Wadi Halfa Bus Station
Währung
Sudanesisches Pfund (SDG)
Wechselkurs
7,84 SDG pro € (Oktober 2017)
Zeitzone
UTC+2
Landesvorwahl (Telefon)
+249
Klima (für Hauptstadt)
Wüstenklima, subtropisch

Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen

Für die Einreise in den Sudan ist ein Reisepass notwendig, der noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Der Pass darf keine israelischen Stempel enthalten. Das notwendige Visum muss bei der sudanesischen Botschaft in Berlin beantragt werden. Die Gebühr für ein Touristenvisum beträgt 40 € in bar. Seit April 2014 muss auf dem Visumantrag der Nachweis der Identität mittels Fingerabdrücken erbracht sein.
Für den Sudan tätige Honorarkonsulate sind in Bremen (für Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) und Idstein (für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Bayern, Baden-Württemberg) ansässig.
Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Tagen ist eine Registrierung beim Ausländeramt in Khartum erforderlich. Ausländer brauchen für Reisen außerhalb Khartums in der Regel eine Reisegenehmigung der sudanesischen Regierung, die in Khartum oder, bei Einreise über den Landweg, auch bei den Sicherheitsorganen in den Provinzstädten erhältlich ist.

Beim Angriff auf die deutsche Botschaft im September 2012, dem Proteste einer Reihe von islamischen Organisationen und der Studentenunion vorausgegangen waren, ist das Gebäude gestürmt und in Teilen verwüstet worden. Da die Botschaft für den Publikumsverkehr, außer nach vorheriger Absprache in Einzel- und Notfällen, immer noch geschlossen ist, sind die konsularischen Dienstleistungen stark eingeschränkt.

Mit einem nach dem 01.03.2011 ausgestellten auch sudanesischen Visum im Reisepass ist es seit dem 21.12.2015 u.a. auch deutschen Staatsangehörigen nicht mehr möglich, mit dem Visa-Waver-Program am erleichterten Verfahren für die Einreise in die USA teilzunehmen.

Wohnen und Versorgen

Stadtplan von Khartum mit Zoomfunktion

In Khartum sind Miet- und Kaufangebote von europäischem Standard vergleichbaren Häusern oder Wohnungen in größerer Zahl vorhanden. Die Häuser sind meist freistehend mit Garten und Umzäunungsmauern. Es ist jedoch nicht leicht günstige Angebote zu finden. Die nicht unerheblichen Preissteigerungen der letzten Jahre betreffen auch den Wohnungsmarkt. Während Khartum laut einer Studie des US-amerikanischen Mercer-Instituts zu Lebenshaltungskosten für Ausländer im Jahr 2012 noch zur teuersten Stadt im arabischen Raum gekürt worden war, hatte sich das Preisgefüge für 2013 und 2014 vergleichsweise etwas entspannt, ist aber gerade für den Immobilienmarkt im Jahr 2015 und auch 2016 wieder stark angezogen.
Bei Ausländern beliebte Stadtteile sind vor allem Amarat und Khartum II. Die Wohngegend sollte wegen der immensen Verkehrsstaus während der Rushhour möglichst in der Nähe des Arbeitsplatzes liegen. Da Khartum kein ausgewiesenes Geschäftsviertel aufweist, ist dieses vergleichsweise leicht möglich.
Der Trend zu "Gated Communities" hat auch Khartum erreicht. Inzwischen gibt es im Stadtgebiet über zwanzig dieser abgeschlossenen Wohnquartiere.

Khartum rangiert im vom Mercer-Institut veröffentlichten Quality of Living Ranking, welches ein Gradmesser für Auslandstätige sein soll, traditionell auf den letzten Plätzen. Im Jahr 2017 lag Khartum hier auf Rang 227 von 231 gelisteten Städten, noch hinter Damaskus und auch hinter der Hauptstadt des westlichen Nachbarn, N'Djaména.

Wegen Schwankungen in der Stromspannung ist zum Schutz der eigenen elektronischen Geräte ein Stabilisator empfehlenswert. Ein eigener Generator hilft Stromausfälle zu überbrücken, die das gesamte Jahr über auftreten, in Dauer und Häufigkeit variieren und vor allem im Sommer mehrere Stunden andauern können. Während der Staub- und Sandstürme (Haboubs), die auch Khartum erreichen, wird der Strom vorsorglich gleich ganz abgestellt.
Der einzige Stromanbieter im Sudan ist die National Electricity Corporation (NEC), die die Stromabnahme in einem Prepaid-System anbietet.

