Hausbau in Jubas Vorstädten (© Ayman Hussein)
Bruttoinlandsprodukt (BIP)
9,02 Mrd. US-$ (2015)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
1.850,03 US-$ (2015)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 181 (von 188), 2016
Anteil Armut (unter 1 $ pro Tag)
50,6% (2009)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
46,34 (2009)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 125 (von 129), 2016

Die südsudanesische Wirtschaft

Junge Frau beim Melken
Junge Frau beim Melken © Ayman Hussein

Die Wirtschaft im Südsudan ist nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges kaum entwickelt. Ölförderung und -export sind bei weitem die größten Wirtschaftsfaktoren des Landes, werden jedoch durch die blutigen Konflikte im Land stark beeinträchtigt.

Südsudan ist das Land mit der weltweit größten Abhängigkeit vom Erdöl. Ölförderung machte zu ihren Hochzeiten 2011 98 % des Staatseinkommens und ca. 80 % des Bruttoinlandsproduktes aus. Beim Export ist der Südsudan auf die sudanesische Infrastruktur angewiesen, da Pipelines, Aufbereitung in Raffinerien und Verschiffung über den Nachbarn im Norden gehen. Zwischen Januar 2012 und April 2013 kam es aufgrund unlösbarer Widersprüche bezüglich der Nutzungsgebühren zu einem kompletten Stopp der Ölförderung, was einem wirtschaftlichen Selbstmord gleichkam. Nach 15 Monaten erreichten beide Konfliktparteien, auch unter dem Druck Chinas als größtem Investor, eine neue Vereinbarung und die Wiederaufnahme der Förderung.

Durch den im Dezember 2013 entbrannten Bürgerkrieg ist die Fördermenge jedoch erneut signifikant zurückgegangen, so dass 2014 nur ca. 80 % des Hochs von 2011 erreicht werden konnten. Der Fall des Ölpreises vergrößert den Einnahmeausfall weiter. Als eine Konsequenz wird der Südsudan z.B. seine Botschaften in anderen Ländern zumindest zeitweise schließen müssen. Zudem wurden die Feierlichkeiten für den Unabhängigkeitstag für das Jahr 2016 aus finanziellen Gründen abgesagt.

Durch die immensen Öleinnahmen und eine relativ kleine Bevölkerung lag das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 2011 bei ca. 1.696,15 USD und damit weit über dem Durchschnitt der ostafrikanischen Nachbarn. Das Durchschnittseinkommen war jedoch mit weniger als 1.000 USD weitaus geringer - was auf einen hohen Kapitalausfluss durch Ölfirmen schließen lässt. Durch den bewaffneten Konflikt ist das Pro-Kopf-BIP seit der Unabhängigkeit 2011 auf 730,58 USD gesunken, gleichzeitig stieg erstaunlicherweise jedoch laut Weltbank die Kaufkraftparität (pro Kopf) ab 2012 von 1.819,44 USD auf 1.850,03 USD, mit einem Peak im Jahr 2014 mit 2.026,25 USD.

Trotz des beachtlichen BIPs ist der Anteil der Bevölkerung, die unter der nationalen Armutsgrenze lebt, sehr hoch. Waren es laut gesicherten Daten der Weltbank 50,6 % in 2009, so dürfte der Anteil der Bevölkerung, die in Armut lebt, durch den letzten Bürgerkrieg noch einmal vergrößert haben.

Die Inflationsrate des Landes ist eng verknüpft mit der Ölförderung und den kriegerischen Auseinandersetzungen und fluktuiert dementsprechend stark. Sie erreichte ihren bisherigen Höhepunkt seit 2009 im Jahr 2015 mit 50,2 %. Im Jahr 2013 gab jedoch eine Deflation von 0,039%.

Jenseits des Ölsektors ist die Existenzgrundlage der meisten Menschen kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft und Viehhaltung, die zusammen ca. 15 % des BIP ausmachen. 85 % der arbeitenden Bevölkerung arbeiten nicht für Lohn, vor allem in der Subsistenzlandwirtschaft. Das Entwicklungspotenzial in der Landwirtschaft ist hoch, nur 4,5 % des verfügbaren Bodens werden derzeit bewirtschaftet. Das Land ist weiterhin abhängig von Nahrungsmittelimporten.

