Marktstand in Lomé © Hannah Kölle
Geschätztes BIP
5,5 Mrd. US-$ (2019)
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität)
1650 US-$ (2019)
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI)
Rang 167 von 189 (2018)
Anteil Armut (nat. Armutsgrenze)
55,1 % (2015)
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient)
43,1 (2018, HDR)
Wirtschaftl. Transformationsindex (BTI)
Rang 89 von 137 (2020)

Wirtschaftsstruktur

Marmorbrüche in Pagala © Otto Frick
Marmorbrüche in Pagala © Otto Frick

Die Wirtschaftsstruktur Togos ist immer noch durch die aus der Kolonialzeit resultierende Disparität zwischen dem gut angebundenen Süden und dem weitgehend auf der Basis traditioneller Subsistenzwirtschaft lebenden Norden gekennzeichnet. Togo ist, abgesehen von den Phosphatvorkommen (in geringeren Mengen auch Kalkstein, Marmor u. a. Bodenschätze), ein rohstoffarmes, regenabhängiges Agrarland.

Die Wirtschaft ist wenig diversifiziert und verfügt über eine geringe Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe (durchschnittlich 16% des BIP im Zeitraum 2015-2018). Landwirtschaft ist dementsprechend ein wichtiger Wirtschaftssektor, in dem etwa zwei Drittel der Bevölkerung ihr Auskommen findet und das 30% des BIP ausmacht. Für die landwirtschaftliche Produktion werden 67% der Landfläche verwendet.

Ein weiterer wichtiger Sektor im Wirtschaftsleben Togos ist der Handel, wobei der Transithandel vom Hafen Lomé in die Sahelländer von großer Bedeutung ist. Die Hauptstadt Lomé hat sich durch ihre zentrale Lage in Westafrika und dem Ausbau von Überlandstraßen, des Tiefseehafens und des Flughafens zur logistischen Drehscheibe der Region entwickelt, worauf die Regierung weiter aufbauen möchte. Die wichtige Handel- und Logistikbranche sorgt dafür, dass der Dienstleistungssektor inzwischen rund 50% des BIP ausmachen. In der in Hafennähe eingerichteten Freihandelszone SAZOF haben sich bislang über 60 Unternehmen, meist mit ausländischer Kapitalbeteiligung, niedergelassen. 

Bergbau und Industrie machen rund 20% des BIP aus. Die industrielle Produktion beruht hauptsächlich auf dem Abbau und der Verarbeitung von Phosphat, der Zementproduktion, die inzwischen die Exporterlöse des Phosphats überholt hat und dem vor einigen Jahren wieder aufgenommenen Abbau von Eisenerz. Daneben sind es Betriebe der lebensmittelverarbeitenden Industrie (Getränke der Brauerei, Tabak) und der Produktion einfacher Industriewaren (Plastikartikel, Baustoffe), die größtenteils im Lande verbleiben und zu etwa einem Drittel in die CEDEAO-Staaten exportiert werden.

Neben Zement und Phosphat sind Baumwolle, Kaffe und Kakao die wichtigsten Exportgüter. Importiert werden vor allem Erdöl, Nahrungsmittel, Maschinen, Fahrzeuge, Textilien und andere industrielle Fertigprodukte. Das Land muss jedes Jahr deutlich mehr importieren als es exportiert.

Phosphatabbau - Phosphate Mining at SNPT (Societe Nouvelle des Phosphates de Togo), 2007-12-02. Licensed under CC-BY-SA by permission of the author, Alexandra Pugachevsky
Phosphate Mining at SNPT (Societe Nouvelle des Phosphates de Togo), 2007-12-02. Licensed under CC BY-SA 3.0 by permission of the author, Alexandra Pugachevsky
Verkäuferin von Beignets d'haricot © Otto Frick
Verkäuferin von Beignets d'haricot © Otto Frick

Der informelle Sektor ist ein wichtiger, wenn nicht sogar der dominierende Bereich der togoischen Volkswirtschaft. Eine Studie des Nationalen Instituts für Statistik und wirtschaftliche und demographische Studien (INSEED) kommt zu dem Ergebnis, dass der informelle Sektor, auch als Schattenwirtschaft bezeichnet, 87,9% der Arbeitsplätze schafft. Der Staat versucht seit Jahren den Arbeitsmarkt zu formalisieren, der große Mangel an Arbeitsplätzen gestaltet das jedoch schwierig. Vor allem kleine und mittlere Betriebe bekommen kaum Bankkredite, um sich beispielsweise neben internationalen Firmen auf dem togoischen Markt etablieren zu können. Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) macht der informelle Sektor ca. 20-30% des BIP in Togo aus.

Er umfasst in erster Linie den Kleinhandel, wie die zahlreichen Verkaufsstände auf den Straßen. Der Kleinhandel ist in Togo einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren und wird von Frauen dominiert. Der Regierung sind die vielen Kioske und Verkaufsstände des informellen Sektors jedoch ein Dorn im Auge, weshalb sie immer wieder zerstört werden. Auch die zahlreichen Moto-Taxifahrer gehören zur informellen Wirtschaft. Um diesen Bereich besser zu organisieren, wurde 2008 per Dekret die DOSI - Délégation à l'Organisation du Secteur Informel gegründet, die dem Premierminister untersteht.

Lomé ist ein wichtiger Bankenstandort in Westafrika, weshalb Togo einst die "Schweiz Afrikas" genannt wurde. Seit den 1990er Jahren verschlechterte sich das Bankensystem weil internationale Kunden und Geldgeber sich wegen der schwierigen politischen Lage zurückzogen. 2007 hat der IWF eine Reform des Bankensektors gefordert, einschließlich der Privatisierung der von der Regierung geführten Banken. Die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion hat das System daraufhin auf den Prüfstand gestellt. Mehr als 30% der vergebenen Kredite wurden als faule Kredite von halbstaatlichen Einrichtungen eingestuft. Die Forderung des IWF nach der Privatisierung der beiden verbleibenden staatlichen Banken, der Bank für Handel und Industrie (BHKW) und der Union der togoischen Banken (UTB), war von der Regierung jahrelang abgelehnt worden und wurde schließlich am 16. November 2018 von der Nationalversammlung genehmigt.

Neben dem formellen institutionellen Bankwesen spielen das Mikrofinanzsystem (systèmes financiers décentralisés, SFD) und informelle traditionelle afrikanische Spar- und Kreditprogramme (Tontinen, in Togo Adakavi genannt) eine wichtige Rolle, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und den informellen Sektor.   

Das CIA World Factbook veröffentlicht regelmäßig aktuelle Tabellen mit den wichtigsten Wirtschafts und Finanzindikatoren. Die Weltbank veröffentlichte im September 2016 eine detaillierte Länder-Diagnose der Wirtschaft Togos. Die Afrika-relevanten Wirtschaftsmagazine sind Les Afriques, CommodAfrica, Financial Afrik, Ecofin Finance und African Manager.

Der französische Reiseführer Le Routard hat sich auf den Märkten Lomés umgesehen und präsentiert neben den Texten auch einige schöne Fotos. In einem Film berichten selbstständige Unternehmer, die als Zeltverleiher bei Beerdigungen und anderen Veranstaltungen ihre Dienste anbieten. Viele der kleineren Handwerksbetriebe, wie Schreiner, Schmiede, Schlosser oder Maurer sind Einmannbetriebe, die allerdings mit einer relativ großen Zahl an Lehrlingen arbeiten, die wiederum Lehrgeld bezahlen müssen. Der Filmclip Une entreprise togolaise präsentiert einen kleinen Polstereibetrieb und seine Mitarbeiter.  