Milchlieferant in Khartum
Milchlieferant in Khartum © Peter J. Bury (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Grundversorgung und die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist in Khartum kein Problem. Frisches Obst und Gemüse kauft man am besten auf den Märkten oder direkt von den Bauern, die an Straßenrändern ihre Ware anbieten. Der beste Ort zum Kauf von frischem Fisch ist der Murada-Fischmarkt in Omdurman. Importierte und lokale Lebensmittel werden in großen und kleinen Supermärkten angeboten. Die interessantesten Einkaufsmöglichkeiten bieten die großen Märkte der Städte, in Khartum vor allem der Souk von Omdurman. Freunde steriler Einkaufsatmosphäre finden inzwischen auch in Khartum, in Form von immer mehr Shopping-Malls zumeist arabischer Investoren, ein reiches und international sortiertes Betätigungsfeld. Hoffnungsvoll gestartet, droht infolge der andauernden schlechten Wirtschaftslage den meisten dieser Konsumtempel die Schließung.

Souk von Karima im Norden des Landes
Souk von Karima in Nubien © Mattnic (CC BY-NC-SA 2.0)

Kulinarisches

Tee nach einer Mahlzeit im Sudan
Starker und sehr süßer Tee gehört zum Abschluss einer guten sudanesischen Mahlzeit © Hamid Abdulsalam, UNAMID (CC BY-NC-ND 2.0)

Die sudanesische Küche ist gleichermaßen von afrikanischen und arabischen, hier vor allem ägyptischen Einflüssen bestimmt. Traditionell werden im Sudan die Mahlzeiten im "Tukul" zubereitet und getrennt nach Geschlechtern eingenommen. Wenn kein Besteck benutzt wird, dient Kisra (Fladenbrot) als Esswerkzeug. Mit kleinen Stücken werden die Speisen und Saucen, mit dem Daumen und zwei Fingern nur der rechten Hand, aufgenommen.
Eines der Nationalgerichte der Sudanesen ist Fuul, bestehend aus zerkochten und zerstampften Saubohnen (Ackerbohnen), Tomaten, Zwiebeln, zumeist Schafskäse, Erdnussöl (manchmal auch Sesamöl), Koriander und Kreuzkümmel, oft mit Zitronensaft. Regional unterschiedlich werden weitere Gemüse dazu gegeben. Ebenso beliebt ist Tamia, die sudanesische Falafel. Weitere Hauptgerichte sind Mulah, Fleisch- oder Gemüsetöpfe (z.B. mit Rijla, einem Spinat-ähnlichem Gemüse), zu denen meist Salate gereicht werden, auch z.B. mit Auberginen und Joghurt.
Entsprechend den finanziellen Möglichkeiten dienen Lamm- und Geflügelgerichte und auch der Nilbarsch als weitere Hauptgerichte.
Auch Suppen fehlen nicht auf dem sudanesischen Speiseplan. Die bekannteste ist Chawari, eine Suppe mit Beinscheibe vom Schaf oder Rind, mit Gemüse.
Eine große Rolle spielen in der sudanesischen Küche Erdnuss und Erdnussöl. Die Erdnuss wird im arabischen Raum auch als Ful sudani - Sudanesische Bohne - bezeichnet und kommt ebenso, z.B. bei den Erdnussmakronen, in den sudanesischen Desserts zum Einsatz.

Nach oder auch während der Mahlzeiten wird vorwiegend Wasser gereicht. Zum Abschluss einer guten Mahlzeit gehört starker arabischer Kaffee oder ebenso starker wie kräftig gesüßter schwarzer Tee (oft mit Zimt, Ingwer, Kardamom oder frischer Minze) oder Karkadeh, ein Tee aus getrockneten, möglichst dunklen Hibiskusblüten aus Kordofan und Darfur, der mit seinem säuerlich-fruchtigen Geschmack auch gerne kalt getrunken wird. Karkadeh wird, ebenso wie schwarzer Tee, auch oft von Frauen an Straßenständen verkauft. Zusammen mit Zalabya, einer Art arabischem Krapfen, der meist in Zuckersirup getaucht wird, ist ein sudanesisches Fast-Food-Frühstück perfekt.  

