Sportlerinnen in Johannesburg, Foto: Kees Swart
Amtssprachen
isiZulu, isiXhosa, Afrikaans und acht weitere, dar
Regionalsprachen
Koe, San
bedeutendste Religion
Christentum 75,5 %
weitere bedeutende Religionen
Hinduismus 1,4 %, Islam 1,4 %, Judentum 0,2 %
Städtische Bevölkerung
62,2 %
Lebenserwartung
63,1 Jahre für Frauen, 59,1 Jahre für Männer (ohne

Soziale Struktur

Sprachenverteilung
Sprachenverteilung © Htonl (Public Domain)

Elf Landessprachen

   Englisch    Afrikaans    isiNdebele    isiXhosa    isiZulu    Sesotho sa Leboa/sePedi    Sesotho    Setswana    siSwati    Tshivenda    Xitsonga   

Es gibt elf offizielle Landessprachen (in der Reihenfolge der Häufigkeit): Zulu, isiXhosa, Afrikaans, sePedi, Englisch, seTswana, seSotho, xiTsonga, siSwati, tshiVenda, isiNdebele.

Während der Apartheid (1948-1994) war das Afrikaans die Nationalsprache. Die beiden häufigsten Muttersprachen sind isiZulu (ca. 11 Millionen Sprecher/-innen) und isiXhosa (ca. 9 Millionen Sprecher/-innen). Die Fernuniversität UNISA in Pretoria bietet kostenlose Online Sprachkurse (Grundkenntnisse) in Xhosa, Zulu, Tswana und Sotho. Unter Bezug auf die Sprachenvielfalt wurden nach 1994 zahlreiche neue Ortsnamen eingeführt, was Reisende und Landesunkundige zumindest in den ersten Wochen ihres Aufenthalts irritieren kann.

Die wichtigsten schwarzen Bevölkerungsgruppen bzw. Ethnien in Südafrika sind Zulu, Sotho, Xhosa, Tswana, Shangaan/Tsonga, Swasi und Ndebele.

Südafrika ist ein nach Besitz, Bildung und Berufen, Ethnien, Hautfarben, Sprachen, Religionen, Stadt-Land-Unterschieden, Alter und Geschlecht mehrfach geteiltes Land. Heute ist Rassismus ein Verstoß gegen die Gleichheits- und Anti-Diskriminierungsgesetze. Die Regierung hat die internationalen Abkommen zur Anti-Diskriminierung unterzeichnet und legt die erforderlichen Berichte vor, die von der südafrikanischen Menschenrechtskommission und zivilgesellschaftlichen Initiativen wie dem Anti-Diskriminierungsforum kritisch kommentiert werden. Trotz der gesetzlichen Veränderungen und staatlichen sowie zivilgesellschaftlichen Anti-Rassismusprogrammen sind die Langzeitwirkungen der Rasseneinteilungen des Apartheidregimes nicht überwunden. Die Apartheidgesetze hatten die Bevölkerung in vier Gruppen aufgespalten: dominierende Weiße (zahlenmäßige Minderheit), Asiaten/Inder (zumeist Englisch sprechend), Coloureds (Afrikaans sprechend), Schwarze (Mehrheit der Bevölkerung). Auf dieser Einteilung basierte die soziale Hierarchie: Während der Apartheidstaat und dessen Vorläufer seit den 1930er Jahren die Weißen - insbesondere arme, ungebildete Weiße - mit einem umfassenden Privilegiensystem versorgte, erhielten Inder/-innen und Coloureds einige Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Diese Hierarchien sind bis heute Anlass für Kontroversen. Denn die schwarze Bevölkerungsmehrheit wurde besonders diskriminiert.

Die "Rassenzuordnung" bestimmte den Wohnort und die Infrastruktur einer Siedlung bzw. eines Hauses (mit/ohne Wasseranschluss, sanitären Anlagen, Strom), den Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem, die beruflichen Möglichkeiten und Begrenzungen, das Einkommen, das Ehe- und Familienleben, die politische Partizipation bzw. Exklusion und den Rechtsstatus eines Menschen. Die ab 1948 erlassenen Apartheidgesetze regelten den gesamten Alltag und kriminalisierten die kleinsten Vergehen als Straftaten, das betraf insbesondere so genannte Passvergehen, z.B. wenn eine Homelandbewohnerin ihren Ehemann zur Klärung wichtiger familiärer Angelegenheiten in der Stadt besuchte. Sie galt dort als Illegale und konnte verhaftet werden, was während der über 40jährigen Apartheid über 17 Millonen Frauen und Männer betraf. Kinder und Jugendliche hatten in vieler Hinsicht unter der Repression, der Erniedrigung ihrer Eltern, der Zerstörung der Familien und der Gewalt staatlicher Sicherheitskräfte und deren Handlanger zu leiden.

Wanderarbeiterwohnheim in Soweto, Foto: Rita Schäfer
Wanderarbeiterwohnheim in Soweto, Foto: Rita Schäfer
Wohnhaus von Weißen in Grahamstown, Foto: R. Schäfer
Wohnhaus von Weißen in Grahamstown, Foto: R. Schäfer

Folgen der Apartheid - Ungleichheiten und geerbte Ethnizität

Sowohl im öffentlichen Leben als auch in privaten weißen Haushalten, wo schwarze Menschen als Dienstpersonal tätig waren, wurden erwachsene Männer als "boys" und erwachsene Frauen als "maids" tituliert und wie unmündige Kinder behandelt. Viele weiße Frauen, die gemäß der Rollenaufteilung für die Haushaltsführung zuständig waren, wirkten daran mit - einige bis heute. So bauten sie in der Privatsphäre eine Hackordnung auf, die zum Erhalt des rassistischen Regimes in der Öffentlichkeit beitrug. Das Verhältnis zu Hausangestellten und Auseinandersetzungen über deren (Fehl-)Verhalten sind bis heute Diskussionsgegenstand bei privaten Treffen. Berufstätige aus Europa sind oft gefordert, sich zum Thema Hausangestellte zu positionieren. Inzwischen sind die Arbeitsrechte und der Lohn von Hausangestellten mit südafrikanischer Staatsbürgerschaft gesetzlich geregelt. Problematisch ist die Situation für Hausangestellte aus dem krisengeschüttelten Simbabwe, die seit einigen Jahren mit Südafrikanerinnen konkurrieren.

Staat und Zivilgesellschaft sind nach wie vor gefragt, die Unterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft in Institutionen, Organisationen und Unternehmen, im alltäglichen Verhalten und im Denken zu überwinden. Die Vision einer Regenbogennation des früheren anglikanischen Erzbischofs Desmond Tutu, die Versöhnungspolitik Nelson Mandelas sowie Anti-Diskriminierungsgesetze und Anti-Rassismusprogramme sind Wegmarken zur Bewältigung der historischen Last. Noch immer ist strittig, inwieweit das schillernde Zusammenwirken der sozialen Gruppen wie bei einem Regenbogen Realität geworden ist.

Forschungen über gesellschaftliche Veränderungen

Die komplexen Strukturen und Entwicklungen der südafrikanischen Gesellschaft werden von Wissenschaftlern/-innen an Instituten für Soziologie- und Sozialanthropologie mehrerer Universitäten erforscht. Dazu zählen Forschungszentren in Kapstadt und Johannesburg. Hinzu kommen etliche außeruniversitäre Institute, beispielsweise das Centre for the Study of Violence and Reconciliation (CSVR) in Johannesburg.

Etliche gesellschaftliche Studien dokumentieren: Kinder bilden nach Alterskriterien die Bevölkerungsmehrheit Südafrikas: Über 30 Prozent der insgesamt ca. 54 Millionen Südafrikaner/-innen sind laut offizieller Bevölkerungsstatistik (Juni 2014) unter 15 Jahren.

Probleme mit Gruppenzuordnungen

Sozialanthropologische und soziologische Studien befassen sich ausführlicher mit der Genesis erfundener bzw. im kolonialen Kontext konstruierter Ethnizität und ihrer Instrumentalisierung durch das Apartheidregime. Die englische Bezeichnung "Coloureds" ist schwer zu übersetzen, es ist ein Begriff, der Afrikaans-sprachige Menschen verschiedener Herkunft, kultureller und politischer Orientierung benennt. Eine Untergruppe sind die so genannten Kap-Malaien, das Apartheidregime schrieb vor, dass sie vor allem im Großraum Kapstadt wohnen und arbeiten mussten. Als schlecht entlohnte Arbeitskräfte waren sie auch auf Farmen im heutigen Western Cape und Northern Cape tätig. "Mischlinge" gilt nach wie vor als diskriminierend.

 Zulu-Nationalismus

Der Zulu-Nationalismus hat eine lange Kontinuität in der Politik und spielte zur Zeit der Apartheid in den blutigen Schlachten zwischen dem ANC bzw. der UDF und der Zulu-Partei Inkatha in KwaZulu-Natal eine große Rolle. Seit dem Amtsantritt von Staatspräsident Jacob Zuma 2009 hat ein konservativer Zulu-Nationalismus in der südafrikanischen Politik eine Renaissance erlebt. Zuma legt großen Wert auf seine Zulu-Identität und suchte bei Auseinandersetzungen mit Thabo Mbeki zur ANC-Führung und Präsidentschaftsfrage den Schulterschluss mit einflussreichen Chiefs. Indiskretionen und falsche politische Entscheidungen werden von Zuma gerne mit der Betonung von Zulutraditionen überdeckt. Politische Beobachter wie William Gumede sehen die Gefahr, dass Ethnizität und Tribalismus der Gesellschaft und der Demokratie schaden.

Zudem ist der Zulu-Nationalismus - seit der Wanderarbeit von Männern während der Apartheid - oft mit einer Überbetonung martialischer Männlichkeit und einem Besitz ergreifenden Sexualverhalten verbunden. Das zeigte sich exemplarisch beim Vergewaltigungsprozess gegen Jacob Zuma 2006. Keineswegs nur in KwaZulu-Natal, einer Provinz mit sehr hohen Vergewaltigungs- und HIV-Raten, tragen solche Verhaltenserwartungen insbesondere an junge Männer nicht zum familiären Wohlergehen und zur Entwicklung der Gesellschaft bei.

Junge Männer
Junge Männer © R. Schäfer

Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten

Patrice Motsepe - erfolgreicher Geschäftsmann
Patrice Motsepe - einer der reichsten Geschäftsmänner Südafrikas © World Economic Forum (CC BY-SA 2.0)

Das gesellschaftliche Leben ist aufgrund der jahrzehntelangen Apartheid von der Trennung der Lebensbereiche bestimmt. Der Gini-Koeffizient, der die Ungleichheit der Einkommensverteilung erfasst, ist in Südafrika einer der höchsten der Welt. Zwischen 1995 und 2000 gingen die Einkommen schwarzer Haushalte um 19 Prozent zurück, während die der Weißen im selben Zeitraum um 15 Prozent stiegen. 85 Prozent des gesamten Steueraufkommens wird von Weißen erbracht. Die sozio-ökonomische Ungleichheit stellt die Frage nach dem sozialen Zusammenhalt.

Sehr unterschiedlich sind die Einschätzungen zur den so genannten "Black Diamonds", der neuen schwarzen Ober- bzw. Mittelschicht. Beide Gruppen gelten sowohl als Beispiele für die Ausdifferenzierung der Gesellschaft als auch für latente soziale Konflikte.

Buchcover 21 at 21
Buchcover 21 at 21 © missing ink publisher

Die Arbeitslosenrate liegt bei offiziell 25 Prozent. Bei weißen Jugendlichen um 9 Prozent, bei schwarzen Jugendlichen unter 20 Jahren beträgt die Arbeitslosenquote je nach Statistik über 50 und bis zu 70 Prozent. Dies ist vor allem durch die schlechte Schulbildung und die hohe Durchfallquote bei den Abschlussexamen bedingt, davon sind vor allem Mädchen betroffen. Viele müssen ihre Ausbildung wegen familiärer Pflichten abbrechen oder unterbrechen. Sexuelle Übergriffe sowie Teenagerschwangerschaften beeinträchtigen ihre Bildungsziele. Zur gesellschaftlichen und politischen Rolle von Jugendlichen, deren gegensätzliche Lebensrealitäten und deren Selbstbildern gibt es konträre Einschätzungen.

Straßenverkauf 1
Am Straßenverkauf im informellen Sektor... © Birgit Morgenrath/issa
Straßenverkauf 2
... sind überwiegend Frauen beteiligt © Dorothee Mennicken/issa

Wegen der hohen Arbeitslosenrate versuchen Millionen Menschen, darunter viele Frauen, mit einer informellen Beschäftigung das Überleben zu sichern. Mancherorts konkurrieren sie gegen Unternehmer im formellen Sektor und gelegentlich auch gegeneinander. Belästigung ist ein Problem, mit dem viele informell tätige Frauen konfrontiert sind. Um so wichtiger ist die Gründung gemeinsamer Interessenvertretungen. Einige zivilgesellschaftliche Gruppen fordern ein bedürfnisorientiertes  "People's Budget" als Gegenmodell zum offiziellen Haushalt.

Leben in Townships: Zeit online zeigt eine Fotostrecke über das Leben in der Township New Brighton in Port Elizabeth.

Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche

Alte Frau mit Kleinkindern
Alte Frau mit Kleinkindern © R. Schäfer
Mädchen in ländlichem Haushalt
Mädchen in ländlichem Haushalt © R. Schäfer

Südafrika belegt in Gender-Vergleichen auf dem Kontinent und international wegen seiner vorbildlichen Gender-Politik führende Plätze. Von der Armut und mangelnder Versorgung in Südafrika sind vor allem schwarze Frauen betroffen. Zu den Armutsursachen zählt ihre geringe Schulbildung, die bei älteren durch das Apartheidregime bedingt war und bei jüngeren durch familiäre Probleme und geschlechtsspezifische Diskriminierungen verursacht ist. Die Arbeitslosigkeit trifft diese besonders stark. Kindergeld-, Waisen-, Invaliden- und Altersrenten sind für sie und ihre Familien oft überlebenswichtig. Über die Situation von Behinderten in Südafrika gibt es einzelne Detailstudien.

In Folge von Wanderarbeit und AIDS gibt es zahlreiche, von Frauen geleiteten Haushalte, wobei oft Teenager und alte Frauen die Haushaltsleiterinnen sind. Etwa 60 Prozent aller Kinder wächst in Haushalten unter weiblicher Leitung auf, entweder sind ihre Väter Wanderarbeiter, verstorben oder sie haben sich von den Müttern der Kinder getrennt. Nur ein Drittel aller Paare, die zusammen wohnen, sind verheiratet. Die hohen Kosten für eine Hochzeit halten sie von einer Eheschließung ab.

Die Verfassung verbietet geschlechtsspezifische Diskriminierung. Das hatte die Women's National Coalition (WNC), ein Zusammenschluss von Frauen aus allen gesellschaftlichen Gruppen, gegen den großen Widerstand des Dachverbands der Chiefs (CONTRALESA) erkämpft. Die Chiefs wollten nach 1994 schwarze Frauen, die gemäß des in der Kolonialzeit und Apartheid kodifizierten "Customary Law" als rechtsunmündige Abhängige in den früheren Homelands unter ihrer Kontrolle behalten. Dagegen wehrte sich die Women's National Coalition erfolgreich. Auch gegenüber Traditionalisten im ANC argumentierte die WNC mit der zentralen Bedeutung von Frauen im Kampf gegen die Apartheid.

Rechtsreformen und Reformblockierer

Auf die geschlechtergerechte Verfassung nehmen zahlreiche neue Gesetze zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt sowie zur Reform des Ehe-, Familien-, Erb-, Unterhalts- und Arbeitsrechts Bezug. An der praktischen Umsetzung der neuen Rechtsgrundlagen arbeiten Frauenorganisationen. Einige der dort tätigen Juristinnen wirkten bereits an Gesetzesentwürfen zu Gewaltschutzgesetzen mit. Häufig sind staatliche Institutionen, die eigentlich zuständig wären, personell und finanziell schlecht ausgestattet. Dann informieren: Rape Crisis, POWA, Ilitha Labantu, NISAA, Women's Legal Centre oder Tshwaranang.

