Tansanische Frauen auf dem Weg in ihr Dorf
Alphabetisierte Erwachsene
70,6 % (2015)
Bedeutende Religionen
Christentum (60 %), Islam (36 %) (2010)
Städtische Bevölkerung
32 % (2016)
Lebenserwartung (m/w)
63 / 66 Jahre (2018)
Gender Inequality Index
Rang 130 von 160 (2017)
Anzahl der Geburten
4.77 / Frau (2017)
Kindersterblichkeit
43 / 1000 Lebendgeburten (2016)

Ethnische Gruppen und Sprachen

Eine Frau des Massai-Stamms
Eine Frau des Massai-Stamms © Umberto de Peppo Cocco (CC BY-NC-ND 2.0)

Die letzte offizielle Volkszählung wurde 2012 durchgeführt. Nach aktuellen Schätzungen leben heute in Tansania ca. 55,5 Millionen Menschen - 1967 waren es nur 12 Millionen. Die Hälfte der Bevölkerung, die momentan jährlich um ca. 2,7 % wächst, besteht aus Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Regierung möchte auf diesen Trend reagieren und die Geburtenrate senken. Gerade in den Städten, in denen schon mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt, schreitet die 'Modernisierung' im sozialen und kulturellen Bereich schnell voran. 

Die ethnische Vielfalt Afrikas ist beinahe so groß wie jene der gesamten übrigen Welt. Allein in Tansania gibt es etwa 155 verschiedenen Ethnien, jeweils mit eigener Sprache. Nur wenige Volksgruppen haben mehr als eine Million Angehörige, wodurch sich keine Ethnie politisch oder wirtschaftlich profilieren konnte. Die größte mediale Sichtbarkeit hat jedoch das Volk der Massai, dabei hat dieses nilotische Volk nur einen Bevölkerungsanteil von 1 %. Die mit Abstand größte Ethnie (Bantu) stellen die Sukuma südlich des Viktoriasees. Ethnische Konflikte und Tribalismus spielen in Tansania praktisch keine Rolle. Dazu beigetragen hat außerdem die starke Betonung auf Einigkeit unter Tansanias ersten Präsidenten Julius Nyerere.  In Tansania ist man stolz darauf, dass das Swahili zur nationalen Identität beigetragen hat. Im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Staaten, in denen es neben den Lokalsprachen meist nur eine europäische Amtssprache zur Verständigung im beruflichen Umfeld gibt, wird in Tansania von fast allen Menschen das Swahili als gemeinsame Amts-, Verkehrs- und Umgangssprache akzeptiert. Die zweite Amtssprache, Englisch, wird in Tansania dagegen selbst auf höchster Ebene oft nur dann verwendet, wenn Ausländer anwesend sind. Swahili wurde auch neben Englisch, Französisch, Portugiesisch und Arabisch als offizielle Arbeitssprache der Afrikanischen Union zugelassen.

Soziale Strukturen

Älterer Herr bietet Tonkrüge an
Wenn die Unterstützung durch die Kinder nicht reicht, muss auch im Alter hinzuverdient werden - z.B. durch den Verkauf von Tonkrügen (© Scheidtweiler)

In Tansania erreichen formalisierte soziale Sicherungssysteme nicht einmal 3 % der Bevölkerung. Selbst die relativ kleine Gruppe der formal Beschäftigten, die in eine Rentenkasse einzahlt, kann nicht auf eine existenzsichernde Altersrente hoffen. In eine Krankenversicherung zahlen oft nur diejenigen ein, die sich diesen 'Luxus' leisten können und an eine Arbeitslosenversicherung ist gar nicht erst zu denken. Wer alt, arbeitslos, arm oder krank wird, ist auf die Solidarität in der Großfamilie angewiesen ('economy of affection'). Dass eine Gesellschaft, in der jeder Zweite unter der Armutsgrenze lebt, an diesen Herausforderungen nicht völlig scheitert, ist nur dem traditionellen System der gesellschaftlichen Kohäsion zu verdanken. Da dieses jedoch von den erfolgreichen Mitgliedern der Gesellschaft Einkommensverteilung verlangt, und somit auch ein erhebliches Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung darstellt, steht es unter einem erheblichen Modernisierungsdruck.

