Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan, Khartum / © Albert González Farran - UNAMID (CC BY-NC-ND 2.0)
Alphabetisierte Erwachsene
76 % (geschätzt, 2015)
Bedeutende Religionen
Islam (Sunni) ca. 90 %, Christentum ca. 5,4 %
Städtische Bevölkerung
34 % (2015)
Lebenserwartung (w/m)
66 / 62 Jahre (geschätzt, 2016)
Gender Inequality Index
Rang 140 von 159 (2015)
Anzahl der Geburten
3,57 / Frau (geschätzt, 2017)
Kindersterblichkeit
50 / 1000 Lebendgeburten (geschätzt, 2016)

Bevölkerungsentwicklung

Kinder in Khartum
Kinder in Khartum © Azani Manaf (CC BY-NC-ND 2.0)

Volkszählung von 2008

Erstmalig seit der Unabhängigkeit des Sudan 1956 wurde im April 2008 eine Volkszählung durchgeführt, die die Bevölkerung des ehemaligen gesamten Sudan einbezog. Bis dahin hat es mehrere Zählungen gegeben, die letzte 1993, jedoch blieb immer die Konfliktregion des Südsudan unberücksichtigt. Die internationale Gebergemeinschaft, vor allem der Bevölkerungsfonds der UN, waren maßgeblich an der Finanzierung und Vorbereitung des Zensus beteiligt. Das Resultat des 5th Population and Housing Census, welches im Mai 2009 veröffentlicht wurde, ergab eine Gesamtbevölkerung von 39,15 Mio., davon entfielen 8,26 Mio. auf den Südsudan. Mit den Ergebnissen wurde, gemäß dem Friedensabkommen, ein Wahlregister für die 2010 durchgeführten Wahlen erstellt. Die umstrittenen Resultate waren maßgebend sowohl für die Aufteilung der politischen Macht durch die Festlegung der Anzahl und Abgrenzung der Wahlkörperschaften als auch vor allem der ökonomischen Ressourcen. Schon vor Beginn der Volkszählung entwickelte sich diese dadurch zum Politikum. Der gesamte Zensus war durch heftige Auseinandersetzungen bis zu Manipulationsvorwürfen und Boykottaufrufen geprägt. Im Zentrum der Kritik stand die sehr kurzfristige Löschung der Fragen nach ethnischer und religiöser Zugehörigkeit in den Befragungsbögen auf Druck der dominanten Koalitionspartei NCP durch die sudanesische Präsidentschaft, die in den Vorbereitungen zum Zensus schon festgeschrieben waren. Im Zensus wurde nun lediglich erfasst in welchem Teilstaat eine Person geboren wurde. Weitere Kritikpunkte waren vor allem die Verwendung der oftmals nicht zu den jeweiligen Bevölkerungsgruppen passenden Sprache der Befragungsbögen und die Durchführung des Zensus in der Regenzeit des Südens, was zu großen logistischen Problemen führte. Noch vor der Veröffentlichung der Resultate kündigte die südsudanesische Regierung an die Ergebnisse nicht anerkennen zu wollen wenn nicht der von ihr erwartete Bevölkerungsanteil des Südsudan von einem Drittel der Gesamtbevölkerung erreicht würde. Laut der Zählung lebten damals 21% der Sudanesen im Südsudan.

Als besonders heikel erwies sich die Durchführung des Zensus in der Konfliktregion Darfur. Sowohl die Rebellengruppen wie die Justice and Equality Movement (JEM) als auch die Binnenflüchtlinge in den Flüchtlingslagern boykottierten den Zensus. Eine Volkszählung könne nur stattfinden wenn Frieden im Land herrsche. Dieses erklärt warum nach den Ergebnissen des Zensus z.B. die Bevölkerung in Westdarfur seit 1993 angeblich um 200.000 abgenommen haben soll. Internationale Hilfsorganisationen schätzten, dass lediglich 60% der Bevölkerung teilgenommen hätten. Auch das Ergebnis für den Anteil der nomadischen Bevölkerung war von Manipulationsvorwürfen begleitet. Diese sei im gleichen Zeitraum angeblich um 324% gestiegen.
Die Konflikte in Darfur und im Südsudan (auch für den Sudan in seinen heutigen Grenzen) verursachten starke Bevölkerungsverluste.

Die nächste Volkszählung ist für den April 2018 geplant. Neben den Sudanesen soll der Zensus auch alle im Sudan wohnhaften Ausländer umfassen.

Demographische Daten

Karte der Bevölkerungsverteilung
Bevölkerungsverteilung im Rastergitter © SASI Group, University of Sheffield and Mark Newman, University of Michigan (CC BY-NC-ND 3.0)
Altersstruktur der Bevölkerung 2016
Altersstruktur der Bevölkerung 2016 © CIA World Factbook (Public Domain)

Die Ergebnisse der Volkszählung von 2008 können, zumindest in größeren Teilbereichen, nur unter größeren Vorbehalten angesehen werden. Die damals gezählte Gesamtbevölkerung von 39,12 Mio. Menschen wurde schon in 2011 auf über 45 Mio. geschätzt (Berechnungen des World Factbooks der CIA). Für den jetzigen Sudan wird für 2017 eine Einwohnerzahl von ca. 37,3 Mio. Menschen geschätzt. Die sehr junge Bevölkerung wächst mit 1,6 % pro Jahr (geschätzt für 2017). Noch 2011 hatte der Sudan eine der höchsten Zuwachsraten der Welt (2,48 %). Weit über ein Drittel der Bevölkerung ist zwischen 0-14 Jahre alt (38,7 %). Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 19,6 Jahre und die Lebenserwartung zeigt 64,1 Jahre, nur 3,3 % sind über 65 Jahre. Die Geburtenrate hat in den letzten Jahren abgenommen: nach zuletzt 36 Geburten auf je 1000 Einwohner (2009) beträgt diese aktuell nur noch 28 Geburten. Die Sterberaten von Müttern und Säuglingen nehmen nach einem Höchststand in 2007 kontinuierlich ab, sind aber immer noch hoch. Von 1000 lebend geborenen Kindern starben im Jahr 2016 noch 50 in den ersten Lebensjahren. Eine sudanesische Frau bekommt im Durchschnitt 3,57 Kinder (alle Angaben Schätzungen des CIA World Factbooks zu den Jahren 2016/2017).

