Marktstand in Lomé © Hannah Kölle
Geschätztes BIP
5,59 Mrd. US-$ (2018)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
1600 US-$ (2017)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 165 von 188 (2017)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
55,1 % (2015)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
43,0
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 88 von 129 (2018)

Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftslage

Marmorbrüche in Pagala © Otto Frick
Marmorbrüche in Pagala © Otto Frick

Die Wirtschaftsstruktur Togos ist immer noch durch die aus der Kolonialzeit resultierende Disparität zwischen dem entwickelteren Süden und dem weitgehend auf der Basis traditioneller Subsistenzwirtschaft lebenden Norden gekennzeichnet. Togo ist, abgesehen von den Phosphatvorkommen (in geringeren Mengen auch Kalkstein, Marmor u. a. Bodenschätze), ein rohstoffarmes, regenabhängiges Agrarland.

Die Bevölkerung findet ihr Auskommen größtenteils in der Landwirtschaft, in der etwa zwei Drittel der Bevölkerung arbeiten. Die Selbstversorgung mit den Grundnahrungsmitteln ist gewährleistet, allerdings sehr fragil. Dürre oder Überschwemmungen können schnell zu ernsten Versorgungsengpässen führen. Im Süden werden Mais, Maniok und Ölpalmen gepflanzt, im Dreieck Kpalimé, Atakpamé und Badou werden Kaffee und Kakao kultiviert, während in der Zentralregion Baumwolle und Jams die wichtigsten Kulturen sind und weiter im Norden der Anbau von Hirse/Sorghum und die Rinderhaltung eine größere Rolle spielen.

Die relativ bescheidene industrielle Produktion beruht hauptsächlich auf dem Abbau und der Verarbeitung von Phosphat, der Zementproduktion, die inzwischen die Exporterlöse des Phosphats überrundet hat und dem vor einigen Jahren wieder aufgenommenen Abbau von Eisenerz. Daneben sind es Betriebe der lebensmittelverarbeitenden Industrie und der Produktion einfacher Industriewaren (Plastikartikel, Baustoffe), die größtenteils im Lande verbleiben und zu etwa einem Drittel in die CEDEAO-Staaten exportiert werden.

Phosphatabbau - Phosphate Mining at SNPT (Societe Nouvelle des Phosphates de Togo), 2007-12-02. Licensed under CC-BY-SA by permission of the author, Alexandra Pugachevsky
Phosphate Mining at SNPT (Societe Nouvelle des Phosphates de Togo), 2007-12-02. Licensed under CC BY-SA 3.0 by permission of the author, Alexandra Pugachevsky
Verkäuferin von Beignets d'haricot © Otto Frick
Verkäuferin von Beignets d'haricot © Otto Frick

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist der informelle Sektor, in dem ca. 20 - 25 % der Bevölkerung beschäftigt ist und in dem etwa 20 % des BIP erwirtschaftet wird. Um diesen Bereich besser zu organisieren, wurde 2008 per Dekret die DOSI - Délégation à l'Organisation du Secteur Informel gegründet, die dem Premierminister untersteht.

Ein wichtiger Sektor im Wirtschaftsleben Togos ist der Handel, wobei der Transithandel vom Hafen Lomé in die Sahelländer von großer Bedeutung ist. In der in Hafennähe eingerichteten Freihandelszone SAZOF haben sich bislang über 60 Unternehmen, meist mit ausländischer Kapitalbeteiligung, niedergelassen. Lomé ist ein wichtiger Bankenstandort in Westafrika, was auch zu der früheren Bezeichnung 'Schweiz Afrikas' beitrug.

Das CIA World Factbook veröffentlicht regelmäßig aktuelle Tabellen mit den wichtigsten Wirtschafts und Finanzindikatoren. Die Weltbank veröffentlichte im September 2016 eine detaillierte Länder-Diagnose der Wirtschaft Togos. Die Afrika-relevanten Wirtschaftsmagazine sind Les Afriques, CommodAfrica, Financial Afrik, Ecofin Finance und African Manager, auch IZF.net - 'Investir en zone franc' enthält Wirtschaftsnachrichten zu Togo.

Wirtschaftssektoren

Baumwollfeld mit Baobab-Bäumen © Thoralf Spiess
Baumwollfeld mit Baobab-Bäumen © Thoralf Spiess
Kaffeepackung © Otto Frick
Kaffeepackung © Otto Frick
Ölpalmkerne © Otto Frick
Ölpalmkerne © Otto Frick
Verbotsschild an einem Nationalpark © Otto Frick
Verbotsschild an einem Nationalpark © Otto Frick

Landwirtschaft und Tierhaltung

Die Landwirtschaft Togos wird durch kleinbäuerliche Betriebe dominiert. Der Anbau geschieht im Familienverband mit fast ausschließlich traditionellen Anbaumethoden, ohne Mineraldünger oder Maschinen, und gewährleistet in der Regel die Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die demografische Entwicklung erhöht den Bevölkerungsdruck auf die knappen Landressourcen, dem letztlich nur durch eine Erhöhung der Erträge zu begegnen ist.

Als Cash crops werden Baumwolle, Kaffee, Kakao und Ölfrüchte angebaut. Für den Eigenbedarf werden Jams, Maniok, Mais, Hirse/Sorghum, Reis, Bohnen, Erdnüsse, Zuckerrohr und eine Reihe von weiteren Feldfrüchten, bzw. Obstpflanzen kultiviert. Laut Statistik der FAO sind Jams, Kakao-Bohnen, Mais und Maniok die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte. Togo ist Mitglied in der COPAL – Cocoa Producers' Alliance sowie dem Africa Rice Center.   

