kommerzielle Farm
Kommerzielle Farm © Foto: R. Schäfer

Die Agrarproduktion, die bis 2000 immer wichtiger Devisenbringer und Arbeitgeber war, brach durch die unrechtmäßigen Enteignungen von über 4000 weißen Großfarmern zusammen. Staatliche Misswirtschaft, massive Korruption und politische Repression verschärften die Abwärtsspirale. Hyperinflation und steigende Auslandsverschuldung waren die Folgen.

2009 wurde der US-Dollar als Zahlungsmittel zugelassen; auch Euro, südafrikanischer Rand und botsuanischer Pula sind akzeptiert. Wegen der Hyperinflation hat der Zimbabwe-Dollar an Bedeutung verloren. Ab 2009 boten China und Südafrika Überbrückungskredite, die gleichzeitig neben der EU und den USA wichtige Handelspartner sind. Die Weltbank gewährte 2009 erstmals wieder finanzielle Unterstützung, die hatte sie im Jahr 2000 eingestellt. Unter bestimmten fiskalischen Bedingungen wollten die Weltbank und die Europäische Union Simbabwe weiterhin finanziell fördern, wie beispielsweise 2016 öffentlich erläutert wurde. Gleichzeitig und fortwährend wurden kritische Einschätzungen zur wirtschaftlichen Situation des Landes und finanzielle Probleme der Regierung publik. In der ersten Jahreshälfte 2016 wurde wiederholt deutlich, wie dramatisch die Einbußen in der Ökonomie und im Fiskalsystem waren. Dann kündigte die Regierung für Oktober 2016 die Einführung von Schuldscheinen, eine so genannte Bond-Währung, an.

In Regierungskreisen, Medien und Gesellschaft dauert die kritische Debatte darüber an. Denn sie haben inzwischen massiv an Wert verloren. Gleichzeitig mangelt es im Alltag, in Banken und Institutionen an Bargeld, was existentielle und notwendige Dienstleistungen beeinträchtigt. Die geringen verfügbaren Geldmengen in der Zentralbank, die laut lokaler Einschätzungen aus der geringen Produktivität und dem minimalen Export und der Insolvenz vieler Unternehmer resultieren, hatten schon Mitte 2016 dazu geführt, dass Staatsbedienstete wochen- bzw. monatelang auf ihre Gehälter warten mussten. Das führte zu Protesten, die gewaltsam von Sicherheitskräften aufgelöst wurden. Banken verfügen noch immer nicht über die finanziellen Ressourcen, um Sparer/-innen das Abheben von Geld zu ermöglichen. Eine Binnensicht auf die Probleme gibt der Bericht der Reservebank vom Januar 2017. Im September und Oktober 2018 sind Wirtschaft und Alltag durch begrenzten Zugang zu Treibstoff u.a. wegen des fortwährenden Devisenmangels eingeschränkt. Am 1. November 2018 wurde in den Medien berichtet, dass die Regierung für 2019 und 2020 umfangreiche Entlassungen von Staatsbediensteten plane, um die Staatsausgaben für Personal zu reduzieren, wogegen Gewerkschaftsvertreter protestierten. Im Oktober 2018 hatten sie bereits die Steuer für elektronische Geldtransfers kritisiert. Devisen- und Wirtschaftsprobleme führten zum Anstieg von Lebensmittelpreisen, etwa von Brot, am 2. November 2018, massive Proteste Anfang 2019 waren die Folge. Am 20. Februar 2019 gab die Direktion der Reservebank Neustrukturierungen der Währungen bekannt, konkret Geldtransaktionen durch Real Time Gross Transfer Dollars (RTGS). Der Internationale Währungsfond (IWF/IMF) begrüßte das als Schritt in die richtige Richtung. Ob damit der Wirtschaftskrise gegengesteuert werden kann, wird kritisch diskutiert. Denn Ende März 2019 wurde bereits über den Wertverlust der neuen Währung und fortgesetzte Probleme wegen steigender Inflation berichtet.

Chromite Mine Mutorashanga Great Dyke
Chromite Mine Mutorashanga Great Dyke © Self-published work Babakathy
Geology Field School
Geology Field School © Self-published work Babakathy

2010 wurde der Bergbau dominierend für die Staatseinnahmen. Insgesamt waren die Steuereinnahmen 2016 gering und bezifferten sich in den drei ersten Quartalen des Jahres auf insgesamt 3,4 Milliarden US-Dollar, davon brachten die Minen weniger als die erwarteten 42 Prozent auf. Auch die eingenommene Unternehmenssteuer blieb durch Firmenschließungen vergleichsweise gering; allein im August 2016 meldeten 246 Betriebe Insolvenz an. Für Devisen sorgen Geldsendungen von Wanderarbeitern/-innen aus Südafrika und Großbritannien. Der Tourismus gewinnt nur partiell die ökonomische Bedeutung, die er vor 2000 hatte. Im Mai 2015 stufte das World Economic Forum im ländervergleichenden Bericht über Reisen und Tourismus Simbabwe wegen mangelnder Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Hygiene sowie begrenzter Informationstechnologie auf Platz 115 von 141 ein. Seit den umfangreichen Farmenteignungen und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Niedergang ab 2000 war der Tourismus aus Europa und aus den USA um die Hälfte eingebrochen.

Die Afrikanische Entwicklungsbank dokumentierte im zeitlichen Längsschnitt die wirtschaftliche Entwicklung und ökonomische Probleme Simbabwes. Dazu zählten die Finanzpolitik, die Liquiditätsprobleme der Regierung, die Informalisierung der Ökonomie, die Ineffizienz der Verwaltung und die Korruption, die ausländische Investoren abschreckt. Die Weltbank stufte Simbabwe beim aktuellen Doing-Business-Report auf Platz 159 von 190 ein. Bei Weltbank Rankings zu Unternehmensneugründungen und transnationalen Handelsbedingungen rangiert Simbabwe aktuell auf Platz 155 von 190. Wegen der hohen Verschuldung, der geringen Rückzahlungsleistungen und der unberechenbaren Umsetzung von Indigenisierungsmaßnahmen der simbabwischen Regierung sind westliche Geber und Investoren zurückhaltend.