Wirtschaftslage

Obwohl es unter Faure Gnassingbé unbestreitbare Verbesserungen gegeben hat, fehlen in Togo noch immer die Grundlagen für einen glaubwürdigen marktwirtschaftlichen Wettbewerb und eine gute Regierungsführung. Im Economic Freedom Index der Heritage Foundation liegt Togo 2020 auf Platz 140 von 180 untersuchten Ländern. Im regionalen Ranking befindet sich das Land auf Platz 27 von 47 Subsahara Afrika Staaten. Die wirtschaftliche Freiheit Togos bleibt dem Gesamtstatus "weitgehend unfrei" erhalten.

2019 konnte Togo ein Wirtschaftswachstum von 5% verzeichnen, ähnlich wie in den Vorjahren. Von der wachsenden Wirtschaft profitieren vor allem ausländische Investoren, der Staatsapparat und eine kleine Oberschicht im In- und Ausland. Das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren wurde durch Investitionen in die Infrastruktur und den wichtigen Zement- und Klinkersektor angetrieben. Das Pro-Kopf-Wachstum lag 2017 bei 3,0% und ist damit seit 2014 auf einem ähnlichen Niveau geblieben. Insgesamt hinkt Togo im Vergleich zur wirtschaftlichen Entwicklung Subsahara-Afrikas nach wie vor hinterher. Das Pro-Kopf-Einkommen von 660 Dollar im Jahr 2018 ist nur halb so groß wie der Durchschnitt in Ländern südlich der Sahara.   

Togo durchlief zuletzt 2017-2019 ein Strukturanpassungsprogramm unter Aufsicht des IWF um die Schuldenquote bis 2020 auf unter 70% des BIP zu reduzieren. Um das zu erreichen wurden u.a. die öffentlichen Investitionen um 40% gesenkt und weitere fiskalische Sparmaßnahmen vereinbart. 2018 sind die Importe um mehr als 20% zurückgegangen. Die Staatsverschuldung war in den Vorjahren auf über 80% des BIP Ende 2016 angestiegen und überstieg damit die von der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion festgelegte Schuldenobergrenze von 70% des BIP. Grund dafür waren hohe Investitionen in die Infrastruktur, wie der Ausbau des Tiefsee- und Flughafens. Der IWF war besonders besorgt darüber, dass China Togo durch seine großen Infrastrukturprojekte mit nicht tragfähigen Schulden überfrachtet. 2018 kündigte der chinesische Staatschef Xi Jinping einen teilweisen Schuldenerlass an. Bereits Ende 2018 schaffte es die togoische Wirtschaft die Konvergenzkriterien der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten ECOWAS zu erfüllen.

Die Covid-19 Pandemie wird diese makroökonomischen Erfolge zunichte machen und hat große Auswirkungen für Togo. Die Regierung rechnet mit einem Rückgang der staatlichen Einnahmen um 40% und dem Einbruch des wichtigen Dienstleistungssektors. Durch seine Rolle als Transitland im Handel ist die togoische Wirtschaft stark von der Außenwelt abhängig. Das BIP könnte nach pessimistischer Rechnung 2020 erstmals um bis zu 1,5% schrumpfen, gegenüber einer ursprünglichen Wachstumsprognose von 6%. Die Regierung revidierte die Wachstumsaussichten auf 2% bis 2,5% und kündigte Unterstützung für die Privatwirtschaft an.  

Aufgrund von Reformen der öffentlichen Finanzen und der Verbesserungen des Geschäftsklimas hat Togo deutlich verbesserte Plätze in den Doing Business Reports für 2019 und 2020 eingenommen als in der Vergangenheit. Die Studie der Weltbank analysiert die Reformen, die im Laufe des Jahres stattgefunden haben und das Geschäftsklima für Unternehmen verbessern. Dazu gehören der Zugang zu Elektrizität, die Erlangung von Eigentumsrechten und Krediten, der Schutz von Minderheitsaktionären, die Zahlung von Steuern und die Verwaltung von Verträgen mit dem Staat. Unter anderem wurden die Gebühren für Baugenehmigungen in Togo deutlich gesenkt.  

Insgesamt stellen die politischen und administrativen Rahmenbedingungen in Togo aber weiterhin ein Hindernis für die Zunahme privater Direktinvestitionen und privatwirtschaftlicher Aktivitäten dar. In den letzten Jahrzehnten haben sich die ausländischen Direktinvestitionen dennoch stetig verbessert, von 18 Millionen Dollar im Jahr 1990 auf 146 Millionen Dollar im Jahr 2017.  

Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Jahren aufgrund der Währungsbindung und der staatlichen Subventionen für Treibstoff Preise moderat bleiben (ca. 2%). Der westafrikanische CFA-Franc ist zu einem Kurs von 657,88 F CFA zu 1 € an den Euro gekoppelt. Dementsprechend kann das Land keine unabhängige Geldpolitik verfolgen. Die Integration in die Franc-Zone ist nach wie vor hauptsächlich aus politischen und weniger aus wirtschaftlichen Gründen gerechtfertigt und ist auf die hohe Anfälligkeit der westafrikanischen Länder für politische Krisen zurückzuführen.

Das Missverhältnis zwischen Ausbildung und verfügbaren Arbeitsplätzen führt zu einem großen Druck auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere für Hochschulabsolventen, von denen nur ungefähr ein Drittel eine Anstellung findet. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, sowie das mangelhafte Sozial- und Gesundheitssystem und der völlig überbelastete Bildungssektor bleiben die großen Probleme in Togo. 

Politische Spannungen zwischen dem Regime und der Bevölkerung wirken sich immer wieder negativ auf die tendentiell wachsende Wirtschaft aus. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2017 haben politische Unruhen einen Rückgang der Investitionen hervorgerufen. Die Regierung sorgt jedoch mit Repression immer wieder für Ruhe. Nach den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2020 hat sich die politische Lage erstmal entspannt. Risikofaktoren für die togoische Wirtschaft sind außerdem die Abhängigkeit des wirtschaftlichen Einkommens von den klimatischen Bedingungen für die Landwirtschaft und den Rohstoffpreisen seiner Exportgüter.  

Der Bertelsmann Transformations-Index informiert über die politische und wirtschaftliche Entwicklung und Transformation der letzten Jahre. Droit-Afrique bietet Informationen zur rechtlichen Situation im Wirtschaftsbereich und zu den internationalen Organisationen, mit denen Togo verbunden ist. Die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank geben mit Zahlen und Prognosen einen Überblick über Togos wirtschaftliche Situation. German Trade And Invest (GTAI) bietet regelmäßige Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung. Auf der Seite Togo Invest befinden sich Informationen zu wirtschaftlichen Projekten und Entwicklungen. 

Wirtschaftliche Entwicklung

Während der deutschen Kolonialzeit galt Togo als "Musterkolonie", die wirtschaftlich sehr rentabel war. Sie lieferte begehrte Güter wie Baumwolle, Erdnüsse, Kautschuk und Kaffee. Für den Gütertransport bauten die Deutschen mehrere Eisenbahnstrecken, die teilweise heute noch genutzt werden. Auch eine 300m lange Landungsbrücke im Meer wurde erreichtet, da Lomé keinen natürlichen Hafen besaß. Die unter den Deutschen errichtete Infrastruktur ist der Grund für den heute verbreiteten Mythos, die deutsche Kolonialzeit sei "besser" gewesen, als die der Franzosen. Als Frankreich nach dem ersten Weltkrieg die Kolonie übernahm, nutzten sie vor allem die bereits bestehende Infrastruktur für die wirtschaftliche Ausbeutung. Nach der Unabhängigkeit 1960 erhielt Togo von Deutschland mit rund 600 Millionen Mark die damals höchste Entwicklungshilfe pro Kopf. 1967 wurde mit Unterstützung aus Deutschland ein künstlicher Tiefseehafen errichtet. Der Hafen und die Phosphatgewinnung sind - damals wie heute - neben der Landwirtschaft die wichtigen Motoren der Wirtschaft.