Die Regierung hat sich den Ausbau und die Förderung der Landwirtschaft zu einem wichtigen Ziel gemacht und in den letzten Jahren verschiedene landwirtschaftliche Großprojekte initiiert, die jedoch fast ausschließlich von ausländischen Geldgebern finanziert werden. Im Februar 2018 begann 25 km nördlich von Lomé ein Projekt zur Förderung von Reisanbau auf insgesamt 340 ha Landfläche. Das Projekt wurde unter anderem von der islamischen Entwicklungsbank finanziert und verspricht, dass rund 17 000 Menschen davon profitieren. Ebenfalls seit dem Jahr 2018 gibt es das nationale Förderprogramm MIFA, mit dem vermehrt Kredite zum Ausbau der Landwirtschaft vergeben werden sollen. Die Produktion von Lebensmitteln in Bio-Qualität wird zunehmend ausgebaut. Die Regierung will sich unter anderem die weltweit steigende Nachfrage nach Bio-Soja zu Nutze machen. Auf den europäischen Märkten sind auch Früchte aus Togo, teilweise in Bio-Qualität oder als Trockenfrüchte zu finden.
Jeden ersten Samstag im Monat wird in Lomé ein 'Bauernmarkt' abgehalten, auf dem auch eine ganze Reihe von Bio-Produkten zu finden sind. Bei der vom Landwirtschaftsministerium 2016 zum ersten Mal abgehaltenen 'la fête du chocolat et du cacao' Choco Togo wurde auch stolz die erste, in Togo produzierte Schokolade in Bio-Qualität präsentiert sowie unlängst auf der Schokoladen-Messe in Brüssel.

Die Tierhaltung ist weniger als Zucht- oder Mastbetrieb ausgerichtet, sondern wird extensiv betrieben. Es handelt sich hierbei um Hühner, Ziegen, Schweine, Schafe und im Norden auch Rinder. Auch in Togo kommt es gelegentlich zu Spannungen zwischen den Tierhaltern und Ackerbauern. Das wohl beliebteste, aber auch teuerste Fleisch stammt vom Grasnager oder Agouti (Aulacode), dessen Domestizierung erst vor wenigen Jahrzehnten begonnen hat.
Der Fischfang erfolgt eher mit traditionellen Methoden, wie das Filmbeispiel zeigt. Insgesamt macht die Fischerei 4,5% vom BIP aus und es muss zusätzlich Fisch und Fleisch importiert werden, um den eigenen Bedarf zu decken. Togo beklagt auch den illegalen industriellen Fischfang vor der Küste und versucht gemeinsam mit den Nachbarländern Strategien zum Schutz vor Wilderei zu entwickeln.

Forstwirtschaft 

Die togoische Forstwirtschaft ist, gesamtwirtschaftlich gesehen, von geringerer Bedeutung. Die wichtigsten Bäume der Aufforstungsprogramme und der Pflanzungen sind Teak- und Eukalyptus-Bäume. Aus den Früchten des Karité-Baumes wird die Karité- oder Shea-Butter gewonnen, die als Speisefett, aber auch in der Bio-Kosmetik Verwendung findet. Auch der Neem-Baum kann vielseitig genutzt werden, so finden die wirkstoffreichen Pflanzenteile Verwendung in der traditionellen Medizin, in der Landwirtschaft als Insektizide und Pestizide und das aus den Samen gewonnenen Öl dient u. a. als Basis für die Seifenherstellung.
In Togo gilt vor allem im ländlichen Bereich das traditionelle Bodennutzungsrecht neben dem von der Kolonialverwaltung eingeführten Katasterwesen, das sich hauptsächlich im städtischen Milieu durchgesetzt hat. Manchen Landnutzern (Pächtern) ist es nicht erlaubt, Bäume zu pflanzen, da sich daraus Besitzansprüche ableiten können. Entsprechend den Traditionen sind Frauen in Nordtogo durch das patrilineare Erbrecht benachteiligt. Eine Studie beschäftigt sich mit Landtransaktionen im Südwesten Togos und schildert die Probleme, die beim zunehmenden Wettbewerb um Böden und Ressourcen entstehen. 

Energie

Aus Lehm geformter Holzkohleherd (Foyer amelioré) einer Garküche in Tsévié © Otto Frick
Aus Lehm geformter Holzkohleherd (Foyer amelioré) einer Garküche in Tsévié © Otto Frick
Verkaufsstand von Gasöfen in Lomé  © Otto Frick
Verkaufsstand von Gasöfen in Lomé © Otto Frick
Geschäft für Solarpanele in Lomé © Eckehard Mewes
Geschäft für Solarpanele in Lomé © Eckehard Mewes

Togo kann nur einen Teil des benötigten Strombedarfs selber produzieren und ist von Stromimporten aus Ghana und der Elfenbeinküste abhängig. Strom ist immer noch für einen großen Teil der Bevölkerung, vor allem auf dem Land, ein ferner Luxus. Etwa 60 % der Togoer haben keinen Zugang zur Stromversorgung, dafür ist der Anteil an Festbrennstoffen entsprechend hoch: über 80 % des Energiebedarfs werden über Holz, bzw. Holzkohle abgedeckt. 

Bis 2030 will die Regierung eine flächendeckende Stromversorgung in ganz Togo erreichen. Dafür soll vor allem in erneuerbare Energien investiert werden. Die Kosten für die geplanten Maßnahmen werden insgesamt auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt, wobei die Hälfte von privaten Investoren übernommen werden soll. Seit Anfang 2018 hat sich die Regierung bereits mehrmals mit potenziellen Unterstützern getroffen. Darunter waren Vertreter der Weltbank, der afrikanischen Entwicklungsbank und auch der GIZ. Mehrere internationale Unternehmen der Solarenergie haben sich in Folge dessen bereits in Togo niedergelassen.
Ursprünglich waren es Nichtregierungsorganisationen und private Initiativen, darunter einige von Togoern, die in Deutschland leben, die in Togo Solarenergie einführten. In den letzten Jahren etablierten sich auch togoische Betriebe und Unternehmen, die Solarpanele sowie die entsprechenden solarbetriebenen Geräte und Serviceleistungen anbieten. Togocel, der größte Mobilfunkanbieter, konnte mit einem Hybridstromsystem (bestehend aus Solaranlage, einem Dieselaggregat und einer Notstrombatterie) seine betrieblichen Gesamtaufwendungen bereits um 60 % senken. Ein Pilotprojekt sieht vor, Schulen in ländlichen Regionen mit Solarenergie auszustatten und ein Togoer präsentiert seine Idee eines 'Smartbags', in dem ein Laptop mit Solarenergie wieder aufgeladen werden kann und ein Ingenieur entwickelte einen neuen Treibstoff aus den Rückständen von Maniok, Cashewfrüchten und Zuckerrohr.

