Four Seasons Hotel und Tekkiya-Moschee in Damaskus © Larissa Bender
Offizieller Name
Syrische Arabische Republik
Fläche
185 180 km²
Einwohner
ca. 17 Mio. (2015, geschätzt)
Bevölkerungswachstum
ca. -0,16% (2015, geschätzt)
Regierungssitz
Damaskus
Amtsprache
Arabisch
inoffizielle Sprachen
Kurdisch, Armenisch

Aktuelle Entwicklungen

Seit März 2011 haben sich immer größere Teile der syrischen Bevölkerung gegen die Regierung unter Präsident Baschar al-Assad erhoben. Die Lage spitzt sich täglich zu, das Land ist in weiten Teilen verwüstet. Aktuelle Entwicklungen können verfolgt werden unter den englischsprachigen Websites von Aljazeera, der Nahost-Redaktion der BBC sowie von France24. Auch bei Google News wird man über die neuesten Entwicklungen informiert.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik hat einen Forschungsschwerpunkt zu Syrien eingerichtet, in dessen Rahmen regelmäßig Analysen erscheinen. Die aktuellen Entwicklungen kann man im vierzehntägig erscheinenden Newsletter verfolgen.

Ausschließlich die Sichtweise der syrischen Regierung erfährt man bei der staatlichen Nachrichtenagentur SANA.

Journalisten können in den vom Regime gehaltenen Regionen Syriens nicht unabhängig arbeiten. Viele arabische und internationale Journalisten reisen deshalb über die Türkei in die von der Opposition kontrollierten Gebiete und berichten von dort. In Regionen, in denen der Islamische Staat herrscht, ist die Arbeit als Reporter allerdings lebensgefährlich.

Syrien ist laut Reporter ohne Grenzen das gefährlichste Land weltweit. Dort wurden im Jahr 2015 sieben Journalisten und zehn Online-Aktivisten und Bürgerjournalisten getötet. 27 Medienschaffende wurden entführt. Acht Journalisten und vier Medienassistenten und siebzehn Online-Aktivisten und Bürgerjournalisten sind in Syrien in Haft.

Seit der massiven Ausbreitung radikalislamischer Gruppen wie Ahrar As-Sham, besonders aber der dschihadistischen Gruppierungen wie der Al-Qaida nahestehenden Nusra-Front und der Ausrufung eines Kalifats durch den Islamischen Staat (IS) in weiten Teilen Nordsyriens ist die Lage gerade auch für Ausländer unberechenbar geworden.

Die schwierige Situation hat u.a. zur Folge, dass zunehmend internationale NGOs wie Human Rights Watch oder Amnesty International die Aufgabe übernehmen, über die Entwicklungen in Syrien zu berichten.

Allerdings hat die im März 2011 begonnene Revolution in Syrien auch die Mauern der Angst bei vielen syrischen Journalisten und Aktivisten zum Einsturz gebracht, und sie riefen trotz der sich immer weiter verschärfenden Kriegssituation zahlreiche neue Medien ins Leben. Weil sie sich damit nicht nur an die arabische, sondern auch an die internationale Öffentlichkeit wenden, erscheinen zahlreiche dieser Medien auf Englisch oder haben zumindest englischsprachige Seiten.

Eine von ihnen ist The Syrian Observer, ein täglich aktualisierter Online-Nachrichten-Dienst über politische und zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Syrien, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Artikel aus der offiziellen syrischen Presse und von oppositionellen Gruppierungen und Aktivisten ins Englische zu übersetzen

Auch TheRepublicgs.net übersetzt bedeutende Beiträge in verschiedene Sprachen, hauptsächlich ins Englische. Gegründet wurde die Website von einer Gruppe unabhängiger Publizisten und Wissenschaftler, die die syrische Revolution unterstützen und die sich konstruktiv am Aufbau eines neuen Syrien beteiligen wollen.