Zahlreiche ausländische Investoren, beispielsweise aus Japan, werden vom 2009 erlassenen, so genannten Indigenisierungsgesetz, abgeschreckt. Es schreibt vor, dass Betriebe mit einem Jahresumsatz von über 500.000 US-Dollar 51 % ihres Kapitals an Simbabwer übertragen sollen, sonst können sie enteignet werden. Ende 2012 kündigte Präsident Mugabe an, alle Unternehmen sollten mittelfristig zu 100 % verstaatlicht werden. Während einzelne ZANU-PF Minister zwischenzeitlich eine Anpassung des Gesetzes vorgeschlagen hatten, lehnte Ex-Präsident Mugabe jede Ausnahme ab. Diese Kontroverse innerhalb der Regierungspartei und in den regimenahen Medien dauerte seit 2014 jahrelang an. Die direkten Investitionen ausländischer Unternehmen in Simbabwe sanken von 421,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2015 auf 294,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2016.

Die Günstlinge der Indigenisierungsvorgaben sind vorrangig einflussreiche ZANU-PF-Mitglieder. Andere lokale Unternehmer hoffen auf einen baldigen wirtschaftlichen Aufschwung. Manche Beobachter vergleichen die ökonomische Stimmung im Land mit einer Schockstarre. Einige ausländische Think-Tank-Berater empfehlen partikulare politische und ökonomische Reformansätze, die wiederum umstritten sind. Im November und Dezember 2018 bereitete der mangelnde Zugang zu Benzin und Diesel der Wirtschaft und dem Transportwesen Probleme und führte Mitte Januar 2019 zu Protesten, die das Militär und Schläger im Auftrag des Regimes blutig beendeten.

Besondere Wirtschaftsbeziehungen bestehen mit China, das in Bergbau, Infrastruktur und Landwirtschaft investiert und dafür Rohstoffkonzessionen erhält. Über die Nutznießer chinesischer Investoren und deren nationalökonomische Effekte gibt es politische Kontroversen.   

Bags of food aid
Bags of food aid, © Foto: Kate Holt, wikipedia commons (CC BY 2.0)

2011 waren 1,7 Millionen Menschen auf internationale Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Anfang 2013 rechneten internationale humanitäre Organisationen mit 1,4 Millionen Hilfsbedürftigen. 2012/13 musste Getreide zur Grundversorgung für 60 Millionen US-Dollar importiert werden; etliche Farmer hatten auf den Tabakanbau gesetzt und die Getreideproduktion vernachlässigt, zumal sie nur beim Tabakverkauf Geld erhielten. Diese Schwierigkeiten wurden durch (agrar)politische, wirtschaftliche und ökologisch-klimatische Probleme verursacht.

Umfangreiche Getreideimporte der simbabwischen Regierung aus Südafrika zur Bewältigung der Ernährungskrise Anfang 2014 wurden von Korruptionsskandalen überschattet. Das Famine Early Warning Systems Network, das regelmäßig über die Grundversorgungsprobleme informiert, berichtete im Januar 2016, dass nur ein Teil der notleidenden Bevölkerung Nahrungsmittelhilfe erhält. Mancherorts wurde sie nach Zugehörigkeit zur Regierungspartei vergeben, wie unabhängige Menschenrechtsbeobachter feststellten. Im Juli 2016 entschieden sich laut Medienberichten etliche Stadtbewohner angesichts der urbanen Wirtschaftsprobleme in ländliche Gebiete zurückzukehren, doch auch dort ist es schwierig, zu überleben. Die Ernährungs- und Gesundheitssituation insbesondere von Kindern ist nach wie vor vielerorts problematisch, wie UNICEF berichtet. Über die aktuelle humanitäre Situation in Simbabwe informiert auch UNOCHA

Die Versorgungsprobleme bestehen angesichts geringer Ernten und struktureller wirtschaftlicher Schwierigkeiten fort, wie internationale humanitäre Organisationen berichten. Im Februar 2017 benötigten ca. 4,1 Millionen Menschen offiziellen Angaben zufolge humanitäre Hilfe. Laut FAO stieg vor allem in den ländlichen Gebieten die Zahl der Bedürftigen. UNOCHA bezifferte für manche Provinzen die von Ernährungsunsicherheit Betroffenen auf 79 Prozent. In der ersten Jahreshälfte 2017 importierte Simbabwe Mais im Wert von 82 Millionen US-Dollar und Weizen sowie Reis im Wert von 46 Millionen US-Dollar. Die Ankündigungen der Regierung, die Selbstversorgung könnte mit eigenen Ernten gut gedeckt werden, hatten sich nicht bewahrheitet. Investitionen in die so genannte Kommandolandwirtschaft schlugen wegen massiver Korruption vielerorts über Jahre fehl. USAID bezifferte laut des Famine Early Warning Systems Networks die Zahl der Empfänger/-innen von Nahrungsmittelhilfe im Januar und Februar 2018 auf 482.000. Die FAO warnte im Februar 2019 vor verschärften Nahrungsmittel- bez. Versorgungskrisen, vor allem bedingt durch die Preispolitik der simbabwischen Regierung.

Die Länderstrategie des World Food Programme WFP ist bis 2021 gültig. Das WFP berichtete im Januar 2019, 706.247 der 7,5 Landbewohner/-innen würden Nahrungsmittelhilfe erhalten. Relief Web veröffentlichte am 1. April 2019 einen Bericht der Weltbank über die strukturellen Agrarprobleme in Simbabwe, die sich auf die Ernährungssituation auswirken, deshalb sei das Handeln der Regierung gefordert.

Wirtschaftsindikatoren

Anfang Februar 2016 gab die Weltbank bekannt, Zimbabwe schulde internationalen Banken 7,1 Milliarden US-Dollar, das seien 51 Prozent des GDP, die gesamte Schuldenlast wurde auf 10 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Tabakernte
Tabakernte © Foto: Rita Schäfer

Der Abbau von Mineralien machte nach unterschiedlichen Schätzungen der UN bzw. simbabwischer Behörden 3-16 % des BIP aus. Hinzu kommen das verarbeitende Gewerbe und der tertiäre Sektor. Tabak ist ein wichtiges landwirtschaftliches Produkt, wenn auch mit schwankenden Erträgen, wie einige Medien berichten. Hauptabnehmer sind Belgien, China und Südafrika. Zudem liefern Mineralien einen Großteil aller Exporterlöse.