Industrie und verarbeitendes Gewerbe

Im internationalen Vergleich war dieser Sektor bislang eher von geringerer Bedeutung. Auf dem ersten Platz bei den Exporterlösen steht die Zementproduktion, die von den Firmen Wacem und HeidelbergCement betrieben wird. Letztere hat im Juli 2017 ein zweites Werk im Norden Togos eröffnet. Zuvor hat der Baustoffkonzern für rund 250 Millionen US-Dollar ein Klinkerwerk in Tabligbo und eine Zementmahlanlage in Dapaong errichtet. Die Bauarbeiten hat die chinesische Firma CDI übernommen. HeidelbergCement ist der größte deutsche private Investor in Togo.

Kalkstein auf dem Förderband bei Heidelberg Zement in Tabligbo © Eckehard Mewes
Kalkstein auf dem Förderband bei Heidelberg Zement in Tabligbo © Eckehard Mewes

Die Rohstoffvorkommen in Togo locken zunehmend internationale Konzerne an, wobei die Regierung in der Kritik steht, die Rohstoffe unter Wert zu verkaufen und das Land nicht genug an den Gewinnen zu beteiligen.
Das soll auch für die Phosphatproduktion gelten, die noch in den 1990er Jahren mehr als die Hälfte der Exporterlöse erzielte. 2002 wurde sie teilprivatisiert, Missmanagement und Verfall der Weltmarktpreise führten das Unternehmen jedoch in die Krise. Im Mai 2007 wurde die Société Nouvelle des Phosphates du Togo (SNPT) gegründet. Dennoch gelang es nicht, dem Unternehmen zu neuem Aufschwung zu verhelfen. 2015 erhielt die israelische Firma ELENITO den Zuschlag für die Entwicklung eines Projekts für Phosphatabbau und Düngemittelproduktion. Der Regierung wird vorgeworfen, das Phosphat in den letzten Jahren unter dem Normalpreis verkauft zu haben und sich mit zwei ausländischen Familienclans vor allem selbst daran bereichert zu haben.
Im Jahr 2006 bekam MM Mining, eine indische Firma mit Sitz auf den Bahamas, die Genehmigung, Eisenerz in Banjeli in Nordtogo abzubauen. So wird nach über 80-jähriger Pause das Eisenerz industriell gefördert. Im etwa 30 km südöstlich von Dapaong gelegenen Nayega ließ sich die australische Keras Resources (früher Ferrex) die Lizenz zu 85% für den Abbau von Manganerzen sichern. Die Firma Pomar, die bei Pagala Marmor abbaut, will in den nächsten zehn Jahren 100 Mio. Euro investieren.
Im April 2016 eröffnete der Präsident in Notsé eine chinesische Fabrik, in der Motorräder montiert werden.

Über die Neustrukturierung von maroden Betrieben und Gesellschaften, wie z. B. der Baumwollgesellschaft SOTOCO, die im Januar 2009 in die Nouvelle Société Cotonnière du Togo (NSCT) überging berichtete, u.a. Jeune Afrique.

Die Lebensmittel verarbeitende und Getränke produzierende Industrie besteht u. a. aus einer Getreidemühle, Speiseölfabrik, Brauerei, einer Fabrik, die Palmwein in Flaschen abfüllt, Zuckerraffinerie, Betrieben zur Verarbeitung von Milchprodukten, Tiefkühlprodukten wie Hühnern, Schalentieren und Fischen, Fleischproduktion und Bio-Trockenfrüchten. Togoische Kakaobauern, die sich in einer Kooperative organisierten, entwickelten eine hitzebeständige Schokolade, die ideal für die tropischen Temperaturen ist, da sie ohne Kühlschrank gelagert werden kann. 
Viele dieser Betriebe ließen sich in der 1989 gegründeten Freihandelszone Société d’Administration des Zones Franches (SAZOF) nieder. Mit rund 4000 Beschäftigten ist die koreanische Fabrik für Kunsthaar, Amina, der größte Arbeitgeber der Freihandelszone. Im Mai 2012 wurde der neue Informationsservice eRegulations Togo für die Freihandelszone gegründet.
Beim Ausbau des Flughafens durch die chinesische Firma Wuitec kam es zu Arbeitsniederlegung und massiven Protesten der togoischen Arbeiter, wie auch schon zuvor bei der indischen Bergbaufirma MM Mining in Bandjeli. Deutsche Unternehmen sind, von einigen Ausnahmen wie Heidelberg Zement oder dem Baustoffhersteller Knauf, bei Investitionen eher zurückhaltend.

Angebote eines Immobilienmaklers in Lomé-Doumassessé © Otto Frick
Angebote eines Immobilienmaklers in Lomé-Doumassessé © Otto Frick

Auf dem Immobilienmarkt gibt es einige ehrgeizige Bauprojekte für zukünftige Luxuswohnungen in exklusiven Stadtvierteln - Wellbeing City, Ville Nouvelle - Lomé/Togo im Norden von Lomé - für die noch um Investoren geworben wird, wie dem Filmclip und den Prospekten zu entnehmen ist.
Aber auch der Staat ist auf dem Immobiliensektor aktiv und will tausend Sozialwohnungen für Staatsangestellte bauen lassen.

Kleinhandel und informeller Sektor

Warenangebot eines Schuhverkäufers © Otto Frick
Warenangebot eines Schuhverkäufers © Otto Frick

Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) macht der informelle Sektor noch ca. 20-30% des BIP in Togo aus. 2014 waren es schätzungsweise noch knapp 40%. Der Staat versucht seit Jahren den Arbeitsmarkt zu formalisieren, der große Mangel an Arbeitsplätzen gestaltet das jedoch schwierig. In einer Umfrage 2015 haben mehr als 90% der befragten Togoer angegeben, im informellen Sektor tätig zu sein. Vor allem kleine und mittlere Betriebe bekommen kaum Bankkredite, um sich beispielsweise neben internationalen Firmen auf dem togoischen Markt etablieren zu können.

Der Kleinhandel ist in Togo einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren und wird von Frauen dominiert. Der Regierung sind die vielen Kioske und Verkaufsstände des informellen Sektors jedoch ein Dorn im Auge und werden immer wieder zerstört. Auch die zahlreichen Moto-Taxifahrer gehören zu den vom Wirtschaftswachstum übersehenen Personen. Auf allen Märkten in Lomé arbeiten junge Mädchen und Kinder als Lastenträgerinnen, häufig unter sklavereiähnlichen Verhältnissen.

