Schulklasse in Assahoun © Otto Frick
Alphabetisierte Erwachsene
63,7 % (2015, geschätzt)
Bedeutende Religionen
Trad. Rel. 50 %, Christentum 30 %, Islam 20 %
Städtische Bevölkerung
42 % (2018)
Lebenserwartung (w/m)
63 / 68 Jahre (2017, geschätzt)
Gender Inequality Index
Rang 140 von 160 (2017)
Anzahl der Geburten
4,38 / Frau (2017, geschätzt)
Kindersterblichkeit
42 / 1000 Lebendgeburten (2017, geschätzt)

Ethnische Struktur

Die Bevölkerung setzt sich aus mehr als 40 verschiedenen Ethnien zusammen, mit z. T. sehr unterschiedlichen Lebensgewohnheiten, Glaubensbekenntnissen und Sprachen. Infolge der von europäischen Regierungen um 1900 endgültig festgelegten Kolonialgrenzen in Togo sind heute viele dieser Ethnien auf zwei Staaten verteilt. Durch die unterschiedlichen Entwicklungen in Südtogo und in Nordtogo resultiert ein Konfliktpotenzial, das sowohl die Kolonialregierungen wie auch die des unabhängigen Togo für ihre Politik nutzten. Von Bürgerkriegen und größeren interethnischen Konflikten, wie in manchen Staaten Westafrikas, ist Togo verschont geblieben.
Die Menschen in Südtogo unterhalten seit über 500 Jahren Kontakte und Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika. Missionare, Kaufleute und Kolonialverwaltung ließen sich im Süden nieder, gründeten Schulen, förderten Handwerk, Handel und Infrastruktur, während der Norden bis in die 1960er Jahre mehr oder weniger sich selbst überlassen blieb. Erst in der Ära Eyadéma wurde der Norden, speziell dessen Heimatregion, gezielt gefördert. Wichtige Schlüsselpositionen in Politik, Militär, Wirtschaft und Verwaltung wurden mit Kabyé aus der Ethnie Eyadémas besetzt, was in anderen Landesteilen kritisch aufgenommen wurde. Der Autor Toulabor beschreibt im Artikel "Der Dinosaurier von Lomé" die "Ethnopolitik" Eyadémas und die inszenierte "Togolité", den Schöpfungsmythos der Kabyé. Ein Artikel von icilomé widmet sich dem Tribalismus während der Autor G. Tété in Letogolais die richtige falsche Nord-Süd Frage dialektisch betrachtet.
Zwischen einigen Ethnien werden spezielle Umgangsformen gepflegt, die Scherzbeziehungen, eine Art ritualisierter Sticheleien oder verbaler Provokationen mit ethnischen Stereotypen, die helfen können, latente Spannungen abzubauen. Auch innerhalb der Familie, zwischen Schwägerin und Schwager, gibt es diese Form der Kommunikation. Im traditionellen ländlichen Milieu gibt es noch weitere institutionalisierte Methoden der Konfliktprävention, wie ein Beispiel aus Nordtogo zeigt.
Eine Sonderstellung nehmen die Afro-Brasilianer ein, ehemalige Sklaven aus Brasilien, die im 19. Jh. nach Westafrika zurückkehrten und die wirtschaftlich eine privilegierte Position einnahmen. Ein Aufsatz beschreibt die Afro-Brasilianer in Togo am Beispiel der Familie Olympio 1882–1945, deren bekanntester Vertreter Sylvanus Olympio, der erste Präsident Togos war. Eine weitere Gruppe, zahlenmäßig zwar gering, jedoch wirtschaftlich von Bedeutung, sind die in den letzten 125 Jahren eingewanderten Libanesen. Auch Inder und Chinesen spielen im Wirtschaftsleben eine wichtige Rolle.

Sprachenvielfalt

Konkomba Tänzer © Otto Frick
Konkomba Tänzer © Otto Frick
Teilnehmer bei Adossa, dem 'Messerfest' der Tem in Didaouré/Sokodé © Otto Frick
Teilnehmer bei Adossa, dem 'Messerfest' der Tem in Didaouré/Sokodé © Otto Frick
Tänzerinnen und Tänzer auf einem Volksfest in Niamtougou © Otto Frick
Tänzerinnen und Tänzer auf einem Volksfest in Niamtougou © Otto Frick

Eine Karte gibt einen Überblick über die Verteilung der verschiedenen Sprachen in Togo und den Nachbarländern. Die Sprachen der Adja-Ewé-Gruppe werden von etwa 45 % der Gesamtbevölkerung als Muttersprache gesprochen, die Sprachen der Tem-Kabyé-Gruppe von etwa 30 % und die Para-Gourma-Sprachen von 15 %. Hier sei noch erwähnt, dass viele Togoerinnen und Togoer zweisprachig, bzw. mehrsprachig sind. Amtssprache ist Französisch, das nach Angaben der Frankophonie (2010) lediglich von ca. 2 250 000 Personen gesprochen wird, was etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung entspricht. Nationalsprachen sind Ewé und Kabyé.
Einen sehr guten Überblick über die afrikanischen Sprachfamilien und afrikanischen Sprachen bieten die Seiten von Wikipedia. Knappe Informationen zu den Sprachen Togos geben die Seiten der amerikanischen Missionen SIL Ethnologue-org und des Joshua Projects, das auch Informationen zu den Eigenheiten der Sprecher bereithält.
Einige der Missionare (Westermann, Spieth, Mischlich), die vor über hundert Jahren ins Land kamen, erwiesen sich als ausgezeichnete Sprachwissenschaftler und so ist Ewé eine der am besten erforschten Sprachen Westafrikas. Informationen zu Ewé finden sich im Worldatlas of Language Structures, der auch Informationen zu einigen anderen Sprachen Togos bereithält. Mina (auch: Guin/Gen) ist der Ewé-Dialekt der Region von Aného, der sich sehr schnell auf den Märkten Südtogos verbreitete und dort zur Lingua Franca wurde. Eine komplette Mina-Grammatik (118 Seiten) ist Ergebnis der Zusammenarbeit von L. Ako und Ph. de Barros. Ein Profil des Tem veröffentlichte der Linguist Zakari Tchagbale. Diverse Informationen zum Kabyé finden sich auf dem Blog sur la langue et culture Kabyè.

Soziale Lage

Nach dem Human Development Index - HDI von 2016 liegt Togo an 166. Stelle von 188 Staaten und ist im Vergleich zur letzten Bemessung von 2014 um vier Plätze abgestiegen. Faktoren wie Armut, unzureichende Gesundheitsversorgung und geringe Bildung sind immer noch für etwa zwei Drittel der Bevölkerung kennzeichnend, vor allem im ländlichen Milieu. Im Weltrisikobericht von 2017 nimmt Togo mit einer Gefährdung von 10,48 % Rang 34 von 171 Ländern weltweit ein und gehört somit zu den Ländern mit einem sehr hohen Katastrophenrisiko. 
Weitere Zahlen und Statistiken zur sozialen Situation finden Sie auf der Website der Weltbank und der UN-Data Website. Im "Quatrième Rapport de suivi des Objectifs du Millénaire pour le Développement au Togo" von 2014 veröffentlichte PNUD Togo ausführliche Informationen zu den Bereichen Wachstum, Landwirtschaft und Kampf gegen den Hunger, Erziehung und Gesundheit. Das Afrobaromètre für Togo stellt eine große Abweichung zwischen den Togoern und ihren Prioritäten und denen der Politiker fest. Die Politikwissenschaftlerin Renate Helm hat ein Buch geschrieben über die politische Herrschaft in Togo und den Problemen der Demokratisierung.

