Lokaler Markt in Arusha © Feans (CC BY 2.0)
Geschätztes BIP
45,9 Mrd. US-$ (2016)
Pro-Kopf-Einkommen (Kaufkraftparität)
2.083 US-$ (2015)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 154 von 189 (2017)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
28,2 % (2012)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
37,8 (2014)
Wirtschaftlicher Transformationsindex (BTI)
Rang 81 (von 129) (2018)

Wirtschaft: System und Politik

Männer auf dem Fischmarkt
Arbeitslosigkeit ist vor allem unter der jungen Bevölkerung verbreitet © Jan Erik Paulsen (CC BY 2.0)

Die von Julius Nyerere begründete 'Ujamaa-Politik' (Swahili: Verwandtschaft, Bruderschaft) wurde zum Inbegriff des afrikanischen Sozialismus. Die Politik Nyereres hat die nationale Identität und konfliktfreie Koexistenz der vielen Ethnien gefördert. In wirtschaftlicher Hinsicht wirkten die zwei Jahrzehnte Ujamaa allerdings wie eine planwirtschaftliche Vollnarkose, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Das unter dem Druck von IWF und Weltbank 1986 eingeführte Liberalisierungsprogramm zur wirtschaftlichen Erholung war längst überfällig. Leider wurde es von einigen Akteuren als Freischein für ungezügelte Selbstoptimierung missverstanden. Der Volksmund bezeichnete diese Politik einer fehlgeleiteten Liberalisierung daher als 'Ruksa-Politik' (Swahili 'Ruhusa': Erlaubnis). 

Seither wurde durch eine stärkere Armutsorientierung mehrfach nachgebessert und die Maßnahmen zur wirtschaftlichen Konsolidierung werden in ganzheitliche Entwicklungsstrategien ('Poverty Reduction Strategy Papers', PRSP) eingebettet, die im Land selbst erarbeitet werden - so wie die derzeit gültige zweite 'Nationale Strategie für Wachstum und Armutsbekämpfung' (Abk. auf Swahili: MKUKUTA). Zivilgesellschaftliche Organisationsformen sind in Tansania noch sehr jung, werden aber vom Staat ernst genommen und auch bei der Entwicklung strategischer Ziele beteiligt. Das 2007 mit dem IWF vereinbarte "Policy Support Instrument" markiert eine Schwerpunktverlagerung von der finanziellen Unterstützung des IWF hin zu einer reinen Politikberatung.

Einen sehr guten Überblick über die Strukturreformen in Tansania und ihre Wirkungen bietet der IWF und ein Bericht der Weltbank. Im Ranking der Weltbank zu Doing-Business belegt Tansania aktuell den 137. Platz und liegt damit knapp über dem Durchschnitt von Subsahara-Afrika. 

Integrale Bestandteile der Wirtschaftspolitik sind die Privatisierung der Staatsbetriebe sowie Anreize für ausländische Direktinvestitionen. Doch ist auch von einem Ausverkauf des Landes (auch des Ackerlandes) an Ausländer die Rede, was zu Ressentiments gegenüber ausländischen Investoren (und eingebürgerten Zuwanderern) geführt hat. Ausländer sind dabei keineswegs nur als Großinvestoren in Tansania aktiv, sondern auch als Berater, Arbeitnehmer, Kleinhändler u. a.

Makroökonomisch kann Tansania heute auf viele Jahre mit kontinuierlich hohem Wachstum zurückblicken, welche im vergangenen Jahrzehnt bei sechs bis sieben Prozent jährlich lag. Dies wird jedoch von der Opposition angezweifelt. Das Wachstum zeigt sich auch an wachsenden Steuereinnahmen des Staates, allerdings müsste das Steuersystem noch deutlich verbessert werden, um die vielfältigen Herausforderungen des Landes besser bewältigen zu können. Zudem muss die Stromversorgung stabiler werden, um starke wirtschaftliche Einbußen und Unsicherheiten zu verhindern, wie der dreimonatige Stromausfall im Jahr 2010 auf Sansibar aufzeigte. 