Das Leistungsbilanzdefizit betrug 2014  -348 Millionen US-Dollar, das Dienstleistungsbilanzdefizit belief sich auf –249 Millionen US-Dollar. Das Wirtschaftswachstum wurde vom Internationalen Währungsfond Anfang Oktober 2016 auf 0,3 Prozent für 2016 und für 2017 auf -2,5 Prozent geschätzt. Viele Banken in Simbabwe haben nur begrenzte Kreditkapazitäten. Geschäftsleute trauen den Geldinstituten nicht, so sind große Geldmengen im Umlauf, ohne dass diese auf den Banken eingezahlt werden. Die Kreditwürdigkeit Simbabwes wurde laut Medienberichten von Standard & Poor's im Dezember 2018 abgewertet, Simbabwe wurde wegen seiner fiskalischen Defizite vom S & P Africa Index gestrichen.

Die simbabwische Regierung führte bereits Anfang 2014 neben dem US-Dollar auch andere Währungen wie den chinesischen Yuan, den japanischen Yen und die indische Rupie als offizielle Währungen ein. Seit Jahren bemüht sich die simbabwische Regierung um finanzielle Unterstützung durch China, zumal sich Investoren aus anderen Ländern wegen der rigiden Vorgaben und unzureichender Planungssicherheit zurückzogen. Allerdings verlangt China inzwischen stärkere Korruptionskontrollen im öffentlichen Sektor und wird selbst aktiv, um die Zweckentfremdung seiner Kredite zu stoppen. Simbabwische Experten und Journalisten setzen sich mit dieser außen- und wirtschaftspolitischen Orientierung nach China differenziert auseinander.

informal traders Market in Harare
Informal traders Market in Harare © Shack Dwellers International (CC BY 2.0)

Die Erwerbsbevölkerung umfasst den formellen und informellen Sektor. Je nachdem, wie regierungsnah eine Institution oder Organisation ist, variieren deren Daten zum Anteil der Staatsbediensteten, der im formellen Sektor Beschäftigten und der Arbeitskräfte im informellen Sektor sowie die Arbeitslosenzahlen. Für viele Beschäftigte reichen die Einkommen angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten nicht zum familiären Unterhalt. Auch für Angestellte in para-staatlichen Betrieben war die finanzielle Situation bereits über Jahre hinweg schwierig. Schon im Januar 2014 kritisierte der Dachverband simbabwischer Gewerkschaften im Handelssektor ZCTU und der Zusammenschluss simbabwischer Unternehmer CZI, dass viele Betriebe schließen und ihre Arbeiter entlassen müssen. Um die Existenz der Familien zu decken, sind zahlreiche Kinder gezwungen, durch Arbeit zum Familienerwerb beizutragen. Mangels Alternativen sehen sich Mädchen zur Prostitution genötigt. Das beeinträchtigt ihre Schulbildung, Gesundheit und Zukunftsperspektiven. Der Verdienst ist sehr gering, so dass Armut und Ernährungsprobleme bleiben.

Zu den Strukturproblemen im informellen Sektor zählt auch die mangelnde Einhaltung von Arbeitsrechten. So analysieren simbabwische Forschungen, wie beispielsweise unter Bezug auf internationale arbeitsrechtliche Grundlagen menschenwürdige Arbeit durch Verbindungen zwischen dem informellen und formellen Sektor ermöglicht werden kann.

Die Arbeitsleistung von Frauen in kleinbäuerlichen Familienbetrieben, anderen Familienunternehmen und im informellen Sektor bleibt meistens unbeachtet, obwohl sie existentiell notwendig ist. Die Inflationsrate betrug 2009 nach IWF/IMF-Schätzungen 6,5 %, im Jahr 2011 7,8 % und 2012 3,7 %. 2015 wurde sie auf 0,2 Prozent geschätzt. 2008 hatte es eine Hyperinflation von mehreren Milliarden Prozent gegeben. Die daraus gezogenen Lehren beeinflussten das weitere Vorgehen des IWF/IMF gegenüber Simbabwe. 2015 wurde die Inflationsrate auf -2,4 Prozent beziffert und für 2016 auf -1,2 Prozent geschätzt. 

Wirtschaftspolitik

Nach der politischen Unabhängigkeit 1980 propagierte die ZANU-Regierung zunächst eine wohlfahrtsstaatliche und protektionistische Wirtschaftspolitik. Sie hatte ein hoch entwickeltes und gleichzeitig sehr ungleiches Wirtschaftssystem vom rhodesischen Siedlerregime übernommen. Das wurde durch umfangreiche Staatsausgaben und Mindestlöhne etwas ausgeglichen. Trotz des großen Interesses ausländischer Investoren am Industriestandort Simbabwe erschwerten bürokratische Hürden die Niederlassung von Firmen und Fabriken. Auch simbabwische Unternehmer wurden behindert. Betriebe unter ZANU-Leitung, ländliche Entwicklung und Kontrolle über die Bevölkerung auf dem Land hatten für die staatlichen Planer Priorität. Die Wirtschaftspolitik und deren ökonomische Folgen seit 1980 sind faktenreich dokumentiert.

1991 stimmte die Regierung der Einführung wirtschaftlicher Strukturanpassungsprogramme (ESAP) durch den Internationalen Währungsfond (IWF/IMF) zu. So wollte sie den Zugang zu Krediten sichern. Allerdings hatten die IWF-Auflagen zur Reduzierung der Staatsausgaben fatale Folgen für den Gesundheits- und Bildungssektor. Vor allem für ärmere Familien verschlechterte sich der Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung. Das konnten ergänzend eingeführte Sozialprogramme nicht abfedern. Das 1998 von der Regierung begonnene Zimbabwe Programme for Economic and Social Transformation (ZIMPREST) orientierte sich teilweise am ESAP-Ansatz, beinhaltete aber auch Tariflöhne und selektive Preiskontrollen. Der wirtschaftliche Niedergang wurde nicht aufgehalten, sondern beschleunigte sich ab 2000. Die Einheitsregierung 2009 konnte nur partiell eine Trendwende einleiten. Die Wirtschaftsmisere war auch ein Thema im Umfeld der Wahlen Ende Juli 2018, wobei strukturelle Probleme und Erwartungen diskutiert wurden.