Migrationsbewegungen

Schon seit der Kolonialzeit gibt es Migrationsbewegungen innerhalb Togos. Ab 1955 erfolgte die gezielte Ansiedlung von Bauern aus dem Norden (Kabyé, Nawdem) in die dünn besiedelten Est-Mono-Gebiete nordöstlich von Atakpamé. Unfreiwillig waren Umsiedlungsaktionen beim Bau des Nangbeto-Staudamms sowie bei der Anlage des Keran-Nationalparks 1971. 

Es gibt eine beträchtliche temporäre Migration nach Ghana, wo u. a. Saisonarbeiter in den Kakao-Plantagen Arbeit finden. Ferner emigrieren Togoerinnen und Togoer auf Suche nach Arbeit auch in die Elfenbeinküste, nach Nigeria, Gabun, Republik Kongo, Libyen, in den Libanon, in die Golfstaaten und gar nach Israel, wo sie allerdings alles andere als willkommen sind, wie der Filmclip von Roni Geffen eindrücklich zeigt. Auch waren 23 Togoer von den gewalttätigen Ausschreitungen gegen Christen im Niger betroffen und mussten repatriiert werden. Größter Magnet für die Landflucht ist die Hauptstadt Lomé, daneben auch die anderen größeren Städte Togos. Vor allem die junge Landbevölkerung, die in der Landwirtschaft keine Perspektive mehr sieht, lässt sich im Ballungsraum von Lomé nieder, in der Hoffnung Arbeit zu finden.

Während einer Tagung der Organisation internationale pour les migrations - OIM in Lomé, äußerte sich der Außenminister Elliot Ohin zu den dringenden Fragen der Migrationsbewegungen und in dem für das Jahr 2015 vorliegenden Bericht wurde festgestellt, dass rund 25 % der Gesamtbevölkerung ihre ursprüngliche Herkunftsregion verließen. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlingsfragen in Lomé veröffentlichte im Februar 2016 die Zahl der Flüchtlinge, die in Togo Asyl suchten: rund 25 000 Personen. Die meisten von ihnen stammen aus Ghana, der Elfenbeinküste oder aus Burkina Faso.

Die togoische Regierung ist sich der Potenziale der auf zwei Millionen geschätzten Togoerinnen und Togoer, die im Ausland leben, durchaus bewusst und versucht die Diaspora-Gemeinde stärker in ihre ambitionierten wirtschaftlichen Ziele mit einzubeziehen und stellte eine eigene Diaspora-Website online.

Die städtische Bevölkerung in Togo liegt 2018 bei 42 %. Allein im Großraum Lomé leben mehr als 20 % der Gesamtbevölkerung. Auf der Website der OCDE - Organisation de Coopération et de Développement Économique finden Sie im Atlas régional de l'Afrique de l'Ouest neben dem informativen Dokument zur Migration in Westafrika mehrere themenspezifische Artikel mit Kartenmaterial und Illustrationen.

Geschlechterverhältnis und Rolle der Frau

Töpferin in Defalé © Otto Frick
Töpferin in Defalé © Otto Frick

Nach der Verfassung der IV. Republik von 1992 gibt es Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern, jedoch sieht die Praxis - wie in vielen Bereichen - oft anders aus.

Abgesehen von der theoretischen Gleichberechtigung wurde im Rechtssystem wenig getan um die Schlechterstellung von Frauen abzubauen. Hinzu kommt die nach wie vor hohe Gewichtung von traditionellem Recht, nach dem Frauen nicht einmal im Erbfall Grund und Boden erhalten können. Frauen haben deutlich schlechteren Zugang zu Bildung, gesundheitlicher Versorgung und Krediten. Diese systematische Benachteiligung in der Rechtssprechung und bei der Verteilung von wirtschaftlichen Ressourcen hindert Frauen nach wie vor daran sich aus Abhängigkeitsverhältnissen von Männern befreien zu können.

Insgesamt orientiert sich das Rollenverständnis der Geschlechter nach wie vor an traditionellen und religiösen Vorstellungen und ist mit klarer Aufgabenteilung verbunden. In einer Studie bei den Tamberma-Frauen werden Initiationsriten und traditionelle Bräuche im Leben der Frau beschrieben. 

Die Arbeitskraft von Frauen ist im togoischen Familienleben wesentlicher Bestandteil. Neben dem Haushalt und der Kindererziehung arbeiten die meisten Frauen auf dem Land oder im Kleinhandel. Dennoch wird der Mann als alleiniges Familienoberhaupt gesehen, dem alle familiären Vorteile und die letzte Entscheidungsgewalt zusteht. Die Arbeit von Frauen wird häufig als selbstverständliche Unterstützung des Mannes angesehen und bringt ihr selten wirtschftliche Unabhängigkeit.  

Frauen sind vor allem im Handel, in der Landwirtschaft und im Handwerk, also den dominierenden Wirtschaftssektoren Togos, stark vertreten, was jedoch keine neue Entwicklung ist oder als Indikator für Emanzipation gesehen werden kann. Togos Handelsbranche wurde schon 1981 mit einem zwei Drittel Anteil von Frauen dominiert, als Frauenrechte noch nicht einmal politischer Diskurs waren. Die Entwicklung der Frauenrechte in Togo untersucht die Studie Femmes Togolaises - Aujourd'hui et Demain, herausgegeben vom ehemaligen DED und der Friedrich-Ebert-Stiftung. 

Die wichtige Rolle von Frauen im öffentlichen Leben und der Kleinwirtschaft steht im Kontrast zu der systematischen Schlechterstellung in der Rechtssprechung und dem Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen. Das führt auch dazu, dass besonders Frauen auf den informellen Sektor angewiesen sind, der keine langfristige Absicherung bietet. Um dem entgegenzuwirken werden Frauen vor allem in armen ländlichen Gebieten mit Mikro-Krediten unterstützt, wie ein Filmbeitrag von Unicef zeigt.

In politischen Gremien sind Frauen stark unterrepräsentiert, allerdings wurde bei den Parlamentswahlen Ende 2018 erstmals eine Frau als Präsidentin der Nationalversammlung gewählt. 

Auch wenn die Gleichberechtigung der Frau besonders in Lomé und bei der jüngeren Generation zunehmend Thema werden, ist die Diskriminierung von Mädchen und Frauen im Alltag nach wie vor tief verankert und gesellschaftlich akzeptiert, auch von Frauen selbst. Dennoch hat die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen und der Einfluss moderner Medien und dem Internet dazu geführt, dass Frauenrechte zumindest politisch diskutiert werden und Frauen selbstbewusster für ihre Rechte kämpfen. Bei einer Umfrage von Afrobarometer im Jahr 2014 sprachen sich 86% der befragten Togoer für die Gleichstellung beider Geschlechter aus, jedoch nur 62% auch für die juristische Gleichstellung der Frau im Bodenrecht.  Eine Studie von 2016 beschäftigt sich mit der Rolle von NGOs beim Kampf gegen Beschneidung von Mädchen, die 1998 verboten wurde. Heute sind noch etwa 5% der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Problematisch ist auch die frühe Verheiratung von minderjährigen Mädchen. So werden mehr als ein Fünftel der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag und 6% vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet. Zwangsheirat und Zwangsbeschneidung sind die bestimmenden Themen in dem Buch "Niemand sieht dich, wenn du weinst". Es beschreibt den authentischen Fall einer jungen Togoerin, der es als erster Frau gelang, die Anerkennung der drohenden genitalen Verstümmelung als Asylgrund in den USA zu erwirken.  