Tea Lady in Khartum
Tea Lady in Khartum © Carsten ten Brink (CC BY-NC-ND 2.0)

Neben den vielen Variationen frisch gepresster Säfte aus den populären Saftbars und den internationalen bekannten Softdrinks erfreuen sich auch Softdrinks heimischer Produktion großer Beliebtheit. Während des Ramadans werden vor allem süße und nahrhafte Getränke konsumiert, z.B. Hilumur, dessen Zubereitung aus Sorghum und 14 weiteren Zutaten sehr aufwendig ist und mehrere Tage in Anspruch nimmt.
Alkohol ist seit 1983 verboten. Wer bei Konsum, beliebt ist bei Sudanesen vor allem der Dattelschnaps Araqi, oder Verkauf von Alkohol erwischt wird, dem drohen drakonische Strafen. Der sudanesische Tourismusminister empfahl ausländischen Besuchern Kamelmilch anstelle von Alkohol zu trinken.
In Abwesenheit eines städtischen Nachtlebens stellt die leichte Lockerung in der restriktiven Lizenzvergabe an Shisha-Cafés einen kleinen Hoffnungsschimmer dar. Diese gelten in konservativen Kreisen jedoch als verpönt und waren zeitweilig gänzlich verboten, sehen doch die religiösen Tugendwächter hier einen moralisch verwerflichen Hort der möglichen Zusammenkunft beider Geschlechter.

Café am Nil in Khartum
Café am Nil in Khartum / © Nick Hobgood (CC BY-NC 2.0)

Wer auf der Suche nach traditioneller sudanesischer Küche ist, findet diese vor allem an Straßenständen. Da sich infolge der jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zahlreiche Flüchtlinge aus den Konfliktregionen des Landes in Khartum aufhalten und diese hier auch in der Eröffnung einer Straßenküche eine Einkommensquelle suchen, offenbart ein Streifzug durch die Straßenküchen der Hauptstadt ein abwechslungsreiches und verbindendes kulinarisches Erlebnis.
Während in Khartum Cafés und Restaurants mit internationalem Angebot vorhanden sind, sucht man gehobenere Restaurants mit sudanesischer Küche zumeist vergeblich. Nicht zuletzt aus diesem Grund und zur Werbung für die traditionelle sudanesische Küche, organisierte einer der führenden Lebensmittelhersteller im Sudan im Jahr 2015 das erste "Sudan Traditional Food Festival".

Die schon sprichwörtliche sudanesische Gastfreundschaft hat sich beim Service in Restaurants leider noch nicht überall herumgesprochen.

Empfehlenswert als Wegweiser durch die sudanesische Küche wäre das kleine Buch im Hosentaschenformat "SUDANESISCH KOCHEN mit Amal Gourashi Kok", inzwischen in der 3. überarbeiteten Auflage von 2012. Anfang 2014 ist dieses auch auf Englisch erschienen.

Geld und Geldtransfer

Die Münzen im Sudan
Die Münzen im Sudan. Auch die 1 Pfund-Note wird durch eine Münze ersetzt © Hayko (CC BY-SA 3.0)

Die größeren sudanesischen Banken in Khartum, zum Beispiel die Zentralbank des Sudan und die Bank of Khartoum, wechseln problemlos Euro, britisches Pfund und US-Dollar in sudanesische Pfundnoten. Die Deviseneinfuhr ist in unbeschränkter Höhe möglich und muss nach den neuen Devisenbestimmungen auch nicht deklariert werden.
Außerhalb von Khartum sollte sich der Reisende eher auf US-Dollar verlassen. Wechselmöglichkeiten bestehen auch in privaten Wechselbüros, wobei sich die Wechselkurse nicht wesentlich von denen der Banken unterscheiden. Die Öffnungszeiten der Banken sind Sa - Do 8.00 - 14.00 Uhr, die Wechselstuben bieten allerdings längere Öffnungszeiten. Für den Wechsel von Sudanesischen Pfund in Euro oder US-Dollar muss der Nachweis erbracht werden, dass man das Land verlässt, in der Regel durch Vorlage des Flugtickets.
Internationale Kreditkarten werden wegen der US-amerikanischen Wirtschaftssanktionen, mit nur einzelnen Ausnahmen z.B. von Firmen, die die Möglichkeit haben, Dienstleistungen über ein Partnerunternehmen im Ausland abzurechnen, nicht akzeptiert. Die wenigen Geldautomaten funktionieren nur mit sudanesischen Bankkarten. Für einen längeren Aufenthalt empfiehlt es sich ohnehin ein Bankkonto zu eröffnen. Eine Überweisung aus Europa dauert bis zu sieben Tage.