Der französische Reiseführer Le Routard hat sich auf den Märkten Lomés umgesehen und präsentiert neben den Texten auch einige schöne Fotos. In einem Film berichten selbstständige Unternehmer, die als Zeltverleiher bei Beerdigungen und anderen Veranstaltungen ihre Dienste anbieten. Viele der kleineren Handwerksbetriebe, wie Schreiner, Schmiede, Schlosser oder Maurer sind Einmannbetriebe, die allerdings mit einer relativ großen Zahl an Lehrlingen arbeiten, die wiederum Lehrgeld bezahlen müssen. Der Filmclip Une entreprise togolaise präsentiert einen kleinen Polstereibetrieb und seine Mitarbeiter.

Tourismus

Lehmburg  ('Takienta', auch 'Tata') in der Koutammakou-Region (Pays Tamberma) in Nord-Togo © Otto Frick
Lehmburg ('Takienta', auch 'Tata') in der Koutammakou-Region (Pays Tamberma) in Nord-Togo © Otto Frick
Eintrittskarte zum Wasserfall von Woamé bei Kpalimé © Otto Frick
Eintrittskarte zum Wasserfall von Woamé bei Kpalimé © Otto Frick

Der Tourismus kam in den 15 Jahren der suspendierten Kooperation fast gänzlich zum Erliegen. Togo hat jedoch touristische Potenziale (siehe Kapitel 5), die einem gehobeneren Individualtourismus gerecht werden könnten und die Regierung sucht nach Partnern, auch im Luftverkehr, um den Tourismus wieder anzukurbeln. Eine Studie zeigt auch einige Schwächen des togoischen Tourismus auf. Der Conseil mondial du voyage et du tourisme berichtete, dass in Togo knapp 80.000 Personen im Tourismusbereich beschäftigt sind. Togo setzt sich das ehrgeizige Ziel, noch vor 2020 jährlich über fünfhunderttausend Touristen zu empfangen, was bereits 2017 fast erreicht wurde.

Im November 2014 wurde das größte Hotel der Hauptstadt, das Hôtel 2 Février, das 2006 der libyschen Holding 'Libyan African Investment Company' übertragen wurde, verstaatlicht. Nach aufwändigen Renovierungsarbeiten wurde das Hotel im November 2015 unter dem neuen Siegel Radisson Blu als Fünf-Sterne-Hotel eröffnet, jedoch erwies sich der Neustart als schwierig. An den Stränden der Hauptstadt Lomé entstehen mehr und mehr Freizeitoasen, Clubs und Restaurants, die zum Entspannen der wohlhabenderen Bevölkerungsschichten dienen. 

Außenhandel und regionale Integration

Exporte während der französischen Mandatszeit © Sammlung Otto Frick
Exporte während der französischen Mandatszeit © Sammlung Otto Frick

Außenhandel

Seit der Gründung von Popovi/Aného im 17. Jh. und von Lomé 1877 ist die Küste Togos Teil des atlantischen Handels, was die Mentalität des Südens bis heute prägt. Ohne den Handel hätte es wohl auch keine Togo-Kolonie gegeben. 
Egal ob im informellen Bereich Zigaretten en detail verkauft werden oder ob im großen Stil Waren aus Übersee importiert und in die Nachbarländer exportiert werden: der Handel generell ist einer der wichtigen Sektoren der Wirtschaft. Togo ist seit 1995 Mitglied der WTO. Die Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD- United Nations Conference on Trade and Development veröffentlichte eine Reihe von Berichten und Dokumenten, darunter auch den World Investment Report 2018 mit einem Datenblatt zu Togo. Das International Trade Center veröffentlichte sehr detaillierte interaktive Tabellen der togoischen Exporte sowie der Importe von 2016.

Der Hafen in Lomé, der in den 1960er Jahren mit deutscher finanzieller Hilfe als moderner Tiefseehafen ausgebaut wurde, ist von großer Bedeutung für Togo als Transitland im Warenverkehr mit Mali, Burkina Faso und Niger. Seit dem 1. August 2015 wird der Außenhandel Togos, der über den Containerhafen abläuft, von einem Computersystem erfasst. Für die deutsche Wirtschaft spielt Togo als Handelspartner eine eher kleine Rolle, denn es steht lediglich an 149. Stelle von insgesamt 239 Handelspartnern.
Auch im Handel zwischen den wirtschaftlich bedeutenden Produzenten wie Nigeria, Ghana und der Elfenbeinküste spielt Togo eine wichtige Rolle als Transitland. Aber auch der informelle Handel mit den Nachbarländern spielt eine nicht unwesentliche Rolle, wie den beiden Artikeln über den Schmuggel an der Grenze Ghana-Togo und an der Grenze Togo-Benin zu entnehmen ist. Besonders der Schmuggel mit Benzin bringt dem togoischen Staat einen jährlichen Verlust in Höhe von 33 Milliarden Francs CFA ein. Togo scheint auch Drehscheibe im internationalen Drogenschmuggel zu sein. Die Regierung beabsichtigt die Seegrenze besser abzusichern, um sich vor Piraterie und Drogenschmuggel zu schützen.
Der Hafen ist einer der größten Umschlagplätze der Region für Gebrauchtfahrzeuge aus Europa. Durch die immense Erhöhung der Einfuhrsteuer überlegen jedoch einige der Importeure auf die Häfen der Nachbarstaaten auszuweichen. Unter togoischer Flagge fahren weltweit 566 Schiffe, wie die Direction des Affaires maritime meldete.