Die Arbeitslosigkeit, besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, ist sehr hoch. Gründe dafür sind niedrige Nachfrage nach Arbeitskräften, Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften, keine kohärente Regierungsstrategie für den Arbeitsmarkt, kriegerische Auseinandersetzungen sowie Abwesenheit eines verlässlichen legalen Rahmens. Im September 2014 lancierte die Regierung ein Gesetz, das binnen Monatsfrist alle ausländischen ArbeiterInnen des Landes verwies. Sie sollten durch südsudanesische ArbeitnehmerInnen ersetzt werden. Der Schritt wurde vor allem als populistische Geste gewertet und von Hilfsorganisationen und Investoren gleichermaßen lamentiert. Die Deadline verstrich folgenlos.

Angesichts der Instabilität sehen die Prognosen für die nahe Zukunft düster aus und es fehlen langfristige Strategien und politischer Wille, um Alternativen zum Öl zu schaffen. Immer wieder gibt es die Überlegung, die riesigen Viehbestände des Landes wirtschaftlich zu nutzen. Im Südsudan, mit seinen ca. 12 Millionen EinwohnerInnen, werden ca. 11 Millionen Rinder und 19 Millionen Schafe gehalten.

Mitte Oktober 2016 stellte die südsudanesische Regierung ihren Haushaltsplan für die Jahre 2016/17 vor. Die Hälfte der 22,3 Milliarden Pfund werden für Sicherheitskräfte und das Militär ausgegeben, trotz des unterschriebenen Friedensabkommens und der katastrophalen wirtschaftlichen Situation.  

New York Times zur Auswirkung der schlechten wirtschaftlichen Situation auf die Bevölkerung

Humanitäre Situation und Hungersnot

Anbau von Saatgut für eine bessere Zukunft © Oxfam International (CC BY-NC-ND 2.0)
Anbau von Saatgut für eine bessere Zukunft © Oxfam International (CC BY-NC-ND 2.0)

Laut UN-Angaben haben Anfang Juni 2017 2 Millionen Menschen Zuflucht in anderen Landesteilen des Südsudans, fast 2 Million Menschen Zuflucht in Nachbarländer gesucht und 5,5 Millionen sind auf Lebensmittellieferungen angewiesen. Anfang Mai 2017 starben zahlreiche Menschen an Cholera. Die Durchfallerkrankung tritt regelmäßig im Südsudan auf. Für mindestens vier Bundesstaaten liegen derzeit Warnungen vor.

Im Februar 2017 gab die UN bekannt, dass 100.000 Menschen von einer Hungersnot im Südsudan - vornehmlich in Unity State im Norden des Landes -  betroffen sind. Bis zum Juni 2017 reduzierte sich die Zahl auf 45.000 Menschen. Die erste Hungersnot innerhalb der letzten sechs Jahre weltweit. Weitere eine Million Menschen stehen kurz vor einer solchen. Auch andere Länder, namentlich Jemen, Somalia und Nigeria, sind von einer solch schlechten humanitären Situation gekennzeichnet, dass in kurzer Zeit eine Hungersnot auch in diesen Ländern ausbrechen könnte. Die Umstände, die zu einer solchen Hungersnot führten, sind vornehmlich menschengemacht. Neben einer steigenden Weltbevölkerung, die Auswirkungen des Klimawandels und die heutigen Anbaumethoden führte der Bürgerkrieg im Südsudan letzendlich zu einer Hungersnot. Neben der aktuellen Nothilfe ist der Bedarf nach nachhaltigen Strategien zur Friedenskonsolidierung im Südsudan elementar. Umso bedaulicher sind die kriegerischen Auseinandersetzungen, da der Südsudan in Friedenszeiten in der Lage war, durch eigene Lebensmittelproduktion seine Bevölkerung zu ernähren.

Hilfsorganisationen beklagen, dass ihnen Zugang zu den entsprechenden Orten verweigert werden, um dort den Menschen effektiv helfen zu können. Auch durch weitere Vertreibungen kommt die Hilfe nicht bei der betroffenen Bevölkerung an. Zudem sind Entwicklungshelfer*innen zunehmend Ziel von Gewalt. So sind Ende März 2017 sechs Helfer*innen getötet worden, seit dem Ausbruch des Konfliktes im Dezember 2013 sind somit mindestens 79 Entwicklungshelfer*innen im Südsudan ums Leben gekommen. Um die Hungersnot jedoch stoppen zu kommen, ist es notwendig, dass die Hilfe schnell bei den hungernden Menschen ankommt.