Reisen und Verkehr

Motorikscha in Khartum
Motorikscha in Khartum © David Stanley (CC BY 2.0)
Blick auf das Verkehrschaos in Khartum
Verkehrschaos in Khartum © Scuba Beer (CC BY-SA 2.0)

Hohes Verkehrsaufkommen zur Hauptverkehrszeit und schmale Straßen machen den Verkehr und Transport in Khartum mit dem eigenen Auto, Taxi oder Bus zu einem Geduldspiel. Die Hauptstadt, die auch für den hier lebenden Ausländer ein durchaus oft abwechslungsreiches kulturelles Angebot aufweist, ist diesem unkontrollierten Verkehrschaos kaum gewachsen.
Ein sehr günstiges Verkehrsmittel stellt die Heerschar von aus Indien importierten Motorikschas dar. Wie auch bei den Taxis muss hier der Fahrpreis vor Fahrtantritt ausgehandelt werden. Sowohl ein Zustieg in teureren Wohngegenden, wie z.B. Amarat, als auch die Fahrt als Ausländer, verursacht oftmals einen höheren Fahrpreis. Entscheidende Nachteile der z.T. recht aufwendig gestalteten Motorikschas sind deren Verkehrsunsicherheit und dass diese weder das Stadtzentrum noch die Nilbrücken befahren dürfen. Neben den in allen größeren Städten des Landes verkehrenden Minibussen, im Sudan "Amjads" genannt, hat Khartum ein preisgünstiges Bussystem, dessen Nutzung sich Ausländern jedoch nur schwer erschließt. Bei einem Kurzaufenthalt empfehlen die Ausmaße Khartums daher zur Erkundung der Straßen sich auf nah beieinander liegende Sehenswürdigkeiten der Stadt zu beschränken.

Ziele außerhalb Khartums erreicht der Reisende mit Zeit und Geduld per Bahn oder Bus. Bei der Bahn ist momentan nur die Strecke Khartum-Wadi Halfa empfehlenswert, die jedoch nur zwei Mal im Monat bedient wird und für die drei Tage oder länger eingeplant werden müssen. Flugzeuge fliegen regelmäßig von Khartum in weit entfernte Ziele des Landes. Reisende, die das Land und die Altertümer im Sudan, vor allem die zum Weltkulturerbe gehörenden Pyramiden von Meroe, näher kennen lernen möchten, treffen trotz eines Modernisierungsschubs in den letzten Jahren noch auf eine rudimentäre touristische Infrastruktur, vor allem bei Individualreisen. Die Anzahl der Touristen steigt in den letzten Jahren stetig, ist aber immer noch gering.
Einen kleinen Aufschwung erhofft sich der Tourismus im Sudan durch die Entscheidung der UNESCO vom Juli 2016 die Meeresnationalparks Sanganeb und Dungonab Bay/Mukkawar Island in die Liste des Weltnaturerbes aufzunehmen, was einen nicht unerheblichen Werbeeffekt zur Steigerung des Bekanntheitsgrades der sudanesischen Tauchgebiete im Roten Meer darstellt. Weitere lohnenswerte Ausflugsziele sind neben den Pyramiden im Norden des Landes auch der Dinder-Nationalpark (Video) an der Grenze zu Äthiopien und das im Osten des Landes liegende Kassala, mit der an den Taka-Bergen gelegenen Khatmiyah-Moschee.

Lord Hotel in Dongola
Das Lord Hotel in Dongola bietet günstige, aber sehr einfache Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe einiger archäologischer Sehenswürdigkeiten in Nubien / © David Stanley (CC BY 2.0)
Römischer Kiosk in Naga
Römischer Kiosk in Naga / © Ellen Ismail

Mit Kindern im Sudan

Sudanesen sind sehr kinderlieb und über ihre Kinder können die Eltern erste Kontakte herstellen. Kindergärten sind ausreichend vorhanden und auch den internationalen Schulen angegliedertTipps für Nannys und auch für Hauspersonal, denen die Kinderbetreuung überlassen wird, sollten sich von ortsansässigen Kollegen und Bekannten gegeben werden lassen.

Die internationalen Schulen des Landes sind die Khartoum International Community School, die Khartoum American School und die Unity Highschool in Khartum.

