Umayyad Mosque at night ©Evgeni Zotov
Offizieller Name
Syrische Arabische Republik
Fläche
185 180 km²
Einwohner
ca. 19,4 Mio. (2018, geschätzt)
Bevölkerungswachstum
ca. -1.6 % (2017, geschätzt)
Regierungssitz
Damaskus
Amtsprache
Arabisch
inoffizielle Sprachen
Kurdisch, Armenisch

Aktuelle Entwicklungen

Seit 2011 herrscht Bürgerkrieg in Syrien, der mit friedlichen Demonstrationen für
politische und gesellschaftliche Reformen begann.  Ausgelöst von Protesten gegen die Regierung unter Präsident Baschar al-Assad entwickelte sich aus einem Bürgerkrieg zunehmend ein geopolitischer Konflikt, in den immer mehr Parteien hineingezogen wurden. Die Lage spitzt sich täglich zu, das Land ist in weiten Teilen verwüstet. Westliche Staaten, die Türkei und die arabischen Golfstaaten
standen lange Zeit auf Seiten der Rebellen; Russland, der Iran und die Hisbollah stehen auf Seiten des Regimes. Mit der Unterstützung Russland und des Irans brachte  al-Assad mittlerweile wieder große Gebiete Syriens unter seiner Kontrolle.

Der Krieg in Syrien polarisiert. Die Zuspitzung des Konfliktes stärkte die radikalen Kräfte in Syrien. Zahlreiche dschihadistische Gruppen, die teilweise Al-Kaida nahestehen kontrollierten große Teile Syriens. Seit der massiven Ausbreitung radikalislamischer Gruppen wie Ahrar As-Sham, besonders aber der dschihadistischen Gruppierungen wie der Al-Qaida nahestehenden Nusra-Front und der Ausrufung eines Kalifats durch den Islamischen Staat (IS) in weiten Teilen Nordsyriens ist die Lage gerade auch für Ausländer unberechenbar geworden. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wurde in Syrien stark - und rief die internationale Anti-IS-Koalition auf den Plan: Die USA flogen Luftangriffe gegen die Extremisten. Am Boden unterstützte Amerika die demokratischen Kräfte Syriens im Kampf gegen den IS, ein Bündnis, das mehrheitlich kurdisch ist und von der kurdischen YPG/ Volksverteidigungseinheiten  angeführt wird. 

Die Kurden im Norden Syriens wurden mit Unterstützung der USA stark. Zwischen Ihnen und den Truppen Assads gab es stillschweigend eine Gegenseitige Akzeptanz: Assad hatte sie bei ihren Autonomiebestrebungen weitestgehend gewähren lassen, da im Gegenzug die Kurden Assad nicht infrage stellten. Das Erstarken konnte von der Türkei nicht hingenommen werden, da Erdogan in der YPG eine PKK-nahe Terrororganisation sieht. 

Im Dezember 2018 deklarierte der US-Präsident Donald Trump den "historischen Sieg" über IS und kündigte den Abzug der US-Truppen an. Der ankündigte US-Truppenabzug hat in der Region neue Unsicherheiten und Dynamiken ausgelöst. Die Türkei nutzte die Ankündigung um eine Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien zu starten. Ankara verstärkte seine Truppen entlang der syrischen Grenze und zog seine Panzer und gepanzerte Fahrzeuge  in der Gegend bei Manbidsch in Nordsyrien zusammen. Die Kurden riefen Assad um Hilfe. Die syrische Armee hat  Truppen in die Stadt Manbidsch verlegt. Frankreich erklärte, seine Militärpräsenz in Syrien vorerst aufrechtzuerhalten.  Insgesamt kann man feststellen, dass vor allem die Türkei, Iran, Saudi Arabien und Israel bereit sind, ihre als vital angesehenen Interessen in Syrien auch militärisch durchzusetzen. Dies birgt die Gefahr erneuter militärischer Eskalation. Russland versteht einen möglichen Abzug der USA als Punktsieg und baut seine Macht in der Region aus. 

