Johannesburg Innenstadt, Foto: R. Schäfer
Geschätztes BIP
352 Mrd. US-$
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität)
12.891 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 116 (von 188), 2015
Anteil Armut (unter 2 $ pro Tag)
31 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
65
Anteil alphabetisierte Erwachsene
93 %

Wirtschaft

Goldmine Abraumhald Johannesburg
Goldmine Abraumhalde Johannesburg © Rita Schäfer

Südafrika zählt zu den bedeutendsten Industriestaaten des Kontinents und mit seinen vielfältigen Bodenschätzen eines der wichtigsten Bergbauländer der Welt. Seine wirtschaftliche Struktur und viele ökonomische Probleme resultieren aus der Apartheid, konkret aus den staatlichen Vorgaben zur umfassenden Privilegierung weißer Arbeiter, Angestellter und Unternehmer. Gleichzeitig boten die auf koloniale Strukturen aufbauenden Apartheidgesetze über Jahrzehnte die Grundlagen zur ökonomischen Ausbeutung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit als billige und schlecht ausgebildete Arbeitskräfte. Auch hohe Arbeitslosenraten nahm die weiße Minderheitenregierung in Kauf; schwarze Arbeitslose und -suchende wurden in so genannte Homelands verfrachtet. Seit 1994 und bis heute ist es eine Herausforderung, die Wirtschaftskraft für die gesamte Bevölkerung zu nutzen, zumal Reichtum und Armut (Gini Koeffizient) sozio-ökonomische Spannungen zur Folge haben und politische Lösungen erfordern.

Wirtschaftslage: Indikatoren und Analysen

Jahrelang hatte Südafrika ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von vier Prozent, 2009 sank es auf 3,6 Prozent, 2013 auf etwa 1,9 (2,2) Prozent und 2014 auf 1,4 (1,5) Prozent.

Die gesamtwirtschaftliche Lage stellt in Kurzform das Auswärtige Amt dar, eine aktuelle Datenzusammenstellung liefert das Statistische Bundesamt. Aktuelle Wirtschaftsdaten, etwa zu Im- und Exporten oder zur Bruttosozialproduktentwicklung, stellt Statistics South Africa zur Verfügung. Daten und Fakten zu Wirtschaft und Finanzen präsentieren themenrelveante Jahrbücher und so genannte pocket guides der südafrikanischen Regierung. Auch southafrica.info listet knappe Informationen zur Wirtschaft auf. Eine Selbsteinschätzung der Haushaltslage bietet das südafrikanische Finanzministerium. 

German Trade & Invest (gtai) und AHK informieren über Südafrikas Wirtschaft. Die Initiative der deutschen Wirtschaft im südlichen Afrika (SAFRI) greift aktuelle ökonomische Themen auf und erstellt Positionspapiere.

Eine Bewertung der ökonomischen Lage liefert auch die OECD. Africa Economic Outlook, eine Kooperation von OECD, UNDP, der UN Economic Commission for Africa und der Afrikanischen Entwicklungsbank, bietet Länderinformationen und ermöglicht innerafrikanische Vergleiche.

Im Doing Business Report der Weltbank liegt Südafrika für das Jahr 2016 auf Platz 73 der bewerteten Ländern.

Das Leibnitz Informationszentrum Wirtschaft gewährt Recherchemöglichkeiten über einige wissenschaftliche Publikationen zur Wirtschaft in Südafrika. Das Human Science Research Council ermöglicht den Zugriff auf zahlreiche Publikationen südafrikanischer Wirtschaftswissenschaftler-/innen zu Handel, Arbeitsmarktpolitik oder Gewerkschaften. Das Centre for Development and Enterprise analysiert die Wirtschaftsentwicklung und formuliert praktische politische Vorschläge.

GPD im Ländervergleich und zeitlichen Vergleich
GDP im Ländervergleich und zeitlichen Vergleich Quelle: Underlying lk (CC BY-SA 3.0) - Wikimedia, unter Bezug auf die Weltbank

Wirtschaftssektoren

Arbeit an Überlandleitung
Strom wird vom Energiekonzern Eskom geliefert. Foto: issa
Marikana Gedenkfeier 2013
Marikana Gedenkfeier 2013 © R. Schäfer

Bergbau

Südafrika gehört zu den bedeutendsten Bergbaunationen der Welt, dort lagern weltweit die größten Vorräte an Gold und Platin, außerdem gibt es große Vorkommen von Diamanten und Kohle. Jährlich fördert Südafrika Bodenschätze im Wert von etwa 75 Milliarden Euro und bestreitet damit den Großteil seiner Exporte. Der Bergbau trägt wesentlich zum BPI bei. Während die Goldgewinnung trotz fortgeschrittener Technik aber an Bedeutung abnimmt, gewinnen Platin, Kohle und Eisenerz zunehmend an Gewicht. So bezieht China sein Eisenerz zum Großteil aus Südafrika. Fast 80 Prozent des Platins auf dem Weltmarkt kommen aus Südafrika. Der Platinbergbau ist mittlerweile zum größten Devisenbringer Südafrikas geworden. Immer wieder gibt es Diskussionen über Vor- und Nachteile einer Verstaatlichung der Minen.