Die Verwirklichung der verfassungsmäßig verankerten Rechtsgrundlagen und Gesetze sowie Gerechtigkeit für Frauen ist in ländlichen Gebieten besonders schwierig. Jahrelang versuchten konservative Kräfte in der ANC-Regierung in Interessenallianz mit CONTRALESA Gesetzesentwürfe wie den Traditional Courts Bill durchzusetzen, die unter Berufung auf einen eigenwilligen Neotraditionalismus und Kulturnationalismus schwarzen Frauen ihrer staatsbürgerlichen Rechte beraubt hätten. Dagegen hat sich zivilgesellschaftlicher Widerstand formiert, an dem auch junge Männer aktiv mitwirkten. Sie beriefen sich auf die neue Verfassung und die darin verankerten staatsbürgerlichen Rechte. Denn etliche Chiefs betrachten die Interessen und Entwicklungsziele junger Männer als Bedrohung ihrer persönlichen Macht. Für junge Menschen ist es vielfach schwer, sich dem Diktat der mächtigen Alten zu beugen, zumal zahlreiche Chiefs vom Apartheidregime installiert und bezahlt wurden. Der Kampf gegen die Apartheid war in vielen Homelands gleichzeitig ein Jugendprotest. Dessen ungeachtet sind die Chiefs bis heute von der ANC-Regierung mit honorierten Verwaltungsaufgaben betraut; sie sind weder demokratisch gewählt noch von der lokalen Gesellschaft legitimiert.

Versammlung von ländlichen Repräsentanten im früheren Homeland Venda
Versammlung von ländlichen Repräsentanten im früheren Homeland Venda © R. Schäfer

Männer als Akteure der Veränderung

Männer protestieren gegen Gewalt an Frauen
Männer protestieren gegen Gewalt an Frauen © R. Schäfer

Einige Organisationen wie das Sonke Gender Justice Network bemühen sich, aufgeschlossene Chiefs in Projekten zur Lösung von Generationen- und Geschlechterkonflikten zu gewinnen. Sie gehen davon aus, dass nur so die hohen Gewaltraten in den früheren Homelands reduziert werden können. Zudem werden erwachsene Männer motiviert mehr familiäre Verantwortung zu übernehmen. Sonke handelt nach dem Motto: Jeder Mann kann sich ändern. Das Wiedererlernen sozial verantwortlicher Vaterschaft trotz wirtschaftlicher Strukturprobleme ist eine Herausforderung, die auch Teenager-Väter betrifft. Mit der Aufgabe, Männlichkeitszuschreibungen u.a. in ländlichen Gebieten zu ändern, befassen sich auch südarikanische Gender-Forscher.

Organisationen und Projekte für Kinder und Jugendliche

Die Zahl der minderjährigen Opfer und Täter sexualisierter Gewalt steigt. Um so wichtiger ist die Prävention, die Täterarbeit und Opferhilfe von Organisationen, die gezielt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Rapcan richtet sich an junge Täter und Opfer sexualisierter Gewalt und hat Präventionsprogramme für Erzieher/-innen und Lehrer/-innen in Kapstadt entwickelt. Landesweit bietet und koordiniert Childline konkrete Hilfe für Kinder in Gewaltsituationen.

In Projekten wie Digital Stories und Photo Voice des Sonke Gender Justice Network arbeiten Mädchen und Jungen mit visuellen Medien und künstlerischen Ausdrucksformen, um eigene Erfahrungen mit Gewalt und HIV/AIDS aufzuzeigen. Daraus sind praktische didaktische Arbeitsmaterialien für Organisationen und Institutionen in der Kinder- und Jugendarbeit entstanden. Spezielle Angebote für Straßenkinder bieten zumeist lokale Organisationen.

Über Kinderrechte informieren einige Organisationen und Institute, wie das Centre for Child Law an der Universität Pretoria.

Kriminelle Banden rekrutieren keineswegs nur Straßenkinder. Für ärmere Schulabbrecher stellt sich das Problem, nicht in Bandenkriminalität einbezogen zu werden. Während Jugendbanden perspektivlosen Jungen Anerkennung als Männer versprechen, sind sie für Mädchen vielerorts existentielle Bedrohungen. Theaterarbeit versucht, punktuell dem gegenzusteuern. Sozio-ökonomische Unterschiede bestimmen die Situation von Kindern und Jugendlichen, so orientieren sich Kinder und Jugendliche der Mittel- und Oberschicht heute an einer globalen Jugendkultur.

Zur Auseinandersetzung mit den Selbstbildern südafrikanischer Kinder und Jugendlicher in der Vorbereitung von Südafrikareisen, Arbeitsaufenthalten mit Familien oder in der schulischen Bildungsarbeit gibt es Filme, Sachbücher und Jugendromane, u.a. vom Lehrer und Kinderprojektleiter Lutz van Djik. Für die Leseförderung in Südafrika setzt sich PRAESA ein, ein Kapstadter Projekt, das im Mai 2015 mit dem Astrid-Lindgren-Preis ausgezeichnet wurden.

Lutz van Dijk - African kids
Lutz van Dijk - African kids © Lutz van Dijk und Peter Hammer Verlag
Lutz van Dijk - Themba
Lutz van Dijk - Themba © Lutz van Dijk und Peter Hammer Verlag
Lutz van Dijk - Romeo und Jabulile
Lutz van Dijk - Romeo und Jabulile © Lutz van Dijk und Peter Hammer Verlag

Homosexualität

FEW Plakat
FEW Plakat © R. Schäfer

Südafrika ist das erste afrikanische Land, in dem gleichgeschlechtliche Ehen legalisiert sind. Das entsprechende Gesetz wurde im November 2006 gegen den Widerstand von konservativ-religiösen Gruppen und Chiefs unterzeichnet. Der Dachverband der Chiefs nutzte den seit 2008 diskutierten Gesetzesentwurf zur Machterweiterung traditioneller Autoritäten (TCB), um Homophobie erneut mit Neotraditionalismus zu rechtfertigen. Einige Chiefs verlangten 2012 sogar öffentlich den Ausschluss von Homosexuellen aus ihren ländlichen Kontrollgebieten. Auch viele Medien schüren durch eine sensationalistische und sexistische Berichterstattung über Hassgewalt an Lesben die Homophobie. Sie ignorieren, dass homophobe Gewalt eine Form der weit verbreiteten geschlechtsspezifischen Gewalt mit hohen Verletzungs-, HIV- und Mordraten ist. Homophobe Gewalt zählt somit zu den historisch geprägten Strukturproblemen in der südafrikanischen Gesellschaft.

Für die Rechte von Schwulen und Lesben setzt sich das Lesbian and Gay Equality Project ein. Dank der beharrlichen Lobbyarbeit solcher Gruppen ist der Schutz vor Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung in der Verfassung des Landes verankert. An der Umsetzung durch Informationsangebote, Fortbildungen und Beratungen arbeiten OUT, Triangle einige Kirchengemeinden sowie einzelne islamische Gemeinden.

Wie notwendig solche Organisationen, Programme und Projekte sind zeigt sich daran, dass Homophobie in Schulen, der Polizei und Justiz verbreitet ist. Während der Apartheid war Homosexualität strafrechtlich verboten. Die Kriminalisierung ging auf Missionare zurück, die Anstoß an "Mine Marriages" nahmen, sexuellen Beziehungen zwischen älteren und jüngeren Wanderarbeitern in Männerwohnheimen der Gold- und Kohleminenbetreiber. Dort war es Männern strikt verboten, mit Ehefrauen oder Freundinnen zusammenzuwohnen oder von ihnen besucht zu werden.

In der südafrikanischen Armee wurden zwangsrekrutierte weiße Homosexuelle mit Psychopharmaka und Elektroschocks traktiert, Homosexualität galt als Bedrohung der martialischen Männlichkeit im Militär. Einer der verantwortlichen Psychiater, Aubrey Levy, verließ Südafrika nach dem Ende der Apartheid unbehelligt. Diese historischen Hintergründe wurden von der Wahrheits- und Versöhnungskommission nur parziell thematisiert. Sie sind ebenso wenig öffentlich aufgearbeitet wie homophobe Einstellungen in der Anti-Apartheid-Bewegung.

Heute widersprechen homophobe Äußerungen einzelner prominenter Politiker/-innen den neuen Rechtsgrundlagen. Sie sind in Interessenallianz mit etlichen Präsidenten und Parlamentarier/-innen im südlichen und östlichen Afrika, die Homosexualität aus politischem und populistischem Kalkül als "unafrikanisch" anprangern - insbesondere zu Zeitpunkten, wenn Machtmissbrauch und große Korruptionsskandale ans Licht kommen. Die frühere Frauen- und Kulturministerin Lulu Xingwana hatte 2009 bei der Eröffnung einer Fotoausstellung der international anerkannten lesbischen Künstlerin Zanela Muholi auf dem Gelände des Verfassungsgerichts in Johannesburg für einen Eklat gesorgt. Sie kritisierte die Fotos als unmoralisch und gegen das Nation-Building gerichtet.

Die Zunahme von "hate crime" gegenüber der schwul-lesbischen Gemeinschaft ist alarmierend. Die Zahl der Vergewaltigungen und Ermordung von Lesben sowie massive Gewalt gegen Trans-Gender-Menschen steigt jährlich, nur wenig wird als homophobe Hassgewalt polizeilich erfasst. Besitz ergreifende und martialische Männlichkeit sowie sehr rigide Geschlechternormen zählen zu den Ursachen für so genannte "korrigierende" Vergewaltigungen. Die Ermittlungen der Polizei sind oft schleppend und die Gerichtsverfahren gegen die Täter schaffen keine Gerechtigkeit für die Opfer. Nach der Ermordung zweier lesbischer Frauen im Juli 2007 gründeten verschiedene Gruppen die Triple-Seven-Kampagne gegen die Verbreitung von "hate crime".

Problematisch ist auch die Situation homosexueller oder Trans-Gender Menschen, die aus anderen afrikanischen Ländern nach Südafrika fliehen, weil sie in ihrer Heimat aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verfolgt werden. Zu ihren Problemen zählen nicht nur die großen Hürden staatlicher Institutionen beim Aufenthalts- und Asylrecht, sondern auch die Konfrontation mit Homophobie und Hassgewalt. Nur wenige zivilgesellschaftliche Organisationen bieten ihnen Beratung und Informationen.

Einige südafrikanische Gender-Forscher/-innen analysieren die schwierige Situation, den Schutz vor HIV/AIDS, die homophobe Gewalt und Widerstandsstrategien von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung/Geschlechtsidentität. Auch die Heinrich-Böll-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung publizierten zu diesem Thema.

Migration und Fremdenfeindlichkeit

Südafrika zieht wegen seiner Wirtschaftskraft immer mehr Arbeitssuchende und Flüchtlinge aus Afrika an. Wanderarbeiter aus Lesotho und Mosambik waren während der Apartheid gefragte Arbeitskräfte in den Goldminen, hingegen werden Migranten/-innen aus den Nachbarländern heute als Konkurrenz beim Kampf um die knappen Arbeitsplätze gesehen. Für etliche Unternehmer und Farmer scheint es lukrativ zu sein, kompetente und gut ausgebildete, "illegale" Simbabwer/-innen zu beschäftigen, weil sie dann Mindestlöhne und Arbeitsrechte unterlaufen können, die für Südafrikaner/-innen gelten. So verschärfen diese Arbeitgeber die Konkurrenz. Trotz der geringen Löhne überweist die große Mehrheit der Simbabwer/-innen regelmäßig Geld an ihre Familien in der Heimat, ohne das deren Existenz gefährdet wäre. Auch im informellen Sektor ist die Konkurrenz zwischen südafrikanischen und ausländischen Händlern groß, allerdings schwanken die Zahlen der informellen Händler/-innen ohne südafrikanischen Pass und es gibt unterschiedliche statistische Angaben über die Zahl der Immigranten in Südafrika.

Im Mai 2008 eskalierten xenophobe Übergriffe auf so genannte illegale Migranten/-innen. 62 Menschen wurden umgebracht, 670 schwer verletzt und Zehntausende vertrieben. Zahlreiche Studien, etwa des Centre for the Study of Violence and Reconciliation und des African Centre for Migration and Society, analysierten die vielschichtigen sozio-ökonomischen, infrastrukturellen und politischen Gewaltgründe. Sie illustrierten die wechselseitige Verstärkung von Konkurrenz um Arbeitsplätze und infrastrukturelle Ressourcen, übersteigertem Nationalismus sowie sozialen Inklusions- und Exklusionsmechanismen. Hinzu kamen geschlechtsspezifische Zerrbilder, die sich in Gewaltübergriffen auf Frauen niederschlugen.

Gewalt auf Migranten/-innen aus den Nachbarländern fand bereits vor Mai 2008 statt, wie Statistiken seit 1994 belegen. Obwohl das mediale Interesse daran nach der Fußballweltmeisterschaft 2010 sank, ist Gewalt gegen Menschen aus anderen afrikanischen Ländern keineswegs beendet, wie zivilgesellschaftliche Initiativen aufzeichnen. So registrierte das Konsortium für Flüchtlinge und Migranten/-innen in Südafrika (CoRMSA), das verschiedene Organisationen und Institutionen vernetzt, wiederholte Gewaltübergriffe. UNHCR registrierte 2011 154 Übergriffe mit 100 Verletzten und 99 Toten. 2012 wurden 238 Übergriffe registriert, 120 Menschen wurden umgebracht, 154 schwer verletzt und 7500 vertrieben. 29 bzw. 30 Menschen wurden in ihren kleinen Läden lebendig verbrannt. 300 Läden wurden angegriffen. Zwischen Januar und Mai 2013 wurden 5000 Menschen vertrieben, es fanden 130 Übergriffe statt und 62 Menschen aus anderen afrikanischen Ländern wurden umgebracht. Auch 2014 und Anfang 2015 gab es etliche Gewaltübergriffe auf Menschen aus anderen afrikanischen Ländern, einige wurden dabei umgebracht. So im April 2015 in Durban.

Die südafrikanische Regierung beschloss 2009, die Bedingungen für Arbeitsmigranten zu lockern und Flüchtlingen befristete Aufenthaltsgenehmigungen zu gewähren. Eine Registrierungsfrist der Legalisierungskampagne für illegal eingewanderte Simbabwer/-innen lief Ende 2010 ab. Bis dahin hatten mehr als 275.000 Simbabwer/-innen Anträge auf eine Regularisierung ihres Aufenthalts gestellt. Für die Mehrheit der ca. 1,5 Mio. Simbabwer/-innen - andere Schätzungen gehen von etwa drei Millionen Simbabwer/-innen aus - war die Frist zu kurz. Problematisch waren auch der Personalmangel und überforderte Behörden.

Das Zimbabwe Exile Forum und PASSOP bieten Informationen und Beratungen für Simbabwer/-innen und Flüchtlinge aus anderen Ländern in Südafrika, PASSOP leistet auch Hilfe bei geschlechtsspezifischer Gewalt. Lawyers for Human Rights hilft bei juristischen Problemen und zeichnet Unregelmäßigkeiten bei Abschiebungen auf, die dem Refugee Act von 1998 widersprechen. Für die Einhaltung der Menschenrechte von Flüchtlingen ist offiziell die South African Human Rights Commission zuständig.  Der Solidarity Peace Trust dokumentiert xenophobe Gewalt und das Fehlverhalten staatlicher Bedienstete. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR  berichtet über institutionelle Probleme, wie wenig Personal und die verbreitete Korruption.

Die internationale Organisation für Migration (IOM), das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die EU fördern Hilfsprogramme für Opfer und Präventionsmaßnahmen im Bildungs- und Kulturbereich. Dazu zählt die breit gefächerte Basisarbeit der Agency for Refugee Education, Skills Training and Advocacy (ARESTA). Auch das Goethe-Institut und die Open Society Initiative of Southern Africa sind an Filmreihen und Kulturprogrammen beteiligt, die zum Einstellungswandel beitragen sollen. IOM setzt zudem auf regionale Lösungen zu irregulärer Migration im Rahmen der Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika SADC.