Die Entdeckung des Phosphats in Togo geht auf das Jahr 1952 zurück. Zu dieser Zeit war Frankreich auf der Suche nach neuen Vorkommen, da es die Kontrolle über Marokko und Tunesien verloren hatte. Nach der Entdeckung von als interessant erachteten Proben, beschlossen die französischen Behörden ein Bergbauunternehmen zu gründen: die Société minière du Bénin (SMB), aus der 1954 die Compagnie togolaise des mines du Bénin (CTMB) hervorging. 1957 unterzeichnete das Unternehmen ein Abkommen mit dem togoischen Staat, in dem die Bedingungen für die Erschließung der Lagerstätte festgelegt wurden. Togo erhielt nur 20% des Aktienkapitals des Unternehmens. Zur Zeit der Unabhängigkeit forderten die togoischen Behörden eine gerechtere Verteilung der Erlöse aus den Bodenschätzen, was zu Konflikten mit Frankreich führte. 1963 wurde der erste Präsident des unabhängigen Togos Sylvanus Olympio ermordet und Frankreich setzte eine Übergangsregierung ein, bis 1967 Eyadema Gnassingbé mit Hilfe des Militärs die Macht ergriff.  

In den 1960er und 1970er Jahren wurde Togo als "Schweiz Afrikas" bezeichnet und war der führende Investitionsstandort der Region. Bereits 1961 produzierte Togo fast 120.000 t Phosphat pro Jahr von ausgezeichneter Qualität. In den frühen 1980er Jahren wurden Maßnahmen eingeführt um die Rohstoffsektoren (Kaffee, Kakao, Baumwolle) zu liberalisieren, einige der staatlichen Unternehmen zu privatisieren und staatliche Importmonopole abzuschaffen. Zu dieser Zeit wurde auch die erste Freihandelszone errichtet um ausländische Investoren anzuziehen und den Export zu fördern. Die Maßnahmen wurden von den wichtigsten internationalen Institutionen (Weltbank, IWF) begleitet. Zwischen 1984 und 1989 verzeichnete die togoische Wirtschaft eine Wachstumsrate von 3,4 Prozent, und die privaten Investitionen stiegen von 8,2 Prozent des BIP auf fast 17 Prozent.

Die kurze Blüte des reichen Agrarlandes verwirtschaftete Eyadema Gnassingbé jedoch in sinnlosen Prestigeprojekten: einem über 100 Meter hohen Luxushotel "du 2 fevrier", dessen 52 Suiten fast immer leerstehen, einem überdimensionalen Kongreßzentrum, einer bombastischen Parteizentrale - und seinem eigenen Mausoleum in der Heimatstadt Kara. Gleichzeitig litt das Land unter den Folgen sinkender internationaler Rohstoffpreise, der Ölkrise und steigender Zinssätze auf den ausländischen Märkten.

Anfang der 1990er Jahre kam es zu großen sozio-politischen Unruhen im Land, die zwischen November 1992 und Juli 1993 zu einem achtmonatigen Generalstreik führten. Die Auswirkungen für die Wirtschaft waren fatal. Die wichtigsten Geldgeber setzten ihre Auszahlungen an Togo aus und das BIP ging zwischen 1991 und 1993 um etwa 20% zurück. Am stärksten betroffenen waren die industrielle Produktion und der Dienstleistungssektor. Der informelle Sektor wuchs in einem schwindelerregenden Tempo und macht heute immer noch einen großen Teil der wirtschaftlichen Aktivität aus. Auch der Finanzsektor wurde in Mitleidenschaft gezogen, es kam zu massiven Abhebungen öffentlicher Einlagen und einer Verschlechterung der Kundenportfolios.

Die blutige Repression der Bevölkerung führte 1993 schließlich zum Bruch der internationalen Gemeinde mit Diktator Eyadema Gnassingbé. Die wirtschaftliche und bürgerrechtliche Situation wurde katastrophal und die daraus resultierende internationale Isolation hatte weitreichende Folgen, von denen sich die togoische Wirtschaft bis heute nicht erholt hat. Zwischen den Jahren 2000 und 2005 lag das durchschnittliche Wirtschaftswachstum unterhalb des Bevölkerungszuwachses, das Pro-Kopf-Einkommen der Togoer sank zwischen 1997 und 2002 sogar um 17 Prozent. Die unterdrückte Bevölkerung überlebte weitgehend von dem was sie anbaute, während Eyadema Gnassingbé die togoischen Phosphatvorkommen plünderte.   

Wirtschaftspolitik

Nach dem Tod Eyadema Gnassingbés 2005 übernahm sein Sohn Faure Gnassingbé – ebenfalls mit Unterstützung des Militärs – die Macht. Seitdem setzt er auf neoliberale Wirtschaftsreformen und unternimmt große Anstrengungen um internationale Geldgeber für das Land zu gewinnen. Die bürgerrechtliche Situation hat sich deutlich verbessert. Sein wichtigstes Ziel war die suspendierte Zusammenarbeit mit der EU wieder aufzunehmen, was Ende 2007 auch gelang. Neben den Beziehungen zur EU, dem IWF und der Weltbank intensivierte Togo auch die wirtschaftlichen Beziehungen zur VR ChinaJapan und einigen arabischen Staaten sowie zu Israel.

Nach der Umsetzung einer rigorosen Strukturanpassungspolitik ist es dem Land gelungen, die wichtigsten makroökonomischen Gleichgewichte schrittweise wiederherzustellen und die Liberalisierung seiner Wirtschaft fortzusetzen. Die Rolle des Staates in der industriellen Produktion wurde reduziert, Monopole aufgelöst und Preise und Handel liberalisiert.

Der Staat investiert vor allem in die Infrastruktur um die Privatwirtschaft zu fördern, wobei neben der Regierung selbst vor allem ausländische Investoren die Gewinne erzielen. Französische Unternehmen dominieren den Bausektor während inländische Unternehmen hohe Steuern zahlen müssen und kaum in den Aufbau der Infrastruktur miteinbezogen werden. Die in Togo zuletzt wieder stärker aktiven Geberorganisationen knüpfen ihre Zusammenarbeit an die Fortführung der neoliberalen Wirtschaftsreformen. 2018 wurde Togo in die Reihe der afrikanischen Staaten aufgenommen, die von zusätzlichen Geldern der G20-Initiative "Compact with Africa" profitieren können. Die Initiative wurde 2017 unter deutscher G20-Präsidentschaft ins Leben gerufen und fördert privatwirtschaftliche Investitionen in Afrika.   

Wirtschaftspolitische Herausforderung ist die Vergrößerung des fiskalischen Spielraums um weiterhin die Bereiche Energie, Transport und Telekommunikation verbessern zu können. Die hohen Investitionen der letzten Jahre haben jedoch schon positive Wirkung gezeigt, vor allem in der Handel- und Logistikbranche. Strukturelle Schwächen und institutionelle Trägheit verringern jedoch die Effizienz öffentlicher Investitionen. 

In Bezug auf die positive makroökonomische Entwicklung müssen sowohl die Nachhaltigkeit als auch die Inklusivität hinterfragt werden. Erhebliche Teile des jüngsten Wirtschaftswachstums und der Fortschritte bei der Armutsbekämpfung sind auf die Wiederaufnahme und Ausweitung der internationalen Entwicklungszusammenarbeit seit 2007, große Infrastrukturprojekte und eine expansive Ausgabenpolitik zurückzuführen. Seit dem Machtwechsel wächst die togoische Wirtschaft um jährlich 4-5%. 