2012 ist der Platinbergbau nach dem Massaker in Marikana am 16. August 2012 zum Brennpunkt blutiger Auseinandersetzungen geworden, mit 34 getöteten Streikenden, die höhere Löhne forderten. In der Woche zuvor waren bei Rustenburg, Nord-West-Provinz, zwei Polizisten, zwei Wachleute und sechs Streikende umgebracht worden. Eine Untersuchungskommission - in der Öffentlichkeit nach deren Vorsitzenden Farlam benannt - widmete sich zur Aufklärung des Marikana-Massakers der Rolle der Polizei, der Streikenden, der Gewerkschaften und der Lonmin-Minenbetreiber, auch die Bedeutung des Ministeriums für mineralische Ressourcen kam zur Sprache. Wiederholt gab es Kontroversen über das Vorgehen und die Finanzierung der Kommission bzw. der dort tätigen Juristen. Transkripte aller Aussagen stellt das Socio-Economic Rights Institute of South Africa (SERI) zur Verfügung. Hintergrundinformationen bieten Studien, Artikel, Berichte von Journalisten, Zeitungsdossiers, Videoaufzeichungen, Fernsehnachrichten, Reportagen und Einschätzungen von Nichtregierungsorganisationen. Debatten wurden auch wegen der vergleichsweise späten Veröffentlichung des Berichts bzw. etlicher Teile durch die Zuma-Regierung geführt. Die Witwen der Erschossenen bzw. deren Familien haben keine Entschädigung erhalten, viele leben in großer Armut. Obwohl sie im April 2016 einen Bezug zur Lieferkettenverantwortung von BASF herstellten, übernahm dieses Unternehmen, das von Lonmin südafrikanisches Platin für die Katalysatorenherstellung bezieht, diesbezüglich keine Verantwortung.

Die Lohnforderungen der Lonmin-Arbeiter wurden teilweise erfüllt, ihre Arbeits- und Lebenssituation ist weiterhin problematisch. Im Januar und Februar 2014 kam es zu erneuten Streiks wegen Lohnforderungen, diese wurden von Teilen der Minenarbeitergewerkschaft AMCU getragen, innerhalb dieser Gewerkschaft und zwischen anderen Plantin- und Goldminenarbeitern wurde über den politischen und arbeitssrechtlichen Sinn des Streiks debattiert. Auch Verhandlungen mit Platinminenbetreibern waren strittig. Die Konflikte zwischen zwei konkurrierenden Gewerkschaften dauern an. Im Juli 2015 gab es erste Stellungnahmen von einer neuen Gewerkschaft.

Anglo American Platinum, der als weltgrößter Platinproduzent gilt, hat 2012 12.000 der 28.000 streikenden Bergarbeiter entlassen. Als Anfang 2013 erneute Entlassungen von 14.000 Arbeitern angekündigt wurden, drohte die ANC-Regierung mit dem Entzug der Abbaurechte. Man einigte sich auf 6000 Entlassungen. Politische Beobachter erörterten den Streik und diese Entwicklungen in größeren Kontexten, konkret in Strukturen des Platin- und Minensektors.

Landwirtschaft

Für den Außenhandel spielt neben dem Bergbau die exportorientierte Landwirtschaft eine Rolle (Nahrungs- und Genussmittel machen 4,5 Prozent der Exporte, aber weniger als 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus). Insbesondere Wein, Obst und Gemüse aus dem Western Cape gehören zu den Exportgütern. Auch für die Versorgung der eigenen Bevölkerung ist die Landwirtschaft wichtig. Die meisten Regionen sind allerdings wegen schlechter Bodenqualität und Wasserknappheit für die Landwirtschaft ungeeignet. Die Forstwirtschaft, die nur 1 % der Landesfläche nutzt, ist im Vergleich ökonomisch weniger bedeutend. Die Küstenfischerei, die auf bestimmte Häfen konzentriert ist, erwirtschaftet 0,5 % des Bruttoinlandsprodukts und beschäftigt 27.000 Arbeitskräfte.

Landwirtschaft - Rinderhaltung
Landwirtschaft - Rinderhaltung © Kees Swart keesswart.nl
Weinfarm im Western Cape
Weinfarm im Western Cape © Kees Swart keesswart.nl

Verarbeitende Industrie

Automobilität in Johannesburg
Autos in Johannesburg © R. Schäfer

Wie die Sektoren Bergbau und Landwirtschaft muss sich die verarbeitende Industrie seit 1994 der internationalen Konkurrenz und dem Preisdruck auf dem Weltmarkt stellen. Die Grundstoff-, Investitionsgüter- und Schwerindustrie gewann an Bedeutung. Vor der Fußballweltmeisterschaft 2010 verbuchte die Baubranche temporäre Wachstumsraten, allerdings gab es auch Korruptionsvorwürfe wegen der Auftragsvergabe.

Zweitgrößter Industriebereich ist die AutomobilindustrieBMW und VW haben einen Teil ihrer Produktion nach Südafrika verlagert. Deutsche Autokonzerne und etwa sechshundert deutsche Unternehmen sind in Südafrika vertreten, manche seit etlichen Jahrzehnten - also während der Apartheid. Weitere Kernbereiche der Industrie sind: Maschinenbau, Chemie, Informations- und Kommunikationstechnologie, Textilien und Bekleidung.

Energiesektor

Kohleproduktion und -konsum
Kohleproduktion und -konsum Quelle: www.eia.gov
Kohleexporte 2012
Kohleexporte 2012 Quelle: www.eia.gov

Die südafrikanische Energiewirtschaft ist in einem starken Wandel begriffen. Dieser Wirtschaftszweig ist nationalökonomisch wichtig. Um die Energieerzeugungskapazitäten an die Erfordernisse der Zukunft anzugleichen, hat Südafrika einen erhöhten Bedarf an neuen Kraftwerken. Die häufigeren Stromausfälle machen der südafrikanischen Wirtschaft seit Jahren schwer zu schaffen. Die Energiepolitik ist einerseits auf Kohle und Kernkraft, andererseits auf Investitionen in erneuerbare Energien ausgerichtet. 2013 wurde eine Studie zu den Arbeitsmarktpotenzialen im Bereich der erneuerbaren Energien veröffentlicht, die auf die problematische Arbeitsmarktentwicklung im Kohlebergbau Bezug nimmt. Regierungspläne zur weiteren Kohleförderung, die auch eine wichtige Säule für den Export bildet, werden von Umweltschutzorganisationen kritisch kommentiert.

