Kinder in Damaskus © Larissa Bender
Amtssprache
Arabisch
Regionalsprachen
Kurdisch, Armenisch, Tscherkessisch, Aramäisch
bedeutendste Religion
Islam (Sunniten)
weitere bedeutende Religionsgem.
Christen, Alawiten, Drusen, Ismailiten
Städtische Bevölkerung
56%
Lebenserwartung
55

Aktuelle Situation

Aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der syrischen Opposition und dem Regime hat sich die Lage der Bevölkerung in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Mittlerweile sind über 4,8 Millionen Flüchtlinge im Ausland registriert, tatsächlich haben weitaus mehr Menschen das Land verlassen. Die Anzahl der Binnenflüchtlinge wird auf über sieben Millionen geschätzt.

Die Lebenserwartung ist in den letzten fünf Jahren von 70 auf 55 Jahre gesunken, laut einem Bericht des Syrian Center for Policy Research wurden etwa 470.000 Menschen getötet, 1,9 Millionen Menschen verwundet, das sind 11,5 Prozent der syrischen Bevölkerung.

Das Word Food Programm (WFP) schätzt, dass mittlerweile 13,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, davon sind sechs Millionen Kinder.

Zusammensetzung der Gesellschaft - Religionen und Ethnien

Markt in Amouda im Norden Syriens © Larissa Bender

Die syrische Gesellschaft gleicht einem aus Religionsgemeinschaften und Ethnien bestehenden Mosaik. Die verschiedenen Gruppierungen lebten Jahrhunderte lang meist friedlich zusammen.

Die Mehrheit der in Syrien lebenden Muslime sind Sunniten. Außerdem gibt es eine kleine Minderheit von Schiiten (Zwölfer-Schia) und in der Gegend von Salamiya Ismailiten (Siebener-Schiiten). Die Alawiten, die etwa 12 Prozente der Bevölkerung ausmachen, leben hautpsächlich im Küstengebiet und im Gebirge, Drusen mehrheitlich im Hauran südlich von Damaskus.

Die Kurden, die etwa knapp zehn Prozent der Bevölkerung stellen, sind hauptsächlich Sunniten, doch es gibt auch eine ganz kleine Minderheit von Jesiden. Die Religion der Jesiden ist ein Konglomerat aus zarathustrischen und gnostischen Elementen sowie Elementen des Sternenkults. Sie werden von den Muslimen nicht als Buchreligion anerkannt und wurden oft als Götzenanbeter verfolgt.

Zwischen 100.000 und 200.00 Kurden in Syrien sind staatenlos (andere Schätzungen gehen von 250.000 bis 300.000 aus). Am 7. April 2011 wurde als Zugeständnis an die Demonstranten ein neues Gesetz verabschiedet (Dekret Nr. 49), das die Einbürgerung von Staatenlosen ermöglicht. Diese eingebürgerten Kurden erhalten damit auch das aktive und passive Wahlrecht.

Weitere ethnische Gruppierungen bilden die Tscherkessen und die Turkmenen. Sie sind Sunniten, die Turkmenen leben meist an der Küste in der Nähe von Latakia.

Etwa 500.000 bei der UNRWA registrierte Palästinenser leben in Syrien, zum Teil noch in seit Jahrzehnten bestehenden Flüchtlingslagern. Viele von ihnen wurden im Zuge der militärischen Auseinandersetzungen seit Ende 2011 gezwungen, erneut die Flucht anzutreten.

Insbesondere im Flüchtlingslager Yarmouk bei Damaskus ist die Lage für die Menschen aufgrund der Abriegelung durch das Regime katastrophal. Im Dezember 2013 schickten palästinensische Gruppen einen Hilferuf an die Öffentlichkeit. Viele Flüchtlinge aus Syrien kehren aufgrund von schlechten Bedingung in den Aufnahmeländern trotz der Zerstörung nach Syrien zuück.

Die Anzahl der irakischen Flüchtlinge in Syrien betrug zweitweise zwei Millionen. Viele von ihnen kehrten nach der Beruhigung der Lage im Irak zurück, andere zwang der derzeitige Krieg in Syrien zur ungewollten Rückkehr.