Ethnizität und Sprachen

Nuba mit Körperbemalung
Nuba mit Körperbemalung © Rita Willaert (CC BY-SA 2.0)

Der Sudan ist ein Vielvölkerstaat mit etwa fünfzehn größeren Ethnien, ihren mehreren hundert Untergruppen und kleineren Ethnien. Durch die Vielzahl von Konflikten und daraus resultierenden Vertreibungen variieren die Informationen und Statistiken zur ethnischen Gliederung des Landes. Auch die Volkszählung von 2008 konnte dazu, aus den o.g. Gründen, keine Informationen liefern. Dabei ist der für die Bevölkerungsgruppen des Sudan verbreitet genutzte Begriff "Araber" keine ethnische Bezeichnung sondern eher ein Sammelbegriff für die Bevölkerungsteile mit gleichem sprachlich/kulturellen Hintergrund. Im eigenen Selbstverständnis würden sich nur wenige Sudanesen als Araber bezeichnen. Etwa 70 % der Bevölkerung wird zum arabisch-islamischen Bevölkerungsteil gezählt. Größere arabische Gruppen wie z.B. die Ja'aliyin und die Shayqiya, traditionell Bauern und Viehzüchter, stellen zumeist auch die politische und wirtschaftliche Bildungselite der nordsudanesischen Gesellschaft. Größtenteils als Kamel- und Rindernomaden leben die Kababish in Nord-Kordofan und die Baggara im östlichen Darfur und Süd-Kordofan. Immer wieder zu schweren Ausschreitungen führt der Konflikt zwischen den zu den nomadischen Baggara gehörenden Misseriye aus dem Süden Kordofans, die ihre Herden traditionell in die zwischen dem Sudan und Südsudan umstrittene Region Abyei treiben und den hier ansässigen Ngok-Dinka. Zu den bekanntesten nichtarabischen Gruppen des Sudan gehören z.B. die beiderseits der ägyptisch-sudanesischen Grenze am Nil lebenden Nubier und die Volksgruppen Darfurs, darunter die Zaghawa, deren ökologisch bedingte Abwanderung aus Norddarfur u.a. als einer der Gründe des Darfur-Konflikts angesehen wird und die vornehmlich Hirseanbau betreibenden Fur, die der Region den Namen gaben (Dar Fur - Land der Fur), sowie die im ariden Ostsudan am Roten Meer als Kamelnomaden lebenden Beja

Die größeren Ethnien sind oft in Untergruppen gegliedert, die fast alle über eine eigene Sprache verfügen. Amtssprachen im Sudan sind Arabisch und Englisch. Die Festlegung auf Arabisch dokumentiert den politischen Willen der Machthaber Teil der arabischen Welt zu sein. Sudanesisches Arabisch wird, neben ihrer Muttersprache, von der Mehrzahl der Sudanesen als Lingua franca gesprochen, wenn auch z.T. sehr vereinfacht.
Der Umstand, dass auch Englisch als offizielle Amtssprache fungiert, ist auf die Vereinbarungen des Friedensabkommens mit dem damaligen südlichen Landesteil aus dem Jahr 2005 zurückzuführen. Da es der Sudan immer noch nicht geschafft hat, sich nach der Abspaltung des Südsudan eine neue Verfassung zu geben, gilt daher die Interimsverfassung von 2005. Gesprochen wird Englisch nur von einem geringen Teil der Bevölkerung, entweder von älteren Menschen, die Englisch noch vor der Arabisierung unter Numeiri in der Schule gelernt haben oder inzwischen von der weltoffenen Jugend.
Nach der Verfassung können untere administrative Ebenen per Gesetzgebung, ergänzend zu Arabisch, andere Nationalsprachen als zusätzliche amtliche Arbeitssprache auf ihrer Ebene anerkennen. 

Es wurden etwa 75 lebende Sprachen und eine Vielzahl von Dialekten dokumentiert. Ein Beispiel für die Vielzahl der Sprachen stellt die Bevölkerungsgruppe der Nuba in den Nuba-Bergen dar, die keine einheitliche ethnische Gruppe darstellt. Die Hauptsprachen im Westen sind Fur und Haussa, und im Nordosten Bedawi.

Frauen und Geschlechterverhältnis

Frauengruppe beim Besuch des beliebten Ausflugszieles Tuti Island in Khartum
Frauengruppe beim Besuch des beliebten Ausflugszieles Tuti Island in Khartum / © David Stanley (CC BY 2.0)
Frau der Beja aus dem Nordosten des Sudan
Frau der Beja aus dem Nordosten des Sudan
© SOS Sahel UK (CC BY-NC-ND 2.0)
Frau der Nuba aus Südkordofan
Frau der Nuba aus Südkordofan
© Rita Willaert (CC BY 2.0)

Die Situation der Frauen im Sudan ist durch starke Restriktionen gekennzeichnet. So wird ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sowohl durch kulturell bedingte traditionelle Strukturen als auch, seit der Machtergreifung durch Omar Al-Bashir im Jahr 1989, durch eine sehr strenge Interpretation des Islam und sich daraus ergebende Vorschriften und Verhaltensregeln erheblich erschwert.
Bekleidungsvorschriften wie z.B. die Verwendung einer Kopfbedeckung oder das Verbot, Hosen zu tragen, deren Einhaltung von der Religionspolizei überwacht wird und regelmäßig mit drakonischen Bestrafungen wie auch durch Auspeitschen verfolgt wird, bestimmen den Frauenalltag.

Weiter sind für Frauen vor allem die Reisefreiheit und das Recht auf Arbeit, laut Weltbank stellen Frauen im Sudan nur 13,6 % der Vollzeitbeschäftigten sowie der Besitz von Land beschnitten. Diese stark eingeschränkten Rechte für Frauen zeigen sich auch im schlechten Abschneiden des Landes im Vergleich der Geschlechtergleichheit auf regionaler oder kontinentaler Ebene wie auch weltweit.