Guardian Podcast: Warum gibt es eine Hungersnot in Ostafrika und was kann dagegen unternommen?

Vox zum Hintergrund der Hungersnot

"Inside Story" auf Al Jazeera: Wer ist an der Hungersnot im Südsudan Schuld?

Wirtschaftspolitik und Entwicklungspotenzial

Frau bei ihrer Rinderherde
Frau bei ihrer Rinderherde (© Ayman Hussein)

Eine große Herausforderung für die Entwicklung ist die geringe Bevölkerungsdichte und die sehr junge Bevölkerung: 51 % sind unter 18 Jahre, und 32 % unter 10 Jahre alt. Hinzu kommt die hohe Analphabetenrate (nur 27 % der über 15-jährigen können lesen) und die bislang weitgehend fehlende Infrastruktur, die nur sehr langsam ausgebaut wird. Die Wirtschaftspolitik muss auf diesen Grundbedingungen aufbauen, um Verbesserungen für die Bevölkerung zu bewirken.

Um die Abhängigkeit von Ölexporten sowie von Nahrungsmittelimporten zu verringern, will die Regierung verstärkt den Edelholzexport, den Abbau von Bodenschätzen sowie die Landwirtschaft fördern. Statt dabei jedoch Kleinbauern zu fördern und zu unterstützen, die derzeit 80 % des Getreides produzieren, wird vor allem auf private, meist ausländische Investoren gesetzt. Zwischen 2007 und 2010 haben Privatinvestoren 5,15 Millionen Hektar Land gekauft oder reserviert, das sind mehr als 8 % des gesamten Landes. Zu den Hauptinvestoren gehören Ägypten, Uganda und China. Das Land wirbt um Investoren aus aller Welt und stellt dabei bisher kaum Bedingungen.

Der Ausblick für mögliche wirtschaftliche Investments im Südsudan dürfte sich im kommenden Jahr kaum verbessern. Durch die kaum vorhandene Infrastruktur und den letzten Bürgerkrieg hat sich der Status quo noch einmal verschlechtert. Die Weltbank sieht zwar eine marginale Verbesserung für das Jahr 2017, jedoch wird diese kaum spürbar sein.

Regionale wirtschaftliche Bedeutung und Ausstrahlung

Südsudans regionale Rolle beläuft sich derzeit vor allem auf die eines weiteren Destabilisierungsfaktors und Sorgenkindes. Besonders die Nachbarn Uganda und Äthiopien fürchten eine weitere Ausdehnung der Konflikte auf ihr Territorium sowie weitere Flüchtlinge.

Vor Ausbruch der Gewalttätigkeiten lebten bis zu einer Million ArbeitsmigrantInnen, vor allem aus Uganda aber auch anderen Nachbarländern, im Südsudan und insbesondere der Hauptstadt Juba. Besonders Handel und Märkte waren zu einem Großteil in den Händen ugandischer MigrantInnen, und Juba war und ist ein wichtiger Absatzmarkt für ugandische Waren.

Die wirtschaftliche Bedeutung Südsudans in der Region ist bislang gering, vor allem da die Ölförderung aufgrund des Bürgerkrieges reduziert ist. Seit seiner Unabhängigkeit bemüht sich Südsudan um eine Aufnahme in den ostafrikanischen Wirtschaftsblock EAC. Die EAC-Mitgliedsstaaten sind vor allem angesichts der politischen Instabilität und der militärischen Konflikte mit dem Sudan besorgt. Der Südsudan gilt als Instabilitätsfaktor, der die Sicherheit in der ganzen Region bedroht. Dennoch wurde das Land dann im April 2016 als sechster Mitgliedsstaat offiziell aufgenommen.

Der Südsudan erhofft sich durch die Aufnahme in den EAC eine bessere regionale Verankerung und zudem einen Vorteil für seine Wirtschaft.