Syrien wurde seitens der arabischen Liga mit Ausbruch des Bürgerkrieges ausgeschlossen. Mehrere arabische Staaten verhängten Sanktionen. Die Staaten des Golf-Kooperationsrates hatten im Februar 2012 ihre Botschafter aus Damaskus abgezogen, um gegen die Niederschlagung der Protestbewegung in Syrien zu protestieren. Eine neue Entwicklung stellt der Besuch des sudanesischen Machthabers Omar al-Bashir Ende Dezember 2018 in Damaskus.  Damit kam erstmals seit Beginn des Kriegs ein amtierendes arabisches Staatsoberhaupt nach Damaskus, der die Rolle Syriens in der Region als Teil der arabischen Familie beschwor. Der Besuch Al-Bashirs korrespondiert mit der zeitgleichen Wiedereröffnung  der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate  in Damaskus. Die Emirate beschworen die arabische Brüderlichkeit und betonten die Rolle eines souveränen Syriens in der Region. Assad gibt die diplomatische Wende der Emirate weiteren politischen Auftrieb, zumal andere arabische Staaten folgen sollten. Viele  Beobachter gehen davon aus, dass die Botschaftseröffnung mit  Saudi-Arabien abgestimmt wurde und werten dies als Schritt zur Rehabilitation des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in der arabischen Welt. Die Emirate und Saudi-Arabien galten bislang als die Hauptunterstützer der Rebellen in Syrien.

Seit Ausbruch des Bürgerkrieges starben rund 400.000- 500.000 Menschen. Die meisten Opfer sind  Zivilisten.  Der Krieg führte zudem zu einem der größten Flüchtlingsströme seit dem Zweiten Weltkrieg. Knapp fünf Millionen Syrer haben das Land verlassen. Millionen Menschen sind Binnenflüchtlinge. Damit befindet sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht. Das Bildungssystem ist zusammengebrochen. Rund zwei Millionen schulpflichtige Mädchen und Jungen besuchen die Schule nicht. Die Lebenserwartung ist um 15 Jahre gesunken. Syrien hat umgerechnet rund 250 Milliarden Euro an Wirtschaftskraft eingebüßt.  Experten beziffern die Kosten für den Wiederaufbau auf 1,2 Billionen US-Dollar.  

In Syrien sind Hunderte lokale Akteure im „Bürger“- Krieg verwickelt, zudem Regional- und Großmächte.  

Das Assad-Regime

Assad und ein Großteil der Führung des derzeitigen Regimes halten an die Macht und haben kein Interesse daran, sie zu verlieren. Zumal sie sich vor Rachezügen ihrer Gegner bei einem Sturz fürchten. Dies gilt ebenfalls in unterschiedlichem Maße für die religiösen Minderheiten. So profitierten die Alawiten lange vom System, was sich damit erklärt, dass die Assad-Familie der Minderheit der Alawiten angehört und viele wichtige Funktionen im Staat von den Alawiten besetzt sind. Auch Drusen und Christen sind eher dem Regime zugeneigt. Ein Sieg der zwischendurch zunehmend islamistisch geprägten Opposition sehen sie als große existenzielle Gefahr. Das syrische Militär setzt angetrieben von den Erfolgen der letzten Monate derzeit auf eine militärische Lösung des Konflikts und ist entschlossen seine Autorität wieder über ganz Syrien auszubreiten.  Das erklärt die aktuelle Verschärfung der Angriffe auf die letzte Bastion der Opposition in Idlib.  

Opposition

Neben der Freien Syrische Armee (FSA) wird die militante Opposition von islamistischen Organisationen geprägt, die entweder dem Islamischen Staaten  (IS) oder  Al-Qaida nahestehen.

Freie syrische Armee (FSA)

Die freie syrische Armee (FSA) ist der bewaffnete Arm der Gruppe „Nationalkoalition syrischer Revolutions- und Oppositionskräfte“ und  ist keineswegs eine einheitliche Organisation. Es handelt sich um ein Bündnis verschiedener Organisationen, die ihrerseits unterschiedliche Interessen verfolgen. Einig sind sie sich lediglich über das Ziel, Assad abzusetzen. Ein Projekt für Syrien nach Assad konnte die Nationalkoalition bislang nicht vorlegen.

Während die FSA Anfang des Krieges in Syrien große Erfolge verzeichnen konnten, spielt sie heute eher eine rudimentäre Rolle im Konflikt. Große Gebiete, die von der FSA kontrolliert waren, sind entweder von der Armee zurückerobert oder an islamistische Millizen übergegangen.