Südafrika ist zwar ein Zielland von Asylbewerber/-innen innerhalb Afrikas, allerdings wird nur ein geringer Anteil der Anträge bewilligt. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR weist auch auf die Problematik realistischer Statistiken zur Zahl der Asylbewerber/-innen hin. Menschenrechtsorganisationen warnen vor dem Abbau des Aufenthalts- und Asylrechts, weil dann noch mehr Flüchtlinge in die Illegalität gedrängt würden. Probleme gibt es jetzt bereits beim Zugang zu Wohnraum, medizinischer Versorgung, Schulen für Kinder oder für alleinstehende minderjährige Flüchtlinge.

Südafrika hat in den letzten Jahren einen "brain drain" zu verzeichnen. Das Southern African Migration Project dokumentiert die Folgen: Seit 1995 haben 800.000 der vier Millionen Weißen das Land verlassen. Dies betrifft beispielsweise den Gesundheitssektor, was nicht nur für die Versorgung der zahlreichen HIV-positiven Menschen und AIDS-Kranken problematisch ist. Auch viele Schwarze suchen ihr Glück im Ausland. 2011 hat sich dieser Trend zum ersten Mal umgekehrt, weil die Lage auf dem globalen Markt auch problematisch ist.

Die komplexen Migrationsprozesse beinhalten auch vielschichtige Land-Stadt-Verbindungen und  Urbanisierungstrends innerhalb Südafrikas. So verzeichnen vor allem die Provinzen Gauteng und Western Cape stetigen Zuzug, während junge Menschen insbesondere aus dem Eastern und Northern Cape abwandern. Die Wachstumsraten der Großstädte und mittelgroßen Städte beziffern sich auf 1,4 bis 2,9 Prozent jährlich. Das betrifft vor allem die Townships und Squattercamps.

Bildung

Kindergarten in der ländlichen Limpopo Provinz
Kindergarten in der ländlichen Limpopo Provinz © R. Schäfer
Schule bei Stellenbosch
Schule bei Stellenbosch © R. Schäfer
Townshipschule im Osten von Johannesburg
Townshipschule im Osten von Johannesburg © R. Schäfer
Schule in Soweto
Schule in Soweto © R. Schäfer
Kapstadt Townshipschule
Kapstadt Townshipschule © R. Schäfer

Schule und Berufsbildung

Südafrika hat eine allgemeine Schulpflicht vom 7. (Grad 1) bis zum 15. (Grad 9) Lebensjahr bei kostenlosem Unterricht. Für das Bildungssystem Südafrikas ist das Department of Education zuständig.

Schulen und Universitäten, für letztere ist inzwischen das Department of Higher Education and Training zuständig, waren unter der Apartheid strikt nach vier "Rassen" getrennt. Nach 1994 mussten zunächst die vier verschiedenen Verwaltungssysteme im Bildungssektor sowie die Einrichtungen in den ehemaligen "Homelands" zusammengeführt werden. Die Bildungspolitik, die inzwischen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD evaluiert wird, sollte die historische Benachteiligung von Schwarzen und Coloureds aufheben und zur Demokratisierung und Chancengleichheit beitragen.

Eckpfeiler der Bildungsreform war zunächst das Curriculum 2005, das ab 1998 jahrgangsweise auf der Basis eines ergebnisorientierten Erziehungskonzepts (Outcome Based Education) eingeführt wurde. Nach heftiger Kritik wurde Mitte 2010 das neue Curriculum Schooling 2025 als langfristiger Orientierungsrahmen für den Ausbau des Bildungswesens eingeführt. Darin eingebettet ist der Action Plan und der Strategieplan bis 2019. Zudem erstellt und publiziert das Bildungsministerium Pläne, die das Curriculum und die schulische Infrastruktur erfassen. Des Weiteren ist das Integrationskonzept für behinderte Kinder zu nennen. Die Umsetzung der verschiedenen Konzepte etwa bezogen auf das Curriculum, die Sekundarschlulabschlüsse und die Bildungsqualität untersuchen neben südafrikanischen Institutionen u.a. das Bildungskonsortium für das südliche Afrika.

Südafrikas Bildungsausgaben beliefen sich 2012 auf 18,5 Prozent, seit 2013 stiegen die jährlichen Investitionen auf über 20 Prozent des Staatshaushaltes. Vor allem im Primarschulbereich sind die Ausgaben höher als in Ländern, deren Wirtschaftskraft ähnlich ist. 2016 will das Finanzsministerium ca. 204 Bn Rand in die Bildung investieren. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die eine Schule besuchen, steigt seit 1994 kontinuierlich. Über 12.600.000 Schüler/-innen werden inzwischen in 30.500 Schulen von etwa 439.000 Lehrer/-innen unterrichtet. Dennoch sind Gesundheits-, Ernährungs- und Armutsprobleme der Kinder sowie die schlechte Ausstattung zahlreicher Schulen strukturelle Hindernisse, an deren Überwindung teilweise nicht-staatliche Organisationen arbeiten.

In vielen Regionen mangelt es an der grundlegenden Infrastruktur, laut UNICEF und der nationalen Behörde für schulische Infrastruktur betrifft das u.a. Wasser, Toiletten, Strom und Schulbüchereien. Exemplarisch zeigt sich dies im Eastern Cape. Korruptionsskandale erschüttern das Bildungssystem, u.a. in der Limpopo-Provinz und in Mpumalanga. Lehrkräfte sind oft schlecht ausgebildet und mit Bildungsplänen sowie pädagogischen Anforderungen überfordert. An den staatlichen Schulen beträgt das Lehrer-Schüler-Verhältnis etwa 1:33, wobei regionale Unterschiede zu beachten sind. Die Bildungsprobleme und Ansätze zur Verbesserung der Lehrerausbildung werden u.a. im Auftrag des Human Science Research Council erforscht.

Im internationalen Schulvergleich schneidet Südafrika schlecht ab. Das World Economic Forum weist Südafrika 2013 den vorletzten Platz im Ländervergleich des Mathe- und Naturwissenschaftsunterrichts zu. 2015 wurde es ebenfalls als Schlusslicht eingestuft, wogegen sich das südafrikanische Bildungsministerium aussprach. Zudem setzen sich Wissenschaftler mit solchen Rankings kritisch auseinander und weisen auf Folgeprobleme der exklusiven Apartheidbildung hin. Auch bei den Lesekenntnissen herrschen Mängel, besonders in den Provinzen Mpumalanga und Limpopo.

Trotz vielfältiger Reformansätze der Bildungsinhalte und -ziele nach 1994, insbesondere der Vorgaben zur Verankerung von Geschlechtergerechtigkeit im Bildungssystem, werden Mädchen im Schulalltag oft diskriminiert oder gar belästigt. Immer wieder kommen Missbrauchsfälle ans Tageslicht: Lehrer misshandeln keineswegs nur Schüler etwa durch Schläge, vielmehr erpressen sie Schülerinnen. Die Übergriffe haben wegen der hohen HIV-Infektionsraten der Lehrer häufig HIV-Infektionen der Mädchen und Teenager-Schwangerschaften zur Folge. 2015 waren es insgesamt ca. 99.000, die Raten in den Vorjahren waren ebenfalls vergleichsweise hoch. Ungeachtet anders lautender Vorgaben werden nur wenige Lehrer, die in etlichen Fällen die Väter der Kinder sind, disziplinarisch belangt. Die negative Vorbildfunktion der Lehrer schlägt sich in Gewaltstrukturen an Schulen nieder. Pädagogen kritisieren, dass in Schulen zu wenig über Sexualität, Gewalt und Schwangerschaften gesprochen wird. Die hohe Zahl der schwangeren Schülerinnen sollte als bildungs- und gesundheitspolitisches Problem angegangen werden.

In manchen Townships nutzen auch kriminelle Banden das Umfeld von Schulen für den Drogenverkauf. Schulleitungen, Polizei und Gemeinden sind gefordert, Gegenstrategien zu entwickeln, praktische Handreichungen dazu hat das Bildungsministerium erstellt. Hinzu kommt das "Sugar Daddy Syndrom": Sexuelle Kontakte zwischen älteren Männern und Schülerinnen, die auf diese Weise Schulgeld für Sekundarschulen oder Privatschulen verdienen müssen. Etliche Eltern resignieren angesichts der Problemkomplexität, was zusätzliche Belastungen für die Schülerinnen bedeutet.

Ein Drittel der schwarzen Schüler/-innen erhält keinen Schulabschluss, ähnlich ergeht es Kindern aus "Coloured"-Townships. Demgegenüber schließen über 60% der indischen und über 75% der weißen Jugendlichen die Sekundarschule erfolgreich ab. Wegen der staatlichen Bildungskrise versuchen etliche Eltern, die Kosten für Privatschulen aufzubringen.

Die berufliche Ausbildung ist ein Dreh- und Angelpunkt in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik. Hierzu trägt auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des BMZ und in Kooperation mit den südafrikanischen Ministerien für höhere Bildung und berufliche Qualifizierung sowie dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie bei. Allerdings ist die Verbesserung der für den Arbeitsmarkt relevanten Kompetenzen von Jugendlichen eine Herausforderung. Um deren Chancen und Kompetenzen zu verbessern, wurden Technical and Vocational Education and Training (TVET) Colleges eingerichtet. Elektronische Newsletter berichten über deren Arbeit.

Hochschulbildung

Universität Grahamstown
Universität Grahamstown © R. Schäfer

Südafrika hat mit insgesamt 23 Universitäten und technischen Hochschulen die umfangreichsten akademischen Bildungsstätten in Afrika. Nach 1994 mussten die tertiären Bildungseinrichtungen grundlegend reformiert werden, um die rassistische Exklusivität während der Apartheid zu überwinden. Anti-Diskriminierung und Diversity Management gehören heute zu den Leitlinien.

Die 1829 gegründete University of Cape Town zählt wegen ihres hohen Forschungsstands zu den renommiertesten Universitäten des Kontinents, sie pflegt weltweite akademische Kooperationen. Die University of Witwatersrand in Johannesburg ist ebenfalls eine der führenden Forschungsstätten des Landes. Ähnlich wie die Universität Kapstadt war die Witwatersrand Universität während der Apartheid eine Nische für regimekritische englischsprachige Intellektuelle.

Universität Stellenbosch Hauptgebäude
Universität Stellenbosch Hauptgebäude © R. Schäfer

In der Provinz Gauteng ziehen heute auch die University of Johannesburg und die University of Pretoria große Studentenzahlen an. Im Western Cape betrifft dies die University of the Western Cape, die frühere Hochschule für Coloureds nahe Kapstadt. Vor den Toren Kapstadts liegt auch die University of Stellenbosch; sie war vor 1994 die Kaderschmiede der burischen Elite und eine Drehscheibe im politischen Machtgeflecht des Apartheidregimes und wurde danach allmählich reformiert. Neben den im Landesinneren angesiedelten Universitäten in Bloemfontein und Potchefsdrom, die ebenfalls fest im Griff des burischen Machtapparats bzw. regimetreuer Kirchenvertreter waren, wird an der Universität Stellenbosch noch vornehmlich in Afrikaans gelehrt. Wegen ihrer günstigen Lage ist sie ein begehrtes Ziel für Universitätspartnerschaften und unterhält Austauschprogramme u.a. mit deutschen Instituten.

Obwohl sich Forschungskooperationen auf einzelne tertiäre Bildungsinstitutionen  konzentrieren, sind weitere Universitäten nennenswert: Im Eastern Cape ist dies die Rhodes University in Grahamstown, deren Abteilung für Journalismus und Medienkunde ist die größte und älteste Journalismusschule in Afrika. Traditionsreich ist auch die 1916 gegründete University of Fort Hare, die akademische Heimat vieler Juristen und Apartheidgegner wie Nelson Mandela, Oliver Tambo oder Govan Mbeki. Hinzu kommt die Nelson Mandela Metropolitan University mit Standorten in Port Elizabeth und George.

Die University of KwaZulu-Natal in Durban ist für die bevölkerungsreiche Provinz KwaZulu-Natal die wichtigste Bildungseinrichtung. Die Unversität Durban-Westville, einer der heutigen Standorte, war während der Apartheid für Studierende indischer Herkunft eingerichtet worden.

Für den nationalen und internationalen Austausch von Naturwissenschaftler/-innen und Ingenieur/-innen verschiedener Forschungsinstitute ist der Council for Scientific and Industrial Research wichtig. Über die Ergebnisse erfolgreicher Forschungskooperationen berichtet beispielsweise das South African Journal of Science, dessen Artikel kostenlos elektronisch zugänglich sind.

Ein Schaufenster für die breit gefächerte und hochkarätige Forschung in Südafrika sind die Publikationen, die auf der Webseite des Human Science Research Council zum Downloaden benutzerfreundlich zur Verfügung stehen. Sie sind thematisch geordnet und umfassen u.a. Forschungen zur politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Entwicklung, zum Gesundheitssektor, zum Klimawandel sowie zu Agrar- und Landrechtsfragen.

Über die Staatsgrenzen Südafrikas hinaus ist die University of South Africa in Pretoria bekannt, denn sie bietet viele Fernstudienprogramme, die auch Studierende in den Nachbarländern nutzen.

Der Strukturwandel der Universitäten und die stärkere Integration von Studierenden und Dozenten/-innen der bis 1994 von der Universitätsbildung nahezu ausgeschlossenen schwarzen Bevölkerungsmehrheit ist vielerorts ein Ziel, an dem die Universitätsverwaltungen arbeiten. Zwar steigt der Anteil schwarzer Erwachsener mit einem Universitätsabschluss, aber viele müssen aufgrund von Armut und schwierigen Wohn- und Lebensbedingungen noch immer höhere Hürden meistern als Weiße. Dazu trägt eine hohe Abbruchrate von über vierzig Prozent bei. Auch die Arbeitslosenrate bei schwarzen Studienabsolventen ist größer als bei Weißen. Nicht alle Studierende, die einen 'Matric'-Schulabschluss erhalten haben, können die Anforderungen eines Studiums erfüllen. 2012 bestanden 73,9% aller Matric-Kandidaten/-innen das Abschlussexamen, aber nur 26,6% absolvierten erfolgreich die BA-Aufnahmeprüfungen an Universitäten. 2014 bestanden 78,2% die Abschlussprüfung der Sekundarschulen, doch nur 30,6% der Absolventen/innen an staatlichen Sekundarschulen erzielte einen guten Notenschnitt, der für ein BA-Studium Voraussetzung ist. Während des Studiums sind - ähnlich wie in der Schulzeit - finanzielle, familiäre oder gesundheitliche Probleme große Hindernisse für viele junge Menschen. Hierzu zählen HIV-Infektionen und Gewalt, so dass etliche Universitäten Richtlinien gegen sexuellen Missbrauch auf dem Campus, insbesondere in Studentinnenwohnheimen und zu HIV/AIDS, erlassen haben.

Gesundheit und Sozialwesen

Traditioneller Heiler
Traditioneller Heiler © R. Schäfer

Traditionelle Medizin

Südafrika verfügt über eine reiche Biodiversität mit ca. 24.000 einheimischen Pflanzen. Die traditionelle Medizin hat eine lange Geschichte. Seit einigen Jahren ist die Biopiraterie ein Problem, zumal es Nutzungskonflikte gibt und die Artenvielfalt von Pflanzen mit Heilwirkung reduziert wird. Es gibt klare Gesetzesgrundlagen, doch internationale/nationale Pharmakonzerne, einige Forschungseinrichtungen und manche korrupte Heiler missachten diese. Andere Forschungseinrichtungen, beispielsweise an der University of the Western Cape, setzen auf die Erforschung der Heilwirkung traditioneller Medizin. Über die Zahl der Kranken, die jährlich traditionelle Heiler/-innen in Südafrika aufsuchen, gibt es umstrittene Angaben und oftmals veraltete Zahlen.