Wirtschaftssektoren

Hauptprodukt: Öl

Karte der Öl- und Gaskonzessionen © Michael Till-Lambrecht (CC BY-SA 3.0)
Karte der Öl- und Gaskonzessionen © Michael Till-Lambrecht (CC BY-SA 3.0)

Öl wurde im Sudan 1978 entdeckt, jedoch erst ab Ende der 1990er Jahre im größeren Stil tatsächlich gefördert. 1999 begann die 'Chinese National Petroleum Corporation' die Extraktion mehrerer Ölfelder. Seit 2003 bemühte sich der Sudan verstärkt um die Vermarktung seiner Ölfelder und 2005 wurde unter dem Friedensabkommen die National Petroleum Commission (NPC) ins Leben gerufen, um die Entwicklung des Ölsektors zu optimieren und zu überwachen.

Die Ölfelder wurden in verschiedene Blöcke aufgeteilt, die teilweise die Nord-Süd-Grenze überschreiten. Die größten Ölvorkommen liegen jedoch im Südsudan. Inzwischen sind fast alle Förderrechte an verschiedene Unternehmensgruppen vergeben worden.

Besonders aktiv in der Ölförderung im Südsudan sind die schon erwähnte Chinese National Petroleum Corporation, die malaysische Petronas, die sudanesische Sudapet, die indische Oil and National Gas Corporation (ONGC), die Al Thani Emirates Petroleum Corporation und die französische Total. Seit Ende 2012 ist jedoch davon die Rede, dass einige der großen Ölfelder des Südsudan in mehrere kleinere Blöcke neu aufgeteilt werden sollen.

Ein zentrales Problem ist der Export des Öls aus dem Binnenland Südsudan. Die Investoren haben erst vor wenigen Jahren in das Pipeline- und Raffinerienetz in den Norden und nach Port Sudan investiert. Konflikte zwischen Sudan und Südsudan existieren jedoch auch nach Ende des 15-monatigen Förderstopps und führen immer wieder zu gegenseitigen Drohungen mit einer Produktions- bzw. Exportblockade. Der Aufbau alternativer Exportrouten ist für Südsudan daher von hoher Priorität. Das Großprojekt Lamu-Hafen, der an der kenianischen Küste mit massiver Unterstützung aus China gebaut wird, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die lokale Bevölkerung erwartet, von den Einnahmen aus der Erdölförderung zu profitieren. Jedoch wie in vielen Ländern typisch, trifft dies nicht zu, sondern darüber hinaus sieht diese sich teilweise mit Umsiedlungen und massiven Umweltproblemen konfrontiert. Die Organisation ECOS (European Coalition on Oil in Sudan) bemüht sich, Südsudan beim Thema Kompensation für Umsiedlungen und Umweltverschmutzung sowie Neuverhandlung der Verträge nach der Unabhängigkeit zu unterstützen.

Öl und Macht bzw. der Zugang zum Öl war immer mit Machtressourcen und Konflikten verknüpft. Dies ist nicht nur jüngster Vergangenheit so, sondern dieser Zusammenhang ist historisch gewachsen.

Landwirtschaft und Bergbau

Kleinbäuerliche Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig für den überwiegenden Teil der SüdsudanesInnen. Das Überleben von 85 % der arbeitenden Bevölkerung wird durch Subsistenzlandwirtschaft gesichert. Die durchschnittliche Größe einer Farm ist ca. 800 m², das Land wird mit einfachsten Mitteln, meist per Hand oder mit Rinderpflügen beackert. Die wichtigsten angebauten Grundnahrungsmittel sind Sorghum, eine Hirseart, und Mais. Aufgrund von Konflikten und Vertreibung seit Dezember 2013 ist laut FAO der Anbau von Nahrungsmitteln in vielen Gebieten sehr behindert. Die Vereinten Nationen warnten davor, dass mehr als 5 Millionen SüdsudanesInnen - fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung - von einer Nahrungsmittelknappheit im Sommer 2016 betroffen sein würden. Zwar wurde die 5-Millionen-Marke nicht überschritten, jedoch sind derzeit 4,8 Millionen Menschen auf Lebensmittellieferungen angewiesen.