Infrastruktur

Südafrikas Infrastruktur zeichnet sich durch einen modernen Transportsektor, eine verfügbare Energieversorgung sowie ein hoch entwickeltes Telekommunikationswesen aus. Der Güterverkehr soll verstärkt von der Strasse auf die Schiene verlagert werden. Der Ausbau des Transportwesens wäre auch in den Nachbarländern nötig, um Absatzmärkte in Afrika zu erschließen.

Tourismussektor

Zeltunterkunft für Touristen
Zeltunterkunft für Touristen © Kees Swart keesswart.nl

Eine gute Infrastruktur ist unerlässlich für den Tourismus. Südafrikas Tourismussektor ist eine der am schnellsten wachsenden Branchen des Landes. Der Sektor steuerte über Jahre rund 8 Prozent zum BIP bei. Der Anteil stieg im Kontext der WM 2010. Dann bezifferte sich die Zahl der Touristen/-innen auf knapp 10 Millionen. Das Wachstum deutscher Besucher/-innen lag 2012 bei 15,2 Prozent. 2013 reisten etwa 300.000 deutsche Touristen nach Südafrika. Der Jahresbericht 2013/2014 dokumentiert detailliert die Arbeit des Tourismusministeriums. Im Januar 2016 reisten etwa 30.000 deutsche Touristen nach Südafrika, über 142.000 Touristen kamen insgesamt aus Europa. Etwa 7 Prozent der Erwerbstätigen Südafrikas sind unmittelbar oder mittelbar im Tourismussektor beschäftigt, manche Schätzungen beziffern den Beschäftigtenanteil sogar auf über 10 Prozent.

Die Regierung hat 2002 Richtlinien für eine verantwortungsvolle Tourismusentwicklung vorgelegt, mit der die lokale Bevölkerung bei Tourismusinvestitionen besser berücksichtigt werden soll. Mit dem Tourismusgesetz von 2014 will die Regierung den nachhaltigen Tourismus fördern. Zu den Organisationen, die sich für nachhaltigen Tourismus engagieren, gehört ein Netzwerk verschiedener Anbieter und Fair Trade in Tourism. Es gibt einen praktischen Fairtrade-Reiseführer mit vielen Adressen, und Berichte über diese Form des Tourismus. Zudem werben verschiedene Naturparks, Organisationen, private Anbieter und Koordinationsstellen für den Ökotourismus als eine Form des nachhaltigen Tourismus. Lokale Tourismuskomitees, etwa im peripheren Ostkap, tragen zur Mitwirkung verarmter ländlicher Bevölkerungsgruppen bei. Gleichzeitig stehen sie vor der Herausforderung, jungen Männern Chancen zu bieten, ohne den Widerstand alter Autoritäten zu intensivieren.

Homosexuelle werden insbesondere von der südafrikanischen Tourismusindustrie als eigene Zielgruppe umworben. Die zahlreichen Szenelokale, u.a. in Kapstadt, die Gay-Pride-Demonstrationen und Filmfestivals stehen im Kontrast zur homophoben Hassgewalt in einigen Townships.

Wirtschaftspolitik

Buchcover Empowerment through economic transformation
Buchcover Quelle: hsrcpress.ac.za

Südafrikas Mandela-Regierung stand 1994 vor der Aufgabe, das soziale und ökonomische Erbe der Apartheid anzugehen. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebte nach offiziellen Statistiken damals unter der Armutsgrenze, die allermeisten davon gehörten zur schwarzen Bevölkerungsmehrheit. Im RDP (Reconstruction and Development Programme), stand die Befriedigung der elementaren Grundbedürfnisse im Vordergrund: Zugang zu menschenwürdigem Wohnraum, zu sauberem Wasser und Elektrizität.

Mitte 1996 vollzog die Mandela-Regierung, vor allem der an Einfluss gewinnende Thabo Mbeki, einen Richtungswechsel: Mit einem "neoliberalen" Wachstums-, Beschäftigungs- und Umverteilungsprogramm (Growth, Employment and Redistribution - GEAR) sollten in- und ausländische Investitionen gesteigert werden.

Mit der 2006 eingeführten neuen wirtschaftspolitischen Initiative, der Accelerated and Shared Growth Initiative for South Africa (ASGISA), wollte die Regierung wieder mehr Gewicht auf Arbeitsbeschaffung legen.

Mitte 2012 stellte die Regierung den nationalen Entwicklungsplan vor, der Armut und soziale Ungleichheiten überwinden soll. Seine Umsetzung stellt politische Entscheidungsträger und Behörden vor große Herausforderungen. Der New Growth Path (NGP) zielt zudem auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ab. Er gilt bis 2030 und betont die Rolle des Staates sowie der Verwaltung in Planungsvorgaben. Das betrifft Impulse zur Wirtschaftsentwicklung und zur Verbesserung der Dienstleistungen von Institutionen, insbesondere auf kommunaler Ebene. Diese Ziele wurden im Strategieplan zur Umsetzung Anfang August 2014 unterstrichen und konkretisiert. Einige Vertreter des Gewerkschaftsdachverbands COSATU lehnten ihn ab, da er zu wenig auf die Schaffung von Arbeitsplätzen einginge. Manche Gewerkschaftsvertreter kritisieren auch, dass die Finanzierung des Programms beim Staat bleibe und die Privatwirtschaft nicht in die Pflicht genommen würde. Währenddessen hielten sich andere COSATU-Repräsentanten mit Kritik zurück. 