Das Gesundheitsministerium hat versucht, die traditionelle Medizin bei der Behandlung von Tuberkulose zu integrieren. Der 2007 erlassene Traditional Health Practitioners Act regelt die Aufgaben der "Sangomas" und deren Verhältnis zu schulmedizinisch ausgebildeten Ärzten/-innen. Tödliche Krankheiten wie AIDS oder Krebs dürfen die traditionellen Heiler/-innen nicht behandeln. Neben der psychosozialen Unterstützung von HIV-positiven Menschen und AIDS-Kranken galten sie als letzte Rettung unter der Mbeki-Regierung, als die damalige Gesundheitsministerin den Zugang zu anti-retrovialen Medikamenten verweigerte. Traditionelle Heiler/-innen verlangen von allen Patienten/-innen finanzielle Behandlungskosten. Immer wieder verschulden sich Familien von unheilbar Kranken.

Gesundheitsversorgung

Mutter mit Baby
Mutter mit Baby © R. Schäfer

Nach Jahrzehnten rassistisch geprägter Gesundheitspolitik hat heute jeder Mensch das Recht auf medizinische Versorgung. Trotz hoher Ausgaben für das Gesundheitswesen sind die staatlichen Krankenhäuser oft sehr schlecht ausgestattet und personell unterbesetzt, so dass mancherorts auf ausländische Fachkräfte zurückgegriffen wird. Personalmangel, schlechtes Management und Kommunikationsprobleme mit Gesundheitsämtern beeinträchtigen vor allem ländliche Krankenhäuser. Im Rahmen der Gesundheitssektorreform wird über die Einführung einer nationalen Krankenversicherung und die Kosten bzw. Ausstattung privater Kliniken kontrovers diskutiert. Im Januar 2014 wurde bekannt, dass sich das Gesundheitsministerium gegen die internationale Pharmaindustrie stellte. Es ging um deren Verschleppung der Einführung von Generika, was die südafrikanische Regierung negativ betrifft, zumal die kostspieligen Medikamentenimporte sich in einem hohen Handelsbilanzdefizit niederschlagen.

Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist alarmierend hoch: 2014 betrug die Müttersterblichkeit 140 pro 100.0000, 36 Prozent waren Teenager-Mütter. Neben mangelnder Ausstattung der Geburtsstationen gefährdet das Fehlverhalten von Krankenschwestern Schwangere und Föten, denn etliche Krankenschwestern gewähren Teenager-Müttern, HIV-positiven Müttern oder Migrantinnen nur unzureichende Geburtshilfe. Ein 2012 aufgelegtes Programm des Gesundheitsministeriums soll Abhilfe schaffen, denn Gesundheitsminister Dr. Aaron Motsoaledi, selbst ausgebildeter Mediziner, hatte die Reduzierung der Müttersterblichkeit bereits zum Amtsantritt 2009 als Arbeitsschwerpunkt festgelegt.

92 Prozent aller Schwangeren kommen zu Vorsorgeuntersuchungen und 87 Prozent aller Schwangeren gebären in einer staatlichen Entbindungsstation, zumal die Geburtshilfe dort kostenlos ist. Strukturprobleme im Gesundheitswesen und großer Personalmangel auf Entbindungsstationen, u.a. durch Planungs- und Managementfehler, zählen zu den Gründen für die hohe Müttersterblichkeit durch medizinisch vermeidbare Komplikationen in der Provinz Mpumalanga. Dort lag sie 2013 bei 175 pro 100.000 Geburten, landesweit betrug sie 132 pro 100.000 Geburten. In manchen Teilen der Limpopo Provinz starben sogar 292 Frauen bei 100.000 Geburten. 2014 betrug die Säuglingssterblichkeit 45 pro 1000 Geburten.

Die HIV-Rate der 15-49 jährigen Frauen ist im Landesdurchschnitt 19,7 Prozent und der Schwangeren 29,5%. Allerdings sind in manchen verarmten und von sexueller Gewalt geprägten Provinzen wie KwaZulu-Natal 37,4 Prozent der Schwangeren HIV-positiv. Mütter- und Säuglingssterblichkeit betrifft vor allem arme Frauen in wirtschaftlich und infrastrukturell benachteiligten Gemeinden. Unter dem Titel "Every Death Counts" legt das Medical Research Council Daten und Lösungsansätze vor. Die Organisation Engender Health richtet sich an Männer, um deren Sexual- und Gesundheitsverhalten zu ändern. Beispielhaft ist ihr Men as Partners Project mit entsprechendem Trainingsmaterial. Engender Health motiviert Männer, sich regelmäßig untersuchen zu lassen und HIV-Tests nicht als Angriff auf die Männlichkeit abzulehnen. Sie zielt darauf ab, die Gesundheit von Männern, Frauen und Kindern zu verbessern und sexuelle Gewalt sowie HIV-Infektionen zu reduzieren. Engender Health wirkt im internationalen Netzwerk Men Engage mit.

Zur Verbesserung der Gesundheit von Schüler/-innen erarbeitete das Medical Research Council Konzepte und konkrete Vorschläge. UNICEF kritisiert immer wieder die gesundheitliche Problemlage von Kindern und deren Ursachen: Trotz Kindergeld, das Erziehungsberechtigte für 10,3 Millionen Kinder erhalten, wachsen viele Kinder weiterhin in Armut auf. Eine 2014 von der südafrikanischen Menschenrechtskommission herausgegebene Studie über Kinderarmut in Südafrika zeigt Strukturprobleme auf. Dazu zählen Gesundheitsprobleme und Mangelernährung. Human Rights Watch kritisiert Defizite in der medizinischen Behandlung von Asylsuchenden, Flüchtlingen und Migranten/-innen.

HIV/AIDS

HIV/AIDS-Aktivistinnen
HIV/AIDS-Aktivistinnen © R. Schäfer

HIV/AIDS ist ein enormes Gesundheitsproblem, das die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in Südafrika stark beeinträchtigt. Das betrifft in ähnlicher Weise auch die Nachbarländer, die ebenfalls von kolonialer Siedlergewalt, Zwangsumsiedlungen, anti-kolonialen Unabhängigkeitskriegen, Wanderarbeit, Armut und Geschlechterkonflikten geprägt sind. Deshalb hat die regionale Entwicklungsgemeinschaft SADC einen HIV/AIDS-Strategieplan (2010-2015) verabschiedet und erfolgreiche Strategien dokumentiert. Zudem gibt es Vernetzungsplattformen zum Informationsaustausch wie MIET AFRICA und SAFAIDS, die zumeist in Südafrika angesiedelt sind. Mitte 2014 schätzte die Statistikbehörde Südafrikas die HIV-Infizierten auf 10,2% der Bevölkerung, das waren 5.510.000 Menschen. UN-AIDS bezifferte die Zahl der infizierten Jugendlichen und Erwachsenen im Jahr 2014 auf 6.500.000 und die Infektionsrate der 15-49 Jährigen im gleichen Zeitraum auf 18,9%.

Auf der nationalen AIDS-Konferenz am 18. Juni 2013 in Durban erklärte der Gesundheitsminister, dass ihm die hohen HIV-und AIDS-Raten junger Menschen sowie die sexuelle Abhängigkeit vieler Schülerinnen von älteren Männern Sorge bereiten, zumal damit die Generation erkrankt und stirbt, die das Land wirtschaftlich braucht. Deshalb kooperiert das Gesundheitsministerium nun verstärkt mit dem Bildungsministerium, sexuelle und reproduktive Gesundheit sollen in das Curriculum integriert werden. Auch Schülerverbände wie COSAS fordern den Schutz der Mädchen, sie verlangen in deutlichem Ton personalrechtliche Konsequenzen für Lehrer, die Schülerinnen erpressen und missbrauchen; zumal HIV-Infektionen und Teenagerschwangerschaften die Folgen sind.

Während über 80 Prozent der infizierten Frauen heute anti-retrovirale Medikamente einnehmen, sind es nur 65 Prozent der Männer und Kinder. Laut Gesundheitsminister Dr. Aaron Motsoaledi scheuen sich Männer vor HIV-Tests und erhalten damit auch keine notwendigen Medikamente. Um so wichtiger sei es, die Männer zu erreichen. Das Gesundheitsministerium propagiert die freiwillige Vorhautbeschneidung von Männern als eine von mehreren Präventionsmöglichkeiten, allerdings sterben bei unsachgemäßen Beschneidungen, die inkompetente Heiler oder Kriminelle durchführen, jedes Jahr dutzende Jungen.

Mitte Juli 2016 fand in Durban eine internationale AIDS-Konferenz  statt. Neben Themen und Zielen von UNAIDS nutzten südafrikanische Aktvisten/innen und Wissenschaftler/innen dieses Treffen zur Diskussion über Probleme und Entwicklungen im Kontex von HIV/AIDS in Südafrika.

Aktion zum Welt-AIDS-Tag
Aktion zum Welt-AIDS-Tag © R. Schäfer

Wie in vielen anderen Ländern sind HIV-Beratungen und –Tests in Südafrika eine Frauendomäne, Krankenschwestern informieren vor allem Schwangere. Etliche Männer befürchten, von Krankenschwestern wegen ihres Sexuallebens diffamiert zu werden und meiden Beratungen oder Tests - auch von Geschlechtskrankheiten (STDs). Engender Health arbeitet an Bewusstseinsänderungen von Männern, das Men as Partners-Programm geht von den Problemperspektiven der Männer aus, motiviert Männer als Akteure der Veränderung und hat eine große Breitenwirkung. Gleichzeitig besteht die Herausforderung in Aus- und Fortbildungen von Gesundheitspersonal (u.a. durch kritische Selbstreflexionen) zu thematisieren, wie Männer als Zielgruppe in der HIV/AIDS- und STD-Prävention besser erreicht werden können. Auch die HIV/AIDS-Beratungen von jungen schwangeren Teenagern, Homosexuellen, Inhaftierten sowie Flüchtlingen und Migranten/-innen aus anderen afrikanischen Ländern sind laut Einschätzungen von Gesundheitsexperten/-innen verbesserungswürdig. Die Probleme sind nicht nur durch personelle Überlastungen (brain drain u.a.) des Gesundheitspersonals und mangelnde Ausstattung der Krankenhäuser bzw. Gesundheitszentren bedingt.

HIV-Prävalenz 2014
HIV-Prävalenz 2014 auf Provinzebene Copyright: health-e.org.za

Während 2008 9,6 Prozent der Säuglinge mit HIV  infiziert waren, reduzierte sich der Anteil 2012 auf 2,8 Prozent und weniger als 2 Prozent in 2014. Die Ende 2014 erlassenen HIV-Richtlinien des Gesundheitsministeriums sehen weitere Maßnahmen zur Vermeidung von Mutter-Kind-HIV-Übertragungen vor. Wie wichtig das ist, dokumentieren Zahlen von UN-AIDS. Demnach waren 2014 340.000 Kinder unter 14 Jahren HIV-positiv. Im Juli 2015 bezifferte South African Statistics die Prävalenz der über 15-jährigen Jugendlichen auf 5,59 Prozent.
UNAIDS bewertet im Ländervergleich, ob HIV-positive Menschen - insbesondere Schwangere - Zugang zu anti-retrovialen Medikamenten erhalten und die Regierungen Maßnahmen zur Überwindung von Stigma und Geschlechterungleichheiten ergreifen. Schließlich ist die Ausbreitung von HIV in Südafrika neben der Mutter-Kind-Übertragung vor allem durch sexuelle Gewalt und ungeschützte sexuelle Kontakte in hierarchischen Ehen und Partnerschaften bedingt. Deshalb setzen sich der nationale AIDS-Rat (SANAC), der den Dialog zwischen staatlichen Gremien und zivilgesellschaftlichen Organisationen fördern und die Regierung beraten soll, und das Frauenministerium für die Überwindung der Gewalt und den Verhaltenswandel von Männern ein. Zu diesem Zweck führen sie einen Dialog mit dem Sonke Gender Justice Network, das vorbildliche Programme zur Arbeit mit Männern als Akteuren der Veränderung entwickelt und erfolgreich erprobt hat. Solche Ansätze sind notwendig, denn die große Gewaltbereitschaft von Männern ist auch ein Grund für die hohen Mordraten.

Nationale gesundheitspolitische Bezugspunkte für die HIV-Prävention sind der nationale Strategieplan zu HIV/AIDS und Geschlechtskrankheiten (2007-2011), der nationale Strategieplan zu HIV, Geschlechtskrankheiten und TB (2012-2016) sowie die nationalen Verpflichtungen und Politikinstrumente (NCPI) 2012. Nennenswert sind auch die 2011 erlassenen und für den Zeitraum 2012-2016 geltenden Richtlinien zum gender-sensiblen und rechtsbasierten HIV/AIDS-Mainstreaming in der öffentlichen Verwaltung sowie in staatlichen Institutionen, die auch Bezüge zu TB und Geschlechtskrankheiten herstellen.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) führt ein multi-sektorales Programm (2011-2025) zur HIV/AIDS-Prävention durch, politischer Träger in Südafrika ist das dortige Gesundheitsministerium. Auf unterschiedlichen Ebenen werden AIDS-Beiräte fortgebildet, die Koordinationsaufgaben haben. Zudem kooperierte die GIZ mit Lovelife, inzwischen fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) diese NGO, die gezielt Jugendliche anspricht. In der Präventionsarbeit durch Theater für Jugendliche sind bzw. waren Drama for Life und Themba Interactive die Kooperationspartner. Zudem hebt die GIZ im Bereich der HIV-Prävention Steps und Mindset Network als wichtige HIV/AIDS-Organisationen hervor. Zu weiteren Kooperationspartnern zählte in den letzten Jahren auch der nationale AIDS-Rat. Weltwärts-Freiwillige sind ebenfalls in HIV/AIDS-Projekten tätig.

Auf die nationale HIV/AIDS-Politik in Südafrika bauen interdisziplinäre Forschungen auf, sie ergründen u.a. Verhaltensmuster und die Ernährung im Kontext von HIV/AIDS. Auch die Verbesserung der Behandlungs- und Beratungsmethoden sowie die dazu notwendigen Kosten für den Gesundheitsetat werden analysiert, etwa vom Medical Research Council, von HIV/AIDS-Forschungszentren an der Universität Kapstadt und an der Witwatersrand Universität in Johannesburg. Zudem wird an Universitäten die Umsetzung HIV-Arbeitsplatzprogrammen ergründet. Sowohl staatliche Institutionen als auch Organisationen und privatwirtschaftliche oder internationale Unternehmen sind gemäß arbeitsrechtlicher Vorgaben gefordert, Arbeitsplatzleitlinien zu formulieren und umzusetzen. Das betrifft auch deutsche Automobilhersteller, die schon während der Apartheid in Südafrika Niederlassungen hatten.

Über den Umgang mit der HIV- und AIDS-Krise gab es unter der Regierung von Ex-Präsident Thabo Mbeki (1999-2008) massive politische und verfassungsrechtliche Auseinandersetzungen, weil er zu Beginn seiner Amtszeit den Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und AIDS in Frage stellte. Während der Politikwissenschaftler William Gumede Mbeki's AIDS-Politik vor allem durch dessen Persönlichkeitsstruktur begründet sah, argumentierte Patrick Bond, Entwicklungsexperte an der Universität KwaZulu-Natal, mit strukturellen Faktoren, wie der Macht von Pharmakonzernen.