Junge tansanische Unternehmer
Junge Unternehmer vernetzen sich © Tanzict Project (CC BY-SA 2.0)

Neue Unternehmen und Start-ups entstehen vor allem in der Hauptstadt Daressalaam, welche von jungen Tansaniern gegründet werden und so neue Arbeitsplätze schaffen.  

Wirtschaftslage

Mit der geringen Produktivität in der Landwirtschaft sind die Lebenshaltungskosten korreliert, von denen 55,9 % für die Ernährung verwendet werden. An zweiter Stelle kommt der Posten 'Fortbewegung' (9,7 %), dann 'Energie und Wasser' (8,5 %) sowie 'Getränke und Tabak' (6,9 %).

"In Tansania verdient ein Huhn, das ein Ei legt, mehr als ein Lehrer", beklagt sich ein Staatsdiener. Und doch lassen die wirtschaftlichen Kennziffern Tansania als einen 'rising star of Africa' erscheinen. Eine positive Bilanz der wirtschaftlichen Entwicklung zieht nicht nur die Weltbank. Die positiven Wirtschaftstrends, die für Tansania über viele Jahre hohe Wachstumsraten von 7 % ausgewiesen haben, waren selbst von der Weltfinanzkrise nur moderat betroffen.

Insgesamt werden Tansania beachtliche wirtschaftliche Fortschritte attestiert. Dennoch hat Tansania mehrere der 'entwicklungspolitischen Jahrtausendziele' (Millennium Development Goals) verfehlt. Die Gründe hierfür sind zahlreich und werden von Analysten entsprechend unterschiedlich gewertet. In der Wahrnehmung der Bevölkerung werden die Fortschritte recht gut bewertet, allerdings ist die Stadtbevölkerung deutlich positiver eingestellt als die Landbevölkerung.

Wirtschaftssektoren

Frauen sind häufig für die Bestellung der Felder verantwortlich © IFPRI (CC BY-NC-ND 2.0)
Frauen sind häufig für die Bestellung der Felder verantwortlich © IFPRI (CC BY-NC-ND 2.0)

Landwirtschaft & Fischerei

Die Landwirtschaft wird noch lange einen großen Anteil (29% in 2015) am Bruttoinlandsprodukt des Agrarstaates Tansania halten. Sie dient vier Fünftel der Bevölkerung der eigenen Subsistenz, bzw. ist deren wichtigste Einnahmequelle. Bis zu 65% der Bevölkerung sind in diesem Sektor beschäftigt. Die wichtigsten Anbauprodukte (auch für den Export) sind vor allem Reis, Weizen, Mais und Soja. Das Hauptnahrungsmittel ist ein dicker Maisbrei (Ugali), der häufig mit Bohnen oder Blattgemüse und - wenn verfügbar - Fleisch verzehrt wird. Die Landwirte haben zwar von der Deregulierung der Märkte profitiert, allerdings ist das Gesamtniveau der landwirtschaftlichen Produktion nach wie vor ausgesprochen niedrig, so dass es regional immer wieder zu Hungersnöten kommt. Nach wie vor benötigt der Agrarsektor neue Investitionen und Finanzierungsmodelle, um die Landwirtschaft in Tansania weiterzuentwickeln. Wie in anderen afrikanischen Ländern bleibt der ländliche Raum weit hinter den Entwicklungen in den Städten zurück: Während auf dem Land selbst die Stromversorgung vielerorts eine vage Zukunftsvision ist, wird in den Städten längst mit kabellosen Internet-Verbindungen weltweit kommuniziert. 

Die Fischerei spielt nicht nur an der Küste, sondern auch an den großen Seen, insbesondere dem Viktoriasee, eine große Rolle - vielfach verbunden mit einer hohen Umweltbelastung und illegaler Fischerei, die die Existenz vieler Menschen bedroht. Ein weiteres Problem ist das Dynamitfischen, welches in Tansania trotz verstärkter Fahndung immer noch praktiziert wird und massive Schäden an Korallenriffen verursacht.