Die Polygamie ist in Togo, je nach Region, ethnischer Herkunft, Konfession und den finanziellen Möglichkeiten eines Mannes mehr oder weniger verbreitet. Männliche Untreue, auch in monogamen Beziehungen, wird jedoch von vielen Frauen als normal angesehen und stillschweigend akzeptiert. Auch standesamtliche Trauung ist bei vielen Togoerinnen noch ziemlich unbekannt, was ihnen in juristischer Hinsicht viele Nachteile bringt, wenn sie nur traditionell heiraten.   

Die NGO Wildaf veröffentlichte im März 2013 eine Studie über Vergewaltigungen von togoischen Frauen. Eine Untersuchung des Prostituiertenmilieus in Lomé war das Thema einer Magisterarbeit und die Regierung zeigt sich besorgt über die Zunahme der Prostitution bei Jugendlichen unter 18 Jahren. Der Fonds der Vereinten Nationen für die Bevölkerung Togos - UNFPA-Togo - unterstützt die Regierung beim Kampf gegen Teenagerschwangerschaften und Heirat von Minderjährigen. Seit 2009 wird in Lomé die 'Miss Jungfrau' oder die 'Reine vierge' gekürt. Der Veranstalter, ein Jugend-Förderverein (AV-Jeunes) will damit Teenagerschwangerschaften und Aids-Infektionen reduzieren sowie Aufklärungsarbeit leisten und für die sexuelle Enthaltsamkeit junger Mädchen werben.

Homosexualität und Rechte von LGBTQI*

Homosexuelle Handlungen sind gesetzlich verboten und werden mit Bußgeld und Gefängnis bestraft. Zusätzlich gibt es keine Gesetze, die LGBTQI* vor Diskriminierung schützen. Zuletzt wurde die togoische Regierung im April 2017 nach der allgemeinen Überprüfung des UN-Menschenrechts-Ausschusses zu Togo aufgefordert, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität zu beenden und unter anderem durch die Überarbeitung des Strafgesetzbuchs den Schutz von LGBTI-Personen vor Gewalt zu gewährleisten. Die Regierung hat alle Empfehlungen abgelehnt und mit dem Rückhalt der Bevölkerung im Land zu diesem Thema begründet. 

Homosexualität unterliegt einem strengen Tabu, das bislang eine sachliche Diskussion verhindert. Dementsprechend groß ist auch die gesellschaftliche Ächtung von LGBTQI* in Togo. Nach einer Untersuchung von Afrobarometer zufolge, wollen 9 von 10 Togoern nichts mit Homosexuellen zu tun haben.  

In der Hauptstadt gibt es dennoch eine relativ gut organisierte Gay-Community, die im Untergrund Partys und Veranstaltungen organisieren. Bestimmte Codewörter und soziale Medien werden genutzt um sich auszutauschen und zu vernetzen. Seit einigen Jahren gibt es in Lomé jährlich eine Miss Gay Togo Wahl, die als größtes Event gefeiert wird und auch LGBTQI* aus den Nachbarländern anzieht. Veranstalter ist die erste LGBTI Organisation in Togo Club of Seven Days. Auch im spirituellen Bereich scheint es Nischen zu geben, wie der Film 'L'Esprit de Madjid' zeigt.  

Deutlich weniger Möglichkeiten haben dagegen nach wie vor lesbische Frauen in Togo, die auf offene Ablehung bis zu Morddrohungen stoßen. Geschlechtervielfalt und -identität sind ebenfalls Themen, die noch nicht im gesellschaftlichen Diskurs vorkommen.

Kinder und Jugendliche

Badende Kinder in Kedjikandjo © Otto Frick
Badende Kinder in Kedjikandjo © Otto Frick

Nach wie vor ist es in Togo üblich, dass Kinder und Jugendliche im Haushalt, auf den Feldern, auf den Märkten oder in den Werkstätten mitarbeiten. Vor allem Mädchen sind davon betroffen, da sie oft gar nicht erst eingeschult werden. Kinder aus großen und armen Familien werden häufig zur Verwandtschaft zur Arbeit auf den Feldern oder im Haushalt geschickt. Das entspricht der traditionellen Solidargemeinschaft und beinhaltet durchaus positive Aspekte. Doch leider werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Kinder ausgebeutet und misshandelt wurden. Vor diesem Hintergrund ist auch der Kinderhandel zu sehen, der Togo in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen brachte. In Lomé arbeiten junge Mädchen und Frauen zum Teil unter schlimmsten Bedingungen als Lastenträgerinnen. Auch körperbehinderte Kinder haben oft ein schweres Los zu tragen, da sie häufig weggesperrt und vernachlässigt werden. 

Immer noch ist der Aberglauben weit verbreitet und so werden manchmal Kinder der Hexerei bezichtigt und werden brutalen Exorzismusritualen unterzogen oder gar getötet. 

Bei der Namensgebung der Kinder werden häufig die Namen der Wochentage, an denen die Kinder geboren sind, gewählt. Diese Sitte ist bei den Ewé, Kabyé und den Tem (hier nur bei den Mädchen) sehr beliebt. Auch wird die Geburt eines Kindes von bestimmten Zeremonien begleitet. Doch auch der moderne Staat möchte, dass ein neugeborenes Kind innerhalb von 45 Tagen beim Standesamt registriert wird.

Glück und Erfolg

Der Happy Planet Index listete Togo 2015 noch als das "unglücklichste" Land der Welt auf, denn es erreichte im Ranking von 2015 den allerletzten Platz von 158 Ländern. Lediglich der positive biologische Fußabdruck sichert dem Land ein paar Pluspunkte. Im Index von 2016 liegt Togo auf dem drittletzten Rang.
Seit der Fußball WM 2006 ist auch die togoische Mannschaft bei uns bekannt, vor allem ihr Torjäger Emmanuel Adebayor, der zu Afrikas Fußballer des Jahres 2008 gewählt wurde. Die Nationalmannschaft, Les Eperviers (Die Sperber), konnte 2014 im Laufe eines einzigen Monats vom 125. Platz auf Platz 52 der FIFA-Weltrangliste aufsteigen.

Die Olympischen Spiele in Peking 2008 bescherten Togo die erste olympische Medaille und einen Star, den Kajakfahrer Benjamin Boukpeti. Togo hat ein neues Sportmuseum, in dem die Trophäen und Trikots der Spitzenstars gezeigt werden. Die momentan wohl bekannteste Togoerin in Deutschland ist die Boxerin Bintou Schmill. Bei den olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro nahmen fünf togoische Sportler teil.

Der Elektrotechniker Jules Minsob Logou erregte viel Aufsehen mit seiner Erfindung, einer Küchenmaschine, dem 'Foufoumix' und bekam auch ein paar Preise für diese Innovation. Im Dezember 2015 präsentierte er eine neue Küchenmaschine, den 'Patemix'. Mit dem Preis der 'Personnalité L-Frii de l'année' wird eine togoische Unternehmerpersönlichkeit ausgezeichnet und im Dezember 2015 wurden junge Unternehmer und Erfinder mit Geldpreisen geehrt. Ein togoischer IT-Unternehmer entwickelte zusammen mit seinem beninischen Partner eine IT-Lösung für die öffentliche Verwaltung und die Universitäten, die den Nutzern den Zugang erleichtern und den Kampf gegen Korruption unterstützen soll.