Erst nach Entscheidungen des Verfassungsgerichts 2002/2003 geriet die Mbeki-Regierung in Zugzwang, anti-retrovirale Medikamente bereit zu stellen. Das hatte die Treatment Action Campaign (TAC), ein Netzwerk von HIV-positiven Menschen und AIDS-Aktivisten/-innen  gefordert. TAC berief sich auf das in der südafrikanischen Verfassung verankerte Recht auf Gesundheit. 2003 wurde TAC für den Friedensnobelpreis nominiert und in den Folgejahren erhielten die couragierten Aktivisten/-innen mehrere Auszeichnungen, u.a. den Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung 2009. Ende 2003 legte das Gesundheitsministerium einen umfassenden Plan zur Vorbeugung und Behandlung von HIV-Infektionen vor. TAC und andere zivilgesellschaftliche Initiativen begleiteten die Umsetzung kritisch und monierten, dass zwei Jahre nach Programmbeginn nur 30 Prozent der HIV-positiven Zugang zu den Medikamenten hatten. Das Recht auf Behandlung als Menschenrecht ist auch ein Fokus des Rechtsberatungsinstituts Section 27, das sich auf die südafrikanische Verfassung beruft und gesundheitspolitische Lobbyarbeit leistet. Es ging aus dem AIDS Law Project an der Witwatersrand Universität in Johannesburg hervor.

Dr. Manto Tshabalala-Msimang, die Ex-Gesundheitsministerin unter Thabo Mbeki, hatte immer behauptet, anti-retrovirale Medikamente seien giftig. Statt dessen propagierte sie Knoblauch, Rote Bete, Olivenöl und Zitronen, die allesamt nicht Grundnahrungsmittel in Südafrika waren und allein wegen der hohen (Import)preise für diejenigen, die nicht zur neuen schwarzen Elite gehörten, unerschwinglich blieben. Die Harvard School of Public Health errechnete, dass die verfehlte HIV-/AIDS-Politik unter Thabo Mbeki zwischen 2000 und 2005 330.000 Infizierten das Leben kostete und die HIV-Infektion von 35.000 Neugeborenen zur Folge hatte, zumal deren Mütter keine anti-retroviralen Medikamente erhielten. Nach Thabo Mbekis Rücktritt 2008 berief Interimspräsident Kgalema Mothlante Barbara Hogan zur Gesundheitsministerin, sie war Finanzexpertin und frühere ANC-Untergrundaktivistin. Hogan reformierte das abgewirtschaftete Gesundheitsministerium und setzte eine Wende in der Aids-Politik durch, dazu zählten HIV-Programme in öffentlichen Kliniken und Vorbeugung bei infizierten Schwangeren.

Als Zuma, der jahrelang den nationalen AIDS-Rat geleitet hatte, 2009 Staatspräsident wurde, setzte er Barbara Hogan ab und berief Dr. Aaron Motsoaledi zum Gesundheitsminister. Dieser knüpft an die von Barbara Hogan begonnene HIV/AIDS-Politik an und baut sie aus. Während einer HIV/AIDS-Konferenz im Juni 2015 erklärte Vize-Präsident Cyril Ramaphosa die aktuelle HIV/AIDS-Politik der ANC-Regierung, die auf Prävention, Aufklärung, Tests und Zugang zu anti-retroviralen Medikamenten setzt.

Präsident Jacob Zuma war für seine verharmlosenden Aussagen im Vergewaltigungsprozess 2006 von Menschenrechts-, Kinderrechts-, Frauen- und HIV/AIDS-Organisationen scharf kritisiert worden - damals war er noch kein Präsident. Er hatte behauptet, mit "Duschen" hätte er sich nach dem Beischlaf mit einer HIV-positiven Frau vor einer Ansteckung geschützt.

Die banalisierenden und konträren Einschätzungen namhafter Politiker/-innen zu HIV/AIDS verunsicherten viele Menschen. Neben Verschwörungstheorien verbreiteten sich AIDS-Mythen über die Infektionsrisiken. Religiöse und neo-traditionalistische Scharlatane verdienten viel Geld als "AIDS-Heiler". Indem sie Todkranke gegen hohe Gebühren behandelten, trieben sie zahllose Familien in Schuldenfallen und in den finanziellen Ruin. Angesichts vieler Falschinformationen, der Banalisierung und der Tabuisierung von HIV/AIDS ist es für Präventionsprogramme schwierig, Menschen von Verhaltensänderungen zu überzeugen. Um so wichtiger sind innovative Programme, die sich mit Filmen, Radiosendungen oder Theaterstücken an bestimmte Zielgruppen wenden. Hierzu zählen die Steps for the Future-Filme, die sich an unterschiedliche Zielgruppen, z.B. an Jugendliche, richten. Sie wurden u.a. von Brot für die Welt gefördert und sind beispielsweise beim Evangelischen Zentrum für entwicklungspolitischen Filmverleih (EZEF) in Stuttgart erhältlich. Insbesondere im Kontext der in Südafrika ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft 2010 wurden Fußballspiele und Filme zur HIV-Prävention eingesetzt, so der Film Themba. Die Wirkung von Filmen und anderen Medien zur HIV-Prävention wurde vor einigen Jahren von Wissenschaftler/-innen der Universität Durban erforscht.

Zielgruppenorientierung und Peergruppenarbeit sind Elemente des innovativen und didaktisch gut aufbereiteten Schulprojektes Respect for You. Sie stehen auch im Mittelpunkt von Stepping Stones, einem internationalen Programm, das u.a. von Strategies for Hope konzipiert wurde. Trainer/-innen kommentieren es und kommunizieren kontinuierlich eigene Verbesserungsvorschläge. Das Medical Research Council begleitet die Arbeit mit diesem Ansatz in Südafrika fachlich.

Altersversorgung und Sozialhilfe

Alter Mann, ländliche Limpopo Provinz
Alter Mann, ländliche Limpopo Provinz © R. Schäfer

Südafrika ist der einzige Wohlfahrtsstaat in Afrika, wie außergewöhnlich die soziale Gesetzgebung und die Sozialpolitik sind, zeigt ein Ländervergleich. Das in der Verfassung verankerte Recht auf soziale Sicherung spiegelt sich in einem komplexen Sozialsystem wider. Dazu gehören u.a. eine Altersrente für Frauen ab 60 und Männer ab 65 Jahren, eine staatliche Arbeitslosenversicherung (allein für den formellen Sektor), ein staatlicher Gesundheitsdienst  (ohne eine allgemeine Krankenversicherung), ein Programm zur Unterstützung von Behinderten und Waisen sowie ein einkommensabhängiges Kindergeld. Von der Altersrente profitiert indirekt auch die zunehmende Zahl von Aidswaisen, die bei ihren Großeltern - mehrheitlich bei Großmüttern - aufwachsen und von ihnen versorgt werden.

Staatliche Sozialleistungen erreichen laut Regierungsangaben mittlerweile über 16 Millionen Bedürftige. Sie leben zumeist in infrastrukturell schlecht versorgten Townships und informellen Siedlungen (Squattercamps) sowie in den früheren Homelands. Allerdings kommt die Hilfe oft nicht an, vor allem auf dem Land ist das ein Problem. Der in Durban ansässige Media in Education Trust hat ein Programm (Schools as Centres of Care and Support) aufgelegt, das Kindern von Landschulen und ihren Familien hilft, über die notwendigen Registrierungen Zugang zu den Sozialhilfeleistungen zu bekommen. Damit verbunden sind auch Informationsprogramme beispielsweise zu HIV/AIDS.

Kultur

Kunstwerk von N. Mabasa
Kunstwerk von N. Mabasa © R. Schäfer

Multi-Kulturalität gehört nach Jahrzehnten der Unterdrückung aller, die nicht weiß waren, zu den Leitbildern. Diese Neuausrichtung soll auch die Bedeutung ethnischer Differenzen bei der weitgehend urbanisierten Bevölkerung reduzieren, denn ethnische Zuordnungen wurden vom Apartheidregime als natürliche und statische Einheiten eingeführt. Die ANC-Regierung bemühte sich unter Thabo Mbeki um eine Rückbesinnung auf afrikanische Werte wie ein gemeinschaftsorientiertes Menschenbild, allerdings wurde das hierfür verwendete Wort "ubuntu" oft instrumentell gebraucht - sogar von Wirtschaftsberatern. Thabo Mbeki's Idee von der African Renaissance sollte einer neuen nationalen Identität auf den Weg helfen.

Das kulturelle Leben Südafrikas ist sehr lebendig und vielschichtig. In den letzten Jahren entwickelte sich eine regelrechte Kulturindustrie, die für den Tourismussektor als Wirtschaftsfaktor immer bedeutender wird. Die Apartheid hatte die Zugänge zu Musik, Theater, Museen etc. getrennt. Regimekritische Künstler/-innen prangerten in ihren Werken die Apartheid an. Zugleich entwarfen sie Bilder einer neuen Gesellschaft jenseits der rassistischen oder ethnischen Unterscheidungen und Hierarchien. Sie tragen heute wesentlich zur Entstehung einer gemeinsamen südafrikanischen Identität bei.

Kulturelles Leben

Ubu and the Truth Commission- Hand Spring Puppet Company
Ubu and the Truth Commission © Hand Spring Puppet Company, Johannesburg

Wie vielfältig sich das kulturelle Schaffen von der Literatur bis zum Jazz und Theater aktuell gestaltet, illustriert beispielsweise die Programmseite "Arts" der elektronisch zugänglichen Wochenzeitschrift Mail and Guardian. Festivals wie das National Artsfestival in Grahamstown oder die Jazzfestivals in Kapstadt und Johannesburg sind Schaufenster der innovativen Kunstszene, die zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland bewundern. In den Großstädten bieten Theater und Theaterfestivals facettenreiche Programme. Zu den bekanntesten zählt das Market Theatre in Johannesburg, für das der bedeutende Künstler William Kentridge und die Handspring Puppet Company arbeiteten.

Landesweit und international bekannte Theaterregisseure sind Zakes Mda, der zugleich auch Theaterwissenschaftler und Romanautor ist, sowie Athol Fugard, dessen Stücke sich beispielsweise mit der düsteren Apartheidgesellschaft und den Herausforderungen der Versöhnung befassen.

Pieter Dirk Uys
Pieter Dirk Uys © Darling Files

Einzigartig ist der politische Satiriker Peter-Dirk Uys, ein couragierter Apartheidgegner und Verwandlungskünstler afrikaans-deutsch/jüdischer Herkunft, der auch kritisch die ANC-Regierung karrikiert. Er erhielt neben zahlreichen anderen Auszeichnungen u.a. den deutschen Afrika-Preis der Deutschen Afrikastiftung 2012. Sein Theater in Darling, nördlich von Kapstadt, ist ein Publikumsmagnet, dort hat er auch ein Theater- und Kunstprojekt für Township-Kinder aufgebaut. Zudem konzipierte er ein Satireprogramm zur HIV-Aufklärung für Schüler/-innen, mit dem er seit Jahren an zahlreichen Schulen auftritt.

Seit Jahren begeistert der politisch subversive und sozialkritische Standup Commedian Trevor Noah das Publikum - keineswegs nur in Südafrika. Riaad Moosa zählt ebenfalls zu den beeindruckendsten sozialkritischen Standup Commedian, der ausgebildete Arzt ist zudem als Schauspieler tätig.

Studierende der Theaterwissenschaften an der Witwatersrand Universität in Johannesburg kooperieren - unterstützt von der GIZ - mit dem Goethe-Institut (GoetheonMain) im Rahmen eines Jugendtheaterprogramms zur HIV-Prävention. Gemeinsam mit Jugendlichen werden gesellschaftspolitische Themen auf die Bühne gebracht, dazu zählen HIV/AIDS und Gewalterfahrungen von Schüler/-innen ("Drama for live").  Jugendtheater soll auch zur Kriminalitätsbekämpfung in Townships helfen.

Tanz

Vuyani Four Seasons
Vuyani Four Seasons © Vuyani Johannesburg

Im Bereich des Tanzes gibt es neben traditionellen Tänzen klassisches Ballett, u.a. mit Kompanien in Kapstadt, und modernen Tanz - ebenfalls mit renommierten Kompanien und Festivals. Einer der national und international herausragenden Tänzer ist Fana Tshabalala, der Choreograph Gregory Maqoma des Vuyani Tanztheaters setzt national und international hohe Standards für den modernen südafrikanischen Tanz. Er kooperiert mit Choreographen aus anderen afrikanischen Ländern, wie Florent Mahoukou aus Kongo/Brazzaville, und seine Stücke werden von südafrikanischen Tänzern/-innen, wie Shawn Mothupi und Thulani Chauke, auf internationalen Festivals aufgeführt, so im Rahmen von Dance Dialogues Africa. Nennenswert ist auch die Dance Factory in Newtown, Johannesburg. Eine Besonderheit Südafrikas ist der Gumboot Dance, ein Tanzstil, den kasernierte Minenarbeiter während der Apartheid mit Gummistiefeln entwickelt haben. Dance for All, ein Projekt, das namhafte Ballettänzer/-innen gründeten, richtet sich an Kinder und Jugendliche in den Townships von Kapstadt. Es geht um Körperarbeit, Freude an der Bewegung und Stärkung des Selbstverstrauens der jungen Tänzer/-innen. Auch in Johannesburgs Township Alexandra gibt es neuerdings Ballettunterricht, an dem sogar Jungen teilnehmen.

Literatur

Buchcover Wortschätze
Buchcover Wortschätze © horlemann.info
Ingrid Jonker
Ingrid Jonker © die Sestigers

Südafrika hat eine der reichhaltigsten Literaturen Afrikas und einige Autoren/-innen von Weltrang. Namentlich zählen dazu John Maxwell Coetzee, der mit seinem 1999 erschienenen Roman "Schande" den renommierten Booker Prize und den Literaturnobelpreis 2003 erhielt, und Nadine Gordimer, die 1991 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde und im Juli 2014 verstarb. Hervorzuheben sind auch die in Afrikaans schreibenden Dennis Brutus (u.a. Remembering Soweto, 2004), Breyten Breytenbach (u.a. Schlußakte Südafrika, 1986) und André Brink (u.a. Weiße Zeit der Dürre, 1986), die auf unterschiedliche Weise das Apartheidregime kritisierten. Brink verstarb im Februar 2015. Dennis Brutus, der für den Ausschluss Südafrikas von den Olympischen Spielen 1964 gesorgt hatte und mit Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert war, starb im Dezember 2009 (Das Löwenherz schlägt nicht mehr). Breyten Breytenbach, der die Afrikaanse Poesie erneuerte, wurde wegen Landesverrat verurteilt und saß sieben Jahre in Haft.

Gegen konservative Literaturnormen im Afrikaans wandten sich auch Etienne Leroux, der einen eigenen, subversiven und symbolgeladenen Stil entwickelte, und die Poetin Ingrid Jonker, deren Vater ein ranghohes Mitglied in der nationalen Partei und in der Zensurbehörde war. Sie nahm sich 1965 im Alter von 32 Jahren das Leben. Ihr Gedicht "Die Kind" (Das Kind) trug Nelson Mandela bei seiner Rede zur Amtseinführung als Präsident Südafrikas 1994 vor. Er erläuterte, die großartige Künstlerin habe eine Vision der Menschenwürde entwickelt; alle Bemühungen seien darauf zu richten, Frauen, Männer und Kinder zu befreien. Zu den regimekritischen afrikaans-sprachigen Autoren zählt auch Etienne van Heerden, einige seiner Romane ("Das lange Schweigen", 2004 und "Geisterberg", 1993) sind ins Deutsche übersetzt. Er gründete die afrikaans-sprachige Online-Literaturplattform Litnet.

Der Roman "Cry, the Beloved Country" (1948) des Lehrers Alan Paton machte die Welt auf die Problemlage der schwarzen Bevölkerungsmehrheit in Südafrika aufmerksam. Seine aus christlicher Überzeugung verfasste Darstellung wurde weltweit zum Bestseller. "Mine Boy" von Peter Abrahams (1946) gewährte Einblicke in die Ausbeutung schwarzer Minen- und Wanderarbeiter.