Eine der größten Schwächen der FSA ist die Tatsache, dass die politische Führung unterschiedlich Loyalitäten gegenüber ausländischen Mächten haben.  Die Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte, wurde am 11. November 2012 in Doha/ Katar gegründet. Sie wurde zunächst finanziell und logistisch von Katar, Saudi-Arabien und der Türkei unterstützt. Auch die USA, Großbritannien und Frankreich lieferten Material und unterstützten die Nationalkoalition in internationalen Gremien. Die zunehmenden regionalen Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Katar, die politische Uneinigkeit der Gruppen innerhalb der Nationalkoalition und das Erstarken der Islamisten verschoben die Interessenlage der Förderer.  

Islamistische Akteure der Opposition

Islamischer Staat (IS)

Der „Islamische Staat“ (IS) ist eine islamistische Terrormiliz, die sich von der Terrororganisation Al-Qaida abspaltete und kämpft dafür ein islamisches Kalifat gemäß ihrer religiösen Vorstellungen zu errichten. Tausende Kämpfer aus der ganzen Welt wanderten nach der Ausrufung des Kalifats am 29. Juni 2014 durch Abu Bakr al-Bagdad nach Syrien, um das Kalifat zu festigen. Sie eroberten große Teile von Syrien und den Irak und errichteten ein brutales Terrorregime. Die Miliz finanziert sich durch Aneignung der Geldreserven von Staatsbanken in eroberten Gebieten, Raub, Erpressung, Schmuggel und Sklavenhandel.

Nach langen Jahren des Erfolgs wurde der IS im März 2019 nach der Schlacht um Baghus für besiegt erklärt. Tausende IS-Kämpfer sollen im weiten Wüstengebiet Syriens und des Iraks untergetaucht sein. Es ist davon auszugehen, dass der IS in Syrien immer noch über Anführer, Kämpfer, Unterstützer und Ressourcen verfügt, sodass diese Terrororganisationen eine relevante destabilisierende Rolle im Syrienkonflikt spielt.

Ahrar al-Sham

Eine 2011 gegründete und nach Expertenmeinung von der Türkei und den Golfstaaten finanzierte Rebellengruppe mit salafistischer Ausrichtung, die sich jedoch dem Westen als moderat präsentiert. Sie hält derzeit vor allem Gebiete im Norden Syriens in der Provinz Idlib. Sie kooperiert militärisch mit der Nationalkoalition, ist aber kein Teil von ihr.

Fatah al-Sham

Die ehemalige Al-Nusra-Front, ist eine der Al Qaida entsprungene  jihadistische Organisation, die in Syrien ein islamisches Emirat errichten will. Die Vereinigten Staaten stufen Fatah al-Sham als Terrororganisation ein.

Viele Internationale Akteure mischen im syrischen „Bürger“-Krieg mit - aus ganz unterschiedlichen Interessen: militärischen, religiösen, wirtschaftlichen oder sicherheitspolitischen. 

Auf Seiten der Opposition sind die westlichen Staaten, die USA, die Türkei und die Golfstaaten Saudi-Arabien sowie Katar aktiv. Sie vertreten unterschiedliche nicht nur teils konträre Ziele, vielmehr ist sind die Beziehungen der Länder untereinander sehr spannungsgeladen. So unterstützen die USA die syrischen Kurden und ihre Kampfeinheiten, während die Türkei genau diese Einheiten als Terroristen bekämpfen. Saudi-Arabien hat Katar nicht nur politisch isoliert und die diplomatischen Beziehungen unterbrochen. Es bezichtigt Katar, den islamistischen Terrorismus zu finanzieren.

Saudi-Arabien will zwar den Einfluss des schiitischen Iran in Syrien brechen, möchte allerdings auf keinen Fall die Rolle der Muslimbruderschaft dort stärken. Genau dies ist aber im Interesse der Türkei, da die Muslimbrüder eine eher pro-türkische Politik vertreten. Die Türkei will allerdings auf keinen Fall die Position der Kurden stärken, da dies die Autonomiebestrebungen der türkischen Kurden manifestiert. Die syrischen Kurden sind jedoch die wichtigsten Alliierten der USA in Syrien. Die USA aber auch andere westliche Staaten verfolgten seit Ausbruch des Krieges das Ziel, Assad und sein Regime abzulösen. Dahinter steckt die Hoffnung, das Regime wird durch ein dem Westen gegenüber freundlicheres System ersetzt,welches sich von Russland abwendet. Problematisch ist nur, dass derzeit neben den Kurden kaum eine relevante Gruppe im Syrienkonflikt pro-westlich geschweige denn demokratisch ist.