Die in der Landwirtschaft tätige südsudanesische Bevölkerung ist kaum an Märkte angeschlossen. Die Produktion zielt so gut wie ausschließlich auf Deckung des Eigenbedarfes der Familie und der Gemeinschaft. Das geht so weit, dass die Produktionsweise der nomadischen Viehzüchter als "ökonomisch irrational" beschrieben wird. Organisationen wie das World Food Programme setzen darauf, Kleinbauern marktwirtschaftlich umzuorientieren und marktwirtschaftliche Kenntnisse zu vermitteln.

Die staatliche Politik dagegen bemüht sich um ausländische Investoren, so dass es in den letzten Jahren zu immer mehr "Land Grabbing" gekommen ist. Dabei sind die tatsächlichen Interessen hinter den Investitionen oft unklar, da ein gewinnbringender Anbau unter den derzeitigen Bedingungen noch auf Jahre hin kaum möglich sein wird. Es wird daher vermutet, dass Interessen an anderen Rohstoffen der eigentliche Grund für den Erwerb der Landrechte sein könnten. Die Interessen lokaler Gemeinschaften sowie Umweltfolgen werden dabei so gut wie nicht berücksichtigt. Das Oakland Institute arbeitet zu diesem Thema und stellt eine Reihe von Informationen zur Verfügung.

Neben der Landwirtschaft wird der Bergbau für die südsudanesische Wirtschaft wichtiger, vor allem wenn die Ölförderung stagniert bzw. zurückgeht. Ende 2012 wurde ein Bergbaugesetz verabschiedet, wodurch vor allem die Goldexploration in den Focus gerückt wurde.

Handel

Das bisher einzige nennenswerte Exportprodukt ist Öl, dessen Förderung jedoch Anfang 2012 eingestellt wurde. Nahrungsmittel, Baumaterialien und Dienstleistungen müssen importiert werden. Solange das Öl floss, konnte der Südsudan eine positive Handelsbilanz verzeichnen. Seit dem Förderstopp und dem anschließenden Ausbruch des Bürgerkriegs ist die Handelsbilanz jedoch ins Negative gerutscht.

Obwohl alle Staatsschulden vom Sudan übernommen und Südsudan schuldenfrei in die Unabhängigkeit entlassen wurde, betragen die Schulden inzwischen 12,45% des Bruttoinlandsproduktes. Diese werden sich wahrscheinlich 2017 auf etwa 15,47% erhöhen.

Südsudan ist vor allem als Absatzmarkt für ugandische Produkte - Südsudan ist der größte Importeur ugandischer Waren - und als Arbeitsmarkt für Arbeitskräfte aus Uganda und anderen Ländern der Region, z.B. Eritrea und Äthiopien, wichtig. 2012 hat der Südsudan mit amerikanischer Hilfe eine neue Straße zu Uganda eröffnet. Jedoch gibt es hier immer wieder gewaltsame Übergriffe.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Ein Mann bearbeitet sein Feld mit der Hacke (© Ayman Hussein)
Ein Mann bearbeitet sein Feld mit der Hacke (© Ayman Hussein)

Im Dezember 2012 wurde Südsudan von den Vereinten Nationen in die Liste der 49 am wenigsten entwickelten Länder (Least Developed Countries, LDC) aufgenommen. Die Strukturen des Landes waren nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges sowie der Vernachlässigung größtenteils zerstört oder nicht vorhanden. Dies gilt sowohl für staatliche Verwaltungsstrukturen als auch für Infrastruktur und Grundversorgungsleistungen und zivilgesellschaftliche Strukturen. Nach dem Friedensvertrag von 2005 musste begonnen werden, all dies von Grund auf wieder bzw. neu aufzubauen. Die Sustainable Development Goals (SDG, vorher: Millenniums-Entwicklungsziele, MDG) gelten dabei grundsätzlich als Orientierungsziel. Laut dem letzten Bericht aus dem Jahr 2012 ging hervor, dass es zwar Fortschritte gab, jedoch dürfte der letzte Bürgerkrieg die Situation wieder verschlechtert habe.