Wirtschaftssektoren

Baumwollfeld mit Baobab-Bäumen © Thoralf Spiess
Baumwollfeld mit Baobab-Bäumen © Thoralf Spiess
Kaffeepackung © Otto Frick
Kaffeepackung © Otto Frick
Ölpalmkerne © Otto Frick
Ölpalmkerne © Otto Frick
Verbotsschild an einem Nationalpark © Otto Frick
Verbotsschild an einem Nationalpark © Otto Frick

Landwirtschaft und Tierhaltung

Die Landwirtschaft Togos wird durch kleinbäuerliche Betriebe dominiert. Der Anbau geschieht im Familienverband mit fast ausschließlich traditionellen Anbaumethoden, ohne Mineraldünger oder Maschinen, und gewährleistet in der Regel die Eigenversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Die demografische Entwicklung erhöht den Bevölkerungsdruck auf die knappen Landressourcen, dem letztlich nur durch eine Erhöhung der Erträge zu begegnen ist.

Als Cash crops werden Baumwolle, Kaffee, Kakao und Ölfrüchte angebaut. Für den Eigenbedarf werden Jams, Maniok, Mais, Hirse/Sorghum, Reis, Bohnen, Erdnüsse, Zuckerrohr und eine Reihe von weiteren Feldfrüchten, bzw. Obstpflanzen kultiviert. Laut Statistik der FAO sind Jams, Kakao-Bohnen, Mais und Maniok die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte. Togo ist Mitglied in der COPAL – Cocoa Producers' Alliance sowie dem Africa Rice Center.   

Die Regierung hat sich den Ausbau der Landwirtschaft zu einem wichtigen Ziel gemacht. Im wirtschaftlichen Strategiepaper für 2018 - 2022, dem Plan National du Developpement (PND) ist neben dem Ausbau der Logistikbranche die Industrialisierung der Landwirtschaft der Schwerpunkt. Geplant ist der Bau von mehreren industriellen Agrarzentren, das erste sogenannte Agropol soll im nördlichen Kara entstehen. Der PND sieht außerdem vor, besonders junge Menschen und Frauen beim Aufbau von landwirtschaftlichen Unternehmen zu unterstützen. In einem Interview spricht der togoische Landwirtschaftsminister über die neue Agrarpolitik und die geplante Transformation des Sektors. 

Der togoische Unternehmer Edeh Dona ETCHRI hat die digitale Plattform E-Agribusiness entwickelt, auf der sich Käufer und Verkäufer vernetzen können. Informationen zu Marktpreisen, Wettervorhersagen, Produktion und Kontakte, können per SMS verschickt werden und erreichen so auch die abgeschiedenen Regionen. Seit 2019 gibt es diese Dienstleistungen auch über Agriwhatsapp. Um die Daten auch Analphabeten zugänglich zu machen, gibt es zusätzlich eine Telefonhotline auf lokalen Sprachen. Für seine Innovation wurde die entsprechende Handyapp 2016 bereits mit Preisen gekürt. Inzwischen verbindet die Plattform knapp 20 000 Akteure in verschiedenen Ländern. Im Sommer 2019 wurde die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Unternehmen beschlossen, das die Produktivität der Landwirtschaft mit Hilfe von Drohnen steigern will.

Die Regierung will sich unter anderem die weltweit steigende Nachfrage nach Bio-Soja zu Nutze machen. Die Produktion von Lebensmitteln in Bio-Qualität wird zunehmend ausgebaut und vor allem exportiert. Auf den europäischen Märkten sind auch Früchte aus Togo, teilweise in Bio-Qualität oder als Trockenfrüchte zu finden.

Jeden ersten Samstag im Monat wird in Lomé ein 'Bauernmarkt' abgehalten, auf dem auch eine ganze Reihe von Bio-Produkten zu finden sind. Bei der vom Landwirtschaftsministerium 2016 zum ersten Mal abgehaltenen 'la fête du chocolat et du cacao' Choco Togo wurde auch stolz die erste, in Togo produzierte Schokolade in Bio-Qualität präsentiert sowie unlängst auf der Schokoladen-Messe in Brüssel.

Die Tierhaltung ist weniger als Zucht- oder Mastbetrieb ausgerichtet, sondern wird extensiv betrieben. Es handelt sich hierbei um Hühner, Ziegen, Schweine, Schafe und im Norden auch Rinder. Auch in Togo kommt es gelegentlich zu Spannungen zwischen den Tierhaltern und Ackerbauern. Das wohl beliebteste, aber auch teuerste Fleisch stammt vom Grasnager oder Agouti (Aulacode), dessen Domestizierung erst vor wenigen Jahrzehnten begonnen hat.
Der Fischfang erfolgt eher mit traditionellen Methoden, wie das Filmbeispiel zeigt. Insgesamt macht die Fischerei 4,5% vom BIP aus und es muss zusätzlich Fisch und Fleisch importiert werden, um den eigenen Bedarf zu decken. Togo beklagt auch den illegalen industriellen Fischfang vor der Küste und versucht gemeinsam mit den Nachbarländern Strategien zum Schutz vor Wilderei zu entwickeln.

Forstwirtschaft 

Die togoische Forstwirtschaft ist, gesamtwirtschaftlich gesehen, von geringerer Bedeutung. Die wichtigsten Bäume der Aufforstungsprogramme und der Pflanzungen sind Teak- und Eukalyptus-Bäume. Aus den Früchten des Karité-Baumes wird die Karité- oder Shea-Butter gewonnen, die als Speisefett, aber auch in der Bio-Kosmetik Verwendung findet. Auch der Neem-Baum kann vielseitig genutzt werden, so finden die wirkstoffreichen Pflanzenteile Verwendung in der traditionellen Medizin, in der Landwirtschaft als Insektizide und Pestizide und das aus den Samen gewonnenen Öl dient u. a. als Basis für die Seifenherstellung.
In Togo gilt vor allem im ländlichen Bereich das traditionelle Bodennutzungsrecht neben dem von der Kolonialverwaltung eingeführten Katasterwesen, das sich hauptsächlich im städtischen Milieu durchgesetzt hat. Manchen Landnutzern (Pächtern) ist es nicht erlaubt, Bäume zu pflanzen, da sich daraus Besitzansprüche ableiten können. Entsprechend den Traditionen sind Frauen in Nordtogo durch das patrilineare Erbrecht benachteiligt. Eine Studie beschäftigt sich mit Landtransaktionen im Südwesten Togos und schildert die Probleme, die beim zunehmenden Wettbewerb um Böden und Ressourcen entstehen. 

Energie

Aus Lehm geformter Holzkohleherd (Foyer amelioré) einer Garküche in Tsévié © Otto Frick
Aus Lehm geformter Holzkohleherd (Foyer amelioré) einer Garküche in Tsévié © Otto Frick
Verkaufsstand von Gasöfen in Lomé  © Otto Frick
Verkaufsstand von Gasöfen in Lomé © Otto Frick
Geschäft für Solarpanele in Lomé © Eckehard Mewes
Geschäft für Solarpanele in Lomé © Eckehard Mewes

Togo kann nur einen Teil des benötigten Strombedarfs selber produzieren und ist von Stromimporten aus Ghana und der Elfenbeinküste abhängig. Die Regierung hat ehrgeizige Pläne für die Energieversorgung des Landes. Bis 2030 soll eine flächendeckende Stromversorgung in ganz Togo erreicht werden, 50% davon durch erneuerbare Energien. Aktuell werden ca. 80% des Energiebedarfs über Holz bzw. Holzkohle abgedeckt, nur 3% konnten 2018 schon mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden. Vor allem in die Solarenergie soll nun investiert werden.   

Von 2010 bis 2018 ist die Stromversorgung von 23% auf 45% der Bevölkerung angestiegen, wobei nur 8% auf ländliche Gebiete fallen. Um das zu ändern, hat die Regierung 2017 das Projekt CIZO ins Leben gerufen, mit dem bis 2022 weitere 2 Millionen Togoer Zugang zu Strom erhalten sollen. Das Stromnetzwerk soll weiter ausgebaut werden und mit dezentraler Energieversorgung durch Photovoltaik ergänzt werden.