Die wichtigsten Verbündeten des Regimes sind Russland, Iran und China. So haben Russland und China ihr Vetorecht mehrfach im Sinne Assads im Weltsicherheitsrat eingesetzt. Während China prinzipiell kein Interesse am Regimewechsel hat, ist Assad für Russland der wichtigste geostrategische Verbündete im Vorderen Orient, der ihm den Zugang zum Mittelmeer in Form einer Marinebasis gewährt. Syrien ist seit dem Irak-Iran-Krieg zwischen 1980-1988 ein verbündeter des Iran. Dieses Bündnis garantiert dem Iran den Zugang zum arabisch-israelischen Konflikt, was die Regionalmacht des Iran unterstreicht und die sogenannte „Widerstandsachse“ zu der Iran, Syrien, Hisbollah, Hamas und andere Gruppen gehören, stärkt. Viele dieser Gruppen haben Kämpfer nach Syrien geschickt und stützen das Regime dort. Dazu kommt, dass zwischen dem Iran und insbesondere Saudi-Arabien u.a. in Syrien ein Stellvertreterkrieg stattfindet.

Übersichtskarten

Übersichtskarte Syrien politisch (Quelle: University of Texas Libraries, public domain))
Übersichtskarte Syrien politisch (Quelle: University of Texas Libraries, public domain)

 

Weitere Syrienkarten der University of Texas at Austin

Die geschätzten Verschiebungen der aktuellen Herrschaftsgebiete der verschiedenen am Konflikt beteiligten Parteien auf einer Karte.

Das Strategic Needs Analysis Project (SNAP) bietet Karten zu verschiedenen Themenfeldern wie Vertreibung der Bevölkerung, humanitäre Krise u.a.

Lage und Größe des Landes

(Karte: Vardion, CC-Lizenz: BY-SA 3.0)

Mit 185.180 qkm ist das Land etwa halb so groß wie Deutschland. Es liegt zwischen dem 32. und 37. Grad nördlicher Breite und dem 35. und 42. Grad östlicher Länge im Nahen Osten.

Syrien grenzt im Norden an die Türkei mit einer Grenzlänge von 822 km, im Osten an den Irak (Grenze 605 km), im Süden an Jordanien (Grenze 375 km), im Westen an Israel (Grenze 76 km) und den Libanon (Grenze 375 km) und verfügt über einen Küstenstreifen am Mittelmeer von 193 km. Im Südosten und Osten von Syrien liegt die Syrische Wüste. 

Der längste Fluss ist der Euphrat, der Syrien - im Norden aus der Türkei kommend Richtung Irak im Osten - durchfließt. Der höchste Berg ist mit 2.814 Metern der Hermon, der tiefste Punkt von -212 Metern liegt am Ostufer des Tiberiassees (israelisch besetzt).

Grunddaten

Gemüseverkäufer in Damaskus © Larissa Bender

Vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges wurde die Bevölkerung in Syrien auf etwa 21 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern geschätzt.  Durch den Bürgerkrieg haben mehr 7 Millionen Menschen Syrien verlassen. Davon wurden laut UNHCR   etwa 6 Millionen Syrerinnen und Syrer außerhalb syriens als Flüchtlinge registriert. Zwischen acht und neun Millionen Menschen sind durch den Krieg zu Binnenflüchtlingen geworden.  

Über 2,7 Millionen Syrer sind laut UNHCR in die Türkei geflohen, was die Türkei zunehmend zu unterbinden versucht. Mitunter, so Amnesty International, werden syrische Flüchtlinge sogar nach Syrien zurückgeschickt. Die tatsächliche Zahl der syrischen Flüchtlinge könnte allerdings sogar bei 3,2 Millionen liegen. Insbesondere die Kinder leiden unter der Situation, viele gehen nicht in die Schule und sehen keine Zukunft für sich.