Frauen sind in der sudanesischen Politik vergleichsweise überdurchschnittlich repräsentiert. Dieses ist im Wesentlichen einer Frauenquote zu verdanken, die für die sudanesische Nationalversammlung einen Anteil von 25 % vorschreibt. Frauen werden dazu über eine separate Liste gewählt. Bei den letzten Wahlen des Jahres 2015 konnte der Frauenanteil unter den Abgeordneten auf über 30 % erhöht werden. Damit liegt der parlamentarische Frauenanteil im Sudan über dem mancher westeuropäischer Länder. Die Arbeit des hohen Frauenanteils unter den Volksvertretern macht sich jedoch nur wenig bei einer Verbesserung der Frauenrechte im Land bemerkbar. So ist z.B. nach muslimischer Gesetzgebung auch die Verheiratung von Mädchen weiterhin nach richterlichem Beschluss ab dem 10. Lebensjahr erlaubt, was das niedrigste Heiratsalter in ganz Afrika ist. Diese Frühehen verschärfen die Problematik der Gesundheitsgefährdung durch Geburtsfisteln mit einhergehender Inkontinenz und führen auch zu einem verkürzten Bildungsweg. Im Sudan werden ein Drittel der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag und 7 % vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Auch ist der leichte Rückgang der flächendeckend verbreiteten weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) nicht auf politische Entscheidungen, sondern nur der Duldung der Arbeit von starken zivilgesellschaftlichen Frauenbewegungen mit internationaler Unterstützung zu verdanken. Versuche ein Verbot von FGM im nationalen Parlament zu beschließen, sind im Jahr 2009 gescheitert. Gelungen ist dieses in einigen Regionalparlamenten, z.B. im Red Sea State. Das Gesetz wird hier jedoch nicht angewendet und muss als Papiertiger bezeichnet werden. Der Sudan gehört zu den Ländern mit einer der höchsten Prävalenzen von FGM: fast 90 % der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren wurden beschnitten.

Einen neuen Ansatz zur Einflussnahme auf traditionelle Einstellungen untersucht im Sudan ein Forschungsprojekt der Universität Zürich, in dem in unterhaltsamen Spielfilmen die weibliche Genitalbeschneidung eher als Nebenhandlung thematisiert wird.

Soap Opera gegen Mädchenbeschneidung im Sudan
Audio-Beitrag des SRF, 15.10.2016 (05:34 min.)


Der Sudan ist eines der nur sechs UN-Mitglieder, dessen Parlamente das "Übereinkommen zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frau" (CEDAW) nicht ratifiziert haben. Ebenso steht weiter die Ratifizierung des vom Sudan 2008 unterschriebenen "Protocol on the Rights of Women in Africa" aus. Versuche im sudanesischen Parlament die Frauenrechte zu stärken, werden von radikalen Strömungen vehement bekämpft.

Frauen bei der Vorbereitung einer Mahlzeit in Norddarfur
Frauen bei der Vorbereitung einer Mahlzeit in Norddarfur
© Albert Gonzáles Farran (CC BY-NC-ND 2.0)
Kampagne zum Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung
Kampagne zum Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung
© Albert Gonzáles Farran (CC BY-NC-ND 2.0)

Bildung

Schule in Kakbabiya  © UNAMID Photo (CC BY-NC-ND 2.0)
Schule in Kakbabiya © UNAMID Photo (CC BY-NC-ND 2.0)

Dem arabisierten Norden, der vom Islam geprägt ist, steht der Süden gegenüber, in dem traditionelle afrikanische Religionen und das Christentum vorherrschen, das im 19. und 20. Jahrhundert auf die Tätigkeit amerikanischer und europäischer Missionare zurückgeht. Im Südsudan wurden daher hauptsächlich Schulen eröffnet, die von Missionaren geleitet wurden. Im Norden befassten sich überwiegend Koranschulen und Regierungsschulen mit der formellen Bildung der Bevölkerung. Viele Gründe für die heutigen politischen und soziologischen Probleme des Landes haben dort ihren Ursprung.

Die ersten Jahre nach der Unabhängigkeit war der Sudan für sein hohes Bildungsniveau bekannt. Noch bis in die Mitte der achtziger Jahre wurde im Norden die Anzahl der Bildungseinrichtungen ausgebaut. Für die Abschlussprüfungen der University of Khartoum kamen external examiners der University of London nach Khartum. Doch schon Ende der 70er-Jahre begann das Bildungsniveau zu sinken, Gründe waren die Verschlechterung der politischen und wirtschaftlichen Lage und im Süden und den Nuba-Bergen, vor allem durch die internen kriegerischen Konflikte. Lehrer und Dozenten wurden schlecht bezahlt und ein Brain-Drain in die Petrodollar-Staaten, Europa, USA und Kanada begann. Heute wird der Anteil der alphabetisierten Bevölkerung auf ca. 71 % geschätzt, wobei der Anteil der alphabetisierten Frauen deutlich darunter liegt.

Schulen, Berufsschulen

Genaue Statistiken sind nicht erhältlich. Die UN spricht davon, dass weniger als 30 % der Kinder im Grundschulalter (6-13) die Schule besuchen. Das Ministry of Education in Khartoum spricht von 54 % Grundschülern. Sicher ist, dass ein starker regionaler Unterschied besteht. Zum Beispiel besuchen 78% der Kinder in Khartum die Grundschule, während es in der Provinz Darfur nur etwa 26 % sind. Im Südsudan sind etwa 85 % der Kinder Analphabeten. Außerdem sind Mädchen auch weiterhin im Nachteil.

Grundschulen sind in fast allen Teilen des Landes vertreten. Da sie nicht in jedem Dorf vorhanden sind, können Kinder der Landbevölkerung sie nicht immer erreichen. Kilometerlange Schulwege zweimal am Tag können kleine Kinder kaum bewältigen. Besonders Mädchen ist es nach einem bestimmten Alter (etwa 12 Jahre) kaum möglich, eine weiterbildende Schule zu besuchen. Nach der Geschlechtsreife dürfen muslimische Mädchen das Haus nicht ohne Begleitung verlassen.

In der Hauptstadt existieren einige Berufsschulen, z.B. das Technical and Teachers Training College.

Hochschulen

Bibliothek der Universität von Khartum © Book Aid International (CC BY-NC-ND 2.0)
Bibliothek der Universität von Khartum
© Book Aid International (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Zahl der Universitäten und Hochschulen hat in den letzten Jahren zugenommen. Es bestehen 11 maßgebende Hochschulen. Der Bildungsstand entspricht aber nicht dem westlichen Niveau und den westlichen Anforderungen für eine Studienlaufbahn. Dem Lehrpersonal fehlt es nicht selten an qualifizierter Ausbildung und Unterrichtsmaterial.