Frauen beim gemeinsamen Vorbereiten einer Mahlzeit
Frauen tragen einen großen Teil der Arbeitslast in Haus- und Landwirtschaft - Solidarität ist dabei wichtig und äußert sich zunehmend auch in zivilgesellschaftlichen Strukturen (© Scheidtweiler)

Gerade in den Städten ist - aufgrund von steigender Landflucht - von den alten sozio-kulturellen Strukturen häufig nicht mehr viel übrig, während neue tragfähige Strukturen, die diese ersetzen könnten, noch nicht entstanden sind. Gerade die Frauen, von denen nur sehr wenige eine gut bezahlte Anstellung haben, tragen einen großen Teil der Last. Obwohl sie neben dem Haushalt auch für die Versorgung der Kinder, der Pflegebedürftigen und nicht selten der arbeitslosen Männer zuständig sind, werden die bestehenden Frauenrechte oft durch religiöse und gewohnheitsrechtliche Praktiken unterlaufen. Ein gängiges Problem ist auch die Verheiratung von minderjährigen Mädchen: Einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge werden 4 von 10 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag und 7 % vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Dagegen engagiert sich die Frauenbewegung, die in Tansania zivilgesellschaftlich recht gut verankert ist, beispielsweise im Tanzania Gender Networking Programme. Im Jahr 2016 wurde diese Praxis offiziell per Gesetz verboten.

In der Politik sind Frauen inzwischen vergleichsweise gut vertreten: sie stellen 37 % der Abgeordneten und 28 % der Minister - auch ein Drittel der Richterpositionen sind mit Frauen besetzt.

Bildung und Gesundheit

Das Bildungswesen und das Gesundheitssystem Tansanias waren einst vorbildlich in Afrika. Wegen der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Gesamtentwicklung, v.a. während der 1980er Jahre, kam es jedoch auch in diesen Bereichen zu einem massiven Zerfall. Die später eingeleiteten Strukturanpassungsmaßnahmen zielten - mit Erfolg - primär auf eine wirtschaftliche Konsolidierung und auf 'weniger Staat', wodurch sich die Lage in den staatlichen Domänen Bildung und Gesundheit zunächst weiterhin verschlechterte. Inzwischen ist die Talsohle durchlaufen. Die Reformbemühungen, aber auch der Schuldenerlass, haben signifikante Verbesserungen - sowohl im Bildungssektor als auch Gesundheitssektor ermöglicht.

Gesundheitswesen

Diese Maßnahmen werden allerdings von den verheerenden Auswirkungen des HI-Virus in Tansania überschattet: Ca. 5 % der Erwachsenen sollen in Tansania Träger dieses Virus sein, das sind insgesamt 1,4 Mio. Menschen. Die Krankheit wird in Tansania häufig als ein Fluch empfunden, was die verhängnisvolle Tabuisierung von AIDS zu Beginn der Epidemie erklärt. Seither ist jedoch - auch bedingt durch zahlreiche Präventionskampagnen - ein deutlicher Wandel zu beobachten, dem es zu verdanken ist, dass sich die Situation seit Mitte der 1990er Jahre stabilisiert, tendenziell sogar verbessert hat. Die Stigmatisierung von HIV-infizierten Menschen stellt nach wie vor ein gesellschaftliches Problem da und ist ein Hindernis in der Präventionsarbeit.

Darüber hinaus ist Malaria eine weitverbreitete Krankheit, die vor allem bei Kleinkindern und Schwangeren oft zum Tod führt. Verschiedene private und öffentliche Initiativen werden durchgeführt, um die Bevölkerung über das Krankheitsbild aufzuklären und neuen Infektionen vorzubeugen.

Ebenfalls sorgte ein Cholera-Ausbruch in 2017 für Aufsehen. Insgesamt wurden mehr als 33.000 Cholera-Fälle registriert, bei denen es über 500 Tote gab. Dies betraf vor allem Kinder unter fünf Jahren in 26 Regionen Tansanias.

