Wahlkampf in Tansania © flowcomm (CC BY 2.0)
Tag der Unabhängigkeit
09.12.1961 (Tanganyika)
Staatsoberhaupt
John Magufuli
Regierungschef
John Magufuli
Politisches System
Präsidialrepublik, Mehrparteiensystem
Demokratie Status-Index (BTI)
Rang 57 (von 129) (2018)
Korruptionsindex (CPI)
Rang 103 (von 180) (2017)
Ibrahim Index of African Governance
Rang 14 von 54 (2018)

Geschichte

Grabstein auf dem deutschen Friedhof in Daressalam
Grabstein auf dem deutschen Friedhof in Daressalam, © Scheidtweiler

Tansanias geschriebene Geschichte ist von dem Einfluss fremder Kulturen geprägt. Schon im 8. Jahrhundert n. Chr. gab es an der Küste einen intensiven Handel arabischer und persischer Seefahrer. Das Mittelalter war die Blütezeit der Swahilikultur in Ostafrika, die danach von der Dominanz der Portugiesen geprägt wurde, bis diese wiederum von den Arabern verdrängt wurden. Ab 1828 residierten die Sultane von Oman auf Sansibar. Im Landesinneren legten sie Stützpunkte an, v.a. für Sklaven und Elfenbein. Das 19. Jahrhundert war vom Sklavenhandel, den Aktivitäten der ersten Missionare und Afrikaentdecker geprägt. 1884 gründete Carl Peters die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft und 'erwarb' Gebiete im Landesinneren. 1890 übernahm die deutsche Regierung die Hoheitsrechte in Deutsch-Ostafrika [Link bietet keine kritische Aufarbeitung der Kolonialgeschichte; das gilt auch für den - dennoch interessanten - Eintrag im Deutschen Kolonial-Lexikon von 1920]. Die Inseln Unguja und Pemba wurden britisches Protektorat (Helgoland-Sansibar-Vertrag). 1905 stieß die deutsche Kolonialverwaltung im Süden des Landes auf militärischen Widerstand (Maji-Maji-Aufstand), den vermutlich 100.000 Menschen mit dem Leben bezahlt haben. Nach dem 1. Weltkrieg fiel Deutsch-Ostafrika an Großbritannien, zuerst als Mandatsgebiet des Völkerbundes, dann, ab 1945, als Treuhandgebiet der Vereinten Nationen.

1954 wurde die Tanganyika African National Union (TANU) unter der Leitung von Julius Nyerere gegründet. Aus dieser - von Anfang an transethnisch und transreligiös strukturierten - Union ging später die Chama Cha Mapinduzi (CCM) hervor, die bis heute regiert.

1961 erlangte Tanganyika die Unabhängigkeit. Sansibar folgte zwei Jahre später nach, allerdings zunächst unter der Vorherrschaft der Araber, der 1964 durch ein blutiges Massaker ein Ende bereitet wurde. Der 26.04.1964 ist der Gründungstag der Vereinigten Republik Tansania. Schon ein Jahr später wurde das Einparteiensystem errichtet. In der Arusha-Deklaration (1967) wurden die Leitlinien der Politik formuliert. 'Ujamaa' wurde zum Synonym für einen 'Afrikanischen Sozialismus'. Mit dem Begriff (Swahili für familiäre Verbundenheit) wird an den kommunitären Charakter traditioneller Gesellschaften Ostafrikas angeknüpft. Durch ein Dorfentwicklungsprogramm ('Villagization') wurden große Teile der Bevölkerung von den traditionellen Streusiedlungen in 'Entwicklungsdörfer' ('Ujamaa-Dörfer') zwangsumgesiedelt. 

Die charismatische Persönlichkeit Nyereres gab dem Einparteienregime in Tansania ein Gesicht, das im In- und Ausland Sympathien weckte. Die Ujamaa-Politik hatte es vermocht, die nationale Identität und konfliktfreie Kohäsion der vielen Ethnien zu fördern. Die Planwirtschaft wirkte jedoch verheerend auf die wirtschaftliche Entwicklung.  