Die Christen in Syrien teilen sich in die westsyrische Kirche (syrianische Kirche, orthodoxe und unierte katholische Gemeinde), deren Anhänger in Europa auch als Jakobiten (nach dem Kirchenvater Jakob) bezeichnet werden, und die ostsyrische Kirche (assyrische Kirche und chaldäische katholische Kirche); deren Anhänger werden auch Nestorianer genannt.

Die Gläubigen des katholischen Zweigs der griechisch-orthodoxen Kirche nennen sich Melkiten.

Die Armenier gehören entweder der armenisch-orthodoxen Kirche oder dem katholischen Zweig an.

Die kleine Minderheit der Maroniten in Syrien stammt aus dem Libanon.

In Deutschland wurde darüber diskutiert, christliche Flüchtlinge aus Syrien bezvorzugt aufzunehmen. Diese Überlegung stößt nicht bei allen syrischen Christen auf Zustimmung und hätte fatale Folgen für die Existenz der christlichen Gemeinschaft in Syrien.

Bis 1996 (Oslo-Verträge zwischen der PLO und Israel) gab es noch 4000 Juden in Damaskus und eine sehr kleine Gemeinde in Kamischli. Nach den Oslo-Verträgen reisten die meisten Juden aus - zu den syrisch-jüdischen Gemeinden in New York oder in Argentinien, einige nach Israel. Heute leben nur noch die wenigen Juden in Syrien, die zu alt sind, um zu fliehen.

Soziale Struktur

Frauen und Gesellschaft

Traditionelle Frauentreffen

Die Frauen nutzen, bedingt durch die Geschlechtertrennung, ihre eigenen Traditionen. So finden in den Städten folgende quasi-institutionalisierte Frauentreffen statt – wobei aufgrund der zunehmenden Berufstätigkeit der Frauen ein Rückgang zu verzeichnen ist.

Subhia: Informeller Besuch am Vormittag (Kaffeetratsch)

Dabei handelt es sich um eine soziale Tradition, die von allen Frauen – egal welcher Religionszugehörigkeit – praktiziert wird. Männer sind davon ausgeschlossen. Studien zufolge, wie z.B. der von Friederike Stolleis (Öffentliches Leben in privaten Räumen, muslimische Frauen in Damaskus, 2004), wird dort alles besprochen, von Familienproblemen bis zu Heiraten. Die Frauen, die solch einen Kreis veranstalten, kennen einander sehr gut.

Istiqbal: Formelle Einladung am frühen Abend

Im Gegensatz zur Subhiya sind Frauen zu diesen Anlässen hübsch gekleidet und stellen ihren Schmuck zur Schau. Es gibt Kaffee und Süßigkeiten, es wird getanzt oder es werden Gesellschaftsspiele gespielt.

Sparvereine

Im Mittelpunkt steht die Geselligkeit, nicht das Sparen und das Reden über die Geldverteilung. Bei jedem Treffen wird von allen etwas eingezahlt; wenn der Topf voll ist, wird der Reihe nach ausgezahlt.

Der Hamam, ursprünglich ein traditioneller Frauentreffpunkt, spielt erst in letzter Zeit wieder eine Rolle.

All dies gilt für urbane Strukturen. Auf dem Land und bei den Beduinen kommt der Frau aufgrund der anderen Arbeitsverteilung zwischen Mann und Frau eine andere Rolle zu.

Gleichberechtigung

Es gibt immer noch frühe Heiraten, obwohl das durchschnittliche Heiratsalter für Frauen jetzt bei 25 Jahren liegt. Von Gesetzes wegen dürfen Frauen ab 17 heiraten, Männer ab 18. Allerdings kann ein Richter frühe Heiraten legalisieren: (für Frauen ab 13 Jahren und Männer ab 15 Jahren). Schätzungsweise 25% der jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren sind verheiratet, geschieden oder verwitwet (UN, 2004).

Polygamie ist erlaubt. Ein Mann darf bis zu vier Frauen heiraten. Allerdings kann ein Richter einem Mann verbieten, eine zweite Frau zu heiraten, wenn er finanziell nicht in der Lage ist, sie zu ernähren. Die Polygamie ist in Syrien nicht sehr verbreitet. Normalerweise hat der Vater mehr Rechte als die Mutter. Die Mutter bekommt beim Tod des Vaters das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder. Im Falle einer Scheidung hat die Mutter die Vormundschaft inne – bis die Söhne 13 und die Mädchen 15 Jahre alt sind.