Das Institut Choiseul ermittelte die hundert führenden Wirtschaftspersönlichkeiten Afrikas, darunter auch zwei Togoer. Bei der Wahl der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten Afrikas befinden sich sechs Ausgezeichnete aus Togo. 12 junge Togoerinnen und Togoer erhalten in den USA eine Ausbildung zu Leadership. Die türkische Presseagentur Anadolu würdigte in einem Artikel die erfolgreichen togoischen Unternehmer der Diaspora. Die Zeitschrift 'Jeune Afrique' veröffentlichte einen interessanten Artikel, was ein Togoer verdient, und wie sich seine Ausgaben verteilen.

Bildung

Schulklasse in Assahoun © Otto Frick
Schulklasse in Assahoun © Otto Frick
Gustav-Nachtigal-Schule in Kpalimé © Otto Frick
Gustav-Nachtigal-Schule in Kpalimé © Otto Frick

Das togoische Schulsystem orientiert sich am französischen Vorbild. Es besteht aus der sechsjährigen Grundschule (mit Schulpflicht), der zweistufigen Sekundarschule und den Hochschulen. Leider ist die derzeitige Schulsituation äußerst unzureichend und reformbedürftig. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Streiks der Lehrer und Schüler, die bessere Gehälter und Bedingungen fordern, teilweise wurden dann auch die Schulen geschlossen. Die Weltbank und Togo vereinbarten eine Subvention in Höhe von 27,8 Mio. Dollar für die Umsetzung des 'Plan Sectoriel de l'Education'. Die Regierung will in den nächsten fünf Jahren 150 Milliarden Francs CFA in die höhere Bildung investieren und auch die Anzahl der Analphabeten unter den Erwachsenen reduzieren.   
Die Schulen der katholischen und evangelischen Kirche, aber auch des Islam, ergänzen das staatliche Angebot. In Lomé entstanden in den letzten Jahren vermehrt private Schulen, da viele Eltern für ihre Kinder keine Zukunftschancen in den schlecht ausgestatteten staatlichen Schulen sehen. Mangelnde Bildungschancen beim Schulbesuch in Togo schildert die Deutsche Welle in einem Beitrag. Trotz gegenteiliger Gesetzeslage werden auch an den privaten Schulen Kinder körperlich misshandelt. Am Beispiel des Lycée Moderne in Sokodé wird das Projekt einer Pasch-Schule vorgestellt und der Deutschunterricht an einer Schule in Togo kurz beschrieben. 

Die Universität von Lomé (früher Université du Bénin) wurde 1970 gegründet und hat heute mehr als 44 000 Studenten. Der Minister für Hochschulwesen und Forschung legte ein ehrgeiziges Programm zu Reformen der Universität vor. Sie hat auch einen Lehrstuhl für Germanistik und unterhält eine Partnerschaft mit der Universität Bayreuth. Im Januar 2012 wurde ein Kooperationsabkommen der Universität Lomé mit der Universität Tübingen vereinbart, das die Bereiche Bildungswesen und Wissenschaftsforschung betrifft. Die Universität Lomé kooperiert mit weiteren Universitäten in Deutschland und unterhält einige inoffizielle Kooperationskontakte mit diversen Hochschulen. Im April 2014 fand in Lomé das Humboldt-Kolleg statt, eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Université de Lomé und den Universitäten Wien und Bremen. Ende des Jahres 2014 entschied der Ministerrat eine Erweiterung des Studienangebots der Universität um zwei neue Fakultäten. Mit Unterstützung der UNESCO wurde an der Universität Lomé ein virtueller Campus eingerichtet.

2004 wurde eine zweite Universität in Kara errichtet, an der heute rund 14 000 Studenten immatrikuliert sind. Seit 2017 gibt es ein neues Studienangebot, das in einem dreijährigen Kurs Spezialisten für die Dezentralisierung ausbildet. Der Conseil africain et Malgache de l’Enseignement Supérieur (CAMES) hat 2017 an der Universität Kara einen Wettbewerb abgehalten, um das Niveau des Unterrichts zu verbessern. 23 togoische Professoren und Wissenschaftler der beiden Universitäten Lomé und Kara haben daran teilgenommen.

Die togoischen Deutschlehrer schlossen sich zu einem Verband zusammen, auch außerhalb der Schulen ist Deutsch beliebt, wie der Club der Germanophilen zeigt. 2009 wurde an der Universität Lomé das Konfuzius-Institut für chinesische Sprache und Kultur eröffnet. Nachrichten aus dem Bildungsbereich veröffentlicht die Regierung online unter der Rubrik "Education".

Die 1975 von den OCAM-Staaten gegründete Hochschule für Architektur - EAMAU - Ecole Africaine des Métiers de l'Architecture et de l'Urbanisme in Lomé wird heute von acht westafrikanischen und sechs zentralafrikanischen Staaten betrieben. In einem Gespräch äußerte sich der Direktor zu den Herausforderungen der Zukunft. In Lomé befindet sich auch die private Technikhochschule Formatec.

2008 wurde die Katholische Universität Togo als Teil der Catholic University of West Africa (CUWA) in Tsevié und Lomé gegründet. Im September 2012 wurde die private Université des Sciences et Technologies in Lomé (Adidogomé) der Presse vorgestellt und andere private Initiativen erweitern das Angebot. 

Die private Schule 'Sorbonne' in Agoényivé  © Otto Frick
Die private Schule 'Sorbonne' in Agoényivé © Otto Frick

Gesundheitswesen

Werbetafel eines traditionellen Heilers © Otto Frick
Werbetafel eines traditionellen Heilers © Otto Frick
Verkaufsstand von traditioneller Medizin in Kpalimé © Otto Frick
Verkaufsstand von traditioneller Medizin in Kpalimé © Otto Frick
LKWs mit Aufklebern für Kondomwerbung © Otto Frick
LKWs mit Aufklebern für Kondomwerbung © Otto Frick
Aids-Aufklärung an einer Hauswand in Agou-Nyogbo © Otto Frick
Aids-Aufklärung an einer Hauswand in Agou-Nyogbo © Otto Frick

Das Gesundheitswesen in Togo ist unzureichend, vor allem in den ländlichen und nördlichen Regionen. Aber auch in Lomé gibt es einiges zu verbessern, wie der neue Gesundheitsminister nach seinem Besuch im CHU, dem größten Krankenhaus der Hauptstadt, feststellte. Der Direktor eines Krankenhauses schildert die Probleme seiner Patienten, die oft Zahlungsschwierigkeiten beim Krankenhausbesuch haben. Generell gilt, wer kein Geld hat, hat auch keinen Zugang zur medizinischen Versorgung. So wundert es kaum, dass traditionelle Medizin und Heiler nach wie vor eine wichtige Rolle einnehmen. Der 1986 verstorbene Schriftsteller Hubert Fichte beschäftigte sich mit der traditionellen Medizin und Psychiatrie in Togo und veröffentlichte mehrere Essays und Hörspiele darüber. In einem eindrucksvollen Filmbeitrag wird gezeigt, wie geisteskranken Personen eine Behandlung durch Gebete zuteil wird und der französische Fotograf Jean-Luc Gelin veröffentlichte eine eindrucksvolle Fotoserie.