Stoffhändlerinnen in Lomé © Jürgen Richter
Stoffhändlerinnen in Lomé © Jürgen Richter

Eines der "Wahrzeichen" von Lomé sind die legendären Nana Benz, die Stoffhändlerinnen mit dem Auto als Statussymbol, die als Grossistinnen die Pagnes genannten Stoffe vorzugsweise in den Niederlanden bestellen und von ihren Lagern in Lomé aus an ein gut funktionierendes Netz von Zwischenhändlerinnen in Togo und in den Nachbarländern weiterhandeln. Die holländische Firma Vlisco, Produzent der teuren und hochwertigen und hochgeschätzten Wax-Stoffe (als Statussymbol in etwa mit unserer früheren "Aussteuer" vergleichbar) bedient heute eine wohlhabende Klientel. Um die Stoffe besser verkaufen zu können, geben ihnen die Händlerinnen Namen, die wie Lebensweisheiten oder Sprichwörter klingen und bestimmte Botschaften enthalten können.
Zum Schutz vor preisgünstigeren asiatischen Nachahmungen und Fälschungen, die zunehmend den Markt überschwemmen, unterzeichnete die Firma Vlisco Anfang Juni 2013 eine Vereinbarung mit der togoischen Zollbehörde. Zwei der erfolgreichen und bekannten Händlerinnen, Dédé Rose Creppy und Maggy Lawson berichten über das unternehmerische Vermächtnis der Nana Benz und wie die neue Generation der Stoffhändlerinnen Geschäfte mit China betreibt, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Regionale Integration

Karte der ECOWAS-Staaten © (ECOWAS Mitgliedsstaaten GNU-FDL)
Karte der ECOWAS-Staaten © (ECOWAS Mitgliedsstaaten GNU-FDL)
Die Geldscheine der Westafrikanischen Francs-Zone © Fotos Otto Frick
Die Geldscheine der Westafrikanischen Francs-Zone © Fotos Otto Frick

Togo ist Gründungsmitglied der CEDEAO - Communauté Économique des États de l'Afrique de l'Ouest, der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (in Englisch ECOWAS), die gerade das 40-jährige Bestehen gefeiert hat, und Mitglied der westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion UEOMA mit der Zentralbank BCEAO. Die gemeinsame Währung, der Franc-CFA - Communauté Financière Africaine, der noch aus der Kolonialzeit (Franc des colonies françaises d'Afrique) stammt, ist im festen Verhältnis (1 € = 655,957 Francs CFA) an den Euro gebunden. Er hat 2015 seine 70-jährige Existenz gefeiert. Diese Abhängigkeit von Frankreich wird auch kritisch gesehen, selbst 'Le Monde' sieht den Francs CFA als Bremse für Afrikas Entwicklung. Das Für und Wider sowie die Zukunft des Franc CFA wird immer wieder diskutiert, so auch von dem Togoer Mawuna Koutonin.

Togo gehört der Bourse Régionale des Valeurs Mobilières (BRVM) an, der Regionalbörse der UEOMA, ist Mitglied der African Development Bank Group und der BOAD, der westafrikanischen Entwicklungsbank mit Sitz in Lomé. Die Ecobank wurde 1985 von den Handelskammern mehrer Länder auf Anregung der CEDEAO/COWAS in Lomé gegründet, wo sie auch ihren Sitz hat. Die Ora-Bank hat sich von Lomé aus im Stillen zu einer wichtigen regionalen Bank entwickelt. Im April 2016 wurde Togo das 40. Mitglied in der 'Banque africaine d'import d'export' Afreximbank und will sich für die afrikanische Integration engagieren, wie Präsident Gnassingbé beim Besuch in Kairo, dem Sitz der Afreximbank, versicherte und organisierte zum ersten Mal die Woche der afrikanischen Integration.

Der Fonds de GARI - Garantie des Investissements Privés en Afrique de l'Ouest mit Sitz in Lomé hat das Ziel, die Privatwirtschaft in den Ländern der CEDEAO finanziell zu unterstützen und zu fördern. Im Internetportal IZF- investir en zone franc, das von der UEOMA betrieben wird, finden interessierte Investoren wichtige Informationen und Adressen zum Geschäftsleben in Togo. Der Fagace - Fonds africain de garantie et de coopération économique ist ein, in der Öffentlichkeit wenig bekanntes, Instrument zur Garantie von Krediten, das von mehreren Ländern initiiert wurde und dem heute 14 west- und zentralafrikanische Länder angehören.

Das Réseau des Systèmes d'Information des Marchés en Afrique de l'Ouest - RESIMAO ist ein Informationsnetzwerk der landwirtschaftlichen Märkte der CEDEAO-Länder mit dem Ziel, zur Lebensmittelsicherheit und zur Armutsminderung beizutragen.  
Togo ist Mitglied im Conseil de l'Entente, dem auch Benin, Burkina Faso, die Elfenbeinküste und Niger angehören. Doch scheinen diese Integrationsanstrengungen noch nicht an der Basis angekommen zu sein: Journalisten berichteten ernüchternd von Tracasseries (Schikanen) durch die Polizei, die sie bei einer Transit-Reise durch die drei CEDEAO-Staaten Benin, Togo und Ghana erlebten.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Ghana, Benin und Nigeria sollen durch die 2009 gegründete Zone d'alliance de la co-prospérité - COPAZ intensiviert werden. Mit Benin existiert bereits im Energie-Sektor die gemeinsam betriebene Communauté Electrique du Bénin (CEB). Die Pipeline des West African Gas Pipeline (WAGP) Project wurde 2007 fertiggestellt und versorgt Benin, Togo und Ghana mit nigerianischem Erdgas, jedoch fällt die Bilanz nicht sonderlich positiv aus. Zusammen mit Ghana und Burkina Faso möchte Togo die Grenzformalitäten vereinfachen.

Wirtschaftspolitik und Entwicklungspotenzial

Ein wichtigstes Ziel von Präsident Faure Gnassingbé nach seiner Machtübernahme war, die suspendierte Kooperation mit der EU wieder aufzunehmen, was Ende 2007 auch gelang. Im Rahmen des 10. Europäischen Entwicklungsfonds (10. EEF) wurde Togo finanzielle Hilfe zugesagt (siehe w. u. Internationales Engagement). Neben den Beziehungen zur EU, dem IWF und der Weltbank versuchte Togo auch die wirtschaftlichen Beziehungen zur VR China, Japan und einigen arabischen Staaten sowie jüngst zu Israel zu intensivieren. Auf der Website des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen finden Sie Nachrichten und weiterführende Links zu den wirtschaftsrelevanten Institutionen des Landes. In den letzten vier Jahren investierte die togoische Regierung 1.000 Milliarden Francs CFA in den Ausbau der Infrastruktur, Vergrößerung des Hafens und Umbau des Flughafens, Straßenbauprojekte sowohl in Lomé als auch im Landesinneren. Togo ist Mitglied in der Extractive Industries Transparency Initiative - EITI – ITIE (Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft) und gehört zu den Ländern, die sich zur Transparenz verpflichten und ihre Zahlungsströme offenlegten. Angesichts der jährlichen Lebensmitteleinfuhren in Höhe von 33 Milliarden Dollar plant Togo ein Wirtschaftsforschungsinstitut und appelliert an die Bevölkerung, mehr einheimische Produkte zu konsumieren.
Togo erhielt das Zertifikat 'PEFA Check' für die Verbesserung der öffentlichen Finanzen.