Wohlhabende Eltern senden ihre Kinder auf Privatschulen und Privatuniversitäten. Ein gutes Beispiel, wie und was eine empfehlenswerte Privatuniversität lehrt, ist die einzige Frauenuniversität in Afrika, Ahfad University for Women in Omdurman. Ein positiver Aspekt für Frauen hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Es besteht ein vergleichsweise hoher Anteil weiblicher Studierender an den Hochschulen und ihr im regionalen Vergleich hoher Ausbildungsstand.

Gesundheit

Behandlung eines Gelbfieberkranken in West-Darfur
Behandlung eines Gelbfieberkranken in West-Darfur © Albert González Farran, UNAMID (CC BY-NC-ND 2.0)

Die Gesundheitsversorgung ist nur in der Hauptstadt befriedigend. Einige Krankenhäuser (Militär- und Polizeihospitäler) sind hervorragend ausgerüstet. Aber die öffentlichen Krankenhäuser sind in einem ärmlichen Zustand und das nicht nur in den Kleinstädten und den ländlichen Regionen, sondern auch in der Hauptstadt. Einige Privatkliniken sind gut mit Personal und Medikamenten ausgerüstet. Die Mehrzahl der Sudanesen kann jedoch, ohne finanzielle Unterstützung von Verwandten und Freunden, keine ausreichende medizinische Behandlung erwarten.

HIV/AIDS

Die HIV/AIDS-Prävalenz für den Sudan wird nach der Abspaltung des Südsudan von UNAIDS aktuell auf unter 0,4 % der Bevölkerung geschätzt, eine im regionalen Vergleich eher niedrige Quote. Bis vor einigen Jahren wurde die Existenz von HIV/AIDS im Sudan geleugnet, professionelle Statistiken wurden nicht akzeptiert. Sexualität und AIDS stellen in den vom Islam geprägten gesellschaftlichen Normen des Sudan immer noch ein Tabu-Thema dar. Inzwischen haben mit Unterstützung internationaler Organisationen Maßnahmen gegen HIV/AIDS begonnen.

Traditionelle Medizin

Fakih bei einer traditionellen Heilzeremonie
Fakih bei einer traditionellen Heilzeremonie © Albert Gonzalez Farran – UNAMID (CC BY-NC-ND 2.0)

Traditionelle Medizin ist nicht nur in ländlichen Gegenden, sondern auch in den Städten weit verbreitet. Hier fällt dem Fakih, als Hüter der traditionellen Heilkunde, vor allem bei mentalen Erkrankungen, eine besondere Rolle zu. Auch wurde z.B. die Bedeutung von traditionellen Heilmethoden bei der Behandlung der Epilepsie von Kindern untersucht.
In einer traditionellen Heilzeremonie werden z.B. auf Papier geschriebene Koranauszüge in einer Mischung aus bestimmten Pflanzen und Gewürzen mit Kohle verbrannt. Der entstehende Rauch soll eingeatmet werden und verspricht so die gewünschte Heilwirkung. Abhängig vom Schweregrad der Erkrankung schlägt eine traditionelle Heilzeremonie mit umgerechnet etwa 20-40 US-Dollar zu Buche. Sehr beliebt sind auch vom Fakih auf Papier geschriebene Koransprüche, die in kleinen Lederbeuteln untergebracht werden und als Glücksbringer um den Hals oder am Oberarm getragen werden.
Da die traditionelle Heilkunde, mit Geisterkult und Heiligenverehrung, nicht dem orthodoxen Islam entspricht, geraten traditionelle Heiler immer wieder in Konflikt mit fundamentalistischen Gruppen.

Für sudanesische Frauen spielt der Zar-Kult eine wichtige Rolle. Zar ist eine Zeremonie, die nur von Frauen für Frauen stattfindet. Die Zar-Priesterin (Scheicha) soll böse Geister befrieden, die Frauen heimsuchen. Frauen - und auch Männer - glauben, dass bestimmte Menschen von einem Dämon (Zar) besessen sind, der ihnen ein Leben lang großes Unbehagen bereitet und nur durch ekstatische Tänze, Geschenke und Opfer vorübergehend besänftigt werden kann.

Sozialwesen

Die sozialpolitischen Anstrengungen sind bislang im Sudan über einige bescheidene Anfänge zur Etablierung einer Mindeststruktur der sozialen Absicherung der Bevölkerung nicht hinausgekommen. Zwar existieren mit dem Social Insurance Act von 1974 und dem Social Health Act von 1994 schon seit einiger Zeit gesetzliche Grundlagen zur sozialen Sicherung und vor allem mit dem National Insurance Fund, der beim Ministry of Welfare and Social Security angesiedelt ist, auch entsprechende Institutionen, die Maßnahmen sind jedoch in der Praxis nur auf die Beschäftigung im öffentlichen Sektor (Behörden, Polizei, Armee) ausgerichtet und umfassen nur einen geringen Anteil der formal Beschäftigten in der Wirtschaft. Zudem greift das System auch hier nur im Großraum Khartum.
Insgesamt werden daher mit der staatlich organisierten sozialen Sicherung nur wenige Prozent der Beschäftigten erreicht.

In muslimischen Ländern gewinnt die Unterstützung durch Zakat zunehmend an Bedeutung. Diese islamische Armenhilfe der Zakat-Fonds ist im Sudan staatlich institutionalisiert, krankt jedoch an überaus hohen Verwaltungsausgaben und seine Gelder werden zunehmend zweckentfremdet.
Die nichtstaatliche Selbsthilfe, vor allem die traditionelle familiäre Unterstützung, aber auch die von religiösen Gemeinschaften, verliert durch die wachsende Verarmung der Bevölkerung, mit Rückgang der Einkommen, hoher Inflation und steigender Arbeitslosigkeit, zunehmend an Bedeutung. Gerade die Jugendarbeitslosigkeit hat in den letzten Jahren stark zugenommen.