Das islamische Recht sieht vor, dass eine Frau von Vater, Mutter, Ehemann, Kindern und in Ausnahmefällen auch von anderen Familienmitgliedern erben kann. Generell ist ihr Anteil kleiner als der eines Mannes. Eine Tochter erbt halb so viel wie ein Sohn. Allerdings können Änderungen zugunsten der Frau notariell festgelegt werden.

Heiratet ein Mann eine Frau, die er vergewaltigt hat, kann seine Strafe entfallen. Sogenannte Ehrenmorde, bei denen eine Frau bestraft oder von Familienmitgliedern getötet wird, weil sie "Schande" über die Familie gebracht hat, kommen vor.

Eine unverheiratete Frau über 18 braucht keine Genehmigung ihres männlichen Beschützers, wenn sie verreist. Eine Frau kann nicht in Berufen arbeiten, die von der Regierung als gefährlich oder unmoralisch eingestuft werden. Gender_Equality

Berufstätigkeit

36 Prozent der berufsstätigen Frauen und Prozent der Männer arbeiten im staatlichen Sektor.

Bei bestimmten Stellen/Posten gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Frauen als Lektorinnen oder Professorinnen machen in der Fakultät für Englisch und Französisch die Hälfte des Lehrpersonals aus.

Strafgesetz

Gemäß Art. 17 ist Polygamie zulässig, gemäß Art. 20 kommt dem Mann in der Familie die Oberaufsicht zu, und Art. 58–94 regeln die Scheidung: Diese richtet sich nach dem Willen des Mannes; eine Konsensscheidung oder eine gemeinsame vertragliche Regelung ist nicht vorgesehen. Artikel 464 lässt zu, dass Muslime, die eine christliche oder jüdische Frau heiraten, sie nicht zu beerben brauchen. Art. 269–273 sanktionieren die ungleiche Verteilung von Erbschaften zugunsten der männlichen Erben (Änderungen lassen sich aber vorab notariell festlegen).

Arbeitsgesetz: Es gibt keine Artikel, die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ahnden.

Das Wahlrecht für Frauen wurde 1949 eingeführt.

Heute prägen Frauen in den urbanen Zentren das gesamte Erscheinungsbild – in den Parks, Cafes, Kinos, Straßen und als Autofahrerinnen.

Ethnien und Religionen

In Syrien lebten knapp 21 Millionen Menschen, die meisten davon in den Ballungszentren um die großen Städte Aleppo, Damaskus, Homs, Hama und Latakia. Am dünnsten sind die Wüstengebiete im Osten des Landes besiedelt.  

Syrien beherbergt mehr als 15 religiöse und ethnische Gruppen. Neben der arabischen Mehrheit leben Kurden, Armenier, Turkmenen, Tscherkessen, Aramäer und Assyrer in Syrien. diese unterteilen sich zudem in verschiedenen christliche und muslimische Konfessionen. Die jüdische Gemeinde Syriens ist heute kaum mehr sichtbar.  Die Religionsgemeinschaften Syriens sind: maronitische, römisch-orthodoxe,  griechisch-katholische, griechisch orthodoxe, armenisch-apostolische, armenisch-katholische, koptische, assyrisch-orthodoxe, syrisch-orthodoxe und protestantische Christen, Chaldäer.  Alawiten und Sunniten bilden die größten muslimischen Konfessionen. Weitere muslimische Konfessionen sind die Drusen, Schiiten und Ismaeliten.   

Christen haben einen Bevölkerungsanteil von über 10%. Das Christentum in Syrien hat eine sehr lange Tradition. Bis zur Islamisierung des Landes im 7. Jahrhundert war Syrien mehrheitlich christlich.

Die syrische Bevölkerung definiert ihre ethnische Zugehörigkeit nicht nur über Religion, sondern auch über unterschiedliche Sprachen. So sprechen viele Christen aramäisch bzw. assyrisch. Die Kurden sind mit einem Anteil von zehn bis zwölf Prozent die größte ethnische Minderheit in Syrien. Sie leben im Norden und Nord-Osten des Landes. Neben der ethnische und Religiösen Identität definieren sich Syrer in einigen Regionen  eher über traditionelle Stammeszugehörigkeiten.  