Nyerere gestand dies mit seinem bemerkenswerten Rücktritt im Jahre 1985 ein und machte hiermit den Weg frei für eine wirtschaftliche und politische Liberalisierung des Landes. Unter seinem Nachfolger wurde eine Strukturanpassungspolitik vollzogen, die zunächst noch relativ planlos verlief. Auf die Zulassung von politischen Parteien im Jahre 1992 folgten vier Mehrparteienwahlen (1995, 2000, 2005, 2010), bei denen die CCM immer deutliche (verfassungsändernde) Mehrheiten errang. 

Staat

Administrative Aufteilung in die 30 Regionen Tansanias
Administrative Aufteilung in die 30 Regionen Tansanias © TUBS (CC BY-SA 3.0)

Das Rechtssystem Tansanias orientiert sich am Vorbild Großbritanniens, allerdings gibt es lokal einen Pluralismus an Rechtssystemen, bei dem auch das autochthone Recht oder beispielsweise das islamische Recht zum Tragen kommen kann. Die Gewaltenteilung ist in Tansania grundsätzlich gewährleistet (wobei die Exekutive aufgrund der großen Mehrheit der Regierungspartei dominiert) und die Judikative ist unabhängig. Sie gilt jedoch als hochgradig ineffizient, unterfinanziert und sogar korrupt, was eine zügige und faire Rechtsprechung häufig in Frage stellt. Die Legislative hat bisher noch eingeschränkte Autonomie und benötigt weitere institutionelle Entwicklung, um die Dominanz der Exekutive auszugleichen.

Die derzeitige Verfassung stammt aus dem Jahr 1977, und sollte eigentlich bereits 2015 reformiert werden. Doch der Prozess der Verfassungsreform, welcher vom ehemaligen Präsidenten Kikwete initiiert wurde, ist bis auf weiteres vertagt worden. Tansania ist offiziell eine föderative Präsidialrepublik, zeigt aber weiterhin starke zentralstaatliche Züge. Sie gliedert sich in 30 Regionen (25 auf dem Festland, 3 auf Unguja, der Hauptinsel Sansibars, und 2 auf der ebenfalls zu Sansibar zählenden Insel Pemba), die ihrerseits in Distrikte unterteilt sind. Sansibar ist zwar Teil der Union, hat aber ein eigenes Repräsentantenhaus, einen Präsidenten und eine für die inneren Angelegenheiten zuständigen Exekutive, wodurch dieser Landesteil eine weitreichende Autonomie erhält.  

Der Präsident Tansanias ist Staats- und Regierungschef sowie Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Mit dem Vizepräsidenten, dem Premierminister (leitet das 'Tagesgeschäft' der Regierung), dem Präsidenten von Sansibar und dem Ministerkabinett stellt er die Exekutive des Landes. Die Nationalversammlung ('Bunge') bildet die Legislative (Parlament) Tansanias. Sie besteht aus 357 Abgeordneten (mit dem Generalbundesanwalt als Mitglied 'ex officio'), von denen nur 239 in den Wahlkreisen für fünf Jahre nach dem Mehrheitswahlrecht direkt gewählt werden. Darüber hinaus wurden nach der letzten Parlamentswahl 102 Frauen von den Parteien, entsprechend ihrem Stimmenanteil, aufgenommen, um den in der Verfassung geforderten Frauenanteil von mindestens 30 % zu gewährleisten. Zudem nominiert der Präsident 10 weitere Parlamentsabgeordnete und das sansibarische Repräsentantenhaus 5 Abgeordnete.