Industrie und Bergbau

Das Handwerk ist in Tansania, ebenso wie die industrielle Produktion, noch schwach ausgebildet. Tansania zählt zu den am wenigsten industrialisierten Ländern der Welt. Nur 5% der Arbeitskräfte sind an der industriellen Produktion beteiligt, die sich zudem auf die Städte Daressalam und Arusha konzentriert. Studien bescheinigen Tansania dennoch grundsätzlich sehr gute Wachstumsperspektiven. Unter den Wirtschaftssektoren ist v.a. der Bergbau examplarisch für diese ambivalente Entwicklung: Dieser wird von ausländischen Unternehmen dominiert, hat aber auch in besonderer Weise zum Aufschwung der Wirtschaft beigetragen und ist der große Hoffnungsträger der Konjunktur. Beim Bergbau hat insbesondere die industrielle Goldgewinnung, aber auch der Kleinstgoldbergbau erheblichen Anteil an dieser Entwicklung. Sehr umstritten ist zudem der geplante Uranabbau in Tansania, der neben Gas- und Ölproduktion die industrielle Entwicklung ankurbeln soll.  

Tourismus

Tansania gilt mit seinen berühmten Nationalparks, der sagenumwobenen Gewürzinsel Sansibar und dem Kilimandscharo als eines der beliebtesten Urlaubsländer in Afrika. Die UNESCO hat in Tansania sieben Stätten als Welterbe anerkannt. Jährlich strömen über eine Million Urlauber in das ostafrikanische Land, um die facettenreiche Natur und Kultur Tansanias zu erleben. Deutschland macht nach den USA und Großbritannien den drittgrößten Anteil der Besucher im Festland Tansanias aus. 

Der Tourismussektor ist mit einem Anteil von 8,2 % der Gesamtbeschäftigung im Jahr 2017 einer der wichtigen Arbeitgeber und beschäftigte direkt 446.000 Tansanier. Die Einnahmen durch den Tourismus betrugen im gleichen Jahr knapp 2,7 Milliarden USD, welche einen Direktanteil von 4,7 % des tansanischen BIP ausmachten. Der Tourismus ist inzwischen zum größten Devisenbringer geworden und ist mit einer erwarteten Wachstumsrate von 7,2 % pro Jahr bis 2028 einer der schnellst-wachsenden Industriezweige des Landes.

Ein Bericht der Weltbank bestätigte das touristische Potenzial Tansanias, welches bisher nur zu einem geringen Anteil ausgeschöpft sei. Beispielsweise habe Tansania mehr touristische Attraktionen als Südafrika, erreiche jedoch nur ein Zehntel von dessen Besucherzahlen. Die Weltbank empfiehlt eine Reihe von Handlungsoptionen, wie z.B. eine geographische Diversifizierung, eine stärkere Beteiligung von lokalen Gemeinden und Kleinunternehmen sowie eine Vereinfachung der staatlichen Besteuerung für Tourismus-Unternehmen. Reiseanbieter melden in jüngster Zeit leicht zurückgehende Besucherzahlen und führen dies auf den hohen Mehrwertsteuersatz von 18 % zurück. Die Weltbank stellt Tansania einen Kredit über 150 Millionen USD zur Verfügung, um nachhaltigen Tourismus im Süden des Landes und stärker zu entwickeln. 

Weitere Herausforderungen sind die oft unzureichende Ausbildung von einheimischen MitarbeiterInnen im Beherbergungs- und Transportgewerbe sowie ein erschwerter Zugang zu einer Arbeitserlaubnis für ausländisches Fachpersonal. Das nationale Tourismus-Kolleg soll daher praxisnäher ausbilden. Zudem können Touristen-Führer eine formale Ausbildung absolvieren, um ihre fachliche und ethische Kompetenz zu steigern.