In Syrien leben zudem etwa eine halbe Million palästinensische sowie eine große Zahl irakischer Flüchtlinge. Sowohl Palästinenser als auch Iraker genießen zahlreiche bürgerliche Rechte in Syrien.    

 

 

Bildung

Im Osmanischen Reich fanden noch keine großen Reformen statt. Um die Jahrhundertwende gab es Privatschulen, überwiegend französische und einige von Arabern initiierte. In den Städten gab es christliche Missionsschulen, deren Leiter oft Araber waren. In kleineren Orten und auch in den Städten waren die Koranschulen verbreitet und es gab einige religiöse Hochschulen.

Die Republik Faisal 1919/1920 hatte die Erweiterung des Schulsystems geplant. Verantwortlich war der Bildungsminister Sati al-Husri. (5 Prozent der schulpflichtigen Kinder besuchten eine Schule).

1933 wurde unter dem Mandat ein neues Schulgesetz erlassen. Das öffentliche Erziehungswesen wurde gefördert, ohne dass die Rechte der ausländischen Missionen im Bildungssektor beeinträchtigt wurden. 1944-45 besuchten 57,6 Prozent aller Grundschüler und 52 Prozent der Oberschüler staatliche Schulen. Von den Mädchen besuchten die meisten Privatschulen.

1936, bei der Unterzeichnung des Syrisch-Französischen Vertrages, kam den ausländischen Kultureinrichtungen einschließlich der Schulen eine wichtige Rolle zu. Ihr Status durfte nicht angetastet werden, doch die Franzosen lehnten die Ratifizierung des Vertrages ab, weil der französische Kultureinfluss durch die nationalistisch-arabische Politik der syrischen Mandatsregierung gefährdet sei.

Das syrische Bildungssystem ist stark zentralisiert. Schulpflicht besteht für 9 Jahre, davon 6 Jahre in der Grundschule und 3 Jahre in einer weiterführenden Schule. Der Pflichtschulbesuch ist an öffentlichen Schulen kostenlos. Die Mehrheit der Schulen sind staatlich, 1,8 Prozent sind private Schulen. Das Bildungsministerium regelt den Unterricht sowohl an öffentlichen als auch an privaten Schulen. Neben den syrischen Schulen betreibt die  die UN Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA) Schulen für palästinensische Kinder. 

Artikel 21 der Verfassung von 1973 stellt fest: „Das System der Bildung und Kultur zielt darauf ab, eine arabische, nationale, sozialistische Generation heranzuziehen, die sich durch wissenschaftliches Denken auszeichnet, die ihrer Geschichte und ihrem Land verbunden und auf ihr kulturelles Erbe stolz ist, die vom Geist des Kampfes für die Ziele ihrer Nation in Einheit, Freiheit und Sozialismus erfüllt ist und die im Dienste der Menschheit und ihres Fortschritts steht.“ In der Bildungsreform von 2003 wurde die bis dahin obligatorische Militäruniform für Schüler und Schülerinnen  abgeschafft und der Militärunterricht fiel weg. Das Recht auf Religionsunterricht wurde eingeführt. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften durften nun an einen konfessionsgebundenen Unterricht anbieten. Jede größere Kirchengemeinde hat Privatschulen. Die Kinder werden mit dem Schulbus abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Es gibt auch islamische Privatschulen.

Die Oberstufe der Sekundarschule gliedert sich in einen allgemeinbildenden und einen beruflich orientierten Bereich. An der 3-jährigen allgemeinen Sekundarschule, die ab der 11. Klasse in einen literarisch-geisteswissenschaftlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig aufgeteilt wird, können Schülerinnen und Schüler die allgemeine Hochschulreife (Baccalaureate) erwerben. Allerdings ist die Belegung von mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge von Absolventen des literarisch-geisteswissenschaftlichen Zweiges nicht vorgesehen. Darüber hinaus können syrische Schülerinnen und Schüler an den beruflichen und technischen Sekundarschulen berufliche Abschlüsse bzw. Fachabitur erwerben. In den letzten Jahren sind auch sehr viele Privatuniversitäten entstanden. Die staatlichen Universitäten befinden sich in Damaskus, Latakia, Homs und Aleppo.