Die Kosten für die geplanten Maßnahmen werden insgesamt auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt, wobei die Hälfte von privaten Investoren übernommen werden soll. Unterstützt wird das Projekt vor allem von der Banque Africaine de Developpement (BAD), der Weltbank und der Europäischen Union. Mehrere internationale Unternehmen der Solarenergie haben sich in Folge dessen bereits in Togo niedergelassen. Die Agence Togolaise d'Electrification Rurale et des Energies Renouvelables (AT2ER) informiert über den aktuellen Stand und Fortschritte. 

Ursprünglich waren es Nichtregierungsorganisationen und private Initiativen, darunter einige von Togoern, die in Deutschland leben, die in Togo Solarenergie einführten. In den letzten Jahren etablierten sich auch togoische Betriebe und Unternehmen, die Solarpanele sowie die entsprechenden solarbetriebenen Geräte und Serviceleistungen anbieten. Togocel, der größte Mobilfunkanbieter, konnte mit einem Hybridstromsystem (bestehend aus Solaranlage, einem Dieselaggregat und einer Notstrombatterie) seine betrieblichen Gesamtaufwendungen bereits um 60 % senken. Ein Pilotprojekt sieht vor, Schulen in ländlichen Regionen mit Solarenergie auszustatten und ein Togoer präsentiert seine Idee eines 'Smartbags', in dem ein Laptop mit Solarenergie wieder aufgeladen werden kann und ein Ingenieur entwickelte einen neuen Treibstoff aus den Rückständen von Maniok, Cashewfrüchten und Zuckerrohr.

Industrie und verarbeitendes Gewerbe

Im internationalen Vergleich war dieser Sektor bislang eher von geringerer Bedeutung. Auf dem ersten Platz bei den Exporterlösen steht die Zementproduktion, die von den Firmen Wacem und HeidelbergCement betrieben wird. Letztere hat im Juli 2017 ein zweites Werk im Norden Togos eröffnet. Zuvor hat der Baustoffkonzern für rund 250 Millionen US-Dollar ein Klinkerwerk in Tabligbo und eine Zementmahlanlage in Dapaong errichtet. Die Bauarbeiten hat die chinesische Firma CDI übernommen. HeidelbergCement ist der größte deutsche private Investor in Togo.

Kalkstein auf dem Förderband bei Heidelberg Zement in Tabligbo © Eckehard Mewes
Kalkstein auf dem Förderband bei Heidelberg Zement in Tabligbo © Eckehard Mewes

Die Phosphatproduktion hat in den 1990er Jahren noch mehr als die Hälfte der Exporterlöse erzielt. 2002 wurde sie teilprivatisiert, Missmanagement und Korruption führten das Unternehmen jedoch in die Krise. Im Mai 2007 wurde die Société Nouvelle des Phosphates du Togo (SNPT) gegründet. Dennoch gelang es nicht, dem Unternehmen zu neuem Aufschwung zu verhelfen, was auch dem Verfall der Weltmarktpreise geschuldet ist. Im Jahr 2014 ist er um 24% gefallen. 2015 erhielt die israelische Firma ELENITO den Zuschlag für die Entwicklung eines Projekts für Phosphatabbau und Düngemittelproduktion. Der Regierung wird vorgeworfen, das Phosphat in den letzten Jahren unter dem Normalpreis verkauft zu haben und sich mit zwei ausländischen Familienclans vor allem selbst daran bereichert zu haben. Im Jahr 2018 sicherte sich die lokale Firma TFC drei zusätzliche Abbaulizenzen für Phosphat in Kara im Norden Togos.

Im Jahr 2006 bekam MM Mining, eine indische Firma mit Sitz auf den Bahamas, die Genehmigung, Eisenerz in Banjeli in Nordtogo abzubauen. So wird nach über 80-jähriger Pause das Eisenerz industriell gefördert. Im etwa 30 km südöstlich von Dapaong gelegenen Nayega ließ sich die australische Keras Resources (früher Ferrex) die Lizenz zu 85% für den Abbau von Manganerzen sichern. Die Firma Pomar, die bei Pagala Marmor abbaut, will in den nächsten zehn Jahren 100 Mio. Euro investieren.
Im April 2016 eröffnete der Präsident in Notsé eine chinesische Fabrik, in der Motorräder montiert werden.

Über die Neustrukturierung von maroden Betrieben und Gesellschaften, wie z. B. der Baumwollgesellschaft SOTOCO, die im Januar 2009 in die Nouvelle Société Cotonnière du Togo (NSCT) überging berichtete, u.a. Jeune Afrique.

Die Lebensmittel verarbeitende und Getränke produzierende Industrie besteht u. a. aus einer Getreidemühle, Speiseölfabrik, Brauerei, einer Fabrik, die Palmwein in Flaschen abfüllt, Zuckerraffinerie, Betrieben zur Verarbeitung von Milchprodukten, Tiefkühlprodukten wie Hühnern, Schalentieren und Fischen, Fleischproduktion und Bio-Trockenfrüchten. Togoische Kakaobauern, die sich in einer Kooperative organisierten, entwickelten eine hitzebeständige Schokolade, die ideal für die tropischen Temperaturen ist, da sie ohne Kühlschrank gelagert werden kann. 
Viele dieser Betriebe ließen sich in der 1989 gegründeten Freihandelszone Société d’Administration des Zones Franches (SAZOF) nieder. Mit rund 4000 Beschäftigten ist die koreanische Fabrik für Kunsthaar, Amina, der größte Arbeitgeber der Freihandelszone. Im Mai 2012 wurde der neue Informationsservice eRegulations Togo für die Freihandelszone gegründet.
Die Arbeitsbedingungen in der industriellen Produktion und im Bausektor sind oft katastrophal, immer wieder kommt es zu Unfällen. Beim Ausbau des Flughafens durch die chinesische Firma Wuitec kam es zu Arbeitsniederlegung und massiven Protesten der togoischen Arbeiter, wie auch schon zuvor bei der indischen Bergbaufirma MM Mining in Bandjeli. Deutsche Unternehmen sind, von einigen Ausnahmen wie Heidelberg Zement oder dem Baustoffhersteller Knauf, bei Investitionen eher zurückhaltend.

Angebote eines Immobilienmaklers in Lomé-Doumassessé © Otto Frick
Angebote eines Immobilienmaklers in Lomé-Doumassessé © Otto Frick

Auf dem Immobilienmarkt gibt es einige ehrgeizige Bauprojekte für zukünftige Luxuswohnungen in exklusiven Stadtvierteln - Wellbeing City, Ville Nouvelle - Lomé/Togo im Norden von Lomé - für die noch um Investoren geworben wird, wie dem Filmclip und den Prospekten zu entnehmen ist.
Aber auch der Staat ist auf dem Immobiliensektor aktiv und will tausend Sozialwohnungen für Staatsangestellte bauen lassen.