Größere sozialpolitische Wirkungen erreicht der sudanesische Staat durch eine breite Palette an Subventionen, die jedoch den Staatshaushalt stark belasten. Diese umfassen vor allem den Treibstoff im Transportsektor, Kochgas und einige Lebensmittel wie Brot und Zucker. Ein Abbau dieser Subventionen, wie vom Internationalen Währungsfonds immer wieder gefordert, ohne eine Umlenkung der freigewordenen Mittel in eine sozialpolitische Gesamtstrategie, würde gerade die ländliche Bevölkerung treffen und wird vom sudanesischen Staat als Auslöser für politische Proteste gefürchtet. Im (Wahl-)Jahr 2015 sind daher weder Steuererhöhungen noch ein Subventionsabbau vorgenommen worden. Angesichts der weiteren Talfahrt des sudanesischen Staatshaushaltes wurden jedoch im November 2016 Einschnitte der Subventionen bei Benzin und Elektrizität in Angriff genommen und im Januar 2017 wurde der vollständige Subventionsabbau bis zum Jahr 2019 angekündigt.

Kultur

Kulturelle Identität

Traditionelle Flechtarbeit in Darfur
Traditionelle Flechtarbeit in Darfur
© UNAMID (CC BY-NC-ND 2.0)

Die multiethnische Zusammensetzung der sudanesischen Bevölkerung bewirkt eine außerordentlich hohe kulturelle Diversität. Jede der vielen ethnischen Gruppen hat ihre eigenen kulturellen Ausdrucksformen in Sprache, Religion, Brauchtum und sozialen Beziehungen. Diese spielen sowohl im Alltag als auch im religiösen Leben eine wichtige Rolle und sind z.B. in der Architektur und auch in der Alltagskultur mit ihrem traditionellen Kunsthandwerk, wie Keramik- und Flechtarbeiten oder der Herstellung traditioneller Schwerter im Osten des Landes zu finden.
Die eher politisch motivierte Frage nach der kulturellen Identität der Sudanesen ist auch nach der Abspaltung des Südsudan nicht beantwortet. Ob man sich als Araber, Afro-Araber oder Afrikaner bezeichnet, ist Gegenstand vieler Diskussionen, die die Zerrissenheit der sudanesischen Identität verdeutlichen und deren Argumenten auch versucht wird, kulturhistorisch nachzugehen.

Sudan: Divided Identity, Divided Land
Anlässlich der Abspaltung des Südsudan verdeutlicht diese dreiteilige Dokumentation die afro-arabische Identitätskrise im Sudan (Teil 1: 14:50 min., Teil 2: 13:20 min., Teil 3: 5:11 min).

Antike Kultur

Frühe Zeugnisse der sudanesischen Kultur sind mit den archäologischen Stätten von Meroe und Napata vorhanden, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören und werden in verschiedenen Museen außerhalb des Sudan, in Khartum oder in den wenigen kleinen Museen des Landes gezeigt. Das Sudan National Museum bietet eine bedeutende Sammlung von Exponaten aller Epochen der sudanesischen Kulturgeschichte. Einzigartig sind hier die Fresken aus der christlichen Epoche der Königtümer.

Sudan National Museum
Sudan National Museum
© David Stanley (CC BY 2.0)
Ausstellungsraum im Sudan National Museum
Ausstellungsraum im Sudan National Museum
© David Stanley (CC BY 2.0)

Literatur

Die frühesten Formen sudanesischer Literatur stellen mündliche Überlieferungen meist religiösen und mythologischen Inhaltes dar, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals aufgezeichnet wurden. Bedeutende Zeugnisse der oralen Tradition des Landes sind auch in den sudanesischen Märchen, die im familiären Umfeld zumeist von Frauen weitergegeben werden und in den facettenreichen Sprichwörtern des Landes zu finden. Die geschriebene Literatur entwickelte sich erst in der britischen Kolonialzeit mit dem Aufkommen von Zeitungen, in denen, unter starkem kulturellem Einfluss Ägyptens, vor allem Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht wurden.

Tayeb Salih
Tayeb Salih († 2009) © Engfrompalestine (CC BY-SA 3.0)

Erster Roman der sudanesischen Literaturgeschichte war mit "Tajuj" von Osman Mohammed Hashim eine 1948 erschienene Liebesgeschichte.
Der international heute wohl bekannteste sudanesische Roman und zu den ewigen Top Ten der arabischen Literatur gehörende ist "Zeit der Nordwanderung" von Tayeb Salih, der 1969 in Buchform erschien und für einige Zeit sogar in die Lehrpläne sudanesischer Schulen Einzug fand. In den 90er-Jahren, zur Zeit der Einführung der Scharia, wurde dieser dann von den Zensoren als moralisch verwerflich und in der Darstellung der sudanesischen Lebensumstände als wirklichkeitsfremd eingestuft. "Zeit der Nordwanderung" galt lange als das Kultbuch der arabischen Jugend.
Wie viele der sudanesischen Autoren begann Salih sein Werk mit Kurzgeschichten, bevor 1964 sein erster Roman "Die Hochzeit des Zain" (Neuauflage 2004 "Sains Hochzeit") erschien. Tayeb Salih hat den größten Teil seines Lebens im Ausland verbracht und beschreibt vor allem mit "Zeit der Nordwanderung" und seinem letzten Roman "Bandarschah" das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne und der europäischen mit der arabischen Kultur.
Zum Einstieg in das nicht umfangreiche künstlerische Werk Salihs eignen sich vor allem seine Kurzgeschichten, die in "Eine Handvoll Datteln" ebenso auf Deutsch erschienen sind.
Tayeb Salih betonte, dass jedes klassische Gedicht der arabischen Literatur mehr wert sei als seine Romane und beklagte Zeit seines Lebens, dass nur wenige "westliche" Verlage in der Vergangenheit bereit waren die reichhaltige arabische Literatur zu verlegen und der Westen damit diesem Kulturkreis fremd geblieben sei. Salih verstarb als einer der bedeutendsten arabischen Autoren im Jahr 2009.

Zum Tod von Tayeb Salih
Audio-Beitrag des SRF über das Werk von Tayeb Salih (29.02.2009, 04:13 min.)