John Magufuli
John Magufuli © Issa Michuzi / issamichuzi.blogspot.co.uk (CC BY-SA 2.0)

Bei der letzten Wahl im Jahr 2015 hatte John Magufuli mit 58 % der Stimmen die Wahl für sich entschieden. Das Wahlergebnis zeigte auch, dass die Religionszugehörigkeit von Spitzenpolitikern (Magufuli ist Katholik), den Konflikten in Sansibar zum Trotz, für die Wähler eine untergeordnete Rolle spielt. Die CCM war von Beginn an bei der Nominierung der Präsidentschaftskandidaten um Ausgleich bemüht: Nyerere und Mkapa (erster und dritter Präsident), als Mitglieder der katholischen Kirche, wurden abgelöst von den Muslimen Mwinyi und Kikwete (zweiter und vierter Präsident). Der amtierende Präsident John Magufuli ist dementsprechend Christ.

Magufuli hat in Chemie promoviert und hatte in den vergangenen Jahren mehrere Ministerposten inne, bevor er im Oktober 2015 zum fünften Präsidenten Tansanias gewählt wurde. Seit seinem Amtsantritt machte Magufuli Schlagzeilen mit einem konsequenten Kurs gegen Korruption, Armut und staatliche Ineffizienz und bekam international und national viel Anerkennung. Kürzlich entließ er knapp 10.000 Beamte, die bei ihrer Bewerbung gefälschte Zeugnisse benutzt hatten. Jedoch werden auch Einwände von Aktivisten laut, die sein Vorgehen gegen Kritiker seiner Politik anprangern. 

Der erste Präsident Tansanias, Julius Nyerere (1962 - 1985) sowie seine Nachfolger Ali Hassan Mwinyi (1985 - 1995), Benjamin William Mkapa (1995 - 2005), Jakaya Kikwete (2005-2015) waren alles Vertreter der 'Revolutionspartei' Chama Cha Mapinduzi (CCM). 

Julius Kambarage Nyerere hat Tanganyika/Tansania von der Unabhängigkeit bis lange nach seinem freiwilligen Rücktritt als Präsident im Jahre 1985 wie kein anderer nachhaltig geprägt. Von der Bevölkerung wurde der 'Vater der Nation' mit Hochachtung 'Mwalimu' (= Lehrer, in Anspielung auf seinen ursprünglichen Beruf und die Gabe, seine Ideale und politischen Vorstellungen überzeugend zu vermitteln) genannt. Julius Nyerere ist 1999 verstorben.

Ein wichtiges Instrument zur Förderung von Demokratie und Partizipation ist die Dezentralisierung. Insbesondere seit dem Ende der 1990er Jahre werden politische, finanzielle und verwaltungstechnische Zuständigkeiten zunehmend von der Zentralregierung auf 'Local Government Authorities' auf Distriktebene verlagert (District Councils u.ä.), wo alle 5 Jahre Kommunalwahlen stattfinden. Auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit war daran beteiligt.

Der Mo Ibrahim Index of African Governance untersucht seit 2007 jährlich die Qualität der Regierungsführung in allen afrikanischen Staaten. Derzeit liegt Tansania mit Rang 14 (von 54) in der oberen Hälfte der afrikanischen Länder. Tansanias Entwicklung zeigt in den vergangenen Jahren eine leichte Zunahme und weist gute Ergebnisse in den Bereichen Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit sowie in Partizipation und Menschenrechte auf. Dagegen liegt der Bereich der Menschlichen Entwicklung unter dem afrikanischen Durchschnitt.

Innenpolitische Themen

Parteien und Wahlen

Die programmatischen Unterschiede der politischen Parteien Tansanias sind nicht sehr markant. Auf dem Festland, das 80 % der Wahlbezirke stellt, ist die Dominanz der alten Einheitspartei auch nach den fünften demokratischen Wahlen ungebrochen: Die Chama Cha Mapinduzi (CCM, Swahili: Partei der Revolution) stellt 58 % der Abgeordneten im Unionsparlament - allerdings weniger als in der letzten Legislaturperiode. Diese "Volkspartei" prägte einst den "afrikanischen Sozialismus", verfolgt heute aber eher eine pragmatische marktwirtschaftliche Linie. Auf dem Festland kommt die gesellschaftliche Verankerung der politischen Parteien nur langsam voran und die Wahlbeteiligung hat deutlich nachgelassen. Lediglich die Chama cha Demokrasia na Maendeleo (CHADEMA, Swahili: Partei der Demokratie und Entwicklung), die sich am ehesten dem christlich-konservativen Spektrum zuordnen lässt, hat hier erste Erfolge zu verzeichnen. Im semiautonomen Landesteil Sansibar ist jedoch die muslimisch geprägte Civic United Front (CUF), die sich selbst als liberale Partei bezeichnet, sehr stark und mittlerweile sogar an der Regierung beteiligt. 