 

 

Tourismus

Lehmburg  ('Takienta', auch 'Tata') in der Koutammakou-Region (Pays Tamberma) in Nord-Togo © Otto Frick
Lehmburg ('Takienta', auch 'Tata') in der Koutammakou-Region (Pays Tamberma) in Nord-Togo © Otto Frick
Eintrittskarte zum Wasserfall von Woamé bei Kpalimé © Otto Frick
Eintrittskarte zum Wasserfall von Woamé bei Kpalimé © Otto Frick

Der Tourismus kam in den 15 Jahren der suspendierten internationalen Kooperation fast gänzlich zum Erliegen. Togo hat jedoch touristische Potenziale, die einem gehobeneren Individualtourismus gerecht werden könnten. Die Regierung sucht nach Partnern, auch im Luftverkehr, um den Tourismus wieder anzukurbeln. Eine Studie zeigt auch einige Schwächen des togoischen Tourismus auf. Der Conseil mondial du voyage et du tourisme berichtete, dass in Togo knapp 80.000 Personen im Tourismusbereich beschäftigt sind, rund 8000 direkt und 72 000 indirekt. 2018 verzeichnete Togo 712 000 Touristen, zu denen auch Geschäftsleute zählen und auf Besuch kommende Togoer und Togoerinnen, die sonst im Ausland leben. 48 Milliarden FCFA wurden damit offiziell erwirtschaftet, wobei der Staat nicht alle Einnahmen erfasst. 2015 trug die Toursimus- und Reisebranche bereits 4% zum BIP bei, Tendenz steigend. 2019 war Togo erstmals beim World Travel Market in London vertreten. Durch die Covid-19 Pandemie werden diese Einnahmen fast vollständig einbrechen. 

Das größte Hotel der Hauptstadt, das Hôtel 2 Février, wurde einst von Eyadema Gnassingbé auf Staatskosten gebaut und 2006 der libyschen Holding 'Libyan African Investment Company' übertragen. Im November 2014 wurde es erneut verstaatlicht und nach aufwändigen Renovierungsarbeiten im November 2015 unter dem neuen Siegel Radisson Blu als Fünf-Sterne-Hotel eröffnet. Der Neustart des Hotels erwies sich jedoch wieder einmal als schwierig.

Außenhandel und regionale Integration

Exporte während der französischen Mandatszeit © Sammlung Otto Frick
Exporte während der französischen Mandatszeit © Sammlung Otto Frick

Außenhandel

Seit der Gründung von Popovi/Aného im 17. Jh. und von Lomé 1877 ist die Küste Togos Teil des atlantischen Handels, was die Mentalität des Südens bis heute prägt. Egal ob im informellen Bereich Zigaretten en detail verkauft werden oder ob im großen Stil Waren aus Übersee importiert und in die Nachbarländer exportiert werden: der Handel generell ist einer der wichtigen Sektoren der Wirtschaft. Togo ist seit 1995 Mitglied der WTO. Ohne den Handel hätte es wohl auch keine Togo-Kolonie gegeben.

Der Hafen in Lomé, der in den 1960er Jahren mit deutscher finanzieller Hilfe als moderner Tiefseehafen ausgebaut wurde, ist von großer Bedeutung für Togo als Transitland im Warenverkehr mit Mali, Burkina Faso und Niger. Auch im Handel zwischen den wirtschaftlich bedeutenden Produzenten wie Nigeria, Ghana und der Elfenbeinküste spielt Togo eine wichtige Rolle.  

Der Außenhandel ist für die togoische Wirtschaft von zentraler Bedeutung und gilt als weitestgehend liberalisiert, jedoch mit erheblichen Einschränkungen. Die Handelsfreiheit schnitt laut dem Index of Economic Freedom of the Heritage Foundation jeoch besser ab als Investitions- und Finanzfreiheit. Togo hat vier Freie Exportzonen (FEZ); drei in Lomé und eine in Kara, die von der Firma SAZOF verwaltet werden. Ziel ist den Außenhandel weiter zu fördern und Investoren zu gewinnen, indem Privilegien und Vergünstigungen steuerlicher, finanzieller und administrativer Art gewährt werden. Seit dem 1. August 2015 wird der Außenhandel Togos, der über den Containerhafen abläuft, von einem Computersystem erfasst.  

Der Hafen ist einer der größten Umschlagplätze der Region für Gebrauchtfahrzeuge aus Europa. Durch die immense Erhöhung der Einfuhrsteuer überlegen jedoch einige der Importeure auf die Häfen der Nachbarstaaten auszuweichen. Unter togoischer Flagge fahren weltweit 566 Schiffe, wie die Direction des Affaires maritime meldete.

Auch der informelle Handel mit den Nachbarländern ist weit verbreitet, wie den beiden Artikeln über den Schmuggel an der Grenze Ghana-Togo und an der Grenze Togo-Benin zu entnehmen ist. Besonders der Schmuggel mit Benzin bringt dem togoischen Staat einen jährlichen Verlust in Höhe von 33 Milliarden Francs CFA ein. Togo scheint auch Drehscheibe im internationalen Drogenschmuggel zu sein. Die Regierung beabsichtigt die Seegrenze besser abzusichern, um sich vor Piraterie und Drogenschmuggel zu schützen. 

Die Welthandels- und Entwicklungskonferenz UNCTAD- United Nations Conference on Trade and Development veröffentlichte eine Reihe von Berichten und Dokumenten, darunter auch den World Investment Report 2019 mit einem Datenblatt zu Togo. OEC World bietet eine Übersicht der togoischen Exporte und Importe. Der Gesamtwert der Exporte und Importe rund um den Transithandel belief sich 2018 auf 105% des BIP (Heritage Index of Economic Freedom). Dabei handelte es sich hauptsächlich um Erdölprodukte (aus Nigeria), Baumwolle (aus Burkina Faso) und Gebrauchtwagen (aus Europa). 

Stoffhändlerinnen in Lomé © Jürgen Richter
Stoffhändlerinnen in Lomé © Jürgen Richter

Eines der "Wahrzeichen" von Lomé sind die legendären Nana Benz, die Stoffhändlerinnen mit dem Auto als Statussymbol, die als Grossistinnen die Pagnes genannten Stoffe vorzugsweise in den Niederlanden bestellen und von ihren Lagern in Lomé aus an ein gut funktionierendes Netz von Zwischenhändlerinnen in Togo und in den Nachbarländern weiterhandeln. Die holländische Firma Vlisco, Produzent der teuren und hochwertigen und hochgeschätzten Wax-Stoffe (als Statussymbol in etwa mit unserer früheren "Aussteuer" vergleichbar) bedient heute eine wohlhabende Klientel. Um die Stoffe besser verkaufen zu können, geben ihnen die Händlerinnen Namen, die wie Lebensweisheiten oder Sprichwörter klingen und bestimmte Botschaften enthalten können.
Zum Schutz vor preisgünstigeren asiatischen Nachahmungen und Fälschungen, die zunehmend den Markt überschwemmen, unterzeichnete die Firma Vlisco Anfang Juni 2013 eine Vereinbarung mit der togoischen Zollbehörde. Zwei der erfolgreichen und bekannten Händlerinnen, Dédé Rose Creppy und Maggy Lawson berichten über das unternehmerische Vermächtnis der Nana Benz und wie die neue Generation der Stoffhändlerinnen Geschäfte mit China betreibt, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Regionale Integration

Karte der ECOWAS-Staaten © (ECOWAS Mitgliedsstaaten GNU-FDL)
Karte der ECOWAS-Staaten © (ECOWAS Mitgliedsstaaten GNU-FDL)
Die Geldscheine der Westafrikanischen Francs-Zone © Fotos Otto Frick
Die Geldscheine der Westafrikanischen Francs-Zone © Fotos Otto Frick

Togo ist Gründungsmitglied der CEDEAO - Communauté Économique des États de l'Afrique de l'Ouest, der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (in Englisch ECOWAS), die gerade das 40-jährige Bestehen gefeiert hat, und Mitglied der westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion UEOMA mit der Zentralbank BCEAO. Die gemeinsame Währung, der Franc-CFA - Communauté Financière Africaine, der noch aus der Kolonialzeit (Franc des colonies françaises d'Afrique) stammt, ist im festen Verhältnis (1 € = 655,957 Francs CFA) an den Euro gebunden. Er hat 2015 seine 70-jährige Existenz gefeiert. Diese Abhängigkeit von Frankreich wird auch kritisch gesehen, selbst 'Le Monde' sieht den Francs CFA als Bremse für Afrikas Entwicklung. Das Für und Wider sowie die Zukunft des Franc CFA wird immer wieder diskutiert.