Einen kritischen Artikel über die traditionelle Medizin und neue Verkaufspraktiken publizierte AEDEV. Die vielen gefälschten oder abgelaufenen Medikamente, die ohne Verpackung und Waschzettel auf den Märkten verkauft werden, stellen ein weiteres Problem dar. Die Weltgesundheitsbehörde stellte fest, dass etwa 30 % der Medikamente, die in Togo angeboten werden, Fälschungen sind. Auch die diversen Produkte zum Aufhellen der Haut haben schwere Nebenwirkungen und sind gesundheitsschädlich. Der Togoer Koffivi Mawuyram Madze entwickelte das Projekt 'Dokita Eyes' (Augen des Arztes), eine App, die den Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern soll.
Ein deutscher Arzt schildert seine persönlichen Erfahrungen mit dem Voudou-Glauben, während seine togoischen Kollegen lieber im Ausland arbeiten, wie der Politiker Nathaniel Olympio unlängst feststellte. Die NRO 'Solidarité et Action pour le Développement Durable' (SADD) setzt sich für die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz ein, nachdem im Bergbausektor sowie in den Betrieben der Freihandelszone vermehrt Arbeitsunfälle auftraten.

Zu den großen Problemen im Gesundheitsbereich zählen immer noch Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria. Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist in vielen ländlichen Regionen immer noch nicht gewährleistet und ist zugleich die Ursache für einige Krankheiten. Die Zeitung Le Figaro äußerte sich besorgt zur Verbreitung von Gelbfieber. Im Norden Togos sind zwei Fälle von Lassa-Fieber aufgetreten. Auch im Bereich der Medizin ist China in Togo präsent, wie viele Hinweisschilder für traditionelle chinesische Medizin oder die Neueröffnung eines Gesundheitszentrums mit Schwerpunkt der Malaria-Behandlung zeigen.

Heute ist vor allem HIV/Aids eine große gesellschaftliche Herausforderung. UNAIDS veröffentlichte umfangreiche Berichte und Statistiken zu Togo. Auch die Regierung ist sich dieser Problematik bewusst und wirbt u. a. für den Gebrauch von Kondomen. Ein an Aids erkrankter Mann bricht mit einem gesellschaftlichen Tabu und geht mit seiner Erkrankung an die Öffentlichkeit. Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember veröffentlichte die nationale CNLS und ONUSIDA in einer Pressemitteilung, dass die Zahl der Neuinfektionen in den letzten 15 Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist.

Das Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen unterstützt seit über 35 Jahren ein Forschungsprojekt in der Zentralregion zur Onchozerkose (Flussblindheit) während die Christoffel-Blindenmission sich in mehreren Projekten vor allem im Süden Togos engagiert.
Erst vor einigen Jahren legalisierte Togo die Abtreibung, allerdings nur wenn die Schwangerschaft durch Vergewaltigung oder Inzest verursacht wurde. 'Plan international Togo' engagiert sich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen jegliche Form von Gewalt und bestärkt sie in ihren Rechten.

In Togo leben rund 600 000 Menschen mit körperlichen Behinderungen, wie Alves d’Almada Gorge von der Kommission für soziale Angelegenheiten der Cédéao feststellte.

Geschäft in Tsévié, das chinesische Medizin und diverse Gesundheitsdienste anbietet © Otto Frick
Geschäft in Tsévié, das chinesische Medizin und diverse Gesundheitsdienste anbietet © Otto Frick
Verkaufsstand mit Medikamenten auf dem Markt von Nadoba © Otto Frick
Verkaufsstand mit Medikamenten auf dem Markt von Nadoba © Otto Frick

Kunst und Kultur

Kultur

Togo gehört wirtschaftlich gesehen zu den ärmeren Ländern Afrikas, verfügt jedoch über einen außerordentlichen Reichtum an kultureller Vielfalt. Es seien hier an erster Stelle die Schriftsteller und Theatermacher genannt, die Musiker und Tänzer und die Vertreter der Bildenden Kunst, die weit über die Grenzen Togos hinaus internationale Reputation erlangten.
Die Togo-Encyclopédie oder Mivapedia ist ein interaktives Online-Lexikon, das über Personen der Geschichte, Politik, Kunst, Literatur, Musik etc. informiert.

Die Region Koutammakou, das Land der Batammariba (auch Tamberma genannt) im Norden Togos (und Bénins) mit den festungsartigen Lehmburgen wurde in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen und weitere Kulturdenkmäler und Naturschutzzonen sind für eine Aufnahme vorgeschlagen. Der in der deutschen Kolonialzeit erbaute Gouverneurspalast, wird zur Zeit aufwändig restauriert und soll als Kunst- und Kulturzentrum dienen. In Aného ist ein Museum für das afro-brasilianische Kulturerbe geplant.

In den letzten Jahrzehnten erfuhren die Skulpturen der Moba und anderer Völker Nordtogos eine begeisterte Rezeption bei europäischen Sammlern. Die private Galerie Ousmane in Lomé, die traditionelle Schnitzkunst aus Westafrika anbietet, feierte ihr 40-jähriges Jubiläum.

Literatur

EL Loko, Letter To Myself © Courtesy ARTCO Galerie GmbH
EL Loko, Letter To Myself © Courtesy ARTCO Galerie GmbH

In einem Zeitraum von etwa 50 Jahren traten an die hundert togoische Autorinnen und Autoren mit literarischen Publikationen an die Öffentlichkeit. Bei den über 200 Veröffentlichungen handelt es sich um Romane, Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Autobiographien, sowie einige Werke der Literaturkritik und Dissertationen zu literarischen Themen. Togoische Märchen und Sagen wurden von Leo Frobenius (Bassar und Tem), Komla Agbetiafa und Yao Nambou, Fusseini Mamah (Tem) und Gerhard Prilop (Kabyé und Ewé) gesammelt und herausgegeben. Die Märchen der Tem-Kotokoli von Kolowaré wurden 2008 und 2009 gesammelt und aufgezeichnet. 

Der 1900 in Ouidah/Benin geborene Félix Couchoro gilt als einer der Pioniere der westafrikanischen Literatur. In Togo, wo er seit 1939 bis zu seinem Tod 1968 lebte, wird er als Vater der togoischen Literatur verehrt und in Lomé wurde vor einigen Jahren eine Bibliothek nach ihm benannt. Sein erster Roman 'L'esclave', den er 1926 schrieb, erschien 1929 in Frankreich.

Einige der heutigen togoischen Autoren sind weit über die Landesgrenzen hinaus, vor allem in Frankreich, bekannt geworden. Das Blog traversée de la littérature togolaise informiert mit ausführlichen Besprechungen über Neuerscheinungen. Der Schriftsteller und Theaterautor Kangni Alem veröffentlichte in Frankreich diverse Romane, Theaterstücke und Essays und unterhält ein Blog. Er begründete ein neues Genre, den Vodoun-Krimi. Sein Roman Cola Cola Jazz wurde auch in Deutsch herausgegeben. Kossi Efou erhielt 2009 für seinen Roman Solo d'un Revenant den Prix Ahmadou Kourouma der Genfer Buchmesse und den Prix des Cinq continents de la Francophonie im Oktober 2009.

Vom Romancier und Essayist Sami Tchak liegt eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Scheiß Leben vor. In einem ausführlichen Gespräch mit Etty Macaire äußert sich Sami Tchak zur afrikanischen und togoischen Literatur. Edem, ein 1975 geborener Togoer, der inzwischen in Kanada lebt, hatte mit seinem Roman 'Port-Melo' (= Verlan) internationalen Erfolg. Der in Bremen lebende Théo Ananissoh veröffentlichte in Frankreich die Romane 'Lisahoé', 'Territoires du Nord', 'Un reptile par habitand' und 'Ténèbres à midi'. Alabassa Worou, ein ebenfalls in Deutschland lebender Autor, veröffentlichte seinen ersten Roman unter dem Titel 'L'Arbre fétiche de Makassi'.