Parteienaufteilung im tansanischen Parlament © Sputink (CC BY-SA 4.0)

Am 25. Oktober 2015 fanden in Tansania die Wahlen für einen neuen Präsidenten, ein neues Parlament und neue Stadt- und Gemeinderäte statt. Auf dem Festland durfte der amtierende Präsident Jakaya Kikwete nach zwei Legislaturperioden nicht mehr antreten. Im Großen und Ganzen verlief dort die Wahl am Wahltag fair und friedlich. Die seit 1961 regierende CCM-Partei konnte - trotz Stimmen- und Sitzverlusten - ihre Macht erneut sichern und mit John Magufuli einen neuen Präsidenten stellen. Bereits in den ersten Wochen nach seinem Amtsantritt traf er radikale Maßnahmen, die die Korruption im Land und unnötige Staatsausgaben durch Regierungsbeamte anprangerten und sorgte für Veränderungen in Regierungsabläufen.

Die CCM erhielt nach offiziellen Angaben 58 % der Stimmen und sicherte sich somit auch die absolute Mehrheit im Parlament, während das Oppositionsbündnis "Ukawa" 40 % der Stimmen bekam.

Auf der Insel Sansibar wurden dagegen Vorwürfe des Wahlbetrugs laut, nachdem die Opposition bereits wenige Stunden nach der Wahl ihren Sieg erklärte und anschließend mehrere Unregelmäßigkeiten bekannt wurden. Die Wahl wurde daraufhin vom Wahlkommissionspräsidenten annulliert und innerhalb von 90 Tagen Neuwahlen angekündigt. Bis dahin blieb Präsident Ali Mohamed Shein im Amt. Nach der Bekanntgabe der Annullierung kam es jedoch zu Handgreiflichkeiten zwischen Angehörigen beider Parteien. Unter der Bevölkerung gab es glücklicherweise keine exzessiven Gewaltausbrüche - u.a. auch aufgrund einer hohen Militärpräsenz. Im März 2016 fanden auf Sansibar Neuwahlen statt, die jedoch von der Oppositionspartei CUF boykottiert wurden. Der amtierende Präsident Shein gewann die Wahl mit 91,4 % und trat seine zweite Amtszeit an. 

Wahlen 2010

Die Wahlergebnisse der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen von 2010 spiegelten nach Ansicht nationaler und internationaler Wahlbeobachter im Großen und Ganzen den Wählerwillen wider und konnten als 'frei' bezeichnet werden, auch wenn es Unregelmäßigkeiten gab. Ob sie auch 'fair' waren, ist umstritten: Die CCM profitierte nicht nur von ihrer großen politischen Erfahrung, sondern auch von der Verfügungsgewalt, die sie als Regierungspartei über die für den Wahlkampf wichtige Organisationsstruktur hat (z.B. Fahrzeuge, Einfluss auf die Medien, etc.). Auch die Tatsache, dass die gesamte tansanische Wahlkommission verfassungsgemäß vom Präsidenten ernannt wird, ist in diesem Zusammenhang immer wieder Gegenstand der innenpolitischen Diskussion - auch im Hinblick auf eine mögliche Verfassungsänderung.

Zudem tauchen immer wieder Meldungen auf, die von einem gewalttätigen und repressiven Umgang mit Oppositionellen berichten. Gründe dafür sind das Erstarken der Oppositionsparteien und die daraus resultierenden Machtkämpfe.