Togo gehört der Bourse Régionale des Valeurs Mobilières (BRVM) an, der Regionalbörse der UEOMA, ist Mitglied der African Development Bank Group und der BOAD, der westafrikanischen Entwicklungsbank mit Sitz in Lomé. Die Ecobank wurde 1985 von den Handelskammern mehrer Länder auf Anregung der CEDEAO/COWAS in Lomé gegründet, wo sie auch ihren Sitz hat. Die Ora-Bank hat sich von Lomé aus im Stillen zu einer wichtigen regionalen Bank entwickelt. Im April 2016 wurde Togo das 40. Mitglied in der 'Banque africaine d'import d'export' Afreximbank und will sich für die afrikanische Integration engagieren, wie Präsident Gnassingbé beim Besuch in Kairo, dem Sitz der Afreximbank, versicherte und organisierte zum ersten Mal die Woche der afrikanischen Integration.

Der Fonds de GARI - Garantie des Investissements Privés en Afrique de l'Ouest mit Sitz in Lomé hat das Ziel, die Privatwirtschaft in den Ländern der CEDEAO finanziell zu unterstützen und zu fördern. Der Fagace - Fonds africain de garantie et de coopération économique ist ein, in der Öffentlichkeit wenig bekanntes, Instrument zur Garantie von Krediten, das von mehreren Ländern initiiert wurde und dem heute 14 west- und zentralafrikanische Länder angehören.

Das Réseau des Systèmes d'Information des Marchés en Afrique de l'Ouest - RESIMAO ist ein Informationsnetzwerk der landwirtschaftlichen Märkte der CEDEAO-Länder mit dem Ziel, zur Lebensmittelsicherheit und zur Armutsminderung beizutragen. 

Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Ghana, Benin und Nigeria sollen durch die 2009 gegründete Zone d'alliance de la co-prospérité - COPAZ intensiviert werden. Mit Benin existiert bereits im Energie-Sektor die gemeinsam betriebene Communauté Electrique du Bénin (CEB). Die Pipeline des West African Gas Pipeline (WAGP) Project wurde 2007 fertiggestellt und versorgt Benin, Togo und Ghana mit nigerianischem Erdgas, jedoch fällt die Bilanz nicht sonderlich positiv aus. Zusammen mit Ghana und Burkina Faso möchte Togo die Grenzformalitäten vereinfachen.

Nationale Entwicklungsstrategien

Im März 2019 präsentierte die Regierung den Plan National de Developpement für 2018-2022 (PND). Der PND ist die Fortsetzung der Stratégie de Croissance accélérée et de Promotion de l’Emploi (SCAPE) – dem wirtschaftlichen Strategiepapier von 2013 bis 2017. Er sieht verschiedene Großprojekte in den Bereichen Handel- und Logistik, Landwirtschaft und industrielle Verarbeitung vor. Die Regierung will auf den Logistikhub durch Tiefsee- und Flughafen aufbauen und Lomé zu einem regionalen Handelszentrum machen. Neben multi-funktionalen Logistikzentren, unter anderem neben dem Hafen, sollen die Überlandstraßen nach Benin und Burkina Faso ausgebaut werden. Um die landwirtschaftliche Industrie auszubauen treibt die Regierung den Bau von sogenannten Agropolen voran. Das sind Industriezonen, in denen sich in erster Linie Unternehmen im Bereich der Nahrungsmittelverarbeitung ansiedeln sollen.

Von staatlicher Seite wird aufgrund der hohen Staatsverschuldung derzeit wenig investiert, das Geld kommt überwiegend von Geberorganisationen wie der Weltbank, der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), der EU oder auch einzelnen Staaten wie China und Frankreich.

Die Gesamtkosten für den PND belaufen sich auf 4622 Milliarden F CFA, etwas mehr als 7 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon soll durch private Investoren abgedeckt werden, ein Drittel vom togoischen Staat, in sogenannten Privat-Public-Partnerships (PPP). 

Mit dem PND soll bis 2022 ein Wirtschaftswachstum von 7,6% erreicht werden – im Vergleich zu 4,9% 2018. Das Programm soll mindestens 500 000 direkte Arbeitsplätze schaffen und den Anteil der in Armut lebenden Bevölkerung auf 44,6% reduzieren.

Die Regierung erarbeitete zusammen mit den Vereinten Nationen Rahmenbedingungen für die Beschleunigung der Millenniumsziele. Eine Tabelle zeigt, welche Ziele Togo bislang verfolgt oder erreicht hat. Präsident Faure Gnassingbé nahm am Gipfeltreffen der Vereinten Nationen teil, bei dem die neue Agenda 2030 mit den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung präsentiert wurde, die seit dem 1. Januar 2016 in Togo implementiert werden. Anfang 2017 nahm Premierminister Selom Klassou am UNO-Nachhaltigkeitsforum in New York teil und präsentierte Togos Strategie zum wirtschaftlichen Aufschwung und zur Armutsbekämpfung. Die Prioritäten der Regierung liegen bei der Verbesserung der Energie- und Trinkwasserversorgung und dem Aufbau eines Abwassersystems in Lomé.  In dem dazugehörigen Bericht von 2018 erläutert die Regierung, wie sie die Objectifs de Dévéloppement Durable ODD (Sustainable Development Goals) erreichen will. Dort ist auch der PND detalliert beschrieben.

Auf der Website des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen finden Sie Nachrichten und weiterführende Links zu den wirtschaftsrelevanten Institutionen des Landes.

Internationale Zusammenarbeit

Togoisch-chinesisches Landwirtschaftszentrum in Lomé © Eckehard Mewes
Togoisch-chinesisches Landwirtschaftszentrum in Lomé © Eckehard Mewes

Wegen den schweren Menschenrechtsverletzungen des Eyadema-Regimes war die internationale Entwicklungszusammenarbeit mit Togo fast 20 Jahre ausgesetzt. Seit 2005 regiert Eyademas Sohn Faure Gnassingbé das Land. Sein wichtigstes Ziel nach der Machtübernahme war es, für Togos Entwicklung wieder internationale Unterstützung zu erhalten. 2007 nahm die Europäische Union im Rahmen des 10. Europäischen Entwicklungsfonds die Zusammenarbeit mit Togo wieder auf. Im 11. Europäischen Entwicklungsfonds für den Zeitraum 2014-2020 gehört Togo ebenfalls zu den Empfängerländern. Frankreich und Deutschland koordinieren die europäische Zusammenarbeit mit Togo. Die Agence Francaise de Developpement (AFD) war als einer von wenigen Akteuren auch zwischen 1990 und 2005 in Togo aktiv, als die internationale Gemeinde sich größtenteils von der Militärdiktatur abwandte. In den letzten 10 Jahren hat Frankreich für 300 Millionen Euro Projekte umgesetzt.    