Wirtschaftssektoren

Landwirtschaft

Rinder
Rinder © Foto: R. Schäfer

Hauptanbauprodukte sind Mais, Tabak, Baumwolle und Zitrusfrüchte. Hinzu kommen verschiedene Hirse- und Gemüsesorten in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sowie Zuckerrohr und Schnittblumen auf Großfarmen. Im Bereich der Weidewirtschaft dominiert die Rinderhaltung, wobei kleinbäuerliche Betriebe wegen sehr begrenzter Weideflächen, wiederholter Dürren und Krankheiten nur wenige Tiere besitzen. Bis 1980 zählten nur Weiße zu den Großfarmbesitzern.

Ab 1982 war die Landumverteilung ein politisches und juristisches Thema. Basierend auf Gesetzesänderungen fanden ab 1992 Ansätze zu einer Landreform statt. Farmbesitzer konnten ihre gesamten Farmen oder Landstücke zu Marktpreisen an die Regierung verkaufen. Davon machte aber nur eine Minderheit Gebrauch. Etliche Farmen gingen an die neue schwarze Elite über (350 wurden verkauft, 400 verpachtet), ein anderer Teil wurde aufgeteilt auf mittelständische und kleinbäuerliche Produzenten in sogenannten "Resettlement"-Gebieten.

Bei Ehepaaren wurden die Landbesitzrechte auf den Namen des Mannes eingetragen, was bei dessen Tod zu verwandtschaftlichen Konflikten führte. Falls es zu Rechtsstreitigkeiten kam, entschieden Richter zumeist unter Bezug auf frauenfeindliche Interpretationen des „customary law“ gegen die Interessen der Witwen. Demgegenüber waren gemäß der vorkolonialen Arbeitsteilung die Frauen für Anbau, Ernte und Saatselektion verantwortlich. Nur in Ausnahmefällen und mit Unterstützung von Entwicklungsorganisationen erhielten alleinstehende Kleinbäuerinnen Land.

Anfang der 1990er Jahre erschütterte eine schwere Dürre die landwirtschaftliche Produktion, anschließend diskutierten Forscher aus Simbabwe, Kanada und Großbritannien, wie internationale Nahrungsmittelhilfe an ländliche Haushalte in "Resettlement"-Gebieten sinnvoll in Entwicklungsprogramme übergehen kann. Agrarökologische Kenntnisse, die Menschen während Dürreperioden entwickelt und überliefert haben, sind in Zeiten des Klimawandels und in Auseinandersetzung mit dessen Folgen wichtig. Alte Menschen sind mancherorts heute die Hüter/-innen solcher Kenntnisse, aus denen Anpassungsstrategien in Reaktionen auf Klimaveränderungen abgeleitet werden können. Das erkennen auch allmählich einige Entwicklungsorganisationen und die FAO. Gleichzeitig sind alte Menschen von eigenen Krankheiten und den Folgen der HIV/AIDS-Pandemie besonders betroffen. Alte Frauen in ländlichen Gebieten müssen für AIDS-Waisen/Enkelkinder sorgen. Ihre eigenen agrarischen Möglichkeiten sind aber eingeschränkt. Von der Landreform ab 2000 hatten sie keine Vorteile, bei der Landverteilung wurden sie übergangen. Und das, obwohl laut des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA über 758.000 der ca. 13 Millionen Simbabwer/-innen alte Menschen sind. Sie bräuchten spezifische agrarische Förder- und Beratungsprogramme.

In den letzten Jahren war es wegen der wirtschaftlichen und politischen Krise ab 2000 aber auch für die landwirtschaftlichen Betriebe in den "Resettlement"-Gebieten schwierig, zu produzieren und zu vermarkten. Die dortigen Landbewohner/-innen mussten neue Überlebensstrategien und Transaktionsformen, etwa durch Tausch, erfinden.

Zum Abschluss der zweiten Phase der Landreform 1997 waren 3,5 Millionen von geplanten 15,5 Millionen Hektar Land an 71.000 Familien verteilt. 162.000 hätten zu dem Zeitpunkt bereits neues Farmland zur Verfügung haben sollen. Die britische Regierung hatte 44 Millionen Pfund für die Landreform zur Verfügung gestellt. 1999 waren noch immer elf Millionen Hektar im Besitz von 4500 Großfarmern – vorrangig Weißen. Gleichzeitig stieg die Bevölkerungsdichte und Armut in den kommunalen Gebieten, den früheren Reservaten. Im Jahr 2000 waren erst 75.000 Menschen umgesiedelt worden.

Landwirtschaft - Großfarmgebiet
Landwirtschaft - Großfarmgebiet, © Foto: Rita Schäfer
Terrassierte Felder in kommunalen Gebieten
Terrassierte Felder in kommunalen Gebieten © Foto: R. Schäfer

Im Rahmen des ab Juli 2000 begonnenen Fast Track Resettlement Programmes wollte die Regierung zunächst eine Million Hektar Land an 30.000 Familien vergeben. Darauf aufbauend wollte sie vier Millionen Hektar an 120.000 Familien verteilen. In der Zeit nutzte die ZANU/PF diese Landumverteilungspläne für ihren Wahlkampf, die Wirtschaft befand sich bereits in der Rezession. Ein neues Gesetz zum Landerwerb wurde rasch durch das Parlament gebracht. Im Juli 2002 arbeiteten nur noch 2900 von 4500 Großfarmern, danach mussten sie ihr Land ohne Kompensation verlassen. Bei gewaltsamen Farmbesetzungen (auch als Jambanja – direkte Aktion oder 3. Chimurenga bezeichnet) wurden einige Menschen getötet und mehrere hundert schwer verletzt. Die makroökonomischen Folgen erläuterten Experten des internationalen Agrarforschungsinstituts IFPRI. 2003 waren bereits 100.000 der über 320.000 Farmarbeiter/-innen vertrieben worden. Über 250 Großfarmen, die im Besitz südafrikanischer und europäischer oder simbabwischer Konzerne waren, konnten jedoch weiter produzieren.