Die Regierung beabsichtigt, die beiden Banken l'Union togolaise de banque (UTB) und die Banque togolaise pour le Commerce et l'Industrie (BTCI) zu fusionieren, um eine Bank mit mehr Gewicht zu etablieren. Im Juli/August 2016 fand zum ersten Mal die Messe 'Made in Togo' statt, um den togoischen Produkten eine bessere Plattform zu bieten. Die Regierung versucht durch eine Besteuerung der eingehenden Telefongespräche sowie einer Erhöhung der Mehrwertsteuer und dem Kampf gegen Geldwäsche und andere Finanzbetrügereien, die Staatskassen zu füllen. Eine erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeit ist Koffi Djondo, der Gründer der Ecobank und Asky-Airlines.

Der Bertelsmann Transformations-Index informiert über die politische und wirtschaftliche Entwicklung und Transformation der letzten Jahre. Auf der Togo-Seite des Index der wirtschaftlichen Freiheit 2018, einem Jahrbuch des Heritage Foundation, nimmt Togo Rang 168 von 178 Ländern ein, in der Kategorie "mostly unfree". 2016 war das Land noch auf Platz 135. Auch im Ranking der Weltbank Doing Business 2018 nimmt Togo Platz 156 von 190 Ländern ein und gehört somit zu den schwierigsten Ländern der Welt. Auch hier ist Togo abgestiegen. Droit-Afrique bietet Informationen zur rechtlichen Situation im Wirtschaftsbereich und zu den internationalen Organisationen mit denen Togo verbunden ist. Die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank geben mit Zahlen und Prognosen einen Überblick über Togos wirtschaftliche Situation. Für 2018 rechnet Togo mit einem Wirtschaftswachstum von 5%. Die politische Krise seit den Aufständen der Bevölkerung im Sommer 2017 wirkt sich auch negativ auf die Wirtschaft des Landes aus. 

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Armut und Armutsbekämpfung

Togo gehört zu den ärmsten Länder der Welt. Im HDI Ranking der VN von 2018 nimmt Togo Platz 165 von 188 ein. Die Weltbank beziffert für Togo ein Wachstum seines BIP seit 2010 mit jährlich 4-6 %. Ein Wirtschaftswachstum in dieser Größenordnung wird nicht ausreichen, um in einem Land wie Togo zu einer signifikanten Armutsreduzierung beizutragen. Von der wachsenden Wirtschaft profitieren vor allem ausländische Investoren, der Staatsapparat und eine kleine Oberschicht im In- und Ausland. Inländische Unternehmen können dem internationalen Wettbewerb häufig nicht standhalten und werden beispielsweise beim Aufbau der Infrastruktur kaum einbezogen.

Dennoch will die Regierung weiterhin in erster Linie ausländische Investoren für den privaten Sektor gewinnen und dafür weiter in Hafen und Flughafen investieren, wie Premierminister Selom Klassou Anfang 2017 bei einem Treffen der VN zu Nachhaltiger Entwicklung in New York sagte, wo er die Strategie der togoischen Regierung zur Armutsbekämpfung vorstellte. Innenpolitische Einheit, um die man sich bemühen werde und eine starke Regelung des Eigentumsrechts sollen Investitionen sicher machen und Lomé zum Logistik- und Handelszentrum der Region werden lassen.

Zusätzlich will die Regierung weiter in die Landwirtschaft investieren, von der nach wie vor 70% der Bevölkerung kaum leben können. Die eigentliche Herausforderung im Land ist die Grundversorgung der Bürger insbesondere mit Zugang zu Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen. Die Prioritäten der Regierung liegen bei der Verbesserung der Energie- und Trinkwasserversorgung und dem Aufbau eines Abwassersystems. Um die Versorgung von sauberem Trinkwasser zu gewährleisten, wird mit Unterstützung der 'Facilité africaine de l’eau (FAE)' eine Wasserleitung von Ghana nach Lomé gebaut sowie eine Reihe von Brunnenbohrungen und anderen Maßnahmen zur Wasserversorgung im Landesinneren vorgenommen.

Im April 2009 verabschiedete die Regierung die endgültige Fassung der Armutsbekämpfungsstrategie (DSRP) und beschloss ein Prioritäres Aktionsprogramm (PAP) (Joint Staff Advisory Note, 2014). 2011 startete Togo mit dem Programm eines Freiwilligendienstes für Jugendliche PROVONAT, das später zur Agence National du Volontariat du Togo (ANVT) wird. Das Programm soll Arbeitssuchenden zu einer festen Anstellung verhelfen. Der 'Fonds national pour la finance inclusive' (FNFI) konnte bereits nach einem Jahr 700.000 Bedürftige, vor allem Frauen, unterstützen und in den nächsten fünf Jahren sollen bis zu zwei Millionen Menschen davon profitieren.

Entwicklungsanstrengungen im Bereich der Landwirtschaft zeigten Erfolge und Togo konnte einen Überschuss in der Getreideproduktion vermelden. Mit Hilfe der Afrikanischen Entwicklungsbank BAD will Togo in der Kara-Region ein Projekt zur Weiterverarbeitung von Agrarprodukten zu Lebensmitteln aufbauen. 

Die togoische Regierung erarbeitete zusammen mit den VN Rahmenbedingungen zur Beschleunigung der Millenniumsziele, um die landwirtschaftliche Produktion der Kleinbauern zu steigern.
Die tabellarische Übersicht zeigt, welche Millenniumsziele Togo verfolgt oder erreicht hat. Ein Jahr vor Ablauf der Frist, die sich die Vereinten Nationen gesetzt hatten, zeigte die Bilanz, dass nicht alle Ziele erreicht wurden und 2015 wurden neue, nachhaltige Entwicklungsziele formuliert, die die alten Millenniumsziele der Vereinten Nationen ersetzen.
Die Rahmenbedingungen der VN für die Entwicklungshilfe in Togo finden Sie im vollen Wortlaut im "Plan Cadre des Nations Unies pour l'Aide au Développement (UNDAF) 2014 – 2018".