Leila Aboulela 2010
Leila Aboulela © Vaida V Nairn (CC BY-SA 3.0)

In Deutschland sehr bekannt ist die im Sudan aufgewachsene und lange Zeit in Schottland lebende Leila Aboulela. Sie befasst sich in ihren auf Englisch verfassten Werken durchweg mit der Begegnung von Kulturen und verarbeitet damit vor allem ihre Studienzeit in Großbritannien. In deutscher Übersetzung sind ihr erster Roman "Die Übersetzerin", der ihr größte Anerkennung einbrachte, und die Sammlung von Kurzgeschichten "Der Seele Raum geben" erschienen. Darin enthalten ist auch die Erzählung "Das Museum", für die Aboulela im Jahr 2000 den ersten Caine Preis für afrikanische Literatur erhielt. Neben ihren Kurzgeschichten, z.B. "The Way Home", "Souvenir" oder "Glass Enclave", erschienen mit "Minaret" (2005), "Lyrics Alley" (2010) und "The Kindness of Enemies" (2015), welche als ihre beste Erzählung angesehen wird, bisher noch drei weitere Romane.

Andere bekannte Vertreter der sudanesischen Literatur, die im Ausland leben, sind z.B. Tarek El-Tayeb, in Österreich beheimateter Poet und Romanautor, z.B. von "Städte ohne Dattelpalmen" (Leseprobe, im Original 1988 erschienen), der auf Englisch publizierende Jamal Mahjoub, mit vielen Kurzgeschichten und z.B. seinem Roman "The Drift Latitudes" (2006) oder auch Hammour Ziada, der mit seinem Roman über den Mahdi-Aufstand "The Longing of the Dervish" (2014) ein Meilenstein in der neueren sudanesischen Literatur geglückt ist und dafür mit der international bedeutenden Naguib Mahfouz Medal ausgezeichnet wurde. Hammour Ziada lebt seit 2009 in Kairo und hat 2012 die Protestbewegung im Sudan unterstützt.

Mafrosh-Büchermarkt in Khartum
Mafrosh-Büchermarkt in Khartum © Khalid Albaih (CC BY-SA 2.0)

Auch andere im Ausland lebende sudanesische Autoren setzen sich kritisch mit der Regierungspolitik ihres Landes auseinander und werden vom Sudan dann u.a. mit Einreiseverboten belegt. Regelmäßig war davon z.B. auch Tayeb Salih betroffen, der als harter Kritiker der Darfur-Politik der sudanesischen Regierung galt.

Wie die im Land verbliebenen Autoren mit den Repressalien der Behörden umgehen, beschreibt der in Khartum lebende Poet und Kulturaktivist Mamoun Eltlib. Infolge der weitgehenden Einschränkung der Meinungsfreiheit, mit fortwährenden Verboten von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen, geriet im Januar 2015 nun auch der sudanesische Schriftstellerverband in das Fadenkreuz der sudanesischen Behörden und wurde geschlossen. Direkt nach der Machtergreifung Al-Bashirs im Jahr 1989 ist der Verband schon einmal verboten worden. Im Umfeld der Liberalisierung zu Zeiten des Friedensabkommens mit dem Südsudan 2005 und als Khartum im selben Jahr Kulturhauptstadt der Arabischen Welt wurde, durfte dieser reaktiviert werden.

Einhergehend mit dem wirtschaftlichen Niedergang der letzten Jahre, liegt im Sudan auch der Markt für Literatur am Boden. So gut wie alle der einst zahlreichen Bücherläden in Khartum haben aufgegeben und auch öffentliche Büchereien sind nur noch wenig zu finden. Im Jahr 2012 entstand in Khartum der Mafroush, ein Second-Hand-Büchermarkt auf offener Straße, auf dem gebrauchte Bücher an einem Tag im Monat verkauft oder getauscht werden. Auch dieser wurde von den Behörden Anfang 2015 vorübergehend geschlossen.  

Bildende Kunst

Ibrahim El-Salahi: Reborn sounds of childhood Dreams I, 1961-1965
Ibrahim El-Salahi: Reborn sounds of childhood Dreams I, 1961-1965
© Gautier Poupeau (CC BY 2.0)
Tate modern, London

Die auch international bekanntesten sudanesischen Vertreter der Malerei sind allesamt Anhänger der berühmten "Khartoum School", einer Künstlerbewegung der 50er- und 60er-Jahre, die sudanesische Traditionen mit islamischen und westlichen Inhalten vereinigte. Kennzeichnend hierfür ist die Aufnahme arabischer Kalligraphien religiösen Inhaltes als Ornamente in bildlichen Darstellungen.
In dieser Bewegung führend waren der heute wohl bekannteste und jetzt in Großbritannien lebende sudanesische Maler Ibrahim El-Salahi, der dann in einer späteren Phase mit seinen international viel beachteten sinnträchtigen Bildern einen afrikanischen Surrealismus verkörpert, und Ahmed Shibrain, der auch Dekan des College of Fine & Applied Art der Sudan University of Science and Technology in Khartum wurde. Dieses ist bis heute die einzige Fakultät ihrer Art an den über 40 Universitäten des Landes. An diesem andauernden künstlerischen Bildungsnotstand - es gibt auch keinen Unterricht in Kunst in den allgemeinbildenden Schulen - sind auch die Hoffnungen auf einen Aufbruch im Jahr 2005, als Khartum Kulturhauptstadt der Arabischen Welt war, zerplatzt. Geplant wurden die damaligen Veranstaltungen der Kulturhauptstadt vor allem von Rashid Diab, einem weiteren Vertreter der "Khartoum School", der in Khartum ein eigenes Kunstzentrum aufgebaut hat. Diab gibt hier auch anderen Künstlern Raum, die bei nur spärlich vorhandenen und dann in Eigeninitiative betriebenen Galerien ohne staatliche Infrastruktur, dafür aber unter Selbstzensur und Zensur arbeiten.

Ibrahim El-Salahi - Studio visit (4:50 min., englisch)
Anlässlich einer Ausstellung im Londoner "Tate modern" im Sommer 2013 erläutert Ibrahim El-Salahi seine Arbeit.

Karikatur zum Arabischen Frühling
Karikatur von Khalid Albaih zum Arabischen Frühling © Khalid Albaih (CC BY-NC-SA 2.0)

Die lange Tradition der sudanesischen Karikaturisten setzt der international viel beachtete Khalid Albaih fort, ein politischer Karikaturist, der mit seinen Veröffentlichungen seit dem Beginn des Arabischen Frühlings großes Aufsehen erregt. Seine Karikaturen wurden unter dem Namen Khartoon, ein Wortspiel, dass an seine Heimatstadt erinnert, aber aus seinem Vornamen und dem Begriff "Cartoon" zusammengesetzt ist, u.a. in London ausgestellt und waren auch Anfang 2015 in Berlin zu sehen.