Ein medizinischer Pluralismus, bei dem Patienten sich nicht nur auf akademische evidenzbasierte Medizin verlassen, sondern daneben auch alternative heilkundliche Verfahren nutzen, ist auch in Europa gang und gäbe. In Tansania nutzen besonders viele Menschen die Dienste traditioneller Heiler, auch weil das Land mit "schulmedizinischen" Einrichtungen und Fachkräften stark unterversorgt ist. In der Öffentlichkeit gehen die Meinungen zur traditionellen Medizin weit auseinander: Während einige "Wunderheiler" enormen Zulauf erfahren und insbesondere die traditionelle Naturheilkunde stärker in die moderne Medizin integriert werden soll, stehen andere Heiler unter Scharlatanerie- oder gar Mordverdacht (beispielsweise im Zusammenhang mit an Albinismus leidenden Menschen).

Um die geringe Dichte an Fachärzten in Tansania auszugleichen, versprechen Pilotmaßnahmen zur Telemedizin  eine vielversprechende Innovation zu sein, Neuerdings können Ärzte vor Ort Gewebeproben digitalisieren – und Tausende Kilometer entfernt, beispielsweise in Deutschland, untersuchen lassen. Eine weitere Innovation, die sich derzeit in derzeit in der Pilotphase befindet, ist die Belieferung von Blutkonserven durch Drohnen in entlegene Krankenhäuser. 

Bildungswesen

Schulkinder in Tansania
Tansanische Kinder bekommen eine freie Primarschulbildung © Colin J McMechan (CC BY-SA 2.0)

In den letzten Jahren wurden im Bereich der Primar- und Sekundarschulen in großem Umfang Kapazitäten ausgebaut, die erste Erfolge zeigen. Die Qualitätssicherung droht der Regierung unterdessen bei dieser 'Massification' im Bildungsbereich zu entgleiten. Während die Primarschule kostenlos ist, muss für die Sekundarschule Schulgeld bezahlt werden. Nicht immer ist dabei das nötige Geld für Schulmaterial und -uniform vorhanden. Unter dem ehemaligen Präsidenten Kikwete wurde 2015 Swahili als Unterrichtssprache im gesamten Bildungssystem festgelegt, nachdem das es seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1961 bilingual geregelt war. 

Die Zahl der Hochschulen in Tansania wächst aufgrund von Initiativen des Bildungsministeriums weiter an. Neben den älteren Hochschulen, der University of Dar es Salaam und der Sokoine University of Agriculture in Morogoro, gibt es die dezentral operierende Tumaini University der evangelisch-lutherischen Kirche (das 'Kilimanjaro Christian Medical Centre', KCMC, ist eines der besten Krankenhäuser des Landes und liegt in Moshi), sowie die St. Augustine's University der katholischen Kirche in Mwanza, die State University of Zanzibar und zahlreiche weitere Hochschulen. Dabei können Studenten verschiedene Abschlüsse anstreben, sei es einen Bachelor- oder Masterabschluss oder auch die Promotion - sowohl an einer Hochschule vor Ort oder an einer Fernuniversität.

Kultur

Ebenholzschnitzereien und sog. Antiquitäten
Polierte Ebenholzschnitzereien (l) und verstaubte 'Antiquitäten' (r) werden oft gleichzeitig angeboten (© Scheidtweiler)

Kunst

Traditionelle ostafrikanische Kunst - in Form von wertvollen Gebrauchsgegenständen, Masken, Musikinstrumenten, etc. - wird man in Tansania kaum noch antreffen. Zwar sind 'Antiques' sehr in Mode gekommen, doch handelt es sich dabei fast ausnahmslos um dekorative Plagiate. Authentische Objekte erwirbt man eher auf internationalen Auktionen. 

Tingatinga-Werke
Leuchtende Lackfarben ('Bicycle Paint') sind typisch für die meist quadratischen Tingatinga-Bilder (© Scheidtweiler)

Unter den zahlreichen Kunstformen Tansanias sind die Ebenholzschnitzereien der Volksgruppe der Makonde auf der ganzen Welt bekannt. Die Makonde stammen aus dem Grenzgebiet von Tansania und Mosambik. Leider müssen die meisten Künstler ihre Phantasie und Intuition den Gesetzmäßigkeiten des (touristischen) Marktes unterordnen, so dass sehr viel Massenware produziert wird, für die der Begriff 'Airport Art' schon ziemlich schmeichelhaft ist. Die Makonde produzieren aber neben Aschenbechern, gedrechselten Kerzenständern und allen nur erdenklichen Variationen von Holzgiraffen durchaus auch großartige Kunst. 