2011 waren die Flächen laut offizieller Angaben an 114.000 Haushalte (1,3 Millionen Personen), 30.000 Farmbetriebe mittlerer Größe und 3000 Einzelpersonen aufgeteilt worden. Manche Beobachter, die punktuell mit staatlichen Agrarberatern kooperieren, bewerten das als Erfolg, und interpretieren Kriterien wie Landzuteilung und Erträge entsprechend. Kritiker geben zu bedenken, dass Kleinbauern mancherorts wieder zwangsumgesiedelt werden, vor allem wenn sie nicht die prognostizierten Erträge erzielen. Bei den neuen Großfarmern handelt es sich vorrangig um Politiker, Militärs und Geschäftsleute. Selbst vor unrechtmäßigen Farmaneignungen wird nicht zurückgeschreckt, wie einzelne Rechtsstreitigkeiten belegen. Einzelne Minister, Politbüromitglieder, Geheimdienstleiter und Richter beanspruchten jeweils mehrere Dutzend Farmen, nutzen die Flächen aber oft nicht für die landwirtschaftliche Produktion. Patronage war ein entscheidendes Kriterium für die Landvergabe an mittelgroße und kleine Betreiber – zumeist Bedienstete staatlicher Institutionen, die Pächter einstellten. Eine öffentliche Anhörung zu Farmaneignungen machte im Juni 2014 publik, dass sogar Kinder der Elite als neue Farmbesitzer eingetragen wurden, obwohl sie als Minderjährige nicht rechtsmündig sind.

Pflügen und Aussaat
Pflügen und Aussaat © R. Schäfer
Gemüsegarten
Gemüsegarten © R. Schäfer

Frauen kleinbäuerlicher und mittelgroßer Betriebe erhielten seit 2000 höchstens Nutzungs- aber nur in Ausnahmefällen Besitzrechte. Konflikte gab es auch auf Staatsland und bei quasi-staatlichen Betrieben, die beispielsweise keine Grundnahrungsmittel produzierten. Kleinbäuerlichen Betrieben fehlte häufig das Kapital für Investitionen. Hinzu kamen unzureichend angepasste Agrarberatungen, die angesichts der Folgen des Klimawandels besonders problematisch waren. So fielen die Ernten gering aus, Armutsprobleme eskalierten. Die Versorgung der Bevölkerung ist wegen der Politisierung weiterhin kritisch. Die Abhängigkeit von internationaler Nahrungsmittelhilfe ist noch immer strittig. 2008 war Nahrungsmittelknappheit ein Mittel politischer Kontrolle, Nahrung wurde zur politischen Waffe der ZANU/PF. In der Provinz Matabeleland South sowie in Siedlungen in der Manica Provinz zeigen sich die Folgen dieses Problems beispielhaft. Auch 2012 und 2013 war der Zugang zu Nahrungsmittelhilfe und Saatgut vielerorts an die Parteimitgliedschaft gebunden, ZANU/PF Anhänger/-innen wurden häufig bevorzugt. Anfang 2014 waren etwa 2,2 Millionen Menschen auf internationale Nahrungsmittelhilfe angewiesen; humanitäre Organisationen der UN sprachen von einem Viertel der gesamten Bevölkerung des Landes, die Unterstützung zur Ernährungssicherung brauchten, zumindest bis eine gute neue Ernte eingebracht sei. Mancherorts wurden Fälle von Nahrungsmittelvergabe durch lokale Mitarbeiter gegen sexuelle Dienstleistungen von Bedürftigen bekannt und dokumentiert. Im Juli 2015 gab Relief Web bekannt, 1.490.000 Menschen würden Nahrungsmittelhilfe benötigen und für 16 Prozent der Landbevölkerung sei die Ernährung nicht gesichert. Diese Zahlen wurden im September 2015 bestätigt und entsprechende Prognosen für 2016 erstellt, die zudem nach Provinzen differenziert sind. Relief Web-Landesinformationen vom November 2016 bieten zusätzliche Details.

Auf der lokalen Mikroebene sollen Gemüsegärten Abhilfe schaffen. Ob sich, neben den Vorteilen für die Kleingärtner/-innen, hierdurch die Nahrungsmittelversorgung eines ganzen Landes decken lässt, ist angesichts der Problemkomplexität und der Ungleichheiten im Landzugang und -besitz fraglich. Auch über den Aussagewert einzelner lokaler Mikrostudien über Anpassungsstrategien an aktuelle multiple Probleme für nationale Lösungen gibt es konträre Meinungen.

Die Versorgungslage der Bevölkerung wird sich weiter problematisch gestalten, zumal 2014 im Vergleich mit dem Vorjahr 29 Prozent weniger Getreide produziert wurde. 2013 wurden 24.700 Tonnen Weizen produziert. Vor Beginn der umstrittenen Landreform und Farmenteignungen im Jahr 2000 waren es 325.000 Tonnen Weizen jährlich. Benötigt werden schätzungsweise 425.000 Tonnen Weizen pro Jahr. In der Erntesaison 2014-2015 wurden 49 Prozent Verluste in der Maisernte verzeichnet. Gleichzeitig haben viele Bauern, die ihren Mais an die staatliche Vermarktungsbehörde, das Grain Marketing Board (GMB), verkauft haben, noch kein Geld erhalten. Das GMB schuldet ihnen 49 Millionen US-Dollar für die Saison 2013-2014, was bereits zu Protesten von Seiten der Bauern führte. Mitgliedern der Regierungspartei und anderen regierungsnahen Personen wird nachgesagt, die Kassen des GMB geplündert zu haben. 2015 entschlossen sich Bauern, die Überschüsse produziert hatten, diese weit unter Wert an private Käufer zu veräußern, was aber neue Abhängigkeiten und Einkommensprobleme schafft. 2015 erhielt das GMB nur etwa ein Viertel der Getreidemenge, die ihm 2014 geliefert wurden. 2015 wollte die Regierung 700.000 Tonnen Mais zur Ernährungssicherung einführen. Wegen dieser und zahlreicher anderer Probleme bietet die Landwirtschaft Jugendlichen kaum Perspektiven.