Noch schlimmer stellt sich die Lage für die laut UNHCR über eine Million syrische Flüchtlinge im Libanon dar. Die libanesische Regierung geht sogar von 1,5 Millionen syrischen Flüchtlingen aus. Damit besteht heute etwa ein Drittel der libanesischen Bevölkerung aus Vertriebenen, seien es syrische oder alte und neue palästinensische Flüchtlinge.

In Jordanien gilt das Flüchtlingslager Zaatari heute als viertgrößte jordanische Stadt. 80.000 syrische Flüchtlinge soll das Lager beherbergen. Auch in Jordanien gehen die Zahlen des UNHCR und der Regierung weit auseinander: Während der UNHCR von 650.000 syrischen Flüchtlingen ausgeht, sind es laut jordanischer Regierung etwa 1,4 Millionen, da sich auch hier wie im Libanon und der Türkei nicht alle syrischen Flüchtlinge registrieren lassen. 

In Syrien leben mehr als 15 religiöse und ethnische Gruppen. Neben der arabischen Mehrheit leben  Armenier (weniger als 1 Prozent) - die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts als Flüchtlinge aus der Türkei kamen -  Turkmenen und Tscherkessen (etwa 9 Prozent), Aramäer und Assyrer (etwa 4,5 Prozent) sowie Kurdeb in Syrien. Die Kurden bilden mit einem Anteil von zehn bis zwölf Prozent die größte ethnische Minderheit. Bekannte kurdische Städte und Dörfer sind al-Hasaka, al-Qamishli, Amuda, Afrin und Kurd Dagh. Die Zusammensetzung der syrischen Bevölkerung in Ethnien und Religionsgemeinschaft hat sich durch den Krieg stark verändert. aktuelle Zahlen liegen nicht vor.

In Syrien leben auch palästinensische und irakische Flüchtlinge. Etwa eine halbe Million Palästinenser sind heute in Syrien zuhause, sie kamen mit der Gründung Israels in mehreren Wellen aus Palästina;  Irakische Flüchtlinge kamen nach dem Irakkrieg 2003 ins Land, Tausende sind geblieben. 

Die offizielle Sprache des Landes ist Arabisch. Jedoch sprechen die ethnischen Minderheiten zusätzlich im Alltag Kurdisch, Aramäisch, Armenisch, Turkmenisch, Tscherkessisch oder andere Minderheitensprachen.

Drei Viertel aller Syrer heute sind sunnitische Muslime, eine Minderheit von acht bis zwölf Prozent gehört dem Alawitentum an. weitere Glaubensgemeinschaften in Syrien sind:  

- Drusen: 4 Prozent

- Ismaeliten: 1 Prozent

- Schiitische Muslime: ca. 60.000

- Yeziden  (kleine Gemeinde im Nordosten)

- Juden: ca. 200 (vor 1948 wohnten noch 15.000 bis 30.000 arabische und sephardische Juden in Syrien)

- Christen 10 Prozent, die in mehr als zehn verschiedene Konfessionen unterteilt sind. Die griechisch-orthodoxe, die maronitische, die syrisch-orthodoxe und die syrisch-katholische, die chaldäische, die assyrische, die armenisch-katholische und die armenisch-orthodoxe sowie protestantische Kirchen sind staatlich anerkannt.  

Der Alphabetisierungs- und Bildungsgrad war in Syrien vor Ausbruch des Bürgerkrieges im Vergleich zu anderen arabischen Ländern vergleichsweise hoch (im Jahr 2005 74,4 Prozent - Männer: 90,6, Frauen: 66,1). Derzeit liegen keine aktuellen Zahlen vor.  Laut dem UNICEF-Lagebericht für 2015 etwa zwei Millionen Kinder nicht zur Schule gehen.