Das Development Policy Research Unit der Universität Kapstadt erstellt verfügbare Studien zur Arbeitsmarktentwicklung. Auch die OECD publiziert zum Arbeitsmarkt und zur Arbeitslosigkeit in Südafrika. Das Institute for Global Dialogue an der University of South Africa in Pretoria veröffentlicht elektronisch frei zugängliche Studie zu Südafrikas Wirtschafts- und Handelspolitik.

Das Centre for Development and Enterprise setzt sich kritisch und konstruktiv mit den Arbeitsmarktproblemen und der hohen Arbeitslosigkeit auseinander. Dreh- und Angelpunkte sind Wirtschaftswachstum und Konsolidierung der Demokratie.

Umschlagblatt der Studie South African Economic Outlook
South African Economic Outlook

Über die Auswirkungen unterschiedlicher Wirtschaftsprogramme auf den Arbeitsmarkt gibt es seit Jahren heftige Debatten, dies betrifft vor allem die Folgen von GEAR. Allein durch die Integration Südafrikas in die globalisierte Ökonomie gingen fast eine halbe Million Arbeitsplätze verloren. Der New Growth Path, der mit anderen Wirtschaftsprogrammen der Regierung verbunden ist, soll neue Arbeitsplätze schaffen.

Die internationale Finanzkrise hat die Wirtschaft Südafrikas vor allem wegen der Exporteinbrüche betroffen. 2011 konnte sie sich langsam erholen, doch international droht sie, den Anschluss zu verlieren. Die neuere ökonomische Entwicklung analysiert die African Development Bank in ihren Berichten.

Südafrika pflegt eine transparente Haushaltspolitik. Es nimmt im Open Budget Index den dritten Platz ein und ist im regionalen Vergleich vorbildlich. Schon 2012 bestätigte der Open Budget Partnership die positive Einschätzung, kritisierte aber die Kreditvergabe an halbstaatliche Unternehmen, etwa im Energiesektor an ESKOM und die mangelnde sanitäre Infrastruktur in dicht bevölkerten, informellen Siedlungen.

Black Economic Empowerment

Mittelstandsfrauen
Die schwarze Mittelklasse wächst. © Gisela Fasse

Um die Veränderung der extrem ungleichen Besitzverhältnisse in der noch weitgehend von weißen, gebildeten Männern dominierten Wirtschaft zu beschleunigen, fördert die Regierung seit 2003 Black Economic Empowerment (BEE). Per Gesetz und wiederholt veränderter Regierungsvorgaben und Gesetzesergänzungen - vom BEE zum Broad Based Black Economic Empowerment BEEE - werden Quoten zur Kapitalbeteiligung und zur Beschäftigung von Schwarzen festgeschrieben. Einer kleinen schwarzen Elite hat diese Politik der Affirmative Action einen rasanten Aufstieg ermöglicht. In seinem Buch "Architects of Poverty: Why Africa's Capitalism needs Changing" kritisiert Moeletsi Mbeki, Bruder des früheren Staatspräsidenten Thabo Mbeki, BEE scharf. Die neue schwarze Mittelschicht verfügt jedoch nicht über das Vermögen der weißen Mittelklasse.

In Südafrika existieren zwei Wirtschaftsformen nebeneinander: eine hochentwickelte, wettbewerbsfähige und eine marginalisierte informelle Wirtschaft mit Kleinstunternehmern. Die Regierung hat erkannt, dass sich die materiellen Lebensbedingungen für die Menschen nur verbessern, wenn sie diese Parallelwirtschaften verbindet. Seitdem richtet sie die Aufmerksamkeit der Politik verstärkt auf die so genannte Second Economy. Allerdings sind Ausbeutung und Gesundheitsprobleme hier an der Tagesordnung, davon sind insbesondere Frauen betroffen. Die Konkurrenz beispielsweise zwischen Kleinhändlern/-innen aus Südafrika und Simbabwe steigt, weil in den letzten fünf Jahren zahlreiche südafrikanische Firmen insolvent wurden. So bieten Policy Paper zur regionalen Migration Diskussionsgrundlagen für die Suche nach Problemlösungen.

Landreform

Bäuerin mit Agrarberatern
Bäuerin mit Agrarberatern © Rita Schäfer

In keinem Staat südlich der Sahara ist das Land ungerechter verteilt als in Südafrika: Beim Amtsantritt Nelson Mandelas 1994 verfügten 60.000 weiße Farmer über 87 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Bis 2014 sollte 30 Prozent der Agrarfläche an diejenigen zurückgegeben werden, die während der Apartheid und seit dem Landgesetz von 1913 enteignet worden waren. Die dafür vorgesehene Landreform basiert auf den drei Säulen: Rückgabe von Land (Restitution), Umverteilung (Redistribution) und Verbesserung der Rechte von Landnutzern/-innen in den ehemaligen Homelands (Tenure Reform). Zwischen 1994 und 2011 bezifferte sich die Landrückgabe laut Regierungsangaben auf 6,8 Mio. Hektar. Das zuständige Ministerium für ländliche Entwicklung und Landreform berichtet jährlich über seine Arbeit. Auch das Agrarministerium veröffentlicht detaillierte Jahresberichte.

In der Landfrage geht es nicht nur um Hektar, sondern auch um ein Leben in Würde für die vielen Landlosen. Organisationen wie FIAN und die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (Kasa) fordern seit Jahren eine raschere Umsetzung der Landreform. 