Kulluna Schurakaa (dt.: Wir alle sind Partner) wurde bereits 2003 gegründet mit dem Ziel, einen Dialog über verschiedene Themen in Syrien zu initiieren. Das Motto der Website ist: Alle Syrer sind Partner in einem gemeinsamen Syrien. Kulluna Schurakaa verurteilt jegliche Gewaltanwendung sowie Konfessionalismus und Rassismus und jede Form der Monopolisierung der öffentlichen Meinung.

Auch Zaman Alwasl ist keine Neugründung, sondern wurde bereits 2005 in Homs ins Leben gerufen. Zum achtjährigen Jubiläum entstand zudem eine englischsprachige Ausgabe. Zaman Alwasl ist ein online erscheinendes unabhängiges Magazin, das über das Geschehen in Syrien berichtet. Insbesondere Menschenrechtsverletzungen durch das Regime, aber auch durch oppositionelle Gruppierungen stehen im Fokus der Berichterstattung.

Die 2006 gegründete und in London ansässige Organisation Syrian Observatory for Human Rights wird von internationalen und arabischen Medien häufig zitiert, wenn es um Angaben über Opferzahlen geht, da sich der Leiter, Rami Abdelrahman, auf ein Netzwerk von noch immer in Syrien arbeitenden Aktivisten stützt.

Gleichfalls in Großbritannien registriert ist Syrian Network for Human Rights, eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschenrechtsverletzungen in Syrien zu dokumentieren, um den Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Auf der Website von Global Voices, einem weltweiten Zusammenschluss von Journalisten und Übersetzern, die Stimmen abseits der Mainstream-Medien ein Forum gibt, werden interessante Beiträgen zu Syrien veröffentlicht.

Auch auf dem unabhängigen Medienmagazin Jadaliyya finden sich interessante und fundierte Analysen zu Syrien für eine Leserschaft im Westen wie in der arabischen Welt.

Die Sichtweise der Nationalen Koalition der Syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte, die von zahlreichen Staaten und Institutionen als Vertreterin des syrischen Volkes anerkannt ist und seit 2013 auch ein Verbindungsbüro in Deutschland hatte, kann auf ihrer Website nachgelesen werden.

Hintergrundanalysen und Kartenmaterial findet sich auch bei einem im Jahr 2012 von ACAPS ins Leben gerufenen Projekt namens Strategic Needs Anasysis Project (SNAP).

Über die Aktivitäten und Überlebensstrategien der Zivilgesellschaft innerhalb Syriens informieren der in Berlin ansässige deutsch-syrische Verein adopt a revolution, der seit Ende 2011 den unbewaffneten Aufstand in Syrien unterstützt, und die Gruppe Citizens for Syria, die u.a. die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Gruppen in Syrien zu identifizieren versucht.

Die kreative Seite der syrischen Revolution wird abgedeckt auf der Website Creative Memory durch eine Zusammenstellung künstlerischer Ausdrucksformen, wie es sie so in Syrien nie gegeben hat und infolge der Unterdrückung durch das Regime nicht geben konnte. Revolutionsbanner - insbesondere aus dem höchst kreativen Städtchen Kafranbel -, Theaterstücke, Lieder, Fotografien etc., die seit 2011 in Syrien entstanden, sind hier nach Themen aufgelistet.

Übersichtskarten

Übersichtskarte Syrien politisch (Quelle: University of Texas Libraries, public domain))
Übersichtskarte Syrien politisch (Quelle: University of Texas Libraries, public domain)

 

Der Weltatlas Syrien der Tagesschau

Weitere Syrienkarten der University of Texas at Austin

Die geschätzten Verschiebungen der aktuellen Herrschaftsgebiete der verschiedenen am Konflikt beteiligten Parteien auf einer Karte von Agathocle de Syracuse und der Karte von Thomas van Linge.

Das Strategic Needs Analysis Project (SNAP) bietet Karten zu verschiedenen Themenfeldern wie Vertreibung der Bevölkerung, humanitäre Krise u.a.