Naturräumliche Gegebenheiten

Landschaft östlich der Hafenstadt Tartous © Larissa Bender

Der Küstenstreifen hat ein typisch mediterranes Klima; Parallel zum 193 km langen Küstenstreifen verläuft im Nordwesten das 120 km lange und 40 km breite teilweise bewaldete Alawiten-Gebirge. Seine  höchsten Erhebungen finden sich im Norden mit bis zu 1754 m Höhe. Im Norden und Osten wird das Gebirge vom Orontes umflossen. Dieses besonders fruchtbare Orontestal erscheint als Kerngebiet Syriens, da sich in der landwirtschaftlich rentablen Region ein hoher Bevölkerungsanteil konzentriert. . Weiter südlich erhebt sich der Anti-Libanon. Dessen Ausläufer gehen in die Golanhöhen über und fallen zum Yarmuktal hin ab. Der Nordosten Syriens ist ebenfalls sehr fruchtbar. Die 400 m hohe Jeziraebene liegt im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. Der Osten Syriens wird von der Stein- und Steppenwüste beherrscht, welche über 60 % der gesamten Staatsfläche einnimmt. Sie ist ein Ausläufer der Arabischen Wüste.

in Damaskus, Aleppo und im Landesinneren herrscht kontinentales Klima vor, mit heißen Sommern und kalten und mitunter feuchten Wintermonaten (etwa Dezember bis Februar) mit Niederschlagsmengen an der Küste zwischen 600 - 1.000 mm, in der Steppenregion 400 mm, im Osten und Südosten bis nur noch 100 mm.

Ökologische Probleme

Das bedeutendste Umweltproblem in Syrien, ist die Luftverschmutzung. Sie wird durch den Bürgerkrieg als auch insbesondere durch Verkehr, offene Feuer und unkontrollierte Mülldeponien hervorgerufen. Sprengsätze, Giftmüll und Luftverschmutzung verseuchen Grundwasser und Böden. Weite Teile der Umwelt sind bereits nachhaltig verwüstet, giftige Stoffe aus Munition, Häuserruinen oder Müll dringen in die Böden ein und verschmutzen das Grundwasser.  Auch die Luftverschmutzung durch zerbombte Gebäude spiele eine große Rolle, denn in vielen Häusern wurde Asbest verbaut. Das Klima in Syrien ist sehr trocken, die Partikel von zerstörten Häusern bleiben dadurch länger in der Luft.

Das hohe Verkehrsaufkommen in den Ballungsräumen und das Heizen mit umweltschädlichem Dieselöl hat eine starke Luftverunreinigung in den Großstädten zur Folge. Umweltprobleme sind in Syrien in erster Linie das Resultat des sehr hohen Bevölkerungswachstums von 2,5 Prozent sowie des hohen Wirtschaftswachstums. Ganz schwere Schäden sind während des syrischen Krieges entstanden durch die Beschießung von Erdölraffinerien. Es gibt also eine totale Verseuchung der betreffenden Region, die noch lange anhalten wird. 

Ein unkontrolliert hoher Wasserverbrauch insbesondere in der Landwirtschaft, aber auch im privaten Bereich, sowie eine unzureichende Abwasserreinigung führen zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels sowie zur Verunreinigung der ohnehin knappen Ressource Wasser. So sind etwa nur 53 Prozent der Bevölkerung an ein Abwassersystem angeschlossen.

Weitere ökologische Probleme entstehen durch Entwaldung und die Überweidung durch eine extensive Schaf- und Ziegenzucht. Die Umweltprobleme Syriens sind in den Bereichen Entwaldung; Überweidung; Bodenerosion; Desertifikation; Wasserverschmutzung durch Abfälle aus der Abwasser- und Erdölverarbeitung; unzureichendes Trinkwasser.  

Sozialgeographische Gegebenheiten

Große Städte:

Die größten Städte Syriens sind die Hauptstadt Damaskus, deren Einwohnerzahl auf über 4 Millionen geschätzt wird. Die zweitgrößte Stadt ist Aleppo, etwa zwei Millionen Einwohner, mit Damaskus um den Status der am längsten bewohnten Stadt der Welt konkurriert. Weitere große Städte sind Homs und Hama sowie die beiden Mittelmeerstädte Latakia und Tartus.

Präzise Angaben über die Bevölkerungszahlen lassen sich nicht machen, da die syrische Regierung schon seit Jahrzehnten keine Volkszählung durchgeführt hat.

Zudem lag die Zahl der Binnenvertriebnene laut UNHCR bei 6,6 Millionen Menschen, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Aus manchen Städten sind Hunderttausende geflohen, andere Städte sind durch den Zuzug von Binnenflüchtlingen stark angewachsen.