Informeller Sektor

Per Definition ist der informelle Sektor jener Teil der Volkswirtschaft, der nicht in der offiziellen Statistik erfasst ist. Amtliche Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass de facto mehr als die Hälfte des Volkseinkommens von 'fliegenden Händlern' (Wamachingas), Straßenküchen (Mama Lishe) und anderen Tätigkeiten im 'Heiße-Sonne-Sektor' (Jua-Kali-Sektor) Tansanias erwirtschaftet wird. Der Ausbau des Mikrofinanzwesens soll auch dem informellen Sektor neue Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Die Entwicklung des 'Mobile Money', bei dem man per Mobiltelefon Geldüberweisungen tätigen kann, ist vor allem für die ländliche Bevölkerung von Bedeutung, die bisher von Bankgeschäften weitgehend ausgeschlossen war. Knapp 50 % der erwachsenen Bevölkerung Tansanias nutzt mittlerweile diesen Service.

Kleine kreative Straßenläden gehören zum Stadtbild Tansanias © Christiane Birr (CC BY-SA 2.0)
Kleine kreative Straßenläden gehören zum Stadtbild Tansanias © Christiane Birr (CC BY-SA 2.0)

Außenhandel & Verschuldung

Exportprodukte aus dem Bergbau (Edelmetalle, v. a. Gold) und der Landwirtschaft (Tabak, Kaffee, Tee,  Cashewnüsse) tragen erheblich zur Verbesserung der Außenhandelsbilanz bei. Zu den wichtigsten Abnehmerländern zählen Indien und China in Asien sowie die Schweiz und Deutschland in Europa, aber auch Südafrika und Kenia innerhalb Afrikas. Importiert werden v.a. Maschinen und Fahrzeuge, Erdöl und chemische Erzeugnisse, Produktionsmittel und Konsumartikel. Der wichtigste Handelspartner ist hier China, gefolgt von Indien, Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Malaysia. Die Staaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (Burundi, Kenia, Ruanda, Tansania, Uganda) haben seit dem 1. Januar 2010 eine uneingeschränkte Zollunion, seit dem 1. Juli 2010 sogar einen gemeinsamen Markt, der u.a. durch den freien Verkehr von Waren, Kapital und Arbeitskräften gekennzeichnet ist. Auch die GIZ unterstützt seit dem Jahr 2004 die Integrationsprozesse der Ostafrikanischen Gemeinschaft. Um der Privatwirtschaft den Zugang zu den Märkten der umliegenden Länder zu erleichtern, wurden in Tansania 'Export Processing Zones' eingerichtet. Darüber hinaus ist auch eine Währungsunion nach Vorbild der Euro-Zone geplant, die bisher jedoch noch nicht umgesetzt wurde.

Tansania ist ein Land mit hoher Staatsverschuldung. Es gehört jedoch auch zu den ersten und größten Nutznießern der Initiativen für 'Heavily Indepted Poor Countries (HIPC)' und der 'Multilateral Dept Relief Initiative (MDRI)'. Eine vollständige Entschuldung wurde dabei allerdings keineswegs herbeigeführt und die Staatsverschuldung hat inzwischen - auch in Relation zum Bruttosozialprodukt - wieder sehr hohe Werte erreicht. Tansania bleibt weiterhin in hohem Maße abhängig von zinsgünstigen Krediten und Schenkungen. Es wird erwartet, dass der Staatshaushalt auch in den kommenden Jahren zu etwa 40 % aus dem Ausland finanziert wird.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Nationale Anstrengungen

Die Entwicklung der Landwirtschaft gehört zu den Prioritäten der tansanischen Regierung
Die Entwicklung der Landwirtschaft gehört zu den Prioritäten der tansanischen Regierung (© Scheidtweiler)

Tansania auf eigene Füße zu stellen ('self-reliance'), war eines der Ziele von Julius Nyereres Ujamaa-Politik. Anspruch und Wirklichkeit liegen jedoch weit auseinander. Zwar hatte die Hilfe aus dem Ausland auch positiven Einfluss auf politische Reformen und Demokratisierung Tansanias, dennoch gehört Tansania nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt.