Wahlkampf der CCM, © Scheidtweiler
Wahlkampf der CCM, © Scheidtweiler

Auf Sansibar hätte die CCM schon bei den ersten freien Wahlen (1995) den sicher geglaubten Wahlsieg beinahe an die Civic United Front (CUF) verloren, welche bis heute die Bevölkerungsmehrheit auf der Insel Pemba hinter sich hat. Die CUF, so argwöhnt die CCM, sei von Separatisten gelenkt, die Sansibar aus der Union mit dem Festland lösen wollen. Die CCM glaubte daraus die Legitimation für ein außerordentlich autoritäres Vorgehen gegen vermeintlich illegale Aktivitäten der Opposition ableiten zu können. Nach den Wahlen im Jahre 2000 wurde der Konflikt derart gewaltsam, dass es sogar politische Flüchtlinge gab, die vorübergehend in Kenia Zuflucht suchten.

Durch ein Referendum, bei dem sich zwei Drittel der Wähler für eine "Regierung der nationalen Einheit" entschieden haben, wurde vor den letzten Wahlen eine Lösung für den jahrelangen Konflikt der beiden Parteien herbeigeführt. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl fiel nur knapp zugunsten von Ali Mohamed Shein von der CCM aus, der mit 50,1 % der Stimmen nur einen Prozentpunkt vor dem schon seit 1995 kandidierenden Seif Sharif Hamad von der CUF lag. Im House of Representatives bekam die CCM 28 und die CUF 22 der insgesamt 50 Sitze.

Die Ereignisse auf Sansibar hatten zuvor einen Schatten auf das Image Tansanias geworfen. Der Bertelsmann-Transformations-Index (BTI) stellt dem Festland ein für afrikanische Verhältnisse schmeichelhaftes Zeugnis aus, bezeichnet aber auch die letzten Wahlen Sansibars als weder frei noch fair. Im weniger umfassenden Freedomhouse-Ranking gilt Tansania als "teilweise frei" (und steht dabei besser da, als alle seine Nachbarländer).

Menschenrechte

Auch die Menschenrechtssituation in Tansania blieb von den Konflikten in und um Sansibar nicht unberührt. Wer aus Pemba, der Hochburg der CUF stammt, konnte leicht unter Generalverdacht geraten und bekam die Vormachtstellung der CCM oft über Gebühr zu spüren. Insgesamt kann aber die Situation der Menschenrechte in Tansania im afrikanischen Vergleich durchaus als befriedigend gelten, auch wenn das U.S. Department of State und Amnesty International erhebliche Defizite aufzeigen.

Die Beschneidung von Mädchen und Jungen ist in Tansania weit verbreitet. Seit 1998 ist die Beschneidung von Mädchen als Menschenrechtsverletzung anerkannt und unter Strafe gestellt. In Tansania sind 15 % der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) betroffen, mit sinkender Tendenz. Allerdings sind die Anteile in einigen Regionen um ein Vielfaches höher, da die weibliche Beschneidung nur von bestimmten Ethnien praktiziert wird. 

Eine Studie aus dem Jahr 2009 zeigte alarmierende Ergebnisse auf, die auf eine weitverbreitete mentale, sexuelle und physische Gewalt an Kindern hinweisen. Jedes vierte Kind war bereits Opfer sexueller Gewalt vor Vollendung des 18. Lebensjahres und drei Viertel der Befragten erlebten physische Gewalt am eigenen Körper in ihren Kinderjahren. 

Homosexualität ist in Tansania nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu und homosexuelle Handlungen werden von staatlicher Seite bestraft. Auch Präsident Magufuli leitete jüngst Maßnahmen ein, um gegen Homosexualität im Land vorzugehen.

Tansania ist in den vergangenen Jahren zudem immer wieder wegen grausamer Morde an Menschen mit Albinismus in die Schlagzeilen geraten. Albinismus wird hier einerseits vielfach als Makel (sogar als Fluch) betrachtet, andererseits werden ihm von einigen traditionellen Heilern glücksbringende Kräfte zugeschrieben.