Immerhin war die Ernte 2017 aufgrund vergleichsweise guter Regenfälle relativ erfolgreich. Über die Bedeutung der so genannten Kommandolandwirtschaft für die Erträge gibt es - je nach politischem Standpunkt - konkurrierende Einschätzungen.

Die Politisierung der Agrarplanung und -forschung zeigt sich beispielsweise darin, dass nicht nur Daten zur landwirtschaftlichen Produktivität, sondern auch die Schätzungen der FAO und des Welternährungsprogramms zum Bedarf an Nahrungsmittelhilfe wegen mangelnder landwirtschaftlicher Erträge von regimenahen Agrarwissenschaftlern insbesondere im Kontext von nationalen Wahlen in Frage gestellt werden.

Bergbau

Mineralische Ressourcen
Mineralische Ressourcen © commons lib.utexas.edu Map No. 543857 1979 (119K)
Zimbabwean asbestos mine King Mine, Mashava,
Asbestmine bei Mashava © Foto: Kevin Walsh, wikimedia (CC BY 2.0)
Gold Mining Mill Shamva
Gold Mining Mill Shamva © Kevin Walsh (CC BY 2.0)
CC-BY-SA-3.0
Diamant © Rob Lavinsky (CC BY 3.0)

In etwa 500 Minen (andere Schätzungen gehen von einer höheren Anzahl aus) werden über 40 verschiedene mineralische Rohstoffe abgebaut. Dazu zählen Platin, Gold, Chrom, Nickel, Diamanten, Kohle und Asbest. Am Abbau sind simbabwische, chinesische, südafrikanische, australische und britische Unternehmen beteiligt. In Simbabwe lagern große Platinvorkommen, so könnte das Land unter Bezug auf die geschätzten Vorkommen, nach Russland und Südafrika, führend im Platinabbau und -export sein.

Deviseneinnahmen aus dem Minensektor steigen zwar, jedoch nicht in dem Maße, wie die abgebauten Ressourcen es erwarten ließen. In Simbabwe lagern schätzungsweise 25 % aller globalen Rohdiamanten, die dem Staatshaushalt jährlich zwei Milliarden US-Dollar einbringen könnten. Doch während die Einnahmen aus den Diamantenminen 2010 schätzungsweise mindestens 122,5 Millionen US-Dollar erbrachten, wurden offiziell nur 30,4 Millionen US-Dollar registriert. Das Bergbauministerium berief sich auf die Preiseinbrüche im internationalen Diamantenhandel und Handelsbeschränkungen für Diamanten aus der simbabwischen Marange Mine. Anlass für die Handelsbeschränkungen waren schwere Misshandlungen und Erschießungen von über 300 der ca. 35.000 illegalen Schürfer durch Spezialeinheiten der Polizei und der Armee im Jahr 2008. Offizieller Grund der Einsätze war die Unterbindung des Schmuggels. Polizisten und Soldaten erhielten in der Zeit wegen der Wirtschaftsmisere keine oder nur unregelmäßige und geringe Gehälter. Einige agierten selbst als Schmuggler. Auch in den Folgejahren gab es wiederholt Gewaltübergriffe und Menschenrechtsverletzungen; die internationalen politischen Auseinandersetzungen über die Konfliktdiamanten dauerten an.

Zeitweilig besaßen chinesische Betreiber fast 90 % der Anteile an den Minengesellschaften. Auf diese Weise finanzieren Geheimdienst und Militär offenbar Waffenkäufe in großem Stil. Manche kritische politische Beobachter befürchten sogar den Aufbau einer Schattenregierung. Der Kimberley Prozess erlaubte Simbabwe im November 2011 dennoch den Verkauf von Diamanten aus der Marange Mine. Dennoch erhielt die Europäische Union Beschränkungen gegenüber der staatlichen Diamantengesellschaft aufrecht. Massive Korruption im Minensektor ist mindestens seit 2013 ein bekanntes Strukturproblem, das Einnahmen für den Staatshaushalt beeinträchtigte. Sie fielen von 453 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 auf in 350 Millionen US-Dollar in 2014; einzelne Berichte gingen von noch niedrigeren Staatseinnahmen aus und weisen auf die Verwendung der Exporterlöse aus Diamantengeschäften für die Regierungspartei hin. Durch direkte Kontrolle der Minen durch Personen im Umfeld des Präsidenten und ranghoher Militärs sollen laut Minenministerium seit Jahren die Korruption und der illegale Diamantenhandel unterbunden werden. Die Afrikanische Entwicklungsbank kritisierte die Konzentration, da die Gewinne aus dem Minensektor nicht in den Fiskus gelangten und ausländische Investoren abgeschreckt würden. Auch 2015 mahnten Beobachter mehr Transparenz im Minensektor an. Auch Mitte 2016 und im September 2017 dauerte die Kritik an mangelnden Staatseinnahmen durch massive Veruntreuung von Gewinnen aus den Diamantenminen, vor allem durch ranghohe Militärs, des Geheimdienstes und Mitglieder des Sicherheitsapparats, an. Es geht um fehlende 15 Milliarden US-Dollar. Im November 2018 wurde über mehr Transparenz im Minensektor diskutiert. Anfang April 2019 berichteten Medien, dass chinesische Firmen, die wegen Korruptionsverdacht im Februar 2016 die Minengebiete verlassen mußten, zusammen mit russischen Unternehmen wieder in den Diamantenabbau einsteigen sollen. Anfang April 2019 wurde auch bekannt, dass Versuche der simbabwischen Regierung, einige Goldminen an Investoren zu verkaufen, nicht erfolgreich gewesen seien.