Kaum ein anderes Land wurde derart mit Hilfe überschüttet wie Tansania - und mit derart wenig Erfolg. Der Begriff 'Donor-economy' beschreibt eine Wirtschaft, die zu einem großen Teil fremdfinanziert ist, was auf Tansania zutrifft.

Viele Tansanier sind bemüht, Mitarbeiter in einem der internationalen Projekte zu werden. Ein besonders weit verbreiteter Projektautotyp wurde in der 'Pajero-Kultur' Tansanias zum Sinnbild für beruflichen Erfolg. Dabei hat das 'Nikolaus-Syndrom' der Geber auf der Empfängerseite das 'Abhängigkeitssyndrom' verstärkt.

Der Mangel an Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, der durch den Sklavenhandel, die Kolonialzeit und die Alleinherrschaft der CCM eine lange Vorgeschichte hat, ist nur schwer zu überwinden.

Tansania hat sich vor Jahren mit der 'Vision 2025' ehrgeizige nationale Entwicklungsziele gesetzt (zu ehrgeizig, wie der Politologe Ernest T. Mallya befindet).

Die entwicklungspolitischen Jahrtausendziele (Millennium Development Goals) konnte Tansania bis 2015 nicht alle erreichen: zu hoch ist der Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 1 US$ am Tag leben muss, zu hoch ist die Müttersterblichkeit und zu gering ist der Bevölkerungsanteil, der Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Jedoch herrscht in der Bevölkerung eine Grundstimmung, dass ein wesentlicher Fortschritt in den verschiedenen Bereichen zugange ist.

Zudem ist Tansania bestrebt die Sustainable Development Goals (SDGs) umzusetzen. Es ist eins von acht Ländern, die Teil der Post-2015 Data Test Initiative sind, welche die Durchsetzbarkeit, sowie Prioritäten und Möglichkeiten der SGDs in Ländern mit verschiedenen Einkommenskategorien untersucht. 

Die Zivilgesellschaft Tansanias (NRO, Verbände, Selbsthilfegruppen, etc.) wird zunehmend an entwicklungspolitischen Prozessen beteiligt. Sie ist noch vergleichsweise jung, wächst aber in ihre Rolle als wirkungsvolles Korrektiv von Wirtschaft und Politik hinein. Seit der politischen Liberalisierung wollen aber immer mehr Menschen mitbestimmen und die Verantwortung für die Entwicklung ihrer Gemeinschaften selbst in die Hand nehmen. Die Liste der am Entwicklungsprozess des Landes beteiligten nationalen und internationalen Organisationen hat einen eindrucksvollen Umfang erreicht. Die Dachorganisation der tansanischen Nichtregierungsorganisationen ist die 'Tanzania Association of Non-Governmental Organizations' (TANGO). Leider sind nicht alle NGOs, die sich als lokale Partner für Entwicklungsprogramme empfehlen, von Bürgersinn geleitet und am Gemeinwohl orientiert.

Aber: Wer sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichert, riskiert, von der freien Presse angeprangert zu werden und mancher ist bereits von einem hohen Amt zurückgetreten. Das war in den 1980er Jahren noch fast undenkbar. Tansania hat das Image eines 'Fasses ohne Boden' verloren und ist wieder zu einem Hoffnungsträger geworden.

Deutsch-Tansanische Zusammenarbeit

Aussaat in Kooperation
Aussaat in Kooperation © UN Women Tanzania/Deepika Nath (CC BY-NC-ND 2.0)

Tansania gehört als beständiges und politisch stabiles Land zu den zentralen Kooperationsländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ). 

Mit der Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit den 1990er Jahren haben sich die Chancen auf nachhaltige Erfolge durch die EZ verbessert. Die Schwerpunkte der deutschen EZ in Tansania liegen im Bereich der Wasserversorgung und Abfallentsorgung, des Gesundheitswesens sowie der Umwelt und natürlichen Ressourcen. Auf der Liste der Empfänger deutscher Entwicklungshilfe der letzten 10 Jahre steht Tansania auf Platz 30. 