In seiner Rede zur Nation am 14. Februar 2013 gab Präsident Zuma bekannt, wegen bekannter Mängel sollte die Landreform auf der Basis des Verkaufs zu Marktpreisen umgewandelt werden in ein Vorgehen, das auf mehr Gerechtigkeit und konkreter Unterstützung der neuen Farmer ausgerichtet ist. Das Umverteilungsziel von 30 Prozent bis 2014 wurde mittlerweile bis ins Jahr 2025 erweitert. In Reden Anfang 2015 ging Präsident Zuma abermals auf die Landrechtsproblematik ein, was teilweise zu Kritik von Seiten weißer Farmer und ihrer Interessenvertretungen führte.

Zur Erinnerung an die dramatischen Folgen des Landgesetzes von 1913, das die schwarze Bevölkerungmehrheit enteignete und von ihrem Land vertrieb, organisierten mehrere Universitäten Konferenzen zur Landfrage. Die Vorträge sind auf der Webseite von PLAAS an der University of the Western Cape abrufbar. Das Centre for Law and Society an der Universität Kapstadt bietet umfangreiche Detailinformationen über die rechtlichen und gesellschaftlichen Strukturprobleme des jahrelang umstrittenenen Gesetzesentwurfs zum Machtgewinn von (Apartheid-)Chiefs in den früheren Homelands. Unter Berufung auf die südafrikanische Verfassung und die dort verankerten Rechtsgrundlagen und demokratischen Prinzipien leistete die Alliance for Rural Democracy erfolgreich Widerstand gegen den so genannten "traditional courts bill".

"Apartheid has ended, but we’re still landless": Das Tempo der Landreform ist laut Einschätzung der South Africa's Landless People's Movement viel zu langsam. Das Problem der Landlosigkeit betrifft insbesondere Farmarbeiter/-innnen, zumal südafrikanische und simbabwische Arbeiter/-innen konkurrieren. Einige Farmer, etwa im Western Cape, sind nicht unbeteiligt an Konflikten. Ihr Fehlverhalten kritisierten streikende Farmarbeiter/-innen beispielsweise im Dezember 2012 im Western Cape.

Zu den Organisationen, die sich für die Rechte und die konkrete Situationsverbesserung von Farmarbeiter/-innen einsetzen, zählen Women on Farms, Passop und die Coalition of Farm Workers.

Frau beim Schweinehüte
Frau im Chris Hani District, Eastern Cape, beim Schweinehüten © Fanie Jason
Beim Gemüseputzen
Beim Gemüseputzen © Fanie Jason

Die Fotoausstellung "Our Land ... Our Life ... Our Future“ zeigt viele Motive zur ländlichen Armut und zu Landrechten in Südafrika und kann als Wanderausstellung bei Kasa ausgeliehen werden.

Außenwirtschaft - Handel

Exporte Importe EU Südafrika
Exporte - Importe EU Südafrika © und Quelle: Schule-Studium.de (unter Bezug auf EuroStat als Quelle)
Exporte von Gütern aus Südafrika
Exporte von Gütern aus Südafrika Quelle: Statista.com
Importe nach Südafrika
Importe nach Südafrika Quelle: Statista.com

Industrie und Handel haben in Südafrika einen wesentlich größeren Umfang als in anderen afrikanischen Staaten. Südafrika ist der größte Handelspartner der Europäischen Union in Afrika, wobei das Gesamtvolumen des Handels mit der EU nach einem Einbruch 2009 trotz Erholung 2010 tendenziell leicht rückgängig ist. Innerhalb der Europäischen Union sind Großbritannien und Deutschland die wichtigsten Handelspartner. Mittlerweile ist China zum wichtigsten Handelspartner Südafrikas aufgestiegen, was laut Wirtschaftsexperten derzeit Vor- und Nachteile hat.

2013 importierte Südafrika Güter im Wert von 7,1 Mrd. Euro aus Deutschland und gleichzeitig importierte Deutschland Güter im Wert von 2,9 Mrd Euro aus Südafrika. Die südafrikanischen Exporte nach Deutschland bestehen überwiegend aus Eisen- und Stahlerzeugnissen, Maschinen, KFZ-Teilen, Nicht-Eisen-Metallen und landwirtschaftlichen Produkten, während 28 Prozent der Importe aus Deutschland zum Automobilsektor gehören. Daneben liefert Deutschland Maschinen sowie chemische und elektrotechnische Erzeugnisse.

Die deutschen Rüstungsexporte nach Südafrika gerieten wegen eines Korruptionsskandals 1999 in die Kritik. 2001 forderten kritische Rüstungexperten ein Moratorium auf deutsche Rüstungsexporte. Deutsche Firmen spielen insbesondere im Modernisierungs- und Beschaffungsprogramm der südafrikanischen Marine eine herausragende Rolle und haben Fregatten und U-Boote nach Südafrika geliefert. Aktuelle und detaillierte Daten und Fakten zu Militär, Rüstung und Rüstungsexporten bietet der BICC-Länderinformationsdienst.

Das Department of Trade and Industry veröffentlicht regelmäßig verschiedene Handels- und Wirtschaftsstatistiken.

Über die südafrikanische Handelspolitik und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft der Nachbarländer und den globalen Handel informiert das South African Institut of International Affairs (SAIIA).

Investitionen

Südafrika bietet wegen seiner gut entwickelten wirtschaftlichen Infrastruktur und eines wachsenden Marktes ein großes Potenzial für Investitionen, die von der Regierung im Ausland, so auch in Deutschland, beworben werden. Doch trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und gesetzlicher Investitionsanreize mit einem eigens dafür eingerichteten Internetportal der Regierung hielten sich die Auslandsinvestoren in der Wirtschaftskrise zurück.