Industrie

In den 1980er Jahren gab es eine prosperierende verarbeitende Industrie. Sie umfasste die Leicht-, Landwirtschafts-, Bergbau- und Bauindustrie. Heute ist sie durch die mangelnde Infrastruktur, insbesondere in der Wasser- und Stromversorgung, beeinträchtigt und erholt sich nur langsam. Auch die einst ausdifferenzierte und an die landesinterne, hochwertige Baumwollproduktion gekoppelte Textilindustrie ist seit Jahren im Niedergang. Von den 24.000 Arbeitskräften, die während der Blüte der Produktion in Kadoma, Gweru und Chegutu in Spinnereien und anderen Textilfabriken arbeiteten, verloren die meisten inzwischen ihre Einkommens- und Existenzgrundlage. Etliche Firmen mussten schließen.

Zwischen 2000 und 2010 schritt die De-Industrialisierung insbesondere in der früheren Industriemetropole Bulawayo voran, die Probleme dauerten in den Folgejahren an. Inzwischen produzieren einzelne chinesische Unternehmen gemeinsam mit simbabwischen, etwa in der Autobranche. Etliche Unternehmer und Wirtschaftsexperten führten die problematische Entwicklung auf die fortdauernde Regierungsmisere zurück. Investoren aus Europa und den USA sind wegen der sogenannten Indigenisierungspolitik, also den Verstaatlichungszielen der Mugabe-Regierung, zurückhaltend. Auch Einschätzungen zur Wirtschaftssituation, zur Lage der Arbeiter und zur Rolle von Gewerkschaften sind Mitte 2016 kritisch; als Problemursache wird vor allem die Regierungspolitik benannt.

Binnen- und Außenhandel

Korona Landmarkt
Korona Landmarkt, © R. Schäfer
Getränkewerbung
Getränkewerbung, © R. Schäfer
Diamantenwerbung
Diamantenwerbung, © R. Schäfer

Die Kaufkraft der Bevölkerung ist durch den jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang und die hohe Arbeitslosigkeit eingeschränkt. Der Binnenmarkt ist entsprechend schwach. Auch der Außenhandel ist seit Jahren gering. Entsprechend kritisch waren die Analysen und Prognosen der Weltbank im Jahr 2017.

2015 wurde das Handelsbilanzdefizit unter Bezug auf IMF-Angaben mit -2.74 beziffert und für 2016 auf -2.89 geschätzt. Im August 2015 hatte Simbabwe regierungsnahen Medienberichten zufolge ein Handelsbilanzdefizit von 2,2 Milliarden US-Dollar. 2016 wurde ein Handelsbilanzdefizit von 2,3 Milliarden US-Dollar bilanziert. Für die ersten zehn Monate im Jahr 2017 wurde das Handelsbilanzdefizit auf 1,56 Milliarden US-Dollar beziffert. Im Oktober 2018 waren es 1,978 Milliarden US-Dollar, teilweise gibt es auch abweichende und höhere Angaben im Jahresvergleich.

Wichtige Handelspartner sind Südafrika und einige Länder der Europäischen Union (EU), u.a. ist Deutschland hier zu nennen. Die Handelsbeziehungen sind durch regionale und internationale Abkommen geregelt, die von einigen Wirtschaftsexperten und Nichtregierungsorganisationen kritisiert werden. Bei den internationalen Exporten sind Mineralien und Agrarprodukte bedeutend. Dem Bericht der nationalen Statistikbehörde zufolge exportierte Simbabwe zwischen Januar und Oktober 2015 Gold im Wert von 5,9 Tonnen. Die Platinexporte erbrachten im gleichen Zeitraum 36,5 Millionen US-Dollar, Nickel 192,3 Millionen US-Dollar und Chrom 134,8 Millionen US-Dollar. Im Agrarbereich bezifferten sich die Gewinne aus dem Tabakexport auf 481,2 Millionen US-Dollar und aus dem Zuckerrohrexport auf 95,5 Millionen US-Dollar. In den ersten zehn Monaten 2017 exportierte Simbabwe laut offizieller Angaben Gold im Wert von 776 Millionen US-Dollar, Tabak im Wert von 490 Millionen US-Dollar, Nickel im Wert von 378 Millionen US-Dollar, Nickel Konzentrate im Wert von 328 Millionen US-Dollar, Ferro-Chrom im Wert von 262 Millionen US-Dollar, Chrom Erze und Konzentrate im Wert von 82 Millionen US-Dollar und unverarbeitete Industriediamanten im Wert von 73 Millionen US-Dollar.

Grundnahrungsmittel und über 90 % aller Konsumgüter und Dinge des täglichen Bedarfs in Simbabwe werden importiert. Mehrheitlich kommen sie aus dem Nachbarland Südafrika. In den ersten Monaten 2017 importierte Simbabwe Güter aus Südafrika im Wert von 1,83 Milliarden US-Dollar, während die Exporte 1,76 Milliarden US-Dollar bezifferten. 2018 exportierte Südafrika Waren im Wert von 30,8 Millionen Rand nach Simbabwe und importierte Güter im Wert von 3,6 Millionen Rand.

Simbabwe ist Mitglied in Wirtschaftspartnerschaften, wie COMESA und SADC. China gewinnt als Handelspartner Simbabwes immer mehr Einfluss.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Zimbabwe African Economic Outlook
© AfDB/OECD/UNDP Zimbabwe African Economic Outlook

Wichtige Geber sind die USA und Großbritannien, EU-Institutionen, Deutschland und Japan. Exemplarisch illustriert DFID, der staatliche Entwicklungsdienst der ehemaligen britischen Kolonialmacht, seine Entwicklungszusammenarbeit am Beispiel des Gesundheitssektors. Die staatliche schwedische Entwicklungsorganisation (SIDA) kooperiert mit anderen Gebern, etwa im Bereich der Jugendförderung. Auch nichtstaatliche Organisationen wie HIVOS aus den Niederlanden, Action Aid aus Großbritannien oder das kirchliche Hilfswerk HEKS aus der Schweiz unterstützen Nichtregierungsorganisationen im Land.