Deutschland hat die staatliche Entwicklungszusammenarbeit 2012 wieder aufgenommen. Infolgedessen ist die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Durchführungsorganisation der technischen Zusammenarbeit seit Anfang 2013 wieder mit einem eigenen Landesbüro in Togo vertreten. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als Durchführungsorganisation der finanziellen Zusammenarbeit eröffnete 2016 ihr Büro in Lomé. Seit der Wiederaufnahme der Zusammenarbeit sind insgesamt 193,2 Millionen Euro von Deutschland nach Togo geflossen, umgerechnet etwa 126,7 Milliarden FCFA. Die vereinbarten Schwerpunkte mit der togoischen Regierung sind:

  • Dezentralisierung und gute Regierungsführung
  • Berufliche Bildung und Jugendbeschäftigung
  • Ländliche Entwicklung und Landwirtschaft 

2016 hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller angekündigt, die Zusammenarbeit mit Togo zu vertiefen, wobei es vor allem um Wirtschaftsförderung geht. Mit dem "Marshallplan with Africa“ setzt die deutsche Regierung schwerpunktmäßig darauf, private Investitionen von Unternehmen zu fördern. Unter der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 wurde die Initiative "Compact with Africa" ins Leben gerufen. 12 afrikanische Länder, darunter auch Togo, sollen durch das Programm zusätzlich beim Aufbau der Privatwirtschaft gefördert werden, wobei es vor allem darum geht, dass deutsche Unternehmen in den Ländern Fuß fassen. Die afrikanischen Länder konnten sich mit wirtschaftlichen Reformen für das Programm bewerben. Togo ist eines der reformeifrigen Ländern und richtet seinen Markt stark nach privaten Investoren und ausländichen Konzernen aus. 

Neben dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) engagieren sich noch weitere deutsche Fachministerien in Togo. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung unterhält ein umfangreiches Forschungszentrum in Togo zu Klimawandel und Landnutzung (WASCAL). Das Bundesumweltministerium finanziert ein Programm für den Naturschutz am Mono-Fluss in Benin und Togo. Das Auswärtige Amt finanziert Programme zur Nothilfe und zur Förderung der Menschenrechte.

Auch die Weltbank re-engagierte sich 2008 in Togo, nachdem Forderungen an die International Development Association (IDA) geklärt wurden.Für den Zeitraum 2017-2020 wurde ein Country Partnership Framework (CPF) entwickelt, das Togo zu integrativem und nachhaltigem Wachstum verhelfen soll. Dafür soll der Privatsektor weiter gefördert werden und die Wirksamkeit von öffentlichen Investitionen und Dienstleistungen verbessert werden. Die Strategie konzentriert sich auf die Stärkung der Regierungsführung, der Institutionen und der Rechenschaftspflicht in drei Bereichen:

  •     Leistung des Privatsektors und Schaffung von Arbeitsplätzen
  •     integrativer Ausbau öffentlicher Dienstleistungen
  •     ökologische Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit


Die CPF integriert die thematischen Prioritäten der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA), dem Fond der Weltbankgruppe für die ärmsten Länder: wirtschaftliche Transformation und Schaffung von Arbeitsplätzen, verbesserte Regierungsführung, Gleichstellung der Geschlechter und Eindämmung des Klimawandels. Das Engagament der Weltbank in Togo umfasst 10 nationale Projekte und fünf regionale Programme mit einem Gesamtengagement von 385,5 Millionen Dollar.

Die Strategie der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) in Togo konzentriert sich auf Projekte in den Bereichen Agrarwirtschaft, Infrastruktur und Produktion und umfasst 330 Millionen US-Dollar. Angestrebt werden Partnerschaften mit lokalen Banken, um die Projekte in Landeswährung zu finanzieren. Der IFC entwickelt Produkte für den Mikrofinanzsektor für kleine und mittlere Unternehmen und strebt eine Verbesserung des Investitionsklimas an. Dafür leistet er technische Hilfe zur Unterstützung von Reformen, die private Investitionen erleichtern sollen. Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit hat Togo sich im Doing Business Report der Weltbank von Rang 150 im Jahr 2016 auf Platz 97 im Jahr 2020 verbessert.
Die Gründung eines Unternehmens wurde durch eine zentrale Anlaufstelle und die Abschaffung der Betreiberkarte erleichtert. Togo hat außerdem einige öffentliche Organisationen privatisiert, darunter eine Versicherungsgesellschaft, zwei Banken, Hotels sowie Stromversorgungs- und Containerumschlagsunternehmen.

Bedingung für die internationale Unterstützung sind makroökonomische Strukturanpassungsprogramme um den Staatshaushalt und öffentliche Verschuldung zu regulieren. Regierungen werden zu entsprechenden Sparmaßnahmen gezwungen, meistens in den bereits stark unterfinanzierten Bereichen Gesundheit und Bildung gezwungen. Die sozialen Folgen sind weitreichend und einer der Gründe für die Kritik der Politik der internationalen Finanzorganisationen (IWF und Weltbank) gegenüber Länder des Globalen Südens.

Das Portal der Vereinten Nationen und der Unterorganisationen, die in Togo vertreten sind, informiert über die Projekte und bietet Berichte als Downloads an. Die Organisation der Vereinten Nationen für die industrielle Entwicklung - ONUDI verabschiedete ein neues Rahmenabkommen mit Togo. Im 11. Europäischen Entwicklungsfonds gehört auch Togo zu den Empfängerländern. Die 'Délégation de la Commission Européenne auprès de la République Togolaise' bietet auf ihrer Homepage Nachrichten und Berichte, auch als PDF-Dateien.

Weitere wichtige Partner Togos im Bereich der EZ sind Frankreich, China, Japan, einige arabische Staaten, wie z.B. Kuwait und Ägypten, aber auch Israel, wo der Präsident sich bereits mehrmals zu einen Staatsbesuch aufhielt. Die VR China gewährte beim Besuch von Präsident Faure Gnassingbé Kredite für den Ausbau des Flughafens und für den Bau des Staudamms von Adjaralla sowie einen teilweisen Schuldenerlass und betonte somit die Süd-Süd Kooperation zwischen China und Togo. Auch im Luftverkehr wurde zwischen China und Togo eine Kooperation vereinbart. Japan will 15 Milliarden Francs CFA für einen neuen Fischereihafen ausgeben.

Der Geldtransfer von Togoern aus dem Ausland lag 2017 bei mehr als 423 Millionen US-Dollar und machte rund 9% des BIP aus. Einer Regierungsmeldung zufolge leben zwei Millionen Togerinnen und Togoer außerhalb Togos.

Der Freiwilligendienst Weltwärts entsendet über verschiedene Organisationen junge Freiwillige auch zu Projekten in Togo. Im Internet finden sich eine ganze Reihe von Blogs mit subjektiven Berichten zum Einsatz in Togo.

Das Goethe-Institut, das im April 2005 durch einen Brandanschlag stark beschädigt wurde, konnte nach Schadensersatzleistung durch die togoische Regierung seit September 2006 seine Arbeit wieder uneingeschränkt aufnehmen. Neben dem Deutschunterricht und dem Kulturprogramm betreut es die togoischen Deutschlehrer und drei deutsche PASCH-Partnerschulen. Der DAAD fördert finanziell eine Germanistik-Lektorin aus Deutschland, die in der Deutschabteilung der Université de Lomé lehrt und die Studien- und Stipendienberatung für togoische Studenten und Wissenschaftler aller Fakultäten durchführt, die in Deutschland studieren oder forschen möchten.

Das Länderinformationsportal

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Im Länderinformationsportal (LIPortal) geben ausgewiesene Landesexpertinnen und Landesexperten eine Einführung in eines von ca. 80 verschiedenen Ländern. Das LIPortal wird kontinuierlich betreut und gibt Orientierung zu Länderinformationen im WorldWideWeb. mehr

Letzte Aktualisierung

Diese Länderseite wurde zum letzten Mal im Juni 2020 aktualisiert.

Die Autorin

Maike Wilhelm

lebt und arbeitet seit fünf Jahren regelmäßig in Togo und studiert Politikwissenschaft und Volkswirtschaft. Sie ist als Landestrainerin in der Ausreisevorbereitung von Fach- und Führungskräften bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) tätig.

Trainingsangebote der Akademie

Die Akademie der GIZ gestaltet Lernangebote für die internationale Zusammenarbeit. Wir führen mehr als 2000 Fort- und Weiterbildungen durch und entwickeln innovative, wirksame und nachhaltige Lernkonzepte. Und das weltweit.

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(Akademie für Internationale Zusammenarbeit)

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