Strand des Blauen Nils von Tuti Island
Der Strand des Blauen Nils von Tuti Island im Herzen von Khartum als beliebtes Ausflugsziel für Familien am Wochenende / © David Stanley (CC BY 2.0)

Sicherheit

Warnhinweis auf Landminen im Grenzgebiet Sudan/Südsudan
Warnhinweis auf Landminen im Grenzgebiet Sudan/Südsudan © UN Photo (CC BY-NC-ND 2.0)

Bei Reisen in den Sudan sollten die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts und auch z.B. die der britischen Regierung beachtet werden. Es wird vor allem vor Reisen in die Regionen der aktuellen Konfliktgebiete Darfur, Abyei, Blue Nile und Südkordofan gewarnt. Im Dinder-Nationalpark ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit einer islamistischen Gruppe gekommen.
Im Kassala State und den angrenzenden Gebieten der anderen östlichen Bundesstaaten sowie durch die lang anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen im Süden des Landes, gehen Gefahren von Landminen aus. In den aktuellen Konfliktgebieten Darfur, Blue Nile und Südkordofan ist an eine Minenräumung noch nicht zu denken.
Politische Entscheidungen der Regierung, wie z.B. zum Subventionsabbau, lösen Proteste der Bevölkerung aus, die oft gewaltsam niedergeschlagen werden.

Weiter sollten die Empfehlungen der deutschen Botschaft in Khartum im Rahmen der Krisenvorsorge beachtet werden. So sollten sich Deutsche, die sich auch nur vorübergehend im Land aufhalten, in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes in der deutschen Botschaft eintragen lassen. Hierzu kann man sich online registrieren lassen.
Auch das österreichische Außenministerium empfiehlt Österreichern bei Aufenthalten im Sudan die Möglichkeit der Reiseregistrierung.

Schwerwiegende Überfälle auf Ausländer sind sehr selten. Bei Bedrohung sollte sich der Fremde direkt an Sudanesen wenden und um Hilfe bitten. In der traditionellen sudanesischen Kultur steht dem Gast Schutz zu und der wird ihm auch angeboten. Khartum gilt nach der Kriminalitätsrate im afrikanischen Vergleich als eine der sichersten Hauptstädte, auch wenn die Kriminalität (insbesondere Einbrüche in Autos), laut Auswärtigem Amt, in der letzten Zeit zugenommen hat.

Die größte Gefahr für Leib und Leben geht im Sudan vom Straßenverkehr aus. Die vielerorts mangelhaften Straßenzustände und der rasante Anstieg des Verkehrsaufkommens verursachen eine der weltweit höchsten Raten an Verkehrstoten. Im Sudan liegt die Wahrscheinlichkeit bei einem Verkehrsunfall zu sterben, pro Kfz zwölfmal höher als in westlichen Ländern.

Gesund bleiben

Vor einem Aufenthalt im Sudan sollte die Beratung durch einen Tropenmediziner stehen. Von sudanesischer Seite ist eine Gelbfieberimpfung für alle Reisenden, die aus Gelbfieber-Infektionsgebieten kommen, vorgeschrieben. Unabhängig von den Vorschriften des Landes empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausdrücklich die Gelbfieberimpfung für alle Infektionsgebiete, d.h. für den Sudan für alle Aufenthalte südlich des 12. Breitengrades, nicht für ausschließliche Aufenthalte in Khartum und der Sahara. Zuletzt sind Gelbfiebererkrankungen vor allem in West- und Südkordofan erheblich angestiegen.

Neben den Standard-Impfungen (mit Tetanus, Diphtherie etc.) sollte auch der weitergehende Impfschutz überprüft werden. In manchen Regionen des Landes sind Masern ein Problem, zuletzt gehäuft in Kordofan und auch Fälle von Kinderlähmung wurden in den vergangenen Jahren immer wieder gemeldet. Für Malaria gilt in den zentralen und südlichen Landesteilen ganzjährig ein hohes Ansteckungsrisiko, vor allem in der Regenzeit von April bis November. Während Khartum und Port Sudan als malariafrei gelten, besteht für den Norden ein geringes Risiko.
Zur weitgehenden Vermeidung von Durchfallerkrankungen und schwereren Infektionskrankheiten hat sich für den Umgang mit Lebensmitteln immer noch die Regel "cook it, peel it or forget it" bewährt.