Der Südsudan hat sich auch der Gruppe der g7+ angeschlossen: Die g7+ wurden 2010 von 17 der weltweit instabilsten Staaten gegründet in der Erkenntnis, dass die Voraussetzungen zur Erreichung der MDGs bei diesen Staaten nicht gegeben sind. Sie schlugen einen "New Deal for Engagement in Fragile States" vor, dessen Schwerpunkte auf Friedensschaffung/ -konsolidierung, Institutionenaufbau, und Regierungsführung liegen sollten. Südsudan hat sich aktiv dieser Agenda angeschlossen.

Sowohl die südsudanesische Regierung als auch internationale Akteure hatten hohe Erwartungen an diesen Aufbauprozess; die notwendigen Gelder sollten zum einen aus den Öleinkünften kommen, zum anderen von der internationalen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Die gesamte Entwicklung wird jedoch von verschiedenen Faktoren behindert: der politischen Instabilität, der extrem schwachen Kapazität der inländischen Institutionen und dem Wegbruch der Öleinnahmen und Konzentration der verbleibenden Ressourcen auf Sicherheit und Militär.

Seit Ausbruch der Kämpfe im Dezember 2013 liegt der Schwerpunkt der Unterstützung seitens der internationalen Gemeinschaft auf humanitärer Nothilfe. Die UN hatte 2014 einen Krisennotfallplan verabschiedet, wonach 1,8 Mrd. Dollar für direkte Nothilfe benötigt worden sind. Nach Beendigung der Kämpfe wurde dann im Dezember 2015 ein humanitärer Maßnahmenplan für Januar bis Dezember 2016 auf den Weg gebracht. Nach diesem sind immer noch 1,3 Mrd. Dollar nötig, um auf die humanitäre Krise im Südsudan adäquat antworten zu können. Darüber hinaus sieht er zwei elementare Ziele vor. Einerseits sollen die Menschen sicheren und einfacheren Zugang zu Hilfe erhalten, andererseits sollen Gemeinden mit möglichen Gefahren besser umgehen können.

Inländische Entwicklungsbemühungen

Im Juli 2011 wurde seitens der südsudanesischen Regierung ein Entwicklungsplan vorgelegt. Zunächst für lediglich zwei Jahre, wurde dieser bis zum Juli 2016 verlängert. Mit Hilfe dieses Entwicklungsplans sollte eine gemeinsame Entwicklungsagenda entworfen werden. Weiterhin wurde im Oktober 2011 eine Hilfsstrategie vorgelegt, deren Zweck es ist, die Effektivität der Entwicklungs- und humanitären Hilfsleistungen zu verbessern und Prioritäten zu setzen. Die Aktivitäten aller in- und ausländischen Akteure sollen sich an diesem Rahmenwerk orientieren. Daneben wurden auch weitere Strategien vorgelegt, u.a. zum Bildungssektor.

Außerdem wurde mit Hilfe von UNDP ein "Aid Management Information System" beim Finanz- und Wirtschaftsplanungsministerium installiert und jährlich wird ein "Donor Book" herausgegeben, in dem die wichtigsten Information über die Landschaft der Entwicklungs- und humanitären Hilfe gesammelt sind. Das letzte wurde für die Jahre 2012/13 veröffentlicht.

Zwar wurden die Haushaltsausgaben im aktuellen Haushaltsplan für die Jahre 2016/17 um ein Dreifaches erhöht, jedoch werden von den vorgesehenen 22,3 Mrd. Südsudanesischen Pfund lediglich 1,64 Milliarden für nicht sicherheitspolitische Zwecke ausgegeben. 117 Millionen sind für den sozialen und humanitären Sektor vorgesehen, 466 Millionen für Infrastruktur und eine Milliarde für Bildung. Weitere fünf Milliarden sind für friedensbildende Maßnahmen reserviert.

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

UN-Helikopter im Südsudan (© UNMISS CC  BY-NC-ND 2.0)
UN-Helikopter im Südsudan (© UNMISS CC BY-NC-ND 2.0)

Seit dem Friedensvertrag 2005 sind große Mengen an Geldern in den Südsudan geflossen, um beim Aufbau staatlicher Strukturen und wichtiger Infrastruktur sowie Grundversorgung der Bevölkerung zu helfen. Zwei Fonds wurden gegründet, um die Beiträge von Geberländern und Organisationen zu bündeln und gemeinsam zu verwalten: der Multi-Donor Trust Fund (MDTF), der im Juni 2013 mit mäßigem Erfolg wieder eingestellt wurde und der weit kleinere Basic Services Fund (BSF), eingestellt zum Ende 2012.