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), gelten als zentrale Akteure deutscher Entwicklungsaktivitäten in Tansania, welche zudem im Bereich nachhaltiger Energieversorgung tätig sind. 

Viele weitere deutsche Akteure sind an der internationalen Zusammenarbeit mit Tansania beteiligt: so etwa das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM), das Goethe-Institut, die beiden großen deutschen Kirchen (EED/Brot für die Welt, Misereor), die Sparkassenstiftung sowie die politischen Stiftungen (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Hanns-Seidel-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung).

Aber auch die kommunale Zusammenarbeit einzelner Bundesländer und deutscher Städte mit Tansania weisen zahlreiche Projekte auf. Niedersachsen unterstützt seit 2010 gezielt Projekte in Tansania, die an vorhandene Strukturen anknüpfen und sie weiter ausbauen. Inhaltlich geht es dabei um den schulischen und beruflichen Bildungsbereich, die Forschung (Nachwuchs- und Forschungsförderung, Aus- und Fortbildung von Fachkräften der Sonderpädagogik, Schulprojekte), die Versorgung mit erneuerbaren Energien sowie landwirtschaftliche Zusammenarbeit zur Stärkung von Kleinbäuerinnen und –bauern. Die Stadt Hamburg unterhält ebenfalls seit 2010 eine Städtepartnerschaft mit Daressalaam. Im Jahr 2016 wurde die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ) ins Leben gerufen, bei dem deutsche und tansanische Jugendliche an einem Austauschprogramm teilnehmen können. 

Multilaterale und weitere bilaterale Partner

Ein großer Teil der internationalen Entwicklungszusammenarbeit in Tansania konzentriert sich mit über einem Drittel auf den Gesundheitssektor. Weitere Bereiche sind der Ausbau von Infrastruktur und Bildungseinrichtungen. In den vergangenen Jahren sind die staatlichen Leistungen (ODA) jedoch insgesamt etwas zurückgegangen. 

Die bilateralen Partnerschaften sollen mit den Bemühungen anderer Akteure weitestgehend harmonisiert werden. Hierzu haben sich zahlreiche bilaterale und multilaterale Akteure zu einer Development Partners Group zusammengeschlossen. Dabei soll die Zivilgesellschaft des Landes (NROs, Verbände, Selbsthilfegruppen, etc.) so gut wie möglich beteiligt werden.

Neben Deutschland sind die wichtigsten bilateralen Partner Tansanias die USA (USAID), Großbritannien (DFID), Japan (JICA) und die skandinavischen Staaten, vor allem Schweden (SIDA).

Des Weiteren ist China als verstärkter Akteur zu einem engen Partner für Tansania geworden. Vor allem in den Bereichen Infrastruktur, im Gesundheit- und Bildungssektor sowie in der militärischen Unterstützung erfolgten zahlreiche Investitionen von Seiten der Volksrepublik und wird daher von der tansanischen Regierung als Geschäftspartner geschätzt. Jedoch ist die Rolle Chinas in der Entwicklung Tansanias umstritten: Korruptionsvorwürfe und Ausbeutung von Tansanias natürlichen Ressourcen sind wiederkehrende Kritikpunkte an Chinas Tansaniapolitik.

Die wichtigsten der in Tansania tätigen multilateralen Organisationen und Institutionen sind AFDB, EU, IWFUNDPWeltbank, WFP.

Ebenso treten vermehrt auch private Stiftungen auf (wie z.B. die Bill and Melinda Gates Stiftung), die sich in der Entwicklungspolitik engagieren.

Ein weiterer Trend in der Entwicklungszusammenarbeit, der auch in Tansania zu finden ist, ist die Entwicklungsförderung durch die Privatwirtschaft. Befürworter dieses Ansatzes betonen die Chancen für die Mobilisierung von Finanzen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Allerdings stößt dieser Ansatz auch auf Kritik, derartige Maßnahmen seien eine Art der eigenen Außenwirtschaftsförderung.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im September 2018 aktualisiert.

Literaturhinweise

Weiterführende Literatur zu den Themen:

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