Korruption

Transparency International führt Tansania beim Corruption Perception Index auf Platz 103 von 180 Staaten auf. Auch wenn Tansanias Platzierungen gegenüber anderen Staaten Afrikas noch vergleichsweise gut sind, stellt die Korruption ein erhebliches Entwicklungshindernis dar, weil sich zu viele Menschen auf Kosten der Allgemeinheit bereichern oder Vorteile verschaffen. Der East African Bribery Index 2014 Report beschreibt die Situation sehr detailliert und weist Tansania unter den fünf Mitgliedsstaaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft den zweiten Platz hinter Burundi zu. Die tansanische Polizei gilt im regionalen als auch im internationalen Vergleich als korruptionsbelastet und bestechlich. Unter den ostafrikanischen Ländern wird die Korruptionsanfälligkeit von Tansanias Polizei auf Platz zwei eingestuft. Auch die Wahrnehmung der tansanischen Bevölkerung bestätigt die weitverbreitete Korruption im Land.  

In den Jahren 2007 und 2008 wurden die Schlagzeilen in und über Tansania von Korruptionsskandalen beherrscht - Minister, sogar der Premierminister (Lowassa), mussten ihre Posten räumen. 2012 wurde ein massiver Missbrauch öffentlicher Gelder in mehreren Ministerien bekannt, woraufhin der Präsident Kikwete sieben Minister entlassen hat. Der jetzige Präsident hat die Korruptionsbekämpfung zu einem 'Flaggschiffthema' erklärt.

Außenpolitische Themen

Tansania gehört für viele Geberländer zu den 'Musterschülern' des Kontinents und genießt auch bei anderen afrikanischen Regierungen einen guten Ruf als 'Hort des Friedens'. Die deutsch-tansanischen Beziehungen gelten als weitgehend problemfrei und freundschaftlich. Tansania hat zwar afrikanische Befreiungsbewegungen im Unabhängigkeitskampf unterstützt, sich aber ansonsten außenpolitisch weitgehend neutral verhalten. 

Zahlreiche Flüchtlinge aus den bürgerkriegsgeplagten Nachbarländern wurden in Tansania von internationalen Hilfsorganisationen versorgt, stellten aber gleichwohl die betroffenen Regionen im Westen des Landes auf eine Belastungsprobe. Die Unruhen nach der Wahl im Nachbarland Burundi haben weitere Flüchtlingsbewegungen zur Folge gehabt, deren Anzahl sich mittlerweile auf über 110.000 Flüchtlinge erhöhte. 

Zukunftsweisend und von weitreichender Bedeutung für die Mitgliedsstaaten ist der erneute Zusammenschluss von Kenia, Uganda und Tansania - im Jahr 2007 erweitert um Burundi und Ruanda - zur East African Community (EAC). Das Sekretariat der Gemeinschaft befindet sich auf tansanischem Boden (Arusha). Im Jahr 2010 wurde das Protokoll für einen Gemeinsamen Markt unterzeichnet. Auch wenn die Entwicklung in Tansania sehr dynamisch verläuft, so ist der Nachholbedarf, insbesondere zum Nachbarland Kenia, in vielen Bereichen groß - so auch die Sorge, dass die Gemeinschaft für Tansania mehr Nachteile als Vorteile bringen könnte. 

Tansania ist außerdem der nördlichste Mitgliedsstaat der 'Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika' (Southern African Development Community, SADC, meist "Sadec" gesprochen). Die meisten SADC-Länder bekämpften ursprünglich als sog. 'Frontstaaten' die weißen Minderheitenregime im südlichen Afrika. Außerdem verband sie der Wille, durch Geschlossenheit ein Gegengewicht zur wirtschaftlichen Übermacht Südafrikas zu bilden. Die Hoffnung, dass Südafrika mit seinem Beitritt im Jahre 1994 auch die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern wie Tansania steigern würde, hat sich nicht wirklich erfüllt. 