Kunst

Die Künstler Sokey Edorh, Ibrahim Ayeva, Médjéva Ayeva und Olivier Anifrani (v.l.n.r.)  © Otto Frick
Die Künstler Sokey Edorh, Ibrahim Ayeva, Médjéva Ayeva und Olivier Anifrani (v.l.n.r.) © Otto Frick
Gustave Akpéhou Djonda © Otto Frick
Gustave Akpéhou Djonda © Otto Frick

Es gibt in Togo weder eine Kunstakademie noch irgendeine staatliche Förderung von Künstlern. Abgesehen von einigen privaten Initiativen waren es vor allem das Institut Français und auch das Goethe-Institut, die den Künstlern Unterstützung und ein Forum boten. Die Hotelgruppe ONOMO gründete das Label 'ONOMO Visual Art' und möchte damit junge afrikanische Künstler fördern, die in den Bereichen Fotografie, Video und Bild, im weitesten Sinn, arbeiten.

Einer der heute wichtigsten und international erfolgreichsten Künstler ist der in Lomé lebende Sokey Edorh, den wir im Film von B. Fitzgerald bei der Arbeit in seinem Atelier in der Nähe vom Mont Agou sehen. EL Loko studierte bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie und lebt in Köln. Amouzou Glikpa studierte Bildhauerei an der Kunstakademie in Peking und lebt heute in Wuppertal. Glikpa ist auch Maler und Performancekünstler.

Sokey Edorh LE MONDE EN ÉCRITURE © Courtesy ARTCO Galerie GmbH
Sokey Edorh LE MONDE EN ÉCRITURE © Courtesy ARTCO Galerie GmbH
Amouzo Glikpa, 6 Figuren © Courtesy ARTCO Galerie GmbH
Amouzo Glikpa, 6 Figuren © Courtesy ARTCO Galerie GmbH

Kossi Assou, Künstler, Designer und Event-Manager, veranstaltete inzwischen zum achten Mal das internationale Kunstfestival Ewolé. Die Künstlerin Prisca Hollemaert-Awadé pendelt zwischen Frankreich und Afrika und gehört zu den wenigen Künstlerinnen, die internationale Beachtung fanden. Gustave Akpéhou Djonda ist Maler, Bildhauer und Performancekünstler und profilierte sich in jüngster Zeit auch als Fotograf. Dem Designer Kossi Aguessy gelang innerhalb weniger Jahre der internationale Durchbruch. Einer der bekanntesteten Zeichner und Karrikaturisten Togos ist Kokouvi Dodjivi Anthony, alias Dod-Zi, der auch tabuisierte Themen wie Sex, Religion, Staatschefs mit seinem spitzen Bleistift angeht.
Während der Ära Gnassingbé Eyadéma erhielt der im Januar 2010 achtzigjährig verstorbene Künstler Paul Ahyi viele öffentliche Aufträge (Denkmäler, "Kunst am Bau") und war in den 1960er und 70er Jahren der bekannteste togoische Künstler. Der Kunsthistoriker Essoyodou Tchala schrieb seine Magisterarbeit über den international etwas in Vergessenheit geratenen Modernisten Paul Ahyi. In Cacavelli, am nördlichen Stadtrand von Lomé, initiierte Paul Ahyi ein Kulturzentrum, das zur Zeit zu einem Museum hergerichtet wird. 
Der traditionelle Bildhauer Agbagli Kossi (1935 - 1991), der sich von den Vodun-Gottheiten inspirieren ließ, hinterlässt ein außergewöhnlich beeindruckendes Werk, das auch bei internationalen Sammlern begehrt ist. 
Im Oktober präsentierte der Künstler Lenuel (Dodji Kokou Offissa) in einer größeren Ausstellung seine Werke. Der aus Vogan stammende Maler Joseph Amedokpo gestaltete auch Laptops der amerikanischen Firma Dell. Der Automechaniker Didier Ahadsi in Lomé fertigt in seiner Freizeit witzige Plastiken aus Blech, die auch in Deutschland ausgestellt wurden. 
Anne Tismer, gefeierte Berliner Schauspielerin, lebt seit einigen Jahren in Lomé und macht hier Aktionskunst und Performances.
Auf der FESPACO 2015 wurden auch vier togoische Filme im Wettbewerb gezeigt, was bemerkenswert ist, da bislang kaum Filme von togoischen Regisseuren produziert wurden. Einer dieser wenigen ist Folligan Amouzou, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Steven Af, der gerade seinen neuen Film 'Solim' fertigstellte. Mit 'Sénam' wurde der erste Spielfilm in Mina produziert.

Theater und Tanztheater

In erster Linie in Lomé, hat sich eine lebendige und interessante Theater- und  Tanztheaterszene entwickelt. Die Gruppe Ayigafrik präsentiert sich hier mit Videoclips und Fotostrecken. Im Oktober 2015 fand in Lomé zum zweiten Mal das Festival des Togoischen Balletts statt.

Einer der herausragenden Theaterregisseure ist Koriko Amoussa, der inzwischen in den USA lebt, wo auch sein Stück 'When the Bird takes Flight' (Quand l’oiseau s’envole) aufgeführt wurde. Der Schauspieler und Regisseur Banissa Méwé wird hier als die Seele des togoischen Theaters betitelt, während Schauspieler und Dramaturg Gustave Akakpo auch in die Haut von Nicolas Sarkozy schlüpft. Eine beliebte Form des volkstümlichen Theaters sind die von Ghana und Nigeria aus inspirierten Concert Parties. Der ehemalige Leiter des togoischen Nationaltheaters Sénouvo Agbota Zinsou lebt heute in Bayreuth. 

In den letzten Jahren etablierten sich mehrere Theaterfestivals, wie das Festival Filbleu und das Festival international de théâtre et d'arts plastiques (FITAP) in Lomé u.a. Städten wie Festhef in Assahoun oder Festékpé in Sokodé. 

Musik

Die Sängerin Bella Bellow auf einer Briefmarke © Otto Frick
Bella Bellow © Otto Frick
Traditionelle Musikinstrumente von Flindjo Lamousdja © Otto Frick
Traditionelle Musikinstrumente von Flindjo Lamousdja © Otto Frick
Verkäufer von Musikvideos und CDs in Lomé © Otto Frick
Verkäufer von Musikvideos und CDs in Lomé © Otto Frick
Grab von Bella Bellow auf dem Cimétière de la plage in Lomé-Beniglato © Otto Frick
Grab von Bella Bellow auf dem Cimétière de la plage in Lomé-Beniglato © Otto Frick

Am Anfang einer vielversprechenden Weltkarriere verstarb die erst 28-jährige Bella Bellow 1973 bei einem Verkehrsunfall und wurde so zu einer Ikone der togoischen Musik. Zu ihrem 40. Todestag produzierte Junior Fadairo eine Hommage 'Bella Bellow - L'Eternel' und GhanaWeb erinnerte an 'La Blueswoman d'Afrique'.  Im Filmclip 'Reines et Héroïnes d'Afrique raconte Bella Bellow' werden auch historische Filmaufnahmen gezeigt. Ihr Bild zierte den 10 000 Francs CFA Geldschein und eine Briefmarke und etliche der heutigen Sängerinnen, wie z.B. Angèlique Kidjo, covern ihre Songs. Auch andere Musiker aus Togo und Benin spielten miteinander und beinflussten sich gegenseitig. 