Nationale Entwicklungsanstrengungen

Nach den Anstrengungen der Regierung unter Faure Gnassingbé nahm die EU im November 2007 die volle Zusammenarbeit mit Togo wieder auf. Die langfristigen nationalen Entwicklungsstrategien Togos, die auf Grundlage der Millenniumsziele geplant wurden, sind in dem Bericht Le Togo se mobilise autour des OMD dargelegt und im Januar 2014 wurde der vierte Bericht bestätigt.
Präsident Faure Gnassingbé nahm am Gipfeltreffen der Vereinten Nationen teil, bei dem die neue Agenda 2030 mit den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung präsentiert wurde, und die seit dem 1. Januar 2016 in Togo implementiert werden.

'In Togo investieren', so lautet die Aufforderung der 'SAZOF', der Freihandelszone, die 1989 gegründet wurde, um ausländische Investoren ins Land zu holen. Mittlerweile haben etwa 60 Unternehmen ihre Produktion aufgenommen und weitere 30 sind dabei, sich niederzulassen. 'In Togo investieren' ist auch die Parole, mit der die togoische Regierung versucht, der Wirtschaft wieder zum Aufschwung zu verhelfen, wie diverse Aktivitäten und Veranstaltungen zeigen, auch in Deutschland. 2011 fand in der IHK München unter Teilnahme vom damaligen Premierminister Houngbo ein Wirtschaftstag zur Republik Togo statt.

Der Dachverband Fucec Togo ist ein Zusammenschluss von genossenschaftlichen Sparkooperativen und vergibt seit über drei Jahrzehnten Kredite an seine 285.000 Mitglieder. Im Januar 2014 wurde mit internationaler Unterstützung der staatliche 'Fond national de la finance inclusive' (FNFI) eingeführt, ein Instrument zur Finanzierung von Kleinkrediten. Die Regierung veröffentlichte im Januar 2016 eine Liste der 186 Mikrofinanzinstitutionen. Nach einer Information der Banque centrale des Etats de l’Afrique de l’Ouest (BCEAO) erhielten im vergangenen Jahr 20 % mehr Empfänger Kleinkredite und insgesamt profitierten davon beinahe zwei Millionen Kreditnehmer. In Lomé wurde ein Büro für Kreditberatung eröffnet.

Togo ist Mitglied in der OHADA, einem Zusammenschluss 17 west- und zentralafrikanischer Staaten mit dem Ziel der Etablierung einer einheitlichen Rechtsordnung innerhalb der Region, um ein freundliches Investitionsklima zu schaffen und das afrikanische Rechtssystem zu stärken.

Der Eintritt ins Rentenalter bei den Angestellten im öffentlichen Dienst wurde im Hinblick auf Finanzeinsparungen von 55 Jahre auf 60 Jahre heraufgesetzt, was gleichzeitig auch die durchschnittliche Lebenserwartung ist. Um der hohen Arbeitslosigkeit begegnen zu können, wurde 2009 die nationale Stellenvermittlung, die Agence nationale pour l'emploi gegründet. Auch eine private Initiative bietet über das Internet Stellen und diverse Dienstleistungen an. Das französische Magazin 'Le Point - Afrique' veröffentlichte die Porträts von einigen Akteuren die zur Entwicklung Togos mit beitragen.

Internationales Engagement

Togoisch-chinesisches Landwirtschaftszentrum in Lomé © Eckehard Mewes
Togoisch-chinesisches Landwirtschaftszentrum in Lomé © Eckehard Mewes

Das Portal der Vereinten Nationen und der Unterorganisationen, die in Togo vertreten sind, informiert über die Projekte und bietet Berichte als Downloads an. Die Organisation der Vereinten Nationen für die industrielle Entwicklung - ONUDI verabschiedete ein neues Rahmenabkommen mit Togo. Im 11. Europäischen Entwicklungsfonds gehört auch Togo zu den Empfängerländern. Die 'Délégation de la Commission Européenne auprès de la République Togolaise' bietet auf ihrer Homepage Nachrichten und Berichte, auch als PDF-Dateien. 
Das Welternährungsprogramm der VN (WFP) leistete in den vergangenen Jahren Nahrungshilfe bei den Opfern der Flutkatastrophen und in den Flüchtlingslagern. Die Weltbank re-engagierte sich 2008 in Togo, nachdem Forderungen an die International Development Association (IDA) geklärt wurden. Im Juni 2009 gewährte sie eine Hilfe von 26,82 Mio. Dollar für die Sanierung der Infrastruktur und der Stromversorgung und will für den Zeitraum 2016-2020 den Bergbausektor mit einem Kredit von 15 Mio. US-Dollar fördern. Togo durchlief seit 1979 mehrere Strukturanpassungsprogramme, deren soziale Folgen sich durch Einsparungen in den Bereichen Gesundheit und Bildung bemerkbar machten.

Togos 10 wichtigste Geldgeber der Öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit
Togos 10 wichtigste Geldgeber der Öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit

Weitere wichtige Partner Togos im Bereich der EZ sind Frankreich, China, Japan, einige arabische Staaten, wie z.B. Kuwait und Ägypten, aber auch Israel, wo der Präsident sich bereits mehrmals zu einen Staatsbesuch aufhielt. Für die Periode 2014-2020 koordinierte die Europäische Union zusammen mit Frankreich und Deutschland die EZ mit Togo. 

Die VR China gewährte beim Besuch von Präsident Faure Gnassingbé Kredite für den Ausbau des Flughafens und für den Bau des Staudamms von Adjaralla sowie einen teilweisen Schuldenerlass und betonte somit die Süd-Süd Kooperation zwischen China und Togo. Auch im Luftverkehr wurde zwischen China und Togo eine Kooperation vereinbart. Japan will 15 Milliarden Francs CFA für einen neuen Fischereihafen ausgeben.