Lage und Größe des Landes

(Karte: Vardion, CC-Lizenz: BY-SA 3.0)

Mit 185.180 qkm ist das Land etwa halb so groß wie Deutschland. Es liegt zwischen dem 32. und 37. Grad nördlicher Breite und dem 35. und 42. Grad östlicher Länge im Nahen Osten.

Syrien grenzt im Norden an die Türkei mit einer Grenzlänge von 822 km, im Osten an den Irak (Grenze 605 km), im Süden an Jordanien (Grenze 375 km), im Westen an Israel (Grenze 76 km) und den Libanon (Grenze 375 km) und verfügt über einen Küstenstreifen am Mittelmeer von 193 km.

Der längste Fluss ist der Euphrat, der Syrien - im Norden aus der Türkei kommend Richtung Irak im Osten - durchfließt. Der höchste Berg ist mit 2.814 Metern der Hermon, der tiefste Punkt von -212 Metern liegt am Ostufer des Tiberiassees (israelisch besetzt).

Grunddaten

Gemüseverkäufer in Damaskus © Larissa Bender

Einwohner: Von den laut CIA-Factbook für Juli 2012 geschätzten 22.530.746 in Syrien lebenden Menschen sind mehr als 4,8 Millionen Syrer beim UNHCR als Flüchtlinge außerhalb des Landes registriert. Die tatsächliche Anzahl syrischer Flüchtlinge im Ausland ist jdeoch weitaus höher. Zwischen acht und neun Millionen Menschen sind durch den Krieg zu Binnenflüchtlingen geworden. Für das Jahr 2015 gibt das CIA-Factbook eine Bevölkerungszahl von nur noch 17,064,854 an.

Der Alphabetisierungs- und Bildungsgrad war in Syrien im Vergleich zu anderen arabischen Ländern vergleichsweise hoch (im Jahr 2005 74,4 Prozent - Männer: 90,6, Frauen: 66,1). Heute können laut dem UNICEF-Lagebericht für 2015 etwa zwei Millionen Kinder nicht zur Schule gehen. 

Die Zusammensetzung der syrischen Bevölkerung in Ethnien und Religionsgemeinschaft hat sich durch den Krieg stark verändert. Bis 2010 sah sie etwa folgendermaßen aus:

Ethnien: Araber: 90,3%; Kurden, Armenier, Tscherkessen, Turkmenen, Assyrer: 9,7%

Religionsgemeinschaften: Sunnitische Muslime: 72%; Alawiten: 12%; Christen (mehr als zehn verschiedene Konfessionen): 10%; Drusen: 4%; Ismaeliten: 1%; Schiitische Muslime: ca. 60.000; Juden: ca. 200

Sprachen: Arabisch (Amtssprache), Kurdisch (unterliegt starken Beschränkungen durch die Regierung), Armenisch, Tscherkessisch, Assyrischer Dialekt; Englisch, Französisch (je nach Alter und sozialer Schicht).

Allgemeine Grunddaten bieten The World Factbook der CIA, die Weltbank, die Website des BMZ, die Website des Auswärtigen Amtes, Spiegel Online oder die Bertelsmann-Stiftung.

Da es keine zuverlässigen syrischen Statistiken gibt, weichen alle Datenangaben voneinander ab.

All diese Daten bilden allerdings den Krieg in Syrien nur sehr unzureichend ab.

Naturräumliche Gegebenheiten

Landschaft östlich der Hafenstadt Tartous © Larissa Bender

Der Küstenstreifen hat ein typisch mediterranes Klima; in Damaskus, Aleppo und im Landesinneren herrscht kontinentales Klima vor, mit heißen Sommern und kalten und mitunter feuchten Wintermonaten (etwa Dezember bis Februar) mit Niederschlagsmengen an der Küste zwischen 600 - 1.000 mm, in der Steppenregion 400 mm, im Osten und Südosten bis nur noch 100 mm.