Die ausländischen Direktinvestitionen hatten 2010 einen Bestand von 132,4 Mrd. US-Dollar, der Zufluss 2011 betrug 5,81 Mrd. US-Dollar. 2013 betrug der Bestand 140,047 Mrd US-Dollar, der Transfer 8,18 Mrd. US-Dollar. Wirtschaftsexperten zufolge sind privatwirtschaftliche Investitionen 2015 rückläufig, ein Grund dafür sei die unsichere Energieversorgung. Gleichzeitig investiere der Staat in die Infrastruktur, vor allem in den Straßenbau. Auch Ende 2015 schätzte die Industrie- und Handelskammer für Sub-Sahara-Afrika die Stabilität mit Blick auf das Investitionsklima in Südafrika eher kritisch ein. Die Weltbank bietet eine Übersicht zum derzeitigen Investitionsklima in Südafrika, sie zieht zeitliche Längsschnitte und ermöglicht Ländervergleiche.

Zu deutschen Direktinvestoren zählt vor allem die Autoindustrie. Etwa 600 deutsche Unternehmen sowie Tochterunternehmen sind in Südafrika registriert. Sie beschäftigen ca. 90.000 Arbeitnehmer in den Schwerpunktbranchen Automobilsektor, chemische Industrie, Maschinenbau und Elektrotechnik. Ein Großteil dieser Unternehmen ist Mitglied der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika (AHK Südliches Afrika) in Johannesburg. Wichtige deutsche Investoren, darunter Daimler, BMW und Volkswagen, hatten bereits während der Apartheid in Südafrika Produktionsstätten. Es besteht seit 1998 ein Abkommen zum Schutz von Investitionen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Südafrika, ein Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung ist bereits seit 1975 in Kraft.

Nach dem Ende der Apartheid hat Südafrika über 40 bilaterale Investitionsabkommen (BIT) geschlossen. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung bewertete die Investitionsabkommen im Auftrag des SAIIA kritisch. Dieses Abkommen ist inzwischen von südafrikanischer Seite aufgekündigt worden, was deutsche Wirtschaftsvertreter monieren.

Südafrika gehört zu den wenigen Ländern Afrikas, wo das Konzept der Unternehmensverantwortung "Corporate Social Responsibility" angewandt wird. Berücksichtigt werden hier auch Vorgaben des Black Economic Empowerment Act von 2003.

Regionale Kooperation

Landkarte der SADC Länder
Landkarte der SADC Länder Quelle: cdn3.wn.com

Die Beziehungen innerhalb der 14 Mitgliedsstaaten der regionalen Entwicklungsgemeinschaft Southern African Development Community SADC konzentrieren sich auf die Integration einzelner Sektoren wie Transport und Kommunikation. 

Südafrika entwickelt sich zu einem neuen Geber in Afrika. Als Finanzierungsinstrument dieser Kooperation dient u.a. der African Renaissance Fund.

Die Afrikanische Entwicklungsbank hat 2011 ein Strategiepapier zur Regionalen Integration herausgegeben. Es hebt die Förderung von privaten und staatlichen Investitionen, des "Capacity Building" und der Handelserleichterungen hervor. Wichtig sind auch regionale Verträge wie das CES Tripartite Arrangement. Dieses Abkommen will den Freihandel zwischen den Wirtschaftsräumen der SADC, der Ostafrikanischen Gemeinschaft EAC und dem Comesa-Raum harmonisieren.

BRICS Länder 2012 im Vergleich
BRICS Länder 2012 im Vergleich Quelle: 2.bp.blogspot.com

Südafrika gehört seit 2003 mit In­di­en und Bra­si­li­en der Grup­pe der IB­SA-Staa­ten an. Seit April 2011 zählt Südafrika zu den BRICS-Ländern, einem Zusammenschluss mit Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en und China. Südafrika kommt dabei eine Brückenfunktion für den afrikanischen Kontinent zu. Zwar hat der bilaterale Handel mit seinen BRICS-Partnern 2011 deutlich zugenommen, doch Südafrika kann seine Sonderrolle als Tor nach Afrika verlieren, weil auch andere afrikanische Staaten Investoren anziehen. Die Chancen und Risiken des BRICS-Klubs für Südafrika sind Gegenstand innenpolitischer Diskussion.

Apartheidschulden

Deutsche Bank Aktion
Aktion der Kampagne vor dem Deutsche Bank-Gebäüde in Frankfurt. Foto: Kosa

Infolge der Wirtschaftskrisenbewältigung und der Fußball-WM beliefen sich die Auslandsschulden Südafrikas 2010 auf 45 Mrd. US-Dollar, für 2011 lagen die Auslandsschulden bei geschätzten 47,5 Mrd. Dollar, was rund 12 Prozent des BIP entsprach. 2013 wurden sie auf 139 Mrd. US-Dollar geschätzt, was 45% des BIP entsprach.

Angesichts der sozialpolitischen Herausforderungen stellen die Schulden ein großes Hindernis für die Entwicklung des demokratischen Südafrika dar. Deswegen forderte die Internationale Kampagne zur Entschuldung und Entschädigung im südlichen Afrika, eine Auseinandersetzung mit den vom Apartheidregime verursachten Schulden. Die Gewinne deutscher Unternehmen und Banken – insbesondere der Dresdner Bank, der Commerzbank, der Deutschen Bank – aus ihren Apartheidgeschäften beliefen sich in der Zeit von 1971 bis 1993 sich auf ca. 4 Mrd. Euro. In die Schweiz sind in den letzten Apartheid-Jahren nach Schätzungen etwa 300 Millionen US-Dollar jährlich an Zinsen und Dividenden zurückgeflossen.