Gérard Akueson war der erste Afrikaner, der 1962 in Frankreich eine Plattenfirma gründete und mit seinem Label 'Disques Akoe' Stars wie Bella Bellow oder den beninischen Künstler GG Vikey produzierte. Er wollte im Oktober den 60. Geburtstag seiner Karriere feiern, jedoch musste die Feier abgebrochen werden, da er ins Krankenhaus musste. Das Goethe-Institut in Lomé feierte 2012 die wohl älteste Bigband oder Tanzorchester Togos, das bereits 1954 gegründete Orchester Melo Togo.

Der zur Zeit wohl populärste und auch international erfolgreiche togoische Musiker ist King Mensah, der in diesem Videoclip ausführlich von seiner Musik, seinen Ideen und Projekten erzählt. Mit seiner gleichnamigen Stiftung engagiert er sich für Waisenkinder und unterstützte auf einem Konzert den Kampf gegen Ebola. Im Dezember 2014 veröffentlichte er sein achtes Album 'Soké'. Ein sehr charismatischer und schon seit langem erfolgreicher Bluessänger und Rockmusiker ist Jimi Hope, der 2008 als bester afrikanischer Rockmusiker ausgezeichnet wurde und auf ein über 40-jähriges Bühnenjubiläum zurückblicken kann. 

Roger Damawuzan, einer der großen Musiker der 1970er Jahre spielte in verschiedenen Bands und veröffentlichte 1971 Wait for me. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt der Song 'Celibataire' von Siagbo Dieudonne Eddie. Die Liebhaber der raren Platten der togoischen Musik der 1970er Jahre fangen an, eine Playlist dieser seltenen Grooves zusammenzustellen und online zu veröffentlichen.

Der aus Aného-Glidji stammende Sänger und Gitarrist Peter Solo spielt, mittlerweile in Frankreich beheimatet, mit seiner Band Kakarako 'Voodoo Funk'.
Die beliebte Sängerin Julie Akoussa verstarb 2007. In der senegalesischen Band Orchestra Baobab spielt der togoische Musiker Barthélemy Attiso, der mit seinen Gitarrenklängen wesentlich zum Sound dieser erfolgreichen Band beitrug. Die Sängerin Afia Mala wird auch als die togoische Diva bezeichnet und veröffentlichte ihr letztes Album Afia Mala à Cuba in Havanna. 

Der Komponist, Sänger und Gitarrist Thierry Nkéli Faha spielt tanzbaren Afro-Jazz und ließ sich vor einigen Jahren in Hongkong nieder. Der aus Sokodé stammende Bibish Mola (eigentlich Kpegouni Agoro) ist erfolgreicher Reggae-Musiker. Die beiden Musiker der Gruppe Jey-Liba stammen aus Dapaong und träumen von Lomé als Musikhauptstadt Westafrikas. Auf der Site von Togozik finden Sie eine Sammlung von Musiktiteln und Videoclips verschiedener aktueller Interpreten. 

Eric MC ist ein Pionier und wohl der bekannteste Vertreter des togoischen Rap. Im September 2015 stellte er sein neues Album 'Sauvons le Togo mon amour' vor. Yob ist ein Rapper, der seine Texte mit traditionellen Instrumenten begleitet. Elom 20ce, Rap-Musiker, bezeichnet sich als zeitgenössischen Griot und Arctivist (Artiste und Activiste) und mit seinem Label Asrafo Records wirbt er für den Panafrikanismus. Doto/Silence! ist ein audiovisuelles Projekt, das 2007 in Lomé gedreht wurde und einen Einblick in die junge und sehr vitale Rapper-Szene von Lomé gibt. Der Rapper Yao Bobby aus Kodjoviakopé ist politisch engagiert und in seinem Soloalbum 'Histoires d'un continent' geht es auch um Themen wie Korruption, soziale Ungerechtigkeiten oder schlechte Regierungsführung. Zusammen mit Edgar Sekloka produzierte er eine Platte und einen Dokumentarfilm. Das Online-Magazin 'Ici-Lomé' stellte die Frage, ob die togoischen Musikerinnen und Musiker politisch und sozial engagiert sind.

Das Duo Toofan hatte mit dem Song 'Obragada', der zur Fußball-WM 2006 entstand, den großen Durchbruch und mit dem Lied über die Mototaxis 'Zemidjan' gelang ihnen ein weiterer Hit. Bekannt und beliebt sind sie auch durch die Einführung von neuen Tanzschritten, wie unlängst dem 'Gweta' und sie sind mittlerweile auch Vorbilder für ganze Generationen. Im Mai 2016 wurden sie in Abidjan zur 'Persönlichkeit des Monats' als beste Gruppe des frankophonen Afrikas gekürt.

Der Sänger Oneil Biatti war der togoische Kandidat für den Buzz Awards 2015 und die Gruppe Elinam vertrat Togo beim Finale um den 'Prix Découvertes RFI 2015'. Die Sängerin Adjo’a Sika veröffentlichte gerade ihr erstes Album 'Akofa' und die Sängerin Almok wurde für den 'African Muzik Awards' nominiert.

Die Musiker Oro Below und Inouss Landozz leben in Deutschland. Auch Agboti Yawo ging nach Deutschland, nachdem er mit seinem Stück Ablode Gbadza (absolute Freiheit) Schwierigkeiten in Togo bekam, später ging er in die USA, wurde Evangelist und kehrte 2009 zurück nach Togo und predigt Frieden und Versöhnung.

Im Handel ist auch traditionelle Musik aus Togo zu finden; wobei eine Besonderheit Klangsteine (pichanchalassi) sind, mit denen im Milieu Kabyé musiziert wird. Der traditionelle Musiker Stanlux Bada wurde für die Kora Awards 2016 nominiert.

Der Sänger Ammy Coco startete im Januar 2013 mit dem ersten Musikfestival 'Festival Calebasse' in Lomé mit dem Ziel, junge Talente zu fördern und sie auch im Ausland bekannt zu machen. Das Festival Adiavou («Erwachen» im Milieu Akposso) im Dezember 2014 war der Emanzipation der jungen Mädchen und Frauen gewidmet. Im Institut Français fand im Mai 2016 zum 9. Mal das 'Festival international des musiques d'Afrique (Africa rythms)' statt.

Modedesign

Lomé ist nicht nur einer der größten Märkte Westafrikas für Stoffe, sondern bietet auch den Käuferinnen und Käufern in zahlreichen Schneiderateliers die Dienstleistungen der Couture an. Einige wenige haben den Aufstieg in die Haute Couture geschafft. Abass Tchakondo, männliches Fotomodel, gründete die Mode- und Modelagentur Allure und startete das Modefestival Carrousel à la Mode. Die Modedesignerin Nini Nicoué alias Ayanick gründete ihre eigene Schule für Mode und organisiert Modeschauen. Laëtitia Ewagnignon Akibode entwirft und produziert Schmuck und Modeaccessoires und hat mittlerweile in Paris ihr Label ÊKÂBÔ Création etabliert. Die Modedesignerin Félicité Donyo konnte sich mit ihrem Label für Kindermode in Kanada erfolgreich behaupten. Der in Belgien lebende Modedesigner mit togoischen Wurzeln, Fall Touré, war zu Gast auf der 'Look', Schwerins größtem Fashionevent.