Für die 1950er Jahre war die Kulturzeitschrift Drum ein wichtiges Publikationsmedium. Zu den Autoren zählten beispielsweise Can Themba, Lewis Nkosi, Richard Rive, William Bloke Modisane und Alex la Guma. "The Drum Decade" (1989/2001) des Literaturwissenschaftlers Michael Chapman dokumentiert die literarische Bedeutung dieser Zeitschrift. Auch die Schriftstellerin Bessie Head begann ihre Karriere mit Kurzgeschichten für eine Beilage der Zeitschrift Drum. Als Regimegegnerin ging sie 1964 ins Exil nach Botswana, wo u.a. "Die Farbe der Macht" (1987), "Sternenwende" (1997) und "Regenwolkenzeit" (2000) entstanden.

Mongane Wally Serote ermöglichte mit seinen Gedichten wie "No Baby Must Weep" (1975) eine Auseinandersetzung mit dem Alltag eines schwarzen Südafrikaners während der Apartheid. Er galt als bedeutende Stimme der Black Consciousness Bewegung und wurde als Regimekritiker zu Isolationshaft verurteilt. Danach ging er ins Exil, wo er als Untergrundkämpfer im Kulturbereich wirkte. Zu den Wechselwirkungen zwischen der "Soweto Poesie" (auch als Post-Sharpeville Poesie oder New Black Poesie bezeichnet) und der politischen Kritik am Apartheidregime äußern sich Literaturwissenschaftler und Literaturkritiker.

Nach dem Soweto-Aufstand 1976 und im Kontext des Ausnahmezustands ab Mitte der 1980er Jahre entstanden autobiographische Romane und Kurzgeschichten, etwa von Ellen Kuzwayo, Miriam Thali, Mbulezo Mzamane. Sie thematisierten das schwierige Leben in den miserabel ausgestatteten Townships während der Apartheid und den Kampf um bessere Bildung und Menschenwürde. Für einige war u.a. die Zeitschrift Staffrider ein Publikationsmedium. In diese zeitlichen Kontexte sind auch literarische und journalistische Texte von Don Mattera und Mark Matabane einzuordnen. Zudem fanden hitzige Debatten über die Workers Poesie statt, dabei ging es um Literatur, Ästhetik und politische Ideologie. Die Basisorientierung von Literatur war ein Anliegen des Congress of South African Writers, an dem Njabulo Ndebele (Rediscovery of the Ordinary, 1991) und Achmat Dangor (Kafkas Fluch, 2001) mitwirkten.

Zoe Wicomb
Zoe Wicomb © R. Schäfer
Zakes Mda
Zakes Mda © Bookslive.co.za

Seit 1990 widmeten sich südafrikanische Schriftstellerinnen verschiedenen Themen. Dazu zählen die Irritationen von Coloured-Gemeinden in abgelegenen Gebieten des Northern und nördlichen Western Cape sowie die perforierten Abgrenzungen dortiger weißer Farmbesitzer und deren Familien gegenüber Coloured-Nachbarn, Probleme, die Zoe Wicomb (Davids Story, 2000; October 2014), Rayda Jacobs (Augen des Himmels, 1999) und Andrew Henry Martin Scholtz (Vatmaar, 1998; Afdraai 2000) mit historischer Tiefenschärfe ausleuchten.

Zakes Mda, Romanautor, Professor und Dramatiker, erhielt neben zahlreichen anderen Auszeichnungen 2001 den Commonwealth Writers Prize. Er nähert sich Konflikten in ländlichen Gemeinden an, seine Geschichten spielen im Western und Eastern Cape. Hier zeigt er die Eigenheiten und Heuchelei weißer religiöser und staatlicher Autoritäten sowie die Umbrüche der Xhosa-Gesellschaft während der Missionierung und Kolonisierung  (Der Walrufer, 2006; Die Madonna von Excelsior, 2005). 

Urbane Verwerfungen zeigt Ivan Vladislavic etwa mit "Johannesburg, Insel aus Zufall" (2006). In den Metropolen sind zahlreiche Krimis angesielt, ein Genre, mit dem beispielsweise Deon Meyer (Dreizehn Stunden, 2010; Icarus 2015) viele Leser/-innen erreicht. Zu den Krimiautoren Südafrikas zählen Mike Nicol (Payback, 2011; black heart 2014), Andrew Brown (Würde, 2010) und Roger Smith (Kap der Finsternis, 2009).

Niq Mhlongo
Niq Mhlongo © Afrika Wunderhorn, Fotografin: L. Skinner

Zu jungen Autoren, die in Südafrika und international anerkannt sind, zählt Niq Mhlongo. Während seine ersten zwei Romane die sozialen Umbrüche nach 1994 und die Orientierungssuche junger, aufstrebender Townshipbewohner ergründete, hält sein dritter Roman "Way back home" der neuen Elite den Spiegel vor. Zudem setzt er sich kritisch mit Strukturproblemen in militärischen Ausbildungslagern während der Apartheid auseinander und thematisiert eindrücklich die heutige Bedeutung des religiös-kulturellen Erbes. Dieses Werk ist ins Deutsche übersetzt.

Ganz neue Wege beschreiten auch Autoren wie Lesego Rampolokeng, der einen eigenen Rap-Poesie-Stil entwickelt hat. Die Literaturwissenschaft trauert um Sello Duiker, der sich 2005 das Leben nahm. Er setzte sich mit unkonventionellen Themen wie dem Leben der Straßenkinder in Kapstadt auseinander und hinterfragte Mythen zur Männlichkeit schwarzer Jugendlicher. Seine Bücher 'Thirteen Cents' (2000) und 'Die stille Gewalt der Träume' (2010) wurden mit internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Literaturfestivals wie das Literaturfestival Franschhoek und Kulturfestivals mit Literaturprogramm geben jungen Autoren/-innen die Möglichkeit, ihre Werke vorzustellen. Schreibwerkstätten und literaturwissenschaftliche Studiengänge an den namhaften Universitäten des Landes fördern neue Talente. Teilweise stehen sie im Austausch mit deutschen Forschungseinrichtungen oder mit Instituten in anderen europäischen Länderrn, in den USA oder in Kanada. Literaturwissenschaftliche Zeitschriften wie 'Journal of Literary Studies' oder 'Alternation' dokumentieren aktuelle Fachdebatten. Längst wird in der südafrikanischen Literaturwissenschaft diskutiert, inwieweit J.M. Coetzee und sein Werk das zentrale "Leitmotiv" in der südafrikanischen Literatur(-foschung) bilden. Auch das Verhältnis von Literatur und Identitätspolitik wird kritisch diskutiert. Eine Plattform zum Austausch zwischen Leser/-innen, Übersetzern/innen, Autoren/-innen und Verlagen bietet die jährliche internationale Buchmesse in Kapstadt.

Die mangelhafte Bildung eines großen Teils der Bevölkerung behindert noch immer die Ausbreitung der Lesekultur in Südafrika. Verbesserungen könnten (Schul-)büchereien und Bibliotheken bieten. Über bildungspolitische Programme seit 1994 und die Bedeutung von Muttersprachen im Schulunterricht und an Universitäten gibt es immer wieder Kontroversen. Bibliothekare/-innen haben eine Liste der besten Romane und Sachbücher erstellt, die sich mit der Demokratisierung Südafrikas befassen und nach 1994 erschienen sind.

Der Quellen-Katalog der Gesellschaft zur Förderung der Literatur in Afrika, Asien und Lateinamerika (Litprom) enthält derzeit über 140 Literaturtitel zu Südafrika in deutscher Übersetzung. Zum Einstieg in die vielfältige Literatur Südafrikas sind die vom Literaturexperten Manfred Loimeier zusammengestellten Kurzgeschichtensammlungen "Südafrika fürs Handgepäck", "Elf" und Yizo Yizo zu empfehlen. Kinder- und Jugendbücher zu Südafrika etwa von Lutz von Dijk oder Ruth Weiss sind auf der Webseite Gesichter Afrikas aufgelistet. Baobab Books in Bern gibt Detailinformationen über Kinder- und Jugendbücher aus Südafrika und anderen afrikanischen Ländern, die ins Deutsche übersetzt sind.

Musik

Abdullah Ibrahim
Abdullah Ibrahim (Dollar Brand) © Michael Hoefner www.zwo5.de CC BY-SA 3.0

Die Musikszene in Südafrika ist sehr vielfältig. Die südafrikanische Musik hat im Verlauf ihrer Geschichte etliche Stilrichtungen wie "marabi" und "kwela" hervorgebracht. Sie hat zudem einen eigenen Einfluss auf den Jazz sowie auf Pop, Rock und Crossover ausgeübt. Musikforschungsinstitute und zum Teil privat betriebene Webseiten dokumentieren historische Entwickungen und die musikalische Vielfalt. Einige bieten Hörbeispiele. Über die Einhaltung von Musikrechten wacht die Southern African Music Rights Organisation SAMRO. Einzelne Webseiten informieren über Aktuelles aus der Musikindustrie, Musikaustausch und über Festivals. Hierzu zählen Oppikoppi, Cape Town World Music Festival,, Cape Town International Jazz Festival sowie weitere Festivals zu Rock, elektronischer Musik, Marimba-Musik und mehrere Festivals verschiedener Musikstile insbesondere in Kapstadt und Johannesburg.

Zu den bekanntesten Musiker/-innen zählen Miriam Makeba, die große Mama Afrika, die im November 2008 auf einem Solidaritärkonzert in Italien gestorben ist, und die 2004 verstorbene Brenda Fassie, eine Ikone der südafrikanischen Popmusik, die in den britischen Charts vertreten war. 

Der Mann, der dem Jazz seine afrikanischen Wurzeln wiedergab, ist Abdullah Ibrahim, der bis zu seiner Konversion zum Islam als Dollar Brand in den Jazzclubs Nordamerikas und Europas tourte. Heute ist er eine Legende des südafrikanischen Jazz. Auf YouTube sind etliche Videos von ihm zu betrachten. Ebenfalls eine Jazz-Legende ist der Trompeter Hugh Masekela, der oft mit Abdullah Ibrahim zusammen auf der Bühne stand (Videos zu Masekela). Jazz Musik war eine Form des Widerstands, gerade in den von Menschen unterschiedler Herkunft bewohnten Stadtteilen Sophiatown in Johannesburg und District 6 in Kapstadt entwickelten sich eigene Stilrichtungen. Das Apartheidregime konterte mit traditionalistischer Musik, verbreitet über einen speziellen Bantu-Radio-Sender. Bedeutende Jazz-Musiker wurden unter Druck gesetzt und gingen ins Exil. Zu den Jazz-Größen zählte auch Sipho Gumede.

Vusi Mahlasela
Vusi Mahlasela © Erik Charlton CC BY UW

Der Musiker und Gitarrist Vusi Mahlasela, der Apartheidgegner war, wurde für seinen individuellen lyrischen Vokalstil mehrfach ausgezeichnet. Er kombiniert traditionelle Musikelemente mit Jazz; er trat bei Nelson Mandelas Amtseinführung als Präsident 1994 auf. Einen eigenen Musikstil aus Pop und traditioneller Zulu-Musik entwickelte Johnny Clegg mit mehreren Bands in den 1980er Jahren. Zudem gründete er die South African Musicians Alliance, die sich gegen die Apartheid wandte. Er setzte sich gemeinsam mit einigen anderen Musikern für die Freilassung Nelson Mandelas ein. Ladysmith Black Mambazo verbindet christliche Gospelgesänge mit traditioneller Musik; die Gruppe prägte ihren eigenen A-Capella-Stil und arbeitete mit Paul Simon (Graceland) und Stevie Wonder zusammen.

Gospel-Chöre sind oft an die Zionistische Kirche oder an Pfingstkirchen assoziiert. Die wohl bekannteste Gospelsängerin ist Rebecca Malope. Inzwischen hat sie über 30 CDs produziert und unterhält eine eigene Fernsehshow "It's Gospel time'".

Das Soweto String Quartett kombiniert klassische europäische Musik mit weiteren Stilrichtungen wie der Kwela-Musik. Zu den Orchestern zählen das National Symphony Orchestra, Cape Philharmonic Orchestra oder das Johannesburg Symphony Orchstra. Einige treten inzwischen mit schwarzen Solisten/innen und Chören auf. Der auf der Berlinale 2005 ausgezeichnete Opernfilm U-Carmen eKhayelitsha hat partiell zu mehr Offenheit beigetragen. Über klassische Konzerte informiert die Webseite Classicsa. Einige südafrikanische Jugendorchester und junge Musiker/-innen erhalten Förderung. Die Unterstützung zielt auch auf den Austausch mit europäischen Jugendorchestern ab.

Bei Weißen auf dem Lande gibt es einen wachsenden Markt für Musik im Country-Stil auf Afrikaans, inzwischen haben sich auch Pop-, Rock- und Punkbands junger Afrikaans-sprachiger Musiker gegründet. Noch während der Apartheid entstanden einzelne Gothic- und Bluesbands. Neben Reggae, Techno- und Afro-Rock singen einige schwarze Künstlerinnen und Künstler in traditionellen afrikanischen Sprachen. Die umfangreichste Sammlung afrikanischer Musik auf dem ganzen Kontinent bietet die International Library of African Music, die an die Universität in Grahamstown angeschlossen ist. Dort werden zahlreiche Instrumente und Tonaufnahmen aus allen afrikanischen Ländern aufbewahrt. Heute ist vor allem der Kwaito-Stil, eine Mischung aus House, Rhythm & Blues, HipHop und traditionellen Klängen, in den Townships zu hören. Die einzelnen Musikrichtungen differenzieren sich immer weiter aus und junge Musiker/-innen entwickeln eigene Stile. House-Musik, die ansatzweise schon als Widerstandskultur in den 1980er Jahren entstand, verfügt nun über zahllose Produzenten und DJs, wie Liquideep, 2Lani, Jullian Gomes und Lazarus Mathebula. Seit Frühjahr 2007 vertreibt Rough Trade einen großen Teil des Repertoires des unabhängigen Jazz- und Weltmusiklabels Sheer Sound.

Film

Filmposter Carmen in Khayelitsha
Filmposter Carmen in Khayelitsha © ia.media-imdb.com
Filmposter Zulu Love Letter
Filmposter Zulu Love Letter © pics.filmaffinity.com

Das südafrikanische Kino ist im Aufwind. Einen Auftakt bot die Verleihung des Berliner Bären an den Opern-Film 'U-Carmen e-Khayelitsha' im Jahr 2005. Filmdirektor war der südafrikanisch-britische Regisseur Mark Dornford-May. Im gleichen Jahr wurde der Spielfilm 'Drum' von Zola Maseko beim Fespaco Filmfestival in Ouagadougou ausgezeichnet. Dieses wichtigste afrikanische Filmfestival ehrte damit die cineastische Aufarbeitung der großen kulturellen und gesellschaftspolitischen Bedeutung von 'Drum', der legendären Zeitschrift in Südafrika während der 1950er Jahre. Zola Maseko, der wie seine Eltern das Apartheidregime bekämpft hatte und bereits 1994 den Kurzfilm 'Foreigner' über Xenophobie in Südafrika drehte, ist auch bekannt für seinen mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm 'The life and times of Sarah Baartman' (über Rassenanthropologie und Sklaverei). Dieser Film ist so wie Drum und Carmen in Deutschland erhältlich.

Bereits 2004 wurde der Spielfilm 'Zulu Love Letter' von Ramadan Suleman über Apartheidgegnerinnen im Kontext der Wahrheits- und Versöhnungskommission (1996-1998) auf dem Filmfestival in Ouagadougou für die schauspielerische Leistung der Protagonistin prämiert, in den Folgejahren erhielt er weitere Preise. An der Entstehung des Films wirkten Mitglieder der Apartheidopferorganisation Khulumani mit. Er wird in Deutschland vom Evangelischen Zentrum für entwicklungspolitischen Filmverleih (EZEF) in Stuttgart verliehen und verkauft; in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung ist informatives didaktisches Begleitmaterial entstanden.