Khalid Albaih lebt in Katar und nutzt zur Verbreitung seiner Karikaturen vor allem die Sozialen Medien.

Karikatur von Khalid Albaih zur Führung des Sudan durch Omar Al-Bashir
Karikatur von Khalid Albaih zur Führung des Sudan durch Omar Al-Bashir © Khalid Albaih (CC BY-NC-SA 2.0)

Film

Die goldenen Zeiten des sudanesischen Films lagen in den 60er, 70er und 80er-Jahren und sind untrennbar mit dem Altmeister der sudanesischen Filmemacher Gadalla Gubara als einem der Pioniere des afrikanischen Kinos verbunden. Gubara drehte schon 1955 mit Song of Khartoum, einem Kurzfilm über seine Heimatstadt und ihr Nachtleben, den ersten afrikanischen Farbfilm, hat bei der Unabhängigkeitsfeier 1956 die Kamera gehalten und bis zu seinem Tod 2008 insgesamt 31 Dokumentar- und vier Spielfilme gedreht. Darunter ist die Verfilmung des ersten Romans des Landes Tajuj (1982), Sudans Antwort auf Romeo und Julia. Zusammen mit Ousmane Sembène und anderen hat er 1969 die Panafrikanischen Filmfestspiele in Ouagadougou (FESPACO) ins Leben gerufen.
Mit Hilfe der Förderung des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amtes konnte der filmische Nachlass Gubaras 2013 in Berlin digitalisiert und damit vor dem fortschreitenden Materialzerfall gerettet werden.

Mit der zunehmenden Einschränkung der Medienfreiheit seit der Machtübernahme Al-Bashirs 1989 ist in der sudanesischen Filmbranche der Inlandsbetrieb zum Erliegen gekommen. Viele Filmschaffende haben den Beruf aufgegeben oder sind ins Ausland abgewandert. Die Zensur, gepaart mit stärkerer Verbreitung von Fernsehen und Internet und dem wirtschaftlichen Niedergang des Landes, haben auch Kinobetriebe unrentabel gemacht. Von den einst 14 Kinos in Khartum hält inzwischen nur noch eines den Betrieb aufrecht. Geschlossen hat auch das 1935 eröffnete Colosseum, das Gebäude ist inzwischen Teil der Polizeizentrale.

Veranstaltungsplakat zum zweiten Sudan Independent Film Festival 2015
Veranstaltungsplakat zum zweiten Sudan Independent Film Festival 2015 © Sudan Film Factory

Während in der jüngeren Vergangenheit nur wenige Low-Budget-Kurzfilme und einige Dokumentarfilme, zumeist mit ausländischer Hilfe, entstanden sind, erlebt der sudanesische Film 20 Jahre später ein Revival. Die zumeist in England lebende Taghreed El-Sanhouri führt die große Tradition der sudanesischen Dokumentarfilme fort und hat nach ihren international erfolgreichen Filmen über den Darfur-Konflikt und Flüchtlingskinder dann 2011 mit Our beloved Sudan einen Film über die Teilung des Landes gedreht. Mit Faisal Goes West gelang Bentley Brown 2012 ein preisgekrönter Independent-Film zum Thema Migration und kultureller Identität, der auch Startfilm des 2014 erstmalig durchgeführten Sudan Independent Film Festivals (SIFF) in Khartum war. Dieses Festival, 2014 zu Ehren des Malers und Filmemachers der 70er-Jahre Hussein Shariffe, entstand aus einem Trainingsprojekt des Goethe-Instituts in Khartum zur Aus- und Weiterbildung von sudanesischen Filmemachern. In Abwesenheit eines sudanesischen Gegenwartskinos und einer nicht existenten Filmindustrie trägt dieses Projekt maßgeblich zur Entstehung eines neuen sudanesischen Films 'made in Sudan' bei. Ebenso versucht die Organisation "Swiss Initiative - Culture Projects Sudan" mit ihrem Projekt "Open Cinema", in Zusammenarbeit mit der UNESCO die sudanesische Kinolandschaft wiederzubeleben.

Sport

Wenig überraschend ist auch im Sudan der Fußball Nationalsport Nummer eins. Auf internationaler Ebene liegen die wenigen ruhmreichen Zeiten allerdings schon länger zurück. Der Sudan war Ende der 50er-Jahre eines der vier Gründungsmitglieder des afrikanischen Fußballverbandes, durchlebte eine durchaus erfolgreiche Periode und krönte diese 1970 mit dem Sieg der Afrikameisterschaft auf heimischem Boden.
Die als "Sokoor al-Jediane" (Falken von Jediane oder Wüstenfalken) bezeichnete Nationalelf konnte in den 70er-Jahren noch zweimal an den Afrikameisterschaften teilnehmen, bevor eine lange Durststrecke der Enttäuschungen erst im Jahr 2008 mit einer erneuten Qualifikation beendet werden konnte. Hier musste man dann jedoch schon nach der Vorrunde und als Gruppenletzter ohne Punkt und Tor die Heimreise antreten. Einen Hoffnungsschimmer bedeutete das Erreichen des Viertelfinales bei den Afrikameisterschaften 2012 in Gabun und Äquatorialguinea.
Einer der Gründe für das zumeist mäßige Abschneiden der Falken wird darin gesehen, dass keiner der Nationalspieler im Ausland spielt und den Spielern damit internationale Spielpraxis fehle.
Für die Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft konnte sich der Sudan bisher noch nicht qualifizieren.

Mannschaft von Al Hilal Omdurman bei einem internationalen Auftritt in Casablanca
Mannschaft von Al Hilal Omdurman bei einem internationalen Auftritt in Casablanca / © Mustapha Ennaimi (CC BY 2.0)

International erfolgreicher sind dagegen in der letzten Zeit die sudanesischen Vereine der Sudani Premier League.
Die in Omdurman beheimateten Vereine Al Hilal und Al Merreikh konnten 2015 beide das Halbfinale der afrikanischen Champions League erreichen, scheiterten 2016 jedoch in der ersten, bzw. in der zweiten Runde. Diese beiden Vereine, deren Präsidenten zu den reichsten Sudanesen gehören, beherrschen seit Jahrzehnten die sudanesischen Stadien und machen Meisterschaft und Pokal fast durchweg unter sich aus. Al Merreikh Omdurman wurde in den Jahren 2008/2009 und 2014 sehr erfolgreich vom deutschen Trainer Michael Krüger betreut.