Die Weltbank richtete einen Zimbabwe Analytic Multi-Donor Trust ein (MDTF), der die unterschiedlichen Geber besser koordinieren sollte, ihm folgte der Multi-Donor Trust Fund, den die African Development Bank managte. Ziele waren die Entwicklung der Infrastruktur insbesondere im Wasser-, Sanitär und Energiebereich. Simbabwe bleibt vor allem wegen seiner eigenen politischen und agrarwirtschaftlichen Misere weiterhin auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Zu den internationalen Organisationen, die in Simbabwe tätig sind, zählen das Welternährungsprogramm WFP, das UN-Kinderhilfswerk UNICEF, das UN-Entwicklungsprogramm UNDP und die UN-Bevölkerungsorganisation UNFPA. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO arbeitet an der Verbesserung der Landwirtschaft, Viehhaltung und der Grundversorgung in ländlichen Regionen.

Millennium Development Goals und Sustainable Development Goals

Frauenkooperative Kadoma
Frauenkooperative Kadoma, © Foto: Rita Schäfer

Aus den von der internationalen Staatengemeinschaft im Jahr 2000 festgelegten Millennium Development Goals (MDG), den Entwicklungszielen zur Halbierung der weltweiten Armut bis zum Jahr 2015, hatte die simbabwische Regierung die Ziele Armutsreduzierung, verbesserte Schulbildung und Überwindung von HIV/AIDS als vorrangige Ziele gewählt. Strukturelle Armutsprobleme sind aber weiterhin in vielen Landesteilen gravierend. Beim Human Development Index 2017 belegt Simbabwe Rang 156 von 189 Plätzen im internationalen Ländervergleich. Schätzungen von Hilfswerken gingen davon aus, dass zahlreiche Kleinkinder 2016 von Mangel- bzw. Unterernährung betroffen waren.

Ernährungsprobleme von 1,3 Millionen Menschen in den Jahren 2010 bis 2012 wurden offiziell mit der eingeschränkten Agrarproduktion begründet. Bis 2011 hatte die simbabwische Regierung keine umfassende Poverty Reduction Strategy erstellt. Planungsgrundlagen zur Armutsreduzierung waren die MDGs, die Landreform, die Indigenisierungsziele, die Arbeitsmarkt- und Gender-Politik. 2016 gab die Weltbank Armutsberechnungen für Simbabwe bekannt. Darin wird die Zahl der Armen auf 3,28 Millionen +beziffert, 2015 waren es demnach 3,16 Millionen. 2015 variierte die Armutsrate laut Armutsatlas zwischen einzelnen Distrikten zwischen 37 und über 90 Prozent. Inzwischen wird über die Umsetzung der Sustainable Development Goals debattiert, zumal die UN an der Realisierung in Simbabwe technisch und finanziell umfassend mitwirkt. Im Kontext von Simbabwe wird moniert, dass die Problemlage von Jugendlichen und deren Auseinandersetzung mit diesen Zielen darin bislang zu wenig Beachtung findet. Schließlich ist ein Großteil der Jugendlichen arbeitslos und die Mehrheit derjenigen, die zumeist kleine Einkommen erwirtschaften, konkurrieren im informellen Sektor miteinander.

Multi- und bilaterale deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Ländliches Gemüseprojekt
Ländliches Gemüseprojekt © Foto: Rita Schäfer

Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit bezieht sich vor allem auf den Infrastruktur- und Gesundheitsbereich. Auch im Agrarsektor gibt es einzelne Kooperationen, die im Fall der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und dem Welternährungsprogramm (WFP) an humanitäre Maßnahmen anknüpfen und die Ernährungssituation verbessern sollen. Aus politischen und diplomatischen Gründen wurde nach 2000 die staatliche bilaterale Zusammenarbeit eingestellt. Laut einer BMZ-Erklärung Ende 2012 würden die bilateralen Beziehungen erst wieder normalisiert, wenn Demokratie und Rechtsstaatlichkeit garantiert seien. 2015 führte die umstrittene finanzielle Förderung eines privaten Wildparks, den ein deutscher Unternehmer gegründet hatte, zu politischen Kontroversen. 2015 wurde über die positive Wirkung des von der GIZ personell beratenen Media Monitoring Project Zimbabwe berichtet. Anfang Oktober 2016 reiste der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, Günter Nooke, für politische Gespräche nach Simbabwe. Mitte November 2017 erläuterte er in einem Radiointerview seine Einschätzung zum Rücktritt des früheren Präsidenten Robert Mugabe. Ende August 2018 war Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, für Regierungsgespräche in Simbabwe. Er traf sich auch mit führenden Oppositionsvertretern und erörterte politische und wirtschaftliche Themen.

In Simbabwe sind beispielsweise die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig. Deutsche Nichtregierungsorganisationen unterstützen lokale Nichtregierungsorganisationen, die sich für Frieden, Menschenrechte, HIV-Prävention, Jugendliche, Frauen und Ökologie einsetzen. Hervorzuheben ist die Arbeit des Weltfriedensdienstes und der Deutschen Welthungerhilfe. Auch Oxfam Deutschland engagiert sich in Simbabwe. Medico International, die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt und kleine gemeinnützige Vereine wie ZimRelief unterstützen Nichtregierungsorganisationen in Simbabwe. Kinder sind die Zielgruppe von Terre des Hommes. In Simbabwe tätige kirchliche Organisationen sind die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungshilfe AGEH und Misereor. Die im entwicklungspolitischen Bereich aktive Kirchliche Arbeitsstelle südliches Afrika KASA ist Mitglied im Zimbabwe Europe Network, das sich gegenüber der Europäischen Union für Simbabwe einsetzt. Städte- und Schulpartnerschaften, Jugend- und Kulturaustauschprogramme ergänzen das Spektrum der Zusammenarbeit. Hier ist vor allem die Städtepartnerschaft zwischen München und Harare zu nennen. Für Schulpartnerschaften setzen sich Mitglieder des Zimbabwe Netzwerks seit Jahrzehnten erfolgreich ein. Das Zimbabwe Netzwerk informiert auch über Simbabwe, etwa durch seine Publikationen, und organisiert regelmäßig Veranstaltungen mit zivilgesellschaftlichen Vertretern/-innen und Experten/innen aus Simbabwe. Die Deutsch-Simbabwische Gesellschaft engagiert sich ebenfalls für Austausch zwischen Menschen aus Simbabwe und Deutschland.

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