Aktuelle Impfempfehlungen und Gesundheitstipps für den Sudan bieten der Reisemedizinische Infoservice und die medizinischen Hinweise des Auswärtigen Amts.
Während in weiten Teilen des Landes die medizinische Versorgung sehr problematisch ist, bietet Khartum z.T. recht gut ausgestattete Krankenhäuser und Fachärzte, auch zur medizinischen Versorgung von Kindern.

Telefon, Internet und Post

Öffentliche Telefonzellen von SUDATEL in Sabaloka © Arne Hoel/World Bank (CC BY-NC-ND 2.0)

Festnetzanschlüsse sind im Sudan nicht sehr verbreitet und konzentrieren sich vor allem auf Khartum, längst sind nicht alle Städte an das Festnetz angeschlossen. Landesweit existieren weniger als eine halbe Million Festnetzanschlüsse und der Festnetzmarkt verzeichnet, nach nur geringen Zuwachsraten in den letzten Jahren, aktuell einen Einbruch. Die beiden einzigen Anbieter sind Thabit, die Festnetzsparte der 2002 teilprivatisierten SUDATEL und seit 2006 Canartel (Haupteigner ist seit dem Sommer 2016 die Bank of Khartum, die als damaliger Juniorpartner von ihrem Vorkaufsrecht gebraucht machte und einen Verkauf an die Zain-Group aus Kuwait verhinderte).
Öffentlich kann in den Städten von den grünen Telefonzellen von SUDATEL oder von vielen privaten kleinen Telefonläden aus telefoniert werden.

Wie in anderen afrikanischen Ländern auch, boomt dagegen der Mobilfunkmarkt. Für das Jahr 2016 wurde geschätzt, dass 77 % der Bevölkerung Mobilfunk nutzt. Durch den Mobilfunk werden inzwischen über 80 % des Landes abgedeckt. Die größten Anbieter sind Marktführer Zain Sudan (zugehörig zur Zain-Gruppe aus Kuwait), MTN (Südafrika) und Sudani, die Mobilfunksparte von SUDATEL.
Auch für einen kürzeren Aufenthalt empfiehlt sich der Kauf einer sudanesischen SIM-Karte (für ca. drei sudanesische Pfund erhältlich) und diese entsprechend aufzuladen, da die Roaming-Gebühren im Sudan vergleichsweise hoch sind.

Die Internetnutzung im Sudan ist stark auf dem Vormarsch. Es wurde für das Jahr 2016 geschätzt, dass 32 % der Bevölkerung zu den Internetnutzern zählt, was im regionalen Vergleich ein hoher Wert ist (vgl. Grafik unten).
Die Nutzung konzentriert sich in Folge meist fehlender Festnetzanschlüsse zu ca. 95 % auf Khartum und ist ansonsten auf die starke Nutzung von mobilem Internet zurückzuführen. Im Vergleich mit den anderen arabischen Staaten weist der Sudan den mit großem Abstand höchsten Anteil von mobiler Internetnutzung gegenüber der Festnetznutzung auf. Die Hauptprovider sind Canartel, Sudani, MTN und Zain. Außerhalb Khartums sind nur in den weiteren größeren Städten Internetcafés zu finden. Die Verbindungsgeschwindigkeit variiert stark, macht Downloads z.T. zum Martyrium und Internettelefonie oft vergleichbar mit einem Funkerlebnis.
Bei den letzten Unruhen in Khartum im September 2013 hat die Regierung mutmaßlich das Internet landesweit vorübergehend gleich ganz gekappt, wohl um die Kommunikation während der Demonstrationen zu stören. Zusätzlich erschweren die US-amerikanischen Sanktionen die Internetnutzung. Internetseiten, die nach Ansicht der Regierung die öffentliche Moral gefährden könnten, werden gefiltert.

Nachdem sich das sudanesische Postwesen früher durch gravierende Unzuverlässigkeiten wie verschwundene Auslandssendungen oder Zustellungen mit wochenlanger Verspätung auszeichnete, haben sich diese Zustände in den letzten Jahren erheblich verbessert. Sendungen nach Europa dauern inzwischen nur noch eine Woche. Problemlos und ohne weitere Gebühren können Sendungen in den Sudan postlagernd an das Hauptpostamt in Khartum verschickt werden. Dazu sind die Angabe des Empfängers und der Zusatz "c/o Poste Restante, Main Post Office, Khartoum, Sudan" erforderlich.