Auf der interaktiven Website des Pariser Clubs sind mehrere Dokumente verzeichnet, die die Verschuldungen Togos aufzeigen. Am 12. Juni 2008 wurde Togo ein Schuldenerlass in Höhe von 347 Mio. Dollar und am 22. Januar 2009 von weiteren 22 Mio. Dollar gewährt. Einen guten allgemeinen Überblick zur Logik der Schuldenerleichterung für die ärmsten Länder bietet der IWF in deutscher Sprache. Im Dezember 2009 erließ Deutschland Togo einen Teil der Schulden, 2011 erfolgte dann ein weiterer Schuldenerlass, so dass Togo nun Deutschland gegenüber völlig schuldenfrei ist. Die Europäische Investitionsbank sagte Togo ebenfalls einen Schuldenerlass zu.
Der Geldtransfer von Togoern aus dem Ausland lag 2017 bei mehr als 423 Millionen US-Dollar und machte rund 9% des BIP aus. Einer Regierungsmeldung zufolge leben zwei Millionen Togerinnen und Togoer außerhalb Togos, die im Jahr 2015 etwa 350 Millionen US-Dollar nach Togo überwiesen.

Deutsche Entwicklungs- und Hilfsorganisationen

Das GIZ-Büro in Kpalimé © Otto Frick
Das GIZ-Büro in Kpalimé © Otto Frick

Die Suspendierung der Kooperation der EU mit Togo von 1993 bis Ende 2007 reduzierte auch die Projekte vor Ort drastisch. Von den Personalentsendeorganisationen war der DED, der 2011 mit der GTZ und Inwent zur GIZ fusionierte, die einzige deutsche Organisation, die in Togo blieb und mit einem verkleinertem Team in den Programmbereichen der Aids-Prävention und der Demokratieförderung zur Stärkung der Zivilgesellschaft weiterarbeitete. Nachdem Bundesminister Niebel bei seinem Besuch in Togo im Dezember 2011 der Regierung die Wiederaufnahme der deutschen EZ erneut bestätigte, und nach den Regierungsverhandlungen 2012 mit Togo, wurde die GIZ mit neuen Projekten beauftragt und so entstanden seit 2013 mehrere neue Projekte der deutschen EZ in Togo. Deutschland sicherte Togo im Juni 2015 weitere 33 Mio. Euro Entwicklungshilfe zu. Im Bundestag wurde 2014 eine parlamentarische Togo-Freundschaftsgruppe gegründet, die bereits 16 Mitglieder hat.

Im Januar 2016 war Bundesminister Dr. Gerd Müller zu Besuch in Togo und Deutschland wird ein Landwirtschaftszentrum mit 15,5 Mio. Euro unterstützen. Im April 2016 fand in Lomé ein deutsch-togoischer 'Frühling der Zusammenarbeit' statt, zu dem deutsche Geschäftsleute, Wirtschaftswissenschaftler, Hochschulprofessoren, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie eine Delegation des Bundestags eingeladen wurden. Togo hat großes Interesse die Zusammenarbeit mit Deutschland zu intensivieren. Bei den Regierungsverhandlungen anlässlich des Besuchs des togoischen Präsidenten im Juni 2016 in Berlin wurden Togo 54 Mio. Euro Entwicklungshilfe für die folgenden zwei Jahre zugesagt, wovon jeweils die Hälfte für die finanzielle EZ und für Projekte und Programme der technischen Zusammenarbeit vorgesehen sind. Die Schwerpunkte der deutschen EZ liegen im Gesundheitsbereich, der Berufsausbildung und Beschäftigungsförderung, der Dezentralisierung und der ländlichen Entwicklung und Landwirtschaft.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau - KfW eröffnete im Juni 2015 ein Büro in Togo, nachdem sie Togo bereits seit 57 Jahren unterstützt. Die Hanns-Seidel-Stiftung arbeitet in den Bereichen Sensibilisierung und Fortbildung der Zivilgesellschaft sowie der Förderung der Dezentralisierung. Der Freiwilligendienst Weltwärts entsendet über verschiedene Organisationen junge Freiwillige auch zu Projekten in Togo. Im Internet finden sich eine ganze Reihe von Blogs mit subjektiven Berichten zum Einsatz in Togo.

Das Goethe-Institut, das im April 2005 durch einen Brandanschlag stark beschädigt wurde, konnte nach Schadensersatzleistung durch die togoische Regierung seit September 2006 seine Arbeit wieder uneingeschränkt aufnehmen. Neben dem Deutschunterricht und dem Kulturprogramm betreut es die togoischen Deutschlehrer und drei deutsche PASCH-Partnerschulen. Der DAAD fördert finanziell eine Germanistik-Lektorin aus Deutschland, die in der Deutschabteilung der Université de Lomé lehrt und die Studien- und Stipendienberatung für togoische Studenten und Wissenschaftler aller Fakultäten durchführt, die in Deutschland studieren oder forschen möchten.

'Hilfe zur Selbsthilfe' - Hinweistafel einer deutsch-togoischen NRO © Otto Frick
'Hilfe zur Selbsthilfe' - Hinweistafel einer deutsch-togoischen NRO © Otto Frick
Werbetafel einer deutsch-togoischen NRO am Friedhof von Togoville © Otto Frick
Werbetafel einer deutsch-togoischen NRO am Friedhof von Togoville © Otto Frick

Andere Organisationen, die im Gesundheitsbereich, in sozialen und karitativen Einrichtungen tätig sind und mit einheimischen NRO zusammenarbeiten, waren in Togo oft nur mit einer Person vertreten oder entsendeten temporäre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die SOS-Kinderdörfer unterhalten in Lomé, Kara und in Dapaong Kinderdörfer und andere Einrichtungen, während Plan-International in allen Regionen vertreten ist. Die Norddeutsche Mission, "Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst", die katholische AGEH - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe und das Deutsche Rote Kreuz unterstützen Projekte im Bereich der Zivilgesellschaft. Die mit der Evangelischen Kirche verbundene Seemannsmission unterhält in Lomé das Foyer des Marins (Seemannsheim).

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im März 2019 aktualisiert.

Die Autorin

Maike Wilhelm

lebt und arbeitet seit fünf Jahren regelmäßig in Togo und studiert Politikwissenschaft und Volkswirtschaft. Sie ist als Landestrainerin in der Ausreisevorbereitung von Fach- und Führungskräften bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) tätig.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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