Sozialgeographische Gegebenheiten

Große Städte:

Die größten Städte Syriens sind die Hauptstadt Damaskus, deren Einwohnerzahl auf über 4 Millionen geschätzt wird. Die zweitgrößte Stadt ist Aleppo, etwa zwei Millionen Einwohner, mit Damaskus um den Status der am längsten bewohnten Stadt der Welt konkurriert. Weitere große Städte sind Homs und Hama sowie die beiden Mittelmeerstädte Latakia und Tartus.

Präzise Angaben über die Bevölkerungszahlen lassen sich nicht machen, da die syrische Regierung schon seit Jahrzehnten keine Volkszählung durchgeführt hat.

Zudem lag die Zahl der Binnenvertriebnene Ende 2015 laut UNHCR bei 6,6 Millionen Menschen, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Aus manchen Städten sind Hunderttausende geflohen, andere Städte sind durch den Zuzug von Binnenflüchtlingen stark angewachsen.


Infrastruktur:

Die Angaben über das Straßennetz schwanken zwischen ca. 50.000 und knapp 95.000 Kilometern, davon asphaltiert zwischen knapp 20.000 und 38.000. Das Eisenbahnnetz verfügt über etwa 3000 Schienen-Kilometer. Die Länge der Wasserwege beträgt ca. 900 km, sie sind allerdings ökonomisch ohne Bedeutung.

Die wichtigsen Häfen sind Lattakia, Tartus und Banjas. Zivilflughäfen gibt es in Damaskus, Aleppo, Latakia, Kamischli und Deir al-Zor.

Nationale Symbole

Flagge

Syrische Nationalflagge (© public domain)

Die syrische Flagge besteht aus einem roten, einem weißen und einem schwarzen Querstreifen. Auf dem Weiß prangen zwei grüne Sterne, die für Ägypten und Syrien stehen. Diese Flagge stammt aus der Zeit der Vereinigten Arabischen Republik (1958-1961) und wird seit 1980 wieder verwendet.

Flagge der syrischen Revolutionsbewegung (© public domain)

Die im März 2011 ausgebrochene Aufstandsbewegung gegen das herrschende Regime benutzt eine Flagge, die bereits von 1932 bis 1958 und von 1961 bis 1963 Syriens Nationalflagge war. Sie besteht aus drei waagrechten Streifen in grün, weiß und schwarz sowie drei fünfzackigen roten Sternen. Damit setzen sich die Protestierenden eindeutig gegen die Herrschaft der seit 1963 regierenden Baath-Partei ab.

Wappen

Syrisches Wappen (© public domain)

Das syrische Staatswappen, das 1946 eingeführt wurde, besteht aus einem nach rechts blickenden Falken. Der Schild auf seiner Brust zeigt die syrische Flagge, die nach unten durch zwei Lorbeerzweige eingerahmt wird. Unter diesen Zweigen steht auf einem grünen Banner auf Arabisch der offizielle Name Syriens geschrieben: Syrische Arabische Republik.

Währung

Syrische Tausenpfundnote

Die größte Geldnote sind eintausend syrische Lira (Pfund). Weiterhin gibt es Scheine von 500, 200, 100 und 50 Lira. Münzen haben einen Wert von 25, 10 und 5 Lira. Auch einige wenige Ein- und Zweiliramünzen sind noch im Umlauf.

Syrische Nationalhymne

Die syrische Nationalhymne heißt "Humat ad-Dijar" - Beschützer des Landes - auf Englisch Defenders of the realm

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde im September 2016 aktualisiert.

Die Autoren

Norbert Mattes ist Chefredakteur der Zeitschrift inamo (Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten) und Tutor für Syrien bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) der GIZ GmbH.

Larissa Bender ist Journalistin mit Schwerpunkt Syrien, Arabischübersetzerin, Arabischdozentin, Syrientutorin bei der AIZ und hat zwei Bücher über Syrien herausgegeben.

Literaturhinweise

Literaturhinweise allgemein

Impressionen

Interessante Fotoblogs mit zahlreichen guten Fotos zweier Fotografen aus Aleppo aus einem Land Syrien, das es heute so nicht mehr gibt:

Syria Winks und Syira Look

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