Die Fonds wurden hauptsächlich von der Europäischen Union, Kanada und vielen europäischen Ländern, unter anderem Deutschland getragen. Die USA als eines der größten Geberländer zogen es von Anfang an vor, ihre Gelder selbst zu verwalten und zu vergeben. Die Evaluierungen der Fonds sind eher gemischt. Bei einigen Kriterien hat der MDTF gute Arbeit geleistet, bei anderen blieb er hinter den Erwartungen zurück. Diesem wurde häufig zur Last gelegt, Gelder nur sehr langsam zu verteilen und ineffiziente Verwaltungsstrukturen zu haben. Dagegen bekam der BSF vornehmlich positive Bewertungen seiner Arbeit und Effizienz.

Als Nachfolgeinstrument wurde von der südsudanesischen Regierung der South Sudan Reconstruction and Development Fund (SSDRF) vorgesehen, dessen Funktionalität jedoch von Anfang an beschränkt war und der auch von Seite der Geber nur wenig angenommen wurde. Die großen Geberländer koordinierten sich parallel im Joint Donor Team (JDT), das jedoch im Jahr 2013 auslief, oder, im Falle der EU-Mitgliedsstaaten, an der im Joint Programming vereinbarten Arbeitsteilung. Die Bundesregierung fördert im Rahmen dieser Arbeitsteilung bestimmte sektorale Ansätze, insbesondere Wasserversorgung und Governance sowie Dürreresilienz und Nahrungsmittelsicherheit. Derzeit wurde ein Teil der Projekte jedoch umgewidmet in Basisversorgung der Bevölkerung sowie Friedensförderung.

Zuletzt wurden im Jahr 2015 Regierungskonsultationen mit dem Südsudan geführt. Hier wurde dann der Fokus auf die städtische Wasser- und Sanitärversorgung, Ernährungssicherung bzw. Landwirtschaft sowie Verwaltungsreform und Dezentralisierung noch einmal bestätigt.

Besonders im Bereich Wasser ist Deutschland, gemeinsam mit den Niederlanden und unter Ägide der GIZ, federführend. Die GIZ ist seit 2004 im damaligen Süden des Sudan aktiv, zunächst noch als GTZ in Kooperation mit der Welthungerhilfe beim Straßenbau und bei der Repatriierung von Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF). Hinzu kam seit 2007 das Programm zur Verbesserung der Regierungskapazitäten, v.a. im Bereich der Dezentralisierung der Regierung und 2010 das Programm zur Nahrungsmittelsicherheit. 2009 wurde mit der Arbeit im Wasser- und Sanitärsektor begonnen. Im März 2010 wurde auch ein eigenes Büro in Juba eröffnet. Ein Großteil der Arbeit der GIZ wird über dasBundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Das Auswärtige Amt ist beteiligt an der Finanzierung des Aufbaus eines landesweiten Kommunikationssystems für die südsudanesische Polizei, der ebenfalls von der GIZ durchgeführt wird.

Weitere deutsche Hilfsorganisationen, die im Südsudan aktiv sind, sind z.B. der Malteser-Hilfsdienst im Gesundheitsbereich und die Welthungerhilfe in Nord Bahr-el-Ghazal. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat seit 2012 einen festen Mitarbeiter in Juba stationiert. Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat als einzige deutsche parteinahe Stiftung ein Büro im Südsudan, das derzeit aufgebaut wird. Sowohl die Heinrich-Böll-Stiftung als auch die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) unterhalten Büros in der Region und Aktivitäten im Land. Die Berghof Foundation beschäftigt sich mit Staatsaufbau u.a. im Südsudan. Darüber hinaus sind weitere Hilfsorganisationen im Südsudan aktiv.