In Lomé finden Modemessen wie Salon Internationale de la Mode et de l'Esthétique- SIME und bis zuletzt BIMOD 228 statt und im April 2014 initiierte 'Chambre de commerce et d'industrie du Togo' erstmals das 'Le Pagne en fête'. Die Initiatorin der Modemesse BIMOD, die Designerin Blandine Sambiani-Bagnah, alias Bamondi, verstarb im Dezember 2014. Als Teil der diversen Aktivitäten, die den 'Internationalen Tag der Pressefreiheit' begleiteten, fand ein Modeabend der togoischen Presse statt.

Volkskunst, Traditionen und Bräuche

Grabdenkmäler von Notabeln in Elavagnon © Otto Frick
Grabdenkmäler von Notabeln in Elavagnon © Otto Frick

Das Nationalmuseum in Lomé zeigt Musikinstrumente und Objekte der Volkskunst aus Togo. Regionalmuseen mit ethnographischen Objekten, bzw. Sammlungen befinden sich in Aného, Kpalimé, Atakpamé, Sokodé, Kara und Dapaong. Ein sehr beliebtes Spiel in Togo ist Adidada oder Awélé, bei dem zwei Spieler Spielsteine in Holzmulden legen (Online Version des Awalé-Spiels).
In Lomé, in den Quartiers Populaires, und in vielen anderen Orten werden häufig am Sonntagnachmittag Tanzveranstaltungen abgehalten, die sehr volkstümlich und nachbarschaftlich sind. In jeder Region, in allen größeren Ortschaften Togos finden jährlich beeindruckende traditionelle Volksfeste statt, von denen viele auch Erntedankfeste sind. Als Teil der Initiationsriten bei den jungen Kabyé-Männern der Kara-Region finden jährlich die Evala-Ringer-Wettkämpfe statt. In einem Radiobeitrag erfahren Sie Wissenswertes über die Beerdigungszeremonien und Tänze der Kabyé im Norden Togos, wo auch in Kanté das Fest Tislim gefeiert wird. 2007 verstarb in Kpagouda Yassih Weyenema, einer der bekanntesten Griots.
Vor allem im Süden Togos spielen Beerdigungen mit höchst aufwändigen mehrtägigen Begleitzeremonien eine außerordentlich wichtige Rolle, bei denen sich die Familien häufig verschulden müssen. Im Radio und in der Presse haben daher Todesanzeigen einen wichtigen Platz, neuerdings auch online und bei Facebook. Nicht nur in Teshie/Ghana werden fantastische Särge produziert, die an das Essenzielle im Leben der Verstorbenen erinnern, sondern auch in Lomé und einigen anderen Ortschaften der Préfecture du Golfe. 

Religion

In der Kirche von Togoville sind die Heiligengestalten Afrikaner © Otto Frick
In der Kirche von Togoville sind die Heiligengestalten Afrikaner © Otto Frick
Kirche in Aného, die noch aus der deutschen Kolonialzeit stammt © Otto Frick
Kirche in Aného, die noch aus der deutschen Kolonialzeit stammt © Otto Frick

Es ist schwierig konkrete Zahlen über Religionszugehörigkeiten anzugeben. Das liegt u.a. auch daran, dass viele Togoerinnen und Togoer diese Frage nicht so sehr mit der für uns so selbstverständlichen eindeutigen Ausschließlichkeit sehen. Für manche der Gläubigen ist es kein Widerspruch, sich in bestimmten kritischen Situationen noch zusätzlich der traditionellen Mächte zu vergewissern. 
Eine Faustregel besagt, dass etwa 50 % der Bevölkerung den traditionellen afrikanischen Religionen und Kulten angehören, etwa 20 % Muslime und etwa 30 % Christen sind. Von denen sind etwa 20 % der katholischen Kirche zuzurechnen und die 10 % der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche in Togo, den Methodisten und auch verschiedenen Pfingstkirchen (z.B. Assemblées de Dieu, Eglise Pentacoste). Seit 1954 gibt es eine kleine Gemeinde der Bahai. Der Islam tritt in Westafrika in einer anderen Erscheinungsform auf als in den arabischen Ländern. Die togoischen Muslime (Sunniten) treffen wir bei den Anoufo, Tem und Akaselem (Tchamba) an, ferner bei den Fulbe, Hausa und Libanesen. Togo ist auch Mitgliedsland der Organisation der islamischen Kooperation. Bei einer Konferenz der Imame in Lomé sprach sich der Vorsitzende der 'Union Musulmane du Togo' für einen friedfertigen Islam aus und erteilte den radikalen und gewaltbereiten Strömungen eine eindeutige Absage. 
Während der wirtschaftlichen Rezession der letzten 20 Jahre haben sich offensichtlich viele Togoerinnen und Togoer verstärkt im religiösen Leben engagiert und es wurden auffallend viele neue Kirchen und Moscheen (oft von arabischen Staaten finanziert) gebaut. Neue Pfingst- und Charismatische Kirchen und Sekten verzeichnen entsprechende Erfolge. Der Fotograf Gaëtan Noussouglo veröffentlichte eine Fotoserie von diversen Kirchen und Sekten mit außergewöhnlichen Namen. Vor zwei Jahren wurde die l’Observatoire togolais des églises gegründet, eine Behörde zur Beobachtung der mittlerweile rund zwölftausend Kirchen, um die 'wild wuchernden' Kirchen und die falschen Pfarrer zu beobachten und ggf. zu maßregeln. 'King Ayi' aus Togo besuchte Israel, wo er sich mit einigen jüdischen Religionsvertretern traf und bat, dass sein Volk von Israel als einer der verlorenen Stämme Israels anerkannt wird.

Im Mai 2015 empfing Papst Franziskus die Bischöfe der togoischen Bischofskonferenz und richtete eine Botschaft an die Verantwortlichen der katholischen Kirche in Togo, sich bei den politischen Reformen zu engagieren. Ein deutscher Pfarrer, der seit zehn Jahren in Nordtogo lebt, berichtet von seiner Pfarrei.

Fetische © Goethe-Institut Lomé
Fetische © Goethe-Institut Lomé

Neben Bénin ist auch der Süden Togos eines der Zentren des Voudou, einer Religion, die bei uns eher durch Trivialmythen (Hollywoodfilme) bekannt wurde. Der Essay Voodoo versucht den Begriff zu entschleiern und eine Religion darzustellen. Eine sehr gute Kurzinformation über Voodoo und die afroamerikanischen Religionen bietet REMID.

2006 wurde in Aného das 'Festival des divinités noires' gegründet, das im Dezember 2013 zum 8. Mal stattfand. Die amerikanische National Geographic zeigt einen Videoclip über das Neujahrsfest in Glidji, das von vielen Voudou-Zeremonien begleitet wird und bei dem ein Orakel befragt wird, was die Zukunft im kommenden Jahr bereithält. In Lomé wird der berühmte Fetischmarkt im Stadtteil Akodésséwa sowohl von den einheimischen Bewohnern als auch von den Touristen aufgesucht.

Über Religionsfreiheit berichtet der International Religious Freedom Report über das Jahr 2017 vom Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des U.S. Department of State.

Das Länderinformationsportal

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Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Dezember 2018 aktualisiert.

Die Autorin

Maike Wilhelm

lebt und arbeitet seit fünf Jahren regelmäßig in Togo und studiert Politikwissenschaft und Volkswirtschaft. Sie ist als Landestrainerin in der Ausreisevorbereitung von Fach- und Führungskräften bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) tätig.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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