Tsotsi Filmposter
Tsotsi Filmposter © impawards.com
Kapstadt Filmstudios
Cape Town Filmstudios © captownfilmstudios.co.za superuser

Die Oscar/Academy Award-Verleihung für "Tsotsi" (über einen jugendlichen Gangster) als besten fremdsprachigen Film 2006 brachte dem südafrikanischen Kino international und somit auch in Deutschland große Aufmerksamkeit. Spätestens seit dem Erfolg von "District 9", einem US-amerikanischen Science-Fiktion-Film, interessiert sich Hollywood für die südafrikanische Filmindustrie. District 9 hatte einen Vorläufer, den südafrikanischen Kurzfilm 'Alive in Johannesburg' über Außerirdische in der Apartheidgesellschaft, bei dem ebenfalls der südafrikanisch-kanadische Filmemacher Neill Blomkamp der Direktor und Drehbuchautor war. Der Titel District 9 lehnt sich an den vom Apartheidregime platt gewalzten District 6 in Kapstadt an.

2010 wurde in Kapstadt ein Filmstudio-Komplex eröffnet. Die neuen und hochmodernen Cape Town Film Studios sind auf Hollywood Standard. Im Großraum Kapstadt gibt es inzwischen etwa 90 Produktionsfirmen. Ihr Umsatz lag 2009 bei 550 Millionen Dollar, doppelt soviel wie fünf Jahre zuvor. 2012 wurde ihr Beitrag zur nationalen Ökonomie auf über 260 Millionen Euro und die Beschäftigung von ca. 25.000 Menschen geschätzt. In der ersten Jahreshälfte 2015 betrugen die Einnahmen in Südafrikas Kinos 28 Millionen Rand. Jährliche Filmmessen und die Teilnahme Südafrikas an internationalen Filmmessen tragen zur Ausweitung dieses Wirtschaftssektors bei. South Africa's New African Investments, aufgeteilt in New African Capital, New African Media und New African Media Films, sind die finanzstärksten Akteure auf dem südafrikanischen Film- und Medienmarkt. Für Filmtechnik und Logistik sind die Sasani Group und the Whole Lot führend. Viele britische und deutsche Fernsehfilme wurden bereits am Kap gedreht. Die technische Ausstattung gilt als hervorragend und die Mitarbeiter/-innen sind als hochkompetent geschätzt. Hinzu kommen die geringen Kosten, die guten Wetterbedingungen, die landschaftliche Vielfalt und die Unterbringung der vielfach anspruchsvollen Schauspieler/-innen in 5-Sterne Hotels.

So wurde 'Blood Diamonds' über den mit Blutdiamanten finanzierten Krieg in Sierra Leone, in dem Leonardo DiCaprio einen südafrikanischen Diamantenschmuggler und Söldner darstellt, nicht in Westafrika sondern in Südafrika gedreht. Auch an internationalen Co-Produktionen wirkt Südafrika häufig mit, etwa an dem in Johannesburg gedrehten Spielfilm 'Hotel Ruanda' über den Genozid 1994. Dennoch klagen internationale Filmteams über die schleppende Bürokratie, unter der auch lokale Filmemacher/-innen leiden.

Filme wie 'Schande', eine südafrikanisch-australische Koproduktion, dem der gleich lautende Roman von J.M. Coetzee zugrunde liegt, und die US-Produktion 'Invictus' von Starregisseur Clint Eastwood über Nelson Mandela (gespielt von Morgan Freeman) und die Rugby-Weltmeisterschaft von 1995 thematisierten die Herausforderungen bei der Überwindung der Apartheid. Skin, eine britisch-südafrikanische Koproduktion über Sandra Laing, die trotz "weißer" Eltern während der Apartheid als "schwarz" eingestuft wurde, zeigen das Interesse der internationalen Filmindustrie an südafrikanischen Themen.

David Dennis
David Dennis - Schauspieler © enlightenment productions.com

Der Spielfilm 'The World Unseen' von Sharim Sarif thematisiert die verbotene Liebe zweier Lesben indischer Herkunft im Apartheid-Südafrika und die kriminalisierte Liebe einer weißen älteren Frau zu einem "Couloured"-Mann - meisterhaft gespielt von David Dennis, einem der besten Schauspieler Südafrikas, der zudem Schauspiel unterrichtet und am Themba Interactive Theater für HIV/AIDS-Awareness von Schüler/-innen in Johannesburg mitwirkt. Dieser mehrfach ausgezeichnete Film wurde auf zahlreichen Filmfestivals präsentiert, so beim Festival Out in Africa.

Auf etlichen Festivals ist der mit Preisen bedachte Spielfilm 'Skoonheit' (Beauty) von Oliver Hermanus gelaufen, der die Heuchelei und die zerstörerischen Folgen burischer Männlichkeitsnormen in weißen Familien und gegenüber anderen Männern illustriert. Auf der Berlinale 2016 lief Shepherds and Butchers über Apartheid-Täter, ein Spielfilm von Oliver Schmitz.

Otelo Burning Filmfoto
Othelo Buring Filmfoto © static.tumblr.com

Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Männlichkeitsvorstellungen und deren Veränderungen thematisiert der Spielfilm Otelo Burning, hier sind die Protagonisten junge Schwarze aus einem politisch umkämpften Township nahe der Küstenstadt Durban. Der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm von Sara Blecher visualisiert deren Begeisterung für das Surfen, das in den 1980er und 1990er Jahren mit speziellen Maskulinitätszuschreibungen verbunden war.

Mit religiösen und sozialen Umbrüchen in südafrikanisch-indischen Familien befasst sich der international gezeigte Spielfilm Material, wobei dargestellte Generationenkonflikte auf die demütigenden Folgen der Apartheid für Menschen indischer Herkunft in Südafrika Bezug nehmen.

In den Metropolen Südafrikas gibt es jährlich mehrere Filmfestivals, etwa das Durban International Film Festival, das vom Centre for Creative Arts der University of KwaZulu-Natal ausgerichtet wird. Weitere Filmfestivals sind das Encounters Dokumentarfilmfestival und das Film Festival im Großraum Kapstadt, die insbesondere Plattformen für südafrikanische Filmemacher/-innen bietet. Sie sind auch Schaufenster für die vom Kulturministerium, konkret von der nationalen Filmförderung, geförderten Filme. Die Universitäten in Kapstadt und Durban sowie das Technicon Tswane bieten mehrere Studiengänge für Film- und Medienwissenschaften. Fernsehfilme für den eigenen Markt wurden mit den ersten Privatfernsehsendern ab 1995 verstärkt gedreht, während der Apartheid wurde das Fernsehen von staatlichen Institutionen streng kontrolliert und diente vor allem der medialen Propaganda.

Die Geschichte des Films und Kinos in Südafrika reicht bis zur Gründung Johannesburgs zurück. Den Auftakt boten erste Filme Ende des 19.Jahrhundert, 1938 wurden nationalistische Propaganda-Filme insbesondere zum 100jährigen Jubiläum des so genannten großen Treks der Buren gezeigt. 1939 begann bereits die Zensur. Ab den 1940er Jahren wurden die Filmproduktionen gemäß der Apartheidideologie getrennt: technisch minderwertige und billige Filme für die schwarze Bevölkerungsmehrheit versus Unterhaltungsfilme sowie ideologisch eingefärbte Dokumentarfilme für die weiße Minderheit. Deren geringe Qualität war ebenfalls Spiegel der internationalen Isolation Südafrikas. Der Film "Die Götter müssen verrückt sein", in dem Apartheidkitsch und Ethnoromantik vermischt wurden, erlangte trotz der diffamierenden Darstellung der Buschleute/Khoisan internationale Bekanntheit. Das nationale Filmarchiv in Pretoria ermöglicht Einblicke in diese Zeit.

Die African Media Program Database, die Mitte der 1990er Jahre in Kooperation der Medienwissenschaften an der Universität Durban und des African Studies Centre, Michigan State University, erstellt wurde, enthält Informationen über mehrere tausend südafrikanische Filmaufnahmen. Das damit verbundene South Africa Film and Video Project sammelt Filme aus dem Widerstandskampf. Das Community Video Education Trust Archive macht umfangreiche Film- und Tonaufzeichnungen öffentlich zugänglich, dazu zählen einige zeithistorisch bedeutende Dokumente von Nelson Mandela. Sehr anschaulich, leicht nutzbar und informativ sind die Video-, Interview- und Dokumentensammlungen "Overcoming Apartheid" mit vielen Berichten von Zeitzeugen/-innen. Über den Widerstand in Südafrika und die Anti-Apartheid-Gruppen in Europa, den USA und Neuseeland informiert die chronologisch angelegte, siebenteilige und mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilmreihe 'Have you heard from Johannesburg', die auch zahlreiche biographische Detailinformationen über namhafte Wegbegleiter/-innen Nelson Mandelas sowie Weblinks zu Archiven und Forschungszentren bietet.

Filmposter Mapantsula
Filmposter Mapantsula © 1bp.blogspot.com

Erst ab Mitte der 1980er Jahren entstanden einzelne unabhängige Filme, für die Filmemacher Drehgenehmigungen erhielten, weil sie schwarze Gangsterfilme beantragten. 'Mapantsula' von Oliver Smitz und Thomas Mogotlane zählen dazu. Er wurde von einer privaten Filmgesellschaft und größtenteils in Studios in Johannesburg gedreht und weltweit, u.a. in Cannes, gezeigt. Zeithistorische und gesellschaftspolitische Bedeutung hat auch der 1998 entstandene Spielfilm 'The man who drove with Nelson Mandela' über den gefeierten Theaterregisseur Cecil Williams, der gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Congress of Democrats, Kommunist, Mitglied in Umkhoto we Siswe, Homosexueller und Vertreter einer anti-faschistischen Kriegsveteranenvereinigung war.

1991/1992 wurde 'Sarafina' in Soweto gedreht, wobei die bekannte US-amerikanische Schauspielerin Whoopi Goldberg eine Hauptrolle übernahm. Grundlage dieses Spielfilms von Darrell Roodt war ein Musical über den Schüleraufstand in Soweto, das in Johannesburg und New York aufgeführt wurde. Während der Film Sarafina nicht nur positive Kritiken erhielt, wurde der ebenfalls von Roodt produzierte Spielfilm 'Yesterday' (2004) über eine HIV-positive Frau und deren Tochter für einen Oscar nominiert.

Zu kritischen südafrikanisch-deutschen Produktionen zählen die Dokumentarfilme 'Hillbrow Kids' 1999 von Michael Hammon über Straßenkinder in Johannesburg und 'Memories of Rain' 2004 von Gisela Albrecht über schwarze und weiße frühere Umkhonto we Siswe-Mitglieder. 'Im Schatten des Tafelbergs' dokumentiert die Folgen der Zwangsräumungen vor der Fußballweltmeisterschaft 2010.

Zwangsräumungen sind auch Thema des Dokumentarfilms "Dear Mandela". Er zeigt die Probleme der Bewohner/-innen einer informellen Siedlung in Durban eindrucksvoll auf und wurde mehrfach international prämiert.

Der südafrikanische Filmemacher Don Edkins hat mehrfache Auszeichnungen für seine Dokumentarfilme 'Steps for the Future' über HIV-positive Menschen (Kinder, Jugendliche, Mütter, Wanderarbeiter sowie den couragierten HIV/AIDS-Aktivisten Zackie Achmat) erhalten. Steps for the Future hat hervorragendes medienpädagogisches Begleitmaterial entwickelt. Steps for the Future wurde während der Berlinale 2013 mit dem Spezialpreis für AIDS-Aufklärung (Special Teddy Award) ausgezeichnet. Steps kooperiert mit Caretakers - Filme für Umweltbildung, insbesondere zum Erhalt der Biodiversität.

Zu den zahlreichen didaktischen Filmen, die in Südafrika inzwischen für die HIV/AIDS-Aufklärungsarbeit erstellt wurden, zählt 'Themba'. Auch der Spielfilm "Life above all" (Geliebtes Leben) von Oliver Schmitz über die couragierte Auseinandersetzung eines jungen Mädchen mit HIV/AIDS bietet insbesondere Jugendlichen in Südafrika und Deutschland viele Diskussionsimpulse.

Bildende Kunst

W. Kentridge
W. Kentridge während einer Ausstellung zur Kunst und Fotographie aus Südafrika in München © R. Schäfer
Zanele Muholi
Zanele Muholi © RTE Magic C ZM, Lauren Mulligan, Schwules Museum, Berlin

Zahlreiche junge Künstler/-innen zeugen von der lebendigen Kunstszene.

Zu den international anerkannten Größen der südafrikanischen Kunstszene zählt William Kentridge, der wiederholt an der Documenta mitwirkte und mit Einzelausstellungen aktuell in Berlin sowie Mitwirkungen an Sonderausstellungen in München große Anerkennung erhielt. Hervorzuheben ist auch Zanele Muholi, die 2013 ebenfalls auf der Documenta ausstellte. Werke weiterer südafrikanischer Künstler/-innen wie Moshekwa Langa, Nigel Mullins, Mbongeni R. Buthelezi Sandile Zulu, Esther Mahlangu wurden in Deutschland gezeigt. Das Haus der Kunst in München widmete 2013 der südafrikanischen Kunst und Fotografie große Sonderschauen. Auch das Haus der Kulturen der Welt in Berlin hat Sonderausstellungen zur südafrikanischen Kunst gezeigt. Das Weltkulturen Museum in Fankfurt am Main hat seit den 1980er Jahren einen Sammelschwerpunkt auf bedeutende Kunst aus Südafrika . Kunst:Raum Sylt bietet südafrikanischen Künstlern/-innen und Schriftsteller/-innen Arbeits- und Präsentationsmöglichkeiten.

Maboneng Kultur und Kunst
Maboneng Kultur und Kunst © R. Schäfer
Maboneng - Atelier W. Kentridge
Maboneng - Atelier W. Kentridge © R. Schäfer
Maboneng Kultur und Kunstquartier
Maboneng Kultur und Kunstquartier © R. Schäfer

Das Goethe-Institut/GoetheonMain im vibrierenden neuen Kunstquartier "Maboneng - Arts on Main" in der Johannesburger Innenstadt, umgeben von Ateliers, Galerien und Buchläden, bietet immer wieder südafrikanischen Künstler/-innen eine Plattform. Thematische Bezugspunkte der Spoken Word/Poetry-, Musik-, Fotografie- und Tanz- und  Theaterprojekte (in Kooperation mit der GIZ und WITS Drama School) sind vor allem Urbanität/Migration, Mobiliät oder HIV/AIDS.

International anerkannt sind die Kunstmuseen Südafrikas, wie die National Art Gallery in Kapstadt, und dortige kunst- und kulturhistorische Museen. Sehenswert sind auch die Johannesburg Art Gallery und das Pretoria Art Museum. Kunstwerke der Resistance Art gegen die Apartheid sind inzwischen dort ausgestellt.

Eine hervorragende Online-Zeitschrift für zeitgenössische Kunst in Südafrika ist die von der international anerkannten Künstlerin Sue Williamson gegründete Online Zeitschrift Artthrob. Hier finden sich Informationen über verschiedene Künstler/-innen und über Sonderausstellungen in Museen und Galerien. Auch The South African Art Times berichtet über die neuesten Werke, Themen und Trends in der Kunstszene. Für die staatliche Kunstförderung ist der National Arts Council (NAC) zuständig, der dem Department of Arts and Culture zugeordnet ist. Der NAC fördert Künstler/-innen und Kunstprojekte finanziell. Sein Veranstaltungskalender präsentiert besondere Kunst- und Kulturereignisse. Auch das Visual Arts Network of South Africa informiert und vernetzt, dazu zählt Art Map mit Hinweisen auf Museen und Galerien, unabhängige Ausstellungshallen, Kunstmagazine und Veranstaltungen.

Auf der Webseite art finden sich Hinweise auf Kunsthochschulen, Malschulen und Galerien. Die Kunstseite der elektronischen Zeitschriftenversion des Mail and Guardian enthält ebenso wie die Printausgabe Ankündigungen und Rezensionen neuer Sonderausstellungen.