Vor Beginn des Konflikts lag der Anteil von Kindern, die eine Schule besuchten bei 93 Prozent.  Infolge des bewaffneten Konflikts wurden immer mehr Schulen zerstört. Insbesondere binnenvertriebene Kinder haben Schwierigkeiten, eine Schule zu besuchen.

Gesundheit

Das Gsundheitssystem in Syrien ist zusammengebrochen. Es wird geschätzt, dass mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser im Land zerstört oder schwer beschädigt sind. Tausende Ärzte und KrankenpflegerInnen wurden getötet, inhaftiert oder flohen ins Ausland. Im September 2013 sollen laut einem UN-Bericht beispielsweise in Aleppo von 5.000 niedergelassenen Ärzten nur noch 36 vor Ort gewesen sein. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtet im Juni 2016 von massiven Angriffen auf die Infrastrukutur Aleppos, bei denen auch immer wieder Krankenhäuser unter Beschuss genommen werden.

Polio

Aufgrund der Kriegssituation im Land konnten viele Kinder nicht gegen Kinderlähmung geimpft werden. Daher wurden seit 1999 zum ersten Mal wieder Fälle von Polio festgestellt. Um eine Epidemie zu verhindern, die sich auch auf die Nachbarländer ausbreiten könnte, führte UNICEF eine großangelegte Impfkampagne in Syrien durch. Auch in Deutschland sind die Behörden alarmiert, bei allen aus Syrien nach Deutschland eingewanderten Personen soll eine Impfstatuskontrolle durchgeführt werden.

HIV/AIDS

2001 lag der Prozentsatz der mit HIV/AIDS infizierten Erwachsenen bei geschätzten 0,1 Prozent. Laut einer Statistik der Regierung lebten 2008 552 Menschen mit HIV in Syrien. Experten, auch syrische, schätzen allerdings, dass die Zahl weitaus höher liegt.

Die Regierung bietet diesen Menschen die best mögliche medizinische Versorgung.  Die UNO kritisiert allerdings die unzulänglichen Bemühungen in Sachen Prävention, denn es gibt kaum Verhütungskampagnen. Die Regierung führt zwar in Kliniken Tests durch und verteilt Aufklärungsbroschüren, diese erreichen die Bevölkerung auf Grund der Tabuisierung von Sexualität im Allgemeinen und Homosexualität im Besonderen (diese steht sogar unter Strafe) jedoch nicht.

Sozialsystem

Versichert sind alle, die im Öffentlichen Sektor arbeiten; es gibt eine Unfall-, Kranken, Invaliden-, Alters- und Arbeitslosenversicherung.

Nach dem syrischen Gesetz sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, 17 Prozent ihres Gehalts in die Sozialversicherung einzuzahlen, damit die Arbeitnehmer renten- und krankenversichert sind, ebenso auch für Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit. Arbeitgeber haben für die Sicherheit am Arbeitsplatz zu sorgen. In der Praxis halten sich wenige Unternehmer daran.

Die vier Millionen Syrer, die im Privatsektor arbeiten, genießen keinen Schutz, wenn sie sich während der Arbeit Verletzungen zuziehen. Schätzungsweise 45 Prozent aller Arbeitskräfte des Landes arbeiten im informellen Sektor.

LGBTI

Homosexualität ist Syrien offiziell verboten und wird strafrechtlich mit Haftstrafe von bis zu drei Jahren belegt. Jedoch verfolgt der syrische Staat Homosexualität nicht aktiv. Antidiskriminierungsgesetze bestehen aufgrund der Illegalität nicht.  In der Gesellschaft wird Homosexualität tabuisiert. Sie wird als Krankheit deklariert. Lesben, Schwule und andere sexuelle Minderheiten werden vielerorts misshandelt und in den gesellschaftlichen Untergrund gedrängt. Betroffene führen ein Doppelleben. 

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde im Februar 2019 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Marwan Abou Taam ist assozierter Wissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin und freier Autor. Seine Forschungsschwerpunkte sind Regionalstudien Naher Osten/ Nordafrika/ Golfregion, EU-Sicherheitspolitik sowie Migration und Innere Sicherheit.    

Lesetipps

Friederike Stolleis: Öffentliches Leben in privaten Räumen. Ergon Verlag, 2004

Annabelle Böttcher: Syrische Religionspolitik unter Asad. Arnold-Bergstraesser-Institut, 1998

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