Die native 'Tingatinga'-Malerei ist nach einem genialen tansanischen Künstler benannt. Auch hier ist es jedoch heute nicht einfach, unter der touristischen Massenware anspruchsvolle Kunstwerke zu finden. 

Architektur

Architektonische 'Kunstwerke', die unter Denkmalschutz gestellt wurden, entstammen meist den Kulturen der Fremdherrscher und sind dementsprechend z.B. an der Küste und auf Sansibar (Stonetown) zu finden. Auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO findet man neben der Altstadt von Sansibar außerdem auch die Ruinen von Kilwa Kisiwani und Songo Mnara

Architektur aus dem 19. Jahrhundert in Stonetown
Architektur aus dem 19. Jahrhundert in Stonetown © Harvey Harrison (CC BY-SA 2.0)
Fort in Kilwa Kisiwani
Fort in Kilwa Kisiwani © David Stanley (CC BY 2.0)

Literatur und Musik

Der Literaturmarkt ist in Tansania noch sehr klein und wenige tansanische Autoren haben international Anerkennung gefunden. Zu ihnen zählt der in den 1980er Jahren verstorbene Aniceti Kitereza sowie der in London lebende Abdulrazak Gurnah.

Tansanias Musikkultur bietet eine diverse und lebensfrohe Vielfalt an. Neben der westlichen Popmusik wird in Tansania häufig eine gitarrenbetonte Tanzmusik gehört, die ursprünglich aus der Kongo-Region stammt ('Soukous') und von westafrikanischen ('Highlife') und karibischen Stilen beeinflusst ist. In den letzten Jahren ist der sogenannte "Bongo Flava" - eine Mischung aus Swahili-Rap und traditionellen Klängen - unter der einheimischen Bevölkerung, aber auch international sehr populär geworden. Die Liedtexte des tansanischen Hip-Hops behandeln oftmals sozialkritische Themen, denen die junge Generation Tansanias durch zunehmende Urbanisierung und Globalisierung ausgesetzt ist. Jedoch ist das Genre in letzter Zeit auch in die Kritik geraten, zu oberflächlich geworden zu sein und die ursprünglichen Wurzeln der Gesellschaftskritik vernachlässigt zu haben.  

Vor allem an der Küste und zu Feierlichkeiten wird die tansanische Taarab-Musik gespielt, die neben afrikanischen auch arabische und indische Musikelemente und -instrumente aufgreift. Jedes Jahr im Februar findet dazu auf Sansibar das Sauti za Busara-Musikfestival statt, welches Musiker aus ganz Ostafrika und Besucher aus aller Welt auf die Insel lockt.

Religion

Lutherische Kirche in Daressalam © Right to Health (CC BY 2.0)

Um zu verhindern, dass die Religion in Tansania, wie in anderen Ländern Afrikas, zu einem Politikum wird, wurde bei Volkszählungen seit 1967 nicht mehr nach der Religionszugehörigkeit gefragt. Man geht davon aus, dass sich das ursprünglich ausgewogene zahlenmäßige Verhältnis zwischen Christen, Muslimen und Anhängern traditioneller Religionen inzwischen zugunsten der katholischen und evangelisch-lutherischen Kirchen verschoben hat, aber auch der islamische Bevölkerungsanteil ist gewachsen. Häufig werden Elemente aus der autochthonen Spiritualität in den christlichen oder islamischen Glauben integriert (Synkretismus). Ahnenverehrung sowie Besuche bei einem traditionellen Heiler sind gängige Praxis, vor allem in ländlichen Gegenden Tansanias.

Religiöse Konflikte waren in Tansania – ebenso wie ethnische Auseinandersetzungen – weitgehend unbekannt. Erst in jüngster Zeit gibt es eine Tendenz der politischen Instrumentalisierung von Religion, insbesondere durch den Konflikt um die muslimisch geprägte CUF-Partei, die auf den Inseln Sansibars und an der Küste hohe Stimmenanteile verbuchen kann. Dabei geht es auch darum, ob Muslimen eine schariarechtliche Gerichtsbarkeit zugebilligt werden kann, was in Form von Kadi-Gerichten de facto in Sansibar schon immer der Fall war.

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2018 aktualisiert.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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