Die Beziehungen zur Volksrepublik China haben in Tansania eine lange Tradition. Das wachsende Interesse Chinas an Afrika ist auch und besonders in Tansania sehr sichtbar: Das Handelsvolumen ist seit 2001 fast um den Faktor 20 angestiegen und die Zahl der in Tansania lebenden Chinesen ist im selben Zeitraum von 30 auf 3.000 gewachsen.

Zu den USA unterhält Tansania gute diplomatische Beziehungen. Die Zusammenarbeit der beiden Länder liegt vor allem in den Bereichen Gesundheit, Lebensmittelversorgung, nachhaltige Entwicklung und Austauschprogrammen.

Zwischen Tansania und Malawi gibt es ungelöste Streitigkeiten um den Grenzverlauf am Nyasasee (Malawisee), in dem Erdöl-/Erdgasvorkommen vermutet werden. Malawi besteht auf die in der Kolonialzeit gezogenen Grenzen, wonach Tansania keinen Anspruch auf den See hätte. Tansania hingegen sieht den Grenzverlauf in der Mitte des Sees und beruft sich dabei auf das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. 

Medienlandschaft

Die Medien spielen für die Demokratisierung des Landes eine herausragende Rolle. Neben mehr als 500 Printmedien wird laut einer Studie zur Medienlandschaft in Tansania v. a. das Radio von 85 % der Bevölkerung als Informationsquelle genutzt. Das Fernsehen spielt nur für 27 % der Bevölkerung eine Rolle, Internet gar nur für 14,5 % (während 62 % Mobiltelefone nutzen). Des Weiteren lassen sich regionale Unterschiede bei der Nutzung der Medien feststellen; während in größeren Städten wie Daressalam vermehrt das Fernsehen genutzt wird, dient in ländlichen Gebieten größtenteils nur das Radio als Informationsquelle.

Der teilweise sehr autoritäre Umgang der Regierung mit den privaten Medien (Beispiel MwanaHALISI oder EastAfrican) und mit dem Internet wird mit großer Sorge beobachtet. Im März 2018 erließ Magufuli ein Gesetz, welches die Veröffentlichung von Online-Inhalten stark reguliert. Tansania erreicht beim 'afrikanischen Medienbarometer' für die Unabhängigkeit der Medien nur die halbe Punktzahl. Auch bei Reporter ohne Grenzen fiel Tansania in seinem Ranking um 10 Plätze auf Rang 93 von 180 Ländern. Gründe hierfür sind das spurlose Verschwinden eines Zeitungskorrespondenten im November 2017, der zu einer Mordserie an Polizisten und lokalen Regierungsvertretern recherchierte. Ebenfalls wurde der Gründer einer populären Nachrichtenplattform bereits mehrere Male vor Gericht geführt, um an die Quellen seiner Berichterstattung zu gelangen. Zusätzlich soll die Informations- und Meinungsfreiheit in einer neuen 'Media Bill' von Präsident Magufuli gesetzlich beschnitten werden. Sein Kommentar, dass Pressefreiheit seine Grenzen hat, bereitet derzeit Grund zur Sorge für Journalisten in Tansania.

Man bedenke jedoch, dass es kritische Medien überhaupt erst seit Anfang der 1990er Jahre gibt und dass sie seither schon einige ranghohe Politiker zu Fall gebracht haben, was zuvor undenkbar gewesen wäre.

Aufgrund von erleichtertem Zugang zum Internet und ansteigender Nutzung sozialer Medien spielen auch Blogs eine vermehrt wichtigere Rolle. 

Aus den vielen Nachrichtenquellen für die Tagespolitik in Tansania im Internet können hier nur wenige aufgeführt werden:

Daily News [Engl.]

Daily News -
größte Tageszeitung, regierungsnah

Global Publishers - Online Zeitung auf Swahili

The Citizen - englisch-sprachige Onlinezeitung

Tansania-Information

Tansania Information -
sehr guter Pressespiegel auf Deutsch

AllAfrica - Tagespolitik auf Englisch

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2018 aktualisiert.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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