Infrastruktur:

Die Angaben über das Straßennetz schwanken zwischen ca. 50.000 und knapp 95.000 Kilometern, davon asphaltiert zwischen knapp 20.000 und 38.000. Das Eisenbahnnetz verfügt über etwa 3000 Schienen-Kilometer. Die Länge der Wasserwege beträgt ca. 900 km, sie sind allerdings ökonomisch ohne Bedeutung.

Die wichtigsen Häfen sind Lattakia, Tartus und Banjas. Zivilflughäfen gibt es in Damaskus, Aleppo, Latakia, Kamischli und Deir al-Zor.

Syrien deckt 90 Prozent seines Trinkwasserbedarfes und 75 Prozent seines Strombedarfes durch den Euphrat. Bis heute wurden am Euphrat mehr als 130 Dämme fertiggestellt. Der Staudamm Thaura mit einer Fläche von 640 Quadratkilometern ist die Lebensader der ökonomischen undsozialen Entwicklung Syriens. Heute werden 241 000 ha Land mit 6 Milliarden km³ Euphratwasser bewässert. Syrien beabsichtigt bereits, sowohl die bewässerte Fläche als auch das zur Bewässerung benötigte Wasser aus dem Euphrat verdoppeln. Allerdings sind Syriens Bewässerungsmethoden vollkommen veraltet, was einen großen Wasserverlust verursacht.

Nationale Symbole

Flagge

Syrische Nationalflagge (© public domain)

Die syrische Flagge besteht aus einem roten, einem weißen und einem schwarzen Querstreifen. Auf dem Weiß prangen zwei grüne Sterne, die für Ägypten und Syrien stehen. Diese Flagge stammt aus der Zeit der Vereinigten Arabischen Republik (1958-1961) und wird seit 1980 wieder verwendet.

Flagge der syrischen Revolutionsbewegung (© public domain)

Die im März 2011 ausgebrochene Aufstandsbewegung gegen das herrschende Regime benutzt eine Flagge, die bereits von 1932 bis 1958 und von 1961 bis 1963 Syriens Nationalflagge war. Sie besteht aus drei waagrechten Streifen in grün, weiß und schwarz sowie drei fünfzackigen roten Sternen. Damit setzen sich die Protestierenden eindeutig gegen die Herrschaft der seit 1963 regierenden Baath-Partei ab.

Wappen

Syrisches Wappen (© public domain)

Das syrische Staatswappen, das 1946 eingeführt wurde, besteht aus einem nach rechts blickenden Falken. Der Schild auf seiner Brust zeigt die syrische Flagge, die nach unten durch zwei Lorbeerzweige eingerahmt wird. Unter diesen Zweigen steht auf einem grünen Banner auf Arabisch der offizielle Name Syriens geschrieben: Syrische Arabische Republik.

Währung

Syrische Tausenpfundnote

Die syrische Lira (Pfund) ist die Währung von Syrien.  Die größte Geldnote sind zweitausend syrische Lira (Pfund). Weiterhin gibt es Scheine von 1000, 500, 200, 100 und 50 Lira. Münzen haben einen Wert von 1, 2, 5, 10 und 25 Lira. Auch einige wenige Ein- und Zweiliramünzen sind noch im Umlauf.Die Ein- und Ausfuhr syrischer Lira ist verboten.  Im Syrischen Bürgerkrieg seit 2011 wurde die Lira gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Bei Reisen nach Syrien ist es deshalb nicht ratsam, sich im Ausland mit Lira zu versorgen, zumal der Kurs durch die nicht vorhandene Konvertibilität deutlich ungünstiger ist als in Syrien selbst.

Syrische Nationalhymne

Die syrische Nationalhymne heißt "Humat ad-Dijar" - Beschützer des Landes - auf Englisch Defenders of the realm

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde im Februar 2019 aktualisiert.

Der Autor

Dr. Marwan Abou Taam ist assozierter Wissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin und freier Autor. Seine Forschungsschwerpunkte sind Regionalstudien Naher Osten/ Nordafrika/ Golfregion, EU-Sicherheitspolitik sowie Migration und Innere Sicherheit.    

Impressionen

Interessante Fotoblogs mit zahlreichen guten Fotos zweier Fotografen aus Aleppo aus einem Land Syrien, das es heute so nicht mehr gibt:

Syria Winks und Syira Look

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