Briefkästen vor dem Hauptpostamt in Khartum
Briefkästen vor dem Hauptpostamt in Khartum / © David Stanley (CC BY 2.0)

Nützliche Adressen und Tipps

Die Botschaften

Deutsche Botschaft in Khartum
Khartum Riverside Apartment C7, Plot 12/13, Bahri
Helat Hamad Kafouri Estate, Khartum
Erreichbarkeit per Telefon
oder per E-Mail

Botschaft des Sudan in Berlin
Kurfürstendamm 151
10709 Berlin
Telefon: 030 8906981
Fax: 030 89069823
oder per E-Mail

Khartum - wichtige Telefonnummern

Khartum Polizei 24h: 999
Khartum Feuerwehr 24h: 998
Khartum Krankenhaus (0)183 789 555
Khartum International Airport
Abflug (1)83 777 162 000 - Ankunft: (1)83 780 370

Feiertage

Der wöchentliche Ruhetag ist der Freitag. Neben den offiziellen Feiertagen des Landes gibt es zahlreiche inoffizielle Festtage, an denen die Geschäftstätigkeit ebenfalls ruht.

Sprache

Sowohl die Kenntnis der arabischen Begrüßungsformen, eines Basiswortschatzes als auch Grundkenntnisse des Smalltalks in Sudanesisch-Arabisch, z.B. mit Vorstellung und Verabschiedung,  zeigen Respekt gegenüber den Angehörigen des Gastlandes und sind oftmals als Türöffner hilfreich.

Literaturtipps

  • Der brauchbarste Reiseführer zum Sudan, mit einigen auch online einsehbaren Informationen, ist in seiner dritten Auflage zuletzt im Jahr 2012 unter den "Bradt Travel Guides" erschienen.
  • Eine ausgezeichnete Einführung u.a. zur Geschichte und Politik der beiden sudanesischen Staaten und ihrer Grenzregionen bietet das Rift Valley Institute mit "The Sudan Handbook" (2011), dessen Volltext im Kapitel "Überblick" dieses Länderinformationsportals zum kostenlosen Download angeboten wird.
  • In einer sehr lesenswerten Dokumentation der modernen Geschichte des Sudan erinnert W. J. Berridge nach der Welle des Arabischen Frühlings in seinem 2015 erschienenen Buch "Civil uprisings in modern Sudan: The 'Khartoum Springs' of 1964 and 1985" daran, dass sich die Sudanesen schon zweimal in ihrer jüngeren Geschichte durch gewaltlosen Aufstand ihrer Diktatoren entledigt haben.
  • Eine faszinierende und über mehrere Jahre aufwendig fotografisch dokumentierte Reise durch den Sudan mit seiner ethnischen und kulturellen Vielfalt und ein berührendes Porträt des Landes, bietet "Sand in my Eyes - Sudanese Moments" (2014) von Enikö Nagy, die für den DED und die UNESCO im Sudan gearbeitet hat.
  • Aufschlüsse über die sudanesische Kultur und Ratschläge zum Verhalten finden Sie in deutscher Sprache von der Ethnologin Ellen Ismail in "Sudan und Südsudan - Menschen und Kultur" (1. Auflage 2015).
  • Ein neues Wörterbuch zu Sudanesisch-Arabisch ist 2013 in der Reihe SIL International Publications in Linguistics erschienen.
  • Ein Lehrbuch zu Bedawi, der Sprache der im Nordosten des Landes lebenden Beja, ist 2008 erschienen und im Volltext online abrufbar.
  • Eine Fundgrube von historischen und zeitgenössischen Artikeln und Büchern zum Sudan im Volltext stellt die Datenbank Sudan Open Archive dar.
  • Eine umfassende Zusammenstellung von Literatur auch zum Sudan bietet das Project MUSE der John Hopkins University in Baltimore.
  • Ein umfassendes Zeugnis der reichhaltigen sudanesisch-arabischen oralen Tradition bieten Muna Zaki und Edmund Wyatt mit übersetzten und erläuterten Sprichwörtern in ihrem Buch "Sudanese Proverbs".

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Oktober 2017 aktualisiert.

Der Autor

Alexander Ohle studierte Geographie, Politische Wissenschaft und Entwicklungssoziologie und arbeitet seit 1993 in der Entwicklungszusammenarbeit. Für die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ ist er tätig als Trainer in der Lernberatung, arbeitet für das Medien- und Informationszentrum und war Regionaltutor für die Region Afrika südlich der Sahara.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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