Der US-Anwalt Michael Hausfeld hatte im Auftrag der Khulumani Support Group, einem Zusammenschluss von Apartheidopfern, in den USA 2002 eine Klage gegen internationale Konzerne eingereicht. Im Oktober 2007 wurde die Klage angenommen, jedoch im im August 2013 abgelehnt. Die Khulumani-Klage im Namen von 90 südafrikanischen Bürger/-innen hätte einen Präzedenzfall schaffen können, zumal die südafrikanische Regierung die Entschädigungsklage unterstützte. Im Februar 2012 hat sich der US-Konzern General Motors (GM) bereit erklärt, die südafrikanischen Apartheidopfer zu entschädigen.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Mädchen in Soweto
Mädchen in Soweto © Rita Schäfer

Die Bekämpfung der Armut und Arbeitslosigkeit von offiziell über 25 Prozent ist ein vorrangiges Ziel der südafrikanischen Regierung. Vor allem Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit stehen auf dem Programm, die Maßnahmen werden von zivilgesellschaftlichen Organisationen teilweise kritisch eingeschätzt. In der Armutsüberwindung geht es um die Verbesserungen im Zugang zu Wasser, sanitären Anlagen, Strom und Wohnungen. Millionen von Menschen wurden seit 1994 mit Häusern, Wasser- und Stromanschlüssen versorgt, aber über 50 Prozent der Gesellschaft, zumeist schwarze Menschen mit geringer Bildung, leben noch immer in Armut. Ein gemeinsames Forschungsprojekt der EU und Südafrikas zeigt Ursachen auf und gibt politische Empfehlungen für Veränderungen. Der Bericht "State of the Nation" 2012-2013 des Human Science Research Council analysiert, welche Programme und Maßnahmen die Regierung, die Kommunen und die Wirtschaft zur Reduzierung der Armut und Arbeislosigkeit ergreifen könnten.

Im Kontext der Afrikanischen Union führt Südafrika African Peer Review Mechanismen durch, die in den letzten Jahren vorrangig auf die Überwindung von Armut und Arbeitslosigkeit abzielten. Südafrikanische Politikberatungs- und Forschungseinrichtungen verfolgen die Berichterstattung sowie die Umsetzung von Entwicklungsprogrammen und setzen sich für die bessere Partizipation der Zivilgesellschaft ein.

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) präsentiert alljährlich den Human Development Index, mit dem die Entwicklungsprozesse für die Menschen in den jeweiligen Staaten eingeschätzt werden. Aktuell nimmt Südafrika im UNDP-Bericht Rang 116 von 188 Ländern ein, der Bericht zeigt Veränderungen zu den Vorjahren. Die vorherrschenden Asymmetrien zwischen Frauen und Männern verdeutlicht der Gender Inequality Index. Dort belegte Südafrika 2014 Platz 83 von 155 Ländern.

Südafrikas Stand bei der Erreichung der Millennium Entwicklungsziele (MDG) wurde regelmäßig im MDG-Bericht erfasst, die Afrikanische Union dokumentierte die Umsetzung der Ziele im Ländervergleich auf dem Kontinent. Zu diesen Zielen gehört die Halbierung der Armut bis 2015. Vorschläge und Konzepte zur Post-2015 Development Agenda wurden von politischen Think Tanks intensiv disktutiert. Südafrikanische Minister und Parlamentarier diskutieren seit einiger Zeit über die Sustainable Development Goals, diese SDGs wurden Ende September 2015 auf internationaler Ebene verabschiedet. In Südafrika bauen sie auf bisherige planerische und politische Vorgaben und deren Umsetzung auf.

Das Southern African Regional Poverty Network SARPN erstellt Studien, u.a. zur Auswirkung von Wachstum und Umverteilung auf Armut und Ungleichheit in Südafrika. 

Eine umfangreiche Zusammenstellung von Entwicklungsinstitutionen (darunter nationale NRO und in Südafrika tätige internationale Organisationen sowie Consultings) liefert, mit den jeweiligen Homepages, das Directory of Development Organizations.

Internationale Entwicklungsanstrengungen

Cover der SACU-Infobroschüre © SACU

Im Vergleich internationaler Entwicklungskooperatioenn bestehen besondere Beziehungen zwischen Südafrika und der Europäischen Union. Der Vertrag zu Handel, Entwicklung und Zusammenarbeit (TDCA) hat Implikationen für die Länder der "Southern African Customs Union" (SACU), zu der neben Südafrika Namibia, Botswana, Lesotho und Swasiland gehören. Nicht-SACU-Länder sind mit der starken Konkurrenz hochsubventionierter Agrarprodukte aus der EU konfrontiert. Die jahrelangen Verhandlungen über umstrittene EPA-Abkommen zu Wirtschaftspartnerschaften zwischen EU und AKP-Ländern wurden von der zivilgesellschaftlichen Kampagne StopEpa begleitet.

Werbeplakat in Johannesburg
Werbeplakat für chinesische Geschäftsmall in Johannesburg © C. Marx
Chinesischer Laden
Chinesisches Geschäft in Johannesburg © R. Schäfer

Ein Handelsförderungsabkommen (African Growth and Opportunity Act, AGOA) ist mit den USA geschlossen worden, mit denen Südafrika traditionell gute Wirtschaftsbeziehungen unterhält.

Auch in Südafrika spielen die asiatischen und arabischen Länder eine zunehmende Bedeutung. Vor allem China erobert den afrikanischen Markt. Südafrika ist Chinas wichtigster Handelspartner auf dem Kontinent. Am Rande des China-Afrika-Gipfels im Dezember 2006 in Peking hatten chinesische Firmen erste Investitionsabkommen mit Südafrika geschlossen, die seitdem ausgeweitet und intensiviert wurden. Im Dezember 2015 richtete Südafrika das VI. FOCAC-Forum aus, über das beispielsweise das South African Institute of International Affairs (SAAIA) berichete. Auch das Zentrum für China-Forschungen an der Universität Stellenbosch informiert über aktuelle Entwicklungen der Beziehungen zwischen China und Südafrika und über Hintergründe.