Fotografie aus Südafrika

Schadeberg - black and white
Schadeberg - black and white, Buchcover © i.ytimg.com
Peter Magubane
Peter Magubane © sahistory org za online
Joao Silva
Joao Silva © tenmm.files.wordpress.com
ein Werk von Kelebogile Ntladi
© Kelebogile Ntladi

Fotografie in Südafrika

Südafrikas Fotografen zählen zur Weltklasse. Während der Apartheid dokumentierten sie oft unter Einsatz ihres Lebens Polizeiübergriffe und Zwangsumsiedlungen. Gleichzeitig vermittelten sie der Welt einen visuellen Eindruck davon, wie der Alltag der privilegierten Weißen und der verarmten schwarzen Bevölkerungsmehrheit aussah. Hervorzuheben ist der 1931 in Berlin geborene und 1950 nach Südafrika ausgewanderte Jürgen Schadeberg. Er arbeitete für die bedeutende Zeitschrift Drum Magazine als Fotograf und ist ein wichtiger Beobachter des gesellschaftlichen Wandels. Weitere ebenfalls historisch bedeutende Dokumentarfotografen sind Peter Magubane, der ebenfalls für das Drum Magazine fotografierte, und David Goldblatt. Für ihr künstlerisches Werk erhielten sie mehrere internationale Fotografiepreise.

Regimekritische und namhafte Dokumentarfotografen wie Paul Weinberg und Cederic Nunn schlossen sich zur Gruppe Afrapix zusammen, deren Entwicklung mit dem politischen Widerstand verwoben ist. Die mutigen Fotojournalisten Ken Oosterbroek, Greg Marinovich, Joao Silva und der Pulitzer Preisträger Kevin Carter, die u.a. Polizeigewalt und politisch forcierte Gewalt in den Townships (Thokoza) östlich von Johannesburg Anfang der 1990er Jahre fotografierten, wurden als "Bang-Bang-Club" berühmt. Ein nun ins Deutsche übersetzte, namensgleiche Buch von zwei der Fotografen und ein Spielfilm erinnern an diese Zeit. Ken Oosterbroek wurde beim Fotografieren am 18.4.1994 erschossen, am 27.4.1994 fanden die ersten demokratischen Wahlen statt.

Nach 1994 entwickelte sich eine dynamische Szene junger Fotografen/-innen. Hierzu zählen Zanele Muholi, Kelebogile Ntladi, Nontsikelelo 'Lolo' Veleko, Santu Mofokeng, Andrew Tshabangu, Mikhael Subotzky, Jodie Bieber, Jean Brundrit, Guy Tillim, Cederic Nunn, Peter Hugo und Roger Ballen, etliche dieser international ausgezeichneten Fotografen arbeiten keineswegs nur in Südafrika. Das South African Centre for Photography in Kapstadt und der Market Photography Workshop in Johannesburg bieten Plattformen zum Austausch und unterstützt bei Fotoausstellungen oder internationalen Kooperationen. Das Institut für Auslandsbeziehungen unterstützt mit Mitteln des Auswärtigen Amtes Ausstellungen und -kataloge wie "Reality Check" zur zeitgenössischen südafrikanischen Fotografie. Immer wieder zeigen europäische oder US-amerikanische Museen Werke südafrikanischer Fotografen/-innen.

Sport und Politik

Rugby Spiel - Neuseeland - Südafrika
Rugby Spiel - Neuseeland gegen Südafrika © Hamish (CC-BY-SA 2.0)

Südafrika ist eine sportbegeisterte Nation. Der Sport spielt eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben und kann zum Nation Building beitragen. Rugby ist die bei etlichen Weißen und Coloureds beliebteste Sportart, der allerdings noch der Charakter des burischen Elitensports und der exklusiven Maskulinitätsinszenierung anhaftet. Die mittlerweile gemischte Rugbymannschaft "Springboks" ("Bokkies") gehört zur Weltspitze. Während der Apartheid und des internationalen Sportboykotts gab es immer wieder Auseinandersetzungen über die politische Bedeutung dieses Teams bei Wettkämpfen u.a. in Neuseeland.

Fußball-WM 2010

Loftus-Stadion
Loftus Versveld Stadion in Pretoria © Zakysant (CC BY-SA 3.0)

Hiobsbotschaften über Infrastruktur- und Transportmängel, über ein überlastetes Stromnetz und die Kriminalität sorgten vor der Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2010 für Bedenken. Eine Verlegung hätte aber den Stolz eines ganzen Kontinents verletzt. Während manche Befürworter der WM in Südafrika den Nationalstolz zelebierten, fragten viele Kommentator/-inen schon im Vorfeld nach Gewinnern und Verlierern, zumal Menschen für den Straßen- und Stadienbau zwangsumgesiedelt wurden und die FIFA Straßenhändler/-innen rigoros ausschloss. Nationalökonomisch haben sich die Erwartungen an die WM nicht erfüllt, doch manche Beobachter/-innen zogen eine positive Bilanz. Auf dem Internetportal Pambazuka News äußerten verschiedene (afrikanische) Kommentatoren/-innen ihre Meinungen zu den Folgen der WM für die Bevölkerung. Auch Schriftsteller/-innen widmeten sich der WM; sie ließen ihre Leser/-innen teilhaben an amüsanten, überraschenden und traurigen Fußballgeschichten.

Kampagnen

Im Vorfeld der WM fanden vielfältige Bildungsaktivitäten statt. In Deutschland hatten sich neun Organisationen zur Kampagne "Kick for one World" zusammengeschlossen. 

Mit der Kampagne "Daimler - the Star of Apartheid" machten Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland und Südafrika darauf aufmerksam, dass Daimler als Hauptsponsor der deutschen Nationalmannschaft eine unrühmliche Rolle während der Apartheid gespielt hat. Viele Townshipbewohner/-innen erinnerten sich noch an die gefürchteten Casspirs, gepanzerte Polizeitransporter mit dem Stern in den Radkappen. Sie waren keineswegs harmlose Transportunimogs; hierin hatten sich Polizisten verschanzt, die Demonstranten/-innen anschossen und erschossen. Die Kampagne forderte die Anerkennung des begangenen Unrechts, die Öffnung der Archive aus der Apartheid und die Zahlung einer angemessenen Entschädigung für die Opfer bzw. deren Familien.

Religion

Missionstation Elim - Gemeinde und Kirche
Missionsstation Elim - Gemeinde und Kirche © Kees Swart keesswart.nl
Kirche in Khayelitsha
Kirche in Khayelitsha © Kees Swart
Kirche in Stellenbosch
Kirche in Stellenbosch © R. Schäfer
Kirche - Seitenschiff in Stellenbosch
Kirchenansicht in Stellenbosch © R. Schäfer

In Südafrika gilt Religionsfreiheit. Heute gehören knapp 80 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Neben zahlreichen (Pfingst)Kirchengemeinden und Sekten haben die Afrikaans-sprachigen reformierten Kirchen (z.B. Nedeerduitse Gereformeerde Kerk) mit ca. 3,2 Millionen die meisten Mitglieder. Ihnen folgen mit ca. 2,3 Millionen die röm.-kath. Kirche als größte "etablierte" Kirche schwarzer Südafrikaner/-innen. Etwa 1,8 Millionen Menschen sind Methodisten/-innen, die Anglikanische Kirche hat ca. 1,2 Millionen und die Lutherische ca. 800.000 Mitglieder.

Darüber hinaus gibt es rund 4.000 "Schwarze Unabhängige Kirchen" mit ca. 7 Millionen Gläubigen, etwa die Zion Christian Church (ZCC), die zu Ostern in Moria, im Nordosten Südafrikas, mit ca. 3 Millionen Gläubigen das größte jährliche Kirchentreffen der Welt veranstaltet. Die ZCC kritisierte die Apartheid nicht, sie wollte Glaube und Politik trennen, was jedoch Auswirkungen auf ihr Verhältnis zum Regime hatte.

Die Geschichte des Christentums und der gesellschaftlichen Auswirkungen verschiedener Kirchen und Missionsgesellschaften ergründet das Forschungsinstitut zu Christentum und Gesellschaft in Afrika an der Universität Kapstadt. Die Kirchen haben ihre Spaltungen noch nicht überwunden, denn die Apartheidpolitik wurde durch eine "Theologie der Apartheid" legitimiert. Wichtige Repräsentanten der Niederländisch-Reformierten Kirche stabilisierten das Apartheidregime. In den Spezialanhörungen für Religionsgemeinschaften der Wahrheits- und Versöhnungskommission (1996-1998) mussten sie öffentlich eingestehen, dass sie nicht nach der von ihnen verkündeten Lehre gehandelt hatten. Einzelne Kritiker innerhalb der Niederländisch-Reformierten wie Reverend Beyers Naudé wurden von der burischen Gesellschaft angefeindet. An seine Bedeutung erinnern Theologen und Historiker. Er förderte Anfang der 1960er Jahre die Gründung des Christian Institute of Southern Africa.

Erzbischof Desmond Tutu
Erzbischof Desmond Tutu © wikimedia commons

Der Südafrikanische Kirchenrat (SACC) und insbesondere Repräsentanten der Anglikanischen Kirche wie der frühere Erzbischof Desmond Tutu und der Lutherische Theologe und Pastor Dr. Wolfram Kistner setzten sich gegen die Rassentrennung ein. Teilweise unterstützten Kirchen und kirchliche Gruppen in Deutschland sie dabei - etwa der Früchteboykott der evangelischen Frauenarbeit, gleichzeitig agitierten manche andere deutsche Kirchenvertreter mit dem Apartheidregime.

Angesichts der politischen und kirchlichen Veränderungen, die theologische und finanzielle Fragen betreffen, steht der SACC vor der Herausforderung, sich konzeptionell und organisatorisch neu auszurichten. Dazu zählt auch das Aufkommen zahlreicher z.T. charismatischer Pfingstkirchen, die ihren Mitgliedern nicht nur Seelenheil, sondern auch wirtschaftliche Prosperität versprechen. In diesem Kontext legen sie die Überwindung von Armut oder sozialen Problemen aus dem politischen Bereich in den Erfolgshorizont jedes Einzelnen. Über die Verbindungen einiger Pentecostal Churches zu fundamentalistischen Pfingstkirchen in den USA sowie deren ideologische Grundpositionen gibt es immer wieder gesellschaftspolitische Kontroversen. Diskussionen gibt es auch über die Existenz von Hexen, Hexerei, -verdächtigungen und -vertreibungen, die häufig mit geschlechtsspezifischer Gewalt verbunden sind.

Das Research Institute on Christianity and Society in Africa der Universität Kapstadt untersucht in einem praxisorientierten Forschungsprojekt, wie Religionsgemeinschaften zur öffentlichen Gesundheitversorgung beitragen können. Die verschiedenen Kirchen haben konträre Positionen zur HIV-Prävention und zum Umgang mit HIV/AIDS. Das betrifft vor allem die Verhütung, die Verwendung von Kondomen, die Auseinandersetzung mit außerehelichen Beziehungen und sexueller Gewalt. Immer wieder kommen Fälle von sexuellem Missbrauch durch kirchliche Autoritäten ans Tageslicht.

Synkretistische Praktiken im Alltag und die heutige Bedeutung des Ahnenkultes zeigen sich beispielsweise bei kostspieligen Bestattungsfeiern.

Sheik Yusuf
Sheik Yusuf © sa.history.org

Die Geschichte des Islam geht auf die Kolonialzeit zurück, als die Vereinigte Ostindische Kompanie im 17. und 18. Jahrhundert politisch einflussreiche religiöse Gelehrte aus Java und anderen Inseln im Indischen Ozean auf Robben Island jahrzehntelang internierte. Auch die zahlreichen Sklaven/-innen taufte man nicht, viele suchten im Islam ihren Rückhalt. Neben der Coloured-Bevölkerung, die zum Großteil aus früheren Sklaven/innen und teilweise aus deren Kindern mit weißen Männern hervorging, sind auch einige indische Familien Moslems. Ihre Vorfahren kamen ab Mitte des 19. Jahrhunderts als Vertragsarbeiter auf Zuckerrohrplantagen oder als Händler nach Südafrika und leben nun in Durban oder Johannesburg.

Moscheen in Kapstadt
Moscheen in Kapstadt © C. Marx

Während der Apartheid schlossen sich etliche Moslems dem Widerstand an: Ahmed Kathrada saß 20 Jahre als politischer Gefangener mit Nelson Mandela auf Robben Island in Haft. Abdullah Omar wurde erster Justizminister unter Nelson Mandela. Je nach Jahresangabe und Berechnungsgrundlage gehören etwa 1,4 bis 1,7 Prozent der Bevölkerung dem Islam an. Sie gelten als religiös tolerant, friedliebend und wohnen überwiegend im Westkap. Ein Imam setzt sich für homosexuelle Moslems ein und fördert das Verständnis ihnen gegenüber. Das Centre for Contempory Islam an der Universität Kapstadt erforscht in vergleichender Perspektive das islamische Recht und dessen Verhältnis zu Religion, Kultur und Identitätsbildung in Südafrika. Zudem befasst es sich mit der Diskussion über religiöse Werte und gesellschaftliche Veränderungen in der moslemischen Öffentlichkeit. Es gibt mehrere Fachzeitschriften, Diskussionspapiere und Studien heraus, etwa zur umstrittenen Reform des islamischen Eherechts in Südafrika.

M. Gandhi in Südafrika
Gandhi in Südafrika © gandhi.southafrica.net
Durban - Hinduistischer Tempel
Durban - Hinduistischer Tempel © Foto: C. Marx

Der bekannteste Vertreter der Hindus in Südafrika (laut unterschiedlicher Schätzungen heute zwischen 1,4 und 2,3 Prozent der Bevölkerung) war der Anwalt Mahatma Gandhi, er organisierte zu Beginn des 20.Jahrhunderts den Protest von Indern in Südafrika gegen Rassismus und Diskriminierung. Während der Apartheid leisteten viele namhafte hinduistische Inder/-innen in Südafrika Widerstand, häufig unterstützten sie Verhaftete juristisch. Einzelne übernahmen nach 1994 politische Ämter.

Die vor und während der Apartheid vor allem im Großraum Durban angesiedelte Bevölkerung ist in religiöser Hinsicht auf den Hinduismus, den Islam oder das Christentum ausgerichtet. Dies zeigt sich in der Vielfalt an religiösen Gebäuden im Stadtbild von Durban.

Synagoge in Stellenbosch
Synagoge in Stellenbosch © R. Schäfer
Synagoge Kapstadt
Synagoge Kapstadt © C. Marx

0,2 Prozent aller Südafrikaner/-innen sind Juden/-innen. Etliche ihrer Vorfahren flohen vor den Pogromen in Osteuropa Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts oder während des Nazi-Regimes in Deutschland. Jüdische Anwälte wie Sir Sidney Kentridge setzten sich während der Apartheid für politische Gefangene ein. Das Apartheidregime war anti-semitisch, das bekamen vor allem jüdische Regimekritiker/-innen zu spüren. Heute gerät die Courage und das Engagement jüdischer Anti-Apartheidkämpfer/-innen in Vergessenheit, obwohl namhafte regimekritische Anwälte, Gewerkschaftsvertreter/-innen, Wissenschaftler/-innen und Künstler/-innen jüdischen Gemeinden in Südafrika angehörten. Entsprechend wichtig ist dem South African Jewish Board of Deputies (SAJBD) die Erinnerung an die historischen Zusammenhänge. Dazu trägt das South African Jewish Museum in Kapstadt bei. Auch das Kaplan Centre for Jewish Studies and Research an der Universität Kapstadt sowie dessen Bibliothek sind wichtig.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im August 2016 aktualisiert.

Über die Autorin

Rita Schäfer, freiberufliche Wissenschaftlerin, Autorin der Bücher: Im Schatten der Apartheid 2008, Frauen und Kriege in Afrika 2008, Gender und ländliche Entwicklung in Afrika 2012. Freie Mitarbeit in der "Afrika Süd"-Redaktion der Informationsstelle südliches Afrika (issa), Bonn. Dezember 2015: Konzeption des Informationsportals Africanclimatevoices.com zum Klimawandel im südlichen Afrika.

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