Die Vereinten Nationen sind mit einer Vielzahl von Unterorganisationen im Südsudan vertreten, die in den Bereichen humanitäre Hilfe, Grundversorgung, Sicherheit und Schutz der Zivilbevölkerung, Stabilisierung, Staatsaufbau und Aufbau der Zivilgesellschaft arbeiten. Außerdem wurde mit der Unabhängigkeit die United Nations Mission in South Sudan (UNMISS) etabliert, mit dem Mandat der Friedens- und Sicherheitskonsolidierung sowie Unterstützung der Kapazitätsbildung der Regierungsinstitutionen. Das ursprünglich einjährige Mandat wurde bereits mehrmals verlängert, zuletzt im August 2016 bis Mitte Dezember 2016. Die Bundeswehr ist derzeit mit 15 SoldatInnen an der Mission beteiligt, bei einer Obergrenze von 50. In einem derzeit vorliegenden Antrag der Bundesregierung soll dieser Einsatz bis Ende 2017 verlängert werden. In Nzara, nahe der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo und Zentralafrikanischen Republik, sind im Rahmen von AFRICOM eine kleine Anzahl von US-Spezialkräften stationiert.

Internationalen Hilfsorganisationen beschreiben den Südsudan als einer der schwierigsten und gefährlichsten Orte weltweit für ihre operative Arbeit. Zudem beklagen sie einerseits die Nicht-Einhaltung der zugesagten Hilfsgelder, andererseits warnen sie jedoch davor, dass nicht unbedingt durch mehr Hilfsgelder die Situation im Südsudan verbessert werden kann, viel mehr das Gegenteil davon erreicht wird. 

Mehrere Organizationen und Staaten haben Sondergesandt*innen für den Südsudan bestimmt. David Shearer aus Neuseeland löste Mitte Januar Ellen Margrethe Løj nach fast dreijähriger Dienstzeit als Sonderbeauftrager des Generalsekretärs der UN ab. 

Nothilfe zur Bewältigung der Hungersnot

Zur Bewältigung der aktuellen Krise im Südsudan hat die Europäische Union Mitte November 2016 angekündigt, 78 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Deutschland vergibt Gelder für verschiedene UN-Organisationen für den Südsudan, u.a. für UNHCR und das UN-Welternährungsprogramm (WFP).

Die EU stellte zur Bewältigung der aktuelle Hungersnot im Südsudan 82 Millionen Euro als Nothilfe zur Verfügung. Die Bundesregierung sicherte dem Südsudan 40 Millionen Euro an Nothilfe zu, Ostafrika erhält insgesamt 100 Millionen. Die britische Regierung erklärte, sie wolle weitere 200 Millionen britische Pfund zur Nothilfe im Südsudan und in Somalia bereitstellen. Die schweizerische Regierung stellte weitere 15 Millionen Schweizer Franken zur Verfügung. Weitere 20 Millionen US-Dollar sicherte die australische Regierung zu. Die USA stellen für den Zeitraum 2017 454 Millionen US-Dollar als humnitäre Hilfe dem Südsudan zur Verfügung.

Nach UN-Prognosen sind allein zur Bewältigung der Hungersnot im Südsudan bis April 2017 1,64 Milliarden US-Dollar nötig. Sollten nicht ausreichende finanzielle Mittel bis dahin bereitgestellt sein und die Helfer*innen nicht zu den Menschen durchkommen, dürfte sich die humanitäre Katastrophe noch weiter verschlechtern. Bis April 2017 standen lediglich 26%, also 445,4 Millionen US-Dollar, der Hilfsgelder zur Verfügung.

Spendenaufruf des Bundespräsidenten

YouTuber sammeln 2,5 Millionen US-Dollar für Ostafrika

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2017 aktualisiert.

Der Autor

Tobias Simon schreibt seit 2010 journalistisch für deutsche und internationale Medien mit Schwerpunkt Ost- und Horn von Afrika. Er ist Landestrainer für Somalia, Sudan und Südsudan bei der AIZ und zertifizierter interkultureller Trainer. Er reist regelmäßig nach Afrika und in die arabische Welt.

Lesetipps

Luke Patey: The New Kings of Crude: China, India, and the Global Struggle for Oil in Sudan and South Sudan

Luke Patey bietet mit seiner Monographie eine gute Einführung und Hintergrung zur Erdölproduktion im Sudan und Südsudan. Er beschreibt nicht nur das Öl-Business in diesen beiden Ländern, sondern geht darüber hinaus  fundiert und tief in die Verflechtung mit den asiatischen Abnehmerstaaten ein. 

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