Während auch auf dem Land mit allem gekickt wird, was nach Ball aussieht, bleibt der Fußball im islamischen Sudan fast ausschließlich ein Männersport. Frauenfußball fand lange Jahre, wenn überhaupt, nur in kleinsten Kreisen und hinter verschlossenen Türen statt. Ein Unikat wird wohl Selma al-Majadi bleiben, die als Frau sudanesische Männerteams trainiert.
Nach den gesellschaftlichen Liberalisierungstendenzen zu Zeiten des Friedensabkommens mit dem Südsudan wurde schon im Jahre 2006 eine Fatwa vom sudanesischen Fiqh Council gegen die Bildung einer Frauenliga ausgesprochen. Im Jahr 2012 wurde dann die von der FIFA initiierte Bildung eines Frauen-Nationalteams mit einer Fatwa belegt. Auch bei der Ausübung anderer Sportarten sind Frauen im Sudan enge Grenzen gesetzt.

Weitere beliebte Ballsportarten sind im Sudan vor allem Volleyball, aber auch Handball und Basketball. In der Leichtathletik sind vor allem die Laufdisziplinen der Mittel- und Langstrecken von Bedeutung. Eines der landesweiten Idole ist hier Ismail Ahmed Ismail, der im Jahr 2008 bei den Olympischen Sommerspielen in Peking mit der Silbermedaille in der 800-Meter-Disziplin die bisher einzige olympische Medaille für den Sudan erringen konnte.

Eine Olympia-Teilnahme ist den sudanesischen Ringern bisher verwehrt geblieben. Traditionell ist im Sudan der Nuba-Ringkampf beheimatet. Diese Kämpfe werden zumeist anlässlich jahreszeitlicher Feste, vor allem bei Erntefesten, zwischen benachbarten Dörfern der Nuba-Berge in Südkordofan ausgetragen.

Da die Nuba im sudanesischen Bürgerkrieg mehrfach zwischen die Fronten geraten und auch aktuell immer wieder eine Zielscheibe der sudanesischen Regierungstruppen sind, wurden viele Nuba aus ihren Siedlungsgebieten an der Grenze zum Südsudan vertrieben und leben in Flüchtlingslagern und auch in Khartum. Hier finden seit einigen Jahren in einem Stadion am Stadtrand zweimal in der Woche Ringkämpfe der Nuba statt, die inzwischen auch bei anderen Sudanesen auf großes Interesse stoßen.

Ringkampf in den Nuba-Bergen
Ringkampf in den Nuba-Bergen © Rita Willaert (CC BY-NC 2.0)

Religion

Al-Noor Moschee in Khartum
Al-Noor Moschee in Khartum / © Usamah Mohammed (CC BY-SA 2.0)

Die offizielle Staatsreligion im Sudan ist der durch große politische und gesellschaftliche Bedeutung gekennzeichnete Islam. Zwar herrscht im Sudan verfassungsmäßig Religionsfreiheit, von der die Realität jedoch weit entfernt ist. Der nach der Abspaltung des Südsudan nur noch geringe christliche Bevölkerungsanteil lebt in Khartum und in den an den Südsudan angrenzenden Regionen, vor allem in den Nuba-Bergen. Sowohl die Anhänger des Islam als auch die des Christentums vermischen ihre Glaubensvorstellungen oft mit traditionellen religiösen Praktiken.

Der Sudan lässt sich etwa in drei Komplexe einteilen:

  • Muslime (Sunni) ca. 90 %
  • Christen ca. 5,4 %
  • Volksreligion ca. 2,8 %

Die Mehrzahl der sudanesischen Bevölkerung sind zwar Sunni-Muslime aber viele Sudanesen sind eher von den toleranten Sufi-Philosophien beeinflusst, als vom staatlich verordneten orthodoxen Islam.

Die Verbreitung des Christentums in den Nuba-Bergen und anderen Randgebieten führt sich nicht nur auf den Einfluss der christlichen Missionare zurück, sondern die Einwohner dieser Regionen, die von den Muslimen wegen ihres Analphabetentums und Heidentums diskriminiert und als "rückständig" bezeichnet werden, zogen das Christentum der Islamisierung vor. Kulturell können sich diese Gebiete nicht gänzlich christlich zuordnen lassen, da z.B. die Polygamie hier ein Teil der traditionellen Kultur darstellt.

Religion als politisches Instrument bzw. Radikalismus hatte sich im Sudan unter dem Einfluss von Hassan al-Turabi, der im März 2016 verstarb, und seiner National Islamic Front in den 90er-Jahren verbreitet. Da jedoch die überwiegende Mehrzahl der Sudanesen nicht zum Fanatismus neigt, haben sich religiös bedingte Auseinandersetzungen, auch nach Einführung der Scharia, in den letzten Jahren wieder etwas beruhigt.

St. Matthew Cathedral, Khartum
St. Matthew Cathedral, Khartum © Foto: Ellen Ismail
Front einer Moschee zwischen Amarat und dem Flughafen in Khartum (CC BY-NC-ND 2.0)
Front einer Moschee zwischen Amarat und dem Flughafen in Khartum © Andrew Heavens (CC BY-NC-ND 2.0)

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Oktober 2017 aktualisiert.

Der Autor

Alexander Ohle studierte Geographie, Politische Wissenschaft und Entwicklungssoziologie und arbeitet seit 1993 in der Entwicklungszusammenarbeit. Für die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ ist er tätig als Trainer in der Lernberatung, arbeitet für das Medien- und Informationszentrum und war Regionaltutor für die Region Afrika südlich der Sahara.

Tipp zum Download

Munzoul A. M. Assal; Musa Adam Abdul-Jalil (Hrsg.), 2015:
Past, present and future: Fifty years of anthropology in Sudan

Internationale und sudanesische Kulturanthropologen setzen sich mit Themen wie Ethnizität, Kultureller Identität, Ressourcennutzung und dem sozioökonomischen Wandel im Sudan auseinander.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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