Nach eigenem Selbstverständnis hat Südafrika in der Kooperation mit China stellvertretend für den Kontinent die Rolle übernommen, die Zusammenarbeit mit China stärker in die Afrikanische Union (AU) einzubinden. Gleichwohl warnte der frühere Präsident Mbeki vor "kolonialen Beziehungen" mit China, wenn Afrika nur Rohstoffe nach China liefere und Fertigwaren einführe.

Ein wichtiger multilateraler Partner bei der Förderung der entwicklungspolitischen Ziele Südafrikas ist das United Nations Development Programme UNDP. Südafrika ist zudem Mitglied der African Union (AU), der UN, des Commonwealth, des IWF und der Weltbank.

Wichtige bilaterale Akteure in Südafrika sind u.a. die USA, Großbritannien und Frankreich.

Deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Junger Mann bei Bauernversammlung Ländliches Entwicklungsprojekt, Limpopo Provinz, Südafrika © Rita Schäfer

Die Bundesrepublik Deutschland hat den Reformprozess in Südafrika seit 1992 durch offizielle Entwicklungszusammenarbeit begleitet. Nach den ersten freien Wahlen von 1994 haben fast jährlich Regierungsverhandlungen über die Zusammenarbeit stattgefunden. Dabei dient vor allem die seit 1996 stattfindende deutsch-südafrikanische bi-nationale Kommission als Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit. Den Vorsitz der Binationalen Kommission, die im zweijährigen Rhythmus tagt, haben die Außenminister beider Länder.

Schwerpunkte der aktuellen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit sind: Energie und Klima, Regierungsführung und öffentliche Verwaltung, HIV/Aids- Prävention. Die deutschen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika beliefen sich 2012/13 auf 286,9 Millionen Euro. Beim Treffen deutscher und südafrikanischer Regierungsvertreter im Rahmen der bi-nationalen Kooperation am 20. November 2014 in Pretoria wurde die finanzielle und technische Kooperation in Höhe von 72,5 Millionen US-Dollar für die Jahre 2014 und 2015 beschlossen, auch für die erneuerbare Energie, die Verbesserung der Verwaltung und für die HIV-Prävention wurden Kooperationsvereinbarungen mit Finanzangaben für einzelne Förderbereiche getroffen.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzt als Durchführungsorganisation in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit gezielt Projekte zur Verbesserung der Regierungsführung und öffentlichen Verwaltung, zur Energie- und Klimapolitik sowie zur HIV-/AIDS-Prävention um. Auch die Bildungs- und Jugendförderung sowie die Stärkung von Kooperationen auf unterschiedlichen Ebenen und der regionalen Integration zählen zum Aufgabenspektrum.

Südafrika hat eine zentrale Rolle im Rahmen neuer Entwicklungspartnerschaften.

Auch die KfW Entwicklungsbank ist in Südafrika vertreten.

Mehrere Bundesländer haben Partnerschaften mit südafrikanischen Provinzen aufgenommen und führen dort eigene Projekte der entwicklungspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch. Es sind dies Bayern mit Gauteng und Westkap (Western Cape), Baden-Württemberg mit KwaZulu-Natal, Nordrhein-Westfalen mit Mpumalanga und Niedersachen mit Ostkap (Eastern Cape). Auf der Basis der NRW-Mpumalanga-Partnerschaft hat sich 2001 das Mpumalanga Forum NRW gegründet, das sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt und Ende 2011 auf 10 Jahre Kooperation zurückblicken konnte. Inzwischen hat es sich zum Südafrika-Forum NRW ausgeweitet. Zudem gibt es zahlreiche Städtepartnerschaften, etwa zwischen Aachen und Kapstadt, Bremen und Durban. Aufschlussreich für die Partnerschaft zwischen Aachen und Kapstadt ist das Klimaticket. Hervorzuheben ist die Initiative südliches Afrika (INISA), in dem vor allem junge Menschen engagiert sind, politische Diskussionen veranstalten und Geld für Stipendien südafrikanischer Studierender sammeln. Beachtlich ist auch die Arbeit von SAGE Net, des deutsch-südafrikanischen Netzwerkes für nachhaltige und soziale Entwicklung, des Deutsch-Südafrikanischen Jugendwerks, einer Entsendeorganisation für Freiwillige und Praktikanten, die beispielsweise mit Weltwärts kooperiert und von Masifunde, das vor allem auf das Engagement junger Menschen in südafrikanischen Projekten setzt. Zudem bieten verschiedene Organisationen Workcamps zur aktiven Mitarbeit in südafrikanischen Projekten an. Darüber hinaus unterhalten Kirchengemeinden, Schulen, Kulturinitiativen wie Exile oder die Kinderkulturkarawane und andere gesellschaftliche Gruppen Partnerschaften mit südafrikanischen Initiativen und Vereinigungen. Universitäten in Deutschland und Südafrika pflegen Wissenschaftskooperationen, etwa zur Urbanisierung und den entwicklungspolitischen Folgen des Klimawandels.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juli 2016 aktualisiert.

Über die Autorin

Rita Schäfer, freiberufliche Wissenschaftlerin, Autorin der Bücher: Im Schatten der Apartheid 2008, Frauen und Kriege in Afrika 2008, Gender und ländliche Entwicklung in Afrika 2012. Freie Mitarbeit in der "Afrika Süd"-Redaktion der Informationsstelle südliches Afrika (issa), Bonn. Dezember 2015: Konzeption des Informationsportals Africanclimatevoices.com zum Klimawandel im südlichen Afrika.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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